Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands I^lr. 263— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/Montag, 25. 26. Nov. 1934 Chefredakteur: M.Braun französisch- tussisches IJUiUdcabkoHtmen Seite 2 Qäcing. ptüfl Richtet(%i£d} Seite 4 ßakunietite zum JCiechenkaMpf. Sie sind och. Rillet gekauft /" Seite 7 Seite 8 In Deutschland verboten! Verlegene Erklärungen zu der Doppelzüngigkeit des„rührers" Man darf im Saargebict de,,«Führer" der Nazis und der gleichgeschalteten Deutschen nicht beschimpfen. Das ist "ach wirklich nicht nötig. Es genügt, diesen Menschen in seinen eigenen Worten und Daten spreche» zu lassen. Wie hat er länger als ein Jahrzehnt in Bierkcllern und im Zirkuns Krone gcgc,, die Franzosen nnd jede Vcr- stäudigung m!t ihnen getobt. Mit allen seinen Gesinnung»- sreunden hat er Beifall geschrien, als die Eisner, Erz- bergcr, Rathcnan wegen ihrer„landcsverräterischen" Bcr- ständignngspolitik von Leuten seines Geistes niedergeknallt wurden. Sein Ruch„Mein Kamps" wurde ein einziger wilder Haßgesang gegen das bastardisierte, verncgcrte, korrupte Frankreich, das zu vernichten er als sein politisches voch- ziel pries. Aus solcher kriegerischer Hetzarbeit stieg er empor. Diese politische Haßliteratur machte ihn vom Bettlcrzum M i l l i o u ä r. Als Dr. S t r c s c m a n„ au» Locarno zurückkehrte, schrieb der„Völkische Beobachter", hcransgegebe» vo„ Adoli Hitler, man solle Stresemann, de» Außenminister„tot- schlagen»vir einen Hnn d". Die Drohung zu verwirkliche», war nicht nötig, Strcse- mann, ebenso wie Ebcrt, wurden zu Dodc gehetzt durch elende Verleumdungen. Daß sie von de» Franzosen gekauft seien, gehörte zum tägliche» Repertoire der nationalsozia- listischen Versammlungsrcdcn. Noch die Witwe Strcfemanns mußte dagegen die Gerichte i» Anspruch nehmen. Der Führer einer so rohe,, Vewegung konnte in Deutsch- land Reichskanzler werden. Die Reichswehr benutzte ihn, nm endlich die riesenhaften Rüstungen durchführen zu kön- nen, die sie von den republikanische» Außenpolitikern ver- nünstigcr llebcrlegung und wcitschauender europäischer Ticht nicht erlangen tonnte. Auch im schnellste» Tempo braucht die Ausrüstung ihre Zeit. Die Spanne bis zun Rttstnngsziel füllt Hitler durch Friedensrcde,, ans. Er beklagt sich, daß die Welt, die den Lärm der deutschen Rüstungsindustrie in den Lyhren hat, seine Friedcnspredigtcn, seine späten Licbesschwüre a„ das ritterliche nnd edle Frankreich nicht ganz ernst nimmt. Die Welt erinnert sich nebenher auch noch, daß Hitler seinen Borgänger von Schleicher und dessen Freund General von Bredow erschießen ließ, nur weil sie sich mit Franzosen unterhielten. Daß sie gemeinsam mit Frankreich„Landes- verrat" getrieben hätten, behauptete der Reichskanzler Hitler im Deutschen Reichstag mit derselbe,, Unbekümmert- hcit, mit der einst der Zirkusschreicr Hitler Strcsemanns Totschlag gefordert hat. Daß der Reichskanzler Hitler dann seine Behauptungen gegenüber der sranzösischc» Regierung in aller Form zurücknehmen mußte, hat das deutsche Volk nie erfahren. Mit der Rüstungsindustrie wuchs Hitlers Friedens- offensive. Ein französischer Parlamentarier nnd ein Pariser Stadtrat konnten der Lockung nicht widerstehen, einer E'»- ladung des„Führers" in die Reichskanzlei zu folgen. Wie ,na„ diese französischen Hitlcrgängcr in Frankreich ein- schätzt, ist an anderer Stelle dieses Blattes zu lesen. In Deutschland jedenfalls waren die Friedensbeteuerungen Hitlers a» Frankreich nirgends zu lesen. Der„Führer" wurde unter Zensur gestellt, wenn wir nicht annehmen sollen, daß er selber nicht wagte, Aeußerungc,, zu vcr- öffentlichen, die in Deutschland niemand ernst genommen hätte. T^er„Führer" und Reichskanzler läßt zitz daß seine Er- klärunge« a» die beide,, französische» Halbsaschiste» in Frankreich und der ganzen Welt veröffentlicht werden. Die deutsche Presse aber crhällt Schweigegebot, und als der Widerhall ans dem Auslande auch nach Deutschland dringt, was läßt dann der große„Führer" erklären? Er habe sich mit de» Franzosen nur zwanglos unterhalten.„Eine Ver- öffentlich,,ng über den Inhalt dieser Unterredung war nicht iii^ Aussicht genommen." So ci>, Gefasel! Als ob der „Führer" eines großen Reich» seine Zeit mit zivei ihm un- bekannte» Franzosen am Kasseetisch verplauderte, nur da- mit sie daheim im engsten Familienkreise von der gcmiit- lichcn Stunde mit dem deutschen Staatsoberhaupt erzählen sollen. Noch schöner ist die Entschuldigung des„Berliner Tage- blattes", die der französischen Presse auf deren mißtrauisches Fragen, warum denn die Deutsche,, die Franzosenfreund- schaft ihres„Führers" nicht erfahren dürsten, erwidert, aber Hitler habe doch nur wiederholt, was er seit dem Mai l!>zz so oft über seinen Berständiguugswillen gesagt habe. Dan» ist aber doch für einen Mensche», dessen Logik nach nicht gleichgeschaltet ist, um so weniger zu begreisen, warum man der deutsche» Presse verboten hat, die goldene» Worte Adolf Hitlers z» erfahren. Man ist doch sonst nicht so gegen Wiederholungen, den,, schließlich hat sich allmählich herum- gesprochen, daß der Hauptinhalt von Hitlerrede« ewige Repctitioncn sind. Das Ergebnis der neuesten außenpolitischen Aktiv,, des sonderbaren„Führers" ist also neue Riesenblamage, deren Folgen leider nicht nur er Persönlich, sonder» wieder das deutsche Volk zu tragen hat. Ein Mann, in dessen Name» Pazifisten eingesperrt und gefoltert werde« nur wegen ihrer Gesinnung, gilt als total unglaubwürdig, wenn er Friedender llärnugen abgibt. Seine neueste Leistung des Verbots seiner eigene» Frie- densbetcucrungen in Deutschland, das erfüllt ist von Kriegs- gcrüchtc,, und Uriegsvorbcreitungen, läßt aber ihn erst recht aller Welt als doppelzüngig und als den Frieden be- drohenden politischen Intriganten erscheinen. Gerechterweise muß allerdings hinzugesetzt werden: die Gefährlichkeit von Intriganten bemißt sich nach dem Grade ihrer Intelligenz. Land der Korruption und der Gerfidite Neue Verzwelil,inesrede Ooeödett— Was sein in der Reldiswehr vor? Signole Am Samstag in den frühen Morgenstunden erschien die Stimme des Stuttgarter Ansagers besonders müde. Sie hatte freilich auch keinen Anlaß z» beschwingteren Reden. Denn als Bortragsmateriai lag eine Rede von Goebbels vor, gehalten vor den in Berlin versammelten Gauleitern, die bcr grauen Novemberstimmung der nationalsozialistischen Herr- schalt auis genaueste entsprach. Goebbels wandte sich gegen die Unzufriedenen und Eivig-Gestrigcn. die immer noch nicht die Größe der Leistungen dc^„dritten Reiches" anerkennen wollten. Die Reichsrcgicrung müsse de» Mut zu unpopulären Maßnahmen haben— um Deutschlands Zukunft willen. Da- bei wälzte der Herr Minister alle Schuld und Verantwortung aus Hitlers Vorgänger in der Reichsführung. Sie hätten in verbrecherischer und unmoralischer Weise Millionenkreditc aufgenommen, die das ganze Volk belasten. Goebbels scheitle sich nicht, hinzuzufügen, daß die Regierung des„dritten Reiches" bereits Milliarden zu rück bezahlt babe! Der Bankrotterklärung des Gauklers Schacht fügte Goebbels den rhetorischen Hohn bei., Der Eindruck, daß es allenthalben in! Gebälk kracht,»er- stärkt sich zusehends. Der„Führer" selbst hielt es für nötig. die Gauleiter in stundenlanger Ansprache i» die Geheimnisse seiner Politik einzuweihen. Sic war für die Murrenden be- stimmt, vor allem für diejenigen, die noch nicht aufgehört haben, aus de» fest versprochenen Sozialismus zu warten. Selbstverständlich war es, wie die Presse berichtet, ein„ein- drucksvolles Erlebnis" für die Hörer. Es war das Erlebnis einer wachsenden Führerlosigkeit. Die uatio- ualsvzialistischen Funktionäre kenne., sich nicht mehr aus. Jeder Obre ptl'gt gewöhnlich in kürzester Frist eine Gegen- ordre zu folgen. Die Apparatur der Macht, die äußerlich nach wie vor fest gefügt erscheint, ist innerlich angefressen. Keiner traut dem andern, keiner ist sicher vor dem andern. Liest man die Notizen über offiziell zugegebene Unterschlagungen brauner Amtswalter, dann begreift man diese innere Un- sicherheit. Hitlcrdcutschland ist ein K o r r u p t i o n s st a a t geworden, für den mau höchstens gewisse balkanische Zu- stände im lll. Jahrhundert veraleichsiveise heranziehen kann. Die formale Disziplin, dieses äußere Strammstehen, teils freigewählt, teils zwangsweise, ist der uniformierte Deck- mantcl einer wilden Acmtcr- und Gclderjagd Fortsetzung siehe Seite 2 Unschuldig hingerichtet! Der Justizmord in Frankfurt a. Main Ein früher in Frankfurt a. Main führender National- sozialist schreibt uns: Vor einige» Tagen habe ich eine Nokiz über den Frank« furter Justizmord an R c i t i u g e r gelesen, der angeblich de« SA.-Mann Hans Handwerk erschossen haben soll und von dem Frankfurter Gericht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden ist. Ich versichere hiermit an Eides Statt und bin bereit, vor jedem unabhängigen Gericht unter Eid was folgt auszu- sagen: Reitinger ist vollkommen unschuldig. Er ist kurz nach der Machtergreifung unter dem Verdacht, Hans Handwerk er- schösse» zu haben, von der SA. verhastet worden nnd wurde in den Keller,, der früheren„Volksstimmc" in Frankfurt Nacht um Nacht grauenhast verprügelt. Der Sturuckührer Baue r, der spätere Adjutant des Sturmbannführers Roth, ließ Nacht um Nacht an dem schmächtigen jungen Menschen die gräßlichsten Mißhandlungen vornehmen, bis der völlig zusammengebrochene junge Mensch ein Schriftstück unterschrieb, daß er aus Hanö Handwerk geschossen habe. Diese Angaben machte mir der Sturmsührcr Bauer in der Geschäftsstelle des Lehr- bataillons 8 0/81, die ich im AIärz bis Juni t»3!i führte, persönlich. Bauer brü stete sich offen mit dieser traurigen Heldentat. Rcitinger wurde nach diesem erzwungene» Geständnis in das Frankfurter Untersuchungsgefängnis eingeliefert und gegen ihn das Strafverfahren eröffnet. Ich selber hatte nach der Banerschc» Mitteilung an dem Fall Reitingcr Jntcr- esse und fragte eines Tages den Gcsaugenenausseher H o ck vom Untersuchungsgefängnis Hammelsgasse, der im Lehr- stürm(700 Mann starkj mir unterstand, was der Hans-Hand- werk-Mörder mache. Er gab mir an, daß er dem schwäch- lichcn, fast schüchternen Menschen die Mordtat nie und nim- wer zutraue. Er glaube bestimmt, daß da ein Irrtum vor» liege. Daraufhin nahm ich mit dem Landgerichtsrat Joseph Hering, der ebenfalls als SA.-Mann mir unterstellt war nnd mit dem ich privatim etwas befreundet war, Rück» spräche"ber den Fall Rcitinger. Der Landgerichtsrat Hering erklärte mir, daß er wohl zum Richter über Reitingcr be» stimmt würde und sich deshalb den Reitinger einmal i„ sei- ncr Dunkelzelle angesehen habe. Er selbst glaube aus Grund seiner besondere» Mcuschenkenntuis, daß Reitingcr voll- kommen unschuldig lei und er werde seine Stimme gegen de» Schuldspruch abgeben, wenn er nur die geringsten Zwei- sel an der Schul Rcitingcrs habe. Ich ging mit dem Land- gcrichtsrat noch in dessen Wohnung Festrabe 5 und dann z» seiner Braut, wobei er mir wiederholt die Zusicherung gab, den Unschuldigen zu retten. Ich beorderte ihn einige Tage später zu dem Staudartcnsührer W c h n c r von der Stan- darte ßl, Mozartplatz, und der Landgcrichtsrat Hering ließ sich auch dort melden. Wehuer ging aus den Fall nicht ein, obwohl ich ihn dazu eine Viertelstunde zuvor ausgesorbert hatte. Auch den Sturmsührcr Bauer forderte ich persönlich aus, eine ehrcnwörtlichc Erklärung über das Zustande- kommen des Geständnisses abzugeben, aber der erklärte mir, er wisse nicht mehr, was da in der„Volksstimmc" vorge» fallen sei. Ich wandte mich daraufhin an die Ehefrau B»er mit der Bitte, ihren Man» zn veranlassen, eine,, Unschul, digen zu retten. Ich habe keinen Weg gescheut, jedoch alles war umsonst. Die Gerichtsverhandlung fand statt. Man trug den armen Junge» ln den Gerichtssaal, und als einziges Beweismittel hielt ihm der Staatsanwalt fein eigenes Geständnis vor. Sonst keine» Schatten von Beweis. Reitinger erklärte mit würgender Stimme, er sei so furchtbar geschlagen und ge- soltcrt worden, daß er überhaupt n'cht mehr gewußt habe, was er da unterschrieb. Man habe ihm nur gesagt, wcuu er das unterschreiben würde, dann sei alles gut. Diese Angabe Reitingers löste einen Entrüstungssturm bei dem Richter, der die Verhandlung führte, aus. Es wurde» der Sturmsührcr Bauer, der Standartenführer W e h n e r und der damalige Brigadesührer, jetzige Polizeipräsident B e ck e r l e vor das Gericht geladen und dieselben schwuren, daß Rcitinger nicht geschlagen worden wäre, leistete» also einen glatten Meineid. Rcitinger wurde zum Tode verurteilt, sein Gnadengesuch wurde abgelehnt, obwohl er noch keine? l Jahre alt war. Er wurde hin- gerichtet. Bei persönlichen Differenzen im frühere,, Sturm Bauers kamen eine Anzahl Unterschriften unter ein Schriftstück, daß Bauer, Bcckerle und Wehncr einen Meineid geleistet hätten und etwa 10 SA-Männer und Führer versicherten in dem Schriftstück an Eides Start, daß Bauer und Wehner und Bcckerle von den Mißhandlungen Reitingers Kenntnis hatten. Diese ungeheuer Auslehen errege«» den Tatsachen wurden der Lbcrsten SA.-Führung einge, reicht. Röhn, selber verlangte Stellungnahme der SA.» Führung in Frankfurt. Die Sache wurde endlos verschleppt, Land der Korruption und der Gerüchte itnb am 80. Juni 1984 ist auch dieses belastende Material von Göring, dem Vorgesetzten Bcckerlcs, beschlagnahmt und wahrscheinlich vernichtet worden. Ich erkläre, wortgetreu dieses alles jederzeit unter Eid zu nehmen und stelle mich jedem internationalen Unter- suchungsgericht zur Verfügung. Meine seste Ueherzeugung ist seit l988, dast Reitinger vollkommen unschuldig war, dast man das auch in der SA. und bei den Behörden ein- wandsrei erkannt hatte, aber aus Prestigegründen bewußt den Unjchnldigcn hinrichtete, damit die Frankfurter Bevölkerung eingeschüchtert wurde. Im Boltsmnnd heißt die ehemalige Langestraße in Frank- surt, die von den Nationalsozialisten in Hans-Handwcrk- Straße umgetauft ivorden war: R e i t i n g e r st r a f» c. Müllers Ende? Die bisher schwerste Schlappe Berlin, 24. November. ©cht es zu Ende mit der Mttllerschen Reichskjrchc? Man niiigte es fast annehmen, wenn es im protestantischen Kirchen- tainpi nicht immer n c n e ll c b e r r a s ch u n g e n gäbe. Ter ^Reichsbvle" sNr. 70, 28. 