Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr 272— 2. Jahrgang Sarbrücken, Donnerstag, 6. Dezember 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Zuchthaus tue rassengemischte£ieAe Seite 2 Peichstagslcandstiftec entlarvt Seite 4 Schule, Peitsche und Judennase Seite 5 Dem„Qcenzland" tum Qcufr Seite 8 Sdiadif siegt Rücktritt maßgebender NSDAP.-Wirtschaftsführer Berlin, 5. Dezember. Wirtschaftsdiktator Dr. Schacht übt gegenwärtig tute lebhafte Aktivität ans. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß in dem Kampf, der hinter den Kulissen Zivischen Schacht und Darre, alsa zwischen dem hochkapi- kaustischen und phrasen-sozialistischen Kurs geführt wurde, «chacht Sieger geblieben ist. Der Sieg des Bank- und Börsenfürsten Schacht offenbart sich vor allem in der Schaffung der Netiorgani- lation des Unternehmertums sowie in dem Rücktritt des Grafen von der Goltz. Offiziell wird er da- mit begründet, daß mit dem neuen Gesetz über die Schaffung einer Unternehmerorganisation für ihn eine Tätigkeit als Führer der deutschen Wirtschaft„kein Raum mehr" vorhanden sei. In Wirklichkeit aber ist dieser Rücktritt darauf zurückzuführen, daß die neuen Aiaß- nahmen Schachts in schärfstem Widerspruch mit den frü- Heren Erklärungen der nationalsozialistischen Führer über den nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedanken stehen. Auch soll, wie wir hören, der Präsident des dcut- Ichen Industrie- und Handelstages. Dr. von Renteln, einer der Vorkämpfer des Korpora- tiven Gedankens in der deutschen Wirtschaft, von seinem Posten zurückgetreten sein. * Ein weiterer Personalwechsel, und nicht der letzte, wird heute in Form eines mehrwöchigen..Krankheitsurlaubs" des Präsidenten Dr. Kleiner vom Deutschen Spar- Kassen- und Giroverband, der Spitzenorganisation der deutschen Sparkassen. bekannt. Nach unseren Informa- tionen wird er nicht wieder auf diesen Posten zurück- kehren. Auch der stellvertretende Präsident Dr. Weil ist aus„Urlaub" gegangen. Diese Personaländerung dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, daß nach Ansicht der Sparkasscnorganisation die Sparkassen bei den Verhandlungen der Banken-Enquete zu schlecht ab- geschnitten haben. An Stelle von Dr. Kleiner ivird zu- nächst vorläufig Staatssekretär Dr. Tcharz Kopfs, der Generaldirektor der Landcskreditkasse und Giro- zentrale Kassel, mit der Leitung des Sparkassen- und Giroverbandes beauftragt. Dr. Schwarzkopff war vom August 1S3Z bis zum nationalsozialistischen Umschwung im Febxuar 1933 Staatssekretär im Reichswirtschaftsmiiiiste- rium als Nachfolger von Dr. von Trendelenburg. ^Der Rücktritt dieser Männer und'die neuen Gesetze Schachts bedeuten die Abkehr von dem natiö- n a I s o ,z i et l i st i f ch c n W i r t s ch a f s p r o g r a m m. das bekanntlich seinem Wortlaut nach„unabänderlich" ist und für dessen Durchführung die Führer ihr Leben ein- setzen sollten. Von all diesen hochtrabenden Worten und Versprechungen ist nichts als das Gesicht c i n e s s ch r a n- k e n l o s e n H o ch k a p i t a l i s in u s geblieben. v!e neuen SeseZie Von den verschiedenen Gesetzen, die soeben vom Reichs- kabinctt auf Vorschlag Schachts verabschiedet wurden, ist von ganz besonderem Interesse das A n l c i h c st ö ck- gcsctz, das eine Ergänzung zu dem a»t 39. März 10:14 erlassenen Kapitalanlagegesetz darstellt. Danach dürfen Kapitalgesellschaften von ihrem Gewinn nicht mehr als sechs Prozent des eingezahlten Kapitals in bar ausschütten. Hat jedoch eine Gesellschaft im Vorjahr mehr als sechs Prozent Dividende verteilt, so ist eine Varansschüttnng des Gewinns bis zu acht Prozent zulässig. Der Mehrbetrag des de» Gc- sellschastern zur Verfügung gestellten Gewinnes mus, als Anlcihestock zur Verfügung gestellt werden und darf erst nach vier Jahren unter die Gesellschafter ausgeteilt werden. Den für de» Anleihestock bereitzustellenden Betrag darf die Gesellschaft nicht mehr selbst anlegen, sie hat ihn der Deut- scheu Golddiskontbank zu überweisen, die ihn für die Gc- sellschast nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen anzu- legen hat. Der Anlcihestock gehört nicht mehr zum Vcr- mögen der Gesellschaft. Praktisch stellt also dieses Gesetz nichts'anderes als eine neue Steuer dar. Das Unternehmertum wird aber von diesem Gesetz zu einem n»r geringen Teil erfaßt, da die Zahl der Gesellschaften mit einer solch hohen Dividenden- ausschüttung außerordentlich klein ist. Nach fachmännischen Berechnungen kommen dafür nur ungefähr sieben bis acht Prozent aller Kapitalgesellschaften in Frage. Die Beträge, die aus Grund dieses Gesetzes an die Deutsche Golddiskont- bank abgeführt werden, werden aus etwa 4» Millionen Reichsmark geschätzt, wobei sie für die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung bereitgestellt werden sollen. Bezeichnend ist auch das Gesetz über die Unterkunft der Baute n. Es wird in diesem ausdrücklich erklärt, daß Star?.aller hmnnirr Der Fall Brüchner: wegen nationalsozialistischer Betätigung abgesetzt und ausgestoßen Berlin, den 5. Dezember. Tic von uns seit einiger Zeit berichtete Spannung in den hohen Regionen der NSDAP, hat soeben zu einer ersten Er- plosion geführt, die zeigt, wie schwer es ist, die geplanten personellen und sachlichen Aendcrungen bis nach der Volks- abstimmnng an der Saar zurückzuhalten. Tic Nationalsozia- listische Korrespondenz meldet: Der Führer hat, wie die NSK. meldet, den Gauleiter von Schlesien, Helmut Brückner, wegen partci- schädigenden Verhaltens seiner Stellung als Gauleiter enthoben und aus der Partei ausgc schlaf- s c n.— Der preußische Ministerpräsident, General G ö- ring, hat den Obcrpräsidenten von Schlesien und prcnßi- scheu Staatsrat Brückner seiner sämtlichen staat- l i ch c n A c m t c r und Funktionen enthoben, nachdem der Gauleiter Brückner vom Führer wegen Partei- schädigenden Verhaltens feiner sämtlichen Partciämter vcr- lustig erklärt und aus der Partci ausgeschlossen worden ist. Brückner ist der Führer nnd Begründer der nationalsoziali- strichen Bewegung in Schlesien, an deren Spitze er seit 1W ununterbrochen gestanden hat. Schon vorher hatte er das völkische Organ„Schlesjschc Bolksstimmc" gegründet, der im Laufe der Fahre einige weitere ZeilungSgründungcn folg- ten. Seine Zeitungen erlaubten ihm sehr im Gcgenjatzc zu den Partciangcstcllten eine starke Unabhängigkeit in der NSDAP., und er hat immer wieder betont, daß er seinen Gau ehrenamtlich führe. Brückner hat den typischen Lebenslauf so vieler hoher Füh- rer der Nationalsozialisten. Als ISjährigcr ging er im Fahre im4 kriegssreiwillig ins Feld. Er wurde Offizier und setzte nach dem Friedensschlüsse, der ihm keine Möglichkeit zu einer bürgerlichen Existenz bot, das kriegerische Leben fort. Er wurde Gruppenführer beim deutschen Selbstschutz in Ober- schlcsien, wo er mit Heines und anderen späteren national- sozialistischen Größen Beziehungen anknüpfte. Seine poli- tische Betätigung hat sich stets in seiner schlesischen Heimat, mit der er sehr verwurzelt war, abgespielt. Seit dem Fahre 1980 gehörte er dem Reichstag, seit dem Fahre 1932 dem preußischen Landtag an. Als Oberpräsident hat er wiederholt schwere Zusammen- stöße mit den großagrarischcn schlesischen Magnaten gehabt. Brückner bekannte sich öffentlich als B o d e n r e s o r m c r und Sozialrevolutionär. Er bewegte sich dabei ans einer Linie mit dem p.ommerschen Gauleiter K a r p e n st e i n, der schon vor einigen Monaten aus seinen Ämtern geflogen ist. und mit dem ostpreußischen Obcrpräsidcntcn E r i ch K o ch, um den sich Stille ausgebreitet hat. Von seinem großen „Erich-Koch-Plan", der Ostpreußens Industrialisierung vor- sah, hat man seit Monaten nichts mehr gehört. Unruhige vorwärts drängende Geister sind bei dem„Führer" nnd Reichskanzler nicht mehr beliebt. Am vergangenen Sonntag hat wieder einmal die TA. per- sucht, einen Beweis ihrer Existenzberechtigung zu geben, in- dem sie überall im Reiche große Aufmärsche inszenierte, aber diese Paraden machten nicht mehr viel Eindruck, weil man allgemein glaubt, daß die Bedeutung der TA. und ihrer Füh- rer vorüber ist. Es klang verdächtig an die letzten Reden Ernst Röhms an, wenn sein Nachfolger als Chef des Stabes, Pg Lutze, in Hannover sagte:„Wenn man in den lebten Monaten sagte, die SA. sei überflüssig, so darf man daraus sagen: Die Ausgaben, die wir bis jetzt geleistet haben, sind gering zu nennen gegenüber den noch zu er- füllende n." Größere Ausgaben für die SA. als Exerzieren und gc- legentliches Paradieren, Bespitzelung von politischen Geg- nern und Einschreiten gegen Gerüchtemacher, die aber in der SA. selbst massenhaft vertreten sind, scheinen nicht mehr vorzuliegen. Ter„Führer" und Reichskanzler trennt sich von seiner alten Massenbasts und ihren alten Vorkämpfern. Sein Ehr- geiz ist, den Weg zu gehen, aus den ihn die konservativen, kapitalistischen und militärischen Kräfte des Reiches und aus- ländische Mentoren vegweisen: Liquidierung des National- sozialismus bis aus die Reste einer systemtreuen Präto- rianergarde und rücksichtsloses gewaltsames Niederhalten aller radikalen Elemente. So erhält der„Führer" die Sicherheit, daß ihm die Reichs- wehr, die nur die Aufrüstung von ihm verlangt und erwartet hat, daß ihm die hohe Bürokratie, die Ruhe im Staate braucht, daß ihm die Industriekapitäne, Großgrundbesitzer und Bank- und Börscnfürsten, die sozialistische Experimente fürchteten, das Zeugnis des Wohlverhaltens ausstellen. To würde er sich als Geschäftsführer des konkursrcifen beut- scheu Kapitalismus noch eine Weile halten können. Inzwischen breitet sich aber die Enttäuschung bei den be- trögenen nnd verratenen Schichten, die diesen Man» in gläu- biger Einfalt hochgetragen haben, immer weiter aus. Der Fluch des Verrates heftet sich gerade aus den Reihe» ferner bis dahin treuesten Anhänger an den Namen Adolf Hitler. Er steht mehr und»lehr als der Funktionär, als das Werk- zeug reaktionärer Schichten vor dem erwachten Volke. Noch ist die Opposition, die von Tag zu Tag wächst, aus viele Gruppen verteilt. Es ist uns die Aufgabe gestellt, diese viel- gestaltige Opposition zu einer großen Macht zu einen. Nicht unter abgebrauchten Srhlagwnrten und nicht mit dem Blick ans überlebte Gruppierungen„Rechts" und„Links", sondern mit dem Willen, alle Deutichen zu vereinen, die der Nation einen großen volkssozialistischen Durchbruch gemeinwirt- schaftlicher Ordnung und geistiger Freiheit erkämpfen wollen. Äiitfi in Danzig, 5. Dezember. Der frühere Leiter der Tanziger Senats presse- st e l l e, Streiter, der vor einigen Tagen vom Gauleiter von Danzig aus der NSDAP, ausgeschlossen wurde, ist von der Kriminalpolizei verhaftet worden und befindet sich in Untersuchungshaft. Wenn es sich um kriminelle Gründe handelte, würde man sie gleich angegeben haben. ES ist anzunehmen, daß der Sturz Streiters mit den in- neren Kämpfen der Partei zusammenhängt, die vor einigen Tagen zum Rücktritt des Senatspräsidenten Rauschning geführt haben. Protessor Ltiscgäng Dank des Vaterlandes Professor Dr. Leisegang in Jena, der vor einigen Tagen aus Grund der Verordnung zum Schuhe der Regie- rung der nationalen Erhebung gegen heimtückische Angrisse zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist nunmehr aus dem Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpserbund (Stahlhelm) ausgeschlossen worden. Leisegang ist mehrfach verwundeter, mit hohen Orden ausgezeichneter Kriegsteilnehmer. Er gehörte seinerzeit zu den wildesten Gegnern Professor Lcssings in Hannover. in Zukunft für eine angemessene Unterkunst der Arbeiter bei Außenarbeiten und zur Beseitigung gesundheitsschädigender Einflüsse Vorsorge getrosscn wird. Damit werden amtlich wieder einmal, wie so oft, nachträglich unsere„Greuel- märchcn" bestätigt, daß Arbeiter, die zum Bau von Auto- straßcn, Tiefbauten usw. herangezogen wurden, bisher unter denkbar schlechtesten gesundheitlichen Verhältnissen arbeiten mußten. Ein andere? Gesetz befaßt sich mit der Erweiterung der Befugnisse des R e i ch s k o m m i ff a r s s ü r Preisüberwachung. Das Gesetz dehnt die Befugnisse des Rcichskommissars Über den Kreis der täglichen Bedarfs- dcckung hinaus aus gewerbliche Leistungen und Lieserungen überhaupt. Auch damit hat die Richsrcgicruug selbst zuge- geben, daß ihr Kampf gegen die Kleinhändler und Hausierer praktisch einen Kampf gegen Windmühlen bedeutet. Jetzt soll der Versuch gemacht werden, auch eine Senkung der Roh- st offp reise und der F e r t i g wa r e n e r z c u g n i s s e beim Lieferanten herbeizuführen. Der Reichsnährstand ist aber von dieser Maßnahme noch immer nicht berührt, so daß die Lebensmittelpreise weiter aus dem erböbten Niveau bleiben. Das Urteil gegen Anton Brüning Acht Jahre Gefängnis wegen Untreue, Betrugs und Konkursvergehens Köln, den.5. Dezember 1934. Im Br,i»i»g-Prozeß wurde das Urteil gesprochen. Ter Angeklagte wurde zu einer Geiamtstrase von acht Iah- ren Gefängnis und zu drei Jahren Ehrverlust wegen fortgesetzter Untreue in Tateinheit mit Betrug in zwei Fällen, wegen weiterer drei Betrugssällc und wegen Kon- kursvergehens verurteilt. Au» der Urteilsbegründung In der Urteilsbegründung sagte Landgerichtsdtrcktor Dr. Fe Hr. der.Angeklagte habe nur das einzige Bestreben gehabt, sich unbegrenztes Vertrauen zu erwerben, um unter skrupelloser Ausnutzung dieses Vertrauens seinem mahn- witzigen Erwerbssinn nachzugehen und Vermögen zu erraffen. ES sei eine Verfallszeit s o n d e r g l e i- chen gewesen, der Besitz habe als einziger Gradmesser menschlicher Werte gegolten. Nur in solcherZeit sei die Er- fcheinung eines Dr. Brüning denkbar. Jeder habe ihn für einen Herrscher i m Reiche des Geldes gehalten, für einen eifrigen Förderer von Kunst und Wissenichast, und alles habe er nur von fremdem Gclde geleistet. Sei» Name sei nur mit Ehr- knrchi genannt worden, wer hätte gewagt. gegen ihn etwas zu sagen? Er sei der opferbereite Parteimann gewesen, und niemand habe gewußt, od bei seinem Aus- und Eingehen in die Reichskanzlei der damalige Reichskanzler nur sein RameuSvetter gewesen sei.