■ I Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 275— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 9.'10. Dez. 1934 Chefredakteur: M. Braun Aczt, dec sich schämt Seite 2 Clemmceaus S.aatfcanzosen Seite 3 JMeqalec Geeicht aus Oestecceich Seite 4 Statt$udioäti(}tec-. xLet AcmeemusiAiHSpizieut • Seite 7 Kriminelle RciclispollUK '.-v Wr'' Welches Verbrechen ist solchen Madithabern nicht zuzutrauen? Schon oft... Das verzögerte Dement' Mit einigen Tagen Verspätung ist nun folgendes amtliche Tementi erfolgt: In einzelnen Auslandszeitunge n wird ein a n- kl c b l ich e S T e st a m e n t des e r f ch o f f e n e n G r n p- Pen führ er s Ernst zur Entstehung des Reichstags- brandeS veröffentlicht. Es handelt sich bei diesem angeb- lichen Testament um einen a u sg e m a ch t e n Schwin- d e l, wie er uns im allgemeinen aus der Emigrantenpresie sattsam bekannt ist. Es bleibt nur bedauerlich, da« auch ernsthafte ausländische Leitungen dieses Machwerk ihren Lesern ohne jeden Vorbehalt vorsetzen könne», trotzdem sie eigentlich wissen müßten, daß ähnliche Tokumente schon oft in der Emigrantenpresie veröffentlicht worden sind, von denen sich dann herausgestellt hat, daß sie erfunden ivaren. Auch in diesem Falle handelt es sich um eine Fäls ch u n g gröbster Art. die sich in den Augen unbefangener Leser von selbst richtet. Ohne Hinweis ans die gefürchtete„Emigrantenpresse", die diesmal gar nicht das Verdienst für sich in Anspruch nehmen kann, geht es nun einmal nicht. Es ist„ausgemachter Schwin- bei", da st die Emigrantenpresie„ähnliche Tokumente schon oft" veröffentlicht habe, von denen sich später herausstellte, hast sie frei erfunden ivaren. Tas Tementi nennt nicht einen einzigen Fall und kann keinen nennen. In den Augen unbefangener Vefer richtet sich nicht das Pariser„Journal", das die Reichte des Ernst mit der faksimilierten Unterschrift des E r»st ver- ösientlicht hat, sonder» eine Reichsregierung, die auf so schwerwiegende Vorwürfe— und sie werden seit dem Tage des Reichstagsbrandes in der grossen Preise aller Länder von den ernsthastesten Leuten erhoben— mit einem so jäm- merlichen Dementierversuch antwortet. Tas Tementi verschweigt übrigens, daß weitere Original- doknmente des Ernst, so sein gepfefferter Vrief an Heines, in die Oeffentlichkeit gelaugt sind. Niemand ist in der Lage, einen Brief wie diesen zu erfinden. Ter TA.-Gruppensüljrer Ernst kann nur wegen gefähr- Itcher Mitwisserschaft am Reichstagsbrand und anderen Ver- brechen beseitigt worden sein. Wie unzufrieden er auch mit Hitler, der in seinen und seiner Söldnerfreunde Augen ein Verräter war und wie eng er auch mit Röhm verbunden sein mochte, an irgend welchen Pulschvorbereitungen zum SO. Juni war Ernst nicht beteiligt. Stach einer offiziösen Meldung ist Ernst in Bremen ver- hastet worden, als er sich mit seiner jungen Frau gerade zur Hochzeitsreise einschiffen wollte. Während angeblich seine SA. zum Borstosi gegen den„Führer" mobilisiert wurde! Aber nehmen wir selbst an. er hätte das Mißlingen des angeb- lichen„Putsches" vorausgesehen und hätte aus dem Reiche fliehen-vollen. Tann hätte er unter keinen Umständen einen deutschen Seehafen und ein deutsches Schiff gewählt, an dessen Bord er noch immer ans deutschem Boden war und auf Grund eines Funkspruches hätte verhaftet werden können. Stein, so dunkel auch noch Manches nm die Mordtage des 80. Juni— die Totenliste fehlt immer noch— geblieben sein mag: Im Falle Ernst liegt die Ausklärung schon seit langem vor der Welt. Er gehört zu denjenigen, gegen die, wie Hitler sich ausdrückte, Göring die Aktion aus eigener Initiative erweiterte. Göring ließ den neben Röhm am Reichstagsbrand am meisten beteiligten Ernst umbringen. Auch Goebbels, ebenfalls einer der Urheber der Brandstif- tnng, wäre erledigt ivorden, wenn er sich nicht in das Flug- zeug Hitlers geflüchtet und mit diesem zur Abschlachtung Röhms und Heines nach München geflogen wäre. TaS alles ist nichts Neues. Es wird nur bestätigt durch die Niederschriften des Ernst. Tie Reichsregicruug. die bewußt Unschuldige wie Torgler und Dimitroff vor das Reichsgericht stellen ließ» hat nicht gewagt, einem einzigen der angeblichen Verschwörer des 30. Juni vor irgend ein Gericht zu stellen. Sic wurden ohne Vernehmung und ohne Verfahrung stumm gemacht. Man wußte warum. Ein Tementi der Hauptschuldigen muß angesichts der furchtbaren Tatsachen nichtssagend sein und richtet sich in der Tat in den Augen unbefangener Leser von selbst. Man bleibt im gleichen Stil Gerade am Tage des hitlerdeutschen Tementis in Sachen Reichstagsbrand gab der hitlerdeutsche Rundfunk einem Geldschrankknacker das Wort, der im Auf- trage der reich samtlichen Taarpropaganda gearbeitet hat. Ein bisheriger Angestellter der französischen Grubenverwaliung— Hild heißt der Ehrenmann, der lei- der Reichsdeutscher ist— rühmte sich, daß er WachSabdrücke von Geldschrankschlüsseln genommen, Nachschlüssel habe an- fertigen lasten und dann Tokumente aus zwei Geldschränken der französischen Griibenverwaliiing gestohlen habe. Also Einbruch unter schwersten Umständen! Wir haben politisch mit diesen Tingen nichts zu tun, und haben keines der gestohlenen Dokumente, deren Berössent- lichung hitleramtlich angekündigt wird, zu fürchten. Wir stellen nur die Frage: welches kriminelle Verbrechen ist eigentlich den Agenten Hitlerdeutschlands und ihren Agen- ten nicht zuzutrauen? * Maria E a r s e n i u s stiehlt für die reichsamtliche Propaganda im Polizeipräsidium zu Saarbrücken und I. Hilt raubt im Dienste reichsamtlicher Auftraggeber die Geldschränke der französischen Grubenvcrwaltung aus. Nach dem Zuhälter Horst Wessel und dem polnischen und französische» Spion Schlagetcr treten zwei neue Nativnalheldeu in das braune Parteipantheon ein. Zum Sturze fles Obcrprästöcntcn DrUtimer Das Niedersdiiagen der Sozialradmalen Berlin, 8. Dezember. Tie Absetzung und Ausstoßung des Oberpräsidenten und Gauleiters Brückner in Schlesien wird viel mehr erörtert als die endgültige Kaltstellung Gottfried Feders, weil man in Brückner einen der Herde des aktiven Wider- standes gegen den sozialreaktionären Kurs Hitlers ver- mutet. Es wird erzählt daß Brückner einer der Haupt- beteiligten an einer Sitzung sozialistischer Pg. gewesen sei, die Hitler von seinem jetzigen Kurs abbringe» wollten. Es soll sich hauptsächlich um süddeutsche prominente National- sozialisten handeln, die mit Brückner verbunden waren. Es wird behauptet, daß Brückner verhastet worden sei. Auch erzählt man sich schon, er sei erschossen worden, indes st das einstweilen ein unbestätiateö Gerücht, wie denn überhaupt seit einigen Tagen die Gerüchte noch zahlreicher geworden sind als bisher. Behauptungen, daß schon vor der Festnahme Brückners in Bauern standrechtliche Erschießungen rebellischer Nationalsozialisten stattgesunden hätten, gehen von Mu»d zu Mund und werden allgemein geglaubt. Es äußert sich darin das Mißtrauen gegen das Regime und die jedem fühlbare Spannung zwischen Regierung und Volk, nicht zuletzt auch zwischen den regierenden Persönlichkeiten und ihren Unterführer« in der NTDAK. Nach einer Version soll Brückner, als er die Gewißheit seiner Absetzung erlangt hatte, nach Berlin geflogen sein, um sich vor Hitler persönlich zu rechtfertige«. Als er landete, sei er festgenommen worden. Tos Parteigericht in München habe auf Grund weittragenden Materials, zu dem auch Ver- binduugen mit der„Tchivarzen Front" Tr. Otto Straßers gehörten, den Ganleiter Brückner zum Ausschluß aus der Partei verurteilt. In diesem Zusammenhange wird von Kundigen auch wieder behauptet, daß Hitler nur noch für einen kleinen Kreis von Getreuen seiner nächsten Umgebung und einige hohe Reichswehroffiziere zugänglich sei und Beziehungen zu irgend welche» kritisch gestimmten Unterführern nicht mehr habe, weil diese ihm planmäßig ferngehalten würden. Der überraschende Besuch Hitlers bei dem Generalfeld- Marschall von Mackensen zu dessen 8ö. Geburtstag wird in politischen Kreisen als eine Bestätigung der engsten Be- Ziehungen zu den Reichswehrspitzen aufgefaßt, die jede Ge- legenheit benutzen, um den„Führer" und Reichskanzler als den getreuen Eckehart des Heeres auftreten zu lassen und so der Offizierskaste zu zeigen, daß sie und nicht die Talmi- generale der Parteimiliz die Staatswaffe zu sühren haben. .(Fortsetzung sieh« nächste Seitell Was Ml England? Betrachtungen zur Rüstungsdebatte im Unterhaus 0. G. 2 o tt b o n, Anfang Dezember. Als Winston Churchill und feine Freunde einen Antrag zur Debatte über die Thronrede einbrachten, in dem sie verstärkte englische Rüstung, vor allem zur Luft forderten, hat zunächst niemand diesem Antrag besondere Bedeutung beigemessen. Man dachte, es handle sich hier um einen der üblichen Vorstöße des rechten Flügels der Konservativen, den die Regierung mit einigen entgegen- kommenden Worten abspeisen werde. Aber dann wurde plötzlich verkündet, daß Baldwin und Simon die Gelegenheit benutzen würden, um wichtige Erklärungen über die deutsche Rüstung abzugeben, daß Simon den deutschen Botschafter v. Hoesch zu sich gebeten habe, daß der englische Botschafter in Berlin bei Neurath war und auch um eine Unterredung mit Hitler nachgesucht habe. Nun wußte man. daß eine hochbedeu- tende Debatte zu erwarten mar. die wichtige politische Entscheidungen bringen könne. Hätte nicht die Prinzen- Hochzeit gerade in diesen Tagen ganz England in Bann gehalten, die Sensation wäre noch größer gewesen. Mit Spannung sahen alle politisch Interessierten dem Tage entgegen. Nicht wenige Franzosen hofften, daß jetzt die englische Regierung Deutschland wegen seiner Ver- tragsverletzung in den politischen AnKlagezustand versetzen würde. In Deutschland ivac man besorgt, war doch die unfreundliche Aufnahme Ribbentrops in London kein gutes Vorzeichen. Als man dann am Don- nerstag die Berichte über die Debatte las— war man so klug wie zuvor. Es war eine würdige, hochstehende Debatte, würdig der besten Traditionen dieses Paria- ments, das die Parlamente aller anderen Länder türm- hoch überragt. Die Reden von Churchill, Baldwin, Simon, Lloyd George, Boothly usw. waren verantwortungs- bewußte ernste Reden. Leider hatte dieLabourParty nicht Major Attler sprechen lassen, der etwas von Außen- Politik versteht, sondern den menschlich wundervollen, aber außenpolitisch völlig wirren alten Lansbury, der alle Dinge von der sentimentalen Seite anpackt, und Morgan Jones, einen zweit- soder dritt-) rangigen Politiker. Doch davon abgesehen, es war eine ausgezeichnete Debatte. Nur weiß man nicht recht, was mit ihr bezweckt wurde. Schon am nächsten Tag setzte das Rätselraten ein. Was will die englische Regierung eigentlich? So fragte ein Engländer den anderen(falls ihm die Hochzeit dazu Zeit ließ). Was will die Regierung? So fragte die Presse? Was will England? So fragte man sich in Frankreich. Was will England? So fragte sich Deutschland. In Paris war man etwas enttäuscht, aber doch nicht ganz. In Berlin war man etwas erleichtert, aber doch etwas beunruhigt. I a, w a s iv i l I England? * Churchills Rede war klar. Er will englische Auf- rüstung, er will Deutschland politisch isolieren, er will ein Militärbündnis mit Frankreich und sogar mit dem von ihm so gehaßten Rußland: denn jetzt sei Nazi- Deutschland der gefährlichste Feind. Aber was will die Re- gierung? Tarauf allein kommt es an. Betrachter man die Debatte als Gesamtheit und beson- ders Baldwins Rede, so schälen sich die folgenden Gedan- Ken heraus: 1. Alle Redner, ohne Ausnahme, beschäftigten sich mit Deutschland, alle sahen nur im Nazi-Reich den möglichen Gegner. Selbst Lloyd George, der so oft den Nazis Hilfsstellung leistete— und auch diesmal von ihnen wieder als Bollwerk gegen den Bolschewismus sprach— sah nur Deutschland, kein andres Land als mög- lichen Gegner. 2. Die beiden englischen Minister, die in der Debatte sprachen— es sind die wichtigsten Minister des Kabi- netts— erklärten zum ersten Male offiziell, daß Deutschland vertragswidrig aufrüste. 3.'Baldwin und Simon gaben Deutschland zu verstehen, daß sie trotz der Geheimnistuerei über Details der deutschen Rüstung informiert seien. 4. Baldwin betonte im Namen der englischen Regierung, daß England die feste Absicht habe, sichvonderdeut- s ch e n L u s t f l o t t e nicht überflügeln zu lassen. 5. England beabsichtigt n i ch t, Deutschland der Ver- tragsverletzung anzuklagen und gar irgend etwas dagegen zu unternehmen. Ii. England ist bereit— und es wird Frankreich in der gleichen Richtung zu beeinflussen suchen— die bisherigen deutschen Geheimrüstungen als vollendete Tat- fachen anzuerkennen, wenn Deutschland die Ge- heimniskrämerei aufgibt und in den Völkerbund zurück- kehrt. * Das waren die Kernpunkte der Reden. Alles andre war Beiwerk. Welches ist nun die politische Absicht, die dem allen zugrunde liegt l Zorn Sturze des Oberpräsidenten ßrttrkner innenpolitisch will die Regierung eine drohende Panikstimmung beseitigen. Vor allem die Rolhermereblätter hoben in dieser Beziehung viel gesün- vigt. Sie wollen die englische Luftaufrüstung propagieren und haben zu diesem Zwecke täglich neue Alarmmeldungen über die deutsche Luftflotte publiziert. Fast täglich oer- mehrte sich diese Luftflotte um 10000 Flugzeuge. Diese Alarmmeldungen drohten einen gefährlichen Effekt zu haben, einen ganz anderen Effekt, als beabsichtigt war. Sie drohten eine hoffnungslose Stimmung zu erzeugen. Wenn Deutschland so gerüstet ist und es viele Bundes- genossen hat fauch das behauptete die Rothermerepresse), dann können wir lieber gleich einpacken und kapitulieren, da kommen wir doch nicht mehr mit— so müßten notgedrungen die Leser solcher skrupellosen Alarmzeitungen denken. Deshalb hat Baldwin wohl die deutschen Rüstungen eher etwas nach unten abgerundet. Auf der anderen Seite aber hat er doch die deutsche Aufrüstung so emst behandelt, daß der pazifistische Widerstand gegen jede Luftaufrüstung geschwächt worden ist. Baldwin hat so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wichtiger aber ist die außenpolitische Bedeutung. Auch hier wurden offenbar verschiedene Absichten verfolgt. Zunächst wurde der deutschen Außenpolitik eine Illusion genommen. Da alle Redner, einschließlich der Minister, nur in Deutschland den möglichen Feind sahen, so muß es den Herren in Berlin klar geworden sein, daß Deutschland für den Fall eines Krieges in Europa nicht nur nicht auf englische Hilfe rechnen kann, sondern auch nicht auf eng- lische Neutralität. Wenn es zum Krieg kommt, der bei der gegenwärtigen Lage der Dinge nur von Deutschland provoziert werden könnte, so ist England im Lager der Feinde Deutschlands. Mac- donald hatte das bereits vorsichtig in seiner Guildhallrede angedeutet. Baldwin hat das jetzt noch deutlicher gemacht, offenbar hatte man in Berlin den Einfluß der englischen Isolierungspolitiker um Lord Beaverbrook. die Loslösung von Europa und Bruch der Locarnopolitik fordern, über- schätzt, oder auch zu sehr mit der pazifistischen Stimmung des englischen Volkes gerechnet. Baldwins Rede, die in dieser Beziehung im Unterhaus keinen Widerspruch fand, war ein klares Bekenntnis zu den Locarno- Verpflichtungen. Nur in bezug auf Osteuropa bleibt Englands Politik noch dunkel. Uebrigens hat die gegen- wärtige Situation manche Aehnlichkeit mit der Lage zur Zeit der Agadirkrise(1911), wo auch England deutliche Warnungssignale gab, die man jedoch in Berlin nicht hören wollte. Wird das Gehör diesmal schärfer sein? Baldwin hat in seiner Rede Berlin gleichfalls mitgeteilt, daß England trotz der deutschen Geheimnistuerei über vieles unterrichtet sei, und daß England es im äußersten Falle auf ein W e t t r ü st e n zur Luft an- kommen lassen werde.