11.) teilt mir, daß der von der Rcichskirchenregterung zu einem Gutachten über die kirchliche Rechtslage aufgeforderte führende nationalsozialistische Jurist Prof. N oak aus Halle der stieichskirchenregierung niitgeteilt hat, er beurteile die kirchliche Rechtslage ebenso wie der Reichsgerichtsral Flohr von der Bckenntniskirche. dieser.Zusammenhänge hat Neichsbischoi MiilUi z iv e i Beiordnungen erlassen, von denen die erste die A l t p r e n ß i s ch e U n i o n wieder herstellt und damit eine Ausgliedcrung der Union ans der Reichskirche vollzieht, und die 2. die Uebertraguug der Befugnisse des ^andesbischois der Union auf den Reichsbischof ivicder rück- gängig macht. Unter dem Eindruck dieser Entwicklung ist. so berichtet United Preß, auch die Konferenz der evangelischen Landes- bischöie. die sich mit der Bildung eines geistlichen Ministe- riums besaßen sollte, abgesagt ivorde». Tic Absage ist. ivic von zuständiger Seite erklärt wird...aus Inriititchen Gtnn- eriolat. Tb nach dieser Entwicklung der Tinge Rei, rffmof Müller»och imm-r a» f dem Standpunkt steht, daß- r nicht zurücktreten d ü r»e, ist abzuwarten,'.l i- bestreitbar ist. daß er eine neue Niederlage erlitten hat, gie größer ist als iede andere-S*'»»»?, die ihm bisher i» seiner Karriere als Nrichsbischof widerfahren ist. 7ÜSIIM wadisl de Lumuenlisfe Tif Kieler Ttraskaminer verurteilte den 40jährige» B. Kuhlmann aus Berlin wegen Unterschlagung einkassierter Gelder der Deutschen Arbeitsfront zu einem Jahr Zuchthaus und ZOO Mark Geldstrafe. Ter Angeklagte hatte sich im Laufe seiner Tätigkeit rund 4ll0 Mark der einkassierten Gelder an- geeignet und für seine Zwecke verbraucht. Tic TeuI sch e Arbei t S f r o n t teilt mit:„Ter Block- walter der TAF. Christian Freiling, Marburg, Afüllcr- straße 8, wurde von der Ttaatsanwaltschaft i n H a f t g e- n o m m c n, weil er B e i t r a g S g c l d e r unter- schlagen hat. So geht die Leitung der TAF. mit aller Schärfe gegen jeden Amtswalter vor, der die ihm anvertrau- ten©elfter für sich verwendet, denn keinesfalls sollen die Zu- stunde, wie sie vo der Machtergreifung bei den Gewerkschaften herrschten, auch im Staate Adolf Hitlers Platz greifen." TaS sind die Leute, die auszogen, um die„marxistische Korruption" zu Zernichten, die sie bisher»och nicht in einem einzigen Falle nachweisen konnten. Allgemeine Wehrpflidil Eine Diskussion in England In einer unter dem Borsitz des Cheis des Reichsgeneral- srabs abgehaltenen Bersammlung machte, wie„Tailn Herald" mitteilt, der Oberstleutnant Stromhenzee den Bor- schlag, etiva dreißig Admirale und Generale sollte» einen Ausruf erlassen, der die Ausbildung der jungen Männer von 18 bis 2"i Jahren in achtmonatiger Dienstzeit fordere. Neben dcni Unterhalt sollten sie eine TageSlöhnnng von einem Shilling(8,75 Frankeni erhalten. Paris, 24. November. n? ...cbcit. Fritsch soll darin Bedenken gegen die Eingliederung gewisser S.l.-Formatl0nen äußern, die vo» einflußreichen Stellen leiordert ivird. Fritsch soll vor allem militärische Be- denken dagegen haben. Er will keine allzu enge Annähern.g ser Parteitruppen an die Reichswehr, vielleicht, weil er n die andern Bolkskreise denkt, die sich nur widerwillig unter 'der nationalsozialistischen Flagge zu sammeln gewillt sin Auch im Schöße der Reichswehr gibt es jedenfalls heftige Cliguenkämpfe. ES wird behauptet, daß der Clief des MinisteramtS, der absolut hitlertreue General von Reichenau an der Spitze der gegen General ran Fritsch gerichteten einflußreiche» Gruppe'che, und mau spricht davon, daß es ihr in absehbarer Zeit gelingen würde, Fritsch zu nürzcn. Gewitterschwüle über Teutschland! Während sich sein? Herrenschtcyt um die'..lacht unterhalb des„Führers" streitet, der selbst längst kein Führender, sondern ei» Schwankender und Getriebener ist. wachsen die wirtschaftlichen Schwierig- ketten ins nngemeneue. nie Debatten in der Hammer Paris, 24. November. Tie französische Kammer hat. am Freitag das Budget des Kricgsministerinms in erster Leimig angenommen. Es wurde eine Summe von 800 Millionen Franken für Materialbesch»- jung der Armee bewilligt, deren Rüstungsmateria! modcr siert und weiter motorisiert werden soll. Tie Debatten, die anläßlich der Beratungen ül er den Heereshanshalt geführt wurden, waren von größtem pol» tische»! Interesse. Besonderes Aufsehen erregte die stiebe d?s radikalsozialistischen Abgeordneten 21 r ch i in bcau d, der Be- richterstattcr für den Heeresetal ist. Ter Abgeird,"..c er- klärte in seinem Bericht, daß die Hitlerregierung den Friedensvertrag nicht einhalte. Wiederholt konnten Feststellungen gemacht werden, daß Hitlerdeutschland die inili- tä'riiche» Klauseln des Bersaillcr Vertrages verletze und zu- letzt noch war es R ußla n d. dar die französische Regierung aus die Gefahr der deutschen Rüstungen aufmerksam gemacht habe. Es ist anznnebi" daß, obwohl der Abgeordnete Archimbeaud nichts darüber gesagt hat, die Sowjetregierung zuges die Tendenz klar erkannt. Es steht nämlich außer Zweifel, daß das Ziel der Leiter des Feldzuges neben der Diskreditierung der ungarischen Sache auch die Einschlich- l e r ii ii ii Ungarn s war. um unsere friedliche Arbeit für unsere nationale Existenz zu lähmen. Tie ungarische Regierung lenkt die Aufmerksamkeit der öffentliche» Meinung der Welt auf die politische Tendenz der südslawischen Note, be- sonders unter Hinweis darauf, daß sie ihre Beschuldigungen gegen Ungarn ohne ins Einzelne gehende Kenntnis der Sache und unter Berufung auf die angeblich zur Verfügung stehenden bisher nicht nachprüfbaren Beweise stützen will. Tic H alt« n g d e r s ü d s l a w ischc n R c g i c r» n g i st u m so unberechtigter, iveil sie es bisher nicht ein- mal für notwendig hielt, samtliche als Grundlage der Be- schuldigung dienenden Schriftstücke der ungarischen Regierung mitzuteilen. Tie ungarische Regierung hätte diese ebenso Lüge» gestraft wie jene Behauptungen, daß der Mvr- der vor Begehung des Anschlages sich in Ungarn aufgehalten habe. Tie ungarische Regierung als Vertreterin einer tausend- jährigen Nation, deren Geschichte den politischen Mord niemals als Mittel zur Geltendmachung oder Wahrung der Nation anerkannt hat. protestiert feierlichst gegen das V orgehen d e r s üdslawi sch c» Reg i e r u n g und weist die Beschuldigung der Teilnahme am Mord zurück. England Überrascht London, 24. November. Tie Londoner Presse ist im Gegensatz zur Pariser über die scharfe Sprache der jugoslawischen Note überrascht. So schreibt die„? i m es", daß bei de» verschiedenen Abordnun- gen in Gens die Ansicht bestehe, die Note Jugoslawiens gebe wesentlich weiter, als mau dies für politisch klug halten könne. Auch die Sprache sei außerordentlich scharf, wodurch eine politische Beunruhigung eingetreten ist. „New Chronic!«" behauptet, daß die jugoslawische Note noch im letzten Augenblick geändert morde» sei. In der ur- sprünglichcn Form erklärte. Jugoslawien daß wenn der Völkerbund nicht eingreifen werde, es sich gezwungen sehen würde, im engsten Kontakt mit seinen Bundesgenossen selbständig zu handeln. Gerüdite und„(treuer Täglich Serien Verurteilungen Berlin, 28. Nov. Vor dem Berliner Sondcrgericht hatte sich die 42jährige polnische Staatsangehörige Szannsa Wul- kan wegen Verbreitung von Greuel Nachrichten zu verantworten. Tic Angcklag'e, eine Hausicrhändlerin, hatte am 18. Oktober einen Knude» dadurch zum Ankauf von Stoff zu bewegen versucht, daß sie erklärte, die Stoffe wiir- den jetzt aus Pavicr hergestellt und nur ans Bezugschein abgegeben. TaS Sondcrgericht verurteilt, sie zu drei Mo- iiatcn Gefängnis. * Marburg, 24. Nov. Vor einigen Wochen wurde ein ver- heirateter Manu namens Baumbach in Kirchhain verhaftet, nachdem er sich in angeheitertem Zustand in verächtlicher Weise über ei» Bild des„Führers" und Rcichskanz- lers qeäußeri haue, das in einem GastlK...» hing. Vor dein Marburger Schöffengericht versuchte Baumbach, die ihm zur Last gelegten Redensarten abzuschwächen, was ihm jedoch nach Anhörung der Zeugen nicht gelang. TaS llrteil lautete aus s e ch s Monate G c f ä» g n i s, wobei die Untersuch» ngshast nicht angerechnet wurde. * Tas Kölner Sondergericht verurteilte nach einem Bericht des„Westdeutschen Beobachters" wegen Verbreitung un- wahrer Gerüchte über den BdM. einen 34jährigen Ange- klagten aus Aachen zu acht Monaten und eine 22jährige Angeklagte aus Schmifenburg zu einem M onat Ge- f ä n g n i s. Das isl der„fOhrer" Tic Basier„Nativnal-.jeitung" iRr. 544» berichtet aus Berlin:„In der Reichspolitik ollein regieren mindestens sechs Instanzen mit OrdrcS»nd ContrcordrcS. meistens un- abhänaig durcheinander, das Propagandaministerium. das zrenßifche Minifrcrp.äsidinm, die Geheime Staatspolizei iGestapo). die Führung der Arbeitsfront, dann auch dir Rcichskirchcnregierung,»nd über allen chront erst noch der Führer. Aber fast jeder, der mit Adolf Hitler selbst zu tun hat oder z» tun haben möchte, klagt, daß der Führer selbst sehr wenig führe, dazu wird der höchste Staatsmann von seiner nächsten Umgebung sast Herme tisch gegen die Welt abgeschlossen, durch die seit Marseille erst recht verstärkte Wachtpostenkctte sollen regel- mäßig nur Tr. Goebbels, Herr von Ribbcntrvp, Rudolf Heß. Gestapochef Himmler und Leibadjutant Brückner dringen." der französischen Untclagen über die geheimen militärischen Rüstungen überreicht hat. Schon diese Ausführungen ArchimbcaudS machten einen großen Eindruck a»> die Kammer. Aber geradezu Aussehen erregte seine Bemerkung, daß zwischen Rußland und Frank« reich sich eine Entente herausgebildet hat.„Ticic Entente." so sagte Archimbeaud wörtlich,„sichert den europäischen Frieden. Rußland hat eine große und gut ausgerüstete Armee, die uns im Falle eines Konfliktes mit Teutschland zur Verfügung steht. Warum soll man sich darüber wundern und ausrege», daß das bürgerliche Frankreich sich mit Sowjet- rnßland verständigt hat? Hat nicht Richelieu sich mit den pro- testantischen Fürsten Teutschlands verständigt? Es ist zweifellos zu bedauern, daß 2>l Jahre nach dem Krieg wir wieder zur alten Politik des europäischen Gleichgewichts zurück- kehren. Aber es ist nicht unsere Schuld. Es handelt sich darum, die Schrecken eines neuen Krieges zu vermeiden." Auch der Kriegsministcr, General Maurin, hat in seiner Rede u. a. die Zusammenarbeit zwischen der fron- zöfischen und roten Armee hervorgehoben. Zwar werde» von amtlicher Seite die Erklärungen des Abgeordneten Archimbeaud zum Teil dementiert, indem be- hanptet wird, daß die Gerüchte über ein französiscl,-russisches Militärbündnis unzutreffend seien. Aber es kann gar keinem Zweifel mehr nnlcrlicgcn, daß die enge Zusammenarbeit zwischen der roten und der ftanzösischen Armee praktisch auf die Wiederherstellung des alten Militärbündnisses hinaus, läuft Tic Zusammeiiarbeil eriolgt in erster Linie aus dem Gebiete der Lnitrüstnngen und in diesem Zusammenhang sei an de» Besuch des früheren französischen Lustministers Pierre Cot in Moskau und an den Gegenbesuch eines russischen Luitgeschwaders in Paris erinnert. Auch haben in letzter Zeit höhere russische Osszziere Frankreich ausgesuch«. wobei sie von iranzösischen Militärperione» über die nenesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Militärtechnik unterrichtet wurden. Außerordentlich bedeutsam soll auch die Rolle sein, die der französische Militärattache in Moskau spielt. Tie wahnwitzige Außenpolitik der Hitlerregierung, die praktisch von dem russischen Emigranten Alfred Rosenberg ge, leitet wird, hat also dazu geführt, daß das erstarkte»nd in- duftriaklsicrte Rußland, das seit dem Rapallo-Pcrtrag in denkbar besten freundschaftlichen Beziehungen zu Teutschland gestanden hat. beute durch die unverantwortliche»nd ge- willenlose Agitation der Hitlcrpartei iür einen europäischen Krenzzug gegen Soivsetrußlcmd. in die Arme Frankreichs geworfen worden ist. Auch in dieser Beziehung offenbart sich deutlich, daß das heutige Regime in Teutschland in seinen Auswirkungen a» t i» a t i o» a l ist und die Interessen des deutsche» Volkes aufs empfindlichste schädigt. »•> Außenminister Pierre Laval bat, ivie ivir soeben ei- fahren, mit dem polnischen Gesandten Chlapowski>nd dem russischen Geschäftsträger Rosenbcrg eine längere Unterhaltung gehabt. Obwohl über den Inhalt dieser Unt-r- Haltungen kein offizielles Kam»inniauc hcraiisg: zcben winde, kann es gar keinem kipeUel unterliegen, daß diele Unterhaltungen zu ihrem Gegenstand den Ter» der bevor- siebenden iranzösischen Antwortnote an Polen über de» O st p a k t hatte. Franidsisdi- russisches tliiitärbündnis Frankreich billigt den jugoslawischen Schritt ^/DEUTSCHLAND ffiZgflHITLER „Schweizer Informationen und deutsche Illusionen Niller Hai das deu'sdie Vom gespalten Tie Luzerner„Freie Jnnerschiveiz" ichreibt in Nr. 271 in einem Artikel über die Saar folgendes: „3cun steht serner eine Tatsache fest: Bevor Hitler ans Ruder kam. gab es trotz Beriailler Ber- trag keine Saarfrage. Es hätte nämlich keine Pro- vagando für die Beibehaltung des gegenwärtige» Zustandes der Bölkerlninds-Saarregieruiig gegeben, weil wohl über 05 Prozent der Bevölkerung der Bereinigung mit Deutsch- land als die natürlichste und beste Lösung wünschten. Aber jetzt»st im früher herbeigesehnten Baterlande ein Herrscher eingezogen, der die Rückkehr in dieses Barerland in diesem Momente als unheilvolles Wagnis erscheinen läßt. Wenn der Ba«er seine eigene,, Minder ins Konzentrationslager sperrt, sie recht- und schutzlos de« irrsinnigsten Sadisten preisgibt, den Henker zum einzigen vollbeschäftigte« Bediensteten. die Zelle zum bewohntesten Raum des Hauses macht, wenn dieser Bater sich das Recht anmaßt, nach eige- nem Ermessen und Urteil über das Leben seiner Hau Sein- wohner zu befinden, und dieses„Recht" auch ausnützt, i n- dem er in einer N acht hunderte seiner bisherigen F r e u n de ins Jenseits befördert und sich dieser feige» Massenabschlachtung noch als einer besonderen Heldentat^rühmt, angesichts solcher Tatsachen werden sich die treueüen Söhne besinnen, ob sie in ein derartiges„Vater Haus" zurückkehren wollen, oder ob es nicht besser sei. abzu warten, bis dieser„Bater" andern Zinnes geworden oder durch den noch gewaltigeren Tod unschädlich gemacht ist. In der Lage solcher Kinder befinden sich heute die Taarein- wohner. Für sie Heist« es nicht: oder gegen Teutschland, sonder« die Frage laute, praktisch: Für oder gegen Hitler? Für Teutschland ist auch die Freiheitssront, die gegen Hit- ler kämpft, ja sie verkörpert das bessere Teutschland, als jene Sklaven- und Mameluckengestalien. die den Stiefel untertänig lecken, oder sich geradezu noch der Peitsche sehnen, damit ihre Rücken und ihre Seelen ja da» Bücken»nd B'?- gen nicht verlernen." Terror an der Saar Das Rachrichteiiblatt der Zynagogengemeindcn des«aar- gebiete» schreibt: Slin^ 10. November, abends 5.45 Uhr, wurde ein Mitglied der«aarbrückcr Gemeinde, der abstimmungsberechtigt ist, auf der Landstraße zwischen Hassel und Rohrbach von fünf Mänirern überfallen. Tie Angreifer stürzten sich mit anti- ' ieniitischeii Zurufen aus ihn, misthandelten ihn schwer und traten noch den auf dem Boden Liegenden mit Ttiefel». Es ist bezeichnend, daß die Attentäter ihr Opfer mit Taschen- lampen blendeten, um ihm die Möglichkeit einer Wieder- erkennung zu nehmen. Es scheint sich also um einen wohl- durchdachten und organisierten Ueberfall zu handeln. Ter Verletzte erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt. Von welcher Seite diese feige Tat unternommen wurde, geht ziemlich deutlich aus Zurufen wie:„I u d, E m i g r a n t. K o m m u n i st!" und dergl. hervor. Es scheint, dast der Terror gegen die Juden an der«aar noch immer zunimmt. Paris, 24. November. (Bon unserem Korrespondentens ..