Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands 287— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntan/Montag, 33. 24. Dezember 1934 Jmmec uxied.ec diitlecs Judenhatz Bec Papst füc Status qua „£iehec 10 Jabce iDiicce als 1 Pake jDoccc Cinc Jxau uxied gehängt " Seile 2 Seite 3 Seite 4 Seite 7 Chefredakteur: M. B r a u n|| Käuferstreik stall Hamstern Goerdeler..stabilisiert die Preise Nerlin, 21. Dezember 1934. Der RcichSkommlstar für Preisüberwachung, Goerdeler. entwickelt sich immer mehr zu einem Preis- steigerungskommissa r. Er hat soeben cinc Rcr- orönung über den Wettbewerb herausgegeben, in der er mit Gefängnis und Geldstrafe in unbeschränkter Hohe die- jenigen bedroht, die unter unlauterer Ausnutzung des Kredits oder bösivilliger Nichterfüllung ihrer Pflichten Waren zu Preisen anbieten, die unter den Selbstkosten liegen. Diese Verordnung soll ein Verramschen der W'arcn verhüten. Aber was diese Verordnung mit der so großspurig angekündigten PreissenkungSaktion zu tun hat. weih wohl Herr Goerdeler selbst nicht. Diese Ver- orönung fordert nämlich im Gegenteil Preissteigerungen, denn, wenn die Konkurrenz nicht in der Lage ist, ihre Preise zu senken, dann ist jeder Geschäftsmann in der Lage, nicht nur seine Waren ans dem bisherigen über- höhten Preisniveau zu stabilisieren, sondern auch die Preise für die eine ober andere Warengattung zu erhöhen. Der wichtigste Preisrcgulator— die Verbilligung der Preise durch die Konkurrenz— fällt jetzt durch diese Verordnung weg. Während es noch vor einigen Wochen hieß, das! die Ne- gierung einen rücksichtslosen Kamps, gegen das überhöhte Preisniveau führe» wird, ivird jetzt plötzlich behauptet, dast man derartige Absichten garnichl gehegt hätte. Goer- deler hat in einer Prcssebesprechnng vom 31. Dezember seine„Mission" ivie folgt definiert: „Es habe sich nie darum handeln können, eine Preis- senkung im Sturmtempo herbeizuführen, die dann tat- sächlich zu einer Bcrringcrug auch der Produktion hätte führe» müssen. Das Ziel sei vielmehr gewesen. vo„ vorn- herein die Ruhe zu erhalten, übersteigerte Preiserhöhungen zu unterbinden und die ganze Preispolitik elastisch zu gestalten." Mit anderen Worten: Hitler und sein Schacht haben nie e r n st l i ch an cinc Prcissenkungs- a k t i on gedacht, und die Ausgabe Goerdelers bestand nur darin, dem Volke Sand in die Augen zu streuen, um ans diese Weise umso sicherer die Preise auf dem jetzigen überhöhten Niveau stabilisieren zu können. Die neuen gesetzgeberischen Ergüsse des Preissteigerungs- koinmissar Goerdeler sind nicht nur deswegen bemcrkens- wert, weil sie mit einer Preissenkung nichts zu tun haben, sondern weil sie ein grelles Licht ani die gegenwärtigen Verhältnisse im Handel werfen. Goerdeler hielt es näm- lich in der gleichen Pressebesprechung kür notwendig, sich darüber zu rühmen, dast es ihm angeblich gelungen sei,„die ebenso unklugen wie undisziplinierten Hamsterkäufe" zu unterbinden. In Wirklichkeit hat Herr Goerdeler dazu sehr wenig beigetragen, denn die Hamsterkäufe hatten ihre Grenze in der Kaufkraft der Bevölkerung und in den Drohungen gegen die Hamsterer. Schon jemand, der von seinem Sparkonto abhebt, setzt sich der Gefahr aus als Saboteur und„Staatsfeind" zu gelten. Die Hamsterkäufe mutzten deshalb nach einer bestimmten Zeit stark zurück- gehen, umso mehr, als die breiten Volksmassen sich den Luxus nicht leisten konnten, Ware auf Borrat