(Auch hier Parallelen zu 1911/12, nur daß es damals Seerüstungen waren). * Aber wie vor dem Weltkriege so hat auch diesmal Eng- land seine Warnungen mit einem Angebot verknüpft. Damals erstrebte man ein Flottenabkommen(Kriegsmini- fter Haldane fuhr zu diesem Zweck sogar nach Berlin, er- gebnislos). Jetzt fordert man von Deutschland: Schluß mit der Geheimnistuerei, Rückkehr nach Genf. In diesem Falle, so deutete Baldwin an, wäre Eng- land bereit, den gegenwärtig erreichten deutschen Rüstungsstand anzuerkennen und den Vertrags- bruch zu verzeihen. England tut diesen Schritt nicht gerne. Man erkennt hier, daß man sich damit auf einen gefähr- lichen Weg begibt,- man gibt nämlich einem kriegerischen, erpressenden Deutschland, was man einem sried- lict)en. Vertragstreuen Deutschland verweigert hat. Man reizt dadurch geradezu zu weiteren Erpressungen an. Die englische Presse sieht diese Gefahr. Dennoch würde die öffentliche Meinung Englands diesen Schritt billigen, wenn dadurch wirklich der Frieden gesichert würde. Man rechnet offenbar damit, daß Nazi-Deutschland sich bereit erklären würde, seine Rüstungen offenzulegen, weitere Aufrüstung abzustoppen und sich einer Kontrolle zu unterwerfen, wenn es anderenfalls mit einer klaren Gegnerschaft Englands und mit einem regelrechten Wettrüsten rechnen müsse. Man hathier immer noch nicht erkannt, daß die Nazis grundsätzlich Verpflichtungen nur eingehen, um sie bei der er st en Gelegenheit zu brechen. Wenn Deutschland z. B- alles unterschreibt und dann doch eine wirksame Kontrolle sabo- tiert? Was dann? Diese Frage scheint man sich hier noch nicht gestellt zu haben. Und sie ist doch die entscheidende. So hat also die englische Unterhausdebatte in manchen richtigen Dingen Klarheit geschaffen, aber um die ent- scheidende Frage hat man sich doch geschickt herumgedrückt, hier hat die altenglische Maxime„wait and see" (kommt Zeit, kommt Rat), wieder einmal gesiegt. Verstiidriung des fugoslawisdi-ungarftfflen Ifonftihfs Budapest, den 7. Dezember. Während in Gens die Verhandlungen und Beratungen über den jugoslawiich-ungarischen Kvnsliki begonnen haben, haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern neuer- bings a u>» e r o r d e n I l i ch verschärft. Tie jugosla- wüche Regierung hat M a s s e» a u s w c i i» n g c n von ungarischen Staatsangehörigen voraenomyien. Jn diesen Tagen sind bereits über anderthalb tausend Per- sonen aus Jugoslawien ausgewiesen. Unter den Flucht- lingen. die an der Grenze von den Behörden aufgenommen und in provisorischen Baracken untergebracht wurden, herrscht stärkste Erbitterung. Hier wird behauptet, daß die jugoslawische Regierung neue MasscnauSweisungcn vornehmen wird. ES läßt sich augenblicklich nicht übersehen, inwieweit diese Gerüchte stichhaltig sind, aber es muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß diese Maßnahmen der Belgrader Regierung vom politischen und menschlichen Standpunkt au« zu verurteilen sind. Wie lehr die Lage in Südosteuropa gespannt worden ist. geht auS der Tatsache hervor, daß die jugoslawische Regie- rung sich genötigt sieht, Mitteilungen über angebliche Truppenkonzentratlon an der ungarische» Grenz« zu de« «enrieren. Die Budapester Regierung hat gegen die Masscnaus Weisungen in Belgrad Protest erhoben. Gleichzeitig wird bekannt, daß der ungarische Vertreter beim Völkerbund. Tibor von Eckart, die Angelegenheit noch während dieser Tagung im Völkerbniidsrat zur Sprache brinoen wird. lFortsetzung von Seite 1) Bemerkenswert ist, wie kaltblütig und illnsionsloS unsere illegalen Funktionäre die wachsende Zersetzung der Massenbasis des Regimes ausnehmen. Insofern ist eine weit größere Reife als noch vor einigen Monaten vor- Hände«. Man weiß, daß ein Frontalangriff gegen noch große Scharen schwerbewaffneter und wohlorganisierter Banditen, die um ihre Existenz und um ihr Leben kämpfen würden, noch nicht inöglich ist und richtet sich auf eine längere Dauer des Ringens um Deutschlands innere Freiheit ein. Zugleich ist man aber auch von einer zähen und glaubenssesten Kampfes- freude, weil man täglich erlebt, welche ungeheuren»nd vor einigen Monaten noch nicht für möglich gehaltenen Erfolge die planmäßige Zersetzungsarbeit in der SA., in der SS. und vor allem in allen Schichten der Bevölkerung er- zielt hat. Die Saat schießt kräftig in die Halme. Bis sie reist, werben auch die vielen tätigen Arme, die jetzt noch in ge- trennten und sich kaum kennenden Gruppen sich vorbereiten, zum Schnitt und Einbringen der Ernte geeint sein. El« Arzf, der sich schäm! Der Fürther Zuchthausantrag Vor einigen Tagen veröffentlichten wir daS Telegramm einer von 999 Acrzten besuchten Versammlung in Fürth, das»ach einem Referat Streichers einstimmig lnach der„Fränkischen Tageszeitung") angenommen wurde. In diesem Telegramm, das an dem Rcichsinnenminister Frick gerichtet war, forderten die Aerzte ein Zuchthausgesetz für alle Nichtarier, die zu arischen Mädchen in Beziehung treten. Außerdem sollten sie mit Schimpf und Schande unter Be- schlagahme ihres Vermögens vertrieben werden und die deutsche Staatsangehörigkeit verlieren. Es war eine der schändlichsten Osfenbarungcn der braunen Geistesverfassung, die in der ganzen Welt Aufsehen erregte. Referent in jeuer Versammlung ivar ein Professor Luxenburgcr aus München. Dieser Herr schreibt jetzt der„Frankfurter Zeitung"<7. 12.): „Durch Ihren Bericht über„Forderungen einer Aerzte- Versammlung in Fürth" sFranksurter Zeitung", 4. De- zember 1934) wird dem Leser der Schluß nahegelegt, daß zwischen dem in der Uebcrschrist Ihres Artikels näher gc- kennzeichneten Inhalt des Telegramms an den Herrn Reichsminister dcS Innern»nd dein Inhalt meines Vor- tragS irgendwelche sachliche Beziehungen bestehen. Dabei mußten Sie sowohl dem Berichte der „Fränkischen Tageszeitung", aus den Sie sich berufen, als ganz besonders dem des„Fränkischen Kurier" entnehmen, daß ich ausschließlich über Erbkrankheiten und die Mög- lichkcit ihrer Bekämpfung gesprochen habe. Die Inhalts- ang«-' meines Vortrags haben Sie Ihren Lesern vor- entlh.». Gegen die,'« irreführende Bericht- e r st a t t u n g erhebe ich Einspruch. Ich ersuche Sie. vor- liegende Erklärung in ihrem vollen Wortlaut und ohne Kommentar abzudrucken. gez. Prof. Dr. Hans Lnrcnburgcr." Hier schämt sich also ein deutscher Arzt. Er erklärt, zwi- schcn seinem Referat und jenem Telegramm beständen „keine sachlichen Beziehungen". Leider sagt Professor Luxen- burger nicht, wie er innerlich zu dem Telegramm steht, und ob er zu denjenigen gehört, die ihm„einstimmig" zu- stimmten. Das Telegramm bezog sich auch ausdrücklich auf die„rassenpolitische» Ausführungen mit den entsprechenden Schlußcrgebnisien des heutigen AbcndS". vex Pranger In Hoyerswerda wurde ein notorischer Trinker, der wiederholt sein ganzes Geld vertrunken und Frau und Kinder in ärgster Not gelassen hatte, nach mehrmaliger Ver- warnung von der Polizei s e st g e n o m m e n, als er wie- der sinnlos betrunken nach Hause kam und großen Lärm ver- ursachte. Mit einem Schild um den HalS„Ich habe mei- nen ganzen Lohn versoffen", wurde er durch die Straßen geführt. ver Siedlnngsbolsdiewisl Wir erinnern daran, daß die„Deutsche Freiheit" schon>» ihrer Nummer 14 vom 0. Juli 1988 über den Konflikt zwi- schen Brückner und G ö r i n g berichten konnte. Brückner hat am 28. Juni 1933 in einer Konferenz von schlesische« Bauernorganisationen, die unter nationalsozialistischer Lei- tung stehen, gefordert, daß der gesamte Grundbesitz üb« 1000 Morgen und aller Boden, der nicht von dem Besitzer selbst bewirtschaftet wird, zwangsweise enteignet werden soll. Als Wertgrundlage sollte die letzte Vermögcnsstcucrcrklä- rung des Besitzers als Grundlage dienen. * Diese Verordnung war nichts Neues. Brückner hat sie nahezu wörtlich aus dem Text eines sozialdemokra- tischen Antrages abgeschrieben, der im Jahre 1932 im Reichstage vorlag, aber damals von der nationalsozialisti- schen Reichstagsfraktion unbeachtet blieb. Die schlesischen und vstelbische» Junker haben sich sofort nach der siedlungsbolschc- mistische» Rede Brückners bei Hitler, Göring und Hinden- bürg beschivcrt. Göring hat damals Brückner telegrafisch an- gewiesen, er möge die Propagierung bolschewistischer Pläne unverzüglich einstellen. Brückner hat sich diesen Aniveisungcn nie gefiigt. Er berief sich auf die bodenreformerischen Teile des nationalsozialistischen Parteiprogramms. Dieses sei für ihn genau so bindend wie für den Reichskanzler und den Preußische» Ministerpräsidenten. Zahlreiche Geschähe geschlossen 21 allein in Berlin Berlin, den 7. Dezember 1931. Infolge der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung, die trotz aller amtlichen Erklärungen keine sichtbare Erleich- terung wahrnimmt, sieht sich die Regierung ncuerdingS veranlaßt, Maßnahmen gegen den Handel zu treffen. Tie Leidtragenden sind ivieder einmal die kleineren Lebens- mittclgeschäftc. So hat gestern die Polizeiüberwachungsstelle des Polizei- Präsidiums Berlin im Bezirk Berlin-WilmerSdorf eine Kon- trolle der Lebensmittelgeschäfte vorgenommen und hierbei Uebeischreirunge» der zur Zeit geltenden Kartosselpreije festgestellt. Deshalb hat der Polizeipräsident bei diesen Ge- schatten die vorübergehende Schließung angeordnet. Allein in Wilmersdorf sind 21 kleinere Leben?- niittelgeschäfte von dieser Maßnahme be- troffen. Die Ueberschreitung der zur Zeit geltenden Kartoffclpreise erklärt sich damit, daß die Zufuhren von Kartoffeln wieder einmal sehr spärlich sind und daß deshalb verschiedene Händler die Ware, die vom Produzenten zurückgehalten wird, unter der Hand kaufen und dafür höhere Preise zahlen müssen. Gerade an diesem Beispiel läßt sich erkenne», welch ein Durcheinander durch die verschiedenen Anordnungen des Reichsnährstandes in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, insbesondere mit Kartoffeln, eingetreten ist. Aus allen Teilen des Reiches kommen ebenfalls Nachrichten über Schließungen vvn kleineren Geschäften durch die Polizei. Bemerkenswert ist es, daß in Hildesheii» eine vorläufige Schließung des Kaufhauses Gebr. Alsberg verfügt worden ist. Interessant ist dabei, daß die Schließung auf Veranlassung der RS.» Hago, HildeShcim. erfolgte, die eine Preis- kontrolle durchgeführt hat. Zndenk'nder dranmen Heine Erholung Nürnberg, 6. Dez. In Streichers.„Fränkischer TageS- zeitung" lesen wir den folgenden Bericht aus Fürth:„JudaS Auszug. Im Jahre 1933 hatte es die politische Leitung der NSDAP, gemeinsam mit dem Gemeinberat durchgesetzt, daß den Juden verboten werde, Sprößlinge ihrer Rasse in das hiesige jüdische Er- holungsheim zu schicke n." Nach diesem Triumph- bericht wird weiter mitgeteilt, daß drei Lastzüge vor dieses ehemalige Schloß gefahren sind,„und zur freudigen lieber- raschung der Umstehenden wurde die ganze Inneneinrich- tung in diese Transportwagen verstaut". Jetzt sei„die Be- völkerung von Fürth froh, endlich die Juden loszuhaben." ftlffi Ober den Kirdienkampf , Unter dirisflidiem Dedtmanfel staa.sleinditdie und iandesrerräferisdie Elemente Neichöiuucnministcr Frick sprach in einer Kundgebung in Wiesbaden. Seine Reoc hielt sich an das durchschnitt- liche Maß heutiger Minist...rede», mit einer Ausnahme. Sehr ausführlich äußerte sich Frick zum Kulturkampf, zu dem Stellung zu nehmen, der deutschen Presse bekannt- lich versagt ist. Frick erklärte: „Es mag sein, so sagte der Minister, daß die Reichs- kirchcnrcgierung in dem Bestreben, die 28 Landeskirchen in der Reichskirche ausgehen zu lasten, etwas zu stttr- misch vorging und Anordnungen erließ, die der nötigen Rechtsgrundlage entbehrten. Dadurch entstand eine Gegenwirkung. Schließlich sah aber die Reichökirchenregie- rung ein, daß dieser Weg einer bessere» rechtlichen Fun- dierung bedürfe,«nd sie hat da wieder angefangen zu bauen, wv die Rechtmäßigkeit absolut feststand, nämlich aus der rechtmäßig erlassene» Berfastung der Deutschen Evanaelisch?» Kirche. Der Staat denkt nicht daran, sich in kirchliche Dinge zn mischen. Aber es besteht der leider sehr begründete Anlaß zu der Feststellung, daß sich unter dem Deckmantel christlicher Belange hier alle möglichen staatsfeind- lichen und lande« verräterische» Elemente sammeln, um auf angeblich rein kirchlichem Gebiet ihre Politik zu treiben und auf diesem Wege dem„dritten Reich" Schwierigkeiten ,1« bereiten. Unter stürmischem Beifall rief der Minister aus: Ich erkläre hierzu, daß die Reichsregierung nicht gewillt ist, diesem Drei- be» bis ins Endlose mitanzusehen, sonder« daß sie entschlossen ist, dort, wo es die politische« Rot- wcndigkeiten ersorderic, auch gegen solche Staatsfeiude und Landesverräter durchzugreisen. Das deutsche Volk hat die- sen Uirchenpreit satt. Es hat gar kein Jntereste an diesem Zank der Pastoren. Die Reichsregieruna hat«ebenfalls gar kein Interesse daran. Kirchen, die der innere« Er- bannng des deutschen Menschen dienen sollen, die aber nnr Zank und Streit ins Volk tragen, mit z« finanzieren." Diese offizielle Erklärung des zuständigen Ministers ist von dankenswerter Klarheit. Frick droht der Kirchenopposi tion, hinter der er staatsfeindliche Bestrebungen vermutet, mit den schärfsten Maßregeln. Schon vor Wochen wurde be- richtet, daß sofort nach der Saar-Abstimmung versucht werden wird, die Bekcnntniskirche zu unterdrücken und ihre führenden Männer zu verhaften. Tie offenen Drohungen Fricks sind eine vollkommene Bestätigung dieser Meldungen. Gleichzeitig denkt man, um alle Widerspenstigen auf die Knie zu zwingen, an finanzielle Aushungerung. Es ist die alte Methode. Gewalt gegen geistige Bewegung, „totale" Macht gegen die Vielseitigkeit des ewigen Denkens und des unzerstörbaren Glanbens. Immer wurde in der Geschichte mit Schwert und Kerker am wildesten gedroht, wenn die Stützen der Herrschaften zu wanken begannen. I ( Widerhall in rrankreidi Clemenceaus Saarfranzosen »Taar-Bolksstimme" setzt ihre aufsehenerregende Enthüllungen über Clemenceaus Saarfranzosen fort. Das heute von dem Blatte veröffentlichte Dokument hat in den Kreisen der...s, eulscheu Front" besondere Bestürzung hervorgerufen. Es handelt sich nämlich um eine Eingabe einer Anzahl von Gemeinden des Kreises S a a r l o u i s an niemanden anders, als au den verstorbenen Schöpfer des Bersailler Ver- träges Georges E l c m e n c e a u selbst. Dieses Dokument » einer grossen Anzahl von Familien unterzeichnet, öere^u Angehörige heute diejenigen deutschen Männer, die die^-aar den Klauen des landfremden und undeutschen Hit- lerregimentS entreijseu wollen als"Landesverräter" und„Te- paratisten" beschimpfte. Das Schreiben an Elcmcnceau hat folgenden Wortlaut: „Herrn Ministerpräsidenten Georges Clcmcnccau Paris. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Die bodenständige Einwohnerschaft des Cantons Ober- esch für Niedaltdorf, Körprich und G r o st- Hemmelsdorf, Bieringen, Führwcilcr. Oberesch und Guerlsangcn, vereinigt sich, um im Anschlust an ihre Brüder des Eantons Ittersdorf Ihnen, Herr Ministerpräsident, ihre Wünsche darzubringen. !> 1 Prozent der bodenständigen Bürgerschaft de» CantouS find französischer Abstammung und hatte bis in die letzte» Tage die feste Zuversicht, nicht von seinem Mutterlande, das siegreiche Frankreich, vergessen zu werde», sie hoffte auch, nicht von Lothringen getrennt zu werden. Wir wollen nicht länger dem Lande angehören, daS uns vor hundert Iahren gewaltsam annektierte und uns durch brutale Gewalt denaturalisierte. Wir wollen keine Trennung von Lothringen, mit dem uns tiefe kulturelle, wirtschaftliche und familiäre Bande verknüpfen. Wir wollen vor aller Welt bekennen, dast wir ein- gedenk unserer Borsahrc» treue und loyale Franzosen werden wollen, gestützt aus die Geschichte, unser Recht und die herkömmliche Bolköwirtschast unserer lieben engeren Heimat. Nur so können wir Vertrauen Hege», dast wir endlich und für alle Zeiten von der preustische» Rc- drückung befreit werden, nur dann haben wir eine unser heimischer Herd und unsere Scholle aus immer V", Gewährleistung, dast uuscrc religiösen Institutionen, I gegen den Furor Teutonicus geschützt werden sein." Dieses landesverräterische Schreiben ist, wie die„Saar- Volksstimme" berichtet, von einer ganzen Reihe von Per- soneil. die heute in der„deutschen Front" der in Frage k o m m e n d e n O r t s ch a s t en eine s ü h- r c n d e Rolle spielen, unterzeichnet worden. Die Namen dieser Teutschsroutler sind von dem Blatte namentlich ausgeführt. Reidistagsbrandsflffer Und was dazu gehört Die Reichsregierung jagt ihre Polizei hinter allen ausländischen Zeitungen her. die die Beichte des Mit- brandstisters Ernst vcrösjcntlichten. Nicht nur französische, sondern auch englische Zeitungen wurden im Reiche be- schlagnahmt. Dennoch gehen die Beichte und der Brief des Ernst drüben schon von Hand zu Hand. Es mehren sich die gleichgeschalteten Zeitungen, die glau- ben, etwas zur Vertuschung schreiben zu müssen. Dabei darf man ruhig voraussetzen: jeder dieser Untergebenen der noch in Ministersesseln sitzenden Brandstifter weih so gut wie wir, wer das Reichstagsgebäudc angezündet hat. Auch der Ehcsrcdaktcur der„Saarbrücker Zeitung" weih es Trotzdem quält er sich ein paar Zeilen ab. Er witzelt auf seine Art. Dazu hat gerade er alle Veranlassung. We- nige Tage nach dem 30 Juni wußte er ganz genau zu berichten. dast sein Herr und Meister nur 40 bis 50 Volks- genossen in den Hades geschickt habe. Dann hat der Führer des 30. Juni im Reichstage allerdings 77„Tötungen" zuge- geben. Freibleibend und Irrtum vorbehalten. Ter Ehesrcdakieur der„Saarbrücker Zeitung" hat sich auch damit abgesunden. Die genaue Totenliste fehlt immer noch. Auch von den angekündigten Gerichtsverfahren hat nicht ein einziges stattgesunden, obwohl sich der„Führer' und Reichskanzler vor versammeltem Parlament mit seinem— mit Respekt zu sagen- Ehrenwort für solche korrekte Er- ledigung verbürgt hat. Inzwischen weih man, ftafc mindestens 1184 irgendwie und irgendwo unter„Heil Hitler" abgeknallt und eingeäschert worden sind.. Wir haben Leute, wie den erwähnten Chefredakteur, weil sie aus purer Feigheit und Verlogenheit zum Schaden der nationalen Ehre die Wahrheit verschweigen und das Volk gröblich täuschen, gelegentlich hart aber treffend Zuhälter von Mördern genannt. Xic Herren sind auch Zuhälter van Brandstistern, weit ite die Urheber des Reichstagsbrandes schützen und schweigend zulassen, daß Opfer dieser Brandstistung wie Torgler. Mic- rendors. Ossietzki, Küster. Schumacher. Thälmann. Heilmann und andere, darunter viele Kriegsteilnehmer unschuldig in Kerkern und Konzentrationslager» sitzen, so mancher von den Blutgesellen der Göring und Konsorten siech geschlagen. Kindisch anzunehmen, dast der Tag des Gerichts für die Mörder und Brandstifter nicht käme. Solche Schandtaten sind- die Geschichte lehrt es- früher oder später gesühnt worden, und das kommende Volksgericht, so nahe oder kv ferne es fein mag. wird die Zuhälter krimineller Mach! baber gewist nicht vergesse». Zeitungsbände sind gute und zuverlässige Registraturen. lVon unserem Korrespondentenj Paris, den 7. Dezember. Ter der französischen Regierung nahestehende „Petit Parisien" schreibt, dast in den Kreisen der Völkerbundsdelegierten, wie überhaupt bei all den Persönlichkeiten, die sich mit der Saarfrage beschäftigen einheitlich die Auffassung herrsche, dast das kühne und geschickte Benehmen des französischen Außenministers Laval mit einem Schlage das gefährliche Ereignis der Taarabstimmung aus ein Terrain gelegt habe, das unbcdinat sicher sei.. Der zuversichtliche Optimismus von Laval der in wenigen Tagen so bedeutende Tinge zu- ivegc gebracht habe, sei ansteckend gewesen. Er habe ganz Gens besonders von dem Augenblick ab gewonnen, wo man bestimmt wußte, dast Deutschland keine Einwendungen gegen die Anwesenheit e>ncs internationalen Truppenkontingents in der Saar machen werde. Saint-Brice stellt im „Journal" fest, dast der erste Erfolg der Haltung Lavals die Wieder- einbezichung Englands in die kontinentalen Berechnungen sei. Er sagt:„Wir waren über die grundlegende Berichte- dcnhcit des englischen und unseres Temperaments aufs tiefste erschüttert. Ist es nicht das Verdienst Lavals, diese Gegensätzlichkeit der Temperamente beseitigt zu haben? Der britische Imperialismus ergeht sich in Widersprüchen. Er will gleichzeitig die Abrüstung und die Machtüberlegenheit, die internationale Solidarität und die Handlungsfreiheit. Die Saar-Episode ist nur ein kleiner Beiveis der Hein- mungen, die sich daraus ergeben." Pierre BernuS kalt die Ausrechterhaltung des Status quo in der Saar für die beste Lösung. Er schreibt im„Journal des Debats". als Laval erklärte, die Saar sei ein internationales und kein französisch-deutscheS Problem, habe er nur eine Wahrheit gesagt, aus der dieses Blatt immer bestand. Er hätte auch mit seinem Vorschlag, die Ordnung in der Saar durch ein internationales Truppenkontingent aufrecht zu erhalten, recht. Auch gegen die Tatsache, dast französische Truppen in diesem Kontingent nicht vertreten seien, sei keine Einwendung zu erheben unter der Voraussetzung, dast die Organisation dieser internationalen Polizcitruppc gut sei und dast das Fehlen Frankreichs nicht als Uninteressiert- heit ausgelegt werden könne. DaS letztere sei sehr wichtig. Es wäre absurd zu sagen oder zu glauben, dast nicht eine große Zahl Saarländer für den Status quo stimmen könnten. Man sollte unter keinerlei Vorwand diejenigen Saarländer, die unter dem Schutze des Völkerbundes leben wollen, entmutigen. Und man müsse aus den verschiedensten Gründen der allgemeinen Ordnung hinzufügen, dast die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes in der Taar für den internationalen Frieden eine glückliche Lösung bedeuten würde. Der gleichen Ausfassung ist der „Pvpulaire", denn dort schreibt Andre Lerour:„Wir verbergen es nicht und wir haben es niemals verborgen, daß wir lebhast wünschen, bei der Abstimmung im Januar mögen die Status-quo-Anhänger siegen. Das entspricht dem gerecht- fertigten Wunsch der sozialistischen, kommunistischen und antihitlerischcn Arbeiter der Saar, wie auch der Stellung der Internationale und der Federation Internationale. Niemand kann wünschen, dast die Taar, das einzige Stück deutscher Erde, das bisher von der hitlcrischen Barbarei ver- schont ist, von ihr unwiderbringlich verschlungen wird. Wir sind durch unsere Kampsvcrbundcnhcit mit unseren Saargenosse» und dnrch nnsere hartnäckige Gegnerschaft gegen den Faschismus Anhänger des Status quo. Durch die Angliederung an Deutschland wird das Sagr- volk jede Freiheit, jedes Selbstbcstimmungsrecht verlieren. Nur der Status quo wird ihm dieses Recht retten. Und wir können uns»m so mehr die Forderung der saarländischen sozialisti'che"-»arte, zu eigen machen als die Genfer Ver- einbarnng die drohenden internationalen Verwicklungen und den Krieg in weile Ferne gerückt haben, die bis gestern unsere Haltung beschränkten und unsere Solidarität hemmten."— Im „Iour"" wirst Leon Bailbn die Frage ani, warum sich an der Stel- lung des internationale» Truppenkontingents nicht auch die Rumänen, die Polen und die Schweizer beteiligten. Er sagt „Was man auch von der Abstimmung erwartet— und sie ist noch unsicher— so muß sich jedenfalls die ganze Welt vereinen, um die unvermuteten Gegenstöße unwirksam zu mächen." Gabriel Perreux schreibt im „Paris-Soir" bei dem Genfer Turnier gebe es drei Tieger: Laval, den Völkerbund.. und vielleicht einen, der sich in seinem Grabe ein wenig trösten wird ob der Beleidigungen, die er so zahlreich erlitten hat: Aristide Briand. Möge die Löiung der jugoslawischen Frage diesen dreifachen Sieg be- stätigen. Zwei Kompanien Engländer London, 8. Dezember. Das englische Kontingent für die Saar wird aus zwei Kompanien unter dem Befehl eines höheren Offiziers be- stehen, der die für diese delikate Ausgabe notwendigen Eigen- schatten und Erfahrung besitzen wird. Der Kriegsminister wünscht, dast dem Kabinett umgehend eine Kandidatenliste vorgelegt wird. Generalmajor Temperleu miri vön'der Gen- ser Konferenz Ansang nächster Woche nach London zurück- kehren und die britischen Truppen dürsten noch vor. Weih- nachten an der Taar eintreffen. ES steht fest, dast nach der Saar ausschließlich Infanterie- Abteilungen entsandt werden, ivobci voraussichtlich England zahlenmäßig das größte Truppenkontingent entsenden wirb. Das Kommando über die internationale Truppe wird der rangälteste Offizier übernehmen, der voraussichtlich wie bei der obcrschlesischcn Abstimmung im Jahre 1921, auch diesmal wieder ein Engländer sein wird. Wie hoch die Gesamtzahl der internationalen Truv- pen sein wird, steht noch nicht sest. Tie Anoaben schwanken zwischen 3000 und 3000 Mann. Müifer, denkt an enre Kinder! Christliche Frauen verbreiten im Saargcbiet folgendes Flugblatt: Man sagt uns, die deutschen Mütter hätten kein Brot mehr für ihre Kinder. Das wollten wir nicht glauben. Wir glaubten vielmehr, es sei eines der Greuelmärchen, zur Schande Teutschlands von landcsverräterischen Emi- grauten fabriziert. Wir wollten nicht glauben, weil wir Deutschland lieben und auf das Wunder durch seinen Füh- rer hofften. Wir wünschten, mit ihm zu kämpfen und, wenn nicht anders, mit ihm zu leiden, um unserer Kinder Vater- land willen. Wir wußten, groß ist die Not in Teutschland. Aber so wenig Rom in einem Tage erbaut wurde, konnte der Führer die Schuld der 14 Jahre aus einmal tilgen. Groß war sein Beginnen, heroisch sein Kamps, verzwei- feit wehrte er sich gegen das Heer der Feinde ringsum. Mit zäher Verbissenheit ging er an die Uebcrwinduna der Widerstände. Unerhört sein Mut. riesig seine Energie, himmelstürmend sein Glaube, unerschöpflich leine Liebe zum deutschen Volke. So erschien er uns. Schrecklich muß deshalb die schlaflose Nacht des Führers sein, der jetzt, von den Treuesten entblößt, erkennen muß: Ich schaffe es nicht Wir wissen, wie schon seit geraumer Zeit der Zweifel an seinem Herzen nagt. Wir wissen, wie viele au? seiner nächsten Umgebung in erbärmlicher Konjunkturrciterei nach Anschluß angeln. Wir fürchten, bald ist der Tag gekommen an dem der Führer dasteht, wie et» anderer Großer vor fast 2000 Jahren, ganz allein Ter Tag icheint nicht mehr fern an dem die Menge, die noch vor kurzem ihr Hosianna schrie, das„Kreuzige!" fordert. Er schafft es nicht Wir alle wollten heim zu ihm, dem Führer, den unS Gott geschenkt hat. Wir alle wollten ihm unser Bestes und Heiligstes, unsere Kinder bringen. Verraten haben ihn. aus die er baute. Verraten haben ihn. denen er vertraute. Sie haben schon im voraus vertan, was er zu schaffen suchte. Jetzt haben sie kein Brot mehr für ihre Kinder Dast das kein erfundenes Geschivätz ist, sondern bittere Wahrheit, davon mußten wir uns alle überzeugen. Ter„Alemannc". die nationalsoziqlistische Zeitung Ober- Badens, bringt in einer seiner Nummer folgenden Ausruf: Brotsammlung! Am 10. und 17. November sammelt das Winterhilsswerk für die hungernden Volksgenossen Brot. Schwer liegt die Not über dem Land. Ga^ mancher Familienvater weist nicht, wie er das tägliche Brot für seine hungernden Kinder beschaffen soll. Aber das WHW. iorgt.