Abonmmtnts-Kedingungt»: RbonnemenlS-Prei« pränumerando: SZierlsljährl. 320 Ml., monall. 1,103*1., wöchenlltch 28 Psg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntag»- Nummer mit tllustrirter Sonnlag»- Beilage«Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für lSS? unter Nr. 7-tS7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertioils-Eebühr betrügt für die fechSgelpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für verein»- und Versammlungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittag» in der Elpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bi» 1 Uhr abend», an Sonn- und Festlage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheini iiiglich ausser Montag«. Vevlinev Volksblerkt. Zernsprechrr: Hmf I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Soilaldeuwstrai Berlin". Dentrcdorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. HiedalUiim; SW. 19, Mettly-Straß- 2. Dev Erste ALeti ist auch heuer von den klassenbewußten Arbeitern aller Länder würdig unserer Sache gefeiert worden; und auch heuer hat die iuteruationale Heerschau des Proletariats einen weiteren F o r l s ch r i t t unserer Bewegung offenbart— das ist das Gcsalnnllergcbniß der außerordentlich zahlreichen Berichte und Tclsgraunne, die uns— so zahlreich wie nie �zuvor— aus dein In- und Auslande zugegangen sind. In Teutschland, namentlich im Norden, war das Wetter ungünstig, allein, wenn auch die Kundgebungen im Freien hierunter einigermaßen litten, so war die Theilnahme au den Kundgebimgcn in geschlossenen Räumen um so massenhafter. Jedenfalls war— und das gilt für das Ausland wie für das Inland— die Bctheilignug eine a l l g e m e i u e r c als je zuvor. Und in Deutschland wurde auch die Feier durch Arbeitsruhe von mehr Arbeitern geübt als je zuvor. Die brutalen Drohungen der Gcldsäcke haben, wie sich das erwarten ließ, das Gegentheil der beabsichtigten Wirkung hervorgebracht. Aus Oesterreich, England, Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und anderen Ländern wird uns ausdrücklich allgemeinere Betheilignng als in früheren Jahren gemeldet; und besonders ans Oesterreich auch allgc- meincre Arbeitsrnhe, was um so nichr hervorgehoben werden muß, als die Unternehmer, gestützt von den Behörden, das Wegbleiben von der Arbeit nach— deutschem Geldsack-Mnstcr durch brutale Ukase bei Strafe der Entlassung verboten hatten. Das Moment der allgemeineren Betheilignng in allen Ländern fällt doppelt ins Gewicht, weil der 1. Mai dieics Jahr auf einen Sonnabend fiel, d. h. auf denjenigen Tag der Woche, an welchem der Arbeiter am schwersten � von der Arbeit abkommen kann, und die Arbeitsrnhe ihm die schwersten Opfer auferlegt. Aber die Arbeiter sind keine„Prozent- Patrioten". In Frankreich wurde in allen Städten und Land- gemeinden, wo unsere Genossen das Heft in Händen haben, der Ei ste Mai als offizieller Feiertag begangen. Die Polizei scheint nirgends gewaltsam ausgetreten zu sein, und, da die Sozialdemokraten stets gute Disziplin halten, so ist die Ordnung nirgends gestört worden. Der Geist der Humanität, Freiheit und Gerechtigkeit, dem das Weltfest der Arbeit gewidmet ist, spricht zu uns aus den M a i- N u m m c r n der sozialistischen Zeitungen aller Länder. Biete dieser Fcstansgaben sind wahrhaft künstlerisch ans- gestattet; und die Jammcrphilister, die unser Fest spöttelnd zu verkleinern suchen,— sie sollen nur die S e d a n- und Zen t e n a r-Nn in nierN der bürgerlich-reaktionären Presse mit den Mai-N u in m e r n der sozialistischen Presse vergleichen. Ter Zeitpunkt war ja auch überaus günstig, um die K u l t u r in i s s i o u des Proletariats gegenüber der K n l t n r f e i n d l i ch k e i t der K a p i t a l i st e n k l a s s e i» helle Beleuchtung zu bringen. Dort„hinten in der Türkei die Völker auf einander- schlagend"— Menschen-Hekatomben geopfert durch Verschulden und unter den Augen der kapitalistischen Staatsmänner- Zunft. Und hier das Proletariat, das in allen Ländern der Erde den F r i e d e n fordert und für die Verbrüde« r u n g d e r M e u s ch h e i t eintritt. „Schaut auf dieses Bild und auf jenes." Dort die a b st o ß e n d e Vergangenheit. Hier die aufleuchtende Zukunft. Berlin am 1. Mai. Die äußeren Umstände waren diesmal dem Maifest nicht gerade günstig. Porher halte lagelang vom wolkenlosen Himmel die Sonne beruntei gebrannt, hatte die Baume und Büsche in kurzer Zeit mit Blättern und Btnthen bedeckt und die Herzen der Menschen mit neuen Frühlingshoffnungen gefüllt. Auch am Festtage selbst trat die Sonne frühmorgens siegend durch das ansgclhnrmle Geirölk, die Schläfer vom Lager verscheuchend und Jung und Alt zum Maifest zu rufen. Aber bald sehte doch das schlechte Wetter ein. Während der Vormittags- stunden sprühte ein seiner Regen hernieder, ließ nachmiilags ein paar Stunden nach, hin dann gegen Abend wieder erbarmungslos ans die festlich versammelten Menschen herunter zu plätschern und sie aus den Gärten nach Hause oder in die Säle und Wirlhshaus- stube» hinein zu treiben. Auch daß der eiste Mai diesmal ans de» Sonnabend fiel, machte manchem die Bethcilignng an der Feier unmöglich. Frau»iidftrnder harrte» vülleicht schon ängstlich ans de» Wochcnlohn. Auch der Tribut an den Hanewirlh ist am Monatsersle» fällig. 'Alle diese ungünstigen Umstände hätten es leicht er- llärlich gemacht, wenn die Theilnahme der Volksmassen an dem Maisest diesmal geringer als in früheren Jahren gewesen wäre. Sie ist aber nicht geringer, sondern st ä r k e r gewesen,— dies wenigstens hinsichtlich der am Vor- mitlag abgehaltenen Gruppenversammlungen der einzelnen Gewerbe, welche Morgenversannnlnngen ja für den Umfang der eigentlichen Arbeilsruhe den besten Maßstab bilden. Ans diesen Gruppenversamni- lungen wird übereinstimmend gemeldet, daß die T h e i l n e l>»> e r- zahl gegen das Vorjahr nlid die früheren Jahre g e iv a ch s e n i st. Und auch das äußere Straßcnbild ließ für den, der Rügen und Ohre» offenhielt, wobl erkennen, daß in Berlin der erste Mai ge- feiert wurde. Tie Arbeit ruhie aus so mancher Arbeitsstätte. Namentlich Bauten sah man sehr zahlreich stille liegen und so mancher Fabrikschornstein Halle das Rauchen eingestellt. In den äußer» Stadlbezirlen hatten verschiedene kleinere Geschälte, wohl meistens Parteigenossen gehörend, geschlossen. Daß die gewerkschaft- lichen Bureaus, die Arbeitsnachweise, die Verwaltungsstellen von Krankenkassen und dergleichen geschlossen hatten, ist ja selbst- verständlich. Die Theilnehmer an den Vormittagsversanimlungen halten sich schon in früher Morgenstunde branchcnweise in einzelnen Lolalen gesammelt,»in sich dann, zum theil im geschlossene» Zuge in ihre Versammlungen zu begeben. Diese Gcwertschafrsversc''innlnnge» waren, wie schon berichtet, überall gut besucht, zum theil überfüllt, und überall zeigte sich Vegeisiernng, frohe Hoffunng und Siegeszuversicht. Man konnte es auf den Gesichtern lesen und aus den Worlcn auch des einfachsten Mannes boren: diese Arbeiter haben den Glauben an die Znknnft, habe»' den Willen, sich die Zukunft in ihrem Sinne zu gestalten und haben auch die Kraft zu diesem Unternehmen. So muß denn die Zukuust der Arbeit und den'Arbeitern gehören. Neber die einzelnen Gewerkschasts-Versammlungen wollen wir nachstehend kurz berichte». Die Gcwcrkschafts- Versammlnitgei». Die G r u p p e n v e r s a in in l n n g der N a h r il Ii g s- n» d G e» u ß»> i t t e l> B r a n ch e, die bei Niest, Webersiraße, tagte. war noch bedeutend besser besucht, als im Vorjahre(750 Peisonen). Das Referat des Genossen gieichslags.'Abgeordnelen Dr. Lütgena», der in ausgezeichneter Weise die Bedeutung des k. Mai für das Pioleiariat schilderte, wurde mit stürmischem Beifall von den Versammelten aufgenommen. Die Resolution fand ohne Diskussion eiuftimnlige Annahme. Die vorgenommene Auszählung ergab, daß die Tabakarbeiter(IbO), G a st- w i r t h s- G e h i l f e n(100), Musiker(90) und Brauer am zahlreichsten vertreten waren. Trotzdem der Ring der Berliner Brauereien beschlossen hatte, die Arbeiter, welche den 1. Mai feiern, zu entlassen, war die Beiheiligung der Vrnnerei-Arbeiter eine ver- hällnißniäßig starke. Mit einem dreifachen Hoch auf die Arbeiter- beweguna, in das die Versammlung begeistert einstimmte, schloß der Vorsitzende, Genosse Börner die imposante Versauunlting. Die i i» H a n d e l- und im V e r k e h r s g e w e r b e A n- g e st e l l t e n hallen sich in der Zahl von etwa 000 bei Cohn, Beuthstr. 20, eingefunden. Das Referat hielt Genosse Dr. W e y l. Tie Resolution des GewerkschastSkariells wurde augeuomme«. Die Holzindustrie tagte in der„Neuen Well"; diese Ver- sammliing war von ca. 10 000 Personen besticht, so daß viele in dem großen Saale keinen Platz mehr finden konnten. Der Vortrag des Genossen A. Bebel, der in l�/estündiger Siede die Bedeiilnng des 1. Mai besprach, wurde mit großem Beifall aufgenominen, Die bekannte Resolution fand einstimmige Annahme. Am Schluß der iinposauten Versammlung gaben einige Arbeiter- Gesangvereine mehrere der Vcdenliing des TagcS entsprechende Lieder zum besten. Die Versal» m l n n g der Metallarbeiter bei Martens, Friedrichftraße, war überfüllt und wurde Polizei- lich abgesperrt. Das Referat hielt L i t s i n. Festgestellt wurde, daß unter den Anwesenden nur wenig Arbeitslose sich befanden. Die Versammlung der Lederarbeiter(Weißgerber, Lohgerber, Lederzuiichtcr und-Färber, sowie Handschuhmacher) bei Uhlitz, Badstr. 19, war von etwa S00 Personen besucht. H. Rohr- l a ck referirie. Tie Begeisterung war sehr groß, und alle An« weseudeii hatten den Eindruck: die diesjährige Vorinittags-Mai- Versnninilung übertrifft alle ihre Vorgänger! Die in der Bekleidungsindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen waren, ca. 500 an der Zahl, in den A r in i n h a l l e n versammelt. Nach dem mit Begeisterung aufgenonlineiien Referat des Genossen Bahn stimmten die Ver- sammelten der Resolution zu und wurde die Versammlung mit einem Hoch aus die internationale Sozialdemokratie geschlossen. linier Absingen der Marseillaise verließe» die Anwesenden den Saal. Für die Zlrbeiter des graphischen Gewerbes fand die Versammlung im„Lonisenstädtische» Klubhaus" statt. Das Lokal erwies sich als zu klein, es wurde lauge vor Beginn ab- gesperrt. Nach Z u b e i I's Reserat fand die Ltesolution ein- stimmig Annahme. Die Versammlung wurde durch einige Gesänge eingeleitet und geschlossen. Die Schuhmacher halten zwei Lokale belegt. In der „ K ö u i g s b a ii k" halten sich gegen 2000 Personen«iugeiiindcn. In den mechanischen Filzschiibsabriten ruhte d i e A r b e i t gänzlich. Referent: Genosse Waldeck-Mannsse, Stesolnlivn wurde angenomuien. In Cohn's Festsälen waren 200 Personen anwesend. Stach dem Referat des Genosse» Ha mm ach er wurde die Resolution einstimmig angcnoninien. Die Z i»i in e r e r tagten ini Böhmischen Brauhause. Der Saal wurde«in lO'/e Uhr polizeilich abgesperrt, so daß ein großer Theil der Erschienenen im Garten Platz nehmen mußle. Anwesend ivaicn im ganzen nugesähr 3000 Persoueu. Maurer Kater referirte. Tie Resolution wurde eiiistiiumig angeiiominen. T i e V e r s a ni in l u ii g der Töpfer, Steinmetzen, Steinsetzer und Dachdecker süllle den Saal Liuicnstrnße vollständig. Die Resvlution fand nach dem Vortrag des Genossen Wille einstimmige Annahme. Ueberwiegend war die Versammlung von Töpfern besucht. Dije M ii f i k i n str n m e n t e n- A r b e i t e r waren bei Henke, Naunyiistraße, versammelt. Die Stimmung der etiva 250—300 91». ivcsenden war sehr gut. Das Referat halle Frau R o h r I a ck über- nonunen. Die Bildhauer und Stuckatenre hatten den untere» Saal im Englischen Garten dicht gedrängt besetzt und auch in den Seitengängcn standen die Theilnehmer eng aneinander, so daß die Zahl der Besucher wohl über 800 betragen konnte. Nach dem Referat des Gcnvffeii Stob, Schmidt erfolgte die einstimmige An- nähme der Resolution und fand die Versammlung mit einem Hoch ans den Achlstiindentag ihren Slbschlnß. Die R! L b est p o l i r.e r hatten in Keller's' oberem Saal eine überfüllte Versaminlnng, ivohl an 000 Personen waren zur Stelle. Genosse Berthold Hey mann hielt das Referat. Vor und nach dem Referat fanden Gesangsvorlräge statt. Der Verlauf der Versammlung entsprach den höchsten Erwartungen, die Stinimniig der Anwesenden war begeistert und siegesfroh über den großen Prcucntsatz der Kollegen, welche die Arbeit ruhen lassen loniile». 