I irsa Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 282— 2. J. hrgang Saarbrücken, Dienstag, lA Dezember 1934 Chefredakteur: M. Braun Qeuieckscfiaften füc Status qua Seite 3 Zusammenstak mit einem enqiischen Haiiieiaf^iziec Seite 4 9termine, txkconpzim und. andere J#. Seite 7 Sodom und Gomorrha ma . v, V't Die Früchtchen hitlerdeutscher Erziehung In Seinem Geiste Berlin, 16. Dezember 1934. Om Tcutschen Reiche unter Hitlers positiv christlicher fttilmtUfl ist bekanntlich die Gottlosigkeit vollkommen aus- gerottet, die unter dem atheistischen marxistischen System mit Unterstützung der schivarzcn Marxisten des Zentrums und unter stillschweigender Tolerierung der katholiichen Bischöfe grassierte und unser deutsches Boll, insbesondere aber die unerfahrene Jugend, bis ins Mark vergütete. So verkündete eben noch Herr Tr. Goebbels als Reichsreklainechei in der alten Biichossstadt Trier. Tank der rettenden christlichen Tot des„Führers", die rein zufällig mit der Brandstiftung des Reichstages zusammentraf, ist die verwirrte und verhetzte Jugend wieder aus die Piade germanischer Tugend zurück- geführt worden. Run sorgen strenge deutsche Disziplin in Schule und Haus, in Hitlerjugend uitd BdM. und dann noch der Staatsjugcndtag allwöchentlich dafür, dast das marxistische Scclcngist nicht an die jungen Menschen herankommt. Wie sieht es nun ans, nachdem die Fugend zivei Jahre im — mit Respekt zu sagen- Geiste Adolf Hitlers erzogen worden ist? Wir haben wiederholt sehr eindeutige Berichte über die hitlerdeutichc Sittlichkeit im BdM.. in der SA. und der TS., in den Schnlnngslagern lind in den Arbeitsdienst- lagern veröffentlicht. Diese Schilderungen bewegten iich durchaus in den Bildern, die der„Führer" als Abichlust der mörderischen Säuberungsaktion des SO. Fuui von der Zucht losigkeit seiner nächsten Umgebung in höchsten Führerstelle« gab. nachdem er ein Jahrzehnt dieser J-äulniS seines engsten Freundeskreises tatenlos zugesehen hatte. Tvdom und Gomorrha! ' Wir wissen, dast seit Fahr und Tag führende Geistliche und Jugenderzieber aller Richtungen, die nationalsoziali- stischen mit' ihrer totalen Verwilderung und Unfähigkeit natürlich ausgenommen, sich die schwersten Sorgen machen über die Verrohung und Entsittlichung der Fugend des „dritten Reichs". Wenn wir dazu schrieben, waren es natürlich„Greuelmärchen". Geben wir nun heute einer gewist einwandfreien Stelle das Wort: Fm Kirchengemcindeblatt der Stadtgemeinde Weimar ver- össentlicht Dberpfarrcr Uade im Name n sämtlicher Ortsgcistlichen einen Ausruf an die Eltern der dies- jährigen Konfirmanden. Der Fielst der Konfirmanden und ebenso deren Verhalten in. vor und nach den Konsir- mandensttinden lasse viel zn wünschen übrig Das gelte vor allem für die Jungen, obgleich in einzelnen Bezirken über die Mädchen noch weit nichr geklagt werde. So lasse vielfach nicht nur der Gotteodienstbesuch zu wünschen übrig, sondern noch schlimmer sei das Benehmen der Konfirmanden in der Kirche selbst. An einem der letzten Sonntage habe ssch der amtierende Pfarrer einer Kirche wegen des Verhaltens von Konfirmanden sogar veranlasst gesehen, seine Predigt zn unterbrechen « n d d i c« o n s i r ni a n d e n z n r r d n u n g z u r it s e n. Die Eltern werden daher nochmals ebenso herzlich wie dringend gebeten, die Pfarrer zu unterstützen Sa wie es jetzt i st, könne es nicht weitergehen. Wenn Kon- sirmanden durch Faulheit und durch Z u ch t l o i i g k c i t weiterhin zeigen, dast ihnen die nötige Reife fehle, dann bleibe gar nichts anderes iibria. alg sie aus Grund der Kirchenordnung vom Konsirmandenunterricht und von der Konfirmation, mangels genügender Reise, zurückzuweisen. vie große Sünde Weimar war schon Fahre vor der Machtergreifung Hitlers eine Hochburg der Nationalsozialisten. Hier wirkte der erste Innen- und Bilbungsminister dcS National- sozialismus, Herr Dr. F r i ck. Hier wurden unter be geisterter Zustimmung der evangelischen Pastoren Frtck? dcuischchristliche„Gebete" in der Schule eingeführt. Das Ergebnis dieser Sorte„Ehristentnnt" Hiilerschet 1-iägitttg sind Kirchcnskandale, hervorgerufen durch Konfirmanden. Erinnert man sich, dast je i» den verruchten marxistischen Zeiten solche Notrufe ans der Kirche sich notwendig ge- macht hätten» Tie„Gottlosen" schickten ihre Kinder nicht zur Konsirmation, weil sie die Heuchelei verabscheuten. Fetzt aber ist die Zugehörigkeit zur Kirche, der amtliche Nachweis zu einer gesellschaftsfähigen Religion zur Staatsräson und zur moralischen Pflicht iür jed.m Staatsbürger erhoben. Kirchentreuc ist die Vorbedingung zur"eise« und zur Karriere zum Studium und zu den Prüfnngen. Die Früchtchen dieser ErziedungSgrundiätze entsprechen der tieie,, Uniittlichkei« de-, Snttems Wir haben mit den Pfarrern, auch denen der oppo- sitionellen Bekennt! iskirche, kein Mitleid und bestreiten ihnen das Recht zu ihrem Aufbegehren. Wären sie— Karl Barth und einige andere waren rühmliche Ausnahmen— nicht gottentfremdet und gottverlassen gewesen, und darum voller pharisäerhafter Vorurteile gegen die ethische Kultur der sozialistischen Arbeiterbewegung, so hätten sie spüren müssen, dast int Nationalsozialismus ein zerstörender Feind jeder ans Humanität begründeten Kultur heran- wuchs, sie sei religiös oder ethisch begründet ivic immer. Das Lesen einer Seite in Hitlers rohem Lebensbuche „Mein Kamps", eines Kapitels des barbarischen Buches von Roscnberg„Mythus des 2». Fahrhunderts", das An- hören eines einzigen nationalsozialistischen Redners mit seinem Giit voll Hast und Wut und Rache hätte die Kirch- lichen belehren und erschüttern müssen, wenn auch nur noch ein Hauch des Geistes Fesu Christi und seiner Berg- predigt in ihnen gelebt hätte. Sie waren seelisch tot, sind es noch, denn ihr Kamps geht zumeist nicht um religiöse Güter, sondern um organisa- torischc Rechte, nm die Macht über den kirchlichen Appa- rat, und darum sind sie in die grosse kulturelle Katastrophe Deutschlands hincingerisscn. Schon ihr Schweigen zur herrschenden Bestialität macht sie mitschuldig. Auch der Hilferuf der Weimarer Pfarrer dcutct nur an. Es ist ja alles weit schlimmer. Die sexuelle Zügellosigkeit, die man sehr zu Unrecht der im Gegenteil zn einer ebenso natürlichen ivic hohen Sexualethik er- zogenen marxistischen Fugend nachsagte, feiert im BdM., in der Hitlerjugend, in der SA. und der SS. Orgien. Dem BdM. mustte die Teilnahme an dem diesjährigen Partei- tag verboten werden, weil im vorigen Fahre viele Mäd- che», darunter noch schulpflichtige, geschwängert worden waren. Uns ist ein Fall bekannt, dast in einem Lager von 79 Mädchen 30 unehelich schivangcr wurden. Man versucht diese Vorfälle zu vertuschen und erreicht dadurch nur, dast sie gerüchtweise noch vergröbert werden. Es gibt keine Stadt mehr im Reiche, wo man sich nicht erzählt, dast im Krankenhaus unmündige Hiltermädels entbunden haben. Es gibt keine Jugend, in der man sich nicht von Orgien bei gemeinsamen Tressen von mann- licher und weiblicher Hitlerjugend erzählt. Es gibt kein Gebiet in Deutschland, wo man sich nicht zutuschelt, dast in manchen Fällen die Führer bei solchen Zusammen- (linsten zur Vermischung aufgefordert hätten, und diese Erzählungen werden überall geglaubt, weil jeder in seinem Bekanntenkreise den sittlichen Verfall selbst beobachten konnte, und weil criviesen ist, fc-ast in vielen Bildungskurscn die uneheliche Mutterschaft für die Geburtenschlacht geradezu besungen und gepriesen ivird. Von den braunen Bonze», die zur Erziehungsarbeit an der Fugend sich berufen fühlen, entwirft der Korpssührcr des Nationalsozialistischen Krastsahrerkprps, Obergruppen- fnhrer Hühnlein ein Bild, das erklärt, wie die täglichen Autounfälle führender Nazis Zustandekommen.(Eben erst hat sich der Gruppenführer Zunkcl von Thüringen totgc- fahren): «Unersahronheit, Leichtsinn, Alkohol und e n n o m m i e r s u ch t sind meist des Unfalls beste Wegbereiter. Wer nach dnrchzcchter Nacht das Steuer des sonst vom Bcrnsschausseur gefahrenen Wagens selbst ergreist, um— und wie oft ist dies der Fall— nur vor dem andern Geschlecht mit seinen Fahrkünsten zn prahlen, beweist damit nicht etwa seine Forschheit, sondern einzig und allein sein mangelndes Verantwortungsgefühl. U«erfahre n heit, Leichtsinn, Alkohol und Renommiersucht— läßt sich eine bessere Eharakteristik des ganzen Teutschland zur Zeit verwüstenden Systems und seiner meisten Führer geben? „To iv i e bisher k a n n e s nicht weitergehe n!" So sagen ivörtlich die armen an sich selber und ihrer Hitlerei verzweifelten Pastoren von Weimar. So schlicht auch wörtlich die grosse Moralpauke des Führers der motorisierten Bonzenaristokratie. „So kann es nicht weitergehe n." TaS ist die Meinung des ganzen deutschen Volkes, ausgenommen die finanziellen Nutznießer des System? von den Revolution?- gewinnern Hitler. Göring. Goebbels und Kompanie bis hinab zu den sich bereichernden Ortsgrösten. „So kann es nicht weitergehen." aber es ivird so weiter- gehen, bis des Volkes allgemeine Klagen zum Willen und zur Tat emporwachsen. Tann erst ivird die grosse Sünde wider den Geist der Nation getilgt und wird das grosse Verbrechen an Deutschland aesiibnt werden. Zeßn läge von konsend lehren „Nur nicht drängeln, es kommt jeder dran" Jeder dieser Lumpenhunde Wird vom nächsten abgetan. Sei nur brav zu jeder Stunde Keiner hat dir etivas an. Goethe. Man muh sich langsam darauf einrichten, vom inner- politischen Kriegsschauplatz des„Tritten Reiches" jeden Tag Heeresberichte und Verlustlisten zu publizieren. Immer nSue„Staatsfeinde" werden von der Gestapo ent- deckt, braune Amtswalter kommen wegen Hinterziehung von öffentlichen(Selbem in immer länger werdenden Serien ins Zuchthaus, oben an den Spitzen der braunen Macht und Herrlichkeit stürzen täglich ein paar Promi- nente, um nie wieder aufzustehen. Die Presse außerhalb des„dritten Reiches" ist beinahe außerstande, daraus noch Neuigkeiten und Sensationen zu machen, denn das Asttäg- liche und Gewohnte stumpft ab. Der Herr Reklameminister muß zu den seltsamsten Be- schwichtigungsmilteln greifen. Jüngst, in einer Bersamm- lung im Berliner Sportpolast, pries er Deutschland als die- ruhige Insel im stürmischen politischen Wellengänge des Zeitenmeeres. Ringsumher Krisen, nichts als Krisen, Königsmorde und Kabinettsstürze, jedoch im„dritten Reiche" stehe ein geliebter Steuermann strahlenden Blicks und führe das Volk, getrieben von seinem„Dämon", in die schönere Zukunft, wenn es auch heute noch darben und entbehren müsse Nur noch die Besessenen glauben ihm. Immer wilder brausen die Stürme über das Verdeck des fliegenden Brnunauers. * Blickten wir über die letzten zehn Tage. Herr Brück» »er, bisher Konig in Rübezahls Reich, sitzt auf Befehl seines„Führers" unter dem Verdacht des Hochverrats im Gefängnis.„Um uns breitet sich der Schatten herber Ent- täuschungen und tragischer Menschenschicksale": so schreibt Brückners Ersatzmann, der westfälische Gauleiter Wagner, in einem Aufruf an die Bevölkerung Schlesiens. Das von Brückner gegründete schiesische Naziblatt fügt hinzu, der Führer habe gesprochen, und ein Nationalsozialist frage nicht nach den Gründen. Aber wichtiger war GottfriedFeders Entfernung. Wir müssen an eine Episode erinnern, aus einer Zeit, als er noch im vollen Glänze des theoretischen Pioniers redend und schreibend für die große Sache des National- sozialismus warb. Es war im Jahre 1831. Der Deutsche Rundfunk war damals so liberalistisch verseucht, daß er in Zwiegesprächen politische Gegner vor das Mikrofon brachte. Da gab es einmal eine Unterhaltung zwischen dem sozialdemokratischen Hochschullehrer Professor Erik Nölting und Gottfried Feder, und Millionen hörten böchst interessiert zu. Feder, sprachlich unbeholfen und sektierc- risch an seine Formeln verhaftet, hat damals nicht sehr gut abgeschnitten. Aber man hörte doch die verbissene Stimme eines Mannes, der an seine Sache fanatisch glaubte. Als „der Führer" endlich alle Macht besaß, setzte er seinen früheren Instrukteur in Volkswirtschaft mit niedrigster Parteinummer auf immer einflußlosere Posten, um schließ- Iich von ihm und von der zu brechenden Zinsknechtschaft gänzlich Abschied zu nehmen. Weniger erregend war die Kaltstellung^>es bisherigen Rcichsi'islizkommissars Tr F r a n k. Er hat die große Gleichschaltung der deutschen Juristen exekutiert, ohne Skrupel und besessen ehrgeizig, im Mark demoralisiert und befleckt durch befohlene Morde. Dieser uniformierte frühere Münchener Rechtsanwalt feisten Gesichts hat vor deutschen Rechtslehrern und deutschen Richtern Sätze prägen dürfen, die noch in fernen Zeiten eine Schande für die deutsche Rechtspflege sein werden. Jetzt hat sich die alte Iustizbürokratie wieder etwas stabilisiert. Sie hat durchgesetzt, daß sie beim treuen Dienst am totalen Staat von diesem„Führer" mit hem leichten Wildgeruch nicht mehr kommandiert wird. Frank ist noch Ehrenvorsitzender der„Gesellschaft für deutsches Recht" geblieben, ein ein- flußloser Posten von verschlissenem Glänze. Gleichzeitig aber vollzieht sich in noch höheren Regionen der braunen Apparatur ein heftiger Machtkampf neben dem anderen. Man weiß, daß es zwischen Göring und Goebbels nicht zum besten bestellt ist. In ihren erlesenen Spezialzirkeln pflegen die Herren übereinander Worte zu prägen, die der liebenden Kameradschaftlichkeit sehr ent- behren. Aber auch zwischen Goebbels und Rosen- berg ist jetzt in aller Oeffentlichkeit ein scharfer Rivali- tätssireit entbrannt. Der bisherige Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Moreller. wurde von Goebb"'s plötzlich mit der Ueberwachung der künstlerisch-kulturel' n Entwicklung der NSDAP, betraut. Diese Ernennung ist ein offener Affront gegen Alfred Rosenberg, den Kultur- politischen Diktator durch Adolf Hitlers Auftrag. Rosen- berg Hot als Leiter des außenpolitischen Amts der Partei in den letzten Monaten ledr viel an Einfluß verloren, be- Hitler verleugne!