Sinzige unabhöngige Tageszeiiung Veuilchiands Nr. 284— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 2&7 Dezember 1934 Chefredakteur: M.Braun Znq.li&ctie Jzuppen in Saacbciidken „3Ceüntückiscfiec Anqciß" auf den Zucfithausstaat Seite 2 50 000 Jxanken Ü5elaknmg. Seite 3 „Den Juden uxicd kein diaac qekciunmt" Seite 4 ■I Geheime Sturmbefehle Die Zersetzung und das Schwinden der Massenbasis Vor großen Ereignissen Düsseldorf, 19. Dezember 1991. „Kameraden, nicht schwach werden... stöhnt nicht unter den Lasten und Irrtümern des Tages." „Völkischer Beobachter" uvm 6. Dezember. Die Kriegspsychose ist im Abslauen, da man die Einigung über die Saarsragen im Falle der Rückgliederung als eine große Entspannung zwischen Frankreich in Deutschland bc- wertet. Das allgemeine Interesse bleibt aber aus die Saar- abstimmung am 13. Januar konzentriert, und zwar bei den Freunde» wie den Gegnern des Regimes. In den katholischen Kreisen sieht man der Zeit nach dem 13. Januar mit großen Sorgen entgegen, da man als sicher annimmt, daß der Heid- Nische Diktaturstaat unmittelbar nach der Entscheidung im Abstimmungskampse seinen so lange ausgeschobenen Vorstoß gegen die katholische Kirche und deren Laienorganisationc» unternehmen wird. Offenbar wird auch davon gesprochen, daß eine Vergeltungsaktion gegen viele Priester an der Saar einsetzen werde, da bekannt sei, daß sie in der Stille für den Status quo arbeiteten. Es könne höchstens noch eine Schonfrist gewahrt werden, bis der Völkerbund seine endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Saargebietes aus Grund der Abstimmung»- ergebnisse getrossen Hobe. Die meisten Katholiken, insbeson- dere die sehr aktive Jugend, wünsche» eine Niederlage Hit- lers an der Saar. Als ein Anzeichen neuer großer Kämpfe gegen die katho- tische Kirche wird angesehen, daß vom 1. Januar i» Esten eine Zeitschrist„Der romsreie Katholik" herauskommen soll, die als großes Kampsblatt für eine romsreie deutsche katholische Kirche gedacht ist. Sie sott in Masse,, in allen katholische» Gebieten des Reichs verbreitet werden. A Die TA. hat im Weste« ihre frühere Bedeutung für das Regime verloren und wird wegen der zahllosen Karrup- tions- und Sittlichkeitssälle in ihren Reihe,, manchmal sogar offen verhöhnt. Man fühlt, daß die Reichswehr, die alte hohe Bürokratie und die sonstigen kapitalistisckwn und feudalen Kräfte den„Führer" Hitler mit Erfolg vo„ seiner früheren organisierten Massenbasis trennen und ihn ganz von den bewaffneten Kräften des Staates abhängig machen, die gegen Hitler loyal sei» mögen, weil sie ihn noch brauchen, da er als einziger im ganzen System»och einen Nimbus ans viele Deutsche ausübt iwarum ist kau», zu be- greifen!. Vom Nationalsozialismus i„ irgend welcher Form ist aber weder im Staat noch'n der Wirtichast die Rede und das begreisen allmählich auch die auf das Pro- gromm Hereingefallen. Entsprechend wachsen die Zer- setzungöerscheinungen i„ der Partei und in ihre,, Miliz- formationen. Austritte, passive Resistenz in der Beitrags- zahlnng, Drückebergerei bei den Hebungen bäuse» sich. Das gilt sowohl für die SA. wie für die SA.-Rcserve, während die SS. noch in besserer Disziplin unb Stimmung ist. 5.er wird sich die Entwassnungsaktion, die eben erst beginnt, noch auswirken. Wir veröffentliche» nachstehend einige im Original in unseren Händen befindlichen Sturm- nick Brigodebcsehle. Um das Forschen nach unseren Gewährsleuten, die heute noch Kommandostellen in der SA. und in der SAR. innc- haben, zu erschweren, sind die nähere» Bezeichnungen fort- gelassen. Die Echtheit der Befehle wird nicht bestritten werden, da es solche Befehle zu Hunderten gibt: Slarmbeiehl Betrifft: Antrittsstarke. Das Interesse am Dienst hat in der letzten Zeit stark nachgelassen. Zu dem Dienst, am Donnerstag waren nur 25 Mann angetreten. Unklarheiten über die Teilnahme an der Parteiversammlung, Sektion Neustadt, bestehen nicht. Angehörige des Sturmes haben unbe- dingt teilzunehmen, auch nenn sie in der Mittel- oder Altstadt wohnen. Die Scharführer sind für rolle Antrittsstärke verantwortlich. Nicht stichhaltige Entschuldigungsgründc sind mir zu melden. BrigaflehefeW Die Neuorganisation der SA. verlangt ein S.4.-Führerkorps und SA. Manner, die in restloser Hingabe zum Führer und zur Bewegung stehen und beweisen, daß sie wert sind, das Braunhemd weiterhin in Ehren tragen zu dürfen. Dazu ge- hört in erster Linie pünktliche und lückenlose Teile, June am S.4.-Dienst, der gerade im kommenden Winter ganz besondere und z. T. neue Anforderungen stellen wird. Um einen genauen L'eberblidt über die Eignung von SA.- Führern und SA.-Männern meiner Brigade zu erlangen, sind den Standarten bis zum I. 11. 1934 Listen einzureichen, die aus den Unterlagen der Dienstbücher zu beschaffen sind, und zu enthalten haben: a) seit wann in der SA., Parteigenosse? b) wie oft seit dem I. 1. 1934 unentschuldigt dem Dienst ferngeblieben? Stichtag 5. 10. 1934; c 1 ist der Betreffende weiterhin für die SA. tragbar oder ist seine Dienstentlassung zu beantragen? Hierbei ist besonders darauf aufmerlcsam zu machen, daß etwaige persönliche Differenzen nicht die Ursache eines derartigen Antrages sein dürfen. Der betreffende SA-Führer se/jt sich hierbei selbst der schwersten Bestrafung aus. M e c k e r e r und Besser w i's s e r haben keinen Platz mehr in der S.4. Die Führung und Kontrolle der Dienstbücher ist besonders streng zu beachten. fz Zu dem vorstehenden Brigadebefehl haben die Scharführer ihre Dienstkontrollbücher zur Kontrolle abzuliefern. Betrifft: Beitragszahlung Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß derjenige S.4.- Fülirer und SA.-Mann der mit seinen Beiträgen länger a l s 3 Monate im Rückstand ist, rüclcsichts- los aus de r SA. ausgeschlossen wird. Der Führer des Sturmes gez An die Einheilen der SA v I. In zunehmendem Umfange habe ich in der legten Zeit die Beobachtung machen müssen, daß es in der SAR. 1 Männer gibt, die in ihrer Dienstauffassung und der Erfüllung ihrer durch das SA.-Trcuegelöb- n i s a u f den Fühl er Adolf Hitler eingegangenen Pflichten gegenüber der SA. eine völlig abwegige und in jedem F all untragbare Einstellung erkennen lassen. Diese findet darin Ausdruck, daß die Betreffenden es nicht für nötig halten, den an sie ergangenen SA.-Dienstbefehlen die erforderliche sowie gebührende Beachtung entgegenzubringen, da sie anscheinend glauben, die Teilnahme am SA.-Dienst in ihr freies Ermessen und persönliches Belieben stellen oder aber eine solche als für sie überhaupt b c d e utun g s- und interesselos betrachten zu können. Ich weiß, daß diese Männer nur in geringem Ausmaße anzutreffen sind und der weitaus größte Teil der SAR.-Männer seinen SA.-Dienst mit anerkennenswerter Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit obliegt. Um so schärfer und unnachsichtiger gegen die Lauen und Drückeberger einzuschreiten, ist daher erforderlich. Ich ordne infolgedessen hiermit an: 1. Wer in Zukunft dem ordnungsmäßig angesefften SA.- Dienst ohne Entschuldigung fernbleibt oder aber sein Fehlen nicht stichhaltig und einwandfrei begründen kann, ist zunächst eindringlich zu verwarnen und darauf hinzuweisen, daß im Wiederholungsfalle eine Bestrafung und beim dritten Male der A u s s c h lu ß a u s der.S A. gemäß Zif. 7b und c der ADO. erfolgt. Jeder einzelne Mann, der auf diese Weise aus der SA. ausgeschlossen wird, ist mir namentlich zu melden und über sein Verhalten, das die Entfernung aus der SA. erfordernlachte. eingehend zu berichten. Ich werde sodann über die Oberste SA.-Führung dafür Sorge tragen, daß den Betreffenden dadurch zugleich auch die Zugehörigkeit zu jeder der anderen nationalsozialistischen Gliederungen, bzw. solcher, die für sich eine derartige Bewertung in Anspruch nimmt, versperrt wird. Entlassungsgesuche aus der S i R. I sind nur dann zu genehmigen, wenn die Begründung der nachgesuchten Entlassung eine in jeder Beziehung stichhaltige und einwandfreie ist. (FonieBuna nebe nächste Seite!) Slenerpranger und Aedifung Aufregung in Mittelstandskreisen Berlin, 19. Dezember. Die sämtlichen Finanzämter des Reichs haben mit den Stcuererklärungoformularen drohende Flugblätter versandt, die unbedingt bis zum 31. Dezember die Begleichung aller Steuerrück st ände ver- lange». Die Ausforderung, hinter der der Wille zu schärf- stcn Pressionen steht, bezieht sich nicht nur aus die Rückstände des Jahres 1931, sondern auch auf die früheren Jahre. Man sucht die Zahlung dadurch zu erpressen, daß erklärt wird, nach dem 1. Januar würden Listen der säumi- ge„ Steuerzahler veröffentlicht, wodurch die m't der Zahlung Rückständige,, sich selbst aus der Volks- gemeinschast ausgeschlossen hätten. Es kommen hauptsächlich kleineGeschästsleute und H a n d w e r k e r in Frage, also Schichten, die zu den trcucstcn Stütze,, des National- sozialismus gehörten. Allgemein kann man von ihnen hören, diese Maßnahme müsse im Saargebict plakatiert werde», damit der Mittelstand dort w'sse, was seiner bei der Rückkehr in dieses Reich harre. Das Petnliche an der Sache ist, daß es sich vielfach um Geschäftsleute handelt, die infolge der Krise wirklich nicht in der Lage sind, aus einmal die Steuern nach- zuzahlen, die sie in der ersten Zeit des jetzigen Regimes in dem naiven Glauben nicht abge- liefert haben, Hitler werde seine Ver- sprechnngen aus Steuererleichterungen sür de,, M> t t e l st a» d wahr machen. linier Sem Kriegszustand Zur Lage in Spanien (P. G.) Seit einiger Zeit weih die Presse über Spanien nichts mehr zu berichten. Spanien nimmt in den Blättern kaum mehr Raum ein als in normalen Zeiten. Dennoch wäre es falsch zu glauben, doh Spanien normale Zeiten erlebt. T>ah der Kriegszustand, der ursprünglich für einen Monat erklärt worden war. seither zweimal um je einen Monat verlängert wurde, ist genügend Beweis für den Ernst der Lage. Der Feldzug gegen die Arbeiterorgani- sationen geht ungehemmt weiter. Die Unterdrückung steht weiter auf der Tagesordnung. Der Rachedurst der Reak- tion ist noch nicht befriedigt. Infolge der Vorzensur der spanischen Presse ist es kaum möglich, aus ihr zu erfahren, was in Spanien vorgeht. Aber zwischen den Zeilen lesend und aus den einzelnen Nachrichten kann man sich ein Urteil darüber bilden, wie sehr die Mitglieder der Arbeiterbewegung, selbst jene, die am Aufstand nicht teilgenommen haben. Widerrechtlichkeit, Willkür. Haft und allen Unterdrückungsmethoden aus- geliefert sind, die unter dem Kriegszustand möglich sind. Ein paar Beispiele: Spanische Justiz Am 27. November bestätigte das Oberste Gericht das Urteil im Prozeh gegen eine Reihe Mitglieder der Ver« waltung des Volkshauses, des Zentralsekretariats der Partei und der Gewerkschaften in Madrid, wegen des Funds von Waffen und Explosivstoffen in diesem Gebäude im September. Das Haus war damals anläßlich des Generalstreiks im September von der Polizei geschlossen worden, die Waffen wurden aber sonderbarerweise erst einen Tag nachdem das Gebäude eine Woche später wieder geöffnet worden war, gesunden. Die damals Verhafteten wurden nach dem Oktoberaufstand von einem Schnell- gericht verurteilt. Der Prozeh brachte keinerlei Beweis dafür, dah den Angeklagten das Vorhandensein der Was- fen bekannt war. Int Gegenteil, es gab Verdachtsgründe, die darauf hinweisen, dah sie von der Polizei eingeschmug- gelt worden waren, um einen Vorwand sür ihr Vorgehen zu schaffen. Dennoch wurden sechs Mitglieder des Ver- ivaltungskomitees des Volkshauses zu drei Iahren Ge- fängnis und zu Geldstrafen verurteilt, einer zu zwei Iahren Gefängnis und Geldstrafe, während die 45 Organisationen. denen das Volkshaus gemeinsam gehörte, auf- gelöst wurden. Zehn Angeklagte wurden freigesprochen. Das Urteil des O b e r st e n Gerichts in der Be- rufungsverhandlung war noch st r e n g e r. Es bestätigte nicht nur die in der ersten Verhandlung gefällten Strafen und die Auflösung der 45 Organisationen, sondern ver- urteilte auch die zehn ursprünglich Freigesprochenen zu je sechs Monaten Gefängnis. Das Schnellgericht hatte noch in der gespannten Atmosphäre unmittelbar nach dem Auf- stand getagt. Der Oberste Gerichtshof verhandelte erst einige Woche» später. Sein Urteil ist charakteristisch fm die gesamte spanische Justiz, die zweifellos unter dem Cr' druck dieses Urteils steht. Willkürliche Haft Am 98. November veröffentlichte„Heraldo de Madrid" einen Brief des Abgeordneten für Valladolid Don Eusebio Gonzalez 2'.! a r e z an den spanischen Iustizminister. SXS^ISSSL. Jeimliiddsditr mar fit«» ta umrnitm Große Ansammlungen am Saarbriicker Haupt bahnhof Saarbrücken, 19. Dez. stiegen Mittag sind die ersten englischen Truppen i» Saarbrücken eingetroffen und zwar ein Offizier und 49 Manu vom stlegimen« Estex, ferner 1 Offizier und 40 Mann vom Eaft-Lancashire-Regiment, außerdem 129 Mann und ZU Kraft,vage» mit Verpslegungs- fotdate». Außerdem ist ein Güterzug mit etwa 2.Z Waggons eingelaufen, die Lebensmittel und Material enthalten. Kür die Bevölkerung Saarbrückens ist da».Ereignis eine grobe Sensation. Vor dem Bahnhos zeigten sich gemaltige Menschenansammlungen. Die Polizei hat Slbsperrnngs- maßnahmen vorgenommen. Die Menge verhielt sich Ins zur Stunde ruhig und es kam bis gege„ 12 Uhr zu keinerlei Kundgebungen. Darin verweist Suarez auf eine Erklärung des Ministers in den Corles, datz sich in den spanischen Gefängnissen keine Personen befänden, gegen die nicht ein Verfahren im Gange sei. Suarez erklärt, daß sich zur Zeit im Gefängnis Medina del Campo fValladolid) öüGefangene befänden, die bis zu 47 Tagen im Gefängnis seien, ohne daß sie ein Richter vernommen habe, oder gegen sie verhandelt worden sei. Einige der Gefangenen führt er mit Rainen an. Es handle sich um Arbeiter, die zu Beginn des Generalstreiks in Haft gesetzt wurden— obwohl einige von ihnen am Streik nicht teilnahmen—, der Untersuchungsrichter, der keinen Anlaß zum Ein- schreiten gegen sie fand, setzte sie wieder in Freiheit. Sie wurden dann neuerdings verhaftet und fast 50 Tage in Haft behalten, ohne daß eine Anklage gegen sie erhoben wurde oder ein Verhör stattfand. Andere ebenfalls namentlich angeführte Häftlinge wurden um die gleiche Zeit in Haft gesetzt, weil sie ihre Geldstrafen nicht bezahlt hatten. Während ihrer Haft wurden dann die Strafen bezahlt, die Häftlinge aber nicht freigelassen. Andere Gruppen von Arbeitern wurden in dem gleichen Gefängnis nahezu einen Monat lang ebenfalls willkürlich in Haft gehalten. So'20 Arbeiter aus Torrecilla de la Orden, 13 aus Rueda und andere aus Caftrejon. Von diesen letzteren wurden einige nach ihrer Inhaftsetzung zu Geldstrafen verurteilt.