I I m Einzige unabhängig« Tageszeitung veutkchlauds ^1r. 263— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 28. November 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Volksfest an dee Saac! Seite 3 Quhatt Segec in USA. Seite 4 Sieg, du!Banzen in Banzig Seite 8 Jubiläum ff raff durch Freude Kuhurkatsadien der marxistischen Arbeiterbewegung gegen Oonzenweihraudi Einstige Leistung- ohne Phrase •■Cht ORit traft durch Frcnfce": so gehr cd iefct preisend piirch alle Spotten der braunen und gleicknrcschaltcteu Presse. -i.te nationalsozialistischen Zerstörer der deutschen Arbeiter- bewegung lassen sich in Feier« allenthalben als Pioniere eines bisher nie dagewesenen Werkes zugunsten des dcut- ichcn Arbeitsvolkes rühmen. Um die spärliche Haarkrone des Herrn Tr. Leg rankt sich der Lorbeer, iveil er endlich zum»Sozialismus der Tat" geschritten sei, wie „traft durch Freude" beweise. Vor uns stehen zahllose Be- richte über die in ihrem Namen erfolgte» Veranstaltungen. Wenn bei einer Abendveranstaltung der Gefolgsmannen des Betriebes die Frau Direktor mit dem Werkmeister tanzte, so war dies ein Beispiel der Volksgemeinschaft. Wenn die Auserlesenen aus den Betrieben ans Ferienfahrt acschickt wurden, dann brachten Zeitungen und Zeitschriften immer wieder die gleichen Ncklameschildcr:„Groß- städtische Fabrikarbeiter, zum erstenmal in die Schwarz- wald-Tonne blickend", oder:„Hüttenarbeiter erleben die hohe See". Man erfuhr nicht, das; die grqste,, Bade- und Luftkurorte der bessere» Hcrrjchaste», Wiesbaden, Nauheim, Homburg, Garmisch-Partenkirchen usw., besehlsgemä'st von diesem Armen-Lcut-Bcsuch verschont werden mustten. Nur inasiizicll wurden die Seufzer der Hoteliers und der grasten Reedereien bekannt, für die„Krakt durch Freude" immer ein sehr gcfürchtetes Verlustgeschäft bedeutete, Sie hielten sich dann vielfach durch schlechte Unterbringung und Verpflegung schadlos. Aber das nur nebenbei. Wir hallen uns nicht an Kleinig- leiten. Tiefes„Krail-örnch-Freude Werk" wird selbst von klugen Leuten als eine Gipfelleistung national- sozialistischen Kulturwillens angesehen. Mangelhaft Unter- richtete glaube», dast hier eine schöpferische Leistung vor- liege, die in der Sozial- und Kulturgeschichte der deutschen Arbeiterbewegung nahezu ohne Vorbild und ohne Beispiel fest Wir sind gezwungen, diese Gutgläubigen zu enttäuschen. Ten,, was ist tausendfach bestätigte und beweisbare Wirk- lichkeit? Tic Organisation der deutschen Arbeiterbewegung, gegliedert in die drei grostcn Säule» Sozialdemokratie, freie Gewerkschaften und Genossenschaften, haben sich, che sie vo„ den braunen Usurpatoren verwüstet und bestohlen wurden, niemals nur auf die nüchtern praktische Leistung im Ticnste an ihrer Mitgliedschaft beschränkt. Von Anfang an habe» sie zugleiä, vor ihnen höchste kulturelle Berant- wortung empfunden. Sie haben die Arbcikcrschasi erweckt aus der Tumpfhcii eines nur wirtschaftlich betonten Taseino. Sie haben sie zuerst mit de» geistigen Gütern der Nation vertraut ge- macht und in Unzähligen die ersten Funken des km,st- • lerische» Erlebens entzündet. Sie habe,, sich mittelbar und unmittelbar eine Reihe von Kutturorganisationen angegliedert, die in der deutschen Arbeiterschaft die Freude an der Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers und den Sinn für die Schönheiten der Natur entfachten und unermüdlich zu entwickeln suchten. Sollen wir sie anszählen? Wir nennen die Arbeitersportvewegun g, die mit den Turnern und Radlern begonnen hatte und für»ielc Hunderttausende, Männer, Frauen und Kinder^ Ent- fpannung und Vergnügen bedeutet hat. Tie große Organi- satio» der„N a t tt r f r e tt tt b c" hat die Arbeiterschaft daS Wandern gelehrt, wofür die unzähligen, aus eigenen Mit- teti, erbauten Natursrcun dehäuser zeugen. Darin haben Millionen ihren freien Tonntag verbracht, denen ihnen erst die Arbeiterbewegung erkämpft hat, ihren Mt- laub. den ihnen erst die freien Gewerkschaften errungen haben. Billige Reisen in das Gebirge und an die See. auch ins Ausland wurden organisiert. Tie Arbeiterschaft de, verruchten vierzehn Fahre besaß ihre eigenen Boots- häuf er zur Pflege des Ruder- und Segelsports und hatte sich in den großen'Städten bereits eine Anzahl von Sport- flugzeugcn geschaffen. Wir brauchen nicht zu sagen, dag alles teils vernichtet, teils gestohlen wurde, um. als national- sozialistische Originallcistung wieder aufzuerstehen,^.ir er- inner» serner an die sich mächtig entfaltende K i n d e r- s r eundcbewc g u ng mit ihren Fcricnsp.clcn und ihren großen Zeltlagern, die die Hitlerjugend heute nachzuahmen sucht. Welch eine mächtige Kultuischopfung war die Arbeitersängerbcwegung. die ttt dem^hrzehnt MC de» lT ir hr"ife GcrOdtic Arbeit und Anregung zu geben. Tie Freie Volks- b ü h n e, die die deutsche Bühne aus dem Bann der kit- schigen Romantik erlöste und dem jungen Naturalismus Wegfreiheit verschaffte. Billige Voltsvorstellungen und Kon- zerte und Wanderbühnen erschlossen den Arbeiter» deutsche Kunst. Sie ist mit ihren Verzweigungen bis in die kleinste» Städte hinein aus der Geschichte des Theaters nieuzals aus- zulöschcn. Ueberall hatte die sozialistische Arbeiterbewegung Volkshäuser unter Inanspruchnahme der größten Opfer errichtet, um der Arbeiterschaft in ihrer Freizeit ein Heim zu geben. Ueberall, auch in den entlegenste» Orte», wurde für Bibliotheken gesorgt, die zu einem sehr großen Teile in den glorreichen Rückenlagen des Jahres 1938 unter dem Jubel entmenschter Leute aus Hausen gc- schichtet, zerstampft und verbrannt worden sind. Ten Erwerbslosen waren überall durch die Ar- beiterbewcguug Unterhaltung und Fortbildung kostenlos geboten worden. Ter Raum reicht nicht aus, um die großen Kultur- gemeinden, die in innerer Verbindung mit den großen Arbeiterorganisationen standen, korrekt und genau aus- zuzcigcn. Jbre Fugend, in der das Wandern zum erstenmal popu- lär wurde, und die den Kamps gegen Alkohol und Nikotin und gegen die Schundliteratur begann, bezeugt den Geist diefer keineswegs nur durch Politik und durch Interesse, sondern auch durch starke Gefiihlskräfte gebundenen Gemein- schaff. Tic große Literatur und das stark entwickelte Z e i t s ch r i s t e n w e s e n bewerfen dieses reiche innere Leben, das für so unendlich vieile das erste geistig-sittliche Erlebnis darstellte. Selbst die Riesenorganisationen, von den heute„Kraft durch Freude" so viel Rühmens macht, ist längst dagewesen. Tie großen Gewerkschaften und der Sozialistische Kulturbund hatten schon seit Fahren solche Möglichkeiten geschaffen, auf Grund von Spar- und Feriengeldern. Ter Unterschied zu„Kraft und Freude" be- stand darin, dast diese Kultur- und Erholungsvermittlung aus eigenen Kräften und für alle erfolgt ist.„Kraft und Freude" aber gewährt sie als Bevorzugung für genehme und bewährte Vertrauensleute— auf Kösten der großen Masse. Aber wir wollen bei diesen Ausstellungen und Vergleichen das Entscheidende betont herausheben. Wer bat den Ar- bcitcrn in jahrzehntelanger Arbeit einige bezahlte Ferien- tage verschafft? Wer hat in unermüdlichem und zähem Ringen die Widerstände gegen die Sonntagsruhe nieder- gezwungen, von der Verkürzung der Arbeitszeit ganz zu schweigen? Tiefe Leistungen der Sozialdemokratie und der freien Ge- ivcrkschaftcn haben überhaupt erst die Voraussetzungen gc- schaffen, daß sich ein Kulturwillc unter der Arbeiterschaft und ein Verlangen nach Ausgestaltung der Freizeit zu entfalten vermochten.„Kraft und Freude" brüstet sich mit einem Werke, das die beschimpften und ausgestoßenen„Marxisten erst ermöglicht haben. So hat denn auch„das Jubiläum" von„Kraft und Freude" wenigstens eine gute Seite. Es macht die Mitwelt wieder einmal auf die gewaltige schöpferische Arbeit der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung aufmerksam und verkleinert mit Fug und Recht die kleinen braunen Schreier, die sich heute vom fremden Gute materiell und geistig ernähren. Es wird für alle Zukunft niemals eine deutsche Arbeiterschaft geben, die sich nicht auf den Leistungen der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften ausbaut und sie weiter- entwickelt. Zudhhausmasdiine Berlin, 27. Nov. Der Volksgerichtshof verurteilte heute den Svjährigen ehemaligen Instrukteur des Zen.iralans- schusses der KPT. Hans Pfeiffer wegen Vorbereitung zum Hochverrat zur zulässigen Höchststrafe von drct Jahren Zuchthaus, den 29jährigen Hugo Paul aus Remscheid zu zwei Fahren sechs Monaten Zuchthaus, den 39jährigcn Rudolf Hennig aus Düsseldorf zu zwei Fahren Gefängnis und die Mitangeklagte 28jährige Ellen Lueg, die Pfeiffer als Tchrcibhilse zur Verfügung gestanden hatte, zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis. Die drei Angeklagten, die sämtlich ehemalige Reichstags- abgeordnete der KPD. sind, haben bis zum Sommer ver- gangcnen Jahres in den Bezirken Niederrhein, Mittelrhcin und Ruhrgebiet den Versuch gemacht, eine komwuuitUjchc QMlÄcktM tm MkllM»«» Berlin. 26. November. Tie regierenden braunen Bonzen werden mit Wehmtrt an die harmlosen Kritikaster, Meckerer und Miesmacher denken, gegen die sie im Frühling dieses Jahres im Felde standen. Tas waren gutmütige Leute im Vergleich zu best Gcrüchleträgern, die wispernd und tuschelnd, manchmal aber auch schon mit recht kräftigen Stimmitteln ihr Wissen um das private und öffentliche Leben der Herren und Damen Regenten vom Amtswalter bis zum Rcichsstatt- Halter, vom Truppführer bis zum Reichskanzler und „Führer" des„dritten Reichs" kund tun. Ob alles oder welcher Hundertsotz von den Erzählungen wahr ist? Wir wissen es nicht. Wichtig und richtig ist jedenfalls, daß sa gut wie alles geglaubt wird, was das deutsche Volk sich über sein doch noch beinahe funkelnagelneues Regime zu- flüstert, zu"aunt, zuspricht und hoffentlich bald zuschreit. Fangen wir mit derhochgepriesenendeutschen Z och l u n d S i 11 e a n. Die sollte doch den marxistischen Kulturbolschewismus überwinden, der unsere deutschen Mägdelein zu vergiften und unsere deutschen Jünglinge zu entnerven drohte. Dos hat mit einem schönen Reinfall geendet. Selbst die treuesten Hitlereltern sind sich kaum noch darüber im Zweifel, daß der BdM.. die Hitlerjugend, der Arbeitsdienst, die SA. und die SS. eine nie in Deutsch» land erlebte Iugendverwüstung betreiben. Auf dem Nürnberger Parteitag war dieses Jahr der BdM. nicht zu- gelassen, weil ganz Nürnberg erzählte— und von da drang es ins Reich—. daß Konfirmandinnen neun Monate nach dem Parteitag Mütter geworden seien. Zoten über den BdM. sind der Hauptgesprächsstoff in der SA., und man kann sie von Schulmädchen im BdM. weiter erzählen hören. Seit Monaten ist es in jeder deutschen Stadt öffent- liches Gespräch, wieviele Mitglieder des BdM. in Kranken- Häusern und Entbindungsanstalten liegen, da und dort angeblich auch Schulpflichtige. Gibt es eigentlich noch einen deutschen Ort, in dem nicht unter Nennung von Namen und Zeugen homosexuelle Vergehen in der Hitlerjugend und massenhaft gleichgeschlechtliche Betätigung im Arbeits- dienst behauptet wird? Wem sind nicht schon verzweifelte Eltern begegnet, die entsetzt sind über die Veränderungen, die mit ihren Kindern in der braunen Erziehung vor- gegangen sind? Wer will bestreiten, daß kirchliche und pädagogische Würdenträger an sozusagen berufenen Stel- len immer wieder Klagen und Warnungen vortragen? Und da wundert man sich über„Gerüchte"! Ein anderer Pestherd ist die S t e r i I i s i e r u n g. Eine Statistik über die Häufigkeit ihrer Anwendung fehlt. Wenn die Statistik käme, würde sie niemand ernst neh- wen, denn den Glauben an amtliche Angaben hat man sich im„dritten Reich" allmählich abgewöhnt. So kursieren denn private Zahlen. Man spricht davon, daß 1866 Blinde und 23 666 Taubstumme mit Gewalt sterilisiert worden seien. Die Zahl der Sterilisierten überhaupt reiche an 266 660 heran und solle im Jahre 1835 verdreifacht werden. Wir fügen ausdrücklich hinzu, diese„Greuelberichte,, stam- wen nicht von uns, sondern aus nationalsozialistischen Kreisen. In einem Jahre hat die sogenannte deutschfeind- liche Emigrantenpresse nicht soviel„Greuelberichte" gedruckt, wie jetzt in einer mittleren deutschen Stadt an einem Tage von Mund zu Mund gehen. Die furchtbaren seelischen und körperlichen Folgen der Sterilisation ge- hören dazu. Gibt es überhaupt noch eine Schlechtigkeit, eine Gaunerei, eine Spitzbüberei, die man den Hitlerbonzen nicht zutraut? Auch die Regenten und"Funktionäre des von den Nationalsozialisten gestürzten Systems standen nicht alle in einem guten Geruch. Aber was ist das gegen den Gestank, der sich jetzt um die braunen Bonzen ans- breitet. Ein Jahr lang scheinen Millionen Deutsche blind und taub gewesen zu sein gegenüber der Korruption, die von Anfang an unter Hitlers Diktatur sich ausdehnte. Man war schon auf dem besten Wege, aufzuwachen, als die Gewitter des 36. Juni herannahten. Unter den furcht- baren Donnerschlägen war man eine Zeitlang eingeschüch- tert, aber das ist nun vorbei. Jeder Deutsche, und hier gibt es nicht eine einzige Ausnahme, kennt in seinem Gesichtskreise einen oder mehrere Defraudanien, Wüst- linge, üble Geschäftemacher oder doch mindestens weit überbezahlte und dazu meist unfähige Naziführer, sieht ihre rasche Bereicherung, ihr Saufen und Fressen und Huren und die Eleganz ihrer legitimen und illegitimen Weiber. Wie äußert sich die Erbitterung? In Gerüchten. Man erläßt scharfe Kundmachungen, man verurteilt Gerüchte- wacher, man steckt sie ins Konzentrationslager, aber das vermehrt die Gerüchte nur. weil niemand mehr an unparteiische Gerichtsverfahren und Urteile glaubt. So hat denn das Regime in allen Schichten rapid a n moralischem Kredit verloren. Sehr star' äußert sich dag bei den Sammlungen für das Winterhilfe werk, wo sich jeder nach Möglichkeit von der Spende z» drücken versucht. Nicht, weil man den Armen nicht helfen möchte, sondern weil man den klebrigen Fingern der Nazi- bonzen mißtraut. Die Gerüchte sind schuld daran, und der Ml dicke MhcheitskN«,^^^ ngn steckh Ado l f Hitler? Seine Paladine haben mit Erfolg sich bemüht, ihn als einen Moralathleten auszugeben: ohne Alkohol, ohne Fleisch, ohne Nikotin, ohne Frauen. Daß es nicht immer so war, wissen nicht nur seine Intimen. Warum es jetzt so ist, und ob es immer so ist, mögen Be- rufene untersuchen. Wir hallen uns bei den Gerüchten, die auch da leise aufzusteigen beginnen, nicht weiter auf. Wir verlangen gar nicht, daß ein deutscher Politiker lebt wie ein Leutnant der Heilsarmee. Selbst gegenüber diesem Hitler lassen wir die Fladen Unrat unbenützt, die noch von den Reden des nationalsozialistischen Parteiführers und seiner Kreaturen gegen die republikanischen Staats- männer reichlich in Teutschland herumliegen. Wichtig ist uns nur, daß die berühmten Gerüchte den Nimbus der Allwissenheit und AlltiichtigKeit des„Führers" anzugreifen beginnen. Eigentlich fing es schon an mit der übrigens erlogenen Entschuldigung, der große Hitler wolle das oder jenes nicht, und er würde diese oder jene Bestialität verhindert haben oder die Täter doch bestrafen, wenn er die Wahrheit erführe. Es dämmerte also etwas wie eine Ahnung auf, daß der Diktator keineswegs so sehr führe, wie den Massen eingeredet worden war. Allmählich aber dringen die Gerüchte vor, die wissen wollen, daß der Reichskanzler und„Führer" von Cliquen und Interessen- tenklüngeln, von Intriganten und Strebern hin und her gerissen wird, die er nicht alle erschießen lassen kann wie weiland seine Lieblinge und treuen Kameraden Nöhm, Heines, Ernst und Konsorlen. So wird denn der Gruß „Heil Hitler" mehr und mehr zu einem Beamtengruß. Man fahre hunderte Kilometer mit dem Schnellzug durchs Land. So oft auch der Schaffner die Abteiltüre mit„Heil Hitler!" öffnet, um die Fahrkarten nachzusehen, nur ganz selten oder nie wird jemand den Hitlergruß erwidern. Tut es einer, so denkt man wohl:"der kommt aus dem Saar gebiet! Dafür dringen andere Hitlergriiße vor. Von den Export- Kaufleuten an der Wasserkante, die so ziemlich als erste die großen Führertalente des Festredners aus Braunau er- kannt haben, stammt der aus der Schiffersprache über- nommene Gruß Ahoi! in seiner neuen Bedeutung: Adolf Hitler ohne Interesse!