Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands ^r. 26g— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/Montag, 2. 3. Dezember 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Sensationelles J.ntecineui mit Röchling. Seile 3 Hauxals entschiedene dCaliung Seite 4 Vechindect den neuen Justizmord Seite 7 Erhebung der SaarsKatholiken! , i Gründung des Christlichssozialen Volksbundes— Geistliche, Beamte und Werktätige an der Spitze— Imbusch's und Kuhnens Appell an Gent Die Wendung vi» einem großen Saale Saarbruckens wurde am 30. Jtooembet ein Bund gegründet, dessen Bedeutung weit über den Saar Kampf hinausragt. Deutsche Katholiken wagten allem braunen Terror, allen Anschuldigungen des Separatismus und des Landes- Verrats zum Trotz, im Namen ihres Deutschtums und des Glaubens zum Aufstand gegen das„dritte Reich" zu rufen. Bor katholischen Arbeitern und Angestellten, vor kalho- l>schen Beamten aller Grade, vor mehr als siebzig Priestern von der Saar wurde der„D e u t s ch e B o l k s- b u n d für ch r i st l i ch- s o z i a l e Kultur" unter be- wegten Kundgebungen gegründet. Wir verweisen auf Bericht und Entschließung in unserer heutigen Ausgabe. ^Tie Bedeutung dieser Erhebung: sechs Wochen vor der «aar-Abstimmung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Liest Man die von uns veröffentlichten Reden der katholischen Sprecher. dann hat man den Eindruck, als ob hier ein jäher Durchbruch, eine Erlösung von unerträglicher Span- Nung erfolgt sei. In den Spalten der„Deutschen Freiheit" haben wir immer wieder darauf hingewiesen, welchem Bruck die katholische Kirche, welchen Gewaltakten katho- lische Menschen im Hitler-Reich ausgesetzt seien. Wir haben es getan, weil die freie Entfaltung geistiger und sachlicher Kräfte für uns zu den ursprünglichen freiheitlichen Rechten gehört. Es war also nicht„Taktik", die uns unsere Haltung vorschrieb. Wir mußten sprechen, wo Katholiken, durch freien Entschluß oder durch Zwang, sich Schweigen auferlegten. Seit der S a a r b r ü ch e r Proklamation i st eine neue Situation geschaffen. Die deutschen Katholiken sind unter der Verpflichtung des Kampfes wider^ Gewalt. Ungeist und Menschenschändung an unfe- rer Seite erschienen. Nicht als Gesinnungsfreunde in Weltanschauungsfragen! Ist es nötig, es noch ausdrücklich Zu betonen? Die Gründung des„Volksbundes" ist zum Teil erfolgt, weil man gläubige Katholiken in der lozialistisch-kommunistischen Einheitsfront, also neben Marxisten, im Glaubensbereich irrtümlich für„gefährdet" hielt. Die jetzt geschaffene Organisation legt das Haupt- gewicht auf ihre christlich-soziale Tendenz. Sie geht also über den Bereich des Saar-Katholizismus hinaus, und darum nahmen auch p r o t e st a n t i s 6z e V e r- t r a u e n s l e u t e an der denkwürdigen Gründungs- Kundgebung teil. In ihrem Aufruf gibt es. wovon sich jeder Leser über- Zeugen mag, lange Partien, die von jedem freiheitlich Ge- sinnten innerhalb oder außerhalb einer Kirche als Aus- druckt ihrer Gesinnung angenommen werden. Man hat mit Recht gesagt, daß die Freiheitsfront und die„deutsche Front" an der Saar eine feste und überschaubare Einheit eines gesinnungsmäßig gebundenen Menschenkreises dar- stellen. Zwischen ihnen aber waren die anderen, an Zahl vermutlich viel stärkeren: diejenigen, die sich in keiner der beiden Fronten beheimatet fühlten. Es sind ganz über- wiegend die Katholiken an der Saar, die treu zu ihrer Kirche halten. Jetzt haben sie die ihnen gemäße Organi- sation gefunden, die ihnen Halt gewährt und klare Parolen gibt. Mehr als siebzig P r i e st e r haben an der Gründung des„Volksbundes" teilgenommen. Sie taten es in rich- tiger Auslegung der Wunsche ihrer Oberhirten, die ihnen die Liebe zum Vaterlande als sittliche Pflicht auferlegte. Denn diese Liebe verpflichtet sie zum Kampf gegen das undeutsche freiheitsfeindliche. Weitsche» mißbrauchende „dritte Reich". Ihre Teilnahme und ihre Zustimmung ist von höchster moralischer Bedeutung und ivird auf die Gläubigen tiefen E i n d r u ck machen. Jeder wußte, warum es ging. Jeder wird es wissen, wenn er diese Beschlüsse liest. Sie gehen in dieser Stunde wie ein Lauffeuer durch das Saargebiet. Sie bringen d i£ lange erwartete Entscheidung auch im Hin- Midi auf den Abstimmungskampf. Der Kampf wider Neuheidentum. Rechtlosigkeit und soziale Bedrückung verpflichtet alle deutschen Katholiken, um ihres Deutsch- tums willen, sich gegen die Rückgliederung an das braune „dritte Reich" zu entscheiden. Der frühere Reichstags-» abgeordnete und Revierleiter des Christlichen Berg- orbeiterverbandss, F r i K u h n c tt t hat über das Selbstverständliche hinaus noch einige Worte gesagt, die unmittelbar nach Genf gerichtet sind: „Wir sind alle, so wie wir sind, für Deutschland. Ja, ich gehe noch weiter nnd sage: wir sind alle gegen eine Ab- trennung der«aar sür immer von Deutschland! Wtx haben wahrhastig in den letzten l4 Jahren ost genug be- wiesen, daß wir wahre Deutsche sind und das wollen wir bleiben. Doch wir wissen heute noch nicht, was in Gens vor- geht. Die Lage ist vollständig ungewiß. Die Mitteilungen der Presse sind direkt widersprechend. Deshalb müssen wir eine abwartende Stellung einnehmen. Viele Menschen sind überzeugt, daß sich der Völkerbund mit der dritten Lösung noch befasse» wird." Wir zweifeln nicht daran, daß man in Genf diese„dritte Lösung" auf Grund der Barthouschen Denkschrift klarer umreißen wird, als sie sich heute in vielen Köpfen ge- staltet. Sie wird die Aussichten der Anhänger des Status quo bis zur Gewißheit des Sieges steigern. Inzwischen darf man das Vorbild des„nationalen" Sozialismus an der Saar. Herrn Kommerzienrat Röchling, belächeln. Er hat soeben in einem Interview die längst der Geschichte angehörende These von den„97 Prozent" vertreten Wir stehen in der letzten Etappe des Saarkampfes. Vor ganz Europa, das diesen Kampf mit brennender Anteil- nähme verfolgt, sind nun alle Fronten klar: die braune, die freiheitliche der vereinigten Linksparteien, und nun diejenige, die das Banner des Christuskreuzes gegen das Hakenkreuz offen entfaltet! Anirnl an das katholtsdie und evangelische Saarvolk Die Gründung^Versammlung des„Deutschen Bolks- hundeS für christlich-ioziale Gemeinschaft", hat einstimmig mit begeistertem Beifall folgende Entschließung angenommen: In ernster, schicksalsschwerer Stunde haben sich heute in Saarbrücken Männer aus allen Teilen des Saargebictcs, aus allen Schichten der Bevölkerung, Geistliche und Laien der beiden christlichen Konfessionen zusammengefunden,»m die von ctncm engeren Arbeitsausschuß seit einiger Zeit vorbereitete Gründung des ..Deutscher Volksbund für christlich-soziale Gemeinschaft" zu proklamieren. Die Entwicklung der kirchliche» und politischen Verhält- niste in unsere,» deutschen Baterlandc wie i» unserer engeren Heimat an der Saar haben zur Gründung dieser christliche» Einheitsfront gcsiihrt. Die Zusammen- fassnng aller christliche» Kräfte unserer Saarheimat schien uns unerläßlich angesichts dieser Entwicklung. Der Nationalsozialismus hat seit jetzt fast zwei Jahren in unserem deutschen Vaterlande ei» System der brutalen Gewalt ausgerichtet, die persönliche Freiheit und die Preste- sreiheit vernichtet, das innere und äußere Schicksal unseres deutsche» Vaterlandes nahe an den Abgrund geführt. Mit schmerzlichem Bcdaucr» erlebten w>r die rohen Eingrisse in das kirchliche Leben, die Verhaftung von Geistlichen, die Behinderung der Bischöse i„ ihrer obcrhtrtlichen Tätigkeit, die Unterdrückung der Hirtenbriefe, die Bespitzelung bis in die Kirche hinein, d>e Unterdrückung der kirchliche» Vereine entgegen dem beschworenen Wortlaut des Konkordates, die Absetzung von Tausenden treuer katholischer Beamten, die vollkommene Entrechtung der Arbeiter und Angestellten, de» furchtbaren Mastenmord des Hfl. Juni, die offene und geheime Propaganda für die heidnischen Lehren von Alfred Rotenberg und Bergmann, d>e Verseuchung der christus- gläubige» Jugend mit diesen Lehren in den Arbeits- und Führcrbildungslagern, in den Zirkeln der HJ. und des BdM., in allen öffentlichen Schulbibliotheken. Dies alles hat seit langem in unzähligen Katholiken und Protestanten a„ der Saar das Bedürfnis gcwecktz eine christliche Einheitsfront zn bilden, die sich einsetzen will sür wahres Christentum und echtes Deutschtum. Dieser christliche und deutsche Bund ist heute von den aus dem ganzen Saargebict zahlreich erschienenen Männern auS der Taufe gehoben worden. Wir richten an die gläubige katholische und protestantische Bevölkerung des Saargcbietcs den herz- lichcn Appell, unbeirrt durch Drohungen und Ver, leumdungen, die zweifellos komme» werden, diesem ch r i st l i ch-deutschen Volksbund beizutreten Clcmenccaus Saarfranzosen Ein sroo ins Herz der braunen Front Saarbrücken, 1. Dezember 1084. Die von der„Saar-Volksstimmc" angelündigte Liste der- jenigen Saarländer, die heute führende Funktionäre der „deutschen Front" sind, früher aber sür den Anschluß an Frankreich waren und ihre Naturalisation nach Frankreich in Eingaben an die französische Regierung beantragten, ist in der heutigen Aus- gäbe der„Saar-Volksftimine" veröffentlicht worden nnd er- regt n n g e h e n r e s Aufsehen. Die„Saar-Aolksstimme" kündigt an, daß sie außer den augenblicklichen Berösfent- lichungen fortlaufend weiter die Mitglieder der„Deutschen Front" nnd die Prominenten aus der Hitlerfront, die sich sür die Angliederung an Frankreich eingesetzt haben, bekannt- geben wird. Dabei wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Unterlagen für diese sensationellen Veröffentlichungen das Originalmaterial darstellt, das seiner Zeit den Beaustragtcn der sranzösischen Republik überreicht worden ist. Die erste Veröffentlichung stellt einen Auszug aus der Bürgerliste der Gemeinde Lisdorf dar, bekanntlich der Gemeinde des Staatsrats S p a n i o l, des früheren Leiters der„deutschen Front". Unter Führung der Spitzen der heutige» Hitlersront wurde damals dem französischen Mili- tärverwalter des Kreises Saarlonis folgende Eingabe über- reicht: Lisdorf, den>0. Januar 1919. Wir unterzeichnete ortseingesessene Bürger des DorseS Lisdorf, Kreis Saarlonis, erklären hierdurch und tun unseren Wille» kund, daß wir wünschen, mit der Pro, vinz Lothringen, von der wir vor hundert Jahren getrennt wurden, wieder vereinigt zu werde n. Wir bitten den sranzösischen Militärver- waltcr des Kreises Saarlonis, diesen unseren Willen der sranzösischen Regierung gesl. unterbreiten zu wollen." Die„Saar-Volksstimme" bringt die Unterschriften der Unterzeichner. Es handelt sich dabei um den national- sozialistischen Gemeindevorsteher von L i S» dorf.nmdenOrtsgruppenleiterdcrNSDAP. Ferner haben unterzeichnet sämtliche nationalsozialistische» Gemeinderätc von Lisdorf, der n a t i o n a l s o z i a l i st i- sch c SA.