„Zweifellos um ihre willkürliche Verhaftung zu rechtfertigen", erklärte Suarez. Alles das bezieht sich aus ein einziges Gefängnis. Was geht in den übrigen Gefängnissen in ganz Spanien vor? Unterdrückung Dieselbe Nummer des„H e r a l d o de Madrid" berichtet! „Bon Badajoz erhalten wir einen energischen Protest- bries gegen^ die Unterdrückung der Arbeiter in dieser Provinz." Seit der Gründung der Republik habe es in Badajoz niemals so ruhige und friedliche Tage gegeben wie unmitelbar vor und nach dem Aufstand. Die Arbeiter konnten in dieser Provin' nicht an dem Streik teilnehmen, da ihre Organisationen zerstört, ihre besten Führer ver- haftet und.ihre Häuser schon einige Monate vorher ge- schlössen worden waren. Das herrschende System ist Rechtlosigkeit und Willkür. Die Jostiimasdiine arbeitet mit llodidnufc Sfaaf und Partei Ein Tobsuchtsanfall des„Angriff" Berlin, 19. Dezember. In der Form einer schroffen und schimpfenden Polemik gegen die„Frankfurter Zeitung" äußert der Berliner„An- griff" die Besorgnisse der Parteibonzokratie gegen die zu- nehmende Macht der Ttaatsbürokratie einschließlich der zu hohen Staatsämiern und Gehältern gelangten Rationalsozia- listen. Ter„Angriff" verlangt nach wie vor Respekt vor der Hoheit der NSDAP, und wirst der„Frankfurter Zei- tung" unverschämte O u e r f u» k e r e i gegen die Par- tei vor. Das Frankfurter Blatt werfe sich zum ttonjuristen des Staates gegen die Partei aus. Das sei eine voreilige Unverschämtheit, soweit sei man im„dritten Reich" noch nicht, daß man sich erlauben könne, das Verhältnis nationalsozia- listischcr Ministerien zur NSDAP, zu bestimmen. Man möge sich nicht täuschen: die 25 Programmpnnkte der NSDAP, seien unantastbar. Unantastbar? Es ist aber kennzeichnend, daß der„Angriff" sich nur aus den antisemitischen Teil des Parteiprogramms zu bezichen ivagt. Er rempelt die„Frankfurter Zeitung" an, weil sie sich darüber beklagt hat. daß in Frankfurt viele arische Geschäfte an ihre Türe die Bezeichnung„Deutsches Geschäft" anbringen. Die Juden, so meint der„Angriff", hätten ihre alte Zähigkeit wieder gefunden.„Sic kommen zurück ans Prag, Paris oder Amsterdam, bezichen ihre Villen wieder in den westlichen Vororten Berlins und legen gleichzeitig mit ihrer polizeilichen Anmeldung einen Tansendmarkschein für die Volksivohlfahrt aus den Tisch. Sie tun das, um gegen Ruhestörung und lästige Kontrolle gesickert zu sein." Es ivird sich zeige», ob die Wut des„Angriffs" noch irgend etwas zu bedeuten hat oder ob die„Frankfurter Zeitung" unbehelligt bleibt. SeNelme Zlurmdeievle Fortsetzung von Seite l. Mit den Männern, die troff Ablehnung ihres Antrages dem SA.-Dienst fernbleiben, ist sinngemäß zu verfahren, wie ich das unter Zif. 1 angeordnet habe. Dieser Befehl ist bei den nächsten 3 Sturm- bzw. Trupp- appellen in aller Nachdrücklichheit bekanntzugeben und dafür Sorge zu tragen, daß jeder einzelne Angehörige der SAR. I von ihm Kenntnis erhält. Meldung des Veranlaßten ist mir bis zum 30. 10. 1934 zu erstatten. Der Stabtführer der Brig. R 37 F. d. R. Der Führer der Gruppe Mitte m. d. W. d. G. b. i. V. gez.: Herbst, gez.: Nibbe, Obersturmbannführer. Brigadefiihrer. Achnliche ärgerliche Notrufe l•« Führer liegen nn» aus der„Deutsche,, Arbeitsfront" vor. Wir behalten uns vor, auch diese zu veröffentlichen, so- bald dies ohne Gefährdung für unsere Bertranenolentc möglich sei» wird. Katholiken werden eingesperrt Darmstadt, 19. Dez. Das hessische Sondergericht verhän- delre gegen vier Personen, die sich wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heim- lückischer Angriffe zu verantivorten hatten. Bei dem einen Angeklagten, einem 45jährige» früheren christlichen G c w e r k s ch a s t s s e k r e t ä r, der im Verdacht stand, an ausländische Zeitungen Material gegen das neue Deutsch- land geliefert zu haben, ivar eine Durchsuchung vorge- nomine» ivorden: sie förderte ein Heft znlage mit ge- sammelten Artikeln aus alter und neuer'.Zt. darunter auch einen, der Beschimpfungen Adolf Hitlers enthielt.. Gerade diesen Artikel hatte der Angeklagte, ivie die Untersuchung ergab, Besuchern seines Ladens zu lesen gegeben. Timmtr, der schon einmal vom Tondergericht mit drei Monaten Gefängnis bestraft ivorden war, wurde jetzt zu einem Jahr G e f ä n g n i s verurtciU Einem jungen Mann, der in die gleiche Angelegenheit verwickelt war, kam die Amnestie zugute. Sechs Wochen G e> ä n g n i s erhielt ein k a t h o- l i s ch e r T h e o l o g i c st u d c n t. Er hatte eine n ehe- maligen Klassenkameraden, den er zufällig auf der Straße traf, seine Meinung über die Regierung und ihre Politik in ziemlich abfälliger Weise kundgetan, so daß dieser, von jeher Nationalsozialist, sich verpflichtet fühlte, die Sache anzuzeigen. Strafmildernd waren die Jugend und die llneriahrenheit des Angeklagte». Ein Bries an den Reichspräsidenten stand im Mittelpunkt der Verhandlung gegen einen 22iährigen An- geklagte». Er erklärte, zuerst Katholik und dann Deutscher zu sein: er ivill sich dem Missionsdienst widme» und legte vor Gericht seine Stellung zu Staat und Kirche dar. Dein Papst habe Christus alle Macht ans Erde» übertragen, und solange der Staat nicht gegen kirchliche Gesetze ver- stoße, könne er tun, was er«volle. Als nun aber etwas ge- schah, was nach Ansicht des Angeklagten vom katholischen Standpunkt aus nicht angängig war. schrieb er an den Reichspräsidenten einen Besch w erde brs es mit Vorschlägen zur Abhilfe. Auch ging er init ähnlichen Klagen zu verschiedenen Leuten— ivie ei beteuerte, nicht, um sie aufzuwiegeln, soandcrn um ihre Seelen zu retten. Er wurde zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Renitente Bauern Braviischweig, 19. Dez., In Aöersheim wurde auf Veranlassung des braunschivcigischen Ministers des Innern der frühere Gemeindevorsteher in Schutzhaft genommen, weil er versucht habe, das Aufbauwerk des Führers und Reichskanzlers dadurch zu sabotieren, daß er weder am 1. Mai 199:! noch am 1. Vi a« 1 934 am Tage der deutschen Arbeit t e i l g e n o>n m e n hätte. Außcrdein habe er am Tage vor dem in Braunschweig abgehaltenen Landesbauerniag feinen Landarbeitern erklärt, wer«volle, könne natürlich an« Landesbauerniag teilnehme», wer aber an diesen« Tage arbeite, bekvinine den doppelten Lohn. In dein Betriebe arbeiteten 84 Per- so neu: von diesen nahmen aus Grund dieser Auisorde- rung nur 4 am Landesbauerniag teil De,, Znrückge- bliebenen war in der Tai der doppelte Tariflohn mit doppeltem Deputat gezahlt ivorden. „Meinungsverschiedenheiten" München, 18. Dez. In Eibach gab es«vegen Meinungsverschiedenheiten am Sonntagniittag vor dem Hause eines Einwohners einen Auflauf von 29—39 Personen. Die Polizei zerstreute die Ansammlung. Ein Hauptsturlilsührer, der in dringenden« Verdacht stand, diesen Auflauf inszeniert zu habe», wurde nebst z>v r i «v e i t e r e n Personen in Hast g e n o m«n c n. Strafverfolgung ivird eingeleitet. Tic Polizcidircklion«varnt nachdrücklichst davor. Mein u n g s v e r f ch i e d e n h e i t c,« in irgendwelcher Form auf die Straße z n trage n. Sie«verde in jede«!« Falle rücksichtslos einschreiten. „Wenn Rühm...." „Wenn Roh«,, nicht ermordet«väre,«vüröen unsere Löhne erhöht«verde»". Das Sondergericht hat für diese Bcincr- kling, die ein Erdarbeiter in L i ch t c n f c l d seine,« Käme- reden gegenüber gemacht hat, von dein Sondcrgcricht z» 2 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. ROffitriti des südslawischen Kabir"s Sieg der italionalistlsdien Strömenden? Belgrad, 18. Dezember. Großes Aussehen erregt die Mitteilung, daß Außenminister Jevtitsch und Landivirifchaitoministcr Kojitsch von ihrem Posten zurückgetreten sind. Nach dem Rücktritt der beiden Minister hat das Kabinett eine kurze Sitzung abge halten, in der die Gcsamtdemifsion der Regierung beschlossen «vurde. Ministerpräsident llnnoivitsch verständigte den Regentschaftsrat von diesem Kurs ^Dcr Rücktritt der beiden Minister und die daraus erfolgte Demission des Gesamtkabinetts steht, soweit sich die Dinge augenblicklich übersehen lassen, mehr mit der Außen- als mit der Innenpolitik im Zusammenhang. Am Tage vor dem Rücktritt Jeotitschs fanden in Belgrad, Agram und Laibach st ü r m i s ch e n a ti o n a l i st i sch e Demonstration? n statt. Es«varen vor allem Studenten, die an diesen.Demonstrationen teilnahmen. Mehrere Redner betonten, daß die nationalgcsinnte Jugend Siidslaiviens das letzte Mal demonstriere. In Zukunft sei sie entschlossen, aktiv für Ingo- slawiens Größe einzutreten. Bemerkenswert«var dabei die Tatsache, daß die Demonstranten Sch mäh rufe gegen Ungarn und Italien ausgerufen hatten und gleichzeitig stürmisch den K r i e g S m i n i st e r b c- grüßten. Vor dem Kriegsministcrium hallen einige Red- »er untei Beifall der Demonstranten erklärt, daß das jugoslawische Volk über das Ergebnis der G e n f e r B c r a l n n g e n enttäuscht iei. Bezeichnend «var es, daß die Polizei nicht eingriff, und die Demonstranlen sich austoben ließ Auch im Kabinett haben der Kriegsniinister und seine An- Hänger ihrer Unzufriedenheit über das Ergebnis von Genf Ausdruck gegeben. In dem offiziellen Kommunique teilte der Ministerrat nach einer mehrstündigen Sitzung«im, daß der Bericht des Außenminister» Jevtitich über die Genfer Verhandlungen zur Kenntnis genommen und daß den Ver- biindeten Jugoslawiens für ihre Unterstützung Dank aus- gedrückt wurde. Mit keinem Wort enthielt das Kommunique einen Dank der Regierung an de«, Außenminister Jevtitsch. Aus dieser Tatsache haben der Außenminister und der Land- «virtschaftsniinlster die Konsequenze» gezogen. Es ist z« befürchten, daß das neue Kabinett, falls Jevtitsch nicht mehr Außenminister wird, einen weit schärferen Kur» in der Außenpolitik einschlagen ivird. . Das mum unsere Ehre" Erzblsdsai Großer Erzbischof Gröber in Frciburg ist der katholische Kirchenfürst, der zuerst und am nachdrücklichste» für eine Verständigung mit dem ncuhcidischcn Staat eingetreten ist. Er tut es heute noch, aber wie bitter seine Klage«, ge- ivorden sind, zeigt folgende Rede von ihin, die«vir in der früher katholischen„Germania" finden: „Mit dein feierlichen Treucgclöbnis haben sich die nun- mehr endgültig in den Bund Aufgenommenen zu Gott, E h r i st u s und seiner Kirche bekannt und damit kund- get„n, daß sie jederzeit an dem alte„heiligen katho- li scheu Glanben festhalten«vollen. Wir Katho- liken kenn nur den einen Gott, de» Herrn und Vater aller Völker und aller Rassen. Für uns gibt es keinen Deutschgott oder dergleichen. Wir stehen fest und treu zu der einen heiligen katholischen Kirche»nd wir wollen auch in Zukunft keine andere Kirche. Für uns Katholiken kann es deshalb auch nie und nimmer eine N a t i o» a l k i r ch c geben. Darum geloben«vir auch immer wieder aufs neue die Treue den« Oberhaupt der katholischen Kirche, dein Heiligen Vater in Rom. Dabei sind«vir aber so deutsch ivie jeder andere, denn wir sind deutsch nach Geburt, unsere«» Blute und unserer Gesinnung nach. Wir«verde» es daher auch niemals dulden, daß man sagt,«vir seien«v c n i g e r gute Deuts ch c als andere. Das verletzt unsere Ehre, zumal auch die Katholiken etwa im Weltkrieg genau ivie alle andere» Deutschen um den Bestand des deutschen Vaterlandes kämpften und bluteten und sie auch heute ihrem Volk und Vaterland genau so opserivillig und treu gegen- überstehen ivie alle anderen. Den«, auch heule stellen sich die Katholiken dem neuen Staat voll und ganz zu auf- bauender Mitarbeit zur Verfügung. Und wenn im Verhältnis von Kirche»nd Staat auch noch manche Tinge gbzukläre» sind, so besteht doch heute schon die bcrech- t i g t e Hoffnung, daß«'ich eine volle Einigung zwischen Kirche und Staat erzielen lassen ivird." Kaplan erbölf 10 Plonafe Gefängnis Köln, 18. Dez. In der Nazipresse finden«vir folgenden Bericht: Vor dem Kölner Tondergericht unter dem Vorsitz von Landgerichtödirektvr Dr. Grewc» hatte sich am Mittwoch ein Kaplan St. aus Bonn wegen Vergehens gegen die Verord- nnng voin 23. 3. 1983(Verächtlichmachung der Regierung) zu verantworten. Ter Angeklagte, ei«, 88, ähriger Mann, ist schwer leibend. Bis vor Jahren«var er als Leiter des Schü- lerhelms in Bedburg tätig, mußte diesen Dienst aber infolge seines Nervenleidens aufgeben. Von da ab lebte er in Bonn im Ruhest and. In einem Briefwechsel mit einer Dame in Aachen war von feilen dieses Angeklagte» ans die Zeitungsartikel eines ka- tholischen Geistliche» in Breslau Bezug genommen ivorden. I» diesen Artikeln lm'tc jener Geistliche sich bedingungslos hinter die neue Regierung und den'Reichskanzler gestellt. Diele Tatsache apostrophierte der Angeklagte nun in einen« Brief an die Aachener Dame, er erging sich dabei in Ans- drücken gegen Regierung und Reichskanzler, die schivere V?- lcidignngcn enthielten.. Der Angeklagte machte In der Verhandlung geltend, da» er den beivilkten Brie« in einer große» Erregung geschrw- bei« habe. Ter Vorsitzende stellte seit, daß ihm in«einer Praxis als Direktor des Sondergerichta solche Aiisdriicke nnde die neuen Staatsmänner in Teutschland noch nicht vor Auge« gekvmnien seien. Das Tondergericht verurteilte den Angeklagten nach kurzer Beratung zu einer Gesängniöstrafc von zehn Monaten. <- Wie kommt es«vohl, daß unter der Wciinarcr Republik «n:d hier an der Saar die katholischen Kaplänc«vegen ävn« licher Dinge nicht verurteilt zu werden brauchen? Gleich- gültig, ob sie ncrucnkrank sind oder nicht? Was hat das „drille Reich" an sich, daß es immer wieder und unaufhörlich derartige Dinge provoziert? Eine Frage für Nachdenklich«-'. ver Korrupllonssfaa! Die unterschlagenden braunen Bonzen Kastel, 16. Dez. Der 33jährige Karl Hoß'cld ans Ka'ck" wurde von« Schöffengericht wegen Unterschlagung und U"' treue zum. Nachteil der Deutschen« r b c«t s i r o n t lm Schnellverfahren zu 8 Monaten Gefängnis und 299 SH?» Geldstrafe verurteilt. H.