Einzige unabhängige Tageszeitung Veuifchlands Nr. 278— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 13. Dezember 1934 Chefredakteur: M. Braun Becenqecs Ve chimdluM qen mit 1Tlussoliiü Seite 2 AistiiwnuugskaminissUin ijegen die deutsche Jlund unk' pcapayanda Seile 3 Bayrisches Atteclei Seite 4 Dec Sieg&ucqec Zuchlhausptazef) Seite 7 Görlna und der Reichstagsbrand Unsere Antwort auf eine Rede des Prenßisdien Ministerpräsidenten Der prcuhische Ministerpräsident Göring hielt om Dienstag in Berlin auf einem diplomatischen Empfang des Außenpolitischen Amts der NSDAP, eine Nede über die kommunistische Gefahr. Er erklärte» daß Deutschland den Kommunismus den Formen entsprechend bekämpfen müsse, wie er in Deutschland auftrete. Das Ausland sei außerstande, daS zu beurteilen und Hobe dabei nicht mitzureden. Zeßt werde überall das angeb- liche Testament des ehemaligen Gruppenführers Ernst verbreitet. Er, der Ministerpräsident, hatte sich für zu schade, um sich gegen diesen Schmuß zu wehren. Deutschtand habe den einzig richtigen Weg eingeschlagen, um die Gefahr des Kommunismus zu überwinden, und werde in seiner Bekämpfung mit den ihm angemessenen Methoden weiter fortfahren. Es iit interessant, ans der kläglichen Verteidigung des Ministerpräsidenten zn erfahren, daß die Dokumente seines ermordeten ExtreundeS und MikreichStagSbrandstttters Ernst auch im Reiche schon weit verbreitet sind. Unsere illegalen Freunde werden dafür sorgen, daß sie möglichst jeder Lettische zu Gesicht bekommt. Es geht hier nicht darum, was das Ausland zur Bekämpfung der„Kommunisten" in Deutschland sagt, zu denen Leute wie Göring auch die Sozialdemokraten rechnen, son- dcrn um die vielen gemeinen und scheußlichen kriminellen Verbrechen, die jeder unterrichtete und zivilisierte Mensch ans dem ganzen Erdenrund den regierenden Männern in Teutschland vorwirft. Eben erst Hai der angesehene sozialdemokratische Senator Granting in Schweden öffentlich aufgefordert, der am Reichstagsbrand beteiligte, angeblich noch lebende SA.-Mann Fiedler möge ihn verklagen, damit Branting feststellen könne, ob es sich überhaupt um den echten Fiedler handle. Die Klage wird nie erfolgen. In unseren Spalten, wie in dem bekannten„Braunbuch", ist dem Göring nachgewiesen worden, da» er als gemein- gefährlicher Morphinist in einer schwedischen Irrenanstalt interniert war. Er hat nicht geklagt und wird nicht klagen, denn die Beweise liegen vor. Wir haben Göring Meineide im Reichstagsbrand- prozesi nicht nur nachgesagt, sondern nachgewiesen. Heute wieder beschuldigen wir ihn im Einklang mit der lieber- zeugung von Millionen von Menschen in aller Welt der Mit- Urheberschaft am Reichstagsbrand. Unsere Zeitung erscheint nicht im lernen Auslande, son- dcrn in einem deutschen Gebiete mit. meist gleichgeschalteten deutschen Richtern. Roch wäre Zeit, dasi Preußens mächtigster Mann uns vor dem 13. Januar in einem Gerichtssaale des Saargebietes vor der ganzen Welt eine furchtbare Nieder- läge beibrächte. Er braucht nur die Klage gegen uns einzu- reichen und der Wahrheit, die er nach seilten Beteuerungen nicht zu fürchten hat, zum Siege zu verHelsen. Was aber taten bisher die Herren in Berlin? Sie wichen jeder Beneisführung aus uns forderten unser Verbot! Das ist nicht die Art von Mutigen und Ausrechten, sondern die Taktik von Machthaber», die die Wahrheit zu scheuen haben. Die Dokumente des Ernst Einer der vielen von Görings Gestapo gekauften und ge- schmierten Subjekte im Saargebiet, ein krimineller Geld- schrankknackcr, hat im Austrage amtlicher deutscher Stellen mit Nachschlüsseln Einbrüche unter erschwerenden Umstände» verübt. Ter dcutichc Rundfunk läßt diesen Kriminellen wie- dcrholt sprechen. Die deutsche Presse vcrössentlicht seine„Do- kumente" Nicht ein einziges davon trägt eine Unterschrift: sie können von jedem beliebigen Fälscher und jeder beliebigen Schreibmaschine hergestellt sein. Anders steht es mit den Dokumenten des Ernst, des auf Befehl Görings durch Mord beiseite geschafften Mitwissers und Mittäters an der Neichstagsbrandstistung. Die Tvku- mente sind unterzeichnet, wie man hier sieht: führor tun. Ab«? rt*>r UedAnse ist unerträglich, denn dlo SA von denejt Vorräten wird, dlo ole sur Hitcht tfetr»,gen><* it. Ion e;l*ube»uv«,r«iciitltoh. d*J8 dor führor dlo riunfclun ktoohe&ec tauten t>o*n die SA runichte BAcnea T-lrd. Ich eetj?elbf dieses DoXur^ert au tr«lr«o benutz£*e.on die Ich«erde es vsn iahten, vea» Ii» Verr~t*r d«n e vsdijrondvo i-attn o *icJLU.«n udr Vergeblldie Jagd der Gestapo Tie Geheime Staatspolizei wußte von der Existenz dieses Dokuments. Sie hat die größten Anstrengungen gemacht, es in die Hände zu bekommen. Viele untere SA.-Führer der Umgebung Ernsts wurden stundenlangen Verhören unter- morsen, weil die Gestapo annahm, daß sie das Versteck dieser Erklärung kannten. Dr. Tack, im Reichstagsbrandprozeß Verteidiger Torglers. könnte davon erzählen, wie ein solches Verhör aussteht. Er wurde von der Gestapo verdächtigt, daß das Dokument von ihm aufbewahrt würde. Er galt als guter Freund Ernsts. Dr. Tack wurde nach dem 30. Juni in Hast genommen, tagelang verhört, ins Konzentrationslager Lich- tenburg gebracht, und nach ungefähr einem Monat freige- lassen, nackdem sich die Gestapo davon überzeugt hatte, daß ex von Ernsts Erklärung tat>ächlich nichts wußte. Das Dokument Ernsts ist d e r P n n k t auf dem i. Ein hoher nationalsozialistischer Offizier schildert den Hergang der Reichslagsbrandstistung und lüftet den letz- ten Zipfel des Geheimnisses, das um dieses abscheuliche Ver- brechen gelegt war. Vom Reichstagsbrand zum 30. Juni führt eine gerade Linie. Durch Mord und Verbrechen hat der Na- tionalsozialismuS sich den Weg zur Macht gebahnt, durch Provokation und Verbrechen hat er sich zur einzigen legalen Partei Deutschlands gemacht, durch Mord und Verbrechen entledigt sich die nationalsozialistische Führung derjenigen, die Ihrer im Interesse des Finanzkapitals, der Schwer- industrie der Junker und der Reichswehr geführten Politik unbequem sind. Am Ansang war der Mord, und Mord be- gleitet sie auf ihrem Wege. WcißM Uber den 30. Juni Die neue beweiskräftige Dohumentensarnminng Im Verlag Edition» du Earrcsour, Paris, er- scheint in Kürze ein„Weißbuch über die Erschießungen des 80 Juni 1934" dar. Dokumente aus diesem Buch, wie das von dem erschossenen Berliner SA.-Ftthrer Karl Ernst verfaßte und unterschriebene Eingeständnis der Bc- teilignng am Reichstagsbrand, Dokumente wie der Brief von Ernst an den ebenfalls erschossenen Brcslauer SA.- Führer Heines und wie da- Blqnbuch der Reichswehr- generale, das nach dem 30 Juni Hindenburg übergeben wurde.'laben in der gesamten Weltpresse ein ungeheures Echo gesunden. Diese Dokumente stellen für den Kamps gegen die Hitlcr-Diktatur außerordentlich wichtige Waffen dar. In seiner sachliche,, Beschränkung auf die—teils soto- grafische— Wiedergabe von Dokumenten und von Augen- zeugcnberichten ist das Buch von eindringlichster Wirkung, vor allem auf jene Kreise, die bisher den wahren Charakter der Hitlerdiktatur in Deutschland nicht erkannt haben. Der in diesem Buch zum erstenmal geführte Nachweis über die Zusammenhänge zwischen dem 80. Juni und dem blutigen Pptichversnch in Oesterreich hat ebenfalls nicht nur den Wert einer riickschauenden. historischen Betrachtung, son- dern ist wie das gesamte Buch von äußerster Aktualität vor allem für die heute an der Saar znr Debatte stehenden Fragen. (Fortsetzung siehe nächste Seite!) mmii E3cß ausgeladen! Eine hatte Snsme aus Paris (Von unserm Korrespondenten) Paris, 12. Dezember. Kurz vor seiner Abreise nach Paris empfing Rudolf Heß, der Stellvertreter des Führers, aus Paris die Nachricht, daß Verhandlungen zwischen ihm und der französischen Re» gicrung vor der Saarabstimmung kaum einen Zweck hätte». Man muß wissen, daß Heß bereits an diesem Donnerstag vom Ministerpräsidenten Flandin und vom Außenminister Laval empfangen werden sollte. Die„Ausladung" von Hitlers erstem Mitarbeiter ist nicht direkt durch das französische Auswärtige Amt erfolgt. Man hat vielmehr in Paris den Vertretern der rechtsstehenden Kriegsteiluchmcrvcrbä'nde, die das Techtelmechtel mit Hitlcrdeutschland in der letzten Zeit ein wenig zu weit ge- trieben hatten, ohne dah mau am L^uai d Ctlfti besondere Freude daran Hatte, deutlich zn verstehen gegeben, daß der französische Außcuministcr gegenwärtig mit anderen über, aus wichtige» Fragen beschäftigt sei: mit der Bildung einer sranzösiich-italienischcn Entente, so daß man augenblicklich kaum für Hitlers Abgesandten die nötige Zeit ausbringen könne. Das wurde in letzter Stunde nach Berlin gemeldet. Daher kommt nun der plötzliche„Verzicht" von Rudolf Heß. Tatsächlich schreiten die Verhandlungen mit Italien nach der zwischen Jugoslawien und Ungarn in Gens erzielten Einigung sehr erfolgreich fort. Senator Bcrcngers telefonischer Bericht aus Rom Httf dies neuerlich bestätigt. Mau ist sich hier darüber klar, tan nach Abschluß einer Entente mit Italien die ganze französisch- deutsche Frage ein neues Gesicht bekommen und Frankreichs Stellung bei den Verhandlungen mit Deutschland wesentlich stärker sein würde Außerdem will man durch Sonder, Verhandlungen mit Deutschland uichi Italiens Mißtrauen wecken. Ferner will man aber Deutschland Gelegenheit geben, erst einmal bei der Saarabstimmung seinen guten Willen zu zeigen, indem es sich an die internationalen ver- einbarungen hält und die im Ncrsaillcr Vertrag vorgesehenen Möglichkeiten respektiert, die sich ia erst nach dem Plebiszit am l8. Januar auswirken werden. T lieber die von französischer Seite zu befolgende Taktik herrscht im übrigen zwischen der Regierung und den Front- kämpservcr bänden restlose Uebereinstim- m u n g Die französischen Kriegsteilnehmerverbände waren von deutscher Seite für Ende Dezember nach Berlin einge- laden worden. Sic haben jetzt abgelehnt und haben Berlin wissen lassen, daß sie der Einladung vor dem 13. Januar keine Folge leisten könnten. Bekanntlich waren es einzelne bisher zur politischen Rechten gehörende ehemalige französische Frontkämpfer, die mit Hitler und Herrn von Ribbentrop Verhandlungen ge- führt haben. Jetzt hat nun der Erekutivausschnß der C i a m a c— es handelt sich nm dte größte internationale Organisation ehemaliger Kriegsteilnehmer— in einer Entschließung gegen die von unberufener Seite unternommenen Versuche, die deuisch-sra"zösischc Verständigung durch inossi- ziclle Unterhaltungen zu sördcru, Stellung genommen. Die Erklärung der Ciamac besagt u. a.: „Die der Ciamac angeschlossenen französischen Ver» bände, mehr als 1 500 000 ehemalige Kriegsteilnehmer oder Kriegsopfer, haben seit langem die Uebcrzeugung von der Notwendigkeit einer sranzSsisch-dcukschcn Annäherung, in der sie den Hauptsaktor für die allgemeine Befriedung sehen. Sie bedanern jedoch, die fett langem von französischer Seite ins Werk gesetzte Improvisationen, die nicht beauftragte und unberufene Persönlichkeiten unternommen haben." Es heißt dann am Schluß, daß die der Ciama angehören, den französischen Frontkämpfer zu dieser Verständigung immer bereit seien, sich aber nicht von Leuten, die den Krieg nicht mitgemacht hatten, belehren ließen. Die französischen Frontkämpfer hoffen erneut, daß das deutsche Volk und namentlich die ehemaligen deutschen Frontsoldaten sich wieder in den internationalen Strom« kreis einschalten werden zum sichtbaren Zeiche» ihres Friedenswillens und der Bereitschaft zur Zusammen, arbeit mit den andern Völkern, WciObadi über den 30. innl Fortsetzung von Seite 2. Der Verlag hat sich entschlossen, von diesem Vach eine besondere Volksausgabe für die«aar zu dem verbilligten Preis herauszugeben. Mir F'»d in der Lage, im Vorabdruck folgende Abschnitte mitzuteilen: vle Aktion in Wiessee . Nach der Beratung im Munchener Innenministerium, die ungefähr eine halbe Stunde gedauert hat, wird die Fahrt nach Wiesee angetreten. Der Wagen Hitlers ist ein- gekeilt zwischen den Wagen der Kolonne des Majors Buch. An der Spitze Panzerwagen mit SS.