— Weidmannsheil antworten andre auf das„Heil Hitler!" und wollen damit kund tun, daß er doch recht viele Böcke schießt. Daß der spöttische Witz so mehr und mehr an den allerobersten Osaf sich heranmacht, der solange als ein gottbegnadeter und er- leuchteter Heiliger über uns alle hinausgehoben war, ist vielleicht das deutlichste Zeichen der Vergänglichkeit alles Irdischen auch im politischen Leben des„dritten Reichs". Gerüchte! Was alles wird über Attentate und Duelle herumgesprochen und allgemein geglaubt, von den Pg. am meisten. Duelle zwischen Göring und irgendwelchen Rächern Schleichers! Schüsse der Schwester des ermordeten Ernst auf Göring und seine Rosalinde. Anschläge in Berlin und in München und sonstwo auf Adolf Hitler! Nicht ein ein- ziges dieser Gerüchte kam aus dem Auslande oder aus der Emigrantenpresse. Alles made in Gerrnany! Man sagt sich: schweigen die deutschen Zeitungen, so lügen sie. und be- richten sie, so lügen sie noch mehr! So macht sich denn das deutsche Volk in Form von Gerüchten seine eigene Zeitung, und das Wort kehrt so zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück in jene Zeit vor Gutenderg. a l s d i e„Zeitung" von Mund z u M u n d d u r ch das Land g e- sprachen w u r d e. Sollen wir noch über die Kriegsgerüchte schreiben? Jeder kennt sie. jeder verbreitet sie, und jeder hält sie für wahr. Unheimlich und unfaßbar in millionenfacher Fratze schleicht das Gerücht durch unser Deutschland. Es ist ver- gcbliche Mühe, das Gerücht fassen und vernichten zu wollen. Seine Aufgabe und sein Ziel ist groß, denn es be- reitet das Gericht vor, das die Regenten unseres Unglück- lichen Landes furchtbarer verdient haben als ie die Träger eines noch so verderbten Regimes. „Sdiafsböpfe und Sdiurhen" Ein Reichsstatthalter über die neue deutsche Volksmoral_ n_„, $ e Ii a u, 27. November. Ter ReichSfiatthalter in Braunschweig»nd Anhalt. Loope r, veröffentlicht im Anschluß an die schon acmcldete Verurteilung von vier Personen, die im Schnellverfahren wegen der Verbreitung erlogener Gerüchte über den Reichs- statthalter zu Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, einen A n s ruf, in dem er sagt, es gebe nur zu viele Volks- genossen, die zwar selbst an der Herbeiführung des Umschwungs nicht beteiligt gewesen seien, die sich aber heute be- müßigt fühlten, nicht nur die Sonde ihrer belanglosen Kritik an die Maßnahmen des Führers und der Partei zn legen, sondern die sich auch anschickten, ans einem Gemisch von Dummheit und Frechheit heraus den Versuch zu unternehmen, den nationalsozialistischen Staat zit sabotieren. nm damit lebten Etzdeö erneut ein nicht ausdenk- liches Elend über Teutschland heraufzubeschwören. Gerüchte würden in die Welt gefetzt, Lügen erfunden, Gemeinheiten behauptet und getuschelt, über die Bewegung selbst, insonder- fielt aber über ihre Führer. To bleibt niemand verschont. Heute sei er, der Reichsstatthalter, abgelebt, morgen habe er fluchtartig Dessau verlassen, übermorgen überrasche ihn der Führer bei Sans- g e l a g e n. dann wieder st e h l e er W interh.il' s- g e l d c r und verprasse sie mit Weibern nfw. Man konnte über so viel Gemeinheit, Tnmmheit und Erbärmlichkeit die Achseln zucken, wenn es nicht Schafsköpfe und Schurken genug gäbe, die nicht nur den Wahnsinn glaubten, sondern Ihn sagar weiter ver- breiteten. Zum Schlüsse heißt es in dem Aufruf, der Reichs- statthalter rufe hiermit die alle Garde z u m Gegenangriff a u f. Er lege seine Ehre in ihre Hände und erwarte von ihr, Ivo sie einen Gerüchtemacher oder Ver- leumder fasse, daß sle ihn unverzüglich dingfest mache und ihn melde, damit er sein verdientes Los finden könne. Der I ü b c und seine Helfershelfer müßte» wissen, daß, wer einen alten Führer der Bewegung angreife, diese selbst anfasse und gewärtig sein müsse, von der Bewegung zerschmet- tcrt zu werden. Ter Staatsanwalt hat übrigens in dem Verfahren wegen dci Verleumdung des Reichsstatthalters Loepcr wegen der Höhe des Strafmaßes Berufung eingelegt, da die Strafe in Anbetracht der Schwere der Tat als zu niedrig erscheine Die Angeklagten waren zu Gefängnisstrafen von sechs bis einem Monat verurteilt worden. Auf Veranlassung des Reichsstatthalters ist heute ferner der Lberfeld meister Höhne vom Arbeitsgnu st! i» Dessau wegen verleumderischer Beleidigung des Reichsstatt- Halters in Schutzhaft genommen worden. Gegen Höhne wurde außerdem Strasantrag gestellt. Die ungarlsdifugoslawisdie Spannung Gens, den 27. November 1984. Tie jugoslawische. Denkschrift, die gleichzeitig mit der An- klagenote dem Völkerbundssckrctariat überreicht worden ist, soll, wie wir hören, schwere Beschuldigungen gegen die nnga- ritchen Behörden enthalten, wobei es sich um Material handelt, das der Belgrader Regierung von der jugoslawischen und französischen Polizei zur Verfügung gestellt worden ist. Von gut unterrichteter Seite erfahren wir, daß dieses Mate- rial teilweise geradezu sensationelle Einzelheiten enthalte. Ob es möglich sein wird, die jugoslawische Denkschrift gc- maß den Forderungen Ungarns und Italiens schon bei der nächsten Völkerbunbstagnng eingehend zn behandeln, steht noch nicht fest. Es ist aber anzunehmen, daß man nur zu einer grundiätzlichen Erörterung kommen wird, während der jugoslawisch-ungarischx.Konflikt in seinem ganzen Um- sauge erst ans der Jannartagiing ausgerollt wird. Immer- hin ist es aber nicht ausgeschlossen, daß unmittelbar vor dem Zusammentritt des Völkerbundsrats am 3. Dezember auch noch andere Beschlüsse gefaßt werden. In den Kreisen der Delegationen der Kleinen Entente wird erklärt, daß der ungarische Schritt u. a. den Zweck habe, Außenminister Benesch als Präfidenten des Völkerbunds- rates auszubooten, was bei der Behandlung der Saarfrage für das„dritte Reich" vorteilhast sein könnte. Man be- hauptet, daß die häufigen Reisen dcS Herrn von Pape» nach Budapest ein Zusammengehen zwischen Budapest und Berlin bewirkt haben. LHwinow protestiert Genf, 2(. Nov. Der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, und der türkische Außenminister Tcvhtk Ruschdi Ben haben an den Generalsekretär des Völker- bundes ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen die hänsigen und plötzlichen Vertagungen der Ratssitzungen Protest erheben. Bei den großen Entfernungen feien beide Minister nicht in der Lage, wieder von Genf in ihre Heimatländer zurückzukehren. Sic verlangen deshalb, daß in Zu- kunft der Beginn einer Ratssitzung mindestens fünf Tage vorher endgültig festgesetzt werde. PaulDoncour Legen nie Judenverfolgungen Paris, den 27. November 1984. Havas meldet: Am Tchlnßbankett des Kongresses her Intel- nationalen Liga gegen den Antisemitismus hielt der frühere Ministerpräsident Paul-Boneonr eine Rede, in der er daran erinnerte, daß Frankreich im März 1038 auf Grund eines Begehrens der Juden in Oberschlcsie» den Völkerbund ein- geladen habe, sich mit den Rechten der jüdischen Minderheiten zu befassen. Trotzdem seien in einem Staat Maßnahmen er- griffen wurden, von denen zu Unrecht behauptet wird, daß sie eine vollkommen innere Angelegenheit seien und die anderen Länder nichts angingen. Paut-Boncour erklärte, daß er für den internationalen Kampf gegen den Antisemitismus eintrete, weil dieser Kampf in seinen Augen nichts anderes sei als ein Teil des Kampfes gegen die Erschütterung der Rechtsanffassung. Der Kongreß genehmigte eine Resolution, in welcher er die Behörden auf die„schändliche nnd verbrecherische" Kam- pagne der antisemitischen Organisationen und gewisser faschistischer Blätter aufmerksam macht. Ferner beschloß der Kongreß, das juristische Statut über das Asylrecht baldmög- lichst anzuwenden und auszudehnen und an der nächsten in London stattfindenden Voykottkoiiscrenz im Hinblick ani die Verschärfung der Boykottbewegung, des einzigen friedlichen und wirksamen Mittels zur Vernichtung des Hitler Regimes, teilzunehmen. Glasperlen und Feuenvasser h. h. Glasperlen nnd Feuerwaffer waren die beiden Pro- dnkte weißer Kultur, die tonnenweise und hcktoliterwcise in die„Reue Welt" geschafft wurden,»in die ihres Territoriums und ihrer Freiheit beraubten Völker über ihren Ver- lust hinwegzuttösten. Wenn der Historiker oder der Ge- fchichtenschreiber ain dieses Thema zu sprechen kommt, merkt man. wie peinlich ihm das ist. Ein kuliivierter Mensch be- kennt sich eben nicht gerne zu seinen Schandtaten. Anders die deutschen Nazis. Man hat gelesen, daß der Kreuzer„Karlsruhe" eine Welt- reise angetreten hat, die dem neudeutschen Regime Ver- ständnis und Sympathien werben soll. Diese Sympathie wird mit echt nationalsozialistischem Tünneff durchgeführt werden. Wir lesen darüber in den Kieler„Neuesten Nach- richten": „ES ist selbstverständlich, daß nur deutsche Waren ge- nommen werden, sowohl für die erste Ausrüstung als auch für die Nachsenbungen, selbst die Konserven, die im Aus- lande billiger zu haben wären, werden aus Gründen der Devisenknappheit von der Heimat ans ergänzt. Der Mangel an Devisen hat auch zur Folge gehabt, daß die Besatzung sich für die Gastlichkeit im Auslände nur schwer erkenntlich zeigen kann, es wird daher auch eine Ladung Gelcheukartlkrl wie Mützcnbänder, Bücher, Pnp- pru, 10 000 Tafel» Schokolade und anderes an Bord ge- nommen, ferner für die Ausländsdeutschen, die in ihrer Begeisterung nie genug über das neue Deutschland er- fahren können, 800 Eremplare von des Führers„Mein Kampf" stricht angestaubt. D. Red.j. Besonders wichtig ist bei den Auslandsreisen die Mitnahme von Bier, jeder Gast an Bord in Auslandshäsen bittet vor allem um ein Glas eckt deutschen Bieres, eine Köstlichkeit, die es sonst dort nicht gibt. 800 Eisensäßche» zu sünszig Liter sind be- reit» zur Reise im Schiff verstaut, serner ebensoviel Liter Flaschenbier, ferne» einige große Stapel Bicrfilze. Denn diese werden immer gern als Andenken mit von Bord ge- nommen als Erinnerung an den Besuch eines deutschen Kreuzers. Reben seemännischen Zwecken dient eine solche Aus- landSretse unserer Kreuzer bekanntlich dazu, die Verbin- du na zwischen den Auslandsdeutschen»nd der Heimat iest und lcbendia zu erhalten. Schließlich aber soll auch das Ausland wissen, daß unsere Marine»och da ist und über- all, wo sie sich zeigt, höchste Achlung und Bewunderung ab- zunötigen vermag." Gömbös In Wien Wien, 26. Nov. Der frühere ungarische Ministerpräsident Graf Bethlcn ist mit seiner Gattin in Wien eingetroffen und im Hotel Sacher abgestiegen. Da auch Gömbös von seinem Iagdaujenihalt in Steiermark heute in Wien zurück- erwartet wird, nimmt man an, daß er noch heute Bespre- chuilgcn mit Bethlen in Wien haben wird, da Gömbös häufig Bethlen zu wichtigen Ausgaben heranzuziehen pflegt. Bon amtlicher österreichischer Seite wird erklärt, daß Gömbös. ohne weitere Besprechungen mit österreichischen Stellen zn pflegen, von Wien nach Budapest weitersahrcn ivcrde. Gerüchte, die auch in Wien verbreitet waren, daß die österreichische Regierung Truppen an der südslawischen Grenze zusammenziehe, bestätigen sich nicht. Andererseits ivird behauptet, die südslawische Regieruna ziehe ihrerseits Truppen an der ungarischen und österreichischen Grenze zu- sammen. Ocsterreichijcherseits sind aber daraufhin keinerlei Gegenmaßnahmen erfolgt. Die französische OsfpahMVole Paris, 27. November 1934. Der französische Botschafter in Warschau, Laroche, hat im Austrage Lavals dem polnischen Außenminister Beck die französische Ostpakinote überreicht. Offiziell ist bis zur Stunde der Tcrt der Note noch nicht bekannt. Immerhin wird vvn berufener Seite erklärt, daß die Note Lavals den Versuch darstellt, eine Vermittlung zwischen dem russischen und polnischen Standpunkt in der Ostpaktfrage herbeizuführen. To soll der Vorrang der zwei- festigen Verträge anerkannt werden, ein Grundsatz, den bis- l r Polen vertreten hat und durch den der deutsch-pvlnischc Frciiiidschastsvertrag als Grundlage für die Ausgestaltung des OstpaktcS betrachtet wird. Von Polen wird auch keine Aenderung seiner Politik gegenüber Litauen und der Tschechoslowakei verlangt. Andererseits wird aber in der französischen Note der Stand- punkt vertreten, daß die französische Regierung das Recht und die Pflicht habe, von der verbündeten pol- Nischen R c g i e r n n g offen und r ü ck h a l t l o s e Aufklärungen über ihre Absichten z n ver- langen. Ein Teil der Warschauer Presse warnt vor dem jetzigen Kurs der polnischen Außenpolitik, bei dem Polen leicht in ein unvorhergesehenes Abenteuer hineinschlittern kann. Gou und Franhlin-Douillon Paris. 