I v Sinzigs unabhängige Tageszeitung DeutschSands ^r. 276 2. Jahrgang m Saarbrücken, Dienstag, 11. Dezember 1934| Chefredakteur: M.Braun VecsanwilunQsuidte an dec Saat Seite 3 Qesunkenes 2)ucchschnUtseinkontmen Seite 4 tu tUnduaqsaH statten sind.£uxas Seite 7 diect Schcädec und„9ic.ii Stitlec" Seite 3 Reklame und Tal Nach dem Tag der nationalen Solidarität Berlin, 9. Dezember. < JT"Ä nnt* 0,,a,c,: Solidarität, das heißt die Bcranstal- ...®®c«cls und Almosensozialismus ist vorüber. Mit k»..* T J e?-lukatmcn verkündete heute abend der Bund- lunr. da« keiner der nationalsozialistischen Stars erschossen er erschlagen worden ist, die zum ehrfürchtigen Staunen "5 der„Emigrantenpresse" söhne die nun einmal keine retchsdeutsche Verlautbarung mehr denkbar ist) belogenen .tuslander..als Volksgenossen unter Volksgenossen" lammelten. Wieviele Schutzengel in Uniform und in Zivil nm die Herren herumstanden, wird nicht verraten, inter- Iftert uns auch nicht, da keiner von den illegalen Marxisten >m Reiche beabsichtigt, einen privaten Gerichtstag über irgend eins» nationalsozialistischen Führer zu halten. Wie der >9. Fnni gezeigt hat. besorgen die Herren das gründlichst unter sich. Mit Triumph wird verkündet, das Ergebnis dieses Sammeltags sei 3,5 Millionen Reichsmark. Nehmen wir wohl- wollend an. Herr Goebbels, der durch einen überschwenglichen Ausruf dafür dankt, hätte ausnahmsweise die Wahrheit ge- sagt. Stellen wir auch den hohen Prozentsatz, der crsahruugs- gemäß, und wie durch hunderte Gerichtsurteile nachzuweisen ist, an den Händen korrupter Hitlcrbonzen kleben bleibt, nicht in Rechnung. Dann find gestern für jeden Nnterstiitzungs- bedürftigen, deren es nach amtlichen Verlautbarungen in diesem Winter 47 bis 48 Millionen gibt, etwa 29(zwanzig) Rcichspsennigc gesammelt worden. Dafür dieses Ausgebot. Dasür die Propaganda. Dafür das Selbstlob der gesamten großen und kleinen Razibonzokratie. Man mnst demgegenüber einmal daran erinnern, was früher geleistet wurde. Freilich, ohne dast eine riefige und kostspielige Rellameorganisation ausgezogen wurde. Ans Reichs mittel» sind im Fahre 193! für die Ver- billigung von Fleisch 48 Mill., für die Verbilligung von Kohle 42 Mill. Mark ausgegeben worden. Daneben lies eine umfangreiche Aktion zur Verbilligung von Vrot und Kar- tosscln, sowie sür Kohle. Die Vrotvcrbilligung wurde aus fast 7 Millionen Mark angegeben. Die Verbilligung von Kar- tosseln mit 7,5 Millionen. Die Kohlcnverbillignng erreichte gar 47 Mill. Mark. Allein durch diese Mas,nahmen, die nur ein Teil der ganzen Aktion waren, sind mehr als 99 Millionen Mark gegeben worden. Und zwar in einer Art und Weise, die jeder spürte, aus die jeder ein Recht hatte und siir die er nicht zu betteln brauchte. Ein Hilfsbedürftiger z. B. in Berlin bekam eine Verbilligung von Brot von 4 Pfg. pro Kops und Woche. Die Kartoffeln wurden um 79 bis 89 Pfennige pro Zentner verbilligt. Fe Kops und Monat wurden 5g Pfund Kartoffeln gewährt. Bei Fleisch gab es eine Ver- billigung um 39 Pfennige, für je ein Pfund Fleisch wöchent- lich. Die Verbilligung bei Kohle betrug 49 bis 59 Pfennige pro Zentner. Jede Familie erhielt einen Zentner im Monat. Die Lebenshaltung einer Familie wurde durch diese Mast- »ahmen in den Wintermonaten um folgende Beträge verbilligt: der Verbrauch an Brot der Verbranch an Kartoffeln der Perbrauch an Fleisch der Verbrauch an Kohlen pro Woche um 9,46 Mark pro Woche nm 9,49 Mark pro Woche um 1,20 Mark pro Woche um 9,25 Mark 2,9! Mark wöchentlich oder 52,26 Mark im Winterhalbjahr war also die Verbilligung, die allein aus Grund dieser Aktion des Reiches jedem Hilfsbedürftigen zuteil wurde. Das Ratio- nalsozialistischc Winterhilsswcrk hatte im Fahre 1983 Leistungen, die nur einen Betrag von 29,85 Mark pro Kopf erreichten. In früheren Fahren zahlten aber viele G e- m e i n d c n Weihnachtsbeihilscu in barem G c l d c. 10, 20, 39, ja bis 59 Mark die Familie. Auch die Fnvaliden-, Altcrs- und Unsallrentner habe» mehrere Fahre Wcihuachtsbcihilscn erhalten. Für alle diese Leistungen brauchte niemand zu betteln. Die Mittel wurden den össcntlichcn Kassen cnt- nommeu und nicht an iken Strastcnecken erbettelt oder aus der Lohntüte gestohlen. Hohe Vermögens- und Einkommen- steuern, Steuern auf den Verbrauch von Luxusgegenständcn sorgten dafür, dast die Reichen herangezogen wurden. Auch die private Wohltätigkeit tat ihr Bestes. So die lozia- listische Arbcitcrwohlsahrt und die christliche Karitas, und zu alledem kamen noch die Gewerkschaften und die vielen sonstigen Arbeiterorganisationen, die ihren Genossen und Gc- nossinnen halsen. Rur schrie das niemand in die Welt hinaus. Voriges Fahr noch licstcn sich Millionen Volksgenossen durch den Gocbbclsschen Propogandaschwindcl täuschen Fn- Zwischen aber hat man auch im Reiche längst wieder Ver- gleich anzustellen gelernt zwischen jetzt und früher, und das Ergebnis ist: Früher wurde wirksam und still geholfen. Fetzt wird lärmend Reklame gemacht für die überfütterte Partei- und Staatsbonzokratie. Die Rot wird mit ein paar Bettel- Pfennigen abgespeist, und das Elend der hungernden Frauen und Kinder ist g-'rade gut genug, um der Parteipropaganda und der Ruhmsucht der nationalsozialistischen Parteibcamten Zu dienen, von Gering und Goebbels bis herab zum letzten korrnpten Hitlerbonzen. Die ftledenspalme in blutöeüeffifen Milden Paris, 10. Dezember. Das Eintreffen von Rudolf H e st, dem Stellvertreter des„Führers, wird in den nächsten Tagen, vielleicht schon morgen, in Paris erwartet. Er hat ankündigen lassen, dast " m!. r...' n f°titer Eigenschaft als ehemaliger Frontkämpfer französische Kriegsteilnehmer besuchen will und keineswegs mit offiziellen Aufträgen komme. Tic französische Regierung dürfte infolgedessen von der Anwesenheit des Herrn Rudolf Hetz nicht Notiz nehmen, jedoch ist nicht ausgeschlossen, dast er, einmal in Paris, dennoch versuchen wird, mit französischen Ministcru in Fühlung zu kommen, wie das auch Herr von Ribbentrop bei seinem letzten Besuch getan hat. Tie Reise von Rudolf Hetz erwidert den Besuch, den der französische Deputierte Goy und der Pariser Stadtrat M o n n i e r bei Adolf Hitler gemacht haben. Tie beide» Herren hatten keinerlei Auftrag, dem Führer Erklärungen abzugeben, und zudem ist Herr Monnier ein übel- beleumundeter Mann. Er war Bcrwaltungsrat der Bauguc Centrale du Com- mcrcc, die nach verschiedenen Betrügereien liquidieren mutzte. Er hatte, wie ihm vor Gericht nachgewiesen wurde, Verbindungen einesteils mit der Tuete Generale, deren Spitzel er war, und in derselben Zeit mit einem gewissen Hvlzmann, seinem Freunde und seinem Cvmpagnon, der von Zeit zu Zeit ins Gefängnis geht und wieder heraus- kommt, dessen Rationalität übrigens wandlnngssähig ist, und der eine Menge Gefängnisse in den verschiedenen LLn- der» Europas frequentiert hat. Dieses Subjekt hat der „Führer" nud Reichskanzler des Deutschen Reiches zu'ich eingeladen, um ihn als Friedensboten nach Frankreich zu schicken. Hier weist man sehr wohl, dast der„Aegypter" Rudolf Hetz nicht das Recht hat, für die deutschen Frontkämpfer zn sprechen, auch wenn er einer der vielen Kriegsteilnehmer war. Er vertritt lediglich von der NSDAP, abhängige bc- zahlte Parteinngcstcllte, zu denen er selbst gehört. Tie früheren deutschen Frontkämpferorganisationcn, die schon seit einer Reihe von Fahren nicht nur Verbindungen mit ihren französischen Brndervrganisationen hatten, sondern mit ihnen in der Ciamac international zusammengeschlossen waren, bis Hitler auch diesen Bund zerschlug, existieren nicht mehr. Tie Führer dieser Kriegsteilnehmer und Vorkämpfer der Verständigungspolitik wurden in die Konzentrations- lager geschleppt, wenn sie nicht vorher schon getötet wurden. Tie französischen Kriegsteilnehmer sollten Herrn Hetz, der mit seiner Frontkämpfcrcigenschaft paradiert, fragen, warum er. als der neben dem Führer mächtigste Mann, nicht endlich die deutschen Frontkämpfer und Pazifisten in Freiheit setzt. Ein Mann, der mitschuldig ist an der Einkerkerung und Folterung von Frontkämpfern und Friedensfreunden, ivie Dr. Mierendorfs, Dr. Schumacher. Ernst Heilmann(alle drei Kriegsbeschädigte!, Ludwig Renn, Lsssietzky, Küster. Thal- mann und vielen anderen, ist nicht befugt, als Verstau- digungopolitikcr auszutreten. Rudolf Hetz hat soeben in einer Rede in Bochum, die von der französischen Presse kommentarlos wiedergegeben wird, ». a. gesagt: Wir Deutschen find heute nicht mehr der Meinung, dast Frankreich, wie wir es besonders zur Zeit des Rnhr- cinbrnckzes glauben mutzten, die Vernichtung unseres Landes mit allen Mitteln betreibt. Nachdem schon Goebbels einmal das Buch des sogenannten „Führers" mit der Hastpsnchose des Verfassers erklärt hat, macht nun Hetz einen neuen Versuch, das kriegshetzerische und franzosensresserische Werk„Mein Kamps" mit einer Handbewcgnng abzntun. Tie erwähnte Stelle der Rede von Bonzcniod Im Anlo Weimar, 9. Dez. Ter Gauleiter von Thüringen teilt mit: Samstag abend verschied der SA.-Gruppcnsührer und thü- ringische Staatsrat Tr Gustav Zunkel an de» Folgen eines schweren Autounfalls. Er beabsichtigte, mit seinem Kraft- wagen zur Ausübung seiner Sammeltätigkeit anläßlich dcS Tages der nationalen Solidarität nach Apolda zu fahren. Sein Wagen geriet am Ausgang der Stadt Weimar, am Flughafen, infolge der Glätte der Straße ins Schleudern und schlug mit der rechten Hinterseite, wo unglücklicherweise der Gruppenführer saß, gegen eienn starken Baum. Tr. Zunkel wurde auS dem Wagen geschleudert und siel so un glücklich, daß er einen schweren Schädelbasisbruch erlitt. Es trat im Gehirn eine innere Blutung ein, dazu kam Atem- lähmung und Herzschwäche, die dann den Tod herbeiführte. Heß will nämlich nichts anderes, als Hitlers Schundbuch da- mit zu erklären, dast er es unter den Einwirkungen des Ruhrkampfes geschrieben habe. Das ist in mehrfacher B?- Ziehung ein neuer, grober Schivindel. Hitler hat das Buch erst ein Fahr nach dem Ruhreinbrnch geschrieben und hat es später unter genauer Kenntnis der von ihm mit leidenschaftlichem Hast bekämpften Verständigungs- und Paklpolitik nicht nur aufr c cht c rhalten, sondcrn er- g ä n z t. In der uns vorliegenden 68. Auflage, die im Fahre 1933 gedruckt ist. sind nicht nur die bekannten wüsten Be- schimpsungen gegen daS„veruegerte" und„bastardierte Frankreich enthalten, dessen Vernichtung als nächstes Ziel der Politik des„dritten Reiches" proklamiert wird, sondern wird auch jede Verständigungspolitik mit Hohn und Wut abgelehnt. Tic Locarno- Politik ivird von dem deutschen Führer und Reichskanzler als feige Unterwerfung einer ehr- und ch a r a k t e r- los gewordenen Ration beschimpft. Adol Hitler sagt aus Seite 764 seines''elenden Machwerks von den deutschen Staatsmännern der Locarnopolitik. die er jetzt zu kopieren und pazifistisch zu übertrumpfen versucht: „Da die Leitung unserer Geschicke seit Kriegsende, nunmehr ganz un verhüllt, dnrch Juden besorgt wird, kann man wirtlich nicht annehmen, daß nur fehlerhafte Erkenntnis die Ursache unseres Unglücks sei, sonder» man mutz im Gegenteil der Ucberzengung sein, dast bewußte Abficht unser Volk zugrunde richtet. Und sowie man erst von diesem Gesichtspunkt ans den scheinbaren Wahnsinn der außen- politischen Leitung unseres Volkes überprüft, enthüllt er sich als höchst raffinierte, cisigkalte Logik im Dienste des jüdischen Weltcroberungsgeöankcns und-kampscs." Das ganze Kapitel über die L o c a r n o p o l i t i k wimmelt von Tchimpsworten über die feigen Staatsmänner und die „parlamentarischen S t r o h k ö p f e", über die Minister als„windigste Murkser", weil sie Ver- s k l a v u n g S d c l i k t e, wie den Vertrag von Locarno, geschlossen haben. Wir verzichten daraus, weitere Beweise der geistigen Verfassung und des Bildungsgrades von Adolf Hitler zu geben. Dieses wüste Buch aber ist eben erst, dicht vor der Friedens- reise von Rudolf Heß, dnrch einen Erlast des Reichsunter- richtsministers Ruft sür imitier als die Grundlage des Unterrichts sür die deutsche Schul- fugend bestimmt w o r d e n. Das aber und noch nicht einmal so sehr die materielle Ausrüstung ist das Eni- scheidende: die ganze heranwachsende Generation des deutschen Volkes wird in einem hasterfüllten rachsüchtigen KriegSgeiste erzogen, der gefährlicher ist als Flugzeuge und Tanks, und der Urheber dieses blutigen Ungeistes ist und bleibt der deutsche„Führer" und Reichskanzler Adolf Hitler, dessen rohes Buch siir immer ein Zeugnis dasiir bleiben wird, in wie tiefe Barbarei Teile des deutschen Volkes wider den heiligen Geist einer großen Kulturnation dnrch Landsknechts- sichrer und Demagogen gestoßen werden konnten. Nach vielen Bekundungen in dem rohen Ackcnntnisbuche Adolf Hitlers haben seine ganze Marxisten- und Juden- Verfolgungen zuletzt außenpolitische und kriegerische Gründe. Er schreibt mit klarer Deutlichkeit, dast Deutsch- land erst von diesen inneren Feinden gesäubert werben müsse, ehe der Kamps nach außen vorgetragen werden könne. Selbst wenn Hitler zu der außenpolitischen Kriecherei, die er seit Jahr und Tag betreibt, nun auch noch die unvor- stellbare Selbstdemütigung einer Schciterhauscnvcrbrennung seines fürchterlichen Buches hinzufügen würde, hätte sich nichts geändert. Tic von ihm gegründete und geführte natio- nalsozialistischc Bewegung muß sich in den Gesetzen vollenden, nach denen sie angetreten ist: Hast, Terror, Gewalt, Krieg. Sehr viele unterrichtete Franzosen wissen daS sehr ivohl, und sie suchen das andere Deutschland, das nicht von Hitler repräsentiert wird. Es wird auch mehr und mehr darauf hin- gewiesen, dast das außenpolitische Bekenntnis Lavals in der französischen Kammer bei aller Höflichkeit der Form sich nicht von denen Barthous unterscheiden. Frankreich werde die vertragswidrige Aufrüstung des„dritten Reiches" nicht anerkennen und sich nicht mit der vollendeten Tatsache ab- finden. Auch Laval verweise Teutschland auf die Verband- lungen im Völkerbund. Es sei das im Grunde eine höfliche aber entschiedene Ablehnung des Standpunktes, en Baldwin als Sprecher der englischen Regierung im Unter- Hause vertreten habe. Auch müsse Frankreich die nötige Rück- ficht auf seinen neuen russischen Verbündeten nehmen. Das sind die Stimmungen, in denen Frankreich den Stell- Vertreter des„Führers" erivartet. Das Dementi der Reidistagsbrandstiftcr Bas ReKOssircpasandanjInisterMm in Verlegenheit o;c Teuerung Mund halten! Die NT.