Einzige nnavySngige Tageszeitung vsutschlands k^r. 286— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 22. Dezember 1934 Chefredakteur: M. Braun Des„Jühcets" uetiec JudenAoghott Seile 2 QceuelUcuhte übet die Saat Seite 3 Ein EBuegeemeistee nach cfCiiCecs'Jüfuecptim'.p Seite 4 Das 10cttcii&tcn zuc See beginnt Seite 7 Reichsführer Karl May Große Häuptlinge aut Kriegsptaden an der Saar Ter„Führer" ltuö Reichskanzler lässt feine Fantasie durch den fruchtbaren Verfasser von Indianer- und Rauberronia- nen Karl Pinn beflügeln. Adolf Hitler nennt Karl May seinen Lieblingsschriftsteller. Ter sanlasicvollc Schriftsteller ans Kötfchcnbroda hat leider den politischen Aufstieg seines Genies, die Transformation von Winnetous Kriegszügcn in Hitlers„Mein Kamps" nicht mehr erlebt. Tas Lob ans dem Muirde des deutschen Staats- oberhanptes hatte ihn gewiss mit berechtigtem Stolz erfüllt, wenn auch wohl ei» Liest von Unbehagen zurückgeblieben wäre, denn in Karl Maus Abentenrergefchichie» siegt zuletzt immer dos Gute über das Böse, aber vielleicht würde er sich getröstet haben: was nicht ist. das kann noch werden. Es gibt kritische Leute, die konstruktive Idee» in der Politik und der Wirtschast des„dritten Reichs" vermissen. Für den Saarkamps trifft das jedenfalls nicht zu. Tan hier die„deutsche Front" nach den Dispositionen Berlins eine Räubergefchichtc mit vielen Fortsetzungen folgerichtig ab- rollen lägt, ist ohne Zweifel. Ter Geist von Karl Man, kombiniert mit dem des Mr. Wallace, ist da spürbar, und man merkt wirklich, dag die Reichsführung nicht von dem jüdischen Gelehrte» Karl Marx, sondern von dem arischen Heldendarsteller Karl May geistig gelenkt wird. Zählen wir mir einige Kapitel der Wildwestpolitik des „dritten Reichs" und seiner Beauftragten im Saargebict aus: Dem Führer der„Deutschen Freiheitssront" Mar Braun wurde eine Flasche mit hochexplosive» Spreng st offen in die„Arbe'terwohliatzrt" geschickt. Freigesprochen verlieh der Täter de,, Gerichtssaat. Aus den Polizeikommiflar Macht« wurde am hellichten Tage aus offener Strasse geschossen. Der Attentöter war oierundzwanzig Stunden vorher noch Mitglied der „deutschen Front'/. Macht« streckte den hinterlistigen Revoloerschntzen durch Pistolenschüsse nieder. Das war vor fünf Monaten. Der Wiedergcnesene macht längst den Ein- druck der Verhandlnngssähigteit. Die Prozessverhandlung ist noch n'cht angesetzt. D'e Tat ist nngeslihnt. Soll sie es bleiben? Die Fälle der versuchten oder gelungenen Entsith- rangen von missliebige» Gegner» Hitlers in das „dritte Reich" sind nicht auszuzählen. Eben erst ist der Führer der Sozialistischen Fugend, E r»st Braun, in unübersichtlichem waldigen Gelände, wo die Grenze nicht zn erkennen'st. aus Reichsgebiet gelockt und widerrechtlich fest- gesetzt worden. Durch einen„sindigen Kops", wie Zeitungen der„deutschen Front" rühmend berichte». Es ist die„Findig- keit" von Kopfjägern, die s'ch da betätigt. Bor Monaten wurde ein reichsamtlich organisierter Ein- bruch rn die Berwaltnngsräunie der sranzö- fischen Domanialschnlen verübt. Als man iah. dass der Diebstahl sich politisch nicht lohnte, warf„ran Säcke voll Akten in die Saar. Da wurden s'e dann ausgefischt und der bestohlenen Verwaltung wieder zugestellt. Um diesen Diebstahl zu ermöglichen, waren Ange- stellte der D o m a» i a l n e r iv a l t u n g bestochen worden. Eüu'r der Bestochenen war ein naturalisierter Franzose. Auch er wurde mit seinen Komplicen als»atio- naler Held>m„dritten Reiche" ausgenommen. Der Ehansseur des Präsidenten der Regierurigs- kommissio» M»« nor würde reichsamtlich gelaust und diente R e i ch sd e h ö rden als bezahlter Spitzel^as Geld scheint allerdings bei der Vorsicht nnd klugen Reserviertheit von Mr. Knor schlecht angelegt gewesen zu sein. Eine ältliche Fnngsran Maria E a r s e» i n s liest sich durch Liebe nnd Geld bewegen, in der Polizeidirek- t i o n zu Saarbrücken für den Beauftragten des Herrn Reichskanzlers i» Saarangelegenheiten, den Separatisten o. D. B ü r ck e f zu spitzeln. Dieser Herr blieb durchaus in seinem Lebensstil, wenn diejenigen recht haben, die bisher «„widerlegt behaupten, dass der jetzige Vertraute des „Führers" in der Besatzungszeit für die Snrete general jraneaiie gearbeitet habe. Maria Earsenino aber, die a»s- gerntschte Mata Hari von Saarbrücken, lebt jetzt als an- gehende Rationatheldj,, unter hohem reichsamtlichem Schutz in der Pfalz. ES folgte da* Zwischenspiel der Wildwestland- ge schichte, der verunglückte Kauf eines Zeitnngstitels ohne die dazu gehörigen Köpfe. Kostenpnnkt nnd Spesen: Minimum S00 000 französische Franken Dieser Kriminal- roman, in seinen Personen und in seinen Hintergründen »och immer nicht voll geklärt, liesse sich zn einer literarischen Zierde siir die geistige Ertüchtigung der deutschen Fugend im Geiste der Herren Wrissenberg, Goebbels, Doli und Günther Mamlock verarbeiten. Kriminalistisch angespornt durch die gegen„Westland" ein- gesetzten Reichs-Ganoven„kaufte" die Gestapo durch ihren Agenten St ei nebach einen Kommunisten, damit er ihr Listen der im Reiche illegal arbeitenden Komm u» i st en ausliefere. Ein Plan staatspolizeilicher Mordgier, der vielleicht sogo, bei Massenmördern von dem Ausmasse der Haarmann nnd Kürten hätte Gewissens- bedenken hervorrufen können. Dass da« Halunkenstück nicht gelang, verdankt man der Unbestechlichkeit eine« marxistischen Arbeiters. Die Behörde der Reichstagsbrandstiktnng mit ihrem hohen Ehes war entlarvt in ihrer ganzen Schuftigkeit. Wenige Tage später verübte der Reichsspitzel Hilt, der sich in langen Fahren das Vertrauen seiner französischen Vorgesetzten bei der Grubendirektion erschlichen hatte, mit Rachschlüsseln Aktendieb stähle ans Gelds chrän- ke n. Er floh damit in« Reich. Dort wurde der kriminelle Einbrecher nicht etwa festgesetzt, sondern in hohen Ehren wiederholt als reichsamtlicher Sprecher an das Mikrofon des Rnndsiinks gestellt. Eigentlich gehörte er als Vortragender Rat in die Reichskanzlei. Dass dieser Hilt nur Einzelglied eine« reichsamtlichen Verbrechers y st e m s an der Saar ist, wird durch einen neuen Einbruch in einem Grubenbüro bewiesen. Bereits vor einigen Tagen hatte ein gekaufter Grubenangestellter versucht, den Geldschrank de« Ingenieur Principal der Grube Eamphausen auszubrechen. Sein Vorhaben misslang, da der Geldschrank den Einbrecherwerkzengen Stand hielt. Der Fngenieur über- gab daraus seine Papiere dem Fngenieur Divisionaire. Dessen Geldschrank wurde nun gestern von dem Büro- angestellten Rech aufgeknackt, der mit den gestohlenen Pa- piere» das Weite suchte. Wahrscheinlich ist er, wie lein Ein- brecherkollege Hilt, damit ins„dritte Reich" verduftet. Denn bisher sind alle Rachsorschnngen der Polizei erfolglos ge- blieben. So stürmen die Häuptlinge der„deutsche,, Front" im Saarlamps von Sieg zu Sieg. Vom 23. bis zum 27. Dezember ist allerdings politischer Burgfriede». Durch Gentlemen Agreement! Mithin sind die reichsamtliche,, Ganoven nicht betroffen nnd nicht verhindert. Sie habe« das volle und uneingeschränkte Recht, auch während des heiligen Wcihnachtssriedens zn spitzeln und zn stechen, zn stehlen und zu räubern. Das„dritte Reich" will es. WicflcrKciir des Systems Ter kommissarische Reichswirtichastsministcr Dr. bat zum Stellvertreter des Leiters der Reichsivi Aichaitskainnier Staatssekretär>. e. R..^ r. ic i„ st^ r e ii d e l c n b» r g. Bmutzender des.>>»' Unrates der Bereinigte Fndustricnntcrnehmungen A(i) in Berlin, bestellt. Präsident der Reichs, virtschastskammer>st Tr. H eck e r. -!,-. I dass er und sein« Organisation ein m.»>-mniu'iit in der Hand des„Führers" sein würden Das ist sgs. scku", offener Hohn, denn weder Hcckcr noch erst?echt Trendelenburg haben mit irgendwelchen, NgtionalioziRismn^ fluch Trendclcnbnrg hat wa'm^ ,.,d tüchtig dem würdigen ,»»>>, Z,(vr ist vom Plinisterialrat über Weimarer' iMl-klmär im i».i«swi,i SU7S5S.'.'mm*#»»-«»"" viele Fachleute entbehren zu können. Kennzeichnend ist auf folgende Meldung: „Rcichslnslizminister Dr. Gärtner hat zu seinen Beaustragten ernannt: für Bayern Staatsrat Spange n- berger, bisher Staatssekretär im bayerischen Fustiz- Ministerium, für Sachien-Thüringen den sächsischen Justiz- minister Tr. Thierack: für Württemberg-Baden den Ministerialdirektor Im Reichs- und prcustischcn Justiz- Ministerium Thiesing: für die Abteilungen Nord (Hamburg niw.i Senator Tr. Rothenberger, Justiz- scnator in Hamburg." Es und lauter juristische Bürokraten, die da als Reichs- beauftragte ernannt werden. Mithin hat der juristische „ssieichssührer" Tr. Frank auch in Bauern nichts mehr zn sagen. Er ist als„Reichsminister nbve Portefeuille" mit hohem Gehalt abgesunden. kl»! Ueberwann ilarl nicht mehr malen Oer Ehrenbürger von Berlin geächtet Das„Prager Montagsblatt" meldet ans Berlin: Tie grosse Antitnltnr-Kampagne in Deutschland, die mit' dem Fall Htndemith-Fnrtwängler ihre» Höhepunkt erreicht zu haben schien, wird jetzt um einen ebenso sensationelle», neuen Fall bereichert. Die„Rationalsozialistische ttulturge- meinschast", die unter der Schirmherrschast des Reichs, Propagandaministers Goebbels augenblicklich unter Leitung des Herrn Morella die„grosse Säuberungsattion der Kunst von liberalistischen Elementen" durchführt, hat in diesen Tagen ein Rundschreiben an zirka 20 bildende Künst- ler gerichtet, in dem diesen Künstlern die Ausübung ihres Berufes verboten wird. Unter ihnen befindet sich der 87jährige, weltberühmte Mar Liebermann, seither Präsident der Akademie der Künste, Gründer der Berliner Sezession und Hauptvertreter der deutsche» impressionisti- ichen Malerei. Die überragende Bedeutung Liebermanns, dessen Bilder in allen Galerien der Welt hängen, und das Hohr Alter haben ihn nicht vor diesem Schritt beschützt. Reben unbeliebten Matern und Bildhauern erhielt aber auch eine grosse Anzahl Architekten, hauptsächlich solche nichtarischen Ursprungs, ebenfalls etn Rundschreiben, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie aus den Berufs- listen g e st r»ct> e n seien nnd damit ihre Tätigkeit nicht mehr ansllben dürsten. Die Architekten-Organisation sprach daraus im Ministerium vor und wandte ein, dass ma„ in einem Rechtsstaat de» Bürgern dieses Staates irgendeinen Lebensranm schliesslich geben müsse. Daraus wurde der be- treffende Eriass abgeändert, und zwar wurde den gemäss- regelte» Architekten die Ausübung des Berus» für Innen- architektur und sür Umbauten gestattet, während ihnen der Entwurf und die Errichtung von Neubauten weiterhin untersagt bleibt, da— wie eS in dem Erlast heisst—nicht geduldet werden könne, dass„die deutsche Landschaft durch jüdische Projette verschandelt würde". Frankreichs Wehrproblem Wettrüster und die„französische Reichswehr" Paris, 21. Dezember. A. Sch. In der Außenpolitik mag es heute diplomatische Entspannungen geben, in der Militärpolitik gibt es keine Atempausen, sondern nur noch Aufrüstung. Am 18. Dczem- der hol die französische Kammer mit übergroßer Mehrheit neue Militärkredite votiert. Das„dritte Reich" hat eins Aufrüstungsmelle entfacht, die zu einer stürmischen Bran- düng anzuschwellen droht. Dos Hitler-Deutschland hat es glücklich zuwege gebracht, daß die seit 1932 unter Herriot begonnene Abrüstung in Etappen nunmehr durch Frank- reich jäh abgebrochen wird. Der deutsch-französische Rüstungsmettlauf tritt in die neue, entscheidende Phase ein.„Wir wissen nicht wehr, wer heute militärisch stärker ist. Frankreich oder Deutschland," erklärte in der Kammer- sitzung vom 18. Dezember Oberst F a b r q, einer der angesehensten Militärspezialisten der Kammer und Vorsitzen- der ihrer Militärkommission. Frankreich will seinen Vor- sprung gegenüber der neuen Militärmacht Deutschland aufrechterhalten, das„dritte Reich" will Frankreich unter allen Umständen militärisch überholen. Die Schraube ohne Ende des Wettrüstens ist in Bewegung gesetzt. Die Folgen' dieses Wettrüstens sind für das„dritte Reich" doppelt gefährlich, militärisch und außenpolitisch. Da Franktcichs Rüstung infolge verdeutschen Bedrohung keine konstante Große darstellt,'sonderst im ständigen Wachsen ist, muß der deutsche Faschismus dos Tempo seiner Aufrüstung immer steigern, immer neue und auch dieJetzten Wirtschastsreserven in Anspruch nehmen: die ganze deutsche Aufrüstung mit ihren ungeheuren An- slrengungcn und Ausgaben wird völlig wertlos bleiben müssen, wenn der Vorsprung des finanziell unendlich leistungsfähigeren Frankreichs nicht nachgeholt wird. Zu den wirtschaftlichen und miliiärischen Sorgen kommen nunmehr auch die außenpolitischen: das Wettrüsten schränkt die d i p l o in a t i s ch e Manövrier- s ä h i g k c i t des„dritten Reiches" sehr st ark e i n. Welche Aussichten kann schon die breit angekündigte „Friedens"°Ossensive Hitlers erhalten, selbst mit allen ihren Verhandlungskunststücken, wenn gleichzeitig dahin- ter das Wettrüsten gigantisches Ausmaß nimmt. Die An- Hänger der direkten Verhandlungen mit dem„dritten Reich" in Frankreich, seien es die pazifistischen, seien es die..realpolitischen", seien es die pra-faschistischen. werden durch die neugeschaffene militärische Situation gelähmt. Und auch diejenigen führenden Rcgierungsmitglieder. die in der Ebene der Außenpolitik bereit wären, den Weg zu den Verhandlungen nicht zu versperren, ändern sofort den Ton. wenn es um die direkten Interessen der französischen Sicherheit und der französischen Wehrmacht geht. Derselbe Ministerpräsident Flandin, der nur vor einigen Tagen im Senat die Interpellation des nationalistischen Senators Lemery abwies und Frankreichs Glauben an den Völkerbund unterstrich, setzte sich ein paar Tage da- nach in der Kammer in der absolutesten Form und mit Des„Führers" neuer judenboijKott Leidenschaft, der man bei ihm nicht gewöhnt ist, für die strikteste Durchführung des neuen Militärprogramms ein. Die deutsche Aufrüstung kann es allzu leicht bewirken, datz Frankreichs Au he n Politik zur Funk- tion seiner Aiilitärpolitik werden wird. Indessen haben es die Hitler. Göring und Blomberg bereits erreicht, datz Frankreichs Aufrüstung mit neuen Methoden getrieben wird. Die neuen Kredite werden in erster Linie für die Beschaffung und die Modernisierung des Materials bestimmt, das Luftfahrt-Ministerium hat sein Programm umgestellt. Die dem Generalstab nahe- stehenden Organe gehen noch weiter und propagieren die völlige Umstellung des französischen Militärsystems. Eine bemerkenswerte Erscheinung: es wird von dieser Seite empfohlen, das letzte Wort, die Grundsätze und die wich- tlgsten Errungenschaften der neudeutschen Kriegskunst nach Frankreich zu übertragen. Es gehl hier nicht mehr und nicht weniger als um die Schaffung einer französischen Reichswehr. Bon Seeckt macht jetzt Schule in Frankreich. Seine Gedanken finden hier einflußreiche