27. November. Wie berichtet wird, soll die Duellsorderuiig Göns an Franklin Bouillon nicht zum AuStrag kommen, da die gegenseitigen Kartcllträger übereingekommen seien, das Duell sei nicht notwendig, da der Zwischenfall rein poli- tischer Art sei, und die persönliche Ehrenhaftigkeit der beiden Gegner nicht berühre. Görlngs nanistenfurdil Er löst die freireligiösen Gemeinden auf Berlin, 27. November. Der preußische Ministerpräsident und Ehe! der Geheimen Staatspolizei hat durch eine Verfügung auf Grund des 8 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat in Verbindung mit 8 14 dcS Polizciver- waltungsgesetzes den„Bund freireligiöser Gemeinden Deutschlands" einschließlich aller seiner Organisationen für das Gebiet des preußischen Staate? ausgelöst nnd ver- boten, da sich in ihm in neuester Zeit in auffallend zunehmendem Maße Anhänger ehemaliger kommunistischer und marxistischer Parteien und Organisationen in der Host- nung Aufnahme gesunden hatten, in diesen angeblich rein religiösen Bereinigungen einen Unterschlupf bei ihrem getarnten politischen Kampf gegen das heutige Regierungs» systems zn haben. Soziales Ebrengeridilsurteil Die Befähigung zum Betriebsführer-»herkam- Wie die„Frankfurter Zettung" berichtet, trat das auf Grund des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit>»r den Treuhändcrbezirk Schlesien gebildete soziale Ehrengericht zu seiner ersten Sitzung zusammen. Angeklagt war der Spediteur Julius Masur aus Neustadl lOberfchlesient, der beschuldig! ivird. seine Arbeiter zur Leistung von lieber- stunden weit über das normale Blaß hinaus angehaltca und ihnen n i c m a l s U r laub gewährt zu haben. In det Beweisausnahme wurde festgestellt, daß die Arbeiter dieses Betriebes in manchen Wochen bis zu•">■"> Uebcrstnndcn leisten mußten, so daß sich teilweise über 100 Arbeitsstunden in der Woche ergaben. Urlaub hat bisher kein einziges Mitglied dcS Betriebes erhalten,obwohl manche Zeugen schon sechsundmchr Jahre dort beschäftigt sind. Bon seinem minderjährigen Leists ling verlangte der Beschuldigte eine Arbeitszeit vvn täglich elf Stunden. Ferner zwang der Beschuldigte seine Leute zur Sonntagsarbeit. obwohl die zuständige Behörde einen entsprechenden Antrag des Angeklagten abschlägig beschicden haste. Im Frühjahr nnd Sommer des Jahres versuchte die Belegschaft wiederholt, eine geregelte Bezahlung der lieber- stunden durchzusetzen nnd auch bezahlten Urlaub zu erkalten, jedoch ohne Er'olg. Als Zernien wurden neben den A»- gestellten und Arbeitern des Betriebes auch die Vertreter der Deutschen Arbeitsfront des Bezirks Neustadt lObcr- schlesienl vernommen, die die Angaben in vollem Umfange bestätigten. Zum Strafmaß führte der Treuhändcrvertreter in seiner Eigenschaft als Anklagevertreter aus, alle anständigen Betriebssührer hätten einen Anspruch darauf, daß ihnen eine Gemeinschaft mir einem Betriebssührer, der fi* so verhalten habe, erspart werde. Wenn hier nicht energistti eiitichieden werde, dann könnte der deutsche Arbeiter einmal im Glauben an die soziale Gerechtigkeit wankend werden. Er beantragte sodann, mit Rücksicht aus die Schwere des Falles aus die H ö ch st st r a i c zu erkennen und dem Angeklagten die Beiähtgung abzuerkennen. Führer eines Betriebes zu sein. ^-stach kurzer Bcratniia verkündet das Gericht das Urteil. Dem Anacklagten wurde gemäß dein Antrag dcS Treuhänder» Vertreters wegen gröblicher Verla»«na der sozialen Pflichte» die Befähigung zum Betriebssührer ab« erkannt. ^DEUTSCHLAND HITLER Disdiof Dornewasser Legen Rosenberg Volksfront an der Saar! Für ein freies Deutschland Tic Führer der Einheitsfront des Saargebietes, Mar Braun und Fritz Pfordt, erlassen an die ge- samte Bevölkerung an der Saar die Aussorderung: Wir wolle« ein Teutschland, das frei ist, ein Deutschland der Wohlfahrt der werktätigen Masse», e»n Deutschland der Kultur, des Aufstiegs. Wir wollen ein Deutschland, für das die heroischen Freiheitskämpfer im Reich ihr Lebeu einsetzen, ein Deutschland, für das all die Tapferen gekämpft haben, die von(Dörings Kumpanen hingerichtet, totgeschlagen, in Konzentrationslager und Gefängnisse gesperrt worden find. Indem wir für den Status quo stimmen, stimmen wir kür ein solches Deutschland, für ein Deutschland der Frei« hcit, des Wohlstandes der werktätigen Massen, für ein Deutschland deS Friedens und des kulturellen Ausbaus. Wir dürfen nicht zulassen, das, auch noch das Saargebiet zur Beute des blutigen Nationalsozialismus wird. DaS ganze werktätige Boll a n der Saar muh zu» fammcustehen, um feine Errungenschasten zu ver, tcidigen, um das Wenige, was es noch befitzt, nicht zum Raub der Hitleraktion werden zu lasse«. Das Saargcbict mnft als Brückenkopf für den Freiheitskampf um Deutschland er» halten und ausgebaut werden. Mit diesem höchsten allge« meinen Interesse stimmen die verschiedenen Interessen der Berufe, der Weltanschauungen usw. übcrcin. Alle müssen zusammenstehen, um im Kamps für das gemeinsame Ziel auch ihre besonderen Interessen zu vertreten. Die VinheUs« front an der Saar, ein Teil der grossen deutschen Arbeiter« klaffe, wendet sich deshalb in dieser Stunde, in der der Tag der Abstimmung des 19. Januar immer näher rückt, q n die gesamte Bevölkerung der Saar mit der Aufforderung, die grosse BolkSsront gegen die Hitler, sklavcrei.für dicRettung der Saar vor den braunen Barbaren und für die Befreiung des deutsche» Belkes aufzurichten. Wir wenden uns an alle Schichten der Bevölkerung des Saargebictes, an jeden einzelnen, an alle Gruppen und Organisationen, die Gegner der Hitlcrbarbarei find! Wir wenden uns an alle Arbeiter, Angestellte«, Beamten, Mittel« Händler, Bauern, freie Berufe, au Katholiken, Protestanten und Juden und an die ganze Fugend mit dem Ruf: Laßt uns in der Volksfront für Status quo für späteren Auschluss an ei» freies Deutschland die Schutz- und Trutzgemc«nschast zur Verteidigung und zum Ausbau unserer Lebcusrcchte und Lebensbedingungen schlichen! Lasst uns alle zusammen- stehe» gegen die Bedrohung, die für unS alle in dem An- schluss an das Regime der braunen Henker und VolkSver- derber liegt. Volksfront für Status quo! Status quo bedeutet Rieder» läge Hitlers und Beschleunigung unserer Bereinigung m>t einem freien Deutschland, das sich von der braunen Tyrannei befreit hat. Volksfront für eine freie, geheime und unverfälschte Ab- stiuimung, für amtliche Liftcnkontrollc und paritätische Zu- sommensetzung der Kommissionen. Volksfront für ein freies Deutschland. Wir an der Saar sind ein Teil des grossen deutschen Volkes. Wir wollen zu- rück zum Reich, wenn es unseren gemcinsameu A»- strcngungen im Reich»ud an der Saar gelungen ist, die Herrschast des Rationalfoz'olismuS zu stürzen. Deshalb fordern wir die ausdrückliche Bestätigung unseres Rechtes auf spätere Reuentschcidung. Volksfront für das volle Sclbstbestimmungsrecht des Saar, volles nach dem Sieg des Status quo. Wir fordern eine Volksvertretung, die in allgemeiner gleicher, freier und ge, hoimer Wahl gewählt wird. Vorwärts t» der Volksfront für den Sieg des Status quo »nd einem Deutschland der Freiheit entgegen! Eine Erklärung Manzenbergs Die„Deutsche Front" veröffentlicht in ihrer Nummer 2l>» vom Samstag, dem 21. November 1931, einen Leitartikel über Dr. Otto Strasser, unterzeichnet mit„Heil Hitler" von K. M., worin u. a. folgende Behauptung aufgestellt wird: „Unterstrichen werden diese Ausführungen noch durch den Bericht Otto Strassers. den er in dem Führerkreis der „Schwarzen Front" nach seiner Pariser Reite machte. Danach babe ihm Münzenberg persönlich vorgeschlagen, sich in seiner Poriser Wohnung mit General v. Bredow, der damals gerade in Paris weilte und auch mit Münzenberg verhandelt hat, zu treffen." Diese Mitteilung will die„Deutsche Front" angeblich von einem bisherigen Vertrauensmann Otto Ctrassers haben. Zu dieser Behauptung der„Deutsche Front" erkläre ich: 1. Ich habe niemals Otto Strasser den Vorschlag gemacht, sich in meiner Wohnung mit dem General v. Bredow zu treffen.. 2. Niemals hat General v. Bredow mit mir verhandelt, weder in Paris»och sonstwo. Ich habe den General v. Bredow überhaupt nie in meinem Leben, weder in Berlin noch sonstwo, auch nur ein einziges Mal gesehen. 3 Die Behauptung der„Deutsche Front" ist eine Lüge, er- sunden. um die chauvinistischen Leidenschaften aufzuputschen und aufzupeitschen. 4. Ich werde olle mir möglichen Schritte ergreifen, um auch gerichtlich die Lüge der„Deutsche Front" festzustellen. Paris, den r>v. November 19*1. Will l Uunzepj>krg. Bor kurzem hat der kirchliche Anzeiger der Diözese Trier eine neue Warnung an alle Katholiken erlassen, Rotenbergs„M y t h u s" zu lesen. Das antichrist- liche und antikatholischc Buch des deutschen Kultur- öiktators, der durch das besondere Vertrauen des„Füh- rers" aus seinen Posten kam, wird bekanntlich überall bei Schulungskursen den Katholiken als Lektüre aufge- drängt. Zwangsweise ist es in alle Volksbibliotheken, in alle Lehrer- und Schlllerbibliotheken eingereiht worden. Bischof Borncwasscr hat jetzt in einer Gemeinschafts- feicr der Koblenzer Katholiken neue Warnungs- f i g n a l e an die Gläubigen gerichtet. Wir entnehmen lnach dem Bericht der gleichgeschalteten„Taarbrückcr LandeS-Zeitung"j seiner Rede die folgenden Stellen, die eines Kommentars nicht mehr bedürfen: „Das katholische Volk hat ein seines Empfinden für die gewaltigen Gefahren, die dem Glanbensleben und dem Leben der Kirche aus der neu heidnischen Beme- gung auch in Deutschland erwachsen. Hat da« klare Bewusslscin, dass heute auch jeder Laie ein lebendiger Stein am Bau der Kirche und zugleich ein eifriger Mit- arbeiter in Apostolat und Scelsorge für Familie und Volk sein muss... Gewisse Spannungen wrden immer da sein, wo zwei jede aus ihrem Gebiet totalen Mächte im selben Volke, neben und miteinander leben und leben müssen. Das sind geistige Kämpfe, die man ausfechten möge mit den geistigen Waffen der Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und im Geiste verstehender Liebe, ohne jede Vergewaltigung des Gewissens des einzelnen. Wobei man freilich— wie einer der hervorragendsten Juristen der Welt auf dem inter- nationalen Juristenkonqress in Rom sägte— nicht vergessen dar, dass niemand ungestraft die Hochachtung vor den gött- ltchen und natürlichen Rechten ausser acht lassen kann. Im übrigen hat die Kirche Gottes solche geistige Kämpfe in allen Jahrhunderten führen müssen. Sie sind ihr von ihren Feinden ausgezwungen worden. Sie hat bei diesen Kämpfen oft schwere Wunden davongetragen, wenn man ihr mit brutaler Gewalt entgegentrat. Den» sie hat ja selbst nur moralische Waffen, die Waffen der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Gebetes, der Gnade, der Liebe und des Opfers. Manche Kämpfe wider unsere heilige Kirche haben ihren Grund in der ll n w i s s e u h e i t und Unwahrhaftig- k e i t. Wenn ich so manche Rede aus Gegenwart und Ver- gangenheit lese, gewisse Broschüren und Bücher über d i e K i r che in d i e H a n d»ich m e, dann frage ich mich oft: Wie ist es möglich, dass diese eine so unsägliche Unwissenheit in Dingen des Christentums, der Kirche, der Konfessionen, der Betreuung der Jugend in unseren kon- fcssionellen Vereinen besteht. Es mag hart klingen, aber es ist wahr, wenn ich sage: Es gibt Menschen, die- ein Interesse daran haben, dass diese Unwissen-- helt bleibt. Man fürchtet die Wahrheit über die Kirche und ihr Leben, die manchem Schriftsteller und Pamphletisteu ein zwölfjähriges Schulkind sagen könnte Von der Unwissenheit über den katholischen Glauben und die katholische Kirche bis zur Verleumdung ist nur ein kleiner Schritt. Es ist ein alter Kunstgriff der Kirchenseinde, aus die paar Päpste i» der zweitansendjährigen Geschichte der Kirche hin- zuweise» die ihres hohen Amtes nicht würbig waren. Schris- ten von der Torte des Pfaffenspiegele und gewisse alte und moderne Zeitschriften haben in allen Jahrhunderten und in allen Winkeln der Erde herumgeschnüffelt, um irgendwo Makel im Leben der Kirche zu finden, um dann heuchlerisch und verleumderisch zu sagen: Seht, so ist die Kirche. Warum sagen jene, die so gerne ihre Schmutzkübel, deren Inhalt aus 19 Jahrhunderten und aus allen Enden der Welt zusammengesucht haben und mit Behagen über Papsttum und Kirche ausgiessen, warum sagen sie nicht, dass neben den paar unwürdigen mehr als 50 heilige Päpste stehen, dadss alle Päpste der ersten Jahrhunderte ausnahmslos ihr Leben Hingaben, dass die.81 Päpste zum weitaus grössle» Teil zu den hervorragendsten Männern der Welt-' geschichte gehören?.. „rian rüttelt oft.. In einer Breslauer Katholikenversammlung in der Jahr- hunderthalle sagte der Kardinal Bertram u. a.:„Man rüttelt Dft att den Fundamenten des sittlichen Lebens, wie es niedergelegt ist in den zehn Geboten Gottes. Wohin führt das? Tie Geschichte zeigt, dass das ein herostratiichcr Kampf gegen die christliche Kultur, gegen alle echt menschliche Kultur ist zum Verderben von Jugend, Familie und Volksleben... Da gilt es die Treue beioahren zum Sitten- gesetzeGottes. Eltern und Lehrer, Lehrerinnen und Er- zieher? Wie rieiengross ist in solchen Zeiten eure Berank- wortung... Niemals wird es herssen dürfen: Tic Kirche und das katholische Volk haben versagt." Wann w rd Rosenberg verbatet? Ein Redner der„deutschen Glaubensbewe- gung". Orlowski. ist. wie die„Kölnische Volkszeitung" meldet, in Kiel vor einer Kundgebung„Nordisches Heiden- tum— deutscher Glaube" verhaftet worden. Die Ver- hastung erfolgte aus Anzeige der Kirchcnbehörde zu Magde- bürg. Orlowski habe in Ausführungen, die in Breslau, Pols- dam und anderen stärkste Entrüstung hervorgerufen hätten, erklär«, dass Christentum, Kapitalismus und Bolschewismus aus einer Wurzel, dem Judentum, stammten und dass da» Christentum nichts anderes sei als ein jüdischer Minder- wcrtigkeitskomplcx. ti 1* Heil Laval Neuester IrostgruD der. deutschen front •i ie gleichgeschaltete Presse des Taargebietes macht in Hochstimmung. Nicht weil es ihr gelungen wäre, die sehlenden sieben Prozent für sich zu gewinnen. Im Gegenteil: von solchen Prozentrechnungen verlaute» nichts mehr. Die„deutsche Front" bekommt Mut, weil sie sich in der schönen Illusion wiegt, plötzlich Verständnis an der Seine zu finden: bei dem französischen Aussenminister Laval. Beinahe sieht es so aus. als ob die„deutsche Front" an der Saar den durch