-Hago inDuiSVurg versendet folgendes Rund- schreiben: An alle Mitglieder! Wir haben in letzter Zeit festgestellt, datz in den Ver- kaussläden die Debatten über Preissteigerungen nicht zur Ruhe kommen. Des weiteren haben wir festgestellt, daß sich an Preidstcigerungs-Debatten auch die Laden- Inhaber beteiligen. Tollten wir dieses von Ihnen hören, werde ich sofort Ihr Geschäft schließen. Lamcr tz. „Junge Kirdie" verholen Berlin, 10. Dez. Durch den Regierungspräsidenten in Hildeshelm Ist zum Schutze der öffentlichen Ordnung und Si- cherheil die in Göttingen erscheinende Halbmonatsschrift für resormatorischcs Christentum,„Junge Kirche", ans u n b c st i in in t e Zeit verboten worden. Die deulsdie Dirigentenhrlse Strauß in Berlin Berlin, 10. Dez. Die Nachricht, daß Richard Strauß sich solidarisch zu Furtioängler bekennen wolle, bestätigt, sich nicht. Der Präsident der ReichSmusikkammer bemüht sich vielmehr um eine Vermittlung. Cr hatte am Freitag eine Besprechung mit Reichspropagandaminister Dr. Gocb- bcls. In der Frage der Nachfolge Furtwänglcrs scheint noch keine Cntscheidnng gefallen zn sein. ES wird jedoch be- stäuptet, dag der Aachener Generalmusikdirektor Dr. Peter Raabe zum Leiter des Philharmonischen Orchesters er- nannt worden sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus. Raabe hatte am Donnerstag an Stelle Furt- wänglers das Philharmonische Orchester anläßlich der gro- ßcn Kundgebung der Reichskulturkammer dirigiert. fernai! aus das.Ciorsttiewlslisiüe S.ed.uiagswcrfi" Zjerlin, 10. Dezember. Nachdem der„Zinsbrecher" Gottfried Feder auch von scineni Posten als SiedlungSkommissar abgejagt worden ist, ist das Ressort des Siedlungsweieno wieder dem Reichs- arbeitSministerium unterstellt worden. Ter Crzrcaktio- n ä r T e l d t c, der stark unter dem Einfluß der ofteistischeu Junker steht, wird also über die weitere Art der Durch- sührung des Siedlungswesens zu bestimmen haben. Cs ist außerordentlich schwer, genau zu erfahren, waS eigentlich in der Frage des Siedlungsiveiens hinter den Kulissen vor sich gegangen war. Es muß aber angenommen werden, daß Feder im Einklang niit dem Programm der. NSDAP, die Absicht hatte, das Siedlungswescn weiter auszubauen. Feder stat vor einigen Monaten, als er zum Reichskvmmissar für Siedlungswesen ernannt wurde, großspurig erklärt, e r iv e r d c Z e h u t a u s e» d e von Erwerbslosen a n s s Land übersiedeln und ihnen aus diese Meise eine feste Existenzgrundlage schaffe». Bon der praktischen Durchsüh- rung dieser Maßnahme, ja selbst von der Inangriffnahme dieser Pläne, hat man in der Zwischenzeit nichts gehört, und es muß angenommen werden, daß Feder aus finanziellen sowie aus politischen Gründe» ans Widerstand gestoßen war. Finanziell hätten seine Maßnahmen den ohnehin schon schwer belasteten Reichsetat ins Wanken gebracht. Außerdem aber wollten die ostelblschen Junker den großen Plan Feders »ich durchführen lassen, weil dadurch ihr Besitz hätte ange- tastet werben können. Gegen diese„bolschewistischen Pläne" liefen dle Kreise um Oldenburg-Januschan Sturm, und es scheint, daß es ihnen jetzt, ebenso, wie seinerzeit unter Brü- ning, gelungen ist, durch Intrigen hinter den Kulissen ihre egoistischen Klassenintcrcsien wahrzunehmen. Die Auflösung des Reichskommissariats sür Siedlungswesen zeigt also deut- lich, wer unter Hitler eigentlich herrscht und bestimmt. Gleldtgesdiaifefc Meutereien Eine außerordentlich staatsgcsährliche Meckerei hat sich das gleichgeschaltete Flensburger Sonntagsblatt der Kirchen- gemeinde St. Pctri,„Glaube und Heiinai",^gelcistet. Unter der Ueberschrift„Hast du dein Schlasgeld schon zusammen?" heißt cs in weinerlichstem Tone: „Da steht wieder ein junger Mensch an der Tür. Ganz be- scheiden, ja clwaS scheu. Cr weiß, daß das Betteln verboten ist und daß er einige Tage brummen muß. wenn man ihn anzeigt lMan wird doch nicht. Herr Pastor? T. Red.s „Ich habe mein Schlasgeld noch nicht zusammen." Mehr sagt er nicht... Ich sehe mir den jungen Menschen etwas näher an, lasse ihn antreten und frage ihn nach dem Woher und Wohin? Es ist die alte traurige Geschichte. Cr war erwerbslos geworden und hatte nun daheim jahrelang sich um Arbeit bemüht, ohne Erfolg. Schließlich hatte er es nichc länger ansgehaltc». Die Hoffnung, daß doch irgenwo in deutschen Landen ein arbeitswilliger, fleißiger Mensch mit guten Zeugnissen einen Verdienst finde» müsse, hatte ihn fortgrtriebrn. So war er lals Opfer der Goebbelsfchen Ar- beitsichlachtmeldungen d. Rcd.j von einem Ort zum anderen gewandert und hatte überall erfahren müssen, daß für einen Fremden noch viel schwerer Arbelt zu finden ist als für einen Einheimischen. „Gehen Sie doch inS Wanderheim!" So riet ich ihm.„Da war ich schon vier Tage, länger darf ich dort nicht bleiben." Auch auf den Behörden war er schon gewesen. Aber dort hatte man ihn weiter geichickt. Man hatte ja ohnehin genug zu tun mit den eigenen Erwerbslosen und suchte den Zuzug von außerhalb fernzuhalten. To blieb ihm nichts, als sich sein tägliches Brot zusammcnzufcchren und vor allem das Schlasgeld auszubringen, um doch für die Nacht untcrzu- kommen Soweit die Schilderung, die von Herrn Pastor Denker aus Lübeck stammt. Hossenilich bekommt der Herr Pastor für seine gutgemeinte Offenherzigkeiten keine Nackcnschlägc. Denn nach den hundertprozentig wahrhaftigen und gewissen- haften Ausstellungen des RcichspropagandaministcrS gibt es erstens in Deutschland keinen Menschen, der hungert und friert und zweitens keinen Menschen mehr der bettelt— außer den bezahlten Nazibeitler», die dem deutschen Bolke Sonntag für Tonntag das Leben mit der Sammelbüchse erschweren London, 10. Dez. fJnpreßj: Das Propagandaministcrium hat cs bei der Erklärung im Deutschen Nachrichtenbüro, daß das im Pariser„Journal" veröffentlichte Ernst-Toku- ment falsch sei, nicht bewenden lassen. Tie Enthüllung ist den nationalsozialistischen Brandstiftern so in die Glieder gefahren, daß das Propagandaministcrium den Berliner Korrespondenten der„Times" zu sich gebeten und dort den „Sturmtrupp Brigadesiihrer Richard Fiedler" präsentiert hat, um zn beweisen, daß der Fiedler, von dem Ernst in seinem Brief spricht, noch lebt. Nun ist keineswegs ersichtlich, warum die Echtheit des Briefes von Ernst erschüttert sein könnte oder auch nur an- gezweifelt werden könnte, weil Fiedler noch lebe. Der Brief von Ernst wurde am 3. Juni 1033 von ihm verfaßt, die Erschießungen begannen am 30. Juni. In diesem Brief konnte kein Wort darüber stehen, daß Fiedler ermordet sei. Ob er also lebt oder tot ist, ist für die Athcntizität des Dokuments völlig bedeutungslos. Es verrät das Schuldbewußtsein der Nazis, daß sie sich an eine Nebensrage klammern und zu dem Dokument selbst durch das Dementi des DNB. in der verwaschensten Form Stellung nehmen. Das bemerkt übrigens auch der „Daily Telegraph":„Das ist in allgemeinen Worten gehalten und geht auf keine Details ein." Aber auch der Korrespondent der„Times" erklärt, daß in dem„Deutschen Führcr-Leriton" an der Stelle, wo Fiedler als Reichstagsabgeordncter hätte erscheinen müssen, sich eine weiße Seite findet.„Es gibt viele solcher weißen Seiten in dem Buch, die gewöhnlich die Personen zu be- zeichnen pflegen, die ein Opfer der„Reinigung" wurden. Die„Times" erinnert weiter daran, daß Helldorf, der laut dein Ernst-Dokumcnt van der Lübbe aufgriff, den Hol- länder im Reichstagsbrandprozeß anschrie-„Mensch heb mal den Schädel hoch." daß Lübbe, der keine Ermahnungen des Vorsitzenden beachtete, diesem Befehl von Helldorf sofort gehorchte. Stockholm, lO. Dez. lJnpreßj: Wie wir erfahren, hat der bekannte schwedische Rechtsanwalt Branting, der zuerst über das Ernst-Dokument berichtete, heute iu einer Er- klärung au die englischen Telegrafenagenturen den angeblichen Fiedler aufgefordert, ihn zu verklagen, um au» diese Weise eine gerichtliche Untersuchung und die Feststellung der Identität des angeblichen Fiedler zu er- z w i n g e n. vcr ungarisdi-iiigoslawisdie Konflikt ü€li!€ Ein gung in Geitf Genf, 10. Dezember. Während diese Zeilen durchgcgeben werden, ist eine Eni- scheidung des Bölkerbundsrates noch nickt gefällt worden. Tie gestrigen Verhandlungen sind in der Hauptsache den Kompromißvorschlägcn gewidmet worden. Es ist viel beachtet worden, daß neben Italien a u ch Polen oiien für Ungarn Partei er- g r i i i cn hat. In dieser Tatsache erblickt man nicht nur die Auswirkungen der derzeitigen Reiie Gömbös nach Warschau, sondern auch die offene Schwenkung Polens z n den Gegnern Frankreichs II n d seiner Bundesgenossen. Dieser Umstand ist in hiesigen politischen Kreisen staik beachtet worden, gerade im Zu- sannnenhang mit der in diesen Tagen ebenkalls in Genf zwischen Litivinow und Laval getroffenen Vereinbarung über die Ablehnung zweiseitiger Verträge. Ter südslawische Außenminister Jcotitsch, unterstützt von seinem rumänischen Kollegen Titu lesen, verlangte kategorisch, daß in der Entschließung, die der Völkerbundsrat heute annehmen soll, der ungarischen 01 e g i e r u n g ein Tadel für ihr Verhalten ausgesprochen wird. Italien und Polen erklären ihrerseits kategorisch, daß sie eine solche Erklärung nickt zulassen würden. Laval versucktc dnrck dauernde Unterhandlungen eine Verständi- gung zu erreichen. Es hat auck den Anschein, als ob die Vcr- treter der Kleinen Enienie vorläufig aus ihrer bisherigen Forderung beharren, was auch in der heute angekündigien Rede Tituleseus zum Ausdruck gebrach: werden soll. Vor- aussichllich wird heute der c n g l i s ch c V crtrcter E d e n zum Generalberichterstatter in der Frage des jugoslawischen ungarischen Konflikts ernannt werden. Eden wird dann versuchen, eine Verständigung herbeizuführen. Inzwischen Hai sich die Situation bedauerlicherweise durch die M a s s c n a u s w e i s u n g e n ungarischer Staatsangehöriger aus Jugoslawien ver- schärft. In politischen Kreisen findet die Tatsache Vcach- tnng. daß die gesamte englische Presse diese Ausweisungen ains schärfste verurteilt. Nach noch nicht bestätigten Atel- düngen soll die Budapester Regierung Gegenmaßnahmen getroffen und zahlreiche jugoklawische Staatsangehörige ans- gewiesen Huben. Diese Massenansiveisiingen tragen nalnr- gemäß nicht zur Beruhigung der Lage bei. Ms OfiC I der Pariser Presse (Von unserem Korrespondenten.