«var ehrenamtlicher Ortsgruö' pc nleiter der D A F. gewesen und hatte in dieier Eigenschaft 3.1» bis 499 Mark veruntreut und für sich verbraucht. Seine bisherige Unbeicholtenheit soivie der cnt» standene geringe Schaden beivahrtcn den Angeklagten vor einer Zuchthausstrafe. I«Sesurkc»c In der Sow|e!un'ost Moskau, 17. Dezember. Im Zusammenhang mit den verschärften Bestimmungen anläßlich der Ermordung KiroivS hat das Oberste Militär- gerichl in Kieiv gegen 37 Personen verhandelt, die beschuldigt «vnrden, illegal die polnische und rumäni.chc Grenze, Waffen ausgerüstet, überschritten zu haben, um Sabotage und Terrorakte in der Ukraine ansz«,führen. Bon 37 Personen sind 28 zu in Tod verurteilt ivorden. Das llrtcll wu>oe entsprechend den« neue» Gesetz sofort vollstreckt. ^DEUTSCHLAND Oßjßnwm Strenge Einrelsevorsdirifiten für das Saargebiet 50000 Franhen Belohnung Die Einheitsfront stellt die braunen Lügner Tie Führer der Einheitsfront im Saargebiet, M a x Stölln und Fritz Pfordt, geben öffentlich folgendes *vefonitt: Um den Lügen und Verfälschungen der„deutschen Front" und des hitleramtlichcn Rundfunks über die Genfer Beschlüsse endgültig ein Ende zu bereiten, stellt die Einheitsfront noch- mals eindeutig fest, dag 1. durch b»c Stellungnahme des Völkcrbnndsratcs die Möglichkeit der zweiten Abstimmung festgelegt worden ist: 2. durch den Beschluß des Bölkcrbundsrates die Renten im Saargebict garantiert worden find; 8. im Falle eines Anschlusses an Hitlcrdcntfchland alle im Saargebict bcsindlichcn französischen Franken und sonst'- gen stabilen Gcldsortcn zwangsweise in Papiermark umgewechselt werden. Tie Einheitsfront verpflichtet sich, 50(100 Franken in bar demjenigen zu zahlen, der imstande ist, das Gegenteil dieser drei Feststellungen zu beweisen. Glitt: Zellen für braune Sdiieber Saarländer kaufen Reichsmarknoten Trotz der Lügen der„deutschen Front", die vor der Bcvöl- kerung verheimlichen ivill, daß im Falle einer Rückgliederung die im Saargebict umlaufenden Frankennoten abgeliefert werden müssen und zu einem Zwangskurs gewechselt werden, sickert langsam, insbesondere in bürgerlichen Kreisen die Wahrheit durch. Tas offenbart sich in der Tatsache, daß eine größere Anzahl von Geschäftsleuten, die die politische Lage nicht übersehen und deshalb mit einer Rückgliederung rech- nen, bereits größere Käufe von Reichsmark vorgenommen habe». Tie Spekulation der Käufer an der Saar geht darauf hinaus. Rcichomarknotcn oder Sperrmark mit dem verm'n- dcrtcn großen T'oaq>o zu erwerben, sie nach der Rückkehr zum Reich zum volle» Rcichsmark-Gegcnwcrt angerechnet zu erhalten. Ebenso werden auch alle möglichen Arten von Waren auf Borrat gekaust, weil man allmählich auch über die Warenknappheit im„dritten Reich" die Wahrheit erfahren hat. Tic Flucht aus dem Franken hat bereits derartigen Um- fang angenommen, daß die Industrie- und Handelskammer zu Saarbrücken die Fabrikanten und Händler crmahnt, von der Anlage ihrer französischen Roten in deutsche Roten und Effekten oder Waren Abstand zu nehmen. Tie Herren Bodo Karchcr, Röchling und Genossen erkläre» heute, ivo die wirtschaftliche Lage im„dritten Reich" kata itrophal ist. daß wirtschaftliche Fragen keine Rolle bei der Beurteilung im Kampfe für die Rückgliederung spielen wurden: denn es handle sich hier um etne Frage des Blutes. Aber während die Herrschaste» auf diese Wette das Volk ver- nebeln, sorgen sie sich aus alle Fälle vor. um auf Kotten der Allgemeinheit durch schmutz-a- Börsentransaktionen sich w'c- der e'nmal die Tasche» zu füllen. Tie Kumpels werden da- gegen stempeln gehen, wenn wirklich das Saargebict zu Hitler kommen würde. So zeigt sich wieder deutlich, was man von der Hitlerparole„Gemeinnutz geht vor Eigennutz halten soll. Ein ßildflrill Major Hemsley Ter Ehcf der saarländischen Polizei, Hemsley, hat dem Präsidenten der Regierungskontmission sein Ruck- trittsgcsuch eingereicht. Präsident linox hat dem E>- ».».«. Hennefs n, der bisher dem Präsidenten Knox unmittel- bar zugeteilt war.^ An die englischen Truppen für die Saar ist ein Tages- b e f c h l ausgegeben worden, ihre Aufgabe d u r ch z»- führen und peinlich höflich gegenüber den E i n w o h n e r n z u s e i n. Ter Tailu Telegraph, der in einem^eitjatz die Worte Simons nochmals unterstreicht, daß der Zwischenfall in Saarbrücken nicht die britische Regierung.sondern die Saarkommiffion angehe, meint, die unglückliche Angelegem heit habe ebenso wenig eine Beziehung zu dem öintre u der Truppen als ein Unsall in den^-tränen. oinons, dn zu einem Streit führe. JtHierismus gegen Jiathotixis Taö Paradoron sowohl der Demokratie wie der m artistischen Lehre besteht darin, daß fie'^^isa'chlich vc ehrloseste materialistisch- Weltanschauung atsachltch^v-r^ treten»nd bewußt alle Triebe nähren, de-( fördern tonnten, zu gleicher Zc.t aber:«0*c Bar ihre Liebe zu de.. Unterdrückte» und Ausgebeuteten bc O. i ,r 4t spielen wie im römische« System.... Rotenberg, der vom Fuhrer und Reich■ L I mit Irr weltanschaulichen Erziehung de, Nation kanzle, mi Nationalsozialismus in seinem beauftragte Thron tlke,^ Jahrhundert Bon der Regierungskommission wird mitgeteilt: Für die Turchsührung der beiden Beiordnungen vom'29. November 1984 über die Einreise- und Aufenthaltsgenehmigung für das Saargebict in der Abstimmungszeit ist folgendes zu beachten: 1. Personen, die bereits im Besitze einer befristeten Aufenthaltsgenehmigung für das Saargebiet sind. Tiefe Genehmigung, einschließlich der bis auf weiteres erteilten, müssen vor dem 27. Tezembcr 1934 erneuert werden und zwar auch in Fällen, wo der Inhaber in der Zeit vom 27. Tezember 1934 bis 20. Januar 1935 nicht in das Saargebict ein- und ausreist. Tie Er- Neuerung erfolgt durch Ausdrücken eines besonde- rcn Stempels auf die bereits erteilten Aufenthalts- genchmigungen und ist bei der zuständigen Polizei- Verwaltung zu beantragen, in dringenden Fällen direkt bei dem Paßbüro der Regierungskoinmission im Reuen Landgericht. Dieser Erneuerungsstempel ist mit 2 Franken gebührenpflichtig. 2. Personen, die sich in der Zeit vom 27. Dezember 1984 bis 28. Januar 1985 im Saargebiet aufhalten wollen. Tie Genehmigung für diese Zeit wird n u r in nachge- wiesenermaßen dringenden Fällen bewilligt und zwar müssen vollgültige Nachweise über die Dring- lichkeit zur Vorlage gebracht werden, wie z. B. ärzt- liches Attest über das Erfordernis einer Pflege oder Bc- gleituug, standesamtliche Bescheinigung über eine bevor- stehende Berchelichung, Name, genaue Adresse und Ber- wandtschastsgrad der zu besuchenden Personen, linterlagen über das Bestehen von Geschäftsverbindungen im Saargc- giet u. a. Tie Beantragung bat unter Borlage des Reise passes oder Personalausweises und eines schriftlichen Gesuches mit genauen Angaben über Zweck, Ziel und Tauer des Aufenthaltes im Saargebict bei der Abtei- l n n g Verkehrswesen der Direktion des Innern der Regierungskommlssion zu erfolgen. Tic vorgeschriebene Gebühr von 20 Franken ist im voraus zur Einzahlung zu bringen fPostschcckkonto Nr. 255 der Abteilung Verkehrswesen der Regierungskoinmission beim Postscheckamt Saarbrücken». 8. Außerhalb des Saargcbietes wohnhafte Abstimmung»- berechtigte. Tiefe benötigen zur Einreise in das Saargebict während der Zeit vom 27. Tezember 1984 bis 20. Januar 1935 lediglich ihren Abstimmungsausweis und den Reisepaß. Wollen sie sich länger als 24 Stunden im Saargebict aufhalten, so muß eine Anmeldung bei der zuständigen Polizeibehörde erfolgen und die Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung berechtigt in diesem Falle ausnahmsweise zum Ausenthalt bis zum 14. Januar 1 935. Für einen Aufenthalt über diesen Zeitraum hinaus ist bei der zuständigen Polizeiverwaltung eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, die durch die Ab- teilung Verkehrswesen der Direktion des Innern der Re- gierungskommission erteilt wird. Weitere AiisfUlirungsbestimmiingen Saarbrücken, 18. Dez. Tie Regierungskommission ver- össentlicht folgende Ausftthrungsbestimmugen zur Ber- ordnung vom 29.'November 1934 betr. Einreise in das Saargebiet(Amtsblatt 634 Nr. 602): Gemäß Artikel 8 der Verordnung vom 29. November 19:14 betr. Einreise in das Saargebiet wird folgendes bc- stimmt: 8 1 Tie Genehmigung zur Einreise in das Saargebiet wtrv erteilt von der Abteilung des Innern. Sic ist schriftlich zu beantragen unter Borlage eines mit Lichtbild versehenen Passes oder Personalausweises. In dem Gesuch ist Zweck, Tauer und Ort des Aufenthaltes im Saargebiet genau anzugeben. 8 2 Die Genehmigung ist nachzusuchen vor der Einreise in das Saargebiet. Sie wird in dem Paß oder Personalaus- weis vermerkt und ist bei der Einreise den kontrollieren- den Beamten vorzuzeigen. Sie ist ferner der Ortspolizci behörde des Ortes, in dem der Aufenthalt genommen wird, innerhalb 24 Stunden nach der Einreise vorzulegen. Wird innerhalb der ersten 24 Stunden der Aufenthalt gewechselt, so genügt die Vorlage bei einer Ortspolizei- behörde. 8 3 Tiejenigen Personen, denen die Genehmigung zum vor- übergehenden Aufenthalt im Saargebiet bereits erteilt ist, haben, wenn sie sich nach dem 26. Dezember 1984 im Saar- gebiet noch aushalten wollen, erneut die Aufenthaltsgeneh- migung bei der Regierungskoinmission, Abteilung des Innern, nachzusuchen. Tie Genehmigung des weiteren Auf- entHalts erfolgt durch Abstempelung des Passes oder Per- sonalausweises. Einer erneuten Meldung bei der Orts- Polizeibehörde bedarf es nicht. 8 4 Tie Einreisegenehmigung kann jederzeit widerrufen werden. Sie ist insbesondere zu widerrufen, wenn sich er- gibt, daß sie durch unwahre Angaben erwirkt worden i»t. 8 5 Inwieweit Ausnahmen von dem Erfordernis der Ein- reifegenehmigung in besonderen Fällen(im Grenzverkehr bei Personen, die dienstlich in das Saargebict einreisen müsien usw.) zugelassen sind, wird durch besondere Ver.- fügung bekanntgegeben. Me Parole des faarharnpfes: rar oder gegen Hitler! Nachdem der Abstimmungskamps an der Saar in sein ent- scheidendes Stadium getreten ist, stehen die Saarprobleme im Vordergrund des Interesses der europäischen Presse. Tic großen Blätter bringen über das Saarproblem zahlreiche Artikel, in denen die verschiedenen Fragen, die mit dem Abstimmungskampf verbunden sind, erörtert werden. Von besonderem Interesse sind in dieser Beziehung die Artikel, die in den dcutschsprechenden Zeitungen der Schweiz er scheinen. Vor allem ist es die„N e u e Z ü r ch c r Z e i t u n g", die größere objektiv gehaltene Beiträge bringt. In ihrer Ausgabe vom 18. Tezembcr veröffentlicht das Blatt einen Artikel über den Endkampf an der Saar, in welchem dieses angesehene Schweizer Blatt die Lügen der„deutschen Front" in bezug aus die zweite Abstimmung wie folgt entlarvt: „Tie Genfer Beschlüsse und Abmachungen brachten eine ' neue Rote in den Saarlampf. Zuvor herrschte über wescnt- liche Punkte der Abstimmung und der späteren Reglung Unklarheit. Eines stand allerdings seit langem iest: die Saarabstimmung hatte in den letzten zwanzig Monaten einen andern Sinn erhalten, als ihr im Friedensvertrag von Versailles ursprünglich zugedacht war. Es geht nicht mehr um die Entscheidung, ob die Menschen dieses Grenz- landes Deutsche oder Franzosen seien. Tas Deutschtum der Saarbevölkerung ist in der großen Auseinandersetzung um die Taarsragc vielleicht die einzige sichere und unbestrittene Tatsache. Ter Sinn des 13. Januar liegt nicht mehr in der nationalen Zugchörigkeitssrage, sondern— so sehr sich auch Teutschland gegen diese Auffassung sträubt!— in der zeit bedingten Frage: Für oder gegen Hitler? Für oder gegen sofortige Rückgliederung an Teutschland? Bei der Behandlung des Deierberichts haben mehrere Ratsmitglieder des Oer Vatikan neutral Abstimmungsfreiheit für Katholiken Paris, 18. Tezember. Tie Pariser Presse veröfsentlicht heute abend folgende im „Osservatore Romano" abgedruckte offiziöse Feststellung: „Gewisse Blätter haben in den letzten Tagen verschiedene Informationen über angebliche, von deutschen Krei- s e n aus den Heiligen Stuhl in Verbindung mit der Saar- frage ausgeübte Beeinflussung veröffentlicht. Wir können versichern, daß diese Informationen jeder Grund läge entbehren und daß der Heilige Stuhl seiner absolut neutralen und unparteiischen Hal- t u n g treu geblieben ist und t r e n bleibt." Völkerbundsrates die Möglichkeit einer zweiten Volk?» abstimmung erwähnt und sie für den Fall einer Abstim- mungsmehrheit zugunsten des Status quo garantiert. Daran kann man auch ein Zugeständnis Frankreichs an die deutsche Auffassung in der Taariragc erkennen. Auch Frankreich stellt sich damit auf den Standpunkt, daß dos Saargebict deuiich ist und deutsch bleiben will. Am 13. Januar geht es nur um sofortige oder spätere Rück- gliedern»»." Ferner beschäftigt sich das Blatt damit, daß sich die beiden geistlichen Oberhirten des Saargcbietes, die Bischöse von Trier und T p e n e r. die zwar von den Geistlichen strikte Neutralität verlangen, selbst aber offensichtlich ans ihrer neutralen Reserve herausgetreten sind. Tann geht der Artikelschreibcr aus die Demonstration der Röchling-Front am Sonntag, dem 9. Dezember, ein und macht dazu folgende bezeichnende Bemerkung: Wie viele davon waren Abstimmungsberechtigte, wie viele haben bereits ihren Entschluß über die Stimmabgabe ge- faßt, wie viele von den Tausenden sind nur unter Druck hergekommen. Wie viel heimliche Anhänger des Status quo sind darunter! Was denken die 70 900 Abstimmung^- berechtigten von Saarbrücken, die zum großen Teil eben- falls der„deutichen Front" angehören, aber nicht zur Kundgebung erschienen? Tie„Neue Zürcher Zeitung" schildert dann die begeisterte Versammlung des Bolksbundes für christlich-soziale Gemein, schalt und erklärt am Schluß, daß die Entscheidung der Saar- abstimmung„im stillen Kämmerlein, hinter verschlossenen Türen fällt, wohin kein Lauscher und kein Spitzel vordringt" 100000 Saar-Emigranten? Pari», 18. Tcz. lInprcß.» Ter Berwaltungsrat der fran- zösischcn Taarvcreinigung, Sitz Paris, hat dem französische» englischen und italienischen Außenministerium eine» An- trag zugeleitet, in dem gesagt wird, daß für den Fall daß der Status quo im Saargebict leine Mehrheit linden sollte mit der Möglichkeit einer Massenauswandcrung von viel- leicht 100 000 Einwohnern des Saargcbietes gerechnet werden müsse. Angesichts der Wirtschaftskrise fei es jedoch ausgeschlossen, einer solchen Zahl von Emigranten im Süd- wessen Frankreichs oder Nordafrika Platz zu schaffen Tie Bereinigung stellt deshalb an die englische, italienische und 'ranzösischc Regierung den Antrag, für die Status-aua- Anhänger, wenn sich bei der Abstimmung eine bedeutende Minderheit ergeben sollte, aus einem Teil des Saaraebiete« ein autonomes Gebiet zu schaffen, auf dem die Hitler gegner unter den gleichen Bedingungen wie bisher unter dem Schutz des Völkerbundes verbleiben tonnten „Dem Jaden wird kein Haar gekrümmt" Olftaftiterung von luden in Benin Berlin, lfl, Dezember. 3in Nathausc Berlin-Eharlottenburg ist ein Plakat der .>«!