- Führer, überhaupt sämtliche führenden Na- tionalsozialisteii von Lisdorf, darunter auch der Onkel des Staatsrats Spaniol und die Verwandten des Hitler-Saardichters' Ecker. Staatsrat Spaniol befindet sich nicht darunter, weil er damals noch minderjährig war. Die Liste wird fortgesetzt. In der„deutschen Front" herrscht ungeheure Ausregung und lähmendes Entsetzen. Der Landcsleiter Pirro hat bereits einen Ausruf erlassen, in dem er allen„Landesverrätern" Absolutio» gewährt... In seiner Ratlosigkeit wußte er keinen anderen Ausweg. Unzählige Amtswalter der braunen Front zittern, daß auch ihr Name bald aus der Liste der „Elemeneeau-Franzosen" erscheint, « nd gemeinsam für«nfcrc hohen christlichen und vaterländischen Güter zu kämpfen. Ter Deutsche Volksbnnd stellt dem gegenwärtigen, vom Nationalsozialismus verschuldeten Wirrwarr die Tamm- l u n g aller iv a h r h a s t christliche,, und wirk- lich deutschen Kräfte in einer gemeinsamen christlich- deutschen Kampffront entgegen, die der einzige Abwrhrblock sein wird gegenüber dem N e» h e i d e n t u in und Ratio- « a l s o z i a l i s m u s einerseits nnd dem"Marxismus der verschiedensten Schattierungen andererseits. Fußend auf dem ehernen Fundament des(5hristcnti,ms und erfüllt von Heister Liebe zum wahre,, deutsche» Volks- tum, wollen wir nichts anderes als dies: t. dem»lassen- nnd- Rassenhaß stellen wir entgegen das Evangelium der christlichen Liebe und Gemein- s ch a s t; I. der Herrschaft der Willkür und dem schrankenlosen Parteirecht stelle» wir entgegen die Forderung nach Recht und Gerechtigkeit für alle deutsche» Menschen; II. dem jede wahre Kultur tötenden Gewalt- u»d Zwangs- system gegenüber erhebe» wir lau» und feierlich den Ruf nach Freiheit, einer Freiheit, die ihre einzige Beschränkung erfährt durch die selbstverständliche Vc- achtung der christlichen Sittenlehre; 4. dem Ter-or und der Gewalt stellen wir entgegen de» Mut zum Bekenntnis der eigene» Meinung; 3. der Lüge, die niemals das deutsche Volks- und Staats- lebe» so vergiftete wie in unseren Tagen, festen wir dc„ Wille» und den Mut zur Wahrheit entgegen; 6. gegen die Unterdrückung der christlichen Kirchen setzen wir uns zur Wehr nnd verlange» die freie Cnt- sa l t n» g s n» ög l i chkei t des l5 hr i stcn t u mS in Staat, Gesellschaft und W i r t s ch a s t. Wir wollen, in Kürze gesagt, kämpfen für das Deutsch- land des Rechtes und der Gerechtigkeit, der Wahrheit, der Freiheit nnd der Menschen, würde; für das Deutschland, in dem Raum ist für alle, die die gleiche Sprache mit uns sprechen; „s ü r t5 h r i st u s und Deutschland— gegen R a t t onalsozialiomus und Neuheiden- t u in" das ist unsere Parole! Wer sich mit uns dafür einsetzen will, dem reichen wir die Hand, einerlei, wo er steht. Das Kampsblat» des Deutschen Volksbundcs ist die „R e» e S a a r- P o st", mit der zu diesem Zwecke Vcr- Handlungen eingeleitet sind, die eine Erweiterung der bis- herige» geschäftlichen Grundlage dieses Unternehmens zum Ziele haben nnd dem Deutschen Vollsbund einen hinreichen- den Cinslust aus die Haltung nnd den Geist der Zeitung sicher,, werden. Volksgenossen der Saarhcimat! Kommt zu u"s! Kämpft mit uns für wahres Christentum und echtes Deutschtum! vir Gründungsversammiung katholischen Bereinshauö„Aonkordia" zu«aar- brücken traten am Freitagnachmitla-g die Vertrauens leutc des ncugegründeten„Deutschen Volksbundes für christlich-soziale Gemeinschaft" zusammen. Zahlreiche Freunde aus dem ganz?»«aargebjel halte» sich einge- fundcn: Arbeiter, Angestellte. Bauern und Handwerker aus dein christlichen Lager. Manches bekannte Gesicht aus den Reihen der christlichen Gemerkschaiten des Saargebietes sah man wieder. Mehr als siebzig Geistliche aus Saarbrücken und dem ganzen Saargebiet waren trotz der Kürze der Gin ladung gekommen, unter ihnen einige Techanten und der letzte Vorsitzende und Treuhänder der ehemaligen Zcn- trumSpartei. Auch Beamte aller Grade und manche Lehrer halte» sich eingefunden. Tic Versammlung wurde geleitet von dem Geschäfts- führcr der neugegrundcten Bewegung, Dr. Tinstes, einen« geborenen und abstlmmnngsberechtigtc» Saarländer. Die Rede Dülmens Als erster Redner sprach dann Fritz Kuhnen, der frühere Reichstagsabgeorduete und Sievierletter des christlichen Gewerkvereins au der Taar. Er führte etwa aus: Seit Zerschlagung der Parteien an der Saar gibt es viele unzufriedene Menschen. Mehr, als viele annehmen. Hinzu kommt noch, da» sich innerhalb der„Deutschen Front" viele, sehr viele Mitglieder befinden, die mit der Haltststa der „Deutschen Front" unter keinen Umständen einverstanden sind. Diese Menschen haben in der Vergangenheit eine ab- wartende Stellung eingenommen, habe» die Entwicklung im gleich und an der Saar beobachtet und sind nerdxiestltch ob der Vorkommnisse im Reich nnd der Haltung och!„Dcntsme» Front" z» allen diesen. Geschehnissen. Es sing a» mit»,her Zerschlagung der Gewerkschaften, dann kamen die Abschas- sung der Arbeiterrcchtc, die Bcgxabung der Freiheit, die Knebelung der Presse, die Verfolgung der Priester, Bekämpfung der evangelischen und katholischen Kirche und aller Fugendorganisationen. Ermordung vieler Menschen, Abschaffung de« wirklichen deutschen Rechts und Einführung eines Parteirechteo. Wer alle die Vorkommnisse aus sich wir feil läßt, den überläuft es kalt. Die„Deutsche Front", die Führer und die Redner, die gleichgeschaltete Presse haben für alles eine Entschuldigung. Fhre Parole heistt:„V e- dingunglos zurück!" Nirgends haben wir etwas von Verhandlungen gelesen oder gehört, wo der Versuch niternonnnen wurde im Interesse der Saar, im Fiitcresie 'der Abstimmung die vorhandenen Mistslände abzustellen. Wir nehmen ohne weiteres an. bau die Führer Verhandlungen gepflogen hoben, sind überzeugt, daß sie auch Ein- gaben gemacht haben, doch sie selbst müssen heute zugeben, das, dieses alles ohne Erfolg g e b l i e b e ist. Das mutz uns zu denken geben und liest drausten die Stimmung laut werden, alle diese Menschen zusammenzuschließen. Ueberall her kamen die Gesuche, doch sobald wie möglich den Zusammenschluß zu vollziehe». To sind wir denn zunächst drallsten im Revier in kleinen Konscrenze» mit unseren guten christlichen Menschen zusammengekommen nnd heute wollen wir offiziell innere Organisation, die„Deutscher Volksbund für christhch-soziale Gemeinschaft" heistt. gründen. Mit diesem Namen ist ja alle? gesagt: als wirklich deutsches Volk wollen«vir uns verbinden, zusammen- schließen auf christlicher Grundlage, weil das Christentum das beste Fundament abgibt für eine wahre Volksgemeiu- schalt, sü.r die meuschliche Gesellschaft überhaupt. Die Kirche hat die besten Leitsätze herausgegeben, die Enznklikcn der Päpste sollen uns Grundlage und Wegweiser sein. Wir wollen gemeinschaftlich zusammenstehen mit allen Volks- schichten nnd Berussstäuden, und das ist das Erfreuliche, dast drausten in den Konferenzen nicht nur ein Stand, son- der» stets alle Stände und Berufe vertreten waren. Taufende in Stadt und Land habe» nach unserer Organisation geschrien, nnd wir wollen hosscn, dast die Menschen jetzt alle Furcht beiseite lassen und sich in unsere Organisation ein- reihen. Ueberall sind bereits Kerntruppen gegründet und in einzelnen Ortschaften haben sich schon mehr als hundert aufrechte Menschen bereit gesunden, unserer Organisation beizutreten. Dies ist wohl der beste Beweis für die Notwendigkeit der Gründung. Wir ivollen und müssen uns jetzt im entscheide üben Kamps einschalten. Fe mehr Mitglieder wir sammeln, um so größer wird unser Erfolg sein. Tie- jenigen, die weder der„Freiheits-Front" noch der„Deut- scheu Front" angehöre», sind bald gewonnen, die meisten haben sich sicher schon angemeldet, nun gilt es aber auch jene, die im F n n e r» zu uns gehören und sich in die „Freiheits-Front" verlaufen haben, wieder zurückzugewin- neu. Daun müssen wir die unzufriedenen Mitglieder der „Deutschen Front" in unsere Organisation ausnehmen. Pirro selbst soll die Ziffer der unsicheren Leutc im Taar- gebiet mit 46 Prozent bezeichnet haben. Diese 4» Prozent gehören in unsere Organisation, ja ma„ darf annehmen, daß sie aus uns gewartet haben. Wir brauchen viele ausrechte Mensche», vielleicht haben'wir ichoil in der nächste» Zeit eine wichtige Cniicheidimg zu treffen. Zunächst möchte ich sagen, dast keiner von uns jemals für Frankreich stimmt. Wir sind ' alle, so wie wir hier sind, sür Deutschland. Fa, ich gehe noch weiter und sage: wir sind alle gegen eine Abtren- nung der Saar sür immer von Deutschland! Wir haben wahrhastig in den letzte» 14 Fahre» oft genug bewiesen, dast wir wahre Deutsche sind und das ivollen wir bleiben. Doch«vir wissen beute noch nicht, was in Genf vor- geht. Die Lage ist vollständig nngewist. Tie Mitteilungen der Presse sind direkt widersprechend. Deshalb müssen ivir eine abwartende Stellung einnehmen. Viele Menschen sind überzeugt, dast sich der Völkerbund mit der dritten Lösung noch besaßen wird. Aul alle Fälle müssen wir unsere Organisation haben, um mit auf die Gestaltung der Dinge im Filter esse des wahre« Deutschland einwirken z>« können. Das Organ unserer Organisation»st die„Neue Saar- Post". Unsere Oigzaniiatto» hat weitgehenden Ein flu st auf die Ausgestaltung und den Inhalt der Zeitung iiir die Zutuns» eingeräumt erhalten.._ So sind alle Vorbereitungen getroffen. Fetzt heißt es für alle christlich eingestellten Menschen: herein in die Organs- Ultimi„Deutscher Volksbund für christlich-soziale Gemeinschaft", und«vir wolle» uns einsetzen sür die Parole: für Christus, sür Deutschland, gegen Diktatur und Neu- Heidentum, sür unser armes gequältes Volt, das so durcheinandergcwürselt ist, dast es nicht mehr aus»och ein weist! Imtois&'s große AnKtogeretfe Der ziveite Redner war Heinrich F in b u s ch, der frühere Vorsitzende des Gesamtverbandes der Christ- iichen Gelverkschaste» Teutschlands, der seit über einem Fahr an der Saar eine neue Heimat gesunde» hat. Zmbusch führte, an zahlreiche» Stellen immer wieder von Beifalls- kundgebungen unterbrochen, aus: Mau befürchtet im Saargebiet, als„Feind des Deutsch- tums". als„Landesverräter" betrachtet zu ,verde», deshalb geben sich viele anders, als sie sind! Man lehnt sich aber in den meisten Kreisen des Saar- gcbtctcs gegen den Druck auf. Es ist aenau wie damals, 1904 nnd Igt,.'.: Man will Freiheit, selbst bestimmen, sich die Zeitung wäh- len könne», die mau habe» will, man will sich selbst ein Urteil machen, will die Entwickln»« selbst bccinslusien und ich habe in den vergangenen Monaten manchmal gesagt, der Nattonalsozialisinus ist ivie eine Grippe, wie eine geistige Krankheit, wie eine Seuche, er überfällt den Menschen wie eine Grippe, man muß abwarte»/ bis der Gesundungs- prozest kommt und es wäre falsch gewesen, zu früh einz»- greifen. Aber jetzt ist es Zeit! Fetzt ist es so hohe Zeit, daß mit aller Kraft eingegriffen werben muß. Wenn das so geschieht, wie mein Freund Kuhnen verlangt, da»» Pin ich überzeugt. die Front, die heute hier konstituiert wird, diese Front wird sür die weitere Entwicklung entscheidend sein! Wir wollen sowohl im Saargebiet wie auch in Deutschland sie Freiheit, wir wollen die persönliche Freiheit, keiner soll uns willkürlich die Freiheit nehmen können. Wir verlangen das Recht, denken zu dürfen,«vir wollen nick» gezwungen sein zu denken, waS ein anderer denkt. Wir wolle« auch das Recht der freie» Mei»:uiiaSäuberung, daß nick» jeder, der offen und ehrlich Kritik übt, mit Kvnzenträktönsläger. mit Gefängnis, mit ZuchthäuS oder mit Mißhandlungen und Tvtfchlckg bestraft wird. Wir wolle» Pressefreiheit, ich sage ausdrücklich Freiheit, nicht Frechheit: wir ivollen keine Aus- ivüchie, aber wir«volle» Freiheit der Presse so, dast die Presse«rei ihre Meinung sage» kann, die Presse soll frei die Gedanke« ihrer Leser zum Ausdruck bringen können, soll frei ihre Gedanken über die uns alle bewegenden und berührenden grossen»nd kleinen Probleme zum Ausdruck bringen können, natürlich in einer anständigen Form. Welche Schwierigkeiten wurden nicht in letzter Zeit der e«> a» g e l t s ch e n K i r ch c gemacht, und welche Schwierigkeiten nicht der katholischen. Fch erinnere nnr an die Verhinderung der Verlesung des Hirtenbriefes der katho- lischcn Bischöfe. Soweit sind wir gekommen. Da« find keine Greuelmärchen, sondern Tatsachen. Wir verlangen Freiheit sitrdie kirchlichen Vereine. Sie ist ihnen vertraglich zuge- sichert. Die Zusicherungen werden nicht gehalten. Wir ver- langen, dast sie gehalten werden. Wir verlangen die Frei- heil, insbesondere des Wirkens für die konfessionelle» Fugcndvereine. Wir ivollen die Einstellung des Kampfes gegen die christliche Kirche, wir verlangen Freiheit für die Kirchs, das ist entschieden auch im Interesse des Staates. Wir verlange» sodan» einen Rechtsstaat. Ordnung und Gesetze sollen herrschen, unabhängige, gewissenhaste Richter solle» nach vernünftigen Gesetze» Rech» sprechen. Kein Diktator soll da« Recht haben, sich selbst zum höchsten Richter zu ernenne», zahlreiche Menschen ohne gerichtliche Verhandln»«, ohne ernsthaste Prüfung der Schuld und ohne gewisscnschastes Urteil, ohne rechtmäßigen Richter umbringen zu lassen, um stch selbst vor dem Gesetz Eni- lastung zu erteilen. Die Verbrecher sollen in den Zuchthäuser» nnd Gesängnissen sitzen»nd die anständigen Bürger frei sein. Kein Gauleiter soll straflos einen Gefangene» im Gc, längnis mit der.Hundepeitsche bearbeiten könne». Die llni- formierten im denischen Volk solle» dem Volt i.neu, sollen Erster Putsdivcrsodi Bewaffneter Ueberfall auf das Parteibüro der KP. Saarbrücken, 1. Dezember. Amtlich berichtet das Pressebüro der Taarbrücker Polizei- direktion. Am Freitagabend, kurz nach 10 Uhr, fuhren zwei vollbesetzte Kraftwagen an dem kommunistischen Parteihaus in Saarbrücken vor. Beide Wage» trugen die saarländischen Erkennungsnummern 10 63» und 19 488. Drei der Fnsasscn sprangen aus einem Wagen und