„nein Kampf" Der Führer and Reichskanzler Segen sein Kietz- und Sdiondhudi sonders seit Ribbentrops Missionsreisen. Um so heftiger hat er sicteMM^uuf Wettanschauung und Kulturpolitik gestürzt, W, vxnigjtens hier Herr und Meister zu. bleiben. Nun ciiHr Utrjeut Goebbels unter seinen Propaganda- ressorts aKz Ke Sparte„Kunst" und hält dauernd ethisch- äslhetischeMxden^za denen er nach Rosenbergs Meinung nicht gefugt ist. Im Besitz seines Monopolanspruchs schrieb Rosenberg in diesen Tagen etwas erregt im„Völkischen Beobachter", datz ihm und sonst keinem andern der Führer den Auftrag gegeben habe, die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der Bewegung zu über- machen. Fn^yi letzten Monaten streckten jedoch„aus- gezeichnete PaZtsejgenossen". die auf ihren Gebieten außerordentrwis tüchtig seien, ihre Hand nach Kultur- gestaltung aus. Kurz, es müsse, so schreibt Rosenberg, „ein Riegel all denen Bestrebungen vorgeschoben werden, die Arbeilen für Organisation, Politik, Sozialfragen, Propaganda ohne weiteres gleichsetzen mit dem Anspruch, auf dem Gebiet Her Kultur und Wissenschaft mitzubestimmen". Er. Rosenberg, habe ein besonderes„Amt für Kunstpflege", ex habe die RS.-KuIturgemeinde gegründet, zuständig für.Kultstätten. Things, Drama und Film. Diese ganze Arbeit. so fügt er murrend hinzu,„kann nur ge- leistet werden, wenn nicht von Persönlichkeiten, die sich bisher mit nationalsozialistischer Kultur und Kunst nur wenig odtti gar nicht befaßt haben, das positive Weiter- arbeiten erschwert wird". Man sieht: die beiden Kulturmenschen Rosenberg und Goebbels streifen sich bereits vor allem Volke die Bermel hoch. Das hindert sie allerdings nicht, gelegentlich ganz einig zu sein. In der Verdammnis Hindemiths und Furt- wänglers bezeugen sie die gleiche Enge der Hirne, dieselbe Geistseindilchkeit und Fremdheit vor dem Urgesetz der künstlerischen Schöpfung, die immer nur atmen und wirken konnte in der Auseinandersetzung mit den über- kommenen Kräften und Ideen. * In der Wirtschaft, in der Kirche, in der Kunst: es ist ein unübersichtliches Kommen und Gehen, von Abdankungen und Ernennungen, deren Begründung die Wahrheit vor der deutschen Öffentlichkeit verschleiert. Ein Minister intrigiert gegen den andern, hinter jedem stehen die lauernden Nutznießer und warten auf den Sturz. Hitler, der den Frieden mit Reichswehr und Hochkapitalismus endlich in der höheren Sphäre der Volksgemeinschaft stabilisieren will, wird immer revolutionärer im Kampf gegen die Widerspenstigen im eigenen Lager. Die ersten zwei der tausend Jahre des„dritten Reiches" mustern eine lange Strecke von Gefallenen und Geopferten. Ach. sie hatten für sich wenigstens die Sonne von Dezennien erwartet! Man hat dem parlamentarischen Regime oft nachgesagt, daß es so viele Menschen verbrauche, durch den Sturz von Kabinetten, durch Veränderung der politischen Macht- Verhältnisse. Aber die Politik nach demokratischen Maxi- men pflegt ihre Gefallenen wieder in ihre Parteien zurück- zuschicken Meist kehren sie eines Tages reisiger wieder. Vor dem Bronzefelsen des totalen Staates kennt- man solch korrupte Lebensformen der politischen Humanität nicht. Wer hier stolpert, steht nie mehr aus: er trägt das Kainsmal des Partei- und Staatsverrats. Im„dritten Reich" gibt es nur drei Varianten für Männer, die verjüngen und vertan haben: die Absetzung, die Aechtung, den Mord.„Nur nicht drängeln, es kommt jeder dran", wie Goebbels in der vergangenen Woche in der Dortmunder Westfalenhalle sagte. * Die vergiftete Atmosphäre Ohrenbläser, Denunzianten, zersetzende Kreaturen Der Senator für Inneres und Justiz in Bremen, fast in einer Verlautbarung u. a.:„Es Haufen sich in letztn Zeit wiederum die Falle, in denen Beamte und Angestellte, insbesondere meiner Behörde, die etwa drei-Viertel der bremischen Beamten- nnd Staatsan- gestellten umfastt, angegriffen und in ihrer Ehre verletzt werden. ES darf als bekannt vorausgesetzt werden, dah das Gefetz zur Wiederberstellung des Berussbeamtentums hier in Bremen mit besonderer Schärfe durchgeführt morden ist und daß diese Aktion nunmehr grundsätzlich abgeschloffen ist. Es geht deshalb nicht an, daß Beamte und Angestellte heute immer noch verfolg» werden, weil sie vor dem Umbtsttch nicht der nationalsozialistischen Bewegung beigetreten sind. Im übrigen wird durch immer wieder- kehrende OH^diiVläsereien und Abschießen vergifteter Pfeile aus dem Hinterhalt bei Parteidienststellen und in der OesfentlichsM" eine Atmosphäre des Mißtrauens geschaffen, die ein ersprießliches Ar-, b e i t e n dg« Behörden einfach in Frage stellt und die ArbeittU'teudigkeil der Beamten in außerordentlich un- gunstigem'Maße beeinflußt. Die letzte» Ereignisse haben gezeigt. daß^Kfesk üblen Denunzianten selbst vor den h ö ch, st t»Persönlichkeiten des Staate« und de r Bewegung nicht haltmachen, und ich werde es deshalb in nächster Zeit als meine besondere Aufgabe ansehen, daß diese zerfetzend wirkenden Kreaturen, die ganz klar erkenntlich nur das Interesse haben, den nationalfozichläßzfchen Staat in feiner Ausbauarbeit zu stören, zuLÄtechenschast gezogen werden." Der zndftliaossfaal irn e vor Gericht Wuppertal, 17 Dezember. Ter Ttrasstüas des Sondergericht» in Hamm hat im SchwurgerichtS'aal des Wuppertaler Landgerichts gegen 4» ehemalige Anhänger der KPD. verhandelt. Sl aus Remscheid und 6 auS Hückeswagen. Sic waren der Vorbereitung des Hochverrats, des Vergehens gegen da« Schußwasfengesetz und da» Sprengstofsgesetz angeklagt. 85 Angeklagte wurden zu Freiheitsstrafen von 1 l U Jahr Gefängnis bis zu 2'i« Jahren Zuchthaus verurteilt. Insgesamt wurden aus it Jahr« und 8 Monate Zuchthaus und aus»8 Jahr« und 7 Monate Gefängnis erkannt. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen, gegen drei wurde das Verfahren eingestellt. Paris, 16. Dezember. lJnpreß.f Der französische Deputierte Jean Goy, der bereits in meh- reren Provinzstädten über seinen Besuch bei Hitler sprach, hat in einer gestern im Pariser Theatre de la Madeleine gehaltenen Rede eine Enthüllung gemacht, die ein sensatio- nettes Schlaglicht auf die Schwierigkeiten wirft, in denen das „dritte Reich" sich gegenwärtig befindet. Äoys Mitteilung besagt, daß führende nationalsozialistifche Kreise Schritte unternommen haben, um aus der„Bibel des National- sozialismus", dem Buche Hitlerö„Mein Kampf* fundamentale Stellen herauszubrechen. Er wies einen Brief des bekannten Oberlinbober, datiert vom 7. Dezember, vor, in dem ihm dieser Hitleragent mitteilte, daß Heß uud Ribbentropp Hitler vorgeschlagen habe», „Mein Kamps" neu herauszugeben und in der Neuauflage die gegen Frankreich gerichteten Passagen, diese oft zitierten infernalischen Haßansbriiche. zu unterdrücke». Wie^die Agentur„Inpreß" dazu weiter erfährt, soll es bei der Streichung der Frankreich feindlichen Stellen nicht bleiben. Heß und Ribbentrop haben Hitler außerdem vorgeschlagen, zu dieser Neuauflage ein besonderes Borwort zu schreiben, das zu der Entstehung dieser„Bibel" Stellung nimmt. Im übrigen ist es bemerkenswert, daß beide nicht aus eigener Initiative handeln, sondern ihren Vorschlag im engsten Einvernehmen mit führenden schiverindustriellen Kreisen überbracht haben. Der Zweck dieses Autodafes ist klar. Das uationalfoziali- stifche Deutschland befindet sich in katastrophalster und aus- weglosester Lage. ES muß und es will die außenpolitische Isolierung sprengen. Um das zu erreichen, greift es zur „Selbstverbrennung", die Vertrauen schaffen soll und in Wahrheit nur eine scheinbare Kapitulation ist. Denn was ein Wort Hitlers wert ist hat Von mit der Wiedergabe von Aeußerungen Hitlers bewiesen, die der„Reichsführer" bei kiii neuer Kammersteg riandins Paris, 17. Dezember. lVon unserem Korrespondenten! Wieder hat Ministerpräsident Flaiidin einen Sieg in der Kammer davongetragen. Mit großer Mehrheit hat diese das von der Regierung eingebrachte W e i n g e i e y angenommen, wie sie sich auch schon vor einigen Tagen für das Getreide- gefetz entschied Man hat nicht de» Eindruck, als ob die Regierung in nächster Zeit mit besonders viel Schwierig- keilen zu kämpfen haben wird. Die kommende Woche bringt die Beratungen über die 8 0 0- M i l l i o» e n f o r d e r v n g für H e e r e s z w e ck e. Wohl werden lebhafte Debatten im Parlament der Regierung klar machen, daß weile Kreise des französischen Volkes zumal in der jetzigen Krisenzeit, an einer Aufrüstung nicht interessiert seien. Selbstverständlich werden die Kommunisten gegen den RegietungSeiitwurf stimmen. Die Haltung der Sozialisten steht noch nicht fest, da, wie wir an anderer Stelle mitteilen, innerhalb der sozialistischen Kammerfraktio» die Beratungen in dieser Frage noch nicht abgeschlossen sind. Es ist aber zu- mindest mit einer Stimmenthaltung der Sozialisten zu rech- nen, die angesichts der hitlerdeuifchen Ausrüstung kaum geschlossen für eine Ablehnung der zusätzlichen Heereskredite zu haben sein werden. Tie Debatte in der Rammer wird auch den einzelnen Rednern Gelegenheit geben, auf die„Friedens- angebote" Hitler zurückzukommen. Flau merk! die Abstdit... „Sorgen" um die französischen Sozialisten Paris, 17. Dezember. lVou unserem Korrespondentens Durch die bürgerliche französische Presse geht die Meinung, daß es innerhalb der sozialistischen Partei kriselt. In dieser Woche steht in der Kammer eine Nachsorderung der Regie- rung in Höhe von 800 Millionen Franken für den Haushalt des Kriegsministeriums zur Debatte. Die Summe soll zur Beschaffung von Heeresmaterial dienen. Nach ihrer grund- sätzlichen pazifistischen Einstellung sind natürlich die Sozia- liste» wenig geneigt, dieser Forderung zuzustimmen, aber vor allein die in den Grenzöeparlenienls im Osten, in Elsaß- Lothringen gewählten sozialistischen Abgeordneten vertreten im Gegensatz hierzu die Auffassung, daß die von der Regie- rung geforderten Mittel nur zu Verteidigungszwecken ge- fordert würden und deshalb auch von den Sozialisten be- willigt werden müßten. Ten grundsätzlichen sozialistische» Standpunkt vertritt vor allem der Parteivorsitzende Leon Blum, während aus der anderen Seite der Abgeordnete Froßard steht. Tie Kam- mersrakiion hat sich nun in eingehender Debatte mit dieser Frage besaßt und eine aus je drei Vertretern der beiden Auffassungen bestehende Kommission gewählt, die sich mit dem Studium der zur Diskussion stehenden Frage beschäftigen und eine einheitliche Stellungnahme der sozialistische» Kammer- sraktion vorbereiten soll. Besonders die Rechtspresse ha» nun daS Gerücht verbreitet, als stehe die sozialistische Partei vor einer neuen Spaltung. Die sozialistische Kammersraktion wendet sich nun in einer Erklärung gegen diele haltlosen Gerüchte, und im„Populaire" rät Leon Blum seinen journalistische» Kollegen, in Zukunft Miß rauen gegenüber Informatoren zu bekunden, die ihnen erlogene und alberne Geschichten austischen. «ann Kamms Laval nadi Rom? Rom, 17. Dezember. Hier zeigt man sich außerordentlich besorgt über die Ver- zögerung der Reise LavalS. In einem Leitartikel besaßt sich nun die„Tribunal" mit diesen Sorgen, wobei sie sich bemüht, die Ungeduld der öffentlichen Meinung zu beruhigen. Es ist klar, so sagt daS Blatt, daß der Besuch im richtigen Augenblick stattfinden wird und daß die Kommentare der Zeitungen, anstatt ihn beschleunige», ihn nur bemmen kvn- nen. Wenn eS zwei Nachbarhauptstüdte gibt, die durch SuxuS- züge in direkter Verbindung zueinander stehen, so sind daS wohl Paris und Rom; denn die Geografie kennt keine andere Grenze, die sie trennt, al» die Alpen Der Moitteenis Tunnel ist einer der ersten Beweise der Freundschait der Völker gewesen. So werden, auch wenn Laval nicht an» dem Lusttvege noch Rom komme weniger als 24 Stunden genüge», niil Einschluß einer Nacht, die ihm erlaubt zu ruhen und, wie man sagt, zu überlegen. der angeblich aufrichtig geführten Aussprache zwischen ihm »nd den französischen Frontkämpfern gemacht hat. Gon teilt in seiner Rede mit, Hiller habe ihm über die Entstehnngs- geschichle des Buches„Mein Kamps" gesagt, es fei bei der damaligen Lage Deutschlands nicht ver- wunderlich gewesen, daß er„übertrieben" sex-xerer) habe. Obwohl also Hitler wußte, daß das, was er in seinem Manuskript ichrieb, der erakten, selbst subjektiven Wahrheit nicht entsprach, hat er es nicht nur veröffentlicht, hat er nicht nur vor feinem Machtantritt in Hunderttausenden von Exemplaren des Buches Teutschland mit einer unwahren Darstellung der Lage überschwemmt— er hat auch nach dem 80. Januar 1083 alles gebilligt und gutgeheißen, wenn nicht angeregt oder beföhlen, was in einer ungeheuren partci- amtlichen Propaganda neue Millionenanttagen sichern sollte »nd gesichert ha:. Der Wert eines Hitlenvortes ist allein dadurch gekennzeichnet. Was aber bedeutet im übrigen die Unterdrückung einiger Stellen? Haß atme! das ganze Buch.