^iind das deutsche Volk ist heute im nationalsozialistischen Staat eine Not- und Schicksglsgcmeinschatt Die Sorge des einzelnen ist die Sorge des ganzen Volkes Kein anständiger Deutscher ver- schließt sein Herz, wenn der Sammler um Brot für die Hungernden bittet. Das Brot soll aber aus hygienischen Gründen in durchsichtiges Papier eingewickelt sein, denn manche Hand saßt es an, bis es aus dem Tisch.des hungern- den Bruders liegt, daß heißt: S'e sammeln Brotrcste für die Armen Mütter, io groß die Liebe zu unserem Führer ist, größer muß die Verantwortung gegenüber unseren Kindern sein. So Heist unsere Herzen ttir Teutschland schlagen, heiliger ist uns der enge Raum Saargebiet, wenn er uns Brot für diese Kinder gibt. Es ist nicht Treulosigkeit gegenüber dem Manne, der sein Bestes einsetzte, nein.»Ur Mutterpflicht, wenn wir unsere Kinder vor dem Schicksal der Kleinen in Deutschland bewahren wollen. Ans dieser Pflicht heraus rufen wir Euch: Bleibt, was Ihr immer gewesen seid, deutsch und frei Hütet Euch aber, dast die, die den Führer verrieten. Euch und Eure Kinder ins Verderben führen. Unsere Kinder sind unsere ganze Hoffnung. In unsere Hände ist ihr Schicksal und damit das des Landes gelegt. Haltet das kleine Land an der Saar frei von den bösen Menschen, die alles Gute, das der Führer geschaffen hat. zerstören. Dann erhalten wir unseren Kindern die Heimat und das für sie notwendige Stückchen Brot Wir wollen beim, heim ins Reich, aber erst wenn der Tag gekommen ist Jetzt aber wollen«vir Mütter nur das eine, was der Prophet Dir iagt: Halte fest, was du hast! Viele Mütter im Saargebiet, i „Treae ans Irene" Die SA. wendet sich von den Nazi-Zeitungen ab Ter„Völkische Beobachter" vom 2. 3. Dezember bringt an der spitze der Ausgabe in größter Aufmachung dies: Treue um Treue Obergruppenführer». Ia g ow: „Ith erwarte von jedem TA.-Mann. da« er die Zeitungen der Partei liest!" Der Reichsminister>ür Volksauiklaruiia und Propa- gando verbot in diese» Tasten zwei sogenannte s v i e I i i l in c ivcil k? dem ihm st empfinden der neuen Feit in keiner Weise entsprachen. Die uaiianaliozialistifche Preise liatte bereits vor diesem Verbot ganz eindentia icharf gegen diese Machwerke ihre «timnic erhoben, während ias Gros der„bürgerlichen Presse" instinktlos wie immer oder vielmehr irgendwo lchn Interessen dienend sich nicht scheute, diese Erzeng nisse einer überwundenen Zeit bis über den grünen Klee zu loben, E'n Beispiel aus unendlich vielen und gleichen heraus- gewählt! In der Politik versuchen zwar diese Blätter, sich gleichschaltend, das«eficht der NS.-Pressc nachzubilden, doch immer wieder fchant irgcnbivo der Pferdefuss heraus. Diese Instinktloiigkcit wird jene„bürgerliche Presse" nie verlassen. Doch der deutsche Mann, die deutsche Frau, drarcht in dieser Zeit eine instinktsichcrc Presse, eine Zei- tung, die ihnen ein absolut v e r l ä ss l i ch c r K a m e- r a d n n d R a t g e b c r i st. Der deutsche Mann will gerade heute die Gcsinnungs- presse. Gest» nungsp reise aber, und da ist die Geschichte unserer Zeit der Beweis, ist die Presse Advls Hitlers, die Zei- titng der nationalsozialistischen Bewegung. Obergruppenführer von Iagow appelliert in einem Aufruf in der vorliegenden Ausgabe des„B. B." an die DA.-Männer der Gruppe Berlin-Brandcnburg. dem„Au- griff" und dem„Völkischen Beobachter", den Kamps käme raden in schwerer Zeit, die selbstverständliche Treue zu holten Die Partei erwartet ivcit über diesen Rahmen hinaus, daß der«ieg der Bewegung auch ein sieg der national- sozialistischen Presse sein wird. Man würde nicht so schreien, wenn es der Nazipresse gut ginge. Am liebsten möchte man wohl die ganze Kon- Kurrenz verbieten lassen wie„sogenannte Spielfilme". Illegale Berichte ans Oesterreich Bo'e Kreide Das„Berliner Tageblatt" berichtet: Eine Berliner Metallgiefterei hat kürzlich einige Arbeiter wegen marristifcher Umtriebe entlassen, und ans die Wider- rufsklage eines Arbeiters hin ist dieser Fall vor dem Ar beitsaericht aufgerollt worden. Die beklagte Firma führte zur Begründung der fristlosen Entlassung aus, daß am 24. September in der Metallgießerei e i n c ausgestopfte P u v p e an einem Gasrohr aufgehängt vorgefunden wurde, die am Gesäss mit farbiger Kreide beschmiert und au der ausserdem ein Zettel mit der Ausschrift„wegen Loh n" angebracht war. In dem Verhalten der beteiligten Metall- arbeiter müsse ein„besonders übler Rückfall in die früheren A r b e i t s k a m p> m e t h o d c n" erblickt werden, und insbesondere die Verwendung roter Kreide lasse auf k o m:n n n t st t s ch e Umtriebe schlichen. Der ganz«!' Vorgang lasse keine andere Erklärung zu. als dnss die Täter hätten zum Ausdruck bringen wollen, dass der B e t r i e b S-d führer wegen der vorangegangeneu Akkordlohnverhand- lunaen aufgehängt zu werden verdiene. Der Kläger versuchte demgegenüber den ganzen Vorfall als einen harmlosen Giessereischerz hinzustellen, der keinerlei gehässige Spitze aeaen die Bctriebsftihrung enthalte und dem insbesondere jegliche politische Tendenz fehle. Das Arbeits- gcricht bat die Widcrrufsklaac abgewiesen und festgestellt, dass eS ssch hier um einen sehr üblen Scherz handele, der nicht ohne eine gehässige Spitze gegen die Betrieb s f ü h r» n g fei und auch nickt des V er dach- tes»> a r r i ft i l ch c r Umtriebe entbehre. Der Kläger Hobe damit in Gemeinschaft mit seinen übrigen Arbeitskollegen gegen die Gefolgschaftstrene gegenüber der Bc- triebSfüssrnnq und aeaen den Gedanken der Betriebsgcmein- schaft auf das schwerste Verstössen. Siefei Tie neueste Lifte von Gegenständen, die aus Grund des Gesetzes zum Schutz der n a I i o u a l c n Symbole für unzulässig erklärt wurden enthält». a. eine Postkarte: „Es ist erreicht", darstellend einen SA.-Mann, der mit einem Hammer aus einen Kraftmesser schlägt, im Hintergrund ist das Reichstagsacbäude zu sehen: ferner einen B i e r k r u g, auf dem TA.-Männer mit Hakenkreuzfahncn dargestellt sind, und weiter R e k l a m e b i ld e r für Stiesel, die mit Noten die Worte:„Einen bessern findst du nit" enthalten. lSchlnss aus Nummer 273) Htti'er Getäiignlsmauerii Der den folgenden Bericht gibt, ist einer von sehr vielen, ein Namenloser aus der großen Masse, einer. der dasselbe erlebte wie unzählige seiner Klassen- genossen, deren Schicksal im Gefängnis nur die folge- licht ige und gesteigerte Fortsetzung ist der Erniedrigung, des Hungers, des Elends, die ihnen die kapitalistische Ordnung in der Freiheit bereitet. Ich wurde verhaftet, als ich gerade gehen ivollte, um meine Arbeitslosenunterstützung zu beheben. Den Grund sagte mau mir nicht. Der eine Beamte schimpfte mich „roter Hund", der andere sagte zu meiner Iran, als fie sich anfregle,„drah di, roter Hatschn!" Sie brachten mich in das Polizeikommissariat meines Bezirks. Dort prügelte man mich. Ich bekam kein Mittagessen, da ich. als der Posten die Zahl der zu fassende» Mahlzeiten feststellte, gerade beim Prügeln war. Später erfuhr ich, dass meine Iran da- gewesen mar. um mir Essen zu bringen. Man hatte mit ihr gefpasst:„Aber gehend, der ist ja schon in der Früh aufgehängt worden." Ich musstc in den Kleider,, schlafen. Decken gab es hier nicht. Des Nachts steckte man mir in meine Zelle, die winzig klein»nd fast nicht lüftbar war, einen Betrunkenen, der entsetzlich randalierte. Am vierten Tag kam ich in das Polizeiaefangenenhaus auf der Elisa- bethpromcnadc, von den Gefangenen kurzweg die„Lieft" oder anck„Maria Elend" genannt. Man steckte mich in eine Einzclzclle. Den Grund nieiner Verhaftung erfuhr ich noch immer nicht. Meine Zelle war dreimal zwei Meter gross. Ich hatte eine Bettstelle mit Strohsact. Abends brachte mau Decke und Polster, ieden Tag andere. Eckelhaft! Der erfte Tag: Um 4.30 Uhr werde ich geweckt. Im Gang,„Laus" genannt, müssen ssch in einer halben Stunde 30 Männer an einem Hahn waschen. Zum Abtrocknen sind zwei Leinn, bauen ihn auch wohl zu Boden und trete« ihn mit Jössen. Einem junge« Menschen wurde aus diese Weise der Arm gebrochen. Krcidewefss wurde der Man« mit dem ver- bundene», Arm in die„KorrektionSzelle" gesteckt. Das ist eine Zelle, in der ansser dem Strohsack kein Möbelstück ist. Dem Gesanqene,, wird ein„ZwangSkleid angezogen. daS ani dem Rücken geschlossen ist n«d das er Tag und Nacht nickt ausziehen kann. Beschwerden sind hier einfach unmöglich, die Aufseher sagen selbst, dass sie Zettel zum Referenten nicht befördernd Obwohl der Heilgehilfe des Arztes täglich fragt, ob jemand krank ist, lässt man Kranke tagelana in der Zelle liegen. Mir ist ein Fall bekannt, in dem man einen Anginakranken mit 18 anderen in der Zelle liegen ließ und er alle 18 an- steckte. In einem anderen Fall muhten die Gefangenen erst in den Hungerstreik treten, beoor man einen Syphilitiker und einen Mann mit offenen Geschwüren aus ihrer Zelle entfernte. Verantwortlich für dieses ganze System im Polizei- gesaiigcnhanS ist ein Major Kristen. Er ist nicht dem Namen nach der Leiter, aber er bat die eigentliche Macht in diesem Sause. Er ist der Sadist wie er im Buche steht, schürst nacht» durch die Gänge, siebt durch die Gucklöcher, reißt Gefangene wegen einer Nichtigkeit aus dem Schlaf, ist bei Häftlingen wie?lussehern ebenso gefürchtet wie gehasst. Den„Lieft"- Hund nennt man ih». To waren die Verhältnisse, wie ich in diesem Gefängnis war. Vielleicht haben sie sich jetzt gebessert. Nein, die Verhältnisse haben sich nicht gebessert seither Da» System in diesem Gefängnis ist dasselbe, wie eS vor Februar an war, der Major ist noch im Amt, Menscher werden durch den Hunger zugrunde gerichtet, Hungerstreiks sind an der Tagesordnung. Es ist gleichgültig, ob alle dic von der„Befriedung" des Landes schwätzen, dieses Tysten kennen und wollen. Die Verantwortung dafür trifft sie alle »er Dazar der braunen Stars Die große Wohltätigkeitstombola in Berlin Im Zentrum des Aufbruchs der Nation, in der Reich»- Hauptstadt, wird man am heutigen Samstag ein eindrucks- volles Schauspiel erleben. Zum Zeiche» dafür, dass man sich mit dem notleidende» Volke solidarisch fühle,>verde» die rcpräjentabelste» Beherrscher des„dritlcn Reiches" persön- lich beim Winterhilsswerk Helsen. Man wirb Goebbels und Göling im einträchtige» Tete a tete vor dem Hotel Adlon, unter den Linden, bestaunen dürfen, mit den Tain- melbüchjen in der Jaust. Aus dem Potsdamer Platz vor dem Columbushaus(bitte, nicht zu verwechseln mit der Marler- anstalt der Gestapo auf der Columbastrassei wird Iran Magba Goebbels, zärtlich bepelzt und flehenden blauen AugeS.«in Scherslein für die Armen erbetteln. Ober- gruppenführer Brückner, des Führers persönlicher Adjn- taut, Pressechef Dr. Dietrich, der kürzlich die philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus fundierte, und einige Gruppenführer minderen Grades werden vom Branden- burgcr Tor bis zur Siaatsoper auf und ab wandeln und den Passanten Geldbeutel und Brieftasche» öffnen. Brauchen wir zu jage», dass ganz Berlin auf den Strasse» sein wird, um feine braunen Stars in Augcnjchein zu nehmen? Wir fürchten allerdings, dass man die Untertanen nicht ganz wahllos heranlassen wird. Die Beamten der Ge- stapo haben den Auftrag, den Korso sozusagen zu regulieren. Es soll Leute geben die ichon lange ans eine Gelegenheit warten. Görtng und Goebbels etwas Liebes vom„Frieden auf Erden" und„allen Menichen ein Wohlgefallen" zu sagen Schon neulich gab es Psisie in einer Goebbels-Vei sommlung. und unter den Linden wäre so etwas noch oiel - peinlicher Freilich, et gibt an diesem Samstag noch sehr viel anderes zu bestaunen. Fast jede Ecke wirb zum Barzar eingerichtet, wo braune Prominenzen für die„Tage der nationalen Solidarität" aktiv sind Bauintang wird sich der Herr Ober- bürgermeister«ahm vor dem RatHaujc aufpflanzen. Staatssekretär Meissner will vor der GedächtniSkirche Spenden in Empfang nehmen. Wir halten dic Platzwahl für besonders sinnig und vielleicht nicht ohne Bosheit ausgedacht. Herr Meissner, der treue Diener so vieler Herren, hat es nachher nicht iv weit zur Kirche. Aber das Allerhöchste ist im neuen Deutschland dock unseren Börseancrn zugedacht worden. Ehe fie das Gebäude der Berliner Börse betrete», wird sie Herr Schacht mit der Bitte»m eine milde Gabe am Acrmcl festhalten. Ein- geweihte rechnen damit, dass die Spenden hier am reichlichsten fliessen werden. Schacht, der den Brecher der Zinsknecht- ichaft besiegt hat, und den Sozialismus brauner Prägung im Berein mit seinem Führer mit reisigem Schwerte mitten ins Herz traf, hat sich«in kleines Almofen aus dem Porte- feuille der Herren von der Börse redlich verdient. * Früher, als wir noch nicht erlöst und erwacht waren, sah man das Gesicht der herrschenden Klasse auf den mondäne» Wohltätigkeitsbazars. Man amüsierte sich unter sich, die Tektpfropse» knallten, die Garderoben mit den dazu- gehörigen Kolliers strahlten im Glänze der Lichterpracht, und die Tombolafollekte soendete das stärkende Gefühl, sich nicht für sich selbst, sondern zugunsten der Armen amüsiert z» haben. Jetzt haben wir dergleichen nicht mehr nötig. Tie neuen Herren stellen sich plebejisch aus dic Strasse, daS Volt sieht öffentlich mitten in ihre woltätige Brust hinein und fiifjlr sich unter solchen Führern herrlich geborgen Man geht vom Brandenburger Tor bis zum Aleranderplatz und begegnet ihnen, wie sie in schlichter Würde und stillem Adel ihr Eins- sein mit dem Volke offenbaren. Denn das ist ja das Grosse dieser Propagandaveranstal- tung: jeder weiss, dass Göring, Goebbels und Schacht bereits ihre eigenen Taschen bis zum letzten Grunde ausgekratzt haben. Tie treten vor die Masse sozusagen als lebendige Fackeln der Volksgemeinschaft. Wenn das so wettergeht, dann wirb vielleicht das zum Wohlstand gekommene deutsche Volk seine Herrscher um ein Herz-Jesu-Stippcheii betteln sehn, weil sie die Substanz ihrer Hunderttausende in den Tops der nationalen Solidarität geworfen haben. Dieser tiefe Sinn des grossen