'An die Velsainmlnng schloß sich ein Ausflug«ach Niedkl-Schöiie- weide an. Spedition: SW. 19, Neuty-Str.ch Die Putzer waren in Keller's großem Saal versaimnelt. Es mochten gegen 2000 Personen anwesend sein. Ans Veranlassimg des Ueberwachende» mußte die Gallerie geräumt iverdc» und waren viele Theilnehmer, welche im Saale keinen Platz mehr fanden, auf die Vorräume migewiesen. Die Feier wurde eingeleitet durch einige Gesangsvorträge. Nach dem Referat des Genossen Wagner winde die Nesolulion einstimmig aiigciiomme». A ii der M a n r c r v e r s a in in l n 11 g uahmeu gegen 3500 Pers onen theil; alle Tische und Stühle mußten e n l- lernt werde», um Platz zu schassen. Referent war Gen. S i l b e r s ch n> i d t; die Resolulio» wurde angenommen. Unter Absinge» der Marseillaise verließen die Versammelten das Lokal. I ii der Versammlung für die P o r z c l l a n- u n d Glasindustrie waren 250 Personen erschienen. Nach dem Referat des Ge». S i l l i e r nahmen die Anwesenden einstimmig die Resolution an. Die Vergolder waren etwa 250 Peisonen bei Große. Annen straße 10. versammelt. Gen. Poehsch hielt hier das Reserat. Durch Aufruf fäinuitlicher Firmen wurde sestgestellt, daß bedeutend mehr ZUbeiter seiern, als i» der Versammlung anwesend. Tie Slesolntio» fand Annahme. D i e V e r s a in ni l u n g der Bauarbeiter war von mehr als 300 Personen besucht. Nach dein Referat des Genossen Link fand die Rcsolntio» einstimmige'Annahme. Die Versammlung der Maler, L a ck i r e r und B e» rufsgcnosseu war von ca. 500 Personen besucht. Resolution einstimmig angenommen. R. M i l l a r g referirte unter großem Beifall der Slnwesenden. Die Versa in m l u n g der Tapezirer, in welcher P. D n p o n t referirte und die von 250 Personen besucht war, nahm eiiistiinmig die Resolution der Gewcrkschastskoinmission an. Mit einem dreisacken Hoch aus die internationale Arbeiterbewegung schloß die Versannnlling. Tie Partei sc sie i» de» Wahlkreisen. Tie aus den Gewcrkschastsversaininliingen heiinkehrenden Schaaren von Feiernden, viele mit der rothen Blume auf der Brust, gaben dem Slraßenbild sein eigenes Gepräge. Mancher Philister, der nichts wußte vom Maisest, machte wohl ein erstauntes Gesicht ob des ihm unverständlichen 9liifzuges. Am Slachmittage trat deutlicher der volksfestartige Charakter unseres Maifestes hervor. Die größten Säle und öffentlichei» Gärten, die Berlin besitzt, die Lokalitäten und Sommergärten der Brauereien in der Hasenhaide, am Friedrichshain, im Zentrum und im Norden der Stadl waren für das Maifest gewonnen worden. Auch die größeren Vororte halten alle eigene Festlichkeiten vor- bereitet. Uebcrall waren Gärten und Säle mit sozialdemokratischen Fahnen, Enibleinen und Sprüchen geziert. I» der llnions- Brauerei war freilich der Eingang von zwei mächtigen schwarz- weiß- rothen Bannern flankirt. Der' Wirlh glaubte dies wohl seiner Reputation schuldig zu sein und betrnchlete er vermulhlich als Gegengift gegen das im Saal pran- gende sozialdemokralische Roth. Sluch an anderen Stellen sah man diese staatsgefährliche Farbe. Sogar in den kleinen Gartenkolonien auf den die Stadt umgebenden Feldern flatterte lustig die roth» Flagge von vielen Lauben herunter. In der Friedrichstrabe wurde mit bestem Erfolg unsere Maifest-Zeitnng an daS Bourgeois» Publikum veikanft,— kein Wunder, daß der famose Spezialbericht« erstaller der„Post" herausgesunden hat. daß unsere Veranstaltungen „immer revolutionärer" werden. Nnchuiiltags sah man die festlich geputzten Männer, Frauen und Kinder in helle» Schaaren zu den Parteisesten strömen. Manche 9Irbeiter, denen die 9lrbeitsruhe am Vormittag nicht möglich ge- ivese» war, feierten doch von Mittag an, andere, die auch dieö nicht konnten, eilte» wenigstens am Slbend noch zum Festplatz. I» den Gärten wurde überall konzertirt. Auch Gesangsvorträge. gymnastisch« Uebungen, Festspiele und dergleichen lösten in Wechsel» reichem Programm einander ab. 9lbe»ds kam dann ja leider wieder der Regen dazwischen. Doch man muß eben die Feste feiern wie st» fallen, also auch das sozialdemokratische Maisest, wenn es auf eine» regnerischen Sonnabend fällt. Ueber den Verlans der Feier in den ei»zel»en Lokalen berichten wir nachstehend ausführlicher. Die Genosse» des ersten Berliner Reichstags« Wahlkreises feierten den 1. Mai im festlich geschmückten F e e n p a l a st. Vokal- und Jnstrumental-Konzert erhielt die Fest- theilnehmer. deren Zahl zirka 2000 waren, in fröhlich heiterer Fest» slimmung. Um 1l2d Uhr hielt unser alter Genosse Wilhelm Liebknecht eine seurige Slnsprache. Ihren Höhepunkt erreicht« die allgemeine Begeifleuing, als der Festredner zum Schluß mit heiligem sozialdemokrnlischem Eide schwur, treu und unentwegt auf der bcschritlciicn Balm weiter zn kämpfen für die Be» freiuiig der Arbeilcrklasse ans dein Joche des Kapitalismus bis zu seinem letzten 9llhn»z»ge. Brausender Beifall durchrauschte den weiten Feftramn. Mit fester Ueberzeugung. dereinst sicher beim gesteckten Ziele aiizngelangen, stimmten alle begeistert ei» in eil, dreimaliges Hoch auf die i»ler»atio»ale Sozialdemokratie. Konzerl und Festspiele wurden darauf bald von lustiger Tanzmusik abgelöst, wobei sich'All und Jung vergnügte bis in die frühen Morgenstunden. Der zweite Wahlkreis beging die Feier im Garten» Etablissement der U n i o n s b r a u e r e i. Etwa 4000 Personen fanden sich im Laufe des Tages ein, von denen es sich viele trotz des schlechten Weiters, so gut es eben gehen mochte, im Freien be» quem machten. Die großen Säle und Siestaiirationsräume warcit überfällt. Jnstrninentnlkonzert, Vorträge einer größeren Sänger» schaar, turnerische Vorsührunge» und auch die Darbietungen einige«' Harinonikakünstler ersrenien die Festtheilnehmer. Ihre ernste Weih« erhielt die Feier ourch die Siede des Genosse» Richard Fischer. der die Bedeutung des Tages seinem lausendlöpsigen Publikum scharf und eindringlich kennzeichnete. Seine Worte enlsessclten einen wahret, Beifallssturm. Der dritte Wahlkreis feierte daS Maifest in würdigster Weise m der„Neuen Welt". Wie in der Voiniiltagsversauimluiig, so waren auch am Nachimltage säuimlliche Räume des festlich ge» schinücklcn Etablissements bis auf den letzten Platz besetzt. Trotz des grieSgiänugen Gesickis, welches der Himmel zeigte, ließ sich niemand abhalten, sänuntliche Darbielimgen des ProgrammK, welche auch bier in ixall ansgcsnhrlen Kouzcrtvoilrägen einer Zivil- Beruskiutisilir- Kapelle. in turnerischen Anffühumge« «ub den mit großem Beifall aufgenommenen Gescmgs-Bor- triigen mehrerer Vereine des Rrbeiter-Sängerbnndes und Feuerwerk bestanden, im Garle» anzusehen. Zirka 7000 Personen bejande» sich am Abend in der Neuen Welt. Um S'/e Uhr hielt der Genosse Aogtherr die Festrede, welche i» den Herze» aller Anwesende» e>»e» freudige» Wiederhall erweckte. Biit einem Hoch auf die internationale, völkerbefreiende Sozialdemokratie und dem Gesang der Marseillaise fand auch dieser Tbeil des Programms einen weihe- vollen Abschluß. Hierauf trat der Tanz in seine Rechte! Die Parteigenosse» des 4. u n d S. W a h l k r e i s e s begingen die Maifeier i» fünf große» Lokale». Leider machte das regnerische Wetter den Anfcnlhalt im Freie» nicht sehr angenehm; da es aber andererseits auch nicht zu de» Annehmlichkeiten gehört, z» dieser Jahreszeit schon wahrend der Tagesstunde» in Säle» zu verweilen, die ja mehr oder minder vom Tageslicht abgeschlossen sind, so waren die Lokale in den Nachmiltagsstunden nur schwach besucht, desto größer mar dagegen den Andrang am Abend. Ter geraumige Saal der Brauerei F r i e d r i ch s h a i» war nmsamml den Gallerie» dicht gefüllt. Den Anwesenden wurden gute Musik und ancrkcnnenswerlhe Gesangsaufführunge», dazwischen auch komische Vorträge der Gesellschaft Strzelewicz geböte». Ten Höhepunkt der Feier bildete die Festrede, welche Klara Zetkin mit gewohntem rednerischem Schwung zum Vortrag brachte. Nach Beendigung der musikalische» Aufsnhrnnge» belustigte sich ein Theil der Feiernden am Tanz, während andere, gcmüthlich plaudernd, in den Nebenräumen beisammen saßen. Im Elysium in der Landsberger Allee war der Besuch ein recht guter. Saal und Nebenräume waren vollständig besetzt. Außer musikalischen und gesanglichen Vorträge» gelangle ei» Einakter: „Mit Hilfe der Polizei" zur Aufführung. Tic Festrede hielt Genosse Theodor Glocke, zum Schluß wurde getanzt. K e l l e r's großer Saal in der Koppenstraße war ebenfalls von einer dicht gedrängten Schaar von Fefttheilnehiner» gefüllt, die sich a» Musik- und Gefangaussichningcn, sowie Konplelvorlrägeu erfreuten, während im oberen Saale die Jugend sich am Tanz belustigte. Genosse D» p o n t hielt die Festrede. Auch in S a» s s o il e i e»ahm die Feier eine» würdigen Ver- lauf. Hier sprach vor 2000 Personen Genosse August Bebel. ikurz, aber voller Temperament und vo» hinreißender Wirkung war sein« Rede. Der unterhaltende Tbeil verlief programmmäßig. Hervorzuheben ist, daß das jugendliche Fräulein Scholz die Ver- sammelten mit einer längere» Deklamation ernster Natur sehr er- freute. Die Turner und der Humorist Oestreich sorgten in trefflicher Weise für die Unterhaltung. Im Schweizer Garten fanden sich meist die Partei- genossen ans dem 5. Berliner Wahlkreis zusammen. Am Nach- mittag war die Betheiligung nur spärlich»ud als am Abend die Besucherzahl auf annähernd 1500 angewachsen war, fehlte es an Räumlichkeiten, um Allen Schutz vor dem Unbill der Wilterniig zu biete». Die meiste» traten deshalb schon früh den Heimweg an, während die Jugend sich am Tanz amüsirtc. Aus dem im Programm Gebotenen mag der Gesangverein„Ttzpographia" besonders hervor- gehoben werden, der