„Allmächtiger Gott, segne dereinst unsere Waisen!"— das ist der Schrei Hitlers, der bleibt. Gegen wen diese Watten sich richten werden, wird nicht dadurch bestimmt, daß Hitler ein paar Seiten aus seinen Haßgesängen herausnimmt. Mit den Worten„übertrieben" umschreibt Hitler zart die Tatsache, daß seine Schreiberei und Rederei anderthalb Jahr- zehnte lang tief verlogen war und er mit einer demagogischen Hetzerei ohne Gleichen sich in die Macht geschwungen hat. Was er setzt tut, ist alles Verrat an seiner außen- und innen- politischen Programmsätzen. geschieht lediglich, um sich persön- lief» an der Macht zu halten. Die Welt hat sich zu fragen, ivas Beteuerungen eines solchen Mannes für einen Wert haben. Uebrigens bleibt auch»och die Frage, ob Hitler die Mit- lionen Reichsmark Tantiemen, die er mit seinen„lieber- treibungen" verdient hat, zurückgeben wird. Ble Bedeutend der jüngsten Budapesfer Begegnung Paris, 17. Dezember. (Bon unserem Korrespondentens Ter österreichische Bundeskanzler S ch u s ch» i g g und der österreichische Außenminister B e r g e r- W a l d e n e g g haben am Sonnabend Budapest wieder verlassen, nachdem sie reichlich Gelegenheit gehabt hatten, mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös nicht nur die Fragen zu be- sprechen, die allein Oesterreich und Ungarn berühren, sondern auch die gesamte europäische Lage zu betrachten. Tie Be- sprechungen sind in engster Fühlungnahme mit Italien vor sich gegangen, und es ist kein Geheimnis, daß sie im Zu- ianimenhang mit den Berstandigungsverhandluiige» zwischen Rom und Paris standen. In hiesige» politische» Kreisen hat man die Budapester Begegnung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Man ist auch über ihren Verlans sehr gut orientiert, und man weiß, daß Mussolini die größten Anstrengungen macht, um einer- seits Ungarns Mißtrauen gegenüber Italiens Politik zu beseitigen, andererseits Ungarn in eine Konstellation einzude- ziehen, die letzten Endes nichts anderes bedeutet, als die Be- sriedung des DvnaurauineS. Es ist klar, daß dieses Ziel in Budapest am Freitag und Sonnabend noch nicht erreicht ivurde, aber die aus der ungarischen Hauptstadt, ebenso wie au« Rom hierher gelangten Meldungen, lassen doch deutlich erkennen, daß ei» wichtiger Schmitt aus dem Wege gemacht worden ist, an dessen Ende die sranzösilch-italienttche Entente und die Verständigung Italiens mit der Kleine» und der Baltanentente als lohnendes Ziel steht. Krieg der Alten Schonung der düngen Der Präsident des Instituts englischer Chemiker, Herbert L e v i n st e i Ii, schlug in einer Rede in Bristol vor, da« militärdienstpflichtige Alter hinauszusetzen und die englische Armee nur noch aus Soldaten zu bilden, die min- destens 40 Jahre alt sind Er begründete diesen Vorschlag damit, daß die von der Wissenschaft und Technik erzielt£ Fortschritte Männern mittleren Alters das Kriegshandwe> weitaus leichter gemacht hätten, als dies noch 1014 der Fat. war. Verluste der jüngsten wehrfähigen Jahrgänge seien biologisch viel schwerer zu ertragen, als verhältnismäßig gleich große Verluste von Männern mittleren Aller». Wenn die Verwendung junger Leute im Kriege verbot-n iväre, ähnlich wie man bereits die Jugendarbeit an be- stimmte Voraussetzungen geknüpft bzw. in bestimmten In- dnstrien untersagt habe, ivürde der Rasse ein wichtiger Dienst geleistet Es sei auch nicht einzusehen, so meinte der Redner, was die Staaten an militärischer Stärke verliere» würden, wenn die Dienstzeit erst mit 40 Jahren beginne. Es würde ans alle Parlamente zweifellos eine wohltuende Mäßigung ausüben, wenn gerade die Jahrgänge von über 40 Jahren zuerst zu den Wasfen geruse» würden. Die Jüngeren könn- ten im Kriege die Uoittrolle der Etappe übernehmen, wach- rend die«eiteren an die gefährlichsten Punkte zu schicke» wären. Bierzigiährige seien ebenso inißande, Tanks zu steuern wie Zwanzigjährige Die ältesten Jahrgänge müßte» in die schnellsten motorisierten Einheiten gesteckt werden und die Stoßtrupps der Armee bilden. Keine Maßnahme sei lo sehr geeignet, den Krieg zu verhüten, wie die Hinaufsetzung des Militärdienstalters— das wenigstens.ist die Ansicht des Vortragende», der offenbar davon ausgeht daß diele Aelteren mehr oder weniger den Beschluß über Krieg und Frieden jeweils zu fassen haben. Flauer und Kodi Der Reichsbischof verliert London, it. Dezember. Der Reichsbischos Müller hat. wie der Berliner Korrespondent der„Times" berichtet, eine neue Niederlage vor dem deutschen Gericht zu verzeichne». Der Führer der Bekenntnis« krtche, Dr. K o ch, ivar von Müller vom Amt suspendiert wvr- de», und hat jetzt, ohne daß die Suspension rückgängig gemacht worden war. icin Amt wieder übernommen. Dr. Koch hat Müller aus Zahlung keiner Bezüge während der Anttseut- Hebung verklagt und den Proz-H zu seine» Gunsten ge- wonnen. Das Gericht hat. wie schon mehrfach, erkannt, daß die Aktion de« sogenannte» Reichsbischoss jeder recht- lichen Grundlage entbehrt. r» rtrj t\ j* m£.t|J tp nt f (I i Znö"'S. 9* w poutuK ns >>»»fhihinfblnti Freie Gewerkschaften für Status M Geheimnisvolle Friedhöfe Für die Opfer des 30. Juni Seit einigen Wochen entstehen im Laargebiet nächtlich geheimnisvoll Friedhöfe. Arbeiter, die zur Schicht gehen, sehen in der Morgen- dämmerung plötzlich auf einer Wiese, in einem Waldstück, auf einer Lichtung Reihen von schmucklosen, weißen Kreuzen, ganz ähnlich denen, die man von den Ehrenfriedhösen für gefallene Soldaten des Weltkriege? her kennt. Am Abend vorher war die Stätte noch leer. Der Gottesacker muß erst in der vergangenen Nacht angelegt worden sein. Neugierig tritt man näher und sieht ein Hobes, massiv und schmucklos gezimmertes Kreuz mit der Inschrift„Den 1184 Opfern des 80. Juni". In einer Reihe damit zwei kleinere Kreuze mit den Namen Klausener und Probst. Dahinter in langen Reihen kleinere weiße Kreuze mit den Namen vieler anderer Opfer des nationalsozialistischen Mordsestes, von Gregor Straßer bis Schleicher, von Kahr bis Bredow. Man begreift nun, daß Freunde der Gerechtigkeit und der Freiheit die Kreuze errichtet habe», damit das Bolk an der Saar die Ermordeten des AI. Juni nicht vergesse und erst recht nicht ihre Mörder, die einen Tag der Schand« und de? Verrats, ihrer Schmach und ihres Treubruchs in die Blätter der deutschen Geschichte schrieben. Die Arbeiter tragen die Kunde von dem neuen Friedhof in die Gruben und in die Eisenhütten, in die Dörfer und die Städte der Jndustrietäler. Eine Massenivanderung setzt ein. Männer und Frauen und Kinder strömen an die Gcdächtnisstättc und erinnern sich gegenseitig an die vielen grausigen Untaten im„dritten Reich" drüben und an die hochgestellten Schuldigen, die sie aus dem Gewissen haben. Da steht aus den Kreuzen kein Name, der nicht urkundlich Zeugnis ablegte für einen gemeinen Meuchelmord und gegen blutbesudelte Mörder. Es sind leider Greuel der Tat, die da in der Erinnerung aller aufivachten, und nicht ein einziges Greuel des Märchens. Die Menschen vor den Kreuzen im winterlichen Boden sprechen gedämpft von dem, was in unser aller gemeinsamen Baterlande seit dem 80. Januar 1038 geschieht und ausgetilgt hat, was bis dahin in unserem Volke bei aller notwendigen Kritik an der Justiz Recht und Gesetz gewesen ist. Man erinnert sich vor diesem Friedhos an die Dämonen der Rache und des Unfriedens, die durch Deutschland rasen, an ihre i Folterkeller in braunen Häusern, an ihre qualvollen Kon- zenträtionslager, an die taufende unschuldig Eingekerkerten, an die ans"der Flucht Erschossenen, an die Beraubten und die Bestohlcncn, an die Geiseln, an die vielen Ermordeten, deren Gräber noch unbekannt sind. Man denkt auch an den Obersten Gerichtsherrn, der das alles durch absolutistische Kabinettssustiz und vor seinem stummen Bonzen- und Diäten-Reichstag für rechtens erklärt hat. Nie sah man jemanden, der vor diesen weißen Kreuzen aus eistem Friedhof für Ermordete die Hand erhoben hätte zum Gruße„Heil Hitler!" Die Kreuze stehen nur Stunden. Dann kommt hie Behörde und entfernt sie. Das muß wohl so sein, denn wo sollte es hinführen, ivenn überall im Taargebiet Kreuze für die Opfer des„dritten Reichs" aus dem Boden wüchsen? Das würden ja viele Friedhöfe von unabsehbarer Größe. Aber wenn auch die Kreuze geheimnisvollen Entstehens an einer Stelle verschwinden, in einer der nächsten langen Winternächte stehen sie in einem anderen Wicscngrundc wieder aus, und iviedcr wandern die Menschen aus den Tälern und von den waldigen Höhen, um die Kreuze zu sehen und die Namen der Opfer zu lesen. Christliche Grab- kreuze für die unter Hakenkreuz Erschlagenen! Wer errichtet nächtlich diese Friedhöfe, deren christlicher, deren katholischer Charakter unverkennbar ist? Sind es kirchentrcue und darum hitlerfeindlichc Katholiken? Ist es katholisches Jungvolk? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist die Erde mit den Kreuzen geweiht aus dem Willen, im Zeichen des Kreuzes die Wahr- hcit zu künden und festzuhalten, daß tausendfache Untaten noch der Sühne harren. Um Deutschlands willen! Saarländer im Reidi Gegängelt und betrogen Man schreibt uns aus der Pfalz: Es erscheint zweckmäßig, auch einmal auf die zahlreichen Besuche von Saarcinwohnern hinzuweisen, die dann im Saargebiet über die herrlichen Zu- stände im Reich berichten sollen. Man macht in der Pfalz den Witz, es sei jetzt die Anschaffung von Käfigen in Ans- ficht genommen, damit die Abschließung der Gäste aus dem Saargebiet noch besser möglich ist als jetzt. Tie armen Saar- (ander können sich nie ohne Begleitung bewegen und werden in raffinierter Weise über»dic wahren Verhältnisse getäuscht. Von den wirklichen Zuständen'köniren sie weder etwas sehen noch hören, denn auch die Unterbringung wird stets sehr sorgfältig vorgenommen und es wird sich ein Gastgeber hüten, diesen Gästen Vorträge über die Wirklichkeit zu halten. D'e EMre's«»erweWert Aus London wird berichtet, daß dem katholischen Priester P e t e r H e l f r r i ch. der in England an einer Sitzung des Ausschusses zur Unterstützung der Opfer des deutschen Faschismus teilnehmen wollte., die Landungserlaubnis ver- weigert wurde. Er wollte am Sonntag in Liverpool sprechen Am Sonntagnachmittag, unmittelbar nach der groß- artig verlaufenen Generalversammlung des Bcrbandcs der Bcrgbauindnstric-Arbcitcr, hielten die freie» Gc- werkschaften des Saargcbietes in Saarbrücken eine Kon- fercnz für ihre Funktionäre ab. In ihr sollte die cnd- gültige Stellungnahme zur Saarabstimmung erfolgen. Die Tagung nahm einen erhebenden Rcrlaus. Jeder ein- zelnc der ISO Delegierte» aus dem ganzen Saargcbict bekannte sich mit Freuden für die Parole des Allgc- meinen Deutschen Gcwerkschastsbundes für das Saar- gebiet, die nach de» trostlosen und barbarische« Wirt- schasts- und Rcchtszuständen in Hitlcr-Dcutschland nicht anders ausfallen konnte als für den vorläufigen Status quo! Diese Parole, die sicher den unverfälscht deutsch fühlenden Delegierten der freigewerkschaftlichen Arbeiterschaft nicht leicht gefallen ist. kam erst recht auf Grund der feierlichen Erklärungen vor dem Völkerbund zustande, nach denen der Status quo nur ein vorübergehender Zustand ist, der ohne weiteres abgeändert werden kann, wenn der Hitlerismus in Deutschland gestürzt ist und das Saar- volk dann einmütig die Rückkehr nach Deutschland vom Völkerbund fordert. Angesichts dieser unschätzbaren Mög- lichkeit haben die Delegierten der freien Gewerkschaften die Parole für den vorläufigen Status quo einzutreten mit stürmischer Freude und Begeisterung ausge- nommen. weil diese Rcglunq ihnen und Tausenden von Saarländern Gelegenheit gibt, sich gegen das verhaßte braune Snstcm im Reich auszusprechen, ohne dadurch ein für allemal einen Trennungsstrich zwischen dem Taargebiet und dem Mutterlande zu ziehen. * Von großer Bedeutung für die Einstellung der Tele- gierte» waren auch noch die packenden Ausführungen des Vorsitzenden der freien Gewerkschaften. Fritz D o b i s ch, der noch einmal den Standpunkt der sreigewerkschastlichen Arbeiterschaft des Saargebietes der Versammlung so klar- legte, wie er ihr durch die politische Ungeschicklichkeit und Brutalität und Gegensätzlichkeit des Nationalsozialismus aufgezwungen wurde. Eine wertvolle Ergänzung der Ausführungen des Vor- sitzenden waren die kurzen, aber prägnanten Erklärungen der einzelnen Verbandsvcrtrctcr. Erfüllt von Begeisterung für die gerechte, für die ehrlichere, für die menschenwürdigere Sache unterbauten sie mit ihrer Kennt- uis der Arbciterstimmung die Parole für den vorläufigen Status quo auf die mitreißendste Weise. Jede neue Zu- stimmung war ei» iveitcres Unterpfand für de« sicheren Sieg und wurde daher mit steigender Freude ausge- nommen. Ihre« Niederschlag fand die Meinung der Delegiertest der freien Gewerkschaften in einer, einhellig ange- nommenen- Saarbrücken werkschaften mung am 13. kl n: ^?