einzukaufen. Heute haben sich die Dinge so entwickelt, wie man das aus der ganzen Wirtschaftslage des„dritten Reiches" er- warten mußte. An Stelle der Hamstcrkäuse ist der Käufer- streik eingetreten, hervorgerufen dnrch die verminderte Kauskrast der Bevölkerung. Der Einzelhandel hat indes im Herbst unter der Hamsterpsychose sich mit großen Warenvorräten eingedeckt, in der Annahme, daß er zu Weihnachten diese Vorräte los wird. Indessen ist das Geschäft jchon seit Wochen sehr schleppend, und der Einzel- Handel ist von dem Gcschäfksergebnis enttäuscht. Die Dinge haben sich soweit entwickelt, daß, wie Dr. Goerdeler selbst zugibt, die Wirtschastsverbände bei ihm vorstellig geworden seien, mit der Ritte, das Publikum zu Weihnachtskäuse» aufzufordern. Ei' habe jedoch dieser Bitte nicht stattgegeben, weil er eine solche Aufforderung kür unzweckmäßig halte. Dafür hat er aber die obige Verordnung herausgegeben. Denn ma» hat bereits die Beobachtung gemacht, daß zahlreiche Einzel- Händler aus Angst, daß sie aus ihren Vorräten sitzen bleiben und damit die Forderungen der Lieferanten zum vereinbarten Termin nicht begleichen können, ihre Waren zu einem herabgesetzten Preis verschleuderten, um auf diese Weise wenigstens etwas flüssiger zu werden. Es ist ganz klar, daß bei dieser Entwicklung der Dinge Zu- sammenbrüche zahlreicher Firmen zu error, tcn wäre. A 6er a u ch d i c M abnähme Goerdelers kann diese b e v o r st e h e n d e n Z u s a m m e n b r ü che nicht verhindern, weil die Einzelhändler zu den über- höhten Preise ihre Waren nicht veräußern können. Der I u d c n b o y k o t t. der gegenwärtig in einem solch unerhörten Ausmaß wieder aufgeflackert ist, stell, nichts anderes als einen Versuch der Hitlerregierung dar, die Volks»,asten gegen die Juden aufzuhetzen, um auf diese Weise wenigstens einem Teil der völlig depri- in i e r t e n M i t t e l st ä n d l e r neue Käufer z u z u- führe n. Aber bei der engen Verflechtung der jüdischen Geschäftswelt mit der gesamten deutschen Wirtschaft wird auch diese Sorte von Wirtschaftspolitik ein bitteres Ende nehmen. „tloralisdie" Offensive Legen radikale Opposition Die Massenverhaffungcn in den Nazi-Organisationen Berlin. 22. Dezember. Tie neuen Massenvcrhastungen, die die„Deutsche Freiheil" schon am lö. Dezember melden konnte, werden nun durch Himmler, den Ehef der SS. und der Geheimen Tiaats- Polizei bestätigt. Er gibt auch zu. daß„sehr viele" Mitglieder der SA. und der SS. verhaftet worden sind. Genau nach dem Vorbild des 30. Juni wird die rein politische Aktion moralisch begründet. Der„Führer" und Reichskanzler Adolf Hitler, der langjährige vnfen- freund Ernst R ö h m s und Patron von E d m u n d H eines habe angeordnet, daß die Homosexualität in den verschiedenen Parteiorganisationen mit aller Schärfe bekänchit ige,den solle. Er. der länger als ein Jahrzehnt die homosexuelle Betätigung von Röhm Jtidjt nur wußte und duldete, sondern ihm auch als dem obersten Chef der SA. die ganze männliche Jugend der Partei auslieferte. Nicht nur das obwohl Herr Adolf Hitler die ebenso ehrlichen wie schwülen homosexuellen Liebesbriefe se'nes Freundes Röhm sehr genau kannte— wie jeder politisch unterrichtete Mensch i» Teutschland— hat er viele Deutsche ms Geiangnis und ins Koxizentrations- laaer werfen lasten, weil sie die eigenartige Veranlagung und Betätigung Röhms behaupteten. stalle Heines liegt die Sache so, daß ihn Hitler einige