Wohltätigkeitskorsos wird keinem hungernden und frierenden Berliner Proleten verborgen bleiben und ihn im nahenden Lichtrrglanze des„dritten Reiches" aufrichten und beglücken. Vor allem, wenn er vielleicht am nächsten Tage die Herren Göring, Goebbels,Tahm und Schacht doch noch in gutsitzenden Fräcken bei einem braunen WohltätigkeitSbazar im Hotel Adlon empfängt! Irgendwo müssen sich diese Herrschaften schliesslich von den Strapazen des heutigen Samstag er- holen. Dann kommt auch eines ihrer Luxusautos wieder zu Ehren, das am„Tage der nationalen Solidarität"— man soll nicht geben, sondern opfern, hat Hitler aciaat— in der Garage bleibe» mußte. Auch die höhere Justiz im Korso Ter Reichs- und preußische Justizwinister, Dr. Gärtner, hat in einem Erlaß an die Justizbehörden angeordnet, dass sich die höheren Beamten sämtlicher ihm unterstcllcer Vc- Hörden für die Sammelaktion am 8. Dezember zur Verfügung stellen, lleberall im Reich worden an diesem 5aae Richter und Staatsanwälte, de» Amtsrichter aus dem Tori ebenso wie der Obcrlandesaerichspräsident und der Gene- ralstaatsanwalt>n der Stadt mit den Sammelbüchsen auf der Strasse stehen... $>euisefie Stimmen*(Beilage cur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und®esdk1dttcn WUW>WWWWWW^RDWIDR^^>Ä iowntaq-Montaq. dan 9. und 10. Da« wPer 1»34|f;| 44it>(fC&C&St Von Vlanfced Nun sind die Bäume kahl geworden. Aber noch einmal, schon an der Schwelle des Winters, entsinnt sich ein Tag kaum vergangener Heiterkeit und lockt mit mildem Schein die Menschen noch einmal ins Freie. Ganze Geschwader von Kinderwagen sind mobil geworden und sammeln sich auf den Parkwegen Zu zweien, zu dreien fahren junge Mütter Und schmucke Kindermädchen mit ihren Schützlingen nebeneinander her. weil sich so besser dies und das erzählen läßt. ^ nhlverpackt liegen die Menschen puppen in Kissen und Hecken; aus jedem Wagen staunen blaue und braune Augensterne geradewegs in den Himmel. Noch in den hellsten Stunden bleibt die Sonne silbern Verschleiert. Die Gebäude am hinteren Rande des großen Pl^es und die Höhen dahinter sind nur als flache Kulissen sichtbar. Auf dem großen Platte exerzieren Soldaten In einzelnen Kotten, locker und unregelmäßig gestaffelt, sieht man sie gegen das dunstige Licht silhouettenhaft sich bewegen. Einige Rotten üben die Stiche und Paraden des Bajonettkampfes, andere werfen Handgranaten. Hie Bajonettkämpfer stehen in Mantel und Mütze. mit gespreizten Beinen und geknickten Knien, mit gefälltem Gewehr. Die aufgesetzten Bajonette blitzen. In kleinen Sprüngen nach reihts und links, vor und zurück exerzieren sie Angriff "nd Abwehr gegen einen un-ichtbaren Feind. Es sind Bajonettstiche in die Luft; sie werden geübt, um einmal hohrende und schlitzende Stiebe in lebendige Menschrnleiber zu sein "— wenn nicht im Sturmangriff der kurze, scharfgeschliffene Pjonierspaten das Bajonett ersetzt... Die Handgranatenwerfer stehen im Glied. Immer einer tritt vor, nimmt die eiserne Handgranatenatrappc. markiert den Abzug der Sicherung und schleudert, mit den Lippen die drei Sekunden zählend, die Atrappe weit hinaus und wirft sich aus dem Schwünge des Wurfes heraus flach auf die Erde, das Gesicht schützend auf den Arm gelegt, als oh er eine Sekunde lang von Schmerz und Reue über sein Tun erschüttert sei und nicht sehen wolle, was sein Wurf anrichtet. Die Atrappe fliegt, überschlägt sich in Purzelbäumen. schlittert, ritzt ein wenig die harte Erde. Sie explodiert nicht; es ist nur totes Eisen. Wenn es aber einmal wieder Emst werden sollte— dann wird das Wurfgeschoß schmetternd explodieren und anstürmende Menschen blutig zerfetzen Dann werden die Werfer dreckige Schützengrabenkämpfer sein, nicht mehr menschenähnlich in Dreck und Blut, in Todesangst und Raserei. Eine zerschossene Grabenwand, ein Granattrichter wird ihre letzte Zuflucht «ein—„wieviel Erde braucht der Mensch?"; wieviel für «einen armen verlorenen Leib in der brüllenden Hölle des Sturmangriffs? Wieviel— als letzten Schutz; wieviel— als Grab für zerfetzte Glieder? Die Handgranaten liegen hin- geschüttet neben den Werfern. Es geht ums Lebens!— einer reißt die Sicherung reicht hin. der andere greift zu. schleudert, greift zu, schleudert— Akkordarbeiter des Todes. Granate um Granate— bis der stürmende, stürzende, brüllende, aus Qualm und Rauch, aus berstender Erde hervorbrechende Schwärm plötzlich heran ist, für Sekunden riesengroß vor Himmel und Pulverdainpf den Grabenwall erstürmt und heulend in den Graben springt... Und da ist noch eine Rotte. In Reih und Glied. Nach Kommando reißen elf Mann die Gasmaskenbüchsen vor die Brust, reißen die Deckel auf, ziehen die Masken heraus, stülpen sie über die Gösichler. Nun stehen sie alle da. maskiert, mit hängenden Blechrüsseln, mit großen, trüben ^Bcaiuikäppcl\en Die„NS-Lehrer-Zeitung" hat gefordert, daß alle alten deutschen Kindermärchen in nationalsozialistischem Sinne iimzudichtm sind. Den Vorschlägen der NSLZ. folgend, hat sich unser Mitarbeiter Max Baldauf umgeschaltet und mit folgendem Beitrag eingestellt: Es war einmal ein armes aber sauber gekleidetes Mädchen, das hieß Rotkäppchen und wollte, wenn es groß geworden, 'n den Bund deutscher Mädchen eintreten. Diesem Kinde bändigte sein Vater, ein alter braver Frontkämpfer, einen Korb mit Erdbeeren aus und sagte:„Lauf mal schnell zur kranken Großmutter, mein Kind, und bring ihr die Erdbeeren." Rotkäppchen nahm den Korb und wie es in den Wald kam. wer begegnete ihr da? Natürlich der Wolf. Merkt 'br was? Er hatte eine»ehr krumme Nase und hieß früher natürlich Wolfsohn. Isidor. Der fragte das Kind in fluch- würdiger asiatischer Arglist, wohin es wolle...Zur Groß- mutier." entgegnete das Käppchen.„sie ist krank und liegt z u Bett."—„So, so." sagte der Krummnasige und dachte: dieses blonde, blauäugige, langs'hädligc Kind muß eine ur- germanische Großmutter haben, die bat meinem Stammbaum bis jetzt grade noch gefehlt Ein rirhler Schwapp Germanenblut würde mein raiußes Aeußrre sofort ein bißchen auf- "orden und mein ruchlose» Treiben tarnen.„Wo wohnt denn deine Großmutter, mein Tochterchen?" fragte der Untermensch weiter.—„Hinten im Walde." antwortete das Käpp- dien und beschrieb ihm den Weg.„So, ao," sagte der Fremd- 'lämmige und tollte sich in besagter Richtung mit dem •chrägen. plattfüßigen Gange aller Minderrassigen. Als Rotkäppchen zur Hütte der Großmutter kam. hörte Ps schon von draußen ein häßliche«"schnarchen. Das Mädchen trat ein, sah Großmutter im Bett liegen und sagte: "Heil Hitler! Großmutter, warum schnarchst du so?" „Weil ich mir zur Verbesserung meiner Ahnengalerie soeben eine urarisdic Oma einverleibt habe," brummte es vom n-»t her. „GroRmut'er. warum hast du so große Zähne?" „Damit ich besser raffen kann!" „Großmütter, warum riechst du so nach Knoblauch"" „Damit ich euch bester verdauen kann," spdang das Untier ■ns dem Bett und was dann Entsetzliches mit dem Augenfenstern in der Gummihaut. hinter denen die mensch- li.hen Augen gespenstisch funkeln— Menschen. Menschen des 20. Jahrhunderts. Kindermädchen haben am Rande des Exerzierplatzes die Kinderwagen nebeneinander aufgefahren. Und während sie die W-»»en langsam vor- und zur'ckrollen und sanft in d»n Federungen v-!«n»n lassen, schauen sie den exerzierenden Soldaten zu. Dieses oder jenes der Mädchen weiß vielleicht seinen Schatz do-t in baionetti renden, Handgranaten s-r-' Rn»ten. Ein Lastauto biegt ein. Im Voriiberfahren beugt sich der junge Soldat neben dem Chauffeur aus dem Fiihrergehäuse. lacht mit weißen Zähnen und wirft einem der Mädchen einige Scherzworte zu Das junge Mädchen wird ein wenig rot vor verstohlener Freude, lacht und winkt ihm zu. Und es ist denkbar, daß er da» junge Mädchen von Ansehen kennt, daß er weiß, wo es in Stellung ist. daß die Beiden eines Sonntag? sich finden und eine Liebesbeziehung soeben sich angesponnen hat. Das Lastauto fährt rasselnd weiter und lenkt in die Hofeinfahrt des großen Gebäudes ein. das da steht, alt. grau, mit dem Gesicht einer vergangenen Zeit. Militärinvaliden leben darin. Manchmal sieht man einzelne von ihnen im Park, in feldblauen Uniformen, an Stödten gehend oder einen Aermel der Uniformjoppe leer in die Tasche gesteckt oder sitzend im hochrädrigen Selbstfahrer, mit den Händen die Kurbel des Kettenrades vor sich drehend. Und manchmal hält auch einer am Rande des Platzes, ein Invalid mit verstümmelten Beinen im Selbstfahrer neben den hübschen jungen Mädchen und den Kinderwagen. Und so sind alle beisammen. Figuranten eines Drama» der Maase Mensch, in dem sie ihr Stichwort noch nicht kennen, das aber eines Tages gespielt werden kann. Die Soldaten sind da. Die Mädchen sind da und schauen zu, wie die Soldaten exerzieren Mädchen, jung und liebelustig, mit der lächelnden Hoffnung auf einen Mann, mit der Bestimmung. Frauen und Mütter zu werden und eigene Babys in die Sonne zu fahren. Und die Babys sind da. kleine Menschenkinder mit rosigen Gesichtern, mit selig spielenden Fingerchen, die aus den gehäkelten Jäckchen hervorkrabbeln. Und die Invaliden sind Ha, die alles schon hinter sich haben, was den anderen noch bevorstehen kann: Mitwirkende und Mitleidende zu sein, wenn das, was die Soldaten da üben, noch einmal blutiger Ernst werden- sollte. Und die Frage ist nur, wen es trifft: ob es schon die Soldaten da auf dem Platze sein werden, ob sie es sein werden, die plötzlich die Bajonette nicht nur in die Luft stoßen und nicht mehr nur eiserne Atrappen schleudern? Ob der lachende junge Bursche mit den weißen Zähnen dabei sein wird? Ob es diesen jungen Mädchen hier bestimmt sein wird, vom Bruder, vom Liebsten, vom Gatten;"vom VäfW''lhi l öif ersten eigenen Kindes sich losreißen zu müssen? Oder ob ihnen allen noch das bißchen Gnadenfrist gegönnt sein wird für ein Leben mit kleinen Freuden und großen Sorgen? Ob es erst die Babys in den Kinderwagen und die noch ungezeugten Söhne und Töchter dieser jungen Mädchen und künftigen Mütter sein werden, die in den großen Totentanz gehen müssen? Der Invalid schaut über den Platz, schaut in die verschleierte Sonne. Er zieht die Decke fester um die verstümmelten Beine, dreht seine Kurbel, lenkt und fährt sich in seinem Selbstfahrer in den Parkweg hinein Er ist der einzige in dieser Vision, der etwas weiß. Und auch er weiß nur das: er wird nicht mehr dabei sein. Denn er hat das alles schon hinter sich.., blonden Germanenkind geschah, könnt ihr euch denken. Nicht einmal das Mlitzchen blieb übrig. Dann legte sich Wolfsohn wieder ins Bett und schnarchte weiter. Dieses aber hörte ein hellhaariger, helläugiger, langschäd- liger Jägersbursch, dessen Ahnen bis zu den friesischen Seeräubern zurückreichten und der gerade, das Horst-Wessel- Lied singend, vorüberging. Er hatte ein braunes Hemd an, mit Hakenkreuz am Aermel. trat in dir Hütte ein und»ah im Bett den dicken Wanst des Untermenschen.„Ha, Verruchter!" zog er sein Messer.„Wieder einmal die deutsche Biederkeit und Reinheit der mosaischen Tücke zum Opfer gefallen! Nieder mit Dir, marxistischer Raffke!" Wolfsohn wollte aus dem Bett snringen, aber schon saß dein Volkssdiädling das deutsche Messer in der Kehle und '."zu restlos gekillt sank er zu Boden. Hurtig schnitt der Braunhemdige den Leih des Unholds auf, heraus sprangen Oma und Rotkäppchen, umringten den Retter, küßten ihn und sprachen:„Gehe hin, reinige Deutschland, brich die Zinsknechtschaft, errette Germanien vom jüdischen und marxistischen Untermenschen!um. wie du uns gerettet hast, dann wird auch die Krise weichen, die Arbeitslosigkeit abnehmen und Gottes Segen, nämlich eine neue national- kapitalistische Hochkonjunktur, nicht ausbleiben!" Und wißt ihr. meine liehen Blondzöpfchen, wer der tapfere Jägersmann wohl war? Ihr werdet es leicht erraten!— Er hängt hinter mir an der Wand, dicht neben dem Christusbild. Max Baldauf. See letzte V)itz Ein bekannter Komiker wird plötzlich zur Gestapo ge laden. Der Beamte herrscht ihn an:„Hören Sie mal, was fällt ihnen ein? Ist dieser Witz von Ihnen?" „Jawohl!" „Und dieser Witz— haben Sie den auch gemacht?" „Jawohl!" „Das ist ja unerhört! Wie können Sie unser» Führer so beleidigen, der von 65 Millionen Deutschen inbrünstig gelieht wird?!" „Der Witz ist nicht von mir!" T)ec deutsche Thitistec Der deutsche Philister, das bleibe der Mann, Auf den die Regierung vertrauen noch kann. Der paßt zu ihren Beglückungsideen, Der läßt mit sich alles gutwillig geschehn. Ju vivallera, ju vivallera. ju vivalle ralle ralle ra! Befohlenermaßen ist stets er bereit. Zu stören, zu hemmen den Fortschritt der Zeit, Zu hassen, ein jegliches freie Gemüt Und alles, was lebet, was grünet und blüt. Sprich, deutsche Geschichte, beriiht' es der Welt. Wer war doch dein größter, berühmtester Held 9 Der deutsche Philister, der deutscheste Mann. Der alles verdirbt, was man Gutes begann. Was schön und erhaben, was wahr ist und recht. Das kann er nicht leiden, das findet er schlecht. So ganz wie er selbst ist so kläglich, gemein, Hausbacken und ledern soll alles auch sein. Solaug der Philister regieret das Land. Ist jeglicher Fortschritt daraus wie verbannt: Denn dieses erbärmliche feige Geschlecht, Das kennet nicht Ehre, nicht Tugend und Beeilt. Dil Sklsv' der Gewohnheit, du Knecht der Gewalt. 0 käme dein Simson o kam' er doch bald! Du deutscher Philister, du gräßlichste Qual, 0 holte der Teufel dich endlich einmal! Doch leider hat Beelzebub keinen Geschmack \n unsern Philistern, dem lumpigen Park. Utid wollten sie selber Iiinein in sein Haus. So schmiß er die Kerle zum Tempel hinaus. August Heinrich Hoff mann von.Fallersleben, der Dichter des Deutschlandliedes. Zeitge- ilichte. Das Lied vom deutschen Philister, 8. Juni 18«. 9teimchen am 2Cecde Deutsche Wände haben Ohren In Breslau hat sich folgendes zugetragen In einem Haushalte lebten Vater, Sohn und Haushälterin, alle drei treu hitierisch gesinnt, die beiden Männer seit langem Mitglieder der SA. Eines Tages ließ der Hausherr bei Tisch ein unvorsichtiges Wort fallen, sprach etwas weniger begeistert als sonst vom„dritten Reiche", erhitzte sich vielleicht über die Butterpreise. Die Haushälterin schwieg zu allem— ging hin und denunzierte den Brotgeber bei seinem SA-Vorgesetzten. Sie wurdfl, fpi^tlop entlassen, und der Fall kam vor das Landesarbeitsgeriiht in Breslau. Zwar entschied der Richter gegen die Denunziantin, zwar erklärte er die fristlose Entlassung für berechtigt, aber man muß lesen, in welch blumiger Weise er seine Entscheidung entschuldigte. Man spürt es— wohl war ihm nicht bei der Sache, denn wo käme das„dritte Reich" ohne Spitzel und Angeber hin? Es heißt in der Urteilsbegründung Nach den geläuterten Erkenntnissen Nationalsozialist!