> Paris, 10. Dezember. „Die große Debatte, die sich am Samstag in Gens über das Btarskiller Attentat entsponnen hatte, ist beendet. Sie hat keine eindeutige Meinung ausgelöst. Drei Mitglieder des Rats, Polen, die Tschechoslowakei, Die Türkei— höchstwahrscheinlich auch Rußland— sind entschlossen, nach den für das Verbrechen Verantwortlichen weiter zn forschen. Die Er- klärnngcn der anderen Mächte sind so vage, daß man noch nicht weiß, woraus sie hinanslanien. Alle brandmarken das Attentat von Marseille, aber nur einiac wollen nach den Ursachen forschen... Der Vertreter Chiles hat als Schluß- iolgcrnng der Debatte erklärt, daß der Völkerbund in aller Form das Verbrechen von Marseille verdammt und die Not wendiakeit anerkennt, aenieintam acacn den Terrorismus zu kä'mvsen. Darum würde der Rat das Büro bitten, eine Vereinbarung auszuarbeiten, die den Reaierunaen mitgeteilt, im Januar aeprüft und ans der nächsten Vollsitznn» im Sevtembi'r beraten werben sollte. Aber all dies, so schließt James Donnadi"!,. dar Genier Sonderberichterstatter des „Figaro" seine Ausführungen, kann Jugoslawien keine Genugtuung bieten." Tieies im„Figaro" ausgedrückte Gefühl der Un- besriediakcii ül>er den Verlans der Genfer Debatte wird von der gesamten französischen Presse, die sich ziemlich besorat zeigt, geteilt. Der„J ou r" ichreibt, niemand verhehle sich, daß die Situation ernst bleibe und daß die smlluna Groß- britanniens, das abseits der Diskussion bleiben möchte, in dem cs sowohl dem einen wie dem nadcren Mäßigung und v'e inker nationale PoHzet'ruppe London, 10. Dcz. Den Blättern zufolge werde» voraus- sichtlich zwei Bataillone britischer Infanterie und eine Abteilung Panzerwagen nach dem Saargebict gesandt werden. Es verlautet, daß das italienische Kontingent ebenfalls von Panzerwagen begleitet sein wird. Die Gesamtstärke der Truppen dürste 5000 nicht übersteige» Der französische Außenminister Laval hat die englische und italienische Regierung wissen lassen, daß Frankreich gratis den Transport der für die Saarbesetzung in Frage kommenden englischen, und italienischen Truppe» vor- nehmen wird. Ruhe empfehle, die Suche nach einer annehmbaren Lösuüg nicht erleichtern werde. Im„Journal" meint Saint-Brice. man müsse offen eingestehen, daß der zweite Tag der Genfer Debatte über Marseille nicht den Erwartungen entsprochen habe, die man in die intervenierende Tätigkeit des Völkerbundes gesetzt habe. Man müßte noch viel schärfer Kritik an dieser Sitzung üben, wenn nicht durch die Wolken der Sonnenstrahl der Laval Rede gebrochen wäre. Auch der dem Auswärtigen Ami nahestehende„Petit- P a r i s i e n" hebt de» starke» Eindruck hervor, den die Rede Lavals aus die Völkerbundsdelegierten gemacht habe. Er schildert, daß in Genf allgemeines Erstaunen über die ein wenig küble Haltung Großbritanniens herrsche, das nach jugoslawischer Ansicht die Tinge von einer zu hohen Warte ans und zu fern ansehe. Tic ungewöhnlich gut unterrichtete Sonderberichterstatterin des„Oeuvre", G e n e v i e v e Tab o u i ö, meint ziemlich pessimistisch,„die politischen Stammgäste Genfs täuschen sich selten: sie wissen genau, daß. wenn eine Krise bedenklich wird, sie sich bald glücklich lösen wird— sonst hätten sie bei Tchlun der Debatte über den ungarisch-juaoslaivischce Streitsall einige Unruhe emvkinden müssen. Jedenfalls scheint allen, daß es schwieriger ist denn je. eine Lösung zu finden". In den Kreisen der Völkerbundsdelegierten, so sagt Gcnevieve TaboiuS weiter, wird besonders die Wichtigkeit der Tatsache erörtert, daß für Frankreich Juaoslawien, das gegenwärtig mit fünf oder sechs anderen Valtanstaaten durch Wirtschaits- nnd Militärvereinbarungcn freundichastlich verbunden ist, alles in altem ein.siusamnienarbcltcn von 00 Millionen Menschen darstellt, die sich aus die große Sowjetrepublik stützen können. Ebenso ivird allgemein der Unterredung, die Laval mit dem Baron Alotsi haben wird, besondere Be- deutung beigemessen. Die Sachlage, so schließt Frau Tabouis, ist deshalb schwierig, weil man baldigst eine Lösung finden muß, um den Diskussionen ein Ende zu bereiten, welche nach Ansicht aller das allgemeine Einvernehmen gefährden können." Im„M a t i n" erklärt Philippe Varres, es sei gewiß, daß Jcvtitch nicht darauf verzichten könne, eine beutliche Ge- nnglunng zu crlanaen. Er brauche es moralisch. Sein Kabi- nett würde eine Genier Enttäuschung nicht überleben. Es würde durch eine viel intranfigeantere Regierung ersetzt werden, die den Völkerbund in eine schwierige Lage bringen würde. ES wäre weder gerecht noch klug, wenn Jugoslawien sich zurückgesetzt fühlte und sich unter Berufung aus den Ar- tikel 15 deS Völkerbundsstatuts selbst sein Recht verschaffte. ch Bukarest, 10. Dezember. Zur Behandlung des ungarisch-Iugoslawischen Konfliktes im Völkerbund schreibt„L'Untversnl". der ungarische Tele- gierte habe angekündigt, daß er eine Verteidigungsdenkschrilt seines Landes überreichen»verde. Er rechne dabei daraus, daß die in diesem Schriftstück niedergelegten Behauptungen ans Zeitmangel nicht widerlegt werden können. TituleSen habe indessen dieses Manöver durchkreuzt und sür Wieder- ausnähme der Debatte am Mvntag gesorgt. Es werde täglich mehr und mehr bewiesen, daß Ungarn nur eins suche: durch Jntriguen, durch Provaaanda, durch direkte Handlungen und Rüstungen ihren Revisionsvlan zu verwirklichen. Die demokratische„Lupa" erläutert ihrerseits, man müsse jetzt eine Haltung einnehmen, die trotz Taktes und Mäßigung doch die Festigkeit nicht ausschließe. Dir moralische Verurteilung der ungarischen Einmischung in den revisionistischen Terrorisuiu? sei das einzige und gleichzeitig daS gemäßigste Mittel, um Verwicklung«» als Folge der Marsctllcr Tragödie' zu vermeiden. Ausbau der franzdsisdi russlsdien Wirtschaftsbeziehungen Moskau. 10. Dezember. Die französische'Handelsdelegation mit Handclsininistcr M a r ch a n d c a ii an der Spitze, hat gestern abend Moskau verlassen. Es heißt, daß die gesamte Delegation direkt nach Paris zurückkehre, was inioscru überrascht, als es hieß, daß Marchandeau auf dem Rückwege»ich in Berlin aus- hallen werde, um noch einige Fragen zu klären, die sich ans den jüngsten dculsch-französischcn Wirtschaflsverhandlnngcn ergeben haben. lieber das Ergebnis der Moskauer Verhandlungen wird berichtet, daß es Marchandeau gelungen ist, von Rußland da? Zugeständnis sür eine erhöhte jranzöiische Aussuhr zu erlangen. Jedoch hat sich Rußland ner- pflichtet, französische Waren in steigendem Umiange unter der Bedingung der G e w ä h r n n g von l a n g s r i st i g e n K r e- ditcn einzuführen. Wahrscheinlich wird unter diesen Ilmständen die sranzösische Regierung, wie das schon in Deuischland der Fall war. eine Ausfallbürgschaft sür die sranzösische» Exporteure, soweit sie langfristige Kredite ge» währen werden, übernehmen. Das sranzösisch-rnsiiiche Handelsabkommen ivird in seiner endgültigen Form in Paris iiiucrzcichnct. wohin in de» nächsten Tagen der Volkskommissar sür Außenhandel, Ro- j e n h o l z, fährt.'^ ^DEUTSCHLAND äflptMTLEK Nene überfüllte Einheitsfront-Kundgebung „Am 13. Januar.- Adol! Hitler mitten ins Herz!" Am Sonntag fanden die Funktionäroersammlungen der beiden sozialistischen Parteien statt. Während eine sozialdemokratische Delegation mit Mar- »raun an der spitze im Taalbau die Kommunisten begrünte, sprach der Führer der Kommunisten. F r i tz P s o r d t. zu den sozialdemokratischen Funktionären.„Ich hoffe— rief Pfordt, unter brausendem Beifall der Versammlung aus, daß der Tag nicht mehr fern ist, wo die Funktionärversammlungcn der beiden proletarischen Parteien nicht mehr getrennt, son- der,, gemeinsam tagen werden." Der Hauptreferent, der aus allen Teilen des Saargebiets zahlreich besuchten Funktivnärversammlung ivar das Mit- glied der Genfer Delegation, Julius Schwarz, vom Bergarbeiter verband. Schwarz berichtete ausführlich über die Verhandlungen in Genf und ging insbesondere aus die seier- «che Erklärung des Bölkerbundsrates ein, daß, wenn die Saarbevölkerung in einem späteren Zeitpunkt eine andere Haltung Deutschland gegenüber einnehmen wird, der Wille der Bevölkerung respektiert wird. Aus^die Vereinbarungen über die Kohlengruben eingehend, ivies«chwarz unter anderem darauf hin, daß den Fran- zoicn die Ausbeutung der Warndt-Gruben bis zum Jahre 1949 überlassen worden ist. Bor Iahren hat eine Regierung des Weimarer Systems eine Denkschrift durch Professor >-chücki»g ausarbeiten lassen, in welcher die Ausbeutung der Warndt-Gruben als völkerrechtswidrig dargestellt wurde, "nd diesen völkerrechtswidrigen, das deutsche Nationalver- möge» schädigenden Zustand, sanktioniert die Regierung der „nationalen Erhebung", die im Mai 1983 durch den Maulhelden Goebbels in Zweibrücken erklären liest, sie werde den Warndt aufschließen! Und heute haben diese„Helden" die Erichliestung der Warndt-Gruben den Franzosen, dem„Erb- fcind" überlassen! Schwarz behandelte auch eingehend die Frankensragc. Das ci* j' c stch im Falle der tllückglicdcrung ver- pflichtet, sämtliche im Saargcbiet befindlichen Devisen zu beschlagnahmen und diese zu einem Zwangsturs in Mark umzutauschen. Allein in den saarländischen Sparkassen liegen 78« Millionen Franken. Die kleinen Sparer und Geschäfts- lcute werden dafür die Hitler-Mark bekommen, deren Kauf- kraft gesunken ist und die sehr bald auch völlig wertlos wer- den kann. Wer unbedingt wieder Inflationsmillionär sein will, der wähle Hitler! Am Schluß seiner ausgezeichneten Ausführungen bestätigte Schwarz noch einmal, daß die Ren- ten, Pensionen usw. im Falle des Status quo vom Völker- bund garantiert sind. ' Eine kurze und höchst wirkungsvolle Ansprache hielt M a x --'Braun, von den Funktionären stürmisch begrübt.„Ter '-Sieg in Gens ist geschlagen— rief er ans— jetzt gilt es den Sieg an'der Saar zu schlagen." Jetzt, nachdem dem Saarvolk das unbestreitbare Recht aus die zweite Abstimmung zustehe, handelte es sich nur darum, fii r oder gegen Hitler. Braun begrüßte die Tatsache, daß keine französischen Trup- pcn an die Saar kommen, da dadurch die Diffamierung der Abstimmung durch die Röchling-Front vereinbart wird. Wenn überhaupt nach der Saar Truppen kommen, so sei das nur aus die perfiden Terrormethoden der„deutschen Front" zurückzuführen. Während wir seinerzeit. 5 Jahre vor Ablauf der Frist, deutsche Gebiete von fremden Truppen frei- gemacht haben, gibt Hitler seine Zustimmung zum Einmarsch. Brau» wies dann aus die Gefahr der Teilung des Saar- gebiets hin, das vom Völkerbund und dem Dreier-Ausschuß vorgesehen ist. und erklärte, daß eben deshalb gegen Hitler gestimmt ivcrden müßte, damit später das Saargcbiet ge- schlössen zu Deutschland zurückkehren kann. Unter brausen- dem Beifall der Versammlung schloß der Führer der Frei- hcitssront seine kurze Ansprache mit den Worten: „Am 13. Januar ,reffen wir Adolf Hitler mitten ins Herz." Erst die Abstimmungskommission hat den Terror gc- vrochen, der der Einheitsfront an der Saar den größten und repräsentativsten Saal Saarbrückens, den S a a l b a u, versagte. Genau vor zwei Monaten fand hier ihre erste Kundgebung statt. Für jeden Teilnehmer ist sie ein unver- gcßbareS Erlebnis geblieben. Im überfüllten Saale wogte den Rednern der Einheitsfront immer wieder stürmische und begeisterte Zustimmung entgegen. * Für Samstagabend war eine neue Kundgebung der Ein- heitsfront angesagt. Besonders Vorsichtige gingen schon lange vor sieben Uhr zur Kundgebung. Aber sie erlebten eine Ueberraschung! Bor dem Eingang brandeten drängende Massen. Wer endlich mit einer Etappc von Eingelassenen durch die vielseitigen Kontrollen hindurchgcschlüpst war. der iah bereits den großen Raum überfüllt und hatte Mühe,»och in irgendeiner Ecke einen Stuhl zu entdecken. In dieser Stunde bis zum Beginn kamen immer n e»c Scharen. Sie besetzten stehend die Saalränder, sie drangen in die Gänge, und oben auf den Rängen sah es fast bedrohlich aus. Wir hatten Zeit genug, die Besucher zu mustern. Arbcitsvolk aller Grade aus der Großstadt, aber -auch viele selbständige Leute, Mittelständler, Handwerker und hin und wieder Männer und Brauen, die man vielleicht im Straßengetriebe für getreue Hitleranhänger gehalten hätte. Man täuscht sich an der Saar eben in vielen. Rur in einem nicht: Menschen, die eine Versammlung der Einheitsfront besuchen, stimmen ganz gewiß gegen die„Heimkehr" der Saar zu Hitlerdcutjchland, während unzählige Besucher der Kundgebungen der branucn Front trotz eifrigstem Armheben höchst unsichere Kantonisten sind. * Endlich mar es 8 Uhr! Fanfaren schmettern vom Podium. Alles springt auf, wer nicht sehen kann, erklimmt seinen Stuhl. Es folgt ein glänzend durchdachter Aufmarsch, der die Massen zu leidenschaftlichen Beifallsbezengungcn hin- reißt. Schilder werden getragen mit packenden Schriften, bewegte Zurufe, die sich zu minutenlangem Bekenntnis steigern, als die Führer der Einheitsfront, an ihrer Spitze Max B r a u n und Fritz Pfordt sichtbar werden. Man hat viele Wahlversammlungen im Reiche gesehen, in denen die Wogen sehr hoch gingen, aber diese hier ist etwas anderes. Diese Menschen an der Saar wissen, daß in fünf Wochen über