>>n Entschließung,;! d!s in der es heißt:"',F Die am Sonntag, lk. Dezember M tagende Delegicrten-Konsercnz der frei des Saargebietes nimmt zur Bollsabf^ Januar 1935 folgende Stellung cin:^ In der Schicksalsstundc des SaiargMetes betone» Führer und Mitglieder der freien Ge«c^ksihas,cn, daß sie getreu ihrer vielfältigen Verbundenheit Ulke dem deutschen Mutterlandc in den hinter ihnen liegende« 13 Jahren de» deutschen Belangen gedient und sie in jeder Weise vertreten und geschützt haben. Gleich den andern.Volksgenossen er- sehnten sie den Tag der WicdcrvcrciniguM, an dem damit ein entscheidende» Stück des Vertrages von Versailles sein Ende gefunden hätte. Aber das Deutschland der Gleichheit, des Rechts und der Freiheit ist nicht mehr. Die kurze Zeitspanne einer zweijährige,, nationalsozialistischen Machtherrschast haben genügt, das deutsche Volk aller Frei- heitc» zu berauben, die es sich als einziges Gut aus den Schrecknissen des Krieges erkämpft und erhalten hat. Mit ganz besonderem Fanatismus wurden die Gewerkschaften zerstört und dem Arbeiter jenes Gut aus den Hände,« gc- nommen, mit deren Hilfe sie sich in Jahrzehnte langem Ringen ein menschenwürdiges Dasein erkämpften. Statt Freiheit, wie es dem Volke versprochen, ist unterschicdlos aus allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens Unter- drückung und Unfreiheit getreten. Vor dieser Unfreiheit mit ihre,, grausame» Vegleit- crschcinungen— der Konzentrationslager, der Versal- gung und Einkerkerung wehrloser, nur ihrem sozialistischen Glauben treu gebliebener Menschen— wollen die Versammelten ihre Heimat bewahren. Nachdem der Völker- bundsrat klar und unmißverständlich zun, Ausdruck gc- bracht hat, daß das souveräne Saarvolk zu einem späteren Zeitpunkt seine staatliche Orb- nung erneut ändern könne, empfehlen wir allen unscrn Mitgliedern. sich am 13. Januar 103 3 für den Status quo zu ent- scheiden. Wir erklären, nns wie bisher unbeirrt für die Erhal- tun« von Sprache, Sitte und Kultur unserer Väter ein- zusetzen. Wir wollen eintreten für Frieden und Völker- Verständigung, gleichzeitig aber auch für die Interessen und Lebcnsmöglichkeitc,, der Saarbevölkcrung. Die Delegierten richten daher a« die gesamte Arbeiter- und Apgestelltensckast den glühenden Appell, am 13. Januar 1935 mit ihrer Stimme sllr die Freiheit der Saarheimat einzutreten. Wir dienen damit dem Vaterland und der freigcwerkschaftllch-sozialistischcn Ehre. Alles für Teutichiand ncgcu die Barbarei und die Un- kultur des Nationalsozialismus! Einigung und Einheit der Bergleute D!e BergarbeKerverbände geschlossen Iflr den Sialns quo Tie Einheitsfront der Bergarbeiter im Verband der Bergbnuindustriearbeiter ist durch die Vereinigung mit dem Einheitsverband der Bergarbeiter Tatsache geworden. Die Delegierten des Verbandes haben gestern vormittag mit Beifall die Vorarbeiten begrüßt und dann freudig einstimmig den Vereinbarungen zugestimmt. Es gibt von jetzt ab im Saarbergbau als gewerkschaftliche Organisation der Bergarbeiter nur noch den freien Bergarbeiterverband. Der christliche Gewerkvercin ist nicht mehr als Gewcrk- schaflsorganisation anzusprechen, da er hundertprozentig in die Lev-Organisation zum Vorteil des Unternehmer- tums eingeordnet ist. Dieses wird Ansporn für die Berg- arbeitcr sein, nun ihre Massenorganisation durch Gewin- nung neuer Mitglieder noch stärker zu einem Machtsaktor im Saarbergbau auszubauen. Mit dem Beschluß der Generalversammlung der freien Bergarbeiter ist im Saargebiet die gewerkschaftliche Ein- hcitssront(nachdem die Verkehrsarbeitcr, Bauarbeiter usw. die Einheit schon vor einiger Zeit hergestellt hatten» auf der ganzen Linie vollendet. In zweistündigen Ausführungen beschäftigte sich S ch w a r z eingehend mit der durch das Hitler-System im Reiche und an der Saar geschaffenen Situation. Unter dem Beifall der Versammelten geißelte Schwarz das durch Verbrechen aufgerichtete und durch schlimmsten Terror sich noch hat- tendc braune Regime. Von der Saar muß Hitler fern- gehalten werden. Freiheit. Recht und Leben der Menschen müssen gesichert werden. Darum gibt es jetzt, nachdem vom Völkerbund die zweite Abstimmung gesichert ist, nur die eine Möglichkeit der Entscheidung: Der Saarbcrgarbeitcr stimmt am 13. Januar für Status quo! In der einstimmig angenommenen Entschließung heißt es: Die Delegierte« des Verbandes wollen ihre Heimat, das Saargebiet, von Konzentrationslagern, der Unfrei- he», und der menschliche» Unkultur, des Rassen- und Völkerhasses und vo„ dem früheren Stumm-Hilger- System freihalten. Sie wollen ihre deutsche Sprache, Sitte und Knltur verteidigen. Sie wollen ihre Heimat deutsch und der wahre,, Volksgemeinschaft erhalten. Die Saarbcrgarbeitcr diene» dem Frieden, der Ver- ständigung, der Freiheit, den wirtschaftliche« Interessen, de» Lebensmöglichkeitcn für ihre Familien sowie ihrem Deutschtum am besten, wen» sie sich für die vorläufige Beibehaltung des gegenwärtige« Regimes, genannt „Status quo" entscheiden. Diese Entscheidung fällt uns um so leichter, da der Rölkerbundsrat die Mitbestimmung der Bevölkerung und den späteren Wunsch i« eiu freies Deutschland zurückzu- kehre» feierlich zugesichert hat. Die Renten und Pensionen find garantiert! Die Garantie wurde vom Bölkerbundsrat erneut bestätigt. Die Delegierten der GeneralverfginqZjtng beschließen ans obige» Gründen, am 13. Janüllf^lIÄ im Interesse der Deutscherhaltuug und der Zukunft ihrer Saarheimat fich vorübergehend für da» freie deutscht'"Saargebiet zn entscheiden. n* Der Kongreß der Saarjugend In Saarbrücken fand der Kongreß der Saarjugend statt. Der Saal des Deutschen Hauses in Burbachnvar bis au» den letzten Platz gestillt und es nahmen an d««n Kongreß rund 0.30 Delegierte der Saarjugend teil. J«/.der> Versammlung herrschte eine prächtige Kampfstimmung sind wiederholt klangen die Kampflieder der Jungproldtetz. Der Kongreß gedachte der zahlreichen Opfer des HMer»asch>smus. Er wählte in sein Ehrenpräsidium Thälmati-N.' Mierendors, und Dimitross und gedachte d e s a ufi-GRrtlUtg S B e s e h l geköpften zw an zigjähr i gifc» I oil«» R e i 1 i it 9 e r, der nachgewiesenermaßen,> ,tz uü,sh,u l d i g zum Tode verurtcilt wurde..... Nach Erich We inert, der seine,^g»uvtgc dichte vorge- tragen hat, sprachen einige Jugendliche, uiid,staun die Führer der Einheitsfront Fritz Pfordt und Braun. Brau» betont, daß trotz des Lügengewebes,. SfiV die„deutsche Front" aus schlotternder Angst»nS'sr'birmlicher Feigheit um die Frage spinnen möchte, die Möglichkeit der zweite» Abstimmung und damit der späteren.-»wockktbr in ein freies Deutschland einwandfrei gegeben ist», Daß'.5er Beifallssturm gerade an dieser Stelle mit besonderer,.Wucht losbrach, bc- weist wieder, was eigentlich nicht itolweMa.MM, gegenüber der Diffamierung von feiten" der:,deunch'cv Front" aber immer wieder betont werden muß, daß die Saarjugend wie das gesamte Taarvolk deutsch ist. abeiö^ade, weil sie Deutschland liebt, gegen, ,Hnt>lsn Es meldeten sich zahlreiche Jugendliche, darunter,ehechnlige SA.-Leute, Deutschsrontler, ein früherer Scharführer, mehrere Mit- glieder der Hitlerjugend, ei» Mädel ans dem BdM., ein katholischer Student und einigeWählen. Sic alle HtWßl»dcr TAI. und zu kämpfen. IaJ lOV Ol* n bekundeten ihre E« tichlollen hei f.>ln KJB. für Deutschland gegen Hitler Miichi? Li» „Positives Christentum Warnung für Saarkatholiken Im Verlag I. B. Bachem, Köln, ij!'söM'tz eine neue Auf- läge(II. bis 13. Tausend» der„Faste-iprediglen im Hohen Tom zu Köln 1884 von P. Fritz Vormel.S.-J" herausge- kommen, betitelt. Christus und sein ÄejchFn der Kirche von heute. Dem Büchlein liegt ein grüne's Zes^el bei:„Die 3. Predigt fehlt in dieser Ausg a.vzt, da sie de- s ch I a g n a h m t i st. Ermäßigter Preis:^Get^itet RM. 0,90, Glanzlcinen RM. 1,30," Oer Ocotsdic VoSksbGRd marschiert! .""'ge,innide>c Deutsche BolkSbund für christlich- U wie Gemeinschaft hat die s^ront der Pirronesen durch- vochen und dringt systematisch im Saargebiet vor. Bezeichnend'»r den Erfolg des Deutschen BolksbnndeS für christlich- svziale Gemeinschait ist es. das, in den erste» Tagen seiner Gründung allein in Saarbrücken sillllii Einzcichnniige» vor- kienvinme» ivurden— ein enormer Eriolg,' wenn man de- denkt.^ wie ichr die Bevölkerung unter dem Terror der »beut,che,,^Iront" steht. Diesen Samstag hat der Bhlksbnnd in der ziveitgröfelcn Stadt im Saaraebict. in ülnmfirdi e n. eine Kundgebung abgehalten In der gulbc'iichtc» Veriammlunq sprachen die beiden Haiiptreferenten des Volksbnndes. die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Ä r i p ,, h n e n und m l>» ich Kuhnen beschäftigte sich insbesondere mii der pssenkundigen stifte der gleichgeschalteten Preise, die ihren Beiern immer 'vk der einzureden nerincht. dafe eine zweite Abitimniung nicht möglich»ei Gerade im Interesse einer ungeteilten Rückkehr des Saargcbietes nirt Mutterlaude müsse man beute iiir den Z^ätii" auo stimmen.»Später", riel Kuhnen ans,»wenn w-eber Rub- und Ordnung herrscht, werden wir alle aemein'am in nnier aeliebtes deutsche»» Saterland znrückkebren! Ich»»ehe au» dem Standnnnkt da« er. nicht nur unier Recht, sondern nniere heilige Pflicht ist. das drohende Unheil eines Hitlerreqiments von der Saar abzuwehren" Imbusch unterstrich ebenkalG die Möglichkeit der zweiten Abstimmung und setzte fich dann scharf mit den heutigen Machthaber» auseinander. Unter grobem Beifall der Bersamincltcn sagte er:„Wir sind nicht der Auffassung, dost ein Mensch diktiert und 65 Millionen sollen bedingungslos gehorchen." Imbusch stellte den so viel geschmähten vierzehn fahren die Miberiolge der Hitlerregiernng gegen- über, die es glücklich ioweit gebracht Hai. dab Deiiiichland auf der ganzen Welt keinen einzigen Freund mehr hat. Seine glänzende Rede schlafe Imbusch mit iolqcndcn Worten: »Wir verlangen ein Deutschland der Freiheit, ein Deutsch- land christlicher Kultur, ein Deutichland, jn dem wirt- ichaitlich vernünftig gehandelt wird! Wir wollen ei» soziale» Deutschland, ein Deutschland des Friedens, und iveil wie es wollen, deshalb lorgen wir dafür, dast das Saargebiet vorläufig selbständig bleibt! W>r wollen uns nicht einschüchtern lasten! An dem gleichen Abeixd«and in dem kleinen Orte Piesbach eine Kiindgebnna des Bvlksbundes statt, die. trog des Terrors der»deutschen Front". ,'ebr aut bc'iicht war. In der Beriammlnna sprach(she'redaktenr Ho>» man» von d e r..N c n e n S a a r- P o st", der u. a auch über das Ergebnis der Genfer Taanng und dann auch speziell über das Erbhofgesetz sowie ,„r F^gge der Sicherung dar Renten und Pensionen sprach. E-- schlflst M'l d-n Wa-ten: »Wir stimmen am 16>annar für Ebv'stns und Deutschland, gegen Hitler und das Neuheidcntnm'" Kampi zwlsdten einem englisdieo Polizeloflizier und Elniieimlsdien Amtlich Der Präsident der Regierungskommissivu teilt mit: .In der Zlachl vom 15. auf den 16. Dezember IM84 versuchte ein P o l i z c i- O t i i z i e r mit seinem Kranwagen in der Göbcnstrafee zu drehen und verletzte, als er bei dieser Gelegenheit mit dem Wagen aus de» BUrgersleig kam. eine dort stehende Person. Dies war der Anlast zu einer M e n i ck e n a n s a m m l ii n g. Tie Menge nahm gegen die Insassen des Wagens — es waren auber dem Polizei-Olfizicr noch zweit weitere Personen in dein Wagen— aus cineni bis jetzt noch nicht endgültig geklärten Grunde eine drohende Haltung ein. insbesondere gegen den Polizei-Okstzier Es kam zu einein H a„ d g e m e n g e. wobei in e h r c r t C 5- ch n s i e sielen, durch»velchc eine Person duich einen Bauchstreiischub verletzt wurde. Der Polizei-Offizier wurde durch Hiebe und Schläge ebenfalls verletzt und mutzte ins Krankenhaus gebracht iverden Die bisher getätigten Ermittlungen werden von der Polizei nach Abschlug dem zuständigen Gericht übergeben werden Die Polizei hat für die Behaut Meies Dalles die besondere Weisung erhalte» bei k Erhebungen»> i t aller Strenge vorzugehen und Veredlungen ohne An leben der Person»nnachsichtlich zu vcr'olgen. Bis zur endgültigen Klärung der Anaelegenbeit ist der Polizei- Ofstzicr seines A ni l e s enthoben worden. All^onaeuge Bon einem A n g c n z e» g cn ivird berichtet: Gegen S.tö Uhr am Toiintagmorgen tain ein Auto aus der Hohcnzollernstratze und bog in die Göbcnstrafee ei». Die Insassen des Wagens ivar u zivci Herren und eine Dame. Ter Wage» nahi» die Knrre zu kurz und fuhr mit dem rechte» Border-»iid Hinterrad aus den Bürgersteig Dabei wurde eine Iran angefahren. Der Wagen hielt Ein Herr stieg aus und ivolllc der ge'ahrenen als Schmerzensgeld"0 Franken anbieten zwischen hatten sich aus dem Vokal Eglin. Ecke Göben Hohenzollernstrasie. etwa 3" Personen angesammelt, riefen dem Planne zu, er solle das Geld unter keinen ständen annehmen. Es kam zu einer Auseinandersetzung. Der Mann war uichl abgencigt.'bas Geld anzunehmen, aber die Hin»gekommenen oerhinderten das. Einer der ans der Wirtschaft Ge- lammenen sprang au' das Trillbrc'.l des Wagens und vic'. »Kameraden, haltet Ruhe!" Daraus erklärte er dem Eng- lc.nder im Wagen°..Sic hören setzt ani mein Kommando!" Das verbal sich der Enaiänder Daran» riet der Wortführer: »Nr. dann macht, wh? ihr wollt." Das iv a r das ei c i ch c n zum Handgemenge. Der Engländer wurde z n l a i» m e n g e i cli l a g e n über d-n Boden geschleift. Er letzte sich zur Wehr und I cd o fe zweimal. Durch eine» Schub erhielt einer der Umstehen- de« eine I e! ch t e B a u ch v e r l c tz n n a IStrctf'thiifel Der zweite Schuh lrai nicht. Kurze Zeil später kam das UebcrfaU tvmmando. i-»' Die hlet?