- scheu Arbeitsrechtes würden Führer des Betriebes und Gefolgschaft von einem Bande der Fürsorge und Treue umschlossen zur Förderung der besonderen Zwecke.dieses Betriebes und zum gemeinsamen Nutzen von Volk und Staat. Diese urdeiitsche Auffassung vorn sittlichen Wesen des Arbeitsverhältnisses gelte in noch weit höherem Maße für dienstrechtliche Beziehungen im Schöße der Familie, wo engste Haus- und Tischgemeinschaft erhöhte Rücksichtnahme und vertieftes Wirken zum Wohle dieser Urzells menschlicher und staatlicher Geme'nschaft erforderten... Die fristlose Kündigung wcgi.t groben Vertrauens- brnihes sei danach berechtigt gewesen. Einem Hausvater könne nicht zugemutet werden, auch nur einen Tag länger sich von einer Hausdame betreuen zu lassen, die harmloses Geredi hei Tisch heimlich zum Gegenstand einer hochoffiziellen Meldung mache, die für die ganze Familie unabsehbare Uiizutrüglichkciten hätte heraufbeschwören können. Mail sieht: Mit der idealen nordischen Hausgemeinschaft des..dritten Reiches wäre e» eine schöne Sache, wenn nur nicht ständig einer vor dem andern zittern müßte, die Führer de» Haushetriebes vor ihrer Gefolsschaft. die Gefolgschaft vor den Führern, die Eltern vor den Kindern, die Kinder vor den Geschwistern und jeder vor sich selbst und seinem Vorgesetzten. Trautes Heiin. Glück allein! Eines mag die Geplagten Ire! teil: oben in der Führer- familie geht es nicht besser zu, das könnte nicht nur Röhm bezeugen. Die Domestiken Du kennst die Art d< r Domestiken Die dir dienstbare Grüße nicken I nd huldigen zum Ueherfluß, Solang du stehst auf Freundesfuß Mit ihrem Herrn; beleidige den. So ist's um ihren Gruß gescheht,; Sie müssen dem Gebieter dienen Und treten stolz dir nun entgegen. Drum sei dir an den bösen Mienen Des Lenzgesindels nichts gelegen.— Nikolaus Franz Lonau Faust— ein Gedicht, Der Ahendgang Worte des Mephistopheles, Verszeif 2187— 2196. Für später zu merken! Politische Vernunft ist das Prinzip einer ethischen Rechenkunst, einer Wissenschaft, moralische Größen n.cht inotha- phvsiseh oder mathematisch, sondern ethisch zusammenzusetzen und abzuziehen, zu vervielfachen und zu teilen. Edmund Burke. VERLAG OPRECHT& HELBUNG, ZÜRICH Ernst Bloch ERBSCHAFT DIESER ZEIT. Kart. Fr. 6,- Loinen Fr. 8,—. Hier ist eine Art Navigationsbuch dieser Zeit, durch sie hindurch und in die kommende. Heinrich Regius DÄMMERUNG, Notizen in Deutschld. Kart. Fr. 4,— Leinen Fr. 6,—. Hier wird Leiden- schaftliche Abrechnung gehalten mit den Widersprüchen und Verlogenheiten der bürgerlichen Gesellschaft. Korang Trang DIE UNVERBINDLICHEN, Roman aus den Tropen. Kart. Fr. 4,—, Leinen Fr. 6,—. Eine Groteske von ganz ungewöhnlichem geistigen Ausmaß. Korang Tang muh als Betrachter und Gestalter von hohen Qualitäten bezeichnet werden. Dr. A K e: nb., Karlsb. Theodor Woiff DER KRIEG DES PONTIUS PILATUS 1914— 1933. Kart. Fr. 9.— Leinen Fr. 1 1,— Theodor Wolff zeichnet das Kriegsbild mit lebendigem Stil und hervorragender Kenntnis des Gegenstandes und der agierenden Personen. Wiener Zeitung, Wien Bernard Brentano BERLINER NOVELLEN. Leinen Fr. 3,50. Brentano fängt Berlin atmosphärisch unübertrefflich, seine Menschen werden wirklich Gestalt, die Idee wird Vorgang und Erlebnis. Neue Freie Presse, Wien Ignazio Silone DIE REISE NACH PARIS. 5 Nov. Kart. Fr. 4,—, Leinen Fr. 6,—. Der Verfasser gibt in den 5 Novellen erneute Beweise seiner feinsinnigen Erzählerkunst— Silones dichterische Freiheit ist gewachsen. 5tM rorfwflsiglcr— der Arntcc-Flaslftlnsplilciit Der musütälisdie Aufstand gehl weiter Tic Demission Furtwängler bat, wie cS scheint, die gesamte musikalische Front de-?„dritten Reiches" die bisher sein Stolz und seine Freude war, ausgerollt. Tic Nachricht, daß der Münchener Generalmusikdirektor Knapperts- b u s ch gleichfalls sein Abschiedsgesuch eingereicht hat, um seine Solidarität mit Furtwängler zu bekunden, wird be- stätigt. Leo Blech, neben Hegar der lebte noch amtierende Dirigent der Berliner Ttaatsoper, soll gleichfalls ernsthafte Riicktrittsgedanken haben. * Am Mittwochabend fand das angesagte M onzert d e r Philharmoniker statt. Furtwängler kam als Dirigent nicht mehr in Frage. aber auch Erich Kleiber hielt an seiner Weigerung, das Konzert zu dirigieren, seit, Für ihn sprang schließlich der— ehemalige A t m eemusiki n s p i- z i e ii t Roter ein. Ob es an dem unzulänglichen Tiri- genten lag, oder ob die Demission Furtwänglers und Klei- bers als Signal empsnude» wurde—, jedenfalls verlies das Konzert höchst disharmonisch. Eine Anzahl jüngerer Musiker hatte» sich in der Borhalle der Philharmonie postiert und brachten, als die Besucher das Gebäude betraten, ihr Ein- vernehmen mit den beiden Rebellen deutlich zum Ausdruck, «elbst einige Sp re ch'ch vre wurden riskiert. Ter Saal war nur etwa zur Hälfte besetzt, und das Publikum war voll Unsicherheit und Unruhe. * Einige nationalsozialistische Blätter neben dem»Völki- scheu Beobachter"— haben sich erneut für Goebbels und Ro- senberg und gegen Furtwängler bekannt. Ter„Westdeutsche Beobachter", dessen musikalischer Teil von einem besonders wilden musikalischen Teutonen geleitet wird, sagt voraus, „daß der Fall Furtwängler weitere folgen zeitigen und sich auch aus and e r e P e r s ö n l i ch k e iten e r- st r e ck e n w i r d, die Hindemith dem Auslande als reprasev» tativen deutschen Musiker hinstellen und sich iür lüdlsches Schassen einsetzen". Rosenberg dürste dem schlimmen Hindemith allenfalls verzeihen, wenn er irgendwo draußen tn der Provinz wieder ganz klein ansängt und sich im Getue des^dritten Reiches"»ach mehrjähriger PrüfungSzeit„vc- währt", anstatt ins Ausland zu gehen. Man vermutet jedoch, daß diese Aussichten Hindemith nicht sehr verlockend erscheinen werden. Bielleicht wird er ,v»rr- wängler und Kleiber»ach Wien folgen. Im Hintergründe Richard Strauß. * Niemand wird diesen musikalischen Ausstand überschätzen. Lange haben die prominenten deutschen Dirigenten versucht, auf dem Seile der Gleichschaltung zu balancieren. Aber schließlich wurden soviel Opfer des Geistes und der künstlerischen Gesinnung von ihnen verlangt, daß sie lieber ihre Posten preisgaben, als sich der braunen Tondiktatur zu unterwerfen. Um gereckt zu sein: sie sind freilich in besserer Lage als andere Künstler und Intellektuelle. Ihr Ruf ist international begründet, und irgendwo gibt es für sie immer noch ei» auskömmliches Plätzchen des freien künstlerischen Wirkens. * Inzwischen wird auch der Rundfunk erneut„gesäu- bert". Am Reichssender Kölii führte jüngst der^Kapelluieistcr Kühn im Rahmen eines„Lustigen Abends" Teile aus dem „Weißen Roßt" von Benatzky auf. Tasiir"bekommt er jetzt im„Westdeutschen Beobachter" einen herben Tadel: es müsse setzt zu Ende sein mit der eckt jüdischen Musik solcher „Eiiektkoniponisten", besonders nachdem der Fall Hin de-, mith eine entsprechende Klärung erfahren habe.... .Inruhesflfter" Abzüge müssen widerspruchslos hingenommen werden Laut der„Westfälischen Landeszeitung"(Nr. 383) in Dortmund hatte sich das Arbeitsgericht im Rahmen einer gegen die Dort m u n d e r Straßenba h n e n gerichteten K ündigungswidcrrnfnngsklage eines e n t l a s s e n e n A n g c st e l l t c» mit einer Kündigung zu befassen, die ausgesprochen wurde, wegen Unruhe st i s- t u n g i m B c t r i e b. Ausgangspunkt des Rechtsstreits war eine Verfügung des Finanzamtes, wonach ab l. Oktober 1934 die Dienstsahrkarten der Gefolgschaft und die Frauenfahrkarten zur Loh n st e n e r herangezogen wer- den mutzten. Ohne daß vorher eine Bekanntmachung, viel- leicht in Form des üblichen Anschlages, herausgekommen wäre, wurde dir Gefolgschaft bei eine» der letzten Gehalts- zahlungcn vor die Tatsache gestellt. Der entlassene Auge- stellte hatte sich a» das Lohnbüro gewandt, um etwas näheres über die Berechtigung der neuerlichen Besteuerung zu er- jähren, da ihm die Auskunft nicht genügte, ging er noch einen Schritt weiter zum Finanzamt. Wie die Auskunft ge- lautet hat, die er dort bekam, ließ sich nicht mehr genan fest- stellen. Der Angeklagte hatte sie ans jeden Fall, darüber waren sich nun vor dem Arbeitsrichter beide Parteien einig, falsch verstanden und sie seinen Arbeitskameraden gegen- über so umschriebe», als ob die B e r w a l tn n g der Tort- inunder Straßenbahnen einen Antrag ans B c st e u r- r u»<1 Jj c r Fahrkarten gestellt habe, während der wahre Sachverhalt der war, daß die Verwaltung gegen die Beringung dcö Finanzamtes— der sie zwar zunächst nach- kommen mußte— Einspruch eingelegt hatte init Hinweis auf die Bestrebungen der Neichsreaierunq, den Lebensstandart der breiten Masse des Volkes zu heben. Sie Erzählungen des Angestellten über das„n»soziale Verhalten" der Verwaltung trug in die Gefolgschaft große Beunruhigung. In einer Besprechung mit dem Tirek- tor bemerkte der Angestellte noch, er und dlc ganze Gefolg- schalt Härten zu dem Führer des Betriebes- dem Direktor fein Vertrauen. Es erfolgte mit Hinweis ans die Vorkommnisse, durch die der soziale Frieden gefährdet wor- den sei. die ordnungsmäßige Kündigung und Entlassung. Von dem Entlassenen wurde die aus 8 öS des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit hergeleitete Kündi- anngSividerrufSklage ans unbillige Härte gestützt. Insbesondere wurde geltend gemacht.' daß es niemals zu den Mtzstimmigkeiten gekommen iväre. wenn die Berwal- tnng pflichtgemäß durch Anschlag am schwarze,» Brett ans die Verfügung des Finanzamtes hingewiesen hätte. Das Arbeitsgericht wies die Klage k o st e n p f l i ch- tig a b, weil sie sachlich nicht begründet kei. Ter Kläger habe sich schon, so hieß es zur Urteilsbegründung, auf dem falschen Wege besungen, als er sich an das Finanz- amt wandte, wo es doch näher gelegen hätte, daß er zu de», Führer des Betriebes gegangen wäre. Turck seine Erzählungen habe er sich schließlich eine Verdrehung des wahren Sachverhaltes zuschulden kommen lassen wie man sie sich nicht schlimmer denken könne. Und unter diesen Umstanden müsse einer Widerrufs klage der Erfolg vcr- sagt bleiben. Beufscher Privafbriei Ueber das neue System . Bon den Schriften haben wir hier nichts gehöht, d e lt lt d a s Volk braucht nicht alles zu wissen, II 1t ü IN a S e s nicht weiß, macht es nicht heiß. Wir baven in Deutschland das Führersystem, das ist ganz etwas anderes als das frühere System, wo alles breitgetre- ten wurde und an die„Große Glocke" gehangen. Das jetzige «in lern ieiit^otaliiät voraus, und was unternommen wird Iii' was wir erfahren und nicht zu wissen brauche», sagte der 'Blvrer und leine unteren Gliederungen. Tara n t ö n n c n f' l'!, c f J e« ort)« i ck> t g c w ohne n. Ihr müßt Euch das o vorstellen: Das B o l k i st im ganzen ein R c g i- in e n t, d e r ,v n h r c r i st der alleinige K o in m a n- » enr, die untergeordneten Offiziere sind die ausführenden ,' l alte usw. und jeder Volksgenosse hat an seinem Arbeits- platze, wo man ihn auch hinstellt, seine Pflicht zu erfüllen. ^ Ö.Silvas kraß ausgedrückt, aber so mit der Idee N^?DAP. am besten zu vergleichen, da ja auch das Ganze an ö e ii f rontgei st ausgebaut sein soll. Ihr werdet mich wohl verstehen, wenn es auch schwer ist. Inm Verdienst hier in Deutschland ist folgendes zu sagen: Wir haben bis jetzt noch unfern Tariflohn: 45 Reichsmark zuzüglich 20 Prozent M.S,-Zulage.(Diese Zulage erstreckt tick aber nur aut einen geringen Prozentsatz der Buch- drncker. Anni. der Red.). Ueber stunden gibt eS hier nicht mehr bezahlt. An sozialen Abgaben pro Woche habe.ick: Lohnsteuer: 1,95, Ehestandshilse(nur für Ledige) 1,40, Rürgcrstener pro Monat 2.50. ArbcitSlosen-Hilfe 1,0". Invaliden-Versicherung 1,20, Krankenkasse 4,15 RM.. 10 den o, RM. pro Woche hernntcraehen. Wir Buchdrucker verdienen noch einigermaßen. Tie meisten haben«0—70 Psen nig Stundenlohn. Wenn dann 2 5,— R M. freies Geld m i t na ch H a u s e g c n o m in e n w i r d, ist das ein ! ch«i ne§ 05 e l d. Tie Lebensmittel haben etivas angezogen, auch zcxtilien sind gestiegen. Ich habe einen Anzug bekam- «ten zu O.j,— RM. derselbe hatte iin vorigen Jahre noch ^3i2R. gekostet. Man ist und„will" jetzt die Preise ivic- der senken, aber es iv i r d iv o h l nicht viel dabei herauskommen. Es ist hier alles ruhig und friedlich, das Meckern hili't nichts»nd^jst gefährlich, da, wie schon umseitig gesagt, bei uns die Totalität herrscht und sich alles einfügen muß. Anders könnte sich ein auf dieses S y st e m ans gebautes Regiment nicht halte n." Iü«er Totieszeüe Man schreibt uns aus Bayern: Seit vier Wochen befindet sich der Gefangene H. M. Kohn im Dachauer Lager in einer der Arrestzellen, die als An- wartschaft ans einen nahen Tod gelten. Kohn, der seit April 1033 wegen früherer Mitgliedschaft beim Republikanischen Studentenbund ans Veranlassung der Leute um Streicher in Dachau festgehalten wird, gehört z» de» jüdischen Gesänge- n n, die die Spuren besonders schlimmer Mißhandlungen am Körper tragen. Einzelheiten darüber sind in den letzten Wochen im Ausland bekannt geworden und haben den Dachauer Lagerkommandanten auf das schiverste belastet. Zur Rache und um den Beweis für die Wahrheit der „Greuelmeldungen" ans der Welt zu schaffen, wurde Kohn nun isoliert nnd soll aller Wahrscheinlichkeit still umgebracht werden, nachdem ein Versuch, ihn„aus der Flucht" zu er- schießen vor Monaten infolge der Zielunsicherheit des schic- tzendc» SS.