das Schicksal ihrer Heimat und über ihr eigenes ent- schieden wird. * Max Braun ist der erste Redner. Nachdem sich der langanhaltcnde Beifallssturm gelegt, weist er aus das„Weih- nachtsgeschenk" hin, das der Völkerbund dem Saargcbiet bereitet hat. Es sind die 5099 Mann internationaler Polizeitruppen, die durch Adolf Hitlers Mit- Unterschrift in Kürze auf deutschem Boden erscheinen werden. Hätte dem ein republikanischer Minister zugestimmt: er wäre gekillt worden. Weimar ist die Befreiung der Rheinland? von fremder Besetzung gelungen,' unter dem„Führer" wird sie mit seiner Zustimmung jetzt wieder an die Saar geholt. Das ist die Folge der Terrorhctze. Diese Truppen wären nicht nötig gewesen, wenn die Gegner dieselbe Disziplin gc- halten hätten wie die Einheitsfront. Zusammengbrochcn ist die Hetze gegen Frankreich, das sich an der internationalen Polizeirruppe nicht beteiligt. Dafür aber ist die Verlogenheit der braunen Front und ihrer Presse angesichts der Genfer Beschlüsse um so größer. Ein- deutiq ist hier festgelegt worden, daß im Falle des Status quo der Völkerbund krast seiner Souveränität das Recht hat, „Einigkeit und ßedit und Freiheit" Tr- Christliche Volksbund ist am Sonntag mit einer geschlossenen Kundgebung in den Kampf für den Status quo eingetreten. Im großen Saale des Johannis- Hofes drängten sich etwa 8599 Besucher. Viele konnten keinen Einlaß mehr finden. Vor dem Gebäude sammelte» sich viele Neugierige, die mit Staunen wahrnahmen, wieviel Volk zu dem Bunde strömte, der nach den Versicherungen der „dcutschen Front" ein Bund ohne Volk sein soll. Die Ver- sammlung tagte unter dem Zeichen eines riesigen Christus- lreuzes als dem Kampfsymbol gegen das Hakenkreuz. Unter den Transparenten fiel vor allem eines aus„Unser Führer ist Christus, nicht Hitler". Ter Versammlungsleiter Delheid-Rennkirchcn hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß leider in- folge des bekannten bischöflichen Erlasses, der den Geistlichen den Besuch politischer Versammlungen untersagt, kein Priester anwesend sein könne, jedoch wisse er, daß die über- wiegende Mehrheit der katholischen Geistlichen des Saar gcbietes nicht nur mit ihrer Tymptahie, sondern auch mit ihren Gebeten zu dem ehrlichen christlichen Kampfe des Volksbundes stehe. Erster Redner war der frühere Führer-der saarländischen christlichen Bergarbeiter Frist Kuhnen, der seit dem Jahre 1939 auch deutscher Reichstagsabgcordneter war und übrigens 18 Jahre der Ztadtvcrordcntcrsammlung in Saarbrücken angehört hat. Als Gutachter und Delcga tionsmitglicd hat er neben dem Führer der sozialistischen Bergarbeiter I u l i u s S ch w a r z in vielen Verhandlungen in Paris und in Genf die Interessen des deutschen Saar- gcbietes vertreten. Er ging davon aus, baß die gleich geschaltete Presse die politischen Beschlüsse des Dreieraus- schusses und die Erklärungen im Völkerbundsrat. die eine spätere Rückgliederung mit oder ohne neue Abstimmung an ein freies Deutschland ermöglichen, verneble und fälsche. Hier müsse nachdrücklichst Ausklärung einsetzet!. Tic ganze Welt- presse habe die Beschlüsse, richtig verstaiidksl^Alu^dic aleich- geschalteten Zeitungen täuschten und verdrehten. Kuhnen ent- wickelte dann, daß er jetzt wie stets für eine ungeteilte Rück- gliederung des Saargebictcs an Deutschland sei. Jetzt schon müsse man mindestens mit einer starken Minderheit gegen Hitlcrdeutschlgnd am 13. Januar rechnen. Da der Völker- bundsrat das Ergebnis nur als Grundlage zu seiner Ent- scheidung zu nehmen brauche und im übrigen sich frei ent- scheiden könne, bestehe die Geiahr. daß das Saargcbiet analog der Entscheidung in Oberschlesien, wo 79 v. H. für Deutschland gestimmt hätten, geteilt werde. Die Gefahr sei noch erhöh« worden durch drohende Erklärungen aus Hitler- deutichland, z. B. durch den Saarkommissar B ü rckc l. Weder Frankreich noch Luxemburg, die allein in Betracht kämen, Hütten Lust, einen Strom von Emigranten aus dem Saar- gebiet anzunehmen. Wer die Teilung des Saargebictcs ver- hindern wolle, müsse am 13. Januar für den Status quo stimmen. Dann sei die spätere ungeteilte Rückkehr des ganzen Saargcbietes in ein freies und christliches Deutschland sicher. Die Versammlung unterstrich die Bekenntnisse Kuhnens mit dröhnendem Beifall und ging übrigens bei allen Rednern bc- geistert mit. Jede Anspielung auf die Zustände im Reiche wurde sofort begriffen ltrnd insbesondere jede Ironisierung des„Führers" und seiner Kreaturen gab zu demonstrativem Beifall Anlaß. Der frühere Vorsitzende des Christlichen Bergarbeiter- Verbandes im Reiche, Heinrich Imbusch, Mitglied der verfassunggebenden deutschen Rationalversamin- hing und langjähriger Reichstagsabgeordneter, ist einer der wenigen Katholikeniührer, die nach ihrer Entfernung aus dem„dritten Reiche" nicht resignieren, sondern das alte Kampfbanner des streitbaren Katholizismus entrollt haben. Er zeigte sich auch in dieser Versammlung als der nn- gebrochene irische Streiter, mit dem wir so manches liebe Mal, che das Rüpeltum zur Macht kam, in scharfer und manchmal auch heftiger geistiger Auseinandersetzung die Waffe kreuzten. Sowohl er wie Kuhnen distanzierten sich von den Marxisten, ani meisten natürlich von den Kommunisten. Die'Methoden des Rationaksozialismus finden beide Redner „hylschchtzistisch". Ied^tfalls lehnten sie den Rationalsoziadie Selbstbestimmung der Saarländer zugunsten eines wicdcrbcsreltcn Deutschlands zu ermögliche« und anzuer- kennen. Ein wichtigeres und klarrcrcS Ergebnis ist nicht denkbar, denn der Rat hat in allen seinen Interpretationen immer wieder die Tatsache der zivciten Abstimmung ganz eindeutig festgelegt. Unter stürmischen Beifallskundgebungen gab dann Mar Braun die Parole der Einheitsfront. Wer nach den Genfer Beschlüssen noch für die Rückgliederung ans„dritte Reich" eintritt, also für Hitler ist, der ist für den Raub der Freiheit, den Reichstagsbrand, die Kameradenmorde, die Konzen- zentrationslagcr, siir den kommenden Krieg. Wir lieben Teutschland ebenso sehr, wie ivir Hitler hassen. Wir müssen die Bahn freilegen für eine bessere Zukunft des deutschen Volkes, für die Wiederkehr der Freiheit und des Rechtes, dem Sozialismus entgegen. Das Tor ist aufgestoßen, der Weg geht über den 13. Januar.(Minutenlange Beifalls- kunbgcbungen.) Ebenso laut und anhaltend begrüßt, nimmt darauf Fritz Pfordt das Wort. Er betont mit gleicher Entschiedenheit wie Braun, daß die Genfer Beschlüsse die zweite Abstimmung ganz unzweideutig festlegen. Tie werden uns jetzt zu einem Kampfe anfeuern, daß den Herren von der braunen Front und von der braunen Presse angst und bange werden dürste. Sie sagen jetzt, Laval habe nur für die gegenwärtige Regierung gesprochen. Das ist unwahr. Seine Aeußcrungcn in Genf, die protokollarisch festgelegt wurden wie alle übrigen auch, sind die Stimme Frankreichs. Für den Fall des Status quo sind uns, das steht fest, die demokratischen Freihcncn gesichert. Wenn wir, wie uns unterstellt wird, Franzosen werden wollten, dann hätten wir nicht nötig gehabt, monate- lang um die Möglichkeit der zweiten Abstimmung zu ringen und uns einen Weg zur Rückkehr in die große deutsche Gc- meinschait zu sichern. Pfordt wies dann auf die besonderen Verdienste hin, die sich der russische Vertreter Litwinow um das Zustandekommen der entscheidenden Genfer Be- schlüsse erworben habe. Selbstbestimmung der Völker sei ja auch das Grundprinzip der sozialistischen Ordnung ln der Sowjetunion.(Langanhaltcndcr BeisalÜ Dann ergriff der Bergarbeitersührcr I n l i u s S ch w a r z das Wort. Auch er war in Genf als Mitglied der Saar- delegation der Deutschen Einheitsfront und konnte darum sehr anschaulich über die für die Saar lebenswichtigen Be- schlüsse berichten. Für den Fall der Rückgliederung will also Hitlerdeutschland die Saargrubcn zurückkaufen,— aus welchen Mitteln wird die Summe kommen? Es sind über- wiegend die Spargroschen der Arbeiter, von denen man in Rom und in Gens viel zu lvcnig gesprochen hat. Immer wieder betonte Schwarz unter bewegten Beifallskund- gedungen, daß die Saarbcrgleutc gegen die Rückgliederung sein müßten— gerade um ihres Deutschtums willen, zu dem sie sich unverbrüchlich bekennen.(Langanhaltende- Beifall.» * Von Ansang bis zu Ende war die gewaltige Kundgebung von der gleichen Stimmung criüllt. Nie zu Hitler— für den Status quo! Der Weg ist frei zur späteren ziveiten Ab- stimmung. wenn Deutschland von seinen gegenwärtigen un- deutschen Machthaber» erlöst sein wird. Brausende Rufe—- dann leerte sich langsam der Riesensaal. Die Kundgebung war für alle Teilnehmer ein unerlöschkiches Erlebnis und hat dem Kampfeswillen der in der Einheitsfront ver- einigten deutschen Menschen an der Saar neue Impulse ge- geben. lismus als Todfeind christlicher Kultur ab. Imbusch, der vorwiegend kulturpolitisch sprach, hielt dem Hitler und seiner Parteibonzokratie das ganze Sündenregister vor vom Reichstagsbrand über den 39. Juni bis zum Kirchenkricg und den Maulkorbverordnungen gegen die katholischen Bischöie. Immer wieder gab es stürmischen«eisall. Rück- kehr in dieses Teutschland? Nein! Wir wollen die Rückgliederung in ein christliches Deutschland. So auch die Parole von Imbusch. Daß die Offensive des Herrn Reicksniinisters Dr. Goebbels niit sqinem reichsamtlichen Geldschrankknacker und dessen angeblich gestohlenen Dokumente» dem Chefredakteur Johannes Hossmann von der„Neuen Saar-Post" nicht geschadet hat, bewies die Begrüßung, die ihm, als dem letzten Redner, die Versamm- hing bereitete. Hofs mann bezeichnete in kräftiger Sprache die Anwürfe der Kriminellen als erstunken und erlogen. Er habe weder von dem beschuldigten französischen Gruben- ingcnieur noch von einem ander» französisches Geld bekommen. Uebrigens habe er seinen Rechtsanwalt beauftragt, die nötigen Schritte z» nntcrnehmen. Die mächtige Versammlung schloß mit der dritten Strophe des republikanischen Deutschlandliedes„Einigkeit und Rech« und Freiheit für das deutsche Vaterland". X* Wie die gleichgeschaltete Presse mitteilt, sind die Berg- arbeitersührer Fritz Kuhnen und Heinrich Im- busch, dieser als einer der Gründer des Verbandes, wegen ihrer Haltung in der Saarsrage aus dem Gewerkverein Christlicher Bergarbeiter ausgestoßen worden. Dicic Presse berichtet, aß am gestrigen Sonntag ein bei Saarbrücken errichtetes Versammluügszelt sowohl vor- mittags wie nachmittags von je 40 000 Mitgliedern der „deutschen Front" gefüllt war. Die„Taarbrücker Zeitung" nennt den Christlichen Volksbund und die sozialistische Ein- heitsfront ein„korruptes Häuflein der Rene» g a t e n" und spricht von einem kläglichen Volksbund- grüppchen im beschlagnahmten Johannishof". Das Blatt hütet sich aber wohl zu berichten, wie ge- wältig die Kundgebungen der Anhänger des Status quo am Samstag und Sonntag besucht warz^ r „Deutsche Freiheit". Nr. 276 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken. Dienstag, 11. Dezember 1934 Durchschnittsarbeftsemkommen gesunken ^ Durch die Arbeitsbeschaffung haben der gleichgeschalteten Matistik zufolge mehrere Millionen Menschen Arbeit ge- tunaen. Die braunen Skribenten und Redner haben wieder- | lü 1\t; f l p s Nationalsozialismus gepriesen. Jii Wirklichkeit hat es sich sehr bald gezeigt, daß hinter diesem Sieg Menschenschinderei und wirtschaftlicher Ruin steht. ^ii haben kürzlich eingehend die verschiedenen Arten < er Arbeitsbeschaffung sowie die Methoden ihrer Finanzierung behandelt und dabei den Nachweis erbracht, daß die ^^^affung»ach einer vorübergehenden Scheinblüte le V erschärfung der Krise erst recht herbeigeführt. Der ^ iedergang des Exports, die Drosselung der Rohstoffeinfuhr, die Produktionseinschränkung in der Textilindustrie, die unerträgliche Preissteigerung, der Gold-Schwund der Reichsbank sind alles Folgen der gewissenlos zur Verdum- mung der Arbeiterschaft in Szene gesetzten Arbeitsbeschaffung. Darüber hinaus kam die Arbeitsbeschaffung vor allem der Unternehmerschaft zugute, während die Arbeiterschaft, insbesondere bei den Erd- und Tiefarbeiten Kuli- lohne erhielt und auch weiterhin bezieht. Hunderttausende von Arbeitern werden in einer Hohe entlohnt, die sich kaum von der Arbeitslosenunterstützung unterscheidet. Diese Tatsache kommt in den Zahlen über das Einkommen aus Löhren und Gehältern sehr deutlich zum Ausdruck. Gerade in diesen Tagen werden in der gleich- geschalteten I rcsse Zahlen über das angeblich gestiegene Einkommen veröffentlicht...Höheres Arbeitseinkommen"— so triumphiert die braune Presse mit dem..Berliner Tageblatt an der Spitze. Uenn man aber diese Berichte unter die Lupe nimmt, dann ergibt sich ein ganz anderes für das Hitler-Regime äußerst ungünstiges Bild. Zunächst sei wiedergegeben, was beispielsweise das..Berliner Tageblatt" schreibt: ..Die Bewegung des Arbeitseinkommens, zu deren Feststellung sich das Statistische Reirhsamt vor allem der Statistik der Beitragsleistungen, der Sozialversicherung und des Steuerabzuges vom Arbeitslohn bedient, spiegelt natürlich sehr getreu die wirtschaftliche Konjunktur wieder, zumal da sie fast immer der Entwicklung des gesamten Volkseinkommens parallel läuft. Seinen absoluten Höchststand hatte das Arbeitseinkommen mit rund 43 Milliarden HM. bei einem gesamten Volkseinkommen von 75,9 Milliarden BM. nach dem Kriege im Jahre 1929 erreicht. Im Jahre 1930 ging es auf 39.8, im Jahre 1931 auf 33.4, im Jahre 1932 auf 25,7 Milliarden BM. zurück. Die Senkung setzte sich auch noch im ersten Vierteljahr des Jahres 1933 fort. Die Entwicklung in den einzelnen Vierteljahren seit 1932 zeigt folgende Uebersicht(in Milliarden BM): 1932: 1. Vierteljahr: 6.362; 2. Vierteljahr: 6,529; 3. Viertel- jähr: 6,514; 4. Vierteljahr: 6.306. 