« Der stellvertretende Rietmann, begab stch iverdc»»nd Prüfung z» dem anwesende» stiininilnaskoiii minion. aut. An- In- lind 3ic Um Uhr nachts" Vandesleiter der»deutschen Front", am Sonntagmitlaa nach Bekannt des Zwischenfalles in Saarbrücken holländischen Mitglied der Ab- Herrn dc Iongh um gegen da-- undisziplinierte Verhalten des englischen Polizcioffiziers bei dem es sich wohlgemerkt nicht um eine» Angehörigen der in Anmarsch beiindlichcn Abstimuiungs-Polizcitruppe handelt.— schärfste Verwahrung einzulegen. Gleichzeitig verlangte Nielmann neben strengste Ahndung vor- beugende Masinahmen dafür, dafe die Bevölkerung in Zu- kiinst vor derartige,, Vorfällen bewahr« bleibt. Die„Deutsche Front" schimpft: Ter»Zwischenfall" ist s v n> p t o m a t i s ch für die Situation an der Saar niid unterstreicht wieder und d.eies Mal blutig—«vic dringend notwendig es ist. dafe d a s unwürdige Spiel an der Saar endlich zu Ende «übt. Ein englischer Polizeiossizier— er soll früher in Südafrika gewesen fein— der in einem rein deulichen Vand. gegen de» Willen der Bevölkerung als P o l i z eio i i i z> c r eingestellt wird, b c- trinkt sich, rast durch die Strafeen Saarbrückens oer- letz» eine schwangere Frau lebensgefährlich n id schiefst, als ihn die erregte Menge auffordert, bis zum Eintreiien der Polizei zu wart« n. l» l i n d iv nt i a- n m fich und vrrlrtzi eine wettere Perlon. Man stelle sich einmal Vor., das täte ein Dcuiicher in England! Man kann es sich aar nichl vorstellen, weil allein schon der Versuch es zn tun. einlach vichi gelingt.—• Wir können nn? höchstens vorstellen, dafe heute eine geiinnungsioie Separat.sten- Journaille sich au» dieses»Ereignis" stürzt, um es in üblicher Manier zu einer„Terroraktion der Deutschen Front" zu machen. Aber das ist nebensächlich Das Verhalte» des Betrunkene» ist einlach un- entschuldbar, schon deshalb, weil er sich hier in einem ihn persönlich aar nichts a n a e h e» d e n Ab- st i IN»I u Ii g s a e b i e> beiludet und als Engländer die verdammte Pilichl und Schnldigkeit bat. das Prestige seiner Ration w»n er ich»» einmal hier ist— durch inuster- halte Disziplin und Genilemaun-Verhaltc»» zu ivahren. Ein Automobilist Von ei:em unbeteiligten Automobilisten, der dem Austritt beiwohnte, wird uns ge chriebcn. dafe sich der Polizeioiiizier einwandsrei denrm neu habe Er habe fo• ort geHallen, habe sich nach dem Befinden der Verletzten erkundigt, habe Eul- schädignng angeboten und habe auch keinerlei Anstalten ge- »trosse», sich zu entfernen. Das Verhalten der Neugierigen habe sich erst gegen de» Offizier gerichtet, als Hinzukam- mende, die den Vorfall gar nicht erlebt hauen, ausgeregt-.uf den Offizier einredeten, so dafe dieser allmählich in Bedräng- nis geraten sei und sich bedroht suhlen konnte. Strengste Disziplin! Dafe der wüste und folgenschwere Zusammeuslofe sich gegen 3 Uhr früh ereignete, spricht für die Möglichkeit, dafe beide Parteien nicht mehr unbedingt nüchtern waren. Auch Mit- gliedcr der»deutschen Front", die sich um 9 Uhr früh noch in Vokalen oder ani der Sirafec befinden, dürften nicht nur Kaffee und Limonade getrunken habe» Polizeibeamte, zumal Offiziere und Ausländer, in einem mit soviel Explosionsstosfen geladenen Abstimmungsgebiet, haben aber wesentlich höhere Pflichten als Zuiallsvassante». Die deutsche Bevölkerung, ohne Unterschied der Richtung, mufe verlangen, dafe dieses nächtliche Drama nicht nur zu einer strengen Untersuchung und Bestrafung in dem Einzelfall sührl. sondern dafe die Regierunoskommisison und die Abstimmungskommission für strengste Disziplin der fremden Polizei und der anrückenden fremden Abstimmungstruppcn sorgen. Ein po'l'rsiicr üe&erlaU Zu einem weiteren politischen Zwischenfall kam es während der Nacht zum Sonntag im Stadtteil Burbach. In der Berg strafee wurden zwei Hitlergegner, die Arbeiter Bach und Trapp, gegen 2 Uhr nachts aus dem Heimwege durch eine Gruppe des sogenannten Ordnungsdienstes der deutschen Front überfallen. Die Dentichirontlcr schlugen mit Schlag- ringen und anderen Gegenständen ani die Ueberkallenen ei», so dafe dice schwere Kopiverlevungen davontrugen. Nach dieser„Heldentat" flüchteten die Täter und entkamen, ehe polizeiliche Hilfe zur Stelle war. Wie ivir hierzu au> Anträge bei der Polizei erfabren. ist an den Kopfverletzungen der Ueberfallcnen einwandfrei festgestellt worden, dafe die An- greiier zumindest mit Schlagen wn geichlagen haben müssen. Tie Ermittlungen»ach den Tätern waren bisher noch erfolglos. Teure niflersstmrnen Man schreibt uns aus dem Reiche: Iii einer norddeutschen Stadt wohnt ein Marxist, de? ivegen seiner Ueberzeugung viele Monate in Schutzhaft iafe. Er ist abstimmungsberechtigter Saarländer. Tic Orts- gruppe des„Bundes der Saardentschen" trat an ihn heran und»orderte ihn auf, unter allen Umständen zur Tc nähme an der Abstimmung t»s Saargcbiet zu reisen. . Gleichzeitig sicherte ihm der„Bund" freie Fahr« und Spesen für einen oicrzehntägigen Aufenthalt im Saargebiet zu. Als der Abstiuimuiigsbcrcchtigtc daraus hinivies, dafe ihm und seiner Familie für die Dauer seiner Reife das Lohu- einkommen ichlen würde, übernahm der„Bund" auch die Erstattung eines zweiwöchentlichen VoHnausialles. Ter Abstimmungsberechtigte hatte für die Reise aber keine ge- eignete Kleidung. Er machte den Bundesobmani, aus diesen Mangel aufmerksam. Der Obmann riet ihm, einen Antrag ani eine Beihilfe zur Beschaffung geeigneter Reisekleiduug zu stellen. Näch wenigen Tagen wurde ihm vom„Bunde" schriftlich mitgeteilt, dafe ihm ein weiterer erheblicher Be- trag zum Kleidungskause zur Verfügung gestellt werde. Teure Hitlerstimmeu am 13. Januar! Vorausgesetzt, dafe sie überhaupt für Hitler abgegeben werden! Saarländer aus Nordamerika Heute verlassen rund 300, in Neuyork lebende, frühere Saarländer Amerika, um ani de»„Bremen" nach Teuiich- land gebracht zu werden und von dort ins Saargcbiei weiter zu reife». Nach Erklärungen des deutschen Konsuls in Neuyork, Dr. Borchers, entstehen den Abitimmungsberechtigten nicht nur keinerlei Reisekosten, jeder erhält sogar noch zur Hebung der Stimmung für Hitler einen Betrag von 50 Dollar in bar. Insgeiamt sollen in Mrer Wei'c lkX»0 in Amerika lebende Abstiiii»lungsberechtigle wahkreis gemacht werde». Die Be- träge weiden von einer Filiale des deutschen Propaganda- Ministeriums der„Nennorker Gesellschaft der Saarländer", ansgebrachl. sie sollen sich ans rnnd 50000 Dollar belaufen. Plc mcriidie Icrpiiltitiaiig äcs Völkerbundes „Gegen 3 Die„Taarbriicker Zeitung" läßt stch offenbar von Beteiligten folgende^ Bericht geben: Bon anderer Helte geht uns über die Angelegenheit ein Bericht zu. dcr"auf Grund von Zeugenaussagen abgeiafei ist und die obig?' Darstellung in einigen Punkten ergänzt, danach hat stich der Zwischenfall wie folgt abgespielt: »G-gen 3 Ubr nstcksts'uhr ein mit drei Personen besetzter Peri»n«»krasimagen an der Ecke Holienzollernstrafee und Güveniirafee i» starker Fahrt in eine Menschcngruppe auf dem Bürge»si>:lg,gr Der Au'oleMsri ein vor mehreren Wochen in die saar- ländische Polizeieekugenellier Polizeioffizier^ englischer Nationalst,, hatte die Herrschall über das Steuer verloren, da fr.Mi.tyt angetrunkenem Zustande befand Bier P e r> i' n c n wurden bei d e in Unat>> ck z u Baden geschleudert und und teilweise erheblich zu Schaden gekomyirn Besonders bedauernswert ist es, dafe dabei eine jung? Frau verletzt wurde, die guter Hoffnung ist.'Jiano■- Auf die Hilferufe eilten mehrere Passanten zur Un- glücksstelle. die! o f o r t die Polizei alarmierten und an den englischen Polizcioüizier das Verlangen ft llt n vor dfn no.kucnd!aen polizeilichen Ermittelungen den Taior' niert zu Verlanen Als er trotzdem Anstalten tra', den Wagen ivieder in die Fahrbahn zu bringen, stellten st»b mehrere Personen in den Weg und machten abermals daraus aufmerksam, dafe das Eintreffen der Polizeibeamte« abgewartet werden müsse. Daraus zog der EnglZnder. ohne irgendwie bedroht zu sein, die Pistole und fchefe. als ihm der Weg nicht freiaegedeu wurde, in die M^-^chenarni-ne. Er aab zwei Schüsse ab durch die eine Pexfon versetzt ivyrde Als er zum dritten Schüfe anlegte, wurde ihm der Revolver entwunden. Der Polizeioitizier. der stck>n Zivifkleidnng befand, setzte sich heftig zur Wehr, so dafe die Umstehenden gezwungen warea ihn»u über- wältigen." \orli immer verbucht die„deutsche Front" das Ergebnis der legten 7 agting des l ölkei bundsrates zu verdrehen und zu vei fälschen. Obwohl feststeht, daß die Abstimmung tun 13. Januar im Falle des Sieges des Status quo kein<> endgültige sein wird, liigt man den Abstimmungsberechtigten das Gegenteil vor. Wie im neutralen Ausland die Irage beurteilt wird, zeigt ein aus Genf datierter Aufsag ..Das Selbstbestimmungsrecht der Saarländer" der„Neuen Zürcher Ze,tung"(Nr. 2277) dem wir folgende Partien entnehmen: Offenbar ist man in den Reihen der»deutschen Front" selbst im Zweifel darüber, wie stch die Saarländer verhalten werden iveun sie zu der Ueberzeugung kommen sollten, dafe ste am 13. Januar 1035 durch eine Stimmabgabe für den Status auo der Einbeziehung in das nationalsozialistische Regime entgehen könnten und trotzdem das Recht behalten würde» d'e ersehnte Wiedervereinigung mit Teutschland zu verlangen sobald ihnen die politischen Begleiterscheinungen erspart bleiben, die heute mit der Rückgliederung zum Reich verbunden wären. Das ist eine Frage, die heute noch kein Mensch beantworten kann. Die„deutsche Front" geht darüber auch hinweg und erklärt vielmehr, da» man mit dieser Art oer Fragestellung überhaupt nur Verwirrung in die Saarbevölkerung hineintrage. Ale»och allgemein die Meinung herrschte, dafe das Ergeb- ni» der Volksabstimmung endgültig sei nrd eine Entscheidung für den Siaios auo ein für allemal die Trennung von Deutschland bedeme. hatte die»deutsche Frvnt" einen »erhättnismäfetg leichten Stand. Die überwältigende Mehrheit der Saarbevölierung wäre bereit, Abneigung«nd Bedenken gegen die politischen Zu- stände und die Uugewifeheit der nächsten Zukunft im Reich zurück,»sstellen, wenn ste ihnen /onst unwiderruflich die Zu sanimnicilgehörigkeit mit Deutichland zum Opfer bring.» mutzte. Darum stellt man bei der„deutschen Front" heute die Dinge so dar, dafe die neue Definition des Status quo überhaupt blofe ein»Berwirrungsmanöver" sei. Die Erklärung Lavais und die Feststellung Beueschs, dafe der Bölkerbunds- rat sich der Bedeutung dieses sranzvsijcheu Altes bewußt sei. könnte niemals als ausreichende Grundlage für die Behauptung von der Möglichkeit einer zweiten Saarabstlm- mung ausgegeben und anerkannt werden. Die Worte des französischen Außenministers und des Ratspräsidenten, der nach formeller Befragung die Zustimmung des Völkerbunds- rotes festgestellt habe feie» nicht als bindende Zusage zu be- trachten, aus Grund derer später eine klare Verpflichtung des BölkerbuudSrateS zur Veranstaltung eines neue» Ple- biizits bestehe und geltend gemacht werden könne Das ist die Auslegung welche die»deutsche Front" der Annahme des Saarberichtes durch den Völkerbundsrat gibt. Tic will um jeden Preis verhüte», das; der Glaubx a» die Möglichkeit einer zweiten Abstimmung in der Saarbevölkeruiig Wurzel fasse und.Verwirrung" anrichte: aber gerade dieses Be- mühen zeigt, dafe die Pariei der Rückgliederung selbst der Parole des Status quo eine gewisse Zugkraft bc:mifei und in ^-orgc iein muß. sie könnte stch durchsetzen wenn die Saar- länder vv» der Möglichkeit einer zweiten Abstimmung sich überzeugen liefeen. In Wirklichkeit bedeutet natürlich ht« Erklärung LavalS ein feierliches Engagement Frankreichs, und der gesamte Bölkerbundsrat hat, obwohl er darüber keine Worte machte, i» ebcns» feierlicher Form Mc Bcrpslichrnng über- nommen ei» zweites Saarplebifzit ,« veranstalten, wen« sich die Saarlander oorläusiq für de» Status quo aus. sprechen und spater die Rückkehr zum Reich»erlangen wurden Das Wort von dem unverlierbaren Telbstbestim- mungsrechi der Saarbevölkerung kann, obwohl es diesmal aus dem unhciligen Munde des Vertreters der Sowjet- Union kam, von den aiideren iNrofemächten und vom Völker- VI er«1 tfüöcn gestraft werden, ohne dafe dieie Machte und der Rai sich eines Wortbruchs schuldig machen und ihre eigene Ehre preisgeben würden. Die Anhänger des Statu» quo>« Saargehie, habeu daher ein begründet^ Recht, sich ans die MöaliGkeie br*»u*»*« n Avniivmnua zu berufen ©eu^ffic fttmmen•f! fintO Der Pöpel jauchzt, daß sie geborsten sind.:::.iOtOSfi "dtun -1(1 : Doch ehe sich der Niederbruch vollendet, Vi-j Wird eine blutig-große Umkehr sein. u ,,qj, Dann wird gereinigt sein, was jetzt gesdiäncieGntnisrin Und neu erglühen ein verblaßter Schein. ü!Ou'. . ,-"c» iv Dann wird der Mensch na dt Weggeworfnent gr^t^iE Und jäh entdecken, daß es heilig war. Geschlechtern, die in tausend Qualen reifen, n>" :;n Wird einst die Schmach des Heute offenbar.