>i„Kraft durch Freude" ausgehängt. darüber ist ein pc.bei ausfallender Zettel geklebt, aus dem in Fettdruck zu leien ist. ...luden sind hier unerwünscht und überflüssig!.luden nuste« die Vernichtung der deutschen Basse!.luden sind die Beiiirivvric» der Rassenschandc! Jude« sind d>e Blntiauge» und Bürger»er deutschen Arbe«er! Jude» sind d'e Schänder der dent che« Mädchen und Frauen! Jude» sind die Schul- digeu der vielen Kriege! Juden sind die Schuldigen des dem- scheu Unglücks! Trum fort mit allein Judengemauichel!" Dazu bemerkt die„Jüdische RnnMtfiaii":„Es ist wohl kein unbilliges Verlangen, dast in ein ein Anusgebäude das allen Teilen der Bevölternng untersteht, ein wlcher Anschlag, der einen Teil der Bevölkerung in seiner Ehre verletzt, unter- bleibt." Warenhaus Hermann Herl- UJenrcii Die Gründersamilir des Warenhauses© e r m a n n T i e tz. Berlin ist der erneuten Hetzkampagne gegen die Juden zum Opfer gesallen. Nachdem ichvu vor einiger Zeit die beiden Inhaber lüf orn und Marlin über die Halste ihrer An- leite an die von den Banken gegründete Her- Tie- K an>- hausbctetligungs-GmbH. abtrete»»nullte», sind sie nun gezwungen worden, natürlich„ganz freiwillig" ihre ihnen»och verbliebene» Anteile an die GmbH, abzutreten und damit e n d g ii l t t g a u s dem st o nz e r» a u s z u- I ch e i d e». Der sogenannte Kamps des Nationalsozialismus gegen die Warenhäuser hat sich also praktisch in eine Enieignung der ludttchen Besitzer ausgeartet. Aach de,» die Inhaber des Warenhaus-Konzerns Leonhard Tietz aus ihrem Unter- nehmen ausscheiden muhten, nachdem im Karstad:-Kvnzern ^nk„Reinigung vvrgcnvinmen wurde, nachdem sich ähnliche Dtnge bei der Tesata und anderen Kanihäuiern abge.piclt haben, ist nun die Reihe an die alte Firma Hermann Tietz gekommen An den Dingen selbst, an de» soziale» Verhält- Nissen, hat sich nichts geändert. Dle Warehänie» find gebliebe», sie sind ebenso wie die Einheitspreisgeschäfte nicht abge- lchast worden, und dem Mittelstand sind in dieser Bezlehnng nicht die geringste,, Erleichterungen gemacht worden. Tie ganze Hetze gegen die Warenhäuser- das zeigt sich immer deutliche» war nichts anderes als eine Hetze gegen die Juden. Die Sozialisier»»» des Nationalsozialismus hat sich bisher nur i n d e r E n t e i g n u n g d c s j ü d i i ch c n B e r- m ii g e II s gezeigt Der Fall Hermann Tietz zeigt recht deutlich, dast sich die antisemitische Welle neuerdings verstärkt hat, dast die jüdische Minderheit dem Nazi-Terror wieder ausgesetzt ist ZMen«§ in Obcrbmai In Oberhessen war schon immer ein Tummelplatz Hir den Antisemitismus. Nun scheint es dort wieder ganz ioil znzu gehe»..In„H c t B o l l" lesen ivir daiiir eine Reibe von Beispielen, von denen wir hier einige im Wortlaut anfuhren: ^„Ich kenne einen Fall, es handelt sich um einen allen Juden, der im ganzen Umkreis wegen seiner ichlichtcn Frliinmigkeit und seiner herzlichen Menschenliebe bekannt mar. Er sichle um Gnade, da seine Frau in der Wohnung mit dem Tode rang. Tie Antwort war ein«lein, der ihn mitten aus die Stirne tras. begleitet vom Jauchzen und den höhnenden Worten der Täter. Die Frau starb Als der alte Mann seine Lebensgefährtin begraben hatte, liest er alles zurück, wie es stand, sein Haus seine Möbel, den Garten und alles, was sonst noch dort war. Er packte nur ein paar Dinge zusammen, an denen sein Herz hing, ichlvn die Fenster»no wanderte zum Torte hinaus, begleitet v v m G e j a n l e der Zwanzigjährigen, mitleidig g e g r ii st t von einer alten Bäuerin. Er ist niemals»weder>» fein Dorf zurückgekehrt, Iii Frank' n v k leben l> u n d e r t e solcher B e r b a n n i e r d n'' n c S u u in v g I> ch war, die E r n i e d r i g» n gen i d f n n m lieg e» den Dörfern noch l ä n g e r z n e r> r a g c n. Die jungen Helden sind daran' ans, die Juden»ich! zur Nuiie kommen zu lasse» Plan zeigte mir einen jungen Wann, der in der«ladi arbeitete und fei»» Wochenende zu Hauic in seinem Dorie verbrachte. In der elterlichen Wohnung amiisierle er sich»ii! einem Gewehr mit dem er durch ein Loch im Dach ank alle Fensterscheiben der Juden zielte. Das ganze Tori iveist. dast er das tut. aber niemand rührt einen Finger, um ihn daran>» hindern. Die Inden haben nicht das Herz um sich darüber zu beklagen Die Inden in Ober li e s i tu d i e n e n z» r B e- lustigung. Was tun die Behörden gegen biete Schande? Was tut die Schulverwaltung. um der Uiiver'chäinthcit eines Lehrers ein Ende zu mache», der den Bibelnntcrrichl ein weiht, indem er die ganze Klaffe ani Kosten no» ein paar jüdischen Kindern lachen lätzl? Was tun die Autoritäten? Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn man sagte: n'chts' An den Mauern schlägt»na» hier und da Plakate i»it Borfchrlften o» aber niemand stört sich daran, und die Plokake sind iinr die h c» ch l c r i f ch e M a s k e hinier der die unmenschlichen Skandale weiter verübt werden. Stach einer Bestimmung der Behörden dürfen die Bauern wieder mit den Juden Handel treiben. Aber kein einziger Bauer denkt auch nur im Traum daran, das z» tun Er würde einfach bovkottIert werden. Auf de>» Blehmar k t in Frankfurt w a g t nie m and es eine iii I»den et w a s z ii v e r k a u> c» Die Juden find dort forgiäliia von den Ariern geschieden Es stellt einwand frei feit dast die Inden auf dem Lande unler folclicn Um ständen aussterben. Das ist auch das Ziel des Antisemitis mus Trotz der gröstten Tvarmatznahmen geht das ersparte Geld der Jude» zur Neige, und einmal werden sie gc- zwungen sein, alles zurückzulasse» und als bettelnde Land- streicher wegzuziehen. Ich hörte einmal eine Schar Frauen In Frankfurt ans der«tröste den Refrain sinaen: Inden ratio! Einst ip enn ii n i c r G rund nein 11 bort n n d i» d e n fr e i wird sein, v. dann werden wir glücklich sei»." Boykott Bielefeld. 10. Dezember. Die Handwerkskammer Bielefeld Hai an alle Kreishand- wertsmelster ihres Bezirkes ein Schreiben versandt worin in ich» scharfer Form dagegen«:ellung genommen wird dast Handwerksmeister bei Inden kaufen. I» dem Zirkular- schreiben heistt es:„Meister, jagt Eure Frauen aus dem Hause, wenn ste gedankenlos beim Juden kaufe». Angestellte der handwerklichen Organisationen, die beim Juden kaufen, sind sofort zu entlassen" ®le Boykotthetze gegen öle laden Cin imitier Ar ifcel der frankfurter Zeilunr Die Hetze gegen die Inden unter Führung des Mäd- ch r n schände r s Julius St r eiche r hat gerade in letzter Zeit einen ll»ifang genommen, der selbst von National- fvZiallsten und gleichgeschalteten Organen nicht mehr ge- billigt werden kann, So etwas wie ein leiser Protest geht durch das Land, das sich ans die Dauer von solch palholv glichen Subjekten wie«»reicher nicht regieren lassen kann. Wir haben kürzlich die den in Fürth ver'nmmelten 5(10 Aerzie» ausgezwnngene Resolution verössentlirhl. wonach arische Frauen, die Jude» geheiratet haben oder mil Juden in geschlechtlichem Verkehr stehen, der deutschen Staatsangehörigkeit verlustig gehen und nnirnchtbcir gemacht werden sollen Der Müuchener Professor Luzenburg. der a»f dieser ominösen Versammlung einen Vortrag über Raffenftygienc gehalten hatte, rückte in einem offenen schreiben an die„Frankfurter Zeitung" von dieser Schnnd- entschliestung ab. Inzwischen aber tobt sich der verrückte Streicher weiter aus und er verstieg sich bereits ZU der Forderung, dast deutsche Frauen, die mit Inden znsammanlcben, enthauptet werden müstten. Zu gleicher Zeit geht im Gegensatz zu den au»- drücklichen Kundgebungen der Reichsregicrung die Hetze gegen die jüdische Geschäftswelt weiter. Die Reichsregicrung hat die Boukottlietze gegen die jüdischen Geschähe nicht etwa deswegen unterlagt, weil sie den Inden entgegenkommen will— das würde im Gegensatz zu ihrer bisherigen Politik stehen—. sondern sie ist durch die schwierige wirtschaftliche Laoe gezwungen. die jüdische Geichästsim'lt wenigstens teilweise z» schützen, weil der Tag des 1, April Illllll die Ver- ilechtunge» der jüdischen Firmen mit der ganzen deutschen Wirtschaft sich>o deutlich oisenbart habe», da» die gewaltsame Eliminiernna der deutschen Juden ans dem Wirtschaftsleben der G e l a m t w i r t s ch a s l einen s ch iv e r e n Schlag versetze» und d a in j t das Durcheinander im „d ritten;)l c i ch" nur vergröster II Iv Ii r d e. Dennoch ivird, wie ae'aat. in letzter Zelt wiederholt zum Boykott südlicher Geschälte aufaeruien. Tnpifch find in der Beziehung beispielsweise die beiden solaenden Mitteilungen, die zeigen, in iveicher Weis« in den kleineren Orten gehetzt wird. Der K r e i s a m t s l c i l c r der N«.- H a g o i n « vener lmt im Einverständnis mit dem.Kreisleiter der NSDAP., dem KreiSinfvektenr, dem Kreismirtschastsberatcr, dem Kreisleiter der Benmtenschait. dem Kreisleiicr der 'NSLB, dem Kreishgndwerksmeiiter und der Ortsgruppen- leiten» der N«. Franeii'chatt nachstehende» Aukruk„An alle deutschen Fronen" aeimtel. der vor den» Einkaut in„ili- dischen Warenhäu'"n" wFrnt und fortfährt: „Werde eS mir anaclegen sein lassen, in Zukunft eine noch schärfere Beobachtung vorzunehmen und ani alle mir bekanntwerdenden Verstösse aeaen das nationalsozialist'sche Wirtschaftsvrinziv zu gegeb«ner Zeit zurückkommen Bor- stehendes liegt gaii'. im«inne»»'eres Führers Adolf Eitler sowie des«aarbevollmächtiaten Gauleiter Pi. Bllrckel. der alle, die>ii nschtavischen Geschäften kaufen, als Verräter an der deutschen Wirtschaft bezeichnete." Der«ladt- und Dö»^ An seiger" vom* 12 berichtet über einen Svrechobend in Neustadt a, d Hardt, bei dein der 2. B ii r n e r m e i st c r M eitle»ach dein Bericht n a. ani das Weibnachtsfest zu sprechen kam und sagte: „Wenn du, deut'che Mutter, dich mit deinen Kindern vor einem Judenschanfenster aufhältst, in welchem ein Jude stch erlaubt Waren auszustellen die auf daS heilige Weih- nachtsf-st Berlin haben, dann bist du keine deutsche Mutter. Wir haben keine Ursache, den Inden, die mitschuldig sind a» unirrem Nnaliick. iin'er Geld zu brjnaen damit fic es wieder aeaen ini- ve'v'-nden können Wir müsie» von ihnen abrücken damit sie eines Tages ihren Laden schürften und dafür deutsche Söhne und Töchter Geschäsie eröffnen können." Streichers„Fränkische Tageszeitung" leistet sich folgende „menschenfreundliche" Ankündigung: „Wir unterstützen niemanden, damit er unser Werk sabotiert! Eine Nürnberger Familie in der der Mann eine Rente bezieht, ein Kind aus Kosten der Allgemeinheii in Erholung geschickt wird»»d das zweite Kind am Tisch eines mit- leidigen Nachbarn täglich sei» Mittagessen einnimmt, brüstet sich damit, dast sie nn» auch ihre Ttrümpie in» „Ehape" kaust. Die Si a ch b a r n. die dem K i n d einen halbjährigen Freitisch gewährten, haben d a r a u i h i n ihr Anerbieten zurück- genommen und ein anderes Kind an den täglichen Mittaqstiich gerufen, mit der Begründung, dast man nicht gewillt sei. zu Helten, damit die ersparten Groiche» ein jüdisches Geschäft unterstütze». Das mag Menschen an denen Mitmenschen ihre Nächstenliebe beweisen, eine War- iiuiig iein. fallet es ihnen an dem nötigen Takt fehlen sollte, von selbst zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Des weiteren ist in einer Stadt. wie F r a n k i u r t o. M„ wo indische Geschäfte besonders stark vertreten sind, ein „Adrestbiich" der in Frankfurt a, M. lebenden„Rgssejudcn" heransaebrachf worden. Das Motto zum Buch lautet:„Wer vom Juden iristt. stirbt daran" Grotesk ist es dabei, dast man Arier auch im«inne des BeruiSbeamten- geietzes in diefeS Verzeichnis ausgenommen bat. wobei ans der anderen«ehe, wie«tickproben ergaben, zahlreiche Frankfurter Nichtarier im Frankfurter.Adressbuch" sehten. Alle diese und zahlreiche andere unglaubliche Vorgänge haben die„Frankinrtcr Zeitung", die manchmal sich noch an ihre frühere Tradition erinnert, veranlasst, einen angesichts des Terrors im„dritten Strich" mutigen Artikel zu ver- öffentlichen. Tiefer Artikel ist für die Stimmung weiter Kreise der deutschen Bevölkerung bezeichnend, denn die „Frankfurter Zeitung" würde es nicht wagen, gegen die antitemitischen Auswüchse Streichers, hinter denen Hitler selbst steht, z» schreiben, wenn sie nicht wissen würde, dast hinter ihr auch einilnstreiche Kreise der deutschen Wirtschast stehen. Das Blatt verlangt Lebensraum sür die deutschen Juden und eine grundsätzliche Reglung der Judcniragc. In diesem beachtenswerten Artikel, der die Neberichrist „Nassenunterichiede in der Wirtschaft" tragt und am 13. Tc- zcmber erschienen ist, heistt es u. a.: „Du viele öiinderttausende von Nichtarier» in Deutsch- lnnd leben Ihre genaue Zahl ist ja noch nicht festgestellt), da die ganz überwiegende Mehrzahl von ihnen Teutschland nicht verlassen will iobgleich vieles für sie schwer zu er- tragen isti, da überdies nur eine kleine Minderheit Tciisiff'fand überhaupt verlasse» könnte, selbst wenn sie es wollte! iv. lästt sich die Judenfrage in Teutschland, was"tan oiirf) im einzelnen wünschen mag, zwangsläufig nur fv lösen, da» man den Nichtarier« in Teutschland ihren Lebensbaum sichert und sie an bestimmten Ausgaben teilnehmen lästt. und-war so eindeutig dast auch in der Bevölkern»»» nickt mehr Unklarheiten darüber entstehen groll können Das Beispiel Frankens wo setz« ichon in manchen Orten genau registriert»vird. wieviel Juden abwandern, wo. wie die„Fränkische TaneSzeitung" soeben berichtet, etwa in Fürth nichiortsanlafsigc Inden sich nickt mehr länger als 12 Stunden im Ort aushalten dürfen, solche Beispiele lasten stch aeivist incht auf Teutschland ausdehne». Ter„Antisemitismus der La'", mic er von Franken ans auch für das iibriae Tenl'chland gepredigt wird, macht eine Lösung des Problems»nr immer schwieriger. Und doch wird diese Lösung sich nicht vermeiden lassen!" ü'cfifcr- von§!re!er Mensch bestimmte Merkmale in seinen nutzeren Erscheinungen hat. die eben auf eine frühere Verbindung n>> t der Iii; dischen Rasse zurückzuführen sind. Wenn bei uns der Kommunismus entstellen konnte, fo Ist dazu ebenfalls die Verderbnng der deutschen Rasse durch den Juden die Ursache." Dies liehen sich deutsche Richter und Staatsanwälte ge- fallen. Sie saften, wie die Fotografie beweist, mit ernsten Minen vor ihrem Gauleiter und empfinge» seine Offenbarungen wie Befehle für ihre tag- ' i ch c P r a x i s. Zum Schluß liehen sie sich auch mal verhöhnen. Wörtlich: „Zum Schluß erinnerte der Frankenführcr an die Zeiten, in denen der Richlerstand wirklich große Männer hatte, die in ihrer Rechtsprechung das ganze Gewicht ihrer Persönlichkeit hineinlegen konnten. Solche Richter, die»veit davon entfernt sind, nur nach den Para- grasen zu entscheiden, solche Richter, die nach ihrem deutschen Empfinden ein gerechtes Urteil fälle», brauchen wie wieder sür die Zuk«»fssi" Qrutsrfiie Flimmert• üeitatc zur..Qeutsefien Freiheit"•<£r ci&nlsse und Gcscfki ritten Iii: ■• SNi MEt J VT.