drangen mit vorgehaltenen Pistolen in das kommunistische Parteigebäude ein. Die Haus- mache stellte sich den Eindringlingen jedoch energisch entgegen, woran« diese sich zurückzogen und die beiden Wage» eiligst davonfuhren. Die Saarbrücker Polizei ordnete sofort eine umfassende Grenzsperre a». Kurze Zeit später konnte der eine der Wagen— Saar 16 636— vor dem Grenzübergang bei Einöd durch den Land- jägcr Kreuz gestellt werden. Der Landjäger zwang de» Fahrer zur Umkehr und wollte das Fahrzeug zurück nach Saarbrücken dirigieren, weil in Einöd keine Arrestzelle vor- banden«var Unterwegs, aus der Fahrt durch einen Wald bei Schwarzenacker sielen d>c Insasse» des Wagens, vo» denen drei als deutsche Reichsangehörige festgestellt waren, über de» Landjäger her Sic würgten und schlugen ihn, und warfen hin aus dem fahrende» Auto. Wagen und Insassen sind daraufhin entkommen. Ter Besitzer des Wagens ist ein bekannter Nationalsozialist, der Auto- Händler Werner Thale aus Neunkirchen. Fn Saar- brücken sind inzwischen durch die Polizei mehrere Ver- Haftungen vorgenommen worden. Darunter ein st ä d t i- scher Beamter, Aufseher Steinebach, der an dem lieber- fall beteiligt war." das Volk schützen, sollen Verbrechen verhüten, aber nicht deutsche Bürger straflos misthandeln und«norden können! Wir wollen i» unserem deutsche» Vaterlande eine christliche Kultur. Christent,im„nd Deutsch«»,» sind keine Gegen- sätze. Christentum und Deutschtum gehören zusammen! Die deutsche Kulturgeschichte ist eine Geschichte des Christentums in Deutschland. Das Christentum ermöglichte erst die deutsch* Kultur, nnd wenn man deutsche Museen besucht, so niute» einem weite Teile an wie eine christlich kirchliche Aus stell»»«. Es zeugt von Mangel an Verständnis und es ist eine Beleidigung des wahren Deutschtums, wenn heute der Anschein erweckt wird, als seien beide Gegensätze. Die schön- sten Blüten deutscher Kultur sind auf dem Boden des Christentums gewachsen. Heute wird Christus bekämp". weil er als Fnde auf die Welt kam. Man verlangt eine" deutschen Gott. Den Menschen, die solches«ordern, fehlt cskensichtlich jeder Begriff von Gott, sonst würden sie sin' schämen, dem Begriff Gott den Begriff Nation zu unter- stellen. Gott steht über der Nation! Wir«volle» wahres praktisches Christentum, das Christentum soll in deutschen Landen heimatberechtigt bleiben. Es soll nicht von Staats wegen bekämpft werden, es soll nicht aus dem öffentliche" Lebe» ausgeschaltet werden. Wir wollen nicht, dast die Jugend durch falsche Erziehe* in Schulen, Hitler-Fugend. im Landdienstiahr und Arbeitsdienstlagern durch planmäßige Verbreitung christen- tnmsseindlicher Schriften dem Christentum entfremdet ivird. Wir wollen ein Christentum, wie es Christus seine* Kirche zur Ausübung übertrug, nicht ein Christentum, wie es ein Christentumsseind sich einbildet, nicht ein Christen- tum, wie es ein einzelner größcnwahnsiunlqcr Menstfi sich vorstellt, nicht ein Christentum, wie co die vo» der Lehre der katholischen Kirche und der Kirche Abgefallene» als sür sich angenehm betrachten,»ich» ei» Christentum, das sich mit einem Werte, wie die erpreßte Winterhilfe, genügend legitimiert glaubt. Air wollen das Christentum, wie es von Cdristus, dem Begründer, gelehrt wurde. w>r «volle» das Christentum mit feinem Gebot der Gottes- liebe, des Gottesdienstes und der Nächstenliebe. Wir wollen ein Christentum, das möchte ich besonders unterstreichen, das das Gebot achtet:„Tu sollst Deine" Nächsten liebe» wie Dich selbst" und jeder Mensch ist dem Nächster, nicht nur der Arier und nicht nur der National- sozialist. Wir sind gegen den schädlichen und das Deutscht««» beschimpfende» Rassenhaß,«vir wollen, dast das Christentum sich auswirkt in Staat. Gesellschaft und Wirt- schaft. Wir sind der Auslassung, dast das Christentum a»/ 1' ante Richtlinien abgibt für die Fnncn- nnd Außenpolitik. Das Christentum spricht allerdings gegen Uonzentrationo- lagcr sür unschuldige deiitschc Volksgenossen und für Frieden unter den Völkern. Aber gerade«vir an der Taar hier haben alle Veranlassung, das Christentum zu fördern, den» meiner Ansicht nach muß die Saar ein Bürge des Friedens zwischen den beiden große» Völkern sein. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch mit einem Satz darauf hiniveiscn, daß der Kamps gegen das Christentum in Deutschland leide* nicht ein Kamps untergeordneter Organe gegen dos Christentum ist, sonder» der Führer ist schuld an diesen« Kampf, der den ärgsten Christentumsseind zum Leiter de* ganzen Dinge gemacht hat. Wir wollen sodann wirklich edelste? Deutschtum- Wir sind Deuliche, wir wollen deutsch bleiben! Wir sind aber keine Nationalsozialisten, und Deutschtum nnd National- sozialismns sind für uns nicht identisch. Auch Hitler»«& Deutschland sind nicht identisch! Wir sind als Deutsche, als wirkliche Deutsche für Deutschland, aber gegen Hitler, und uns brauchen die in Böhmen Aegypten, Argentinien und Rnstlaiid geborenen Mitglieder der Regierung Deutschlands nicht z» sagen, was deutsch ist! Wir stehen heute vor der Frage: Solle» auch an der Saar Morde, Konzentrationslager, Zerschlagung der Gcwertschastcn. Vernichtung der Frei- bei» der Arbeiter, Beseitigung der Freiheit aller Staats- bürger kommen oder nicht? Sollen wir uns noch dagegen wehren? Fch bin dafür, dost solche Dinge nicht kommen dürfen, daß dagegen gekämpft werden muß. dast die blutigen Grausamkeiten des„dritten Meiches" nicht ans das Saargebict übertragen werden n»d dast wir es verhindern können. Ter Kollege Kuhnen fi«' daraus hingewiesen, dast noch gewisse Verhandlungen kommen, die eine Klärung mancher Frage» bringen können. Wir müssen sie abwarten. Wir wissen, die Saar ist deuti«" Wir kennen die Gefahren, die der Taar drohen, wenn sie in diesem Augenblick nach Deutschland zurückkehrt ohne ge- nllgenb Sicherungen, und wir haben die Pflicht zu sagen: ein bedingungsloses Zurück können wir nicht verant- warten, wenn nachher an der Saar auch ein Vlutregime»t kommt, wenn auch hier Tausende dein Christentum cnt- fremde» werden, wen» hier wie drüben die schlimmste» Dinge sich ereignen- wenn wir die Möglichkeit haben,»a» noch abzuwenden, ^DEUTSCHLAND^»HITLER „Wir beiahlen Keinen Sons für die Gruben" 1 Gegen den braunen Terror Eine neue Denkschrift der Untersuchungs Kommission T'e internationale Untersuchungskommission hat neuer- oings an den Völkerbundsrat eine Denkschrift überreicht, >n welcher sie sich sowohl mit dem Terror an der Laar als n»ch mit den Abstimmiingslisten beschäftigt. Auch dieses ..'cale werden in der Denkchrist die einzelnen Tatsachen mit vokiuncntarischem Material belegt. Gestutzt aus die An- Naben der Denkschrift richtet die Untersuchungskommission nn den hohen Rat die Bitte, folgende Vorschläge in Gr- wägung zu ziehen. Die Untersuchungskommission ist der Meinung, das? . l- wirksame Massnahmen getroffen werden müssen, um '"n physischen Terror und moralischen ■i r u d der„beul i ch e u Front" gegen die„2 i a- s u s- a u o- A» h ä n g e r" z n b e e n d e n und die Ab- itimmung ans der Atmosphäre der unsiatthasten Gin- wischung seitens deutscher Behörden und der systematischen Glnschüchtening der Irreführung, Bceinslussung, Verleum- vung und Bedrohung der Status-qno-Anhängcr durch die „deutsche Front" herauszuheben. nicht nur alle Maßnahmen zur 2 i ch e r u n g ver freien, aufrichtigen und geheimen Wahl 9 etroffen werden müssen, sondern daß auch alles unternommen werden muß, um den Behauptungen der „deutichen^Front" entgegenzutreten, das? sie, welches immer auch die Ticherungsmaßnahmen der Abstimmungs-Kommis- non feitt mögen, doch Erfahren und feststellen würde, wie jeder einzelne 2aarbewohner abgestimmt hat. Die Unleriuchungskommissio» reichtet an den Hohe» Rat des Völkerbundes das ergebene Grsuchen, eine ein- . beutige staatsrechtliche Definition des Be- ä r i f f e s„2 t a t n s quo" zu geben und wirksame Maßnahmen zu treffen, um den beivußl falschen Interpretationen des Begriffes„Status quo" durch die„deutsche Front" ein Ende zu bereiten. 4. Die Untersuchungskommission richtet an den Hohen Rat des Völkerbundes das ergebene Ersuchen, de» Ge- Wissenskonflikt von Hunderttausende» durch eine Erklärung zu beenden, die besagt, daß die 2 a a r b c v ö l k e r u n g d a s R e ch t h a t, zu g e g e b e n e r Z e i t in einer zweiten Volksbefragung die Frage des An- l ch l u s s e s an Teutschland zu e n t scheide n. Die Untersuchungskommisston hat diesen Bericht an den Hohen Rat des Völkerbundes abgefaßt»ach einem eingehen- j. den Studium der Lage im Saargediet. 2ie ist sich der Ber- antwortung. die sie beim Antritt ihrer Ausgabe über- nomine« hat, voll bewußt und eben im Bewußtsein ihrer Verantwortung und im Willen, alles was in ihre» Kräften steht, zur Sicherung einer freien, ausrichtigen und geheiyren Wahl und damit der Aufrechterhaltung des Frie- dens in Europa beizutragen, hat sich die Untersuchungs- kommission gestattet, den vorstehenden Bericht dem Hohen Rat des Völkerbundes zu unterbreiten. Untcrsuchungskommission über den national- sozialistischen Terror an der Saar, gez. Karloyi: kin neuer Dro'esl Zahlreiche hervorragende amerikanische, englische und französische Geistliche, Juristen, Schriftsteller. Gelehrte und Künstler haben an den Völkerbundsrat folgendes Schreibe» gerichtet: „Die unterzeichneten Frauen und Männer haben mit iieser Besorgnis Kenntnis genommen von der Verschärfung des nationalsozialistische» Terrors an der Saar gegen Andersdenkende. Sic unterstütze» die Eingaben der Inter- nationale» Untersuchungskommission über den natio- il a l s o z i a l i st i s ch e n Terror an der Saar an den Hohen Rat des Völkerbundes in Genf und solidarisieren sich mit ihren Vorschlägen., Tie Unterzeichneten bitten den Hohen Rat. Maßnahmen zu ergreifen, um die wehrlose Saarbevölke- r u n g von dem physischen Terror und dem moralischen Druck zu befreien und alles zu tun. damit die bevorstehende Volksabstimmung frei, unabhängig und allein nach dem Wille» des saarländischen Volkes er- folgt."" Nazi-, wesfland" pleite Bürckels Schmierblatt, Nazi-„Westland". Hai bereits offiziell.Honkursantrag gestellt. Damit ist dieses Blättchen sanft verschieden, noch bevor es, wie es sich Goebbels und Bürckel gedacht haben, wirksam für den Abstimmunaskamps ver-. wendet werden konnte. Tie ganze schmutzige Kausaffäre hat den Nazis viel Geld gekostet aber für Leute, die den Gold- und Tevisenbcsta.nd der Rcichsbank verschleudert haben, kommt es wirklich nicht daraus an, noch einige hundert- tausend zu verpulvern, während das deutsche Volk zu darben beginnt und unter der Warenknappheit und Preis- stcigerung schwer zu leiden hat. lesuiienpaier Spiedier Berlin, 1. Dez. Zu der schon gemeldeten Inschutzhast- nähme des I e s u i t e n p a t e r s 2 p i e ck e r in Köln be- richtet, die„Germania", daß die Kölner Geheime Staats- Polizei auf Anfrage erkläre, Pater Tpiecker habe in öfsent- liehen Ausführungen gehässige und versteckte Angriffe aus den Führer und die nationalsozialistische Regierung gemacht. Die Schutzhast sei vorläufig aus drei Wochen festgesetzt. Gegen Pater Spiecker solle außerdem ein Straf- verfahren wegen Verstoßes gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volt und Staat ein- geleitet werden. 5ensallone»e trh!ärunö Rödillngs Paris, 1. Dezember 1934. Bon unserem Korrespondenten Ter„I n t r a n s i g e a n t" veröffentlicht seit einigen Ta- gen eine Artikelreihe über das Thema„Wohin geht die Saar?". In der heutigen Ausgabe gibt nun der Ber- fasser dieser Reportage Guy de Traversay eine Unterredung wieder, die er mit Hermann Röchling hatte, den er einen „hundertprozentigen Deutschen" nennt. Wir können es den Lesern der„Deutschen Freiheit" ersparen, sie mit dem Gesamtinhalt dieses Interviews zu belasten, in dem von Röchling versucht wird zu beweisen, daß die Saar von Frankreich nichts, von Deutschland alles in wirtschaftlicher Beziehung erhalte. Aber ein Wort des Stahlkönigs von Völklingen ist geeignet, über die Grenzen des Saargebiets hinaus größtes Aufsehen zu erregen. Der Interviewer fragt Röchling, ob er meine, daß Deutsch- land Frankreich für den Rückkauf der Saargrubcn, wie dies seinerzeit von der Reparationskoinmission festgesetzt worden sei, 1800 Millionen Franken zahlen werde. „Keineswegs," sagt Röchling da.