de» Doppelmord verursachten Ministerwechsel als einen Segen für die nationalsozialistische Sache empfindet. Wir sind überzeugt, dass das sehr zu Unrecht geschieht ni^d binnen wenigen Tagen der Männerzorn aus den Reihen der„deutschen Front" sich auch über i«aval ergiessen wird, aber einstweilen ist der Trostruf„Heil Laval!". Dabei gerät die Logik der„deutschen Front" etwas sehr durcheinander. Bisher hiess es, der Status quo sei die„fron- zösische Lösung", Frankreich gebe den Status quo preis. Also kann er doch wohl nicht mehr französische Politik sein, so»- der» ist eben das, was er für uns immer ivar: deutsche Politik! Die sozialistische Einheitsfront beobachtet gewiss aufmerk- sam die wichtigen Vorgänge in Rom, in Gens und in Pari«. Entscheidend für die Politik des deutschen Arbeitsvolks an der Saar sind sie aber nicht. Wir sind zu unserer Haltung durch keine ausländische Macht bestimmt worden, und es wird uns nie jemand bestimmen können, anders zu handeln als deutsch. Die Einheitsfront kämpft für Deutschland gegen Hitler, ganz gleich, was ausländische Politiker dazu sagen oder. tun. Jede Kundgebung, jede Versammlung der Ein- heitskront an der Saar beweist, dass unsere Losung mehr und mehr verstanden wird. Ob die andern nun„Heil Hitler!" rrnen oder„Heil Laval!". ob sie sich hinter den Versailler Vertrag verkriechen oder nicht, ob sie den Völkerbund loben oder beschimpfen: unser Weg zum 13. Januar ist gerade und klar. Wir gehen ihn bis zum Ziele: der Rettung deutscher Freiheit an der Saar. Soweit hatten wir geschrieben, als uns die heutige AuS- gäbe der„Taarbrückcr Zeitung" in die Hände kam, und siehe da, unsere Voraussage, dass Laval nach einigen Tagen wieder in Ungnade fallen werde, hat sich schon erfüllt. Prompt wird ihm R tt ck s a l l i» E r p r c s s u n g s p o l i t i k vorgeworfen. Warum der Umschwung von sanftem Säuseln in wilden Zorn? „Man versucht, einen bestimmten politischen Druck ans Deutschland auszuüben, während die wirtschaftliche Seite de« Saarproblems einer Lösung zustrebt. Plötzlich sucht man das Schwergewicht von den wirtschaftlichen Belangen ans die politischen zu verlagern und Garantien von Deutschland zu verlangen, deren Erfüllbarkeit selbst denen unmöglich erscheint, die heute diese Forderungen aufstellen und schliesslich auch mit der klaren Fassung des Saarstatuts unvereinbar sind. Man verlangt besonders Garantien f ü r Nicht» a b st i in m n n g s b e r e ch i i g t e nach d e r, R ü ck g l i e- d e r u n g. Man fordert unter anderem ausgedehnte Fristen für die Optionsmöglichkeiten usw., um sich hierdurch neue Recht, kautelen zu verschossen und vertragliche Hintertürchen zu sichern." Welche Hoffnung hat mau nun, dass die finsteren Plän^, die anständige Taarcinwohner gegen den Terror der braunen Banden schützen sollen, verhindert werden? Es sind zur Ab- wcchslung wieder einmal„die italienischen Politiker und. Staatsmänner", die eine Vertraucnskundgebung der„beut- schen Front" erhalten. Freibleibend und bis auf weiteres! In einigen Tagen werden auch diese Herren wieder einmal unten durch sein. Zu lernen bleibt aus alledem für diejenigen im Auslände, die eS immer noch nicht wissen sollten: Die„deutsche Front" verlangt an der Saar ihre vollkommene Diktatur, das Beiseiteschieben aller Gepflogenheiten europäischer zivilisierter Politik. Nur dann ist sie zufrieden zu stellen. Kein guter Europäer dari der„deutschen Front" die Wege zu ihren ebenso undcutscheu wie gefährlichen Zielen freigeben. miieriiafiioiihen Macht die Gegner„mundtot' I In der„Germania" und in der„Kölnischen Volkszeitung" veröffentlicht der München-Kreisinger Professor Dr. theol. Linhardt einen Aussatz, der sich im Sinne der„deutschen Front an die Katholiken wendet. Ter Aufsatz gipfelt in folgenden Sätzen: V.Die Saar müsstc. getreu dem Gesetz ihres Blutes, ihrer Geschichte, ihrer Kultur, heim zu uns ins Reich— auch wenn im Reich augenblicklich nicht gewisse kirchenpolitische Schwierigkeiten best ünde n. Und wenn unsere Saar deutschen schon Kirchenpolitik mit Natioualpolitik verbinden wollen, dann müssen sie erst recht ihre absolute nationale Zuverlässigkeit unter Beweis stellen und jene Volksge- n o j s e n mundtot m a ch c n, die in C h r i st c n t i: in und besonders i« Konfessionen ein H indc r- n i s der nationalen Kraft und Eintracht bekämpfe n." „Mundtot machen." Jede gegnerische Meinung nieder- knüppeln. Das also ist die ganze Weisheit des Hitler- katholiken. .i ie Mörder der Katholikenführer Dr. Klausener und Probst haben aus ihre Art nur in die Praxis umgeseüt, was der Professor theoxetiM v erlan gt, Die„fo!e Band" Deutliches Interesse des Schatzamtes der NSDAP. Wir brachten in unserer Nummer 2ö7 authentische Mit- tcilunaen tibcr eine neue antikatholischc Offensive de» „dritten Reiches" u a ch der Saarabstiinninng. Diele Mit- teilungen werden bestätigt durch sollendes Rundschreiben, das der„Deutsche'Weg" pciöfsentlicht: Schatzamt der NSDAP. München München, den 2U. Oktober 198». Streust vertraulich! An alle Gauäinter! Die Gauämter werden anaeivicien bis zum 11. Dezenr- bcr>981 die Grundstücke und Gebaudekomplexe der in ihrem Gaubczirk sich befindenden Ordens und Misiionsgeseli- - schatten beider Konfessiviie». genauestens zn vermesse» und bei den zuständigen Katasterämicrii sich die aeuanen Plane und Bcranschlagiingeii aushändigen au lassen.'Bor allem ist auch eine Erhebung zu machen, über die in Händen dieser Geielttchaiten sich besindende» Darlehen. Hypoilickeii und Barvermögen. Die Berweudbarkeit der Häuser und Grund- stücke ist genau anzugeben. Ed wird»och einmal daraus hingewiesen, dag die Erhebungen bis spätestens 15. Dezember d. et. in Händen des Tchavmcisteis ieiu müssen. Wert tvird vor allem ans amt- liche Unterlagen gelegt. Bio zum gleichen Dermin ist ein Bericht über die Tätig- teil der genannten Gesellschaften an das kulturpolitische Amt der NSDAP. einzureichen. Mitglicdrrzahl, Schulung uiw. iü genauesten» zu vermerken. Bei den rvangeli chcn Anstalten auch die religiöse Richtung dieser Mitglieder. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind die Diaka- nissen-. Diakonen-. Nonnen- und Brüdcranstaiten, die sich mit«ranken- und Wohlfahrtspflege beichästigen. Es wird noch einmal ans die strenge Einhaltung de» Dermin» hin- gewiesen. Die Erhebungen haben unbemerkt vor sich zu gehen. Heil Hitler! gez. Schwarz. Reichsschatzministcr. Liebe sümpfe in Lippe Die braune Exzellenz auf Seitensprüngen Da» Siaatsiiiiiiistcrium hat in einer kürzlich veröffcnt- lichten Warnung vor der Weiterverbreilnng von Gerüchten über de» einzigen lippischen Staatsminister Pg. Ricke ge- ivarnt.:>tieke hatte ein Berhältnis mit der Dochter des Besitzers des Hotels„Fürst Leopold". Illach den ersten Be- gegnungeu im Ministerium wurden die Ziisainmcnkiinstc in das väterliche Hot«l verlegt. Das Paar wurde entdeckt. Der Bater, ei» jähzorniger, kräftiger Wirt, verprügelte im Verein mit dem Hausknecht den Staatsminister Pg. Ricke dermaßen, daß er mit Arm- und Knochcnbrüchen in das Dctmoldrr Krankenhaus eingeliefert werden niusttc. Da die Gerüchte nicht verstummten, ließ Ricke öffentlich mitteilen, eine alte Kricgsvcrlehung ivärr wieder ausgebrochen, so daß er da» Krankenhaus anfinche» mußte, sttiete ist noch nicht wieder hergestellt und konnte infolgedessen auch an der Einweihung des neuen Flugplatzes in Detmold, die kürzlich in Anwesenheit des Stabschefs Vitfcc stattfand, nicht teilnehmen. Brigifc Re m Berlin, 20. Nov Dem Antrage des Staatsanwaltes ent- sprechend verurteilte die■>. Strafkammer des Berliner Landgerichts am Montag die Filin.chonspieleri» Brigitte Helm n-egen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Monate» Gefängnis nnd in den Kosten des Bersahrcns. Die Angc- klagte halte am Abend des 27. August mit ihrem Wagen in Berlin eine Frau angefahren. Der Borsifccndc hob in der Begründung des ilrteils her- vor, daß eine Geldstrafe nicht in.Drage kommen könne, da die Angeklagte schon einmal aus gleichem Anlaß vor Gericht gestanden habe. Gerdau Seger in Nordameriba Das sozialistische Deutschland gegen seine rohen Turannen Neunork, den 20. November 1084. Gerhard Scgcr. der frühere sozialdemokrati>chc Reichs- tagsabgcvrdnele, der durch feine Flucht ans dem Konzentra- tionslager Oranienburg, seine in der ganzen Welt verbreitete Schrift und durch die Geiselhast seiner Frau und>ei»es Kindes nnd deren Befreiung bekannt geworden ist, befindet sich gegenwärtig aus einer ausgedehnten, sechs Monate dau- erndc» Bvrtragsrcisc in de» Bereinigten S'aatc» von Nord- amerita. Abgesehen von dem in Amerika wichtigen äußer- liche» technischen Umstand, daß Scgcr die englische Sprache in freier Rede beherrscht, findet seine Bortragsiähigkcit auch deshalb stärkste Beachtung und Anteilnahme aller Mreite der amerikonlichcn Bevölkerung, weil er der erste Redner ist, der ans einer eigenen,»msangreichen Erfahrung authentische Informationen über die Ko>izeittratio»s-„Kiiitnr" des„drit- tcn Reiches" geben und der ans iiiehriährigcr persönlicher Kenntnis der maßgebenden Naziführer, ihm Reichstagstätigkeit. ihrer Literatur nnd ihrer moralischen Beschasscn- Veit eine gutunterrichtc'e Darstellung zn geben vermag. Die Tätigkeit Scgers begann in Neuvork, wo er B>erzehu- mal sprach, in vier öffentliche», ausgezeichnet besuchten Meeting», in zwei Rundsuntvorträgen und vor kleinere» Kreisen politisch interessierter und tätiger Persönlichkeiten. Die'Presse beachtet die Bvr»rag»reise sehr stark, und die „pubkieitn". die Zeger von seiner Vandung an— die übrigens am gleichen Tage wie die des Oesterreichers Juli» s Deutsch erfolgte, der mit Seger gemeinsam in verschie- denen Meetings sprach, Amerika aber viel früher wieder »erläßt hatte, ivurdc»och verstärkt durch den Umstand, daß das Dekret Fricks über die Aberkennung der deutschen Reichsangehörigkeit Scgers kurz nach seinem Eintreffen in Neunork bekannt wurde. Hinsicht- lich der publizistischen Wirkung hat Frick der Anierikarci c Scgers einen ganz ausgezeichneten Dienst erwiesen. Seger veröffentlichte zn seiner Ausbürgerung eine von der ameri- kaniilicn Presse aller Richtungen wiedcrgcgebcne Erklärung, worin er feststellte, daß selbstverständlich sein Deutscht»!» nicht»vn einer auf Gangster gestützten Regierung aus der Well geschafft würde; außerdem aber erinnerte er der Knrio- sitär halber daran. daß der Führer der gleichgeschalteten Kriegsbeschädigten- organisation, Oberlindobcr, gleich nach der nationalsoziali- stischen Machtergreifung versicherte, die Kriegsbeschädigten seien die„Ehrenbürger des neuen Reiches". Er, Seger, sei Kriegsbeschädigter... Die Amerikatour Scgers findet ihre derzeitige Fortsetzung im mit«leren Weste», mit großen Meetings!n Ehikagv. St. Louis, Borträgc vor der Northwestern-UnUiersität und änderen Kreisen am 10. und II. Dezember beginnt mit Massenversammlungen in Oakland und San Franziska die BortragStour an der kalifornischen Küste. Im nächste» Fahre wird Seger eine über di* ganzen Bereinigten Staaten lau- sende BersamnilnngS'onr kür den antssaschisti'chen„Labor Ehest" iiiitcriiehinen.»nd da»ist hat cS folgendes Bewandtnis: Auf einen» zu Ehren des englische» Gewerkschaftsführers Eitrinc veranstalteten Diner, ans dem auch Seger sprach, wurde mitgeteilt, dast zum crstenmale in der iücschichtc der amerikanischen Geivcrkzcha0Sbew>'aung die America» Fcdc- ratio» vi Labor einen aktiven Antess au den europäischen Geschehnisse» nimmt. Unter dem Barst'h ihres Präsidenten Green wurde ein Labor Ehest gebildet. d. h. es werden durch die amerikanischen Gewerkschaften 2.',» MM Dollar ausgebracht, nm den ontisaichistischen Kamps in Enropa zn unterstützen und den Opkrrn des eurooäiMien Faschismus zn Helsen. Ein großer Teil der Summe ist schon gezeichnet. Es ist selbstverständlich, daß gerade in der.'seit der Ent- hülluiigc» des parlanientarlichen Untcriuchunasausschusies über die Nazipropaganda, in der Zeit der überaus ungeschickte» Protesttätigkeil des Botschafters Luther die sorg- fällig vorbereitete Vortragstätigkeit Scgers von den Nazis überaus unangenehm empfunden wird Dies»in so mehr, als Scgcr seine Tätigkeit unter zwei besonders wirkungsvolle Gesichtspunkte stellt: er geht von der sclbstverständ- liche», aber im Zeitalter des Herrn Goebbels hervor.,u- hebenden Erkenntnis aus. die ja auch den Erfolg ieiner Schrift„Oranienburg" ausmacht daß nämlich die exak c. durch sich selbst wirkende Wahrheit die beste, weil n via- lischstc Propaganda ist.»nd der zweite Gesichtspunkt ist— unter der Verfassung der Millionen Deutschamerikaner be- sonder? wichtig. daß Seaer beoinnend gleich in seine n erste» Massenmeeting in der Wcbsterhail in Neuyvrk, er klärte: die große Gcsahr dessen, was die Nationalsozialisten mit der Uonzential>ons-„Uuliur" und ihre,, sonst gen Bor- brechen hcrausbeschworen haben, ist, daß die durch die per- lvgcnc Kriegspropaganda seinerzeit erzeugte Abncngz.ng gegen Deutschland wieder entsteht. Schon i» England wurde Seger daraus hingewicsc». daß manche, die während des Krieges in deutschfreundlicher Ha.- iiiug der»»sinnigen Propaganda entgegengewirkt halte», sich hcit'c selbst frage», ob denn a» der Huiinencige» cha>t der Deutschen»ichi doch etwas dra» ,ci.. Deshalb, io jiihuc Seger unter stürmischer Zustimmung der ans alle» Bcvölke- rungskreiscn zusa»»nr»geiev:en Zuhörerschaft aus. miiiie ein sorgfältiger Unterschied zwischen den zn jedem Verbrechen fähige» nationalsozialistische» Hitlerleuien und denjenigen Dcu'schcn gemacht werden die nur unter dem ungeheuerlichen Druck des Terrors schweige», aber für dieses bessere, anständigere Deutschland sei er gekommen zn zeugen, um der Entstehung eines neuen, allgemeinen und verasigeuici- ncrndcn Vorurteils gegen Dentichland entgegenzuivi.rtcn. vstdi In« Braune Das Sondegericht Halle verurteilte neun Anhänger des Bundes„Zeugen Jahwes", der eine Fortsetzung der verbotenen Organisation der„Ernsten Bibelforscher" darstcül, zu je drei Monaten Gefängnis.s 1.100 Rubel rechnet. Ein Beirag, i'» ihr ein'vnfO's Leben gewährleiste. Und doch v'r- z bten ttc Ru sttiicn fast»öuig ini die Ein'iahmcguelle. Ihnen stehen alle Bernie. vom Lokomotivführer bis zum Mctalliirgicipczialisten vom Schlachtarbei'er bis z»n> Fliegcrhaiiptmann osscn. Und wen» sie in diesen Bernsen auch nicht so viel verdienen, wie-twa ans der Straße, so tauiche» sie die Unsicherheit, die Verlassenheit der Prostitu- jenen doch gerne gegen ein gesichertes»nd aussichtsreiches Lebe» ein. Im zaristischen Rußland war die Prostitution im Lauic der Zeit zn einem großen Problem geworden. Die steigende Verelendung des Volkes warf tnntter breitere Schichten er- wcrbs-»nd cinkoiuniciisloscr Frauen ans die Straße. Sie wurden krank und verseuchten iveiic Kreise der männlichen Bevölkerung. 