und begeisterte Anhänger. Danach soll die französische Armee durch die Elite-Truppen ergänzt werden, die zugleich eine Berufsarmee, ein Techniker- Heer und eine Angriffsarmee sein sollen. An der Grenze, in der Gegend des großen Festungsgürtels, soll diese Armee konzentriert werden, aus den Berufsmilitärs mit langer Dienstzeit zusammengesetzt, eine restlos motori- fierte Armee, beweglich und fähig, jeden Angriff der deutschen Sturm-Regimenter abzuwehren und danach Offensiv-Operationen durchzuführen. Also— eine Gegen-Reichswehr! Das sind also die unmittelbaren Folgen der deutschen Aufrüstung: das Kriegspotentiell Frankreichs wird ent- facht, das französische Militärsystem sucht fieberhaft nach den wirksamsten technischen Mitteln und organisatorischen Formen, die den deutschen mindestens gleichwertig fein sollen. Die außenpolitischen Folgen sind nicht weniger schwerwiegend: der Wettkampf um die militärische Ueber- segenhcit in Kontinentaleuropa, einmal zwischen Deutsch- land und Frankreich begonnen, verspricht jede Berständi- ung zu zwei, um die sich der deutsche Faschismus so heiß emüht, auszuschließen. -> 5lmo» in Paris Hochpolitische Reise des britischen Außenministers Paris, 2t, Dezember 1984. Sir John Simon wird am Samsiag in Paris erwartet. Tie Besprechungen, die er mit Ministerpräsident Flandin und Außenminister Laval habe» ivird, werden, so hofft man in französischen politischen Kreisen, die französisch-englische Freundschaft und die diplomatische Zusammenarbeit beider Negierungen bekräftigen. Sic würden angesichts der bevor- stehende» bedeutsamen Ereignisse tfranzösisch-italienische Be- sprechungen. Saarabstimmung, Ostpaktverhandlungenj von größtem Stutzen sei». Das-»Oeuvre" behauptet, daß Sir John Simon und Laval unter anderem über die mögliche Rückkehr Deutschlands nach Gens, die Rüstungsfrage, den Abbruch der Londoner Flotten- Verhandlungen und vor allem über die in Aussicht gestellte Aenderung der amerikanischen Haltung zur Freiheit der Meere sprechen würden. Sani freiwillig Die sächsischen Beamten haben neuerdings einen Spendenschein bekommen, auf dem sie bescheinigen müssen, daß sie mit allen sreiwilligen Abzügen einver- standen sind und keinerlei Kontrolle über Verwendung der Gelder fordern. Dieser Schein hat nachstehenden Text: Spendenschein Ich beteilige mich freiwillig an dem Beamten Opscrwerk Sachjen für die Tauer seines Bestehens Ich bescheinige, daß ich dazu nicht gezwungen oder gedrängt worden bin, sondern lediglich neben sonstigen Spenden ein Opicr bringen will De» monatliche» Betrag setze ich aus RM(ungefähr ein Prozent meines Brutto-Einkommens» fest und verpflichte mich, ihn unausgcsvrdert abzuführen. lieber den Einzug sowie Verwendung des Geldes bin ich unterrichtet und ich überlaste alles weitere dem Gauamtsleiter bzw. Gauwart von Sachsen. Name Stand Beschäftigungsamt Ort Geworben durch Beschäftigung»«»!« und Stelle Run kann sich jeder vorstellen, was mit einem Beamten oder Angestellten geschieht, der diesen Zettel unausgefüllt zurückgibt, sich also nicht freiwillig zu dem bereits vor- geschriebenen freiwilligen Abzug von einem halben Prozent seines Monatsgehaltes neben den anderen Spenden, die ihm ebenfalls freiwillig abgezogen werden, bereit erklärt. Denn abgesehen davon, daß der Zellenwart unaus- gefüllte Zettel gar nicht zurücknimmt, ebenso keine, die in ablehnendem Sinne ausgefüllt sind, würde der Zellen- wart sofort jeden Beamten und Angestellten, der es wagen würde, sich von der Sammlung auszuschließen, der vorgesetzten Dienstbehörde und der Kreisleitung der NSDAP, melden. Die Folge wäre ein strenges Verhör des Beamten und eventuell seine sofortige Entlassung. Was mit den Abzügen geschieht, dars sie nicht interessie- ren. Fragen sind verboten. Dafür flüstert man sich die großen und kleinen Korruptionsfälle zu. Jigitiert für die „&eutsrfie 3v ei hei t' MoD gegen die fQdischen Geschäfte Die..Frankfurter Zeitung" halte gewagt, einige sanfte die Viirklichkeit zart andeutende Bemerkungen gegen Hitlers neuen Judenboykott zu machen. Die Antwort ist, daß nun die ganze amtliche Parteipresse sieh begeistert zum neuen Judenboykott bekennt. Folgender Aufsaft wird in allen Landesteilen gedruckt: Der Anlaß ist das Weihnachtsgeschäft. Es sind die Wochen, in denen die breite Volksmafie mit ihrer Kaufkraft die Läden füllt und Anschaffungen macht, die ohne die Trieb- jeder des ScheukenS immer wieder verschoben würden. Um sofort deutlich zu reden: Die„Frankfurter Zeitung" hat Anstoß daran genommen, daß a» den Türen vieler Läden die Schilder wieder ans- getaucht sind mit der Aufschrift„Deutsches Geschäft". Dagegen kann sie rechtlich und sachlich nichts vorbringen: aber sie beklagt sich darüber. Verständlich genug, denn welcher ihrer Leser würde vor Ablaut des zweiten Jahres der Revolution kühn genug sein, bei sich das Schild „Jüdisches Geschäft" anzubringen? Das wäre ja auch ein tollkühner Rückfall ins geschäftliche Ghetto. Weil dies also nicht angeht, möchte man wenigstens, daß die jüdischen Ge- schäite durch deutsche Schilder-Auszeichnung nicht um die Kundschaft gebracht werden. ES gibt eine jüdische Zähigkeit, die immer wieder eine geschäftliche Hintertür findet, und seit den Tagen, da Friedich der Große beim Juden Ephraim Kredite aufnahm— als England ihn aufsitzen ließ— ist es der geheime Wille der Ruhelosen, daß sie nach jeder ge- schichtlichen Entscheidung aui ihre Weise oben bleiben, daß. wenn auch Blücher und Wellington bei Waterloo siegten, doch im Hintergrund noch Rothschild liegt, d. h. die Prozente einstreicht. So hoffen Tauiende, daß Hitler zwar in Berlin gesiegt habe» möge, aber der eigentliche Gewinn erst in Frankfurt oder bei der nächsten Heeres- l i e f e r u n g herausspringen werde. Es gilt, bei uns genau so die Instinkte wach zu halten, wie man im Lager der großen internationalen Geschäfts- leute aus seine Instinkte nicht verzichtet ha«. Man wird das, was wir sagen,„plump" nennen, mit dem billigen intellektuellen Trick, daß das, was wahr sei, nicht geradezu und schonungslos und schroff gesagt werden könne. Aber wir sprechen dennoch ans, was wir aus der sehr engen Verbindung zum Volk und zur Partei feststellen: die Juden haben ihre alte Zähigkeit wiedergefunden. S i c f o 111 m c ii zur li ck aus P rag, Paris oder Amsterdam, beziehen*ihre Villen wieder in den west- lichen Vororten Berlin» und legen gleichzeitig mit ihrer polizeilichen Anmeldung einen Tausend Mark-Schein für die Volkswohlsahrt aus den Tisch. Es ist ihr„Einstand" ins Dritte Reich, ihr sürstliches Trinkgeld gegen Ruhestörung und lästige Kontrolle. Da» Anpassungsvermögen eine» Juden in die politische Umwelt ist bisher noch von keinem Tarnungs-Ossizier in seinem Fach Übertrossen worden. Nürnberg,>8. Dez. Auf einer Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront in Nürnberg sprach Julius Streicher nach Bc- richt der„Fränkischen Tageszeitung" die folgenden Worte: „Tic rassische Verseuchung unseres Blutes ist es. die heute ernster ist und uns vor schwerere Entschlüsse stellt, als die Frage einer Reaktion von links oder rechts. Wenn hier nicht bald ein Tamm geschossen wird, wenn hier nicht bald Gesetze kommen, die den geschlechtlichen Verkehr mit Juden unter schwere Strafe stellen, dann hat der Nationalsozialis- mus umsonst gesiegt." „Wir versprechen heute alle: 1. Wir kaufen nicht beim Juden und beweisen damit, daß wir Ehristen sind, und wir halten unser Blut rein!" „Deutsche Mädchen haben beim Juden nicht» verloren!" „Klärt Eure Kinder aus!"„In jedem deutschen Haus müßte gleich der Bibel ein Buch liege», in dem diese wichtigsten Grundsätze der Rassensrage stehen." In einer Kundgebung der NS.-Hago in der Ttadthalle von Hildesheim sprach, wie die dortige„Landespost" berichtet, der Schriftleiter des„Stürmer" Karl H o l z, der sich bei seinen Ausführungen über die Jpden- und Rassensrage als„Geselle des Meisters Julius Streicher" bezeichnete. Von Nürnberg, der Stadt der Parteitage, werde der.Kampf gegen das Judentum in das Volk hinausgetragen. Da Nationalsozialismus und Antisemitismus gleiche Begriffe seien, so könne ein Ratio- nalsozialist auch nicht zum Juden gehen. Karl Holz brachte die Singende Polizei Im„dritten Reich" war der„Tag der Deutschen Polizei". Ein Herz und eine Seele ist sie heute mit dem Publikum, blau, braun und Untermenschen in vollendeter Harmonie. Man sah viele Bilder: Schupo mit und ohne Hunde, Schupo sammelnd. Schupo musikmachend. auch Schupo als Weih- nachtsmann. Aber nirgendwo war es so schön wie in Berlin, wo die Sterne des„Führers" und seiner Paladine strahlen. Nach- mittags öffnete sich Hitlers Fenster in der Reichskanzlei und EM zeigte sich der Menge, begleitet von Polizeigeneral Dalnege. Das dann geschah, berichtet die„Deutsche Allgemeine Zeitung": „Dann sang die Polizei das Lied„O, Du schönes Oberland, von Falschheit keine Spur". Am Nebensenster sah um» jetzt auch Reichsminister Dr. Goeb- bels. Als zweites Lied erklang, mit Musikbegleitung, „J n S Feindesland zu reiten, sü r S Vater- land zu streiten. Hurra. Viktoria!" Während des Gesanges fuhr das Auto des Preußischen Minister- Präsidenten General Göring vor. Der Ministerpräsident begab sich in Begleitung eines PolizeiofkizierS in die Reichskanzlei, wo er am Fenster vom Reichskanzler be- grüßt wurde. Nach Beendigung deS Liedes trat auch NeichSmInister Dr. Goebbels an da» gleiche Fenster und man iah den Führer mit beiden Minister» in anaereatem Gespräch" seitdem unsre Revolution in die Evolution übergegangen ist, seitdem mehr und mehr Gesetze und Partei- Erlasse die politischen und wirtschaftlichen Zustände',» ordnen suchen, seitdem hat das Verordnungsblatt der Partei und das Reichsgcsetzblatt keine aufmerksameren Leser, als die Juden. Sic beherrschen sie ans dem ff. 2ie haben sie a l l e b e r c i t l i e g e n. und sobald ein Nazi von der alten Schule einen Schritt im Sinn der siegreichen Vv- wegnng tut, stürzen sie sich mit einem Reiz von Paragraie» über ihn her und klagen ihn der Unbotmäßigkeit an Die „F r a n k f u r t e r Zeit u n g wirst sich seit Monaten, nachdem sie den höhnischen Ton etwas gedämpft hat, gerade- zu zum Staatsanwalt gegen die NSDAP, auf. Mit der Amtsmiene eines der getreuesten Staatsbeamten sagt sie: Wie ist das, ivas der Kreisleiter als Kämpfer>»!. denn überhaupt vereinbar mit der Verordnung des Reichs- Innenministeriums? Wie kann der RS.-Lehrerbund>» etwas verfügen, wenn der Herr Neichskulturministcr vor zwei Monaten(siehe Reichsgesetzblatt vom 4. Oktober. Seite 848> doch schon in dieser Angelegenheit entschieden hat? Das heißt: die„Frankfurter Zeitung" macht sich vin Kronjuristen des Staates gegen die Partei. Sie verfehlt natürlich nicht, es mit dem moralischen Augenaufschlag eines Biedermannes zu tun. der um Gottes willen den Volks- frieden erhalten und die NSDAP, vor Unbedachtsamkeiten »nd vor dem„Antisemitismus der Tat" bewahren will. Man möge sich nicht täuschen. Die Partei ist nach dem Willen ihres Führers der Orden der neuen Ordnung, neben der Macht des Heeres als Inhaberin der Gewalt. Ohne die Partei gäbe es keinen Staat wie diesen, ohne sie keine Kommandobrücke der politische''' Führung im Reich. Zwischen dieser Kommandobrücke und dem Flaggenschiff des Staates möge keiner querztifnnken wagen. Hüde Abwehr Die„Frankfurter Zeitung" Unter der Ueberschrift„R a s s e n u n t e r s ch i e d e und Wirtschaft" weiß die„Frankfurter Zeitung" nur zu er- widern: Auf unseren Aufsatz„Rassenunierschiede und Wirtschaft" sind nicht wenige Angriffe in der Presse gegen die„Front surter Zeitung" erfolgt. Allen diesen Angriffen ist, soweit wir sehen können, gemeinsam, daß sie nicht aus die Sache eingehen, die von uns behandelt wurde, nämlich aus du' Uebcrschreitung der von der Reichsregicrung für das Gebiet der Wirtschaft gezogenen Grenzen in der Richtarierfrage. Wollten wir im einzelnen in eine solche Diskussion ein- treten, so würden wir selbst dazu beitragen, von den wesent- lichen Fragen aus ein Nebengleis abzulenken. Wir sehen daher keinen Anlaß, mehr zu tun, als es mit dieser Fest- stellung geschieht. Naturgesetze mit der Rassensrage in Verbindung» wobei er betonte, daß zur Prüfung und Beantwortung dieser Frage keine ausgesprochenen Wissenschaften nötig seien. Mit den Worten:„Adolf Hitler ist der Befreier nicht nur Deutsch- lands, sondern des arischen Menschen überhaupt", schloß Karl Holz seine Ansprache. Die„Fränkische Tageszeitung" berichtet über die von Pfarrer Münchmeyer in einer Nürnberger Massen Versammlung gehaltenen Rede: „lind dann kam Pfarrer Miinchmencr ans ein Thema zu sprechen, das durch die Vorarbeit des Frankcnsührers Julius Streicher gerade in Mittelsranken den besten und verständ uisvollsteu Widerhall im Volke findet— die Judenfrage. Er wies nach, wie in allen Ländern die Völker aus das ver- hängnisvolle Treiben deS Judentums aufmerksam werden und wie mehr und mehr auch außerhalb Teutschlands der Jude abgelehnt iverde. Das ist. sagte er, das hohe Verdienst des„Stürmers" und des Gauleiters Julius Streicher. Die Aufgabe, auf das Treibe» des Judentums hinzuweisen, löst keiner in Deutschland bester als der„Stürmer"." * Ter ehemalige Pfarrer M ii n ch in e y e r ist fe.bstverständ- lich vom„Stürmer" und seinen serualpatholoaischcii Be- richte» begeistert. Ist doch bei ihm seinerzeit in Borkum der Finger„ausgerutscht", als er eine Wunde am Leibe eines jungen Mädchens„besichtigte". Da war wirklich von Falschheit keine Spur. Der„Führer", Friedensengel und Versöhnungspatriarch lmit„Mein Kampf" in der Handj, hat, wiF wir hören, sofort ein Ent- schiildigiingstelegramin nach Frankreich gerichtet, daß mit dem„Feindesland" seiner Polizei nur der innerpolitische Kriegsschauplatz gemeint sei. fousidiche Demagogie In der Zeitung„Der Deutsche" kommt-er aul den„Tag der nationalen Solidarität" zu sprechen, an dem bekanntlich Göring und Gvebcls unter dem Schutz der Gestapo, Schutz- pvlizei und SS. vor dem Hotel Adlon„freiwillige Spenden" sammelten. Kube sagt: „Diese Sammlung, die man bei den Bolksmasten machte, wird durch Besuche bei den Banken und den großen W i r t s ch a s t s u n t e r n e h in» n g e n ver- vollständigt werden müssen. Man sage mir nicht, diei'e Häuser hätten reichlich zum Winterhilfswerk beigesteuert. Der deutsche Rundfunk spricht alle Tage davon. D i e A r b e i t e r in a s s e n bringen Opfer, ohne daß der Rundfunk davon spricht. Wenn die Bevölkerung den Tag der nationalen Soli- darität als einen besonderen Opsertag hingenommen hat, dann inun man ebenso gegenüber den großen Unterneh- inern handeln. Ich selbst bin bereit," setzt Kube hinzu,„in die großen Büros zu gehen, um die großen Schecks und Banknoten in Evipfo",' in nehmen. Zweifellos haben die reichen Leute in Deutschland Furcht aebabt. die Schecks und