in der von ihm gewohnten präzisen Weise seine Gesangspieeen zum Vortrag brachte. Das lebende Bild, Frühlings- erwachen, vom Verein„Volksthümliche Kunst" dargestellt, gelaug recht gut und auch die Turner trugen ihr redliches Theil zur Unter- Haltung bei. Gegen 10 Uhr hielt Genosse Robert Schmidt die Festrede, die die Bedeutung des l. Mai kurz slizzirle und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Arbeiterbewegung ausklang. Die Parteigenossen des se ch st en Kreises halten dem Umfange des Kreises entsprechend, 0 der größten Lokale Berlins für sich in Anspruch genommen. Um auch den wirthschastlich schlecht gestellten Arbeitern und Arbeiterinnen die Theiluahme an der Feier zu ermöglichen, wurde ein festes Enlree nicht erhoben, sondern durch Tellersammlnugen die Unkosten zu decke» gesucht. In sämmtlichen Lokale» waren die Gärten und Säle reichlieh mit rochen Fahnen dekorirt und auf den mit Guirlandcn geschmückte» Bühne» hatten die Büste» der Vorkämpfer des Sozialismus ihren Platz gefunden. Im Berliner Prater, wo bereits nachmittags mehrere hundert Personen anwesend waren, kann der Besuch als ein guter bezeichnet werde». Soweit Räumlichkeiten vorhanden, die nur einigermaße» Schutz vor dem beständigen lltegenwetter böte», waren diese bis ans den letzten Platz besetzt»nd eine große Anzahl der efltheilnehmer halte» im Freien Platz genommen. Das sestgesehle rogramm wurde im Garten, theilwcise im Saale ausgeführt. Tic Gesangspieceu, lebenden Bilder und die einzelnen Konzertstücke, sowie einige artistische Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Festrede klang in ein dreifaches Hoch auf die Arbeiterbewegung aus, in das die Versammelten begeistert einstimmte». — I n P u h l in a n n's B a u d e v i l l e- T h e a t e r waren gleichfalls die Feiernden verhältuißmäßig zahlreich erschienen. Ter Saal, die Hallen und sonstigen stiestaurationsräume waren dicht gefüllt.' Auch hier ließ sich eine nur annähernd genaue Zahl der Festbesucher nicht seslstellc», zumal die Ausgabe von Billets nicht stattfand und die Massen, die bei dem ungünstigen Welter in den inneren Räumen nicht uiiterkomineil konnten, ans und ab pronienirte» oder immer wieder von neuem den Versuch machte», in dem gegenüber liegenden Festlokal Unterklinfl zu finden. Tie vorn Gen. A u g Ii st i n gehaltene Festrede fand recht beifällige Ausnahme.— In der Norddeutschen Brauerei waren bereits am Nachmittag die Gartenhallen, unter denen die Festlheiliiehmer Schuh vor dem hcrniederrieselnden Regen gefmiden, dicht gefüllt. Uli» Abend jedoch wuchs die Zahl der Tenioiistranteii derart, daß säiuint- liche Räume bis auf den letzten Platz besetzt und eine beträchtliche Anzahl sich im Freien plazireu mußte. Die Festrede hielt hier Genosse Dr. B e u t l e r. die mit großem Beifall ausgeuomnien wurde. Die Gesangkaufführiingen der Vereine„Nord w a ch t", „Oranienburger Vorstadt" und„Maiglöckchen I", die turnerischen Leistungen einer Abt Heilung des Vereins „Fichte", sowie die Darstellung des lebenden Bildes erntete» stürmischen Applaus seitens der Versammelten.— Im Feld- schlößchen, Müllcrstraße, konnte der Besuch gleichfalls als ein ziifriedenstellender bezeichnet werden. Hier war c? Gei offe Ledebour, der in einer vortrefflichen Rede die Bedeutiing des 1 ll'lai der aufmerksam lauschenden Bienge vorführte, die am Schlüsse der Ausführungen stürmischen Beifall spendete. Die Leistungen der Gesangvereine„ W e d d i n g e r Harmonie",„Alpenrose" und„ S t e i n ii e l k e", als auch die des Bläserkorps fanden im- getheille Anerkennung. Sonderbar berührte, daß die Ausführung lebender Bilder imter Observanz eines Polizei-Ossiziers, eines Wachtmeisters und etlicher postirter nniforiiiirter Schutzleute, ab- gesehen von den ja unvermeidlichen Kriminalbeamten, stattfand.— I n W e r m a n n' s Volksg arten war der Besuch schon am Nachmittag trotz des ungünstigen Wetters ein ziemlich guter. Am Abend waren alle geschlosienen Räume bis auf den letzten Platz gefüllt. Um 10 Ubr hielt Frau N o h r l a ck die mit großer Begeisterung aufgenommene Festrede. Nach dieser trat der Tanz in seine Rechte und hielt die Festlheiliiehmer noch lange bei- fanunen.— I n der K r o n e n b r a n e r e i(Moabit) füllte sich das Lokal von 2 Uhr an. Gegen 7 Uhr abends war die Zahl der Theilnehnier auf mehr als 2000 zu schätzen. Tie Konzertvorlräge, um 4 Uhr beginnend, sowie die Darbietungen der„Moabiter Sangesbrüder" wurden mit lebhaftem Beifall auf- genoinnien. Ebenso die Leistungen der Gesangsductlislen Gebrüder Riedel. Die Festrede de» Genossen Mi II arg trug wesentlich zur Hebung der Stininiiing bei. Zwischen 10 und 11 Uhr abends stieg die Zahl der Besucher ans ziika 3000 Personen, die sich ans die beide» Säle und den Garte» ver- theilten Das Fest verlief programmmäßig»nd fanden alle sonstigen Beraiistallungei, des Alends(turnerische Slnffuhrnngen. lebendes Bild u. s. w) ein dankbares, von froher Feftsliminniig animirlcs Publikum. Die polnischen Sozialdemokraten hatten den J. Mai vormittags nur einen Ansfiug»ach Treptow veranstaltet, Gestein, den 2. Mai, hielten sie eine von eiwa 300 Personen bc- suchte Versammlung ab, in welcher Gen. Groschowski über die Bedeulnng des l. Mai reserirte. Nach Absingen einiger ülrbeiter- lieber«lüde die Versamniluns mit«inein Hoch onf die Sozialdemokratie geschloffen. Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte der Vorsitzende einige ungebetene Gäste, Kriminalbeamte, hinansweisen müssen. In den Vororten. Tie Charlottenburger Arbeiter begingen ihr Maifest ans der Bismarcksböhe. Schon in frühen Nachiniltagsstniiden füllte sich auch hier das Lokal. Zur Zeit des stärksten BesncheS kann man die Zahl der Theilnehnier auf 2000 Personen schätzen. Neben dem Konzert sind besonders die schönen Leistungen der Gesangvereine „Morgenioth",„Vorwärts" und„Lyra" hervorzuheben. Dasselbe gilt ron den lebenden Bildern. Ans eine Festrede verzichteten die Charlottenburger Genosse», nnd zwar wesentlich deswegen, weil man das Ma'ifest nicht als„Versamniliiiig" im Polizei- Sin» bc- trachtet und dadurch eingeschränkt wissen wollte. Der Tanz hielt die junge Welt noch bis in die Morgeustunde zusammen. Die Parteigenossen vo» S ch ö i> e b e r g nnd Wilmersdorf waren am Nachmittag in stattlicher Anzahl im„See- schlößchen" in Wilmersdorf versammelt. Das lliigünstige Wetter balle die Fesltheilnehmcr ans dem herrlichen Garten in de» gc- läiimigen Saal gedrängt, der gegen Abend dicht besetzt war. Kurz nach 8 Uhr hielt der llteichslags- Abgeordnete Fr. Znbeil die Festrede. Andern mit reichem Beifall ansgeiiommeiieii Vortrag schloß sich ein brausendes Hoch ans die Sozialdemolralie und hierauf intnnirte die Kapelle die MaiseilUiisc. Trotz des nicht nachlassenden Regens verfügte sich die Gesellschaft mir ansgezeichnelem Humor in den Garten, imi die Vorführung der gut gelungenen lebenden Bilder in Angeuslbeiu zu nehmen. Bei Spiel, Gesang und Tanz vergnügte man sich bis am anbiechenden Morgen. Tie Zahl der Festtheil- nehmer kann auf ziika 251.0 geschätzt weiden. In Steglitz fand am I. Mai, vormittags 10 Uhr, im Gambrinus eine seitens der Gewerkschafte» einbeiusene Bersamniluiig statt, welche von zirka 150 Personen besucht war. Tie von der Gewerlschaftskommisston in Berlin empfohlene Resolution wurde einstimmig angenommen. Abends fand im Schwarzen'Adler eine zur Feier des Tages seitens des Vertranensmaimes ein- berufene öffeiillickie Volksversammlung statt, in welcher Genosse M a s s a t s ch, Berlin, Über die Bedeutung des Tages reserirte. TaS Lokal war vollständig gesüllt; an den mit Beifall auf- genommenen Vortrag schloß sich ein gemnthliches Beisammensein an, welches mit der eintretenden Polizeistunde ihr Ende erreichen mnßle. Tie Arbeitsrube war in Sieglitz und F r i e d e n a n ziemlich allgemein, namentlich aus den Bauten. In G r o b- L i ch t e r s e t d e war ein Saal zur Versaminliiiig nicht zu haben. Tie Gen offen feierten den 1. Mai durch einen Ausflug, an dem nngesähr 30 Personen theil»ahmen. In" den V i k t o r i a- S ä l e n begingen die Rixdorfer Parteigenossen mit ihren Familien das Fest der Arbeit. Auch hier waren die Säle, die am Nachmillag sich allmälig füllten, am Abend dicht besetzt. Die Miisilvereine„Echo" und„Einigkeil" sowie der R i x d o r s e r Mäiinergesangveicin saiibeit für ihre Vorträge ein tantbares Pnblilnm. Jubelnder Beifall bcgleitele die Dar- stellnng zweier lebender Bilder„Abschied»nd Heiuikchr des Ansgewieskiien". Die Volkshumoristcn Gebrüder Oestreich und ein Tanzvergniigen füllten die späteren Abendstundeii ans. Trotz- dem auf behördliche Anordnung der Garten bereits nm ll Uhr ge- schlössen wurde, ließen sich die Parteigenossen in den Sälen ihre Festsliinniuiig in keiner Meise beeinträchUgen.— Tie G e w e r k- I ch a f t s v er sa m m> u» g nm Morgen war von elwa 7—300 Personen besucht; der überwiegende Theil waren Bau Hand- werke r. Die Resolution der Berliner Gewerkschafts-Kommission fand nach dem Referat des Genossen Hansen einstimmige An- nähme. I n Britz hatten sich am Abend etwa 8C0 Personen ein» gesunden. Vor und nach dem Referat des Genossen P ö tz s ch gab der dortige Arbeiter-Besangverein einige Lieber zum besten. Von einer größeren Feier war Abstand genommen worden. I n S t r a t a n-!1I u m m e l s b u r g nahmen gegen 1000 Per- soiien on der Feier theil. Von dem Halten eines Fesivortrags war 'Abstand genommen worden, weil der Amtsvorsteher den Text vorher zu sehen verlangt halte. I» Johannisthal-Nieder-Schöneweide war die Betheiligiiiig eine recht gute. Der Genoffe Borgmann hielt die mit großer Begeisterung ausgenommene Festrede. Um XI Uhr mußte die Feier abgebrochen werden, da der Herr v. Oppen den Wirlh S e ii f t l e b e n wieder ans Polizeistuiide gesetzt hat. D i e M a i s e i e r in Grünau wurde durch eine ooll besuchte Versamnilniig im Lokale des Herrn Wagner gefeiert. Das Sieferat über die Bedenlung deL Tages hielt der Genosse S ch u« mann. Tas in Aussicht genommene gemüthliche Veisamineiisein und ein Tänzchen wurde uns leider durch unseren vorsorglichen Amtsvorsteher nicht gestattet. I n Köpenick beiheiliglen sich an der öffentlichen Volks- Versammlung am Nachmittag gegen 100 Personen. Die bekaimte Resolution wurde einstimmig angenommen. Die eigentliche Feier fand am Abend unter zahlreicher Belheitignng statt. In Friedrichs Hagen waren im„Eiskeller" gegen 400 Personen vereinigt. Die Festrede hielt Genosse Wal deck- M a n a f f c. Der Gesangverein„Maiengruß" ersrente die Anwesenden durch einige Lieder. Weißensee. Die vormittags 10 Uhr hier tagende Maifeier- Versammlnng war über Erwarten gm besucht. Es nahmen weit über 300, darnnter elwa 30 Frauen, an der Bctfamnilinig theil. Die bekannte Resolution wind« nach der mit tosenvem Beifall ans- genommenen Festrede des Abg. Stadthage n einstimmig an- gciiommr.i. An der Festversanimlimg am Abenv, in welcher Genosse S o n n e ii d n r g die Festrede hielt, belheiliglen sich 1500 Personen. In Wilhelmsberg belheiliglen sich über 100 Personen; die Festrede hielt Genosse Hansen. Die Maisest- Plakate waren von der Behörde konsiszirt worden. Iii F r i e d r i ch s o e r g hielte» die Genossen des Abends im Spitzig'schen Saale die Maifeier ab. Ter elwa 500 Personen sassenoe Saal war gedrängt voll. Die betannle Resolution wurde nach der Festrede, die der'Avgeordnete Stadlhageu hielt, einstimmig an- gcnoiiimeii. Prächtige Vorträge der Gesangvereine„Hoffnung", „Freies Lied" und„Hand in Hand" hielte» die Festtheilnet mer bis il Uhr zusammeli. Dann mnßle die Feier abgebrochen werden, weil die Behörde Polizeistunde geseht halte. Die Slinniiuug der Fostgeiiosse» und Festgenossinnen legte glänzendes Zeugniß von ihrem Klassenbewußtsein ab. In Pankow war die Vormittags- Versammlung außerordentlich stark besucht. Der Genosse B r i u k m a n n hielt den mit Beifall aufgeuoiiimeiitn Vortrag. Die Bctianmiluiig njutde mit einem Hoch auf die nilcuinitoiialc Sozialdemokratie, nach einstimmiger Annahme der Resolution, geschlossen. »« * Prol'iuz Brandcnbnrg. In Potsdam war die vom Gcwerlschaflskarlell am Morgen des 1. Mai abgehaltene Versammlnng nur mäßig besucht. Ter von ciiizeliieii Geiiertschasteu für den Nachmittag geplante Spaziergang nmdt theilireise imich das schlechte Well er verhindert. Die Volks- Versammlung, die am'Abend in dem einzig uns zur Verjügung stehenden Glascr'ichen Lokal abgehalten wurde, war so stark besucht, daß ein großer Theil keinen Zutritt saud. Das Reseral balle Grempe aus Berlin. B r a u d e!