1933: 1. Vierteljahr: 6 080; 2. Vierteljahr: 6 400; 3. Vierteljahr: 6,703; 4. Vierteljahr: 6.797. 1931: 1. Vierteljahr: 6 764; 2. Vierteljahr: 7,313. Diese Besserung setzte also im 2. Vierteljahr des Jahre» i'933 ein. wobei allerdings die alljährlich festzustellende saisonmäßige Besserung zu berücksichtigen ist. Deutlich wurde die Tendenz zum Aufstieg, die sich ja auch in anderen Merkmalen äußerte, im 3. Vierteljahr, wo mit 6.7 Milliarden der Höchststand seit Anfang 1932 erreicht wurde. Die winterliche Einbuße, die im 1. Vierteljahr 1934 auftrat, blieb weit hinter den vergleichbaren Rückgängen in früheren Jahren zurück, und der Aufstieg im 2. Vierteljahr 1934 war wesentlich größer als in den vorausgehenden Jahren. Bekanntlich ist die Zunahme de- Arbeitseinkommens in der Hauptsache eine mengenmäßige Steigerung, verursacht durch das ständige Anwachsen der Zahl der Beschäftigten. Dieses Anwachsen hat bewirkt, daß der abso Iute Betrag des Arbeitseinkommens für das Jahr 1933 bereits um 270 Millionen Reichsmark über den des Jahres 1932 hinausging. Für das laufende Jahr rechnet das Statistische Reichsamt auf Grund der bisherigen Ergehnisse mit einer weiteren Zunahme um drei Milliarden." Dazu ist zunächst einmal zu sagen, daß das Arbeitseinkommen im Jahre 1933 trotz aller ,.gewaltigen Siege" auf dem Gebiete der Arbeitsschlacht, nur um 25 Millionen Mk. gestiegen ist. Das Einkommen aus Löhnen und Gehältern stellte sich in dem schweren Krisenjahr auf rund 25,710 Milliarden Mark. Im Jahre 1933, nachdem nach amtlichen Angaben die Zahl der Beschäftigten um etwa 2 Milk auf 13,3 Milk gestiegen ist, hat sich aber das Einkommen auf nur 25,980 Milk erhöht. Wie man sieht, ein sehr mageres Ergebnis! Nun behauptet aber das. B T.", das Arbeitseinkommen sei im Laufe des Jahres 1934 gestiegen. Bezeichnenderweise bringt es nur Zahlen für das erste Halbjahr, während doch für das dritte Vierteljahr die Zahlen sicherlich bekannt sind. Aber erstens einmal ist das zweite Vierteljahr stets das konjunkturell günstigste— man kann also hier die besten Ergebnisse erzielen— und dann begann im dritten Vierteljahr die Produktionsdrosselung in einzelnen Industriezweigen. d. h. das Einkommen geht zurück. Aber seihst diese angeblich günstigen Vergleichszahlen zeigen bei näherer Betrachtung, daß das Durchschnittseinkommen zurückgegangen ist. Das geht deutlich aus den obigen amtlichen Zahlen über das Einkommen hervor, wenn man dieses Einkommen mit der Zahl der Beschäftigten vergleicht. Im Jahre 1932 stellte sich das Einkommen im 2. Vierteljahr auf 6,5 Milliarden Mark. Die Zahl der Beschäftigten betrug durchschnittlich 12.6 Millionen. Das Durchschnittseinkommen stellte sich also damals für den Zeitabschnitt von einem Vjg rtelia hr auf die recht hohe Summe von 517 Mark. Im 2. Vierteljahr 1933. betrug, trotz- dem sich bereits die glorreiche Arbeitsschlacht auszuwirken begann, das Arbeitseinkommen nur 6,4 Milliarden. Die Zahl der Beschäftigten stieg aber damals schon auf 13 3 Millionen. Das Durchschnittseinkommen sank somit auf 481 Mark. Diese Senkung des Einkommens erklärte sich einesteils mit den Auswirkungen der Papenschen Notverordnungen. andererseits mit der praktisch vorgenommenen Senkung durch die Hitlerregierung. Nun berichtet begeistert die Hitler Presse, daß im 2. Vierteljahr 1934 das Arbeitseinkommen um dast eine Milliarde auf 7,3 Milliarden gestiegen ist. Nach den Meldungen des Instituts für Konjunkturforschung erreichte aber um diese Zeit die Zahl der Beschäftiglen eine Höhe von 15 5 Mill. Demnach sank also das Durchschnittseinkommen erneut auf 472 Mark. Man serglciche diese Zahl mit dem Durchschnittseinkommen im 2. Vierteljahr 1932 und man wird daraus ohne weiteres erkennen, daß das Durchsehnittsarbeitseinkommen selbst auf Grund der offiziellen amtlichen Statistik unter dem Hitlerregime stark gesunken ist. Dabei ist hervorzuheben, daß die amtlichen Zahlen lediglich das Gesamteinkommen aus Löhnen und Gehältern berücksichtigt. Würde man amtlicherseits allein das Einkommen der Loknempfänger veröffentlichen, dann würde die Vergleichsstatistik noch iingiinstizer ausfallen, und sie würde noch stärker, als es ohnehin schon der Fall ist. das gesunkene Lohnniveau der deutschen Arbeiterschaft offenbaren. Aber selbst diese Tatsache gibt noch keinen richtigen Ueherhlick über den Umfang des gesunkenen Durchschnittseinkommens. wenn die inzwischen erfolgte Preissteigerung unberücksichtigt bleibt. Die Preise sind bekanntlich für die Gegenstände des täglichen Bedarfs und vor allem für Lebensmittel n in durchschnittlich 15— 20 Prozent gestiegen. Und wenn man noch die meh- oder minder zwangsweise erfolgten Abzüge für soziale und Parteizwecke in Betracht zieht, so kann man erst das Ausmaß der Senkung des Realeinkommens ermessen und erkennen, in welcher Weise der Lebens- Niedergang der Tex!i!aus(u1ir Ange.ielits des zerrütteten internationalen Zahlungsverkehrs und der schleichenden Weltwirtschaftskrise, des Währungsdumpings, an dem sogar drei der mächtigsten Nationen der Welt beteiligt sind, des Boykotts und vieler anderer sachlicher und persönlicher Hemmnisse und W iderstände war jedoch die deutsche, Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen, ans welcher allein die Bezahlung der notwendigen Rohstoffe bereitgestellt werden kann, vor derartige Schwierigkeiten gestellt, daß ernsthaft nach neuen Wegen Ausschau gehalten werden mußte. V oin Kompensationsgeschäft. dem unmittelbaren Tauschgeschäft zwischen den Kaufleuten verschiedener Nationen bis zu den neuen Handelsverträgen, welche den Ausgleich und die Anpassung der Wirtschaften ganzer Staaten zum Ziele haben— wie z. B der deutsch jugoslawische Handelsvertrag— wurde alles versucht um eine Anpassung an die nun einmal gegebenen Verhältnisse zu erzielen. Da der Welthandel auch im laufenden Jahre weiter zurückging. konnte, ganz abgesehen von den gerade auch i" ihren Preis Verhältnissen sehr komplizierten Kompensationsgeschäften, im wesentlichen nur unter neuen Preiszugeständ- nissen exportiert werden. Aber auch die größten Anstrengungen können keine Schranken überwinden, die in Form von übermäßigen Zöllen oder einschneidenden Kontingenten— wie in den Fällen der Vereinigten Staaten und Frankreichs— bestehen. Infolge ihrer anhaltenden Wirtschaftskrise haben z B die Franzosen die Einfuhr im laufenden Jahre derart rücksichtslos gedrosselt, daß nur halb so viel Textilfertig- waren wie im vereeneenen Jahre abgesetzt werden konnten. Im Verkehr mit den Hauptkunden konnte Deutschland nur die TextilfcrtigcVarenausfuhr nach Schweden verbessern. Der Absatz in den wichtigsten Ausfuhrländern, deren Anteil nach wie vor etwa 72 Prozent beträgt, entwickelte sich dagegen wie folgt: Textilfert ig Warenausfuhr(in 1000 BM): Jan.-Sept. Jan. Sept nach: 1934 1933 den Niederlande»' 66 484 91 264 Großbritannien 40 580 45 903 Schweiz 31 324 40 872 Schweden 31 627 31 008 Vereinigten Staate; 11 160 23 045 Belginn 15 845 19 658 Dänemark 16 633 17 606 Norwegen 11 989 14 272 Frankreich 7 192 13 119 Insgesamt 232 834 296 747 Dem stärksten Rückgang linterlag die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten, die um mehr als die Hälfte abnahm. An ihm sind alle Positionen beteiligt. Die Baumwollhandschuhausfuhr, die nach wie vor den wichtigsten Ausfuhrartikel liefert, zeigte den stärksten Widerstand und verminderte sich mengenmäßig nur um etwa 25 Prozent, während die übrige Baumwollgewebeausfuhr etwa um 40 Prozent gegenüber der gleichen Zeit des\orjahres zurückging. Nach den letzten Berichten haben sich außerdem die Aussichten für den deutschen Stoffhandschuh wieder verbessert. Um den enormen Rückgang der Textilwarenausfuhr unter dem glorreichen Hitleregiment in seinem ganzen Ausmaße zu erkennen, sei daran erinnert, daß die deutsche Textilindustrie in den Zeiten der„verruchten marxistischen Mißwirtschaft" jährlich ungefähr für 1,5 Milliarden Mark ausführte» Standard des deutschen Arbeiters unter der„s o i a I i s t i s c h e n Hitlerregierung" gesunken ist. Mit dieser sich aus der Statistik ergebenden Kaulkraft- Schwächung der Arbeiterschaft scheint die gute Beschäftigung der Industrie und das Ansteigen der Umsätze im Einzelhandel im Widerspruch zu stehen. Tatsächlich muß aher der bessere Geschäftsgang weitgehend auf Käufe der hesser gestellten Schichten zurückgeführt werden, wo einerseits früher unterlassene Ersatzheschaffungen vorgenommen wurden und anderseits die vielumstrittenen Vorratskäufe, hervorgerufen durch die nicht unberechtigte Furcht einer Warenverknappung stattfanden. Die„Frankfurter Zeitung" bespricht in ihrer Nummer vom 28. November die Lage des Einzelhandels, wo eine Steigerung der Umsätze gegenüber dem Vorjahr um ein Fünftel zu konstatieren ist. Folgendes Schlußkommentar scheint uns in Bestätigung unserer vorstehenden Ausführungen besonders interessant: „Gerade in Handelszweigen mit besonders starken Umsatz- Steigerungen ist in den letzten Monaten die Zahl der Kunden hei weitem nicht so schnell gestiegen wie die Umsatzwerte. Im Texti'fachhandel lag z. B. der Umsatz im 3 Vierteljahr 1934 um knapp 20 Prozent, im Oktober um 37 Prozent über Vorjahrshöhe. Die Kunden- zahl stieg demgegenüber nur um 3 bzw. 11 Prozent. Es muß also angenommen werden, daß der einzelne Käufer durchschnittlich größere Mengen und daneben bessere Qualitäten gekauft ha f. Anscheinend will die Forschungsstelle mit diesen Darlegungen zum Ausdruck bringen, daß die Um- satf zunähme zum Teil auf stärkere Nachfrage kaufkräftiger Schichten zurückzuführen ist." Die Nutznießer der eine Zeitlang durch die Arbeitsbeschaffung erzeugten Scheinblüte waren also nicht etwa breite Massen des werktätigen Volkes, sondern wie aus dieser Darstellung deutlich hervorgeht, die Unternehmer und die neuen Parteibiirokraten, die sich auf Kosten der Gesamtheit gemästet haben. Teilweise war es auch die Landwirtschaft, insbesondere die Junker und die Großbauern, die durch überhöhten Lebensmittelpreise ihre materielle Lage auf Kosten der Verarmung der städtischen Bevölkerung verbesserten. So sieht also der Hitlersozialismus aus! Auf der einen Seite steigende Not der breiten Masse, auf der anderen Seite ei höhte l'rofile der Unternehmer und Junker, sowie eiliölites Einkommen der llonzohrutie. Brauindustrie unzufrieden Dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht der Aktienbrauerei zum Löwenhräu in München entnehmen wir folgende Mitteilung:..Da mit dieser Ermäßigung durch den Produzenten und den Wied er Verkäufer keinerlei Abbau der Reichs- und Gemeindebiersteuer verbunden wurde, wird diese Preisermäßigung eine fühlbare Absatzsteigerung nicht bringen können. Dagegen muß sie selbstverständlich das zukünftige B i I a n z b i 1 d sehr ungünstig beeinflussen. Wir hoffen, daß. da man sich allüberall über die starke Uebersetzung der Bier- steuern und deren ungünstige Auswirkungen im klaren ist, dem Abbau des Preises durch Brauereien und Wirte nunmehr auch der notwendige wesentliche Steuerahhau in Kürze folgen w ird. Nach lern erst am 1. Februar 1932 durch den seinerzeitigen Preiskommissar eine Preissenkung von Seiten der Brauereien um 2 BM. angeordnet wurde, bedeutet die nur für Bayern zur Durchführung kommende weitere Ermäßigung um 3 BM. für den Hektoliter eine schwere Belastungsprobe für das gesamte bayerische Braugewerbe." Als Minister Esser seine Bierpreissenkung bekannt gab, da hieß es amtlich, daß die Branindustrie sich gerne bereit erklärt hat. in den Dienst des Volksganzen zu stellen. Der obige Geschäftsbericht läßt deutlich erkennen, welche, Nachteile die Maßnahme Essers der Brauindustrie bringt und wie in Wirklichkeit ihre„Begeisterung" ausgesehen hat. Dollarklausel für den Schuldner bedeutungslos Das Reichsgericht hat in seinem Urteil festgestellt, wie bei der Goldmark könne auch bei der Reichsmark aus einer im Anleihevertrag enthaltenen Vergleiehung mit dem Dollar nicht gefolgert werden, daß bei Entwertung des Dollars der Kursverlust von der Reichsmarkforderung zugunsten des Schuldners abzusetzen sei. Es wird dabei ausgeführt: Das Berufungsgericht(OLG. Stuttgart) kommt unter Berücksichtigung der zwischen den Parteien geführten Vergleirhsverhandlungen und des Wortlautes des Vergleichs über die Abtragung einer Schuld zu der Auffassung, daß nach Ansicht der Parteien eine Reichsmarkschuld begründet werden sollte, daß die Erwähnung des Dollars ausschließlich den Zweck der Sicherung des Klägers verfolgte und nur für den Fall des Wertrückganges der RM. praktisch werden sollte. Die Tatsachen, daß die Schuld in Reichsmark festgesetzt ist, daß auch die einzelnen Rückzahlungen auf RM. lauten und erst im Anschluß daran gesagt ist, eine Reichsmark verstehe sich zu 10'42 USA.