1H13 kamen in Moskau auf anderthalb Mit- lioiic» Einwohner 20 000 Mädchen„mit dem gelben Schein" und auf 10 000 Einwohner jährlich 0>7 neue SyphliSfälle. für die ei» einziges Spital mit etwas hundert Betten bereit stand. Während man i» dein damaligen Petersburg dreißig- tnuiend, in der Messestadt Niilbni oootx> Prostituierte zählte. In den Fahren des Krieges wuchs ihre Zahl ins Unge- messen«. Um 1918 22, der Zeil der Bürgcrkämpse, der Ber- Wüstung von Städten nnd Land, der Unsicherheit. Unord- iiiing und Zerstörung der althergebrachte» Ordnung aus ein Nichts herabzusinken. Mit der Periode der NEP. begann jedoch die Arbeitslosigkeit, besonders unter Frauen und da- »lil eine erneute Prostitution. Aus zweieinhalb Millionen Einwohner in Moskau kamen wieder 8000 Dirnen. Es iv»r- de» Kvinniiisionen geschaffen, um de» Kampf gegen die össent- liche Nnznch« nnd ihr Wachsluin zn führen. Sic brachte» ein iKeietz zur Annahme, dein zniolae Zuhälter mit zehn Fahren Grsängnis— der rnsstschcn Höchststrafe— bedroht werden ii"d eröffnete» in Moskau fünf, in Rußland dreiunddrcißig Hänier iür aUeiustehcne Franc» ioivie Institute gleich dem Moskauer Proftlaktoriu in. in dos kranke Straßcp- inädchcn aufgenommen und zwei Jahre lang be- halten w erde». In diesen beiden Jahren werden diese meist verwahrlosten und uiigebildeten Frauen nicht nur völlig geheilt und zu Tau-berkeit und Fleiß erzogen, sondern erstatten eine regelrechte Schulung. Analphabetinnen werden zunächst im Lesen, Schreiben nnd Rechnen»»terwiesen, iür die Fort geschrittene» sind Musik-. Literatur-, Ebemie- und ähnliche Kurse eingeführt nnd später wird setze Frau nach ihrer individuellen Fähigkeit entwickelt. Bon de» 2807, Mädchen, die sich in den letzten zehn Fahren im Proiilaktorinm aufhielte». wurden 17 Prosen' Aerztinnen und Technikei inn n, 12 Neozk"' Barte'a''t>-0''''lnn»n.'9 Prozent or''-'i'-''-n im iozia'en Werk ii"d 12 Prozen» ginae" in die Fabrik Und von den jetzigen Bewohneriunei! des Hauses in der zweiten Mcichtilbauskaja ivar eine als d c l e g i c< e Dichterin aus dem Kongreß der S ch r I f t st e l l e r anwesend. während eine zweite daö Konservatorium besucht iind mit der Großen Oper verhandelt, da man ihre glänzende Stimme entdeckt hatte. Fm Rahmen des ersten Fünssahr-Planes ivar die Schaffung von 1200 neuen Plätzen lin Prvsiiaktorium vorge>ehcn. Statt den Plan zu ersüUen, iviirden jedoch in Moskau 4, In Rußland Iii Annallei! gcickilosio» Es fehlte an„Beleg ehalt". Den» ivährend 1932 in Moskau aus vier Millionen Einwohner»och 700 Prostituierte kamen, sank ihre Zahl am 1. Januar 1934 auf 400 und ivird heule auf 200 bis 300 gc- schätz'. Durch die völlige Freiheit, die die russische Frau, genießt, entstand allerdings etwas, das Ausländer gerne als Prvsti- iiition bezeichnen. Es entstand ein gewisser Leichtsinn der Frau in körperliche» Dingen. So kommt es vor. daß Frauen infolge der Tabaknvt»nd einer dem Russen eigentümliche» Bequemlichkeit, die lieber vom'Nachbar fordert, als sich selbst inn de» Besitz einer Sache bekümmert, Männer ansprechen: dai papiroö— gib e i n c Z i g a r e t t e; daß die bei- den in ein Gespräch kommen, der Mann die Frau zu sich lädt, mit Tee bewirtet und sie sich i»> Laus des Abends g'bt. Aber diese Frau wird niemals Geld für ihre Liebe nehmen. Sic ist in einer Stellung und Hat weder Verdienst noch Sonderoerdicnst aus einer soichc» Basis nötig Und es koinini nor. daß Männer und Frauen für eine kurze Zeil zusammen- leben und aiiscinandergehcn. Kein Mann hat Irgendwelche Rechte über die Frau; weder am ihren Körper, noch ans ihre Denkweise oder gar ans ihr Geld. lind wenn sie einer müde ist. darf er sie»ich, daran hindern, ihn zu verlassen. Anders stellt es wohl bei de» Frauen, die keine Wohnung Hai>e», von der Existenz der Heime nichts wissen oder— zu Unrecht— fürchte», dort einem moralischen Zwang ausgesetzt zu sei» uittz die alleinstehende Männer mit möglichst guten Zimmern suchen, um sich„ein Dach über dem Kopf" zu»chatten. Nack^ einem ruinchen Gesetz darf nämlich eine Frau, die drei Tage bei einem Mann gewohnt h-tt unter keine» Umständen exmittiert werde». Ist diese Frist ver strichen, iv kann er sie ohne ihren Willen mit keiner Macht des Himmels und der Hölle, weder Miliz»och GPU., a»S »einen vier Wanden bringe». Das unaebeiicr ra'che Tempo, mit dem die Wvhiiaiilagc» aller russischen Städte und in- besondere Moskaus, vergrößert werden wird'edcnst an st diete Er,cheinung bald eliminiere». Und Rußland r u I ,I e d er c rste und für lange wohl ein- ? Welt fein, in dem es keine Sfeutscfie Attmmen» Ueitape cur.Deutsehen^Freiheit'• Ereignisse und QestftitMen r?r i'^v'irÄ ' RliHinftffflmrJUWlHrtj j Mittwoch, den 28. November 1934 WWW« W^VWWKWM ^Bekenntnis zu Lucopa Von Thomas Mann II fr geben hier einen Auszug aus der bedeutsamen Rede Thomas Manns am zu-eiten Tage der l ölkerverständigung m Basel. Thomas Mann sprach in der Schweizer Mustermesse vor über 2000 Personen gemeinsam mit dem Schweizer Nationalrat Dr. A. Ga- dient und dem französischen Schriftsteller Gaston Riau. Am Pag(Irr Völkerverständigung sprach der Verfasser der /•»Buddenbrooks" in Basel im großen Saal der Schweizer Mustermesse und legte, immer wieder unterbrochen durch die stürmischen Ovationen von iiher 2000 Personen, ein mu- tiprs und wunderbares Bekenntnis ah. ein Bekenntnis des Geistigen gegen den Ungeist unserer Zeit. Thomas Mann führte ii. a. aus: »Man sagt wohl, der Künstler, der Dichter hahe es nicht nötig oder tue wohl gar Unrecht, sich in die Weltdinge einzumischen und Meinungen zu propagieren, aber trenn die hiiltur selbst in trage gestellt ist. hat es keinen Sinn, im kulturellen zu arbeiten, ohne auch bereit zu sein, für sie zu -engen, für sie seinen Mann zu stellen. Es darf sich keiner diesem Kuf entziehen, damit er nicht, wenn das Grauen hereinbricht, sich sagen muß: du hast gefehlt, als es galt zu ■warnen! Die innere Unmöglichkeit und verbrecherische Absurdität eines neuen europäischen Krieges ist etwas, das der logischen oder gar moralischen Argumentation gar nicht mehr bedarf. Es genügt, sielt das schauerliche Wüten Europas gegen sich selbst, das wechselseitige Sichausräuchern mit Giftgasen und was für Irrsinnshilder sonst noch dazu gehören, in Wirklichkeit vorzustellen, es genügt für einen Menschen von Gefühl und Phantasie vollkommen, dieser Unmöglichkeit inne zu werden. Damit ist nicht gesagt, daß, wenn es das Unglück will, nicht tatsächlich der Krieg doch noch Wirklichkeit werden kann. Aber Wirklichkeit bedeutet unter Umständen nicht Wahrheit, es würde einer solchen Wirklichkeit jede Wahrheit 'u einem höheren Sinne fehlen. Mau kannte früher Gottesleugner, aber das waren harmlose Leute im Vergleich mit den Ideenleugner, der aide eine Philosophie daraus macht, den Unterschied zwischen AI ahrheit und Lüge nicht mehr anzuerkennen. Unter dem Einfluß der Verwechslung des Ewiggültigeu mit dem Zeit- Bedingten ist ein Menschen- und Geistestypus in Europa heraufgekommen, der die geistige Gesundheit und selbst die physische Zukunft unseres Erdteils schwer bedroht. Es ist klar, daß unter dieser Geistesverfassung und moralische» Krise auch die Idee des Eriedens bedroht ist. denn sie hängt mit den andern unveräußerlichen abendländischen Ideen, denen der Wahrheit, der Freiheit und des Rechtes aufs engste zusammen. Die Welt starrt in Waffen, die Jugend wird militärisch erzogen, und die Weltlage bringt das traurige Paradoxon mit sich, daß friedliebende Völker mit den Waffen den Frieden schuften müssen. Dieser leidig-Widerspruchs volle Zustand, der so viel Selbstverleugnung fordert, und dessen Gefährlichkeit auch niemandem entgeht, weil Waffen, die man schmiedet, am Ende auch angewandt sein wollen, wird, wenn nicht die Katastrophe ihm ein furchtbares Ende macht, andauern, bis der Friede und die europäische Idee nirgends mehr ein Lippenbekenntnis, sondern als Wille und Glaube allbeherrschend geworden sind. Am Schlüsse seiner Rede ehrte Thomas Mann seine neue Heimat, die Schweiz, und umriß ihre Aufgabe in der europäischen Völkergemeinschaft:..Die Schweiz ist, ihrem W esen und Ursprung nach, der pazifistische Staat par excellencc, schon in ihrer Eigenschaft als Völkerstaat, der verschiedene Volksteile. Sprachen und Rassen unter demselben staatlichen Dach vereinigt. Im Herzen des Erdteils gelegen, ist sie gewissermaßen ein Vorbild, ein Beispiel, die Vorwegnahme Europas, wie es hei einem glücklichen Gang der Dinge einmal aussehen soll. Wenn gerade in diesem Lande eine Volksbewegung erstarken könnte, welche im weitesten und menschlichsten Sinne demokratischen Ideen, die Ideen des Friedens und der Freiheit, zu verbreiten und zu verfechten entschlossen ist, sie wahrhaft zu ihrem Willenszentrum macht und dem stumpfen, die Katastrophe erwartenden Fatalismus den klaren, menschlichen Willen eines Volkes entgegenseht, sie abzuwenden, so könnte das für alles Gute in der Welt eine starke Stütze, einen mächtigen Auftrieb bedeuten und zur Rettung der Kultur Europas Entscheidendes beitragen." Thomas Mann sprach im Rahmen der„Europa- l n i o n", die in der Schweiz den Kampf für eine solche Volksbewegung aufgenommen hat und im ganzen Lande schon viele Tausende um sich gruppiert. Die Europa-Union bildet die schweizerische Sektion des„Bundes für die Vereinigten Staaten von Europa— Jung Europa", der in Frankreich, Holland und besonders auch iu Belgien starke Sektionen zählt und zu dessen Zielen sich Männer bekennen wie: Prof. Louis de Brouckere, Brüssel; der französische'Volks- Wirtschaftler Francis Delaisi; Redakteur Dr. Hans Bauer, Basel; Prof. Georges de Leener, Brüssel; der Soziologe Hendrik de Man: Minister Jules Dcstree. Brüssel: Prof. Dr. E. Gsell, St. Gallen; Prof. Albert Einstein; Graf E. De Grunne: a. Minister Senator Henri de Jouvenel, Paris; Prof. Henri Pirenne, Gent; Colonel Picot. Paris; Wladimir d'Or- messen. Paris; Gaston Riou, Vizepräsident der Union Dominiere Europeenne, Paris; R. P. Rillten, Senator, Generalsekretär der Christlichsozialen Werke Belgiens; Paul Valery von der Academic Franchise; Stephan Zweig. Uläcchw, ach so wundeckat... So soll dec Jleliqionsunteccickt aussehn Die Zeitschrift„Die evangelische Lehrerin" rillt einen„Entwurf zu einem Religionsie hrpla n" ' ieder. der von einem Lehrer Becker in Neukölln in der 'reußischen Lehrerzeitung„Erziehung und Bildung"(Nr. 3, I0.H) veröffentlicht ist. Dieser Entwurf macht für den Religionsunterricht folgende 1 orsrhläge: Erste« Schuljahr: 1.Märchen: Rotkäppchen.(Beziehung auf den-Heiland 'od auf Gott. Wer hat die Blumen nur erdacht.... 1. und '• Strophe.) Der Wolf und die sieben Geißlein.(Vom Geissen als göttliche Stimme. Vom Glauben. Erklärung des 'ierlrn Gebotes.) Aschenputtel.(Kampf zwischen Gott und 'eiifel. Pflicht des Menschen, Kampf mit dein Bösen. Der begriff Gnade.) 2. Jesusgeschichten 3. Feste und Feiertage... '• Aus der Natur... Zweites Schuljahr: 1. Märchen: Der Arme und der Reiche.(„Fahr aus 'er Pforte den Fremdling nicht an, und gib dem Bedürftigen erne". Edda.) Die Gänsemagd.(Begriff: Evangelium. Frohe hitschaft. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. 1. Strophe.) ischlein deck dich.(Gottes Wirken in der Natur. Unsere 'fliehten: 7. und 8. Gebot.) Frau Holle.(Beziehung auf Je- ''s in Gethsemane Von Gehet und Erlösung.) Die Stern- aler.(Von Ernte und Dank.) 2. Jesusgeschichten... 3. Feste und I eiertage... • Aus der Natur... Viertes Schuljahr: 1. Märchen: Dornrö«schen.(Von guten und bösen I einsehen: göttlich— teuflisch'. Lehen ist göttliches Gut, k t unsterblich. Jesu Wünsche. Jesu segnet die Kinder.) Maienkind.(Versuchung, gutes und schlechtes Gewissen, holen. Kampf um die Seele, der Sieg. Matthäus 8) Rumpel- •ilzchen.(Die beiden Mächte: Gut und Böse, Gott und Tru- e|. Die Erkenntnis der Sünde und die Erlösung. Jesus A er- Hebung. Tobias 4, 6 und Matthäus 6, 24) usf. Fünftes Schuljahr: Das fünfte Schuljahr dient det Erkenntnis, daß das reli- iöse Leben des deutschen Volkes zwei Wurzeln hat. Die itie entspringt der germanischen Zeit, di? eht auf das Lehen und die Wirksamkeit Jesu i ii r'' 1 Im ersten Viertel des Jahres wird die germanische Mythen- "dt als Quelle deutscher Weltanschauung behandelt. V er- 'ndungen zu Jesus und Luther werden an geeigneter Stelle »(gezeigt. 1. Die Lieder vom W erden der Welt und der Menschen Da eben werden die zwei Scböpfuogs s a g e u der Bibel gelesen 1. Mose 1 und 2). 2. Die Weise von der Weltesche. 3 Die tornen. A, H»|. /Vifl*" 1 St*Ih*ü«-5> Baidui. L°tic 6. Die Götterdämmerung(dazu 1 Mose 2 und 3: vom Paradies und Sündenfall; dazu Matthäus 7, 13 und 14). c. Ger- manische Kultstätten und Kultgeräte, z. B. Externsteine, Sieinkreise, der Sonnenwagen von Trundholm. Luren. 8. Zusammenfassung: Altgermanische Frömmigkeit. 9. Germanische und christliche. Frömmigkeit im Vergleich. Der größte Teil des Jahres ist der Betrachtung des Lehens Jesu gewidmet. Grundlage ist das Marknsevangelium. Stets ist deutlich der Gegensatz zwischen Jesus und der jüdischen Gesetzlichkeit, die wachsende Feindschaft der Juden lind der heldenhafte Kampf Jesu zu zeigen. Abschnitt 4 dieser Betrachtung des Lehens Jesu ist überschrieben:„Des Herzogs Tod", und schließt mit dem Gebet: „Vater im Himmel! Ich glaube an deine allmächtige Hand, Ich glaube an Volkstum und Vaterland. Ich glaub' an der Ahnen Kraft und Ehr', Ich glaube, du strafst unseres Landes V errat Und segnest der Heimat befreiende Tat! Deutschland, erwache zur Freiheit!" Beim achten Schuljahr heißt es: In dreimonatiger Behandlung, lernen die Kinder die jüdischen religiösen Führer und Dichter in ihren Hochzielen kennen, jedoch nicht als Vorbereitung auf Jesus; denn das deutsche christliche Glaubensleben bedarf nicht des Alten Testamentes als Stütze für seine Entfaltung." 