> b ii r g a. H. An dem stich von jenen Gewerk- schasten, die die Arbeit i iihen ließen, initeriiommeiieii Ansfiug nach dem Lteueii Saug belheiliglen sich trotz des regnerischen Welters ea. 800— 1000 Personen. Abends wurden in drei Lokalen Volks» versammlnngeii abgehaltlii, die änßeist rege besucht waren. L! a t b e n o w. Ziika 100 Genossen ließe» die Arbeit ruhe». Die Versammlung am'Abend war von 800 Personen besucht. Frau Ihrer reserirte. Bernau. Die Maiseier ist gut ver- laufen. Vormittags wurde eine Partie unternomme», abends war Volksoersammluiig, wo Genosse Kiesel oor 200 Personen sprach. Nauen. Tie Tabakarbeiler ließen die Arbeit ruhen; insgesammt feierten 45 Personen. Es war das erste Mal, daß hier die Mai- seier auch durch Arbeitsriihe begangen wurde. Des schlechten Wettere wegen war beim Ausflug am Nachmittag die Bethciligung schwach. DieVersanimlnng am Abend war von 00 Personen besucht. Angenoinnien wurde die von der Berliner Gewerkschaslskommisston empsohlene Resolution. Am Sonntag war eine Nachfeier. Velten. Am Kommers oor- mittags betheiligte» sich 30 Personen. Der Besuch der'Adendseier, wo W o h l e r t aus Berlin unter lebhaftem Beifall sprach, war über Erwarten groß. Trotz der sehr darnieder liegenden Arbeilsverhältiiisse halten sich gegen 000 Personen eingefunden, bedeutend mehr als im vorigen Jahre. Strasburg i. N. Wegen Mangels eines Lokals wurde die Maifeier i» der Privalwohinnig des Genossen B i ck ab- gehalten, und zwar durch ein gemiithlichesBelsammensei» auiAbend.Zu Soiuilag war ein Ansflug nach dem Walde geplant. D a h in e. Die Landpartie am 2. Mai ist den Verhältnisse» entsprechend gut ansgesallen. F o r st i. L Zinn ersten Mal seit Einsührnna der Maifeier war hier ans den Vormittag des 1. Mai eine Versammlung ciiiberuseu für die Arbeiter, die die Arbeit ruhen lassen lonnten. Der Erfolg war gut, denn es fanden sich zirka 130 Personen ein. Das Referat hatte sCaßbanm. Beim Ausflug am Nachmittag war trotz des schlechten Wetters die Be- lheiligung ebenfalls gut, und bei der Feier am Abend, die in zwei Lokalen abgehalle» wurde, war sie so groß, daß die Er- schienenen nicht alle Platz bekommen konnten. In beide» Lokalen hielt Dr. Lux die Festrede. Frankfurt a. O. Großartiger Verlauf der Maiseier. An der Vormittagsversammluiig, wo Mehner ans Berlin sprach, betheiligten sieh über 200 Personen (im vorigen Jahre waren es mir etwa 150), in den beiden Versammlnngeii am Abend, wo Faber das Referat halte, waren gegen 500 Personen anwesend. I» allen Versammlungen wurde die Berliner Resolution eiuslinimig angenommen. Am Ausflug nachmittags beiheiligten sich etwa 350 Personen. In den Räum»» des„Vorwärts" fanden sich abendL gegen 1000 Personen zusammen. Das Singen im Lokal war verboten! Gassen. Zahlreich besuchte Volksver- saiiinilnng; Referent Mehner aus Berlin. A» die Bersanmilimg schloß sich ei» Kommers an, bei dem der Arbeilergesangverein Liedertafel»litwirkie. Kirch ha in(N.-L.). Am Bormittag des 1. Mai niiternahmen 30 Personen eine Partie nach Dobrilngk. An der Festlichkeit am Abend, wo Eichhorn ans Dresden de» Bortrag hielt, belheiligten sich ca. 250 Personen, darunter viele Frauen. S p r e m b e r g. An der Maifeier, die abends durch ein Konzert begangen wurde, nahmen ca. 000 Personen theil. A n t r i ck ans Berlin hielt die Festrede. W r i e tz e n a. O. Geselliges Bei- saiinnenfein der Genossen am'Abend des I.Mai; Vollsoersanimlniig am 2. Mai. O d e r b e r g. Mehr Genossen als früher ließen die Arbeit ruhen: diese machten morgens einen Ausflug; abends 8 Ndr wurde unter freiem Himmel eine Bolksoersammlniig abgehalten, wo K ü n e k e die Bedentung der Maifeier darlegte. Um 10 Uhr wurde die imposante Bersamniluiig mit einem donnernden Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Landsberg a. W Die Feier wurde am Nachmittag durch ein Beisaninienseiii der Genosse» eingeleitet; wegen des schlechten Wetters war die Belheiligung sehr schwach. Die Voltsversamniluiig am Abend war gut besucht. Das Referat über den Achtstundentag hatte P ä tz e l aus Berlin. Arn Sonntag wurde ein Ausflug unternommen. F i n st e r w a l d e. An der Maifeier am Mittag nahmen 200 Personen theil. Am Aus- sing beiheiligteii sich 120. Das Konzert am Abend, wo Wagner aus Berlin die Festrede hielt, war von etwa 050 Personen besucht. Ten ganzen Tag feierte keine Fabrik, von Mittag an feierten einige Ziganeiifabriken mit 75 Arbeitern, die Holzarbeiter mit 70 Arbeitern und die Hill m ach er mit 22. Geschlossen feierten nur die Hutmacher und Holzarbeiter. Ein Fabrikant hat seinen Arbeitern ei» Sommer- vergnüge» versprochen, wenn sie de» ganzen Tag arbeiten würde», was sie auch aniiahuien, ein anderer eine Tonne Bier, worauf dessen Personal ebenfalls einging. Tas Wetter war sehr schlecht. Schlcsi«». Der Arbeiterschaft Breslaus war es wegen der bekannten Umtriebe der Gegner nicht möglich, sich am 1. Mai in großen Lokalen zusamliienznfindeii. Es konnten nur i» kleinen Lokale» Bersammliingeii abgehalten werden. Sie waren, wie selbst bürgerliche Blätter nicht leugnen, sämmtlich zahlreich besucht, darunter von vielen Franen. H a y n a u. Am Sonnabend Nachmittag wurde ein Spaziergang unternommen, woran hundert Personen, darunter zirka dreißig Frauen, theil- vahmeii. Di« Sountagsfeier verregnete. Sagau. Hier wurde die Maifeier durch eine Landpartie am Sonntag begange», wobei tie Belheiligitiig trotz des schlechten Wetters sehr zahlreich war. Alles gut verlausen. L i e g» i tz. In der Handschuhfabrik richte die'Arbeit ganz(50 Mann), in einer Möbelfabrik feierte» seit Mittag 70 Mann, in einer Schuhfabrik 60, in zwei kleineren Zigarrenfabriken und einigen anderen Betrieben feierten zusammen etliche 40 Mann. Am Nachinittag wurde ein Spaziergang gemacht nnd am Abend war Bolksversaiinnlung mit B r>i h n s ans Breslau als Referent«». Zu Sonntag Nachmittag hatten die Gewerkschaften noch eine» Anssiiig geplant. CHI an. Die Maiversammlung war zahlreich besucht. Schütz ans Breslau reserirte. Ter Verlauf war glänzeud. Am 2. Mai wurde mittels Leiter- wag«» ein Ausflug nach Kieserberge» imtctuommen. In Lange ii öls verlief die Feier ohne ArbeitSrnhe, dafür wurde ein finanzieller Beitrag zur Unterstützimg sireikendcr Nibeiirr gespendet. Abends sprach in einet Versammlung G. Bergmann ans Breslau über die Maifeier.— Neustadt. Tie Feier wurde mehrfach durch Arbeitsriihe begangen. Abends war eine Versammlung.— Görlitz. Die von der Partei einbeiusene Abend- Versamnilniia war ribersüllt. Der Vortrag Kelle r's wurde mit Begeisterung aufgenommen. Der Gedanle der Maifeier bricht sich immer mehr Bahn. Pommer». In Stettin bctheiligten sich an der Bonnittagsversammlinig. in der N ä t h e r- Berlin sprach, 1500 Personen, weit mehr als in den Vorjahren. Tie Familienfeier am Nachmittag war von 4000 Persoiien besucht; in den Vororten im Kreise Randow waren i» vier Lokalen etwa 2000 Genossen verfammelt. In Bredow reserirte Kör st e n- Berlin nackimitlags vor 300 Genossen. In W o l- g a sl fand nm Abend eine Volksversammlung statt; zum Sonulag war ei» Umzug arrangirt. Mecklenburg. In Rostock ist die Maifeier rmter sehr großer Betheilignng ocrlanfeii. Vormittags zogen die Arbeiter, denen die Arbeitsinhe möglich war, in Zahl von 300 Man» von einem Platz im Mittel- punkt der Stadt in das Festlokal. Wenn man berücküchtigt, daß diese Art der Maidemonstration zum ersten Mal i» Rostock statt Halle, so beweist dies Ergebniß, daß der Gedanke der Maifeier auch in dein von der Großindustrie noch wenig besetzten Mecklenburg festen Boden gefaßt hat. Tie Hanptseier wurde am Abend in zwei Lolalen abgehalten, die beide überfüllt waren. Die Gesanimt- zahl der Theilnehnier an der Maidemonstration, die durchaus würdig verlies, ist auf mehr als 1900 zu schätzen. In Wismar konnte nur eine geschlossene Versammlung am Abend d«S 1. Mai abgehalten werden. Das Referat hatte Genosse L a s f e n. Sonntag war in Liibscheburg ein Gewerlschaslsfest o h n e Festrede, weil diese von der Polizei verboten worden war. Hausestädte und Nmgegend sowie Lldeubuig. H a»» b n r g. I» richtiger Beanlworluiig der Provokation deS Uiiternehiiierverdandes, in ber den Feiernde« die Strafe einer sechs- wöchigen'Arbeiteaussperrnng angedroht war, hatten sich am Sonn» abend Morgen über 0000 Proletarier und Proletarierinnen ans dem großen Platze vor der Gewerbeschule in der Vorstadt St. Georg versammelt,»», in wohlgeordneten Reihe» dem etwa«ine Stunde von der Stadt gelegene» Horner Park ziizilmarschiren. Eine große Anzahl Gewerkschaften, so die Buchdrucker, die Metallarbeiter, die Tabakarbeiter, die Heizer und Trimmer, die Seeleute, die Ttaatsqm.i- Arbeiter, die Gerber n. s. w. n. s. w. nahmen mit mehr den» zwanzig Fahne» und Bannern an dem imposante» Festznge theil. Bei der«nkuusl im Park war der Zug ans 7000 Theilnehnier au- geschwollen. Genoffe Emil Fischer vom„Hamburger Echo" hielt eine begeisternde Stede. in der er des Volkes Maienfeft drastisch dem am 22. März d. I. veranstalteten Retlamezng der Hain. burger Profitwütherich» gegenüberstellte. Am Abend wurden allein auf Hamburger Gebiet 16 stark besuchte Volksversammlungen ab- gehalten. In Altona-Ottensen fanden am Morgen sowohl wie am Abend zwei Maiversammlunge» statt. Nefereute» waren die Parteigenossen Stollen, K ö l l e, G r ü n w a l d t und Froh>n e. In W a» b s b e ck refcrirle Reichstags-Älbgeordneter Froh m e vor 660 Genossen und Gciiossiiineii. Sämmtliche Versammlungen wurden unter zahlmcher Betheiligung abgehalten. In Lübeck demonstrirten nahezu alle organisirten Arbeiter durch