- Sie werden, was uns kettet, von sich streifen. Und dann— beginnt der Menschheit erstes Jahi! H o r-aV'l». Der soldatische Dinding. Eine peinliche Ablehnung Zu den ersten deutschen Schriftstellern, die siejb mit Wollust und mit schwungvoller ethischer Begründung jljßidt- sdialtete, gehörte Rudolf G. Rinding. Eins der ruhigsten, nahezu konservativen Blätter der Schweiz, die„Neue Zürcher Zeitung fällt über ein neues Buch Bindings ein vernichtendes Urteil. Es ist eine Novelle:„Wir fordern Reims zur Uehergabe auf"(Verlag Kütten und Löring). Thema ist eilte utords- fröhliche Reitergeschichte aus der ersten Kriegszeit, worüber die genannte Zeitung schreibt: „Einer, ein richtiger Mordskerl genannt, setzt sein Leben aufs Spiel, um der erste Deutsche zu sein, der in Reims Sekt trinkt— ja. auch wir-achten sein Leben gering! Als Spione verdächtigt werden sie nach langer Irrfahrt zum Tode verurteilt, den sie mit preußisch geschultem Stolz hinzunehmen bereit sind, ganz ohne jene jämmerliche, weichliche ungermanisrlie Feigheit eines Prinzen von Homburg. Wieder freigelassen kehren sie zum eigenen Heer znriici, das inzwischen an der Marne gestanden: n i ch t s hören wir vom dröhnenden, bebenden Hintergrund jener Welt- katastrophen. nichts von jenen menschlichen Tiefen und göttlichen Offenbarungen, die wir in Carossas Kriegslage- buch schätzen, ja, alles ist frisch-fröhlich veräußerlicht in Offiziersehre und preußisches Heldentum Höchster Art. Der Dichter ee fällt«ich selber, wenn er den französischen Soldaten als Feind..ehrt" und seine Völkerachtung auf den Kriegslei«tnngen beruht, während ihm das altehrwilrclige Reims nichts ist als ein schneidiger Jux für schneidige Offiziere. Immer wieder betont er. wie sich die französischen und deutschen Offiziere durch korrekte Achtung«. Stellungen alle Ehre bezeugen, ja ja. es ist eine Freude, Krieg zu führen mit solch sportlicher Fairniß zwischen den Offizieren, während an der Marne ganze Völker Verbitten. — warum erwähnen wir dieses Büchlein? Als ein Musterbeispiel jener teutsrhen Druckerzeugnisse, die der Sefap'eiz es leicht machen sollten, auf einen großen Teil des jeffigen deutschen Schiifttums zu verzichten." Hoch immec„Staatsfein.de?" Schlimm, daß sie auch arbeiten Der Reichsamtsleiter des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Derichsweiler, sprach bei eitzyi Kundgebung, die von der Hochschulgruppe Köln des NSDStB.,veranstaltet wurde. Nach dem Bericht der„Kölnischen'Zeitung" äußerte er sich über die jetzt vom NSDStB. übernommene studentische Erziehungsarbeit, die unter das Prinzip" der Freiwilligkeit gestellt worden sei. Er erklärte weitet- in diesem Zusammenhang, daß nunmehr die Zeit endlich aufhören müsse, wo der Student ständig hin und her^rissen worden sei und wo er keine Zeit gefunden habe, ins Kolleg zu gehen. Es dürfe nicht den Stnatsfeinden überlassen bleiben, die Seminare zu besuchen. Das Semester müsse dem Sfüdium dienen.^/ mjhji im Herr Derichsweiler hat eins vergessen. Wer arbeitet und weniger marschiert, ist eo ipso Staatsfeind. ,' tH L ^ocMec Von Bruno Brandy 'ndämmerttng Eine Landschaft in Europa. Ringsum Effeld, zerborstene Häuser, verkohlte,^ rauch- r*te Ruinen, tote Menschen zwischen steinernem Zwei Männer stapfen durch die tote Wüstenei, bar- ' die Gasmaske vorm Gesicht, in Hemd und Hosen der 1 Gehrock der andere..„ Eine: Und Du sagst, das war nicht zu verhindern. • Du standest doch mit an der Spitze! Schau um Dich "orte mir: Wenn Ihr dies Ende vorher hättet schauen "— der Krieg wäre trotzdem gekommen.''. Minister(knöpft den Gehrock auf, atmet schwer): ® nicht, mir ist, als läge alle» tauaend Jahre zurück Erinnerung iat nahezu verschüttet... Was sollten wir '» in Mitteleuropa die Barbarei zu regieren begann, n"nft und Menschlichkeit gesteinigt wurden, hatte der "» neue Chancen. Selbst die Friedlichen wußten Ausweg mehr.,... kine? Doch, sie wußten einen Ausweg. La ga> "Lt der friedlichen Völker! Es gab den Boykott, ts Kn Mittelalter und Kulturschande die morallache und "ftliche Blockade!., ,.-, Minister: Die moralische vielleicht, die w i- nicht. Ueberall waren die Lager voll, ke« Land •"•h nur auf tausend Tonnen Ausfuhr verzi el!'. Getreide vernichtet werden. Die K'p.tali.ten e£eit, jede Regierung zu stürzen, die E*P®' eurfn Eine: Und jetzt? Gehts jetzt den E*P®5 ,eu r" wandern seit zwei Tagen und haben noch kein andere lebende Seele gesehen. Ausgestorben. Tot ist das ganze Land! Der Minister: Dieses Ende haben die Herren ja eben nicht glauben wollen— drum gab's nichts! D e r E i n e: Es gab noch etwas. Ea gab den Apell an die leidenden Millionen. Ea gab die Abrüstung der Welt. Kein Land hätte widerstehen dürfen; ein Völkerbund des Friedens hätte mit diesem Ruf jeden Despoten bezwungen— ihre Demagogenkunst lebte ja nur von den Rüstungen der anderen! Aber eure Herzen waren lau. euer Wille zag, euer Denken im Herkömmlichen eingerostet!(Drohend): Wer von euch hatte den Mut, mit eurer überlebten Welt zu brechen? Nur wenige Deinesgleichen. Du warst nicht dabei!(Packt einen Knüppel, will sich auf den Minitter stürzen.) Der Minister(fällt ihm in den Arm); Aach ich wollte den Frieden. Auch ich war nur ein Staubkorn der Geschichte...(Sie ringen miteinander.) Packt Dich der Wahnsinn wieder? Willst Du allein bleiben zwischen Toten?! Beide sinken erschöpft anf einen verkohlten Bslken. lehnen sich gegen einen Mauerrest, schließen die Augen, schlafen erschöpft ein. Ein Vogel wippt durch die Luft, kreist einige Male verzweifelt über den Trümmern, als wollte er sich setzen, fliegt lautlos weiter. Von weit draußen steigt eine Gestalt näher und näher: der letzte Nationalist. Auf dem Kopfe einen Zylinder, darunter-Gasmaske, der Leib in zerfetzte Fahnentücher gehüllt. Hebt ab und zu etwas vom Boden auf. kommt näher, siebt die beiden Schlafenden, bleibt in respektvoller Entfernung Der letzte Nationalist(den Zylinder lüftend): Darf ich nähertreten, meine Herren? Oder sind Sie auch .chon tot? Ich bin hannlos, hahähä... Ich annale An- tlVciit- denken an die große Zeit, denn bei Wotan, meine.'Herren: so was erleben wir nicht gleich wieder.., 8th'des. Ich las sie alle durch, obwohl mir die meisten nichts neues sagten. Es besteht nämlich die Bestimmung. daß die Festungsgefangenen über alles Mögliche, nur nicht über das„Faktum" schreiben dürfen, auch nicht über die Einrichtungen des Gefängnisses, soweit sie als innere Dienstangelegenheiten gelten. Die Zensur ist streng, jeder Brief wird von der Verwaltung gelesen und nur abgeschickt, wenn er keinen Verstoß gegen diese Bestimmungen enthält. Folgende Briefe halte ich für uiilteilenswert: Liebe Mutter! Nun habe ich noch 27 Monate hier zu sein. Wenn id 1 daran denke, daß ich schon ein Jahr hier hin, und daß irh noch zwei nnd ein Viertel Jahr hier bleiben soll, dann verliere ich allen Mut. Ach. es ist doch alles vorbei mit mir. Wenn ich des Abends zu Bett gehe, dann wünsche ich, ich möchte nicht wieder aufwachen. Am liebsten wäre es mir, wenn es so käme. Denn Du glaubst nicht, wie ich hier lebe. Ich hin immer allein in einer Zelle, so klein, wie unsere kleine Kammer. Wenn ich doch mal wieder darin schlafen könnte. Aber das erlebe ich nicht mehr, bis dahin bin ich wohl schon tot. Ich wollte gern in die Gemeiuschaftsstubcn, wo mehrere Gefangene zusammen sind Der Hauptmann hat es aber nicht erlaubt. Er sagt, vielleicht nächstes Jahr. Dann muß ich als« noch ein Jahr allein sein. Ich wollte Dir dies mal schreiben, denn in den Briefen darf ich es nicht, die werden nämlich all® erst gelesen. Diesen Zettel nimmt ein guter Mensch mit hinaus, der hier einige Tage Wache gestanden hat. es ist ein Flensburger, ein Mauermann. Vir haben sogar plattdeutsch miteinander gesprochen, durchs Schlüsselloch aber bloß. Vergibt mir und laß mir den A ater auch alles vergehen Ich träume viel von Euch. Liese Feddersen ist jedenfalls schon verheiratet. Viele Grüße. Euer Sohn Johann. Das war der letzte Brief von Gimm. Außerdem rnthie' der Kasten noch ein zerknittertes Kouvert mit dem Stemp r der Gefängnisverwaltung. Darin steckte ein kleiner gelbe Zettel, der folgenden Bescheid enthielt: Festungsgefängnis A„ den 3. Juni 1899. An den Landmann Johann zu Langenkoog- Ihr Sohn, der Militärgefangene Johann■' hat am gestrigen Tage Selbstmord durch Erhängen verüb'- Die Beerdigung findet am S. Juni, morgens 8 Uhr, statt. D' p hier aufbewahrten Kleidungsstücke Ihres Sohnes(vier P« a' Strümpfe, fünf Taschentücher) werden Ihnen von der die«' seifigen Verwaltung zugesandt. (Name.) Hauptmann und Bastionskommandant. Stempel der Anstalt. Ich bitte Sie, den Ausdruck meines Beileids entgegen* zu nehmen. Möge Gott seiner Seele gnädig sein.(Natu'-' Nun wußte ich alles über Gimm. Aber nein, doch E» alles nur sein Ende. Und mehr wird man nie erfahren. 1 sei denn, daß die dicken grauen Mauern der Bastion IV e' n; mal anfangen könnten, zu erzählen. Sie würden mancberle' zu sagen wissen. Von jungen kraftstrotzenden Burschen, der eigene Leichtsinn einer unbedachten Minute und menschenfeindliche Grausamkeit anderer hierher brachten»n c le als bleiche, gebrochene Gestalten mit kraftlos schlenkert" nen Beinen hinauswankten. Vom Aufschrei verzweifelt^ pecien, die sich gegen die zermürbende Macht der Gefängnis* II•• h C* luft wehrten. bi§ sie müde davon abließen oder in J a", r*.■ t fi i ii• t. ia i r r-1 i..nr3l'' Entschluß, dem vielleicht Monate dumpfen Grübelns vora''L gingen, zerrissen, was sie mit dem Dasein verband. Doch® u die Bastionsmauern würden uns schließlich im Stich lasse"' denn aie wissen nicht, welche Hölle die von ihnen ,,D1 schlossenen Opfer durchlebten in den langen Nächten, die qualmende Oellampe im vergitterten Kasten durch niedrigen Stuben dämmerte; was sie empfanden, wenn i,e aus dem Paradiese sehnsuchtsvoller Träume zur für' „Richten" nicht vergessen, daß Menschen vor ihnen s' r^ deren höchstes Glück, das Glück der Jueend. von ihrem abhängt. Aber sie hören und sehen nicht, was der lärmen m iii""' lachenden Welt verborgen ist. Und darum wissen sie was es heißt, Menschenschicksale in der Hand zu haben- Langsam wanderte ich wieder nach der Stadt. AI«'fjj noch einmal umsah, erglänzte das Meer im Purpur«"', r zur Rüste««>1, c r-_.1 Li" mich — uuisap. erglänzte das Meer im r,,rt""j^ a ii der zur Rüste gehenden Sonne. Gelb und grün lag^ a,.- B jc um das altrote Gemäuer des Wirtschaftshofes.^At°^ f| stand pin»»«kliJ-i. r*" „äs anreite l.emäuer des Wirtschaftshofes. At»^^ stand eine gebückte Fraueneestalt und über die W..jjt Linken schritt ein Mann auf den Hof zu. Auch er ging und aetzte langsam einen Fuß vor den anderen. Je e hatte er keine Es wird Gimms Vater gewesen sein 1 Alle HotiisdHilcn an der Kelle! Eine neoe. Reform" beseitigt die ielzien Reste akademischer Erelhell bleich nach der Machtergreifung begannen die national- sozialistischen Eingriffe in die deutschen Universitäten. Ten Hochschullehrern ivurde das Mitbestimmungsrecht bei der Neu- besetzung von Lehrstühlen genommen. Im Senat hatten sie neben dem„Führer", dem von Kultusminister ernannten Rekrvr, bei den Entscheidungen«ich' mehr mitzureden. Widerspruchslos nahmen sie die gewaltsame Verabschiedung ihrer besten Kollegen hin. Sie beugten sich nahezu durchweg der neuen Marschroute nationalsozialistischer Wissenschaft und ließen sich von den SA.-Studenten tyrannisieren. Unvergessen im Schandbuch der Gleichschaltung ist der Beschluß des Deutschen Hochschultages yom Frühjahr dieses Jahres. worin die deutschen UnivcrsitätSrcktorcn ihrem „Führer" Adolf Hitler ehrfürchtigen Dank sagten für die viel- ieitigcn Anregungen, mit denen er die deutsche Wissenschaft beschenkt habe. Dieser Tage wurde auf einer Taaung von Medizinern mitgeteilt, daß das Hochschulamt der NSDA. sich Vorschlags- und Mitbestimmungsrecht bei der Beicusiing von Professoren gesichert habe. Ueberslüssig, zu sagen, daß über jeden Gelehrten längst ein Aktenstück über den Grad seiner Gesinnungstüchtigkeit angelegt worden Ist. Aber das alles hat noch nicht genügt. N?an wußte seit langem, daß das neue Reichskultusmlnifterium eine g r u n d- legende„Ho ch s ch u l r e k o r m" vorbereitet. Fetzt ist sie vom Reichskabinett verabschiedet worden, und ihre Einzel- keiten werden amtlich mitgeteilt Alle Befürchtungen. daß diese„Reform" die letzten Winkel geistiger Freiheit und schöpferischer Leistung, die im unbeeinslustten Dienste an der Wissenichrit erfolgt, mit dem braunen Besen blankputzen will, werden in vollem Umfange bestätigt. Die entscheidenden Paragrafcn lauten: 8 1: Die beamteten Hochschullehrer des Deutschen Reiches werden zum Schluß des Semesters, in dem sie ihr 05. Lebensjahr rollenden, krait Gesetzes von ihren amtlichen Verpflichtungen c n t b u n d e n. 8 2: Forder» überwiegende Hockschulinteresscn die weitere Ausübung des Lehramtes«-inen besti ni m t e n Hoch- schiillehrer, so kann d-e zuständige oberste Landesbehörde niit Zustimmung des Neichsn''"lst—'*» r Wi'lcnl^'ast. E> ziehung und Volksbildung die Entpflichtung aus einen späteren Zeitpunkt verschieben. 