Banknoten in den Sammelbüchsen des 8. Dezember ver- schwinden zu sehen. Darum haben sie sie uns nicht gegeben." Sie Jadenftefic im lande Sireidiers P arrer ttüncfinieuer, der sich an fanden Mädchen ver drei«, isf auch davei ^DEUTSCHLAND ff^feMHITLER Wie es im saargcbiet zugeht 340000 ElnsdirelDcRrJeSe Tie Gemeindeausschüsse der AbstimmuugSkommission ver- senden al> 2». Dezember die?lbstimmungSausweise unter Einschreiben gegen Rückschein. Tie Empfangsberechtigten müssen den Empfang der Briefe auf dem Rückschein an der bierfür vorgesehenen Stelle anerkennen: dabei ist anzugeben der Wohnort. Tag, Monat und Jahr der Aushändigung soivie die Namensunterschrift des Empfangsberechtigten, z. B. tlliegeloberg, 28. Dezember 1884 Namensunterschrift Tie Zustellung der 540 000 Abstimmungsausweise fällt in die verkehrsreiche WeihnachtS- und Neujahrszcit, in der die Zusteller ohnehin stark belastet sind. Damit das Zustell- geschalt sich möglichst glatt und reibungslos abivickelt, bittet die Post, die Empfangsbescheinigung in der oben angegebenen Form niederzuschreiben und mitzuhelfen, dast die Zusteller nicht unnötigerweise aufgehalten ivcrdcn. Heraus Etil Ernst Braus! Tic antifaschistische» Organisationen haben an die Regierungskommission folgendes Schreiben gerichtet: Wir erfahren soeben, dast zwei junge Saarländer Ernst Braun und Heinrich Bartsch gestern an der reichs- deutschen Grenze von der Geheimen Staatspolizei der Hitler-Regierung verhaftet worden sind. Die beiden junge» Saarländer, die keineswegs die Absicht hatten, die Grenze zu überschreiten, hatten sich auf ihrem Wege verirrt und einen Zollbeamten um Rat gefragt. Dieser zeigte ihnen eine» falschen Weg, so dost sie nach Dunzweiler kamen. Tort wurden sie verhastet und nach Waldmohr gebracht. Die Verhaftung stellt einen schweren Rcchtsbrnch seitens der Reichsbehörden dar. Die werktätige Bevölkerung des Saargebictes ist über das Schicksal der beiden Verhafteten aus das Höchste beunruhigt, da zu befürchten ist, dast Ernst Braun und Heinrich Bartsch, die als Anhänger der Status auo-Bewegung bekannt sind, den schlimmsten Repressalien ausgesetzt werden. Die unterzeichneten Organisationen, Redaktionen und Einzelpersonen ersuchen im Namen ihrer Mitglieder und im eigenen Namen die Regicrungskommissio» sofort bei der RcichSregierung alle nur möglichen Schritte einzu- leiten, um die Freilassung der Verhaftete» zu erreichen sowie freies Geleit für ihre Rückkehr ins Saargebiet zu erlangen. Unterschriften: Sozialistische Arbeiter-Jugend, Rote Hilfe Saar fIohann Heut. Kommunistischer Iugendverband. Sozialdemokratische Landespartei Saargebiet kB rannt. Kommunistische Partei Saargcbiet^Sommer», Deutscher Arbeitnehmer Verband Saarge^ict, Zentral-Verband der Angestellten Saarbrücken,. Redaktion der„Bvlksstimmc". Redaktion„Grenzland", Redaktion„Arbeiter-Zeitung. „Neue Saarpost", „Deutsche Volkszeitung", Touristen-Verein„Die Naturfreunde", Landesverband Naturfreunde-Jugend. jSaar, Wo der saarftommissar regier! Aus Bürckels Reich Man schreibt uns aus der Pfalz: Tie Stimmung gegen- über dem Nazircgime ist so stark abgeflaut, dast man ohne ttebcrtreibung behaupte» kann, es steht nur noch eine Min- derheit von Fanatikern oder Nntzniestcrn dahinter. In einer Banernversammlung unseres Ortes kam es kürzlich zu stiir- wi chen Szenen. Ein neu angestellter Bonze aus der Stadt versuchte den Bauern klar zu machen, dast es zur Bestreitung der Kosten der Milchzentrale nötig sei, irchs Pfennig pro Liter Milch als llnkostenbeitrag abzuziehen. Da schrien die Bauern: „Was verstehst denn Du von Landwirtschaft? Tu hast ja gar leine Ahnung von Kühen und ihrer Fütterung, ivir brauchen keine von unserem Geld bezahlte Bonzen usw" Der Bor- sitzende klingelte und bat immer eindringlicher um Ruhe, damit der Redner sprechen könne. Dann ging es umso hes- ttger los. Ein Bauer rief:„Man wird doch noch seine Meinung sagen dürfen." Ei» anderer rief:„Dtc wollen heute allein reden utid wir solle» uns alles gefallen lassen." Noch einer rief: „Wenn uns früher von der Retchsregierung etwas nicht gefallen hat dann sind wir zusammengekommen und habe» einen Protest beschlossen Darf man das setzt nicht mehr2" Tie Unzufriedenheit ist soweit gediehen, dast kürzlich in einem Ort bei Neustadt a. H. nachts Zettel angeklebt wur- de» mit starken Beschimpfungen gegen die neuen Machthaber. Es wurde» einige Verhaftungen vorgenommenj setzt noch sitzt ein Bauer. Die Enttäuschung bei den Weinbauern ist ungeheuer. Man hatte ihnen hohe Richtpreise zugesichert und Absatzgarantie. Praktisch hat sich jetzt herausgestellt, dast der Abmtz so schlecht ist wie noch nie und dast für die abgelieferte» Mengen kein Geld hereinkommt. Soweit Zahlung geleistet wurde, erfolgte ein Abzug von zwei Reichsmark gegenüber den: Richtsatz. Käufer die früher groste Mengen abfuhren, sind bis jetzt vollständig ausgeblieben. Es sind wiederholt groste Mengen Milch sauer zurückge- kommen und Eimerwene zu Spottpreisen an die Arbeiter abgegeben morden. Den Schaden halte» die Bauern Sie ist den» auch die Begeisterung der SA. stark abgeflaut. In den meisten hier in Betracht kvmmeiiden Dörfern sind eS kleine Häuflei» geworden. Wo es ehemals»0 Lenke waren, kommen jetzt höchstens»och 20 zusammen und auch davon möchten sich noch einige drücken, wenn sie»ich, durch irgend welche Umstände gebunden wären. Ter Hitlergrust der bei der älteren Generation>ue grasten Anklang gefunden hatte ist fast völlig verschwunden. Auch sanatische Nazis danken niii dem altgewohnten Grust„tauten Tag"»sw wenn sie damit begrünt werden oder wenn ne Personen begegnen von denen sie wissen, daß sie den Hitlergrust ablehnen. Man wird int Saargebiet, auch bei den Abstimmungs■ bchörden, mit Interesse Kenntnis nehmen, wie im Reiche über die Saar berichtet wird. Entsprechend bearbeitet kommen am 13. Januar 50 000 Abstimmungsberechtigte an die Saar, um über Fragen und Verhältnisse zu entscheiden, von denen sie keine Ahnung haben. Greuelbrief aus der„Deutschen from" Eine Psorzhcimerin, die seit zwanzig Jahren hier wohnt, hat aus ihrer saarländischen Heimat eine» Brief ihres Bruders erhalten, den sie uns zur Verfügung stellte. Ter Bruder, ein einfacher Arbeiter, kündigt ihr seinen Be- such zu Weihnachten an und schreibt weiter, dast er gerne vorher gekommen ivärc, dast er seine Reise aber verschiebe, weil er nach jahrelanger Arbeitslosigkeit jetzt noch vor Weihnachten sichere Aussicht auf eine Stellung habe. Tann kommen folgende bezeichnende Sätze, die die Lage unserer vom Emigranten und Scparatistcngcsindcl terrorisierten Volksgenossen an der Saar schlaglichtartig beleuchten: „Tu glaubst gar nicht, wie es hier zugebt. Schlimmer ivic im Krieg. Durch die Emigranten nämlich, die möch- len unbedingt haben, dast die Franzose» einmarschieren könnten. Das wäre ein Fressen für die Hunde, da könn- len sie plündern und ihre Raubzüge ausführen. Man kann ia nachts um lo lllir nicht mehr ruhig ausgehen, ohne sich nach allen Regeln der»unst vorzusehen. Denn gehst Tu in einer dunklen Straße, so sind gleich drei bis fünf bei Dir und bauzcn Dich an, und sagst Tu etwas, dann schlagen sie Dich nieder und flüchten." Braucht es einen klarenen Beweis, wie es die Schützlinge des Herrn Knor j» einem deutschen Land treiben? Wir Pforzheinier grüstcn den Briefschcibex und rufe» ihm zu: Tie Knechtschaft daicert nur noch kurze Zeit! Noch 38 Tage sind es bis zur Abstimmung, die die Saar wieder frei macht! Pforzheinier Anzeiger vom 7. Dezember. „De f utterhrippe sdiwindei" Im Saargebiet hat das groste Rennen»ach Möbelwagen begonnen. Tic Speditionsfirmen stehen vor großen Tagen, und es ist fast zu fürchten, daß sie dein »lief aus der Tsdiediostowahei „Kann da überhaupt ein Zweifel sein"? Einem Brief eines Freundes ans der Tschechoslowakei entnehmen wir diese bemerkenswerte» Stellen: „Sie können sich denken, ivic uns hier die„Westland"- „Grenzland" Affäre interessiert hat. Es gelang uns, die be- treffenden Nummern beider Blätter hier zu kaufen, und wir waren hell begeistert über den Elan, mit dem dieser Schlag von dein kleinen Fähnlein der sieben— oder sind es nur sechs?— Ausrechte» pariert wurde. Tonnerwetter, wenn in Eurem Lager solch ein Schwung möglich ist, dann m» st es einlach gut gehen. Der Völkerbund hat doch zweifellos diesmal seine Pflicht getan und eine eindeutige Parole ermöglicht. Jetzt muß es sich zeigen, ob es noch Deutsche gibt, die diesen Namen verdienen, oder ob die große Traditio» des vorigen Jahrhunderts restlos vertan ist. Ich kanns einfach nicht glauben: hie deutsch im besten und tiefsten Sinne, hie katholisch mit allem, was dieses alt- geheiligte Wort an Kultur, Geist, an Weisheit und an Frieden der. Seele umfaßt, dort... Hitler, SA. und SS., Ehisiren, deren wirkliche Bedeutung man nicht einmal kennt. freilich desto besser den Charakter ihrer Eigner—, kann da überhaupt ein Z 10 e i f c l sein für einen denkenden Menschen?'! lind nicht einmal Französ- ling können sie Euch schelten, die Parole ist nach Lavals kluger Neutralisierung eindeutig: Nie zu Frankreich, nie zu Hitler, nur z u D c u t s ch l a n d! Wir denken und spreche» viel über Tic, leben weiter mit Ihnen und können uns sehr wohl in die fieberhafte Kampf- ftimmung dieser letzten, entscheidenden Woche» versetzen, von denen so vieles abhängt." dos grosse führende Jugendblatt im Kampfe gegen den Faschismus und Krieg ist soeben erschienen. Die Zeitung gehört in die Hände von hundert- tuusenden jungen, Arbeitern, Bauern, Studenten. EINE KAMPFZEITUNG VON DER JUGEND FUER DIE JUGEND 24 Seiten, reich illustriert, Preis 60 cts., 15 Rappen, 80 Heller.— Bei Bestellung von 100 Stiick und mehr hohen Rabatt.— FORDERT PROBE-EXEMPLARE AN! Verlag«FREIE JUGEND» Saarbrücken, Nauwieserntrasse A8 Andrang nicht gerecht werden können. In den Kreisen der fremden„Siedler" im Saargcbiet, die einst eine fette Futterkrippe oder sonstige„günstige" Auspizien dorthin lockten, spricht man nicht mehr von Seßhaftigkeit und Heimatgcfühle», ivie all die Jahre vorher. Heute greift man zum Kursbuch und hält sich französische Wohnung»- anzeiget. Der Bersaillcr Vertrag hat bei seiner„Menschenfreund- lichen" Einstellung dafür gesorgt, dast den Herren der Re- gierungskommission für ihre langjährige gutbezahlte Tatig- ' feit eine ange m e s se n e E n t sch ä d i g u ng zuteil wird nnd diejenigen Beamten, die nicht ein Anrecht aus eine Pension haben, werden Summe» mitnehmen, die an Groß- zügigkeit nichts zu wünschen übrig lassen, was ja verstand- lich ist, wenn man bedenkt, dast saarländische Strncrgelber dazu verwandt werden. Will man mit diesen Summen vielleicht die Selbstüberwindung bezahlen, die es die Angehörigen der Regierung» kommission kostete, um aus Grund ihrer neutralen Tätig- feit mit den Separatisten zusammenzuarbeiten? Wir gönnen jedermann seinen verdienten Lohn, auch der Regicrungskommissio». Es ist nur eigenartig, daß gerade diese Behörde, die so viel eifrig aui aktenmäßige Unter- lagen legte, zur Zeit eifrig damit beschäftigt ist, ihre Akten abzutransportieren und zu vernichten. Man sollte doch eigentlich meinen, daß gerade sie Wert daraus legen sollte, diese Belege ihrer ü b e r p a r t e i i s ch e n Arbeit v v r z u weisen, wenn sie sich anschickt, die Belohnung dafür ein- zukassicren. Auch bei der französischen Bcrgwcrksdircktion ist der Abbruch in vollem Gange. Kurzfristige Aufträge, Verkauf von Häusern, die im Besitz der französischen Grubenverivaltnng sind tzahlbar bis Januar 1985!), Be wcgungen an der Zollgrenze beweisen dies, praktische Interpretationen des noch immer von verschiedenen französischen Blättern vertretenen„Status guo-Gcdankens". Die Futterkrippe schivindct, man wird sich mit dem Gedanken abfinden müssen. Die Emigranten und Saar- separatisten haben dies vorsichtshalber schon einige Monate früher getan. Vielleicht werden sie setzt dazu übergehen, ihren ehemaligen Beschützern für ihren Abzug Möbelwagen zu„F r c n n d s ch a f t s p r e i s c»" zu vermieten. „Westfälische Landeszeitung", Nr. 345. Ha ho'isdicr Priester im Gefängnis Weil er die Wahrheit sagte Wie der„Westdeutsche Beobachter" aus Eustirchen meldet, wurde der Pastor und Präses a. D. Jakob Stüsier wegen Beleidigung des Führers und Verbreitung unwahrer Ge- rjichte zu zehn'Monaten Gefängnis verurteilt. Stüsier habe u. a. behauptet, die'NSDAP, häkle die Wahl- refultate bei der letzten Wahl gefälscht. Jiitlerismus gegen 3Katholizismus Unversöhnliche Gegensätze Rom hat Isis, Horus, Jahwe, Platon, Aristoteles, Jesus, Thomas usw. zusammengeknetet und will dieses Sosein dem Dasein der Rassen und Völker gewaltsam aufzwingen, oder, Ivo dies nicht geht, durch einschmeichelnde Verfälschungen einträufeln, um dieses naturgewachscne Dasein zu verkrüppeln, die seelisch und rassisch Verkrüppelten dann aber unter das „katholische" Dach zu sammeln. Diesem grandiosen, völkcrvcrnichtenden Versuch hat sich bis aus heute nur Weniges gegenübergestellt, was typen- schafsend gewirkt hat. Ter eine Große entsagte der römischen Medizinmannphilosvphie, der andere bekämpfte sie für sich, der dritte wandte sich anderen Ausgaben zu. Tie systematische Sicherung Europas vor dem weitausgretfend angelegten Angriff ist im großen Maßstab»och nirgends begonnen worden. Das Luthertum ist in diesem Ringen leider ein Mitstreiter Roms trotz seines„Protestieren»", denn die lutherische„Rechtgläubigkeit" verschloß sich bisher dem Leben durch den Schwur aus die jüdische Bibel. Es predigte gleich- falls ein Sosein, ohne sich nach dem organischen Dasein zu richten. Heilte endlich beginnt ein grundsätzliches Erwachen aus der Gewalthypnose: nicht von einem Zwangsglaubens- satz, dazu noch jüdisch römisch afrikanischer Herkunft, treten wir an das Leben heran, sondern vom Dasein aus. Wollen «vir das Sosein, ivic einst Meister Ekkehard es erstrebte, be- stimmen: Dieses Dasein aber ist die rassengebundene Seele mit ihrem Höchstwert, der Ehre und der Seelensreiheit, der die architektonische Gliederung der anderen Werte bestimmt. Diese Rassenseele lebt und entfaltet sich in einer Natur, die gewisse Eigenschaften weckt und andere zurückkämmt. Diese Kräfte von Rasse, Seele und Natur sind die ewigen Voraus- Setzungen, das Dasein, das Leben, ans welchem erst Gesittung, Glanbensart. Kunst usw. sich als das Sosein ergeben. DaS ist die letzte, innere Umkehr, der neuerwachende Mythus unseres Lebens. Alfred Rosen barg, der vom Führer und Reichskanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche ,.D er Mythus des 20 Jahrhundert s". Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unsere Zeit, 13.