-Mannes nur zu Verwundungen geführt hat. 2u verlraufen in Hauptverkehrsstraße von METZ schöner Fonds eines erstklassigen IDäscfte* und IDofturnrengeseftäffes Sehr nied» Ige Miete, Veitrag noch 4 fahre mit Anrecht aut Verlängerung laut Gesetz betr. Geschäftseigent um, erhältl. m. öfflnvom Verkaufsivert. Auch Vctmi.tlcr können sich der Sache annehmen. Offerten unter Hr. E 435 an die Ausgabestelle. SehwaizeriscneB ono«ittMisctm ttnrotwarengeschlft (nehonbllckeroi. Hondiioroi. Wein« and Lftfir» Jxaduiis Jihmid 76. Boulevard de Strasbourg, 6. rue SL Laureal JlacLS, Bei Bare de l'Esl Telefon 4 Linien vereintet anter B0T7ARtS fft-ir Inserieren lirlngi Ii» Deutsche Fachgeschäfte" Inseratengeschäfte unter„nationalem" Deckmantel Vor dem Sondergericht Berlin hatte sich heute der 32 Jahre alte Arnold MeinerS wegen fortgesetzte» Betruges unter der strafverschärfenden Voraussetzung des$ 2 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe ans die Regierung der nationalen Erhebung zu ver- antworten. Der Angeklagte hat eine Liste herausgeben ivollen, auf der die deutschen„Fachgeschäfte" verzeichnet werde» sollten. Er mußte indessen bereits nach kurzer Arbeit erkennen, daß ans der von ihm beabsichtigten Grundlage eine solche Zeitschrift, »sie er sie herausgeben wollte, niemals florieren konnte. Dennoch betrieb er unter national e in Deck m q n t e l eine» g roß a»g e le g t e n I n s erat c ns ch w indel nnd erreichte von zahlreichen Firmen Inieratenausträge, für die er insgesamt etwa 4000 RM. einkassierte. Erschwerend war für ihn, daß er bei der Werbung der Inseratenanfträge häufig einen mehr oder minder starken Druck ausübte. Vor allem erklärte er in fast allen Fällen, daß die NSDAP, sein Unternehmen begünstige, während in Wirklichkeit die Partei niemals mit dem Angeklagten oder seinem Unternehmen etwas z» tun gehabt hat. Strasverschärfcnb kam weiter hin- zu. daß der Angeklagte während seiner betrügerischen Tätig- keit das Parteiabzeichen der NSDAP, a n g c- legt hatte, obwohl er der Partei nicht a n g e- l> ö r t e. Das Tondergericht verurteilte ihn im Sinne der Anklage zu zwei Iahren Gefängnis. Schade! Der Mann würde als Inseraten- und Abonnen- tenwerber für die Nazipresse ausgezeichnet sein. Deutsche Sorgen Gegen den Weihnachtsbaum im Schaufenster Die Kreisleitung der NSDAP, in Wuppertal hat eine Be- kanntmachung über Weihnachtsfeiern und WeihnachtSdeko- rationcn erlassen. Danach sollen gemeinsame Weihnachts- feiern der Ortsgruppen und Zellen nicht veranstaltet wer- den, da Weihnachten das Fest der Kinder und der Familie ist. Es liege nicht in der Absicht der NSDAP, die Familie auseinander zu organisieren. Ans dieser Einstellung heraus sei die Kreisleitung nicht nur gegen gemeinsame Weihnachts- feiern ihrer Gliederungen, sondern auch Gegner der Sitte, Schaufenster mit Weihnachtsbäumen auszuschmücken. Da- durch werde nur den Kindern der Zauber des Weihnachts- festes genommen. Namentlich dann, wenn die arbeitslosen Eltern keinen Ehristbanm kaufen können. Allerdings schießt ihnen dafür Göring Fasanen und Hasen. Jl$itievt für die „tDeutsifie tfreifieit" „Br&ige&eimnls" Majestätsbeleidigung im Privatbrief DaZ Kölner Sondergericht verhandelte dieser Tage^gegen den im Ruhestand lebenden 30jährigen Präses Jakob S t ü I- scr aus Bonn, dem die Anklage Beleidigung des Führer^ zur Last legte. Der Angeklagte hatte im September 1034 einer Dame in Aachen einen Brief geschrieben, in dem von dem Führer in verächtlichen Ausdrücken gesprochen wurde) ferner hatte er das Ergebnis der Wahl angezweifelt. Ter Angeklagte vertcidiate sich damit, er habe die in dein Brief enthaltenen Ausdrücke stets in seiner Schule gebraucht, deshalb seien sie ihm geläufig, ivas den Vorsitzenden zu der Feststellung veranlasste, das sei nur dummes Geschwätz, der Angeklagte sei seit sechs Jahren von der Schule fort. er habe sich auch nicht geschämt, die Behauptung aufzustellen, die Wahl sei gefälscht worden Als Zeuge wurde der Bruder des Angeklagten vernommen, der aussagte, sein Bruder habe ein schweres Herz- und Magenleiden, er sei vollkommen herunter mit den Nerven, er rege sich über alles maßlos auf. Staats- onwaltsassessor Winkler ivies darauf hin, daß die wahre Gesinnung des Anaeklaatcn aus de,» Brief hervorgehe. Er beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Gericht setzte zehn M o n a t e G e s ä n a n i s fest mit der Bearünduna. daß man bei diesem Strafmaß den krankhaften Zustand des Auge- klagten weitgehend berücksichtigt habe. Es handle 0* aber um die Straftat eines gebildeten Mannes, die nur den Schluß aus eine verwerfliche Gesinnung zulasse, deshalb falle sie be- sonders schwer ins Gewicht. Boxer-Au'arhie Herr Schacht ist nun auch nvch Sportdiktator geworden. Er hat dem Verbände Deutscher Faustkämpser untersagt, künftig Kämpfe zu veranstalten, bei denen ausländischen Boxern die Kampjgeldcr in Reichsmark gezahlt werden müßten. Auf diese Anweisung hin hat der Führerrat des besagten Verbandes bekanntgegeben, daß er künstig Kampf- vertrüge mit ausländischen Boxern erst dann genehmigt, wenn die Devisensragc völlig geklärt ist und der Veranstalter sich im Besitze der notwendigen Devisen befindet. Die Bezahlung ausländischer Bvxcr in Reichsmark»ist strikte verboten. Im Interesse der Devisenbewirtschaftung ist bei Engagementsverhandlungen mit ausländischen Borer stets zu vereinbaren, daß die Fahrkarten für die Hin- und Rückreise vom Veranstalter im voraus besorgt und übcrsandt werden. Die Genehmigung hierzu ist von der Devtsenbewirtschastungsstelle zu beschaffen. Durch diese Bestimmungen wird der mit allseitiger Span- nung erivartete Borkamps zwischen Schmeling und dem Amerikaner Hamas illusorisch, denn Hamas»erlangt seinen Anteil in guten amerikanischen Dollars. Es wird daher all- gemein damit gerechnet daß die Devisenstelle den Ham- burger Veranstaltern dieses Riesenkampfes die Genehmi- gung vertagen wird. Das hätte dem sportbegeisterten deutschen Volke einmal in der Weimarer Republik widerfahren sollen. 'Otkar In(turmzaltan Mr. N Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers konntag-Moncag,«. u. I*. Dax. Preußischer Kommiß Auf Festung ff FI Soldatengeschichten/ von August Winnig August Winnig, der Verfasser der vor dem Kriege erschienenen Schrift..Preußischer Kommiß", ist heute glühender Nationalsozialist. Er dient der braunen Sache in Wort und Schrift, unter Preisgabe seiner Vergangenheit. Einst, als junger Proletarier, war er zum Sozialismus und zur Sozialdemokratie gekommen bewegt von den hohen Gedanken der Freiheit und der Menschenrechte. Es gelang ihm. im freigewerkschaftlichen Bauarbeiterverband einen führenden Posten zu gewinnen. Nach der Umwälzung von 1918 ■wurde er Oberpräsidenl in Ostpreußen, damals freilich schon in seinem allen Bekenntnis zögernd und schwankend. Sein politisches Ende in der Republik führte der Kapp Putsch vom März 1920 herbei. Es erwies sich, daß er der zweideutigen Haltung der Reichswehrkommandeure in jenen kritischen Tagen Vorschub geleistet hatte. Hann rutschte August Winnig immer weiter nach rechts. Er wurde der Vertrauensmann Hilgenbergs und Stinnes. für deren Blätter er seine flinke Feder in Bewegung setzte. Heute ist er einer von den 110-Prozentigen: wildester Nationalsozialist, begeisterter Militarist und nationalsozialistischer Schriftleiter Sein Buch..Preußischer Kommiß" hat er längst verleugnet, weil es die denkbar schärfste Anklage des militaristischen Kadavergehorsams darstellt, zu dessen Anbetern er heute gehört. Ein Grund mehr für uns, unseren Lesern einige Kapitel aus dem Buche August Winnig? vorzulegen. einen anderen von Militärtuch zum Dienst und Kirchgang. Zunächst mußte ich midi splitterfasernackt ausziehen und genügend weit von meinen Kleidern wegtreten, dann warf mir der Mensch die einzelnen Stücke zu und zwar zuerst die Mütze, zuletzt Hemd und Unterzeug. Das war sicher nicht zweckmäßig, von einem unbekleideten Standpunkt aus betrachtet, aber es gehörte zum Aufnahmeprogramm. Auch dies geschieht nur, um den Gefangenen seine Ohnmacht, oder noch schärfer: seine Hilflosigkeit fühlen zu lassen. Darauf wurde mir eine Stube zum Aufenthalt angewiesen, wo ich mein Bett in Ordnung brachte und einen kleinen Schrank reinigte. Damit füllte ich die Zeit bis zum Mittagessen aus. Ich hatte nun mein Asyl so ziemlich kennen gelernt. Das Gefängnis bestand aus einem fast halbrunden alten Festungswerk, der ehemaligen Bastion IV- An einem Flügel war ein neues Gebäude angebaut, das die V erwal- tungsräume, die Arbeitssäle, die Unterkunftsräume für das Wachkommando und die Einzelzellen enthielt. In der Mitte des inneren Hofes stand eine kleine Kapelle, hauptsächlich für die„schweren Verbrecher" bestimmt, die man nicht über die Straße zu transportieren wagte, und etwas davon entfernt ein wohl ebenso großes Häuschen, das aber mehr „irdischen" Zwecken diente. Das alte Bollwerk war entsetzlich dunkel, denn es empfing nur von der Hofseite Licht, und auch nur soviel, als die eisernen Stäbe und das dichte Drahtgitter durchließen. Auf der anderen Seite waren die Mauern bis zum Dach mit einem starken Erdwall zugeschüttet. Da es jetzt Frühling war, so war die Rückwand sehr naß, so nack. daß das übelriechende Wasser wie an einer schwitzenden Fensterscheibe herunterlief. Die Gefangenen waren stolz auf das Alter ihrer Behausung; es lief das Gerücht, daß schon der dreißigjährige Krieg über diese Erd- und Steinwälle hinweggebraust sei. In diesen Löchern befand sich das Gros der Gefangenen. Sie lagen in Stuben— ich benutze den offiziellen Namen— die je 16 bis 20 Mann faßten; es gab solcher Gelasse zehn. Sie waren nicht alle voll belegt, einige standen sogar ganz leer. Insgesamt waren zur Zeit meines Aufenthaltes gegen 130 Gefangene dort. Die besonders„gefährlichen" von ihnen lagen im neuen Gebäude in sehr scharfer Einzelhaft, wo auch ich die erste Nacht verbracht hatte. Die Stuben für die„gemeinsamen Häftlinge" waren ungefähr wie Kasernenstuben eingerichtet, es war sogar ein Luxusgegenstand darin, nämlich ein Spiegel. Unter diesem baumelte an einer Kette ein großes Brotmesser. Vor dem Spiegel stand ich nun und betrachtete mich in meinem neuen Gewände. Erschreckt wandte ich midi von dem Bilde ab: über dem schwarzen, enganschließenden Anzug ein blasses Gesicht mit tiefliegenden Augen. Wie anders sah ich aus. als ich am Morgen des Gerichtstages in der festen Hoffnung auf Freisprechung zum Termin ging. Damals sah ich auch in den Spiegel und hatte rote Backen und helle Augen. Was hatten diese paar Tage schon aus mir gemacht. Um 12 Uhr kamen die Gefangenen aus ihren Arbeitssälen auf den inneren Hof. Dort traten sie in zwei Gliedern an. Der Feldwebel schritt die Reihen entlang und musterte den Anzug. Bei manchem hatte er Ausstellungen zu machen, was er, wie es schien, sorgfältig notierte. Danach verlas er die verhängten Disziplinarstrafen, einige Tage Arrest usw., und verteilte mehrere Briefe für die Gefangenen an die Unteroffiziere. Die Briefe waren natürlich alle geöffnet und mußten, wenn die Gefangenen sie gelesen hatten, sofort wieder abgegeben werden. Auch mein Name war dabei aufgerufen worden. Dann konnten die Gefangenen abtreten und zum Mittagessen hinauf in die Stuben gehen. Als die Leute hereinkamen, war ich natürlich gleich der Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit. Da aber der Unteroffizier mit herein kam. so wagten sie nicht mich anzureden, sondern betrachteten mich nur mit neugierigen und keineswegs freundlichen Blicken. Der Unteroffizier, ein bartloses Bürschchen von kaum 20 Jahren, examinierte mich und händigte mir einige Briefe ein. Als er hinaus war, wollte ich die Briefe lesen, ich kam aber nicht dazu, denn ich mußte nun erst Antwort auf die Fragen, die mich umschwirrten, geben. 5. Fortsetzung Die Formalitäten bei der Aufnahme waren für mich recht einfach. Id. wurde in eine der gewöhnlichen Einzelzellen gebracht, wo ich den Tag über bleiben mußte. Ich brauche solche Zelle nicht erst zu beschreiben. Dunkel genug war sie. Nach einer Weile, wie lange wußte ich nicht, wurde die Tür aufgeschlossen. Unwillkürlich trat ich darauf zu, da blitzte mir ein Bajonett entgegen:„Zurück!" donnerte ein Kerl. Ich wich zurück und man brachte mir einen Napf-jit Linsenbrei, das Mittagessen. Am Abend wiederholte sich das Schauspiel. VI ieder trat ein Mann mit gefälltem Bajonett vor die 1 ür, während ein anderer das Essen hereinbrachte. Ich wunderte mich einigermaßen über diese wie mir schien allzu gr.ße Vorsicht. Später erkannte ich, daß dies alles zum Strafvollzug gehört, dessen Zweck es ist, den Ge- fan»euen die feste Ueberzeugung von ihrer Ohnmacht beizubringen und d e«» Ohnmacht bei jeder, auch der einfachsten Gelegenheit zu de. onstrieren. Die Nacht verbrachte ich auf der harten Holzpritsche; eine Wolldecke zum Zudecken warf man mir, als es schon lange dunkel geworden war, herein. Natürlich konnte ich nicht schlafen obwohl ich die vorhergehende Nacht so gut wie ganz•'—••acht hatte. Vergebens versuchte ich mir mit der Mütze und dem Rock ein weicheres Lager zu bereiten. Im Korridor klang fortwährend der harte Tritt der Wache; auch das störte meine Ruhe, denn ich mußte unwillkürlich die Schritte zählen. Schließlich konnte ich es nicht mehr anhören. Ich stand auf und klopfte an die Tür. „Posten!" rief ich. Es mochte etwas barsch geklungen haben. „Was gibts?" tönte es ebenso barsch draußen. „Willst Du nicht etwas leiser auftreten, damit ich schlafen kann?" „Maul halten!" „Ich kann aber nicht schlafen, wenn Du dort immerzu umherstolperst!" „Ruhe da drinnen!" rief er gereizt. „Ich verlange Ruhe!" „Ich werde Sie melden!" „Melde, aber promeniere weniger laut!" Er ging fort und bald tönten laute, eilige Schritte, die zu mir kamen. Die Zelle ward aufgeschlossen, wieder ward erst das Bajonett hineingesteckt und dann kam ein älterer Sergeant.