(!) To habe er als Erponent des allgemeinen Vertrauens gegolten, als Bierde der Partei, als treuer Tohn der Kirche, als erfolgreicher Finanz»,an». Immer wieder müsse man srage». wie daS möglich gewesen sei. Man habe eben die Tünche iür Wahrheit genommen, und man könne nur wÜnschcn. daß dicse Zeit jetzt vorbei sei. * Man sieht, der Herr Laiibgerichtsdirektor Dr. Jehl hat fromme Wünsche. Es gehört zu jedem„richtigen" Urteil gegen einen Bankrotteur, die Jahre vor Hitlers Macht- «rgrcifung als„Verfallszeit" zu bezeichnen. In Wahrheit hat die Korruption nie so geblüht wie heute. Rur ist sie jetzt „total" legalisiert. ES gibt kein Parlament als öffentliche Kontrollinstanz mehr. Kein Richter wird wagen, gegen einen führende» Nationalsozialisten vorzugehen, solange er»och vom braunen Orden beschützt wird. Millionen wissen bereits, wie dick die Tünche ist, die die Wahrheit verbirgt, und auch die Herren Nichter würden es bekenne» müssen, wenn sie noch in einem Rechtsstaate amtierten. fte'ne WeiKinodi^rallfihallonen „Alle Anträge sind abzulehnen" Berlin, den 4. Dezember 1934. Im Hinblick auf Anträge, die aus Gewähr»»» von Weihnachtsgratifikationen an Angestellte und Arbeiter von Körperschaften des ö t f c n t l I ch e n:>t e ch t s im Ginne der ziveitcn Gehaltskürznngsverordiiung abziele», Hai der Reichsfinanzminister in einem Rundschreiben gebeten, solchen Bestrebungen, die Tondervorteile für einen kleinen Teil der im öffentlichen Dienst beschäftigten Arbeiter und Angestellte» bezwecken, von vornherein entgegen- zutreten. Er bittet ferner für seinen Geschäftsbereich von Anträgen auf Bewilligung von Weihnachtsgratisita- tioncn abzusehen, da derartigen TonderbrwiUignngcn auch ausnahmsweise nicht zugestimmt werden könne. Die Gemeinden und Gemeindeverbände sowie ihre gemein- und gemi'^tivirtschastliche» Betriebe sind verpflichtet, etwaige Anträge abzulehnen. »er Korruplionss'aaf Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte das Landgericht in Halle de,, Angeklagten Edwin Tchuchardt. der als Be- triebszellcnobmann Unterschlagungen begangen hatte, wegen fortgesetzter Untreue und in einem Falle wegen einfacher Urkundeniälschuna zu zwei Jahre» Buchthaus, drei Jahren Ehrverlust. Das strenge Urteil wurde damit bc» gründet, daft Tchuchardt durch sei» Verhalten das Vertrauen der gesamten Belegschaft eines Betriebes mißbraucht und durch leichtsinniges Wirtschaften mit den mühsam zusammen- gekommenen Tpargcldern daS Wohl vieler Volksgenossen geschädigt habe. zuditbans für rassengemlsdrie liebe 50». mutige /lerne" fordern es- Das Resultat einer Sireldier-Rede Wir sind es gewöhnt, in kurzen Zwischenräumen aus Streichers Bezirk»mmer neue Proben des bran- nen Irrsinns zu empfangen. Fünfhundert deutsche Aerzte versammelten sich in Fürth und faßten einen Beschluß, der in der ganzen Welt das Ansehen der deutsche» Wissenschaft nicht unerheblich mehre» dürste. Aber höre» wir die Tatsachen: Die„Fränkische Tageszeitung" vom 3 Dczcm- bcr berichtet unter der Ueberjchrifl:„Eine mutige Entschließung'!" über eine Versammlung von 599 deutschstämmige» Aerzten in Fürth, bei der nach einem Vor- trag des Professors Lnrenbnrger und einer Rede des Gau- leitcrs Ttrcicher ein Telegramm an den Rcichsinnen- minister Dr. Frtck gesandt wurde, in dem es u. a. heißt: „Als natürliche Folge ihrer weltanschauliche» Schulung durch den Gauleiter Julius Streicher einerseits und der rasscnpolitischen Ausführungen mit den entsprechenden Tchlußcrgebnissen des heutigen Abends andererseits ge- statten sich die hier Versammelten an Tie die Bitte zu richten, baldigst dem schon in Kraft befindlichen Arier- und Erbgesundheitsgesetz den selbstverständlichen, natur- und volksnotwendige!! Abschlußparagrafcn folgen zu lassen, des Inhaltes, daß jede versuchte körperliche Gemeinschaft zwischen deutscher Frau und Iudenstämmling genau so wie die vollzogene mit schiverstcr Strafe geahndet wird, bei der deutschen Frau mit der Aberk«nn»na der deutschen TtaatSzugehörigkeit, Vcrbringung in ein Arbeitslager und bei vollzogener körperlicher Gemeinschaft mit einem Iudenstämmling mit Unfruchtbarmachung: beim Juden- stämmling mit ebenfalls sofortiger Aberkennung der de»t- scheu TtaatSzugehörigkeit. mit Bc.chlannahmc seines ge- samten Vermögens, mit mindestens fünf Jahren Zucht- Haus und nachherigcr sofortiger Ausweitung ans Deutsch- land als unerwünschter Fremdrassiger." Das Telegramm ist unterzeichnet: I. A.: Dr. Dr. A. Streck. TA.-Tan.-Brigadcführer. * Die deutschen Intellektuellen sind in politischer Hinsicht in der ziviliiiertcn Well nie besonders hoch einaciä>ätz> worden. Die geistige Unterwerfung unter die Gedanken des minder- ivertigcn Streicher werden die Mißachtung der Welt ver- .lesen Bis ictzi hat sich immer noch herausgestellt, daß die nationaliozialisti che Entwicklung der radikale» Einstellung sola! ES Ist also in Zukunft damit zu rechnen, daß die Rasscnsraae keine Abschwachnng sondern eine Verschärfung erfährt. Tic beginnt bereits ins Groteske sich zu steigen. Der Schluß des Telegramms an den Reichsinuenminister steigert freilich noch die Zuchthaus-Enekte des Anfangs. Es heißt dann wörtlich: „Dentschland muß leben. Und Deutschland kann nnr leben, wen» lein Volk am Leben bleibt. Und das deutsche Volt bleibt nnr am Leben, wenn es ab sofort seelisch und körperlich rassisch rein erhalte» wird. Und seelisch- körperlich rassisch rei» kann das deutsche Volk nnr werden, rnrlw&nglcrs Abgesang wenn a b sofort durch vorerwähnte Maßnahmen Strafandrohungen praktisch jede weitere jüdisch-rassische Vergiftung und Verseuchung des deutschen BlnteS»er- hütet wird. Wer deutsches Blut vergiftet oder vergiften 1W> vcx: giftet oder läßt dami» das deutsche Volk vergiften. Und wer das deutsche Volk vcrgistet, begeht Landesverrat. Und Verräter ihres eigene» Landes gehören mit Schimpf und Schande ans der VoltS- gcmcinschast bzw. ans dem Jtaatsvcrband ausgetilgt." „Ab sofort" nahmen also diese denischen Aerzte eine Eni- schließung an, die„ab sofort" für alle Zeiten in die Welt der Wissenschaften als einzig dastehende Kuriosität eingehen wird. Hie» sind die Praktiken des Mittelalters, die wir in allen Büchern aus den Anfängen der Medizin belächeln, ivcit übertrafst« worden. Hier grüßt nicht nur das Mittel- alier. Hier brüllt der Urwald. -ü Es gibt nur eine psnchvlogischc Erklärung dafür. Die Aerzke hörten sich vorher eine Ansprache Julius Streichers an, «vorüber die„Fränkische Tageszeitung" in einem illustrierten Aufsatz berichtet: „Nichts war natürlicher, als daß Julius Streicher gerade vor Aerzten z» diesem Thema das Wort nahm, über das er ans dem Schatz keiner reiche» Erfahrungen, die ihm dir jahrelange Arbeit in der Rassenfrage gab, als sogenannter Laie gerade Fachleuten viel zu sagen hatte. Die Erfahrung lehrt, daß der Welt das höchste Willen, das Erhabenste o»t von äußerlich n»bedeuten- den, von äußerlich kleinen Nienschen ge- schenkt werde. Deshalb ist es ivichtig, daß die notwendige Ausklärungs- arbeit in den breiten Massen deS Volkes gerade von den „Laien" vorangctragen wird.„Wenn der Kamps der ver- lachte» iind verspottete» Nichtwisscnichastlcr. der Laien, nicht gewesen wäre, dann könnte heute die Fachwelt nicht an? so b r e i t e r B a s i s arbeite n." Ernste Worte fand der Frankeniiihrer, als er von der Ausmerzung de» j ti d, i ch> m a t e r i e l l c n Denkens im Aerztestanb sprach Noch gibt es zu viele Akademiker, die den Weg zum Volk nicht gesunde» haben. Mit warmen Worten dankte der Gauleiter allen denen, die sich ehren- amtlich in den Dienst der Sache gestellt haben, die mit daran arbeite»„daß ein Aerztestand entsteht, der hin- e i n p a ß' i n ein Reich von dem Adolf Hitler sagt, daß es tausend Jahre bestehen ivird!" Die ernsten Gesichter der Zuhörer bewiesen, daß Julius Streicher, der„Laie", gerade diesen Männern, die Fach- lcutc sind, den Aerzte» viel gegeben hat." Wir streite» nicht ab. daß diese Aerzte ins Hitlerreich hin- einpassen. Von der„breiten Basis" der braunen Pathologie sind auch die Aerzte nicht ausgeschlossen. DaS Resultat ihrer Begeisterung über die Rede Streichers ist das obige Telegramm. Die le:z e große DirgentenpersünKdikelt Oeutsdirands regt alle Ämier nieder Wilhelm Fnrtwängler, der patentiert reinrassige Dirigent, eine der wenigen bedeutenden künstlerischen Per- sönlichkcitcn, die dem«dritten Reich" noch verblieben waren, hat demonstrativ alle seine Acmter niedergelegt. Er«vor Vizepräsident der Reichsmusikkamlncr. Leiter des Berliner Philharmonischen Orchester» und Operndirektor Jodcnhelze in Oesterrcidi Pro.'esüersamm ung in Wien- erregte Stimmung In der Provinz Wie», den 39. November 1934. In Oesterreich wirb gegenwärtig ein Buch verbreitet, das den Titel führt:„G i b t es> ii d i s ch e:>i itnal m o r d e?" Sein Verfasser nennt sich Ehrt st Inn L o g e. Das Buch ist im lllrich-Ntojer-Verlng, vereint mit dem Stnria-Verlag Graz-Leipzig, einer der größten katholischen Verlags- anstallen, erschienen und in der Universitätsdruckerei „Styria" in Graz gedruckt. Es wird in Oesterreich frei vertrieben»iid bisher hat noch kein Staatsanwalt dieses Buch, das zweifelsohne den Tatbestand der Aufreizung zu Feind- seligkeiten gegen die jüdische 9ieligionsgescllichns> lii 30:.' des Strafgesetzes> und der Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Rcligiviisgciellschast IS 808 des TtrafgeieveSi bildet, be- schlagiiahint und ein Strasveriahren eingeleitet. Das Buch bringt eine 3! eiste Abbildungen von angeblichen R i t»« l i z e n e n. Auf einein Bilde z. B sieht man schon fünf Klnoerleschetr aus der Erde liege», während die Jude,, dein sechsten Kinde das Blut abzapten. Der Autor des Buches untersucht„wisi'enschaillich" die Frage des Ritualmordcs. Er teilt die Juden in Israeliten und I n d a i st e n ein. Die Israeliten loben nach Gottes- gebot, die Indaiuen aber sind diejenigen, von denen alles Böse komm«, auch der Ritnalmord. ...-Bon dieser Erkenntnis ans ist es nun aber nicht mehr schwer, in weiterem Schlüsse zu verstehen, wieso fanatische Iudaiste» dazu kommen konnten, nach Erneuerung und Fortsetzung dieses nach ihrer Auffassung golt.'sdiciistlichcn Haß- und RacheopIcrS zu streben. Daher.Hosticnschändnng, Durchbohrung, Zerfleisch»»«. Annageln»« deS konsekricrten Opserbroies. in dem, wie die Juden wußte», dte Christen den darin verborgenen atntntv^ rt,n m Erlöser verehrten. Daher Kreuzigunc, und sonstige blutige Opferungen von in Christi Namen tWesens Getauften, dadurch z» Gliedern seines mystischen Leibes gewordenen Christen... Insbesondere der abeialäubisch-zaubcrjsche Gebrauch von Christen- blut Ist, wie schon erwähnt, eine snbaistisch-dämonische Ver- zerruna des von Christus gebotenen Genusses des Fleisches und Blutes des Erlöser» in der christliche» Kommunion. Der jüdische Blutaberglaube, so groß auch die Rolle sein mag, die er im einzelnen Falle bct denjenigen spielen mag, die sich mit der Christciischlach- beschäftige», ist doch nur unwesentliches Ranktnw.rk, um das Wesen der Sache gewachsen ist: um die Opfer- l>tillig. Diese ist der Kern der Sache: eine gvitesdicilst tnng das liiii schlachtung..... W>■ kiche, also eine rituelle Handlung— Indem die gesamte Jiidenichast(mit verschwindende», die Regel bestätigenden Ansnnhiuenl die nnleugbare Talsache des Ritnalmordes bei einer Tekie indischer Cinaeweihter mir typisch einmütigem Fanatismus auch aegen die nniviberleglichsten Beweise ab- leugnet, ivie die überwiesenen Mürber von Tiszla-Cszlar und Polna leugneten, und indem die gesamte Iudenichait die Ritual»,vrder in jedem Falle ti,pisch-ei,ii»ütig deckt, verrät sie den Zusammenhang des Rltualmordeo mit dem sudatsti- scheu Roneninstinkt." Das Buch kommt bann, nachdem es eine Reihe von ..Rltualmvrben", so die Geschichte verschiedener heiliger Märtnrerkinber, insbesondere die Geschichte des Knaben Sinivii von Trient darstellt und mit abscheuliche» Bildern illustriert, zu der Schlußiolgcru»g, daß es Ritualmorbe bis in unsere Zeit gebe. Protestkundgebung der Juden Tie jüdische Bevölkern»a Oesterreichs ist über die Tat- fache, daß ein solches Mordwerk in der gegenwärtigen Zeit verbreitet wird, anßerorbe»tlich erregt. Bis jetzt ist jedoch keine Beschlagnahme criolgt. Am Montagabend fand nun in Wien eine jüdische P r o i c st k ii» d g c b»» g gegen die Ritualmordliteratur statt, in welcher der Vizepräsident der Kulturgemeinde. Dr. Joses Löwenherz und der Präsident des zionistischen Landes- Verbandes. Dr. Oskar Grünbaum, das Wort ergriffen. Die Versammelten protestierten stürmisch gegen die durch das „Styria"-B»ch den Inden zugefügte Beleidigung sowie da- gegen, daß diese Schrift in Oesterreich unbeanstandet vertrte- ben werde» darf. Dte Versammln»« nahm eine Resolution an. die die sofortige Beschlagnahme des Buches durch die Regierung verlangt. Die Wiener israelitische KultuSgemcinbc ist. wie mir hören, bei den koinpcteiiten Behörden bereits eingeichrttten. In der Oeifentlichkeit wird außerdem noch darauf ver- wiesen, daß der Direktor der„Ttyria", die das Buch herausgegbcn hat. der gegenwärtige Landeshauptmann von Steiermark, Dr. Sic van. ist der Berliner Staatsvper. Lakonisch wird in amtlicher Meldung mitgeteilt, daß die Minister Gvcblxls und Göring seine Abschiedsgesuche bestätigt hätten. Der unmittelbare Anlaß zum Konflikt ist de» Leser» be- kannt. Furtivängler hatte es in einem Leitartikel der„Nord- deutschen Allgemeine» Zeitung" gewagt, für den Komponisten H I n d e m I i h einzutreten. Hindemith war aber von den braune» Knlturdiktatorcn aus die AechtungS- und Boykott- liste gesetzi worden mit der Begtündung, er sei„nichtarisch versippt", er sei der Typus des kulturbolschewistischen Form- zerstörers. er sei ein Kunluntiurmusiker, der seine zersetzende Musik auch im„dritten Reich" in geschickter Anpassung an die neue Lage fortsetzen wolle. Wilhem Furtivängler vertrat eine gegenteilige Meinung. Cr bekannte sich zur hohen Begabung Hindemiths. Deutsch- land könne es sich einfach nicht leisten, seine beste» künstelt» schcn Kraste z» verstoße» lahmzulege» oder in die Fremde zu treiben, den» es sei wahrhaftig mit genialen musikalischen Gestallen nicht allzu viel gesegnet. Nun öffneten sich alle braunen Schleuse» gegen Furtwäng- ler. Die„Reichsamtsleltnng der NS.