-Besatzung: harter Hitlers Wagen ebenfalls Panzerwagen! zu beiden Seiten starke Motorrad-Trupps der SS. So fährt die Kolonne in die Morgendämmerung. Die Bewohner der kleinen Städte und Dörfer, die das Mordkommando passiert, wurden durch das Rattern der Panzerwagen und dag Geknatter der Motorräder aus dem Schlafe gewecht. Wenn der eine oder andere durchs Fenster blickt, um nach der Ursache des Lärms zu sehen, mag er wohl das Gefühl haben, daß ein wichtiger Gefangenentransport vorbeiroll:. Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln die Dar- ftellungen behandelt, die Dr Goebbels in die Öffentlich- fceit lanciert hat. So sehr sie einander auch widersprechen, eines haben sie gemeinsam! sie sind von Anfang bis zu Ende erlogen! Es gibt keinen..authentischen Augen- zeugenberichl" über das Zusammentreffen Röhm-Hitler. der nicht von Goebbels lanciert oder verfaßt worden wäre, öd Hitler den Rühm wirklich mit lauten Worten be- schimpft hat. ob Hitler weinte, oder Röhm nur das eine Wort„Verräter!" aussprach, weih man nicht, es ist aber auch für die politische und moralische Bewertung der Bartholomäusnacht belanglos. Nicht unwichtig hingegen ist die Tatsache, daß die„ekelerregenden homosexuellen Szenen dieser Nacht", von denen die Goebbelsschen Be- richte sprechen, pure Erfindung sind, zu dem einzigen Zweck ausgedacht, die propagandistische Auswertung der Szene zu steigern. Wie Röhm und Reines verhafte! wurden Es ist begreiflich, daß Gäste und Kellner des Botels Hanselbauer über die Vorgänge dieser Nackt tiefes Still- schweigen bewahren. Das Hotel stand lange Zeit unter Bemachuntz. Die Sommergäste wurden noch nach ihrer Rückkehr in ihre Wohnsitze überwacht. Nach vielen Be- mühungen ist es gelungen, von einem der verängstigten Hotelgäste einen eidesstattlichen Bericht zu erhalten, der hier wörtlich wiedergegeben wird! .. morgens, gegen 6 Uhr, als ich— um nach meiner Gewohnheit einen diskrete» Gang zu tun— gerade die Tür meines Schlafzimmers geöffnet hatte, hörte ich schwere Schritte niedrerer Menschen im Treppenhaus. Ich iah, wie etwa ein Dutzend Manner, teils in Zivil, teils in der bekannten schwarzen SS-Uniform, die Treppe hinab- stiegen,' unter ihnen befanden sich die Herren Röhm und Heines, die ich mehrere Tage vorher bereits im Hotel gc- sehen hatte. Irgend etwas Ausfallendes war nicht dabei: es wurde auch kein Wort gesprochen. Ich nehme an. daß dies aus Rücklicht auf die Gäste im Hotel Hanselbauer geschah. Weder Röhm»och Heines schienen nn geringsten betrosten zu sein, oder gar das Schicksal zu ahnen, das man ihnen bereite» wollte: sie waren ebenso unbefangen, wie ich sie im Hotel gesehen halte. Kurz nachdem sie das Hans verlassen hatte», hörte ich das Geknatter von einige» Autos, dann herrschte wieder die übliche Ruhe. Wir alle erfuhren jedenfalls erst in den späten Vormittagsstunden dcS 80. Juni, zunächst durch Gerüchte, am Abend durch Rundfunk, von den Vorkomm- nisten, das Heifit von dem, ivaS vorgefallen sein sollte: denn wir im Hotel konnten ja am besten beurteilen, da» die verschiedenen und einander widersprechenden Berichte nicht stimmten Wir wußten vor allem, dafi im Hotel Hansel- Hauer auf keinen Fall geschossen worden ist: bei der leichten Bauweise des HotclS und zu dieser ungetvühnlichen Stunde hatten wir sogar jeden heftigen Wortwechsel hören müssen. Und dafi die Verhasteten Widerstand leisteten, ist unwahr." Soweit der Bericht eines Augenzeugen. Er läßt die Vermutung zu. daß Röhm und Heines noch bei ihrer Ab- holung aus Äiesee nicht wußten, daß sie als„Verschwörer" verhaftet waren. Vers&wörund des Sdiweigens ,,.. Ich habe Befehl gegeben, die Führer des Komplotts zu erichicfien. Ich habe 10 Oberführer der SA. und 8 Fiih- rer der TS. als Beteiligte am Komplott erschtefien lassen. Weiterhin sind 8l TA-Führer und TA. Leute erschossen worden. 18 Führer und Zivilisten, die ihrer Verhaftung Widerstand entgegensetzten, wurden ebenfalls erschossen: 8 haben Selbstmord verübt. 5 Komplicen, die nicht Mit- gliedcr»er TA., aber Mitglieder der NSDAP, waren, wurden füsiliert: ebenso 3 TS.-Leute, die Ausschreitungen gegen Gefangene begangen haben." sAdolf Hitler in seiner ReichstagSrebe am 13, Juli 1984.) Das Propaganda-Ministerium hat am 3. Juli, also nach dem„amtlichen" Abschluß der Aktion, feierlich erklärt, der 3t). Juni hätte„nur" 46 Tote gekostet, und alle anderen Zahlen stellten nichts anderes dar als bewußte„Zweck- lügen deutschfeindlicher Kreise". Zwei Tage vor Hitlers Rede noch, am 11. Juli, hat Goebbels die Fiktion von „nur" 46 Toten hartnäckig aufrechterhalten. Am 13. Juli gibt Hitler die Zahl der Erschossenen mit 77 an. Vorher schon sind in der auswärtigen Presse glaubwürige Berichte erschienen, in denen von mehreren hundert Ermordeten g'sprachen wird Warum diese Manöver? Warum diese falschen Zahlen, von denen das amtliche Deutschland unter dem Druck von innen und außen nach wenigen Tagen abrücken mußte? Warum wurde die Oeffentllchkeit von Tag zu Tag. von Woche zu Woche hingehalten? Warum hat die Hitler- Negierung nicht die wirkliche Zahl und die Namen der Er- mordeten mitgeteilt? Was gibt es zu verbergen? Die gleichgeschaltete„Saarbrücker Landeszeitung" sah sich unter dem Druck der Erregung, die das Saargebiet „Ibi* dorl müßt sterben..." Des Heß Morgengruß an Frankreich Rudolf Heß. gibt sich Mühe, von seines Herrn und nach dem 36. Juni erfaßte, gezwungen, am 11. Juli die folgende Forderung zu stellen: „ES ist nicht gut-Inders möglich, als dafi der Reichs- kanzler bei dieser Gelegenheit eine rückhaltlose Darlegung der tragische» Vorgänge gibt von denen daS Volk bis- lang nur eine sehr unklare Vorstellung hat. Darüber hinaus wird es notivcndig sc,n. endlich die Namen der Getöteten bekannt zu geben, und das Maß der Schuld anzugeben, das ihnen zugewiesen wird. Wir sagen das gerade vom Taargebiet aus, das seil dem 80. Juni von einer Agitation heimgesucht wird..." Die Reicksreaieruna ickmiea sick weiter aus. Am späten Nachmittag des 36. Juni empfing der preußische Minjsterpärsident Göring die Vertreter der Auslandspresse. Er teilte ihnen mit. daß er die Schließung der Grenzen befohlen habe, um die Verbreitung falscher Nachrichten zu verhindern. Er werde jedoch die Korre- spondenten der ausländischen Zeitungen Uber alle Ereig- nisse auf dem laufenden halten, damit man ihm nicht vor- werfen Könne, er verhindere die Feststellung der Wabr- heit. Dann erklärte er wörtlich: „Röhm beiinoct sich im Gefängnis, wo er seiner Ver- urteilung entgegensieht. Eine gewisse Anzahl vcrdäch- tiger Personen hat Selbstmord verübt: andere, die ihrer Verhaftung Widerstand entgegensetzten sind getötet worden. Die übrigen werden vor die Gerichte gestellt... Die Namen der Verbrecher zu verschweige», haben wir gar keine Veranlassung. Zur Schonung und zu falscher Rücksichtnahme besteht kein Grund" Görina log. Als er von gerichtlichen Urteilen sprach, die gefällt werden sollten, waren die Mordbefehle bereits zum größten Teil vollstreckt. Die Hitler-Regierung hatte beschlossen, sich die Peinlichkeiten eines neuen„Reichs- tagsbrandprozesfes" unter allen Umständen zu ersparen. Sie hatte nicht die geringste Absicht, eine gerichtliche Unter- suchung der sogenannten Röhm-Revolte durchzuführen. Kein Gericht hat sich je vor oder nach dem 36. Juni mit der angeblichen Verschwörung befaßt. Keiner der „Schuldigen", von denen Göring sprach, ist von einem Ge- ficht verurteilt worden. Die Ermordeten wurden vor ihrer Erschießung nicht verhört, nicht einmal angehört. Es gab nur Tod oder Konzentrationslager. Das ist der Tat- bestand. Zahl und Namen der Ermordeten sind von der Hitler- Negierung bis zum heutigen Tage nicht veröffentlicht worden. Beamte des Propagandaministeriums haben die ausländischen Pressevertreter immer wieder vertröstet und die Veröffentlichung der Liste für„die nächsten Tage" in Aussicht gestellt. Lüge! Das amtliche Deutsche Nach- Meisttts Krieashetzereien abzurücken. Er scheint anzunehmen, dafi man seine eigene geistige Verfassung vergessen hat. Er, der sich heute als Friedensfreund gib', hat am 2. August 1924, also fast sechs Jahre nach Friedcnsschlufi, als er schon Hitlers Stellvertreter in der Partei ivar. ein Gedicht„Mein Morgen- grufi an Frankreich" demonstrativ parteiamtUch in den Ziazi- zeitungen veröffentlicht. daS die„grausige Schönheit" einer Beschiefiung französischer Fort s durch Deutsche schildert. Das Gedicht schließt:. „Leuchtenden Augen sehen* dir Männer in dem Graben dieses Schauspiel eigener Kraft, und neue Kraft strömt über in sie selbst. He. Franzmann, das ist böier Morgengrufi! Ihr dort müßt sterben, da? ivir leben können, wir selbst und unser ganzes armes Volk..." richtenbüro meldete am 3. Juli, die Veröffentlichung der „Liste der Verschwörer, die ihre Tat mit dem Tode ge- sühnt haben", stehe unmittelbar bevor. Lüge! Am nächsten Tage mußte das Deutsche Nachrichtenbüro sich selbst de- mentieren. Es sei, so erklärte es,„nicht damit zu rechnen, daß die Liste der Erschossenen bekanntgegeben wird". Göring hat gelogen. Goebbels hat gelogen, das amtliche Korrespondenzbüro der Hitler-Regierung hat gelogen. Die Liste wurde nicht veröffentlicht. Sie wird von der Hitler- Regierung nie veröffentlicht werden. Hitler fürchtet mit Reckt den vernichtenden Eindruck, den die Totenliste des 36. Juni im In- und Auslande hervorrufen würde. Die Hitler-Regierung hat jede denkbare Maßnahme ge- troffen, um Zahj und Namen der Ermordeten zu verHeim- liehen. Schon am 2. Juli erließ Göring folgenden Befehl an die SA.: „t. Unterlagt ist jede Kritik, die sich mit der Erschießung der Gruppenführer belaßt, und jede Kritik über die ' Maßnahmen des Führers. 2. Nichbcfolgung dieses Befehls hat schwerste Strafen zur Folge" Dieser Befehl stammt bezeichnenderweise vom Reichs- minister Göring in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident: nicht vom neuen Stabschef Lutze, der zu jenem Zeitpunkt bereits ernannt war und seine Stellung angetreten hatte. Gör'Ngs Erlaß war die erste einer Reihe von Maß- nahmen, die dazu dienen sollten, sowohl Kritik am Blut- bad als auch ein Bekanntwerden von Zahl und Namen der Opfer unter allen Umständen zu verhindern. Senator Bcrenger bei nossollnl IJngar&dicr Rcv sionisnius und llallen sm lranröslsme Verhandlungen -"• Paris. 