| Donnerstag, den 20. Dezember 1934j UapohoH III.-£eapoid II. Zuxci wichtige Glichet Li einigen Ländern Europa« spekuliert man wieder ein- a in monarchistischen Restaurationspläuen. Der Boden , ur dynastische Lebensbilder ist locker und die entsprechende • l'ratur laßt nicht auf sich warten. Ein Lehrmeister der - laatsstreichler aller Art bleibt Napoleon III., jener n"" E"öz legitime Neffe des grollen Korsen und späterer Politischer Routinier, der für sein Jahrhundert dargetan hat, *ie ein Thronanwärter auf verfassungsmätlige Weise an die ■■ P'tje einer schwachen Republik gelangen und dann die Verfassung abwürgen kann. Alfred Neu mann hat diese ragiidie in einem umfangreichen, graziösen und lebendigen Roman eingefaugen.(„N euer Cäsa r", Verlag Allert de Lange, Amsterdam.) Dieser falsche Napoleon ist, ehe er in ahrt kommt, allezeit mehr ein Geschobener, denn ein schiebender gewesen. Im Anfang war es die Mutter, die ihn schob Die grolle dynastische Spekulation umgibt ihn schon in der Kinderstube, der ererbte große Name treibt den dekadenten Zauderer vorwärts. Das andere besorgen die Trommler und Spekulanten des bonapartistischen Lagers. Ein paar anfängerhafte Putsche gehen daneben, ein paar Jahre Festungshaft und Emigration machen ihn zum Märtyrer. Er lernt warten, bis sich die bourbonisehe Konkur- renz abgewirtschaftet hat: er entwickelt sich zum Meister der Programm losigkeit: er lernt allen alles versprechen, ein Virtuose der Unbestimmtheit, denn das Jahrhundert hat sich noch immer nicht klar für Republik oder Monarchie entschieden. Exerzierte nicht des Neffen gewaltiges Vobild, das große N, auch mit allen möglichen Parolen und Regimes? Das Klischee ist gegeben. Napoleons Stern strahlt noch immer magisch in die Zukunft, kleinbürgerliche Massen hungern nach Wiederholung des Wunders, die Kraft der Napoleon legende umgoldet den kleinen Neffen. Kokotten, Hasardeure, Entgleiste und Hochstapler bereiten seinen Weg. So wird er im Sturmjahr 1848 Abgeordneter der «weiten Republik, dann Präsident, dann Kaiser durch eine mit allen Mitteln des Terrors, der Lüge und der Bestechung durchgepeitschten„Volksabstimmung". Aber das Gesetz, nach dem er angetreten, muß ihn weitertreiben. Er hat den Liberalismus durch Scheinliberale Tyrann!« vergiftet und damit sein Jahrhundert verderben helfen: sein Name ist mit der Eroberungslegende verbunden, er muß, geschoben und wie immer nur halb freiwillig, in unglückseligen Krieg hineintreiben und dabei Land und Thron verlieren. Da» Volk aber wird damit vom Wunderglauben endgültig genesen und sich den neuen Realitäten zuwenden. Diesem falschen Cäsar in der Zeitfolge benachbart ist Leopold IL, der ungeliebte Belgierkönig aus dem Hause Sachsen-Coburg, hinter dessen Kulissen gründlich und nicht ohne Liebe für sein Objekt ein neues Buch vop Ludwig Bauer leuchtet(Querido-Verlag). Dieser Leopold gehört zu den gekrönten Geschäftemachern großen Stils. Als er 1865 den Thron besteigt, ist die Macht unter den Klassen seines Landes einigermaßen verteilt, aber die fremden Erdteile noch nicht ganz. Er hat daheim in der Politik nicht viel zu besorgen, also wirft sich seine Vitalität auf das Kongogebiet und erlistet sich einen eigenen Sklavenstaat. Es gehört zu den grimmigsten Tragödien, wie Stanleys ungeheuerliche For8cherIecstungen von diesem König zu Blut und Gold gemacht werden. Bauer rollt den Kongskandal er- schlitternd auf— dieses traurige Kapitel der entsetzlichsten Kolonialgreuel, welche die moderne Geschichte kennt. Bis das Parlament dem Skandal ein Ende machte, den Kongo der Diktatur des einzelnen und seiner viehischen Prätorianer entriß, und die Kolonie annektierte. Wobei der Monarch noch immer an die hundert Millionen profitierte. Wie er im Verdienen war, gierig und seelisch unbeteiligt, so war er im Genuß, und so wurde er zum Symbol seiner Zeit jnd des reichen Belgiens. Nur eines machte er nicht mit: den Schwindel von der allgemeinen, sozialen Klassen Versöhnung. Das war diesem gewandten Zyniker zu dumm, das überließ er den unechten Napoleonen und falschen Propheten. B. Br. ^Dicigenteadämmeamg tin Tlachuiact tum JcdC JuetiuäugCec Nach dem Kirchenkampf der Musikkampf, nach der Reichs- hischofskrise die Staatskapellmeisterkrise. Es ist für Abwechslung gesorgt im„dritten Reich", wenn auch die Maulkorbpresse des Herrn Dr. Goebbels nichts davon profitieren darf. Was ist-geschehen?— Daß die Musik, die„deutscheste aller Künste", wie es so schön in allen I' estreden heißt, ihren Exodus aus Deutschland angetreten hat, ist seit dem Weggang Bruno Walters. Klemperers, Büschs und eines Dutzend anderer berühmter Dirigenten, nach der\ er- treibung Schönbergs. Schrekers. Weills, Eißlers und eines Dutzend anderer Neutöner aus dem„dritten Reich I atsache und Weltmeinung. Nun folgen die letzten Reste einstiger Pracht mit mehr oder minder glänzendem Abgang nach »indem, th war die letzte lebendige Kraft der Neuen Musik", die noch in Deutschland geblieben war. Er hat keine Kompromisse mit den neuen Machthabern geschlossen, sondern er verhielt sich still, blieb im Hintergrund, cm Fremdkörper im neudeutschen Musikgestammel. Jetzt hat ihn der Bannstrahl erreicht. Die Gründe sind nebensächlich, sie wurden gefunden. Und diesem Herzog fiel der Mantel nach: Der letzte Rest künstlerischen Anstände« trieb dem Herrn Staatsrat und Operndirektor. Philharmoniedirektor und Staatskapellmeister Dr. Furt wän gier das Blut in den Kopf. Er protestierte öffentlich gegen den fall Hinde- ntith, sein Abschied wurde unvermeidlich. In diesen Blättern ist oft und ausführlich über den..Fall Eurtwäugler" berichtet worden. Es wäre verkehrt, sich ourci die Ereignisse der letzten Wochen den Blick verwirren zu lassen. Daß Furtwängler diesem oder jenem jüdischen Kollegen gegenüber sich anständig benommen hat, ist und bleibt nebensächlich. Wichtig für die Beurteilung seines Charakters und seiner künstlerischen Persönlichkeit bleibt es, daß er es nicht verschmäht hat. auf dem Rücken des „dritten Reiches" zum Gipfel seiner Karriere aufzusteigen. Er hat sich von einein Manne wie Göring zum Staatsrat, Operndirektor und Musikkammerpräsidenten ernennen lassen, er hat I 3 /« Jahre dem„dritten Beide" kulturpolitische Auslandspropaganda geliefert, er hat alle Wohltaten der braunen Machthaber dankbar angenommen. Er hat nicht verschmäht, zur Rettung seiner ersten„braunen Ausland* tournee einen verlogenen Briefwechsel mit Goebbels veröffentlichen zu lassen, der ihm in der Fremde ein moralisches Alibi sichern sollte, während er in Berlin den offiziellen Nazikurs kräftig mitmachte. Für die Deutschen, die heute innerhalb und außerhalb des Vaterlandes den Freiheitskampf gegen die braune Diktatur und Geistesknebelung führen, besteht nach alledem kein Grund, Herrn Furtwäftgler Lorbeeren zu winden oh seines Abgangs aus braunen Diensten, von dem nicht einmal feststeht, wie weit er freiwillig oder unfreiwillig geschah. Und was für Herrn Furtwängler gilt, das trifft in noch höherem Maße für die musikalische Wetterfahne Erich Kleiber zu, dessen Sympathieerklärung für Furtwängler ein reiner— wahrscheinlich verabredeter— Propaganda- trick für eventuelle Auslancsfahrten war. Kleiber wird— wie so oft schon— bleiben, und Furtwängler wird durch einen so hohlen Routinier und Karrieremacher wie Clemens Krause, das Wiener Protektionskind Richard Straußens, ersetzt werden. Dei Betrieb der großen deutschen Opernhäuser, der großen deutschen Orchester geht mit Leerlauf, m„.weiter Beaetzung" w tÜMv wegen persönlicher Werte und Sympathien— die sind nach fast zweijähriger Kultur-. Kunst- und Geistessterben im„dritten Beide" ist aiede dieser Fall Furtwängler interessant. Eine Warnung für jene„Geistigen" Europas, die noch immer mit dem Gespenst des Faschismus liebäugeln. Wer es als geistiger Mensch berührt, stirbt daran! P. W. £ie6ensutiicdigkeUcn Wenn du gescheit bist, machst du der Tochter eines einflußreichen Mannes den Hof; dann kannst du ruhig dumm sein und bringst es doch zu etwas. In unserer Zeit muß man sich beeilen, einen Dummkopf auszulachen,— morgen ist er vielleicht schon ein sehr einflußreicher Mann. Man muß seine Vorzüge zu verbergen wissen, um vorwärts zu kommen Wie tief sinken viele, um zu steigen! Die Moden haben mit den Gespenstern das eine gemeinsam. daß sie keinen Gehraudi macheu von ihrem Tode und immer wiederkehren. Ich hin nicht mehr ganz jung, trage dies aber den Jüngeren nicht nach. Idi bin immer sehr höflich gegen die Dummköpfe: ich lebe ja von ihnen! Obwohl er ein großer Geizhals war, unterhielt sich doch alles auf seine Kosten. Die Kälber sind so anmutige, kluge Geschöpfe: erst durch den schlechten Umgang mit den Menschen werden sie zu Ochsen. Unrecht Gut gedeiht nicht— wenn es von Unfähigen verwaltet wird. Man muß in homöopathischen Dosen verleumden, wenn man wirken will. Mein Humor ist das Vermächtnis meiner Mutter— oh, wäre sie doch ohne Testament gestorben! Wie die Hose unter den Kleidungsstücken, ist unter den Tagesfragen die soziale Frage die unaussprechliche, die man in guter Gesellschaft möglichst nicht bei ihrem wahren Namen nennen soll. (Uebertragen von Hans B. Wagenseil.) £eipzig- iiheraU Aus einer Leipziger Zeitung:„Am 20. November findet auf Grund der Erfahrungen der letzten Verdunklung». Übung eine Verdunklung im Stadtteil Leipzig-Groß- JCcitniitaCpaCitische Algebca Man soll die Dinge nennen, teie sie heißen. Betrug und Raub und Menschenmord und Brand, das sind nach Adam Riese vier Verbrechen. Daran ist nitht zu rütteln und zu reißen. In jedem mittelkultivierten Land wird die Justiz die Freveltaten rächen, wird laut Gesetz ein strenges Urteil sprechen und es vollzielin mit straf gewohnter Hand. In manchen wenig kultivierten Ländern eeschiehts. daß einet tausendfach betrügt und tausendfach in fremdem Blute badet. Dann muß man schleunigst die Gesetze ändern, indem man neu zum alten Texte fügt; Ein Mord ist Mord. Doch der ist gottbegnadet, der ihrer tausend nuf sein Konto ladet. Er tötet wie ein Großer. Das genügt. Man stellt den Großen nicht vor die Gerichte. Mari stellt ihn vielmehr über die Nation, wo ihn kein Recht und kein Gesetz mehr bindet. Man stockt ihn auf und klittert ihm Geschichte und preist ihn als des Volkes größten Sohn. Worauf er seine Untertanen sehindet. bis einst das Volk die rechte Gleichung findet: Mord ist gleich Mord! Der Henker wartet schon. Der rote H u n s. Applaus iüc CCaiee Eine Berliner Geschichte h. b. Aus Berlin wird uns berichtet: Gegenwärtig tritt in der Berliner Scala mit großem Erfolge unsere alte Ereundin Ciaire Wald off auf, die sich trotz ihrer herrlichen Kodilerschiiauze noch immer in Deutschland halten konnte. Und immer noch sind es die lieben alten Gesänge, in denen sie in ihrer kessen Alt Berliner Volksliumor vorträgt, die das Publikum begeistern. Unter ihren Gesängen befindet sich der vom Hermann. Da bei der Ciaire Waldoff- sehen Kunst eigentlich alles am Vortrag liegt, war es dem Berliner nicht schwer, dieses Couplet auf Lamettahcrmanu zu beziehen. Das führte dazu, daß dieses Couplet allabendlich in der Be rliner Scala stürmisch als Zugabe verlangt wurde. Ciaire Waldoff überwandt ihre Bedenken, trug das Gewünschte vor und ernetete stürmische Erfolge mit diesem alten Schmarren. Das ermutigte sie dazu, noch ein wenig mehr aus ihrer Reserve herauszugehen und deutlicher zu werden. Sie fügte der bekannten Stelle: „Hermann heeßt er", eine neue zu: „Durch die Lüfte manchmal chaist er, In Preußen ist er Jeegameester. Hermann heeßt er!" Die Berliner tobten vor Freude. Audi der Reidisposten- jägermeister Göring erfuhr davon. Er wollte der Sache persönlich ein Ende bereiten und fuhr kurz entschlossen eities Abends, mitten im Programm, zur Scala: „Ist die Waldoff schon aufgetreten?" „Nein!" „Bitte eine Loge!" Der Kassiererin schwant nichts gutes. Sie gibt nach hinten Bescheid, Göring sei gekommen, wohl von wegen dem Couplet. Ciaire Waldoff puhbert das Herz ein bißchen. Sie beschließt, den Hermann heute nicht zu singen. Inzwischen bemerkt das Publikum den Lamettahermann. Eine Welle unfaßbaren Humors(Im Gestaposinne unfaßbar! D. Red.) ergießt sich in Ladikaskaden in das Theater. Ciaire Waldoff erscheint. Stürmischer, ostentativer Applaus. Sie singt Zu Ehren des„hohen Gastes" sind es alte Soldatenlieder, die sie von sich gilit. Ihre Nummer ist vorbei. Applaus. Sie verschwindet. Applaus. Neue Verbeugung. Applaus. Stürmischer Applaus. Schließlich fragt sie. ein wenig unsicher:„Na, Kinder, wat soll ick denn nun noch singen?" Das Publikum tost von der Galerie bis zum Parkett:„Das Lied vom Hermann! Das Lied vom Hermann!" Die gute Ciaire erschrickt ehrlich und versucht zu brCfJSO. Es glückt ihr nicht. Sie muß ihn singen, den Refrain vorn starken Hermann. Hermann Göring aber sitzt in seiner Loge und kneift di« Lippen aufeinander. So hatte er sich sein ErsAaMnen hits nicht vorgestellt. Das Lied ist vorbei. Wohl seft^i hat ein Berliner Theater einen derartigen Orkan an ueifall vernommen. Als Göring merkte, daß er eine komische Rolle spielte applaudierte er mit. Schließlich das b-ste.