—16. Auflage. Seite 250 51. Das Ruch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen Lehrerhibliotheken als geeignet em pfohlen und in vielen Fallen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert word**, „ängs'psiitfiose" Tic Hitlerdeutschc„Pirumseuser Zeitung" berichtet:„Tic an Autregungen aller Art reiche Zeit de» TeparitistenterrorS in Pirmasens hing ivir ei» schwerer Spuk über dein ersten '.-erhandlnngstagc der 8. S ch w u r g e r> ch i S t a g u n g 1 n Z w r i b r ii rf c n. wobei ivegen Gefährdung der öfteni lichcn Ordnuiig die Oestentlichkeii ausgeschlossen worden ivar ^ ie Verhandlung betaute sich mit der Anklage des Mein ei des, de» der im Jahre 189» geborene Heinrich 2 ch i ii d e l d e ck e r v o n P j ,i j c» s. vorn Juni 19:18 bis Februar 19:14 i in K onzentrationslager T a ch a n. als ,1 enge bei der Beleidig n n g s klage oic k M e n c>- F r ü h geleistet baben soll. Bei seiner kommissarischen Berntlmi»ng in Xe.chan nämlich gab der Angeklagte eidesstattlich in Protokoll, dag bei einem Einzüge von Sevaratissen der betagte Mener von einem'.ewitsen Eh res mann die griiniveistrote Tepara tistenbindc angenommen nnd an» leinen Aemnel gestreikt habe während der Angeklagte kelbkt dieie Mener in die Tasche gesteckt bat. Bei keine r B e r t e i d i a n n g g a b der Angeklagte zwar m diele unrichtige Auslage gemacht zu haben will aber zu d i e»' c r A n s sage n u r unter de in.'s w a n a e der F u r ch t g e k o in m e n sein' da der T a ch a u e r L n g e r v e r Iv a l t e r? u fe bei'einer k o m miIla riichen B e r n e h n> u n g d n r ch A in t s g e r> ch l s r a t T r. E i i cl z u a c g e n w a r. Aus der''.euqenans'age aina einwondlrei hervor, daß Mener die Binde erhielt, lich al'v als Separatist bekannte lind anscheinend ans Rache da der Angeklagte bei einer sriihcrcn Bernehmuna wahrheitsgetreu dies bezeugte, die Anzeige wegen Meineid erstattete Ta der Angeklagte bereits bei keiner Bernehmuna be stätigte, unrichtige Angaben gemacht rn haben»nd zwar >i ii r unter d e m Z w angc der F ii r ch i suchte der Staatsanwalt in keiner Anklagerede ui beweisen den das Verbrechen des Meineides in vollem Umkonge angenommen werden müsse, doch sei daS GeltändniS strakmi>dernd und eine«trake von 1 Jahr 8 M o n a t e n Zuchthaus an- gemessen. Ter Verteidiger schilderte die Straftat durch die A n a st p l n ch o s c c i n e S K o.n z e n l r a t i o n s l a g e r- .Insassen hervorgerufen, der befürchtete, als Separatist von seinem Lager»,xrivatt'-r gekennzeichnet rn iverden, Tic Anzeige des geleisteten Meineide" iei nur ein Racheakt des Meoer gewesen. Ter Hobe Gerichtsboi>cti!o>> »ich den Araumcnien des Offizialverteidigers an und kam nach anderthalbstiindiaer Beratung zu e>new kre'tprechenden Urteil, Tie Kosten werden der Staatskasse überbii''det. Tie Bearündnna diekeS Urteils bestand in^-»' tSriveanng, dah der Angeklagte bei der Verp-b'"ni,-> i,, gch> n einem N o t z u st a n d e befand, der seine Aussagen be- cinslnßte. Wieder Be'ic dctfen iddis&c ZeKlS M c Schacht hat kürzlich eine Verordnung erlassen, in welcher die Landesregierungen auigeiordert werden, jeder Störung des Weihnachtsgeschäfts nachdrücklichst entgegenzutreten. „ES soll," so heißt cS in der Verordnung,„sowohl der un- beeinträchtigte Verkauf von Weihnachtsgeschenken und Ehrutbaunifchiiiiick als auch eine ungehinderte Werbung in den formen und in dem Rahmen, ivie sie auch kiir Waren- »nd Kaufhäuser, Einheitspreis- und Filialgeichäfte. sowie für nichtarische Betriebe für den Weilinachtsverkaui seit langem üblich sind, z. B durch Ausschmückung der Verkaufs- räume. Schaufenster und Waren mit Tannenbäumen, Tannengrün und Lametta sichergestellt werden," So hat es der allgewaltige Schacht angeordnet. Hitler ielbst hat ihm dazu den Segen gegeben dennoch wird tiberall Krach darüber geschlagen, daß jüdische Geichäste zu Weihnachten dekorieren. Auch Rotenberg icheint gegen die Schachtsche Ber orbnung sehr«»'gebracht zu'ein. denn er läßt in seinem „Völkischen Beobachter" einen Artikel geaen das bekannte Münchener K a n k h a u s U l> l k e l d e r wegen keiner Weih llach'sdekoration bringen, Tort heißt es u a: „Während die meisten der Auslagen des jüdischen Kaut- Hauses ll h l i r l d e r im Roiental mit Warenbausartikeln der verschiedensten Art nollgevkropst sind befindet sich in d»cr derselben, schon von der Sendlinger Straße aus ficht- Ein Bürgermeister nach Hillers fifflrerprtnzlp On Scfiufii der ehrddte marxisfisffie Arbeiter ins Zucfithaus gebradif hat Hoch über iler rheinischen Stadl Siegburg liegt in einem allen Schloß das Zuchthaus. Seil Milte Februar 1933 sitfen dort auch marxistische Arbeiter, die durch meineidige Halunken, durch..alle Kämpler" Adolf Hillers beschuldigt wurden, einen Siegburger Nazi, ein übel beleumundetes Subjekt, erschossen zu haben oder doch an der Tötung beteiligt genesen zu sein. Die Sozialdemokraten hatten sieh in ihrem Volkshaus verschanzt. um ihr Eigentum gegen die anstüi tuenden braunen Hnnditen zu verteidigen. Einer der Haupt- beteiligten an der Anklage gegen die Sozialdemokraten war ein..alter Kämpfer" mit dem Namen L e v. Zur Belohnung für seinen ,.Sturm auf das Volkshaus" und seine Schurkerei, hrave Arbeiter ins Zuchthaus gebracht und deren Familien unglücklich gemacht zu haben, wurde er zum Bürgermeister von Sieg- bürg ernannt. Nach dem Führerprinzip! Bald tuschelte man von Ohr zu Ohr. welch ein verlumpter Bursche die Stadl verwaltete. Es geschah nichts. Im Gegenteil..Gerüchteträger'' wurden verfolgt. Endlich wai der Skandal nieht mehr zu vertuschen. Unter dem Drink der ötefotliehen Meinung, die nie an die Schuld der sozialdemokratischen Arbeiter geglaubt hat. wurde die Strnfhnlt der Verurteilten unterbrochen und ein Wiederaufnahmeverfahren an"phündigt. Man faßt aber ilie Opfer d»s Ley noch nieht frei, sondern hält sie weiter in Untersuchungshaft. Nun steht der Herr Bürgermeister mit zweien seiner Nazikumpane wegen seiner verschiedenen amtlichen Lumpereien vor den Schranken. Die gewiß unverdächtige..Kölnische Zeitung" b" r ichte! über den Prozeß gegen diesen tvoi-chen..allen Kiim\tfer" des Herrn Adolf Hitler wie folgt■ Vor der proßen Stra kamnier in Bonn begann unter Vor- sitz von Laiidgerichtdirektor Stürmer die Verhandlung gegen den vor kurzem»eines Amtes enthobenen Bürgermeister Len von Tiegburg d.v früheren Sieaburger Polize'konim'ffar Günter vo" Braun»chw-ig und den Beigeordneten der Stadt S'egburg Tr. Fußhöller, ^ Tie Anklage wirst Leu fahrlässige Uötpc'Verletzung und irührcrflucht nach der at vor von B r a n n s ch w e i g wird zur Last gelegt. Leu vorsätzlich und wissentlich der vom Gesetz kür die fahrlässige Körperverletzung und die Führerslucht vorgesehenen Strafe entzogen bzw den Versuch dazu unter- Nammen zu haben, Tr Fnßhölle r klagt man an wissent- lich Beihilfe geleistet zu habe», ferner haben sich Bürger- »leiseer Leu wegen Be>se>te chafsung einer«"»tischen Urkunde, Tr Fußhöller wegen Nötigung unter M'ßbranch seiner Amtsgewali und von Braunichiveig wegen Vergehens gegen die Kraftfahrzeugordnung, wegen Mknndcsälschnng sowie wegen Steuerhinterziehung nud wegen Nötigung nnter Miß- brauch seiner Amtsgewalt zn veranwortcn. Leu und von Braunichiveig. die i» anderer Sache in Untersuchungshaft sind wurden dein Gericht vorgeführt. Ter Verhandlung, für die drei Tage noroeichen lind, liegt, wie durch die heutige Beweisaufnahme bereits festgestellt / bar, eine graste Weihnachtskrippe. die die biblische Szene der Geburt Ehristi darstellt iind natürlich auch von den Vorübergehenden insbesondere von Kindern und grauen, mit Freude und andächtiger Aufmerksamkeit betrachtet wird. Vielen wird kaum bewußt, daß hier der Jude eine christliche Legende mißbraucht, um Käufer anzulocken, denen selbstverständlich auch die Werbung der daneben- lieaend-n Ausigae g-lt, in der Spielsachen ftir den Weih na-sttstilch zur Sckmu gestellt sind. Wir aber erbeben mit denen unterer Leser, die stch emnHrt über dicic Tntiall»- d'i Bitte um öffentliche Stellunanahine an ii, Einspruch geo-n die Weihnachtskrippe als Plicktriig für ein jüdisches Geschäft." wurde, folgender Tatbestand zugrunde: Am 13. August 1 9 3 3, e> n c m Sonntag unternahm Bürgermeister Lest, ohne im Besitz eine? Führerscheins zu fein in Begleitung seiner Frau, seines Söhnchens und seines Schwiegervaters in einem der Stadt S i e g'b u r g gehörenden K rast w a g e n eine Fahrt, die nuch leinen Angaben der Besichtigung von Steinbrüchen gcdieni haben sollte. AIS er ans der Heimfahrt gegen 8 Uhr abends am Eingang des Ortes Stein bei Blankenbera a der Sieg den Kraftwagen des Bürgermeisters i R. Fußangel aus Godesberg überholte, streifte der hintere rechte Kotslügcl seines Wagen? das Vorderrad des langsam fahrende» kleinen Autos. TieieS geriet dadurch ins Schlendern und überfuhr einen auf der rechten Seite fahrenden Radier den 29jährigen Paul Titlet aus Porz am Rhein, der mit einem bekannten von einem Ausflug zurückkehrte. Titlcl trug einen schweren Schädel- brnch davon, der in an Lä Wochen ans Krankenbett fcstelte und an denen Folgen er heute noch leidet Tie Insassen de»- kleinen Autos kamen mit dem Schrecken davon, Durch den lauten SchreckcnSichrci der Frau des Bstrgerineistcrs wurden verschiedene Leute aus den Vor'alt ansmerksani und stellte» die Erkennungsnummer des Kraftwagens von L e n seit Tieicr war. ohne«ich um den Borsall z n kümmern in noch schnellerer Geschwindigkeit weitergefahren, um sich, wie die Beiveisausnahme ergab, der Feststellung zu entziehen Bürgermeister i. R Fußangel, als Zeuge vernommen, schilderte, wie er in Siegbura nach dem Kraftwagen geforscht hätte, der geflüchtet war und denen Erkennungszeichen ihm bekannt geworden war. Erst nach widerstrebendem Verhallen des PolizeikomminarS von Braiinschiucig und des den Nur- germeiiter Leu vertretenden Beiaeordncten Tr. Faßhöller. die beide, wie sich heute herausstellt von Leu beeinflußt und falsch unterrichtet worden ivarcn. konnte er das beschädigte Fahrzeug besichtigen Er stellte sestt daß die verletzten Stellen an dem Kraftwagen in aller Eile sjriick) lackiert worden waren Daraufhin erstattete cr^ Straf- anzeige, Bürgermeister Leu behauptete, da? Torf Stein an dem Angnsttag nicht durchfahren zu haben. Obwohl Polizei- kommissar von Braunichiveig die Unrichtigkeit dieser An- gaben bekunnt war, wurde die falsche Tarstcllung der Staats- anwaltf-surft acqenüber aufrechterhalten und sogar mit einer tatschen Fahrskizze zu veranschaulichen versucht, von Braun- schweig behauptete heute, alles nur aus das Geheiß des Bür- gerincistcrs Leu getan zu haben, während Dr. Fußhöller erklärte, er hätte nur die Angaben bei der Staatsanwalt- schalt aemachi. die ihm Bürgermeister Lei, mitteilte. Bei den iibrige» Punkten der Anklage handelt es sich bei Leu um die v e r i ch iv u n d c n c Urkunde einer G e» haltspfändnn g bei Tr. Fußhöller um angebliche Noll- aiing eines Beleidiacrö. der neben einer Ehrenerklärung sur Fußhöller auch noch eine Geldbuße hätte zahlen tollen, von Braunichiveig soll sich noch vor allem dadurch strafbar gemacht haben.dast er mit einem nicht zugelassenen Kraft- wagen, den er angeblich zu kaufen beabsichtigte, drei Monate «^efah^en war und widerrechtli ck)das(5rkennunasAein>en mit dem Stempel der Polizeibehörde Siegburg versehen hatte. Tie Beiveisausnahinc wird sortgesetzt. »er Pr«ze» um die.Weisen" Erst im Frühjahr Ter Prozeß um die„Protokolle der Weisen von Zion" in Bern ldcr wegen der Bestellung des Oberstleutnants a. T. Fleischhauer(Erfurt) zum Sachverständigen Ansang Novcrn- ber vertagt werden mußte), dürfte erst im Februar oder März weitergeführt werden. Oberstleutnant a. T. Fleischhauer soll sein Gutachten bis zum lä. Januar einreichen. ßrftaftniti aus Nr»» „Cs muH anders»et"en" iSchluß) Mit der SA. bei uns ist es traurig bestellt. Unterschlag»n- g»'n sind an bei Tagesordnung, Tic Mißstimmung ist groß, die Luft am Dienst sehr gering. Jeder versucht sich zu drücken. Ter Führeewechsel ist so stark, daß die meisten Formationen ihre Führer nicht kennen. Die Beteiligung bei Beranstaltungen ist sehr schwach. Am meisten Beschäftigung hat noch der Tanitätssturin von dem zu jeder Veranstaltung einige Leute abkommandiert werden. Es könnte ja einmal ein überrraichender Teilnehmerdrang einsetzen Bisher ist jedoch mehrfach nur das Gegenteil ein- getreten: daß mehr Sanitäter als Teilnehmer da waren. Für diele Wachen muß der Bcranstaltcr bezahlen natürlich be- kommt der SanitälSwachmann nichts davon Aufsässigkeit macht sich bemerkbar Innerhalb der Stürme werden Ernte- danksestviiinieii verteilt. Jeder mußte drei nehmen und be- zahlen, auch wenn er sie nicht weiterverkaufen kann Einige Leute weigerten sich und waren zur Abnabme nur gegen die Zusicherung des Rückgaberechies bereit, Tos wurde abgc- lehnt, dann lehnten diese Leute die Annahme der Abzeichen trotz der Drohung mit de inAusjchlnß aus dein Sanitätsftnrm ab, Entscheidungen sind bis beule nicht bekannt. Ersvlgt der AiiS'chlnß nicht, dann wird dieker Vorfall Schule machen. Ueberall gibt es lk n t c r' ch l a g n n g c n. Eine Organisation muß den Jahresbeitrag ein zweites Mal le-sten. um der Kasse ivieder b>5clt> zuzuführen. Tie Vorträge bei Beranstal- tungen sind denkbar primitiv und flach. Tie Redner können nicht nur nicht sprechen, meist haben sie auch noch vom Thema keinen Tun st Tarn», ist der Veriammlungsbesuch iv schlecht. Und die paar Jmmcrtreiien. die erschienen sind, schlafen vor Langwelle, Bei G c w e r k s ch a i t s v e r s a in m l» n g e n, obwohl sie ohnehin iebr selten sind, sieht es nicht anders aus. In einer Technikerversainmlnng wurde ein Lichtbildervortrag über das Deutsche Museum in München gehalten. Ter Besuch war sehr schlecht. ES ist erstaunlich wie stumpf und gleichgültig, ivie intercsse- los die Men'chen sind Am Absertigiingsichalier der Auge- stelltcnfront liegt eine Einzeichnuugsliste auch für Bestell»» gen aus das Buch des Aiigestelltensührers F v r st e r. Nach drei Wochen halten sich schon z iv e i Interessenten eingetragen. In e'niaen tftetripben versuchte man den Saarkalender vnlkp d-v Angestellte» zu vertreibe». Ein typischer Fall bei der AG. Weser. In der Reihe, in welcher oer Oberamtswalter der Berufsgemeiuschast sitzt, sitzen insaeiamt lä Kollegen Nicht ein Kalender ist verkauft worden! Also auch der Oberamtswalter hat keinen gekauft. So sieht es überall ans. Ein SA Mann beantwortete dieser Tage meine Frage, ob er die SA>ür ein Machtinstrument zur Erhaltung des System bewerte, ohne zu zögern mit: Nein, Tie großen Reden werden ani Lautsprecheranla- g e ii durch die Stadl gebrüllt. Aber die wirklichen Teilnehmer an den Sammelplätzen sind dünn gesät. Meist sind es nur Abkommandierte die dann„Volk" markieren In den Be- trieben und in de» SA ivird kritisiert. Und zwar ungeniert nnd offen. Immer ivieder ivird uns bestätigt, dast man keine Angst zu baben braucht und auch keine mehr hat. Es hat sich eben