ArbeilSrnhe. In einer morgens L Uhr in den Konzerlhallen abgehaltenen Versaiiiinlung, die von über 1566 Personen besucht war, hielt Genosse T i in ui- Berlin einen packenden Vortrag über die Bedeutung des Tages. Nachmittags marschirte der Demon- ftrationszug, an dem sich 27 Vereine und Gewerkschaften mit 35 Fahnen und 3 Musikkorps betheiligten, von Burgfelde durch das Zentrum der Stadt. Besonders erfreulich war die starke Be- theiligung der Fabrik- und Hilfsarbeiter, die nach einem Unglück- lich verlaufenen Streik eine beivunderungswürdige Energie bekundeten. Die Zahl der Denionstrirenden betrug etwa 2566; es herrscht unter der Arbeiterschaft allgemein die Anschauung, dah mit dem heutigen Tage in Lübeck die Arbcitsruhe für den ersten Mai rndgiltig erkämpft ist. Bremen. Mit der bisherigen Gepflogenheit, die Maifeier auf zwei Tage zu vertheile», wurde diesmal gebrochen; die Feier fand in allen Theilen am Sonnabend statt. In 35 666 Exemplaren war am Montag ein Flugblatt verbreitet worden. Trotz der un- günstigen Witterung unternahmen am Morgen des 1. Mai 1266 Männer und Frauen einen Ausflug durch den Bürgerpark. Ans dem Heimwege ging es zur Versainmlung, in der Fritz Eberl sprach. Nachmittags wurden in acht überfüllten Lokalen Konzerte abgehalten, die durch Festreden gewürzt waren. Sehr unifafsend war die Arbeitsruhe nnler den Tabakarbeitern; aubcrdcm stellten Holzarbeiter, Maurer, Zimmerer, Maler und Schuhmacher ein zahlreiches Kontingent. Ein unerwartet großer Fortschritt gegenüber den Vorjahren ist zu konstatiren. In D e l in e n h o r st ruhte am 1. Mai auf vielen Bauten die Arbeit. Die Arbeiter des Baugewerbes machten früh einen Ausflug. Für den Abend hatte die Partei eine Volksversammlung arrangirt. Die Hauptseier war am Sonntag(Festzng durch die Stadt nach dem Festplatz, abends Ball in zwei Sälen). Oldenburg. Abends wurde eine Versammlung abgehalten, die von gut 366 Personen besucht war. Den Vortrag hielt Kinimel aus Hamburg. Am Morgen begingen die Glasarbeiter nach Schluß der Nachtschicht die Maifeier durch einen Ausflug nach dem Parteilokal, wo Wolf aus Oldenburg die Festrede hielt. In Eutin wurde abends eine Volks- Versammlung abgehallen, die von ca. 126 Personen besucht war. T h. Bartels ans Lübeck referirte. Schlcswig-Holstcin. lieber die Maifeier in den räumlich eng mit Hamburg ver- bundenen Orten Altona, Ottensen und W a n d s b c ck be- richten wir unter der Nubrik„Hansestädte". Ans Kiel wird uns geschrieben: Die Feier ist in würdiger Weise verlaufen. Die Vor- inittagsversaininlung war von über 1666 Personen besucht. Das Referat hielt Genosse Reichstags-Abgeordneter v. E l in. Nach- mittags fand unter zahlreicher Betheiligung ein Ausflug nach der Waldwiese statt. Die Feier des Abends, bestehend in Konzert, Fest- rede, lebenden Bildern und Gesangvorlrägen fand sür Kiel und Um- gegend in sieben Lokalitäten statt, die sämmtlich recht gut, zum theil von tausenden von Personen besucht waren. In G l ü ck st a d t fand am Abend eine von 366 Personen be- suchte Versammlung statt, die in ausgezeichneter Stimmung verlief. In Flensburg feierten die Arbeiter fast sämmtlicher größeren Etablissements. Auf der Werft arbeiteten von 1366 Beschäftigten nur 366. Am Morgen fand eine stark besuchte Versammlung statt, in der Holzhänßer referirte. An dem am Nachmittag ver- austaltele» Ausflug betheiligten sich 2666 Personen; abends waren bei den in drei Lokalen abgehaltenen Festlichkeiten 4566 Parteigenossen und Genossinnen versammelt. I» Kellin gh n sen hallen 46 Ge- Nossen die'Arbeit ruhen lassen; bei dem Ausflnge glaubte der Gendarm de» Musikern Schweigen gebieten zu müssen. In der von 266 f alteigenoflen nnd Genossinnen besuchten Abendversammlung referirte a l o b s. Hannover. In H a n n o v e r- L i n d e n ist die Maifeier glänzend verlaufen. Die Zahl der feiernden Arbeiter, die die sür sie einbernfene Ver- sammlung besuchten, betrug ca. 1666. An der Hauplfcier nahmen gegen 26 666 Personen theil. Die Stimmung war begeistert. Das Wetter war nachmittags unangenehm, später besser. JuGötlingen wurde eine mit Chorgesang eingeleitete, zahlreich besuchte Volks- versaminlung abgehalten, wo Hein r ich Schulz aus Berlin die Festrede hielt. Goslar. Eine Anzahl Tabakarbeiler nnd Tischler unter- nahmen am Nachmittag in Gemeinschaft mit ihren Frauen, zusammen 166 Personen stark, einen AnSflug. Am Abend sprach in einer bis auf de» letzten Platz gefüllten Versammlung T h i e l h o r n ans Hannover unter großem Beifall. Nach der Versammlnng war Kommers. Celle. An der Morgeiwersamnilimg nahmen 56 Personen theil, am Spaziergang nachmittags 86, an der Abend- Versammlung 266. Weirich ans Hannover hielt den Vortrag. In Harburg a. E. war die Betheiligung größer als im vorigen Jahre. Die Versammlung am Tage war von 466, die Hanptseier am Abend von etwa 4666 Personen besucht. In Verde n war die Arbeitsrnhe nicht durchführbar, weil die Unternehmer eine achttägige Aussperrung von der Arbeit angedroht halten. Die Volksversammlung am Abend war von 256 Arbeitern aller Branchen besucht. Die Berliner Gewerlschastsresolulion wurde einstimmig angenommen. Am 2. Mai war öffentliches Fest. Osterode. In einer Volksvcrsaininlnug, die biS auf den letzten Platz gefüllt war, sprach unter stürmischem Beifall Fischer ans Hannover. Zu Ehren des ver- storbenen Reichstags-Abgeordiicten Karl Schnitze- Königsberg erhoben sich die Versammellen von den Sitzen. Tie Maifeier war in Osterode noch in keinem Jahr so gut besucht als diesmal. Auch viele Frauen nahmen daran theil. Ans Geestemünde wird uns geschrieben: Die Maifeier in den Unterweserstädten Bremer- Häven, G e e st e m ü«de und Lehe hat einen imposanten Verlans genommen. Der Umzug war zwar vom Amt und dem „republikanischen" bremischen Se»at nicht genehmigt worden, dafür waren aber die anderen Veranstaltungen um so großartiger. Am I. Mai nachmittags fand im Kolosseum zu Brenierhaven eine Volks- Versammlung statt, wo S ch m a l f e l d t über dieBedentung des I. Mai referirte. Die Versammlnug war stark besucht, noch bedeutend stärker, als im vorigen Jahre, ein Beweis, daß die Arbeitsrube zugenommen hat. Abends wurden im Kolosseum nnd in Spilker's Lokal große Festversammlungen abgehallen, deren jede von mehreren Tausenden besucht war. Im Kolosseum hielt H a v e r k a m p, bei Spilker Schmalseldt die Festrede. Beide fanden brausenden Beifall und erweckten eine begeisterte Stimmung. Der Verlaus des übrigen Theils des Festes war ebenfalls eine der Bedeutung des Tages entsprechend würdige. Anhalt und Brannschweig Dessau. Der Ausflug ist verregnet. Die Versammlung war überfüllt. Die Festrede hielt Harm. W o l f en v ü t t e l. Gut besuchte Volksversammlung. Das Andenken des verstorbenen Reichs- tags-Abgeordneten Karl Schultze-Königsbcrg wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Helmstedt. Arbeitsruhe unbedeutend. Abends gut besuchte Volksversammlung. Am Sonntag gut besuchte Nachfeier. Provinz Sachse». Magdeburg. Im Weißen Hirsch, neue Neustadt, wurde eine von 1366 Personen besuchte Versammlung abgehallen, in der Reichstags- Abgeordneter Klees eine der Bedeutung des Tages entsprechende Rede hielt. Die Volksversammlung am Abend im Stadttheile Alte Neustadt war von etwa 666 Personen besucht. Dieser Stadttheil ist klein, die Betheiligung deshalb sehr gut zu nennen. Gärtner- Buckau referirte. Alles in allem waren in ganz Magdeburg am Abend etwa 6066 Personen versammelt. Ein »roßer Fortschritt ist zn verzeichnen. Ueberaus stark war die Arbeits- ruhe am Tage. Leider sollte die Vormittagsversammlung durch das Be> nehmen der Polizei einen uuerwünschten Verlauf finden. Die Beamten ließen nämlich nach Beendigung der Rede die Versammelten nur in Gruppen von je zehn Personen aus dem Lokal heraus, so daß die Leerung eine gute Stunde dauerte. Da es regnete, bemächtigte sich der auf dem Hose wartenden Masse eine nur zu begreifliche Ungeduld nnd so ward denn unter H u r r a h r n f e n die P o l i z e i k e t t e durchsprengt. Die Polizisten hieben mit dem Säbel drein; dennoch gelang es den Leitern der Versammlnng, Ruhe zu schaffen. Verschiedene Per- sonen sprangen ans den Fenstern ins Freie. Die Polizei sperrte so viele Straßen ab, daß nur der Weg nach dem außer- halb der Stadt liegenden Festlokale frei war. Dieser Vorfall mochte dazu beigetragen haben, daß in den Abend- Versanimliingeii eine über die Maßen begeisterte Stimmung herrschte. In Suhl fand am Sonntag für die Stadt und die umliegenden Orte eine gemeinschaftliche Maiseier statt, nachdem am Abend vorher Lokalfeiern abgehalten waren. Halber st ad t. Der 1. Mai wurde diesmal von einer fast doppelt so großen Anzahl von Arbeitern durch Arbeitsrnhe gefeiert als im Vorjahre. Die Feiernden fanden sich am Vormittag in dem vor der Stadt liegenden Parteilokal„Odenm" zusammen. Von dort zogen sie mittags in zwanglosen Reihen erst nach dem einen und dann nach dem anderen in der Stadt gelegenen Parteilokal. Am Abend fand im„Odenm" eine von über'1666 Personen besuchte Volksversamm- lnng statt, in der nach gesanglichen Vorträgen Genosse Adler über die Bedeutung des I.Mai sprach. Stach dem Vortrag gelangte eine der Berliner Resolution gleichlautende einstimmige Annahme. In St o r d h a u s e n war die'Abendversammlung stärker denn je, nämlich von über 666 Personen besucht. Im benachbarten Salza waren über 256 Personen versammelt. In beiden Versammlungen sprach S i m o n- Erfurt. In Halle und G iebichcn stein waren die Versammlungen am Abend überfüllt. 