-Klturgcmci»schafl" legte„B e l iv a h r u n g" ein. Ed müsse ihm„mit alter Tcul- lichkeil" gesagt werben, daß sein Versuch, die sachliche Ab- tchiliiiig eines Kulturbolschewisten als politisches Denn»- zianientum zu diskriminieren, entschieden zurückgewiesen werde. Noch toller trieb es freilich der„Angriff" des Herrn Goebbels. Hier hieß es. im Volke nenne man Hindemith „Hundemtst" Furtivängler mache sich mit seiner Angst, daß Hindemith auswandern könne, nur„lächerlich". Furtivängler hatte sein möglichstes getan, um sich mit dem „dritte» Reich" einzurichten. Er hat, wenn auch nicht ganz ohne Widerstand, die Versehmung nichtarischer Künstler mit» gemacht und zugesehen, wie die besten Konzertmeister seines Philharmonischen Orchesters herausgeivorfen wurde». Mau schickte ihn ans Gastrciscn zur künstlerisch?» Glorie des „dritten Reiches". Aber in dem Angeiibltck. als cr es wagte, mit einer eigenen Meinung über eine künstlerische Frage hervorzutreten, wurde er nicht anders behandelt wie alle dte übrigen Mißliebigen. In Deutschland wirb er kaum noch dirigieren können, genau so wenig wie Walter und Klempercr. Der Verlust der letzten großen Tirigentenpersönlichkett ist eine kulturpolitische Bloßstellung deS„dritten Reiches". Außerdem wirb an einem besonders wirksamen Beispiel wieder einmal bc- wiesen, daß jeder Gleichfchaltungsversnch, der eine Bcr- stänbigung zwischen schöpferischer Leistung und brauner Totalgewalt erhebt, zuletzt scheitern muß. ^»DEUTSCHLAND SMAZHITLED Alles fiir Deafsdiland" Die deufsdicn Saar-Honzessionen Aber nicht für„Heil Hitler!" __ttiitige Tage lang versuchte man die Gründung des „Deutschen Volksbundes fiir christlich-soziale Gemeinschaft" AU bagatellisieren. Diese Taktik hat man schon ausgegeben, veute erscheint in allen gleichgeschalteten Saarzeitungen ein Gegenausruf, der angeblich von UMIO Angehörigen beider Konfessionen unterzeichnet sein soll. Das kann leicht möglich sein, den» da bekanntlich ohnehin 99,9 v. H. der Saarbevöl- kerung in der„deutschen Front" organisiert sind, bestehen keine Schwierigkeiten, 1000 Adressen unter einen Aufruf zu schreiben. lkns macht in der Kundgebung ein Sah vor allem Span: Wer gemeinsam mit Marxisten, Kommunisten, Laizisten und Atheisten, also dem wirklichen Anti-Ehrist, fiir Christus kämpfen will, kastn sich nun und»immer als Verfechter christlicher Ideale bezeichne». Das soll gegen die neuen Christlich-Tozialen gerichtet sein, die aber der Vorwurf gar nicht trifft, denn sie haben sich in ihrem Aufruf ausdrücklich von den Marxisten distan- ziert. Wohl aber trifft der Vorwurf die allermeisten der unter dem Ausruf stehenden früheren Angehörigen des Zentrums und anderer Mittelparteicn, denn sie haben von 10t0 an big nahe an die sogenannte„nationale Erhebung", also bis lief in das Jahr 1932, mit„Marxisten, Laizisten und Alhei- stcn" friedlich und kameradschaftlich in viele» deutschen Re- gicrnngen gesessen. Keiner der Herren wird bestreiten können, dast die christlichen Kirchen beider Konfessionen sich unter der Regierung von„Marxisten und Atheisten" viel wohler befunden haben als unter dem Regime„positiven Christentums", das sich im Reichstagsbrand, in Folterhöllen, am 30. Juni liub im Sturm auf Pfarrhäuser und katholische Vereinsheime, ja sogar auf Kirchen so herrlich offenbart hat. Katholikenfiihrer, Marxisten und Atheisten sind gemeinsam unter„Heil Hitler" gefoltert, ermordet, eingeäschert,„auf der Flucht erschossen" oder in den Konzentrationslagern gc- quält worden. Warum sollen sie also nicht auf getrennten Wegen für das gemeinsame Ziel kämpfen,„Alles fiir Deutschland, unser Deutschland"? Wir nehmen diesen Ruf, der da gegen die neue christlich- soziale Gründung wie gegen uns geschlendert wird, mit Freuden aus und stellen zugleich fest, das, er weder mit dem Grus,„Heil Hitler" schließt, noch den Namen des sogenann- ten„Führers" an einer anderen Stelle erwähnt. Ist man schon so weit, Herrn Hitler nicht mehr als zug- kräftig anzusehen? 'M:'■'":-r kritisches Konsulat in Saarbrücken Vor einiger Zeit ist ei» französisches Konsulat in Saar- brücken errichtet worden. Jetzt meldet die„Times", das, auch Grostbritannien ein Konsulat i» Saarbrücken einrichten wird. Zu seiner Leitung ist der bisherige britische Konsul in Funchal aus Madeira nach Saarbrücken beordert worden. Gens,."*>. Dezember. Der gestrige Tag stand im Zeichen zahlreicher Verhandlungen zwischen den Mitgliedern des Dreieransschnsscs und einigen führenden Staatspolitikcrn So verhandelte Baron A l v i f i mit L aval u n d L o r b E d e n. Auch der Präsi- dent der RegierungSkv»,Mission, Knox, stand den ganzen Tag über in Verhandlungen mit Mitgliedern des Dreier- ausschusses. Diese Besprechungen hatten den Zweck, den Be- richt des Trcisrausschusses, der heute dem Völkerbund ofsi- zielt überreicht worden ist. aus Grund der dentsch-französi- scheu Einigung die endgültige Fassung zu geben. Im übrigen stellt es sich heraus, dast von deutscher Seite noch mehr Konzessionen gemacht worden sind, als dies ans Grund der ersten unvollständigen Berichte zu erkennen war. Von gröstter Bedeutung ist beispielsweise die Siche- r u n g der Rechte der Rentner und P c n s i v n ä r c. Die Einigung sieht nämlich ausdrücklich vor, dast>m Falle des Sieges des Status quo de» Rentnern und Pensionären alle ans Grund der Heidelberger Abrede erworbene,, Rcchic gesichert bleibe». Diese Vereinbarung ist schriftlich festgelegt und ist von Rcichsanstcnministcr Neurath in einem be- sonderen Schreiben an den Vorsitzenden des Saarausschusses bestätigt worden. Damit ist eine braune Seifenblase geplatzt. Man wird sich an die zahlreichen Artikel und Reden der braunen Führer an der Sar erinner», in denen sie die Saar- bevölkerung dadurch einschüchtern wollte», indem sie immer und immer wieder erklärten, dast im Falle des Status quo die Rentner und Pensionäre ihrer Ansprüche verlustig wer- den würden. Dieses perfide Agitationsmittel, das teilweise mit Erfolg an der Saar angewandt wurde, ist jetzt der braunen Front aus den Händen geschlagen. Heute können die braunen Führer nicht mehr mit der Drohung des Ber- lustes der Rentenbezüge im Falle des Status quo hausieren, da ihr„drittes Reich" die Unterschrift unter ein Abkommen gesetzt hat, in welchem ausdrücklich erklärt wird, baß die von den Rentnern und Pensionären erworbenen Rechte auch im Falle des Status quo gesichert seien. Die Vereinbarung in bezng aus de» Rückkauf der Saargruben ist ebenfalls für das„dritte Reich" weit ungünstiger ansgesallen, als man dies im ersten Augenblick auf Grund der Mitteilungen der gleichgeschalteten Presse annehmen tonnte. Es ist zunächst einmal vereinbart worden, dast die Kvhlcnlicserunge» an Frankreich, die teilweise an Stelle von Barzahlungen vorgenommen werden, innerhalb des Deutschland zugestandenen K o h l e n k o n t i n g e n t s' vorgenommen werden. Das bedeutet praktisch, das, ein großer Teil der Ausfuhr der Ruhrkohle nach Frankreich unterbunden wird. Bemerkenswert ist, daß Frankreich das Recht»erhält, die Warndtgruben für die Dauer v o n 5 Fahren a b z n b a n c n, während doch bekanntlich Goebbels in seiner berüchtigten Zwcibrllcker Rede damit geprahlt hat, das, die Regierung des„dritten Reiches" die qualitativ hochwertigen Warndtkohle» abbauen werde. Statt dessen ist dieses Recht Frankreich zugestanden worden. Eben- falls wichtig ist der Zusatz der Vereinbarung, daß d>c Warndtgrnben die Garantie snr d>e deutsche» Zahlungen darstellen nnd daß, solange die Rill M>llione» Franke» für de» Rückkauf der Saargrubc» nicht ausbezahlt werden, Frankreich das Rech, zugestände,, wird, die Warndtgrnben weiter auszubeuten. Die Vereinbarung über die Einziehung der F r a n- ke» betrüge ans dem Saargebiet im Falle der Rückglie- derung ficht die Schaffung einer gemischt deutsch-französischen Kommission vor, die die Hinterziehung von Krankenscheinen und sonstigen Devisen überwachen sollen. Es wird also mit allen Mitteln dafür gesorgt werden, daß i,„ Falle der Rück- gliedern»» die Saarländer die Franke» abliefern müsse» und dafür die Mark des Herr,, Schacht bekommen. »er Vatikan und die Abstimmung Paris, den 5. Dezember 1934. Madelcinc-R. Anglös spricht i» einem im„Figaro" wiedergegeben«» Telegramm aus Rom die Ueberzeugnng ans. das, der Heilige Stuhl den Status quo als die gün- stigste Lösung betrachte. Der Papst habe Msgr. P a n i c o in das Saargcbict entsandt, damit er bei etwaigen lieber- griffen der Hitlerprovagauda aui das religiöse Gebiet dieser gemcjn, ke.UK' kirchliche Autorität! über die Gläubigen, die dem Trierer Bischof unterstelltDeietk^Weiin er auch"nur beobachten und sich unterrichten solle, so bleibe seine Rolle dennoch sehr wichtig: denn es sei nicht ausgeschlossen, dast er ,in entscheidender Stunde dazu berufen sein würde, um er- kennen zu lassen, welche Absichten der Vatikan verfolge. Logischerweisc sollte die der Kirche wünschenswerteste Lö snng der Status quo sein, die in keiner Weise semandens vaterländische Gesühle verletze und die de» Anschluß a» das ncnheidnischc Reich vermeiden würde. Die Wähler sollten sich in voller politischer Gewissensfreiheit aussprechen: die Kirche könne nicht sagen lassen, sie habe irgendeine» Druck auf nationale Gefühle ausgeübt. Die mehr oder minder große Anziehungskrast des Status quo bei den Wählern werde im übrigen in hohem Mäste von der Definition abhängen, die ihm der Völkerbundsrat in seiner jetzigen Sitzung gebe. Trotz der von Deutschland geübten Obstruktion habe sich der Dreier- Ausschuß endlich mit dieser Frage besaßt. Bisher habe man noch nicht daran gedacht, genau auseinanderzusetzen, wie die dritte Möglichkeit sein solle, die vom Versarller Vertrag vor- gesehen sei, wenn der«iiickilust an Deutschland ode> au Frankreich ausscheide. Die deutsche Propaganda stelle^ den Starlix gnv.als die Vu»»n»ignna der Verwaltung des Saar- gebietes durch eine Ausländcrkoinmissivn hin. Aber nichts hindere die Genier Versammlung, für die Saar eine wirk liche nationale Selbstverwaltung unter der Führung des Völkerbundes vorzusehen Nichts schließe auch die Möglich- teil ans, eine neue Volksbefragung nach einem bestimmten Zeitraum anzusetzen. Für diese letztere Möglichkeit würde wohl auch der Vatikan und die deutschen Katholiken zu haben sein, da damit die endgültige Reglnng der ganzen Frage auf die Zeil verschoben würde, wo das Hitlerregime vorüber sei. »am klingt das Lied der— Republik Tie früher katholische, jetzt hitlerische„Taarbrllcker Landes-Zeitung" hat aus Anlast des fünfjährigen Gedenk- tages an die R ä u m u u g der zweiten Zone de S R hei nla»Oes von fremder Besatzung einen Anfall von Bekenntnissen zur geschichtlichen Wahrheit. Das B.'att schreibt: Durch unsägliche Mühen, Nöte und Gefahren war der Weg zur Freiheit erkämpft worden. Eine kluge Politik, die unentwegt aus dieses Ziel gerichtet war. und die unerschütterliche Treue des rhei- nischen Volkes, die ebenso der Gewalt tute dem V c r- r a t widerstand, haben das Verdienst, diesen denk- würdigen Tag vorbereitet und gesichert zu haben. Man mag au der Außenpolitik der Nachkriegszeit, die uns gewiß über steile nnd steinige Wege führte, im einzelnen noch so vieles aussetzen und bemängeln: Ihre Grund- linie, die zunächst einmal auf die Befreiung des heimischen Bodens gerichtet war. ist z.weifellos rich- kig und erfolgreich gewesen. Viele haben in begreiflicher Ungeduld diese Linie nicht verstanden und auch die vorübcrgeh e n den Opfer nicht richtig zu würbige» gewußt, die sie uns notgedrungen auferlegen mußte. Aber es ist. wie die Geschichte lehrt und später auch in bezng aus Deutsch- land bejahend feststellen wird, eine Grundforderung jeder nationalen BesreiungSpolitik, dast sie zunächst de» Boden des Vaterlandes von iremder Herrschaft frei macht. Ans dem Wege zu diesem Ziel war am 30. Novembr 1929 ein ' wichtiger Abschnitt erreicht. Jawohl: ein wichtiger Abschnitt würbe damals in der nationalen Befreiungspolitik erreicht. Und durch wen? Etwa durch Herrn Adolf Hitler aus Braunau, den jetzigen„Führer" und seine braunen Töld- ner, die nachweislich während der Inflation in fremder Währung bezahlt wurden? Nein, dieser Herr Hitler hat gegen die nationale Be- srciungspolitik getobt und geputscht. Er hat in der schwersten Stunde des besetzten Rheinlandes, als überall unter dem Schutze der Besatzungstruppen sich die Scpara tisten zum Sturm erhoben, objektiv die Feindmächte»»'" stützt, indem er gleichzeitig in München eine„Revolution" entfesselte. Er hat die Männer der nationalen Befreiungspolitik, die E b e r t und H c r m a» n M ü l l c r, die T t r e s e m a n n und W i r t h als Landesverräter verleumdet und die wildeste