^„«chweizer Informationen und deutschen Jllusio- nen", wie„Jour" sie bezeichnet, meist der Berliner Sonder- berichterstatier Meies Blattes zu berichten. Danach messe die deutsche Presse einem Artikel der„Basler Nachrichten" über die französische Saarpolitik groste Bedeutung bei. Tiefe Tchlveizer Zeitung wolle wissen, dast Krankreich Barthous Plan fallen gelassen habe, wonach man der«aar- bevölkerung die Möglichkeit geben solle, sich in einigen Iah- ren noch einmal, und zwar endgültig, für oder gegen die Rückkehr nach Teutschland zu entschciden. Dadurch wäre es gewissen Kreisen der Saarbevölkerung, vor ollem den Ka- tholiken, ermöglicht, ihren politischen Neigungen zu folgen, ohne damit ein für allemal ihre nationalen Neigungen preis- zugeben, mit ander» Worte», in Schaken für den Status quo zu stimmen. Tie meisten deutschen Zeitungen, eingedenk der neuerlich an sie ergangenen Weisungen, Zurückhaltung und Mäßigung zu bekunden, begleiteten die Erklärungen des Baseler Blattes mit vorsichtigen Kommentare». 'Nur der„Angriff" sprach seine Gefühle mii größerer Teut- lichkeit aus, indem er in der Ueberichrift sagte:„Krankr«ich bereitet schon den Verzicht auf die«aar vor." Gutinsormierte französische Kreise, die es wissen müssen, sagen: der„I o u r" hat recht: hitlerdeutsche I l- l u s i o n e n! „Journal" äußert sich zur Frage der Verfassung, die die «aar bekommen müsse, falls die Entscheidung für den Status quo ausfalle Ter«tatus quo sei tatsächlich die deutsche Sou- veränität unter Verwaltung des Völkerbundes. Ter künstige «latus quo sei die freie Saar mit eigener Souveränität unter dem Schutze des Völkerbundes. Eine Völkerbunds-Erinnerung In der„Neuen Weltbühne"(Nr. 47) schreibt Hemuth von Gerlach u. a.: Seit dem Ende des Krieges befanden sich ständig fron- Mische Truppen an der«aar: sie sollten entfernt werden, das forderte die Gesamtheit der Deutschen immer dringen- der. Der Völkerbundsrat prüfte diese Forderung und fotzte am 14. März 1925, nach einem Bericht des italieni- schen Vertreters Scial.ja. folgenden Beschluß: Ter Völkerbundsrot nach Anhörung des Berichts deS italienischen Vertreters, der Bemerkungen des englischen Vertreters und der Erklärung des Präsidenten der Regie- rungskommission, billigr erstens die Absicht der Regierungskommission, die Gendarmerie um 250 Mann zu verstärken: ersucht zweitens die Rcgierungskommissio», ihm zur Prüfung einen Bericht über die Art und Weise zu unter- breiten, wie nach Entfernung der Truppen die Durchfüh- rung von Absatz 3 des§ 80 der Anlage zum Kriedensvcr- trag sichergestellt werde» kann, wonach„die Regierung^- kommissio» unter allen Umständen für den Schutz der Per- son und des Eigentums un«aarrcvicr zu sorgen hat". Tie RegierungskonilNission hat bei der Ausarbeitung ihres Berichts mit der Möglichkeit zu rechnen, dast auf Truppen zu- rückgcgrisfen wird, die austerhalb des«aarrcviers stehen: bittet drittens den Generalsekretär, Abschrist dieser Reso lution der deutschen Regierung zuzustellen. In Ausführung dieses Beschlusses überreichte die Regie- rungskommission am 28. Januar 1926 dem Völkerbund den von ihr geforderten Bericht, über den der Italiener Graf Bonin-Longare am 18. März 1926 dem Völkerbunds rat referierte. Das Protokoll des VölkerbundsrcVs über diese Berichterstattung lautet: „Niederschläge reidisdeuisdier Saarpropaganda' Unter dieser Ueberschrift liest man in den„«chweize- riichen Republikanischen Blättern"(Nr. 15): Jüngst schrieb uns ein zürcherischer Student, Sprosse eines altzürcherischen Geschlechtes:„Tie Saar ist»nbc- nrilien deutschstämmig. Tie seinerzeitige Abtrennung vom Mutterlandc und die heutige Abstimmung waren wohl die bedenklichsten territorialen Bestimmungen des Gemalt- i'riedenö von Versailles. Kür das nationalsozialistische Teutschland ist das Bekenntnis zur Teutschstämmigkeit gleichbedeutend mit der Rückkehr zum Reich.?llles andere wird als separatistischer Verrat aufgefaßt. Ein Erfolg in dieser Richtung wird jedoch gar nicht ernstlich erwogen. Tic Ruckkehr der Saar ist zu einem selbstverständlichen Begriff geworden. Kommt es wirklich anders, als man in Deutsch- land denkt, wird man vor einem unbegreiflichen Rätsel stehen mit dem Gesühl, die erste Schlacht seit dem Weltkrieg verloren zu haben. Sich mit Gewalt zu hblen, was das Recht versagt, wäre allerdings für gewisse Kreise in Deutsch land verlockend. Daß dies aber die Absicht der Regierung wäre, ist bei aller Ueberspannthcit und allem Größenwahn- sinn deutscher Regierungspolitik doch nichts anderes als eine Greuelnachricht. Denn neben allen andern Ueberlegungcn, denkt die Regierung doch wenigstens so real, dast sie sich ihrer rüstungstechnischen Schwäche bewußt ist. Wenn man schon aus den günstigen Moment zum Losschlagen warten würde, so wird dieser nicht nur psrickiologisch, sondern viel- mehr durch den Stand der Ausrüstung bedingt sein. Wohl rüstet Teutschland mit voller Krast. Aber in anderthalb Jahren läßt sich die aus bald 10 Jahren Ausbildung und Ausrüstung resultierende Ueberlcgenheit der französischen Armee nicht einholen. Wohl ist Teutschland beute infolge des militaristischen Giftes in der Volkserziehung bei gleich- zeitiger Ausschaltung jeder Kritik und jeder Abwehr eine groste Geiahr für den Frieden, aber zum Geist gehören noch die modernsten Kriegsmittel und die wird es bis zum 13. Januqr 1935 nicht haben." * Ter junge Herr bezeugt, was ich ihm gern glaube, durch und durch Demokrat zu sein und er meint weiterhin bc- zeugen zu dürfen, in keiner Weise im Banne nationalsozia lislischer Ideologie zu stehen. Zuzuerkennen ist sein tapferes Bemühen, deren Eini'lüsicn nicht zu erliegen. Tie ganz auf- fallende, so selbstverständlich ihm in die Feder fließende Ausdrucksweise der nationalsozialistischen Radiorhetorik zeigt aber doch, dast der Blitz eingeschlagen, wenn cm«b noch nicht gezündet hat. Man glaubt bereits an den„Ge waltfrieden", an das Verwerfliche, das Saarland vom „Muiterlande" abzutrennen, an die Heimgehortgkett alles Teulschstämmigen. Tie Zttribieter munen trotz ihrer Deuts^ stämmigkeit nicht„heim", weil die Preußen nach Zürich kommen. Ter Friede von Versailles ist e,n in ,eder Hin- ficht schwacher, unüberlegter, erzdummer Vertrag nicht wegen. seinen paar vorgesehenen Druckmitteln aui den Erfüllungswillen des Vertragspartners, sondern wegen seiner für Frankreich, England und alle nicht- deutschen Vertragsparteien selbstmörderischen Liberalität^ind seiner totalen, geschichtlichen Vorauösetzungslosigkcit. Tast man einen so durch und durch an» den Krieg versessenen, nur vom Krieg träumende» und lebenden, draufgängerischen Landknechtvolk, wie es die Preußen sind und bleiben werden und wozu sie die von ihnen unterworfenen eigentlichen Deutschen mitvergistet haben, die Kriegsmittel wegnimm:, das war ganz in der Ordnung. Leider war man auch darin schwach. Statt die Saar und Oberschlesien ein für allemal loszulösen und das Rheinland mit der Ruhr dazu, liest man den Preußen das letztere und wichtigste Kriegskuchengebiet und machte aus den andern zwei Tingen ständige Streit- gegenstände und künftige Kriegsfragen. Wenn hinter allen Friedensverträgen von 1910 doch noch eine Intelligenz ge- steckt haben sollte, dann war es die des Teufels, dargestellt in den Herren von der Kriegsindustrie, deren Einfluß einen Frieden wollte, der zu neuen Kriegen führen muß. In diesem Sinn sind die Friedensverträge zu beklagen, aber wahrlich nicht wegen der Härle gegen Teutschland. Ber gleiche man damit dock, die deutsche n Friedensverträge von Bukarest und Brest Litowsk und die„Friedensziele" des Matthias Erzberger von 10)5(Abtretung von ganz Belgien und Nordlrankreich. Abtreten aller französischen und englischen Kolonien. Wegnahme der gesamten französische» und britischen Handelsflotte, Auferlegung einer Kriegsent schädigung von 250 Milliarden mit Ergeisung von Pfändern bis zur restlosen Begleichung). Gegen den Frieden, den ein siegreiches Preußen einem unterlegenen Frankreich und England diktiert hätte, ist der Vertrag von Versailles ein schüchterner Liebesbrief. Weil der junge Eonpatriot an des nationalsozialistisch be- sessenen Grctchens unbeiauftetc Unschuld glaubt und im Golde seiner stirngereiften Zöpfe das Gold seelischer Treue vermutet, glaubt er Germanien in desien fortwährenden Be- tcuerungen ber militärischen Inferiorität. Teutschland ist schlagbcreit. Seine Luit- und Landmacht übertrifft diejenige Frankreichs um das Dreifache.(?? Red. der„T. F.") Man kann nicht ein ganzes Volk monatelang dahin aufhetzen: „Tie Saar ist unser und muß unser sein, kommt sie nicht, io holen wir sie," um. wenn sie eben beschließt, nicht zu kommen, was höchst wahrscheinlich ist, plötzlich in gelassener Stimme und mit reibenden Händen zu sagen:„Das wegen dem Holen war natürlich nur Drohung. Wir müssen jetzt halt verzichten. Es kam erstens anders, denn zweitens als wir dachten." Nein, nein, nein, die machen evtl st. Wenn nicht, dann verfällt der Nationalismus einer inneren Krise: denn dann ist so bald kein„gegebener Augenblick" zur Ab- reagierung nach außen mehr da. Angesichts dieser Ausgaben, die ihr durch den Friedensvertrag übertragen find, hat die Regierungskammission die Gewißheit gewonnen, daß sie, um„unter allen Umständen den Schutz der Person und des Eigentums im Taarrevier gewährleiste» zu können", unbedingt die Möglichkeit haben muß, jederzeit und unverzüglich Truppen anzufordern, die außerhalb des Saarreviers in der Nähe seiner Grenzen stehen. Diese Möglichkeit ist durch den Völkerbundörat in seiner Entschließung vom 14. März 1925 ins Auge gesaßt worden, und die Regierungskommission erachtet, daß sie aus den Bestimmungen des Friedensvertrages sich ergibt. Im Bedarfsfall ist die Regierungskommission berechtigt, ohne Verzug und ausschließlich unter ihrer eigenen Ver- antwortung Militär heranzuziehen, das außerhalb des Saarreviers steht, um den Schutz der Person und des Eigentums innerhalb des Saarreviers zu gewährleisten, insbesondere wenn es sich um de» Schutz der Minenaulagen und der Eisenbahnen handelt, deren ungestörter Betrieb mit allen geeigneten Mitteln sichergestellt werden muß. Tie Regierungskommission erklärt, daß nur die Möglichkeit des Rückgrins auf Truppen außerhalb des Saar- rviers ihr die Erfüllung einer der wichtigsten Pflichten gestattet, die ihr durch den Friedensvertrag auferlegt worden ist. An diesen Bericht knüpfte das Protokoll nur einen-Satz an. der hier folgt: Ter Völkerbundsrat nimmt Akt von dem Bericht der Regierungskommission und billigt die in dem vorstehenden Bericht von dem Vertreter Italiens daraus gezogenen Schlußfolgerungen. Internationale^Beschlüsse sind nicht immer Muster von Klarheit. Die beid'en Resolutionen über die Heranziehung fremder Truppen zum Schutz des Saarreviers, die der Völkerbundsrat annahm, sind absolut eindeutig. Als die Beschlüsse gefaßt wurden, war Deutschland noch nicht Mitglied des Völkerbundes. Am 14. März 1925 wurde in Genf ausdrücklich bestimmt, daß der deutschen Regierung von der Entscheidung über dag Saarrevier Kenntnis zu geben sei. Die amtliche Mitteilung ist erfolgt. Nie wurde ihr in Berlin widersprochen. Hätte man da mals die Entscheidung als begründeten deutschen Inter- essen zuwiderlaufend angesehen, wäre natürlich sofort ein amtlicher Protest erfolgt. Es wurde auch nicht protestiert, nachdem Deutschland 1926 in den Völkerbund eingetreten war. Jedes Jahr wurden im Völkerbund Saarfragen er- örtert, aber niemals wurde die Rechtsgültigkeit der Be- schlüsse vom 14. März 1925 und vom 16. März 1926 angefochten. Erst setzt lätzt die deutsche Regierung durch die hochoffiziöse Deutsche Diplomatische Korrespondenz ver- künden, datz„eine Besetzung des Saarreviers durch fran- zösische Truppen, unter welchen Umständen auch immer, eine Herausforderung nicht nur Deutschlands und eine Vergewaltigung des Abstimmungsgebiets" wäre. Jetzt lätzt sie in Poris, London, Rom und Brüssel durch ihre Botschafter und Gesandten Protest erheben, unter dem ab- surden Vorwand, eine solche Besetzung stände im Wider- spruch zum Locarnovertrag— was übrigens belanglos wäre, wenn es zuträfe, da Genf über Locarno steht: wie einst Reichsrecht Landesrecht brach, hat der Völkerbundsvertrag gegenüber jedem Sondervertrag zwischen einzelnen Völkerbundsmitgliedern den Vorrang. Aber der Einwand, den die deutsche Regierung macht, ist überhaupt falsch. Er ist eine kecke Behauptung ohne jede Beweiskraft. Das Saarrevier wird vom Locarnovertrag gar nicht erfatzt und konnte von ihm auch gar nicht ersatzt werden, da es eine Angelegenheit des gesamten Völkerbundes ist, nicht etwa eine Angelegenheit der Ver- tragspartner von Locarno. Die Polizei des Saarreviers reicht nicht aus, um bei ernsten Unruhen die Sicherheit zu gewährleisten. Das er- kannte die Gesamtheit der Völkerbundsmitglieder 1926 an. Damals und in der folgenden Zeit hat das auch die deutsche Regierung stets durch ihr Schweigen zu dem Be- schlutz vom 16. März 1926 anerkannt. Durch die Macht- ergreifung Hitlers ist die Situation an der Saar jedoch viel bedrohlicher geworden, als sie es 1926 war. Was den Nationalsozialisten an der Saar zuzutrauen ist, ergibt sich aus dem. was sich die Nationalsozialisten autzerhalb des Saargebietes am 27. Februar 1933, am 39. Juni 1934 und am 25. Juli 1934 geleistet haben. Siebzehntausend in deutschen„Arbeitslagern" militärisch ausgebildete Saar- rekruten sind keine guantite uegligeabla. Oer fall ßahosl Hitlerdeutsche Methoden Soeben ist ans Budapest dcr Pariser Anmalt Marcel Willard zttrückaetommen, dcr im Auftrag dcr Jnier nationalen Zaristischen Vereinigung bei den ungarischen Behörden für den nach Berbüßung einer achieinhalbjährigen .lUchihausstrase ividerrcchtlich weiter in Haft gehaltenen früheren Bolkskommisiars illakosi intervenierte.?lls Er- gebnis dieser Reise liegt nun ein Bericht WillardS vor, ans dem hervorgeht, dag der Fall Rakosi vom Standpunkt der in allen zivilisierten Ländern geltenden Rechtsgrund- sähe einen verschlimmerten Fall Torgler darstellt. Rakosi wurde nach der Vcrbiißuiig einer achteinhalbjährigen /sucht- hausstraie im Zuchthaus Szegedin nicht freigelassen, i o»- der» am L 4. A p r i l d. J. in das B» d a p c st e r II n t e r s u ch u n g s g e f ä n g n i S g c t> r a ch t. Tort hat man ihm eröffnet, daß er weiter in Hast bleibt, weil gegen ihn eine neue Anklage vorbereitet wird. Diese neue An- klage, berichtet Willard. ist. obwohl seither wieder lieben Monate vergangen sind, bisher nicht fertiggestellt. Man will dieselben Tatsachen, die zur ersten Bernrteilung fiih- ten. nochmals aufrollen, um darauf eine neue Anklage z» Nüven. Das ist ein so einzigartiges Borgehen, dag die Internationale Juristische Bereinigung gegen diese viel- lache Verletzung der in der ganzen Well geltenden Grund- fiitzc des Stralrcchts energisch gegen das Verhalten der ungarischen Justizbehörden protestiert. Ter Fall Rakosi ist ein Fall der Rachejustiz. So viele Fälle des Justiztcrrors auch gegenwärtig die Oenentlichkcit erregen, so darf trotzdem die ungarische Nachahmung des deutschen Beispiels nicht unbeachtet bleiben. Die laden Im Reidi Der„GIeßcncr Anzeiger" vom ll. Nov berichtet über eine Rede des Gießcner Obcrburgcimciiters Ritier in einer Bersammlung dcr NSDAP., in der er sich u. a. mit der Judensrage beschäftigte Ter Redner führte hierbei aus: »Viele sagen, wen» der Nationalsozialismus die Juden« trage nicht aufgerollt hätte, wäre es besser für»ns. da»n haften auch die Juden mit Ja gestimmt. Wir lehnen das ab. -t.ie Judcnfragc ist eine Frage von clcmeniarcr Lebensnot- wendigkeit, von so große, Bedeutung für das deutsche Volk, dag sie durchgeführt werden muß bis zur letzten Konjeguenz. -iic Juden, die an eine Aciideruiig in der Haltung des Ratio- natfozialisinus glauben, sollten sich vor Augen halten, was der»Führer" kürzlich wieder gesagt hat:„Es kann kür uns Schwierigkeiten geben und Hindernisse, aber niemals Kapitulation." Wir kapitulieren nicht, wir iverdcn diesem Gegner ins Auge schauen, und im Vertrauen auf unser Recht wer- den wir den Sieg erkämpfen... Nachdem der Nationalsozia- Iismus die Judenfrage ansgegriffe» hat. wird diese Frage nicht in Deutschland gelöst werden, sondern nur international. Es ist die Pflicht der deutschen Menschen, der Welt die Augen darüber zu öffnen, d e n i, b e r Jude i st die Geißel der M c n, ch h e it. ^abei soll nicht verkannt werde», daß eS auch manchen anständigen Juden geben kann, aber sie haben alle denselben Ursprung. Bei dieser Betrachtung sollte sich jeder deutsche Volksgenosse sagen lassen: Wenn dir dein deutsches Volk lieb ist. dann unterstütze auch beim Einkauf die deutschen Volks- genossen. Tie deutschen Menschen aller Stände müsse» zu- sammenstehen nnd zusammen arbeiten einer für den an- deren, da sie alle aufeinander angewiesen sind. Wir könne» nur dankbar dafür sein, daß bei uns in Deutschland die Rassenfrage so durchgeführt wird Deshalb wird die Juden frage in Dent'chland durchgeführt bis zum äußersten. Wenn wir unser Volk in der Rasse sauber halten dann wird auch unser Weg als Staat wieder aufwärts führen." ♦ Jn dcr»Allgemeinen Blehhandels-Zeitung" vom st. II. erschien eine Bekanntmachnng der Viehhändler- vereine für den Rcg.