3666 Personen mochten an- wesend sein. Es herrschte eine begeisterte Stimmung. In Sandersleben waren die Genosse» im Gasthof zur„Kugel" versammelt. In Zeitz nahmen au dem Vormittagsausflug nach H a y n s b u r g 75 Genossen theil. In der Abendversammlung referirte Thiele- Halle vor 466 Personen. In E i l e n b n r g belhciligtcn sich trotz des schlechten Wetters 76 Personen an dem VorniittagSansfluge. In der Abendversammlung waren 366 Personen anwesend. In S! a n vl bürg a. S. hatten sich 256 Genossen ver- sammelt. Ilm Sonntag wurde ein Gewerkschastsvergnügen ab- gehalten. In Wittenberge war die Abendversammlung von 466 Personen besucht. Am Sonntdg fanden Arbeitervergttügen statt. Die Arbeiter der Oelfabrik des Kommerzienralhs Herz traten am Abend wegen Nichtbewillignng einer Lohnforderung in den Streik. In Erfurt sprach am Vormittag R cißhaus vor 366 Personen. Nachmittags nahmen trotz strömenden Regens 566 Genossen an einem Ausflug theil. Abends referirte Hülle vor einer von 766 Persvncn besuchte» Versammlung. In Weißen- fels sprach am Mittag Reichstags-Abgeordneter Kunert vor übcrsüllter Versammlung. Am Morgen war ein Konzert abgehalten worden. Nhcinlaud-Wcstfaleu. Sehr indignirt muß K ö n i g S t u m m gewesen sein, als er vernommen halte, was innerhalb der Grenzen seiner Despotie schreck- liches geschehe». Ans St. Johann wird uns vom Sonntag telegraphirl:„Heule wurde die Maifeier durch einen Massen- spazier gang durch die drei Städte St. Johann, Saar- brücken nnd M a I st a t t- B u r b a ch begangen. A in M o r g e n wehte von früh bis zehn Uhr auf der neu erbauten Kirche zu St. Johann eine r o t h e Fahne. O, diese Rotte! In Köln war die Vormiltagsver- sammlnug von 366 Personen besucht. Stachmiltags fand citt Spaziergang statt. Die Abendversammlung war trotz des schlechten Wetters und des weiten Weges nach der Vor- stadt Nippes überfüllt. In beiden Versammlungen referirte Genosse Scheidcmann. In Krefeld war die Vormittags- Versammlung über Erwarten gut besucht. Nachmittags wurde ein Ausflug nach R o s e» t h a l unternommen. Abends fand in über- vollem Lokal eine Fcstversammlung statt, in der Genosse R n g g sprach. Am Donnerstag Abend war ein Flugblatt in einer Auf- läge von 16 666 Exemplaren verbreitet worden. Die Arbeitsruhe hat einen Fortschritt gegen voriges Jahr zu verzeichnen; zwei Fabriken nnd einige kleinere Werkstätten waren ganz geschlossen. Die Parteigenossen von Essen a. R. unternahmen am I.Mai unter sehr guter Belheilignng nnd massenhaftem Polizei- Ausgebote einen Ausflug»ach Werden. In Duisburg feierten ungefähr ein Drittel mehr als im vorigen Jahre. Die Polizei verbot bei dem Nachiniltagsausfluge das Lied„Die rothe Fahne", auch dursten die Frauen sich nicht an dcm Ausflüge betheiligen. Aus der stattgehabten Volksversammlung wurden die Frauen, nnd ans der Jranenversammlung die Männer ausgewiesen. In letzter Versammlnug sprach Frau Grothnsen- Düffeldorf. In Gevelsberg fand die Mai-Versammluug am Sonnlag statt, da für Sonnabend kein Redner zu haben war. An dem von den Partei- genossen in H a g e n unternommenen Nachinitlagsauzfluge betheiligtcn sich trotz schlechten Wetters 56 Personen.'Abends waren 1666 Personen in vier überfüllten Lokalen anwesend. Die Abendunterhaltnng wurde vom Polizei-Jnspektor sür eine politische Versammlung erklärt und wegen der Anwesenheit von Parteigenossiuneii aufgelöst. In der ersten Vormittagsversammlung, die bis jetzt in Bielefeld abgehalten worden ist, waren 467 Personen anwesend. Hoffmann referirte. Slnch am Nachmittage fanben Versammlunge» statt. In Si e m s ch e i d war am Morgen ein Ausflug und am Abend eine Versammlung. In B o ch u in war die Beiheiligung am Vormittags- ausflug gering, die örtlichen Verhältnisse und das schlechte Wetter mochten mitspielen. Für die Abendversainmlnngen erwies sich das Lokal als zu klein. Am Sonntag sind in der Umgegend der Stadt mehrere Versammlungen abgehalten worden. Ans Rauxel erhalten wir folgendes Telegramm:„Vierzig Aus- flügler senden herzlichen Grub vom 1. Mai." In Baumann's Lokal zn Solingen fand eine stark besuchte Versammliing statt, in der Genosse Schumacher die Festrede hielt. Ans Biete- f e l d wird uns berichtet: Die im Kreise abgehaltenen Ver- saniinlungen waren trotz der ungünstigen Witterung erheblich stärker als in früheren Jahren besucht. Im ganzen mochten sich etwa 5666 Personen an der Feier betheiligt haben. Die drei Fest- lokalitäten in Gadderbaum, S ch i I d e s ch e und Brackwede waren überfüllt; trotz des ungünstigen Wetters waren die Arbeiter nach Schluß der Fabriken in hellen Schaar«! zur Maifeier geströmt. Auch ländliche Arbeiter betheiligtcn sich. Tank der unermüdlichen Agitationsarbeit des letzten Jahres war zu beobachte», daß der Geist des Sozialismus tief in die Massen ein- gedrungen war. Kalk bei Köln. Die Porzellanarbeitcr unter- nahmen am Morgen einen'Ausflug nach dem Drachenfels bei Königswintcr.'Abends war eine von 356 Personen besuchte Ver- sammlung, wo M i ch e l s den Vortrag hielt. Probinz Hesse» und Grostherzogthni» Hesse» Naffa». In Frankfurt a. M. sind sechs Versammlungen anberaumt; zwei davon fanden am Morgen statt; beide waren trotz des strömenden Ltegcns äußerst gut besucht. In diesen Versammlungen, wo die Genosstn Steinbach aus Hamburg, die Genossen Schmidt, B r ü h n e und Trompeter referirte», fand eine entsprechende Resolution eiiiflinimig Annahme. Ob die für den Nachmittag und für gestern, den 2. Mai angesetzten Festlichkeiten der ungünstigen Witterung wegen werden stattfinden können, ist zweifelhaft.— Am Abend sind für Bockenheim, Ober- und Niederrad und S a ch s e n h a u s e n Versammlungen anberaumt. In Hanau war die Morgenversainmlnng von etwa 366 Per- sonen besucht; hauptsächlich von D i a m a n t a r b» i t e r n, die an die A m st e r d a in e r Diamanlschleiser ein Telegramm absandten, in der sie ihren Dank aussprachen für die den Hanauer Schleifern bewiesene Solidarität. An der Abendversammlung be- theiligten sich 456 Peisone». Hieran sollte sich ein Tanzkränzchen schließen; die Polizei halte auch die Erlaubnis hierzu gegeben, sogar die übliche Vergiingungssteuer dafür er- hoben. Dieser Feier wurde durch die Beamte» ein vor« zeitiges Ende bereitet, weil— Frauen daran theilnahmeii. In O f f e n b a ch war die Vormittagsversammlung überfüllt, zwei weitere sind für den Abend anberaumt. In der Umgegend habe» sonst noch Bersamniluiigen stattgefuiiden in Mülheim, D i e t e s- heim. Kl. Krotzenburg, H a u ff« n, Obertshausen, Urberrach, Heusenstamm, Langen und Spreu d- l i ii g e n.— Die Parteigenoffen von Neu-Isenburg beabsich- tigten nur am Abend eine Feier abzuhalten; ein Theil des ver- dienten Tagelohnes sollte den streikenden W ä s ch e r i n n e n überwiesen werden. Das Konzert wurde unter Berufung auf ein angeblich existirende Verfügung des Kreisamts untersagt. In Alzey ist die Feier aus den Sonntag verlegt. In Mainz wurden am Abend 5 Volksversammlungeii ab« gehalten, die alle eines guten Besuches sich erfreuten. Nach dem Referat fand in allen Versammlungen eine dem Tage entsprechende Resolution Annahme.— In Gießen betheiligte sich eine große Anzahl an der Arbeitsrnhe, von einer Feier war Abstand gc- noinuieii worden.— Die Marburger Parteigenossen hielten ihre Maiseier am Abend ab. Das Referat hatte Genosse John aus Kassel übernonimen. Leider stand nur ein kleines Lokal zur Berfügung, da der Militärboykott von den Wirthen zu sehr gefürchtet wird.— In Kassel war die Morgen- Versammlung überfüllt. Genoffe P f a n n k u ch-Hamburg referirte. Nachmittags fand Konzert, des Abends eine weitere Versammlung statt. Das Ruhenlassen der Arbeit hat trotz des ungünstigen Tages(Lohntag) einen größeren Umfang an- genommen, als im Borjahre. In de» Nachbarorten Betten- h a ii s e ii, Z w e h r e ii und Wehlheiden sind ebenfalls Ber- saiiiinlungen abgehalten worden. Thüringen. Gotha. Wegen anhaltenden Regenwetters mußte der Ausflug iintcrbleiben. Abends scheuten die Arbeiter den schlechten Weg nach Siebleben nicht. Die Maifeier gestaltete sich dort zu einer großartigen Kundgebung. Der Saal der„Vier Jahreszeiten" er- wies sich als viel zu klein. Die Festrede des Genosse» Bock wurde mit großer Begeisterung aufgenomuien. Kahla. Die Versammlung am Nachmitlag wurde verboten, weil— auswärtige Genoffeu durch die Stadt gezogen waren. Das Konzert am Abend war von zirka 466 Personen besucht, was bei einer Stadt von 4666 Einwohnern eine großartige Knndzebuug bedeutet. In Apolda mußte man wegen des regnerischen Wetters von dem Ansflug Abstand nehmen. DaS größte dortige Geschäft, die Wollwaarenfabrik von Chr. Zimmer- mann u. Sohn hatte ans eine Eingabe, die von 121 Arbeitern unter- zeichnet war, den Arbeitern den 1. Mai freigegeben und es jedem überlassen, ob er feiern wolle oder nicht. Das Parteilokal, der „Vorwärts" war nachmittags geschlossen, weshalb nachmittags die Genossen in einzelnen Lokalen der Stadt verkehrten. Abends war das Lokal überfüllt. Die Festrede hielt Genosse A. Band er t. Es herrschte große Begeisterung. A r n st a d t. Trotz der ungüiistigeii wirthschaftlicheii Verhältnisse und trotz der unangeuehiiieli Witterung war nachmittags die Betheiligung besriedigend. Die Ver- sammlung am Abend war gut besucht. Das Referat hielt nnler lebhaftem Beifall Genosse Ivos ans Gotha. In S ch l e i z ist die Maiseier leider verunglückt. In der Versammlung waren bereits zirka 86 Personen anwesend und Ge- nosse A. L e o p o l d t ans Zeitz hatte ungefähr 5 Minuten über die Bedeiltiing des ersten Mai gesprochen, als der Ruf„F euer!" er« scholl. In Schleiz brannten einige Schenue». Mehrere der Vor- sammlungsbesucher waren Mitglieder der Feuerwehr, auch entstand Unruhe, sodaß dieVersammlung nach kurzerGeschäftsordnuugS-Debatle geschloffen wurde. Jedoch sagte der Oberwachtmeister zu, daß dem Ein- bernserzurFortsetznngderMaifeicrderSoiintagAbciidsreigestellt-worde. Dem wird nachgekommen werden. In Gera war die Vormittags- Versammlung von 566 Theilnehmer», mehr als je zuvor, besucht. Die 7 Versammlungen am Abend waren trotz strömenden Regens überfüllt. In Pforten wurde der von der Ortsbehörde ge- nchmigte Fackelzug, der bisher alljährlich stattfand, vom neuen Landrath verboten. Sonntag Nachmittag im prächtigen großen Garten Maifcst sür den ganzen unterländischen Bezirk. Theilnehmer an S666. Die Festrede hielt Reichstags- Ab- geordneter W u r in. Weida. Die für den 2. Mai geplante Maifeier der Parteigenossen, bestehend in Festrede und Vokalkonzert, wurde vom großherzoglichen Bezirksdirektor in Neustadt a./O. ver- boten, da der Ort, wo die Feier abgehalten werden sollte(Liebs- dors), kein paffender Ort sei. Die Parteigenoffen unternahmen nun einen Ausflug. Königreich Sachse». Aus Dresden wird uns geschrieben: Der Besuch der Ber- sainmlniigen am Vormittag war noch in keinen! Jahre so stark wie in diesem. Die drei Lokale, wo die Versaiiimlungen abgehalten wiirdc», waren beinahe überfüllt und es mögen im ganzen etwa 5666 Personen an den Versammkungeii theilgenoiiiinen haben. Die Stimmung war allgemein eine außerordentlich gehobene. In den einzelnen Jndustrieorten der weiteren Umgegend sah man gleich- falls am Vormittag viele Feiernde. Eine Nachniittagdenionstratioii. wie andere Jahre sie gesehen, brachten wir leider nicht zu stände. Das hat seine Ursache einestheils in den wie immer prompt er« gaiigcnen polizeilichen Verboten jedweder Art von Umzügen und ge- meiiischafilichen Spaziergängen, und andereutheils im Mangel eines geeigneten Lokals. Hätten wir dieses, dann hätten auch die polizeilichen Verbote das Zustandekomineii einer imposanten Demonstration nicht verhindert. Das hat sich 1896 gezeigt, wo uns der Waldschlößcheupark zur Verfügung stand. Dieses Jahr hatte die Maikommissioii kein anderes Lokal als das Re« stanrant Vergißmeinnicht in Pieschen auftreiben können, ein Lokal, das mindestens 5 Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt ist und höchstens 1666 Personen fassen kann. Dieses Lokal war vm> 2 bis 6 Uhr nachmittags von ab- nnd ziiflnthenden Menschen überfüllt, aber die Zahl der wirklich Feiernden kam darin nicht zrn» Ausdruck. Von de» Arbeitern des Plauens che» Grundes. sowie den Tausenden des Südwestendes der Stadt(Striesen nnd Johannstadt) war fast niemand in demLokal zusehen. Sie hatten sich in der Voraussicht, keinen Platz zu finden, abhalten lassen, einen Weg von?