Hetze gegen sie entfacht, die je von Deutschen gegen Deutsche verschuldet worden ist. Hitler und die anderen Ucbernationalen haben an der Befreiung der Rheinlande nicht den geringsten Anteil. Im Gegenteil: sie haben durch eine rein demagogische Agita- tionswelle diese Politik ans Schritt und Tritt gehindert. Nicht unter Schwarzweis,rot und nicht unter dem Haken- kreuz, sondern gegen diese Symbole und ihre Träger unter den Farben der Republik, u n t e r S ch w a r z r o t g v l d, von Sozialdemokraten und Katholiken und auch kommunistischen Arbeitern ist die Wacht am Rhein gehalten und friedlich ohne einen Schwertstreich die schönste und reichste Provinz Deutschlands dem Reiche zurückgegeben worden. Die Folgerungen für das Saargcbict ergeben sich von selbst. Der in den Wirkungen seiner Politik a n t i nationale Hitler hat au der Saar die nationale Widerstandsfront zerstört. Er hat Deutsche, die sich seiner Tyrannei nicht fügen wollen, geächtet. W i r f ü g e n» n s d i e f e in fremden Diktator»ich t. Wie am Rhein heißt es fiir uns: gegen jede Tyrannei, für Deutschland. Wie an, Rhein diese Politik zum Siege geführt hat und Deutschland nahe an die Verständigung mit Frankreich und die volle Gleichberechtigung herangebracht hatte, so muß auch an der Saar die auch von der„LandeSzeitung" ge« feierte Linie der Befreiungs- und Verständigungspolitik eingehalten werden. Das bedeutet: Los von der Diktatur! Nieder mit dem Verfasser des kriegshetzerischen Werkes„Mein Kampf"! Fort mit dem Zerstörer jeder Volksgemeinschaft! Schluß mit Hitler! Vorwärts für die Volksfront an der - dem Grundstein fiir ein freies Deutschland. Miiierismus gegen Jiatfkotizismus Unversöhnliche Gegensätze Tic letzten Folgerungen aus dem römischen System hat der Jesuitismus gezogen. Ten Schlußstein in de», Bau der Medizinman»Philosophie schuf da-« Vatikanische Konzil. Hier wurde der M c d i z i n in a n* für die Zeit der Ausübung seines Amtes zum G o t v' A» ut unse 61* baren Gott erklärt. Jesus ist letzt, streng genommen, nicht mehr in Stellvertretung, sondern abgesetzt. Abgesetzt und ersetzt durch das römische System, gekrönt von dem mit aller Macht ausgestatteten, s 1 ch P a p st nennend c n M e- d i z i n m a n n. Dem römischen Dogma ist der E h r.b e- griff von sich aus a's Problem gar nicht gegeben. E» mußte ihn von seiner Grundausstelluiig aus, die nur Unter- ivcrfung forderte, systematisch ausschalten. Die Schule zur bewußten Ausrottung dieser trotzdem überall austretenden seelischen Krack des abendländischen Lebens aber stellt zweifellos der sich wie zum Spott als„Gefellschaft Jesu' bezeichnende Orden dar: die Art wie Ignatius die Räch- soloer Jesu einexerziert sehen wollte, bedeutet s o z' e>» l j ch den U r» st c ii G e g e n s a tz z u m g erma>".lW c n Denk c n» n d F ii h l e n. AI fr cd Rotenberg, der vom Führer und Reichskanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche„Der Mythus des 20. Jahrhunderts". Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit, Td.—t-lö. Aufla.s e, Seile. 175 76. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen LehrerbiblioiheUfti als geeignet empfohlen und in vielen Falten auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert woi den. Neues Dokument zum Reichstagsbrand Eine Belehre des erschossenen SA.-Gruppenführers Ernst Wer is« Ernst? ^ Ä, ir bringen nachstehend de» Wortlaut der wesentliche» -ie>le des Bekenntnisses, das der ermordete«LI Gruppen- Uihrer Karl ISm ft abgelegt und im Auslände deponiert hat. r, bwohl die Veröfientlichnng des Pariser„Journal" nun >chon seit 8(i stunden eriolai ist. liegt bisher ein Denieiili aus Berlin nicht»or. Anscheinend macht dessen Formulie ,u„g den Mitbrandstiiter» nnd Mitwissern einige Schwierig leiten, Das Dementi ,v>rd auch deshalb schwierig sei», ivcil unter anderm Originaldokumente vorhanden sind, so z. B, ein Brie!»on Ernst an seinen freund Heines, in dem er diesen aui'ordert. salls er. lernst, verhaktet oder beseitigt iverden sollte, seinerseits für Veröffentlichung der Dokumenic zu sorgen. Wir»Journal" in einer Borbemerkung zu dem Dokument ausführt, schallte(Ernst dieses nach Schweden Er glaubte, daß, ivcnn man ihn verhalte nnd er seine mächtigen Geg- ner wissen liege, dag sie mit der Veröfientlichnng des Toku- ments rechnen müßten, diese ihn dann frei lassen wurden. Tatsächlich aber lieg man ihm keine Zeit zu Erklärungen. Er wurde, che er noch etivaS unternehmen konnte, am 80. Juni getötet, und I i e d l e r und M o h r c» j ch i l d c-r litten am selben Tage das gleiche Schicksal. Tag es sich bei Ernst, der von Reichskanzler Hitler zu einem der höchsten Führer der SA. gemacht worden ist. um eine abenteuerliche Persönlichkeit handelt, geht u. a. aus sei- ner eigenen Lebensbeschreibung im ReichslagShandbuch der 7. Wahlperiode NM hervor:* Geboren am l. September 11)04 in Berlin-Wilmersdorf: evangelisch. Besuchte Volksschulen in Berlin-Wilmerodors und Berlin-Grunewald bis 1018, rrportkaujmän- nische Lehre in Berlin bis 1821, als taofmä»- nilcher Angestellter in Berlin und Mainz biö 1928, wechselnde An Heilungen als Sekretär» Hilfssportlehrer, Heimleiter, Verwalter usw. Daneben politische Tätigkeit in der NSDAP, und früheren Verbänden seit 1828. 1828 bis 1881 drei Semester Hochschule für Politik, Berlin. Seit t. April 1831 wieder SA.-,Führer in Berlin.— Mitglied des Reichstags seit der K. Wahlperiode 1882. „Kreaturen wie Goebbels und Görinj»" „Ich, der Unterzeichnete Karl Ernst, SA. Gruppcnslihrcr von Bcrlin-Brandcnburg. Preußischer Staatsrat, geboren am 1. September 1804 in Berlin-Wilmersdorf, erkläre, hier einen Bericht über den Reichstagsbrand, an dem ich teil- genommen habe, geben. Ich handle aus Rat meiner Freunde, denn es geht das Gerücht, Goebbels und Göring wollen mir einen schlechten Streich spielen. Im Falle meiner Verhaftung sollen Goebbels und Göring iniormiert werden, daß sich dieses Dokument im Ausland befindet. Dieses Toku- mcnt soll nur veröffentlicht werden, wenn ich oder einer der Kameraden, deren Namen im Anhang stehen lFiedler nnd Moftrenschilbi hierzu b«n Beiehl geben oder iui Falle, da ich eines gewaltsamen TodcS sterbe. Ich erkläre, den Reichstag am 27. Februar 1888 mit Hille meiner hier angegebenen beides TA.-Unterführer angesteckt zu hoben. Wir haben IN der Ueberzeugung gehandelt, der Sache des Führers und unserer Partei zu nützen. Wir taten cS, um dem Führer die rücksichtslose Bekämpkung des Morris muS, der der schlimmste Feind des deutschen Volkes ist, zu ermöglichen... Ich bedauere meine Tat nicht. Ich würde sie noch einmal tun. WaS ich bedaure, ist die Tatsache, dag diese Tat es Kreaturen wie Goebbels und Göring erlaubt hat, emporzusteigen, sie, die die SA. verraten haben, sie, die den Führer immer wieder verraten und versuchen, ihn durch ihre Lügen und Fälschungen in das Netz ihrer gegen die SA. und ihren Führer gerichteten Intrigen zu ziehen... „V e'feich» d s Schloß anzünden 14 Wenige Tage nachdem mir zur Macht gekommen waren, wurde ich durch Hell-dorf eines Abends zu Göring gerufen. Ich ging mit Helldorf zu ihm. Auf dem Wege sagte mir Hell- dors, man müßte dem Führer die Möglichkeit geben, gegen den KvmmnuismuS vorzugehen. Goebbels war bei der Zu- sammenkunkt dabei und er enthüllte unS seinen Plan. Hier ist der Plan: Bei einer Wahlversammlung des Führers in Breslau sollte ein Attentat gegen den Führer bei seinem Aussteigen aus dem Flugzeug vorgetäuscht werden. Dieses Attentat sollte dann daS Signal zu einer antikommunistiichcn Bewegung sein. Heines ivar schon nach Berlin geruicn wor- den. um die--Details des Attentats auszuarbeiten... Zwei Tage danach tralcn wir unS bei Göring. Dies- mal ohne Goebbels. Göring wandte sich gegen daS Projekt eines Attentates, denn er fürchtete, das könnte andere hervorrufen Er sagte uns auch, Goebbels ici eitel und hielte au seinem Plan fest nnd er bat nnS. ihm abzureden. Am folgenden Tage innrde ich telefonisch zu Goebbels gcruieu. Als ich hinkam, halten die Kameraden, die der letzten Iii- sammenkunlt beigewohnt hatten, schon beichloüen. den Gocb- belsplan sollen zu lassen. Göring ivar der Meinung, man müßte etwas anderes versuchen. Vielleicht das Schloß anzünden. Goebbels erwidert lächelnd, es sei besser den Reichstag anzuzünden Wir könnten uns dann den Parlamentariern gegenüber als Verteidiger dieser Tchwatzbnde hinstellen. Görina sagte gleich ja. Helldors und ich wandten uns wegen der AussiihrunaSichwicriakcilcn ge- gen den Plan, ließen uns jedoch durch Goebbels überzeugen. Nach der Diskussion lvurdc beschlossen, Heines, Helldork nnd ich sollten am 25. Februar, acht Tage vor den Wahlen, das Feuer anlegen. Göring erklärte, er könne sehr wirksamen und wenig umfangreichen Brennstoss liefern Am 25 Februar würde» ivir uns im Fraktionszimmer der Partei aushalten, nnd. wenn der Reichstag erst leer sei. könnten wir dann an die Arbeit gehen. Ich wurde mit den Vorbereitungen bcaus- tragt.. Der Brandp'an Am nächsten Tage sab ich wieder Göring. Er hatte nach- gedacht nnd ivar der Meinung, es wäre ein Fehler, am Reichstagsbrand bekannte TA.-Führer teilnehmen zu lassen. Im Falle csncr Entdeckung ivärc alles verloren. Wir riefen dann telefonisch Goebbels herbei und teilten ihm unsere Meinung mit. die er nicht für begründet hielt Doch unser Plan mußte ausgegeben iverden. da die Kommunisten, deren Sitzungssaal dem der Nationalsozialisten gegenüberlag, bis Ii) llhr abends berieten." Karl Ernst schildert in diesem Geständnis sodann, ivic Göring den Vorschlag machte, den Gang, der von' seinem Palais als ReichstagSpräsident in den Reichstag führte, zu benutzen, um in das ParlamentSgcbäude zu gelangen und wie er zusammen mit Helldors eine Inaugenscheinnahme der Lokalitäten vorgenommen habe." Man entschloß sich auch, das Datum für die Brandstiftung um einige Tage hinaus- zuschieben.„Jwci Tage vor dem Attentat verbargen wir in einem Seitcngang das Brandmatcrial, das nnS von Göring geliefert worden war. Es bestand aus einer Anzahl Kannen, die ein selbst entzündbares Phosphorpräparat und einige Liter Petroleum enthielten. Ich kragte mich lange, iven ich mit der Brandstiftung beauftragen sollte. Ich kam schließlich zu dem Entschluß, ich müßte selbst mit einigen sehr sicheren Kameraden zugreifen. Es gelang mir. Goring und Goebbels hiervon zu überzeugen Ich bin heute der Meinung, sie habe» sich nur einverstanden erklärt, iveil sie glaubten, mich so in ihre Hand zu bekommen," Ern st»eilt sodann mit, daß er hierzu seine Freunde Fscd- ler und Mohrenichild auswählte und zum Stillschweigen vcr- eidigte, Gras Helldors lenkte iodann einige Tage vor der Brandstiftung das Augenmerk Ernsls auf einen jungen Hol- länder namens v a n der L u b b e. der sich, wie man erfahren hatte, mit wirren BranöstiftungSideen trug. Van der Lübbe ivurdc durch einen gewissen Tander bewogen, von außen in den Reichstag einzusteigen und ebenfalls Feuer anzulegen. Die Hauptarbeit blieb aber den Nationalsozia- listen, die entsprechend ausgerüstet waren, vorbehalten. „leb schwöre auf den Führer 44 „Ich traf meine beiden Kameraden um 8 llbr an der Ecke Neue Wilhclmstraße und Do.roihecnstraße. Wir waren in ,'sivil. Wenige Minuten später standen wir im Eingang des Palais, wohin wir ohne bemerkt zu werden, gelangten. Wir hatten Gummischuhe an, um nicht gehört zu werden. Wir gelangten in den Kellergang. llm 8.4.1 llhr waren ivir im Sitzungssaal. Einer der beiden Kameraden geht noch einmal in den Kellergang zurück, um den Rest des Brennmaterials zu holen, während der andere nnd ich uns in der Wandel- Halle vor dem Standbild Kaiser Wilhelms an die Arbeit macheu. Wir bereiten hier sowie im Sitzungssaal mehrere Brandherde vor. Wir Übergossen die Stühle und Tische mit der Phosphorflüssigkeit. Die Vorhänge und Tcppiche ivnr- den mit Petroleum getränkt Wenige Minuten vor 9 Uhr kommen i.-.r wieder in den Sitzungssaal. Um 9.05 Uhr ist die Arbeit beendet und ivir eilen zum Ausgang. ES war höchste Zeil, denn das Phosphorpräparat braucht nur dreißig Minuten zu seiner Entzündung. Um 9.15 Uhr überkletterten ivir die Umfassungsmauer." Karl Ernst erklärt abschließend in seinem Bericht, die bisher in der Weltpresse erschienenen Nachrichten seien falsch, nur drei Männer hätten den Reichstag angezündet. Außer Göring, Goebbels, Rohm. Heines,.Killinger und später Hanf stängl und Sander habe niemand etwas von dem Plan ge- ivußt. Man behaupte, der Führer selbst sei erst nachträglich von der Bran>dstistung informiert worden. Ern st schließt mit>den Worten:-»Ich kann hierüber nichts sagen. Ich schwöre aus den Führer seit II Jahren. Ich werde 8,,"» ihm bis in den Tod treu bleiben. Was ich getan habe, ivürdc jeder SA.-Führer für den Führer tun. Aber es ist nnvor- stellbar zu denken, daß die SA. von den gleichen Leuten, die sie an die Macht gebracht haben, verraten wird. Ich glaube vertrauensvoll, der Führer wird die dunklen Machinationen gegen die SA.-vereiteln können. Ich schreibe dieses Tokn incnt zu meinem Schutz gegen die Pläne von Göring und Goebbels. Dieses Dokument wird von mir vernichtet, wenn die Verräter den Lohn empfangen, den sie verdienen." Holländische Zwischenrufe Spionage unter der Maske von Luftschutz ^linier dieser Ueberschrist lesen wir in„H e t Volt" u.<>.: „•r-M Wichtigste des Rcichsluflichutzbundes scheint sein «pionagesnstem zu sein. Der Bund ist in städtische Abtei- lungen.eingeteilt, nämlich: Revicrgruppen, Straßengruppen r. a. Hausgruppen. An der Spitze jedes Hauses !!»iL^"bwart. Das Spionagefnstem arbeitet folgender- manen: allen Hausbewohnern wird eine Aufforderung ins 2W Ä« 1'. eme" Vortrag über Luftschutz beizuwohnen, ^'"orderuiie ut i" ziemlich befehlendem To» ge- i X er, l! ,rm 1)1»ul einem Kontrollstreifen versehen. . liier einige ab- Äft liiVnlL"'!"