heute die Anssassung durchgesetzt, daß es auch unter den Marxisten anständige Leute gibt, besonders, da auch hier alle Versuche, aus dem Wege parteiischer Prozesse einen Skandal- »all zu konstruieren restlos iehlgeichlage» sind, Ter letzte im ttzang befindliche Fall ist jetzt eingestellt worden. Mangels Tatsache» Es handelt sich»in ein ßiegieriingSmitglied ans der frühere» Zeit dem man Unterschlagungen»nd ttorrup- tion vorwarf, seine Pension cinbehielt und sogar seine Ein- richtnng pfändete Tie Möbel sind letzt freigegeben worden und die Pension ivird nachbezahlt, nach den neueste» Eni- icheidungen. Es war eben wirklich nichts zu machen. Auch der schwer beschuldigte und rausaeschmissene Spar- kassendirettor. ein Demokrat, hat seine Prozesse gewonnen. Er wird jetzt sür Jahre sei» Gehalt nachbezahlt bekommen. Im Augenblick kämpft er mit der Behörde um seine Reha- bilitiernng in der Oeffentltchkeit durch die Presse, Tie Justiz- Pressestelle stimmt ihm zu und ermächtigt ihn, die staatliche Pressestelle will aus Parleigründen die Blamage des Systems vermeiden und ist darum dagegen. Alles in allein läßt sich die Stimmung dahin zusammenfassen:„Es muß anders iverden." Wie. iveiß keiner, aber jeder wünscht die Aendcrnng. Und dann taucht eben als Hoff- nung der Krieg aus. Auch die Anhänger des Systems, das sind eigentlich nur seine Nutznießer, spüren die Ztotivendigkclt einer Aeiiderung. Sie hauen dann— so wie jetzt hier— wild darauf los und verhaften ivillkllrlich hundert Menschen. Ehemalige Sozial- dcmokrateu, ehemalige Kommunisten Tie Leute brauchen garuichtö gemacht zu haben. Tic Polizei braucht einfach Schreckiiiittel, Nach Recht und Schuld wird nicht gefragt. Es ist eben schlecht i» Teutschland, Und da man Hitler nicht die Schuld geben und verhaften darf, verhaftet man eben „Marxisten". Manche Geschäfte gehe»-besser, weil A n g st k ä u s e gemacht iverden. Einerseits animieren die Inhaber zu Angstkäufen, iveil sie eben seit langem kein oder sehr wenig Bargeld in de» Fingern halten konnte», andererseits haben sie Angst vor leeren Regalen, denn der Einkauf ist wirklich schwer und teuer. Im Gro st Handel ssebl es traurig aus. Tie Wall- und BauinivoUoorrate tut Halen sind erheblich eingeschrumpft. Gegenüber dem Bortahr lagen nur etwa die Hälfte. Und von dieser kleinere» Menge gehört nur ein Teil wirklich schon deutschen Firmen, Bei dem größeren Teil haben die ausländischen Lieseranten noch lZtgentumsvorbehalt. In der Fürsorge sind die Anweisungen verschärft wor- de»,„ach welchen mit Sachspenden äußerst sparsam umgegangen werden muß Au Ledige dürfen Sachleistungen nnr im äußersten Notfall gegeben iverden. Anfangs dieses Jahres wurden die Unterstützungen gekürzt und anßerdem der bis zum April gewährte Gaszuschuß in Höhe von 3.8S Mark pro Familie gestrichen. Bis letzt ist weder gerüchtweise noch tatsächlich etwas bekannt, daß der Gaszuschuß wieder- kommen soll. Auch von Kohlenkarten ist»och nichts zu hören. Die Aufsässigkeiten der Pflichtarbeiter mehre» sich. Beson- ders die Frauen dieser Arbeiter sind den Behörden gegen- über sehr energisch. Tic bei de» Autostraße» beschäftigten Wohlfahrtseriverbslojen sind jetzt alle aus der Fürsorge aus- gestrichen mit dem Bemerk„in Arbeit" Beim Arbeitsamt merk» man noch nichts von der Verringerung der Erwerbs- lose». Zwar ist die Zahl der jüngeren Erwerbslosen geringer geworden, weil sie in den Arbeitsdienst abgeschoben wurden. Doch der Schalter der Neuanmeldungen ist ständig von einer Kette von lä Mann belagert Das ist schon so sehr Gewöhn- heit. dast es nicht mehr auffällt. Tie K o n s u m g e» o s s e n s ch a s t hat vor mehrere» Iah- reu in ihrem Drang nach Ausdehnung ein großes Fabrik- griindstück gekauft und die daraufsteheuden Gebäude sür ihre Zwecke uiiibaueii lasse». Ein Teil der großen Hallen ist auch von der GEG. als Sl n l a g e für G e f r i e r s l e i s ch- l a g c r u n g ausgebaut worden Jetzt ist der Umsatz zu- sammcngcschmolze», die Lager können von der Konsum- genosscilschait nicht ausgenützt werden. Ein Teil der Hallen ist an private Firmen vermietet, ein Teil seit einigen Monaten auch an die Reichswehr als Lagerraum sür Konserven. Jetzt ist das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Reichswehr und Konsumgenvssenschast bekannt geworden, wonach dieses Objekt von 2 Millionen Mark an die Reichswehr ver- kaust wurde. Nun lagern dort große Büchjen und eiserne Portionen. Die Konserven werden vorwiegend in der GEG-Fleischivarenfabrik in Oldenburg hergestellt, die früher dem Großherzog von Oldenburg geborte. Tie ist jetzt bis zur Höchstkapazität mit Reichswehraufträge» ausgenützt. Die Tabak- und Zigarettenindustrie Brinkmann Hai infolge Absatzmangel Kurzarbeit eingeführt. tz ®eutstfte Stimmen• zur.®eu1$dten&weifieW• treiGnisse und 9es*fa*dfcten Das ist Jihiaedtke Qec ,,2ühcec" dec neuen JMtatoqengtenecatiou Das Zukreuzekriechcn des„Deutschen Philologenblattes" v ie der deutschen Philologenschaft Liberhaupt erhält durch die„Persönlichkeit" des neuen Schriftleiters und Vorsitzen- den des Preuöischen Philologenverbandes seine würdige Kennzeichnung. Der Name Schwedtke bezeichnet weniger p'n System als eine Personenklasse von Kriechtieren, wie sie 8>ch unter jedem politischen System geltend zu machen suchen, aber in keinem so am Platze sind, sich so als best- an gepaßt erweisen wie in der drohnenaden Kreuzung von Roheit, Schwachsinn und Streberei, die heute die geistige Führuns der einstigen Denkervolkes in Händen hat. In Berlin-Neukölln bestand die K a r I- M a r*- Schule: eine aus der schöpferischen Entschlußkraft des Bezirksschulrats Kurt Löwenstein hervorgegangene, v on dem Direktor K a r s e n meisterhaft geleitet und mit hervorragenden Lehrkräften ausgestattete Aufbauschule, deren überwiegend p>oletarische Schüler meist aus den-veitlichen Schulen Großberlins kamen und vielfach mit der sozialistischen Jugendbewegung in Fühlung standen. Es war keine parteimäßig gebundene Schule— die Schülerschaft zählte auch Angehörige aus unpolitischen und aus Rechtskreisen, aber eine durch ihre Leistung und den Geist von Lehrern und Schülern hervorragende Vertreterin des modernen Erziehungsgedankens als Arbeits- und Gemeinschaftsschule. In freier Ordnung und unter selbstätiger Mitwirkung der Schüler und Eltern wurde da die Fähigkeit zui Beobachtung, zum Urteilen und selbständigen Arbeiten geschult, durch Studienfahrten und gründliche Verarbeitung der Ergebnisse wertvoller Stoff gesammelt. Auf der Universität hoben eich die Schüler von den übrigen Studenteu durch ihre vorbildliche Vorbildung zum wissen schaftlichen Arbeiten ab Die Schule, deren Leiter und Lehrer sich auch wissenschaftlich betätigen, stand in Verbindung mit den berühmten Arheiter-Ahiturientenkursen, in denen unter Karsens Leitung hochbegabte junge Arbeiter in kurzen drei Jahren zur Universität vorbereitet wurden, wo sie sich hervorragend— nach bürgerlich-fachmännischem Urteil— bewährten. Es ist klar, daß die gegen Arbeiterbildung und wellliche Schule betriebene Hetze an dieser Spitzenleistung nicht vor- Im..Berliner Tageblatt"(18. Dezember) lesen wir: Zum Besten des Winterhilfswerks hatten der Reichs- minister des Innern und Frau F r i c k zu einem Haus konzert in ihre Dienstwohnung gebeten. So hervorragende Künstler wie die Hausherrin selber, der Kammersänger Schlusnus. Michael Raucheisen und Staatskonzertmeister Georg Kuiestädt mit seinen Kammermusikern wirkten zusammen und brachten viel Genuß. Im Mittelpunkt des Abends, um dessen Gelingen sich der Richard-Wagner-Verband deutscher Frauen Ortsgruppe Berlin, deren Ehrenvorsitzende Frau Margarete Frick ist, verdient gemacht hat, stand Schuberts herrlich vorgetragenes„Forelleu- quintett". Die Gattin des Ministers trug Kompostionen von Brehms vor; Schlusnus sang Lieder von Schubert und Hugo Wolf. Beiden Künstlern, denen Michael Raucheisen der meisterhafte Begleiter war, wurde anhaltender, herzlicher Beifall gespendet, der schließlich verschiedene Zugaben erwirkte, darunter die Kavatine des„Figaro. Die schönen klassizistischen Räume des Hauses, weihnachtlich geschmückt, gaben den festlichen Rahmen für einen größeren Gästekreis, in dem man u. a. die Reichsminister Dr. Gürtner und Dr. Schacht. Staatssekretär Dr Meißner, den Ronderbevollmächtigten Mes Führers..Joachim von R.bben- trop, Reichssportführer von Tschammer und Osten. General- forstmeister von Kendel!, den Vertreter Hessens beim Reich, Ministerialrat von Zeugen, und den Adjutanten beim Reichs- minister für Propaganda und Vo ksaufklarung, Prinz Christian zu Schaumhurg-Lippe, sämtlich mit ihren Gattinnen, bemerkte. Es waren der Präsident des Reichsgesundheits- anites, Reiter, der Dresdener Oberbürgermeister Zörner. Staatssekretär Pfundtner. von dem dur* die Veranstaltung bedachten Winterhilfswerk. Reichsleiter Hilgenfeldt, Eva von Schnieder und Herr Spiewok gekommen die Vorsitzenden der Ortsgruppe des Richard-Wagner-Verbandes Deutsche. Frauen, Elisabeth von Keknle und Frau Ilse Gering, die übergehen konnte. Obwohl die vorgesetzten Stellen wie die Wissenschaft— bis ins fernste Ausland— nur Bestes berichten konnten, fand sich doch ein Jemand, der der reaktionären Presse den Gefallen tat. sie mit„Material" gegen die gefährliche Schule zu versorgen. Dieser Jemand war kein anderer als S c h w e d t k e. Früher war er auf seinen Wunsch und mit bedeutendem Herandrängeln an den Leiter kurze Zeit an der Schule beschäftigt gewesen, hatte aber, da er sich ungeeignet erwies, das Feld räumen müssen Nun sann er auf Rache. Einige Zeit vor dem Umsturz begann er die Rechtspresse.nit schlimmsten Räubergeschichten zu bedienen, in denen alle Instrumente: das„nationale", pädagogisch disziplinare und natürlich auch das„moralische" spielen mußten. Die Schule hat sich tatsächlich ni<- auf der sittlichen Höhe der Kadetten- Iiäuser und der Hitlerjugend halten können. Eine Summe frecher Verleumdungen, die jugendlichen Uebermut zu Greuelmärchen aufplusterte und nach Bedarf auch das Erforderliche erdichtete. Die Empörung über das Subjekt war so groß, daß der Elternrat ohne Unterschied der Partei aus bester Kenntnis der Vorgänge schärfsten Protest erhob und einschließlich seiner deutsch nationalen Mitglieder von Provinzialkollegium und Bildungsministerium ein Eingreifen gegen den Schmäh- süchtigen forderte. Da aber damals die Republik schon 111 den letzten Zügen lag, blieb die Sache beruhen. Eine Prüfung des Unterrichts durch das Ministerium hatte ein ruhmvolles Ergebnis. Aber es war natürlich, daß die Schule mit dem gefährlichen Namen dem nationalen Aufschwung zum Opfer fiel. Das Lehrerkollegium wen de„gereinigt", und Direktor w urde für den„Bolschewisten" Kursen— Herr Schwedtke. Der rechte Mann am reihten Platz. Die Schule, die auch ihre besten Schüler abstoßen mußte, ist heute eine Stätte chauvinistischer Verhetzung und entgeistigter Muske Ihilduiia wie die anderen auch. Herr Schwedtke aber hat sich das verdiente Vertrauen der Rust und Konsorten zu erhalten gewußt und die seiner würdigen Karriere fortgesetzt. Nur ein Ehrenamt fehlt noch, zu dem wir ihn hiermit geziemend vorschlagen zum Ehrenpräsidenten der Afterwürmer. Reichsvorsitzende Frau Lange(Hannover), und aus der Kunstwelt Rudolf Bockelmann, Käte Heidersbach. Hans Fidesser, Barbai a Kemp-von Schillings. Marcell Wittrisch. Marta Linz. Staatskapell meiste. Heger und der japanische Dirigent Koichi Sushi. Bemerkt wurde der zu Besuch in der Reichshauptstadt weilende Besitzer der„Daily Mail". Lord Rothermere, mit Gattin und Tochter. Ferner hatten sich Exzellenz Viktoria von Dirksen eingefunden. Frau Sahrn. Frau Konsul Staudt, der junge Graf Schön bürg, die Generale von Radowitz und Frhr. von Holzing-Berstett. letzter Friedenskommandeur der 1. Garde-Dragoner und Flügeladjutant beim früheren Kaiser, der Rasseforscher Prof. Lenz, von bildenden Künstlern die Professoren Fritz Rhein und Schuster-Woldan. Herr von Prittwitz und Gaffron von der Generalintendanten-, Dr. Slang von der NS.-Kulturge- meinde. die frühere Botschafterin Baronin Maltzalin, Obersturmbannführer Oberstleutnant a. D. von Laffert und Frau, und aus der Industrie die Herren Arbad von Düring und Direktor Karl Lange. Kurz, man sah alles, was heute Rang und Namen hat. Nur etwas sah man hier nicht: SA. und SS. lüohec kämmt dec„ deutsche Qcuß"? Der Londoner„Everyman" sucht auf originelle Weise die Frage nach der Entstehung des„deutschen Grußes" zu beantworten, Er veröffentlicht eine Zeichnung, auf der man einen Mann im Anstreicherkittel sieht, die rechte Hand mit dem arbeitsbereiten Pinsel hocherhoben, die linke, etwas gekrümmt, hält den Farhentopf. Danehen steht derselbe Anstreicher in der gleichen Haltung, aber ohne Pinsel und Farbentopf, in Nazi-Uniform. Das Gesicht des Anstreichers erinnert lebhaft an einen bekannten Nationalsozialisten. T)ie ihc yemoedet— Die ihr gemordet und vergraben wähnt ihr für immer stumm gemacht. Sie sind nicht stumm, ihr hört sie schreien, wenn ihr, mit Angst im Herzen, lacht. Und wenn ihr singt, spürt an der Kehle ihr eine kalte Knochenfaust. Drum überbrüllt ihr jede Stille und dunkle Furcht, die in euch haust. Des Nachts die Gräbernebel steigen empor aus tiefster, dunkler Gruft. Die unterdrückten Todesschreie verdicken euch die Atemluft. Ihr greift entsetzt nach jenen Schatten, die auf euch wuchten schwer und breit. Der Toten Schiel stellt starr im Dunkel- O wartet nur—'s ist noch nicht Zeit! So tief die Toten auch vergraben,, sie kommen zu euch. Nacht für Nacnt, Und jede Nacht, bis ihr dann endlich zum Morgen des Gerichts erwacht Hans K i r u e r. Vas!Bannec steht... Trotz alledem! Das Volkshaus der Leipziger Arbeiterschaft ist Tausenden von Arbeitern aus allen Ländern in schöner Erinnerung. Im Lager der Feinde des Sozialismus hatte es viel wütende Hasser. Bekannt ist noch, daß die mit den Putschbanden des Kapp sympathisierenden Offiziere der jungen Reichswehr in den Tagen nach dem Kapp-Putseh im Frühjahr 1120 das Leipziger Volkshaus mit schweren Minen in Trümmer schössen. Sie hofften, dadurch das stolze Denkmal des kämpfenden Proletariats für immer beseitigt zu haben. Aber sie hatten nicht mit der Opferbereitschaft und dem unerschütterlichen Willen der Arbeiterschaft gerechnet. Nach erstaunlich kurzer Zeit stand an Stelle des zertrümmerten Hauses ein neuer noch größerer, hoher und stolzer Bau, als der ohne jeden Grund mutwillig zerstörte gewesen war. Ganz hoch oben am Turm kündeten große Lettern die eiserne Entschlossenheit und Bereitschaft des Leipziger Proletariats: Trotz alledem! Trog alledem. Diese zwei Worte höhnten die Offiziers- banditen und ihren gesinnungsverwandten- Anhang. Sic waren aber auch die trutzige Antwort der organisierten Arbeiter an alle ihre Gegner, die danach trachteten, die sozialistische Bewegung zu hemmen und lahmzulegen. Am 1. März 1133 hat die Polizei das Volkshaus besetzt und es den Nationalsozialisten ausgeliefert. Seitdem meidet es die Arbeiterschaft Aber vom hohen Turm herab leuchteten noch itumer auch wenn die Hausfront die Hakenkreuzflagge zeigte, das Trutzwort..Trotz alledem!" Das wurde den nationalsozialistischen Führern der Deutschen Arbeitsfront, die sich»etjl im Volkshaus breitgemacht haben, immer unbehaglicher. Das Trog alledem klang ihnen wie eine Drohung in die Obren. Sie konnten es nicht länger ertragen und so beschlossen sie die Entfernung dieses Trugwortes. Ein hohes Gerüst wurde gebaut und die zwei gefährlichen Worte abgemeißelt. Dafür aber bleiben sie in den Herzen der Leipziger Arbeiterschaft um so tiefer eingegraben, diese zwei Worte: Trotz alledem! Meckecec Jleuentiaux Es schwirrt ihm vor den Augen W' ir lesen i;i der„Deutschen Wochenschau" von Re- ventlow: „Ich stand vor der großen Plakatsäule. Mechanisch lasen meine Augen:„Flaggen heraus! Einweihung!"