„W i r w e r den keinen 2 o u s bezahlen. Wir schulden Ihnen nichts. Wir haben unter dem Namen von Reparationen zehninal mehr gezahlt, als wir schuldig waren." „Tie geben mir das Recht, dies zu veröffentlichen?" „Bedingungslos." Ter französische Journalist setzt hinzu:„Das ist deutlich, und alle Sachverständigen der Welt werden daran nichts ändern." Mag sein, daß Herr Röchling die Absichten der Hitler- regierung genau kennt, wir glauben es sogar, daß er dem französischen Journalisten die Wahrheit gesagt hat. Lachen müssen wir aber, wenn wir an einer anderen Stelle in dem Bericht folgendes Frage- und Antwortspiel lesen: „Denken Sie an eine andere Lösung als die klare und eindeutige Rückkehr der Saar zu Deutschland?" „Nein. Deutschland wird 99 Prozent der Stimmen bekomme n." „Sind Tie dessen sicher?" „Völlig sicher." „Aber die Sozialisten, die Kommunisten?" „Q- gibt keine Marxisten oder nur wenig an der Saar. Es gibt eine Handvoll elender Verräter, deren Versammlungen voll sind von Emi- grauten, die mit Recht von Hitler hinausgeworfen wurden, und von Lothringern, die aus Konjunkturgründen aus Frankreich herübergekommen sind." * Während die Abstimmungskommission in einer besonderen Verordnung verbietet, die Gegenparteien im Abstimmungs- kampi als„Verräter".„Mörder" usw. zu beschimpfen, wagt es der Lieferant für die französischen Ostbesestigungen, die Anhänger der Volksfront als„elende Verräter" zu beschimpfen. Wann kommt Röchling dafür vors Abstimmungs- geeicht? Kein Koh'enabsalz im falle der R&dtdlledernna Ergänzend wird noch aus dem Interview mit Röchling folgendes bekannt: „Der Status quo," so sagt Herr Röchling,„wäre ein Ruin sür das Saargebiet. Die Aussuhr metallurgischer und elek- irischer Erzeugnisse würde einen furchtbare» Schlag erhalten. Deutschland würde von uns nichts mehr kaufen und mit vollem Recht!"„Und wie steht es mit der Kohle?"„Das ist etwas anderes. Ohne Zweifel hat Deutschland schon zuviel Kohle. Aber Lothringen hat ein Inter- esse daran, saarländische Kohle zu übernehmen und uns da- sür seine Erze zu liesern." Röchling bestätigt also unser„Greuelmärchen", daß Hitler- deutschland mit Kohle übersättigt ist. daß also sür die vier Millionen Tonnen Kohle, die jährlich nach Frankreich gehen und die nach der Rückgliederung durch Errichtung der Zoll- grenzen von Frankreich nicht mehr ausgenommen werden, kein Absatz mehr da i st. Anschluß an Hitlerdeutsch- land— das bestätigt jetzt Röchling selbst— bringt dem Kumpel Arbeitslosigkeit und dem Saargebiet Wirtschaft- ljchcn Ruin. Nur der Rüstuugsmagnat Rö.. ling wird, wie dies schon bei seinen treuen Freunden im Reich Thyssen und Krupp der Fall ist. durch die Rückgliederung seinen Profit erhöhen. Erzberger„Jude und Verräter" Die gleichgeschaltet«, früher katholische„Saa rb rücker L a n d e s- Z e i t u n g". ist in heller Empörung. In der Wochenschrift„Fridericus" lNr. 39 und 42) hat deren Herausgeber F. E Holtz zwei Artikel unter den Ueberfchriften: „M atthias Erzberger: ein Jude und Verräter" und„Iud Erzberger" veröffentlicht, in denen er unter anderen Anschuldigungen und häßlichen Beschtmp sungen Erzbergers auch die Behauptung ausstellt, daß Matthias Erzberger niemals ein Deutscher gewesen, sondern ein Iud. Wörtlich heißt es im„Fridericus": „Man hat Erzberger oft de« katholische« Deutsche« i« die Schuhe geschoben. Das ist ungerecht. Erzberger ist niemals ei« Deutscher gewesen. Sein Geburtsort Butteuhaufeu im schwäbische« Obcramt Münsingen ist eine alte Fudensicd- lung. Dort waren die Inden von scher die Herren und was dort an Richtjuden wohnte, das war dem Jude« dienstbar. Wenn also ei« reicher Jude in München oder in Stuttgart ein gutes Dienstmädche» haben wollte, dann brauchte er nnr nach Buttenhanse« zu schreiben, Battenhausen lieferte das, was gebraucht wurde. Aus diese Weise kam auch im Jahre 1377 oder 1873 eines der Buttenhausener Dienstmädche« nach München, wo sie bei dem jüdische« Kunst- und Antiquitäten- Händler Bernheimer Stellung saud. Der Jude fand Gefallen an d«m Mädchen, und es ereignete sich das, was i« jüdi'chen Häusern des östercn vorzukommen pflegt. Als die Folgen der Verbindung des Herrn Bernheimer mit seinem Dienst- mädchen allzn sichtbar wurde«, quittierte das Mädche« den Dienst und kehrte in die Heimat zurück, um die Geburt ihres Kindes abzuwarten. Herr Bernheimer gab ihr eine für ihre Verhältnisse recht ansehnliche Abfindungssumme uud war damit von der Zahlung irgendwelcher weiteren Unterhol- tungskostcn befreit. Das Mädchen, das sehr arm gewesen »var, war nun also vermögend. Und es dauerte nicht lange, daß ein armer Tagelöhner und Postbote, namens Erzberger, in Battenhausen sich sagte, er könne doch eigentlich ci«c gnte Partie machen und das Mädchen heiraten. Ueber die Gr- schichte mit dem Juden könne man ja mit einigem Wohl- wolle« hinwegsehe«. Dag geschah. Das Mädche« heiratete den Herrn Erzberger. Nicht lange daraus kam der Sohn des Herrn Bernheimer aus die Welt. Sie nannten ihn Matthias, und der Postbote Erzberger war im Hinblick auf die reich- liche Abfindung des Herrn Bernheimer so freundlich, die Vaterschaft nicht zu bestreiten. Deshalb galt der kleine Mat- lh'as nach bürgerlichem Recht als der eheliche Sohn des Tagelöhners und Postboten Erzberger in Bnttenhause». In Wirklichkeit ist er als Sohn des Juden Bernheimer zum mindesten Halbjudc. Ueber die Abstammung seiner Motter, die i« dein verjudete« Buttcnhanseu gebore« war, weiß mau nichts Bestimmtes. Dieser Halbjudc saß während des krie- gcs an einer für die Landesverteidigung Deutschlands hoch- wichtigen Stelle. Unbekümmert um das Wohl Deutschlands verriet er schwatzend von dem, was geheimzuhalten seine P'licht war." Die„Saarbrücker Landes-Zeitung" schreibt angesichts dieser Tatfachen: „Wir wollen heute nur auf die Behauptung, Erzberger sei ei» Jude, näher eiügehen, weil hier nicht bloß Erz- berger betroffen, sondern auch die Ehre der Eltern Erz- bergers, insbesondere seiner Mutter, tn r o Hefter Weise besudelt wird— Dieser kurze Auszug aus den Buttenhausener amtlichen Akten zeigt eindeutig und klar, mit welch unverantwortlichem Leichtsinn der Herausgeber des„Fridericus" mit der Ehre des toten Erzberger und seiner verstorbenen Eltern umspringt. Kein Wort ist scharf genug, um dieses Treiben zu charak terisieren. Für den„Fridericus" aber paßt das Wort des Alten Fritz:„Niedriger hängen!" Sehr tapfer und furchtlos. Tic„Saarbrücker Landes- Zeitung" freut sich sichtbar über die Pressefreiheit, die ihr die„landfremde Regierung" gegenüber einem braunen Blatte gewährt. Geht der vermeintliche Wunsch des Blattes, recht bald zu Hitler„heim" zu kommen, in Erfüllung, dann ist es zu Ende mit solcher Kritik. Dann darf ein katholisches Blatt keinen katholischen Politiker der„verruchten" vierzehn Jahre mehr in Schutz nehmen, vorausgesetzt, daß es über- Haupt noch geduldet wird. GRENZLAND Unabhinnlga« dauischai Wochenblatt erscheint in Saarbrücken jeden Freitag. „Grenzland" behandelt in unparteiischer Weise politische, kulturelle und wirf« schaftliche Fragen. Besondere Auf- merksamkelt widmet es der deutschen Entwicklung Die nationalsozialistische revolutionäre Uebergangszelt will es begreifen und nicht bejammern helfen Deshalb späht„Grenzland" nicht„An- griffspunkte" aus, sondern sucht ein umfassendes Bild zu geben Es wendet sich an den selbständig denkenden Leser, der mit ihm dieWahrheit für die schärfste Waffe des politischen Kampfes hält. Aus der neuesten Nummer: Eberhard Weißenberg, ein Agent des Dr. Goebbels Wie kauft man Zeitungen? Das Langemarek der deutschen Jugend Die katholische Fronde Mobilmachung d. Schuljugend Keine Devisen kür Ruhegeld Die regelmäßige Zustellung orfolgt durch dio Goichüttisto lo von Gronzland Saarbrücken 3 Brauoritrafto 6—8 Ribbentrops Ankamt in Paris Die Sieliunenahme der Pariser Presse Von unserem Paris, I. Dezember 11184. Korrespondenten Ter Abgesandte des deutschen Kanzlers, Herr von Ribbentrop, ist von Berlin aus gestern in Paris an- gekommen. Ivo er die Verhandlungen über Abriistungs- fragen führen wird. Trotz aller offiziellen Dementis von deutscher Seite behaupten hiesige eingeweihte Kreise, dag je nach dem Verlauf der Unterhaltung Ribbentrops auch der stellvertretende Führer, Rudolf Heß, demnächst nach Paris kommen werde. Offiziell würde Heß als Gast des französischen Frontkämpscrbundes gelten. Die französische Presse beschäftigt sich eifrig mit der Mission des Herrn von Ribbentrop. To wird im„Vendömiaire" an die Begegnung erinnert, die Herr von Nibbcntrop bei seinem Ijulibesnch in Paris mit Bartlivu hatte. Dabei er- fährt man folgende reizvolle, für Hitlers„Tondergesandten" weniger amüsante Geschichte: Einer von Ribbentrops französischen freunden hatte es übernommen, Herrn von Ribbentrop bei Barthou einzu- führen. Dieser empfing ihn mit gewohnter Liebenswürdig- lcit, aber nach den ersten Worten unterbrach er seinen Be- such er. „Ich halte es für angebracht, Ihnen zu sagen." wart er so nebenbei boshaft ein,„daß, wen» ich mit Ihrem Besuch einverstanden war, das nicht geschah, mit ein politisches Gespräch zu führen. Tic haben, glaube ich, in Paris einen Botschafter: Frankreich hat einen solchen in Berlin. Ich bin gewohnt, durch ihre Vermittlung die fragen zu behandeln, die unsere beiden Länder angehen. Wir wollen uns also, wenn Tie es wünschen, über Kunst. Literatur und Musik unterhalten. Wie haben Tie übrigens die letzten nachgelas- scncn Briese von Victor Hugo gefunden?"...Herr von Ribbentrop mnsite sich fügen. „Vendemiaire" fragt:„Wird Laval seinerseits H c r r n von Ribbentrop die Pracht der A n v e r g n e r ü h in c n?" Man glaubt in Pariser Kreisen, die es eigentlich wissen mühten, dah Laval nicht daran denkt. Deutschland gegenüber von den Wegen abzugehen, die Barthou gegangen ist. Mag sich das Gespräch zwischen ilim und Herrn von Ribbentrop auch änherlich etwas anders abspielen, mag auch Ribben- trops Mission gelingen, Wegbereiter für Herrn Heh zu sein - in n ii vergibt c s Hitler nicht, dah gerade sein e R ü st u n g s p v l i t i k Frankreich heute s i- n a n z i e l l e Einscki r ä n k n n gen a n k z iv i n g t, und vor allem sagt man sich hier: wie können wir mit Hitler, der gezeigt hat, dah Verträge nur dazu da sind,»in sie zu mißachten und heimlich zu umgehen, irgendein Abkommen schlicken,»in das er sich ja doch nur kümmern wird, solange es ihm pahl. Dieses Mißtrauen spricht aus allen Tpaltcn der sra»- zösischen Presse, die der Betrachtung der französisch deutschen Beziehungen gewidmet sind. Im„E x celsiv r" meint Marcel Pays, es werde von Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund lind zur Abrüstungskonferenz geredet. Niemals habe die öffentliche Meinung in Frankreich mehr eiserne Ruhe nötig gehabt: denn sie müsse sich ebenso gegen einen übertriebenen Pessimismus wappnen, wie gegen einen Optimismus, dessen Grundlage nichts als enttäuschte Illu- sivnen seien. Wenn Deutschlands Regierung wirklich ani- richtig den Wunsch nach Befriedung und internationaler Zusammenarbeit habe, dann werde es noch immer Zeit sein, die Ausrichtigkeit nach den Garantien zu beurteilen, die sie den Mächten geben werde, die sich mit Reckt über das Tempo der deutschen Aufrüstung Torgc» machten. Wenn aber Hitler- Deutschland wieber einmal Frankreich, England, Ruhland, Italien, der Kleinen Entente. Polen sich in den Weg stellen wolle, um den Abschluß von Ticherheitsabkommen u»möglich zu machen, dann wäre es recht ungeschickt, ivollte man sein Tpiel begünstigen. ^Im„Journal" erinnert Taint-Brice daran, dah ! i t u l c s c o und T e w f i ck R u s ch d n b c u, die Außen- minister Rumäniens und der Türkei, mit Laval gerade jetzt wichtige Verhandlungen führen. Beide Staatsmänner hätten Frankreich das Beispiel gegeben, wie man durch Schaffung von starken Grupven die Ordnung aufrecht erhalten könne lBalkanpakt und Kleine Entente— Die Red. der.,D. F-."l- _Tie rechneten damit, dah Frankreich die Hauptstütze dieses Systems iet, und ihre Erwartung dürfe nicht getäuscht werden. Aber das Tnitein finde Anwendung ohne England und Italien. Run>n»'e Deutichland offen, die Verwirrung der Kräfte zu seinem Vorteil a«s<"benten. Die Waage werde sich nach der Seite neigen, wo das Maximum der dnnamischcn Krait sein werde. Das sei das wabre Geheimnis, das nickt allein Baldwin enthüllt sehen möchte. • Im„Echo d e Paris" fordert Pcrtinax de» Außen- minister Laval ans, encrgiich und fest zu bleiben