-Vez. Minden und das Land Lippe e.V.. in dcr ein Todcssall ans dem streife der Mitglieder bekannt- gegeben wird. Jm Anschluß hieran beißt cs; ..Den durch dielen Todesfall fällig gewordenen Sterbe- geldbcitraa von<> RM fiir arische und von 1 n R M. f ü r nichtarischc Mitglieder rufen wir hiermit zur Zahlung aus." Die braune Hausdame Vernünftige Richter und ein vorsichtiger Oberstaatsanwalt Jn einer interessanten Entscheidung des Landesarbeits- gerichis Breslau wird festgestellt, daß die Anzeige einer politisch zu mißbilligende» Aeußeiung eines Familienmitgliedes im Familienkrejc durch die Hausdame als Per- irauensbruch einen wichtigen Grund zur sofortigen stündi- gung bilden kann. Jn der Entscheidung wird ausgeführt, daß die urdeutiche Auffassung vom sittlichen Wesen des Ar- beitsverhältnisses. die im Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit zum Ausdruck komme, in noch weit höherem Maße für die dicnstrechtlichen Beziehungen im Schöße der Familie gelte, wo engste Hans- nnd Ti'chgenicinschaft erhöhte Rück- sicktnahme und vertieftes Wirken zum Wohle dieser Urzcile menschlicher nnd staatlicher Gemeinschaft erforderten. Die klagende Hausdame habe an einer angeblich bei Tiich ge- fallenen Aeußcrung eines Familienmitgliedes, der sie rcak- tionäre tvesinnnng entnahm. Anstoß genommen und ohne Wissen des Hausvaters dem Vorgesetzten dieses Familien- Mitgliedes im SA.-Dienst davon Mitteilung gemacht. Nicht jedes harmlose TilchgeGräch im engsten Familienkreise, wo jede vorübergehende Mißstimmung oder Verärgerung sich gelegentlich ausschwinge, sei für Außenstehende bestimmt, die etwa geneigt seien, abgerissene Gesprächssctzen ans die Gold- waaae zu legen und ihnen hochpolitische Bedeutung brizn- messen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß die Meldung belangloses Gerede betraf Die st lägen» habe leichtfertig ihre hohe Pflicht der Füriorge nnd Treue für eine Faniilie, deren gedeihlichem Znsammenleben iic in einer Vertrauens- ßelluna zu dienen hatte aufS schwerste verletzt, um mibe« ariindeteAngebereizu treiben. Tic fristlose stün- digung wegen groben Vertrauensbruchs sei in diesem Falle durchaus berechtigt gewesen. Zu dieser Entscheidung führt O b c r st a a t s a n iv a l t Dr. Krug vom Reichs- und preußischen Justizministerium in der„Dentschen Justiz" aus, daß durch die Entscheidung selbstverständlich die Pflicht, einen staatSfeindli che n M e» i ck e n unschädlich z n m a cb e n nnd staatsfeindliche Aeußerunqen oder Handlungen zur Verfolgung zu bringen, wo auch immer man hiervon Kenntnis erlange, in keiner Weise berührt werde. Mit Rech» habe sich aber das Gericht gegen ein Angebertum gerichtet, das leichtfertig, egoistisch oder mr< sonstigen unzulänglichen Gründen Anzeige er- stattet. Da« lTrMi sei als ein ait'eö Vrißrel anzusehen, ^»!-.»«ff*-~-s-»e U"h' v ire«'i»<» bev Grd-»'ken d's Urteile auf andere Fälle zu vermeide» sei» werde, da die entschiedene Frage in jedem Falle besonders gelagert sein werde. Göring prüft Richter \Vaa iot deutsche Reehtaquelle? Der Reichstagsbrand vom 27. Febr-isr \Ya* int die größte deutsche Reehtatat? Der 30. Juni 1934. Was lat Reehtaairherhett? Die Sicherheit der Nazi« vor dem Recht. Korrupte mtlerbonzen Die i&giidie Liste Man schreibt uns aus dem Ruhrgebict: Ein Beamter des G e l s c n k i r ch e n e r Wohlfahrtsamtes iuhr zusammen mit einer jungen Nazirike. die aus dem gleichen Ann angestellt war, in fröhlicher Zweisamkelt nach dem Schwarzwald. Es sollten Kinderheime besichtigt werden, um erholungsbedürftige Kinder armer Gelsen- kirchener Arbeitslosen unterzubringen. Die Herrschaften amüsierten sich in ncudeutschcr Sittlichkeit mit Raiicnver- edelung in den teuersten Hotels, und der Kavalier verbrauchte üppigst die ihni anvertrauten Wohliahrtsgcldcr. Der„Volksgenosse" wurde zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt. Tie Häuscrverwaltung des ZVolkswillen" in Gelsen- Archen ging wie bei allen sozialistischen Einrichtungen in nationalsozialistische Hände über. Ter neue Verwalter, der auch mit der Winterhilfe nnd anderen Wohllahrlsanigaben zu tun hatte,«»terschlug ihm anoertrautc Wohliahris- geldcr und die von ihm eingezogenen Mieten. Als es ihm zu heiß wurde, entnahm er dem Geldschrank weitere ßOOO,- Mark Wohlsabrts- und Mietsgelder und ging in die„Emi- gration branner Krimineller". Von Prag teilte er per Post iarie mit. daß es ihm gut gehe, man brauche sich um ilm keine Sorge machen. Er hat sich oon dem geklauten Geld ein Zigarrcngcschäit gekauft. Jn einem Gelsenkirchener Wohliahrisbczirk wurden iür einen katholischen Rektor und einen sozialdemokratische» Funktionär zwei Nazis Wohlsartspileger. Die eine Zierde des Dritten Reiches war des Schreibens nnd Lesens fo gut wie unkundig. Dcr„alte Kämpfer" mit Stuhlbeinen konnte nicht einmal einen Antrag ausfertige» nnd war außer- stände die einfachste schriftliche Arbeit zu leisten. Nach vielen vergebliche» Versuchen mußte er, der ein Spottartikcl des Wohlfahrtsamtes war. ausgeschaltet werden. Sein mit ihm in das öffentliche Leben gestellter Kamerad war gefährlicher. Er ivar ein Unhold und mißbrauchte sein Ehrenamt als Woblsahrtsp'leger zu Gewaltakten und unsittlichen An- griffe» gegen von ihm zu betreuende Frauen. So erschien er i» der Wohnung eines Fürsorgeempfängers seines Bezirks in loial besoiiencm Zustande. Die Frau, mit der er zu verhandeln hatte, versuchte er zu v e r- gewaltigen. Sie setzte sich zur Wehr und schrie um Hilfe. Dcr Unhold brüllte:„Na, warte, ich komme gleich mit dem Revolver zurück" und verschwand. Nach ciniacn Minuten war er tatsächlich zurück und verletzte den im Nasen und Fasanen Weihnachtsbraten des deutschen Erwerbslosen Zu dem Aufruf des Reichsjägermeisters über die Betei- tigung der deutschen Jägerschaft am Winterhilfswerk Ist,'14-85 hat der preußische Ministerpräsident als Leiter der Landes- iorsiverwaliung einen Erlaß an die Landiorstmeister ge- richtet. Er bringt darin den Aufruf des RcichSjägermeisterS zur Kenntnis»nd bestimmt iür die preußischen Staats- forsten, daß in der Woche vom«. bis 15. Dezember dcr Haupiabjchuß des zum Abschuß freigegebenen Wildes er. folgen soll. Den einzelnen Reoierverwaltern wird es zur besonderen Pflicht gemacht, daß von den StaatSrevieren in der genannten Winlcrhilsswochc Wildbret in so umfang- reicher Zahl an das Winterhilfswerk zur Ablieferung ge- langt, daß damit auch tatsächlich eine einschneidende Wir- kung und Hilfe für die armen Volksgenossen erzielt inerde. Die Siaaisrcoierc haben, wie der Ministerpräsident be stimmt, beispielgebend in dcr Aktion voranzugehen. Dcr Ministerpräsident betont ausdrücklich, daß sämtliches Wild, also auch Niederwild(Hafen, Fasanen uiw.j zur Ablieferung gelangt. Er schließt mit der Feststellung, daß mit diesem Schritt die preußische Ländesfortvenyaltuna ihre engste Ber- bundenheit mit der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft beweise. Es ist demnach nicht daran;it zweifeln, daß die deutschen Arb iter, vor allem die Erweiosloscu. zu Weihnachten Hasen und Fasanen speisen werden. Rur die Nazibonzen, besonders aber Lametta-Hermann, werben darben. Nebenzimmer krank liegenden Ehemann durch Arthiebe und die Frau durch Revolverschüsse. Nachbarn mußten den Unhold bändigen. Er erhielt zwei Jahre Gefängnis. Die Nazis versuchen den schlechten Eindruck zu verwischen, indem sie still und leise die wegen nationaler Unzuver- lässigkeit herausgeworfenen Marxisten zur Wiederaufnahme der ehrenamtlichen Wohlfahrtspflege veranlassen. Dabei wird sogar eiir Druck zur Wiederaufnahme des Amts aus- geübt. Freiwillig haben die Genossen und Genossinnen natürlich keine Lust, mit den Nationalsozialisten zusammen- zuarbeiten»nd ihnen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Außerdem werden die wirtschaftlichen Verhältnisse immer schlechter, die Stimmung der Menschen wird immer vcr- zwclielier. Es ist unter diesen Umständen keine Ge- nugtuung, Wohlfahrtspflege!' zu fein, die Ausbrüche der Verzweiflung über sich ergeben zu lassen und dem Staat der deutschen Schande Hilfe zu leisten. Er fällt unter die Amnestie Aus Köln wird berichtet: Einen unerwarteten Ausgang nahm ein Strafprozeß, in dem der Angeklagte, der eine propagandlstUche Funktion im zivilen Luftschutz auszuüben hatte, wegen Unterschlagung angeklagt war. Dcr Angeklagte hatte den Vertrieb der Zeitschrift„Sirene" übernommen. Vei der Abrechnung er- gab sich ein Fehlbetrag von etwa'-Hin NM. Jniolgc einer Organisationsändernng war die'Verrechnungsstelle dem An- geklagten angeblich einige /seit unbekannt geblieben, und er verbrauchte von den eingenommenen Geldern den Vetrag, der ihm als Provisionssatz vermeintlich zustand. Der Staatsanwalt erblickte in diesem Verhalten eine volks- schädigende Untreue nach 8 Abs. 2 StGB, nnd beantragte eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und vier Monate. Das Gericht sprach sich indessen kür eine Vertagung aus, und vcriügle die Hastentlanung des Angeklagten bis zur weiteren Verhandlung, in der neue Zeugen vernommen werden sollten. Auch i» der zweiten Verhandlung hielt dcr Staatsanwalt an seiner Anklage lest und beantragte eine Mindeirstraie von einen, Jahr Zuchthaus bei Erlaß eines Haftbefehls. Das Gericht vertrat jedoch die Auffassung, daß dem Angc- klagten eine Werbeprovisio« zugestanden habe und daß in diesem Zusammenhang nur eine Unterschlagung von 81» bis 400 RM. vorliege. Hierfür käme höchstens eine Be- straiung von sechs Monaten in Frage, die unter die Am- nestie falle. Das Verfahren wurde infolgedessen eingestellt. Dafür werden Jdcalistcn. die ihrer sozialistischen lieber- zeugnng treu bleiben, aus Jahre ins Zuchthaus gesteckt. bos le'i'c Hemd vom Leibe Aus einem Deutschlandbericht: Jn m i t t e l st ä n d i s ch e I, Handwerkerkreisen wächst die Unzufriedenheit mit dem Regime ständig. Ali! Pg». aus diesen Kreisen geben selbst zu: Die zieh» uns noch das letzte Hemd vom Leibe. Starke Unruhe herrscht gerade in diesen Kreisen wegen der jetzt bereits spürbaren Knappheit verschiedener Artikel, wie bestimmter S e i s e n i v r i e n. Kontingentierung der Meiallieicrnng Wenn„alte Kämpfer" befördert werden Der StaatßWretär im Rcichspostministcrium, Dr. Ohne- sorge, Hai vor Urämien Ausführungen zur Vorrang-Beför- derung der alten Kämpfer bei der Deutschen Reichspost ge- macht, die zugleich die grundsätzliche Notwendigkeit dieser Aktion begründen. Ter Staatssekretär erklärte, daß für die ivördcrung der nationalsozialistischen Ziele eine Organisation notwendig iei, die in der alicn. bürokratisch ausgebauten ivorm der Deutschen Reicbsvost n-cht gegeben war nnd die erst geschalten werden mußte So iei es zu den Vorrang- Beförderungen gekommen, die durchaus keine Be- oorzugung darstellten, sondern eine staatd, polttifche Notwendigkeit. $)tutscföe ftimrnen«(Beilage zur(Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Gesefkidkten WWWWU. Sonntag-Montag, den 2■. und 26. Nov mber 1934 Jxstei£es! „Sie- Siktatac des cflausknecfUs" See AnystiuM Von Erich Weinert Bas große A orbild bleibt\ ictor H u g o. Als ilrr Staatsstreich des 2. Dezember 1851 den schmutzigen Eraporkömm- ling samt seinen schmutzigen Kreaturen zur Herrschaft gebracht hatte, machte der französische Nationaldichter es nicht wie Gerhart H a 11 p t m a 11 n, der flugs seine bessere Vergangenheit gleichschaltete und zum Worstkessel-Lied die Iiechte grüßend lieht, nein! er brach entschlossen alle Brücken hinter-ich ah und ging ins Exil, um gegen das Regime des dritten Napoleon Krieg zu führen. Krieg in gebundener i'nd ungebundener Rede. Krieg im Namen der Freiheit und Gerechtigkeit. Krieg ohne Ermatten und Gnade— achtzehn lange Jahre hindurch. Sein Versband..Les Chatiments", auf deutsch etwa-Die Peitscheuhiebe", war die grausame Abrechnung eines großen Poeten mit einem kleinen Abenteurer: wie viele dieser Strophen, die 1920 noch als Literatur wirkten, sind seit 1933 wieder Leben geworden! Auf der gleichen Linie wir die„Chatiments" liegt, soeben im Verlag„Les Associes" zu Brüssel erschienen. Alfred Kerrs..Die Diktatur des Hausknecht s": als Vers- und Prosahand, als Stäupung widerlichen Gesindels, als Manifestation des Geistes, der nur außerhalb der Grenzen des„dritten Reiches" zu atmen vermag, neben H e i n r i ch Manns„D e r H a ß". das einprägsamste, das erfrischendste V erk der deutschen Emigran tenliteratur. Nur der Titel—„Diktatur des Hausknecht*"? Wäre der erband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-An gestellt eil" nicht dem Schicksal aller Gewerkschaften verfallen, er würde sich zum Protest erheben, denn wie kommt ein ehrenhafter Beruf wie der des Hausknechts dazu, als Vergleich mit den verlogensten Hochstaplern und den bluthesudeltsten Banditen der Weltgeschichte herangezogen zu werdeil? Aber so hat K e r r es gar nicht gemeint. Um in einer Kritik über den „Sturmgesellen Sokrates" S u d c r in a 11 n s zu zeigen, welch - ein M iderspruch zwischen einem solchen volkerziehenden Thema und der Person dieses Theaterschriftstellers" bestehe, setzte er. vor Jahren einmal, drei Gleichnisse hin:„Was würde man denken, wenn ein Gerichtssekretär sich mit einem Rechtsphilosophen verwechselte? Wenn Oberkellner als öffentliche Erzieher aufträten? Wenn Bezirksvorsteher napo- leonisch blickten?