—• Flaggen heraus! Ministerbesuch!"—„Flaggen heraus! Schulungswoche!"—„Tag des Buches!"—„Tag der Mutter!"—- „Tag dei Blume!"—„Tag der Kleingärtner!"—„Tag des Handwerks!"—„Tag des Pferdes!"—„Tag der Segler!"— „Tag der Kegler!"—„Tag der Hausmusik!"—„Tag des deutschen Weines!"—„Tag Nietzsches!"—„Tag Schillers!" —„Tag des deutschen Apfels!" Ach. sieh mal! Jetzt wird ihnen vor sich selber schlecht! Musik Aei 9ück Man sah... das Qesicht dec neuen 9(eccenschicht JiuüatuceH on Iwan Heilbut /. Nordisch Als ich in die nordischen Länder reiste erwartece ich, >rt alle Menschen mit einem umgehängten Schild zu finden, f dem zu lesen wäre: Garantiert nordisch. Aber nirgends las ich in den nordischen Landern dies ort. Audi hörte ich es nirgends. Ls wa..gerade so, als iß.en die Leute dort nicht, daß sie nord.s* waren Als ich aber nah Deutschland kam, riefen alle Leute, ir sind nordisch, wir sind ansc 1.. Wer bat ie einen Löwen rufen hören: Ich. der Lowe... J rvi... Arr sich in einen Löwen verkleidet, hat ier der Dilettant, der sien i»..- y» .irö ein Schild umzuhängen, damit sein l ubli- en Grund, s.d. ein Set' j,,. Me; ne Herrschaften, im erkennt, was er vorsirun i bin ein Löwe. //. Französisch Als ich nach Frankreich reiste erwartete ich. dort alle /\is mi zJiSmnfeud zu finden: Ah, unser ute auf Deutsi i an„gdiate Krieg, damit wir ihn ver- bfeind, wann kommt der nacns.e SohStL, sondern folgendermaßen redete midi der erste Franzose— es war ein Eisenba beschaffner— hinter Kehl an: Wann werden wir uns wieder Feinde titulieren müssen, mein Freund? In meinem Sdiullesebuch, in illustrierten Jugendbüchern und in vielen andern Schriften hatte ich die französische Nation als ein Volk wilder Bestien kennen gelernt, das als Morgen- und Abendgebet den Himmel um die Vernichtung Deutschlands anruft. Ich wundertö mich daher, daß es einen freundlichen Franzosen gab. Im Laufe der nächsten Tage mußte ich meine Meinung über Frankreich radikal revidieren. Immer wieder fragte man midi: Wann werden wir uns wieder Feinde titulieren müssen, mein Freund? Ich antwortete jedesmal: Hoffentlich nie, mein Freund. ///. Deutsch Als ich nach Deutschland kam, las ich in allen Zeitungen, hörte ich im Rundfunk, aus dem Munde von Ministern und großen Persönlichkeiten, auf Straße und in Lokalen von einfachen Menschen: Wir sind friedliche Leute. „Die andern wollen nai nicht in Frieden lassen," sagen die Deutschen,„leider— denn wir sind friedliche Leute." Wenn sich aber ein deutscher Mann mit mir unter vier Augen befand, zwinkerte er mir zu lind deutete mit dem Daumen über die Schulter: Wissen Sie, was in der Fabrik dahinten, fabriziert wird? Parfüm. Wer es einatmet, hat keine Sorgen mehr. Wir sind friedliche Leute, sagen die Deutschen. Und fabrizieren Gasbomben und Granaten. /V. Wölfe als Nachbarn Aber das scheint ein Mißverständnis zu sein? fragte ich einen Franzosen. Aus Furcht vor einem Angriff rüstet ihr und rüsten die Deutschen zum Krieg. Denn— es ist nieb» abzustreiten— auch Frankreich rüstet. Der Franzose sagte: Wie würden Sie einen Menschen nennen, der eine Schlittenfahrt durch russische Wälder macht, ohne seine Flinte mitzunehmen? Man braucht in Afrika leichte Kleider, in Südamerika Moskitonetze, man braucht auf See einen Steuermann, in der Wüste Wasser—: So braucht man Kanonen, wenn man als Nachbar eines Volkes lebt, das den Menschen zur Nummer, das ganze Leben zum Rekrutendienst entwürdigt Die Deutschen heiligen den Tod. Wir lieben das. Leben. Aber man muß sich leider auch mit fremden Gedanken bekanntmachen, wenn sie einen, wie Wölfe, bedrohen. I 'öl*« m oiirmzaitan Nr. ICD Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Samstag, 1«. Dasembnr IM* Preußischer Kommiß II 99 Soldatengeschichten/ von August Winnig August W innig. der Verfasser der vor dem Kriege erschienenen Schrifl„Preußischer Kommiß" 1, ist heute glühender Nationalsozialist. Kr dient der braunen Sache in Vi ort und Schrift, unter Preisgabe seiner Vergangenheit. Kitist. als junger Proletarier, war er zum Sozialismus und zur Sozialdemokratie gekommen, bewegt von den hohen Gedanken der Freiheit und der Menschenrechte. Ks gelang ihm, im freigewerk- inhaltlichen liauarbeitervrrband einen führenden Posten zu gewinnen. Nach der Umwälzung von 191!I wurde er(Jbcrpräsidcnl in Ostpreußen, damals freilich schon in seinem allen Bekenntnis zögernd und schwankend. Sein politisches Kode in der Republik führte der Kapp-Pulsch vom März 1920 herbei. Ks erwies sich, daß er der zweideutigen Haltung der Reichswehrkommandeure in jenen kritischen Tagen\ or- schub geleistet halte. Dann rutschte August Winnig immer weiter nach rechts. Er wurde der Vertrauensmann Hilgenbergs»ml Stinnes. für deren Blätter er seine flinke Feder cn Bewegung setzte Heute ist er einer von den 110 Pro zentigen: wildester Nationalsozialist, begeisterter Militarist und nationalsozialistischer Schriftleiter Sein Buch..Preußischer Kommiß" hat er längst verleugnet, weil es die denkbar schärfste Anklage des railila ri'tischcn Kadavergehorsams darstellt, zu dessen Anbetern er heute gehört. Ein Grund mehr liir uns. unseren Lesern einige Kapitel aus dem Buche August Winnie vorzulegen. Finale 17. Fortsetzung Zu diesen gehörte auch Vyth. Er hatte sein Koppelschloß hergeben müssen und hatte sich nun um den Leib Bindfaden geschnürt, damit das Riemenzeug zusammenhalten sollte. Aber mehrere Male riß das Bund und dann mußte er seinen Nebenmann bitten, es ihm flicken zu helfen. Dabei gab es kleine Stockungen und auch hin und wieder Spottreden, die zwar nicht schlecht gemeint waren, aber dem Vyth doch wehe taten. Aber er klagte trotzdem nicht. Schweigend ging er, aufrechter als mancher andere, seinen Weg. Ich hatte recht viel Mitleid mit ihm. Er war ja unschuldig und wußte, daß er für einen anderen büßte, und daß ihn dieser andere, den er nicht kannte, büßen ließ, das mochte ihn vielleicht mehr drücken, als der lose hin und her rutschende Riemen, der die Hüften wund scheuert. Nach einer Weile wechselte Seele seinen Platz und kam ztt mir. Ich wußte, daß ihm das Gewissen schlug, und daß er sich mit mir aussprechen wollte. ..Junge, das ist eine dumme Geschichte, was?" fing er an. „Ja,'" sagte ich.„es ist eine ganz dumme Geschichte." „Aber was soll ich tun?" „Du mußt ihm das Koppelschloß ersetzen." „Ich will ihm die Koppel mit einem starken Riemen zusammenziehen, das hält, bis wir an den Kompanie wagen kommen." „Das wird wohl genügen. Du würdest Dich auch verdächtig machen, wenn Du ihm das Schloß gäbest." „Natürlich!" Ich sah Seelen prüfend an:„Exerzieren so[l er aber für Dieb, was?" „Ja, denkst Du, ich sollte mich melden?" fragte Seele unsicher. „Richtig wäre es sWton," erwiderte ich. „Ich habe daran gedacht; aber da ist die verfluchte Einsperremanier des Alten. Denke Dir, daß ich die drei oder fünf Tage absitzen müßte, wenn die anderen auf Reserve gehn, wo die Trude seiton ganz genau weiß, wann ich nach Hause kommen muß." „Das ist die alte Geschichte, daß uns die Weiber hindern, Männer zu sein." Seele schwieg und warf sein Gewehr ärgerlich über die Schulter. Nach einer Weile, in der ich ihn ganz ungestört gelassen hatte, fing er wieder an:„Sag" mal, wie oft sind wir schon für einander eingestanden, ohne daran zu denken, daß es unrecht sei!".>. „Haben wir getan, Seele, Du und ich. Und das gehört sich auch so." „Und er kann das auch dies einemal Inn. Jetzt er für einen anderen, später mal ein anderer für ihn. Das muß sich ausgleichen. Und dann wird es ihm ja leichter als mir. Bei ihm rechnen die drei Tage in die Dienstzeit, denn er hat noch ein Jahr zu dienen." Der Regen fiel noch immer mit der gleichen Hartnäckigkeit. Wir waren gut zwei Stunden marschiert und troffen aus allen Nähten. Ucber unser Marschziel herrschte allgemeine Ungewißheit. Man rechnete mit der Möglichkeit, heute noch mit den feindlichen Spitzen Fühlung zu bekommen. Schon tauchten wiederholt Meldereiter auf, die durch unseren Gesichtskreis trabten und uns zeigten, daß wir uns dem Feinde näherten. Wir wünschten uns. recht bald mit ihm zusammenzukommen, unseren Führern alter soviel Vernunft, sich heute auf kein Gefecht einzulassen. Es war etwa neun Uhr, als wir an der Spitze unserer Marschkolonne eine Bewegung merkten. Meldereiter waren angekommen. Adjutanten geloppierten über das Feld, und unser Oberst kehrte von einem Vorritt zurück. Bald schwenkte da« dritte Bataillon links, das erste rechts ah, und wir stiegen in eine Mulde hinunter, in der ein kleiner Weiler von etwa zwanzig Häusern lag. Dort verteilten wir tyts; unsere Kompanie zog hinter ein Gehöft, das uns indessen noch nicht genug Deckung zu bieten schien, wir zogen uns noch etwas weiter zurück in ein hohes Maisfeld, wo wir zunächst mit vollem Gepäck stehen blieben. Aber es zeigte sieh nichts vom Feinde. Nach einer halben Stunde konnten wir die Gewehre zusammensetzen; nach einer weiteren halben Stunde die Tornister ablegen und zuletzt-ar statt der schweren Helme, die uns halb maskierten, die trockenen Feldmützen aufsetzen. Aber der Regen rann weiter. Einige.hatten es versucht, sich zii setzen, aber in dem nassen Zeug litt es sie nicht lange auf der Erde. So standen wir umher und schimpften über die Manöver im allgemeinen und über die kaisermanöver im besonderen. Jochimsen halte sich fortgeschlichen und hatte in den Tagelöhnerkathen eine Frau getroffen, die uns eine Flasche Schnaps verkaufen wollte, aber er hatte leider, wie immer, kein Geld. Als er indes utfF der Nachricht kam. wurden die paar Groschen schnell zusammengebracht und Jorliintsen ging mit geschickter Gcläudehenutzung vor, um den willkommenen Sorgenbrecher zu holen. Er brachte ihn glücklich heran. Die Flasche kreiste und entfesselte mehr Freude als eigentlich gerechtfertig war. denn der Schnaps war ein ganz gemeiner Fusel. Man wurde auf uns aufmerksam, und Novack, der sich noch über den Streich vom Morgen ärgerte, meldete es dein Hauptmann, der ein prinzipieller Feind alles Schnapses war, den er nicht selbst trinken konnte. Er ging sofort auf die Denunziation ein und befahl Novack. uns die Flasche fortzunehmen, dazu schickte er noch ein prasselndes Donnerwetter herüber. Hans, der Geisterlänzer aus Lüneburg, hatte bisher noch nicht getrunken, und als er nun Novack kommen sah, packte Im eine verzweifelte Angst, er könne überhaupt nichts mehr bekommen. „O. lang ihn mir doch schnell mal her, der Frosch kommt, der nimmt uns den Buddel fort!" rief er heftig. Er erwischte die Flasche glücklich, und obwohl der Frosch mit lautem Schimpfen auf ihn zusteuerte, setzte er an und trank. Er war ein langer Kerl, und sein Kopf mit der Flasche vor dem Munde überragte den Mais, so daß ihn der Hauptmann ganz gut selten konnte. Als Novack ankam, ging Hans, ohne die Flasche abzusetzen, langsam rückwärts, mit verklärtem Gesicht schluckend. „Sie sollen die Flasche hergeben! Hören Sie nicht?" schrie der Frosch zornentbrannt. „Hier, Herr Unteroffizier, sie ist gerade leer geworden," sagte Hans und leckte sich die Mundwinkel aus. Novack sah ihn giftig an, nahm die Flasche und steuerte dem Hauptmann zu. der wieder eine Schimpfkanonade wider uns losließ.^Ä'ir kehrten uns nicht daran. Nie war uns der Alte so verhaßt gewesen als in diesen I agen. Wir hatten eine Regcnnacht auf freiem T eitle hinter uns, hatten nichts gegessen, und nun gönnte er uns auch diese kleine Erwärmung nicht. Nicht Ictnpcrenzlerischc Besorgnis um unsere Gesundheit trieb ihn an— er selbst war ein starker Trinker— Sondern Roheit und Haß. Wir machten aus unserem Herzen keine Mördergrube und murrten laut. Als Hans zu ihm kommen mußte und er ihm drei läge zudiktierte. da wunderten wir uns gar nicht, wir ärgerten uns auch nicht. Ein Haß und ein Trotz beseelte uns, durchwärmte uns mit lodernden Flammen, so daß»er uns freuten, wieder neue Nahrung für das Teuer gefunden zu haben. Hans kam mit zornglühendem Gesicht zurück. ..Drei Tage als Reservist! rief er laut. Wir quittierten darüber mit schallendem Gelächter und Hans lachte mit. Es war nicht das Lachen der Bosheit, der Schadenfreude, es war das heilige Lachen der Solidarität, der Ausdruck unseres Bewußtseins, daß wir verbunden a getretene und geknechtete Geschöpfe keine andere Waffe hatten, als unseren Haß und unsere Verachtung. Der Hauptmann hörte es. Er richtete sich hoch auf und kam heran. Am Bande des Maisfeldes blieb er stehen cinel sah uns drohend an Wir wichen seinem Blicke nicht aus. Es lag in diesen Minuten eine Stimmung zwischen uns, die alle die tönenden Phrasen von der Waffenbrüderschaft aller Glieder des Heeres in ein Nichts auflöste Mit dem Manne, der da vor uns stand, verband uns nichts weiter, als tausend Fäden eines großen, glühenden Hasses. Der Rest von Selbstbesinnung, der dem Hauptmann bei allen seilten Wutausbrüchen blieb, ließ ihn langsam unikehren. Träge schlich die Zeit hin. ohne daß der Regen merklich nachließ Ein paar Flintenschüsse waren gefallen, ein paar feindliche Reiterpatroillen gesehen worden, sonst geschah nichts, was etwas Abwechselung hätte bringen können. Wir vertrieben uns die Zeit mit Spott- und Schimpfreden auf Anwendbar Ein weich verpackter, ein fein befrackter. Nicht sehr intakter Charakter. Den Vers, den hab" ich im Vorrat gemacht. Ganz ohne Objekt: ich halt halt gedacht. Ich mach ihn einmal, er wird schon passen, Man kann ihn brauchen in allen Gassen. Friedrich Theodor\ ischer. Die? Gesetze sind schon an der Quelle dadurch vergiftet, daß »je von reichen Leuten gemacht werden. B. Shaw. den Hauptmann und die Unteroffiziere, von denen wir besonders den Novack haßten. Er war jünger als die meisten von uns, ein Unteroffiziersehüler, der vom Leben nichts weiter kannte, als die Kaserne und was damit zusammenhing. Darum meldete er gern auch kleinere Verstöße, um