Jahre vor der Machtergreifung wegen allzuösfent. lichcr homosexueller Orgien vorübergehend aus der Partei ausschließen mußte. Dann hat er ihn nicht nur in Ehren und Freundschaft wiedergeholt. Er hat ihn, obwohl er den Heines genau als sadistischen pervertierten Wüstling kannte, zum Mitglied des Deutschen Reichstags gemacht und ihm das Polizeipräsidium der drittgrößten Stadt Preußens, Breslau anvertraut. Männer von hohem politischen und moralischen Slang wie den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Reichstags L ö b c und den früheren Oberpräsiden- ten Lüde mann hat Herr Hitler diesem Heines, Hitlers erklärten Günstling, ausgeliefert. Da ist doch wahrhaftig klar, was man von der neuen moralischen Offensive des„Führers" zu halten hat. Umso- mehr, wenn man weiß, daß ihm anscheinend— vorsichtig ausgedrückt— unbekannt geblieben ist, welche homosexuellen Nester sich>.n seiner unmittelbaren Umgebung befinden. Von diesen hohen Herren ist niemand betroffen. Da wird nicht „gesäubert" wie weder bei Röhm noch bei Heines gesäubert worden ist. solange sie sich gehorsam aus der Linie des Herrn Hitler bewegten Auf der Zickzacklinie eines Unentschlos- senen. der längst eine Politik betreibt, die von den Treuesten seiner von ihn, verratenen Ideale mit tiefer Erbitterung und brennender Schmach empfunden wird. lFortsetzuna liebe nächste Settel). ßefdtsdikfator Sdiadit? Er boxt Hitlers„alte Kämpfer" knock out v Berlin, 22. Dezember 1934. Die Berufung Dr. Trcndclenburgö zum Bizepräsi- deuten der Reichswirtschastskammer unterstreicht die wenige Tage vorher erfolgte Ausschiffung Gottsried Fcders. Hatte doch Dr. Trendeleuburg im Jahre 1333 als Staatssekretär im Rcichswirtschaftsministerium dem Gottfried Feder weichen müssen. Jetzt geht der nationalsozialistische Theoretiker in die Verbannung und Dr. Trendeleuburg wird von dem Ratio» »alsozialisten a. D. Hitler zurückgeholt. Trendeleuburg ist cinc neue starke Figur in dem großen Spiele Dr. Schachts gegen die nationalsozialistischen Dilet- tante». Schacht verfolgt konsequent die Absicht, die ganze Wirtschafte- und Sozialpolitik nur einem kleinen Gremium von Fachmännern zu übertrage», deren Ehes er sei,, würde. Rcichsbank, Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik sArbeitsmlnisteriumj und zugleich das Kommando über die „Deutsche Arbeitsfront" sollen so in der Hand von Schacht vereint werden. Das würde bedeuten, daß Darre, der noch immer die romantische Idee einer Autarkie verfolgt» beseitigt werden müßte und auch Ley, der ohnehin nur noch Reiscpredigcr und„Kraft-durch-Freude"-Rcisendcr ist, cnd- gültig zur Ruhe gesetzt würde. Schacht, von mächtigen Wirtschaftskrästen getragen, geht energisch aus dieses Ziel zu. und Hitler scheint sich ihm ver- schrieben zu haben. Kapitalistische Wirtschast, hohe Bürokratie und Reichswehr werde» so mehr und mehr die tragenden Säulen des Svstems, und Hitler ist nur noch Repräsentant im goldenen Käsig. RrttiK-ffor aHeEs&'.elHiDgen Hitlers„Preisschlacht" Von der Arbeitsschlacht ist angeblich in Deutschland nicht viel zu hören. Das ist nicht zu verwundern, wenn selbst die gleichgeschaltete Statistik gestehen muß. das; sich die Zahl der Arbeitslosen im November um 86 000 vermehrt hat. Sie beträgt jetzt offiziell 2 354 000, wobei bekanntlich die Insassen der Arbeitsdienstlager, die Landhelfer usw. nicht mitgezählt werden. Zugleich hat sich die Zahl der Notstandsarbeiter um 16 000 gegen den Vormonat vermehrt. Bezeichnend ist, daß die'Zunahme in der Arbeitslosenzahl diesmal bereits im November, einen Monat früher als im Vorjahr— und dies trotz des günstigen Wetters— einsetzte. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist zwar zum Teil saisonbedingt. Tie stärksten Zugänge haben die Bau- gewerbe und die ungelernten Arbeiter zu verzeichnen. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß die Ziffer für November absolut genommen hoch ist und daß also die A r b e i t s b e s ch a s f u n g s in a ß n a h m e n an- scheinend zu erlahmet, beginnen. Das ist eben die entscheidende Frage. Wird Schacht, der in diesen Tingen augenblicklich entscheidend ist. an- gesichts der kritischen finanziellen und ivirtschaftlichen Situation neue Mittel für die Arbeitsschlacht zur Ver- fügung stellen können? Die alten Arbeitsbeschasfungs- Programme nähern sich ihrem Ende, mit Ausnahme, des Baues der Autostraßen. die ja vor allem der leichten Mobilmachung dienen. Von neuen Programmen ist aber nichts zu hören. Auch Herr Reinhardt, der sonst zweimonatlich Steuerermäßigungen zur Entlastung der Wirtschaft anzukündigen pflegte, ist verstummt, nach- dem die neue Steuerregelung alle Erivar- t u n g e n auf wirkliche E n t l a st u n g g r a u s a m enttäuscht hat. Und das ist eben der wirkliche Grund: von der„Ar-' beitsschlacht" wird so wenig Aufhebens gemacht, iveil es um ihre Zukunft recht trübe steht, weil die Aufbringung neuer finanzieller Mittel mit dem Abbauprogramm Schachts in Widerspruch steht und es gänzlich im Un- gewissen bleibt, wie denn der berühmte Vierjahresplan Hitlers nun weiter fortgeführt werden soll. Ohne kirnst- liehe Finanzierung, ohne neue Arbeitsbeschasfungswechsel, ohne neue inflatorische Maßnahmen wird es nicht gehen. Denn.die Wirtschaft liegt darnieder. Das beweist auch der Bericht über den Außenhandel im November. Er zeigt eine neuerliche Schrumpfung. Die Ausfuhr ist um 10 Millionen, die Einfuhr um knapp 4 Millionen zu- rückgegangen. Dieser allerdings geringfügige Rückgang der Einfuhr steht>m Widerspruch zu der sonst in dieser Jahreszeit stets eintretenden Steigerung, die durch zu- nehmende Rohstoffeinkäufe hervorgerufen wird. Es ist nur der Ausdruck dafür, daß die Rohstoffversorgung für den bisherigen Umfang der deutschen Produktion zu knapp wird. Da andererseits aber auch der Export, trotz aller Anstrengungen, stagniert, so fehlen die Zahlung?- mittel, um die Einfuhr steigern zu können. Wird also von der Arbeitsschlacht weniger geredet, so um so mehr von der„P r e i s s ch l a ch t".' Goerdeler hat den Kampf da angefangen, wo er am leichtesten ist. und zunächst die kleinen Händler und Handwerker die „Strenge des Gesetzes" fühlen lassen. Man kann sich dos „noralisdie' Offensive gegen radihale Opposition Die Massenverhaftungen in den Naziorganisationen Entsetzen dieser Leute vorstellen, die vom„dritten Reich" die Sicherung eines„stondesgcmöhen" Einkommens er- warteten und nun plötzlich„ihre" Polizei anrücken sehen, die ihnen die Läden iperrt. Wie jammerte kürzlich der Ortsgruppenführer in Rekofei, Vg. Potz:..Wir(Lebens- mittelhiinolei) sollen jetzt für die. Preissteigerungen verantwortlich gemacht werden? Aber es ist doch Tatsache, o sägte er weiter, datz die Grotzhandelspre.ise für Agrar- toste seil Januar 1934 um 24,9 vom Hundert gestiegen eien, die Einzelhandelspreise dagegen nur um 8,9 Prozent(was aber