und von der französischen Note vom 17. April, durch die die deutsch- franziisisch-eiiglischeu Abrüstungsbesprechungen abgebrochen wurden, nichts auszugeben, denn sonst könnte die sranzö- fische Politik in ei» anderes Fahrwasfcr getrieben werbe». Lavais enisdiicdene Haltung eindeutige Erklärungen gegenüber Ififlerdeursdiland Deufsdi-franiöslsches Wirtschaftsabkommen Paris, 1. Dezember. Tic Wirtschaftsverhandlungen, die in Paris seit etwa 14 Tagen zwischen der deutschen und der französische» Dele- gation geführt werden und über deren Inhalt beiderseits strengste Diskretion bewahrt wird, sind jetzt bis zu einem gewissen Abschluß gekommen. Es ist noch nickt ganz klar, wie das neue Abkommen im einzelnen aussehen wird. Doch steht es mit Sicherheit fest, daß der Elearing-Verkehr nach wie vor als Grundlage der gegenwärtigen Waren- beziehnngcn bleiben wirb. Kerner steht es«est, daß das neue Abkommen über den Handels- und Zahlungsverkehr um lt Monate verlängert wird, d. h. vom l. Januar bis zum 31. März 1935. Diese letzte stiegtung ist im Hinblick aus die Taarabstim- m«»g von besonderer Bedeutung. Es geht daraus klar hervor, daß, völlig unabhängig von dem Aussall der Ab- stimm»»», das jetzige Völkerbundsregime mindestens bis Ansang April bestehen bleibt, was von der deutschen Regie- »ung durch einen Abschluß dieses Abkommens vertraglich anerkannt wird. Jetzt zeigt sich, w>c frivol und verant- wortnngclos die braune Krönt an der Taar gehandelt hat, als sie bei der ahnungslosen Bevölkerung den Eindruck zu erwecken versuchte, als ob im Kalle der ohnehin zweiscl- hasten Mehrheit sür Hitler, das Hatentreuzbanner bereits einige Tage nach der Abstimmung schon über dem Gebäude der Regierungskommission wehen wird. Bis zum 3t. März 1935 wird also aus jeden Kall— das steht aus Grund dieses Abkommens heute schon scst, eine Acndcrung an dem jetzigen Zustand nicht vorgenommen. Obwohl die Einzelheiten des neuen Abkommens noch nicht ganz bekannt sind, hat die deutsche Delegation der sranzö- fischen in bezug ans die rückständigen Warenforderungen Konzessionen gemacht, und es sind bestimmte Tiche- rungen getroffen worden, damit zumindest ein Teil dieser Warenlieferungen beglichen wird, was insbesondere für die Taarlieferante», denen das„dritte Reich" enorme Beträge schuldet, von besonderer Bedeutung wäre. Im übrigen soll Handelsminister Marchandean, der sich gegenwärtig auf dem Wege nach Moskau befindet, auf seiner Rückreise durch persönliche Kühlnngnahme mit Schacht die Krage der Begleichung der rückständigen Warenforderungen endgültig regeln. Hallen selzl sidi für Ungarn ein Rom, 1. Dezember 1934. Die italienische Oefscntlichkeit steht dem jugoslawischen Memorandum in einmütiger Zurückhaltung, wenn nicht gar feindlich gegenüber. Das amtliche„Giornalc b'Italia" libt an dem Inhalt des Dokuments lebhaste Kritik. Nichts beweise, so sagt das Blatt, daß eine direkte Ver- bindung zwischen der ungarischen Regierung, den angeblichen kroatischen Organisationen, die augenblicklich als Resugies in Ungarn sich befänden, und den Haupturhebern dcS Mar- seiller Attentats bestanden habe. Der Tatsach enbe- weis fehle v o l l st ä n d i g, und die jugoslawische Be- Häuptling über die Verantwortung Ungarns bleibe beim gegenwärtigen Stande der Tinge eine einfache Behauptung. Die italienische Regierung nimmt also im Hauptteil der Angelegenheit für Ungarn Partei, während sie bisher nur die ungarische Forderung nach einer sofortigen Diskussion unterstützt hatte. Diese Haltung ist offenbar das Ergebnis eines sehr starken Druckes, den Budapest aus Rom ausgeübt hatte, und der Schritte des ungarischen Gesandten, Baron V i l l a» i, der tagtäglich mit dem italienischen Außenministerinm in enger Kühlung ist. In römischen Kreisen scheint aber die feste Neberzcugnng vorhanden zu sein, daß der Streitfall keine schlimmen Folgen haben werde. Ohne es zu gestehen, wertet man den Umstand, dan Jugoslawien aus Frankreichs Eingreifen hin nicht auch Italien deswegen verantwortlich gemacht hat, weil dieses doch Pavclitsck. dem Führer der kroatische» Terroristen, und seinen bewaffneten Banden Gastirenndschast gewährt hat. Da nun Belgrad nicht ausdrückliche Sanktionen gefordert Hot, so meint man hier, d i c Tür stehe für eine von allen«Großmächten g c w ii n s ch t c L ö' u» g v s f c n. Diese Lösung soll in einer allgemeinen Verteidigunas- organisatiou gegen den internationalen Trrorie»""- bestehen Blick ins Braune Um arbeitsscheue n u d liederliche Personen z» einer geordneten Lebensführung zu erziehen, hat das bayerische Innenministerium ihre Einweisung in ein Konzentrationslager angeordnet, und zwar werden die mindestens 13 Jahre alten Männer in dem Lager Dachau, die mindestens 13jährigen Kranen in der Fürsorge- anstalt Taufkirchen untergebracht. Die Einweisung geschieht ans Antrag des Kürsorgeverbandes durch die Polizei- dircktiou. Stadträte oder Bezirksämter ans die Dauer von mindestens drei Monaten bis zu drei Iahren... Kirche ohne rrieden Versuche, ein Kompromiß iu finden Tic angesagte Bischosskonferenz der deutschen evangelischen Rcichskirchc, die ein neues geistliches Ministerin.»! wählen sollte, mußte auf Dienstag vertagt werden. Die Landesbischösc von Baden, Württemberg, Bayern und Hannover nehmen an den Verhandlungen nicht teil. Man ist sich vollkommen uneinig und hat die Ver- tagung aus dem Gefühl der allgemeinen Unsicherheit heraus beschlossen. Der«maßregelte Professor Karl Barth erhielt eine demonstrative VertranenSkundgebung des Berliner Piarrernotbundes. Die Polizei beschlagnahmte eine von der B e k e n n t n i s k i r ch c verbreitete Schrift, in der die aus Bischof Marahrens, Obersuperintcndent Koch, Konsistorialrat Breit, Pastor Homburg und Nechtswalter Friedler zusammengesetzte provisorische Regierung der deutschen evangelischen Kirche erklärt, daß sie die'Führung der evangelischen Kirche des Deutschen Reichs in ihre t~ ede n h.ne. um den Protestantismus in Deutschland ,u schütz n. In dieser Proklamation, die am nächsten Sonntag aus den Kanzeln verlesen werden soll, richtet die proviso» rischc Regierung der deutjZe» evangeliMen Kirche(Be- Pari s, den 1. Dezember 1934. Außenminister Laval hat iu der Kammer eine große Rede über die Außenpolitik gehalten. Er führte u. a. aus: „Die Interessen unseres Landes decken sich mit denen des Friedens, llm sie beide zu verteidigen, muß unser Land stark sein, was Ruhe im Innern und gesunde Finanzen voraus- setzt. Wir haben mit Itakien Verhandlungen eingeleitet, welche einen befriedigenden Verlauf nehmen. Diese Verhandlungen rechtfertigen unsere besten Hofsnungen und verlangen unsere sorgsame Aufmerksamkeit. Ihr Ziel besteht darin, noch fester als bisher die Freundschaft zwischen den beiden lateinischen Nationen zu besiegeln und durch diese Annäherung auch gleichzeitig bessere Verhältnisse zwischen Italien und den V ä n d e r n der kleinen En- tente, besonders Tüdslaivicn, herzustellen. Wir werden dabei auch die Unabhängigkeit Oesterreichs nicht vergessen, um so den Frieden in diesem Teil Europas aus lange Jahre hinaus zu festigen. Ostpalct Wir diskutiere» gleichzeitig die Bedingungen eines Paktes, der in Osteuropa das gleiche Ergebnis zeitigen soll. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, daß Frankreich bei allen diesen Verhandlungen keine Hintergedanken, keine geheimen Pläne hat, aber es gibt ein Prinzip, denen Not- ivenbigkeit jeder anerkennen muß, nämlich die Beibehaltung der jetzigen Grenzen Wer heute einen Grenzstein versetzen will, stört den Frieden Europas. Deutschland wird noch einmal unter denselben Bedingungen wie die übrigen Länder zur Teilnahme an dem Ostpakt eingeladen werden, und cS wird dieselben Garantien erhalten, wie die anderen beteiligten Mächte. Das Verhältnis zu Hitler-Deutschland Reichskanzler Hitler beteuert seinen Friedenswillen. Nun denn, wir fordern ihn auf, seine Worte in Taten unizusetzen kcnntniskirche» an alle getreuen Kirchengemeindcn, an alle geistlichen Korporationen und Gesellschaften und a» alle Pfarrer den Aufruf, die Autorität de» Bckenntniskirche an« zurrt«»»«» und mit ihr in Verbindung zu treten.„Es ist dies der einzige Weg, erklärt das Manifest, um einen Kampf zu beenden, der die Kirche entzweit und die Einig- kcit der Nation und des Staates gefährdet." Das Manifest schließt mit de« Worten:„Erfüllt von Ge- horsam gcgeuüber dem Herrn der Kirche, in Liebe zu unserem Volk und in Treue zu unserm Führer und seiner Autorität machen wir uns ans Werk." Ter Bruderrat der Bckenntniskirche von Berlin richtete an Professor Barth, Pfarrer Nicmöller und Pfarrer As- müssen die Bitte, im Reichsbruderrat der Bekeniitnisktrche auszuharren. Die drei Persönlichkeiten haben ihren Rück- tritt erklärt, weil sie den gegenwärtigen Kurs nicht mehr billigen, der durch neue Verhandlungen mit den politischen Instanzen den Kirchenkonsllkt auS der Welt zn schassen holst. Die genannten Persönlichkeiten wollen im Gegensatz da- zn K a m p 1 um EntjAei du ng, und sich der Politik anzuschließen, die wir in Osteuropa verfolgen. Ter Reichskanzler hat wiederholt erklärt, daß die derzeitigen Grenzen Teutschland genügen. Zur Rechtkerti- Illing seiner Militärpolltik beruft er sich ans die Würde seines Landes. Wie hönnte er morgen diese Politik reck«» fertigen, wenn Deutschland, das von niemand bedroht ist, sich weigern sollte, seinen Anteil an der kollektiven Friedens- aktivn zu nehmen, so wie ihm diese angeboten wurde, d. h> in voller Anerkennung der moralischen Rolle, die cineB großen Nation zukommt. Wir werden un», in keiner Weise mit der faktischen Situation absinden, die durch die Aus- rüstung Deutschlands geschaffen worden ist, noch uns den Verpflichtungen entziehen, die uns diese Lage aufzwingt. Aber wir wollen glauben, daß Teutschland in der Stunde, in der es seinen Friedenswillen beteuert, auch verstehen wird, daß, wenn es sich weigert, diese Politik mitzumachen, zu der es von allen eingeladen wird, vor den anderen Nationen seine moralische Verantwortung nur noch ver- schlimmer». Ich wiederhole es: es handelt sich um eine loyale Einladung. Zwischen Frankreich und Teutschland gibt es kein territoriales Problem. v e Saarsrage muß in einer normalen und für unsere beiden Stationen befriedigenden Weise gelöst werden. Tie wurde durch den Friedensvertrag in einen internationalen Nahmen gestellt, in dem sie bleiben muß. Es hängt ganz von Deutschland ab, daß die Abstimmung einen regulären Verlauf nimmt. Wir unsererseits haben keinen anderen Wunsch, als die Freiheit und das Geheimnis der Abstimmung gewahrt zu sehen. Im voraus verneigen wir uns vor dem Ergebnis der Abstim- mung. Wir hegen dmi Wunsch, daß die Ordnung nicht gestört wird. Falls dieses dennoch geschehen sollte, bleibt Frankreich, wie es ihm seine Pflicht gebietet, bereit, alle ihm obliegende» internationalen Verpflichtungen zu übernehmen. Wir iwr&cn übrigens auch an andere Länder mit der Bitte herantreten, mit uns zusammen die Polizei auszuüben für eine eventuelle Wiederherstellung der Ordnung. To verkünden wir vvC Deutschland und vor der ganzen Welt, ohne irgcndwelchSr Hintergedanken, unseren Entschluß, nichts zu unternehmen was nicht genau im internationalen Rahmen bleibt. §?el»nitlnal>me der Pariser Presse Der Umstand, daß Laval seine große außenpolitische Rcdr erst in der letzten Nacht gehalten hat, hat zur Folge, daß zwar die gesamte Pariser Mvrgenprcsse die Rede ausfuhr- lich wiedergibt, die Kommentare aber nur sehr spärlich sind. „P etil P a r i s i c n", der dem O.uai d'Orsay nahesteht, ebenso wie Wladimir d' O r m e s s v n i m„F i g a r o", heben hervor, daß es sich um keine improvisierte Rede handle, sondern um„ein schriftliches Dokument", darin jed^s Wort abgewogen sei". Wladimir b'Ormesson beschäftigt sich ausdrücklich mit den Sätze», die sich auf Deutschland beziehen. Er meint, hier sei die Haltung der französischen Außenpolitik noch nicht ausreichend entschieden. Er bedauere, daß man die ganze französisch-deutschc Frage auf das Gleis der Ostpaktfragc schiebe» wolle. Es scheine ihm eine recht künstliche Politik, wenn man so tue, als ob heute alles vom Abschluß des Ost- Paktes abhänge und von Teutschlands Beitritt zu diesem Pakt. Man könne es nicht dulden, baß Teutschland so billig davonkäme und alles, was Frankreich mit Recht beunruhige, in bezug aus Deulschlaiids dauernde niaterielle und psycho- logische Rüstungen,- durch eine Unterschrift unter ein ab- straktes Abkommen, das Frankreich nur indirekt inter-> •sttUm junlt Stimmen•(Bell a$e zu?..