12. Dezember. (Von unserem Korrespondenten) Tie gesamte französische Preise beschäftigt sich mit dem Empfang des Senators Verenger, des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Senats, durch Mussolini. Bei dieser Unterredung war auch Botschafter EHainbrun zugegen. Die Blätter betonen die lange Dauer dieses Emp- fanges und die Herzliche Art, in der sich die Ausspruche zwischen dem Duce und den Vertretern der französischen Regierung abwickelte. Senator Bercngcr Hatte schon vor- Her französischen Journalisten gegenüber gar kein Hehl daraus gemacht, dafi sein Be s u ch bei Mussolini offiziellen Charakter hätte und eine Etappe aus dem Wege der frauzösisch-italicnischcn Verständigung darstellen solle. Unmittelbar nach dem Besuch bei Mussolini wurde der Ouan d'Orsan von dem Inhalt des mit M»sso- lini geführten Gespräches in großen Zügen unterrichtet. Am Donnerstag wird Bcrenger unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Paris vom Ministerpräsidenten Flandin und vom Aiifienministcr Laval empfangen werden. Im Anschlufi daran wird man die Frage erörtern, wann Laval icinen Besuch in Rom nun endlich abstatte» wird. Es ist nicht un- interessant zu wissen, dafi Mussolini seine Einladung an Laval ausdrücklich Berengcr und de Ehambrun gegenüber noch einmal wiederholt hat. Die zwischen Italien und Frankreich schwebenden territorialen Fragen sind ioiveit geklärt— es handelt sich bekanntlich darum, daß Italien eine Korrektur der Grenzen seines- in Airika an iranzösisches Territorium grenzenden Kolonialbesitzes wünscht, außer- dem eine Erweiterung der Rechte der in Tunis lebenden Italiener—. dafi hier eine Einigung leicht ist. Auch in der Frage der Anerkennung der österreichischen Unabhängig- keit bestehen keine Schwierigkeiten. Diese liegen vor allem ans dem Gebiete gewisser revifionistscher Tendenzen, die Italien bisher begünstigt hat. Frankreich wünscht, Italien möge sich darauf festlegen, dafi die durch den Versailler Vertrag und dem Frieden von St. Gcrmain bestimmten Grenzen in Mitteleuropa als unveränderlich zu gellen haben. Man ivcifi, dafi Ungarn daacgen opponiert und bisher von Italien gestützt wurde. Nun ist aber eine Entente zwischen Frankreich und Italien nur dann möglich, wenn Italien sich vom Revisionismus abwendet. Denn nur dan« erhält Frankreich zu einem Bündnis mit Italien die Zu- stimmnng der mit ibm verbündete» Kleine» Entente, die sich durch den Revisionismus Polens und Ungarns in ihren Grenzen bedroht fühlt. Es ist zu hoffen und nach dem Gang der bisherigen Ver- Handlungen anzunehmen, dafi Italien bereit ist, kür die wertvolle Freundschaft mit Frankreich aus die Begünstigung revisionistischer Bestrebungen zu verzichten. Die politische Bedeutung der Moskauer Verhandlungen Paris, 11. Dezember. (Von unserem Korrespondenten) Es gab hier niemand, der damit gerechnet hatte, daß die Verhandlungen, zu deren Führung Handelsniinister Mar- chandeau nach Moskau gereist war. nicht zu einem guten AbWnfi kommen würden, und darum ist die Befriedigung darüber allgemein, daß der Abschluß eines französisch- sowietinssi'^e» Handelsvertrages nur noch eine Frage der Zeit ist. Gewiß, der französische Handel ist dankbar iür jedes Absatzaebict, das sich ihm öffnet, und für jede Million Franken, um die sich der Wert der Ausfuhr nach Soivjet- Rußland steigert, wird zusätzliche Arbeit in diesem Lande geschaffen, in dem die Arbeitslosigkeit von Hunderttausen- den den verantwortlichen Kreisen große Sorgen bereitet, aber der Wert des von Marcbandeau und dem sowjet- russischen Kommissar für den Außenhandel unterzeichneten Protokolls lieat nach der Aufsagung der hiesigen politischen Kreise darin, baß die Beziehungen zwischen den beiden von ihnen vertretenen Mächten sich dadurch noch enger ge- stalten, als dies bereits in den letzten Wochen der Fall war und am 5. Dezember in Genf in Erscheinung getreten ist. Man weiß hier, dafi eine starke Strömung in der Führung der deutschen Reichswehr die Annäherung an Ruß- land wünscht. Man begreift, daß eS den braunen Macht- Habern, die bisher noch zu Rotenbergs Ostpolitik schwören, schwer fällt, eine solche Tchivenkuna vorzunehmen, aber man ist cbenG überzeugt, daß Hitler auch diele Schwenkung mitmachen und AKred Rosenln-rg opfern würde, wenn er sich damit veriönlich an der Macht halten könnte. Darum betreibt man hier gerade in den letzten Wochen— und nicht zuletzt nach Herrn von Ribbcntrops Besuch bei Laval— die Annäherung an Rufiland sehr energisch und sucht die Towjetregierung, die von dem Besuch des Herrn von Ribbentrop im französischen Auficnministeriam nicht gerade sehr erbaut war, davon zu überzeugen, dafi Frankreich kein dooveltcs Spiel treibt. Die Bedeutung des Ribbentrop- BeincheS war in der deutschen gleichgeschalteten Presse, wohl out Anweisung von oben, so übertrieben worden, dafi man in Litwinows Umgebung stutzig wurde, aber heute, wo Litivinoiv den Inhalt der Unterredung Laval-Ribben- trop genau kennt, ist jedes Mißtrauen beseitigt. Diese Au' ichligkeit der französischen Außenpolitik emp- findet man in Moskau dankbar, und sie wird ein Echo in dem französisch iowjetruisischen Handelsvertrag linden, mit dessen Ausarbeitung man sofort nach der Rückkehr von Marchandean nach Parts im Handelsministerium be- ginnen und der vor allem die Wünsche der Textilindustrie berücksichtigen und zur Belebung dieses wichtigen kranzö- sische» Industriezweiges beitragen wird Ll'wnow ml» Namvr Zwischen Japan und Sowjct-Rufilaiid bestehen bekanntlich mancherlei Spannungen. An sie erinnert iolgenderBorgang: In der vorigen Woche sprach wie man sich hier erzählt, in der Wandelhalle des Bölkerbuudsgebäudes in Genf eine snnge Japanerin den n-sil che» Anfieiiminister Lttwtnow an und bat ihn um ein Autogramm für eine pazifistische iapa- nii-be Franeiivereinignng. Nach kurzem Zögern ariff Litwi- now zum Füllfederhalter und schrieb folgenden Satz nieder: „Eine japanische Pazisistin macht noch keinen Frühling." ^DEUTSCHLAND fffl^HtTLER Der Anmarsdi zum Absfimmungstage 3300 neutrale Soldaten Genf, 12. Dez. In Genf ist jetzt die Verständigung über die nach dem«aargebiet zu entsendenden Truppen erfolgt. Baron Aloisi, der Präsident des Dreierausschusses, sandte den Regierungen Englands, Italiens, der Nieder- lande und Schwedens ein Telegramm, ivorin von fol- Senden Kontingenten die Rede ist: England 1500, Jta- l i e n 13 0 0. Niederlande 250. Schweden 250. Der Ausschuß hat sich entschlossen, die englische Regierung zu bitten, den Kommandanten für die interna- tionale Macht zu bezeichnen, die ihrerseits der Regie- rungstommission des Taargcbietes unterstehen wird. Der Ausschuß empfiehlt weiter im Einklang mit seinem Unter- ausschnß den beteiligten Regierungen, die nötigen Matznah- men zu ergreisen, damit die verschiedenen Kontingente sich vor 22. Dezember d. I.>m Taargcb>ct befinden. Nach Aloisi sprach der französische Delegierte M a s s i g l i. Er sagte freie Beförderung der Truppen durch Frankreich zu und dankte den Vertretern Schwedens und Hollands für die Stellung von Truppen. Der schwedische und holländische Vertreter erklärten darauf, daß ihre Regierungen dem Rufe des Rates gern Folge geleistet hätten. Daraus wurde die Entschließung einstimmig angenommen. Am Schluß der Sitzung schlug der Präsident vor, mit 31 ü rf s i ch t auf d i c S a a r a b st i m m u n g die nächste ordentliche Ratstagung bereits am 12. Januar cinzubcru- ten, damit der Rat nötigenfalls einige Beschlüsse fassen könne. Dieser Vorschlag fand einstimmige Annahme. London, 12. Dez. Generalmajor Brind, Kommandant der 1. Infanteriedivision, ist zum Oberbefehlshaber des in- ternationale» Truppenkontingents für das Saargebiet er- nannt worden. Der General ist bereits abgereist. Zu gleicher Zeit begab sich eine Abordnung Offiziere ins Saargebiet, um Vorbereitungen für die Ankunft der Truppen zu treffen Die beiden englischen Regimenter, die ins Saargcbiet ge- fandt werden, gehen am 18. Dezember ab. „Aul den Taut" Christen, vor den Folgen der Volksabstimmung zitternd... In einem sehr bemerkenswerten Aussatz der Basier„National-Zeitung"(11. Dez.) heißt es: „Wird, ivas so viele in Teutschland fürchten, Hitler, ge- stärkt durch den erhofften Wahlsieg an der Saar, unter allen j:- Gegnern seines Staates noch dem 13. Januar nochmals „fürchterliche Musterung" abhalten? Tie evangelische Kirchen- Opposition in acht sich aus die schärfsten Repressalien(Schutz Haft, Gefängnis, Konzentrationslager) gefaßt, und kein Not- bnndpsarrer versäumte in seinen letzten Sonntagspredigten der Gemeinde darzustellen, daß die Zeit der großen Prüfung nicht etwa vorbei sei, sondern erst noch kommen werde. Ber kündigte nicht der Berliner Dompiarrcr Richter in seiner vorletzten Sonntagsprcdigt—„viele von uns werben wohl zum letztenmal Advent feiern?" Pessimismus, aber auch Entschlossenheit, bis zum Letzten fest zu bleiben, verbreitete in kirchlichen LvpositionSkreisen Reichsminister Fricks vor einigen Tagen in Stuttgart gehaltene Rede, darin dieser hohe Beamte die Gegner des Ttaatskirchenregimcntö ver- öächtigte, sie seien lauter verkappte Reaktionäre, aber der Staat werde sich seiner Feinde, wenn nötig, mit den äußerste» Mitteln erwehren. Die Opposition müsse finanziell„aus- gehungert" werden, der Staat werde der Bckcnntniskirche keinen Pfennig überweisen lassen und Zuwiderhandelnde auis schärfste strafen." Am Schlüsse des aus Berlin datierten Artikels heißt es: „Hier stehen Plänner. Abenteurer, für die zum Beispiel das Schießen und Erschossen werden zum Metier gehört(siehe ll». Juni!): drüben aber, gerade in der Reichswehr, stehen Herren bester Lebensart, die es für unter ihrer Würde hielten, Sbirren mit hinterrücks gezückten Pistolen auszu- schicken. Das ist wesentlich. Ans dem Spiel steht freilich das Schicksal des großen und von uns allen respektierten deutschen Volkes, das das Erperiment dieses als Autoritäts- staat höchster Form„getarnten" Regimes der sich heimlich bekämpfenden Autoritäten wohl bis zur Neige ivird aus- kosten müssen." Dieser pessimistischen Auffassung sind wir nicht. Darum halten mir die Saar gegen das„dritte Reich", um wenigstens hier den Einbruch der mordenden und rivalisierenden„Aben- teurer" zu verhindern. »Je dirlstiidie Volksfront Im„Neuen Vorwärts" in Prag nimmt H. E. in einem längeren Aufsatz zur Gründung des„Volksbundes für chriftlich-fozialc Gemeinschaft" im Saargcbiet Stellung. Er schreibt u a.: „Es mag gewiß so sein, daß für viele Katholiken religiöse Bedenken bestehen, sich an der Saar in die sozialistisch-kom- munistische Freiheitsfront einzugliedern. So richtig das sein mag. so wesentlich bleibt aber auch, daß doch zutiefst die neue Bewegung nicht aus konfessionellen Gewissensnöten, son- der» ebcii aus der sozialen Problematik und Ausgabenstel- lung heraus erwa^'n ist, die gerade an der Saar, wo Röchling Schlote rauchen, niemand übersehen kann und wo man so oder so optieren muß! Es gilt wesentlich(das Manifest besagt das ganz ausdrücklich) dem Kamps„gegen die Eni- rcchtuiig der Arbeiter und Angestellten" durch das„dritte Reich"!" TaS ist ein Motiv, das durchaus jenseits der reli- giöscn Trennungen liegt. Darum wendet sich der Volksbund ja auch deutlich gleichzeitig an die evangelische Bevölkerung, die Hitler und seinem Tun entscheidenden Widerstand ent- gegensctzen will........... Nur also unter weitesten sozialen, wenn gewin auch nicht unter sozialistischen Gesichtspunkten, kann ersaßt und ver- standen werden, was sich am 30.'November an der Saar ge- ckicktlick vollzog. Es ist eine Hoffnung, die auch, uns deutsche • nnd inlernalionale Sozialisten, über alle Weltanschan.,nas- trcnnunge» hinaus in stärkstem Maße angeht! Die gleichgeschaltete Presse berichtet u. a.: Bon den etwa 530 000 Abstimmungsberechtigten haben nicht weniger als 55 000 außerhalb des Saargebietes ihren Wohn- sitz: davon 18 000 im Deutschen Reich, 2000 im sonstigen En- ropa und in Uebersee und schließlich nur etwa 5000 in Frank- reich. Eine ganze Reihe von Abstimmungsberechtigten haben sich schon vor einiger Zeit in Marsch setzen müssen, um rechtzeitig zur Stelle sein zu können. Man bedenke, daß etwa 900 Abstini- mungsberechtigte in Nordamerika und Canada und 210 in Mittel- und Südamerika wohnen. Aus Afrika und Asien werden etwa 30 Abstimmungsberechtigte erscheinen: darunter Missionare aus dem Missionshaus St. Wendel. Schon am 15. Dezember werden die ersten Abstimmungsberechtigten aus Afrika in Hamburg eintreffen Soweit es sich bisher übersehen läßt, werden nicht weniger als 11 Dampfer aus Uebersee Abstimmungsberechtigte in die Heimat bringen. Aber auch in Europa gibt es kaum ein Land, in dem nicht der eine oder andere abstimmungsberechtigte Saardeutsche wohnt. Es werden kommen aus Holland 280, Luxemburg 300, Schweiz 70, Belgien 11, Spanien 13. Oesterreich 27, Italien 33, England 17, Polen 10, sowie aus zahlreichen anderen europäischen Ländern. Es wurde schon erwähnt, daß aus Frankreich insgesamt nur 5000 Abstimmungsberechtigte kommen werden. Von die- sen 5000 kommt etwa die Hälfte aus den unmittelbar be- »achbarten lothringischen Gebieten: z. B. 500 allein aus 'Ttieringen. Die größte Verkehrsausgabe, die zu bewältigen ist, besteht darin, die 18 000 Abstimmungsberechtigten aus dem R e i ch nach dem Saargebict zu schaffen. Zu diesem Zweck sind jetzt bereits 57 Sonderzüge vorgesehen. Der endgültige Fahrplan muß erst in einer jetzt im Gang befindlichen Kon- fcrenz der deutschen Reichsbahndirektionen festgelegt werden. Am Tage vor der Abstimmung, also am 12. Januar, werden in der Zeit von 8 bis 10 Uhr nicht weniger als 10 Sonder- züge auf dem Endbahnhof Saarbrücken eintreffen. Diese Züge werden zum Teil schon in der Nacht vom Freitag zum Samstag abfahren müssen. Taufende von Saardcutfchen wer- den sich daher schon am Freitag in Marsch setzen müssen. Denn die Züge werden alle nur von größeren Städten ab- gehen: jeder dieser Züge nimmt die Abstimmungsberechtigten aus einem weiten Hinterland auf. Bei den Fernzügen ist vorgesehen, daß ein Ausenthalt von 10—50 Minuten am Rhein als Verpflegungspause eingelegt wird. Am 12. Januar werden die Züge von folgenden'Ab- g a n g s st a t i o n c n in Saarbrücken einlaufen: Von Berlin i Züge, von Hamburg, Frankfurt n. M., Aachen, Koblenz. Freiburg i. Ar» München je zwei Züge und von den Stativ- neu Breslau, Leipzig, Halle, Dresden, Magdeburg, Hanno- ver, Münster i. W„ Kassel, Gießen, Wiesbaden, Dortmund. Essen-Ruhr, Wanne-Eickel, Oberhausen, Duisburg, Ham- born, Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal. Gelscnkirchen, Bonn, Bingerbrück, Timmern, Heidelberg, Aschasfenburg, Nürn- bcrg, Stuttgart. Ohligs je ein Zug. Diese 10 Züge werden am Montag, dem 11. Januar, in der Zeit von morgens 10 Uhr bis hinein in die späten Abend- stunden wieder von Saarbrücken in die Heimat abfahren. Die übrigen 11 Sondcrzüge werden erst am 13. Januar selbst, also am Sonntagmorgen zwischen 6 und 8 Uhr, in Saarbrücken ankommen. Es sind dies 3 Züge von Trier so- wie je ein Kug von Kirn. Odernhcim, Glan, Zweibrücken, Kaiserslautern, Ludwigshafen. Neustadt a. d. Hdt., Landau und Birken seid Neubrücke. Diese am Sonntag erst eintreffenden Züge werden bereits am gleichen Sonntag nach 10 Uhr abends wieder zurück- fahren. Wenn Abstimmungsberechtigte schon vorher, aber nach dem 27. Dezember ins Saargebiet einreisen ivollen. bedürfen sie nach den neuen Verordnungen einer besonderen Einreise- gcnchmigung der Regicrungskommission. Die Abstimmungs- berechtigten selber müssen unter allen Umständen im Besitz eines Reisepasses und des Abstimmnngsausweises sein, der, wie wir erfahren, auf Banknotenpapicr hergestellt wird, um Fälschungen zu vermeiden. Diese Ausweise werden den Stimmberechtigten zugestellt werden. Von den 18 000 Zureisendcn werden nicht weniger als 18-000 aus dem Rheinland und etwa 5500 aus der benach- barten Pfalz kommen. Weiter werden kommen aus Berlin 1700. aus Ostpreußen 20«, aus Danzig 15, von Eupen-Mal- med» etwa 10, aus Steiermark 20 aus Schlesien etwa 000. Sämtliche deutschen Großstädte stellen ein großes Kontin- gent. Es seien nur einige Städte herausgegriffen: Köln 1126, Frankfurt a. M. 1230. Gelsenkirchen 301, Essen 570, Duisburg 807, Düsseldorf 1210, Bon» 585. Trier 1832, Aachen 1100, Wiesbaden 523, München 003. Mannheim 572, Karlsruhe 237, Mainz 280, Hamburg 510 usw. Eine besonders große Aufgabe wird auch die Lösung des Berkehrsproblems am 13. Januar sein. Be- kanntlich müssen ja die ansässigen Stimmberechtigten dort ab- stimmen, wo sie am 28. Juni 1010 gewohnt haben. Das wird zu einer großen B i n n c n w a n d c r n n g innerhalb des Saargebietes führen. Genaue Zahlen kann man deshalb noch nicht angeben, weil die entsprechenden Verfügungen der Ab- stimmnnaskommission noch nicht vorliegen. Es ist immerhin mit der Möalick'keit zu rechnen, daß 120 000 der jetzt im Saar- gebiet wobnbaiten Abstimmungsberechtigten eine solche Reise werden antreten müssen. „Ein vcrbredier brüstet sldi am Rundfunk" Ein scharfer Protest der Ahsümimingshommission gegen die deutsche Rundfurhpropaganda Saarbrücken, 12. Dez. Die Abstimmungskommission ver- breitet folgende amtliche Verlautbarung: „Die Abstimmungskommission hat mit E n t r ü st u n g davon Kenntnis g e n o m m e n, daß über den Reichs- scnder Stuttgart, offenbar in der Absicht. Agitationstätig- feit im Saargcbiet für die Abstimmung auszuüben, Einzel- Helten über den Einbruch verbeitet werden, den der Privatsekretär Joseph Hild am Geldschrank des Herrn Grubeningenieurs Rossenbeck verübt hat. Gcgenjibcr der Art und Weise, wie diese verbrecherische Tat ausgeführt worden ist, und dem Ton, in dem sie von einem Teil der saarländischen Presse vor die Oeffentlich- keit gebrocht wurde, kann die Kommission nur ihren schärfsten Tadel aussprechen. Ganz verständnislos aber steht sie der Tatsache gegenüber, daß ein so empörendes Vorkommnis zu Agitationszwecken über den Reichssendcr verbreitet wird. Daß man Mit- teilungen aus solch t r ü b e r, O u e l l e mit dem größten Mißtrauen begegnen muß, ist selbstverständlich. Da die Kommission bei dem Reichssender selbst nichts unter- nehmen kann, muß sie jetzt wohl erneut die Frage erörtern, ob die öffentliche Verbreitung im Saargebiet dessen, was über die Reichssender verbreitet wird, verboten werden muß. Tie Abstimmungskommifsion hatte schon mehrmals Anlaß, eine verdäditlge Eingabe Die braune Front gegen die zentrale Stimmenzählung Eine merkwürdige Eingabe hat die„deutsche Front" an die Abstimmungskommissiyn gerichtet. Bekanntlich ist eine z e n- t r aj e Feststellung des Abstimmungsergebnisses, vermutlich in Saarbrücken, geplant— eine einfache Selbstverständlich- keit angesichts der Möglichkeit örtlicher Reibungen in einem vom politischen Fieber erfaßten Lande. Tie„deutsche Front" erklärt erstaunlicherwcisc jetzt in der erwähnten Eingabe, daß tatsächlich „durch die Zählung aller Stimmergcbnissc an einer Zen- tralstellc die Feststellung des wahren Abstimmungscrgcb- nisscs aufs äußerste gefährdet werde." Worauf die„deutsche Front" hinaus will, zeigt folgender Passus: „Es gibt weder theoretisch noch praktisch eine» sicheren Schutz dagegen, daß auf dem Transport und während der Aufbewahrung der Urnen bis zur Zählung eine Urne ge- raubt oder ein Austausch einer Urne mit einer anderen nachgemachten, mit gefälschtem Inhalt versehenen statt- finden kann. Die Erfahrung, die wir gemacht haben, seit- dem im Saargcbiet Emigranten Asylrecht genießen und diese Frage in Erwägung zu ziehen, hatte sie jedoch letzten Endes wieder lassen, da eine allgemeine Entspannung ein- getreten zu sein schien. Eine öffentliche Verbreitung von Rachrichten über verbrecherische Taten in der Weise, daß der Verbrecher sich mit seiner Tat brüsten darf und die in einem Teil der Presse mit einem gewisse» Ton des Einverständnisses und der Billigung behandelt wer- den, kann die Kommission jedoch nicht ohne Gegenmaßnahmen dulden." Tie Abstimmungskommission hat bisher gegenüber den braunen Terror- und Propagandamethoden größte Zurück- Haltung geübt. Um so größeres Gewicht hat diese Erklärung. Sic übertrifft an Schärfe im Ton und in ber Sache fast alle amtlichen Kundgebungen der Saar-Autoritäten. Der Anlaß war allerdings beispiellos. Man muß es selbst mit angehört haben, mit welcher Selbstgercchtigkeit ein Geldschrank- knacke r sich seiner infamen Tat rühmen durfte, und mit «yelchem Behagen der Rundfunksprecher den kriminellen Mann, der mit Nachschlüsseln„arbeitete", als künftigen Nationalhelden präsentierte. Das ivar selbst der loyalen Abstimnmngskommission zu viel! sogar in der Polizei beschästigt werden, erfüllt uns jeden- falls mit äußerstem Mißtrauen. Uns ist auch keine SÄahl in der Welt bekannt, bei der die Feststellung des Wahl- crgebnisses einer späteren Zählung vorbehalten worden ist." Das i"' seltsam. Im Saargebiet werden neben der Polizei noch mehrere tausend Mann neutraler Soldaten vorhanden sein. Sic alle sollen nicht die Möglichkeit haben, die Urnen gegen„Emigranten" zu schützen. Diese Emigranten düri.en, so vermuten wir, an jenem Tage etwas andere Gedanken haben, als in die Gewehre der überaus stark bewaffneten Macht zu lauten. Die Herrschasten der braunen Front suchen andere hinter dem Busch, hinter dem sie selber sitzen. Ihre dreiste Bchaup- tung läßt die Vermutung zu, daß sie sich die Art der Nach- kontrollc des Wahlergebnisses etwas anders vorgestellt hatten. Bei den Bürgermeistereien kennt man so gut seine Leute. Man kann leichter übersehen, aus welcher Ecke die Status- quo-Stimmen kommen. Man kann schneller und wirksamer bestimmte Terror-Signale geben, an Hand der längst vor- handenen Listen von„Separatisten" und„Landesverrätern". Sehr gut waren die Leute von der braunen Front bei der Abfassung ihrer neuen Eingabe nicht beraten. So arglos ist die Abstimmungskommission nicht, als daß sie hinter den Argumenten der„braunen Front" nicht die wirklichen Gründe für diesen Vorschlag vermutet! JnstiiofrSigc Reklameblätter ..Schalten schwerer Enttäuschung" Der neue schlesische Gauleiter als Pessimist Breslau, 12. Dez. Ter neue kommissarische stiauleitcr Schlesiens. Ioieph Wagner. verössentlicht einen Auirus. in dem es u. a. heißt'„Ter Führer 6at mit nach Schlesien ge- rufen. Bon letzt ab ist mir die weitere Aniaabe gestellt, ge meiniam mit euch. Parteiaenosien und Parteigenossinnen, an dein Werk zu schaffen, dem wir uns mit Leib und Seele vcr schrieben habe,, Linter uns liegt ein la"aer Weg bitterer Kämpfe. Ilm uns breiten sich die Schatten herber 15 n t t ä u i ch u n g c n und tragischer M e n i ch e n s ch i ck i a l e. vor uns lient ojne Zitkitnit. die aus der Gegen ivart verstanden sein ivill. damit wir und die. die nach uns sind, sie einmal meistern können... Ein"Vorwärts" liberichriebencr Leitartikel der„NS.