*"""-"•"" Ist der Mann abends zu Hanse? Geht er aus? Wann kommt er»ach Hause? Regelmäßig spät? Bekommt die Familie viel Besuch? Bon wem? Männer oder Frauen? Kommt der Besuch regelmäßig? Welche Zeitungen iverden gelesen? ^,^'v°bncr Rundfunkhörer? Hört er Gele aus- . indische Sender? Mit wen. verkehren keine Kinder? Bekommt l; diel Briete? Auch aus dem Ausland? sondern" daß^'LEragen mi, Lustichtitz nichts zu tu» habest, Svionagen. tz s.-ftn«..»"^'- v lc«cöetme Staatspolizei ein Ter«e2ö kernnn ,D,r6' deutlich Die Stimmung ist aMuciiend dew Reichsbuiid für Luftschutz gegenüber iK ltt uh ,-ohl worum es sich handelt,»äm- greisen im h'«i« i a 1» n5 Ö,e weiften dagegen nicht bc- gen acht wirdTü g\!"- u" vc' w,ba Hil die Kriegsmaschine k i efr,, e r 0 a>» i ch e E v n r a n l" u. a.:„*)» ± euticUaiii spannt es wieder, und zivar setzt in der nalivnaiivziaiistlschcii Partei selbst. Das Vo,k füuit dies bis zu einem gewissen Grade. Wenn auch die deutjche Presse keine Gelegenheit Hai, über diese überaus wichtigen Angelegenheiten zu schreiben, sie bleibe» doch nicht verborge». I» Beam.te»krei>eu herrscht große Spannung, eine Spannung, die manchem über seine Nerveukrasl geht. Man glaubt wieder den Druck der Atmosphäre von unnlitietbar vor de», 80 Juni zu fühlen. Mei- nungsverschiedenheiten i» der obersten Leitung sind kein Ge- heimnis mehr: man kennt und fürchtet dieie Erscheinung. Tie Meiniingsverschiedenheilen erstrecken sich i» der Haup- sache aus das Problem in welchem Maße man dem heJigen Druck aus den Reihen nachgeben muß. D>e alte» Kämpfer der Partei sind bis zur Erbitterung unzusrieden. Viele vo» ihnen sind heule nicht mehr bester dran als früher. An der Staatskrippe sitzt noch eine große Anzahl vo» Leuten, gegen die sie früher scharf z» Felde gezogen sind, und die sie als Todfeinde betrachte! und behandelt haben. Warum gibt es für sie selbst keinen Posten? Ter Nationalsozialismus ist tn seiner exakten Geschichtsschreibung niemals stark gewesen... Wie bei dem Kirchenkonflikt steht Hitler auch hier zwischen den Parteien, sehr unter den, Eindruck, aber doch unichlüssig. Viele fürchten, daß dies auf eine» neuen Ausbruch hinaus- läuft, der. wie der 80. Juni, wieder nach beiden Seiten einschlagen wird. Mancher fühlt sich persönlich alles andere als sicher. Die Spannung wird steigen und steigen müssen, weil vor de», 18. Januar de», Tag der Abstimmung im Srargebiet. doch nicht gut etwas passieren kann Bis dahin sind es aber noch lange Wochen. Vieler Augen sind wiederum aus die Rejchswehr gerichtet. Blo»,be,g ha, de» AI. Juni ieibst ein- geläutet mit ieine», Artikel vom 29. Juni Im„Volk! chrt Beobachter". Aber die Explosion war dann derariia. daß in den Reihe» der Reichswehr Entrüstung herrschte. Wird sie dieseö Experiment noch einmal wagen?" Der Verfasser beleuchtet»un weiter die kritische Lage in Teutschland aus de» verschiedensten Gebieten und beendet seinen Artikel mit den Worten:„Ein Volk kann sich aus die Dauer nicht zufrieden geben mit einer Revolution, rein als Revolution: die Kunst um der Kunst willen. Es will auch lebe»!" öcu^sific ftlmmen* föeilaHe zur Deutsrhen Freiheit"- treiünisse und Gesdiithten •»! iiiin Milli; Donnerstag» den 6. Dezember 1934j Schute- Jleitsche- Judmnase ®'"e größte deutsche Schande: die bcaune Beziehung Die„Deutsche Freiheit" zitiert oft die„Fränkische Tageszeitung", das offizielle in Nürnberg erscheinende nationalsozialistische Organ. Es is* der Bezirk, in dem Julius Streicher schaltet und waltet. In seiner Zeitung spiegelt sich in vielfältigen Schattierungen täglich das Wesen des Nationalsozialismus so deutlich wieder, wie man es n'rgend o sonst findet. Ein kostbares Stück aus unserer Kollektion„Fränkische Tageszeitung" sei heute im Wortlaut der Oeffentlichkeit übergeben. Wir fanden ez auf Seite 15 der Nummer vom 1. Dezembei in einer Beilage„Die bunte Seite", und es handelt sich um den Bericht eines Lehrers, der Intelli- genzprüfunger mit seiner Schulklasse, durchweg aus Hitler jungen bestehend, veranstaltet. Die Resultate dieses Unterrichts mögen für sich selbst sprechen. Verbrechen an jungen Menschen und von ihnen verhetzten und verführten Kinder vercünder hier die Schande der braunen Erziehung. Das, was hier ein offenherziger niederschrieb, ist ein Abbild dessen, was sich vieltausendfach im ganzen Hitlerreiche wiederholt. Dabei ist das, was wir hier abdrucken, nich 1 einmal vollständig. In der Mitte dieser Seite befindet sich noch eine Abbildung. Es ist die exikte Wiedergabe einer Zeichnung:„Wie ein Sechsjähriger den Frankenführer sieh t". Aus dieser kindlichen Strichelei sieht man einen Uniformierten. Darunter steht„Streicher". Er hat eine Peitsche in der einen Hand. Mit der anderen hat er einen Mann am Wickel. Und dazu der folgende Text: „Streicher verhaftet zwei Kommunisten" lautet die Erklärung zu obiger Zeichnung. Die kindliche Beobachtungsgabe kommt dabei besonders bezeichnend zum Ausdruck. Man be- .- achte die Laschen an den Stiefeln, Brotbeutel, Feldflasche, Reitpeitsche und E. K. 1 an der den Frankenführer darstellenden Figur, während d e beiden Kommunisten einfach durch rote Uniformen charakterisiert sind." Dies zur Einleitung des Aufsatzes selbst. Er lautet. 3iwd.ec, was wißt ific wn 3iitiec? Qeiä&nis Jahr um Jahr führte ich in einer Kleinstadt die Obertasse. Nun habe ich in Nürnberg die ganz Kleinen bekommen; ABC-Schützen— sechs Jahre alt, 49 Dreikäsehoch, unbekümmerte, frische Buhen mit stark ausgeprägtem Selbstbewußtsein und ebensolchen Mundwerk. Anfänglich Var mir nicht recht wohl bei den Knirpsen, denen man in v ielcn primitiven Dingen Mutter und Pfleger sein muß. ^ber schon nach wenigen Tagen hatte ich mich so an die "üben gewöhnt, daß ich sie heute nicht mehr missen möchte. ^'as verstehen wohl die Kleinen mit ihren sechs Lenzen Jchon von Politik, von unserem„dritten Reiche" und der Lehre des Nationalsozialismus? Lange beschäftigt mich dieses Problem. Voller Erwartung r, „Nein. Kommunisten!" „Ich hab vom Julius Streicher schon ein Zehnerla gekriegt!" „Ich hab noch keines gekriegt!" „Ich weiß dem Julius Streicher sein Haus!" So geht es eine Weile zu. Auf einmal sagt der kleine Walter B.: „Der Julius Streicher mag die Juden nicht!" Donnerwetter! Die Judenfrage in einer ersten Klasse! Wir wollen sehen, was die Kleinen alles wissen! ..Woran kennen wir die Juden?" „Die Juden haben eine Hackerinasc!" „Herr Lehrer, ich weiß ein Sprüchlein: Die Juilen hahen Hackerlnasen, da kann man drauf Trompeten blasen!" Der Name Hackerinasc gefällt mir nicht. Ich möchte dafür einen besseren und treffenderen Ausdruck haben. Die schreit ein Bub aus de, hinteren Bankreihe: ..I) i e Juden haben einen groußn Gurkn!" Die Kinder lachen und haben verstanden. Ein anderer: „D ie Juden haben Schweißfüße!" Da bekommt der kleine Hans B. ein schlechtes Gewissen. Aengstlich flüstert er: „Herr Lehrer, ich hab auch Schweißfüß!" Ich tröstete ihn, daß er deswegen noch lange kein Jude ist. -Die Juden sind überhaupt keine Deutschen!" „Donnerwetter— woher weißt du das?" „Mein Vater hat's gesagt!" „Bravo!" „Die Juden sind Lumpen!" „Wieso...?" „W eil sie einen immer he., he., lie- scheißen!" „Ja, neulich hat meine Mutter beim Juden einen Stoff gekauft, das war lauter Glump und ist gleich hingewesen!" „Und ich war einmal beim Judendoktor und jetzt tut mir mein Zahn wieder weh!" „Herr Lehrer, meine Tante M., die kauft noch beim Juden!" Jetzt packen die Kinder aus! Ich könnte eine kleine Liste von Kaufhauskunden anfertigen. Der kleine Hellmuth G. in der zweiten Bank hat sich bisher noch gar nicht gerührt. Jetzt aber zeigt auch er seinen Finger. Freudig rufe ich ihn auf. Die ganze Klasse blickt gespannt auf ihn. ..Herr Lehrer... ich.. muß austreten!" Wie eine Bombe wirkt diese„hochbedeutsame Erklärung. Die Kinder lachen und beweisen damit, daß auch sie„aus allen Himmeln" gefallen sind. Wir sprechen weiter Die Kinder erzählen und erzählen und ich wundere midi über das Wissen der kleinen Kerle. In der nächsten Unterrichtsstunde wollen wir den besprochenen Stoff auch, für Rechnen, Schreiben und Zeichnen auswerten. Ein Knirps aus der Tür-Reihe schlägt mir so- Von Karl Schnog Denen, die Ossietjky foltern, höhnen Und die Mühsam in den Tod gehest. Jenen tapfern deutschen Heldensöhnen Wird ihr Tagwerk gutgeschrieben. Bis zuletft. Mag es Wochen, mag es Jahre dauern: Aus Bedrückung wächst die große Kruft. Einmal stehn wir in den Kerkermauern, Packen euch und fordern Rechenschaft. Keinen Seufzer werden wir vergessen, Keinen Striemen, den ins Fleisch ihr hiebt. Jede Blutspur wird Euch nachgemessen, Die ihr jetft noch sauft und schreit und liebt Einmal naht das Ende aller Qualen. Eher als ihr euch im Blutrausch denkt, Dann, ihr Mörder, müßt ihr voll bezahlen. Und es wird euch nicht ein Grün geschenkt. Einmal kommen wir das Unkraut jäten, Einmal tilgen wir die blutige Schmach. Aus dem Blute jedes Hingemähten Wachsen hundert wilde Rachei nach. gleich Rechnungen mit Adolf Hitler vor. Und so lautet seine erste Aufgabe: „Zwei Hiller und zwei Hitler sind vier Hitler!" Aber Kinder, das geht doch nicht; wir haben ja nur einen Hitler! „Drei Streicher und zwei Streicher sind fünf Streicher!" Geht auch nicht! Es gibt nur einen Julius Streicher! „Drei Juden und drei Juden sind sechs Juden!" Das geht allerdings. Aber die Aufgabe gefällt mir nicht. Wollen wir nicht lieber abziehen? Bei uns wohnen sechs Juden. Vier wandern aus. Wieviel sind noch da.' „Zwei!" Rechne also! „Sechs Juden weg 4 Juden sind 2 Juden!" Nun wandern die beiden Juden auch noch aus! „Zwei Juden weg zwei Juden sind.... gar kanermehr!" So rechnen wir eine Weile und am Schlüsse jeder Aufgabe ist zum Gaudium dei Kinder immer„gar kaner mehr" da. Dann aber kommen die Kinder auf wesentlich bessere Beispiele. Wir rechnen mit SA.-Männern, dann kommen SS.- Männer und. schließlich Arbeitsdienstler dran. Am besten aber klappt die Sache beim Rechnen mit den Päckchen aus der Pftindsammlung, welche von den Kindern s. Z. so begeistert aufgenommen worden war. Nun wollen wir auch Schreiben und Lesen üben. Die Namen„heil",„hitler",„Streicher" usw. können wir schon ganz gut schreiben Freilich wird manchmal ein„hil" oder„hiter" odei„strecher" daraus, aber die meisten machen aanuara.ye vooHuf nir,uaAberi. rdgovcniatrdgov machen es richtig. Der kleine N.— das Schmerzenskind der Klasse— hat „hlmr" geschrieben. Ich frage ihn. was das bedeuten solle. „Hitler," schreit er voll Begeisterung und blickt mich triumphierend an. Zum Schlüsse aber wollen wir auch noch zeichnen. Ich teile die Hefte aus und lasse die Kinder zeichnen, was sie gerade wollen, aber es muß im Zusammenhang mit dem stehen, was wir eben besprochen haben. Nach einer Viertelstunde nehme ich mir die einzelnen Hefte vor und lache mich halb tot über die kindlichen, aber doch so reizenden Illustrationen. Einer hat die„Kabine" im Luitpoldhain gezeichnet(er meinte natürlich die„Tribüne") und läßt den Führer eben eine Rede halten. Ein anderer zeichnet Adolf Hitler im Auto stehend. Ein dritter malt Hakenkreuzfahnen. Ein anderer entpuppt sich als ernsthafte Konkurrenz unseres -Pips", indem er„Judengurken" darstellt. Die größte Freude aber bereitet mir die Arbeit meines Zeichentalentes Hans S., der in ganz glänzender Manier einen Mann im Braunhemd gemalt hat. Vor ihm stehen einige Männer in roter Uniform Der Mann im Braunhemd aber schwingt die Reitpeitsche Ich lasse den Buben seine Zeichnung erklären: „Das da— das i«t der Jul'iis Streicher! Die roten sind die Kamenisten— äh— Kommunisten. Die wollen ihm was tun. aber derStieicher I ürebtet sich nicht und haut sie mit der Peitsche!" Im Verlaufe meines Rundganges komme ich auch wieder zu meinem großen„Schweiger" G. Wieder zeigt er seinen Finger.„Er wird doch nicht schon wieder austreten müssen?", denke ich mir und rufe ihn. Nein, nein, diesmal nicht! Diesmal hat er mir was viel, viel wichtigeres zu sagen: „Herr Lehrer,... es hat schon geschellt!" Ich verstehe den Schlauberger und lasse die Kleinen zusammenpacken. Morgen werden wir den Stoff nochmal hernehmen und ihn— soweit dies hei den ganz Kleinen überhaupt möglich ist— verliefen und ausbauen. Eines aber haben die zwei Stunden von heute schon bewiesen: Die heranwachsende Jugend wird dereinst die Judenfrage viel, viel besser verstehen als eine gewisse Schicht von„gebildeten" und ebenso„eingebildeten" Nörglern! Methode Klumpfuß Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und die unsrige nicht achten. (Goethe) Kölker in Sturmz«it«n Nr. 17 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Donneritag, 6. Deiember I" 4 „Preußischer Kommiß" Soldatengeschichten/ von August Winnig August Winnig, der Verfasser der vor dem Kriege erschienenen Schrift„Preußischer Kommiß", ist heute glühender Nationalsozialist. Er dient der braunen Sache in Wort und Schrift, unter Preisgabe seiner Vergangenheit. Einst, als junger Proletarier, war er zum Sozialismus und zur Sozialdemokratie gekommen bewegt von den hohen Gedanken der Freiheit und der Menschenrechte. Es gelang ihm, im freigewerk- «chaflliehen Bauarbeiterverband einen führenden Posten zu gewinnen. Nach der Umwälzung von 1918 wurde er Oberpräsident in Ostpreußen, damals freilich schon in seinem allen Bekenntnis zögernd und schwankend. Sein politisches Ende in der Republik führte der Kapp Putsch vom März 1920 herbei. Es erwies sich, daß er der zweideutigen Haltung der Keldiswehrkonimaiideure in jenen kritischen Tagen Vorschub geleistet hatte. Dann rutschte August Winnig immer weiter nach rechts. Er wurde der Vertrauensmann Hilgenbergs und Stilines, für deren Blätter er seine flinke Feder in Bewegung setzte. Heute ist er einer von den 110-Prozentigen: wildester Nationalsozialist, begeisterter Militarist und nationalsozialistischer Schriftleiter. Sein Buch„Preußischer Kommiß" hat er längst verleugnet, weil es die denkbar schärfste Anklage des militaristischen Kadavergehorsams darstellt, zu dessen Anbetern er heute gehört. Ein Grund mehr liir uns. unseren Lesern einige Kapitel aus dem Buche August Winnigs vorzulegen. 