-Dollar auf Grund des Mittelkurses an der Berliner Börse, legen diese Auslegung sehr nahe. Somit sind die Beklagten zu der Zahlung in Reichsmark verpflichtet.(VII 126, 148 34.— 23. Okt. 1934.) Die Preise hoch! Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat die Wirt- schaftsgruppe Holzverarbeitende Industrie ermächtigt, bekanntzugeben, daß seit März 1932, der Stabilisierung der Preise, die Indexziffer der Großhandelspreise für Möbel um 12,5 Prozent zurückgegangen ist. In dem gleichen Zeitraum sind nach Veröffentlichungen des Instituts für Konjunkturforschung die Holzpreise um35bis60 Prozent gestiegen. Unter diesen Voraussetzungen sei einet weitere Senkung der Möbelpreise nicht zu erwarten. £&eut§«fte zu*.iDeiifscföevi Steift ei t"- Zx&ignisse und Gescfkicfifem lllillllllilliiiliiuiiW im ÜÜtIii Dienstag, den 11. Dezember 1934 <)as lernen siel •Oie Jiihcecschuten dec 3titiec= jMqend Die Hitlerjugend ist nicht nur die Organisation der gesamten deutschen Jugend, sie ist für den Nationalsozialismus Jor allen Dingen eine vortreffliche Erziehungseinrichtung, ^ie Hitlerjugend ist geradezu heute die Grundlage des Nationalsozialismus, denn in der Jugenderziehung liegt ein- zig und allein die Zukunft des Nationalsozialismus. Dazu nietet die Begeisterungsfähigkeit und Opferbereitschaft der Jugend für den Nationalsozialismus eine günstige Möglichkeit, die Jugend für seine Ideen zu gewinnen. Man will in der Jugend wieder den ,.heroischen Geist" erwecken, der "ach seiner Auffassung für ein Volk eine Lebensnotwendigkeit ist. In dem Hitlerjugendorgan für Westdeutschland «Die Fanfare" heißt es: -Die deutsche Revolution ist mehr und mehr in ein neues Stadium ihres Kampfes eingetreten. Galt bisher unser Einsatz fast ausschließlich der Erringung der Macht, so muß nun die junge Generation geformt werden,— der Mensch von morgen. Es gilt, den Kämpfer und zugleich I rägcr des beginnenden Reiches zu schulen für das Ringen von morgen, das Ringen des deutschen Volkes und der deutschen Seele um ihre Freiheit." Eine Generation, die nichts mehr anderes als die nationalsozialistische Ideologie kennt und von dieser Ideologie voll und ganz bestimmt wird, das ist das Ziel, was sich der Nationalsozialismus gestellt hat.„Wir wollen wieder den Geist germanischen Heldentums— den eutschen Menschen. so steht es in dem bereits genannten Hitlerjugendorgan, und dieser„Geist" kennzeichnet den Inhalt der Erziehung in der Hitlerjugend. Man hat zu diesem Zwecke sogenannte„Führerschulen" systematisch im ganzen Reiche aufgebaut. In Potsdam befindet sich die Reichsführer s c h u 1 e, eine für die HJ. und eine für den BdM. Alsdann hat man im ganzen Reiche gemäß dem organisatorischen Aufbau der HJ. Oberhann-, Gebiets- und Obergebietsführerschulen errichtet, in welchen ununterbrochen Kurse abgehalten werden, zu denen man die jugendlichen„Führer" abkommandiert. Iiier wird den jungen Menschen„nationalsozialistisches Wissen" und die„Kenntnis germanisch deutscher Geschichte" vermittelt, denn nur daraus„kann lebendiges Verstehen erwachsen", welches allein zu„nationalsozialistischem Geschichtsdenkeu" befähigt. Wie diese Schulung gedacht ist, zeigt der nachfolgende Schulungsplan aus dem letzten Kursus in der Gehietiführerschule„H e r b e r t Howard e", die II J.- F ü h r e r s c h u 1 e am Nieder- r h e i n. Gemäß dem Hitlerjugendorgan handelt es sich hierbei um einen„gut bewährten Plan". 1. Deutsche Geographie, nationalsozialistisch gesehen. Der e^ste Punkt dieses Lchrplanes ist also schon außerordentlich bezeichnend. Geographie wird nicht mehr objektiv gelehrt, sondern nationalsozialistisch. Sie ist für den Nationalsozialismus keine Lehre von der natürlichen Beschaffenheit der Erde, sondern, so lautet die Erklärung zu diesem Punkte von der..Mittellandslage Deutschlands", von den„deutschen Interessen im Osten", von der„geographischen Unmöglichkeit des Versailler Vertrages", von„Landcharakter. Bodenschätzen, usw. und deren Verwendung im Sinne des Führers". Daran anschließend kommt man zum zweiten Punkt: 2. Die bevölkerungspoliti sch e Lage Deutschlands, worunter die Nationalsozialisten auch wieder ausschließlich die Behandlung des Problems„Volk ohne Raum" und der„Ostfrage" verstehen. Dann heißt es. es wurde„übergeleitet zu der zweiten Lösungsmöglich- keit dieser Fragen", zu Punkt 3: 3. Die deutschen Kolonien. Dann sagt man:„Als weiteres müßten dann die Fragen geklärt werden: 4. W a s ist ein Volk? Die heigegebene Erklärung lautet:„Es kam darauf an. den Begriff als letzte Einheit menschlichen Daseins zu erklären. Es wurde der„Mensch an sich",„Kultur an sich",„Religion an sich" als unmöglich abgelehnt, sondern alles als organisch aus dem Volk gewachsen dargestellt und so die Linie der geschichtlichen Verbundenheit mit dem deutschen Volke herausgearbeitet. Dabei tauchte dann die Frage auf: 5. Was heißt Deutsch? Dazu sagt man: „Es wurde der Begriff„Deutsch" von allen Seiten her in seiner letzten Bedeutung erfaßt(d. h. sprachlich, ethisch, kulturell, politisch usw.) und dabei gezeigt, daß dieses Deutschsein, diese deutsche Seele, immer um ihre Idee des Deutschseins kämpfen muß." 6. Der Reichsgedanke durch 2000 Jahre germanisch-deutsch er Geschichte. Hier heißt es:„Es wurde der Unterschied Reich und Staat(Reich notwendig organisch. Staat nur dann, wenn Führung organisch aus dem Volke wächst) erklärt und darauf hingewiesen, daß der Staat, um bestehen u können, von verschiedenen Faktoren abhängig. Vor •illem aber auch Träger des Reichsgedankens sein muß. (Reich als Land des Volkes verstanden, Boden des Volkes, Unmöglichkeit fremdvölkischer Elemente usw.) Damit wird der Uebergang gelegt zu:" mit wird der Uebergang gelegt zu:" 7. Die nationalsozialistische Staatsidee. Die Erklärung lautet-„Es muß dann gezeigt werden, daß in deutscher Geschichte deutscher Geist und Wille immer um die Idee des Staates als Träger des Reichs- gedankens kämpfen wird." 8. Deutsche Revolution und welsche Revolution in 2000 Jahren germanischdeutscher Geschichte. Hierzu heißt es: ..Von hier aus wurde in die neueste Zeit übergegangen und der Geist des Nationalsozialismus in seiner völkischgeschichtlichen Grundlage im Sinne des Führers klargestellt. Dazu wurde auf die geschichtliche Entwicklung eingegangen:" 9. Die Epoche vom Ich zum Wir. Die Erklärung lautet: . Hierbei wurde die geschichtliche Schwankung in der Weise aufgezeigt, daß die sich abwechselnden Perioden liberalistiseh- internationaler und völkisch- nationaler Denkweise in ihren Werten und Folgen erklärt wurden. Ergänzt wurde dieser wichtige Abschnitt der Schulung durch" 10. Deutsche Kultur im Längsschnitt durch deutsche Geschichte. „Es war dann nötig, mit Hilfe des nun klargestellten „Wirbegriffes" in den Geist des heutigen Deutschland einzudringen." 11. Weltanschauung— im Volk: ein Glaube. Zu dieser merkwürdigen Ueberschrift lautet die Erklärung: „Der Glaube wurde als seelische Kraftquelle völkischen Daseins erkannt und es wurde gezeigt, daß aus diesem Glauben für ein Volk alles wächst und wachsen muß, so auch der Führer." Wenn man dies recht verstehe» soll, so ist also der „Führer" nur dadurch„Führer", weil das Volk an ihn „glaubt". 12. Führertum. Dazu heißt es: ..Es wurde das Wesen des Führertums, seine notwendigen Vorbedingungen, seine Abhängigkeit, seine Wichtigkeit besprochen, dabei vor allem versucht, unseres Führers Kraft und Wille als Ausdruck völkisch-deutschen Lebens zu sehen. Weiterhin wurde versucht, den Gedanken in deutscher Geschichte zu verfolgen." 13. Preußisch- deutsche Führer. 14. Der Mensch von gestern, heute und morgen. Da heißt es:„Der ewig Gestrige, der immer„Konservative", wurde dem ewig Morgigen gegenübergestellt, (essen Prinzip Glaube heißt, dessen Waffe Glaubens- l'anatismus und letzter Einsatz ist, dessen Kampf um das Morgen nur mit seinem Leben endet: Der Kämpfer! Der Hitlerjunge, der Mensch, der Führer von morgen! Damit war denn auch die Frage schon fast gelöst:" 15. Warum eine deutsche Jugend in einem Deutschen Reich? Als letzte Punkte folgten noch: 16. Unsere Mutter. 17. Der Juli 1914. 18. Deutsche Kunst. Das ist der Plan, nach welchem die deutsche Jugend heule erzogen wird, ein Plan, der den Charakter des Nationalsozialismus deutlich erkennen läßt. Herrn. Feuerbach. T)ie Qeist~ und J Salander schreibt in der Basler„National-Zeitung": Der Rücktritt Wilhelm Furtwänglcrs bedeutet wohl auch für die gefühlsstumpfsten und vorstellungsschwächsten Beurteiler der nationalsozialistischen Staatsumwälzung, die immer noch unter dem Vorwand einer geistigen Neutralitätshaltung, die meist weiter nichts als Mangel eigener Gesinnung ist, nach „schöpferischen" Gedanken in den Vorgängen des„dritten Reiches" Ausschau gehalten haben, das Ende ihrer Täuschungen. Hier war ein Künstler europäischer Geltung, der geglaubt hatte, sich den neuen Machthabern im Dienste des-Ganzen zur Verfügung stellen zu sollen, der sich alle Mühe gegeben hatte, die Mauer„die das„dritte Reich" um sich aufgerichtet hat, zu durchbrechen, und für Verständnis zu werben. Heute hat auch er einsehen müssen, daß an dem gedanklichen Ver- hornungsprozeß der Rassenüberhehlichkeit nicht nur die Sittlichkeit, sondern auch die Kunst zugrunde geht, weil beide auf dem Wert der Leistung beruhen. Die Abstammung, eine reine Schicksalstatsache, zum Kriterium sittlicher und künstlerischer Wertung zu erheben, bedeutet Leugnung der Gesittung wie der Kunst. An einer Staatsdoktrin und einer Kulturpflege, die den unimalischen Tatbestand über die Leistung und das Werk stellen, ist nun einmal nichts„zu verstehen, und die Leute, die verlangen, man müäse auch solche Erscheinungen zu verstehen suchen, fordern etwas Unmögliches. Es ist gewiß sehr achtbar, daß Furtwängler aus seiner Uebcrzeugung die Folgerung gezogen hat, aber man wird ihn wegen seiner verspäteten Erkenntnis nicht gleich zum Heros und Märtyrer erheben dürfen, wie dies vielleicht versucht wird. Es hat gewiß Helden der anständigen Gesinnung gegeben, und gerade unter den Musikern solcher Haltung haben wir hier in Basel die Ehre, Allerbeste bei uns zu beherbergen. Sie haben das Ungewisse als Schicksal gewählt und die Einsamkeit des Ausgestoßenen nicht gescheut, als jene Allesversteher und„Zeitgebundeuen", die sich dem sogenannten geistigen Aufbruch zur Verfügung gestellt hatten, noch geräuschvoller Ehrungen und mancherlei Vorteile genossen. Verspätete Einsicht ist besser als gar keine, aber wir wollen uns doch daran erinnern, daß es Künstler und Gelehrte gegeben hat. die von allem Anfang an die Geist- und Kunstfeindschaft der nationalsozialistischen Bewegung und ihre kulturelle und sittliche Gefahr für den Volkscharakter erkannt und für diese Erkenntnis mit Opfern und unter Wagnissen eingestanden sind 7la Im wa&rcn dirlstlldicn Odstc Zwei Bilder aus dem ffliilerreün Sdiidisal einer Nutfer Der„Volkswille" in Karlsbad: Heute erreicht uns die Nachricht von dem bitteren Leidens- weg einer Frau und Mutter. die monatelang in unserem Gebiete gelebt hat als Emigrantin, oben an der sächsischen Grenze, unweit von G r a s l i tz. Wir er- hielten die Trauerkundc von dem tragischen, heldenmütigen Opfcrtodc der Genossin Helene Weck, der Gattin des ehe- inaligen Ncichsbanueriekretärs im Bezirk Zwickau-Plauen. Bor etwa auderhalbt Iahren folgte Helene Weck ihrem Manne, der sich vor den braunen Bestien nur durch die Flucht rette» konnte, in die Emigration in der Tschechoslowakei nach. Tie ließen sich in einem Orte