die sich ältere Korporale gar nicht kümmerten, und w*r heim Dienst streng bis zur Grausamkeit, Besonders die kruten stieß und knuffte er gern, sobald er sicher war, daß sie sich nicht darüber beschwerten, während er die aufrechten Leute nach Maßgabe der Dienstvorschriften malträtierte. Endlich ertönte das Kommando zum Abmarsch. Die Tornister waren noch schwerer geworden. Mantel und Zeltbahn hatten sich ganz voll Wasser gezogen. Wie Bleiklnmpen lasteten die Dinger auf dem Rücken. Die Helme fielen uns iiher den Kopf und verdeckten uns buchstäblich die Augen- Dazu waren wir bis iiher die Knie mit Schlamm bedeckt, einige hatten den Schmutz bis zur Hüfte sitzen. Seit zwei Tagen hatten wir uns nicht mehr gewaschen. Es war ein jämmerlicher Anblick, als das Bataillon wieder auf der Mulde herausstieg und die Chaussee entlang zog. Nach einem halbstündigen Marsch bogen wir wieder ab. Es ging einen aufgeweichten Fehlweg entlang, an dessen Ende bereits das erste Bataillon hielt, während das dritte über die Chausse gezogen kam und ebenfalls in den Feldweg einbog. Zur Linken war eine weite, von vielen Gräben durchschnittene Wiesenehene. An ihrem westlichen Horizont zog sich eine geradlinige Lrliöluing hin, ein Bahndamm oder so etwas ähnliches. Vereinzelte Schüsse fielen aus jener Richtung; es sollte also wirklich ein Gefecht geben. Wir hielten und lösten uns in eine dünne Schützenlinie auf. das dritte Bataillon links neben uns: das erste blieb geschlossen und marschierte, durch eine flache Mulde und etwas Buschwerk notdürftig gedeckt gegen den Wall>m Westen vor. Das Feuer wurde lebhafter und wir mußten vorgehen. Der Wiescnhoden war ziemlich fest und das Vorgehen daher nicht beschwerlieh. Das Feuer, immer stärker werdend, genierte lins nicht, es waren ja unschädliche Platzpatronen. Die berittenen Offiziere schlugen ihr kostbares Leben in dir Schanze; es ging ja für Vaterland und König- Jetzt erdröhnten von drüben auch Kanonenschüsse. Wollte 1* die uns aufhalten? Da hatten sie sich verrechnet. Kanonenfeiier schreckt uns nicht. Kühn blicken wir ihm ins Gesicht! So stand es auf dem Kasernenflur geschrieben. Aber auch das—..Kühn" ihm„ins Gesieht blicken"'— taten wie nicht einmal, denn die Helme hinderten uns daran. Wozu auch? Wir würden sie nachher aus dichter .Nähr sehen. Darum gingen wir fest und bedächtig vor, unterhielten uns, schimpften, fluchten und ließen die dum- men Kerle schießen, da es ihnen anscheinend so befohlen war. Der Wall;die Kühlung des Feindes, war ungefähr zweitausend Vieler entfernt. Nachdem wir einige Hundert zurückgelegt hätten, sperrte uns ein breiter Graben den W eg. Einige übersprangen ihn, obw ohl er reichlich zwei Meter breit war. Der Hauptmann trieb an. und wenn and» manche suchend hin und Ii er liefen, sie mußten den Sprung wagen. V iele verfehlten den rettenden Band und maßen die Tiefe, sie betrug etwas mehr als ein Meter. Seele, dick und kurzbeinig, sprang natürlich aueh mitten hinein und ließ unglücklicherweise auch noch das Gewehr hineinfallen. AI' er es herausgeholt hatte, war er Iiis zum Hals völlig im Wasser gewesen und konnte nur mit meiner Hilfe aus dem Graben herausklettern. Der Alle stand dabei und schimpfte über die voilgesogene Wauze, der er bald Beine machen wolle. Seele schüttelte sich und wir liefen keuchend hinter der Linie her. die bereits einen guten Vorsprung gewonnen hatte. Kaum hatten wir sie eingeholt, so standen wir wieder vor einem Graben. Seele sah mich kläglich an. Ich nahm ihm das Gewehr ah. damit er besser hin überkomme. Er wischte sieh den Schweiß ah, sah Sich noch einmal um und wagte dann eleu Sprung. Das Wasser spritzte hoch auf, Seele saß richtig wieder mitten drin. Er war ohne Gewehr noch schlechter g e" Sprüngen. Ich reichte ihm sein Gewehr hinüber und sprang dann nach. Wir trotteten weiter, und dabei feuerte der Feind, was das Zeug halten wollte. Ab und zu knieten wie nieder und gaben einige Schüsse alt. Im Ernstfall wäre unser Angriff bei diesem Vorgehen längst zerschellt gewesen. oder hätte wenigstens angesichts der Gräben abgebrochen werden müssen; aber es war ja nur Spiel, und da gilt die Spielregel: Vorgehen, feuern, wieder vorgehen und wieder feuern und zuletzt mit Hurra auf den Feind! So wollte es das Herkommen und darum mußten wir die ganze Ebene durditrottcn, zu Wasser und zu Laude. Bald kam wieder ein Graben und wieder forderte er seine Opfer. Ein Viertel der Mannschaft plumpste regelmäßig hinein. Seele machte heim dritten noch einmal einen Versuch; er mißlang. Nun war ihm alles gleich. Beim vierten, fünften, sechsten, siebenten und achten Graben nahm er gar keinen Anlauf mehr, er ging einfach an dem einen Ende hinein und an dem andern hinaus, und wie er, so taten noch viele. Als wir den achten Graben hinter uns hatten, trennten uns noch etwa fünfhundert Meter von der feindlichen Stellung. Wir waren völlig ungedeckt, und der Feind, von dem wir itiiit endlich die Heinispitzen und Ge- wehrläufe deutlich erkennen konnten, markierte, um nicht unnötig Munition zu verschwenden, Schnellfeuer. Eine Batterie am rechten Flügel nahm sich unser erstes Bataillon vor, dessen Führer die Einbildung nicht los werden wollte, daß er gedeckt sei. Wir legten uns in das nasse Gras und feuerten, machten einige lange Sprünge und kamen so bi' auf zweihundert Meter an den Feind. Dann bliesen die Hornisten zum Sturm. So ärgerlich und ermattet wir waren diese Komödie löste doch Lachen aus. Das war dem doch zu stark. Wir existierten ja eigentlich in militärischem Sin" L' gar nicht meltr, waren ganz jämmerlich in die Pfanne gehauen worden, alter der Sturmangriff mußte doch erledigt werden. V VU' V* V 1 vm ende der nottenkonlcrcnz Bas Wettrüsten zur See Deginni mntt schon längst erwartet hatte, wird nun endlich offiziell bekannt gegeben. Tie Vorbesprechungen sür die uÄkisijälirjge Flottenkonserenz, die zwischen England. Anierita und Japan seit Ende Oktober stattgesunden haben, lind nunmehr auf unbestimmte Zeit vertagt worden. S i r I o 0 ii«imbn hat zwar in einer stiebe den Eindruck zu erwecke» versucht, als ob in einiger Zeit neue Besprechungen stattfinden würde», aber es hat doch den Eindruck, das» die Besprechungen endgültig gescheitert sind Wenn ei» Teil der londoner Presse ans Grund de» oisiziellcn Optimismus hervorhebt, daß die drei Mächte nach wie vor Anhänger einer Begrenzung der Seestreitkräfte seien, so kann man dies lediglich als einen Versuch bezeichnen, die wirklich ernste Vage zu verschleiern. Selbst Premierminister Mac- Donal muhte in der letzten Vollsitzung zugeben, dast d'c Vertagung der Vorkonferenz den Grundsatz der Rüstungsbeschränkungen zur See gefährde. Tie Konserenz mußte scheitern, nachdem der Vermitt- lnngsversuch Englands zu keinem Erfolg geführt hat, und Japan hartnäckig auf seiner Forderung bestand. Ter Aus- gang der Konferenz war schon seit Wochen vorauszusehen, nachdem die japanische Regierung in aller Oes'cnllichkeit Vm ungarisdtcn Pariamen! Antifaschistische Kundgebung Budapest, 21. Tczcmbcr 1984. Ter italienische Minister tiir die Korporationen. Asquini. der sich gegenwärtig in amtlicher Mission hier aufhält, hatte sich am Mittwochabend um 0 Uhr zum Parlament begeben, n>o er von der Tiplomatentribune aus den parlamentarischen Verhandlungen beiwohnen wollte. In seiner Begleitung be- iand sich der italienische Gesandte in Budapest. Fürst Eolonna. Als beide die Tribüne betraten, erhob sich der sozialdemokratische Abgeordnete Buchinger von seinem Platze zu einer antifaschistische» Kundgebung. Nach einigen erregten Worten rief er mehrere Male:„Nieder mit Mussolini! Nieder mit dem faschistischen Land! Es lebe die italienische Demokratie!" Präsident Besscney läutete sofort mit der Glocke und rief Buchinger zur Ordnung, der de» Saal verliest, während die andere» Parteien, und insbesondere die Mitglieder der Regierungspartei der„Nationalen Einheit", gegen die Haltung ihres Kollegen protestierten. Asquini und Fürst Eolonna blieben noch einige Minuten ans der Tribüne, dann verlieben sie ohne Zwischen- fall das Parlament. J'vmsdis Be'ranwig Die Pariser Presse über die Vorgänge in Jugoslawien (Von unserem Korrespondenten) , Paris, 21. Dezember. Tic Betrauung des bisherigen jugoslawischen Austen- Ministers hat liier keinerlei Ueberraschung hervorgerufen. Man war sich von Anfang klar darüber, dast alle Be- strebnngen, Jugoslawiens Austenpolitik in einer anderen als der bisher verfolgten Richtung zu orientieren, zum Scheitern verurteilt sein würden, und man weist, dan Jevtiisch der eifrigste Vorkämpfer dieser bisher so erfolg- reichen Politik ist. Man ist einmütig der Auffassung, dast es Jcvtitsch ge- lingen wird, das Kabinett zu bilden, und man begrüstt seine Absicht, auch einzelne Oppositionsführer>n die Regierung hineinzunchme» und deren Basis dadurch zu ver- breiter». Während die hiesige Rechtspresse dieser„Ratio- nale» Union" das Wort redet, äustcrt A n d r e V c r o u v im Populaire" mancherlei Bedenken über die«tabilitat eines solche» System zurückkehre», dem Jugoslawien seine demokratischen System zurückkehren, dem Jugoslaivie» seine Entstehung verdanke, und ohne dast es zusammenbrechen müsse. lieber die Vorgeschichte der jugoslawischen Regierungskrise weist Gcneviöve T a b o u i s im„O e u v r c" recht interessante Einzelheiten mitzuteilen. Tanach habe Vize- Präsident Marinkovitch. Jevtttschs persönlicher Feind, habe bei dessen Rückkehr aus Genf eine Eampagne entfacht, deren Zweck es gewesen sei, das im Streit gegen Ungarn vor dem Völkerbund Erreichte herabzusetzen. Zu diesem Zeit- Punkt bat Kanna in Budapest seinen vertraute,, Freunden ßcflcuiiber erklärt:„Laval wird nie nach gehen, denn vor seiner Reise wird es in Jugoslawien zu ernsten innere,, Verwicklungen kommen, die ihn daran hindern werden. Wenn man daran denkt, wie eifrig die h i t l e r d e» t s ch e Propaganda gerade in Belgrad arbe,rct, dann ivird man verstehen, dast nicht nur Herr von Kanna nicht gerade begeistert ist über die Lösung, die die jugo- slawische Regierungskrise durch ein Kabinett des franko- philen Austenministers Jcvtitsch findet. 5Ä«!erMelle!> de! erroen Paris, 21. Dezember 1984. Tie bekannten Automobilwerke Eitrocn. die noch Ansang dieses Jahres eine bedeutende Erweiterung ihres Unter- nehmens in Paris vorgenommen haben, mußten nunmehr ihre Kobliiiiaen einstelle». Tic Firma Eiiroen hatte IN den letzten Monaten mit gröberen AbsatzschwieriakBE kämpfen gehabt, und dementsprechend sind die Papier, dicies bedeutendste., französischen Unternehmens an der Pariser Börse schon seit einiger Zeit stark gefalle». Tie Firma mr- suchte, größere Kredite zu erhalte», aber die diesbezüglichen S'Ä"Ä", SÄc«.*»d-- I----■ Si*&'ÄÄ zu'°h?n?er l e g e>, n n d d i e gerichtliche L i a u i- Gefahr"der EnUast'nng für mehrere tausend Per- o wird wahrscheinlich die Regierung, trotz Ablehnung des Gnbventionsantrages versuchen. Mittel und ...» m die Schließung d i e, e s auch fü'r d i e Lande svertelbigungwichtigenUnter- » ehmenS zu vcrmc idc n. erklärt hat, dast sie das Washingtoner Flyttenabkvinmen kündigen werde. Nun wird jetzt ans Tokio offiziell ge- meldet, daß die japanische Regierung den Mächte», die das Washingtoner Klottenabkommen unterzeichnet haben, a m 2 7. Dezember eine Note überreichen w e r d c, in welcher sie das Abkommen kündig t. Gleichzeitig wird eine»c»c Negluug des japanischen Marineministers, Admiral O s n n> i, bekannt, der be- tonte, daß d«c sst, d»e japanische Flotte vorgesehene Mittel genügten, um Amerika gegenüber das Gleichgewicht zu halten. Tic Verstärkung der Unterseeboote und nötigenfalls auch der grostcn Kreuzer werde sich nach der Erhöhung dieser Einheiten richten. Damit gibt der japanische Marine- minister offen zu, dast das Scheiter» der Londoner Flotten- besprechungen zu einem Wettrüsten der beteilig- t c n Mächte zur See führen wird. Das Washing- tvner Abkommen läuft zwar automatisch noch zwei Jahre weiter, aber dicS wird ivohl keine» Einfluß auf das See- Wettrüsten haben. Hingegen steht es noch nicht fest, ob Amerika innerhalb dieser Frist zur Befestigung ver- schiedener Stützpunkte im Stillen Ozean schreiten wird, was nach dem Washingtoner Abkommen bisher verboten ist. Ii tters Atißenpoütfgf vor witiiHgen Enisdie dangen (Von unserem Korrespondenten! Paris, 20 Dezember. Lavals Rede vor dem Senat findet die Zustimmung der gesainten Oesfentlichkeit. Einmütig stellt man noch einmal fest, dast dank seinem Eingreifen in der Saartrage eine Eni- ipannuiig herbeigeführt und ein Konflikt zwischen Jngosla- wie» und Ungarn verhindert wurde. Man hat nichts da- gegen einzuwenden, dast Laval baldige Gespräche mit Berlin in Aussicht stellt, und man hebt allgemein die starke Posotion hervor, in der sich Frankreich bei diesen Verhandlungen durch sei» in Genf getroffenes Abkommen mit Sowjetrust- land befindet, das beiden Vertragspartnern verbietet, Ton- derabkommen zu schließen. Damit ist— das ist die überein- stimmende Meinung der gesamten Presse- Frankreichs Weg für die Verhandlungen mit Teutschland vorgeschrieben. Teutschland ist jetzt vor die Frage gestellt, ob es den Ost- patt, den es im Jahre 1984 abgelehnt hat, im Jahre 193.1 unterschreiben, ihm beitrete» will. Frankreich wünscht kerne» Vertrag allein mit Rußland, es will auch keine Entente allein mit Italien,- es lehnt ganz und gar irgend ein ein- oder zwe»se»tiges Abkommen mit Hitlerdeut chland ab. TaS Endziel der sranzösifchen Außen- Politik ist, Europas Frieden durch ein Ney von Verträgen zu sichern, in die letzten Endes alle europäischen Mächte ein- bezogen werden sollen. Darum steht sür Laval nicht die Frage Berlin oder Moskau zur Diskussion, sondern vielmehr ein Ausgleich zwischen Berlin und Moskau. Das wird die schwere Frage sein, die sich die Wilhelinstraste i» der nächsten Zeit vorlegen muß Wünscht sie die Befreiung aus der Isolierung, i» die sie durch Hitlers Schuld hinein- geraten ist, wünscht Hitlerdeutschland wieder in de» Kreis der internationalen Verhandlunge» als entscheidender Fat- tor eingegliedert zu werden, dann muß es die Träume des Herr» Alfred Rosenberg Träume sein lassen, dann darf es in Zukunft nicht mehr heißen:'„Ge>« Osten laßt uns reite»!" Dan» steht Hitlerdeutschtand an einer Wende seiner Politik, die den Bankrott der nationalsozialistischen Ideen auch in der Außenpolitik besiegelt. Wie sieht es um das Sic Die Verhandlungen Stödten Hin und wieder vernahm man etwas von neuen Koiikor- datsverhandlungrn zwischen dem Heilige» Stuhl und den Delegierten de»„dritten Reiches". Jetzt aber scheinen sie völlig zu ruhen, und zwar im Hinblick auf die Saar ab- stimm»»g, die sowohl in Rom wie in Hitler-Deutschland sür den Fortgang der Besprechungen entscheidend sei» wird. Im Vatikan ist man mißtrauischer und vorsichtiger als je. Die