2. Fortsetzung Der Hauptmann war vorsorglicherweise auf Urlaub gefahren, denn er wußte, daß er viel verderben, aber nichts gilt inachen konnte. An seiner Stelle führte ein Oberleutnant die Kompagnie. Dieser war ein Mensch wie neunzig von hundert seinesgleichen und sein Auftreten war von dem des Hauptmanns nur graduell verschieden; er konnte Grobheit wohl nur noch nicht so handhaben wie jener. Aber auch wenn er ein Engel gewesen wäre, hätte er uns nicht wankend machen können. Was ging er uns an? Nach vier Wochen ging er wieder fort zu«einer Kompagnie, und wir standen wieder unter der Fuchtel des alten Grobsacks. Um sieben Uhr morgens mußten wir antreten und der Feldwebel sab den Anzug nach. Pro forma; denn wer sich heute nicht gerade im Dreck gewälzt hatte, brauchte keinen Tadel zu fürchten. Der Feldwebel wollte schier zerfließen vor Besorgthei* Ob jeder Frühstück mit habe, ob sich,etwa einer krank fühle! jetzt konnte er ruhig vortreten und auf Erfüllung seiner Wünsche rechnen. „Na, Kerls." meinte er dann,„dann zeigt heute mal. was Ihr könnt. Heute ist Euer Ehrentag, heute liegt es an Euch, der Kompagnie einen guten Namen zu machen. Ihr wißt, wie sich der Herr Hauptmann freuen wird, wenn er zurückkommt und hört, daß Ihr gut geschossen habt. Ihr habt es dann auch gut, er wird den Dienst nicht so scharf nehmen und mit den Appells werde ich Euch auch nicht viel plagen. Also rückt nun ab und jetzt mal reingehalten ins Schwarze! Ein guter Kerl kommt nicht unter vierzig Ringeil nach Hause!" Wir rückten ab.„Der kann uns viel erzählen, che ich ihm ein, Wort glaube." brummte einer.„Wie er heute schnacken kann, wie der Fuchs mit den Gänsen!" meinte ein anderer.„Laat ehm man, hei ward sirk wdll wunnern!" „D sich sehr freundlich, der Feldwebel. Ah. sollen gut schießen und nachher gibt es doch welche an die Schnauze!' So war das Echo, das die Rede des Herrn Feldwebel bei uns fand. Auf dem Schießstande verfuhr man diesmal ganz anders als sonst. Gewöhnlich lagerten wir uns zwischen den Kiefern und gingen der alphabetischen Reihenfolge nach zum Schießen. Die Leute, die abgeschossen hatten kamen zu uns zurück, erstatteten Bericht und wenn sie ein I rupp von etwa zwanzig Mann geworden waren, gingen sie zu Haus. An diesem Tage kam keiner zurück. Wer mit seiner Hebung fertig war, schwenkte gleich unten am Stand ins Gehölz und ging in einem weiten Bogen um uns herum nach der Kaserne. Das war uns unbequem, weil wir so gar nicht erfuhren, wie geschossen wurde. Der Schützenstand selbst war uns durch ein paar große Windschirme verborgen, so daß wir ganz im Ungewissen blieben, wie nun eigentlich der Hase lief. Schließlich war es einem geglückt, sich heimlich fortzustehlen und die heimkehrenden Leute abzufassen. Der kleine Däne war es gewesen. „Da unten passiert heule'was," sagte er, als zu zurückkam. „Was?"„Wieso?" wurde gefragt. ..Tolle Dinge!" Dann warf er sich wieder ins Moos, denn die Unteroffiziere waren schon aufmerksam auf ihn geworden, und erzählte den zunächst Liegenden leise, wa.^ er erfahren hatte. Bald hatten sich seine Mitteilungen durch die Mannschaften hindurchgetuschelt und alle steckten flüsternd die Köpfe zusammen. Das ist ja nicht wahr!— Der Jochimsen lügt uns die Hucke voll!— Oder er hat sie sich volliigen lassen.— Wie können sie das riskieren!— Na, ich wundere mich über nichts mehr.— Wenn auch; aber das ist doch nicht wahr.— Das können sie ja nicht machen, denn wenn das rauskäme, dann...— Mensch, das ist ja nicht möglich!— Junge, es jibt nirjeni mehr Schwindel als beim Milletär.— So tauschten wir unsere Ansichten über die Erzählung des Dänen aus. Die letzte Aeußerung tat Seele und sie machte den meisten Eindruck. Inzwischen war unser Haufen immer kleiner geworden. Der Däne war längst fort, wir waren schon bei dem Namen mit dem Buihstaben 5... Hans, der vergnügte Geistertänzer ans Lüneburg, hatte es noch einmal unternommen, sichere Kunde zu holen, aber die zu unserer Aufsicht zurückgebliebenen Unteroffiziere hatten bereits Wind bekommen und sein Verschwinden bemerkt. Sie waren gleich hinter ihm her und brachten ihn unter Schelten wieder an seinen Platz- Hin und wieder sahen wir einen der Heimkehrenden einige hundert Meter entfernt mit den Armen signalisieren, aber wir hatten uns im Gebrauch dieses Verständigungsinittels nicht geübt und wurden auch hiervon nicht klüger. Aber neugierig waren wir geworden, sehr neugierig. Doch nur Geduld, schließlich kamen wir äße an die Reihe. Fast ganz zuletzt auch ich und mit mir zusammen Seele. Unten beim Schützenstand war alles versammelt, was in der Kompagnie etwas zu sagen halte. Der Oberleutnant, ein paar Feldwebel, die Unteroffiziere vom Schießdienst und andere mehr. Der Stand war durch zwei Windschirine und einige Scheiben zu einer Art Krähenhütte umgewandelt, die den Schützen ganz verbarg und nur auf der dein Kugelfang zugekehrten Seite offen war. In dieser Hütte stand eine etwa dreiviertel Meter hohe Schießhank, auf der der Schütze Platz nehmen mußte. Es wurde auf dreihundert Meter kniend nach der Ringbrustscheibe geschossen. leb empfing die fünf zu verknallenden Patronen und ging in die Hütte hinein. Richtig, dort drinnen stand ein Gefreiter, der des Kapitulieren? hinreichend verdächtig war und darum ebenso wie noch einige andere Leute des älteren Jahrgangs, die im gleichen Verdacht standen, von allen Aufrechten gemieden wurde. „Na, nun mal hingehalten!" sagte er. Ith antwortete ihm nicht und tat. was ich mußte. Mein Gewehr schoß„kurz" und ich hielt in die Mitte. Die Scheibe verschwand und erschien wieder: angezeigt wurde eine„Vier kurz". Da kam's! Ein Feldwebel trat in die Hütte und gab dem Gefreiten ein Zeichen. ..Patronen her!" sagte der zu mir. Ich gab sie ihm. und er setzte sich vor der Schießbank auf die Erde nieder. Ich wollte absteigen. Aha!„Dableiben und den Schuß melden!" rief mir der Feldwebel zu. Ith meldete die nun fallenden Schüsse. Eine Acht, eine Zehn, wieder eine Acht und zuletzt eine Zwölf. Als der Gefreite fertig war, stand er auf, zog sich wieder in den Hintergrund der Hütte zurück und ich ging hinaus. „Wieviel Ringe?" fragte der Oberleutnant. „Ith weiß nicht." antwortete ich gleichgültig. „Zweiundvierzig!" rief der die Schießliste führende Unteroffizier;„der letzte Schuß war eine Zwölf." „Gut," sagte der Oberleutnant mit einem Tone, als wenn alles ganz in der Ordnung wäre. Ich hatte midi schon seitwärts in die Büsche geschlagen, denn was ging mich die ganze Geschichte an? Dort traf ich einen der„alten Leute", der ebenso wie der Gefreite in der Krähenhütte als sicherer Schütze bekannt war. „Ihr schießt Euch heule wohl die Tressen?" fragte ich ihn. „Halt s Maul, Du Pinsel!" schnauzte er mich giftig an. Als die vier Mann, die mit mir angetreten waren, in gleicher Weise abgeschlossen hatten, konnten wir nach Hause gehen. Ich wunderte mich, daß uns kein Mensch ein Schweigegehot auferlegte; man war offenbar von unserer Furcht so fest überzeugt, daß man das Geheimnis auch ohne das für sicher genug hielt. Obwohl wir aber von diesem Rieseiisdiwindcl nie ein Hehl machten, ist nie etwas danach gekommen. „Na. hatte ich nicht recht, daß nirgends mehr geschwindelt wird als bei den Preußen?" sagte Seele, als wir den Weg am Flusse hinauf nach der Kaserne gingen. „Gewiß hast Du recht gehabt, Seele; aber dies hätte ich doch nicht für möglich gehalten." „Ja, Junge, nun sag" aber bloß mal, was soll das werden, wenn es mal zum Ernst kommt? Da denkt man wunder, was wir im Schießen leisten, und dabei ist doch die Hälfte Schwindel en gios!" Seele halte auch darin recht. * Nach einigen Wochen hatten wir das Kaiserabzeirhe«! auf den Rockärmeln. In den Stuben gab es eines Abends Bier zum Toll- und Volltrinken, und als der Alkohol die Zungen lockerer machte, da fühlten sich auch die„loyalen" Schützen obcmaiif. Es waren ihrer vier oder fünf. Sie rühmten sich, daß wir diesen herrlichen Abend ihnen zu danken hätten, denn sie hätten die Kompagnie mit Ruhm bedeckt. Der eine hatte wenigstens für zwanzig Mann, der andere mindestens für zwölf, dieser und jener für sechzehn oder achtzehn die Patronen verschossen. Wenn jeder Mann selbst geschossen hätte— das wäre etwas Schönes geworden! Nie hätten wir das Kaiserabzeichen erhalten! Bei der ersten Gelegenheit pries uns der kommandierende General als die beste Kompagnie seines Korps. Bei der n ie Sklaven Mein Freund, es ist wahrhaftig köstlich Und sehr für unsere Hoffnung tröstlich, Daß so die Menschen ein Behagen Am Sklaventum im Herzen tragen. Es ist durchaus nicht zu verkennen, Sie lernen leichter Sklavensitten. Als daß sie Freiheit an sich litten. Für die sie doch so leicht entbrennen. Nikolaus Frans Lenau, Parade im Kaisermanöver ruhte das Auge des höchsten Kriegsherrn mit Wohlgefallen auf uns, bald darauf wurde der Hauptmann Major und weit und breit sang und sagt" man vom Ruhme unserer Kompagnie. Das ist die Geschichte vom Kaiserabzeichen. Jeder Hauptmann und Kompaniechef hat das Recht, dt® unter ihm dienenden Mannschaften zu bestrafen. Dabei kann er bis zu fünf Tagen Mittelarrest oder drei Tagen strengem Arrest hinaufgehen. Das ist ein gutes, ein alles gutes Recht. Denn es gib* dem Hauptmann Selbstbewußtsein und Fröhlichkeit; und muß er diese nicht haben bei seinem rauhen Kriegerlebe»^ Kann ein Krieger ohne diese Eigenschaften auskommen. Nein, das kann er nicht; und darum muß er sie haben. Es wäre kleinlich und für den Hauptmann obendrein lästig, wenn er solche Strafen nur bei höherer Instanz beantragen könnte. Das würde sein Selbstbewußtsein n" r dämpfen, und den Mannschaften wäre damit auch nicht g e" holfen. In unserer Kompanie herrschte strenge Zucht. Der Hauptmann war ein Vollblutjunker. Bald fünfzig Jahre alt"" unverheiratet. Das Pulver hatte er gerade nicht erfunden, aber fürchterlich grob konnte er sein. Nie bot er, wenn er morgens auf den Appellplatz kam, der Komganie einen „guten Morgen". Daran war freilich auch nicht viel gelegen, denn was hätten wir davon gehabt? Er hätte sich deswegen doch sein tägliches Opfer geholt. Bei jedem größere» Uebungsmarsch kam wenigstens ein Mann ins Loch. Manchmal auch zwei oder drei. An einem Morgen, für den eine Regimcntsübiing angesetzt war, standen wir zum Abmarsch bereit vor unsern Koni- paniere vieren. Um fünf Uhr sollten wir ausrücken und a» dieser Zeit fehlten nur noch einige Minuten. Aber der Hauptmann war noch nich. da, und ohne ihn konnten wir doch nicht abmarschieren. Die Offiziere hatten schon zweimal den Anzug nachgesehen und warteten nun in Ungeduld und Langeweile. Endlich kam der Hauptmann angetrabt. Sein feistes Gesicht glühte.„Ich habe mich etwas verspätet! Guten Morgen die Herfen!" rief er den Offizieren zu. Ich weiß nicht, was mich in diesem Augenblick packte- War« Uebermut oder Aergcr? Oder Lust zu einem neue» Krakeel, zu einer Abwechselung? Ich rief so laut ich konnte! „Guten Morgen, Herr Hauptmann!" Er hatte Atem geholt zum Kommando. Aber als er de» Ruf hörte, blieb ihm das„Stillgestanden" in der Kehle stecken. Einen Augenblick starrte er wortlos auf die Mannschaft. dann gab er seinem Gaul die Sporen und galoppierte vor die Mitte der Front. Sein Gesicht war jetzt an den Seitenpartien bläulich koloriert. „Wer bat da eben gerufen?" Ich, Herr Hauptmann!" sagte ich und trat einen SchfV 11 vor.'