„So wenig wie er damals den Gerichtssek- retäreu und Bezirks Vorstehern zu nahe treten wollte, so wellig denkt Kerr daran, mit dem Titel seines Buchs die Hausknechte herabzusehen. Ein Hausknecht als Hausknecht— wackerer Mann! Aber ein Hausknecht als Diktator, und zwar auf Grund seiner Hausknechteigenschaften— das ist etwas anderes. Als Ferdinand Kürnberger um 1866 herum zu den 1 agesereiguissen das Seine im Wiener Feuilleton sagte, rechtfertigte er«ich:„Ich schreibe den Theaterbericht der österreichischen Tragödie". Aehnlich dürfte Kerr, der als Büh- nenkritiker seinen europäischen Ruhm begründet hat. dartun, daß er nur bei der Stange bleibt, wenn er das schlechte Rüpelstück„Deutschlands Erhebung" und seine miserablen Komödianten rezensiert. Aber er hat solche Rechtsertigung nicht nötig. Seit je war ihm Thealerkritik nicht Selbstzweck, sondern Vorwand, auszupacken, was immer er auf dem Herzen hatte, denn er gehört zu den wenigen begnadeten Geislern Deutschlands, die nicht im Elfenbeinturm hockten und ihren Nabel bestarrten, sondern mit seinen eigenen Worten zu reden, einen lachend leidenschaftlichen Anteil an der Erneuerung menschlicher Dinge nahmen. Immer kurhettierte er auf seinem Pegasus um die Vorhut der Menschheit, immer fühlte er sich als Vorwärtspeitscher der Entwicklung am wohl- slen. und statt mit den Jahren und Jahrzehnten ruhiger, betulicher und anpassungsfähiger zu werden, wurde er stets rescher und deftiger, stets kühner und kesser. Davon zeugt auch„Die Diktatur des Hausknechts" mit den Beiträgen aus jenen Jahren, da die braune Schlammflut erst heranrollte. Nicht umsonst heißt dieser Teil„Die vergebliche Warnung", denn immer wieder suchte er in Feuilletons und Radio-Vor- ♦räeen die sanft schlummernde Republik durch Rippenstöße auf die Beine zu bringen und rief unermüdlich zur Einigung der Republikaner gegen den gemeinsamen Feind auf: Nachgiebigkeit? Im Zeitenstrom Bleibt sie ein mulmiges Symptom. Euch fehlt die Kraft zum Stoß. Pufft mal die Republike grob Au ihren schlappen Schlummerkopp. Feste! Los! Darum haßten ihn die„Fäkalsozialisten" unterm Hakenkreuz und setzten ihn auf ihre Aeehtungsliste. Unvorstellbar, was die Folterknechte G ö r i n g s mit ihm angefangen hätten, wäre er ihnen in die Klauen gefallen. So mußten sie sich zähneknirschend damit begnügen, seine Bücher dem Scheiterhaufen zu überantworten, sein Eigentum zu stibitzen und ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen—- er quittierte mit munteren Versen, die länger dauern werden als jener lächerliche Urteilsspruch: Die haben die Stirn, nach frecL-., Verbrechen Andren das Deutschtum abzusprechen. Sie gaben Mördern den Fingerzeig. Förderten Greuel und leugneten feig. Sie graben der deutschen Ehre das Grab. Drum Sprech ich ihnen das Deutschtum ab. Von der ersten bis zur letzten Zeile ist„Die Diktatur des Hausknechts" köstlich als Pamphlet der Pamphlete. Einer, der immer aus klaren Augen in die Welt schaute, sieht auch hier klar, was die sogenannte Erhebung Deutsch lands ist: tiefste Erniedrigung, einer Volksüberrumpe- lung durch plumpe Gewalthaber!, ein Gemisch mensch lieber Roheit mit grundsätzlicher Lüge, die Wiedergeburt von Rechtlosigkeit und Erbarmungslosigkeit. Wie nur so schwingt er die Geißel eines schmissigen Stils, von dem blutige Striemen zurückbleiben. Er läßt den Anführer sprechen— zu den Angeführten: Mich hat ein mulmiger Mittelstandsgott Zum Macher auserlesen— Ich tätige einen Totalbankrott. Wie keiner dagewesen. Ich rede Quatsch: die Spucke voll Speck; Das Volk hört zu mit Rührung; Denn nie kam Deutschland so in den Dreck Wie unter meiner Führung. Und seit Heinrich Heine„über das klägliche Haupt des Herrn Wolfgang Menzel in Stuttgart" die Ehrlosigkeit, die Infamie aussprach, kannte die deutsche Literatur keine so erbarmungslose Exekution wie jene, die Kerr hier an Gerhart Hauptmann vollzieht— blutenden Herzens, denn ein ganzes Menschenleben lang war er der Freund, der Wegbereiter. der Ruhmestrompeter des„Weber"-Dichters. Das N'iederziehendste ist für Kerr„nicht, daß Grauenhaftes geschieht, sondern daß fünfundsechzig Millionen es mit ansehen; es in Kauf nehmen: einstecken: jede Lumpeiltat mitmachen", das Erstaunlichste bleibt ihm„nicht der Hitlerismus. sondern der Eindruck den zu machen man ihm erlaubt". Wie die republikanischen Parteien in Deutschland angesichts der braunen Pestgefahr zagten und zauderten, so gewahrt der Dichter jetzt voller Entsetzen die Untätigkeit der demokratischen Staaten: Deutschland verrottet und verroht. Die Luft von Giften schwül und schwer. Das Blutrecht herrscht. Dem Erdball droht Der dunklen Unzeit Wiederkehr; VIan schärft das Beil zum großen Streich Im Dritten Troglodvteiireich: Schon stelzt vor„Staffeln" und„Standarten" Der Mordbandit. der braune Wicht; Die andren flüstern, wägen, warten— Und rühren sich nicht. Beeilt man sich nicht„mit der neuen, starken, ethischen Politik", so ahnt Kerr für Europa den Anbruch einer Epoche, die der römischen Kaiserzeit verdammt ähnlich sieht:„mit wechselnden Diktaturen, dunklen Bandenführern, unübersehbarem Chaos". Trotz allem glaubt er an die Heraufkunft einer Zeit. da. wie es K a r I M a r x in der..Inauguraladresse" von 1864 verkündet hat.„die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts die obersten Gesetze des Verkehrs der Nationen" sein werden. Börne, vor hundert Jahren als Emigrant im seihen Paris lebend, spottete bitter:„Französisch werde ich schon rasch lernen, aber wie fange ich es an. Deutsch zu vergessen". Nicht so Kerr. Zwar grüßt er, wie sein Daseinsgefühl in dieser apokalyptischen Zeit unverändert stark bleibt, auch auf diesen Blättern seine alte Liebe Paris. Stadt,„die von Göttern und Menschen gelieht wird, der die Kraft ist: Ringende glücklich. Glückliche glücklicher zu machen", aber zugleich bricht aufrichtigste, schmerzlichste Liebe zu Deutschland durch, ia. im Grunde ist das ganze Buch auch an den Stellen, wo der Haß gegen„die Blutschmarotzer, die Marhtfledderer. die Folterer. die Hepp-Hepp-Hunde" in Weißglut aufsnriiht und gerade dort, ein klingendes und beschwingtes Bekenntnis zu dem Deutschland, das sein wird. Karl Max. Sie JMAcecsQattUtnen- mondän^ Qlick in die ,,7leue£utie" Die„Neue Linie" ist eine reicbsdeutsche Damenzeitschrift, 'n der große und kleine Abendkleider mit und ohne Breit- seliwanzmäntel aufs wärmste empfohlen werden, in der rieselnde Spitzenfischüs. schnittige Autos und Rivierareisen eiue große Rolle spielen. Das mondänste vom Mondänen also. Zu den„Dingen, die man haben muß", gehören Orchideen in eigener Zucht. Abendblusen au» Lame und Armspangen aus Silber oder Bronze, die sich an altgermanische Formen anlehnen Die Leser der. Neuen Linie" reisen, wie man aus der Zeitschrift erfährt, im Winter nach Valdemosa oder Miramar, Menorca oder Ibiza. sie wohnen in Meran im Grand Hotel Bristol, in Rom im Hotel Atlantic, in Lugano, in Lausanne, in Ragusa— überall im ersten Hotel am Platze. Und was für Leute lassen sich für die„Neue Linie" fotografieren? Wessen Port^Us erscheinen da? Nun. wie«ich« ge- Kört, die Bilder von Filmstars, Sportgrößen und Generaldirektoren. In der letzten Nummer sah man zum Beispiel Irin Erich Ni»m.nn Ogüjj» dt! Direkt?» der Mannestnann- Werke.— Aber merkwürdig! In ihrer Gesellschaft fanden sich noch idere Gesichter, Gesichter, die z. B. ein SA.-Manu an diesem Platze sicher nicht zu finden erwartete. Wer war es? Anna-Sofie Hust, Gattin des Reichsministers für Volksbildung. mit ihrem zehn Jahre alten Töchterchen Sieglinde, Frau Eva Marie Lehmann, Führeriu und Leiterin der deutschen Lyzeen, Harro von Zeppelin, politischer Adjutant des Reichsministers für Unterernährung. Darre mit seiner Frau Edith. Frau Marie-Luise von Zentren, Gattin des nationalsozialistischen Vertreters für da. Land Hessen in Berlin mit ihren Kindern Jutta und Dieter. Aber das ist gar nicht alle*. Wenn man im Jahrgang zurückblättert, taucht eine.,Führersgattin" nach der andern auf, im ganzen etwa ihrer zwölf. Wir-utsinnen uns nicht, die Frauen republikanischer Staatsbeamten jemals als V» hinge«'"der in mondänen Luxuszeitschriften gesehen zu haben. Der spartanische Geist, die„Einfachheit" der leitenden Oberarier, die Bescheidenheit und Volksnahe machen sichtliche Fortschritte. Sie saßen auf sechshundert Stühlen Im Halbkreis um ihn herum In Logen und Vestibülen, Sein Applauditorium. Ein Ring von schwarzer. Gendarmen Umspannte mit eisernem Blick Und schwerbewaffneten Armen Die treuen sechshundert Stück. Es waren da leere Stühle, Es fehlten so einige nur. Und außerdem war eine Schwüle- Doch nicht von der Temperatur. Und jedesmal, wenn das Geschwätze Des Führers zum Donner schwoll, Dann sahn sie die leereu Plätze, Da brüllten sie alle wie toll. Sie mußten sich so gebärden. Die schwarze Armee paßte auf. Es wollte sich keiner gefährden Den weiteren Lebenslauf. Es waren gemischte Gefühle. Die Treue ist auch kein Kitt. Denn, ach. die leeren Stühle, Die brüllten ja auch einmal mit. Wer weiß, wer bei nächsten Putschen Einen leeren Stuhl hinterläßt! Es ist eben alles im Rutschen. Und da steht keiner mehr fest. Wer weiß, wie noch alles geschoben! Vielleicht sind beim nächsten Tumult Die leeren Sitze da oben; Und ein neuer Chef steht am Pult'. Jiifn in Xacis ( Stenokritiken) I. Rein französischer Film.„Angele". Erdacht von einem Franzosen; verfilmt von einem anderen Franzosen; gespielt von lauter Franzosen. II. Jean Giono schrieb:„Ceux de Baumugne"— den Roman der guten Menschen und eines Bösewichts. Der Bösewicht verführt(gemeinerweise) die Tochter eines l.andinanns; macht sie zum Straßenmädchen in Marseille. Aber der treue, redliche, junge Albin heiratet sie trotzdem — samt ihrem Kindchen von unbekannter Herkunft. Und Vater verzeiht. Vater spricht allerdings zuvor:„Ich... hatte eine Tochter!" Doch sonst ist es unpathetisch; ehrlich; hübsch. III. Hübsche Heimatkunst. Das mittägliche Frankreich ersteht: Volksgestallen; Landschaft; Sprache.(Das drollige, doch scheußliche Siidfranzösisch.) Und weil Pagnol Unternehmer des Ganzen ist(der Dramatiker von Marseille, welcher den„Goldenen Anker" oder „Marius" und seine Fortsetzung,„Fanny", fürs Theater schrieb): so wird alles mehr ein verfilmtes Sprechstück all ein sprechendes Filmstück. Also bißchen ausgedehnt. Aber, wie gesagt, sehr wackei und ohne Mätzchen. IV. Dies gehl so weit, daß zur Darstellerin des Landmädchens keine Schönheit genommen wird, kein Lilieumilchplakat, keine Ansiihtskarteii-Marseillerin: sondern eine ganz ungeleckte,, kenzeichnende Person: das unerschrockene Fräulein Demazia. Kurz: ein ehrenwerter französischer Heimatfiliu— vorwiegend für Franzosen. Doch nicht nur für Franzosen. Sauxfet^duiftsteUec in deutschet Spcucn^ Im Verlag ausländischer Arbeiter erscheint in deutschet Sprache eine Reihe Bücher von Sowjetschriftstellern I nächster Zeit erscheinen die ausgewählten Werke von Gorl in sechs Bänden. Die Bände:„Unter fremden Menschen" um „Die Mütter" sind bereits erschienen,„Das Werk der Arta- monows" und„Die Kindheit" erscheinen noch in diesem Jahr. Die weiteren zwei Bände der Werke von Maxim Gorki erscheinen Anfang 1935. Der Verlag gab das Buch von Awdeenko„Ich liebe" und „Der Pfad der Samurai" von Rubinstein heraus. In nächster Zeit erscheint der Roman„Das Wasserkraftwerk" von Maiette Sehaginjan,„Mit festem Schritt", der dritte Teil des Romans von Panferow„Bruski" und„Der zweite Tag" von Ilja Ehrenburg. Vorbereitet zur Herausgabe wird der Roman von Gladkow„Energie". Im Portefeuille der Leningrader Abteilung de* Verlags befindet sich eine Anthologie der Sowjetlyrik. Die Anthologie enthält Gedichte von Majakowski, Assejew, Besymenski, Sharow, Prokofjew, Tidionow, Komi low u. a. Die lieber- tragung ins Deutsche stammt von Hugo Huppert. Olga Haipern, Streit und Jannsen. Umfang de* Sammelbuche* 15 Druckbogen. Das Buch soll Anfang nächsten Jähret erscheinen. Sa&!Bectinec JJieatec Die Stadt Berlin hat den Gebäudekomplex in der Gharlottenstraße, zu dem das derzeit vom Kulturbund Deutscher Juden gepachtete„Berliner Theater" gehört, für 100 000 Mark erworben. Der ganze Gebäude-Komplex roll abgerissen werden, um die Errichtung von Großgaragen zu ermöglichen. Hierzu teilt die Intendanz des Kulturbünde» Deutscher Juden mit, daß der Kulturbund sowohl vertraglich wie baupolizeilich zunächst bis zum Ablauf dieter Spielzeit da* Recht hat,«eine Theiteranfführangen fertsuietzan. Völkar in Sturmialtan Nr. 71 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Sonntag-Montag, 23. u, 2t. Nov. Ofto Aus dem Zellengefängnis Briefe aus bewegter, schwerer Zeit 1848-1856 Comn von Zu den interessantesten Gestalten der Revolution von 1818 gehörte Otto von Corvin. Er wurde 1812 in Gumbinnen in Ostpreußen als Sohn eines Postdirektors geboren. 183(1—33 diente er als preußischer Leutnant erst in Mainz, dann in Saarlouis. Nachdem er seinen Abschied genommen, nahm der geistig vielseitig interessierte junge Mensch an den Bewegungen des Vormärzes lebhaften Anteil— als leidenschaftlicher Republikaner und Demokrat. 1818 kämpfte er in den Reihen der Aufständischen in 3aden. Im Mai 1819, als die Gegenrevolution die Oberhand gewann, verteidigte er als Biirgerwebr- oberst Mannheims die Stadt gegen die Preußen. Als Chef des Generalstabes suchte er dann die Festung Rastatt zu halten. Nach ihrer Uebergabe wurde er standrechtlich zum Tode verurteilt, kurz vor der Erschießung zu sechsjähriger Festungshaft begnadigt. Ir seinen„Erinnerungen" schildert er, wie diese Begnadigung eintraf, als schon alles für die Erschießung vorbereitet war. Diese sechsjährige Festungshaft hat er bis zur letzten Stunde abbüßen müssen. Er hat in diesen Jahren viel gelitten.. Aber liest man die Briefe, die er an seine Frau geschrieben bat, so wird man finden, daß der damalige Strafvollzug(für einen Rebellenführer, der mit der Waffe ergriffen wurde!) immer noch bunian war. verglichen mit den Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern. in die achtzig Jahre später das„dritte Reich" seine Gesinnungsgegner sperrt.^ ir veröffentlichen eine größere Anzahl der Briefe Corvins. Sie sind seinem längst vergriffenen, 1881 erschienenen Buche„Aus dem Zellengefängnis" entnommen. Es sind menschliche Dokumente von tragischer Größe und mit bemerkenswerten Einblicken in die politische Situation nach 1818 darunter. Vor allem den Briefwechsel mit seiner Frau wird jeder Mitfühlende mit tiefer Anteilnahme lesen. Otto on Corvin bat nach seiner Entlassung eine vielseitige schriftstellerische lätigkeit ausgeübt. 