deutschen Bischöfe, die am 29. Juni ein vorläufiges Ab- kommen mit de» Delegierten des ReichSinnenminifteriums unterzeichnet hatten, sahen sich durch die Ereignisse des 39. Juni i» einer überaus peinlichen Lage. In Rom hat man das Abkommen nicht ratifiziert. Jetzt werden die Bischöfe keine Verhandlungen ohne enges Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl mehr führen. Hier verzeichnet man sorgfältig die Fortschritte des„Neu- Heidentums" im„dritten Reich". Dabei ist man weniger in- teressiert an der„Deutschen Glaubensbewegung" des Wotan- Professors Haner, sondern an Herrn Alfred Rosen- berg. Erst neuerdings hat man seinen„Mythus" zum ossi- ziellen lknterrichtsbnch in den Schulen proklamiert. Dieses von Kirchen- und Papstseindlichkeit diktierte Buch wird aber auch aus einem anderen Grunde sehr wichtig genommen. Man weist, daß Rosenberg der weltanschauliche Leiter und Intimus des„Führers" ist, der ihn mit der Knlturdiktatnr beauftragte. So lange dieser Geist im„dritten Reiche" ge- pflegt werde, gebe es, so meint man in Rom, gestützt aus Erfahrung, kein ernsthaftes Konkordat mit wirklichen Rechts- garantien. Man erwartet aus Rom eine große Weih nachtsbot- scha st. Eingeweihte wolle» wisse», daß sie in einige» Punkion, die die Beziehungen zum„dritten Reich" berühre», sehr offenherzig und entschieden sein wird. Der,.Führer" wider Chrft'us London, 21. Dezember. Ter„Manchester Guardian" besaßt sich in einem ausführ- liche» Artikel mit der ,.Neuheiden"-Bewegung im„dritten Reich", und teilt mit das, die M»gliedrrzahl aus insgesamt 2 b>s 3 M'll'onen geschätzt w'rd. Von der obersten Nazifiih rung seien es vor allem 2! o s e» b e r g. D a r r e, S ch i r a ch Dcuksdie Sparsamkeit Und Heldenkeller im Führerhaus Auf einer Kundgebung der„deutschen Arbeitsfront" im Sportpalast sagte Staatskommissar Hinket: „Wenn besonders kluge Geister mit dem National- svzialismus als solchem znsrieden wären, aber erklärten, dast man z. T. mit der Devisen- und Rohstofsrage nicht serlig würde, so sei ihnen nur entgegengehalten: wir haben im Kampf gelernt, ohne Geld, und ohne Propagandaniiltel unseren Kampf zu führen. Wen» jeder einzelne versuche, dem Vorbild des Führers auch nur ähnlich zu werden, dann werde man sich, wenn es die Welt so wolle, im nationalsozialistische» Deutschland eben nur jedes dritte Jahr einen neue» Anzug leisten." Dieses Zitat entstammt einem Bericht des„Berliner Tage- blalts. Das gleiche„Berliner Tageblatt" läßt sich aus München melden: „Seit dem vorigen Jahr find die Häuser und Gärten, die sich längs der Ostseite der Areisstraste hinzogen, verschwunden. Eine gewaltige Baulücke ist entstanden, in ihr sollen nun die beiden Kolossalbauten der NSTÄP., der Flihrerban und der Berwälinngsbau entstehe». Beim Führerbai! sieht man im Kellergeschoß heute bereits die Räume sür die Küche und das Kasino sür 990 Personen, beide von Tageslicht erhellt, fertiggestellt. In beiden Baute» sind selbstverständlich die Luftschutzkeller mit besonderer Umsicht konstruiert, sie haben fünffach gegossene Betondecke» von 2,5 Meter Dicke. Unterirdische, wegen des Grundwassers stark um- mauerte Tunnel werden vom Führerbau 9,5 Meter tief in der Erde zum Verwaltnngsbau und zum östlich benach- harte» Brauen Haus führen. Eine Fernheizzeutrale, die sämtliche im Gebiet des Braune» Hauses liegenden Partei- gebäude versorgen soll, wird in der Karlsrraste gebaut werden: ihr werden hier demnächst:»och einige Häuser Platz zu machen habe». Am weitesten baulich sortgeschritten ist das Führerhaus, dessen Fassade, aus uute.rfränkischeni Muschelkalk, stellen- weise schon steht Auch der Kongreßsaal, der 799 Personen fassen soll, deutet seine amphitheatralische Anlage heute schon an. Ebenso sieht man in einem der große» Treppenhäuser bereits die erste der tragenden Rundsäulen aus goldgelbem Juramarmor. Die Gesamtfront der beiden, 108 Meter voneinander culiernten Kolossalbauten mißt rund 250 Meter: ihre Höhe vom Boden bis zut Dachkästle wird 19,5 Meter betragen, der umbaute Raum jedes Hauses »2 099 Kubikmeter. Bis jetzt wurde» für beide Bauten verbraucht: 1329 999 Kilogramm Rundtisen, 099 999 Stück Klinkersteine. 030 090 Ziegelsteine, 4359 Tonnen Zement, 27000 Kubikmeter Eisenbeton. Der Erdaushub betrug 02 999 Kubikmeter. Und bis jetzt sind noch nicht einmal die Kellergeschcszi fertig! Des Volkes Rot bauet den Führern Häuser., Und das ist altes? Ein ölijähriger Kaufmann aus Kassel war vor eiuüzer Zeit in Schutzhaft genommen worden, iveil er als Nichlarier seit mehr als zwei Jahren zu einem arischen Mädchen in Beziehungen stand und mit diesem in einem geiuie.eten möblierten Zimmer abgestiegen war. In dein jetzt durchgeführten Gerichtsverfahren halten sich der Kaufmann und der Zimmervermieter unter der Anklage der Kuppelei und der A n st i s t u n g der K» p p e l t i zu ver- aiitworten Der Zimmervermieter wurde zu 59 Reichs- mark Geldstrafe verurteilt, während der Kaufmann von der Anklage der Anstiftung zur Knvnelei treiae- s p r ö ch est ivnrde. uus LeerS, die das Neuheidentum unterstützten.- An der Spitze aller Gruppe» stehe die„Deutsche ltzlanbensbeioe- gnug", die nicht zu verwechseln sei mit de»„Tenlschen Christen", der Führer der ersreren sei Professor Hauer, prominente Mitglieder seien die Professoren Bergmann, Wsrth und Günther, der berüchtigte„Rassensorscher" der Nazis. Das Blatt nennt weiter als einen der Führer der Anti-Kirchenbeivegungen den Grafen Reuen tlvw, dessen „Relchswart" eine Auflage von 28 000 Exemplare» habe: das Blatt von Dr. Mathilde Ludendorfs„Am heiligen O.ueil deiitscher«inst" habe heute eine Auflage von 31 999 Exem- plaren. Im Zusamnicnlrang mit den ausgesprochenen Neu- Heiben-Bewegnngen mit ihren 2—3 Millionen Mitgliedern können die„D e u t s ch e n E h r i st e n" nicht außer Acht ge- lassen werden, die mit allen Mitteln und staatlicher Unter- ftiitzung versuchen, die ganze Macht innerhalb der Evangeli- schon Kirche an sich zu reißen, und die bekanntlich sich eben- falls gegen das Evangelium ivenden. indem sie fundamentale Stücke beseitigt wissen wollen. lilndendsirs und ludcndsrii Ein überflüssiges Dementi Berlin, 19. Dezember. Zu den die Oesfentlichkeit in zunehmender» Mast er- regenden, tiesbedauerlichen literarischen Aus» e i n a II d t rs c tz II II g über Vorgänge im Stab des Ober- kommandof der VIII. Armee während der Sch l acht.be i T a n n e n b e r g am 20. August 1911 stellt das Reichswehr- Ministerium ans Grund einer im Reichsarchiv Vorhand.uen. vom verstorbenen Herr» Reichspräsidenten und Genera:- seldinarschall am 9. März 1933 persönlich unterzeichneten Auszeichnung fest, daß damals z w i s ch e» i h in.de in Oberbefehlshaber, und seinem G e» e r a l st a b s- ch e f, General Ludendorff, eine Mein»» g so e r- {chi c de n fielt über die Durchführung der Schlacht nicht b e st a n d e n hat. Wie sollen„Meinungsverschiedenheiten" bestand."! haben, wenn Hindenbnrg geruhig zusah, wie Lndendorss Schlachten schlug? Bei Tannenbera übrigens»geh den Plänen seiner Vorgängen Surcfts Oucßtoffi Immer noch braust cm„Sturm über Oesterreich''... Es bellt freilich nicht mehr der 1 Unenwerfer aus den Februartagen, der sich an den besten lind den friedfertigsten Arbeiterwohnungen der Welt siegreich erprobte. In den Kärntener Bergen pfeift keine heimtückische Nazikugel mehr. Der„Sturm über Oesterreich" ist doch geblieben, nomlich als der ein bißchen überfällig gewordene Titel der amtlichen Bundesschrijl der„Ostmärkischen Sturmscharen", die gewissermaßen als katholische. Trainabteilung der Starhembergsclien Heimwehr der ermordete Bundeskanzler Dollfuß ins Leben gerufen halte und die jetft. von Herrn Schuschnigg zu treuen Händen weiter exerziert werden. „Sturm über Oesterreich" das paßt so ganz ohne Stil zur jetjigen Situation in diesem Lande, wo jetft die trockene Autorität, der lederne Maulkorb. die verschraubteste ständische Ordnung eingekehrt ist, wie zum Nationalsozialismus etwa das positive Christentum. Ja, es ist ledern, trocken und dürr geworden im einst so hu.morf rächten und wort freien Oesterreich-' Fragt, aber nur die„Ordnung", die herrscht, nicht, wie sie aussieht! Selbst bei der obersten Regierungsspitfe. die sich keinem blind- ivütigen Parlamentarismus ausseift, den Launen irgendwelcher Wahlen und Abstimmungen sich entsieht und folglich ein Muster straffster Ausrichtung auf die Staatseinheit sein sollte,— sogar in dieser Spiljc weiß niemand anzugeben, was ein Pudel und was ein Spitj ist. Das Schicksal, das jetft jene militante Bundeszeitschrift„Sturm über Oesterreich" ereilt hat. ist für diesen Zustand chronischer Mißordnung im parlamentslosen Staat typisch:„Sturm über Oesterreich" hatte sich nämlich wackeren gut-europäischen Beivußtseins- zustandes mit in den Saarkampf in diesen Tagen gestürzt; die Gründung des Christlich-sozialen Volksbundes in Saarbrücken hatte seine Fantasie mit Recht so beschw ingt, daß kategorisch zum Schluß dieses äußerst lobenswerten Artikels wörtlich „Schluß mit dem ganzen Hitlerspuk!" verlangt wurde. Aber das ist ja nun eben die Ordnung des autoritären Staates, daß für ihn die Weltgeschichte variabel ist wie ein Variete- programm. das vierzehntäglich wechselt. Nämlich mindestens ein Teil der Regierungspitfc. vor allem der, welcher die Zensorbrille aufhat, war mittlerweile in diesen leljten vier- ze-hn Tagen mit fliegenden Fahnen in die Freundschaft mit jenem„Spuk" eingerückt. Was gescJiah also im Ordnungsstaat?! Verbieten kann man eine Zeitung night gut. die der Alt-Bundeskanzler Dollfuß selbst gegründet bat und an der der jetfige Staatsehef horh st eigenhändige Stiliibu ngen vornimmt; das wäre, als sollte sieh die Regierung selbst die Fensterscheiben einbauen Also wurde die hochverräterische Auflage des„Sturms über Oesterreich" nur..sichergestellt", wie die Zensurbürokralen den ganz gewöhnlichen Vorgang euphemistisch nannten. Daß unfreiwilliger Weise die Saar es war, die diese Abgründe der neo-austrischpn Regicrungsueisheit durchleuchtet hat, gibt der Sache noch einen besonderen, politisch nicht ganz wertlosen Reiz. Denn die Saar soll ja demnächst optieren, ob sie vorläufig ohne Verzicht auf ihr Deutschtum ein demokratisch verwildertes Regime, in dem leider bisher noch niemals ohne nachfolgende Strafjustiz totgeschlagen coerden durfte, behalten will, oder ob sie das Verlangen, mit diktatorischer und autoritärerer Zucht bedacht zu tverden, nicht zu unterdrücken vermag,— jener Zucht und Ordnung, die in Deutschland Erschießungen nur so„aus Versehen" gutheißt und hinsichtlich ihrer Zielsetzung ja noch immens aufgeklärter und kristallhcllcr ist als das österreichische Pendant. * Der Heilige Nikolaus oder, wie. man ihn, um mit der Los- von-Rom-Bewegung zu gehen, bedeutend arischer auch Knecht Rupprecht nennt, hat auch die Leipziger Kinder beschert. Er kam. modernen Anforderungen mit Recht Geniige leistend, durch den vom gleichgeschalteten Rundfunk kommandierten Aet.her daher gewandelt und seine tiefe Bischofsstimme vibrierte ein bißchen nach Mikrofon und Kopfhörer. Aber sonst war Nikolaus durchaus echt und vor allem zeitgemäß. Er registrierte nämlich, wie er durch den braunen Funkturm alle Weh wissen ließ, sehr gewissenhaft die Sehnsucht vom kleinen Paul aus Großzschocher bei Leipzig nach einem „Tank, der aber auch gut schießt!" Das Christkindchen als moralischer Rüsiungslie.ferant— in der Tat eine Erfindung, die dem„dritten Reiche" ebenso vorbehalten blieb, w ie die andere Idee, die dem Nachfolger des Kapuzinermönches Luther, dem Reichsbischof, einen leibhaftigen„StabsrJief" zur Seile stellte! F. E. Roth. Paris GüidfSIQtll 6 In Paris hat die fünfte Ziehung der National- Lotterie stattgefunden, und eine Anzahl neuer Millionäre können besonders fröhliehe Weihnachten feiern. Zum Unterschied nun von der..Preußisch-süddeutschen Klassenlotterie", die ja wohl alle Deutseheu kennen, werden in Frankreich nicht alle Gewinne einzeln gezogen, sondern gruppenweise. So erhalten diesmal alle Inhaber eines Loses, dessen letzte Ziffer eine sechs ist. einhundert Franken. Diese Sedis hat es aber diesmal ganz besonders gut gemeint. Das Los Nr. 807 106 gewinnt 500 000 Franken, das Los Nr. 417 746 wird mit einer Million Franken belohnt, und schließlich kann der Besitzer der Nummer 556 186 sogar das große Los im Werte von zweineinhalb Millionen Franken einkassieren. Glückliche„Sechser"! Deutscher Klub Am heutigen Sonnabend, dem 22. Dezember, um 21 Uhr":' Geselliges Beisammensein mit Tanz im Klublokal ,,Le Peristyle", 31 bis. Rue\ivienne(Metro: Boursc). Gäste willkommen. Eintritt für Mitglieder frei, für Gäste 5 Franken,(Stellungslose: 3 Franken). Die Weihnachtsfeier findet am Montag, dem 24. Dezember, um 21 Uhr in den Räumen„Prevost", 66. Rue de la Chaussee d Antin (Metro: Trintite) statt. Gastbeitrag: 6 Franken,(Stellungslose: 4 Franken). Die Sylvesterfeier vom 31. Dezember ist in den Privat- räumen unseres Klubmitgliedes Baronin Brault, 194, Bld. Malhesherbes. BRIEFKASTEN Züriiiicict. Füi die 50 Franke» zugunsten des Saorkawpfes Herz» lichcn Tank. Hosfeutlich folgen viele Ihrem Beispiel. T>c Zeitschrift„Freie Jngcnb" im Saarkamps. Tee Abstimmung^» lamps an der Saar nähert sich seinem Höhepunkt. Bon besonderer Bedeutung für den Ausgang dieser Schlacht gegen den Hitler- saschismus sind die breiten Schichten der in den letzten lä Jahren herangewachsenen Jugend. Tie Nazis suchen mil ollen Mitteln der nationalen Verhetzung, der sozialen Demagogie und der Korrupt» Pierling gerade die Jugend für sich zu gewinnen. Tcmgcgenüber hat die Jugend der Eiiihcilssroin unzweifelhaft in der letzten Zeit einen kühnen Vormarsch angetreten. Ter Saarsugendkongreß war ein leuchtendes Beispiel dafür. Immer stärker dringt die anti- faschistische Jugend in den Reihen sowohl der ehemaligen Arbeits» dicnstlcr. wie der katholischen»nd selbst der Hitlerjugend ein. Ticser Prozeß der Eroberung der Jugend für den Tieg des Status o»a findet im neuen Hest der„Freien Jugend" sein getreues Spiegelbild. Oiemensbetrieb. Eine Anzahl von Euch Tiemcnsarbeitcrn in Berlin hat bei einer Umfrage im Betrieb über die Gestallung der Freizeit auf den Fragebogen geichricbcn:„Ich lcic leine Zeitung, lein.Buch, ich gehe in kein Kino oder Zhcaier. weil ich oni den Treck verzichte."— Tie Heute haben erfaßt, was die geistigen CS» kremeute der Hillerdiklalur wert sind. Rnhrkumpel. Tu läßt uns schreiben, daß man bei Euch und in mehreren anderen Gruben eine besonders rassinicrtc Methode an- gewendet hat, um Euch zum Anhören des Referates eines Nazi- Konten zu zwingen. Mau hat, als Ihr nach der Schicht euch waschen wolltet, das Woher abgedreht, und Ihr mußtet den Bortrag über Euch ergehen logen. Erst dann bekamt Ihr wieder Waschwagcr. Au mehrere. Es ist richtig, daß wir die Rede Görings am T