*■ r-"' „Wie i«t der Kerl bestraft?" Der Feldwebel blätterte einen Augenblick in sei»'* Stammrolle:„Eine halbe Stunde Strafexerzieren wegen Unaufmerksamkeit in der Instruktionsstunde. Zwei Stunden Strafexerzieren wegen Nachlässigkeit beim Kompanie- exerzieren." „Na?" „Einen Monat Verlust der freien Löhnungsverfügung, weil er nach Zapfenstreich noch in der Kantine war." „Keinen Arrest?" „Nein, keinen Arrest." „So! Na, dann schreiben Sie auf:„Drei Tage Mittelarrest, weil er— weil er seinen Kompaniechef" „Forn Buren boln hell," flüsterte mein Hintermann. Der Hauptmann konnte offenbar nicht gleich eine passable Urteilsbegründung finden. Ich liatte eigentlich etwas Mitleid mit ihm, aber ich konnte ihm doch nicht gut helfen. „Eine unpassende Antwort gegeben bat," sagte der Spieß- „Ach was. Da wollte ich dem Burschen was anderes erzählen!" Er wurde etwas nachdenklich. „Warum haben Sie eigentlich gerufen?" „Ich glaubte, Herr Hauptmann hätten die Kompanie g e" sagt." „Natürlich nur zu den Herren Offizieren! Oder glaubte" Sie, daß ich zu einer Schweinebande auch guten Morgen sage" würde?" „Ich glaubte, Herr Hauptmann hätten die Kompagnie g e* meint." Seine Miene erbellte sich. „Streichen Sie's noch mal durch. Der Kerl hat sich verhört. Stillgestanden! Das Gewehr über! Mit Sektionen rechts schwenkt marsch! Gradaus, ohne Tritt!" * Auf dein Marsche kam der Alte in ineine Nähe. Es war Marschordnung und wir hatten uns die Pfeife oder eine Zigarette angesteckt. Ich rauchte nieinen Stummel und freute mich des schönen Sommermorgens. Da redete mich der Alle au: „Wenn ich wüßte, daß es wirklich Frechheit von Ihne" war. wären Sie ohne Gnade ins Loch gegangen." Ich zog das Gewehr au. Eben wollte ich die Pfeife aus dem Munde nehmen, da rief er schon: „Feldwebel!!" Der Feldwebel kam; er hatte Bleistift und Buch schon>" der Hand. „Schreiben Sie auf: Drei Tage Mittelarrest, weil er di" Pfeife nicht aus dem Munde nahm, als ihn sein Kompaniechef anredete." Der Feldwebel wiederholte. Leichten und fröhlichen Muts ritt der Hauptmann weiter« Ich ging mittags ins Loch, Erlebnisse In spanlsdien Gefängnissen Bon Ilse Wolfs (Schluß aus Nr. 270) Mißhandlungen . Tie Polizei hat mich über meine„revolutionäre Tätig- nicht einmal befragt, woraus ich schließen muß, daß Uegenau darüber orientiert war— Im übrigen hat man n"ch während meiner ganzen Haft nicht ein einziges Mal mehr vernommen, noch habe ich irgendwelches Protokoll unterzeichnet. Etwa 500 Personen befanden sich in den für knapp 80 ^-eute Platz bietenden Zellen und dem Hof. Um nicht zu ersticken, mußte freier Durchgang gestattet werden, die Iellen wurden geöffnet und man hatte die Möglichkeit, miteinander zu reden. In jenen Nächten schliefen wir in uer Zelle voller Zeitungspakete gemeinsam mit den Ge- uossen. Als es leerer wurde, wurden wir wieder streng noch Geschlechtern getrennt. Bisher war es verhältnismäßig ruhig zugegangen. Jetzt über, als endgültig der Sieg auf feiten der Regierung mar, setzten die Mißhandlungen ein. Am schlimm- >ten waren einige Iunggenossen zugerichtet worden. Einer ihnen schrie so entsetzlich, daß wir es durch drei Wände hörten, man ließ ihn in Ruhe, weil die Haltung Uer anderen drohend wurde. Am Morgen trugen ihn Zwei andere zu uns in den Hof. Oberlippe, Stirn und mne Hand waren zerschlagen. Wir legten ihn zwischen Decken auf den Boden und kühlten ihm die Wunden. Ein anderer junger Bursche hielt sich krampfhaft die Hände vor den Leib: man hatte das bewährte System bei ihm ungewandt, die Hoden zwischen Stabchen zu klemmen, oamit er aussage. Ein anderer blutete aus einer Kopf- wunde. Er wollte sich selbstmorden und schrie verzweifelt UM Hilfe, als man ihn abholte. Ein anderer schnitt sich die Pulsadern auf. Man band ihm mit einem Gürtel das Handgelenk ab. Der Arzt erschien genau nach 2 Stunden und 43 Minuten! , Aber nicht nur an Männern vergriffen sick die Poli- Zst'ten, sondern auch an Frauen und Mädchen. Eine Frau, die mit ihrem Säugling auf dem Arm eingeliefert wurde, blutete aus einer Stirnwunde, verursacht durch einen Gummiknüttelhieb. Andere waren so geohrfeigt worden, daß man noch die Streifen der Finger- abdrücke sah. Bcrhastungsgründe Warum sie verhastet wurden?— Eine hatte einen Polizisten schief angesehen, andere waren zu ihren Ar- beitsstätten gegangen, um zu fragen, wann wieder gear- beitet würde, wieder andere waren aus ihren Wohnungen geholt worden, weil sie streikten, einige hatten Ladengitter gewaltsam geschlossen, andere waren als Geiseln fest- genommen worden, weil man ihre Männer nicht fand. Drei der Geiseln trugen ihre Säuglinge mit sich, als ein- Ziges Gepäck. Eine alte Portierfrau, Witwe seit drei Fahren, hatte man mitgenommen, weil bei der Unter- suchung ihres Hauses im Keller eine alte Waffe, die ihrem verstorbenen Manne gehört hatte, gefunden worden war. Ten tollsten Fall aber bildete eine Greisin von etwa 7 0 I ahren, die man aus ihrem Bett herausgeholt hatte, n!s man Mann und Söhne auf Grund eines Waffensundes verhaftete. Seit drei Iahren lag sie fest zu Bett mit einem Halskrebs. Ein Häufchen Unglück, hockte sie auf einer der Bänke, bis sie abends ins Frauengefängnis ab- iransportiert wurde. Dort liegt sie noch jetzt im Lazarett. Allmählich waren sämtliche Schicksalsgenossinnen, die mit uns zur gleichen Zeit eingeliefert worden waren, längst fort. Am 10. Tage endlich wurde„Bestandsauf- "ahme" gemacht. Dabei stellte sich heraus, daß man uns in, Trubel der Ereignisse einfach ver- g e s s e n hatte. Am 11. Tage morgens wurden uns Fingerabdrllcke ab- genommen, abends,um sechs etwa wurde Joel abtrans- portiert, ich folgte gegen 7, Via Frauengefängnis. Das Madrider Frauengesängnls Das Madrider Frauengefängnis, das ich am 17. Oktober halb 8 Uhr abends betrat, ist ein enormer, architekto- nisch zweckmäßiger Neubau mit großen Fenstern. Licht- Höfen und Sonnenterrassen, aber ohne Zentralheizung, h. h. ohne Heizung überhaupt. Die politischen Gefangenen, die sogenannten„Sozialen" schliefen zu 30 in einem pro- visorisch für sie eingerichteten Sondergebäude auf dünnen Ctrohsäcken. die auf dem Steinfußboden ausgebreitet waren. Je weiter der Monat fortschritt. desto kälter wurde es Als der Regen einsetzte, war die Nordwand unseres Saales von oben bis unten durchnäßt. Grippe und Halsentzündungen grassierten. Auch die Klosett- Verhältnisse waren betrübend. Die Gefährtinnen Etwa 130„Soziale" waren insgesamt eingeliefert worden. Wenns hoch kommt, dann kann man 20 von ihnen wirklich als„politsche Gefangene" bezeichnen. Die übrigen setzten sich zusammen aus kleinen Mädchen, 16- bis 17jährigen. die mehr aus Uebermut als aus Klassen- bewußtsein die Ladenbesitzer einzuschüchtern versucht. Euardias beschimpft oder ähnliche strafbare Handlungen vollbracht hatten. Die Mehrzahl der Frauen war in Brot- schlangen festgenommen worden, weil sie dort die«Inter- nationale" sungen, wieder eine andere hatte im Scherz einen Bleistift gezückt und ihn— gleich einer Pistole— huf einen Polizisten angelegt. Wegen Waffenfundes in ihren Wohnungen saßen im ganzen 4 oder 5. wegen Flug- blaitverteilung weiter 3 oder 4(von denen eine bereits Zu 6 Iahren Haft verurteilt worden ist!) Ich persönlich kann mich über die Behandlung im Ge- sängnis nicht beklagen. Ich bildete so eine Art„Renom- wiergefangene" und die Chefinnen erleichterten mir im Rahmen des Erlaubten das Leben so weit es ging. Meine Anwälte erklärten mir, nichts über meinen„Fall" er- fahren zu haben, denn scheinbar hätte ich einen persön- lichen Feind im Polizeipräsidium, der mit aller Macht Segen mich arbeite. Da ich niemand im Polizeipräsidium kenne noch kannte, war die Schlußfolgerung leicht: jener, wein„persönlicher Feind", mußte ein„persön- Alle KirdicndcbaUcn verholen rridf verbleiet... Nach einer amtlichen Meldung hat der Reichs- und preu- bische Minister des Innern Frick Diskussionen im Anschluß an Vorträg-, in öffentlichen Versammlungen mit religiösen oder weltanschaulichen Themen verboten. Vle Kirdie als Kampfboden Nicht mehr zu steigern United Preß berichtet aus Berlin: Die Pauluskirchc zu Schöneberg bot ein plasti- sches Bild von dem deutschen Kirchcukamps. Die Kirche war heute überfüllt: 1500 bis 1800 Personen waren anwesend, darunter viele U n i s o r m> e r l c. Der Grund für diesen ungewöhnlich starken Besuch lag darin, daß der seit drei Vierteljahren als einer der Führer der kirchlichen Opposi- tiou pensionierte Pastor Rabenau zum erstenmal wieder predigen sollte. Der bisher dcutsch-christliche Pastor Rote r- b e r g, der Mitte letzter Woche aus den Reihen der Deutschen Christen ausgetreten war. hatte die ihm seinerzeit über- tragene Führung der Kirchcngemetnde in die Hände des Pastors Rabenau zurückgelegt. Rabenau hatte bisher seine Gemeinde in de» Sälen der altlutherschcn Kirche gesammelt. Ter bekenntniskirchlichc Hilsspredigcr St übe hat dem Pastor Rabenau sofort das Gotteshaus überlassen. To mar der letztere rechtmäßiger Geistlicher,»msomchr, als ihm das Recht zur Wortvcrkündung nie genommen worden war. Der eingesetzte dcutsch-christliche P a st o r Peters wollte jedoch die Abhandlung des Gottesdienstes durch Ra- benau ve r h i n b e r n. Etwa 1'/« Stunden vor dem GotteS- dienst besetzte er mit einer Gruppe von fünfzig bis sechzig seiner Anhänger die vorderen Reihen der Kirche. Ferner schloß er die Sakristei ab, betrat den Altar und verlas einen Aufruf des Reichsbischofs. Um ZO Uhr zog dann Pastor Rabenau in Begleitung seiner Amtsbrüder Roterberg und Kube in die Kirche ei», die sich inzwischen gefüllt hatte Bei seinem Eintritt erhob sich die Gemeinde, und der noch aus dem Altar stehende deutsch- christliche Pastor Peters wurde gebeten, den ungestörten Ber- lauf des Gottesdienstes zu ermöglichen. Dieser w e i- gerte sich jedoch zu weichen. Darauf fragte Pastor Rabenau die Gemeinde, wen sie hören wolle, worauf der vielhundertsache Ruf ertönte: „Wir wolle« unseren Pastor Rabenau!" Die Gemeinde wurde immer unruhiger, und als Pastor Peters einer nochmaligen Aufforderung, den Platz zu räume», nicht Folge leistete, bestieg Pastor Rabenau die Kanzel. Die Gemeinde sang das lutherische Adventlied:„Wie soll ich Dich empfangen?" in Begleitung eines Posa n n c n- ch v r s, ivährcnd die Orgel schivieg. Jedesmal, wenn Pastor Rabenau zu sprechen anfing, setzte die Orgel mit v v l- lcr Wucht ein. Wen» Pastor Peters vom Altar aus predigen ivollte, so wurde er von fast der ganzen Gemeinde durch Absingen von A d v e n t l i e d c r n übertönt. Immer größer wurde sie Unruhe unter den Anwesenden. Die Gemeinde wahrte aber strengste Disziplin, und keine Hand wurde gegen Pastor Peters, seine wenigen Anhänger und den Orgelspieler erhoben. Immer wieder versuchte» Laien, auf die Anhänger Pastor Peters einzuwirken, daß sie die Kirche verlassen, ab«r ohne jeden Erfolg. Viele der anwesenden Frauen weinten über den traurigen Streit. Die Männer tonnten ihre Er- rcgung über die Terrorisierung einer über tausend Köpfe zählenden Menge durch ein kleines Häuflein von Personen kaum meistern. Die Polizei w e i g e rt c sich c i n z u- greisen. Als Peters ansing, ei» Gebet zu spreche», rief ein Teil der Gemeinde im Sprechchor:„Du sollst de» Namen des Herrn. Deines Gottes, nicht mißbrauchen: denn der Herr wird denen nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht." In diesem Augenblick rief Pastor Rabenau seinen Getreuen zu, sie möchten, um weitere Entweihung des Gotteshauses zu vermeide», aus den Hos der Kirche kommen und sich dort sammeln. Bis auf 03 Personen ver- ließen alle die Kirche. Dann sprachen die Pastoren Rabenau und Roterberg vor der erschütternden Gemeinde. vle deutschen katholischen Orden werden bespiticu Rom, den 4. Dezember 1034. Der„Osservatore Romano" gibt ein in der holländischen Tageszeitung„De Maasbode" am 24. November verössent- lichtes Rundschreiben der deutschen Nationalsozialistischen Partei über die religiösen Orden wieder. Das Rund- schreiben, das das Datum„München, den 3. November" trägt, ist an die Geheime Staatspolizei der Regie- rungskreise Münster und Recklinghausen gerichtet und er- klärt u. a.:„Die Ueberwachung der geistlichen Exerzitien ist in keinem Dekret des Reichsinucnmtnisters vorgesehen. Indessen hat es sich in de» letzten Wochen gezeigt, daß die religiösen Orden als reaktionäre Aktionszcntre,, betrachtet werden müssen, die das Programm der nattonalsozialisti- sche» Weltanschauung untergraben sollen. Nun hat die Ge- Heime Staatspolizei die Aufgabe, eine vollständige und ge- naue Schilderung der geistlichen Tätigkeit der aus ihrem Gebiet befindlichen religiösen Orden zu geben und alles zu berichten, was im Schöße dieser Ordensvereinigungen vor sich geht, besonders was die Beziehungen zu auslän- dischen Institutionen anbetrisst. ES ist unbedingt notwendig, daß ein genauer Bericht über den UnterrichtSplan der Ordensvercinigungen und dessen Inhalt sowie über die Hol- tung und die politische Vergangenheit der Unterrichtenden ausgestellt wird." Kardinal Sdiulle predig! Gegen Neuheidentum A»S Köln wird ber Agentur Havas gemeldet: Der Erz- bischof von Köln, Kardinal Schulte, geißelte in einer vor der katholischen Frauenvercinigung gehaltenen Rede die Tendenzen des deutschen Ncuheidentums. Der Kardinal er- klärte u. a.:„Die Befürworter eines heidnischen Deutsch- tums wollen in unserm Vaterland das Licht des christlichen Glaubens auslöschen, alles mit diesem Heidentum durch- tränken, sogar die Erziehung ber Jugend, und den Thron Christi umstürzen. Die ganze Geschichte und die bisherige Erfahrung sprechen gegen ihre zweifelhafte Weisheit." Sani!- wegen der Saar Plötzlich kirchentreue Hitlerjugend Hannover, 5. Dez. Der Führer des Gebiets Niedersachseu der Hitlerjugend, Oberbannsührer Blomquist. hat den sol- genden Tagesbefehl erlassen:„Meine Kameraden! Aus Be- fehl des Jugendfiihrcrs des Deutschen Reiches erinnere ich Euch erneut an die Verfügung, daß HJ.- und DJ.-Führcr, die solche Hitlcrjungen, die am Gottesdienst teilnehmen möchten, bewußt an der Teilnahme hindern, mit schwer- st e n S t r a f e n biS zum Ausschluß aus der Hitlerjugend zu rechnen habe». Eine Werbung für ch r i st c n t n m ö- feindliche Leb r e n wir d i n n e r h a l b der Hitler- jugcnb nicht geduldet. Die Hitlerjugend ist an kon- fcssioncllcn Dingen uninteressiert. Eine Werbung für die gegcnchristlichc Bewegung unter Führung des Herrn Hauer ist in der Hitlerjugend st r e u g verböte n." * Dieser„Tagesbefehl" steht im krassen Widerspruch zur ge- samten von Schirach und Rosenberg bestimmten iveltanschau- liche» Erziehung der Hitlerjugend. sicher freund der„deutschen Behörden" sein, die gegen mich die Anzeige erstattet hatten. Bis zum 14. November ivarlete ich im Madrider Gefängnis, daß man mich liebenswürdigerweise wieder auf die Straße liehe, denn bis dahin hatte sich noch keiner- Iei Verdacht gegen mich bestätigt, der eine Anklage ge- rechtfertigt hätte. Am 14. November aber kam plötzlich der Befehl von der Polizeidirektion, mich bereitzuhalten, um nach Bar- c e l o n a überführt zu werden. Man erlaubte mir, noch einmal in meine Wohnung zu gehen, um meine Sachen zusammenzupacken und meine dringendsten Angelegen- heilen zu e> ledigen. Mein Anwalt mußte all das über- nehmen. Meine nichtspanischen Freundinnen wagten sich nicht in meine Wohnung, noch kamen sie mich besuchen, weil sie überwacht wurden. Einer deutschen Freundin wurde vom Chef ihrer Firma auf Veranlassung der beut- schen Botschaft gesagt, daß. falls sie auch nur den gering- sten Schritt täte, sich mir zu nähern, man fie entließe und Sorge dafür tragen werde, daß ihre Ausweisung erfolge. Man schrieb mir, daß die Ausweisung vermutlich schon gegen sie beantragt sei Hier und vor aller Öffentlichkeit möchte ich eins betonen und bestätigen. Die spanischen Kollegen vom Berufsverband haben mir eine Freundschaft und Hilfsbereitschaft gezeigt, wie sie ihresgleichen suchen muh. Sie besuchten mich, taten alle nur erdenklichen Schritte, um mir zu helfen, brachten mir Sachen, gaben mir Geld. Im Gegensatz zu ihnen hat sich der Aus- landspresseoerband, dessen Sekretär am 8. OK- tober von meiner Verhaftung unterrichtet ivar. und der den ersten offiziellen Schritt am 23. Oktober tat, un- kollegial und geradezu bösartig benommen. Sie wollten offensichtlich nichts mit mir zu tun haben,„weil ich wegen politischer und nicht professioneller Gründe verhaftet sei". Im Moment, da sie von meiner Verschickung nach Bar- celona erfuhren, schrieben sie mir einen bedauernden Brief und„gestatteten' sich, mir etwas Geld zu über- senden". Barcelona Barcelona erreichten wir— Joel fuhr mit mir— in Begleitung zweier bis an die Zähne bewaffneter Poli- giften nach 24 Stunden Fahrt im Bummelzug. Ich wurde sofort ins dortige Gefängnis eingeliefert. In dem gemeinsamen Schioffaal, in dem man mich unterbrachte, be- fanden sich sieben Frauen und Mädchen, Prostituierte und Diebinnen. Eine halbirre Französin sprach ununterbrochen vor sich hin.