1861 erschienen seine vierbändigen„Erinnerungen". Die Reihe seiner Geschichtswerke ist lang. Am bekanntesten ist er durch den„Pfaffenspiegel" geworden, der in de» weltanschaulichen Kämpfen der Vorkriegszeit eine gewisse Rolle spielte. Im Jahre 1886 endete sein reiches und abenteuerliches Leben. 7. Fortsetzung »rvin berichtet seiner Frau Rechts vom dritten oder vierten Hause hielt ich — glaub' ich war zu Pferde— und stieg einige Stufen hinauf in einem Tabaksladen, In diesem fand ich eine hübsche, weiße Frau, welche ein braunes, ein Mulattenkind, auf dem Arm trug. Ich wußte nicht, was ich davon denken sollte, als der Kaufmann, der Mann der Frau und zwar ein Neger kam uud mir die verlangten Zigarren gab. Du weißt, daß meine Träume einzutreffen pflegen, deshalb erzähle ich Dir diesen. Wo werde ich diesen Laden finden? Es sieht mir dies ganz amerikanisch aus!—...— Daß mich die Preußen zum Tode verurteilen und endlich ins Zellen- gefängnis setzen würden, davon habe ich mir aber nie etwas träumen lassen. Eigentümlich ist es, daß mir jetzt die Vergangenheit so außerordentlich klar vor der Seele steht und Dinge, die ich längst vergessen hatte, tauchen wieder auf. Ja was vor dreißig Jahren und länger geschah, sehe ich ganz deutlich und alle Personen, die midi damals umgaben stehen vor mir. Die. nächste Vergangenheit sehe ich weit unklarer. Ich sollte jetzt eigentlich meine Lebcnsgeschiditc schreiben. Sie ist doch gar bunt und des Komischen, Romantischen und Abenteuerliche n ist sehr viel darin. Doch für wen sollte ich sie schreiben? — Für Dich? Du hast ja die seltsame Eigentümlichkeit nie zu lesen was ich schreibe. Für midi ist's nicht der Mühe wert und drucken wird's niemand. Es gehe indessen doch ein interessantes Buch, besonders wenn ich es mit Muße schreiben' und meinem Humor die Zügel schießen lassen kann. Die pikantesten Dinge müßte ich freilich verschweigen und meine Mainzer Avanturen habe ich fast vergessen, denn da sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. In Mannheim wurde ich recht an meine Jugendzeit erinnert. 1831 machte ich mit dem General v. M. und seiner Familie eine Rheinreise. In Mannheim waren wir hei dem Generai von Stockhorn. Man hielt midi, ich weiß nicht warum, für sehr reich und machte mir den TT nf. Genera! v. Stodchorn führte midi durch die Ställe der Dragoner, zeigte mir die von ihm protegierte Sdiwimmanstaalt und abends tranken wir bei ihm den Tee. F,r wohnte im Schloß und gerade in den Zimmern, die ich während der Revolution bewohnte! In dem Zimmer mit dem roten Seidentapeten, in welchem ich schlief, war der Teelisch serviert. Wir junges Volk gingen indessen in einen mit schönen Gohtelius gezierten Saal, in welchem ein Fortepiano stand.— Jetzt lagen Gewehre darin und mein Adjutant hatte darin sein Büro.-— Damals tanzte ich dort rasend mit— sieben der schönsten Mädchen von Mannheim. Drei oder vier Fräuleins Stockhorn und drei Fräuleins Bei Rellingen. In Leonore B. war ich schrecklich verlieht,— und alle sieben waren recht freundlich gegen mich, denn das sind nun über achtzehn Jahre her und meine Backen waren noch nicht so eingefallen wie heute.— Einige Tage darauf fuhr ich mit des Generals Ms. vier Rappen von Heidelberg allein zum Ball nach dem Miihlauer Schlößchen, von Stockhorns eingeladen. Mit Leonore B. tanzte ich den ersten Walzer und noch zwei Tänze. Ich war sehr eifersüchtig auf einen Adjutanten des Generals von St. Ich hatte die Ehre die alte Exzellenz zur Tafel zu führen. Ich trank viel Champagner und Du kannst denken was ich für tolles Zeug schwatzte.— Jetzt war ich wieder im Miihlauer Schlößchen! Das war ein anderer Ball! Ich ließ mit Zwölfpfiindern aufspielen. Im Saale tanzte die Volkswehr nach einem verstimmten Klavier und gelegentlich pfiffen die Kugeln dazwischen. Was hat sich in den 19 Jahren nicht alles verändert! Leonore ist wohl Großmutter und ihre jüngste Schwester, die damals 15jährige. schwarzäugige bildschöne Charlotte— letzt eine alte Jungfer!— Und was hin ich?— Damals dachte ich nicht an das Zucht- haus in Bruchsal!— Gute Nacht! Dienstag, den 18. Dezember. Seit dem 8. ist die Korrespondenz wieder gestattet und ich habe noch keinen Brief von Dir. obwohl Du es von Held wußtest. Du wirst mir zwar nichts Erfreuliches zu schreiben haben: allein ich erfahre doeh wie es Dir geht und was Du treibst und hätte doch ein Zeichen davon, daß es in der Welt noch Menschen gibt, die mit Liehe an mich denken.— Wenn man sich weder schreiheil noch«ehen dürfte und ich sieben Jahr hier siften müßte!— 5 hon hei diesem Gedanken könnte man den Verstand verlieren! Käme ich dann aus dem Gefängnis, dann würde mich Jeder als eine befremdliche Erscheinung anstarren: selbst Denjenigen, denen man am nächsten stand, würde man ein Fremder»ein, während die ganze Denkkrafl des armen Gefangenen sich an die Personen klammert, welche er liebt und die ihm deshalb nicht fremd werden können. Nicht meinen ärgsten Feind würde ich so lange auf diese Weise einsperren; das ist schrecklich.— Wenn mir manchmal eher Gedanke kommt, daß man mich doch die ganze Zeit hier sitzen lassen wallte-— ich darf gar nicht daran denken!— Iii drei bis vier Wochen, sagte mir Herr Arnold, würde wohl das Sprechzimmer fertig sein. Ich habe doch gar große Sehnsucht danach Dich zu sehen. Wenn Du aber einmal kommen willst, so überrasche midi nicht, sondern schreibe es mir eine Weile vorher, damit ich etwas Bestimmtes habe, was ich erwarten und worauf ich mich freuen kann. Wie ich höre sind viele der in Rastatt Gelangenen an ihre; Regierungen ausgeliefert worden. Wenn man es doeh mit uns auch so machen wollte. In Sachsen hat man wenigstens keine Zellengefängnisse. Doch, ich habe mir ja vorgenommen. Iiis zum Frühjahr zu hoffen. Wenn nur die Schwaben und Hessen keine einfältigen Streiche machen! Dnmm genug sind sie dazu jetzt irgend Etwas,anzufangen, wo sie gerade mitten in der Schere sitzen!— leb bin sehr begierig darauf was Du mir alles schreiben wirst. Es muß unterdessen doch mancherlei geschehen sein! Vom Staatsministerium wirst Du nun auch Deine abschlägige Antwort haben: ich schließe das daraus, weil dem Doktor die Zeugnisse von Cerutti und Hartman» zugeschickt sind, die mich nichts genutzt haben. „Sehen Sie." sagte der Doktor(Kiießlin),..jetzt sind^ic nun seh. drei Monate hier und leben noch!"— Ich habe auch nicht daran gedacht an drei Monat Gefängnis zu sterben; ja ich hübe ein so zähes Leben, daß ich es wahrscheinlich recht lange aushalten könnte lind mit meiner Gesundheit geht es wenigstens leidlich und nicht halb so schlimm als ich fürchtete; allein es ist ja auch ohn® dies schon hart genug.— Jetzt habe ich mir vorgenommen, meinen Körper ganz einfach als eine Maschine zu betrachten und die Speise als ein zu ihrer Instandhaltung nötiges Material. Ich schlucke mein Essen herunter möglichst ohne es zu schmecken, zu welchem Ende ich dabei lese und habe mir vorgenommen, nicht mehr zu hungern. sondern ohne Unterschied alles zu essen was vorkommt; Lametta-Hermann ..Warum nur die hübschen Leute Mir nicht gefallen sollen?" Manchen hält man für fett Er ist nur geschwollen. (Goethe-) mir dabei eine möglichst gleichgültige Gemiitsstimmnng zu erhalten und dem Ochsen im Stalle ähnlich zu werden. Dabei hoffe ich zu Kräften zu kommen und, wenn man mich im Frühjahr wirklich entläßt,— etwas fetter als jetzt geworden zu sein. Dürfte ich nur wieder malen! Du glaubst gar nicht, welche Freude mir das machte und mit welchem Eifer ich das trieb. Ich vergaß fast, daß ich gefangen war und freute mich stets auf den folgenden Tag, während ich jetzt zusammenschaudre. wenn ich am Morgen die Glocke höre. — Jetzt ist es bald wieder Zeit zum Schlafengehen und mein Tag beginnt. Hätte ich doch L. Storchs Hymne an die Nacht hier. Tu mir's zu lieb und schreibe ihm. daß er mir eine Abschrift davon schickt: das Gedicht ist gar zu schön. Grüße ihn von mir recht herzlich und wird mein Manuskript„Aus der Kasematte" fertig, so schicke ihm ein Exemplar. Zwei davon schicke auch an A.(Baron Andlaii). Die Adresse ist: Gothic Hcnisc, Clapham. London... Mittwochmorgen. Guten Morgen meine liebe Helene!—c Das war heute nacht ein entsetzlicher Sturm und selbst im Bette wurden meine Haare vom Winde bewegt. Ich habe heute Schmerzen in allen Gliedern und besonders in den Zähnen und im Kopf. Uehprhaupt habe ich mit der Zelle einen Übeln Tausch getroffen. Dein Doktor war es gleich nicht recht. Die Zelle oben war bei Weitem wärmer uud nicht so zugig. Ich wollte die Küferei lernen; allein daraus wird nun nichts, da der Meister weggeschickt worden ist und mein eigentlicher Werkmeister kümmert sich um meine unbedeutende Arbeit hier so wenig wie oben. Die Leute haben natürlich mehr zu tun. denn die Schreinerei geht hier sehr stark und der Mann weiß nicht, wo ihm der Kopf steht.— Ich hin jetzt mit meinen Gedanken fortwährend in Brasilien. Oder wollen wir nach holländisch Guiana! Dorthin bekomme ich wohl von Holland aus wirksame Empfehlungen... Abends. Ich hoffte heute bestimmt auf einen Brief von Dir und wenn die Tür sich öffnete, dachte ich, der Herr Prediger würde herein treten und ihn mir bringen. Allein— nichts. Nach Deiner gewohnten Art wirst Du die letzten vierzehn Tage vor Weihnachten so viel zu tun haben, daß Dir keine Zeit zu einem Bciefe für mich bleibt. Gibt es nicht irgend ein Arcauum. welches einen mouatelangen Schlaf verursacht? — Ich muß mir hier etwas schaffen, wofür ich mich interessiere. denn sonst ist es nicht zum aushalten. Ich habe eine unbändige Sehnsucht nach Brasilien, nach einem friedlichen Lehen mitten in der schönen Natur, fern von diesen kleinlichen demokratischen Zänkereien und groß- sprechenden Kleinlüder» mit ihrem philosophischen Teewassergeschwätz; fern von diesen langbärtigen, prahlenden und blutdürstigen Salvator Rosa-Figuren mit Hasenherzen, fern von diesen egoistischen, engherzigen Philistern mit dickem Bauch und langer Tabakspfeife; fern von diesen Standgerichtshelden.— doch halt, weiter nicht. Ja, fern von diesen europäischen Menschen möchte ich sein und anter dem Schatten einer Kokospalme mit denen die ich liehe, sitzen und nichts mehr von Europa und seinen Fürsten und Demokraten hören. Ja. selbst gegen den Ruhm hin ich hier jetzt gleichgültig; ich will nichts als Ruhe! Nur ein Jahr lang wenigstens möchte ich einmal das Lehen genießen in einer reichen, schönen Natur! Wenn ich auf das zurückschalle, was ich durchgemacht, was ich erduldet habe, dann fällt mir immer Heines Vers vom König Wiswamwitra ein!— Wenn ich übrigens im Frühjahr wirklich nach Amerika wandern darf, so ist mir der Aufenthalt hier vielleicht sehr gut. denn ich werde hier gewissermaßen für die mit einer so langen Seereise verbundenen Entbehrungen trainiert. Nur nicht nach Nordamerika zu den betrügerischen Yankees. Auch nicht nach der Stadt Rio Janairo. Nein, hundert Meilen strommaus am Aniazouenstrom suche ich uiir nieinen grünen Hügel am Wasser. So viel Geld als wir zu einem einfachen Hausha'i gebrauchen, werden wir ja wohl noch aus den Trümmern zusammenlesen. Ich habe mir schon alles schön ausgemalt. Du sollst täglich neue Entdeckungen an mir machen und wirst gar nicht begreifen, wo ich das alles gelernt habe, was ich da praktisch ausführen werde. In jenem glücklichen Lande braucht man ja wenig, um genügsam zu leben und den Luxus Europas ersetzt mir dort tausendfach der schöne Luxus der Natur. Dort wollen wir uns für die unter Mühen und Sorgen verbrachten letzten Jahre entschädigen. Wir wollen alle bösen Erinnerungen im alten Europa lassen und wieder jung werden. Ich bin so von ganzer Seele europamüde! Warum sind wir nicht schon vor zehn Jahren dorthin gegangen?— Doch das hat eben so sein müssen.— Gute Nacht! Corvin denkt an Auswanderung Donnerstag, den 20., abends. Wenn ich krank war. hast Du häufig die Bemerkung gemacht, daß ich. wenn der Arzt kam, stets so lebhaft sprach, als wenn ich vollkommen gesund gewesen wäre. Ungefähr so geht es mir jetzt, wenn midi der Herr Pfarrer besucht. Er ist so frendlich und sagt mir was ungefähr draußen vorgeht und das regt mich immer mächtig auf. Heute hat er mir erzählt, daß die Zentralgewalt in Frankfurt eingetroffen sei, daß Preußen und Oesterreich sich rüsteten und daß die Wahlen zum Reichstag bereits ausgeschrieben seien. Ferner erzählte er. als ich von Guiaua sprach, daß sich in Württemberg ein Auswanderungsverein für holländisch Guiana gebildet habe und daß auch eine Reiseheschrei- hmig nach jener Gegend erschienen sei. Ferner erzählte er mir auch von den Sdiriften von Struve und Mordes,— aber von meiner noch kein Wort! Diese wird wieder kommen, wenn kein Mensch mehr etwas von Baden lesen mag und die neuen Ereignisse alle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. ... Ich besorge, daß sich hier in Baden im Frühjahr Preußen und Oesterreicher in die Haare geraten. Läßt man uns nicht bei Zeiten los, so fallen wir am Ende noch den Oesterreichern in die Hände und das hieße in der Tat aus dem Regen in die Traufe kommen. Wenn man midi jetzt losließe,— ich wollte Urfehde auf ein Jahr schwören, ja meinethalben auf zeitlebens. Ich habe solchen Ekel an dem ganzen jämmerlichen politischen Getriebe, daß ich lieher unter den Affe ii Brasiliens als unter denen Europas leben möchte, um gar nichts mehr davon zu hören.— Du fragst was ich in Guiana treiben will?— So wenig als möglich und nur so viel als zum Erwerb nötig ist. Fröbel ist in Neuvork Seifensieder geworden?— Wahrscheinlich will er dort Europa den Kopf waschen oder einem gewissen Jemand den Seifenschaum dazu liefern, wenn er Deutschland barbiert! Ich lese jetzt lauter sehr niitcliche Bücher, namentlich die in Stuttgart erscheinenden Wochenhände. Jetzt lese ich eben„Pflanzenstoffe'' und ich kann sagen, daß ich daraus viel gelernt habe... Du weißt, daß ich ziemliches Erfindungstalent habe und mir genügt eine bloße Andeutung für ganz wichtige Entdeckungen. — Folgenden Vers fand ich auch in diesem Buche Dem Hoffnungstraum von schönrer Zeil Der auf der Elends Stirn erglüht Die Mandelbliite ist geweiht. Die an dem kahlen Zweige blüht. Wenn meine amerikanische Mandelbliite nur nicht erfriert i —...—... Der König von Württemberg verwendet sieh sehr dafür, daß Mögling die Auswanderung nach Amerika gestattet werde. Wer verwendet sich für mich?— Für die Erhaltung Mannheims und für die Erhaltung so vieler Menschenlehen könnte man mich wohl durch dieselbe Erlaubnis belohnen. Statt dessen sperrt mich die eine Partei ins Zuchthaus und die andere beschuldigt mich der nichtswürdigsten Dinge! Wie gesagt. Egoist muß man werden, stets nur an sich denken und alle großen, edeln Gefühle aus seinem Herzen ausrotten, denn das jämmerliche, erbärmliche Menschenpack versteht sie nicht zu würdigen und da sie selbst meistens au» Kot zusammengesetzt sind, so können sie es nicht fassen, wenn ein Anderer anders ist!— und müssen sie es endlich erkennen, so nelmen sie es iibel daß man anders ist!