5 Die Zeilschrift„Die evangelische Lehrerin" mach« dazu folgende Bemerkungen:„Es wird unserer Leserschaft heim Lesen dieses Entwurfes gehen wie uns in der Vereinsleitung: Es dreht sich iu uns etwas um, wenn wir die Größe der Gefahr erkennen, in der unsere Jugend, unser Volk steht hei solcher Verfälschung der biblischen Lehre. Der von einem Neuköllner Lehrer verfaßte Entwurf läßt fast darauf schließen, daß es Tatsache ist, was wir hörten und das zu glauben wir uns sträubten, daß es unter den Augen der Reichskirchenregierpng geschehen wäre." Die erneuerte Tlation Aus der Frankfurter Zeitung: „In der letzten Zeit haben die Sittlichkeitsverbrechen so zugenommen, daß sich das Sittenkommissariat der Frankfurter Kriminalpolizei jetzt ar. die gesamte Bevölkerung wendet, um die Mithilfe aller im Kampf gegen diese verbrecherischen Elemente aufzurufen..." Was dem Streicher recht ist, ist den anderen Sittlich- kcjt^ verfrreehern eben nicht billig) Jciedensuxocte- Jtiedenstaten lf enn je in den verruchten„vierzehn Jahren" Ein Staatsmann solchen Friedensschleim geschwitzt, II ie war das Pack ihm an den Hals gefahren, IT ie hält es ihn mit ärgstem Kot bespriftt. Der darf beschwörend um gut Wetter winseln (Und sorgen, daß man Kriegsmaschinen baut), Darf E.infalt mimen, wie vor Einfall pinseln; I om h rieden plärren, dem— doch keiner traut. Der darf auf„echtes deutsches Land" verzichten, II eil ihm— so sagt er—- nur der Friede lieb (Indes die Seinen die Geschäfte richten Und jede Schmiede wird zum Kriegsbetrieb!) Daß seine Sklaven scheinbar ihm vertrauen. II en wunderts. der dies weite Zuchthaus kennt? liier hinter jedem Zweifel wohnt das Grauen. Die sind von der Kulturwelt abgetrennt. Doch will Europa die Vernunft verachten? Sind alle wahren Friedensfreunde blind? I ergaß man sie. die noch im Kerker schmachten: Die starben, weil sie—„Pazifisten" sind?! Willy Eckenroth. JJieatec in JUuis (Stenokritiken) I Eine Renaissance des„Theatre Francis" unter Fahre scheint zu beginnen. Nach dem Erfolg des„Coriolan"; nach dem Wagnis der 1 ragikotnödie„I, olage" von Claudel: nachdem bietet er alten Staiuinsitzlern das Werk eines jüngeren Dramatikers, bis jetzt nur von Versuchsbühnen dargestellt:„Martine". Der Autor ist Jean-Jacques Bernard. Sohn Tristan Bor- nards. dessen gütiges Humorgenie so oft ein Trost in dieser dummen Zeit ist. II Martine... Ein junger Städter kommt aufs Land. Er wird für ein argloses Landinädel der Gott. Er heuert hernach eine andre. Sie nimmt einen Bauerngütler. Schluß. Dies feine Trauerspiel des Alltags entstand in der sogenannten„Schule des Schweigens". Will sagen: das Gefühl des Mädelrhens wird nicht geäußert, sondern verhehlt. Nicht festzustellen, sondern zu erraten. Sie sagt nur das Einfachste.(Noch weniger als etwa, zwei Akte lang, die Christine, bei Schnitzler, in der„Liebelei". III Stimm»«gen. Lebenspausen.(Stille Musik: mit Fermaten.. und einem sinorzando.) Der graue Alltag: wie hei Tschechoff: wie bei Ossip Dyraoff. Doch mit eignem französischem Ton. Rernard(der nach Neuem trachtet) schrieb das vor zwölf Jahren. Es ist ein zartes Werk... indes rings um den Planeten der Bombendonner droht. IV Madeleine Renaud: demütig; klein; schlicht. Bezaubernd wortarm; ergreifend tonlos— in verstocktem Schmerz.(Ein schlecht behandeltes Vöglein... ohne Gepiep.) K.. r. , Wie können es uns nickt leisten" Furtwängler für Hindemith Wilhelm Furtwängler nimmt heute in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" zum„Fall Hindemith" Stellung. In gewissen Kreisen, so schreibt Furtwängler, ist ein Kampf gegen den Komponisten Paul Hindemith eröffnet worden. Was wirft man ihm vor? Zunächst Dinge rein politischen Charakters: er sei jüdisch versippt und habe jahrelang in dem teilweise aus Juden bestehenden Amar-Quartett, das er ins Lehen gerufen habe, als Bratscher mitgewirkt. Weiter habe er noch nach der nationalsozialistischen Revolution sich konzertierender weise mit zwei emigrierten Juden auf Schallplatte» aufnehmen lassen. Es handelt sieh hier, so schreibt Furtwängler. um eine bereits Jahre vor dem Einsturz bestandene Streichtriogemeinsehaft, deren übrige Partner nicht Emigranten waren, sondern der hervorragende erste Konzertmeister des Berliner philharmonischen Orchesters G o I d b e r g und der in Berlin lange Jghre als angesehener Lehrer wirkende Oesterreicher Feuermann- der als einer der besten europäischen Cellisten allgemein an- erkannt ist. Die Hauptgründe für ihre Haltung erblicken Hiiidcmiths Gegner in denjenigen seiner Werke, die irgendwie weltanschaulich anfechtbar erscheinen, und zwar in drei Einaktern. Furtwängler versichert, daß es sich hier um Kompositionen aus der Jugendzeit handelt, als Hindemith noch nicht einmal wußte, ober er überhaupt Komponist werden wolle. Furtwängler zieht einen Vergleich dieser drei Werke mil Strauß'„Salome", der man gleichfalls den Vorwurf der Perversität machen könnte. Wer aber wollte um des „Salome'-Tcxtrs willen Richard Strauß ablehnen? Furtwängler stellt Hindemith das allerbeste Zeugnis aus. Er he- zeichnet ihn auch blutmäßig als rein germanisch und als einen ausgesprochenen deutschen I yp US, was seine letzten W erke beweisen. Furtwängler schließt seine Ausführungen mit folgendem Satz:„W ir können e« un« n ieht l'ei»t«i angesichts der auf der ganzen Welt herrschenden unseligen Armut an wahrhaft produktiven Musikern auf einen Mann wie Hindemith so ohne weiteres zu verzichten." „7 Uick hunQect": oecloten „Der Schriftsteller", das Verbaudsorgau der Nationalsozialisten und Gleichgeschalteten, teilt mit, daß Verkauf und Verbreitung des Buches von Finkh:„Midi hungert" in Deutschland verboten worden ist Auf der neuen Verbotsliste befinden sich ebenfalls ein Buch von Ludendorff: „Die deutsche Zukunftswirtschaft" und ein Dutzend nationalsozialistischer Bücher, in denen Böhm oder andere am 30. Juni Ermordete vorkommen. I I rtMkar hl Sturmxaltan Nr. M Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Mlttwodl, M. Noombtr UM Offo Aus dem Zellengefängnis Briefe aus bewegter, schwerer Zeit 1848—1856 Corvin von Zu den interessantesten Gestalten der Revolution von 1818 gehörte Otto von Corvin. Er wurde 1812 in Gumhinnen in Ostpreußen als Sohn eines Postdirektors geboren. 1830—35 diente er als preu- ßiseher Leutnant erst in Mainz, dann in Saarlouis. Nachdem er seinen Abschied genommen, nahm der geistig vielseitig interessierte junge Mensch an den Bewegungen des Vormärzes lebhaften Anteil— als leidenschaftlicher Republikaner und Demokrat. 1818 kämpfte er in den Reihen der Aufständischen in Jaden. Im Mai 1819, als die Gegenrevolution die Oberhand gewann, verteidigte er als Bürgerwehroberst Mannheims die Stadt gegen die Preußen. Als Chef des Generalstahes suchte er dann die Eestung Rastatt zu halten. Nach ihrer Ucbcrgabe wurde er standrechtlich zum Tode verurteilt, kurz vor der Erschießung zu sechsjähriger Festungshaft begnadigt. In seinen«Erinnerungen" schildert er, wie diese Begnadigung eintraf, als schon alles für die Erschießung vorbereitet war. Diese sechsjährige Festungshaft hat er bis zur letzten Stunde abbüßen müssen. Er hat in diesen Jahren viel gelitten.. Aber liest man die Briefe, die er an seine Frau geschrieben hat, so wird man finden, daß der damalige Strafvollzug(für einen Rebellenführer, der mit der Waffe ergriffen wurde!) immer noch human war, verglichen mit den Zuchthäusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern, in die achtzig Jahre später das„dritte Reich" seine Gesinnungsgegner sperrt. Wir veröffentlichen eine größere Anzahl der Briefe Corvins. Sie sind seinem längst vergriffenen, 1884 erschienenen Buche„Aus dem Zellengefängnis" entnommen. Es sind menschliche Dokumente von tragischer Größe und mit bemerkenswerten Einblicken in die politische Situation nach 1818 darunter. Vor allem den Briefwechsel mit seiner Frau wird jeder Mitfühlende mit tiefer Anteilnahme lesen. Otto>on Corvin hat nach seiner Entlassung eine vielseitige schriftstellerische Tätigkeit ausgeübt. 1861 erschienen seine vierbändigen„Erinnerungen". Die Reihe seiner Geschichtswerke ist lang. Am bekanntesten ist er durch den„Pfaffenspiegel" geworden, der in den weltanschaulichen Kämpfen der Vorkriegszeit eine gewisse Rolle spielte. Im Jahre 1886 endete sein reiches und abenteuerliches Leben. I" 9. Fortsetzung „Ich sehe beständig dein trauriges Bild Frau v. CorVin an ihren Mann (Ohne Datum.) Mein guter, lieber Otto! Verzeih mir, daß ich Dir nicht schon vor einigen Tagen geschrieben habe; allein mein Herz war zu bewegt und mein Kopf unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen. Die lebhafte Vorstellung Deines Unglücks und unser trauriges Wiedersehn hat mich so niedergedrückt, daß ich wirklich vor innerm Weh vergehen möchte; es bedarf all meiner moralischen Kraft, um mich zu erheben und zu der kleinsten Lehensäußerung zu befähigen. Ich weiß es wohl, mein lieber Otto, daß Du mit Mühe die Tränen zurückhieltest, als ich Dich sab. Auch ich hatte Mühe, meine Stimmung zu verbergen, und deshalb sprach ich so lebhaft; ich wollte meinen Schmerz nicht laut werden lassen, um Dir das Herz nicht noch schwerer zu machen, als es ohnedies war. V ehmiitig war ich zwar nicht, als ich Dich hinter dem Gitter stehen sah mit Deinem bleichen Gesicht und so traurigen Augen. Es erfaßte mich ein Gefühl, was wohl dein ähnlich war, durch welches Jesus angetrieben wurde, die— doch nein, ich darl meine Gedanken nicht ausdrücken und werde mich daran ge- wohnen, Dir bloß Bericht zu erstatten, ob ich gesund bin, wie meine Angehörigen sich befinden, am Ende gar, was für Wetter es ist usw. Nun so höre denn. Ich will Dir ganz einfach erzählen, was mir begegnet ist, seitdem ich Dich an dem Ort der Qual verlassen habe. Ich kann Deinen letzten, scheidenden Blick nicht aus dem Gedächtnis bringen, und sehe beständig Dein trauriges Bild vor Augen. Der gute Fritz und ich gingen in Begleitung des Polizisten nach dem Hotel zurück, denn es war uns ja durch den Stadtkommandanten verkündet worden, daß ich arretiert sei und bis auf weiteres das Zimmer nicht verlassen dürfe. Ein Grund wurde nicht angegeben und ich weiß auch recht gut. dal! keiner vorhanden war. Nutzlos mußte ich meinen Aufenthalt verlängern und es war mir nicht einmal gestaltet. Besuch bei Dr. Kusel zu machen, wozu ich um Erlaubnis gebeten hatte. Ich blieb auf meinem Zimmer, vor dem eine Wache stand und selbst Fritz wurde verwehrt, aus der Tür zu treten. Ich habe nicht die geringste Furcht gehabt, nbschoii recht leicht zu denken war, daß, wenn man iniih ohne Grund arretiert, man midi ebenso gut ohne Grund festhalten könne, ins Gefängnis setzen usw. Aber nach dem, was Dir geschehen ist und was ich alles ertragen halte und noch ertrage, hin ich gestählt gegen jede Gewalttat, welche midi direkt berührt. Ich br.daure nur, daß Du um meinetwillen Angst hattest; aber hoffentlich wird man Dich bald daraus befreit haben, indem man Dir gewiß gesagt hat. daß dieser Arrest keine Folgen von Bedeutung für midi halte. Um 4 Uhr nachmittags kam der Hauptmann von Wedeil und sagt,! mir, daß ich reisen könne, wenn ich wolle, bis dahin aber Bewachung behalten würde und mir auch die Begleitung e ines Gendarmen bis zur Grenze gefallen lassen müsse. Er entschuldigte sich mit der Pflicht des Soldaten, welcher er gehorchen müsse und empfahl sieh sehr artig mit der Bemerkung, daß ich Baden nicht mehr ohne besondere Erlaubnis des Prinzen von Preußen oder des Generalleutnants von Schreckensfein betreten dürfe. Demnach blieb ich also bis zum andern Morgen um'!a7 Ubr in Bruchsal, in ein und derselben Stadt mit Dir und doch mehr getrennt von Dir, als läge das Weltmeer zwischen uns. Diese» konnte ich mit meinem Willen durchsegeln,— aber die Türen Deines lebenden Grabes öffnen sich auch meinem stärksten Willen nicht. Sieh, das ist das Entsetzlichste: Nichts, gar nichts tun zu können. Als ich schon zur Rückreise gerüstet, das Gastzimmer verlassen wollte, gab mir der Polizeibeamte ein Papier, worin man verlangte, ich solle die Kosten für meine Bewachung bezahlen. Ich schrieb aber darunter, daß ich das nicht tun würde. Ich war zu eilig, sonst würde ich einen Auszug der Wirtsrechnung darunter geschrieben haheri mit der Bemerkung, mir die Kosten zurückzuzahlen, welche durch meinen unfreiwilligen längern Aufenthalt entstanden seien. •—• Wir wurden zur Eisenbahn transportiert, denn der Polizist saß neben mir im Omnibus— uud dort einem Gendarmen übergeben. Ich bemerkte auch sogleich heim Einsteigen in den Wagen den darin sitzenden Herrn, daß sie sich nicht wundern sollten, Damen in Gesellschaft eines Gendarmen zu sehen; ich hätte das ungeheure Verbrechen begangen, meinen gefangenen Mann zu besuchen. Man w underte sich sehr; der mir zunächst sitzende Herr, Geheimrat von Wahlkampf, ist ein alter Bekannter Deines Papas. Er sagte mir, daß er noch an demselben Abend in einer Gesellschaft in Frankfurt mit dem Prinzen von Preußen zusammen käme, und durch seine Frau meine Sache vertreten lassen wolle. Ich sagte ihm: In jedem Falle ist die Geschichte neu und interessant genug, Herr Geheimrat. daß man zu gleicher Zeil die gesetzliche Erlaubnis erteilt, die Gefangenen alle Monate besuchen zu dürfen und den Besuchenden das Land zu betreten verbietet, in welchem sich die Gefangenen befinden. Es ist ganz gewiß eines der bewußten preußischen Mißverständnisse, und Sie werden Sich verdient machen, dasselbe zu heben.— Er riet mir an, persönlich zum Prinzen zu gehen,— doch das tut und tue ich nicht, denn da, wo ich ein Recht habe zu fordern, bitte ich nicht. Auch ist meine Sprache durchaus nicht für das Ohr eines Prinzen geeignet. Meine Verwandten und Freunde waren alle mehr erschreckt über das, was mir geschehen war. als ich bei dem Geschehenen selbst. Mancher Menschen Verstand konnte diese Beleidigung eines unglücklichen Weihes nicht fassen und legte dem Vorfalle eine allzugroße Wichtigkeit bei. So viel ist gewiß, käme ich einst zu einer Macht, so hab ich in dieser Zeit gelernt, was recht und edel ist und würde ganz gewiß nicht so gegen meine Gegner und Feinde verfahren. So viel ich mit der guten R. überlege, so finden wir für den Augenblick nichts heraus, um wenigstens etwas für die armen Gefangenen zu wirken. Es ist noch immer in der Kammer keine Sprache von Euch Unglücklichen gewesen, Gleichgeschalteter Pressekuli verlangt „Ein Hündchen wird gesucht, Das weder bellt noch heißt, Zerbrochene Gläser frißt. Und Diamanten..,.!" (Goethe) obschon einige der Herren den Willen haben. Hier wurde der Antrag, der Gefangenen des Jahres 48 zu gedenken— hei Seite gelegt.