bei Graslitz nieder. Tapfer ertrug die Genossin Weck alles Leid, alles Bittere und Schwere, was das Leben in der Fremde den Heimatlosen auferlegt Entschlossen legte sie mit Hand ans Werk, um wirtschaftlich nicht nur auf die prächtige Soltdari- tat und auf die Hilse der tschechoslowakischen Genossen ange- wiesen zu sein. Wer ihr begegnete, der bewunderte diese zarte, aber doch immer zähe schassende Frau, die gern andere noch tröstete nnd aufrichtete und ihnen half, wo sie nur konnte. Und dennoch lag eine tiefe Schwermut über ihrem Wesen. Die Sehnsucht nach der Heimat, die Sehnsucht nach dem einzigen Kinde bereitete ihr tiefes Weh. Als der Sohn, der so sehr mütterlicher Betreuung bedurfte, nach langen Monaten aus dem Konzentrationslager entlassen mar, da wurde der Drang, zum Kinde zu eilen, täglich mäch- tiger in ihr. Und er wurde schließlich stärker als ihre Kraft und als alle Vernunft, die sie vor einer Heimkehr warnte. In einer Stunde höchster Mutterschnsucht wurde der Ent- schluß gefaßt und schnell ausgeführt. Rasch war der Fuß Uber die Grenze gesetzt. Schnell heim zum heiß ersehnten Sohn! Ihn sehen, mit ihm sprechen, für ihn sorgen, um ihn herum sein können! Und wenn es auch nur auf kurze Zeit wäre. Aber derlei Muttergefllhle setzt Hitlers Gestapo kalt in ihre Rechnung ein. Sehr schnell erhielt sie die Nachricht, ergriff die Mutter und schleppte sie ins Polizei- g e s ä n g n t s zu Wcrdau Am 21. Oktober war Helene Weck über die Grenze gekommen, bereits am 2 2. Oktober wurde sie gepackt und hinter Kerkergittern gesetzt. Was hinter diese» einsame» Gcsängnismauer» i» Werda», zuletzt in Zwickau mit ihr geschah, darüber kann hc„te nie- mand berichten. Aber der letzte Entschluß der Genossin Weck sagt darüber genug. Am. St. Oktober machte sie ihrem Lehe» im Gesang- ins selbst ein Ende. Ucber den Leiden und Martern unter de» Händen der Polizei des Hitlcrrcichcs zerbrach diese mutige, tapfere Mutter, die ihr Leben nun ganz dem Kinde hatte widmen wollen und die ihrem Gatten bis zum letzten Atemzuge die treue, standhafte Kameradin blieb. Am 3. November wurde sie in Wcrdau zur letzten Ruhe bestattet, zahlreiche um sie trauernde Arbeiterfrauen gaben ihr das Geleit. Sie Zwingburg von Colditz Als eines der berttchtigsteu Konzentrationslager ist das Lager in C o l d i tz im Leipziger Bezirk bekannt geworden. Die Häftlinge sind von jeher in Colditz in viehischster Weise mißhandelt und gequält worden, unzählige Opfer dieser sadistischen Behandlung sind in Irrenhäusern und Kranken- Häusern zugrunde gegangen. Wir haben seinerzeit die Zu- stände im„Menschenschlachthaus Eolditz" eingehend geschildert, das inzwischen erschienene Buch„K o n z e n t r a t i o n s- l a g e i"(Verlag Graphia Karlsbads hat umfangreiches Ma- terial veröffentlicht. Die politischen Gefangenen des brau- nen Regimes wurden in Colditz zu schwersten Arbeiten ge- zwungen. So nützte man ihre Arbeitskraft unter schlimmsten Zuchthauömethoden dazu ans, der Nazipartei in Colditz ein luxuriöse? P a r t e i h e i m zu errichten. Man ließ die Häftlinge eine alte, verfallene Fabrik zu diesem Zwecke völ- lig umbauen und auss reichste und behaglichste ausstatten. Das Heim ist nun fertiggestellt. Die Tränen der Gepei- »igten, das Blut der Geschlagenen und Ermordeten, der Schweiß der Gehetzten und die Flüche der Geschundenen bil- de» sein Fundament. Die braunen Bonzen sind eingezogen nnd haben ihre Zwingburg feierlich eingeweiht. Natürlich waren sie alle da. die Oberbonzen, und strahlten vor Stolz über ihr nionumentales Werk. Der Garnschieber der Kriegs- jähre, RcichSstatthalter Mutschmann. der verkrachte Tischler und jetzige KreiShauptmann D ö n i ck e-Leipzig, alle waren sie da. um der Weihe de? Braunen Hauses in Colditz beizuwohnen, des braunen Tempels, der über Ar- bcttergräbern errichtet worden ist. Der Gauleiter Mutschmann hielt die dazu passende W e i h e r e d e. Nach dem Berichte des Klingcnthalcr An- zeigers vom 6. November sagte der sächsische Hitlerkönig an dieser traurigen Stätte u. a. folgendes: „Die Weihe dieses Hauses bedeutet für die alten Kämp- fcr einen G o t t e s d i e n st. Im wahren ch r i st- l i ch e n Geiste ist das Heim, das nur dem Volke dienen soll, entstanden. Nur aus der idealistischen natio- nalsozialistisck'eu Weltanschauung heraus konnte der Kampf gegen Lüge, Materialismus. Freimaurerei und Judentum siegreich durchgeführt werden." Menschenschlächtercien sind im„dritten Reiche" also Gottes- dienst. Und was im Hitlerreiche als„wahrer christlicher Geist" gilt, das wird man von nun an an der Entstehung dieses Braunen Hauses ans der Zwangsarbeit des Konzen- trationslagerS in Colditz zu studieren haben!— Dieses><">auS der Tränen wird als ein Denkmal dastehen. Als ein Memcnto des„Geistes von Colditz". Die an ihm mit gcsrondct haben, werden eines Tages wieder da sein. Dann wird Ernte gehalten werden aus der Aussaat von Colditz. Sie wird für die Schnldigcn grauenhaft sein. In diesem Tempel aber wird ein Erntedankfest gc'ciert werben, da? die Sühne aller Opfer sein wird, die an diesem Schandmal er- nicdrigt worden sind. Bemalte die Wiege der Mensdiheit Zersefzungsstoffe h. I». In der zwischen Magdeburg»nd Hannover gelegenen Kreisstadt Helmstedt hat der in weiten Kreisen unbekannte ..Geschichtsprosessor Otto Hahne einen weltcrschüttcrnden >t,Vortrag gehalten. Er wies in diesem Vortrage an nntrltg- lichen Uebcrlicfcrungcn nnd Beweisen nach, daß trotz des Wechsels der politischen Herrschaft(?) der Kreis Helmstedt germanischen Ursprungs ist. Ferner zeigen aber auch, nach Hahnes Meinung, die alten Siedlungsnamcn die hoch- stehenden geistigen Fähigkeiten der Germanen. Da hat er mitsamt dem Kreise Helmstedt aber großes Glück gehabt, der Professor. Denn wenige Kilometer von Helmstedt entfernt, aber politisch zu einem Nachvarkrcise zählend, liegt die gute alte, wegen der„Harmlosigkeit" ihrer Bürger in aller Welt bekannte Stadt— Schöppenstedt. Demonstrierende Studenten h. b. In der Zeitschrift„Deutsches Volkstum" läßt sich Herr Wilhelm Stapel folgendermaßen über die braunen Bonzen aus: „Der„Bonze" als geschichtlicher Typ gehört zum Bilde der NnchkricgSrepublik, der„Meckerer" zum Bilde der nationalsozialistischen Umschichtung des Volkes, Beide sind geschichtliche begrenzte Erscheinungen. Aber beide sind der Volkssubstanz entsprossen. Das deutsche Volk hat die Art, gewisse soziale Giftstoffe in der Form dcS Bonzentums und des Mcckerertums auszuschwären." Davon kann man sich vor allem in der von Hitler„über- nommcnen" Nachkricgsrepublik besonders gut überzeugen^ Man braucht sich bloß die geschichtlich begrenzten Erschei- nungen aus dem Gcsinnungskrcisc des Herrn Stapel näher zu betrachten. Die Radiejustiz an einer Frau Nach drei Jahren... Lech« Jahre Zuchthaus Magdeburg, 10. Dezember. Hier wurde nach mehr als zweiwöchiger Verhandlungs- dauer vom Magdeburger Schwurgericht das Urteil im drit- ten Prozeß wegen der angeblichen Ermordung deö TA.- Mannes Kurt Wietfeldt in Völpke in der Silvesternacht des Jahres 1931 gefällt. Die Hauptangeklagte Pauline B e r e i- ter, die als Führer!» der Bölpker Kommunisten anzusehen war, wurde wegen Beihilfe zum Mord zu einer Zucht- hauSstrafe von v Jahren verurteilt. Der zweite An- geklagte, Otto I a s n t a k, kam ohne Strafe davon, das Ver- fahre» gegen ihn wurde auf Grund der Amnestie eingestellt. Jedoch widersprach der Staatsanwalt der Freilassung Jas- niaks, weil er der Staatspolizei zur Verfügung zu stellen sei. In der Urteilsbegründung führte Landgerichts- direktor Kölling aus, das Gericht habe Mord und nicht Totschlag angenommen. Bei Frau Bereiter sei nicht An- sttftung im Sinne der Anklage festzustellen gewesen, weil das Gericht annehmen müsse, daß die drei bereits abgeurteilten Kommunisten schon von sich aus zum Mord bereit gewesen seien. Dagegen habe das Gericht zweifelsfrei die Beihilfe bejaht, denn Frau Bereiter habe den Kommunisten Geld zur Beschaffung von Waffen aus der Kasse der Roten Hilse gegeben und sei sich auch über die Bestimmung des Geldes durchaus im klare» gewesen. Ohne Frau Bereiter wäre eb weder zum Tode des TA.-Mannes Wietfeldt noch vorher zu dem des Kommunisten Jooksch gekommen.— Der Staats- anwalt hatte gegen Frau Bereiter die Todesstrafe be- antragt. * Unter de» zahllosen verbrecherischen Urteilen der Hitler- Justiz ist dies eins der tollsten. Aus dem Bericht geht hervor, daß die zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte Frau Bereiter an dem Tode des TA.-Mannes Wietfeldt gänzlich unschuldig ist. Tie soll Geld der„Roten Hilfe" für Waffenbeschaffung gegeben haben. Irgend eine Beziehung zn dem drei Jahre zurückliegenden Fall konnte ihr nicht nachgewiesen werden. Dafür verlangte der Staatsanwalt Todesstrafe. Im übrigen macht man bei dieser Gelegenheit eine alte Bekanntschaft. Nämlich diejenige des Herrn Kölling, aus dem bekannten Magdeburger Prozeß gegen den Kaufmann Ha.>S noch in Erinnerung. Die Zudithansmasdiine 17 Kommunisten Der zweite Strafsenat des Obersten LandeSgerichtes Mün- che» hatte in der vergangenen Woche in mehreren Sitzungen gegen 17 frühere Kolumnisten auS Wörth a. Rh. verhandeln. Die in der Mehrzahl bereis vorbestrafte» Angeklagten waren beschuldigt, die Ausführung eines auf die gewaltsame Aenderung der Verfassung gerichteten Unternehmens ver- abredet uiid diese Aenderung vorbereitet und auch Spreng- stvsf im Besitz gehabt zu haben.^- Nach dem am Dienstagmittag verkündeten Urteil hat das Gericht den Tatbestand einer Verabredung zur Ausführung eines hochverräterischen Unternehmens nicht als erwiesen angenommen, dagegen wurden von de» Angeklagten wegen Vorbereitung zu einem hochverräterischen Unternehmen ver- urteilt:„, Der 88 Jahre alte Reinhard Herzog zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus, m der 40 Jahre alte Karl Börkel, ebenfalls wegen Vor- bereitung eines hochverräterischen Unternehmens nnd wegen Verbrechens nach 8 7 des Tprengstossgesetzes gleichfalls zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus, der 32 Jahre alte Hermann Emlina wegen des gleichen Verbrechens ebenfalls zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus und der 32 Jahre alte Jakob Börkel wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und Verbrechens gegen ß 8 des Sprengstoffgesetzes zn 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus....... Diesen vier Angeklagten wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahre» aberkannt. Von den übrigen Angeklagte» wurden drei freigesprochen und die anderen zu Gesängnisstrafen von zehn Monate» bis zu 2'/> Jahren verurteilt. Entbindungsanstalten sind Lnxns »Der Gott, der Elsen wachsen Ueß, Der wollte keine Bnecbtet« Wo unbedingt gespart werden muß Im heutigen Deutschland wird mit viel Lärm Bevölkerungspolitik getrieben. Da es noch immer mehr als 5 bis l> Millionen Arbeitslose gibt, so handelt es sich für die Nationalsozialisten dabei nur darum, rechtzeitig für ein AuffüllendergewaltigenLücken Vorsorge zu treffen, die der von ihnen forcierte KriegindieBe- völkerung Deutschlands reihen wird. Aber nicht nur„mehr Kinder" verlangt das von ihnen aufgestellte Gebot, sondern gleichzeitig soll eine„Aufzucht der nordischen Rasse" erfolgen. Schieben wir einmal allen nationalsozialistischen, wissenschaftlich drapierten Rassenunsinn beiseite, so bleibt für eine vernünftige Bevölkerungspolitik noch manches zu tun. Die Sozialdemokratie hat in früheren Iahren wiederholt zu entscheidenden Taten auf sozialem Gebiete angetrieben. Besonders der Aufbau des W ö ch n e- rinnenschutzes und der Säuglingsfürsorge, die Einrichtung von Entbindungsan st alten, die Fortschritte im Kinder- und Iugendschutzwesen gehen auf ihre unausgesetzten Bemühungen zurück. Bon dieser wahren Bevölkerungspolitik wollen die Nationalsozialisten nichts wissen! In ihrer täglichen Praxis beweisen sie stets von neuem, dah sie finden, das arbeitende Volk genieße bereits zu viel sozialen Schutz. Und da im Dritten Reich wohl Geld in Fülle für eine um- fassende Kriegs? U st u n g vorhanden ist, aber keines für soziale Zwecke, so werden die ver- schiedenen sozialen Einrichtungen und Anstalten in rascher Folge Opfer des nationalen„Sozialis mu s". Kürzlich war zu lesen, dah die Nationalsozialisten die Entbindungsan st alten, Säuglings- und WöchnerinnenheimealsLuxus ansehen, für die ihr Deutschland keine Aufwendungen mehr machen könne. Jetzt hat der preußische Innenminister mit einem Rund- erlaß einen Frontalangriff gegen sie geführt. Darin wendet er sich g e g e n d i e E n t b i n d u n g i n k I i n i- J ch e n Anstalten und Heimen. Die Auffassung, daß dadurch die