\>a- ei tun konnte. Jeeusaiem- fö'Miotfiek Eine stark besuchte Kundgebung zugunsten der jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem hielt im großen Saal des Logrnhauses in Berlin die Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bebliothek ab. Als Vorsitzender der Gesellschaft, die«ich mit dem Verband zur Förderung der Universität Jerusalem vereinigt hat, gab Professor Dr. Otto Warburg einen Abriß der Geschichte der Bibliothek und Universität in Jerusalem. Rabbiner Dr. Leo Baeck, der Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden, drückte seine Verbundenheit mit der jüdischen Universität und Bibliothek aus Dr. Alfred Klee versprach namens der Bibliothek der Gemeinde weitere tatkräftige Hilfe für die Nätional-ßibliothek. Professor Dr. lsmar Eibogen hob die völkerverbindende Mission der Bibliothek hervor. Sie»ci heute mit ihren fast 300 000 Bänden die größte Bibliothek des Vorderen Orients. Professor Dr. David Baumgardt umriß die Bedeutung der Jüdischen Universität, die heute ühcr 1000 Hörer zähle. Als Bevollmächtigter der Jüdischen National- und Universitäta-Bibliothek gab Ernst»offmanu bekannt. daß^weit über 20 000 Bände in diesem Jahre in Deutschland gesammelt und zum größten Teil nach Jerusalem befördert wurden. Damit hat das deutsche Judentum den größten Anteil am den Sammlung»ergebnes& eeee Jahre«. Große Pariser ßüstungsdebatte Die Kammer bewilligt 800 Milliunen Kredite- Handln: Frankreich habe nie erklärt, daß es die deaisdie An rilsiuna annehme" Paris, IS. Dezember. Die Kammer beriet Dienstag vormittag und nachmittag batle. Er ivill zuerst wissen, welche Maßnahinen die Re- gierung getroffen hat, um die Herstellung der Kriegswaffe» zu kontroJicren, und erklärte, da» das Boll wollt bereit fei, zum Schutze an die Grenzen zu eilen, jedoch unter der Bedingung, dag der Krieg nicht für gewisse Leute eine Quelle des Reichtums sei. Ministerpräsident Staudt n erwiderte, dag die französische Regierung bereits die Frage der Verstaatlichung der Waffenherstellung und die Frage der Waffenkontrolle in Gent unterbreitet bat. Frankreich stimme von vornherein mit Begeisterung einer Konvention zu, welche die Begren- zung und die Kontrolle der Massenfabrikation zum Ziele babcn würde. Cot zog darauf seinen Bertagungsantrag zurück. ,In der Rachmittagssitzuug kam es dann zu einer ziemlich heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Sozialistenführer L e o n B l u m und dem Ministerpräsidenten F l a n d i n. Blum beantragte gemäß eines Beschlusses feiner Fraktion cbensalls die Vertagung der Debatte, weil die Sozialisten nichl wollten, daß sich das Land an den Kricgsgedanken gewöhne Die Ausrüstung Dentt-blands könne nur durch ein Mittel verhindert werden, nämlich durch die allgemeine Abrüstung. Deutsch- land müsse genötigt werden, nach Genf zurückzukehren. Antwort Flandino Flaiidi» antwortete Leon Blum, das; Teutschland aus eigener Initiative den Völkerbund verlassen habe. Tie französische Regierung habe alles getan, um in Wem eine allgemeine Abrüstung zu ermöglichen. Indem Blum von der deutschen Aufrüstung gesprochen habe, habe er eigentlich schon alles gesagt. Irqnkreich dürfe das, ivas icn- seits der Grenze vorgehe, nicht ignorieren. Es fei aber bereit, gleich morgen wieder in Genf über die Abrüstung zu verhandeln, um die Völker von den schweren Rüstuugs- lasten zu befreien. Er, Flandin, könne ans leinen Fall die Worte Blums unerwidert lassen, dast das Wettrüsten gleichbedeutend mit einer Duldung der deutschen Ausrüstung sei. Niemals habe Frankreich erklärt, daß c s die deutsche Auf- r ii st u n g a n n c h m c. Leon Blum bedauerte in seiner Erwiderung, das; der MinisterpräsiScnt die Debatte auf das persönliche Gebiet verlegt habe. Man müsse alle Formen wirtschaftlichen und finanziellen Druckes anwenden, um Deutschland zu einer allgemeinen Abrüstungskonvention zu zwingen. Ter Vertagnngsantrag Blums wurde daraufhin niH 4ti:> gegen l.'ii Stimmen abgelehnt und die Kredite mit 300 gegen l-Ai Stimmen gebilligt. Me iraiHötisdicn Soziallsten Ihre Haltung zur Landesverteidigung (Von unserem Korrespondenten) Paris, l». Dezember. Tic französische Kammer ist in die Aussprache iiber den von der Regierung geforderten zusätzlichen Hecreskrcdit von Stil! Millionen Franken zur Beschaffung von Kriegs- Material eingetreten und hat die Summe mit 4tiO gegen 130 Stimmen bewilligt. Wir haben an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, das; die sozialistische Fraktion mit Ausnahme einiger Ab- geordneter ans den Departements an der deutschen Grenze dem Entwurf nicht zustimmt. In ihrer letzten Sitzung vorder Parlamentsdebatte über diese Frage hat nun die Frak- tion beschlossen, gegen die Regierungsvorlage zu stimmen. Leon Blum der Fraktion hat im Plenum erklärt, dag die Sozialisten grundsätzlich die Landesverteidigung bejahen, aber der Regie- rung Flandin, zu der sie kein Vertrauen hätten, die ge- forderten Kredite nicht bewilligen konnten. laval wird begliidtwiinsdit Einladung an Deu sdiiand zur Be eiligung am Ostynht— Erneute Fcsis.euung der Mögütiihcit einer zweiten Abstimmung an der Saar Der französisch e Senat hatte am Dienstag einen großen Tag. Im Verlaus der Debatte iiber das Budget des Außenministerinms kam es zu einer großen Debatte über die Beziehungen zu Deutschland und über die Saarfrage, wobei Laval mit außerordentlich wichtigen Erklärungen eingriff. O st p a k t und Annäherung an I t a l i c n: Darin erblickte Laval einen Angelpunkt der französischen Außen- Politik. Die Sowjetunion habe, so sagte er. den Willen zur internationalen Zusammenarbeit für den Frieden. Frank- reich sei gleichzeitig bemüht, den berechtigten polnischen Wiin- scheu Rechnung zu tragen Tann fuhr Laval fort: 1 „Wir werde» sehr bald unsere Unterhaltung mit Deutsch- land wieder ausnehmen. Deutschland wird ausgesordcrt werden, mit uns und den übrigen Ländern unter den gleichen Bedingungen und mit gleichem Recht zn verhau- deln. Deutschland wird anss neue ansgefordrrt werde», sich diesem Kollektippast anzuschließen, in dessen Rahmen es versichert«st, die gleiche» Garantien zu erhalten, wie c» de» übrige» beteiligten Länder,, gewährt wird." Das ist also eine erneute Ausforderung Frankreichs an Deutschland zur Beteiligung am Ostpakt. LavalS Entgegen- kommen geht sehr weit. Er ivill Hitler jeden Borwand nehmen, sich den Ostpalt-Verhandlungen entziehen zu können. Auf der politisch-diplvmatischen Ebene wird Deutschland die Gleichberechtigung garantiert: jetzt muß es sich also ent- scheiden und vor Europa bekennen, ob es an der Losung europäischer Friedensfragen mitzuarbeiten gewillt ist oder nicht. Frankreichs Zusage wird es dem„dritten Reich" recht schiver machen, die Politik dunkler Zweideutigkeit in Bezug ans den Ostpakt fortzusetzen Der Plan Hitlers, zweiseitige Verträge an Stelle von Kollektivverträgen abzuschließe», ist erledigt. Nicht weniger klar waren Lavals Aeußeruugen zur Saar- frage. Er sagte wörtlich: „Eine wichtige Entscheidung in Gens wurde snr de» Fall der Fortdauer de» jetzige« Regimes im Saargebiet getroffen Der Bölkerbundsrat, de«, i« die'en, Falle die Souveränität über das Saargebiet zustehen wird, wird die Das Aften'ak von Marseille Paris, den 13. Dezember Das Attentat von Marseille, dessen Opfer König Alcrander von Jugoslawien und der französische Außen minister Barthvu wurde, wird, wie n»nmehr feststeht, vor dem Schwurgericht in Air en Provenec sein gerichtliches Nachspiel haben. Nachdem bekanntlich Italien es abgelehnt hat, Pavelitch auszuliefern, werden nur Beneich. N o v a k und Main y als Komplizen des Morders Ketemen vor den Geschworenen erscheinen. Wie ivir erfahren, hat das Gericht alle Vorbereitungen getroffen: man ist der Meinung, daß der Prozeß in späte stcns drei Monaten beginnen könne tia'anagns Geheimnis Sorgfältige Nachforschungen der United Preß in allen in Frage kommenden Punkten haben ergeben, daß gewisse im Ausland verbreiteten Nachrichten, die in bestimmter Form den Tod der Baronin Wagner-Bousquet melden, nicht der Wahrheit entsprechen Ter auf den Galapagos Inseln ivci- lende Vertreter der United Pres; meldet in Uebereinstim mung mit allen übrigen zuverlässigen Nachrichtenquellen, das; über das Schicksal der„Königin von Galapagos" nach wie vor n i ch ts B e st! in m t e s bekannt sei Fest.stehe nur, das; die Baron,» im s^uli dieses Jahres von den Inseln verschwunden sei und seither nicht gesehen wurde. Möglicherweise sei sie tot. Möglichkeit haben, diese Souveränität wieder ab- zugebe», wen,, später die Saarländer d e n Wunsch ausspreche» sollten, wieder mit Deutschland vereint zu werden. Ich habe in der Kammer gesagt, daß sich Frankreich einem solche» Beschließ nicht widersetzen würde, und ich konnte mit Genugtuung feststelle», daß in diesem Punkte die Anschaunngen der sranzösische,, Regierung vollständig mir denen des Dreier- Ausschusses und Rates übereinstimmen." Das ist die bisher deutlichste Erklärung zur Möglichkeit einer zweiten Abstimmung für den Fall des Status quo. Laval sprach auch diesmal nicht für die gegenwärtige Regierung, sondern für Frankreich, und er bekräftigte seine Uebereinstimmung mit Dreier Ausschuß lind Rat. Lavats Bemerkungen sind für die Presse der„dcul>chen Front" an der Saar, die den Mut hat, noch immer die These von der Fragwürdigkeit einer zweiten Abstimmung aufrecht zu er halten, recht unangenehm. Trotz ihrer Wichtigkeit(„Saar- brücker Zeitung") wird die Erklärung, unter Fortlassung entscheidender Sätze, tu ganz kleinem Druck wiedergegeben. Laval sagte weiter: „Dank der aufrichtige» Unterstützung des britische,, De>e- gierten ist in Gens eine Lösung zustande gekommen, d'c Frankreich vollständig von der Verpflichtung entband, an der Pol>zeiorganisaiion im Saargebiet teilzunehmen. Zum erste» Male— suhr er sor,— wnrde hier das Prinzip einer H c r a n z> e h u n g i n t c r n a t i o n a I e r S t r e i t- k r ä s t e zur R e g e l„n g e> n e r i n t e r n a t i o- nalen Angelegenheit verwirklicht. Englische, ita- lienische, holländische nnd schwedische Kontingente über- nehmen jetzt die Polizeigewalt. Zur Stunde sind bereits die Truppen unterwegs nach Saarbrücken. Es ist dies ein markantes Datum in der Geschichte der Genfer Institntion, ei» großer Akt, den alle Volker begrüßen können." Der Senat nahm eine Entschließung an, die Laval zu seiner Arbeit nnd zn seinen Erfolgen beglückwünscht Das Budget des Anßenininifteriums wurde ohne Aenderung an- genommen. «eine lleder§knntlendezal»lnns Für Beamte und öffentliche Angestellte Aus Anlaß einer Frage Uber die Vergütung von lieber- stunden an die bei den Sparkassen beschäftigten Beamten und Angestellten hat der Reichswirtichaslsmintster und-preußische Minister für Wirtschast und Arbeit einen grundscktzichen Be- scheid erteilt Er stellt fest, daß nach den beamtenrechtlichcn Grundiätzen der Beamte verpflichtet sei, seine volle Ar- beilskraft in den Dienst des Staates zu stek- l c». Er habe die ihm übertragenen Arbeiten rechtzeitig und insbesondere auch ohne Rücksicht auf eine seftge- setzte A r b e i t s st n n d e n z a h i z n erledigen. Eine Vergütung für Ileberftirnde» komme dabei in keinem Fall in Betracht. Die Angestellten, deren regelmäßige Arbeitszeit ls Stunden wöchentlich betrage, seien zur Mehrarbeit bis z l, 34 W o ch c» st n n d e n ohne besondere A b- gellung verpflichtet, sofern allgemein oder aus besonderem Anlaß auch jür die Beamten der betreffenden Dienst stelle oder Abteilung eine mindestens gleich lange Arbeits zeit angeordnet sei. Tie darüber hinausgehende Arbeitszeit der Angestellten sei grundsätzlich im Laufe des Kalender- jahres durch Freizeit auszugleichen. Angesichts der grundsätzlichen Bedeutung dieser Frage auch im Hinblick ans alle anderen öffentlichen Dienststellen hält der Minister eine stärkere Ueberwachnng der Betricbsge staltung der Sparkassen durch die Aussicht sbchör- d e n für angezeigt. Tie Nazibeamten werden lairge Heuchler machen. Heißer Meinungshampl h. b. Seit Wochen tobt nun in den Spalten der„Braun- schweiger Landeszeilunp" ein heftiger Meinungsstreit über die Bezeichnung des bemußten Ocrtchens, wo früher sogar der Kaiser zu Fuß usw. Ter Kamps wurde erössuet von einem Psisfikus, der allen Ernstes vorschlug, die französische Bezeichnung „Toilette" im Interesse der„Rassereinheit" der deutschen Sprache durch das urdeutsche„WC" zu ersetzen. Natürlich hat der Gute mit seinem Borschlage Helles Entsetzen hervorgerufen, denn man möchte doch seine heiligsten Empfindungen nicht gern aus dem französischen Regen in die englische Traufe bringen! Nunmehr fanden wir in Nr. 338 der genannten Zeitung— der Kampf wurde irt Nr. 326 eröffnet!— folgende Aeußerung: „ Meines Wissens ist das„00" als Bezeichnung für den bewußten Ort eingebürgert, uns allgemein—- sogar international verständlich und würde in Verbindung mit der richtungweisenden Hand zweckmäßig auch überall als Wegweiser dienen tonne». Wenn das französische „Toilette" verschwinden soll, so ist es natürlich unsinnig, statt dessen die ebenso undeutichc Bezeichnung„WE" ein- führen zn wollen. Sehr gut gefiel mir die Kennzeichnung, die ich in einem Landhaus in Oberbayern sah:„Aha!" stand dor> an den betreffenden Türen. Man kann aber nichl erwarten, daß jedermann ohne weiteres hinter„Aha! das Richtige vermutet und wird in der Not solange den Weg zur Toilette finden, bis es gelungen ist, eine gemein- verständliche Bezeichnung iür de» bewußten Ort gefunden und eingeführt zu haben. Auch dieses Problem wird einmal gelost werden!" Leider kann man den„in Not befindlichen Deutschen" nicht anraten, einfach dem— Geruch nachzugehen, weil ja im„dritten Reiche" alles zum Himmel stinkt! Lösegeld oder Milkdien hb. Der Flenoburger Kreisleiter Landrat Hans, der sidi darin gefällt, in übelster Weise zu„prangern", hat den Kauf- mann Otto Schräder aus Mehlb» in Schutzhaft nehmen lassen, ivcil er nicht genug zur Winterhilfe hergegeben hat. Er hat den Fall langatmig in seinem Parteiorgan geschildert, um die Oessentlichkcil gegen Schr. aufzuhetzen und schließt den Bericht mit folgender Gangstererpressung: „Herr Schräder wird Gelegenheit habe», jetzt darüber nach- zudenken, ivie er sich in Zukunft der Volksgemeinschaft ge° genllber zu verhalte» gedenkt. Eine Freilassung kann, erst dann in Frage kommen, wen,, man eine Garantie sür seine Sicherheit iibernhmc» kann und die durch sein Verhalten entstandene Erregung sich beruhigt hat. Es liegt daher a" Herr» Schräder, den Beweis zu liefern(!), daß er sich in die Polksgcmeiiischai, nun einfügen will, sein bisheriges Verhalten bedauert und sich bemühen will, wieder gutzumachen/ Da heißt es: Beutel zücken oder brummen. In Gangster- ländcrn ist das nnn einmal nicht anders! 3 Gelegenheitskäufe! SUD-SCHWEIZ Frachtvolles, neues Landhaus in Ascona 5 Zimmer, Küche, Bad, clcktr. Boiler, Zentralheizung, sehr schöner, südlicher Stil. Durch andalusische Höfchen verbunden md Nebengebäude, bestehend aus großem Atelier, 2 Schlafzimmer, kl. Küche, Toilette(Dusche) und Garage. Großer Ziergarten mit Planschbecken und Springbrunnen. Dazu 2000 qm gutes Rcbland. Nächster Nähe Golfplatz und Lido. Preis 75 000 Schw. Kr Anzahlung 25 000 Fr. 2 turch I oggia verbundene, sehr solide Land" hauschen in Ronco s Ascona romantisch«dominierende I.age Das Erste, möbliert, enthält 3 /(immer. Küche, Bad, Boder. Das Zweite, unmöbliert, 2 Zimmer, Küche, Toilette(warmes u. kaltes Wasser), Keller. Eigenes Qucllwasscr, Telefon, Garage. Große Liegeterrasse mit Planschbecken, 12 000 qm Wald(Edelkastanien) Preis 28000 Scliw. Fr. Anzahlung 10000 Fr. Steinernes Bungalow(afrikanischer Stil), oberhalb Locarno 3 Zimmer, Küche, Duschraum, Toilette, Boiler, Estrich, Licht- und Kraftstrom, Garage. Große Liegeterrasse mit südlichen Pflanzen. Herrliche Aussicht auf See und Berge. Mit fruchtbarem Terrain(Reben und Obst). Preis 16 500 Schw. Fr. Anzahlung 6 500 Fr. FOTOS! Briefe Postfach 215,LOCARNO Locarno (Schweiz) Zu verkaufen Bauparzellen. Kau«,' Zimmer, und Jtfofel mit 25 Betten geeignet für Klinik. 