- Schlesiichen Tageszeitung" streift noch einmal die Absetzung Helmut Biüekners. Tort heißt es:„Ter Führer bat über Helmut lUrückner ein bartes Urteil geinrochen, das iedoch nicht anders als gerecht sein kann. Ein Nationalsozialist iragt nicht»ach den Gründen, iveil er ivcift dasi sie der ganzen Schwere dieses Urteils cnt- sprechen müssen, in welcher Rtchtuna"e auch licaen mögen. Ausgangspunkt allen Denkens und Handelns ist für uns der Befehl des Führers und s o n st nichts. Man wird es keinem verdenken, ivenn er von der Tragik eines Menschenschickials berührt wird Mancher, der vielleicht früher nicht laut genua„Hosianna" rnien konnte, wirkt später ott die ersten Steine. Tas ist genau so unwürdig, wie es für einen schlesiichen Nationalsozialisten undenkbar wäre, auch nur eine» Augenblick lang im Kampfe zu zögern." ..verliMlemaaicr" Die Rache des Gauleiters Tas Kölner Sondcrgericht hatte heute in Koblenz in elf Fällen gegen die Gerüchtemacher zu verhandeln. Sämtliche Angeklagte wurden beschuldig,, voiksschädigende Gerüchte verbreitet zu haben, die das Ansehen desvcr Ihnen diele Boinbenacichenkc in Pavierhüllc macht?" Schulter- zucken:„Vielleicht mein Sekretär, iveil er auf meine Nach- solacrscha't spekuliert. Meine Geliebte, ivenn sie glauben sollte, daß ich sie betrüge Mein bester Freund, ivenn er mit einer Belohnung rechnen lobte dafür, dass er mich zur An- zeige bringt. Ich fürchte jedermann." G e w i ss. er scheint ehrlich zn sein. Und doch kommt mir ein unwahrscheinlicher und schrecklicher Gedanke. Sollte der reiche, der friedliche Doktor Benediktus im Bilde sein? Sollte er selbst zu der gewaltigen, der unsichtbaren Verschwörung gehören? v n Ick!«ciin a Nnnck? Auch eine A" ffassung vorn„dritten Reich" In München wurde eine Hausfrau wegen schlechter Bc- bandluna ihrer Dienstmädchen in Schutzhaft genommen. Es handelt sich dabei um die Gattin einer angesehenen und be- kannten Persönlichkeit, deren Namen eben mit Rücksicht auf ihre Faniilienangehöriaen nicht genannt wird. Die Polizei bot ans Grund einer Anzeige die zwölf Dienstmädchen, die in letzter Zeit i» raschem Wechsel bei ihr in Stellung waren, vernommen, und aus ihre» Aussagen ergab sich. dass. wie es im Polizetbericht beisst,„ein Einschreiten gegen dicke Dienst- Herrin vom Standpunkt des national'ozialistilchen Staates unbedingt notwendig war". Es habe sich näinlich gezeigt, daß die etwas nervöse Frau ihre Mädchen obrfciatc. sie teilweise von morgens fünf Uhr bis abends elf Ilür arbeiten lief? und ibnen nur karäeü Lohn und mangelhafte Verpflegung gab. Wenn grosse Wäsche u>ar, wurden die Mädchen taasiiber im Waschhaus einaeichloven. Einem Mädchen, das an die Hans- fron die in solche» Fällen hier landesübliche Fraae richtete: .Bin ich denn a Hund?" wurde erwidert:„Seien Sie russia: im Dritten Reich hat ein Dienstmädchen nicht eine solche Frage zu stellen, sondern zu gehorchen." Bäurisches Allerlei Boohler, Schmidt und die Witwe Der„Führer" ha! sich eine„Kanzlei" eingerichtet, zu ihrem Vorstand hat er de»„Retchsieitcr" Philipp Bouhler bestellt, was lelbstoeriiandlich der deutsche Steuerzahler finanziere» niuss. Damit findet eine Komödie ihren Ablchtiiss, die bei den männliche» und weiblichen Nazi- ivaschweibcr» in den letzten Monaten viel Staub aufge- wirbelt hat. Kennte man nur sie. iv wüßte man über das Weicn des„dritten Reichs" Bescheid. Bouhlei, ein erst Wjähriger Mann, veikrachter Student, fand in der Nazibewegun» Unterschlupf, als ihm das Studium zn lange dauerte und?>u wenig kurzweilig ivar. Er war>mon ln.u beim„Vöili che» Beobachter". Nachdem er sich während des Verbots der Naziparlci»in deren ge- tarnte Organimtio» Meriten erworben hatte machte ihn Hitler nach Aufhebung des Parteiverbols zum„Reichsge- jchäflsführer". Hinter dieser großartige» Bezeichnung steckte alvr nur wenig, in der Hauptsache die Verivaltung des Braunen Hauses und insbesondere die Kontrolle der Partei- pvst. In der Zeit des oppositionellen Anwachicns der„Be- ivegung" mar dieics immerhin ei» Vertrauensposten. Nach- dem die Nazi den Staatsapparat sich erschwindelt hatten, wurde die Stelle völlig nebensächlich. Bouhler ließ sich zur Aufbesserung seines nickt sehr bedeutenden Parteielukommens jahrelang von einer Münchener älteren, dauir aber lehr ivohlbabenden Witwe aushalte». Allein er liebte nicht nur das Geld jonder» auch das Leben, und iv bekam er„Texualkoniplexe". Er begab sich in die Behandlung eines Freundes. des Arztes Dr. Schmidt in München, de» man im Volksmund den„Mai- sage-Tckmibl" nennt. Dieier jagte ihm. ivenn er sich nicht von iciner Alten trenne, iverde er seine Komplexe nie loS. er brauche zu feiner Heilung etwas Jüngeres. Er stellte ihm eine junge Krankenichwciter vor. die er für geeignet zur Beseitigung der Komvlerc ansah. Die Schwester geiiel dem Herr» Rcichsleilcr. er verlieft das Hans der Witwe, zog mit der Schwester zusammen und ivca ivaren die Komplexe. Eine junge Freundin kostet Geld und der Büropostc» im Braunen Haus war ohnehin nicht mehr bcfriebigcnd. Die Stelle des Mttnchener Polizeipräsidenten war vakant, seit- dem der frühere Polizeipräsident Schneidhuber am 3». Juni ans Betreiben seines vorgesetzten Innenministers Wagner gekillt morde» mar. Was war da einlacher, als dem durch das fehlen der Witivenrnbel gelbbedürftigen Bouhler einen Staatsvosten zuzuschanzen und ihn zum Präsidenten der Polizeidirektion der drittgrößten deutsche» Grobstadl zu machen, ohne dass Buhlcr eine Stunde seines Lebens im Polizeidienst gestanden wäre? Das Gesindel, das Tausch- land eine neue Ehre, eine neue Gesinnung und vor allem eine neue Sauberkeit geben wollte, brachte diese Meister- le'kuina der Paaeibiichkarrnption spielend zuwege. Soweit wäre die Sacke ganz gut gegangen, wenn nicht gleich Bouhler auch die ältliche Witwe die einflußreichsten Nazibeziehung«» gehabt hätte. Sie sann auf Rache, lief treppauf und treppab von einer Nazistclle zur anderen. Irgend jemand hatte>h> gejagt der Manage Schmit» habe Beziehungen zu Otto Strasser. habe diesem auch jchon Geld geschickt. So wurde der Massage-Schmidt das erste Opfer beleidigenden Geschlecktsneides, aui Grund Denunziation der Witwe kam er in„Schutzhaft" und ist nun schon moiiate- lang eingesperrt Schließ.ich ging der Druck der Witwe!v weit, daß auch der mächtige Bouhler Sorge haben mußte »»d auf einen Wink von oben das Konkubinat mit der Krankenschwester ausgab Um die„Moral" zn retten. i»nss:c er ein Gänschen aus der bäurische» bürgerlichen Gesellschaft heirate» Die illustrierte» Gazetten des Hitlerrciches brachten herzbeivegendc Abbildungen des herrlichen junge» Würdenträgers und seiner lieblichen Braut, Prachtmaterial für des Herrn Hess Bnzantiner-Erlass. Allerdinas war die Tiaiiuna keine ganz einsacke Sache, man halte Furcht. dass die militante Witwe sich etwa so benehmen könne wie ei» deutscher Christ z» einem Anhänger der Bckenutniskirche. und es war deshalb ein grosses Ausgebot von SS. bestellt, das während da Ttauung dfc erforderlichen Absperrungen vornahm, sicherlich eine Staalsanfgabc, die öffentlichen Machteinsatz rechtfertigte. Immerhin ivar der Herr ReichSlciler durch die ganze Socke bei den Wissenden so ramponiert, dass man ihn die Polizeipräsidentenstellc nicht antrete» lassen konnle. Er wurde aui einen untergeordneten Parteiposteil nach Berlin „befördert" und ivar damit zunächst dem Bereich der Witwe entrückt. Wen» der„Führer" jetzt eine„Kanzlei" für den Bouhler geschaffen l,al. in der er. wie ehedem>m Braunen Hauö, die Post öiinen, den Beschiverdeitunk verarbeiten und ähn- liche„Verwalt»ngs"-aufgaben erledigen darf, so spricht das dafür, dass man versucht, die Münchcner Blamage raich vergessen zu mache» Das ist aber nicht so einfach, wie der«Führer" zu alaubcn scheint, denn zn viele Leute wissen davon und es inuss deshalb wohl wieder erst ein 30. Juni komme», damit Bouhler und da„oberste Gerichtsherr" einmal die Witwe aus Verketten schlachte» lassen können.... Für den armen Masiagc-Schniidt. dessen Patienten aus Angst vor noch stärkerer Massage sich schon zum grossen Teil verlaufen haben sollen, bildet das»tue Avancement Boub- lers vielleicht einen Hoffnungsstrahl. Volksgemeinschaft>n München In der Nacht vom ll. aus de» 12. November 1084 kam der bäurische„Innenminister" Wagner turz vor der Po- lizelftiinde in das Miinchener Ense Luitpold, wo damals die Kapelle Elte konzertierte. In dem Kaffeehaus ivar schon alles dabei, die Stühle aus die Tische zu stellen und auizu- räumen. Ter Herr Minister hatte aber noch Durst und da er gerade niemand umzubringen hatte, auch Zeit. Er wollte nicht allein saufen, weshalb er. wie sich das für einen lau- iellaen Mann ziemt, die ganze Kapelle, die Kellner und di' Kücbeiimädchen zum Mithalten einlud. Trotz der Polizei- stunde blieb der Polizeiminister mit seinen zahlreichen Gästen bis morgens 0 Uhr sitzen. Nicht wenige ivaren so besoffen, daß ste am Schluß nicht mehr aufstehen konnten, eine wahre Augenweide für einen nationalsozialistischen Ordiiiiiigsministcr. Am Schluß des Sanigclages zog der ministerielle Gastgeber mit grosser Geste die Brieftasche aus der Tasche und zahlte die Zeche mit ungefähr drei- hundert Mark. Würde Herr Wagner nicht gut tun. die pathetischen Verbote des öfsentliche» Sanfens und Praffe» s, die der„Führer" nach dem 30. Juni losließ, einmal zu überfliegen? Oder gelten diese nur für das Volk? Itidisch-r Nazi Die„Gemütlichkeit", die durch Wagners Saufgelage illu- stricri wird, hat auch die Groteske möglich gemacht, dass in Bayern ei» veritablcr„Nichlarier" als Säiarsührer der SA. herumläuft Der Standartenführer Höselmeier von Bad Tölz ist Besitzer einer Faltbootwerst. Ter 100- prozentigc„Nichlarier" Model zu Tölz ist als begeisterter Faltbootiührer ein guter Kunde des Herrn Standarten- führers Ter jüdische Vater Model sinanziert, um die Leidenschaft seines Sohnes und zugleich sein Fortkommen im„drillen Reich" zu fördern, einen Tölzcr Kajakklub und damit wieder mittelbar das Geschäft des Standartenführers Höfelmeier Nach dem Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" überzeugte sich Höfelmeier infolgedessen, daß de? Jude Model zu einer Führersiellung tu Hitlers SA. qualL siziert sei und machte ihn zum Scharführer. Models Schlachtruf lautet:„Heil Hitler, hinaus mit'uns!" Münchcner Spielplan Das bayrische S t a a t s t h e a t c r hat nicht nur die Indenwerke„Hosinianns Erzählungen".„Hugenotten".„Va- jazzo" vom Spielplan abgesetzt, sondern auch BizetS„Lärmen" im Taumel höchster Kriegspsychose:„Wie lange darf noch die französische Dirne Carmen das Herz der deutschen Hausfrau vergiften?" Damals war die Staatsoper schwer- hörig. Nun ist es endlich erreicht! Lob der Tüchtigkeit Von einem preußischen Volksschiillehrer wird erzählt, er habe bei einem Gehalt von 250 Mark durch eisernen Fleiß und eiserne Sparsamkeit in drei Jahren eine Million ge- spart. Offenbar ebenso scheint es Herrn Heinrich Himmler, dem Gewaltigen der Gestapo, zu ergehen. Bis zu seinem Aufstieg zum Münchener Polizeipräsidenten im Jahre 103» war Himmler, der Sohn eines Münchcner pen- signierten Oberstudiendirektors und das Sorgenkind seine? gebildeten Vaters, gänzlich vermögenslos. Nach dem Nazi- Programm darf bekanntlich kein Staatsfunktionär mehr als höchstens 1000 Mark im Monat verdienen. So kann es wirklich nur eiserne Tugend Himmler möglich gemacht haben, vor kurzem eine Villa im bayrische» Oberland(in Tegernsee! käuflich zn erwerben und den Kaufpreis von 07 000 Mark beim Notar bar auf den Tisch zu legen. Viel- leicht erzählt Herr Himmler einmal von den spartanischen Entbehrungen die ihm ein ivlchcs Spartempo möglich machten Wie hätte man solch enorme Tüchtigkeit bei einem Minister des marxistisch-liberalistisch-römisch-jüdsschen Un° termenschensystems genannt? ®eu1scfie ftimmen• fäeilate zur.Qeutsrfoen 3t ei hei t'- Itelünisse und Qestfkiffafem Donnerstaq, den 13. Dezember 1934 lilillliillillllllillllllilliillUiii illlllitlllillliilillil!'