„Sie haben hier ruhig zu sein! Verstanden! Ganz ruhig!" Er nahm mir die Decke fort und verschwand wieder. Der Posten aber trat nachher noch lauter auf als zuvor. So ging die Nacht mit Wachen und Frieren hin. Am anderen Morgen ward ich, wieder von einem Posten mit Bajonett, ins Geschäftszimmer gebracht. Die Personalien wurden aufgenommen. In ziemlich umständlicher Weise. Jedoch war mir das nicht unangenehm, denn ich konnte von dem Zimmer, das in einem oberen Stock lag, ein gutes Stück von der Stadt sehen. Das Verhör begann:„Haben Sie außer Ihrer Mutter noch Verwandte?" „Jawohl." „Nennen Sie die." Ich nannte sie. Zunächst elf Geschwister, mit Namen und Wohnung. Alles wurde gewissenhaft in eine Stammrolle eingetragen. Dann sieben Onkel und Tanten. Damit war eine Folioseite gefüllt. „Das ist alles?" „Nein, noch nicht" Ich nannte noch siebenundzwanzig Vettern und Basen, in Deutschland, der Schweiz und Amerika. Die dritte Seite wa- angefangen. „Weitet haben Sie keine Verwandte?" „Doch, noch etliche Nichten und Neffen." „Nichten und Neffen?" „Jawohl, sie haben teilweise sogar schon Kinder." „Na, die Kinder wollen wir nicht wissen." Auch die dritte Seite brachte ich noch voll. Dann konnte ich mich mit dem besten Willen auf nichts mehr besinnen Aber schließlich fand ich doch noch einen Vetter. Süßes Wohlgefallen machte mein Herz hüpfend, als ich erklärte, ich hätte einen nahen Verwandten vergessen. „Leutnant Reiher im 155. Regiment," sagte ich innerlich triumphierend. „Soll ich den eintragen?" fragte der Schreiber. „Nein," entschied der Feldwebel, und mit einem grenzenlos verachtungsvollen Blick auf mich fügte er hinzu:„Der wird doch keinen ausgerückten Militärgefangenen verbergen." Damit war das erledigt. Dann wurde mir die Hausordnung vorgelesen. Entziehung des warmen Lagers. Entziehung des Mittagessens. Arrest, Zuchthaus, Tod. Gliederabhacken fehlte dabei. Dann kam die Einkleidung. Es gab einen schwarzen Arbeitsanzug, wie er in Zivilgefängnissen üblich ist, und Emigranten Das ist der Fluch des unglückseligen Landes. Wo Freiheit und Gesetz danieder liegt, daß sich die Besten und die Edelsten verzehren müssen in furchtlosem Harm, daß die fürs Vaterland am reinsten glühen, gebrandmarkt werden als Lands Verräter,• und, die noch jüngst des Landes Retter hießen, sich flüchten müssen an des Fremden Herd. Und während so die beste Kraft verdirbt, erblühen wuchernd in der Hölle Segen Gewalttat, Hochfahrt, Feigheit. Schergendienst..." (Ludwig Uhland im Prolog zum„Herzog Ernst von Schwaben".! „Sechs Wochen? Schlappstiebel!" ließ sich einer vernehmen. „Damit brauchst erst gar nicht herzukommen," meinte ein anderer. „Die Sechswöchigen mögen wir gern!" rief ein Dritter' ironisch lachend. „Ja, das sind grad die Richtigen! Denken immer, daß sie besser wären als wir," unterstützte ihn ein Vierter. Ich überlegte, wie ich mich am besten dabei verhalten sollte. Denn das war mir sofort klar, daß mein Wohlergehen während der Strafzeit viel davon abhing, wie ich zu diesen anscheinend schwer gefaßten Leidensgenossen stand. Ihnen schmeicheln, paßte mir nicht Mit Frechheit kam ich sicher nicht weit; ich wollte, so weit es ging, einen Mittelweg wählen, der weder mich noch sie kränkte. Ich sagte darum ruhig:„Laßt das sein. Ich glaube, es wird uns hier schon schlimm genug gemacht, so daß wir es uns nicht noch schlimmer zu machen brauchen." „Das wirst Du bald merken!" rief ein kleiner Kerl mit strohgelbem Haar und blassem Gesicht, derselbe, der die „Sechswöchigen" so gern leiden mochte.„Bring Deinen Napf, daß ich Dir eintun kann, wenn Du essen willst." Der Kleine führte das Wort; ich merkte, daß er hier die Autorität verkörperte. Ich aß, und obwohl das Essen schlecht und geschmacklos war, würgte ich es doch hinunter, denn ich war, da ich den Tag zuvor nichts gegessen hatte, sehr hungrig. Nach dem Essen empfing ich die Instruktion des Kleinen. Er war Stubenältester und hatte für Ordnung aufzukommen. Infolgedessen bestimmte er, welche Verrichtung den einzelnen Leuten zufiel. Es gab deren sieben oder acht Klassen. Die schlechteste Arbeit traf die Jüngsten. Je älter die Insassen, desto leichter war ihr Stubcnuienst. Dieser Ordnung mußte sich jeder fügen. Der Kleine fragte mich nach meinein Beruf. Ich sagte ihm. daß ich Handwerker sei. „Was?" sagte er verwundert,„das ist selten, daß hier einer ein armer Bruder ist. Meistens sind sie Kaufleute, wohlhabende Leute. Da man die Wahrheit hier nicht erfährt, so schneiden die meisten, die hier herkommen, ganz unverschämt auf. Sie schwindeln alle, daß sie draußen großartige Kerls wären. Es glaubt ihnen aber kein Mensch, denn wer erst länger hier ist, weiß, daß das eine Krankheit der meisten Menschen ist, die sich dadurch interessant und wichtig machen wollen." Ich glaube nun, daß ich mich mit meiner Wahrheitsliebe recht gut eingeführt hätte, er zerstörte aber meine Illusionen, indem er hinzufügte:„— und die es nicht tun, sind in der Regel dumm." Nachdem der Kleine mir alles gesagt und erklärt hatte, verließ er mich mit dem Trost:„Du weist nun Bescheid. Mache alles so und vernachlässige nichts, sonst gibt es sofort Strafen. Rechne auch nicht darauf, daß Dir jemand hei Deiner Arbeit hilft, davon ist bei uns keine Rede. Hier ist jeder für sich verantwortlich und keiner kümmert sich um den anderen." Nun fand ich Zeit, die Briefe zu lesen. Meine Verwandten wünschten mir Glück zum Geburtstage— der war heute; ich hatte noch nicht daran gedacht. Zu Hause wußte man nichts von meiner Geschichte. Sie glaubten dort, ich sei in der Garnison und zählte die Tage, die ich noch zu dienen hatte. Ein Sturm von Gedanken und Gefühlen brauste durch meine Brust. Ich will sie nicht schildern, denn ich kann es nicht.... Die Mittagspause dauerte zwei Stunden. Nun mußte auch ich mit hinaus und mir eine Arbeit zuteilen lassen. „Wo ist der Zuwachs?" rief draußen der Feldwebel. Ich ging zu ihm und meldete mich. „Daß muß schneller gehen, Mann! Bei uns wird alles im Geschwindschritt gemacht, Tempo hundertundzwanzig. Eins zwei, eins zwei muß das gehen! Können Sie Zellen weißen?" „Jawohl." „Dann weißen Sic Zellen. Sie melden sich bei dem Sergeanten, der da am Eingang zum Magazin steht." Als die einzelnen Arbeitsgruppen mit bewaffneter Bedeckung zu ihren Plätzen abgerückt waren, begab ich mich zu dem mir gezeigten Sergeanten, bei dem jetzt noch ein hochaufgeschossener magerer Gefangener mit schwarzem Haar und verlebtem, waschlederartigen Gesicht stand. Das war der Maler der Bastion, dessen Kollege ich nun war. Ich erhielt Pinsel und Eimer und dann gings an die Arbeit. Wir arbeiteten jedoch nicht zusammen, sondern jeder für sich und unter bewaffneter Aufsicht. Zuerst war mir das sehr unbequem, aber nach einigen Tagen gewöhnte ich mich daran und achtete nicht mehr darauf Zudem halte meine Arbeit den Vorteil, daß sie mich von der Teilnahme am Exerzieren entband; denn man hatte es der bevorstehenden Inspektion wegen«ehr eilig, die alte.il, schmutzigen Buden etwa« freundlicher zu machen. Diesen Vorteil verstand ich erst voll zu würdigen, als ich einmal in einer Zelle arbeitete, von der ich dem Exerzieren zusehen konnte. Ich war von der Truppe her nicht verwöhnt, aber was mau hier verlangte, übertraf doch alles, was ich bisher auf Exerzierplätzen gesehen halte. Es wurde zwar ohne Waffen geübt, aber doch so andauernd und angespannt, daß es den Leuten schwerer fallen mußte, als der reguläre Waffendienst. Dazu kam noch die schlechte Kost. Es gab außer einem Viertel Brot nur Mittagessen, das gewöhnlich aus schwach gefettetem Gemüse bestand, und zum Abend irgendeine dünnschleimige Suppe, die allerlei stolzklingende Namen hatte. So gab es eine Prinz-Heinrich-Suppe, eine Prinz-Adalbert-Suppe und eine Königin-Luisen-Suppe. Sie waren alle gleichermaßen elend. Die Mehrzahl der Gefangenen war auf diese Kost angewiesen. Erst vom vierten Monat an konnten einzelne, die mehr arbeiteten, als si# nach der Gefängnisordnung mußten, kleine Zulagen erhalten. Bei ganz immensem Fleiß, hei besonders guter Arbeit nnJ hei hervorragender Führung konnte diese Zulage bis aut neun Pfennig für den Tag steigen, wovon die Gefangene! ein Drittel zur Verbesserung der Kost verwenden durften Das war nicht viel, aber einige ganz alte Knaben hatten es doch dahin gebracht, daß»!e»ich eine kleine Tabakspfeife zulegen konnten. Verbringen Sie die Jahreswende fern von Politik und Händel im sonnigen Fürstentum Liechtenstein 10 atdhatei, VtfCenkoC&nic V Cid UZ Eröffnet 1932- Städtischer Komfort- Pension 8 und 10 sfr s. Arrangements- Idealer Daucraul enthalt für Ruhebedür ttige- Rechtzeitige Anmeldung empfehlenswert- Telefon Vaduz 125 Station der internationalen Züge. Buchs eiitfse Existenzgründung nietet sielt kapitalkräftigem Herrn, durci Uebernafime eines Iii irrenden und ten- tablen Geschäftes in der Hauptstadt einer deinokra'. Reaubhk. da der eigen temer steh kranklteiishal-er zurückziehen muO. Möglich auch ße:ei ifiung mtgröO. tanitaiseintage. Nur streng ser öse anfragen an: Dr-H. Bloch, Pbzeu, | Zirro jnickä 2— C. s.\ Abonnementsannahme für das Jahr 1935 auf die führende in Moskau erscheinende deutsche Tageszeitung w Deutsche ZentralsZeitung u Wenn Sie in vollem Umfange über die Sowjetunion informiert sein wollen, so empfehlen wir Ihnen die„Deutsche ZentraNZeitung" zu abonnieren. Die„Deutsche ZentrahZeitung" veröffentlicht die erschöpfendste Information und maßgebendes Material über alle Fragen der Politik, Wirtschaft und des Kulturlebens der Sowjetunion und des Auslandes. Bezugspreis: I Jahr-USA.«DoIlar 8,-,Jahr- USA.-Dollar 4,25 Bestellungen sind zu richten an: „Meshdutiarodnaia Kniga" Moskau, Kusnetzkij Most 18 oder ,,KN1GA", Bach- and Lehrmittelges. tu. b. H., Berlin W. 35, Karfäi sienstr. 33 ? x v 5• V'•;.4>• j ,i.[ ,^/v l rfjHyfa'*. fa*•' 17*%$5, cUf. für alle Zwecke Bachirackerelt VaHtssfinne Saarbrücken 3 EUROPA-VERLAG, ZÜRICH August Forel RÜCKBLICK AUF MEIN LEBEN. Großformat, 14 Bilder. Kartoniert Fr. 6,50, Leinen Fr. 8,50. Die Erinnerungen des großen Arztes, Menschen und Wissenschaftlers. Pertinax OESTERREICH 1934, die Geschichte einer Konterrevolution. Kart. 5,— Leinen Fr. 7,— Ein ausgezeichneter Kenner der österreichischen Verhältnisse schrieb dieses hochbedeutsame Buch. Volksrecht, Zürich. C. u. H. Michaelis• W. O. Somin DIE BRAUNE KULTUR, ein Dokumentenspiegel. Kart. Fr. 5,— Leinen Fr. 7,—. So vollkommen ist dieses Werk, daß auch der verborgendsle Winkel des braunen Chaos darin abgeleuchtet wird. Das Neue Tagebuch, Paris Andr& Malraux SO LEBT DER MENSCH. Prix Goncourt 1933. Kartoniert Fr. 5,50 Leinen Fr. 7,50 Dieses Buch ist mehr als weise: es ist tief und schön zugleich, schön in allem Grauen u. in aller Traurigkeit. Nationalzeitung, Basel Konrad Heiden GEBURT DES DRITTEN REICHES. Kart. Fr. 5,— Leinen Fr. 7,—. Dieses Buch kann das Buch der Generation werden, die aus dem deutschen Unheil lernen will, um es zu überwinden. Arbeiter-Zeitung, Wien Walther Rode DEUTSCHLAND IST CALIBAN. Streitschriften Pamphlete. Kartoniert Fr. 3,50, Leinen Fr. 5,—. Das Beste, was ich seit Nietzsche über die Deutschen gelesen habe. Emil Ludwig - lüichUye Tleuecscfieutun# fiic jeden HoCiükec! BEER, Dr. M. Die auswärtige Politik des„dritten Reiches" kartoniert Fr. 25,— gebunden Fr. 35,— Polygraphischer Verlag AG., Zürich I Zu beziehen durch: ^Buchhandlung. det Volksstimme Saarbrücken 2. Trierer Straße 24 Neunkirchen, Hüttenbergstraße 41 Auto-Fahrschule durch die Akademie d'Auto des Chimps-Elyse'es Kursus 10 Lektionen Gemeinschaftsunterricht, Bereitstellung des Wagens für aie Prüfung, Erledigung aller Wet>e bei der Präfektur, Ge- samtoreis 140.— ffrs. Eine, Lektion 15— ffrs. Intcrmtionalcr Führerschein. Kauf und Verkauf von neuen und gebrauchten Wagen. Man spricht deutsch. 79, Av. des Champs-Elysees, am Lldo, links 74.Av.Mozart,(Metro fasmini Tel. Elyse'es 33-22 Staatenlese und Emigranten können einwandfreie Staatsangehörigkeit mit Paß in zirka 14 Tagen erhalten. Diskretion zugesichert. Anfragen an OF 5837 Z Orell Füßli»Annon« cen. Zürich(Schweiz) faawlündewin sc iös, 25—40 fahre, ab 1. fan., um sich m. 3 Kind, zu beschält., sie deutsch zu lehren it. etw. im Hc-hnlt zu helfen von franz. Farn, ges. Zuschr. an Publ. M Izl, 51, rue Turbigo, Paris, unter Nr. 3959. Andi v. Siemens zurückgetreten Steffin, öcit 8. Dezember. Der Rücktritt des Präsident^ des Berwaltungsrots öcr deutschen RetchSbaHngesellschaft, Kart Friedrich von S i c m e n s, hat hier begreiflicherweise Aussehe» erregt. Siemens gehört nicht nur zu den prominentesten Vcrtre- tcrn der deutschen Industrie, sondern er hatte den Posten des Präsidenten des PcrwalinngsratcS seit dem Jahre 1»24 ununterbrochen bekleidet. Bezeichnenderweise sind gleich- zeitig mit Siemens ans dem Vcrmaltungsrat solche beben- tende Persönlichkeiten, wie der ehemalige Oberpräsidcnt von Ostpreußen, von Batotzki und der frühere Präsident der Industrie- und Handelskammer Breslau und dann später Berlin, Dr. Grund sowie einige andere prominente Persönlichkeiten der deutschen Wirtschast zurückge- treten. An Stelle dieser hervorragende» Wirtschaftler sind zu Mitgliedern des BcrwaltungsrateS ausgesprochene Par- teibonzcn und Beamtenkrcaturcn ernannt worden. Unter den neuen BerwaltungSratsinitgliederu befinden sich völlig unbekannte Parteibonzen, wie ein Stabsamtsführer beim RcichSbaucrnsührer ss'v was gtbts auch), ein Stabschef beim Berbindungsstab der NSDAP.: auch ein Konteradmiral scheint die geeignete Persönlichkeit zu sein, um eine solch hervorragende Persönlichkeit der Wirtschaft, ivic Dr. Grund, zu ersetzen. Es läßt sich vorläufig noch nicht klar erkennen, was die eigentliche Ursache des Rücktritts von Siemens und der anderen Berwaltuugsratsmitglicdcr ist. Aber es kann so gut wie gar keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Rücktritt deswegen erfolgt, weil auch in der RcichSbahnvcrwaltung nicht sachliche, sondern parteipolitisch demagogische Erwä- gungcn Oberhand nehmen, insbesondere bei Erteilung der wirtschaftlich nicht gerechtfertigten ArbcitSbeschaffungSauf- träge. Außerdem ist die finanzielle Lage der Reichsbahn, über die wir kürzlich berichtet haben, äußerst gespannt. ES sollten deshalb, wie wir hören, auf Borschlag des Herrn von Siemens verschiedene Spar- maßnahmen getroffen werden, mit denen jedoch der Reichs- verkehrsminister, der unter Druck der Partei handelt, sich nicht einverstanden erklärte. Um lavals Romreise Paris, den 8. Dezember. In hiesigen politischen Kreisen wird erklärt, daß M u s s o- l i n i den Außenminister Laval, während dessen Ausenthalt in Genf, durch Baron Alois! wissen ließ, daß er Laval in allernächster Zeit gerne in der italienischen Hauptstadt sprechen möchte. Da die sranzösisch-italienischen Berhand- lungen recht vorgeschritten sind, und einen günstigen Ber- laus genommen haben, so wird hier angenommen, daß die Jtegcgnnng Lavalg mit Mussolini voraussichtlich„och vor d