1000 qm. Haus mit 4 Zimmer und 15000 qm bebaubares Land ■•chrcih sub Chiffre l.o 2617 l'nMicitas Locarno. Locarno (Lahgensee) moderne Villa am See, von ganz neuer Konstruktion, mit 8 Zim., 2 Bäder, Küche, Dienst- okale, Garage, Englischer Garten, an wunderbarer Aussichtslage. Außerge- wötrolicT günstiger Prei«. Sich wenden an C. n a n t i, Locarno. Zu verkaufen im Groflberzo^tum Luxemburg in Esch a Alzetie, Hauptstadt Urs Luxemburger Industr.ebeckens mehrere Geschäfts« ued Ertrags»-user, IStockwei he, in zentraler Lage, vor einigen Jahren neuerbaul. Gas, F.lekr. rität und Was,er. Preise von HO 00- J 0000 belgisch- Franken unJmehr. Sehr günstige Kapi'atanlage Sich wenden an johann Pctrr BAUM, Brilfstraße 58 ut lisch s, Alrette(Luxemburg). Zu verkaufen oder zu vermieten s Neucbautes, mit allem modernem Komfort versehenes, dreistöckiges Geschäftshaus gelegen in der Stadt LUXEMBURG in verkehrsreicher Hauptstraße.(In jedem Stockwerk fünf geräumige Wohnzimmer nebst Kiidie, w.(■•• Bade- und Toilettenzimmer, Warenaufzug. Etagenheizung. So.arium. Im Erdgeschoß sehr schönes Lokal, mehrere Zimmer, Garage. Sofort zu bezieheu.— Sich wenden unter R. F. 554' an die Expedition dieses Blattes. '6U*r«n wurmzMiten Mr. 51 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Donnerstag, 20. Dezember 1534 „Preußischer Kommiß" Soidatengeschichten/ von August Winnig August innig. der Verfasser der vor dem Kriege erschienenen Schrift„Preußischer Konimiß". isl lieule glühendei Nationalsozialist. Er dient der braunen Sache in^ort und Sdirifl. unter Preisgabe seiner Ver gangeolieil Eins), als juneer Prnlelarier.»ar er zum Sozislisnius und zur Sozialdemokratie gekommen, lu-wegl von den hoben Gedanken der Freiheil und der Menschenrechte. Es seiallst ihm. im freigewei k «chaftlichcn Bauarbeiter verband einen führenden Posten zu gewinnen Nach der Umwälzung von 1918 wurde er Oherpräsicieul in Ostpreußen. damals freilidi sdiun in seinem allen Bekenntnis zögernd und sdiwankend Sein|iulilisdies Ende in der Republik führte der Kapp-Putsch vom März 1920 herbei. Es erwies sidi. daß er der zweideutigen Haltung der Reidiswchrkonimandeure in jenen kritischen Tagen Vorschub geleistet hatte. Dann rutschte August Winnig immer weiter nach rechts. Er wurde der Vertrauensmann llugenbergs und Stinnes. für deren Blätter er seine flinke Feder in Bewegung setzte. Heute isl er einer von den I IQ-Pro- zeutigen: wildester Nationalsozialist, begeisterter Militarist und nationalsozialistischer Sehrillleiler. Sein Buch„Preußischer Kommiß" hat er längst verleugnet, weil es die denkbar schärfste Anklage des militari tischen Kadavergehorsams darstellt, zu dessen Anbetern er beule gehört. Ein Grund mehr für uns, unseren Lesern einige Kapitel ans dem Buche August Vtinnir vorzulegen. FinaBe 15. Fortsetzung Beim Zapfenstreich fragte der Feldwebel, wer freiwillig die Feuerwache übernehmen wollte. Natürlich meldete sich niemand. Nur Jochimsen, der kleine Däne, drehte sieh utn lind murmelte etwas vor sich hin, das aber alles andere eher, als Bereitwilligkeit zur freiwilligen Feuerwache bedeutete. „Wenn sich keiner meldet, dann wird Jochimsen sie übernehmen. Der Kerl hat so wie so noch was auf dem Kerbholz. Aber nun noch einen ähnlichen Kunden?" sagte der Feldwebel. -Ich kann mit wachen. 1' meldete ich. ,.Sie?" „Ich hin ohne Gepäck marschiert und kann es noch am ersten aushalten." „Gut. Bleiben Sie mit auf." Dann kroch alles in die Zelte und Jochimsen und ich schütteten uns Stroh auf die Erde, um uns etwas ausstrecken zu können. Bald war alles ruhig. Wir hatten nur darauf zu achten, daß wir die Kessel mit dem Kaffeewasser gut anwärmten, damit am Morgen schnell Kaffee gekocht werden konnte. Bald wurden auch wir müde und schliefen am Feuer ein. „Was ist das für eine Feuerwache! Vierzehn Tage Arrest die Kerle!" rief plötzlich jemand neben uns. Wir fuhren erschreckt empor und sahen Seele vor uns, der sich den Scherz gemacht hatte, uns mit einem gelinden Schreck aufzuwecken. ..Ein schlafender Fuchs fängt kein Huhn." sagte er mit einer Anspielung auf rneiu rotes Haar,„aber eine wandelnde Seele sieht viel." Dabei zeigte er uns ein prächtiges weißes Huhn. Wir fragten nicht, woher der Fahrt, sondern rückten einen Feld- krssel ans Feuer, rupften da- Huhn und machten es fertig und kochten uns eine regelrechte Manöversuppe, wie wir sie noch nie schöner gegessen hatten. Damit war auch die Müdigkeit fort und wir legten uns auf den Bauch und spannen unser Garn. Das uiieischöpf- liehe Thema von der„Reserve" gab uns mehr Gesprächsstoff, als wir bewältigen konnten, und wenn einmal eine I ause ein- trat, so blickten wir versonnen nach Vi esten, wo unsere schönere Heimat lag. Ich dachte daran, wie bald wir wieder dort in freierer I nfi atmen würden; aber meine Freude war von dem Gedanken an die Zeit des Nachdienens getrübt, die meiner noch harrte. Ich durfte nicht mit meinen Kameraden„auf Reserve" gehen, ich trug ja den Makel des mit Festung Bestraften mit mir herum. So lagen wir noch lange Iiis nach Mitternacht und bemerkten nicht, wie einer nach dein anderen sanft und ruhig einschlummerte. Trotz der kurzen Ruhe waren wir am Morgen frisch und wohl. Auch dieser Tag fing mit herrlichem Wetter an. Wir marschierten an Wiesen entlang, auf denen der Frühtau lag. Rot erhob sich die Sonne, von Wolken ungetrübt. Der Wind strich mit sanfter Frische über die Felder, denen ein kräftiger Erdgeruch entströmte, und leicht und froh schritten wir dahin. Aber je höher die Sonne stieg, um so wärmer wurde es. Wir hatten unsere Wagen wieder hei uns und gedachten gegen Mittag beim Manöverproviantamt zu sein. Gegen 10 Uhr kamen wir vor einer kleinen Kreisstadt an und wurden durch ein paar Meldereiter benachrichtigt, daß wir jetzt nicht die Stadt passieren dürften, du der Kaiser von rechts komme und seinen Weg ebenfalls durch die Stadt nehme. Der Kaiser! Die meisten von uns hatten ihn noch nicht in der Nähe gesehen und wären gern einmal dabei gewesen, wenn er durch den Ort käme. V amin durften wir nicht in den Ort hinein? Befürchtete man, daß wir ihn auf seinem raschen Wege aufhalten könnten? Oder wollte man ihn die Fourierkommandos als nicht glanzvoll genug nicht sehen lassen? Wir unterhielten uns darüber und jeder erzählte dabei, was er vom Kaiser weißte, soweit er es erzählen durfte. Es gab einige unter uns, die ziemlich viel auskramten.- Ich bemerkte hierbei, was mir schon nicht mehr unbekannt war, daß der Kaiser bei den Soldaten durchaus nicht populär oder gar beliebt ist. Man erzählt Anekdoten von ihm. aber sie zeigen ihn als nicht besonders sympathische Figur. Meistens erscheint er in diesen Geschichtchen als strenger Soldat, der nichts für jene treuherzige Vertraulichkeit übrig hat, die man so gern als eine Tugend des Volkes seinen Herrschern gegen- i>r loht Der Kaiser ist in der Ansicht der Soldaten scharf. r-> 4,,„„.j j«t schwer zufrieden zu stellen- dabei ändert er 1 ich. und schnell seine Meinung über Pe-sor,»„ und v'. T.., furchtet man-hl ein-' ließt ihn wem?. Unter diesen Erzählungen war schon mehr als eine Stunde verstrichen und doch war noch kein Befehl zum Vorrucken gekommen. Der Transportführer ritt e.nmal... kehrt aber mit der Botschaft zurück, daß der Kaiser noch nicht durchgekommen sei. Dabei war abei weit und breit kein Reitertrupp, kein Wagen, kein Automobil zu sehen. Wir streckten uns müde in einer kleinen Kieferwaldinig nieder und warteten. Die Hitze wurde noch größer und wir hatten kein Wasser mehr. Das trockene Brot blieb uns fast in der Kehle stecken. Der klare blaue Himmel vom Morgen hatte sich mit einem leichten Dunstschleier überzogen; aber obwohl die Schärfe der Sonnenstrahlen dadurch gemildert wurde, nahm die Hitze doch eher zu als ah. Schon fast Mittag war es, und noch war der Kaiser nicht vorbeigekommen. Es war hei uns schrecklich langweilig und die Langeweile verleitete zu allerlei Torheiten. Einige erstiegen Kiefern, um die andern von oben herab mit den Zapfen zu werfen. Einer, der getroffen worden war, wurde zornig und fiel nachher über den Werfer her. Sie prügelten sich, bis ein Unteroffizier dazwischen trat und uns befahl, aus dem Walde zu gehen. Nun blieb uns nur die Landstraße und der schmale Grabenbord zum Aufenthalt. Wir legten uns in das Gras und kauten Grasstenge], um den Durst etwas zu stillen, aber es half wenig. Mitlerweile hatte sich der Himmel ganz mit einem gleichmäßigen Grau bedeckt und die Luft war noch drückender geworden. Wir schwitzten, ohne uns zu bewegen. So verrannen noch einige Stunden. Endlich, es modele ungefähr zwei Uhr sein, kam der Befehl zum Aufbruch; der Kaiser hatte den Ort zwar noch nicht passiert, aber wir durften nun wirklich nicht mehr warten, wenn wir überhaupt noch an diesem Tage zur Truppe kommen wollten. Der Marsch war wie eine Erlösung. Aber bald wurde uns das Tempo zu schnell. Der Transportfiihrer trieb zur Eile an und wir hatten Mühe, den Viagen zu folgen. Die Stadt war festlich bekränzt. Die Schulkinder standen in Sonntagskleidinig an der Straße, sie hatten vielleicht schon vom Morgen an dort gestanden; weiß gekleidete junge Mädchen mit welken Blumensträußen und ermüdeten Gesichtern warteten unter der Anführung von Respektspersonen, die feierliche schwarze Röcke trugen. Sie sahen alle recht abgespannt ans, aber sie schienen noch bis zum Abend warten zu wollen, wenn es nötig sein sollte. Man betrachtete uns neugierig, wie wir verstaubt und eilig durch die Straßen zogen. aber keinem fiel es ein. uns Wasser zu bringen, und austreten durften wir nicht, denn in der Stadt sollte, wegen einer möglichen Uebcrraschung durch den Kaiser, strenge Ordnung gehalten werden. Erst als wir den Ort hinter uns hatten, konnten wir aus einem Graben etwas lauwarmes Wasser schöpfen. Der Marsch ging aber mit unverminderter Eile weiter, denn wir hatten noch, einen sehr weiten V. eg. In zwei Stunden hatten wir das Proviantamt erreicht und konnten sofort laden. Dann ging es sogleich weiter; aber nun mußte auch der Marsch verlangsamt werden, denn die Pferde kamen nicht mehr so schnell vorwärts. Wie weit wir bis zur Truppe hatten, wußten wir alle nicht. Es war nur die Marsch- Straße angegeben worden, an der am Abend die Biwaiks bezogen werden sollten. Der Weg war von Truppen entblößt, aber wir konnten sehen, daß sie liier vorübergezogen waren. Bleiknöpfe, leere Patronenhülsen, schmutzige Fußlappen zeigten uns den Weg. Die fürchterlich schwule Hitze hatte uns sehr ermattet und wir warfen sehnsüchtige Blicke auf die Wagen, die oben in dem geladenen Stroh die schönsten Ruh-- plätze hatten. Man redete davon, sich aufzusetzen, aber noch hielt eins das strenge Verbot zurück. Doch der Teufel sollte dies ewige Marschieren»och lauge aushalten! Man konnte sidi ja schließlich in dem Stroh verstecken, dachte ich. und machte meinem Kameraden, der zu meinem Wagen gehörte, den Vorschlag, wir wollten abwechselnd fahren: erst er eine Stunde, dann ich. Er war sofort einverstanden, aber ich sollte der erste sein. Gut. sagte ich dann mache ich den Anfang. Ich schwang mich hinauf, ließ mir mein Gewehr reichen und wühlte midi tief in das Stroh ein. Es war drückend heiß da Deutsche Pflicht Du sollst»» Deutschlands Zukunft glauben, An deines Volkes Auferstehn! Laß dir durch nichts die Hoffnung rauhen. T rotj allem, allein, was grschehn! Und handeln sollst du so. als hinge ^ o'i dir und deinem Tun allein Das Schicksal ah der deutschen Dinge, Lud die Verantwortung wäre dein! Johann Gottlieh Fichte. Fuß über Grüften. Fest auf dem Festen. Haupt in den Lüften, So ist* am besten. Ort, drinnen, aber ich ruhte doch nun, lind idi Hatte es nach der halbdurchwachten Nacht sehr nötig. Für den Fall, daß Generalstabsoffiziere ankämen, hatten wir ein Warnungssignal verabredet. Aber wir waren diesen Leuten so selten begegnet, daß ich die Gefahr sehr leicht nahm und wenig daran dachte. Dazu kam meine Müdigkeit. Ich war selig, so ruhig liegen zu können, mit geschlossenen Augen dem Schwanken und Rütteln des Wagens zu folgen und mich vom Rhythmus dieser Bewegungen einlullen zu lassen, „Vordermann!" rief da plötzlich mein Kamerad als verabredetes Warnwort, Ich duckte mich ganz zusammen und versenkte auch das Gewehr so tief ich nur konnte; denn abzuspringen wagte ich nun nicht mehr. „Jeder Kerl an seinen Wagen!" hörte ich dann den Transportfiihrer rufen. Verdammt— jetzt wurde ich entdeckt! Ich hob den Kopf etwas empor, um mich zu orientieren, zog ihn aber gleich wieder zurück, denn kaum zehn Schritte vor unserem Vi a- geu hielt ein General mit einem anderen Offizier lind beide besichtigten die Kolonne. Noch hatte er mein Fehlen nicht bemerkt, aber gleich mußte es kommen. -Hier ist nur ein Manu, wo ist der zweite?" hörte ich den General fragen. Ich hielt den Atem an. An der Wagenseite, wo ich lag, konnte ich durch das Stroh Inn durchsehen. Vor mir war gerade der Hals vom Pferde des Generals. Ich sah dessen Knie ganz dicht vor mir. Der Doppelstreifen an der Hose war von tadellosem Rot. „Ausgetreten, Eure Exzellenz!" rief mein Kamerad. „Hat er Erlaubnis?" fragte der General. „Ich habe einen Mann beurlaubt, Exzellenz," sagte der Traitcoffizier salutierend. „Wo steckt der Kerl?" „Er wird hinter den Rüschen dort sein." Nach einer Weile wagte ich mich hervor und konnte glücklich ungesehen zur Erde gleiten. Spornstreichs rannte ich zum 1 ransportführer und meldete mich zurück. Er nickte nur und ließ mich stehen. Ich war ihm dankbar, denn er halle den General belogen und midi dadurch gerettet, unter der Gefahr, selbst dabei festzufahren Warum hatte er gelogen? Um sich selbst Unannehmlichkeiten zu ersparen, oder aus dem leisen Solidaritätsgefiihl heraus, das seihst weite Rangunter- sebiede überspringt, sobald ein ganz Großer mit feindseligen Späherblicken nach Gelegenheiten zum Nörgeln und Strafen forscht? Ich nahm das zweite an, weil mir der Gedanke einer solchen Solidarität gefiel, und weil ein von zahllosen Grobheiten verwundetes Menschenherz danach lechzt, sich an B i- spie'en brüderlichen Zusammenhalten* aufzurichten, uin seinen Glauben an die versöhnende Allgegenwart des Menschlichen nicht zu verlieren. Ich hätte es dem Offizier gern vergolten; aber ich konnte ihm keinen Gefallen tun. und auch zu verschenken hatte ich außer etwa» Kautabak nichts. Endlos