Sterblichkeit der Säuglinge und Mütter herabgedrückt werde,„hält", so heißt es in dem Runderlaß, „den neuen ärztlichen Erfahrungen gegenüber nicht stand". Es werden die angeblichen Vorzüge der E n t b i n- dung im Privathaushalt gerühmt. Der Ver- fasser des Erlasses verrät damit, daß er keine Ahnung hat, wie es um den Privathaushalt von Millionen Arbeiter- familien in Wirklichkeit bestellt ist. Dann heißt es: „Die Gefahr des Auftretens von Kinderbettsiebcr oder anderen Infektionskrankheiten ist für die Mütter im Privathaushalt im allgemeinen nicht größer als in An- stalten, zumal die Hebamme infolge der Begrenzung ihrer Tätigkeit auf die Geburtshilfe in der Regel weniger Ge- legcnheit hat, mit Keimträgern in Berührung zn kommen als mancher vielbeschäftigte Arzt." Der Zweck dieser unhaltbaren Begründung ist, eine Rechtfertigung zu finden für das Z u g r u n d e r i ch t c n wertvoller sozialer An st alten. Das wird am Schluß des Runderlasses ganz klar gesagt: „In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet die Erhaltung oder Begrüudoung vom ärztlichen Standpunkt aus nicht not- wendiger Anstalten eine doppelte Belastung, da diese Anstalten in der R c g c l Zuschüsse a u S öffentlichen Mitteln erfordern, und außerdem aus- reichend vorhandene, geschulte Berufsangehörige der Heil- künde in ihrer Existenz beeinträchtigt." Die Rücksicht auf die Berufsangehörigcn ist nur an den Haaren herbeigezogen. Das wichtigste bleibt: es sollen keine öffentlichen Gelder für die wertvollen sozialen Ein- richtungen aufgewendet werden. Die nationalsozialistische Regierung, die Milliarden für Kriegszwecke, Hunderte von Millionen für Subventionen an die Industrie und Agrarier, Hunderte Millionen für Besoldung von braunen Bonzen aus Reichsmitteln jjur Verfügung stellt, verweigert die im Verhältnis dazu lächerlich geringen Summen süp den Schutz der Säuglinge und Mütter, BRIEFKASTEN Herr Hitler und Herr Sdirftder und Persil Gestfiümcn um den deutsdien Gruö Der unbeugsame Innungsmeister Der„Informationsdienst", die amtliche Korrespondenz der„deurjchcn ArbeitSsronl", bringt unter' der Ueberschrift:„Mancher lernt es nie!" folgenden Bericht: „Ter Jiurungsmcistcr Schröder aus»iel erlaubte sich die Frechheit, einen seiner Lehrlinge nach Hause zu ichik- ten, weil er morgens den Betrieb mit dem Gruß„Heil Hitler" betrat. Dieser edle Zeitgenosse begründete sein Verhalten mit der überaus„witzigen" Bemerkung, er sei nicht.Herr Hitler, sondern er sei Herr Schröder, und in sei- nem Betrieb heiße es infolgedessen nicht„Heil Hitler", son- dern„G uten Morgen, Herr S ch r ö d e r". Darüber Ueberlegungen anzustellen, gab er seinem Lehrling eine» Tag Zeit. Dieser Lehrling überlegte sich den Fall und tat das einzig Richtige, was hier zu tun war, nämlich er machte der Kreisleitung der„deutschen Arbeitsfront" von dem eigen- tümlichcn Vorfall Mitteilung. Herr Schröder wurde zu- nächst in T ch u tz Haft g c» o m m c n, später wieder entlassen. Die Lehre, die er aus seinem Vorgehen ziehen sollte, wurde ihm aber von einer Seite erteilt, von der er sie de- stimmt nicht erwartet hatte. Gegen Abend sammelte sich eine mchrhundcrt- köpf ige Volksmenge, vorwiegend Arbeiter, vor sei- nem Hause und demonstrierte mit einem großen Plakat des Inhalts:„Ich bin nicht Herr Hilter, ich bin Herr Schröder" gegen diesen bemerkenswerten Znnungsmeister. der zu sei- nem persönlichen Schutz vor der erbitterten Volksmenge abermals vom U c b c r f a l l k o m m audv in S ch u tz- hast g e n o nt m c n iv erden m» ß i c." Die DePiebren Hiiiereidten In der Nacht zum 23. Mai d. I. wurden in Rüllschau und Langberg lSchlesivig-Hvlstcini zwei Hitler-Eichen abgesägt. Als Täter wurden von der Polizei Rudolf Holst und Johan- nes Kern aus Flensburg ermittelt, die sich jetzt vor dem Flensburg« Schöffengericht zu verantworten hotten. Beide tvare» früher Mitglieder der KPD. Das Gericht verurteilte Holst zu einem Jahr Gefängnis und rechnete ihm die Unteriuchungsliast an, während Kern eine Gefängnis- straf« von einem Jahr und acht Monaten erhielt. Beiden Angeklagten wurde» auch die bürgerlichen Ehrenrechte ans die Tauer von drei Jahren ab- erkannt. Die örech^e I3and Tie„Pirmasenser Zeitung" berichtet über eine Straf- sitzunq am Amtsgericht u. a,: „Als ein widerspenstiger Geist, der sich gegen die neue Staatsordnung stets auflehnt, ist der 3» Jahre alte Josef August in von Donsieders bekannt. Vor einigen Wochen erst halte er sich wegen falscher Anschuldigungen gegen einen SA.-Mann vor dem Pirmasenser Gericht zu verantworten. Gestern mußte er wiederum antreten, und zivar hatte er sich diesmal wegen Unfugs zu verantworte». Diesmal halte es ihm der deutsche Gruß angetan, den der Angeklagte ver- ächtlich machte. Es sei ja alles nur Spaß gewesen, meinte er. Dem Gericht wurde aber von der Gendarmerie und von den übrigen Zeugen bestätigt, daß der Angeklagte sich nicht mit den neuen Verhältnissen absind» will und daß er stets„gegen den Strom schwimmt". Am 2. August also grüßte ihn ein SA.-Mann mit dem deutschen Gruß, Der Angeklagte er- iviöertc diesen Gruß mit de» Worten:„Willst d n mir d e i n c d r e ck i g e Hand zeigen: mit Persil geht alles ab!" Ter Angeklagte, der noch einmal glimpflich davonkam ivollte das Gericht schließlich sogar glauben ina- che», daß er ein Freund der SA. sei. Das Urteil lautete auf eine Haststrafc von 1 Woche." «er die Wahrheit sagt... ... wird eingesperrt Bor dem Sondergerichi in F r a n k e n t h a l lPsalzl hatten sich, wie die gleichgeschaltete Presse berichtet, fünf Angeklagte zu verantworten, denen nach der Anklage- schrift Beleidigungen der Rcichsrcgierung zur Last gelegt waren, wie sie seit Bestehen des Tondergerichts in einer solch unerhört schamlosen Weise noch nicht zu verzeichnen waren. Es handelte sich bei den Angeklagten um den 38jäh- rigen Jakob Rauenschivcndcr und dessen 37jähriger Ehefrau Elise Raneuschivendcr ferner den Stljährigcn Joses Schannc sowie den ääjährigen Josef Simon und dessen Ehefrau, die 43jährige Katharina Simon, alle aus Landstuhl. Das Gericht verkündete nach längerer Beratung folgendes lkrteil: Jakob und Elise Raucnschwendcr erhielten je l Jahr 3 Monate Gefängnis. Joses und Katharina Simon je 1 Jahr Gesang- nis und Schannc 9 Monate Gefängnis. Im zweiten Falle hatte sich der äkliährigc Konrad D ä n i g aus Landftuhl z» verantworten, dem zur Last lag, wiederholt in Landstuhl geäußert zu haben, der Reichstag sej nicht vo» den Kommunisten, sondern von den Hitlern angezündet wor- den. Das Gerich, verurteilte den Angeklagte» zu 4 Monate» Gefängnis abzüglich 5 Wochen Untersuchungshaft. * Das Kölner Tondergericht verurteilte den Schlosser Paul Kellner, wohnhast in Köln, Vondelstraße 43, zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis. Kellner hatte den„Führer" und Reichskanzler beschimpft und die Reichsregierung des Schwindelnd bezichtigt, indem er erklärte, die angegebenen Zahle,, der wieder in Arbeit gebrachten Volksgenossen stimmten nistt. Buchsink. Besten Tank. Eine solche Registratur ist unbezahlbar. ?ln mehrere. Tic Beichte des erschossenen SA.-GruppensAhrers Ernst. Die von uns gebrachten Dokumente sind dem„Weißbuch über die Erschießungen des 30. Juni 1984" entnommen, das dem nächst bei Edition du Earrcsour, Paris, erscheint und eine authentische Tar- steltung der deutschen Bartholomäusnacht enthält. In dem Buch werden auch die Zusammenhänge zwischen den Mordtaten des 30. Juni und den Borgänge» am 3.',. Juli in Oesterreich ausgczcigt. „Tchivarzrotgold". Ihnen hat ein Freund aus Hannover gc- schrieben:„Ter Konsumverein in Hannover steht sehr schlecht. Ein großer Teil der Mitglieder ist destntcreisicrt am Weiterbestehen. Entlastungen vo» Lagerhaltern erfolgen nicht. Heute würde man es nicht mehr tun, weil die alten Lagerhalter ja die einzige An- zichungskraf» sür die alte Knndschast sind. Im vergangenen Jahr unterließ man diese Entlastungen, weil man nicht in der Lage war, die 800 Mark betragende Kautionssumme der Lagerhalter bei der Enilagung mitauszuzahlen. Neuerdings sind sogar Werber ausgc- nomnicn worden, die bekannt sind als alte Sozialdemokraten und mehrmals in Schutzhaft waren."— Achnlichc Nachrichten haben uns aus anderen Großstädte» erreicht. Ans Köln log uns ein ge- radez» marxistisches Not-Rundschreiben vor. H. B-, Kopenhagen. Sic machen uns auf folgende Ncktlz im..So- zialdcmokraten" aufmerksam:„Eine größere Partie Apfelsinen, deren Ilmschlag mit dem Bilde Hitlers»nd der Aufschrift:„Adolf Hitler, Teutschland" bedruckt war, wurden ans dem Londoner Frucht- markt zur Auktion gestellt. Es drehte sich um dreißig große Kästen. Sobald die Käufer de» ominösen Ausdruck gewahr wurden, gab es einen großen Aufruhr. Es wurde» erregte stlusc laut:„Wir wollen keine Hitlcrapselsinen!" Zinn Schluß mußte der Auktionator er- klären, daß er sich mit Nücksicht aus die Wünsche der Käufer ge- zwuugcn sehe, die ganze Partie zurückzuziehen. Es handelte sich bei diesem Borgang ossenbar um Apfelsinen, die in Valencia zu spät zum deutschen Frachtdampscr gekommen sind, und die man nun hoffte, in England abzusetzen. Tas Experiment dürfte kaum wieder- holt werden." Nürnberger. Ihrem Briefe entnehmen wir:„In Nürnbergs Hauptstraße war eines Morgens ganz früh an Schaufenstern zu lzsen: Nürnbergs größte llcbcl sind der Streicher und der Liebcl! Streicher ist ja genügend bekannt, sollte aber nicht bekannt sein, wer Liebcl ist, so teile Ihnen mit, daß er der derzeitige Obcrbürgcr- mcistcr ist. Seine Laufbahn ist die solgendc: Besuchte die Schule, ohne seine Abgangsprüfung machen zu können, wanderte von einer politischen Partei zur anderen, je. nachdem, wo die Aussichten besser waren, ererbte vo» seinem Bater eine kleine Truckerei, wohnte, bis Hitler Kanzler wurde, in einer kleinen Wohnung in Untermiete, Keule bewohnt er eine der schönsten Bisten Nürnbergs. Ter frühere Oberbürgermeister konnte sich natürlich diesen Bonzcnliixus nicht leisten. Bei Liebcl heißt es eben auch, ivic bei so vielen heute: Eigennutz geht vor Gemeinnutz,"— Bon anderer Seite wird uns übrigens geschrieben, daß der Spottvers neuerdings erweitert wor- den ist: Streicher, Hölz und Liebcl sind Nürnberg? größte Hebel. Hölz ist der stellvertretende Gauleiter und Kumpan de? Streicher. Fü, den Gesamiinhali verantwortlich: Johann Pitz tn Dud« weiter: für Inserate: Otto Kuhn tn Taa-brücken Rotationsdruck »nd Vertag: Verlag der Volksstlmme GmbH, Saarbrücken S, Schügenstraße 5.— Schließlach 776 Saarbrücken. Buch des Tages! Es kommen zu Wort: Der Großindustrielle Hermann Röchling. Der hüiirer der Deutschen Front, Pirro. Der Pfarrer Wilhelm. Der Vorsitzende der Handwerkskammer, Schmelzer. Gräfin von Roedern. Der Propagandaleiter der Deutschen Front, Peter Kiefer. Minister Zoricic. Drouard, Vorsitzender der französisch-saarländischen Handelskammer. Raspail, Direktor der Mines Domaniales. Dr. Velleman, Generalsekretär der Abstimmungskommission. Exzellenz Galli, Vorsitzender des Obersten Abstimmungsgerichtes. Dr. Martiner, General- Advokat beim Obersten Abstimmungsgericht. Landgerichtsdirektor Steinfels. Johannes Hoffmann, Führer der katholischen Front. Max Braun, Vorsitzender der Sozialdemokraten. Fritz Pfordt und Philipp Daub, führende Funktionäre der Kommunisten. Julius Schwarz, Vorsitzender des Bergarbeiterverbandes. Arbeiter und Bauern, Geistliche und Handwerker, Hausfrauen und Schulkinder. Kaufleute und Lehrer. Inhaltsangabe: Mitten in Europa IV.H. Ueutsch sein. Hitler vor den Toren. Hier'regiert der Völkerbund. Die toten Seelen. Kommt die Wirtschaftskatastrophe?. Gleichschaltung der Sklaverei?. Die Front der Schwankenden. Die katholische Fronde. Die Einheitsfront. Das andere Deutschland. Ein Würfel fällt an der Saar Die WahrheitüberdieSaar! Das Reporfagebuch für jedermann! 180 Seiten, zweifarbiger Umschlag, bessere Ausgabe Fr. 12,—(Sfr. 2,40), billige Volksauseabe Fr. 6.—-(Sfr. 1.20V RING*VERLAG AG., ZÜRICH Zu beziehen in allen Buchhandlungen oder bei der Buchhandlung der Volksstimme G.m.b.H. Saarbrücken 2, Trierer Strafe 24/ Postscheckkonto Saarbrücken 619 MM M. V V* HIER SPRICH^ DIE SAAR W fj Ein Land wird interview« von THEODOR BALK [•; MDWßMMxSSMs >r. Hans Neikes Hermann Röchling I LP elkob ri,rto 'farrer Wilhelm 'eferKiefer /v. kL^,r-■* VKv.... Wilhelm Schmelzer 'farre r N o I d . Minister Zoricic Exzellenz GalIi . Dr. Mariina •«>,•"':'; Direkte, Raspail D r, Velleman johann Hoffmann M a x Bräu n '' r i t z P f o r d+ •''b ' h i I i p p Daub ulius Schwarz lerqarheiter Hausfrauen ■' v jt'5>'V? i Vw H üttenarbeifer ■ . a n d w i r t ö 3 e f s+ I i c h e > c h u I k i p d,e r. urt'd viele andere 'V I%