— (Fortsetzung folgt» I Dokumente zum Kirchenkampt veröffentlichen nachstehend zwei kirchenamtliche Dokumente zum Kirchenstreit, die uns von be- PtPr Spifp iiiiopmi'ttoll kp<1 a» C!. k.• I' der Wir freundeter Seile übermittelt wurden. Sie beweisen zweierlei: 1. Die Reichsregierung unterdrückt gewaltsam alle Mitteilungen über innere Angelegenheiten Evangelischen Kirche. Sie stellt sich erneut hinter den Reichsbischof Müller. 2. Die evangelische Rekenntnissynode wird nach wie vor von den höchsten kirchlichen Autoritäten aufs schärfste bekämpft, und zwar ausdrücklich unter Berufung auf den Willen der Reichsregierung, die die Müllersdie Reidiskirchenregierung als„einzige amtlidie und handlungsberechtigte Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche" anerkennt. F,s handelt sich um Dokumente von grundlegender Bedeutung. Sie zeigen, daß jeder Versuch, die Gegensaite im Schöße der Evangelischen Kirche zu überbrücken, zum Scheitern verurteilt ist. Redaktion der„D eutschen Freiheit" in einem Kreis- derselben höheren und Provinzini- kirchlichen VerDüsseldorf, 9. Nov. 1934. Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz Nr. 13 617. Die Deutsche Evangelische Kirche als Rechtskirche und Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Herr Reichs- und preußische Minister des Innern Erich hat zum evangelischen Kirchenstreit in folgendem Erlaß Stellung genommen: „Der Reichs- u. Preußische Berlin NW. 40, 6. 11. 1934. Minister des Innern. Königspia$ 6. VI 7770 3014. Schnellbrief. An die Landesregierungen (für Preußen: aj den Herrn Ministerpräsidenten — Geh. Staatspolizeiamt— . b) den Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, c) die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten. Na c. hrichtlich an den Herrn Staatssekretär und Chef der Präsidialkanzlei, den Herrn Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei, den Herrn Reichsminister f. Volksaufklärung u. Propaganda, die Herren Reichsstatthalter, die Reichsleitung der NSDAP., Abt. für kulturellen Frieden, in Berlin, den Herrn Reichsbischof, in Berlin-Charlolenburg. Betr.: Evangelischer Kirchenstreit. In den legten Tagen mehren sich wieder die Fülle, in denen über Angelegenheiten der evangelischen Kirche unangebrachte Berichte in die Oeffentlichkeit gelangen. Ich untersage daher bis auf weiteres alle Veröffentlichungen in der Tagespresse, in Flugblättern und Flug- sthriften, die sich mit der evangelischen Kirche befassen, ausgenommen amtliche Kundgebungen der Reichskirchenregierung. Meine Erlasse vom 17. August 1934— III 3033' 3014— und vom 1. November 1934— HI 7570 3014— treten insoweit außer Kraft. gez. F r i c k." II. Aus dieser Willensmeinung der Staatsregierung geht neben der eigentlichen Anordnung zweierlei unmißverständlich hervor: 1. Die Staatsregierung sieht mit äußerster Sorge auf die Wirkungen des evangelischen Kirchenstreites in der Oeffentlichkeit, 2. Die Staatsregierung sieht nach ivie vor i n d e r Reichs- Icirchenregierung die e i n z i g e amtliche und handlungsberechtigte Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche. Aus den uns zugegangenen amtlichen Informationen fügen wir hinzu, daß die zuständige Stelle der Staatsregierung erklärt hat, die auf Grund der Dahlemer ,.Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche" vom 20. 10. 1934 handelnden Kreise, könnten n i e auf eine staatliche Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts rechnen. Das sogenannte„Notrecht der Bekenntnissynode" ist damit erledigt. Es stellt sich als ein untauglicher Versuch mit untauglichen Mitteln dar, unter dem Vorgeben der Rechtsverleßung auf der Seite der Reichskirchenregierung durch eigenen Rechtsbruch und durch Verlassen der Grundlage der Verfassung ein Recht nach eigenem Gutdünken und Machtdiinhen zu schaffen. Es kann schlechterdings t on niemanden behauptet werden, daß für unsere Rheinische Kirche etwa der„Bruderrat der Rheinischen Bekenntnisyuode" ein kirchliches Organ darstellt, das auf der Grundlage und in den Rechtsformen der geltenden Kirchenordnung für die evangelischen Gemeinden der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz vom 6. 11. 1923 (K.G. u. V.O.BI. 1924 S. 165) gebildet worden ist. Es ist ein höchst verwunderliches Beginnen, dem amtierenden Organ, der Rheinischen Kirche die Rechtsungültigkeit vorzuwerfen und selbst in der Anmaßungder Kirchenleitung "ff völlig rechtsungültigem Boden zu stehen. Die Reichskirchenregierung ist in diesen lugen, wie angekündigt, auf das ernstlichste damit beschäftigt, die Rechtsgrundlage ihrer Gesege, Verordnungen und Maßnahmen nachzuprüfen. Sie hat sich sofort dazu bereit gefunden, als maßgebliche Staatsstellen die Frage nach der Rechtsgültigkeit an — herangebracht haben. Dabei ist festzustellen, daß der R*(htszu)tifel, soweit er von dm Staatsstellen erhobm wird, beschränkt auf das am 7. Juli 1934 erlassene Kirchen- gesetj über die Bestellung der Mitglieder der Nationalsynode und auf die Beschlüsse und Maßnahmen der nach diesem Gesetf berufenen Nationalsynode vom 9. 8. 1934. Außer jedem Rechtszweifel stehen, wie die Staatsstellen bestätigt haben, insbesondere die Mahlen zu den kirchlichen Körperschaften der Kirchengemeinden und höheren Verbünde vom Jahre 1933. Nach der Auffassung der Staatsregierung, die hier aus dem auch von der Opposition nie bestrittenen, weil rundherum unbestreitbaren Aufsichtsrechte des Staates handelt, ist die von der Reichskirchenregierung geleitete Deutsche Evangelische Kirche die einzig und alleinige Rechtskirche als die vom Staate ausschließlich anerkannte Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nur in ihr haben unsere rheinischen Kirchengemeinden ihren öffentlich-rechtlichen Rechtsstand, der begründet ist: Reichs- rechtlich auf der Grundlage der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 11. 7. 1933, landesrechtlich auf der Grundlage der Vcrfassungsurliunde der Evangelischen Kirche der alt preußischen Union vom 29. 9. 1922 und der Kirchenord nung für die Evangelischen Gemeinden der Ptovinz Westfalen und der Rheinprovinz vom 6. 11. 1923, sowie den zu diesen Grundgescßen erlassenen weiteren Ver- fassungsgesefjen und Verordnungen. Nur in ihr gilt für die rheinische Kirche das Grundgeseg des Artikels III unserer Kirchenordnung: „Unbeschadet des verschiedenen Bekenntnisstandes pflegen sämtliche evangelischen Gemeinden, als Glieder einer evangelischen Kirche, Gemeinschaft in Verkündigung des göttlichen Wortes und in der Feier der Sakramente und stehen mit gleicher Berechtigung verbände und unter ualtung." Nur dieser Rechtslcirehe und den in ihr und unter ihr stehenden Gemeinden b e s i$ e n die auf Kirchen- und Staatsrecht beruhenden Rechte und Privilegien. Insbesondere, des Eigentums und die Verfügungsgewalt über die kirchlichen Gebäude und Vermögensteile, das Recht auf Inanspruchnahme staatlicher Dotationen und Pfarrbesoldungszuschüsse, das Recht, zur Erhebung von Kirchensteuern, das Recht zur Veranstaltung privilegierter Sammlungen, das Recht zur Vorbildung und Verleihung der Anstellungsfähigkeit von Geistlichen, das Recht der Anstellung der Pfarrer mit den daraus fließenden öffentlich-rechtlichen Sicherungen für den Pfarrenstand, seine Angehörigen und Hinterbliebenen, das Recht zum Erlaß von Gesehen und Verordnungen mit öffentlich-rechtlicher Wirkung. Pfarrer, Hilfsgeistliche oder Kandidaten, Beamte oder Körperschaften der Kirchengemeinden, die sich durch Unterordnung und Zugliederung zu einer„Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche." auf Grund der sogenannten Dahlemer Botschaft vom 20. 10. 1934 aus dem Verwaltungsgefüge und Verfassungsgefüge der Deutschen Evangelischen Kirche, wie sie jetft unter der Leitung der Reichskirchenregierung besteht, durch förmliche. Erklärung herauslösen, handeln pflichtwidrig. Sie brechen die Verfassung und stellen sich außerhalb der Rechtskirche. Sie begeben sich damit aller Rechte ihres Amtes und haben die Folgen zu tragen. Der einzelne verliert die öffentlich- rechtliche Stellung und ivircl zur Privatperson. Die Körperschaft hört auf, rechtmäßiges Organ der Kirchen gemein de. zu sein. Mir sind verpflichtet und gewillt, diesen Rechtsgruticlsatf mit. den dazu gegebenen Rechtshandhaben aufrecht zu erhallen und durchzuführen. Diese Verfügung ist sofort den Presbyterien und größeren Gemeindevertretungen sowie den Kirchengemeindebeamten bekanntzugeben. Für die Richtigkeit: G. Müller. gez. S i e b e r t. Die andere Seile Geschlossen Iii elnhelllidier Front Heden iliiikr Im Reiche wird soeben ein vierseitiges Flugblatt mit der Ueberichrist verbreitet:„Die deutsche evangelische Kirche in geschlossener Einheit."! Das Blatt beginnt mit der Feststellung:„Das Gewaltregi- nient der Deutschen Christen ist zerbrochen. CS ist wie ein Geschenk Gottes, daß in dieser Notstunde auch die groben freien Verbände unsercr firchlichen Arbeit— bis auf eine bedeutungslos gewordene Gruppe— und die Lehrer unserer theologischen Jugend in einem Willen sich zusammengefunden haben. Unabhängig voneinander haben sie folgendes Tchrei- ben und Telegramme an de» ReichSbischof der Deutschen Christen, Ludwig Müller, gerichtet und seinen sofortigen Rücktritt gefordert." Die Briefe und Telegramme sind sämtlich vom.">. oder 0. November datiert. Ter B r u d e r r a t der Deutschen Evangelischen Kirche, gezeichnet T. ft o ch, fordert, dast der gegenwärtige Inhaber des Reichsbischofsamtes unverzüglich seinen Platz räumt und die Bahn frei gibt für den Mann, de» die Be- kenntnlSsynode und die groben Verbände evangelischer Ar- beit durch ihr Vertrauen zu unterstützen bereit sind. Tie L a n d e S b i s ch ö f e M e I s e r, Wurm, M a r a h- rens, Zänker werfen in einem Brief an de» Reichs- bischof diesem vor, dab er sich der politischen Diffamierung, 6er Gewalt und des Rechtsbruchs schuldig gemacht habe.„Da wir unS aber des Eindrucks nicht erwehre» können, als ob Tie sich des Ernstes der Lage nicht voll bewußt waren, sehen wir uns genötigt, Tie aus das dringendste zu bitten, dem Ttaat und der Kirche wenigstens den Dienst zu tun, daß Tie die Möglichkeit für einen Nenanfang und eine Befriedung der Kirche durch Ihren Rücktritt schaffen." Der Verband der deutschen evangelischen P s a r r e r v e r e i» e, gez. D. Dr. T ch ä s e r- R e m s ch e i d, „Wir werden sie niederwerfen" Zum Abschluß des ersten achttägigen Presseschulungskurses veranstaltete die Reichsjugendführung der Hitler Jugend am Montag, dem■">. November, im PreußenhauS eine KuUur- fnndgebnng der HJ.-Presse in der Reichsleiter Alfred Rv- senberg und Reichsjugendführer Baldur von Tchirach sprachen. „Baldur von Tchirach"— so berichtete das„Berliner Ta- geblatt"—„erntete stürmischen Beifall, als er im Namen der Jugend die Versicherung gab, der Weg R o- s e n b e r g s sei auch der Weg der deutschen Jugend, lieber die Hitler-Jugend äußerte sich Tchirach, man tue ihr Unrecht, wenn man sie als die„von oben angeordnete TtaatSiugend" bezeichne. Die historische Aufgabe der HJ. bestehe ganz ein- fach im Zusammenschluß der gesamten jungen«Generation. „ES geht", erklärte der Redner,„um die Totalität. Ich vermag nicht einzusehen, warum es neben der Hitler-Iugend noch konfessionell, Londerbünde gebe« soll lBeisall». Reli- giöie Ueberzeugung und Dienst in der Hitlerjugend lassen sich sehr wohl miteinander verbinden." Das hätten die pro- testan'tfchen Jugendorganisationen, die in der HI. aufge- gangen seien, bewiesen, und das hätten auch die Zehntau- sende bestätigt, die aus der katholischen Jugend zur HJ. ge- kommen seien.„Wir können."« so schloß Baldur von Tchirach, fördert den ReichSbischof aus, auf sein Amt zu ver- z i ch t e». 1l8 theologische Hochschullehrer haben den Reichsbischof aufgefordert, sofort zurückzutreten. Tie Leipziger Fakultät der Theologen ging besonders vor und hat die Rücktrittsforderung am Schwarzen Brett der theologischen Teminarinstitute veröffentlich». Tie Innere und die A e u ß e r e M i s s i o u, zusammengeschlossen i» der Arbeitsgemeiuschast der missionarischen und diatonischen Verbände und Werke der deutschen evange- tischen Kirche, gez. Bodelschwingh, Knak. Lü t- t i ch a u, haben dem ReichSbischof geschrieben, daß eine Be- friednng und Gesundung unserer Kirche nicht möglich ist, „solange Tie dnS Amt des Reichsbischofs bekleiden". Ter Zentralvor stand des evangelischen P e r- eins der G u st a v- A d o l s- T t i s t u n g. gez. Dr. G e r- der, Professor an der Universität Leipzig, erbittet vom ReichSbischof„das Opfer Ihres Rücktritts", denn nur eine völlige Aenderung des von der Heimaikirche bis jetzt gesteuerten Kurses könne die evangelische Auslands- diafpora vor dem Untergang retten. Der Martin-Luther-Bund für die lutherische Diaspora hält in einem Telegramm den Rücktritt des derzeitigen Reichsbifchofs für unerläßlich. Gezeichnet ist das Telegramm von D. Himer. Der lutherische Rat. gez. Dr. Meiser, schließt seine Aufforderung mit den Worten:„Wir sehen einen Aus- weg aus der furchtbaren inneren und äußeren Not, in die durch Ihre Führung die Kirche gestürzt ist, nur darin, baß Tie die Folgerungen aus der von Ihnen gescha'fenen Lage ziehen und freiwillig von Ihrem Amt zurücktreten. Das Flugblatt ist gedruckt bei der Essener Gemeinwohl G. m. b. H. in Essen. „von dem Prinzip nicht abgehen, d a ß a l l e I u g e n d u n s gehört! Dieses Ziel werden wir unerbittlich im Auge behalten und wir werden jeden Widerstand nie- d e r w e r s c n." das Berliner„Kalh. Kirchenblatt" vom katholische» konfessionellen Verbände gilt unseres Wissens 8 81 des R e i ch s k o u Dazu bemerkt 1l. November: „Bezüglich der bis auf weiteres k o r d a t e s: „Diejenigen katholischen Organisationen und Verbänd» die ausschließlich religiösen, rein kulturellen und kariii» tiven Zwecke» dienen und als solche der kirchlichen Be- Hörde unterstellt sind, werden in ihren Einrichtungen und in ihrer Tätigkeit geschützt. „Diejenigen katholischen Organisationen, die außer religiösen, kulturellen und karitativen Zwecken auch anderen darunter auch sozialen oder berufsständigen Ausgaben did> neu, sollen, unbeschadet einer etwaigen Einordnung ii staatliche Verbände, den Tchnv des Artikels 81. Abiatz X, genießen, sofern sie Gewähr dafür bieten, ihre Tätigkeit außerhalb jeder politischen Partei zu entfalten. Die Feststellung der Organisationen und Verbänoe. dir unter die Bestimmungen dieses Artikels kalten, bleibt ver- einbarlicher Abmachung zwischen der ReichSregierunq und dem deutschet Episkopal vorbehalte».' Durchs Gu&loA Der wackere Gemeinderat von Kaufbeuren, irgendwo im Süden des schönen und großen Hitlerreichs, hat je fit beschlossen, das städtische Leihhaus endgültig zu schließen; denn es sei nur.,ein Produkt der glücklich hinter uns liegenden l Orfallszeil. Zur selben Stunde hat sich der Herr Reichsfinanzminister im ,,dritten Reich" mit siegreich-spöttischer Ironie, gegen die ganz veralteten Methoden gewendet, mit denen die vergangenen„vierzehn Jahre der Schande"(in denen freilich der Knabe Schwerin-Krosigk dank der I