nur den Durchschnitt anzeigt und ge- rade für sehr wichtige Lebensmittelgattungen kein rich- tiges Bild gibt, wie wir noch sehen werden.) Vielleicht verstehe man jetzt die großen Sorgen, die der Lebens- miltel-Einzelhandel um seine Existenz hege, denn, wenn er bisher einen großen Teil der eingetretenen Preissteigerungen aufgefangen habe, dann sei das nur auf Kosten der Substanz gegangen. Es sei ein.gefähr- lich Ding, den Preiswucher einem ehrbaren Stand in die Schuhe zu schieben, der nicht nur nicht der Urheber sei. sondern selbst am schwersten darunter leide Man sieht, der Mann ist vom„dritten Reich" nicht mehr entzückt: die Mühe, auf den Goerdeler zu kommen, hat sich schlecht gelohnt. Er verliert„die Substanz" durch den Preiswucher und versteht offenbar schon, daß dies das Werk D a r r e s, der Erfolg der„romantischen" Wirt- schaftspolitik von Vlut und Boden ist. Und damit hat er bestimmt Recht, und wie dieser Preis- wucher gerade bei dem wichtigsten Volksnahrungsmiltel. der Kartoffel, aussieht, davon wollen wir einiges erzählen. Die Ernte an Winterkartoffeln war im Gegen- satz zu der schlechten Frühkartoffelernte reichlich. Tie Oktoberschätzung kann auf einen Ertrag von 41.7 Will. Doppelzentner gegenüber 40,97 i. P. Wie ha: nun der Darre und sein Reichsnährstand die Kartofselpreise mani- puliert? Run, die Erzeuger-Richtpreise für Speise- Kartoffeln wurden in diesem Herbst auf eine Höhe lest- gesetzt, die im Durchschnitt d o v n e> t so h o m ist wie im Vorjahr: im Oktober 1933 war der Preis für rote Speisekartoffeln RA!. 1,44 je Zentner, jetzt im Oktober RW. 2,40; für weihe Speisekartoffeln jetzt 2,35 gegen RA!. 1,29 im Vorjahr. Der Erzeugerpreis für Speisekartoffeln lag damitum 6-0 Prozent über dem Vorkriegsstand. Goerdeler hat diese Preisfestsetzung ausdrücklich gebilligt und nur für Teile von Sachsen eine kleine Herabsetzung durch- gedrückt. Gegenüber dieser exorbitanten Verteuerung der Speisekartoffeln sind die Preise von Kartoffeln für Brennerei- und ZtärKezweck viel weniger erhöht worden den Brennereien durfte ihr Rohstoff nicht zu stark ver- teuert werden! Der Kleinhandelsindex für Kartoffeln lag im September um 53 Prozent über dem Vorjahr und um 72 Prozent über dem Stand von 1932. Im Oktober war die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr auf 34 Prozent zurück- gegangen. Die Kartoffelteuerung stieß auf die Schranke der mangelnden Kaufkraft der Massen. Es kam zu Stockun- gen im Absatz und dst Einlagerung für den Winter geriet nur schwer in Gang. Aber Darre wußte sich zu helfen. Das W i nierhilfswerk verteilt doch auch Kartoffeln. Und die Zwangsspenden können doch ohne Kontrolle venvandl werden. Also werden die Mittel des Winter- Hilfswerkes eingesetzt, um die Kartoffeln zu den teueren Preisen Loch au den Mann zu bringen.„Das Winter- Hilfswerk", wir zitieren jetzt die„Frankfurter Zeitung" wörtlich,„lagerte etwa 700 000 Tz. Kartoffeln ein. Diese Käufer brachten insbesondere den frachtungünstig gele- genen Gebieten eine große Entlastung: denn diese Be- triebe konnten bei den Dispositionen des Winterhilfs- Werkes bevorzugt werden, da Frachten für Winterhilfs- litf.rungen von der Reichsbahn bekanntlich nicht berech- net werden."