zog sidi die Landstraße zwischen leeren Feldern hin. Ein einförmiges dunkles Grau lastete auf uns und hielt die Ilitze fest. Kein W indstoß schaffte Erleichterung und wir zogen langsam weiter Das vom Schweiß durchdünstete Tuch unserer Uniform lag schwer an den Gliedern und machte jede Bewegung zu einer Last. Es war unerträglich und doch fürchteten wir den drohenden Regen; nicht unseretwegen, sondern wegen unserer Ladung, die trocken bleiben mußte, wenn sie gebraucht werden sollte. Und nirgends war Wasser zu entdecken. Sonst hatten wir häufig Gräben und Teiche gesehen, aber heute waren wir wie verhext. Mit einem Male stockte der Zug. Die Pferde konnten nicht mehr, oder die Fuhrleute wollten die Tiere nicht mehr antreiben; sie sollten erst ruhen und getränkt werden. Wir erhielten je zwei Mann einen Eimer und sollten nach V\ asser gehen. Wer zuerst welches fand, sollte die andern herbeirufeil. Im Nu waren wir nach allen Richtungen ausgeschwärmt. Weit und breit sahen wir nur kahle Stoppelfelder und nirgends auch nur eine Spur von Wasser. Feh war mit meinem Kameraden nach einer entfernten Linie von grünen Büschen gelaufen, aber als wir dort ankamen, sahen« wir unsere Hoffnungen bitter getäuscht. Es waren Ginsterstauden und so trockene Burschen, daß uns ihr Anblick noch durstiger machte. Links von uns erhob sieh ein Buschkegel. Vi ir wanderten auch dorthin, aber die gleiche Enttäuschung! In einer Entfernung von etwa tausend Metern zog«ich eine gradlinige Erhöhung durch das Feld, die wir bald als einen Bahndamm erkannten. Er interessierte uns erst gar nicht; aber als wir den Blick an ihm entlangschweifen ließen, bemerkten wir ein Dach, das von der anderen Seite darüber hervorragte. Ein Haus! Dort mußte Wasser sein. Wir waren nnCncll ch miede, aber noch einmal zwangen wir uns und gingen hin. Es war ein Bahnwärterhaus mit einem Giiuüscarten davor, der so wohlgepflegt aussah, daß hier sicher Wasser sein mußte. Der Bahnwärter sah uns ankommen und hatte unsere Absicht erraten. „Hier kann kein Wasser geholt werden!" schrie er uns sehen entgegen. Jedenfalls dachte er. daß wir aus einem Biwack kämen und nur die Spitze einer unendlichen Schar von Wasserträgern seien. „Wir müssen alter welches haben!" antwortete ich. Er ging sogleich zu einer kleinen eisernen Pumpe und stellte sich davon, um sie auf Lehen lind Tod zu verteidigen. Ich hatte schon oft solche Gesellen getroffen, dir mit schierer Unmenschlichkeit den einfachen Wassertrunk verweigern, und hatte die feste Absicht, das Wasser um jeden Preis zi bekommen. „Lassen Sie uns nur den Eimer voll nehmen und uns satt trinken. Mehr wollen wir nicht, aber das müssen Sie uns geben!" „Ihr kriegt kein Wasser und wenn ihr euch auf<'eu Kopf stellt!" antwortete der Kerl und stfrekte die Arme aus. wie um seine Pumpe damit zu decken. „Gilt denn," rief mein Kamerad, dem der Anblick dt. Pumpe die letzte Ruhe nahm,„wenn Sie es auf Gewalt all Friedrich I licodor Viseber, kommen lassen wollen, so sollte« uns recht sein." Der Studenten Weltkongreß in Brüssel vom 29. bis 31. Dezember Das Studenteuwetttvinitee und ein? große Anzalil Jntel- Aktueller mit Paul L'Ltngenin Henri Barbniie. Maxim •vsorft, Egon Erivin M tillj, Theodor Dreiser,."ioftn dos Passos, Michael Wold. Andre Mahaux, Rolland Romain an der spitze, haben einen Autrul herausgegeben mit dem Vor- schlag, einen Student enweltkon gieß gegen Krieg, Faschismus und Kiilturrenttion aus breitester Basis zu or gantsieren. Dieser Ausruf wurde in allen Ländern von einer groüen Reihe von Ttudentenorganisationen mit Enthusias- >nus aufgenommen, Ter Stndentenivettkongreß wird vom 29. bis 31. Dezember einschließlich in Brüssel stattfinden. Pazifistische fs>rankreich, England, Amerika, Irland!, christliche fBereinigtc Staaten, England. Indiens, radikale lFrankreich, Dänemark. Islands und sozialistische Studenten- Organisationen werden aui dem Kongreß vertreten sein, Ter Brüsseler Kongreß wird eine Weltkundgebung sein, auf der nicht nur europäische Delegierte, sondern auch Ber treter Australiens, Mexikos, Lateinamerikas. der Bereinigten Staaten, Kanadas und mehrerer Kolonialländcr teil- nehmen werden. Der Kongreß stellt in den Mittelpunkt seiner Diskussion die Gesamtheit der fragen, die augenblicklich vor der sludie- renden Jugend liegen. Alle politischen und philosophischen Tendenzen der fortschrittlichen Jugend werden dort be- handelt. Tagesordnung: 1. Teilnahme der Studenten am gesellschaftlichen Leben sLage, soziale Rolle, Kämpfe), Korreferate über die Lage und die Kämpfe in Teutschland. Frankreich. England. Bereinigte Staaten. Spanien. Sowjet-Union, Kolonien,' 2. Militarisierung der studierenden Jugend,' 3. Krise der Kultur? 4. Wirtschaftliche Lage der Studenten. Intellektuelle Arbeits- losigkeit, Kämpfe für die wirtschaftlichen Forderungen der Studenten? 5. Diskussion und Beschluß eines Manifestes, eines Arbeitsplanes und eines wirtschaftlichen Sofortprogrammcs. 6. Wahl des Studentcnweltkomitees. ZV VW Die Auslandsjuden, die Deutschland verlassen mußten In einem Ueberblick über die Geschichte des Zentralaus- schnfses. von seiner Gründung im Frühjahr 1933 angefangen, hebt Tr Brodnitz. der Pressechef und Propagandaleiter des Zentralausschusses der deutschen Juden, die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Zusammenfassung aller Kräfte auf dem Gebiete von Hilfe und Ausbau hervor. Tie Zentralstelle für jüdische Wanderfürsorgc wurde allein von 18 999 Rückwanderern in Anspruch genommen, so daß man mit einer Rückwanderung von insgesamt 39 999 Juden, die zum großen Teil viele Jahre lang in Teutschland an- süffig waren, tii ihre Heimatländer rechnen kann. Ter Redner besprach dann die Fürsorgearbeit, ivobei er hervorhob, daß von der Berliner Gemeinde allein 29 999 Menschen unter- stützt werden, behandelte die Arbeiten aus dem Gebiete gc- schlossencr Anstaltsfürsorge und die besonders umfangreiche und durchorganisierte Tätigkeit aus dem Gebiet der Kinder- und Jugendfürsorge Für alle Arbeiten des Zentralaus- schunes sei der Grundsatz konstruktiver Hilfe maßgebend. Ties komme besonders in der Bcrnksumschichtung zum Aus- druck, die derzeit über 9999 Menschen ersaßt habe, von denen 57 Prozent in handwerklicher und 13 Prozent in landwirt- schaftlicher Umschulung stehen. Zuletzt schilderte Tr, Brodnitz die kulturellen Aufgaben des Zentralausschusses, inSbeson- derc auf dem Gebiet der jüdischen Schule, die bereits ein Drittel der gesamten jüdischen Schuljugend, etwa 29 999 Schüler, ersaßt habe. Das Kindbett entscheidet... Bot den Mitgliedern der Ortsgruppe Stuttgart der Deutschen Angcstelltenschaft hielt Ministerialrat Stähle einen Bortrag über die richtige Erbpflege. Niemals sei. so führte er nach dem Bericht des„Württembergischen Landes- Pressedienstes" u. a. aus, gegen die drei Gesetze der Erhaltung der Zahl, des Erbwertes und des Blutes so gesündigt war- den, wie in den 15 Jahren nach dem Krieg. Während noch zehn Jahre nach dem 79er Krieg auf 1999 Einwohner in Teutschland 42 Lebendgeborenc kamen, habe diese Zahl zehn Jahre nach dem Weltkrieg nur noch 12 betragen. Die zahlen- mäßige Stärke eines Volkes könne aber nur erhalten werden, wenn aus 1999 Einwohner mindestens 39 Lebendgeburten kämen. Ties bedeute, daß auf jede Familie im Durchschnitt 3'/-, praktisch 4 Kinder treffen mühten. Deutichland fehlten sieben Millionen Kinder, die als Verbraucher ausfielen. So sei die Wirtschastsnot geradezu eine Folge des Ge- b u r t e n r ü ck g a n g s. Die Geschicke der Völker würden nicht in den Kabinetten, sondern in den Kindbetten cnt- schieden werden. Mal was Vernünftiges Reichsjugendführung gegen Alkohol und Nikotin In einem Leitartikel„Studenten in vielen Ländern fördern das Studium der Alkoholprobleme" der Zeitschrift "Internationaler Student" wird die Frage„Jugend und Alkohol" erneut ausgerollt. Ilm diesen Leitgedanken der alten deutschen Jugendbewe- gung erneut deutlich herzustellen, hat die Reichsjugendführung dem Reichsausschuß für Volksgesundheitsdienst folgende Stellungnahme zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:„In der deutschen Jugend ist es heute sclbswerständ- lich gute Sitte, den Alkohol zu meiden. Auch ist im Dienst ausdrücklich verboten, zu rauche» oder Alkohol zu genießen." Frl. Tökftes Ooldsfrumpi Tie„W estfälische Landeszeitung" hat in ihrem Kamps gegen die marxistische Korruption einen entscheiden- den Schlag gerührt. Sie bringt Fotografien von 72 goldenen Zwanzigmarkstücken nebst einem daneben liegenden alten Strumpf. Besagter Strumpf nebst Inhalt soll bei einer 78- jährigen Wohlsahrtscmpfängcrin namens Tölcke aufgefun- den worden sein, die, laut„W. L." die Tochter eines sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten ist.„Wahrscheinlich," fügt das westfälische Naziblatt hinzu,„waren dies sogar Diäten, die der alte Tölcke als Reichstagsabgeordneter vom deutschen Volke bezogen hat." Ter alte Tölcke ist mindestens seit 49 Jahre» tot. Als er Abgeordneter war, gab es noch keine Tinten! Tic Abgeordneten mutzten damals ihre Arbeit umsonst per- richten. Im„dritten Reich" brauchen sie nichts zu tun und erhalten dafür jährlich 7299 Mark. Tie„Westfälische Landes- zeitung" findet das ganz in Ordnung, aber den toten Tölcke, der nie einen Pfennig aus Rcichswittcln erhalten hat, nennt sie den„SPT.-Bonzen Tölcke, den Mann mit dem Gold- schätz". ftrief&asten Freunde in Argentinien, Ihr habt uns da?„Argentinische Tage- blati" zugesandt mit einem Bericht und Bildern über ein Freund- ichastsetien sür den ausgebürgerten Tr. Tang, der jetzt dort die Pestalozzischulc leitet. Ter Hauptredner Tr.?. F. Alemann iagte n. a.:„Unsere neue Schule hat das erste Jahr mit dem deutbar größten Eriolg überstanden. Unter der Leitung des Herrn Tr, Tang ho> sie sich zu einer Musterschule entwickelt, in der keinerlei Politik getrieben und auch weder Verhetzung nach Vergiftung der Kinder geduldet wird. Gerode diese sachliche Arbeit ist es, die den Hag der braunen Diktatur und ihrer Werkzeuge ftervorgcruieu hat. Mit der Ausbürgerung ihres Direktors will man auch die Schule treffen und unsere Arbeit vernichten. Tasi wir uns weder durch diese, noch durch irgendwelche anderen Tcrrormaßnahmen der deutschen Sklavenhalter einschüchtern lasten, dafür ist unsere heutige kleine Feier lebendiger Beweis. Aber dar- über hinaus ioll sie unserem Ritter de? braunen Pour te Merite und seiner tapferen Gattin die Svmpatbie bekunden, die wir ihnen entgegenbringen und ein Gelöbnis sein unseres festen Willens. mit ihm den Ausstrahlungen barbarischer Reaktion energisch entgegen- zutreten, um wenigstens das Teutichlum in Argeniinien nor der Schande zu retten, daß e? feige nor der Diktatur zu Kreuze ge- krochen!ei."— Wir freuen uns der tapferen Haltung diefer Ausländsdeutschen in Argentinien und ihrer Anerkennung für die Arbeit eines Emigranten. R. G., Neunkirchen. Tie lästv-Mark-Sperre für die Reife non Reichsdeutschen»ach Oesterreich ist noch in Krait. von Papen hat aber jüngst in einem Vortrage im Bund der Reichsdeutschen zu Wien erklärt, daß iür den Wcihnachtsreiscverkchr nach Oesterreich gewisse Erleichterungen eintreten würden. Tie nächsten Angehörigen der in Oesterreich lebenden Teniichen sollen von der 1stV9-Mark- Steuer befreit werden, wenn sie zu Weihnachten die Einreise- bewilligung zum Besuch ihrer Verwandten nachsuchen. Tie Anträge aus Befreiung von der Abgabe erledigt der Bund der Reichs- deurichen. Gleichzeitig gab Herr v. Pape» bekannt, dag auch iür die Mitglieder des Tcutich-östcrrcichischen Alvenvereino für Winter- sportiahrtcn gewisse Erleichterungen vorgesehen seien. Riehen bei Basel. Mit interessantem Material ans der Schweis schreiben Sie uns:„Als täglicher Leier Ihrer stets interessanten,' mutigen und vorbildlich sauber gegen eine Verblödung der' Saar kämpfenden Zeitung möchte ich nur von Herzen wünschen, Ihr Kamps, den man in Anbetracht der eventuellen Folgen mit Recht heldenmütig nennen darf, wird so enden, daß..Flachmaler als Erzieher" eine Schlappe davontrage, die ihn endlich dahin bringt, wohin er schon lange gehört: Zum Teufel." Wir erwidern Ihre Freiheitsgrütze herzlich! Alter Nürnberger. Tie, ein unermüdlicher Liebhaber der„Frön- tischen Tagespost", schicken uns wieder ein Bild daraus. Man sieht eine Arbettslosensamilie am Mitiagstisch und darunter den Text: „Irgendwo in Nürnberg lebt ein sei! Iahren arbeitsloser Volks- genösse mit seiner Frau und seinen drei Kindern in nicht gerade gesegneten Verhältnissen. Trotzdem hat diese Familie ihre Touk- barkeit dem nationalsoziatistifchen Staate dadurch zum Ausdruck gebracht, datz sie, wie das Bild zeigt, neben ihren drei eigenen Sin» der» noch ein viertes Kostkind in den Familienkreis ausnahm. Tie NS.-Bolkswohlsahrt hatte nämlich in diesem Sommer die damals schwer kranke Mutter acht Wochen'in Erholung geschickt und ihr so zu ihrer Wiedergenesung verholfen. An der Dankbarkeit dieser ein- fache» Menschen bewahrheitet sich wieder einmal die von unserem Frankenführer immer und immer wieder verkündeten Worte, datz die äußerlich kleinen Menschen sehr oft innerlich eine Größe er- reichen, an der sich mancher ein Beispiel nehmen könnte."— Sie haben recht. Früher war so etwas ein Beispiel christlicher Nächsten- liebe, ein Herz Jesu-Süppchen und vorbildliche private Charitas. Heute aber heißt das prunkvoll:„Das ist wahrer Sozialismus!" Ter gleiche wahre Sozialismus ist es auch, wenn„unser Franken- siihrer" ins Gefängnis gehl, einen wehrlosen Häftling niederpeitscht und sich nachher öffentlich seiner Tat rühmt. Für den Gefomtlnhalt verantwortlich! Johann Pitz In Dud! weiter: kür Inleraie: Olto Kuhn tri Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag! Verlag der Volksstimme GwbH„ Saarbrücken 3, Schützcnstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Was ist s mit dem Arbeitsdienst? Lies„Jungens im Moor" und du weißt es! Ein erschütterndes Dokument! In seinen einfachen Worten zeigt es, wie der Idealismus der deutschen Jugend von unfähigen Kommißknechten erschlagen wird. Was die Nazis anfassen, wird Zwang, Sklaverei und Militarismus. Das beste an jeder Sache erstirbt: Die Freiwilligkeit! Man muß das Wort„freiwillig" vom deutschen Arbeitsdienst streichen. M. M. ein alter Lagerführer. Dies Buch müssen alle Eltern und Jugendlichen lesen! 48 Seiten. Preis 2,— Fr.. Bestellungen erbeten an Verlag der„Volksstimtne" Saarbrücken 3, Schützenstraße 5, Telefon 2 07 31 und seine Buchhandlungen: Saarbrücken Trierer Straße, Neunkirchen und Saarlouis. SAARLANDER BEIM ARBEITSDIENST