. 1 Ii Old Jhhattecfiand Von Hcaeceptac Man rühmt vom„Führer",(laß einige Bände Karl May eisernen Bestand seines Reisekoffers gehörten. Karl jlay. ein Landsmann des Philosophen des Uehermenschen, 'at in vielen erdichteten Reiseschi Iderungen der deutschen fugend zwischen 11 und 14 den Uehermenschen in exotisch »unten Bildern gemalt. Meistens in der Ichform. Er selber "t Held und Tugendbold von nie besiegbarer Stärke, von " le besiegter Kunst im Fährtenlesen, Schießen, Reiten, kassowerfen- Lanzenwerfen, Springen, Schwimmen, Klet- tR rn, Ringen Raufen, Stechen, im Tomahak, Bogen, Revolver, im Schleichen, im Finden, in der Taktik, im Helfen. Kotten, Strafen. Und gerade diesem Strafen, im Rächen der Grevel. im Siegen der Tugend ist er allerorts der berufene "eus ex machiua. Seine aufdringliche Moral ist die bekannte Traktätcheu- uioral amerikanischer Sekten. Mit dieser siegt er über In- 'lianer, Gangster, Cowboys. Tuaregs, Scipetaren und alle "Ogelagerer der Welt. Allerdings wird er darin unterstützt *°tn besten Mustang der Welt, vom besten Araberhengst der "vlt, vom besten Reitkamel der Welt, vom besten Repetier- Stwehr der Welt, von der besten und schwerste^ Kentuky- "liehse der Welt, von der besten Donnaszenerklinge der Welt "öd von dem größten Glück der Welt, das auch nicht ein oinziges Mal versagt. Ganz besonders aber gefällt sich dieser kühnste, klügste, unerschrockenste, sprachenkundigste, findigste, gelehrteste, ^rechteste, weiseste alles Helden in seiner besonderen Fiih- Jung der Vorsehung, die einer einzigartigen Berufung zum ''•ihrer der Völker aus Not und Schmach. Er stolpert immer durch Zufall herein, wo eine Unschuld zu rächen, ein !»nheil zu verhüten, ein Verbrecher kaltzustellen, ein 'laiihernest auszuheben ist. Hie Zugkraft übt er auf die phantastische Jugend aus uurch die Ermöglichung alles Unmöglichen, durch sein fal- "hes Pathos und durch die reizenden, nervenaufpeitschen- ^oii Gefahren, die immer überstanden werden. Wir glauben darum gern an den Bericht von Hitlers " e iselektüre aus dem Karl-May-Verlag von Radebeul. Denn Hitler mimt durchweg den Karl May, den Ueber- •"ensehen der Jugend, wenn er auch hie und da aus der ^olle fällt, z. B. in seiner ßlutsfreundschaft mit dem Winnetou-Röhm. Denn Mays Freund fiel von Feindeshand, "■tlers Freund von Freundeshand. Aber(las ist ja eine alte ^kannte Sache, daß das Leben nie ganz so ist wie im " 0 man. Aber sonst mimt er gut. Er kann alles wie Shatterhand, er weiß alles wie Shatterhand, er entdeckt alles wie Shatter- 'j*nd, er ist klug, schlau, kühn und unerschrocken wie Shatterhand. Er rächt die Tugend, wie Shatterhand. Uder ist der Bericht Goebbels vom 30. Juni in Wiessee "'Hit ebenso köstlich wie einige Seiten Karl May, wo er mit *^r„Schildkröte", dein Häuptling der Plattfußindianer, und »lern„tollen Büffel", dem Obersten der Apachen, plötzlich "litten im Feindeslager steht und den vor Schreck Erstarrten ">it Herrschermiene und Feldherrnblick die Waffen, die ^•Herfedern und das Skalp nimmt; besser hätte es Winne- ,0», Ohl Shatterhand anderes Ich. auch nicht fertig gebracht; •Wum ist denn auch das Staunen der deutschen Jugend bis "0 Jahren so groß. Natürlich kann„der Führer" nicht nur Old Shatterhand "achahmen. Denn Old Shatterhand war Präriejäger. Wüsten- forscher, Chinareisender, während E r doch Reichskanzler l8»- Und weil er Reichskanzler und zwar deutscher Reichskanzler ist, muß er auch sehr viel sprechen und kann nicht i*ie ein wortkarger Held menschenleerer Steppe vor seinem ^-Millionen-Volk stehen. Zum Reden aber kann er Ohl Shatterhand als Vorbild "'cht so gut brauchen; der schreibt unmenschlich viel, aber im Reden hält er's mit seinem Apachenfreund Winnetou, der lieber tatet. Im Reden hat sich der große Führer den kleinen Diener Kara Ben Nemsi zum Vorbild gewählt. Wenn der Führer aller Deutschen im Reichstag von seinen und der Seinen Taten erzählt, z B:„Wir haben den Marxismus getötet, wir haben die deutschen Parteien erschlagen, wir haben Deutschland und die Welt von der Seuche des Kommunismus gerettet, wir haben das Gespenst der Arbeitslosigkeit überwunden, wir haben die Korruption ausgebrannt, hören wir da nicht ganz klar und deutlich den kleinen Hadschi Halef Omar. Ben Harlschi Abdul Abbas Ilm Hadschi David al Gossarah mit seinen sechs Schnurrbart haaren auf der einen und den sieben auf der anderen Seite am gastlichen Lagerfeuer vor dem Beduinenzelt in orientalischer Prahlerei und Aufschneiderei seine und seines Sidhis Ruhmestaten aufzählen?„Wir haben den Herrn mit dem dicken Kopf besiegt, wir haben den schwarzen Panther erlegt. wir haben die Gum überwinden, wir haben den Schott überquert, wir haben den Samum überstanden, wir haben mehr geleistet als alle Helden vom Aufgang bis zum Untergang. unsere Namen werden in den Ruhmesblättern aller Stämme und Nationen glänzen durch 1000 Jahre. Und Hitlers Taten sind nicht weniger romanhaft wie die 'jenes Kara Ben Nemsi alias Old Shatterhand. Und noch ein Anklang auch im Reden an das erhabene Vorbild deutscher Jugend: Hitler redet soviel wie May schreibt, und wie May immer dasselbe in 60 Bänden schreibt, so redet Hitler in 1000 Reden immer dasselbe. Denn er hälts auch hier mit den großen Heiligen, die wenige bekannten, aber zeitgemäße Gedanken haben sollen. Indes hat die Parallelschaltung zwischen May und Hitler außer der neckischen auch eine tiefernste Seite. Karl Mav hat mit seinen Schriften die deutsche Jugend beim Ueber- tritt in die Flegeljahre sehr nachteilig beeinflußt. Er fröhnte skrupellos der arbeitsscheuen Phantasterei dieses Lebensalters und nährte jenen Illusionismus, an dem die deutsche Nation krankt und an dem die deutsche Nation in unheilvollster Weise verdirbt. Genau so wie der Führer mit seiner verlotterten Jugend sind ungezählte Studenten Abenteuern in Gedanken oder oft in der Tat nachgejagt, statt sich an ruhige gediegene Arbeit zu gewöhnen. Deshalb sind viele von ihnen in dem Entwicklungsstadiura des 14. Lebensjahres stecken geblieben, wo bekanntlich der Mensch nach dem Eintritt in die Flegeljahre zu allem fähig und zu nichts tauglich ist. Die ausschweifende überreizte Fantasie schwirrt zu Unternehmungen, denen die Kräfte in gar keiner Weise gewachsen sind. Solche Jungens machen ihren Eltern hittere Jahre und später der ganzen Gemeinde, und wenn sie Reichsführer werden, dem ganzen Volk. Aus dieser kleinen Denkwürdigkeit des Karl-May-Bandes im Koffer fällt Licht auf die deutsche Lage: der Führer liest mit 46 Jahren May, verrät damit seine literarische Reife von 14 Jahren. Er ist seiner ganzen inneren Einstellung nach in der Unentwicklung und Unreife eines typischen„Karl May- Fressers stecken geblieben; ein politisch unreifes Volk hat den Unreifen zum Führer in den Abgrund gewählt. Und dieser Führer spielt mit dem Volke ein blutig ernstes Indianerspiel mit Wüstenmethoden, Präriegesetzen, Wigwamsgewohnheiten des Lebens. So ist das deutsche Volk unter den Völkern der aus den Bahnen geworfene, mit seinem wertlos gewordenen Leben spielende Prärieläufer geworden. Ohl Shatterhand Prärie- gesellschaft: Sani Hawkens. lange Davids. Tims und Jims, Hobbeiefranks Old Deads. Sauters. Nur geschieht das alles in Europa zwischen den Zäunen Frankreichs und Rußlands. •ÖCLS SAfWt&O-C T)ec deutsche Wlautkacb Hie„befreite" deutsche Nation hat den dichtmaschigsten "ulkorb um, den die Welt je gesehen hat! Was auch ["'»er an Schändlichem, an Rohem und Unwürdigem pas- ' er L das Volk hat zu schweigen und in erpreßter Loyalität " den Tyrannen vorbeizudefilieren ,^ as aber soll der arme geplagte Untertan nun machen? ' r kann doch nicht immer mit zugekniffenen Lippen stumm "'•ei stehen, wenn die Bonzenskandale ins Riesenhafte ' a( hsen, wenn der Umsatz sinkt, die Pleite immer dring- lc her an die Türe klopft und die bombastischen Führer- e den in Permanenz aus dem gemißhandelten Lautsprecher "'I ihm selbst kilometerlang zum Halse herauskommen! Auf der Straße muß er Männchen markieren, wenn die '"datierenden Bengels mit ihren liehakenkreuzten Lappen "Hieimarschiereu, in der Zeitung serviert mau ihm tagaus, 'Sein optimistischen Edelsrhmus, ihm summt der Kopf von H'ut, Boden, Rasseaufzucht und Aufbruchs-Sentenzen", die " nicht zufrieden und glücklich machen. Selbst im trauten Familienkreis, eingesponnen in die(listete Heimlichkeit seiner vier Wände, wagt er nicht, den ""d aufzutun. ^ie gern möchte er sich seinen Aerger von der Seele '"impfen, aber dein Spießbürger schaudert vor den Kon- "quenzen, da sitzt der Junge, Mitglied der Hitlerjugend, ""auf dressiert, die nicht ganz stubenreinen Eltern auf vor- '''"■iftsmäßige Gesinnung zu kontrollieren. Wer gibt ihm , e"n die Garantie dafür, daß der Bengel nicht morgen zum "uppführer hinläuft und den Alten untermenschlicher p» und wollte dort den Tag abwarten. Da bin ich zwischen einigen leeren Kisten eingeschlafen und gerade zu»' Mittagessen trat ich vor meine Verwandten. Die Aufnahme?., n, man soll nicht a der Familie plaudern. End dann, ich sollte eigentlich gleich geschrieben haben, das Rencontre mit dem Posten hinter der Bastion- Eben war ich von der Mauer heruntergeglitten, da dreht« er sich um und kam auf midi zu. Ich wußte nicht, ob et was gehört oder gesehen hatte und faßte darum meine» Besen, um ihn damit nötigenfalls niederzuschlagen un» ging auf ihn zu. Um sicher zu gehen, ob er Argwohn heg«' fragte ich ihn nach der Zeit, und er antwortete. Dan» allerdings hatte ich es sehr eilig. So kam ich fort unm dem Zuchthaus entlassen Wiederaufnahme des Siegburger Zudiihausprozesses Tic„Kölnische Zeitung" meldet: Wie mir erfahren, ist dem Antrag ans Wiederausnahme des Versahrens im Siegbnrger Volkshaus- Vro z est stattgegeben worden. Am 1Z. Februar 1SS3 wurde vor dem BoltShaus in Tiegburg der Zbjährige SS-Mann Franz Müller e r i ch o f f e n. lli Mitglieder der damaligen Eiserne» Front hatten fich im September 1933 vor dem Bonner Schwur- gericht in ein-r fünftägigen Bcrhandlung zu verantworten. Aus Grund der damaligen Beweisausnahme verurteilte das Gericht wegen gemeinschaftlichen Totschlags Robert Ulett»nd Wilhelm Sattler zu je zwölf Jahren, Otto Schulz zu elf Jahren, Otto Dick zu zehn Jahren, Erich Lcmmer und Wilhelm Schröder zu j e acht Jahren Zuchthans sowie sämtliche Angeklagten zu zehn Jahren Ehrverlust. Die übrigen An- geklagten wnrten freigesprochen. Im Verlauf des vo„ der Verteidigung betriebenen Wiederaus nahmcversahrens und bei den von der Ttaatsanwaltschaf angestellten Ermittlungen ver- stärkte fich immer mehr der B e r d a ch t, dast in dem Volts- hansprozcst von einigen Belastungszeugen Mein- cidc geleistet worden sind. Auf Grund dieses schweren Verdachts ist dem Antrag aus Wiederaufnahme des Verfahrens stattgegeben worden. Bei sämtliche» Verurteilten ist die Vollstreckung der Strafe unterbrochen worden. Sie wurden aus dem Zuchthaus entlassen und in Untersuchnngs- hast genommen. Damit ist wieber einmal eines unserer„Greuelmärchen" al« Wahrheit erkannt. Die Sozialdemokraten haben in Sicgburg in der Nacht zum 15. Februar i h r Volkshaus gegen braune Banditen ver- teidigt, die das Gebäude beschossen und mordlustig cinzu- dringen versuchten. Die Polizei verhielt sich„neutral". Einer der anbringenden Banditen fand den Tod. Es stand sofort fest, daß er von seinen eigenen„Kameraben", die zum großen Teil aus Kriminellen bestanden haben, den Tod ge- iunden hat. Einer der Lumpen, mit Namen Leu, ist später Bürgermeister von Siegburg geworden. Vor einiger Zeit mußte selbst ein Regime wie das Hitlers von diesem Menschen abrücken, weil er die Eigenschaften zeigte, die jeder anständige Mensch von ihm kannte. Seit fast zwei Jahren saßen nun die Sozialdemokraten in ihrer Heimatstadt im Zuchthaus. Unschuldig waren sie von ihren Frauen und Kindern in derselben Stadt durch die Mauern des Kerkers getrennt. Die ganze Stadt wußte, baß sie unschuldig sind. Alle noch sauber gebliebenen Bcvölke- rungskreise erwiesen ihnen Respekt und Sympathie. Die so- zialdemvkratischen Freunde aber betrieben mit Eifer das Wiederausnahmevcrsahren. Wir freuen uns, daß es ihnen gelungen ist. dieses erste Ziel und die Unterbrechung der Strafe zu erreichen. Unser Gruß gilt den Kameraden. Wir er- warten, dast es im Rheinlands noch Richter gibt, die einen neuen Spruch auf Grund der klar zutage liegenden Wahr- heit fällen werden. Den Drohungen und den Rechtsbeugungen der Machthaber zum Trotz! Nie„Heil inner!" Diffamierung eines Rechtsanwalts Köln, 12. Dez. Das stellvertretende Vorstandsmitglied der Kölner Anwaltskammer, Rechtsanwalt Dr. Franz Legers beim Oberlanbesgericht Köln, ist durch den Rcichsgeschästs- siihrer des NS.