— 8,javomPlauensche!iGriindeailsvoiil6— l2Kilom.z>ii>iarschireii. Am Abend waren eine ganze Anzahl Kommerse in der Stadt nud Umgegend, so in den Lokalen Güldne Aue und Trianoii in Dresden, Gasthof Pieschen, Gainbriniis, in Planen, in Striesen, in Nieder- gorbitz, in Niedergohlis im Weißen Adler, in Deuben. In den kleineren Lokalen, die keine Vormittagsversammlungcn hatten, wurden Festreden gehalten, während in allen Lokalen Gesangs- und Jnstrnnientalkoiizerte stattfanden. Die Lokale waren sämnitlich über- füllt, so daß man die Zahl der Besucher aus mindestens 16 666 schätzen kann. Großenhain. Geringe Arbeitsruhe. Die Abendfeier war von 256 Personen besucht. Viele mußten wegen Platzmangels um» kehren(ein großes Lokal ist nicht vorhanden). F r e i b e r g. Nach- mittags Spaziergang, abends Hauptfeier. Das große Lokal war überfüllt. Döbeln. Der Komniers am Abend war von 666 Personen besucht und verlief unter großer Begeisterung. Ne tz s ch k a ii. Die Versammlnng war verboten worden, weil der Referent Händel ans Chemnitz ein„ausreizender" Redner sein soll. Abends wurde«in Konzert im Bayerischen Hof abgehalten, das von 6—766 Personen besucht war. Im Goldnen Löwen hielten die Genossen aus Mylau eine Versammlung mit Sachse aus Zwickau als Referenten ab, die nicht verboten worden war; die Besucherzahl betrug hier 4—566. R o ß w e i n. Trotz schlechten Wetters war die Maifeier von 356 Personen besucht. R i e m a n n aus Chemnitz referirte. Die Stimmung war begeistert. Crimmitschau. Volksversammlung und Kommers in zwei Lokalen, großartiger Besuch. Die Vorträge Gold- st e i n' s und Seifert'« aus Zwickau wurden mit großem Beifall aufgenommen. Plauen i. B. Zum ersten Mab Versammlung am Vormittag, die von 366 Personen besucht war. Abends war es unmöglich, die zum Komniers heranströmenden Massen in dem uns zur Verfügung stehenden Lokale unterzubringen. Festredner war Reichstags-Abgeordneter Serisch. In Luga». bei Zwickau wurden die beide» Versammlungen unter Berufung auf die den omtshauptmanusckiafllichen Bestimmungen angeblich nicht entsprechenden Lokale verboten. In M i t t>v e i d a war die Maifeier großartig besucht. Dein Kommers am Abend wohnten zirka 1000 Personen bei. Wittrisch aus Dresden hielt unter großem Beifall die Festrede. B u r g st ä d t. Trotz schlechten Wetters starke Betheiligung. Festredner war S ch ö p f l i». In der Stuhl- und Sophasabrik von D a i» m erhielten drei Feiernde am Abend die Kündigung, obivohl den Arbeitern dieser Fabrik ans ihr Ansuchen der t. Mai freigegeben war. Die übrigen Mit- feierndeil erklärten sich mit ihren Kollegen solidarisch iiud kündigten ebenfalls. In Lübau ließen die Arbeit ruheii 46 Steinmetzen, Zigarrenarbeiter und Arbeiterinnen, 23 Tischler, ferner 10 Arbeiter anderer Berufe. S Tischler wurden von ihrem Prinzipal ent- lasse». Abends sprach Landtags- Älbgeordncter Postelt aus Dresden vor 2S0 Personen. Am Sonntag war Liachscier. I» Leipzig glänzender Verlauf der Maifeier. gteichstags-Abgeord- neter Auer hielt die Festrede. Ferner ist die Maifeier begangen worden in de» erzgebirgischen Orten Loßnitz, S ch n e e b e r g Ztvönitz, Johaungeoraenstadt, Geier, Annaberg «nd Zschopa it.) Batieru. In M ü n ch e n ist, wie uns ein Telegramm von dort meldet, die Maiseier glänzend verlaufen. Morgens wurden zwei, am Abend sechs Versammlungen abgehalten, sämmtliche Lokale waren überfüllt. Der Mittagsansflug fand trotz des störende» Regenwetters eine zahlreiche Bethciligung. Die Zahl der Feiernden hat sich gegen das Vorjahr ganz bedeutend vermehrt. Der immer nngünstigcr iverdcuden Witterung halber mußte das zum Abend angesetzte Volksfest leider verschoben werben. In Schweinsurt ist der am Abend im größten Lokale der Stadt veranstaltete Kommers glänzender denn je verlaufen. Tausend Genossen spendeten der Festrede des Referenten S ä ck l e r stürmischen Beifall. In S p e i e r nahmen au der morgens 7 Uhr abgehaltenen Feier 200 Personen theil. Die Nachmittags-Versaminlung ivar von ebenso vielen Genossen besucht. Am Abend fand große Feierlichkeit im Aadtsaale statt. In Pirmasens machte das schlechte Wetter de» geplanten Ausflug unmöglich. Am Abend wurde eine gut besuchte Versammlung abgehalten. N ö r d l i n g e n. Die Feier wurde hier am I. Mai in einem dekorirten Wirthschastslokat von zirka SO Genosse» in begeisterter Stimmung begangen. Württemberg. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Die Theilnahme der Arbeiterschaft an der heutigen Maifeier war eine weit größere als in früheren Jahren. Die Massenversammlung vom Vormittag in Dinkelakers Saalbau war von 2000 Personen besucht. Genosse Dietrich sprach über die Bedeutung des I. Mai. Die Zahl der Genossen, welche durch Arbeitsruhe feiern, ist mindestens doppelt so groß als im vorigen Jahre, und dürfte mit den ansivärts wohnenden 3000 betragen. An der Spitze der feiernden Brauchen stehen une bisher die Handschuhmacher, ivelche einmüthig die Slibeit ruhen lassen, dann die Schreiner, die Metallarbeiter, Banhandwerker, Buchbinder zc. Die Buchdrucker sind am geringsten vertreten. Auch die Familienunterhalt»» g am Nachmittag und der Fcstkoinmers am Abend, wo Genosse Kloß die Festrede hielt, waren massenhaft besucht. Auch in den meisten übrigen Städten Wiirttembcrgs und in zahlreichen kleineren Orten haben Maifeiern stattgefunden, ein Beiveis, daß die Idee des Weltfeiertags immer mehr in den Arbeiter- Massen Eingang findet. Baden. In Karlsruhe, der Hauptstadt des„liberalen" Muster- landcs, zeigte sich gelegentlich der Maifeier recht deutlich, wieviel die Herrschende» von ihren Buseusreunden im gesinnungsverwandte» iPreußen gelernt haben. Die Volksversammlung, die zum Sonnabend früh geplant rvar, ivurde vom Bezirksamt verboten. Und warum? Ein Prinz sollte begraben werden, und darum siirchlete die Behörde, daß durch die Maiseier ein— Aergerniß erregt werde» könne! Schneidiger hätte man auch in Pommern nicht schalten und walten können. In M a n n h e i m war am Morgen eine von 300 Personen besuchte Volksversammlung. Abends lauschten trotz des strömenden Regens tauseude Personen der begeistert auj- genommenen Ztede des Genossen D r e e s b a ch. Ueberaus stiunnungk- voll verliefen den eingegangenen Berichte» zufolge die Ver- sauunlungen in Sandhofen, Neckarau. W e i n h e i m. Schwetzingen, H e i ui b a ch, Feudenheim und Laden- b ll r g. »* * Oesterreich. Ans Wien wird uns telegraphirt: Die Arbeitsruhe war vollständiger als bei irgend einer Maifeier des Vorjahres. Während in Wie» im Vorjahre nur 40 Versaminlungen, wurden diesmal 61 Versammlungen und zwar 20 allgemeine Parteiversammlungen und 32 Gewerkschasts-Versamin- lungen abgehalten. Sie alle fanden mit der gemeinsamen Tages- ordiuing der l. Mai und seine Bedeutung stall und erfreuten sich eines massenhaftcu Besuches. An dem Aufmarsch in den Prnter bethockigte» sich etwa 100 000 Personen. Der Zug desilirte diesmal nicht wie in de» Vorjahre» vor dem Parlaments- palaste, denn wie unser Korrespondent telegraphirt, sind die Demonstrationen vor dein Hause unnöthig, seitdem wir drinnen sprechen köunrn. Das Praterbild glich dem aus dem Vorjahre de- kannten, es war nur lebhaster, die Theiluehmer noch zahlreicher. Das Polizei-Aufgebot ivar kolossal, das Militär in Bereitschaft. Trotzalledeni kam nicht einmal der unbedeutendste Zwischeusall vor. Der Verlauf der Maifeier i» den Provinzen war im allgemeine» großartiger als im Vorjahre. Der Bergbau ruhte auf den»Kiste» Schächten in Mährisch- Ostrau, Westböhinen und in Steiermark. Nicht ganz so stark war die Belheiligung in Nordböhmen. Alle Provinzialstädte hatten prächtige Maifeiern aufzuweisen, so auch Lemberg, Krakau, Trieft, ja selbst Spalato. Fast überall fanden Festzüge statt. Trotz der überall vorgenommenen Polizei- maßregeln und des Militäraufgebots ist nirgends ei» Mißton in der Feier zu verzeichne». Aus verschiedenen Laudesgegendcn, so auch aus der Umgebung Krakaus wird von der Theilnahme der Lauer» und Land- arbeiter an der Maifeier berichtet. Nugaru. Aus B u d a p e st wird uns telegraphirt: Demonstrative Auf- züge und Arbeiterversannnlungen wurden im ganzen Laude im Ver- ordnungsivege verboten. In B u d a p e st habeudie Arbeiter trotzdem an 7 Stellen die Mai- feier abgehalten. Die Zahl der am heutigen Zahltage feiernden Arbeiter kann für Budapest auf 30 000 geschätzt werden. Trotz des Verbotes haben ca. 6000 Arbeiter in geschlossener Reihe eine Hauptverkehrsader der Hauptstadt unter dem Gesänge der Marseillaise passirt. Eine Werkstälte der S t a a t s b a h n e n hat den ganzen Tag gefeiert. Hier und in der Provinz ist alles ohne RilhestLrungni abgelaufen.— Schweiz. Ueber die Maifeier in der Schweiz liegen uns zahlreiche telegraphische Meldungen vor, denen wir«ninehinen, daß das Fest der Arbeit im ganze» Laude gut verlaufen ist, leider wurde es am Nachmittag durch starke Regengüsse beeinträchtigt. I» Zürich fand am Vormittag und am Nachmittag ein Aufzug und eine Versammlung statt. Am Vormittag beiheiligteu sich 2000, am Nachmillag4000 Partei- genossen an der Siraßendemonstratio». Es referirtei� F ä h n d r i ch und Z g r a g g e u- Bern. I» W i n l e r t h u r, wo S ch e r r e r ans St. Gallon referirte,»ahmen 1700 am Demonslralionszngc, 2000 an der Versainmluug theil. I» St. Galle» referirte vor über 2000 Festtheiknehmern Reichstags- Abgeordneter B« e b.— Greulich sprach vor 1500 Genosse» in S ch a f f h a u s e n.— I» O e r l i k o n bei Zürich feierte» 1000 Metallarbeiter, in Uzwyl standen sämmtliche Maschinenfabriken still.— In Bern gab es des leidigen Parteistreites wegen zwei Maifeier». Die Arbeitcr-Unioii halte eine» Demonstratioiiszug von 2300 Man» und eine von 3300 Personen besuchte Versammlung aisszuweisen, die Versammlung der Vereinigung Vorcvärts war von 800 Personen besucht. Iii Viel bildete» 1100 Genossen den Denionstrations- zug. In Basel überreichte am Vormittag eine Deputation der Regierung die Forderungen der Arbeiter. 