8 3: Tie beamteten Hoch^i,lleh''er des Deutle,",--- können aus einen ihrem Fachgebiet entsprechenden Lebr stuhl einer anderen deutschen Hpchichiilc vericNt ,i»?r°>*». ioenn es das Reichsinterelse im Hinblick aus den Neuausbau des deutfchen Hochschulwesens erfordert. 8 8: Fällt aus Anlaß des Neuaufbaus ein Lehrstuhl ort oder wird er einem anderen Fachgebiet zugeschlagen, so kann der bisherige Fuhabcr von seinen Pflichten ent runden werden.* 8 5: Entpslichtetc Hochlchuilefi'-cr erhalten ihre gc>"« lichen Bezüge weiter, rücken jedoch nicht mehr aus. Sonder Vergütungen und Nebenbezllge für die Lehrtätigkeit eni- falle» mit der Entpilichtnng.,., m Versetzte Hnchlchullchrcr erhalten ibre gesetzlichen Be» zügc weiter. Sondervergütungen und Nebenbezllge°ür die .Lehrtätigkeit, werden neu festgesetzt. 8 8: Die Geltungsdauer dicics lKrietzes beginnt mit dem Tage der Bcrkündung und endet am 3l. Dezember kslst,. Das bedeutet die vollkommene Berbeamtung der deutschen Hoch'chullehrer gemäß den Interessen des„totalen Staates". Der Paragraf l des Gesetzes legt die Möglichkeit, daß ein geistig»och höchst lebendiger Professor über das Sä. Lebens- jähr hinaus weiter forschen und lehren darf, vollkommen in die Hände des Ministers. Tie Begründung dafür ist durch- aus offenherzig: Die Hochschule ist im Sinne des naUonalsozialiftisckum Staates nicht nur ein Organ zur»i i,en schaM An Er- ziebuna, sondern ebensosehr zur wcltan^aulich-charakter lichen Bildung des jungen Menschen. Diesen Tel ihrer Ausgabe kann aber nur ein Lebrkörver er W»est, der ae nügcnd iunge. zur Führung der Fugend geeignet«. Kra l. auszuivciicu hat. Man will also die Möglichkeit schassen, durch Zwang zur Abdankung der älteren Gelehrtcngcneration der„Fiingeren einen Weg zum Lehrstuhl bahnen. Die jüngere Dozenten- sckast, bereits in der nationalsozialistischen Lehre, im vager und in Gepäckmärschen hinreichend„im Sinne des national- sozialistischen Staates" geschult, rückt in die HochschnUront ein. Fhr Wisscnsllmstöintcresse hat die gewünschte Ausrichtung. Die alten Herren ragen mit^reu Kopien immer »och etwas aus der Normallinie heraus. Das wird jortan nicht mehr der Fall sein. Nicht weniger deutlich wird die Tendenz dieser Hochschul- «form in§ 3. Bisher ivar der Hochschullehrer nicht durch De- krct versetzbar. Er konnte nur an eine andere Hochschule be- rufen werden. Jetzt ist jxbe Verschickung mögl ich, die oft nichts anderes als eine Strafversetzung sein dürfte. Man will angeblich mit dieser Maßregel, wie es in der Be- gründung heißt, bestimmten Hochschulen einen ganz be- sonderen Charakter geben. Aber es geht auch noch um etwas ganz anderes: „Schließlich kann mit den Bestiimnunacn des 8^".u»die Auswahl qcgeigncter Rektoren für die trUrnng der z oij. schulen im nationalsozialistische» Geiste Üchergestel, werden. Es ist eines der nächsten Ziele, das Führerprinzip in den Hochschulen zu festigen, wobei der Rektor glcichjam als Treuhänder des Ministers zu handeln hat. Solche Kcrnsätzc machen den Charakter dieser Neuordnung klar. Es geht einfach um die Festigung der Macht, in der Politik und a»f den Hochschulen, wo die neuen braunen Kämpfer nach»em festgelegten Exerzierreglement gedrill werden sollen. Der Reichskulturminister freut sich, ch't diesem besetz einen festen Standort zur planmäßigen Neugestaltung oller Hochschulen gewonnen zu haben, zur. Erfüllung ihr «weltanschaulichen Erzichungsfragen". Die H"ren Pro. sessorc» werden etwas getröstet. Selbstverständlich, v»ble,bt 'hnen auch nach der Ncnreglung das«Vorichlagsrecht d Fakultäten bei Besetzung von Lehrstühlen. Wie würde e denen ergeben die es wagten, einen Gelehrten in Bor ichlag »u bringen, der sich i»n^braunen Bezirk nicht bewährt oder gor mißliebig gemacht hat? Zu Ende ist es längst mit der Burichenherrlichtelt. Zu große Mühle. Nicht ctiva. daß eine ptafstre., Ä«"g°n Ü-h abzulehnen wäre.> s s c n s ch a i!- Nchen E7g'e7.^c°ns durch das sich d.e deutsche Universität in der ganzen Welt vom schulmäßigen Wisienjchafts- betrieb unterschied. Es ist. um es mit einen, Satz zu sagen, die offizielle Ber- Wandlung der deutschen Universitäten in n a t i o n a l s o z i a- l i st i s ch c Partei- und F u n k t i o n ä r s ch u l c n, zen- tral überwach! und diszipliniert. streckt. Von der Forderung der vollen drcisemestrigen Teil- nähme kann nur in Ansnahmesälleu ai>?egnugen»^verdcn durch Anrechnung der Arbcitsdienstzcit.. Unterworfen! Das ,»Deutsche Philologenblatt" Nach einer Erklärung des Deutschen PHW im Nummer 48 des„Deutsche» Pnltalogen IrbandeS hat der Snorio'titiif __ In einem Erlaß verkündet Neichsminister Nüst die neue Hochschuliporlordiiung. die mit Beginn des Wintersemesters 1934 33 bereits in Krait getreten ist Als wesentlichstes Merkmal ber neuen Hvchschnlsportord- nung verdient die Turn- und Sportpslicht der Studierenden während der ersten drei T c in c st e r hervorgehoben zu iverden„Feder der Deutschen Studentenschaft angehörende Student lStudentini ist vcrpilichlct." so beißt es in dem Er- laß,„drei Semester lang Leibesübungen z» treiben." Tic Ableistung dieser Sportpslicht geschieht in Form der Grund- ausbildung, die sich über die ersten drei Ttudicnsemcster er- Reichs- und preußische Minister für Wissenschast. Erziehung und Volksbildung dem Verband unter deiy. 4. Ts zem ber da- von Mitteilung gemacht daß er den EDWkHlßiUA. Tcp- tcmber 1934 ausgehoben habe. Ter Erlaß vom 18. September halte folgenden Wortlaut:„Unter Hinweis asihdie in Nr. 82 dcö„Deutschen Philologenblaties". Fahrggng 1834, Seite 048 erhobenen unerhörten Angriffe a n s Ii v h c R c g> e- r n n g s b e a in t c» n d alte N a> i ö n a 1 no z i a l i st c n verbiete ich den nachgeordneten Behörden den Beziig der Zeitichrist und rate den Lehrversoncn Preußens davon ab, die Zeitschrift weiter zu beziehen." Gleichzeitig wird im„Deutschen Philologcnbjaii" gemeldet, daß der bisherige Führer des Dentschien.Ahilologcnver- bandes. Magistratsobcrschnlral Böhm, aig^.0. Dezember sein Amt niedergelegt hat. Zu seinem 2'tachivlger bat er kraft einer von der Berkreterversammlunst gegebenen Er-' mächtigling den Borlitzenden d?S Preußischen Philologcnvcr- bandes, Oberstudicndircktor Tch w e d t k c, ernannt. llermwe. Ixhronprinz. llzenplllz ond andere Ion llandhlhsen, notieren TOditern, Monokeln und anderen Sorgen des ,.Z. fteidis Die„Kaiserin" Hermine macht in Berlin der Nazi- prominenz Wettbewerb im Betteln. Sie macht auf alte, schöne Art einen Wohltätigkeits-Bazar. Darob heftige Kritik der ältlichen Damen in den Naziblattern! Der„Weltdeutsche Beobachter"(Nr. 562) gehl noch weiter Er. stößt Alarmrufe gegen eine neue Gefahr von rechts aus: Man löiinie den Standpunkt vertreten: Außenseiter, die noch heute eine kapitulierte Dynastie gleich»ach dem lieben Gott rangieren, müsse man für rettungslose'Narren halte» und unter sich lassen. Dieser Auffassung dürste aber ivohl entgegengehalten werden daß eine solche an sich löbliche Großzügiqkcit nicht mit einem Staatsgedanken vereinbar ist. der zur Volksgemeinschaft, zum Ganzen drängt. Und schließ- lich kann es sich kein straff geleiteter Staat wie der unsrige biete» lassen, wen» ältere Herren und ältere Damen hinter der Marke„Tradition" Ansichten pflegen, die mit einer volksgenössischen Konsequenz beständig auf dem Kriegsfuß leben und mittlerweile auch solche Söhne unseres Volkes zu infizieren drohen, die das Vertrauen der nationalsozialistischen Führung ans irgendeinen besonders vertrauensvollen und repräsentablen Befehlsposten ge- rufen hat. Was wiegen aber letzten Endes diese Bedenken gegen die Tatsache, daß>» o» a r ch i st i i ch c W ü h l m ä u j e solcher Art nach wie vor den ganzen nationalsozialistischen Ausbau aus grundsätzlichen Beweggründen hassen und in kleinen Zirkeln b e kä m p se n. Man könnte nun meinen: es gäbe größere intellektuelle Gegner des Dritten Reiches und seiner Politik als einige verkümmerte Monarchisten. Unbesorgt, wir kennen auch die andern, die da in ihren unzähligen W i n k e! b l ä t t ch e» a»> der ersten Seite, erste Zeile ein billiges Bekenntnis zu Führer und Reich ablegen, um noch im Anfangssatz ein„aber" in Erscheinung zu bringen, das sich dann über alle»olgcnden Seiten in vielfacher Wieder- Holling ausdehnt. Diese„ausrichtigen" Freunde des neuen Deutschlands stehen hier nicht zur Debatte. Heute handelt es sich um regelrechte Monarchisten... Irgendwo vegetiert ein Pensionat höherer Töchter. Tie Leiterin, eine richtiggehende Freifrau, suhlte sich bis vor kurzem, bis sie eingelocht wurde, bemüßigt, ihre» höheren Töchtern alle Männer verächtlich erscheinen z» lassen, die beute das Staatswcse» leite» und lenken. Es versteht sich am Rande, daß der betreffende Oberpräsident diese reut« tente Dame einzusperren befahl, wo sie Zeit habe, über Streichers hrlmtneue lelfonüswerüer Tie Anordnung des Präsidenten der Reichspressekammer vom 23. Januar l934 für Abonnentenwerber bestimmt u. a.: «Dem Werber ist untersagt, in irgendeiner Hinsicht auf den zu werbenden Bezieher einen Zwang oder Druck auszuüben, insbesondere dürfen nicht irgendwelche Nachteile, zum Bei- spiel persönlicher, wirtschastlicher, beruflicher oder sonstiger Art füt de» Nichtbezieher einer Zeitung oder Zeitschrift an- gedroht werden..." Dieser Anordnung hatte ein bei der„Fränkischen Tageszeitung" in Nürnberg tätiger Abonncnteniverbcr in grober Weise znividergehandelt. Er ivollte. wie die „Münchener Neueste» Nachrichten" berichten, von einer Malerfamilie Austrag für ein Abonnement seiner Zeitung erhalten. Die Fran lehnte ab mit der Begründung, daß sie bereits seit 14 Jahren eine andere Zeitung lese»nd ihre Eltern schon dieses Blatt gelesen hätten. Der Werber drohte damit, daß der Malermeister bei der nächsten Vergebung städtischer Arbeite» übergangen würde. Daraus tat die Fran das, was man in. diesem Fall am besten tut, sie erstattete Anzeige bei der Polizei. 'In der Verhandlung gegen den Werber führte der Staats- anmalt in seinem Plädoyer aiiS, der Angeklagte habe bei der Werbung unrechtmäßig einen Druck ausgNvt und das sei eine Erpressung. Die Zeugen seien so verniinitig gewesen, ans diesen Druck nicht hineinzufallen. In den Zeitungen sei seit langem immer wieder darauf hingewiesen worden, unter Be- zugnahme aus Aeußerungcn höchster Stelle» der Partei, daß jede Druckausübung bei der Zeitungswerbung unzulässig sei. Das habe auch der Angeklagte willen müssen. Bei der Stra'- zumelluiig sei z» beriicksichtiaen. daß der Angeklagte schon wegen Diebstahls. Betrugs im Rückfall usw. vorbestraft sei. Die Geiaftr für das Ansehen der„Fränkische» Tage s- z c i t>l n g" und vor allem tür das Ansehen der Partei nrr- lange eine strenge Bestrafung Es ici auch anzunehmen, daß von derartigen Werbern solche Werbemethoden öfter angewandt werden, die Leute getrauen sich nur nicht, dagegen vorzugehen. Solche Elemente wie der Angeklagte schädigen jedoch in nicht mehr gutzumachender Weise das Ansehe» der NSDAP. 2>cr Staatsanwalt beantragte aewn den Angeklagten utegen versuchter Erpressung eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der Angeklagte stellte d>e Behauptung aus. daß er schon seit 1921 in der Bewegung stehe. Die provisorische Mitglieds- karte, die sich der Vorsitzende zciacn lieb, träat das Datum Grundsätze und Geheimnille jeder hohen Politik nazu denken. Da ist nun absolut nichts bei, wohl aber, wenn nun das Mit- glied einer ehemals angesehenen Dynastie an diese» nationalsozialistischen Führer telegrafiert:„Ersuche so- s o r t i a e Freilassung verdienter Er z i c h e r i n deutscher Jugend." Man hustete ihm was von wegen „Ersuche" Im„Kalender der deutschen Fugend 1935" befindet sich eine Illustration„Dn Rassen Teutschlands und des übrigen Europas", i» deren Mitte der E x k r o n p r i n z abgebildet ist und als„nordischer(T e u t o- n v r d i s ch c ri Körperbau" der deutschen Jugend anempfohlen ivird. Offenbar gib, es in Deutschland sonst niemanden mit tento- nordischem Körperbau als ausgerechnet die allerorts beliebte Erichcinung des früheren deutschen K r o n p r i n z e u. Oder sollen wir das so einfach hinnehmen, wenn am 19. August ein Exmonarch in seinem Hause nicht ab- stimmen ließ, ivcil es in seinem Hause keine Diskussion gebe über die von Gottes Gnaden bestehende Autorität? Oder wenn ein anderer Fürst seine Arbeiter Späliör bilden läßt und ihnen iür diese Zeit hinterher den Lohn abzieht? Oder wenn in Potsdam am 0. Mai dieses Jahres in allen möglichen Geschäften Listen auflagen, in dem das dankbare Volk dem Exkronprinzcn schriftlich zum Geburtstag gratulieren durfte? Oder wen» es heute noch Dörfer gibt, in denen so und sovicle Gu.sbesitzer au» die Rückkehr des Exkaisers warten und in ihren Stubeii'moch immer die Büste dieses 1918 so todesmutig in seine Heimat zurückgekehrten Bolkskaisers stehen haben? Finden sie eigentlich, daß sich der PgrtMenM»on Jtzcn- blitz richtig verhält, wenn er zum B r a u u h,g>v ij, e i» MVnokel trägt, wenn er Frauen der noch ini.nzer vege- tierenden„Obern Zehntausend" als„Damen" und Arbeiter- trauen aus dem Aedding als„Frauen" auseinanderhält, die eine mit„Gnädige Frau" aurcdet und ihr dir.Stand küßt wahrend er die gute deutsche Arbeiterfrau aus dem Wedding „nur" mit„Frau Soundso" anspricht,»vd sich davor grault cbenio wie die scingepslegtc Hand auch die derbe. Schwielen- reiche zu küssen? Rein, wir finden, daß sich der Parteigenosse vor, Jßcnvlil! nicht richtig verhält und daß er die Wahrheit de» Rolls- gemeinschast ganz anders anslegt. wie es dir Jdtt von ihn, verlangt.: Wir verlangen von jedem Volksgenossen, daß er be- öingungslos hinter de», Führer steht und nicht"imn,er zu Gestalte» jchiell, die froh sein können, ivcnn eitü? spätere Geschichtsschreibung von ihnen überhaupt Notiz«cchjnen wird. >i> ab«? «tbn» vom 1 Mai 1933. Der Angeklagte meinte, eine sölllie Handlung könne ihm überhaupt nicht zugetraut ivet'deMi; Er ivollte freigesprochen werden..,t. Der Richter verurteilte ihn wegen versuchter.