&cutstfien&weitkeit"• frefgnlsse und&e§tfal€fktee* Sonntag-Montag, den 2. und Z. Dez mber 1934 Juctioängiec in Acht und 3$ann? ®e 7lS.=Jiuttucgemeinde vecuxafict sich entschieden... Dacchgceifendes "rtwängler, der festlich und feierlich Gleichge- altete, den Gering als besonders Vertrauenswürdigen in j en Staatsrat berief, erlebt eine hohe Enttäuschung. Unter cm Diktat seines künstlerischen Gewissens war in diesen igen lebhaft für den Komponisten H i n d e m i t h in der " eu'schen Allgemeinen Zeitung" in einem Leitartikel eingetreten. aus dem die».Deutsche Freiheit" einen Auszug Veröffentlichte. Sein Aufsah geißelte in dem Appell, daß Y' r es uns einfach nicht leisten könnten, bei em bedrückenden Mangel an musikalisch-kompositorischen "lenten einen Mann von der hohen Begabung Hindemiths >n die Wüste zu schicken. Welche Antwort erhält er? Eine scharfe Verwah- r u n g und Verwarnung der NS.-Kulturge- Heinde, deren ,.Reichsamtsleitung" schreibt: ,',Wir verwahren uns dagegen, daß der von der NS.- Kulturgemeinde offen und ehrlich vorgetragene Angriff gegen Hindemith mit der Bezeichnung„von gewissen Kreisen" abgeschwächt und als„politisches Denunziantentum" verdächtigt wird. Herrn Staatsrat Dr. Furt- tcänglcr sei in aller Deutlichkeit gesagt, daß eine amtliche Aeußerung einer Organisation der nationalsozialistischen Bewegung nichts mit politischem Denunziantentum gemein ^•t. Wir weisen daher diesen Versuch Furtwäuglers und der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", die sachliche A b• 'ehnnng eines Kulturholschewisten mit ■Alchen zu diskriminieren, entschieden zurück. Bei der Ablehnung des Komponisten Paul Hindemith durch die NS.-Kulturgemeindc steht der Wert oder Un- Veert seines derzeitigen musikalischen Schaffens gar nicht zur Diskussion Der Nationalsozialismus seht vor die Bewertung des Wetkes die Wertung der schaffenden Persönlichkeit. Die Tatsache, daß Hindemith jahrelang vor der Machtergreifung eine bewußte undeutsche Haltung an den Tag legte und schon damals nach den eigenen Worten Furtwänglcrs aus Rücksicht auf den Zeitgeist tat, läßt ihn für die kulturelle Aufbauarbeit der Bewegung als u n- tragbar erscheinen, zumal da anzunehmen ist, daß er auch seine heutige Haltung aus Rücksicht auf die Konjunktur einnimmt, womit er lediglich einen äußerlichen Stellungswechsel vollzieht." Furtwäuglers Vorstoß ist aber nicht nur ohne Ergebnis geblieben. Es droht ihm selbst Hindemiths Schicksal. So seht sich Hitlerdeutschland mit den wenigen bedeutenden Künstlern, die ihm freudig dienstbar sind, auseinander. Noch wilder geht der„A 11 g r i f f" gegen Furt- w ä Ii g 1 e i ins Zeug Das Blatt schreibt, daß„die Anzeichen für einen ausgesprochenen Machtkampf sich verdichten".. Hindemith betrieb einen Kulturbolschewismus tollster Art. Ihm war nichts, aber auch das Heiligste nicht beilig. Seinesgleichen gab es auf jüdischer Seite vielleicht gerade eben noch, auf deutscher nicht wieder. Er war die musikalische Größe im Novemberstaat. Die Großmut des nationalsozialistischen Regimes, das Hindcinith als Hoch schullehrer beibehalten habe, bindere ihn nicht, sich mit jüdischen Kollegen in der Schweiz zu treffen und dort Verbrüderung zu feiern. Furtwäuglers Angst, daß Hindemith. wenn man ihn nicht in Ruhe lasse, auswandere, wird als lächerlich dargestellt. Um Hindemith auszustechen, stellt der„Angriff" einen Katalog von jungen Musikern auf. Die Namen sind Carl Ehrenberg. Hermann Grabner und dessen Schüler Kurl Thomas, Sigfried Müller, Wolfgang Fortner und Hugo Distler Gegen F u r t w ä n g 1 e r erhebt der„Angriff" den Vorwurf, daß in Deutschlands erstell Konzertsälen für lebende deutsche Meister außer lliucle- mith so gut wie kein P I a h sei, ausländische Namen dagegen in ganz unverhältnismäßig großer Zahl in den Vordergrund treten.... , Wie lange noch Generalmusikdirektor und Staatsrat. Herr Furtwängler? Sicaune ÜiCm=J)ämmecung) Goebbels— tief enttäuscht und verärgert Es sollte bekanntlich mit dem politischen„Aufbruch" die Erneuerung des Theaters und des Films beginnen. Es "heiterte bei der Bühne— es mißglückte beim Film, obwohl der Herr Propaganda minister alle guten Geister der '-einwand unermüdlich beschwor und die Welt auf seine ' aufpatenschaft des echten, also des nationalsozialistischen ''ünis unermüdlich hinwies. Jetzt beißt es in einer amtlichen Verfügung des Reichs- zninisters für Volksaufklärung und Propaganda, er, der Herr Minister, habe sich entschlossen, zwei der besonders krassen Fälle der lehten Zeit herauszusuchen und diese l'ilnie zu verbieten. Es handelt sich dabei um den Westro- I' ihn der Europa„Die Liebe siegt" und den Lloyd-Film des NDLS.„Ein Kind, ein Hund, ein V a g a b u n d". »Beide Filme sind nicht verboten, weil sie gegen Staats- Politische Interessen verstoßen oder weil sie Gruudsühen der Nationalsozialistischen Weltanschauung zuwiderlaufen, lindern weil sie unkünstlerische, seichte und geschmacklose Machwerke„darstellen". In beiden Fällen ist mit vollkommen fantasielosen Mitteln verfahren worden, hat man die am Film tätigen künstlerischen Kräfte(Darsteller, geistlose Verblödungsware herzustellen). Die Hersteller der Filme haben die Hilfe des vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda eingesehten Reichs- filmdramaturgen nur zensurmäßig in Anspruch genominen, haben geglaubt, bei der späteren Arbeit im Atelier sich über •eine Wünsche, Anregungen und fördernden Ratschläge einlach hinwegsehen zu können. Beide Filme sind verboten, um den Herstellern zu zeigen, daß die Regierung nicht gewillt ist, das Geschmackniveau des deutschen Volke» von künstlerischen, gewissenlosen Filmproduzenten gewaltsam herabdrücken zu lassen." Da haben sie nun eine mächtige Organisation geschaffen. Mit Reichsfilmkainmcr und Reichsfilmdramaturgen, mit Zensur und mit Staatspolizei. Aber aus dem Nichts kann nichts werden. Jetjt heißt es in der amtlichen Kundmachung tief bekümmert: „Leider stehen Mühe und Arbeit der zuständigen Reichs- und Kammcrstellen noch in keinem Verhältnis zu dem künstlerischen und kulturellen Wert der in der letzten Saison in Deutschland geschaffenen und vorgeführten Filme. Die Schuld daran trägt die Filmindustrie selbst, die zum größten Teil glaubt, die helfende Hand des Staates übersehen oder ausschlagen zu können und statt dessen die alten ausgefahrenen Gleise der Filmlierstellung weiterführt. Es bleibt zu hoffen, daß durch diese beiden Verbote als Warnungssignal der deutschen Filmindustrie schließlich doch die Einsicht kommt, daß die Wege, die sie zum größten Teil noch beschreitet, falsch sind. Es ist hier auch wichtigste Aufgabe der Filmkritik, sich mit derartig schlechten Filmen schonungslos auseinanderzusetzen. Gerade durch unverschleierte offene Kritik wird dem deutschen Film am meisten geholfen." Das ist eine ehrliche Bankrotterklärung. Woher aber sollen die Herren Filmhersteller den guten Geschmack haben? Sehen sie.nicht ringsber braunen Kitsch Byzantinismus und B 1 a u v e i 1 c h e n- R o ni a u- t i k. die sich vor den„Führern" gemein machen? Audi von den Kritikern wird etwas viel verlangt. Sic sollen hier „schonungslos" sein. Das geht aber nicht, wenn sonst nur Leistungen der Servilitüt nach den Maßstäben des Propagandaministeriums von ihnen gefordert wird. Sie treten womöglich mit einer scharfen Besprechung einem braunen Protektionskind auf den Fu" und das haben sie dann bitter zu büßen. Woche des Jbuches Eine„Woche des Deutschen Buches", die eben in Deutschland abgehalten wurde, gibt uns Gelegenheit, eine Art von Kulturpropaganda kennen zu lernen, für die Deutschlands erster Propagandist, Reichsminister Dr. Josef Goebbels, persönlich verantwortlich ist. Die Idee der Buch Woche ist nicht neu, sie stammt auch nicht aus der geistigen Rüstkammer des„dritten Reiches". Der Schuhverband Deutscher Schriftsteller, der sich der Auflösung durch die Verlegung seiner Geschäftsstelle nach Paris entzog und heute die einzige nicht gleichgeschaltete Organisation deutscher Intellektueller ist, hat den Tag des Buches zum erstenmal an Goethes Todestag, am 22. März, im Jahre 1127 festlich begangen. Er war sechs Jahre hindurch ein repräsentativer Gedenktag, der durch Vorträge und Vorlesungen jüngerer wie auch prominenter Dichter in Buchhandlungen und Universitäten seine besondere Gestaltung bekam. Die Buchhandlungen dekorierten Schaufenster, in denen Bücher jeder künstlerischen und politischen Richtung zu sehen waren. Die schon damals notleidenden Schriftsteller und Buchhändler versuchten gemeinsam und tapfer ohne gegenseitige Bespitzele! und Gesinnungsriecherei sich gegen die Krise der Zeit zu wehren. Damals wurden keine Bücher verbrannt, keine Dichter ermordet, keine Schriftsteller ausgebürgert. Auch das„dritte Reich" veranstaltet eine Gedenkfeier für Im Drnttrhr Bach, Immer für das Zahlen- und Massenmäßige begeistert, nahm es statt des Tages eine ganze Woche. Aber wo es an Qualität fehlt, wird es durch die Quantität allein ■licht besser. Was ist der deutschen Literatur innerhalb Deutschlands geblieben? Neben den drei großen, ehrwürdigen, aber längst verstummten greisen Hauptmann, Ricarda Huch und S t e h r und Thomas Manu nicht viel. Da ist Herr B 1 u n c k. der sich früher um die Mitarbeit an..kommunistischen" Zeitschriften bemühte und der es jetzt tatsächlich zum Präsidenten der Reichsschrifttumskammer gebracht bat. Da ist.Rudolf Rinding, Bürgermeister in Hessen, ein äußerst exklusiv und konservativ schaffender Künstler ahn- bell wie der Spinoza-Biograph Kolbenheye r. Da ist H a n s G r i m m. der Verfechter eines Kolonialgedankens, da ist Beumelburg, der Kriegsdichter, da ist Hans Jobst, früher ekstatischer Expressionist, da ist Gottfried Renn. Hautarzt und Lyriker, da ist schließlich Josef Goebbels, Verfasser des Romans„Michael", ein Schüler des jüdischen Literaturhistorikers Gundelfingen Das ist so ziemlich alles. Sie vertreten heute den deutschen Dichter. Herr Hans Friedrich Blunck, Ehrendoktor und Präsident, hielt zwei Reden zur Woche des Buches. Die erste im„Kaiserhof" vor der Presse, die zweite im„Sportpalast" vor dem Volke. Im Kaiserhof sprach er von der Aufgabe des Dichters, das Reich zu umraunen und die Winde singen zu lassen, di* Wer weiß, was das bedeuten soll? Erst klang es Dur, jetzt tönt es Moll..; Zunächst, da war es eine Pracht: ..Sieg in der Arbeitsschlacht" Wurde zweimal täglich bekanntgemacht. Nun aber— pfui nochmal!— zeigen Sich Kehrseiten: die Preise steigen. Man liest, peinlich betroffen— Der Mund bleibt offen— Leber den Mangel an Rohstoffen. Für gewisse Tückebolde Wird auch dieses Defizit zu Golde. Man predigt den deutschen Familien: ..Sehet die Lilien..." Und sie verschieben die Textilien. Auch wegen gestiegener Preise beim Bäcker Hört man Gemecker. Fünfen sperrt man den Laden zu. Nun ist wohl Ruh? Prost! Müllers Esel, das bist du! Zwei Schlächter, drei Krämer wandern in llal. Die Preise klettern fabelhaft. Goerdcler holt sich'nen Schnuppen: Hitlers beste Truppen Soll er ins Gefängnis stuppen? Wie schön könnt ein Preisdiktator leben. Wiircl es keine Wirtschaftsgesetze geben! Mueki. Jilm in 7ueis (Stenokritikenl L Man wird in Paris gefragt:„Haben Sie den und den Film gesehen?" Es ist Erpressung— denn im Klang der Worte steckt ein drohender Vorwurf:„Unseliger! Das Beste kennst du nicht; es ist der Film der Filme." Ich hätte trotzdem weitergelebt... Ging aber schließlich bin— und sah„Das Gewitter"(„L'orage") von dem Russen Petroff. II. Wer weiß, wie oft anderswo der Film gegeben wurde» Hier ist er halt heute der Mittelpunkt. Mit Recht. Diese Kunst ist nur mit einer zu vergleichen: mit der Russenkunst selber. Nicht Petroff, der zufällige Spielvogt, schuf das; sondern alle Russen selbander, die seit, Stanislawski Theater spielten und filmten. Vereinzeltes Gewächs ohne Nachbarn. III. Die Fabel? Die Fibel! Blöd und frühstufig. Ehebrecherin unter Bauermenschen. Sie hat Angst vor dem Gewitter: heim Gewitter beichtet sie den Ehebruch. Geht in die Wolga. Einfachheit unverknäulter Seelen.