2000 Arbeiter betheiligten sich am Nachmittag am Demoilstrationszug. W n l l- s ch l e g e r sprach am Älbend in drei gedrängten Versaiumlnngni Ueber 4000 Personen betheiligten sich an einem zu Ehren des Tages veranstalteten Fackelzug,»ach deren Beendigung B r ü st l e i n eine Ansprache hielt. I» Frau eil selb, wo Brandt referirte, feierten unter anderem 500 Fabrik- Schuhmacher. Außerdem liegen Meldungen über außerordentlich fstarke Theilnahine der italienischen Arbeiter an der Maifeier vor. In vielen Orte» mußten deshalb besondere ilalienische Fest- reden gehalten werden. Für die Volkstbiimlichkeit der Maifeier in der Schweiz legt vor allem in de» Städten auch die starke Be- theiligmig der Arbeiterinnen und der Kinder Zeugniß ab. Frankreich. Unser Pariser Korrespouveut telegraphirt uns: In Paris war von Arbeitsrnhe wenig zu bemerke», doch wurden am Tage einige Versammlungen abgehalten, am Abend fanden dagegen über 30 Bersainmlnnge» und zwar in sännntlichen Arbeitervierteln sowie in den Vorstädten statt. Stärker als in Paris war die Arbeitsruhe in der Provinz, so namentlich in Roubaix, Tonrcoiug, Marseille, Lyon, St. Elienue. Tours, Carmaux»»d in allen übrige» Arbeilszeutre». Ueberall halten die Versammlungen und Feste einen guten und ruhigen Ver- lauf; nur in Carmaux war es dank der engen Ver- brüderuug der Ressöguier und Genossen mit den staat- lichcn Behörden. dem Präsekte» und seiner Polizei anders. Die Aukunst von I a u r v s gab das Signal zu polizeilichen Herausforderungen, zahlreiche Berdaflungen wurden vorgenommen, der Geudarmericchef verhaftete selbst de» Bürgermeister, der der Aufforderung, die Maiplakale zu entfernen, nicht»ach- kam. Unser Lyoner Parlei-Organ„Le Peuple" hatte eine rothe Fahne gehißt, ein lltcdaktenr, der auf das Hausrecht pochend, das Zurückziehen der Fahne verweigerte, wurde verhaftet. Belgien. Ans Brüssel meldet eine Depesche: Anläßlich der Maifeier fand hier gester» ein sozialistischer Umzug statt, an welchem 8000 Personen Theil nähme». Der Umzug, welcher ohne Zwischen- fall verlaufen ist, ging vom. Ralhhausplatzc aus, woselbst von Schulkindern sozialistische Gesauge vorgetragen wurden. England. Unser Londoner Korreipoudeut meldet telegraphisch: Am I.Mai wurde das Fest der Arbeil begangen in Loudou, Bristol, Edinburgh und Glasgoiv, am 2. Mai feierte man in Birmingham, Bradford, Manchester und an vielen anderen Orte». In London war das Welter günstig. Am Festzuge nahmen 3000, an der Volksversauun- lnug 30 000 Personen theil. Italien. Unser römischer Korrespondent depeschirt uns: Das Weltsest der Arbeit ward überall mit Versammlungen, Festen und Festnuniniern nnserer Zeitungen begangen. In mehreren Städten haben die Piäfekteu(Landräthe) die vffcntlicheu Versamm- lungen verboten. In Mailand und Pisa herrschte fast völlige Arbeitsrnhe. In Rom hielten fast alle Abtheilunge» der Arbeitskammer Fesiversammluugen ab. Spanien. Aus Madrid meldet uns eine Privaidepesche: Die spanischen Arbeiter feierten den 1. Mai mit größerer Begeisterung wie i» den Vorjahren. In vielen Städten herrschte Arbeitsrnhe. 20 000 Berg- und Fabrikarbeiter von Biseaya ließen die Arbeit gänzlich ruhen. Es feierten den Tag mit großen Volksversammluuge» die Arbeiter von Madrid, Valencia, Mataro, Biscaya, Corunna, Ferrol, Pontevedra, Bigo, Orense, Ovicdo, Gijo», Burgos, Linares»nd an viele» anderen Orten. Sehr gelungen war das ländliche Fest der Madrider Arbeiter und die große Festlichkeit der Genossen von Bilbao. Serbien und Bulgarien. Ans Belgrad sende» den deutschen Genossen die den 1. Mai feiernden serbischen Brüder Grüße. In gleicher Weise erhalten wir Grüße und Wünsche von dem Maifeier- Komile der Genosse» ans Sophia, denen die Polizei jede Kundgebung verboten hatte. Schweden. Aus Stockholm telegraphirt man uns: An der Mai- demonstratio» nahmen hier trotz des unfreundlichen Weiters i2 000 Genossen geordnet in 104 Vereinen mit 76 Fahnen theil. Von vier Rednertribünen sprachen Parlaments-Abgcordnete zum Volke In D! a l m o e demouslrirten 8000 Personen, Genosse Kn n dsen, Mitglied des dänischen Herreuhauses, war der Hauptredner. Auch in allen übrigen größeren schwedischen Orten nahm die Maiseier einen glänzenden Verlauf.— Dev Bivies. Die Kämpfe, welche seit Freitag bei Pharsala und e l e st i u o stattfanden, sind nichr von entscheidender Bedeutung geivesen und haben die Kriegslage wenig verschöbe». Auf dem west- lickcn Schauplätze sind die Türken im Vordringen, die Griechen habe» sich auf Arla konzenlrirt. Wichtig sind die Vorgänge in Athen. Am Sonnabend Abend stellte sich das neue Ministerium der K a m in er v o r. Die Kammer war vom Publikum dicht umlagert, die Tribüne» überfüllt. Nachdem die Minister ihre Plätze eingenommen, erklärte der Ministerpräsident Nalli, die erste Sorge der lliegierung werde die W i e d e r a n j r i ch t« n g des Heeres sein, ohne die weder der Krieg fortgesetzt, noch ein ehren» oller Friede herbeigeführt werden köiinte. Glücklicherweise beirxchre die Armee, die eines besseren Schicksals würdig sei. ihren Mutb man löune vertrauensvoll sich ans dieselbe verlassen. Di Regierung verlange, daß die Kammer sich mit einer Unter- brechuug ihrer Tagung einverstanden erkläre. D e l y a n n i s erklärte, gegen die Unterbrechnng der Tagung der Kannner rverde von»iemand Einspruch erhoben. Seine Partei werde das neue Kabinet voll und ganz unterstützen, solange die Türken nur einen Fuß breit vom Vaterlaude besetzt hallen; die erste Sorge sei, den Feind ans dem Lande zu vertreiben. Die Prinzen müßten vorn Kriegsschauplatz abberuseu werden, der Kronprinz sei z» ermüde t. P a p a»r i ch a l o p u l o sprach sei» Erstaunen über die 11>i t h ä t i g k e i t der Flotte au?. R a l l: bemerkte, alle Nachrichte» über den Sieg der Griechen bei Veleftiuo am SO. April bestätige» sich. Der Antrag ans Unter- brechuug der Tagung der Depulirtenkammer wurde einstimmig augeuomme». Delyauiiis geht aus btalli zu und drückt ihm die Hand. I» den b r e i t e n V o l k s>» a s s e n dauert jedoch trotz des Ministerwechsels die Mißstimmung und Aufregung fort. Der.Frankfurter Zeitung" wird ans Athen be- richtet:„Hier dauern die D e in o n st r a l i o» e n gegen das Königshaus fort. Die Krouprinzessiu wurde bei einer Ausfahrt insultirl. Die Hofkntscher tragen infolge dessen jetzt eine bürgerliche, nichi anssalleude Livree, und von den H o f k u l sch e u wurden die Wappen entfernt. Auch die Hoslieseranten beseitige» die Wappenschilder von ihre» Geschäftslolateu." Zur Beleuchtung der Haltung der M ächte seien folgende Mitlheilungen rviedergegebe». Der Sultan ist natürlich höchst er- freut, daß die Balkanstaaten sich bisher ruhig verhalten haben. Die Nachricht von der Uebersendung der Note» Murawjew's und Golucdowski's an die vier Balkanstaaten wurden>»> Aildizpalaste sehr freudig aufgenommen. Die Noten werde» als Beweis für die auf Erhaltung der Integrität der Türkei gerichteten Bestrebungen derKaifennächte angenouime». Dem rumänischen Gesandte» inKonsta»- tinopel hat der Sultan für die„korrekle Haltung" Rumäniens seinen Dank ausgesprochen. 1 ' 1 ur �as politische Mvbevfichk. Berlin, 2. Mai. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte gestern die zweiie Berathung des Kuliusetats sort. Nachdem die Herren vom Zentrum und der»ationalliberalen Partei nochmals in endlosen Debatten die überflüssigen Reden der letzten Tage wiederholt hatten, wurde endlich das Gehalt des Ministers bewilligt. Boraussichtlich wird die weitere Berathung dieses Etats noch die ganze nächste Woche in Anspruch nehmen. Tic Rcichstags-Nachwahlen. Für Wiesbaden ist die Reichs- tags-Ersatzwahl auf den S. Juni, für Königsberg i. Pr. aus den 10. Juni festgesetzt.— — In der„g u t g e s i n n t e ic" Presse ist man sehr auf- geregt. Die»ationalliberalen, die freisinnigen, die Zentrums- Blätter leitartlkeln über„Friktionen" und„uuersreuliche Vorgänge" und sogar vom„Gespenst der Regieruugskrisis". Es handelt sich mii mancherlei, was den Leuten das Herz ab- drückt. Erst sind da die beiden„Sceschlangen", das Schicksal der M i l i t ä r st r a s p r o z e ß- Re f o r m und des preußischen Ver- einsgesetzes. Der Entwurf zur Militärstrasprozeß-Orduung, der ewig versprochen, soll ja endlich alle buiidcsräthlicbcn Kanäle passirt haben, aber man fürchtet, das kaiser- liche„Placet" werde ausbleiben und der Reichskanzler sitzt dann wieder da„mit seinen 5ke»»tliissen" und seinen Versprechungen. Aehnlich mit dem Bereinsgesetz. In der Re- gierung ist eine Majorität zu stände gekommen für einen reaktionären Entwurf, der nicht den Hohenlohe'schen Versprechliiigen schlankweg entspricht, sondern die Gelege»- heil der Aushebmig des§ 3 zu den schlimmsten rcaklio- nären Streichen benutzt; aber die Regierung soll bei einer Borsrage an die ausichlaggebenden Parteien des Landtages — eine famose Methode!— sich bei den Nationalliberalen eine Karte geholt habe». So klappt garnichts mehr. Der Kaiser ist gestern nach Potsdam zurückgekehrt. Vielleicht passire» sehr bald einige Ueberraschungen. Alles ist aus dem Leim; die bürgerlichen Politikusse fühle» sich sehr ui'.geuüithlich, weil sie das feste Band, ohne das sie nicht geheil könne», nicht sühle». Und dann die„vaterlandslosen Gesellen". Sein Temenli ist erfolgt. Darob großes Gejammer. Dieser Zwiespalt i» bürgerlichen Mauncsseelen zwischen Loyalität n»d„Viirgcrsiolz". Daß den guten Leuten aber auch so etwas passiren muß. Wir sind besser daran. Wir sind das geivöhnt.— — Die spanische A n a r ch i st e n a f s ä r e. Aus Madrid ivird depeschirt: - Der oberste Gerichtshof hat fünf in Barcelona verhastete Anarchisten zum Tode vernrtheüt. Tieselben solle» morgen hin- gerichtet werden.—_ UoltÄles. Ter Deutsche Metallarbeiter-Berband hält heute, Montag. abends S'/s Uhr in Cohu's Fcslsälen seine Generalversamnilmig ab. Ohne Mitgliedsbuch kein Zulrilt. Tagesorduung: Bericht von der Geueralversamiulilng. Freiherr von Mirbach hat dieser Tage in der neralversaininlung des evangelischen Kirchenbauvereins aus- �plaudert, zunächst daß in acht Jahre» 23 Millionen Kircheubnulen in und um Berlin verwendet wurden. asj dabei sich etwa 19 000 M. von palriotischen Juden befinden, welche für die fast vier Millionen loslende Kaiser Wilhelm- Gedächtniß- Kirche gespendel wurden! Dann suhr Herr von Mirbach fort: Ich möchte absichtlich er- wähnen, daß wiederholt hier jüdische Fabrikherren Gaben für Kirchenbauten, welche im Bereiche ihrer Fabriken n»d für ihre Arbeiter ausgesüdrt wurden, spenden wollten. Sie wurde» wegen der gehässigen Stimiilung in Berlin abgelehnt; aber mir ist auch von ernste», gläubigen Pastoren in den Provinzen erzählt worden, daß sie solche Gaben mit herzlichem Tanke angenommen haben, und man kann es wahrlich ohne Bedenken gulhcißen, wenn ein jüdischer Fabrikherr seine» christlichen Arbeitern eine Kirche bauen hilft; unter Umständen, zum Beispiel als Großgrundbesitzer, ist er ja sogar dazu verpflichtet. Ein treuer Förderer unserer kirchlichen'Angelegenheilen seil viele» Jahren ist im Magistrat ei» bescheidener, frommer, jüdischer Stadt- r a t h.— Hoffentlich habe» die jüdischen Fabrikanten, die ihr Geld für Kirchen nicht los werden konnte», die dem frommen Zwecke zugedachte Summe z» Lohnerhöhungen angewendet. Ans die Sozialdemokraten war Herr v. Mirbach in der Ber- sammlnng sehr schlecht zu sprechen. Ihr eigentlicher Kern sei das Böse.„Mit cynischer Schau, lostgkeit und unchristlicher Unbarmherzig- keil decken sie Fehler und Schwächen ihrer Mitmenschen i» anderen Partein ans, und mit in» so größerer Vorliebe, je höher dicselbe» stehe». Sie jubeln über Vergehen und Sünden anderer Kreise und empfinden eine teuflische Lust, je mehr Oel sie ins Feuer gieße» tönlie», denn sie haben vor dem ganzen Meiischen- geschlecht, vor sich selbst die Achtung, vor Gott die Furcht ver« tore». Wenn das christliche Mäiiner»md Geistliche entschuldigen und den Balken im Auge der Sozialdemokratie nicht sehen oder nicht sehe» wolle», dafür war das bekannte Telegramm des Kaisers, des obersten Schirmherrn unserer Kirche, das richtige Wort, welches gegen dieses demagogische Treiben in der Kirche den Nagel aus den, Kopf traf."— Bon einem Hosmann kann man nicht mehr verlaiige�r' Koufiskatio». Wie»us von der Verlagsbuchhandlung H U. Glocke iu Berlin. Druck und Bering von Max tvadiug iu Berlin.