-Juristcnbundes Dr. Hcuber mit sofortiger Wirkung aus dem NS.-Juristenbund ausgeschlossen worden. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß Dr. Legers es grundsätzlich abgelehnt habe, den Hitlergruß zu erwidern. Es sollen Schritte unternommen werden, um Dr. Legers aus der Anwaltskammer auszuschließen»nd auch ein Ehren- gcrichtsvcrfahren einzuleiten. Dr. Legers hat beim Reichs- juristenführcr Dr. Frank Einspruch gegen den Ausschluß erhoben. Das braune Sieb Die Hochschulkommission der NSDAP, bestimmt über die Lehrstühle Jena, Ii. Dez. Aus der Tagung der Vertrauensmänner des NS.-Aerztebundes bei den medizinischen Fakultäten, die hier stattfand, machte Professor Dr. Wirz-Mttnchen inter- essante Mitteilungen über die bisher geleistete Arbeit. Er stellte fest, daß alle Berufungen an dentsche Hochschulen heute planmästig nnd nntcr Mitwirkung der Hochschulkommission der NSDAP, ersolgten, die die Ministerien bei der Aus- wähl berate und ihre durch sorgfältige Vorarbeiten gc- wonnene Sach- und Personenkenntnis entscheidend in die Waagschale lege. Nach der Errichtung des NcichSerzichnngs- Ministeriums sei die Zusammenarbeit mit diesem sofort auf- genommen worden mit dem Ergebnis, dast innerhalb kurzer Zeit 3-1 Berufungen gemäß den Vorschlägen der Hochschul- kommission der NSDAP, ausgesprochen worden seien. Mit dem Rcichserziehungsministcrium sei auch die Rektoratssrage erörtert worden. Dabei sei erklärt worden, dast die Rektoren der Hochschulen Männer sein müßten, die gewillt seien, im Geiste der Bewegung tütig zu sein und auf der ganzen Linie mit der Partei zusammenzugehen. Denn der Rektor sei ver- antwortlich für den organischen Umbau, für den geistigen Umbruch der deutschen Hochschule. Pros. Wirz erklärt weiter in seinem Bericht, daß die notwendige Reform des medi- zinischen Studiums den Austakt zur Hochschulreform über- Haupt bilde. Die Führung müsse auch hier bei der Partei liegen,»nd Träger dieser Initiative sei die Hochschulkom- Mission, die jetzt nicht nur die medizinischen, sondern auch die übrigen Fakultäten und damit die Hochschulen in ihrer Gesamtheit erfasse. * 1 Von der akademischen Freiheit war längst nichts mehr übrig. Ihr Raub ist jedoch selten mit solchem Zynismus eingestanden worden wie hier. Tie Fakultäten haben ihr Vorschlagsrecht bei der Besetzung von Lehrstühlen verloren. Ihre Rechte im Senat sind an den„Führer", den ernannten Rektor, übergegangen. Die ministerielle Kon.trollinstanz ge- nügt jedoch noch nicht. Die nationalsozialistische Hochschul- kommission hat sich die uneingeschränkte Mitwirkung bei Be- rufungen gesichert und bestimmt damit praktisch über die deutschen Hochschulen nnd die gesamte dentsche Wissenschaft. Furfwänglers Sdiidisal Gesundheitlich zusammengebrochen— Demonstrationen gegen Krauß Wien, 13. Dez. Unter den Einwirkungen seiner Ersah- Hingen und Erlebnisse im„dritten Reich" ist Wilhelm Furt- ivängler gesundheitlich zusammengebrochen. Aus diesem Grunde hat er den Wiener Philharmonikern telegrafisch mit- geteilt, er sei aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, in den nächsten Wochen nicht zu dirigieren. Er bodaure deshalb, die Konzerte in Wien, zu denen er bereits in Wien hätte eintreffen sollen, zunächst absagen zu müssen. Die Phil- harmoniker haben beschlossen, die Konzerte mit Furtwängler auf einen anderen Zeitpunkt, vermutlich auf das Frühjahr, zu verlegen. Clemens Krauß war inzwischen in Berlin. Als er am Dienstag wieder am Pult in der Wiener Staatsoper erschien, um den„Falstaff" von Verdi zu dirigcren, kam es zu außerordentlich st ü r m i s ch e n Auftritten. Die Kundgebungen für und gegen den Dirigenten nahmen ein derartiges Ausmaß an, baß die Polizei mit dem Gummi- knüppel einschreiten mußte. Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Die Knnbgebcr warfen Krauß Treulosigkeit gegenüber Furtwängler vor. Wie lange notfi Ministerium Handln? Paris. 12. Dezember. (Von unserem Korrespondenten! Das Ministerium besteht erst wenige Wochen, aber es kann schon beträchtliche Erfolge seinem Konto gutschreiben. Sieht man einmal ganz davon ab, baß eine ganz wesent- liche Beruhigung der öffentlichen Meinung eingetreten ist nnd die parlamentarischen Arbeiten sich ohne Störungen von außen abwickeln, was durchaus nicht zu unterschätzen ist, so muß man zunächst feststellen, daß diesem Ministerium bei seinem ersten Auftreten in der Kammer das Ver- trauen von einer so erheblichen Mehrheit votiert worden ist, wie sie nur wenige Kabinette bisher aufzuweisen hatten. Zwei Tage danach wurde die Beratung des Haus- haltsplanes in Angriff genommen, und nach kaum mehr als zwei Wochen war diese Beratung beendet, und wieder stellte sich eine sehr große Mehrheit der Kammer bei der Tchlustabstimmung hinter die Regierung. Die Regierung will den Getreidemarkt der Gesundung zuführen. Ihre Pläne stehen im Parlament zur Debatte, in die Flanbin mit einer sehr glücklichen Rede eingriff. Wieder bekannte sich die Kamer in zwei Abstimmungen zu ihm, indem sie die Gegenprojekte ablehnte. So scheint es, als ob die.lie- gicrung feststeht und nichts zu fürchten hat. Nun ist allerdings die Brotfrage für die französische Politik im Innern zu einer Haupt- und Magenfrage, im wahrsten Sinne des Wortes, geworden. Auf der einen Seite stehen die Landwirte, die Geld brauchen und ihr Ge- treibe möglichst schnell zu gutem Preise absetzen mochten, ans der anderen die Verbraucher, bei denen sich mit fort- schreitendem Winter die Krise empfindlich bemerkbar macht - Absatzmangel und Arbeitslosigkeit— und denen der Brotprcis zu host ist. deren Wünsche sich alw in entgegen- gesetzter Richtung bewegen. Für die Sanierung des Ge- treidemarktes sind 1500 Millionen Franken notwendig. Flandin erklärt, er wolle die Sanierung ohne neue Steuern und ohne Anleihe durchführen. Der Haushalts- plan der eben erst von der Kammer verabschiedet ist, weist aber bereits ein Defizit auf. Daher ist die Frage ange- bracht, ivie die Lösung des Rätsels gefunden werden soll. In der Nacht zum Donnerstag wirb voraussichtlich die entscheidende Abstimmung stattfinden. Der Kampf ist sehr heiß Die mächtige und einflußreiche Landwirt- ftieruna ßiiC'Ctcförodjctt, ttote ftlicnt fdöclttt c» ntö)t zweifelhaft dast diese die Mehrheit im letzten Augenblick aus tbrer Seite haben wird. Denn eine Regierungskrise kann Frankre ch in diesem Augenblick ganz und gar nicht gebrauchen Das weiß man auf der äußersten Rechten, ebenso w?e den Reiben»"^mäßigtenLniemDer 13. 7t an na r, der Tag der Saarabstimmung, nabt«it Riese«- Cfr brauet cut einiges Frankreich. Frankreich weist daß es dem Gegner der nach seinen schwachen Stellen Ausschau hält, keine Blößen zeigen Varl. Holländische Zwischenrufe Nützliche Offenherzigkeit Wir zitieren aus der Zeitung„De Brijzinnig De» in o c r a a t": „Ter Ausspruch des deutschen Propagandaministcrs Dr. Goebbels:„Die nationalsozialistische Bewegung ist früher legal gewesen, um an die Macht zu kommen und um dadurch die Möglichkeit zu haben, illegal zu handeln", hat allgemein die Aufmerksamkeit aus sich gezogen. Hiermit ist in der Tat der Kern des nationalsozialistischen Systems enthüllt. Wir haben dieses System stets so charakterisiert, aber es ist gut, dast dies jetzt ausdrücklich anerkannt wird. Dadurch erklärt sich auch, warum die Nationalsozialisten in einemfort wie- verhole», dast sie„legal" auftreten. Das erübrigt sich doch für eine legale Organisation vollkommen. Hierdurch sind die Gegner auch von der Aufgabe befreit, Beweismittel siir die Illegalität zu erbringen." Das Reich der Gerüchte Wir lesen u. a. in„De Nieuwe Rotterdamsche Eourant": „Wir kennen Hitler schon lange als jemanden, der, wenn es nötig ist, all seine mit soviel Feuer und Hast gepredigte» imperialistischen Ziele über Bord wirft. Nun aber ging er »och weiter als gewöhnlich."(In seinen Worten zu den beiden Franzosen Jean Goy und Robert Monnier, die ihn in Berlin besuchten.)„Wäre er nicht so weit gegangen, so hätte» seine Worte wahrscheinlich einen tieferen Eindruck gemacht. Nun erinnerten sie stark an die Auslassungen eines von Pape», der den Oesterreichern kürzlich erklärt hat, daß Teutschland niemals daran gedacht hätte, etivas gegen die Selbständigkeit Oesterreichs zu unternehmen. Es wird Hitler seinen Deutschen gegenüber schwer fallen, ihnen de» Glau- ben beizubringen, dast man im Saargebiet nichts unter- nomine» und nichts geplant hat. Ist den» alles, was halb Europa in Aufruhr gebracht hat, von den Fremde» aus dem Daumen gesogen»vordem die auf mancherlei verantwort- liche» Posten jetzt die Abstimmung im Taargebiet vorbe- reiten? Man weist, daß das nicht wahr ist. Und wir dürfen nach alle» Erfahrungen nicht annehmen, daß in den braunen Reihen solch eine schlechte Zucht herrscht, dast Hitler selbst die Ausschreitungen und andere Ungehörigkeiten nicht eher hätte unterdrücken können. Der Respekt vor der Grenze des Taargebietes ist sehr plötzlich gekommen, als eine durch England moralisch gestützte französische Aktion Hitler zu verstehen gab, dast es so nicht weiter gehen könne. Es kann Hitler nicht alles verborgen bleiben, maS in Deutschland im Gange ist. Wir hören von allen Seiten, wie man in drei- ten Schichten des deutschen Volkes fest an Krieg in Ver- bindung mit dem Saargebiet glaubt.