(Es ist nicht das Ideal; sondern die verborgenen Wandelgänge des Innern werden es, trotz allein, künftig sein. Künftig wieder sein.) IV. Aber wie diese Köpfe beleuchtet sind. Wie diese Ge- stalteninenge stellt und gebt. Wie jedes(arglose) Gefühl in Haltung und Antlitz aus der Pistole geschossen kommt. Wie alles breit und wahr hingestellt wird—: das ist nur mit einer einzigen Filmkunst vergleichbar: mit derselben; mit der russischen. V. Item: es ist nicht„der Film der Filme"... aber Moskau ist bis auf weiteres der höchste Hort des Films. K, „Auf^Befehl des Jiühcecs" Fememörder Schulz in der Schweiz Berlin, 30. Nov. In einem in Berlin schwebenden Prozeß kam zur Sprache, daß der ehemalige Oberleutnant un4 Fememörder Schulz„sich auf Befehl des Führers" in daß Schweiz aufhält. Uebcr den Grund des Befehls und di# Tätigkeit des Schulz in der Schweiz wurde nichts gesagt. Dagegen steht fest, daß sein Bruder seit dem 30. Juni verschwunden ist und niemand weiß, wo er steckt. Pinero+ Der berühmte englisch-jüdische Dramatiker Sir Arthur Wing Pinero ist in London im 80. Lebensjahr gestorben. Von seinen zahlreichen mit Erfolg aufgeführten Theaterstücken gilt„The second Mrs. Tanqueray"(1893) als sein Meisterwerk. Mit dem Erfolg dieses Stückes hat er anerkanntermaßen die Bahn für Shaw, Galsworthy und dir übrigen englischen Modernen fi" ig'-marht. „Lachen links" Das Brandenburger Tor»oll zugemauert werden. Warun»? Görings Kleiderschränke reichen nicht mehr aus. Sagen Sie mal. was ist das eigentlich Deutsches Clearing? Der internationale Kuckuck! darüber hingehen. Im Sportpalast richtete er an das Ausland die Aufforderung zum geistigen Wettstreit, zum ritterlichen Kampf der Geister. Goebbels empfahl, am deutschen Buche festzuhalten; Hans Jobst und Josef Magnus Wehner lasen Eigenes, Lothars Miithel las Fichte und George. In Mainz nannte ein Herr Dr. Geisow Goethes Faust II. Teil das hohe Lied des Nationalsozialismus. So ehrt man heute in Deul aAla pd den Ujcbpu und sein Werk.~ F, G, Sölltsr tn Sturmiaitan Nr. W Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sonntag-Montag, 2. u. Z. Pas- „Hier spricht die Saar" Ein Land wird interviewt/ von Theodor Baik Zu den vielen Büchern, die über die Saar und über den europäischen Kampf um sie geschrieben wurden, hat sich soeben ein neu?» gesellt. Es beißt:„II ier spricht die Saa r", und es wurde geschrieben von Theodor Balk(erschienen im Ring-Verlag in Zürich). Der Verfasser verspricht sehr viel. Er sagt auf der Titelseite, daß in seinem Buche ein„Land interviewt" werde. Der Mißtrauische, der auf solche Ankündigungen wenig zu geben gewohnt ist, wird aber schon auf den ersten Seiten eines anderen und eines Besseren belehrt. Hier wird das atemberaubende Tempo lebendig, das uns an der Saar täglich umbraust: hier rauscht die Fieberhitze eines Abstimmungskampfes, bei dem die Sachen und die Seelen ohne Beispiel zusammenstoßen. Denn der Verfasser, Theodor Balk, kann nicht nur schreiben, seine Feder gibt nicht nur die Fassade der Saar und seiner Menschen mit formaler Geschicklichkeit wieder. Er lebt wielmehr mit seinen Erlebnissen mit, Partei ergreifend im höchsten Sinne, die Partei der Freiheit und des Mensrhenreclits gegen Bedrückung und Unrecht, für Deutschland und darum in jedem Betracht gegen das ,dritte Reich". Nicht durch Gerede, sondern durch Gespräche! M ir haben sie greifbar nahe, die Herren son der„deutschen Front", von Röchling angefangen über Pirro bis zum mannestreuen Pfarrer Wilhelm. Max Braun, Julius Schwarz, F ritz Pfordt: die Kämpfer der Einheitsfront werden uns durch Theodor Balk näher gebracht als zuvor. Bergleute, Hüttenarbeiter, Landwirte, Geistliche, Schulkinder— ihre Berichte und Erzählungen werden in diesem Buche zu farbiger und plastischer Anschaulichkeit. Wer sie liest, weiß von der Saar und ihren politischen, sozialen und geistigen Kämpfen nicht nur mehr, ils er vorher wußte. Er wird mitbeteiligt, zur Stellungnahme gezwungen, hineingerissen in den Begriff„Saar", der den Blick der Welt auf sich gelenkt hat. Wir geben, zum Beweis, nachstehend einige Kapitel aus Theodor Balks Buche wieder: Pirro Herr Pirro ist der Führer der Deutschen Front. Er besitzt das höchste Vertrauen des Führers. Des Führers aller Führer, Pirro— der Name klingt nicht germanisch. Nicht nordisch. Es ist nicht der einzige welsche Name unter den höheren Funktionären der Deutschen Front. Da ist ein Dr. Gar- tillieri, ein Levacher, ein Savelkouls... Die Geschichte mit dem Blut scheint nicht ganz zu stimmen. Herr Pirro müßte, so er seinem Blut freien Lauf gehen wollte,„Eia-eia-allala" oder„Eviva Espania" brüllen. Er brüllt aber„Heil Hitler"! Brüllen ist nicht der richtige Ausdruck für die Stimme Pirros, soweit ich sie kenne. Diese Stimme ist leise und ohne Resonanz, sie stockt oft und ist gar nicht selbstbewußt. Sie ist die Stimme eines kleinen subalternen Beamten, ohne Ueherzeugungskraft und ohne Rückgrat. So sieht auch der Mann aus. Ein blasses regelmäßiges Gesicht, das man sofort vergißt, etwas gerötete Lider und helle, leblose Fischaugen. Im Knopfloch das schwarz-wciße Bändchen des EK. Aber Herr Pirro kann sicher auch anders sein. So anders kennen ihn seine Mitglieder, seine Gefolgschaft. Da donnert diese Stimme und ist voll von„gerechtem Zorn", da droht sie und ist wie das Getöse einer herannahenden Katastrophe. Mir gegenüber saß der äußerst zivile und subalterne Herr Pirro. So leer, wie das Gesicht, war der Schreibtisch, der zwischen uns stand. Hier herrscht Ordnung. — Was denken Sie über den Ausgang des Plebiszits, Herr Pirro? — Ein überwältigender Sieg! Weit.über 90 Prozent... Ist ja natürlich! Die Gesinnung hier an der Saar ist deutsch. Nur ganz wenige, die sich vom Mutterlande losgelöst haben, ich möchte sagen, Minderwertige. Nur wenige Menschen sind es, die abseits stehen und hetzen. Wir haben hier weder eine politische noch nationale Minderheit an der Saar. — Herr Pirro, die Stimmung der Bevölkerung bis zum 30: Januar 1933 war hier einheitlich. Scheint es Ihnen nicht so, daß Hitler, der auszog, das deutsche Volk zu einigen, es •an der Saar gespalten hat? — Das stimmt nicht... Die Anhänger der Stalus-quo-Par- teien haben ihren Führern den Rücken gekehrt. Ich könnte Ihnen eine Unmasse von Fällen aufführen. Sie kamen zu uns und sagten:„Bisher glaubten wir, daß unsere Führer Deutsche sind, jetzt aber sehen wir ein, daß wir uns geirrt haben." Es ist nur ein kümmerlicher Rest dageblieben. Die hohen Zahlen kommen einfach aus der Staffelung der Mitglieder her. Die Leute sind Mitglieder in X-Organisationen. Da werden sie xmal zusammengezählt. Daher dann die hohen Zahlen. Sehen Sie, wir haben seit einiger Zeit Mitgliedersperre. Mein Organisationsleiter meldet mir aus Dudweiler Hunderte von Anmeldungen. Er kann sie nicht aufnehmen. Dudweiler war eine Hochburg der Kommunisten. Und heute? Die letzten Säulen des roten Dudweiler kommen zu uns. Ich schrieb den Satz pflichtgemäß als objektiver Publizist nieder und nahm dann, wieder als objektiver Publizist, in den nächsten Tag den Zug nach Dudw eiler. In Dudweiler suchte ich den Polleitc> der Kommunistischen Partei auf. Er wohnt oben auf dem Berg und empfing mich in der Küche. —- Wie unsere Mitgliederzahl steht? Wir haben 250 Mitglieder. Das ist die gleiche Zahl, die wir beim Machtantritt Hitlers besaßen. — Ob viele aus der Partei zur Deutschen Front übergelaufen wären? Warte mal. Der blasse, etwas frühgealterte Jünglingskopf senkte sich in Gedanken. Seine Lippen bewegten sich, ohne daß sie ein Wort gesagt hätten. — Nur solche, die wir ausgeschlossen haben! Nein, wir haben keinen einzigen Ueberläufer in unseren Reihen. «— Aber Pirro erzählte mir, daß bei Euch die letzten Größen zur Deutschen Front strömten. Als das Lächeln auf seinem Gesicht abgestorben war, sagte er: — Komm out. Ich will dich durch Dudwcikc führe«* Pfarrer Wilhelm — Die Antwort konnte ich nicht recht zu Papier bringe» Sie verlor sich in einem Gestrüpp von Worten. Später aber sagte er zu diesem Thema folgendes: — Ich kenne keine Blutreligion. In Blut und Rasse stecken aber moralische Worte. Ich empfinde es aber als Sabotage, wenn man heute von der Kanzel diese Dinge in den Vordergrund stellt. Da haben die Geistlichen an der Saar viel gesündigt.' — Da ist ein katholischer Geistlicher. Seine Großmutter w' ar Niehtarierin. Soll er deswegen von seinem Amte suspendiert werden? — Ja, da kann ich Ihnen nichts sagen... Die Rasse ist verseucht... Der Staat sucht für die Reinheit der Rasse z" Was ich in Dudweiler gesehen habe, an anderen Stellen dieses Buches wird es gesagt werden. Aber jetzt müssen wir zurück in die Waterloostraße zum Herrn Landesführer Jakob Pirro. Er ist eben bei der Abstimmungsarithmetik: — Wir rechnen auf 97 Prozent. Um ein halbes Prozent können wir uns auch irren. —- Und wenn es 2 oder 3 Prozent wären? Pirro versteht keine Ironie. Er antwortet todernst: — Nein, das glaube ich nicht. Pirro blieb hei seinem halben Prozent. — Werden Sie gegen die Leute, die für Status quo gestimmt haben, in irgendeiner Weise vorgehen, falls das Saargebiet zurückgegliedert werden sollte? — Nein. Niemals. Nicht das Geringste werden wir ihnen antun. Das gilt auch für die Juden. Ich hoffe, daß Hitler eine Amnestie nach dem 13. Januar erlassen wird. Mit Ausnahme der Landesverräter, natürlich. — Rechnen Sie zu den Landesverrätern auch die Sozialisten und die Kommunisten? sorgen.... — Finden Sie nicht, daß die Brutalität des Dritten Reiche» dem Gedanken der Liebe Ihrer Kirche widerspricht? — Nein... Das Volk war unter dem Marxismus versauf- Es war notwendig, daß es wieder etwas Schnitt und Form bekam... Ich gehe ja zu, daß vielleicht zu scharf forciert wurde. Die schnellen Verhaftungen waren nicht immer gui- Die Pfälzer sind ja ein wenig Hetzer. Sie haben von der Kanzel gehetzt vor einem Jahr, damals haben sie 35 Geistliche verhaftet und verprügelt... Die Saarleute aber sind gute, ehrliche, ruhige. Menschen. Die haben einen großen konfessionellen Frieden in sich. — Herr Pfarrer, finden Sie nicht, daß Hitlers übermenschliche Autorität mit der Autorität Gottes in eine unerlaubte Konkurrenz getreten ist? — Da« Reich war zerstückelt. Schmach herrschte im Saargebiet. Ich— des Pfarrer» Stimme schwoll an— ich habe es miterlebt. Versailles. Ohne Versailles kein Nationalsozialismus, sage ich Ihnen. Da kam ein Mensch, der auf den Tisch schlug. Donnerwetter! Der dem Ausland sagte: hier steht ein Block. Und in den Tagen, als der Bolschewismus die Herrschaft in Deutschland ergreifen wollte, da siegte er: Hitler. Diese übermenschliche Tat löste einen großen Enthusiasmus aus. Ist ja zu begreifen. — Sehen Sie, Deutschland hat gegen das fünfte und gegen das siebente Gebot Gottes gesündigt. Den Kaiser Wilhelm haben sie auf die Teufelsinscl schicken wollen und auch den Hindenburg. Schwarz umrahmt hängt der alte Hindenburg an der Wand. Die einzige weltliche Größe, neben den vielen himmlischen — Jawohl. Max Braun und alle die gegen Deutschland sind, sind für mich Landesverräter. Ein Widerspruch! Im ersten Satz verspricht Herr Pirro den Slatusquolcru Amnestie, im nächsten wird er sie als Landesverräter bestrafen. — Hätten Sic für Rückgliederung gestimmt, wenn Thal» mann heute an der Spitze des Reiches stünde? — Jawohl, das hätte ich. Und noch einmal kommt Pirro auf die Landesverräter zurück und wird sehr böse dabei. Denn auch die Franzosen hätten für Frankreich gestimmt, und so müßte jeder gute Deutsche... — Ja, aber da wäre noch die Möglichkeit einer zweiten Abstimmung? — Ganz unmöglich. Vertraglich unvereinbar. — Und wenn doch Status quo siegen sollte, Herr Pirro? Würden Sie diesen Entscheid des Volkes loyal anerkennen? — Ich kann mir das nicht richtig vorstellen. Der Gedanke daran ist mir ganz fremd. Ich habe noch nie darüber nachgedacht. — Wie es mit dem Totalitätsprinzip ist? Da gibt es zwei Ebenen. Die eine ist die staatliche, die andere die kirchliche. Die beiden brauchen sich nicht zu reiben. Wozu diese Streitigkeiten wegen Nadeln und Kluften? Das sind doch alle« Aeußerlichkeitcn und nicht das Wesen des Katholizismus. Wenn es nach mir gegangen wäre, ich hätte gesagt: hier Hitler, hast du den Sport, die militärische Ertüchtigung, das Nationale, das andere laß' uns. Aber die katholische Jugend wurde aufgehetzt im Kampf gegen den Staat. Das hätte man nicht tun dürfen. Uns wäre dabei in Ruhe das Gnadenleben, das sakramentale Leben geblieben.... Und, letzten Endes, wenn wir die sportliehen Organisationen unserer Jugend nicht aufgeben, mit der Zeit wird die Jugend ja von