— gar nicht beachtet. Gott!— wenn ich nur etwas tun könnte, um Dich zu erlösen!— Ende April sehe ich Dich mein teuerster Otto. Schicke mir aber doch Deine fertigen Zeichnungen. Nächstens schicke ich Dir ein Nestdien und ein Vögelchen,— natürlich beide gemalt. Ich hatte für Dich ein Rosen-Bouquet bestimmt: aber sowohl dieses als noch mehrere sehr mühsam gemalte Sachen hah ich in einem Wagen liegen lassen und ungeachtet aller Mühe nicht wieder bekommen.— Sei doch so gut und seil reib unsere Liebesabentenr auf; die gute R. bat midi darum gebeten; aber ich habe kein Talent zu schreiben; es würde mir Mühe kosten und doch würde ich die Erlebnisse entstellen durch meine Ungeschicklichkeit. Die ersten Tage unserer Bekanntsdiaft in Rödelheim und das Wiedersehen in Paris und Chantilly. Ueberhaupt würde es mir große Freude machen, wenn Du in jedem Briefe ein klein Stückchen Romantik aus unserer glücklichen Zeit niederlegtest. Leb wohl, mein teurer Otto; behalte lieh Deine Helenen „Sei nicht so traurig und hoffnungslos" Am 2. April. Guten Morgen meine liebe Helene. Ich muß Dich wieder vom Wetter unterhalten; allein es ist mir in der Tat auch wichtiger als jemals, da raein Körper Iiier ein förmlicher Barometer, wenigstens ebenso empfindlich geworden ist. Das war in der Nacht wieder ein abscheulicher Wind und der Baumeister bat unsere steinernen Särge sehr zweckmäßig dafür gebaut, daß unser Körper nicht in Fäulnis übergebt, denn es gibt Iiier nicht einen zollbreit großen Fleck, welcher nicht im Kreuzfeuer des Windes lüg". Das ist ungefähr mein steinerner Vogelbauer. Die schwarzen Kleckse stellen die Oeffnungen vor und das Fenster in der Vorderwand ist zwar höchst witzig erfunden, allein keineswegs luftdicht. W irklich, das Lüftungssystem ist sehr künstlich und im Sommer muß es hier gar nicht iibe! sein. Gehen wir nach Surinam, dann werde ich mir eine Zelle nach diesem System erbauen....— —... Sei nicht so traurig und hoffnungslos, meine Helene! Es wird noch alles gut werden.— Den Tag vor meinem Standgericht sagte ich zu Kinkel: Lieher Freund, wenn dies mal die Kugel au uns voriiberfliegt. dann wird noch etwa» aus Uns.— Ich habe gar keine Ahnung von Unglück. sondern im Gegenteil ich blicke voll Zuversicht in die Zukunft, trotz meiner Krankheit und trotzdem daß ich von dem Erfurter Reichstag nichts erwarte. Es liegt was in der Luft! Was weiß ich nicht, allein es erfüllt mich mit Zuversicht.— Die Rückseite dieses Briefes war mit unsichtbarer Tinte in Ziffern beschrieben, deren Uebersetzung lautet: „Hast Du meinen laugen Brief in Chiffern erhalten?— Der unterirdische Gang führt nicht allein auf den Raum zwischen beide» Höfen, sondern auch in die Wasserleitung bis außerhalb der Mauer. Die Oeffnung ist freilich nur so groß, daß grad ein Mann durchschlüpfen kann; allein durch Wegnehmen einiger Steinplatteu kann man sie erweitern. Vielleicht kann man hierdurch alle Gefangene befreien. E* ist leicht durch eine Kette und Vorlegeschloß das äußere Gittertor zu schließen. Mit einem Wort, man kann die Soldaten einsperren; ja sie können uns, sind wir einmal im Keller, nicht folgen, selbst wenn sie die Kellerschlüssel haben, weil wir hinter uns die kleine, eiserne Tür verschließen und den Schlüssel inwendig stecken lassen. Heute habe ich an Mögling geschrieben. Habe ich Deine Antwort, so sollst Du die Wachsabdrücke erhalten, die ich Dir als „Blumenzwiebeln" schicken werde"» Mit Geheimtinte Geheimer Brief in Ziffern vom 7. April 18 5 8 und auf der Rückseite mit unsichtbarer Tinte. „—— Wir haben uns unnütz bemüht. Die Dragoner, welche ich längst in Preußen glaubte, sind ja noch hier und unter diesen Umständen ist die Flucht sämtlicher Gefangenen ein Wagestück, welches ich allenfalls unternehmen will, wenn ich dreißig gut bewaffnete Leute bei der Hand habe. Sage niemand von meinen Plänen, denn nun laß uns an mich denken und vielleicht noch zwei andere mitnehmen. Mögling ist zu dick und kann mit seinem Bein nicht fort. Mein Gefährte muß ein zuverlässiger Mann sein. —..... Ich denke an Heinsius. Es ist mir lieb, daß Mögling meinen Brief noch nicht hat.— ttt wird die Schlüssel verschaffen. Unsere Flucht ist nun. sehr leicht- Weira ttt die Wache hat, öffnet er unsere Zellen und führt uns in den Keller und in den Gang, der grad unter dem äußersten Tor mündet Man hat wirklich viel Rücksichten in bezug auf mich und alle Beamten wetteifern darin, sich mir gefällig zu beweisen Habe Du nur Mut und Geduld, mein Herz; ich gehe Iiier nicht zugrunde. Durch die bessere Nahrung usw. habe ich mich gar sehr erholt." „Noch ist kein Jahr herum" Corvin an seine Frau. (Mit Zitronensaft und zum Teil chifferiert.) Am ersten Feiertag. Meine liebe Helene. Du wirst aus meinem offiziellen Briefe ersehen haben, was vorgegangen ist. Ich habe mich von meinem Schrecken erholt und bin vollkommen gefaßt. Mache nur alles, wie ich es Du geschrieben habe. Der Schlosser muß sich helfen, so gut er kann. Da ttt fort ist, kann ich ihm vorläufig nichts schicken. Er soll nur immer..(Ziffern) einpacken; Du weißt ja- daß ich darin große Geschicklichkeit habe; allein vergiß (Ziffern) nicht.— Die Linien sind badisch Maß und Dezi inallinien(Ziffern) um kleine Irrtümer zu berichtigen. X ist ein große Hase! Im Gefecht riskiere ich mein Leben ganze Stunden lang und werde wahrhaftig eine Kugel bei Nacht nicht fürchten. Das ist kindisch und was er sonst sagt abgeschmackt. Indessen arbeitet(Ziffern) ja seiner Meinun- in die Hände! Ich muß warten und will warten, allein iU der politischen Weltgeschichte. Vor allem in Rom wird man damit einverstanden sein. Mo i verfolgt dort in der letzten Zeit sein Tun und Lassen mit dem größten Interesse. Gr ist dort so wenig populär, daß es uns nicht verwundern würde, wenn er dort bald einen Besuch an- kündigen ivürde in der wirklich harmlosen Erwartung, dort als Gentleman von Genttleinen empfangen zn werden. So faßt er selbst diese Dinge wenigstens ans, nämlich als rittet liches Spiel, von dem aber eine der Spielregeln lautet, daß man die üblichen Begriffe von Mütterlichkeit einlach außer acht läßt. Alles, was mit Politik zusammenhängt, ist für ihn eine Art Jiu-Jitsu, also ein Sport. Wenn andere vom Standpunkt der Moral aus etwas dagegen einzuwenden haben, dann ist es deshalb, weil sie keine Ahnung haben von Jiu-Jitsu als Sport. Von Pape» kommt mit seinem stets wohlwollenden Blick aus der Arena, wäscht seine Hände und ist obendrein noch außer sich vor Staunen, wenn er merkt, daß es Leute gibt, die— politisch gesprochen— seine Hände lieber nicht mehr drücken. Das stört ihn in seiner Gleichmut und in seinem Giier. Jedenfalls liegt dies an dem mangeln- den Verständnis der anderen. So ist es in feiner diplvmati- scheu und politischen Vergangenheit auch schon gewesen." „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" Aus der„Post Seripta" der H a a g f ch e n P v st, ent- nehmen wir die folgenden Abschnitte: „In Teutschland gibt es die Strafe, daß derjenige, der sich über das Ausbleiben der Verbesserung des Zustandes beklagt hat, einigt Wochen lang täglich aus der Polizeiwache er- scheinen muß, um dort nach der Methode von Dr. Goiic zu bezeugen, daß es jeden Tag besser wird. Das ist, wohl zu verstehen, eine Strafe für Frauen: Männer kommen weniger gelinde davon ab Diese Methode scheint aber nicht wirksam genug z» sein. Das hat Dr. Gördeler, der neue Preiskom- miliar, der Presse eindeutig zu verstehen gegeben. Gr sagte, man habe der Löhne Meister bleiben können. Das bedeutet, daß sie jedenfalls nicht gestiegen sind. Aber das Steige» der Lebensmittelpreise und anderer zum Leben nötigen Dinge ist in den letzten Monaten t'iir die große Masse unerträglich geworden Gördeler. so lesen wir in dem betreffenden Bericht weiter, geißelte die Angstpsnchose, die gewisse»reise der Be- völkerung befallen hat. Wir haben das mit großem Interesse von einem so unverdächtigen Zeugen vernommen. So sieht also das Vertrauen aus, das die neue Regierung der Be- völkerung einzuflößen versteht. Das sind die Früchte des Ausstiegs, den die neue Regierung, die dem deutschen Volke in vier Iahren seinen Wohlstand zurückgebe» sollte, in bei- nahe der Hälfte der Zeit gezeigt hat." Psychologie des Deutschen von heute Wir zitieren aus„De Provineiale Groninger Cour a n t": „Der Grundsatz:„Allgemeinwohl geht über persönliches Wohl" ist sehr schön. Aber er ist und bleibt eine Utopie, ein Ideal für altruistisch veranlagte Menschen. In Deutschland ist man nun schon beinahe zwei Jahre damit beschäftigt, der Die Uebergabe der umstrittenen Insignien der Prager deutschen Universität ist ohne weitere Zwischenfälle erfolgt. Es handelt sich um die 18 goldenen Ketten der akademischen Würdenträger, das alte goldene Szepter deS Rektors, die vier Szepter der einzelnen Fakultäten und das alte Siegel an» dem Jahre 1848. Die alten Gewänder und Bilder blieben in den Händen der deutschen Universität. Tie Uebergabe er- folgte in feierlicher und würdiger Weis«. Prima Existenz In guter lagt Straß- burgs Hausm Lager haus, Büro. Garage, großer Hof. Garten, Telefon, Gas, Strom, Wasser, mit erstklas~ sigem Geschüft krank heitshalbersofort sehr günstig zu verkaufen. Offe fen unter Nr. 276 A^rnce f/avas, Straß bürg. &, Zu verkaufen Vollständige Hinrichtung einer Strumpffabrik Fabrique de Bonneterle mit Bureaus Sehr massige Miete mit schöner Wohnung Sich schrittlich wenden an die Ge. schäitsstclle dieses Blattes unt. Nr. 1222 Bevölkerung diese Idee einzutrichtern, und zwar buchstäblich mit allen Mitteln, die einer Diktatur vom Iahre^ 1084„nr Verfügung stehen. Rundfunk, Presse, Buch, Zeilichint und Zehntausende von Reden! Befehle, Straten, Ueverredungc- kunststücke. Schule, Plakat. Zeichnung und Film! In der Tat sind nur die Säuglinge und.Krankenhäusler davon verschont geblieben. Trotzdem ist der deutsche Mensch der irdische Mensch geblieben: d. h. ein Egoist mit allen Graden von .Kindlichkeit sich selbst und seinen Mitmensche»»cneniiocr. DaS wird auch im allgemeine» nicht abgeleugnet, selbst Minister Göring hat das zugegeben. Und das ist nun das Resultat der altruistische» Pädagogik. Man predigt die totale Abschaltung der Standesnnter- schiede»nd des Ständesiiochmules. Ist das nun imden zwei Iahren auch»nr einen Psiiserling bester öewvrdchi. Vs devkt rtflr nicht daran. Aristokratische und tapltalnzisch^ v i t s bildung sind geblieben Der Unterschied zwischen dem Herrn und dem Arbeiter ist noch genau so scharf wie trüber, trotz der edlen Vorbilder, die hohe Regiernngsbeamte geben, trotz der zahllosen Erziehungsversuche durch die Presse und durch öffentliche Versammlungen. Es hat sich sogar eine neue Oerrentaste aedildet, und zwar ans den Elementen, die von nichts per Zufall zu etwas gekommen sind. WaS wird die Zukunft bringen? Darüber zerbrechen stch Millionen Deutsche, die trotz allem im Herze» noch anders über den Hitlerstaat denken als die begeisterten Männer in der braunen Uniform»nd die selbst heute noch bereit sind, links»m kehrt! zn machen, wenn der Diktator das befiehlt. Das lebende Greuelmärchen Ans der„Post Scripta", der„H a a g s ch e n P v st": „In Oesterreich ist man nicht besonders zutriebe» mit Herrn von Pape», dem Mann, der im besonderen uinting von Hitler eine Annäherung zwischen Deutschland und Oesterreich znstandebringen soll. Gr hat es gleich im Aniang nicht besonders eilig mit dieser nützlichen Arbeit gehabt. Gr kam spät nach Wien und reiste gleich danach wieder ab. Alle möglichen Jagden im Ausland standen ant seinem Pro- gram in. Zn seiner Glire müssen wir wolil annehmen, daß es sich um politische Jagden handelt. Von einer wissen wir das sogar mit Sicherheit. Das war, als er bei Gömbös, dem un- »arische» Ministerpräsident, Hirsche sdiießen ging. Bei dieser Gelegenheit hat er dein Ungarn vorgeschlagen, zu einer großen Bnndesgenossenschast als Mitglied beizutreten,-rer Bund sollte bestehen ans Deutschland, Polen und Siid,laivien. und sollte seine Macht gebrauchen, nm eine große.Beute zu verteilen. Von der Tschechoslowakei sollte nur sehr wenig übrigbleiben. Rumänien, Litauen und wahrscheinlich Rull- land auch sollten sehr beschnitten werden. Oesterreich tollte au Deiitsdtland fallen, bis aus Siebenbürgen, das an Ungarn, und Kärnten, das an Südjlaivien lallen sollte. Auch Italien müßte den Bundesgenossen etwas von seinem Gebiet ab- stehen. Das klang alles wie Musik in den Ohre» des nach Wiederaufbau, Ausdehnung und Abenteuern lüsternen Ungarn, die anders darüber dachten. Jedenfalls ivarnte man Mussolini. Und dann waren alle Budapester Tränine schnell ausgeträumt. Von Papen kehrie zu seiner Aunäherungsanl- gabe zurück nach Wien, als ob nichts geschehen war. Für von Pape» ist übrigens niemals etivas geschehen. Gr würde selbst den 8>>. Juni schon ganz vergessen habe», wen» ihn nicht noch die stets notwendigen Besuche beim Zahnarzt daran erinnerten. Ja, die Herren vo» der SS. faßten ihn nicht mit Glacehandschuhe» a», Wenn von Pape» gähnt, erzählt er. schweigend und ohne es zu«vollen: ein Greuelmärchen. Korrupter Hitierbonzc . Vor der Strafkammer hatten sich die Angeklagten Friedrich und Krämer zu verantworten. Krämer war früher Stan- d a r t e n s ü h r e r und Friedrich.Kassenführer der Standarte gewesen. Beide hatten sich der fortgesetzten Untreue schuldig gemacht, indem sie Gelder, die.der Kasse entnommen wurden, nicht verbucht und in unzulässiger Weise verwandt hatten. Der Staatsanwalt beantragte für Krämer 1 Jahr 8 Monate Zuchthans und 300 RM. Geldstrafe, für Friedrich 1 Jahr Zuchthaus und 100 RM. Geldstrafe. Der Verteidiger Krämers stob die Verdienste hervor, die Krämer als alter Kämpfer sich in» die Partei erworben hatte und plädierte aus Freisprechung. Das Gericht verurteilte beide Angeklagte zu je einem Jahr Zuchthaus» Palästina Rekordzahlen der Einwanderung Die Regierung Palästinas hat der Jewish Agench mit- geteilt, das? sie die Aufnahmefähigkeit des Landes für Arbeiter-Einwanderer für das laufende Halbjahr Oktober 1934— März 1935 mit 9700 Arbeitnehmern berechnet Hat; von dieser Zahl werden 2Z00 Zertifikate iür Rechnung der illega- len Einwanderung und der ins Land kommenden Touristen, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu ver- bleiben, in Abzug gebracht werden, so daß für daS laufende Halbjahr eine Scheönle