^,^ciiiiiig»n einer Gefängnisstrafe von z iv e i Mo» a< e n. In der U r t e i l s b c g r ü ii d u n g.sührle der Richter noch ans, daß aus Grund der vollkommen gianbtviisdügen cid- lichen Aussagen der Zeugen der Tatbestand.d x.r v c r- suchte» Erpressung erfüllt sei. Die Borsirg'c»' des An- geklagten konnten bei der Jtraiznmesntng'"fr'rdVt ItiibcrUrf- sichtigt bleiben. Ter Angeklagte habe eine ganz-gtmtttine und schamlose Handlung verübt. Er müßte sich als Mitglied der NSDAP, bewußt sei», daß er durch ein sbtmes Verhallen die Partei und die mit der Verbreitung der NSDAsti-Prelis in der Partei betrauten Dienststellen in rstrens'"Aiiiehcn schädigt. Er hat mit seiner Drohung etwas, gan.1 Gesetz- widriges, Geineines und Verwerfliches«itUrnftjunjwt. Wenn er in Anspruch nehmen wolle, daß.ihm giU$hiiu\i>;picv von ihm angeiübrten Verdienste um die Bewegung die ihm zur Last liegende Handln»» nicht ziwetraitt iverden'kstu^e, so be- weise seine Viirstra'cnlistc etwas anderes! Denvrg'Nn es io wäre, dann hätte sich der Beklagte von den«ietstnt'.en Be- trügereien freihalten können. 51m Gegenteil, Angeklagte sei ei» Mann, dem eine solche Sache ziigetxgnl ,M^n könne. •il:,bai»c 9t M ä'c OTarnierunö Ser IWya? Mannheim, 13. Dez. Daö i» Mcuucheizu j^scheincild« „Hakcntrcuzbaniier" berichtet über eine» Vortrag„Unsere Rassenpolitik und das Ausland", den der Leiter ocs Rassen- politischen Amtes der NSDAP. Dr. Groß in'jd'Lr?Iula der Neuen Universität in Heidelberg gehältett'Mt."'»Dr. Gros führte aus: ,»»r „Der Wert der Menschheit ist von Volt zu Bolk.-und vot Rasse zu Rasse verschieden. ES besteht aber, nvch,.^jne letz t Frage, um die gerungen wird: ob der Nachirwal^ziolisniiit das Recht bat. Unterschiede z» machen in der Wersietzung der geistige» Fähigkeiten der Menschen. Dazu ist jsu.'shgcn. daß die Rassenanschauung unserer Zeit nnabhängfgchsti von der Wertsctzung. Wenn der Nationalsozialismas-'. praktische Rassengesetzgebung treibt und darauf hinweift»ndast die Mensche» geistig im Wert verschieden sind, üu hgi er noch kein Werturteil gesvrochcn. Indem er nf/mt, dos, die Geietzacbung sowohl iür den Geist als auch iür den Körper des Menlchen gilt, neaiert er die Vorivüri'e. Wir hoffen, daß., wie in der Welt der Politik, auch ans ben, Ge- biet der Rassenpolitik einmal bei den anderen»Völkern die Erkenntnis kommt, daß ihnen unser heütkaes Handeln S c l b st v c r st ä n d l> ch k e t t wird." Straä&urger Wedicnbertdil Straßburg, den 17. Dezember 1934. Eine Delegation reist nach München Die Bevölkerung von Schiitigheim nimmt lebhaften Anteil am Schicksal ihres von der Hitlerjustiz zu sechzehn Monaten Gefängnis verurteilten Mitbürgers Emile Küst- n e r. In mehreren Brot est Versammlungen, die immer sehr gut besucht waren, nahm die Bevölkerung Stellung gegen das überaus harte und ungerechte Urteil, das gegen Küstner in München ausgesprochen wurde. Nun reiste im Auftrag einer solchen Versammlung eine aus drei Bürgern bestehende Delegation nach München, um sich nach Küstner zu erkundigen und für seine Freilassung einzutreten. Die Delegation, der auch ein Verwandter des Verurteilten angehörte, wurde dort sehr ungnädig empfangen. Man gab ihr zu verstehen, daß ihr Besuch durchaus unerwünscht sei und sie sich zum Teufel scheren möchte, denn„hier kommandieren wir'", äußerte sich der Herr Generalstaatsanwalt. Einem der Delegierten, dein Verwandten Küstners, wurde dann aber doch Sprecherlaubnis erteilt. Er konnte allerdings nur im Beisein eines Ueberwachungsheamten sich unterhalten. Außerdem nahm der französische Konsul an der Unterredung teil. Die Fragen, die Küstner gestellt wurden, beantwortete er auf eine Art und Weise, aus der man entnehmen konnte, daß es ihm nicht schlechter, aber auch nicht besser geht, als vielen wegen politischer Vergehen in Deutschland die Gefängnisse füllenden Menschen. Die Delegation verließ also das ungastliche Deutschland, ohne viel ausrichten zu können. Wie wir erfahren, wird der Gemeinderat von Schiitigheim demnächst einen Antrag an die französische Regierung richten, der von zwei Gemeinderäten in Paris vertreten wird, sich sofort für die Freilassung Küstners zu verwenden, der zweifellos das Opfer eines ungeheuerlichen Fehlurteils ist. Es ist abzunehmen, daß mit dem nötigen Nachdruck amtlicher Stellen die deutschen Staatsanwälte etwas zuvorkommender sein werden, wie es der Generalstaatsanwalt in München der Delegation gegenüber w ar. Die rote Nelke am schwarzen Rock Dem Herren Abgeordneten Thomas Seift, der den Kreis Erstein in der Kammer vertritt, passierte dieser Tage ein viel belachtes Mißgeschick. Als er sich nach Colmar begab, um an einer Herbsttagung der elsässischen Winzer teilzunehmen, geriet er versehentlich in die in einem anderen Lokal stattfindende Familienveranstaltung der sozialistischen und von ihm als gutem Katholiken nicht wenig bekämpften Sportvereine. Am Saaleingang ließ er sich gegen Erstattung des Eintrittsgeldes gerne eine rote Nelke ins Knopfloch stecken und betrat— den Kopf voller philosophischer Gedanken—> den dicht beseftten Saal. Dort wunderte man sich sehr über den seltsamen Besucher, der sich eine ganze Weile die Darbietungen der sozialistischen Sportler gefallen ließ. Plöftlirh schien er seinen Irrtum bemerkt zu haben. Der Abgeordnete, dem man im Elsaß einen gewissen Sinn für Wift und Humor nicht abspricht, stand auf, schmunzelte sich ein Verslein auf seine Zerstreutheit und pilgerte dann frohen Mutes zu seinen Winzern, wo hoffentlich bei einem guten Tropfen die Odyssee des Herrn Seift genügend gefeiert wurde. Wenn auch das rote Blümlein bald aus dem Knopfloch verschwunden war, so floß doch der kleine Obolus, den der kämpferische katholische Abgeordnete am Saaleingang leistete, in die sozialistische W a h I k a s s e. Diese seltene Spende und ihre humorvolle Geschichte wird im sozialistischen Lager so bald nicht vergessen werden. Bei der zuvorkommenden Behandlung, die Herrn Seift bei den Sozialisten widerfuhr, darf man sich vermutlich einen heilsamen Einfluß auf die künftige Gestaltung der Beziehungen zwischen ihm und seinen sozialistischen Gegnern versprechen. Oder nicht? Stadt im Weihnachtszauber Auf dem Broglieplaft erinnert der Christkindl- tnarkt an das bevorstehende Weihnachtsfest. Der Harzgeruch der Tannen und der würzige Duft der unzähligen Lebkuchen und sonstigen Süßigkeiten locken die Kinder, die die engen Budengassen durchfluten ins Zauberreich des Weihnachtsmannes. Die großen und kleinen Geschäftshäuser der inneren Stadt haben ihre Auslagen schon ganz auf den Weihnachst verkauf eingerichtet und erfreuen durch interessante Auslagen das Herz des Beschauers. Den Kindern der Arbeitslosen wird dieses Jahr durch die Präfektur auf Anordnung der Ministerpräsidenten ein besonderes Weihnachtsgeschenk bereitet, bestritten aus freiwilligen Spenden, die schon in großer Zahl eingegangen sind. Audi das Arbeitslosenkomitee will den Kindern eine Freude machen. Im Uniontheater findet zu diesem Zweck am 20. Dezember eine Vorstellung mit dem Hinker sehen Volksstück„Alles isch degeje" statt, dessen Reinertrag für die Bescherung der Kinder der Arbeitslosen verwendet wird. Sollten nicht auch die Emigranten versuchen, den Kindern, die mit ihren Eltern in die Verbannung gingen, eine gemeinsame Weihnachtsfeier zu bereiten? Es gibt wohltätig gesinnte Menschen genug, die zu nützlichen Spenden gerne bereit wären. Ein Schwindlerquartett ausgehoben Gaunereien sondergleichen verübten hier unter der Firma„Credit Straibonrgeois" vier Schwindler, die troft ihres plumpen Auftretens vertrauensselige Menschen um etwa 100 000 Franken betrogen haben. Sie versprachen in Inseraten, an jedermann Kredit zu geben. Kamen Gutgläubige, dann ließen sie sich sowohl für die zu gewährende Kreditsumme, wie auch für die entstehenden, die eigentliche Kreditsumme beinahe erreichenden Unkosten Wechsel ausstellen, die sie sofort in den Verkehr brachten. Allerdings ohne auch nur einen Centime an den Kunden auszubezahlen. Unter den Betrügern befinden sich auch zwei Saarländer, ein Ernst Jenewein aus Dudweiler und ein Alfons L e v y aus Beurig-Saarburg bei Trier. In Meft wurde die Filialleiterin des- Straßburger Unternehmens, eine gewisse Anna B o I 1 e r aus Saarbrücken, bereits zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen die Straßburger Schwindler läuft gegenwärtig ein Un t ersuch ungs verfahren. Einem Kassenboten 60 000 Franken gestohlen Ein Kassenbote, der auf einer hiesigen Bank 60 000 Franken in Tausend Frankeiischeine» in Empfang nahm, um sie bei der ßanque de France in kleinere Stücke umzutauschen, mußte zu seinem Schrecken feststellen, daß ihm das ganze Geld, während er sich am Schalter mit einem Bekannten unterhielt, gestohlen worden war. Die Täter, es handelt sich um zwei verdächtige Individuen, die am Kassenschalter in der fraglichen Zeit beobachtet wurden, werden verfolgt.— Ein eleganter Gauner kaufte dieser Tage in einem Straßburger Juwelengeschäft für tausend Franken einen Ring. Als er den Laden verlassen hatte, stellte die Verkäuferin zu ihrem Schrecken fest, daß ein wertvoller Brillantring(Preis 20 000 Franken) verschwunden war. Da der Dieb vorgab, nachmittags wegen eines anderen Kaufs noch einmal kommen zu wollen, aber nicht erschienen ist, darf man annehmen, daß er nur, um den wertvollen Ring zu stehlen, die ganze Affäre inszenierte. Die Polizei vermutet, daß es sich od einen Gauner großen Ranges handelt. Schreckliches Familiendrama in Mülhausen In der oberelsässischen Industriemetropole erschoß ein arbeitsloser Friseur seine beiden sieben- und achtjährigen Kinder, worauf er sich selbst entleibte. In einem Brief gibt der unglückliche Mensch an, daß er nach vergeblichem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit diesen Schritt getan habe, der ihm als letzter Ausweg geblieben sei. Die Polizei säubert In den Straßen der Altstadt und ihren verschiedenen Lokalen wurden in den letzten Tagen polizeiliche Razzien durchgeführt. Dabei gelang es jedesmal, Elemente aufzustöbern, die sich entweder unerlaubt hier aufhalten oder aber sonstwie gegen die Gesetze verstoßen haben. Sie wanderten in die Fadengasse. H B»gFK*ISTEN ^ Aus 6er Pfalz wird uns geschrieben: Was in her.„Deutschen Freiheit" schon für die allgemeinen Verfjältnine festgestellt wurde, trifft auch speziell für die Pfalz zu. 3» Ludwigshasen sind am„Zag der nationalen Solidarität" ganze 5000 Mark gesammelt worden. Pirmasens bat der Stadtrat noch lstsZ den Betrag von 25000 Mark bewilligt als Weihnachisbeihilse. Dazu kam dann noch das von den Wohlsahrtsverbanden gesammelte Geld unter Leitung der Stadt, wobei stets mestr erzielt wurde, als setzt bei der mit so großem Zainlam ausgezogenen Sammlung, bei der die meisten Pfennige gegeben haben, um den Belästigungen zu entgehen. Auch was srüher an Hergabe von Kleidern und Wäsche für die Armen geleistet wurde, hat heute kein Beispiel. 6. v. Sl. Ihr Jvreund ist noch nicht ganz von der Echtheit des Ernstschen Dokuments überzeugt? Er glaubt noch an Hitlerdementis? Erinnern Sie ihn doch daran, daß man auch die Homosexualität stiöhms stets bestritten habe, bis sie von Hitler selbst nach dem 80. Juni bestätigt wurde. Das Dokument Ernst ist übrigens einer genauen Untersuchung unterzogen worden. Anerkannte Schrift- ernerten hätten bestätigt, daß die Unterschrist unter dem Dokument von Ernst selbst stamme. Cr B., Warschau. Wie Sie nnS schrieben, ist die Verbreitung des in Polen bisher verbotenen Buches„Mein Kamps" von Adolf Hitler — deutschen Pressemeldungen zufolge— freigegeben worden.— Die polnischen Leser werden kaum Sympathien für Hitlerdeutschland gewinnen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dir»» weiter: für Inserate: Ctto Kuhn In Saarbrüchen. Notationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 770 Saarbrücken. Was ist's mit dem Arbeitsdienst? Lies„Jungens im Moor" und du weißt es! Ein erschütterndes Dokument! In seinen einfachen Worten zeigt es, wie der Idealismus der deutschen Jugend von unfähigen Kommißknechten erschlagen wird. Was die Nazis anfassen, wird Zwang, Sklaverei und Militarismus. Das beste an jeder Sache erstirbt: Die Freiwilligkeit! Man muß das Wort„freiwillig" vom deutschen Arbeitsdienst streichen. M. M. ein alter Lagerführer. Dies Buch müssen alle Eltern und Jugendlichen lesen! 48 Seiten. Preis 2,— Fr.. Bestellungen erbeten an Verlag der„Volksstimme" Saarbrücken 3, Schützenstraße 5, Telefon 2 07 31 und seine Buchhandlungen: Saarbrücken, Trierer Straße, Neunkirchen und Saarlouis. SAARLÄNDER BEIM ARBEITSDIENST