„Man habe sie als Vierjährige vergewaltigt — Napoleon fei nicht ihr Bruder und sie habe ihn nicht mehr gekannt, da er bereits seit 44 Iahren tot sei. Seit 4 Monate», die sie im Gefängnis ist, hat sie sich iveder gewaschen noch gekämmt. Tie ist vollständig verlaust. In einem Bett daneben schlief eine 17jährige Hafendirne, die im zweiten Syphilisstadium ist, und die der Arzt mit Jod behandelt— äußerlich! Augenblicklich befinden sich im Barcelonaer Gefängnis nur 37 Häftlinge. Die Mehrzahl von ihnen ist krank, und Irrsinn scheint hier als Delikt zu gelten. Auch in Barcelona kann ich über die persönliche Be- Handlung nur Gutes sagen. Man gestattete den Besuch des dortigen Pressevereins— der übrigens ebenfalls sich um mich in der besten Weise bemühte— schickte mir Essen aus einem Restaurant usw. Fünf Tage blieb ich hier. Am Sonntagabend erfuhr ich durch den Presseverein, daß alle möglichen Schritte zu meiner Freilassung ein- geleitet seien, ich solle etwas Geduld haben— am Man- tagnachmittag um halb 6 Uhr wurde ich plötzlich von zwei Polizisten abgeholt. Man brachte mich zum Fremdenamt. wo man mir eröffnete, daß einZugnachderGrenze innerhalb einer Viertel st unde abgehe, den ich zu benutzen hätte. Damit ich auch wirklich ab- führe, würde ein Beamter mitfahren, um sich davon zu überzeugen, daß ich die Grenze überschreite. Ich hatte nicht einmal Zeit, meine Koffer, die in der Gepäckablage standen, auszugeben, sie blieben in Barce- lona, um nur von Freunden nachgeschickt zu werden. Das sind meine Erlebnisse während der Revolution in Spanien: Widerrechtliche Freiheitsberaubung ohne Ver- nehmung. ohne Grundangabe vom 7. Oktober bis zum 20. November. Beschlagnahme meiner sämtlichen Papiere, die ich nicht wieder ausgefolgt bekam, so daß ich jederzeit gewärtig sein muß, daß in dem Gastland, in dem ich mich aufhalte, bis alles geregelt ist, die Polizei mir Schwierig- keiten bereiten kann: Verlust meiner Existenz, einer Wohnung. Weshalb? Weil in Spanien eine„demokratische natio- nale Regierung" Gesetzesübertretungen duldet, weil die Nazibehörden in Spanien einen großen Teil ihres Propagandabudgets bei der spanischen Polizei anlegen, um sich ihnen Unbequemer zu entledigen. Eine Wendung im Soarkampi D Cm„GreillM' 0m6! Mehrheit für Status quo wahrscheinlich Unter dieser Ucbcrschrift bringt die„Neue Zürcher Zei- tung" einen längeren Artikel, in welchem das angesehene Schweizer Blatt zur Gründung des»Deutschen Volksbunös für christlich-soziale Gemeinschaft" u. a. schreibt: Die Gründung einer neuen katholischen Partei im Saar- gebiet unter dem Namen„T c n t s ch e r B v l k o b u n d f ü r ch r i st l i ch- s o z i a l e G c in c i n s ch a f t" stellt ohne Zwci- sel eine überaus wichtige Wendung im Saarkampf dar. Ohne daß im Augenblick die Auswirkungen für den Ausgang der Saarabstimmnng schon vollständig zu übersehen sind, ist dem Ereignis für die Stellungnahme des Katholizismus zum Nationalsozialismus ausschlaggebende Bedeutung beizumessen. Die Kunde von dieser Protestaktion im Saargcbiet wird in allen deutschen Landen, wo Gläubige sich zu ihrer Kirche be- kennen, freudigen Widerhall finden und viele Hoffnungen auf einen erfolgreichen Kamps des Katholizismus gegen das Neuheidentum wecke». Das Ereignis ist in mehr als einer Hinsicht siimptomatisch zu nennen für den immer stärker wer- denden Widerstand gegen dix modernen religonsscindlichcn Anschauungen dcS„dritten Reichs". Tie Gründungsversammlung der christlichen ftroitt erfolgte in einem äußerst g tt n st igen Z e i t p n n k t. Frank- reichs gegenwärtiges Desinteressemcnt an der Saarfrage, von dem die rttckglicdcrungsfrcundlichc Presse nun schon tage- lang berichtet, schlicht von vornherein jede Verdächtigung aus, daß der Volksbund ein Werk der französischen Propa- ganda sei. Zudem hat der schmutzige„Westland"-Tkandal gc- rade in diesen Tagen offen dargetan, ivie unberechtigt die Verlenindnngen der Statns-guo-Bewegungen sind, sie ar- beitc nur mit französischem Kapital. Auch beim neuen Volks- bund handelt es sich ausschließlich»m eine Aktion von beut- scheu Saarländern, deren sehnlichster Wunsch es wäre, für die Rückgliederung ans Reich zu stimmen, w c n n— und dieses„Wenn" ist außerordentlich wichtig— in Teutschland nicht der Nationalsozialismus die politische und wcltanschau- liehe Führung inne hätte. Es wird nun darum gehen, ob diese Saardentschcn der Bolksbundbcwegung den Völker- bundsrat so weit beeinflussen können, daß er in seiner Defi- nition des Status guo die Möglichkeit einer zweiten Volksabstimmung vorbehält und ihnen deshalb auf diese Weise die Möglichkeit einer späteren Rückkehr zu Deutschland offen läßt. Geschieht dies, so wird die»cne Or- gonisatio» ohne Zweifel bald zur Abstimmungssragc Stel- lung nehmen und ihren Anhänger» Stimmabgabc für den Status quo empfehlen. Eine Mehrheit für diese Lösung scheint dann nickt ausgeicklossc», da zur Zeit, wie Landcslcitcr Pirro es kürzlich in einem Interview mit einem hollän- bische» Journalisten zugab, gut vierzig Prozent der Saar- bevölkerung noch nicht über ihre Stimmabgabe entschieden haben und sich sehr wahrscheinlich gegen die sofortige Rück- gliedcrung aussprechen werden. Wertet fflr die„Deutsche Freiheit"! Ein voller Erlolg Ober die Sdileber des Goebbels Als es endgültig und unumstößlich geworden war, daß die vnabhängige deutsche Wochenzeitung„Westland" in die Hände von Goebbels-Agenten gefallen ivar, da stand es zur selben Stunde auch fiir die am Verkauf des Blattes unbe- teiligten Mitglieder der Redaktion, die ihre Mitarbeit bc- reits eingestellt hatten, als sie von dem Besitzwechscl er- fuhren, fest, daß man ans neuem Posten weiterkämpfen müsse. lind schon am vorigen Samstag erschien zum ersten Mal das unabhängige deutsche Wochenblatt„Grenzland", auf dessen Titelblatt dicht unter der Kopfleiste zu lesen stand: „Hier spricht die alte Westland-Redaktio n." Das Saargebiet hatte eine Sensation. Die alten Freunde dieser Redaktion waren ebenso begierig zu erfahren, was sie zu sagen habe, wie das nationalsozialistische Bürgertum und die irregeführten braunen Erwerbslosen an den Stempel- stellen.„Grenzland" ging ab wie warme Semmel. Tie Zei- tungsverkäufer wurden in einer Weise bestürmt, wie es sonst nur an ganz großen Tagen zu geschehen pflegt. Im Saargebict hat man ähnliches bisher nur am 30. Juni dieses Jahres beobachten können. In der Hauptstraße zu Saarbrücken ballten sich Mcnschen- knäuel um die Zeltungsverkäufer, und an einer Stelle wurde diese Ansammlung aufgeregter Interessenten so bedrohlich, daß die Polizei im Interesse des Verkehrs glaubte eingreifen zu müssen und den Verkäufer für kurze Zeit mit aus die Wache nahm. Eine völlig sinnlose Handlungsweise. Immer- hin: Tic spricht für den Erfolg der ersten„Grcnzland"- Ausgabe. „Grcnzland" ivar am Samstagabend in aller Hände und in aller Mund. In den Quartieren der Einheitsfront war es in gleicher Weise Gesprächsgegcnstand wie iü den Lokalen, in denen die Mitglieder der„deutschen Front" zu verkehren pflegen. Und zivei Tinge waren es besonders, die im Vorder- grnnd standen: die saubere und entschiedene Haltung der alten„Westland"-Redakteure und die nngehencrliche Ver- schwendung, die Goebbels mit den Mitteln eines verarmten Deutschland treibt. Ter Fall„Westland" hat es in aller Ocsfcntlichkeit gezeigt. Großes mit Wasserkraft bei Luxemburg preiswert zu verkaufen. Angeb. a. d.„Deutsche Freiheit" Saarbrücken unter bir. 1248-9 fäeteiHgung Tüchtigem Geschäftsmann(Emigrant) ist Gelegenheit geboten sich an seriösem Geschä't in großer Stadt der Schweiz zu beteiligen.(Große Gewinnchance). Offerten unter E.B. an die Expedition der„Deutschen Freiheit'' Saarbrücken Und noch etwas ist erfreulich: die Solidarität zwi- schen der alten„Westlatld"-Redattion und ihren Freunden und Anhängern. Mit einem in aller Eile bei einigen saarländischen Bür- .gern ausgetriebenen Betrag, der gerade für die Herstellung von zwei'Nummern des neuen Blattes ausreichte, gingen die alten„Westland"-Redaktcurc ans Werk. Mit einem Wagemut ohnegleichen, mit bereitwilliger und freundlicher Unterstützung von allen Seiten— der Verlag der„Volks- stimme" stellte dem neuen Blatt bereitwilligst Verlag und Postscheckkonto zur Verfügung— wurde„Grcnzland" gestartet. Von diesem geliehenen Postscheckkonto soll noch dte Rede sein. Tie letzte Seite des„Grenzland" wurde bekanntlich von einem Appell an die Freunde der alten„Westland"-Redak- tion ausgefüllt. Es war ein Appell an die Opferwilligkeit. Und dieser Aufruf war nicht umsonst. Wie wir von der „Grenzland"-Redaktion erfahren, fließen die Spenden in einer Weise, die zu den schönsten Hoffnungen fitr den Ani- und Ausbau des neuen Blattes berechtigen. Arbeiter. An- gestellte, kleine Gewerbetreibende sind unter den Spendern mit fünf und zehn Franken vertreten. Aber auch Beträge von hundert, zweihundert, ja selbst fünfhundert Franken können gebucht werden. Womit nicht gesagt sein soll, daß diese Opferwilligkeit nachlassen darf. Es sind noch erhebliche Be- träge notwendig! Tas-ist die Situation, in der die»Grcnzland"- Redaktion in der Vorbereitung für die zweite Nummer ist. Sie hofft dabei weiterhin aus die Opserwilligkeit und die Hilfe ihrer alten und schon neu gewonnenen Freunde. Es geht nicht nur um die Mittel für die Existenz des Blattes, es geht fast mehr noch um den in aller Qesfentlichkeit zu erbringenden Beweis einer unzerstörbaren Solidarität aller Hitlergcgncr an der Saar. Und dieser Beweis wird ziveifcllos erbracht werden. Eins steht fest: die alte„Westlanb"-Redaktion hat dank der verschwenderischen Propaganda, die der Tr. Josef Goebbels und seine Agenten für sie gemacht haben, einen ungleich günstigeren Kampfboden gewonnen, als sie ihn besaß. förietkasten J&in brauner Ordnungshüter." Zu solchen schwerwiegenden Be- bauptungen müssen Sie uns gegenüber mit Ihrem Namen stehen. Auf unsere Verschwiegenheit können Sie sich verlassen. Für den Gesamllnhall verantwortlich: Johann Pitz ln Tud« weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrüden. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSsttmme GmbH„ Saarbrücken 3, Schützenstroße 5,— Schließfach 776 Saarbrücken. Heute fällt in Genf die SaarsEntscheidung! Es kommen zu Wort: Der Großindustrielle Hermann Röchling. Der Führer der Deutschen Front, Pirro. Der Pfarrer Wilhelm. Der Vorsitzende der Handwerkskammer. Schmelzer. Gräfin von Roedern. Der Propagandaleiter der Deutschen Front, Peter Kiefer. Minister Zoricic. Drouard, Vorsitzender der französisch-saarländischen Handelskammer. Raspail, Direktor der Mines Domaniales. Dr. Velleman, Generalsekretär der Abstimmungskommission. Exzellenz Galli, Vorsitzender des Obersten Abstimmungsgerichtes. Dr. Martiner, General- Advokat beim Obersten Abstimmungsgericht. Landgerichtsdirektor Steinfels. Johannes Hoffmann, Führer der katholischen Front. Max Braun, Vorsitzender der Sozialdemokraten. Fritz Pfordt und Philipp Daub, führende Funktionäre der Kommunisten. Julius Schwarz, Vorsitzender des Bergarbeiterverbandes. Arbeiter und Bauern, Geistliche und Handwerker, Hausfrauen und Schulkinder, Kaufleute und Lehrer. Inhaltsangabe: Mitten in Europa 1934. Deutsch sein. Hitler vor den Toren. Hier regiert der Völkerbund. Die toten Seelen. Kommt die Wirtschaftskatastrophe?. Gleichschaltung der Sklaverei?. Die Front der Schwankenden. Die katholische Fronde. Die Einheitsfront. Das andere Deutschland. Ein Würfel fällt an der Saar Die Wahrheit überdieSaar! Das Reportagebuch für jedermann! 180 Seiten, zweifarbiger Umschlag, bessere Ausgabe Fr. 12,—(Sfr. 2,40), billige Volksausgabe Fr. 6,—(Sfr. 1,20). RING*VERLAG AG., ZÜRICH Zu beziehen in allen Buchhandlungen oder bei der Buchhandlung der Volksstimme G.m.b.H. Saarbrücken 2, Trierer Strafte 24/ Postscheckkonto Saarbrücken 619 IS6> HIER SPRICHT m Ein Land wird interviewt von THEODOR BALK Dr. Hans Neikes Hermann Röchling Jakob Pi rro Pfarrer Wilhelm ,/■-■; f;>'\ Peter Kiefer Wilhelm Schmelzer Pfarrer Nold Minister Zoricic Exzellenz Galli D r. Martina Direktor Raspiai! D r.' V e I I e m a n Johann Hoffmann M a x B r a u n Fritz Pfordt Philipp Daub Julius Schwarz Bergarbeiter Hausfrauen Hüttenarbeiter Landwirte G e i s t I ich e Schulkinder und viele andere .«-■r-' 1>■* WfP'f.