von netto 751X1 Zertifikaten zur Verfügung gestellt wird. Tie Jewish Agency hatte ihrerseits die Aufnahmefähigkeit des jüdischen Arbeitsmarktes in Palästina für neue Ein- wandercr mit 18 090 Arbeitern berechnet. Die Palästina- Regierung hat demnach dieser Forderung nur zu 40 Prozent entsprochen. Immerhin bedeutet dies einen Fortschritt gegen- über früheren Einwanderungsperioden.'Tie bewilligte Schcdulle ist um 1900 Zertifikate höher als die des voran- gegangenen^Halbjahres und um 7UO höher als die voran- gegangene Schcdnle zusammen mit der nachträglich bewillig- ten Zusatzschedule von 1290 Zertifikaten. ES wird angenom- men, daß die Regierung sich entschließen wird, auch für die neubewilligte Schedule eine Zusatzschedule in einem größeren Umfange als die vorangegangene Zusatzschedule zu be- willigen. * Nach vorläufiger Schätzung sollen im Monat Oktober d. I. nicht viel weniger als 6900 Juden in Palästina eingewandert iein. Im vorangegangenen Monat September betrug die jüdische Einwanderung rund 4090. Die Oktober-Einwanderung in Höhe von etwa 6990 Juden bildet einen neuen Rekord in der jüdischen Einwanderung nach Palästina und übertrifft den bisherigen Rekord vom Oktober 1938 von 4393 jüdischen Einwanderern um etwa 1600 Personen. Volksabstimmung in Genf Bürgertum und Sozialdemokratie Stm 18. und 19. November fanden in Gens drei. Volksab- stimmungen statt, bei denen die sozialistische Regierung gegen die sämtlichen bürgerlichen Parteien und die Kommunisten zu kämpfen hatte. Tie bürgerliche Presse berichtet davon nur. daß die Stcuervorlage der Regierung mit 23 722 gegen 13328 Stimmen verworfen wurde. Bekanntlich sind ^.leuervorlagen meist unpopulär, wie vor kurzem auch die bürgerliche Regierung von St. Gallen in der BolkSab- üimmung erfahren mußte. Dabei arbeiteten die Bürgerlichen mit ungeheurem Kraft- und Geldaufwand und den schäbigsten Mitteln. Die sozialdemokratische Stimmenzohl hat sich trotz- dem voll behauptet. In einer Erklärung sagen RegierungS- Präsident Nicole und Finanzdirektor Raime, keine andere Partei in Genf könne auch nur ein Drittel dieser treuen Wohlerzahl aufweise». Run werden die Bürgerlichen, deren Mißwirtschast die Finanzkrise verschuldet hat, zeigen müssen» auf welch besserem Wege sie Abhilfe schassen können. Die beiden andere» Abstimmungen ergaben glänzende Siege der Regierung. Zur Frage der Hilfe für die Hinterbliebene» der am 9. 11. 1988 vom Militär erschossenen Temoustrantcn hatte die Regierung eine Borlage gemacht, die mit 23 390 gegen 10 930 Stimmen au- genommen ivurde. Ein kommunistischer Gegenentwurf ivurde mit 23 436 gegen 1915 Stimmen verworfen, lind mit 29 062 gegen 3448 Stimmen wurde der von der bürgerliche» Mehrheit des Großen Rats gegen den Willen der Regierung beichlossenc Feiertag am Tage des Eintritts Genfs in die Schweizer Eidgenossenschaft wieder abgeschafft. Italiens fosdilsflsdie Partei In Zahlen Die„Stampa" zergliedert in einer Ausstellung die faschistische Partei. Danach zählte die Partei im Jahre 1934: Faschistische Miliz' 1851 177 Jungsaschisten 657 61,3 Hochjchnlsajchisten 66 934 Faschistische Frauen 304 313 Faschistische Mädchen 83 053 Schüler 190 581 Guipnasiasten 24 305 Universitätsprosessoren 2>568 Außerordentliche Professoren 2099 Küstler und Wissenschaftler 1 351 Bereinigung faschistischer Angestellter 239 769 Bereinigung faschistischer Arbeiter 125 386 Bereinigung faschistischer Post-, Telefon- und Telegraienbeamter 74 859 Staatsbeamte 70 890 Baliila(Organisation der 6 bis 12jährigen Kinderl 2 108 227 vis„Deutsche Freiheit" Einzig* unabhängig* Tag*sz*ilung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßig* Zusendung der„Deutschen Freiheit" Sied des Bonzen Ober den Staatsmann Danzlg als Warnung inr das Saargebiet Die„Neue Zürcher Zeitung"(Nr. 2123) weiß über den Rücktritt des Tanziger ScnatSpräsidenten Dr. R ausch ning, der nach der verlogenen gleich- geschalteten Presse aus Krankheitsgründen demiß'io- niert haben soll, u. a. zu berichten: Tie Demist'ion RauschninqS bedeutet einen Sieg der Partei über den Staat, des aus Bauern ftam- meuden Gauleiters F o r st e r über daS an den Bode» von Tanzig verwurzelte RcgterungSoberhaupt. das bei aller Freundschaft mit Teutschland doch für das Eigenleben der Freien Stadt Tanzig Erhebliches geleistet hat. Dr. Rausch- niug ist weitaus die originellste und selbständigste Persön- lichkeit, die der Nationalsozialismus in Tanzig hervor- brachte. Rauichnings erstes Ziel war die Auflockerung der unter den früheren bürgerliche» Regierungskoalitione» erstarrten Front zwischen Tanzig und Pole n. Schon im August und September 1933. beinahe ein halbes Jahr vor dem Abschluß des dcutsch-polnischen Friedcnspaktes. kamen die ersten Bcr- träge zustande, durch die eine bessere Ausnützung des Tanziger Hasens gewährleistet und mit der Zu- billigung vermehrter Rechte aus kulturellem und schul- politischem Gebiet an die polnische Minderheit in Tonzig erkauit wurde. Das Verhältnis Rauschnings zum Gauleiter Forster, der trotz seinem jugendlichen Alter von 33 Jahren dem Typus deS„alten Kämpfers" entspricht— er trat schon nach dem Münchner Putsch von 1923 dem Nationalsozialismus bei— war seit langer Zeit getrübt. DaS Braune Haus be- folgte seit jeher mit Vorliebe das Prinzip, die Gauleiter auS entfernten Gegenden in das Feld ihrer Tätigkeit zu verpflanzen, um damit die Parteiorganisation dem EinhcitS- typus möglichst anzunähern. In Konsliktiällen pflegen dann die einheimischen Behördevertrcter den kürzere» zu ziehen, wie das Beispiel von Bremen zeigt, wo der regierende Bürgermeister Tr. M a r k e r t kürzlich seinen Rücktritt nehmen mußte, weil seine Politik von Gauleiter Rövcr. der zugleich als Reichsstatthalter von Bremen amtiert, nicht mehr gebilligt wurde. Gauleiter Forster. der ursprünglich Bankbeamter in Fürth war, gehörte dort zum engsten TüichUqe Tleuecscheinmg. füc jeden JdCüikec! BEER, Dr. M. Die auswärtige Politik des„dritten Reiches" kartoniert Fr. 25,— gebunden Fr. 35,— Polygraphischer Verlag AG„ Zürich I Zu beliehen'durch JbuchhaftdCuHq. xLet Voikssümme Saarbrücken 2, Trierer Straße 24 Neunkirchen, Hüttenbergstraße 41 Untorachrlft Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3• Scbüfzenadralje 5• P776 BRIEFKASTEN 7ellischer FreiheitSbund i» Neuyork. Ein Bericht über die Vor- tragSreife Gerhardt Segers war uns schon zugegangen. Mir geben noch davon Kenntnis, daß ihr folgendes Manifest in deutscher und in englischer Sprache an die„deutsch,stämmige«" Männer und grauen Amerikas verteilt habt:„Ter Deutsche FreiheitSbund ist die Bewegung. die alle deutschen Kräfte in Amerika zu einer macht- vollen Stoffe gegen den Nationalsozialismus und seine Agenten im Auslande zusammenschweißt. Ter Deutsche Freiheitsbund ist politisch neutral: er käinpst entschieden gegen den Faschismus aller Schot- Oeningen und gegen jedwede' Unterdrückung durch diktatorische Gewalt. Ter Deutsche FreiheitSbund fordert: Tie Wiedergewinnung der vollen Freiheit und aller politischen, sozialen, wirtschaftlichen u*d kulturellen Rechte in Teutschland und Oesterreich, die Veseiti- gung jedweder irgendwie gearteten Ausnabmegesetzgebung, inSbe- sondere aller religiösen Unterdrückungen. Vrecht die Ketten, die da» deutsche Volk in Knechtschaft halten!©erst das Hakenkreuz. daS Snmbol des von Hitler gekreuzigten Menschen, von Euch! Kämpft mit uns für Bolksrechte, Frieden, Freiheit, Kultur!" M. B., Vremgarteu. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit. Ihrem Wunich wird zwar nicht bei unS. aber in anderen saarländischen Zeitungen entsprochen werden., Anonymus. Besten Tank für die Zusendung der Zeitung„Tie Ostfchweiz", ober dieses Rundichreiben ist schon vor Wochen in der „Deutschen Freiheit" abgedruckt worden und hat von hier. aüS leinen Weg in die Auslandspresse genommen. Kölsche Jung. Wir geben von Ihrer Mitteilung Kenntnis, daß jüngst in einer BelegschafiSversammlung des Karlswerks in Köln- Mülheim von 4Z90 Arbeitern nur 250 gekommen waren. Es sprach der ReichStagSabgeordnete. Staatsrat, Treuhänder und„Professor" Börger. Er mehrte sich unter anderem dagegen, daß man ihm vor- werfe, er söffe. Seine Verteidigung lies ungefähr darauf hinaus, daß er Alkohol nicht brauche, da er-mit Bier, Wein und Schnaps in gehörigen Mengen auskomme. Berliner. Bon einer Auslandsreise teilen Tie unS einige Witze mit. die aber schon alle in der„Deutschen Freiheit" gestanden haben. Tas konnten Tie nicht wissen, weil die„Deutsche Freiheit" leider in Berlin nicht verbreitet ist. Neu war uns, daß man in Berlin NSDAP, so auslegt: Nur solange die Angeschmierten parieren. P.«. in Paris. Sie schreiben uns:„Nicht ohne Erschütterung lese ich, daß sich unter den Angeklagten im Berliner Rundfunkprozeß mein alters. Freund Ernst Hardt besindet. Ich gehöre zu denen, die sich schon vor Fahrzehnten, damals in der Aera der„Reu- romantil", für seine dramatischen Arbeiten einsetzten. Sein„Taniris der. Starr" war ein großer Erfolg, auch„Gudrun",„Schirin nnd Gertraude",„Der Graf von Gleichen" und„Der Kampf ums Rosen- rote" machten ihren Bühnestweg. 1908 erhielt Hardt den Staats- und den BolkS-Schillerpreis, 1917 wurde er Intendant des Weimarer Nationaltheaterb, 1925 Intendant de» städtischen Kölner Schauspiel- Hause», und ein Jahr darauf Intendant des Westdeutschen Rund- sunks. Er.war der geistige Kavalier unter den deutschen Rundfunk- Intendanten, immer sprudelnd von formschön vorgetragenen Gedanken/ die neue Wege.zeigten. Der Politik gehörte nie sein Fnter. Kreis Julius Streichers, der ihn bald mit Hitler ztt« sammcnbrachte. Als Gruppenleiter von Fürth gründete der in der vordersten Front der Antisemiten stehende Förster dort die ersten SA.- und SS.-Formationen. Im Herbst 1930 war er der jüngste der 107 Nationalsozialisten. die da- mals ans einen Schlag in den Reichstag einzogen. Er wurde zeitweise in Hamburg verwendet und dann im Herbst 1933 mit unbeschränkten Bollmachten a l s. G a u- leite r nach Tanzig geschickt. Sein Biograph Löbsack. der ihm ein überschwengliches Buch gewidmet hat, setzt darüber das von Hitler geprägte Motto„Nicht die Einheitstront der Schwachen— nur die Kampffront der Fanatiker kann uns retten", nnd die Lebensbeschreibung rühmt Gauleiter Forster im besonderen nach:„Ueberall.^wo er^gewcscn tst- hat er Fanatiker zurückgelassen." Seine Tätigkeit tn Tanzig ivurde vor einigen Monaten von Hitler mit der Ernennung zum T T.- G r u v p c n f ü b r e r einer der höchsten Kommandostellen in der„schwarzen" Armee, und von Göring mit der Berufung in den preußischen«taats- rat belohnt: überdies stellte sich Hitler periönltch ictncm Vertrauensmann als Trauzeuge zur Verfügung. Auf eine kurze Formel gebracht, bestand in der Danziger Politik der Gegensatz zwischen Forster und Rauichning darin, daß der Senatspräsident daS Primat der Außenpolitik verteidigte, der Gauleiter dagegen für daS Primat der Innenpolitik eintrat. Tie Einigung mit Polen, die Raufchning durch ein stufenweise fortschreitendes System von Verträgen und Abmachungen fortzusetzen gedachte, hat für Förster nur ein mäßiges Interesse, und eS ist bezeich- Uend. daß in dem Buche van Löbsack, das in der Schilderung von Aufmärschen, Fackelzügen und politischen Eroberung»- taten schwelgt, für Rauschnina gerade nur ei» paar knappe Zeilen abfallen. Ter Ehrgeiz Forsters ist auf die Ge- winnung der Zweidrittelmehrheit in Tonzig ge- richtet, um die Verfassung der Freien Stadt im nationalsozialistischen Sinn abändern zu können. Das kürzlich abgehaltene Wahlerpcriment in zwei Tanziger Wahlkreise« war recht eigentlich sein Werk, und das Er- gebnis scheint verlockend zu einer neuen national- sozialistischen Offensive aus dem Stadtgebiet. esse. Er war ein Liberaler mit dem Willen zur vollkommenes Toleranz, mit starkem Anpaßungstalent, von Sozialismus und Marxismus meilenweit entfernt. Ein Humanist von ritterlicher Haltung. Tie Nazis haßten ihn. weil er sich bis zuletzt tapfer gegen ihre Ansprüche auf Einflußnahme im Rundfunk wehrte— eben weil die Nazis den Grundsatz der Duldung aller Richtungen nicht anerkannten. Sie rächten sich brutal an ihm. Nicht nur, daß sie ihn sofort hinauswarfen und eine Fgnoranz, den inzwischen wegen einer peinlichen SorruplionSasfäre schon wieder verabschiedeten weitfäli- scheu Archivar Dr. GlaSmeier, an feine Stelle fetzten. Sie brachten Hardt zunächst in Schutzhaft und dann ins Gefängnis. Ter achiund- sünfzigjährige, schwer krank und gebrochen, verdient einige gute Worte. Noch kurz vor seinem Sturz hatte er sehr eindrucksvolle Sendungen klassischer Dramen, vor allem des„Faust", inszeniert. Jetzt ist er für die Nazis die„Systemgröße", die sie noch mit Wol- tust treten, nachdem sie ihre Cpser menschlich vernichtet haben." Z. T. A. Sie verbreiten folgenden Bericht: „Bor dem Strafgericht fand ein Prozeß gegen sieben ehemalige Mitglieder nationalsozialistischer und ähnlicher Fronten, die der Beschmierung von Straßen. Brücken und der Svnagoge mit Haken- kreuze» angeklagt waren, statt. Sämtliche Ange^tgten wurden teils zu unbedingten Gefängnisstrafen, teils zu Bußen, die das Gericht verhältnismäßig hoch anfetzte, verurteilt. Die Beichmierung der Sv> nagogenwand mit einem Hakenkreuz wird in der Urteilsbegründung als eine freche und robe Büberei bezeichnet, durch die das religiöse Gefühl der Juden empfindlich verletzt worden ist, weshalb eine bedingte Verurteilung nicht in Frage kommen könne. Tie Ange- klagten wurden gemeinsam verpflichtet, der israelitischen Gemeinde Schadenersatz zu zahlen." Das so urleilende Gericht sitzt in Basel, nicht etwa im„dritten Reich". > Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i y in Dud- weiser: für Inserate: Ctta Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VokkSsttmme GmbH, Saarbrücken 8, EchÜtzenstraße 5.— Schließfach 778 Saarbrücken. „Deutscht JteiheU" A&ounemeHtspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. 11. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel fr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta im Monat 1.- 3,- 15,- 3,70 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4,- 90,- 1.- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- Zustell- gebühr 0.50. 1.- 5,30 2,30 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30.- 7,50 1,70 0,80 2.- 5,50 Tschechoslowakei Kr. 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