selbst abfallen. Dunkel sind oft die Worte des Pfarrers, wie jene von.den Ebenen, es ist seinen abrupten Gedanken nicht leicht z u folgen. — Herr Pfarrer. Die Jugend geht in der HJ. auf. Di* älteren in der SA. Wird die Familie, das Familienleben nicht durch den Nationalsozialismus zerstört? Pirro ist der politische Führer. Röchling ist der Wirtschaftsführer. Kiefer der Arbeitsfrontführer. Die Deutsche Front hat auch einen kirchlichen Führer. Nicht Führer im strikten Sinne des Wortes, aber Redner, Propagandisten. Das ist der Wehrdeuer katholische Pfarrer Wilhelm. Ich bog hei der Kirche ein und stand vor seinem Hause. Ich zog am Glockengriff und wartete. Unten im Tale lagen die Eisentürme, die dicken Gasometer, die Schlote und Rodt* öfen von Völklingen. Herr Wilhelm hat es sehr nahe zu Röchling. Pfarrer Wilhelm hat ein Gesicht, das man schemenartig vielleicht als Jesuitengesicht bezeichnen würde. Dunkle Augen- ringe, harte Falten um den Mund, etwas gebückte Haltung, schlechte Zähmt. Ich möchte mir diese Bezeichnung nicht voll zu eigen machen. Es fehlt in diesem Gesicht eine Zurückhaltung, die die Situation beherrscht. Es fehlt an Klugheit von Behendigkeit gar nicht zu sprechen. N> in. das religiöse Lehen ist in Deutschland nicht geknechtet. Beten, Messelesen, Religionsunterricht ist genau wie früher erlaubt., -— Wie ich zur Erschießung der katholischen Führer stelle? Waren sie schul Ii«.' Waren sie unschuldig?... Das sind politische Maßmii uu-n Mi aun darüber nichts aussage». — Herr Pfarrer, gewisse l'i.nzijiien des Nationalsozialismus widersprechen den christlichen Dogmen. So das Rassenprinzip. — Ich finde es ganz naturhaft und organisch. Ein Volk soll zusammenhalten. — Widerspricht das aber nicht den Gesetzen Ihrer KIrrhe. die jeden Menschen, ohne Unterschied der Farbe und II e. als gleich vor Gott behandelt, so er die heilige Tauir empfangen hat2' — Da kann ich nichts sagen. Vielleicht vorübergehend.-' Jetzt beansprucht man die Menschen im stärkerem Maßstäbe. Eine revolutionäre Zeit. Sobald sich der Staat beruhigt.... Der Nationalsozialismus ist energisch. Er bedient sich aller Mittel, um seine Ideen bis in das letzte Gehöft zu tragen. Er will die Menschen nach seinem Muster stempeln- —- Es gibt aber viele Katholiken hier, die für den Statu» quo stimmen werden und die den Nationalsozialismus al» Heresie betrachten. —- Glaub ich nicht. Die Deutsche Front hat die Katholiken ebenso erfaßt wie die Protestanten. An allem sind nur diese Zeitungen schuld. Wenn diese Zeitungen nicht wären, die in politische Fragen theologische Konstruktionen hineintragen, nie würde bei den Katholiken ein Zweifel entstanden sein, wohin sie gehören. Meine Leute sind so einfach,, so deutsefa- — die verstehen das gar nicht. —^ Die Zeitungen! Lassen Sie«ich nicht von ihren hohen Auflagen gefangennehmen. Wer liest». B.„Westland"? Ei® von Juden ganz geschickt gemachtes Blatt. Unsere Funktionäre der Deutschen Front. Ich. Wir müssen informiert sein— aus der Auflage kann man daher auf nichts schließen — Sehen Sie, ich kenne meine Arbeiter. Bin Präses des katholischen Arbeitervereins hier im Orte. Als 1932 Pape» kam mit seinem„autoritären Staat" und gegen den„Versorgungsstaat"... damals waren meine Arbeiter sehr nervös. Warum sind sie heute nicht gegen die„Arbeitsfiont", Weil die Arbeiterschaft sieht, daß es mit den Gewerkschaften zu Ende geht. — Ich habe schon einmal experimentiert. Damals, 1918, waren zwei Drittel meiner Arbeiter gegen mich. Das zweite- mal mach ich so was nicht mehr. Ich geh dorthin, wo meine Arbeiter stehen. — Wie bebandeln Sie die Status-qno-Anhänger im Beichtstuhl, Herr Pfarrer? Mit-clie-lern'-C freien G-u-eD I, ffe,, Ier Sozialdemo- k r• t•>,"' er l\,, ,.i„ei i■ ii ecgere ich die heilig* KuliiOt„„.Ol*. > i Verhindert den neuen Justizmord! B:e Verurteilten im norstWessei-Prozeß sind unsdiiildid! Wenige Tage nachdcin der nächiveislich unschuldige Iung- Qvüciter Joseph Reitinger aus ausdrückliche Anweisung des preußischen Obcrhxnkers Göring auf dem Richtblock in Frankfurt am Main verblutete, verwarf das Reichsgericht die Revision der im sogenanüien 2. Horst-Wcsscl-Prozeß iinni Tode verurteilten antisaschistischen Arbeiter Tally Ebstein und Hans Liegler Beide wurden in die ^ odes.i eilen v.o n P.lotzcnsce überführt. und ihre bevorstehcn.de r i cht« n g wird bereits von her gleichgeschalteten Preise angekündigt. Zip es antifaschistische Arbeiter, deren einzigstes„Verbrecher" ihre Todseindschqft mit Hitler und seinem blutbefleckten System bildet, sind der marternden Qual der TödeszkÜq ausgesetzt, in der Reitinger in langen dreizehn Monaten fast zum Wahnsinn getrieben ivurde. Epstein und Ziegler sind nn- schuldig wie Joseph Rcitinger, den die Blut lichter Görings auf-Grund eines unter ivahnivitzigen Fol- terungcn erpreßten Geständnisses zum Tode verurteilten, dessen Hinrichtung dfx preußische Regierung anordnete^ ob- gleich ihr die internationale juristische Vereinigung in ein- wandfreieii Dokumenten den'Beweis der Unschuld Rct- >Nigers erbrachte. Wieder sollen zwei unschuldige junge Menschen, der Maler Tally Epstein und der Kellner Hans Zicglcr mit ihrem Blut den Schmutz abwaschen, der an dem neuen deutschen„Rationalheros'., dem Zuhälter nnd Arbeitermörder Horst Wessel, klebt. Tie Rote Hilfe Teutschlands, die bereits im ftflü Reitinger der internationalen juristischen Bereinigung aus Deutschland das Material, beschaffte, um de» Rachweis seiner Unschuld zu führen, ist erneut in der Lage z» beweisen: Epstein und Zicglcr sind unschuldig! Göring ivill erneut zwei unschuldige Arbeiter ermorde»! Hermann Kupserstcin. der ehemalige Leiter der R'FB.-Abteilung 1. Berlin-Mitte. der mehrere der in,> Horst-Wessel-Prozeß im Jahre 1931 wegen Beihilfe n»d 'Begünstigung Verurteilten angehörten, und der jetzt im Ausland als politischer Emigrant lebt, übermittelte der Roten Hilfe Deutschlands nachstehende schriftliche E r k l. ä r u u g:. „Auf Grund meiner früheren Funklion als Leiter her RFB.-Abteilung BerUn-Mitte und meiner genauen Orts- und Personenkenntnis des Wohngebietes um den Alerander-Platz. in dem ich lange Jähre politisch gearbeitet habe, erkläre ich an Eides statt, Tally Epstein und H ans Zicglcr haben mit de»! Streit zwischen den beiden Zuhältern H o r st Wessel und Ali H ö h l e r, in dessen Verlauf der ersterc tödlich verletzt wurde, nicht das geringste zu tun. Ich bin bereit, meine nachfolgenden A" gaben vor jedem unabhängigen. Gericht wiederholen und z» beichwören. Ter Maler Tally Epstein, der bei einem Maler Meister in der Tragonerstraße v oder 0 wohnte iiliö ar b-jtete, war an dem Tage, als Ali Höhler in der Wohnung bi-r Krau Salin den tödlichen Schuh ans Horst Wessel ab -gab, tx a-nck nt» 5 b a t»Qä« c r.i g. Ha u s AI e g i e r, ster als stellncr- im. Perkvhrslvfgl der- RHB.-Abteilung Mitte in der Dragonerstvaße 39 arbeitete, nun an dem srag- l chey Abcud im Lokal beschäftigt, wovon ich ryich bei meinen.mehrmaligen. tägliche» Besuchen des.Lokals«v diesem Tage überzeuge» konnte, Beide sind, also überhaupt nicht a» du»,.betreffende» Äbend aus der Straße, geivcse» und daher an den Ereig- »Nissen in dieser Räch! völlig unbeteiligt. ,un 1. Hvrst Wessel- Prozeß, in dem ich wegen Begünstigung angeklagt und zu '■< Monaten Gefängnis verurteilt worden'bin, ist überhaupt nicht von T a l l y E p ste i n und Haus Zi e g ler ge- lvrochen ivordeu. Beide waren weder vorübergehend verbastet noch wurden sie überhaupt von der Polizei oder dein Untersuchungsrichter vernommen. Mir ist daher völlig nn- »krstä'ndlich. mit ivelcher Begründung ein Verfahren gegen sie eröffnet werden konnte. Auch der dritte Angeklagte im 2. Horst-Wessel-Prozeß, Pete r Ttoll der zu 7'/- Ig h r c n Z u ch t h a u s verurteilt worden ist. ist völlig»»- schuldig, denn er kam als Krüppel für eine aktive Arbeit in der RFB.-Abteilung nicht in Frage. Tcho» 1931 organisierte die nationalsozialistische Presse, vor allem der Goebbelsschc„Angriff', eine wüste Mordhctze gegen unsere Abteilung, deren einzige Ausgabe es war, die antifaschistischen Arbeiter unseres Wohngebietes vor den lleberiällen des Horft-Wessel-Tturmes zu schützen, und ins- besondere gegen mich als ihrem verantwortlichen Leiter. To denunzierte mich Goebbels in einem von ihm persönlich gezeichneten Artikel, der mit meinem Bild iin„Angriff' erschien, als den Organisator des Uebcrfalls ani Horst Wessel. Aus ausdrückliches Anraten des Untersuchungsrichters im I. Horft-Wcnel-Prozeß verklagte ich Dr. Goeb- bcls wegen Beleidigung. Aus Grund seiner Immunität konnte sich Goebbels de» Gerichten entziehen. Ich wiederhole nochmals: Tally Epstein und Hans Zicg- ler sind völlig unjchuldig! Tic Arbeiter- und Kamcradcnmörder des blutbefleckten „dritten Reiches", dessen Rationalhcld der Zuhälter»nd G 0119 st e r Horst Wessel geworden ist. wollen zivei weitere antifaschistische Arbeiter abschlachten,»in das Märchen vom nationalen Märtyrer Horst Wessel wieder auffrischen zu könne». Zwei Angeklagte des I. Horst-Wessel-Prozesses Ali Höh ler und Else Cohn wurden bereits im Früh- jähr 1933 im Gefängnis erschlagen. Das Schick- sal der Frau Salm ist unbekannt. Es ist wahrscheinlich, daß auch sie im Gefängnis ermordet wurde. Mit allen Mitteln muß verhindert werden, daß weitere unschuldige Menschen verbluten, um den Zuhälter und Mörder Horst Wessel als unschuldigen Märtyrer zu feiern. Ich appelliere daher an alle Antisaschisien. an alle Gegner der faschistischen Barbarei, an rechtlich denkenden Mensche» Rettet Tally Epstein und Hans Zieglcr vor dem Henker- bcil! Fallt dem Mörder Göring in den Arm! Befreit zwei unschuldige Menschen aus der Oual der Todes- zelle!" gez. Hermann Kupkerstein. * Die Rote Hilfe Deutschlands übergibt diesen Tatsachenbericht der Oeffentlichkeit und ruft alle Arbeiter- erganisativnen und Gewerkschaften ohne Unterschied der Partei und der Konfession aus, sofort die deutsche» Be- bördcn und ihre Vertretungen im Ausland mit einem Protcststnrm von Delegationen Telegrainmen und Resolu- ltone» zu überschütten. „RasseiKchantie" Aber für welche„Rasse" ist die Schmach? Mannheim, 28. Nov.(Inpreß.) Das Mannheimer„Hqkcnkrcnzbanncr" führt seit Tagen eine Pogromhetze gegen ortsansässige Juden, vor allem gegen den Kaufmann Erlanger, den es der„Raiienichandc bezichtigt. In welchem Ausmaß von diesem Raziblatt die niedrigsten Instinkte hochgeipült worden sind, gesteht es jetzt,»»freiwillig zwar, doch deutlich genug» selbst.„Eine Flut von Gemeinheiten und Verdächtigungen hatte unsere Veröffentlichung zur Folge, Völlig Unschuldige wurden mit dem Treiben des Juden Erlangcr in Verbindung gebracht und andere wieder des früheren Umgangs mit ihm beschul- digt. Namen schivirtten hin und her. Vermutungen aller Art wurden laut... man sieht also, daß unsaubere und selbst fragwürdige Personen glaubten, im Trüben fischen und private Verärgerungen an den Mann bringen zu können..." Wer hat diese Schlamm und Lügenslnt erzeugt? Das Raziblatt ist gezwungen, zu erklären:„In der Zwischenzeit hat sich eine der von uns in diesem Zusammenhang genann- tcn Personen. Fräulein Hella L—g, Rheinhäuserstraße, ge- meldet und uns glaubhast nachweisen können, daß sie mit Erlanger im Sinne, unserer Veröffentlichungen nichts zu tun hatte." Weiter:„To kam es. daß man in dem Tagebuch nen Tank, Aber wir haben so vie^e Sie- dichte z» nt Saarkampf erhallen, dah wir nichts mehr annehmen können. das grosse führende Jugendblatt im Kampfe gegen den Faschismus und Krieg ist soeben erschienen. Die Zeitung gehört in die Hände von hundert- tausenden jungen Arbeitern, Bauern, Studenten. EINE KAMPFZEITUNG VON DER JUGEND FUER DIE JUGEND 21 Seiten, reich illustriert, Preis 60 cts., t.'> Happen, 80 Heller.— Hei Bestellung von 100 Stück und mehr hohen Habalt.— FOHDEHT PROBE-EXEMPLARE AM Verlag«FREIE JUGEND» Saarbrücken, Nauwieserrttrasse 48 Für den Kesomtirihalt verantwortlich! Johann Pitz in Dud- weiler: kür Fnserate: Cito Kuhn In Saarbrü:, Ein Land wird interviewt von THEODOR BALK Dr. H ans Neikes Hermann Röchling Jakob Pirro Pfarrer Wilhelm Pete r Kiefer Wilhelm Schmelzer* Pfarrer Nold Minister Zoricic Exzellenz Galli D r. M a r t i n a Direktor Raspail Dr. Velleman Johann Hoffmann M a x B r a u n Fritz P f o'r d t• Philipp D ä u b Julius Schwarz Bergarbeiter Häusfrauen H üttenarbeiter La n d w i r I e Geistliche' Schulkinder und viele andere