„Am 11. Januar, also am Tage nach dem Plebiszit, ziehen wir inö Saargebiet ein", ist eine Auslassung, die man überall hören kann, wie uns von verschiedenen zuverlässigen Seiten gemeldet wird." Der Schreiber beschäftigt sich dann weiterhin mit de» Kriegs- Vorbereitungen und der Stimmung in Deutschland. Er zitiert hierzu noch die Ansicht verschiedener führender ausländischer Blätter und fährt dann fort:„Aus dem Vorhergehenden müssen wir den Schluß ziehen: wenn Hitler krasse Worte der Beruhigung, der Ergebung in die territoriale Lage Sflmnrangsbllddien „Eis muß anders werden" Mau schreibt uns aus der Pfalz: To stark wie gegenwärtig mar die Ablehnung des Hitlerregimes noch nie. Die meisten Menschen erwarten irgend ein Ereignis, das eine Aenderung bringen soll. Die immer wiederkehrende Aeusterung ist: To kann es nicht weiter gehen. Ein Bäckermeister in..., der als eines der ältesten Mitglieder der NSDAP, gilt, aber wegen seiner offenen Kritik schon wiederholt verwarnt wurde, kam kürzlich in eine Arbeiterwirtschast und zeigte eine Nummer der sozialistischen Aktion, die ihm zugeschickt wurde. Als ihn die Arbeiter warnten und rieten, dieses gefährliche Teutschlands und der Friedensliebe ans Ausland richtet, spricht er in die verkehrte Richtung. Möge er zur Not seine Wünsche frei äußern, so wie es früher deutsche Ttaatsmän- »er, auch die von der Republik von Weimar, getan haben, oder aber an die Seinen Worte der Beruhigdung und Friedensliebe richten. Zu ihnen spricht er nicht so. Erst unter allerstärkstem Druck hat er de» Befehl gegeben, Oesterreich und dem Saargebiet gegenüber gelindere Saiten aufzu- ziehen— Kann bei alledem»nd während der Sturm der Kriegs- Psychose in Deutschland weiter wütet, seinen pazifistischen, man könnte beinahe sagen, seinen defaitistischen Beteuerungen Glaube» geschenkt werden? Kräftige und eindruck- erweckende Worte an seine Deutsche» nebst nnziveideutigeu Taten und Zügelung der wilden Agitation würden eine» viel tieferen Eindruck auf die Welt machen, als seine pvli- tische Lämchensprache zum Ausland." Schönsprecherei tut's nicht Unter diesem Titel lesen wir in«H e t H a n d e l s b l a d" (Amsterdam) einen großen Artikel. Der Schreiber beschäftigt sich ausführlich mit den vielen Gerüchte», die in Deutsch- land kursieren und schreibt diesen Umstand in der Haupt- fache der Unterdrückung der Pressefreiheit zu. Dadurch kom- wen. wie er ausführlich auseinandersetzt, den Leuten auf Umwegen Dinge z» Ohren, die in einem Land, wo Pressefreiheit herrscht, dem breiten Publikum verborgen bleiben. Man kann ein Volk aus die Dauer nicht mit zensurierten (lies unwahren!) Berichten abspeisen. Es bezieht dann die Wahrheit aus anderen Quellen und bekommt auf diese Weise bestimmt mehr zu hören, als de» hohen Herren lieb ist. Ver- sasser des Artikels zählt dann eine Reihe von Gerüchten auf, die im„dritten Reich" Tagesgespräch sind, wie z. B.: Krieg. Revolution, Sturz der Regierung, Machtergreifung der Reichswehr usw. Zusammenfassend schreibt er da»»: „In Deutschland Ist wieder ein Gewitter im Anzug, ein Unwetter der gleichen Art wie bei der Röhm-Revolte. Ein Teil der SA. ist verbittert nnd daher leicht zu Unvorsichtig- ketten zu verleiten. Ein anderer Teil, der kaltgestellt ist, sinnt ans Rache. Die Regierung ist in finanzieller Hinsicht am Ende ihrer Kräfte. Ein Bankrott wäre keine Ueber- raschnng Von Ribbentrop reist durch Europa, um neue An- leihen auszunehmen... Das Reich der Gerüchte sällt mit dem„dritte» Reich" zusammen. In allen Wohnräumen hört man dergleichen Intimitäten flüstern. Die Menschen schenke» einander weniger Vertraue» als je, und die Regierung beginnt, sich all dieser Unzufriedenheit»nd Unsicherheit gegenüber mehr defensiv zu verhalten. Und sie läßt Dinge durchgehe», die die Staatsbürger im vorigen Jahre sicher noch ihre persönliche Freiheit— oder noch mehr— gekostet hätte. Man hat gemeint, dem freien Wort im Staatsinter- esse einen Maulkorb umhängen z» müssen und ivas man letzt erntet, ist nichts anderes als„der Fluch der bösen Tat". Damit nehmen wir bis auf iveiteres Abschied von dem Gerücht und verweisen noch auf das Bauernliedche»: Wenn der Hahn kräht auf dein Mist, Aendert sich das Wetter oder— bleibt, wie es Ist." Blatt zu verstecken, liest er sich nicht beeinflussen und schrie: Das kann jeder, das muß jeder sehen. Ich habe es gelesen, das ist die Wahrheit, so wie es da drin steht, so ist es. mir soll mal einer von ben Bonzen sagen, dast das nicht wahr ist." Weil unsere Leute die enorme Verstimmung der Spießbürger kennen, ist es ein beliebter Sport geworden, ihnen unsere illegalen Druckschriften zukommen zu lassen, wodurch sie eine starke Verbreitung bekommen und aus fruchtbaren Boden fallen. A»S Wut darüber, dast auch nach den Verhaftungen weder die scharfe Kritik an de» Zuständen noch die Verteilung des illegalen Materials aufgehört bat, stellte nun der Stadt- rat Pirmasens an die bayerische Ttaatsregiernng den Antrag, den ehemaligen Führern der SPD. und KPD. in der Emigration das Staatsbüraerrecht abzuerkennen. Paris Pariser SfraOenbüddien Im ,.Journal schildert Olement Vautel eine Pariser Straßenszene, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten: „Neulich sprach mich in der Avenue de la Muette eine Art junger Landstreicher an mit der Bitte:„Verzeihung, mein Herr, hahen Sie vielleicht eine Zigarette für mich?' 4 Während ich nun mein Zigarettenpaket aus meiner Tasche hole, es offne, eine Zigarette herausnehme, fängt der Bursche an zu stöhnen::„Ich weiß weder aus noch ein... Seit sechs Monaten ohne Arbeit... Könnten Sie mir nicht etwas gehen? Was, ist gleiegültig... Ich hin hungrig! 4' Kurz und gut, ich gebe ihm seine Zigarette und einen kranken. Er geht weiter, und instinktiv folge ich ihm mit den Blicken. Zwanzig Schritte weiter spricht er einen Vorübergehenden an, und ich sehe, wie dieser ein Paket Zigaretten aus seiner Tasche zieht. Einen Augenblick später(„Ich weiß weder aus noch ein" usw.) bekommt der ..Arbeitslose" mit der„Vorwandzigarette" ein Geldstück. Der„Coup 44 mag oft gelingen: am Ende des Tages hat der „Hungernde" reichlich zu rauchen, zu essen und zu trinken." „Ein wirklicher Arbeitsloser," so schildert Vautel,„geht auch in begründeter Verzweiflung einem solchen Gewerbe nicht nach. Man sollte die Straßen von solchen Subjekten erlösen." Association des Journalistes allemands emigres Am Montag, dem 17. Dezember, abends 9 Uhr, findet im Saal des Büros der Föderation Internationale des Journalistes, 2 rue Montpensier, Paris(Palais Royail), die Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Journalisten in der Emigration statt. Tagesordnung: 1. Bericht über Verhandlungen mit der Föderation Internationale des Journalistes wegen Aufnahme des Verbandes, 2. Statutenänderungen, 3. Kassenbericht, 4. Vorstandswahl, 5. Verschiedenes. Dreyfus operiert Paris, Ii. Tez.(ATA.) Oberst Alfred Treyfus, der Held der berühmten Drenfus-Afsäre um die Jahrhundertwende, hat sich vor einigen Tagen einer Operation unterziehen müssen. Tie Aerzte erklären, dast der Patient, der 7Z Jahre alt ist, außer Gefahr ist. B BIEPKIISTEW A M., Graubünden. Sie schreiben un»:„Liebe Genossen des Saarlandes, auch hoch oben in den Schweizerbergen, 2000 Meter über dem Meere, schlagen Herzen mit und sür Glich in dielen Zagen! Diese Zage, in welchen Ihr, Genossen, so viel für die ganze Bell bedeutet. Daß Ihr stark und tapset sein werdet, des sind wir genug! 3r>ir sind, wenn auch räumlich weit weg von Glich, im Oerzen ganz bei Euch und heben unsere Fäuste mit einem tausend- sachön: Freiheit!" „Aus den Tag." Wir erhielte» aus Mitteldeutschland von Betriebs- arbeitern einen Bericht ,der u. a. erzählt:„In verschiedenen Be- triebsversammlungen, die aus Ilnsscherbeilsgründen sehr selten an- gesetzt werden, erlebte die Leitung eine unverkennbare Temonstra- tion. Bei dem Arbeitsfronilied„Brüder in Zechen und Gruben" singen die Arbeiter meist leise und mehr murmelnd den alten Te^t: „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit." Doch wenn in der vierten Strophe im jetzigen Terst die Stelle kommt:„Toch bald kommt der Tag der Rache," schwillt der Gesang stark und deutlich an. Ta in der nächsten Strophe ein Bekenntnis zu Hitler kommt, wird es wieder sehr leise, so dag eigentlich die eine Stelle mit dem drohenden Satz sür die Zukunft aus dem ganzen Gesang hervorgehoben bleibt." T. A., Brüssel. Wir erfahren durch Sie: Tie von einem Teil der belgischen Presse in letzter Zeit gegen den jüdischen Finanzminister Gutt getriebene Hetzkampagne hat die Behörden zu energischen Gegenmaßnahmen veranlagt. In der Druckerei der»ationalsoziali- (tischen Zeitung»Renovation" wurde von der Staatspolizei eine Revision vorgenommen und hierbei die Gesamtauflage während des Drucks beschlagnahmt. Gleichzeitig wurden die übrigen Blätter unter Androhung scharfer Massnahmen aufgefordert, Angriffe gegen den Minister wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum zu unterlassen." — Belgien scheint ganz unter die Diktatur der Weisen von Zion geraten zu sein. „Fröhliche Pfalz." Einem Privatbrics an Sie entnehmen wir:„In Ludwigshasen wurden bis jetzt verteilt, ein Zentner Kohlen und ein Zentner Kartoffeln. Im vorigen Jahr waren es um diese Zeit schon 10 Zentner Kohlen und sc nach der Kinderzahl 3 bis Z Zentner Kartosseln, dann noch etwas Mcbl, Nudeln nnd Fleisch. Tie Em- pörung unter den Wohlfahrtsenipfängcrn ist sehr gross, es wurden schon öfters Hungernde ausgestoßen und die Kritik hebt besonders hervor, es sei vom letzten Winterhilsswerk noch keine Abrechnung bekannt geworden, die Kartoffeln würden zu Propagandazwecteii verschoben in das Taargcbict nnd die Kartosseln seien von den Bauern nur gespendet worden, weil sie ihnen zu schlecht erschienen, um die Säue damit zu füttern." F. F., Amsterdam. Sie beurteilen den„Tag der nationalen Soli- darität" so: „Tu armes Boll, Tu tust mir leid, Ten letzten Pfennig half bereit: Tie Oberbonzcn selbst geh'» sammeln' Euch auszupressen, Ihr g'scheerten Rammeln!" Lorrainr-Paris. Bielen Tank für das lebhafte Interesse an unserer Buchhandlung. Zur Zeit mutzten wir einem anderen Buch prova- gandistisch beistehen. Wir werden aber in der allernächsten''.eil Ihre Idee verwenden. Erhalten Sic uns Ihr Interesse. Emigranten in Amsterdam. Tie Zuschrift ehrt euch! Immerhin /lallen wir diese Gründung nicht überschätzen, llcbcrschwenglichkeiten liegen uns nicht. Arbeilen wir. Tas allein Hilst. Nichts sür un- gut. Freiheit! An mehrere. Auch die Liste der von Hitler zugegebenen 77 Et» ichichllngcn am 30. Juni ist bisher nicht veröffentlicht worden. Tan in Wahrheit mindestens 11S4 Gegner und Freunde des Regimes dem 8b. Juni zum Opfer sielen, ist zuerst von der„Tcullchcn Freiheit' mitgeteilt worden, lieber das Schicksal des seit dem 30. Juni»er- ichollcncn Rechtsanwalts Dr. Lütgebrüne war bisbcr nichts Authentisches zu erfahren. Neuerdings wird berichtet, er sei geiites- gestört. Lütgebrüne zählte neben dem jetzt abgesägten Reichsjustiv kommissar Tr. Frank zu den führenden Juristen des„dritten Reiches". Er hat fast sämtliche Prozesse der NSDAP, als Verteidiger mitgemacht und zur obersten SA.-Führung gehört. Ter greise, aber rüstige Mann wurde am 30. Juni verhaftet uns in ein Konzcntra- tionSlagcr gebracht. Alle seine früheren Opfer für die Partei zer- rannen in ein Nichts. Man wollte von ihm wissen, woher der er- schogene Stabschef Rühm die zwölf Millionen hatte, die, wie zunächst vrrlautbart wurde, aus Sammelgeldcrn sür die TA. stammen sollten. Offenbar reichte die gegebene Erklärung nicht aus, und Lütgebrüne wurde eingehend verhört. Man konnte jedoch aus ihm nichts heraus- holen. Nun soll er in eine Nervenheilanstalt übergeführt worden sein. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P l y in Dud- weiler: kür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstimme GmbH. Saarbrücken 3, Schlitzenftrasse s.— Schließfach 776 Saarbrücken. Zu ¥® f kaufen oder zu vermieten! Stue'bautes, mit allem modernem Komfort versehenes, drelstödettes Qesihüttshaus gelesen in der Stadt LUXEMBURG in Verkehrs afzL Etagenheizung. So