rbanitat des Juden Hilfferding so was wie Staatssekretär wurde) Hnanzpolitik des Reiches getrieben hätten. Eine Rilanz, die stimmt, ist doch lefiten Endes nur eine Erfindung des internationalen Judentums. Was brauchen tvir noch den ängstlichen Bedacht auf den Ausgleich, zwischen Ein- und Ausgaben?.' Eine Verfallserscheinung— das! Der Herr Ein ahzm in ist er meinte, man habe in der„Arbeitsschlacht" nur für ein paar lumpige Milliärdchen eben die Einnahmen künftiger Jahre, vorweggenommen. Gar nichts sonst weiter! Die„Systempolitiker" seien nie auf einen so billigen und soliden Gedanken gekommen. Verfall und Korruption! Wenn die große Konjunktur kommt, wird man diese lumpigen Hypotheken ayj die Zukunft aus dem Westenloch bezahlen... Der Reichsfinanzministcr und der Bürgermeister von Kaufbeuren, der nun. sein Leihhaus als ein Denkmal des November Verbrechens schloß, das sind, so die knolligen Geistesfrüchte, die das..dritte Reich" in schier unerschöpflichen l arianten der Natur hervorsprießen läßt. Was zu den Bitterkeiten dieses Daseins gehört— im Falle des Reichs- jinanzministers kann das eine Reichsbilanz und ein Reichsetat sein, gegen den aurli ein Staatsanwalt nichts einwenden könnte, der auf der Suche nach einem Konkursvergehen icäre, und im falle von Knufbeuren ist das ein Gang auf die Leine, wenn man auf dieser schnöden Welt zwar noch einen Sommerpalrtot, aber kein Geld mehr hat— das alles möchten sie zu den Akten der W eh geschickte, abgestempelt als jene Schundware, die uns die Demokratie aufschwäfite, ablegen. Im„dritten Reich ist alles, an das sich keine Fahne stecken lassen kann, nicht gefragt! Man sollte im„dritten Reich" die nächsten Irrenanstalten wirklich nur noch aus braunen Ziegelsteinen errichten! Auf dem alten ehrwürdigen Pere Lachaise in Puris schläft schon fast hundert Jahre, unser Dichtersmann Heinrich Heine. Er schläft an einer schönen und. stillen Straße dort, der Avenue de la Cloche, und er schläft in Frieden gelassen von jenem Deutschland, das er so schmerzlich geliebt und dessen I eldivrbels er so bitterböse gezaust hat. Als einer, der schon sein hundertjähriges Emigrantenjubiläum in der Luft des Pantheon und im Geleucht der Fahnen von Rivoli und Auster- Iifi feiert, so ruht der deutsche Dichtersmann, von dem die brauncnOberlehrcr mit erigiertem Zeigefinger zu sagen wissen —' oh, daß der Kerl'ein Jude, und was für einer, warI Es liegen noch andere dort auf dem Perc Lachaise: Zola, Gauthier, Stendal. Aber Heine ist. unter Kollegen so was wie ein Star des Ruhestandes in Gottes Ewigkeit. Man bringt ihm, dem kleinen, frechen Juden, immer noch Blumen. Reseden hat er so geliebt und die Astern auch; und er hat sie besungen, so daß sie durch ihn fast deutsche Blumen wurden. Herr Hitler hat dafür das Edelweiß; aber es ist durch ihn noch nicht deutscher geworden... Hin und wieder findet man auch ein Geständnis, irgend ein deutsches, in Prosa oder auch in Versen an der Schwelle dieses gemiitsinnigen Hades. So je fit, icic mir jemand aus Paris schreibt, den folgenden Stoßseufzer eines anscheinend nur zur unbesse^en Hälfte Gleichgeschalteten: Heinrich Heine! Wenn Du aufständest, Du fändest Die ganze Welt verändert.... Nur Deutschland nicht! Ja— das war ja eben auch seine Tragik: Der Feldwebel reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit— Amen! F. E. Roth Literatur Tic Neue SBItfinütte, Prag X, Zizkova 4c. F.(I. AeiSkops war in Saarbrücken und erzählt, wie es heute in den Läden, in den Eases. i» den Srhauienstern. in den Aemtern dieses„Ncu-Eharbins" aussieht und was der„unbekannte Saarbrücken" über die Abstimmung denkt.„Saar und Völkerbund" heißt der zweite Artikel van H. von Gerlach über die Tarsrage.„Gens und Krieg", der Lei!- artikel van Hermann Budzislawski. Tonn Sender setz« mit dem Aufsatz.Einheit der Kräste" die Diskussion über die rate Einheitsfront iart, lieber die IISA.-Krise berichtet AlsonS Galdschmidt. Waldemar Grimm porträtiert GömböS. Außerdem enthalt die Nummer einen Beitrag über den deutsche» Theater- und Kinospielplan, Shaws Kritik Uber das Interview Stalin—Wells, einen Bericht über de» Bvokott der deutschen Waren durch die Juden in Polen». a. m. „Sic sind von Iiitier gekauft!' Wie die fransdsisdien lliiierdelegienen in Paris eingeschätzt werden (Von unserem Korrespondenten.) Paris.-24. November. Wir haben den Lesern der„Deutschen Freiheit" Kenntnis gegeben von einer erregten AuScinandersctzustg» die nach einer Schilderung der„Humanste" in den Wandelhallen der französischen Kammer zivischen den zur Rechten gehörenden Abgeordneten Franklin-Bouillon und Jean G o y, dcui„Hitlerbcsucher", stattgefunden haben soll. Auch der „Populaire hat in ähnlicher Weise den Hergang dar- gestellt. Jetzt hat nun Jean Gon diesem Organ der sozialistischen Partei eine„Berichtigung" zugestellt, damit aber das Unheil nur verschlimmert. Denn zusammen mit dieser„Berichtigung" kann der„Populairc" einen Brief von Franklin-Bouillon veröffentlichen, der. so kurz er ist. Bände gegen Hitlers neuen französischen Freund spricht. Wir lassen hier die beiden Briese im Wortlaut folgen: Jean Woij an den„Populaire": „Herr Ehefredaktcurl In Ihrer Nummer vom 22. November veröffentlichen Sie auf der ersten Seite unter Ueberschriit„Wer hat die Zu- sammenknnst Jean Goy—Hitler organisiert?" einen Artikel über eine Unterhaltung, die in den Wandelgängen der Kammer zivischen meinem Kollegen Franklin-Bouillon und mir stattgefunden haben soll. In Ihrem guten Glauben werden Sic sicherlich überrascht sein? denn Franklin-Bouillon hat mir nichts von dem gesagt, was Tic ihm in den Mund legen Ich wäre Fhncn dankbar, wenn Sie diese Richtigstellung zum Abdruck bringen würden." Franklin-Bouillon an den„Populairc": „Herr Direktor! ,,, Ich gebe Ihnen eine genaue Schilderung von dem, watz sich gestern zugetragen nat. Als ich Jean Gon zusammen mit Tanielou traf, traf, sagte ich wörtlich zu ihm:„Sie Ha!» c n eine erbärmliche Handlung b c g a n g e n."(Fn- dem Sie Hitler besuchten!— Die Red. der„D. F.".) Er ant- ivortcte nichts, und ich drehte ihm den Rücken... Ich habe ihm übrigens heute diese Worte noch einmal vor 100 Kollegen wiederholt." Tatsächlich, fügt nun der„Populairc" hinzu, hat dies Franklin-Bouillon am Donnerstagabend nach der Kammer- sitzung auch getan, im Abgeordnete waren in der Nähe, als Franklin-Bouillon zu Jean Goy sagte:„Sic hatten nicht das Das Neue Tage-Buch Herausgeber: Leopold S c h wa r z s c h i I d AUS DEM INHALT: Nr. 45 sooban•rschifinon PREIS 3 FRANCS Ott Woche Frontkämpfer als Friedenstauben Die..Daily Mail" hat richtig geschätzt Homerischer Kampf zivischen Darre und Ooerdeler Pöbelspiele LEOPOLD SCHWARZSCHILD: In der Gefahrenzone Um Seele und Tasche fugo- slavien* Aas dem Tagebuch eines Berliner Studenten ILJA EHRENBURG In den Tschungrln Europas.— Ii- Miniaturen HBIEFKASTEN H. R. Warschau. Wie Sie unS mitteilen, werden hunderte jüdische Lastträger und sonstige krästigc junge Leute, die durch den Zonder-Telcgiertcn des Einwauderiingsamlcs der Iewish Agency Ab., Ehouchi in verschiedenen Ortfchastcn Polen« ausgesucht wurden, als Hasenarbeiter nach Haisa abreisen. Kurze Zeit vorher sind von dem Delegierten ISO Salonikier Hafenarbeiter für Haisa angeworben worden.— Das scheint»ns eine neue Tücke der Weisen von Zion z» sein, die offenbar beabsichtigen.»»» noch die Berufe der Schwer- arbeiter den armen Ariern fortzunehmen. An mehrere. Tic Angeklagten des großen Prozesses gegen Mit- glieder der SAP. lind SFB sind: t. Mar Köhler geb. 1897, seit Ib. 9. 1983 in Untersnchungshast, 2. Dr. phil. Klans Zweiling geb. Zu verkaufen Vollständige Einrichtung einer Strumpffabrik Fabrique de Bonnetcrie mit Bureaus Sehr massige Miete mit schöner Vt'ohnung Sich schriftlich wenden an die Gc» schältsstellc dieses Blattes unt. Nr. 1222 Cd« d*aiur ill neiage. modernster Komfort, möbliert. Schlafzimmer. Speisezimmer, Küche, Bad, IV.-C. etc.. 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Recht, den Mann zu besuchen, der Frankreichs Vernichtung will, ohne die Regierung vorher davon zu unterrichten... Ihre Haltung ist verbrecherisch... „Sie sind von Hitler g e k a u 11!" schrie Franklin- Bouillon. Gon gab eine gereizte Antwort. Fetzt hielt ihm sein Widersacher vor. dast er einen elenden Schacher mit poli- tischen Gegnern treibe, um sich sein Manoat zur Kammer zu sichern...„Sie sind ein trauriger Politiker!" Jean Goy weicht zurück. Da nimmt der andere seinen Vorteil wahr und macht sich über Jean Göns Reisebegleiter her: Robert Monnier? Jedermann weist von ihm, dast er ein Mensch ist, der ebenso sehr seine Zeit in den Zimmern der Untersuchungsrichler wie im Pariser Rathaus(M. ist Stadtrat. D. Red. d-„T. F.".) zubringt. Man sollte sich nur bei seinen Kollegen und den Behörden erkundigen... llebrigens hat es Caisin vom Kriegsteilnehmervcrbaiid lC. steht links. T. Red. d.„D. F.".) abgelehnt, an der Reise teilzunehmen." Mit hochgerötetem Gesicht, so schliestt der„Populaire" seinen Bericht, flüchtete Jean Goy. Unglücklicherweise aber geriet er in eine Gruppe von Journalisten, die ihn fragten, ?b er, der behaupte, im Namen der ehemaligen Frontkämpfer zu sprechen, nicht damit zuirieden gewesen sei, sich am 6. Februar am dem Place de la Concorde zu schlagen? tBci den Strastcnkämpfen. Die Red. d.„D. F.".) Und einige gingen so weit, zu behaupten, Jean Goys Antrag aus Zah- lung einer Pension sei zurückgewiesen, er habe den Krieg nur als Bahnhofsvorsteher kurze Zeit, z. B. in Maubcuge mitgemacht. Aus alle diese Angriffe brüllte Fean Goy nur: „Ich habe Papiere!" Cs scheint, daß Hitler sich in der Wahl seiner Besycher ge- irrt hat. ROsfungsreisender Rlbbcnirop Er kommt nach Paris? Poris. 24. November. (Von unserem Korrespondenten) Ter Berliner Korrespondent des„Fnträiisigeänt" will in der Reichsbanptstadt erfahren haben, dast die Reichs- kanzlei den Tondcraesandten Hitlers. Herrn von Ribben- trop, angewiesen habe, sich von London nach Paris zu be> geben. Es sei also wahrscheinlich, dast Hitler? Abgesandter in Kürze dem französische» Austenministerium am Quai d'Orsay seinen Besuch abstatten werde. l&Ofl, seit 15. 9. 1983 in Untersuchungshaft, 3. Hermann Reich, Geschäftsführer des Reichsverbandes deutscher Polksrechishilse, geb. 1886, seit 13. 9. 1983 in Untersuchungshaft, 4. Karl Bai er, geb. 1887, seit 13. 9. 1988 in Untersuchungshaft, 3. Edith Naumann, geb. 1909, seit 13. 9. 1988 in Untersuchu«Usbaft, 6. Hans Beldner, geb. 1912, seit 13. 9. 1938 in Untersuchungshaft, 7. Gustav Sceger, geb. 1913, seit 13. 9. 1988 in Untersuchungshaft, 8. Käthe Kirschnick, geb. 1918, 9. Ilse Schnieder, geb 1913, 10, Peter Keller ans Köln, geb. 1914, seit 30. August 1983 tn Untersuchungshaft in Köln. 11. Charlotte Adel, geb. 1898 seit 13. 9. 1988 in Untersuchungshaft, Ii'. Lilli Adel, geb. 1916, 18. Wvlsgang Bötzer, geb 1918, 14. Erika Bötzer, geb. 1912, 13. Kurt Liebermann ans Dresden, geb. 1908, seit in. 3. 1931 in Untersuchungshaft, 16, Erich Trucker, geb. 1903, seit AI. 8. 1931 in Untersnchungshast, 17. Peter Löwn, geb. 1909, seit 3. 4. 1984 in Unter- suchungshast, 18. Tr. Stefan Szende, geb. 1991, in Ungarn, seit 19. g. 1984 in Unterluchnngshast, 19. Tr. med. dent. Georg Weinberg, geb. 1883, seit 19. 3. 1984 in Untersnchungshast, 30. Gustav Kleiner!, geb. 1908, seit 29. 8. 1984 in Untersuchungshaft, 21. Ernst Zander, geb. 1909, seit 29. 8. 1984 in Untersnchungshast, 22.«Rinther Kell, geb. 1999, seit 20. 3. 1934 in Untersuchungsbast, 23. Käthe Schustan, geh 1899. seit 28. 3.>9:14 in Untersnchungshast, 24. Hans Iis, geb. 1906, seit 20. 3. 1984 in Untersuchungshaft. Erika Wasserkante. Ihnen verdanken wir die Mitteilung eines besonders schweren Falles von Nazi-Korruption: Bom Londgericht in Hamburg wurde die frühere Kreisamisleiierin der ALB-, Gicseler. wegen Veruntreuung und Unterschlagung von 3309 Mark, die der N5V. gehörten, zu zwei Iahren Zuchthaus und zwei Iahren Ehrverluit verurteilt.— Also nicht nur die männlichen, sondern auch die weiblichen Hitlerbonzen stehlen. Pfälzer Leser. Wie Sic uns mitteilen, Hai das Deutsche Hand werkinsiitut aus Anregung des Reichsstandes des T eutschen Handwerks Erhebungen über die Gummisohle angestellt und dabei neben eigenen Versuchen gutachtliche Aenßerungen der Fachärzte, Fachlehrer, Schnhsachlenlc und Träger von Gummisohlen eingeholt. Tos Ergebnis der Untersuchungen wird setzt veröffentlicht. Als Ein- ivtrtung der Gummisohlen aus den Menschen ist das Entstehen von Fußmißbildungen wird begünstigt. 6. Tie Pentilationsmöglichkeit temperatur und die Schrlltsicherheit festgestellt worden. Das Er- gebnis wurde in II Punkte» zusammengefaßt: 1. Ter natürliche Gang wird beeinträchtigt. 2. Einzelne Fußknöchel! werde» aus ihrer natürlichen Lage verschoben. 3. Bestimmte Muskelgruppen des Fußes ermüden. 4. Tie Fußiorin wird verändert. 3. Das Entstehen von Fusimißbildungen wird begünstigt. 6. Per Bentilalioiismöglichkeit durch de» Schuhboden wird uiilerbnnden. 7. Brennen, Hitze und Sckwergesühl im Fuß werden erzeugt. 8. Tie Schweißabsonderung wird verstärkt. 9. Tie SchweißlußbUdnng und sekundäre Erkrankungen werden begünstigt. 19. Tie Erkällungsgeiabr wird erhöht. 11. Tie Unsallgesahr wird durch Ausrutschen und Stolpern verstärkt. Weitere tl Feststellungen betreffen die Einwirkung der Gummisohlen aus das Schuhwerk, dessen Lebensdauer herabgesetzt wird.— Diese.verdammten Gummisohlen. Aussallend ist nur, daß ihre furchtbaren Gefahren erst entdeckt werden, seitdem der Gummi lnavp wird. Tr. in. 8. P. Ihre Schätzungen sind noch viel zu niedrig. Im Monat September ist die Plntbilanz: Tie Hinrichtungen der antiiaschistiichen FreiheitShelden Hans Schidzick, Gregor Meißner und Willi Jasper, das Todesurteil gegen den?lntisaichisten Ottmar, 643 Jahre Zuchthaus und 836 Jahre Ge- sängnis. Allein das„Bolksgericht" verbängte im September'gegen antisaichistiiche Arbeiter 289 Jahre Kerker, davon 191 Jahre Zucht- haus und 93 Jahre Gefängnis. Tamlt beläuft sich die unvollslän- dlge Gesamtsumme der bei der Roten Hilfe Teutschlands registrier- ten Kerkcrstraien gegen Antifaschisten seit der Machtübernahme Hitler» aus die ungeheuerliche Zahl von 12 200 Jahren Kerker. Im Mo- nat September wütete die faschistische Justiz mit besonderer Bruta- lilät, mit dem vergeblichen Ziel die ständig wachsende antifaschistische Widersiandsbewegnna. deren Ztärke sich in den von Goebbels selbst zugegebenen 7,7 Millionen Neinstimmen am 19. Auanst oiienbarte, durch einen verstärkten Terror zu zersetzen. Das beweisen Schreckens- urteile von 86 Fahren Kerker im Bielefelder Kouimiiiiistenvrozeß. von 38'/, Jahren Zuchthaus gegen 1» Kommunisten in Radcberg bei Dresden und von 47 Jahren Zuchtbans geaen 6 Ekarkvttenbnraer Kommunisten, die während des berüchtigten Maikowskiprozesses ver- hastet wurden. Füi Ben isetamitubal! veranrworlllch; Johann Pitz In Dud- weiler; für Inserate: Otto Kuhn>n Saarbrücken. Rvrartonsdruck und Verlag: Verlag der Bolkssttmme GmbH„ Saarbrücken 3» Schützenstratze 5.— Schließfach 778 Saarbrücken.