(Wir wetten, daß die bevor- zugten Gebiete die des o st elbischen Groß- grundbcsitzes gewesen sind!) Die öffentlichen Mittel der Reichsbahn, die Spenden füc die Aermsten werden dazu gebraucht, den kartoffelverkaufenden Be- trieben zu Hilfe zu kommen! Die Wohltat, das beispiel- lose Hilfswerk wird dazu benützt, 700 009 Doppelzentner aus dem Markt zu nehmen und so den maßlos überhöhten Kartoffelpreis doch durchzusetzen. Fürwahr eine P r e i s s ch I a ch t, wie sie nur der National- sozialismus liefern konnte! D r. R i ch a: d Kern. Forlsetzung vvn Seite 1 In keiner Zeitung ist mehr über die— nicht- nur gleich- geschlechtliche— sexuelle Verwilderung im Parteilager Hitlers berichtet worden, als in unserem Blatte. Das ge- hörte ja zu unseren berüchtigten„Greuelmärchen", und wir mußten uns dafür von Herrn Hitler durch'Radio und Presse hart beschimpfen lassen. Ihm nn gleichen Tone zn antworten, ist bekanntlich an der Saar verboten. Wir würden es nur begrüßen, wenn Herr Hitler endlich den Willen und die»rast fände, einigermaßen die Tauber- feit wieder herzustellen, die in den bekannten„vttrzehn Johren" in den deutschen Jugendorganisationen bestanden- hat. Was jetzt aber geschieht, hat mit sittlicher Säuberung nichts zu tun, ivobei mir die Möglichkeit unterstellen, daß Himmler und seine Mcnschcnfäger nur diese Gründe Herrn Hitler eingeredet haben, der ja längst nicht mehr unter gewöhnlichen Sterblichen lebt, sondern in eine Art Reichs- walhall versetzt ist. Die Aktion richtete sich lediglich gegen oppositionelle Kräfte in der SS. und SA. und in der Hitlerjugend, ivobei es durch- aus wahrscheinlich ist, daß auch zahlreiche Homosexuelle ve-- hastet worden sind, denn diese Art Liebe ist die führende erotische Mode im„dritten Reich",>nsbes?ndt.re aber in seinen Jugendorganisationen. Auch die Absetzung Brüskier? in Schlesien wird mit Homosexualität begründet. Hitler kann nicht mehr wagen. Hitlers Jadenfiafz Der JudenDoukoli w rd fortgesetzt . Die Boykottwclle, von der ivir in den letzten Tagen ai»s- lührlich berichtet haben, setzt sich in verstärktem ltmiange in ganz Deutschland fort. Immer mehr Zeitungen stellen sich der Boykottaktiou zur Verfügung. In Tausenden von Flug zetteln, Plakaten und Transparenten werde» die Volksgenossen davor gewarnt, südliche Geschälte zu betreten, da dies gleichbedeutend mit Verrat an Deutschland'ei. Was sich augenblicklich in Deutschland absvielt, erinnert c.» die ersten Tage des 1. April 19.'l.'I, und da die Hitlerjugend nichts besseres:» tun hat. so wird sie in den Dienst der Rassenhetze gestellt. Die Hitlerjugend hat, wie aus verschiedene» Mel- düngen hervorgeht, die Aufgabe, immer wieder in Sprcch- chören antijüdischc Losungen auszurufen. Fit Worms wurden die Geichä'te vvn Inden mit gelben Zetteln beklebt, auf denen Karilatnrcn von Juden und mittelalterliche Abzeichen zu ielie» sind Fni Text dieser Zettel ist zu lesen, daß jeder„Volksgenosse", der beim Juden kauft, ein Verräter am Deutschtum ist. I» Herford(West- ialeiil wurden Fenerwertslörper von d-n Bovkottposte» in die jüdischen Läden geworfen, so daß d^e Getchgltsinbober sich während der Geschästestnnden znr Schließung der Läden gezwungen sahen. Fn anderen Städten wurden jüdische Geschäitc-inhaber und deren Familienangehörige angeblich z» deren eincncm Schutze gegen die erregte Menge in Haft genommen. So z. B. ver- ö'fentlicht die„L a m p e r t h e i m e r Zeitung" die tol- gende Mitteilung über die Fntchiitzhajtnahmc eines jüdischen Geschäftsmannes: ..In der Rächt zum Mittwoch wurden durch»«bekannte Tä't-r an verschiedenen hiesigen jüd'chen Geschäftshäusern Beschriftungen angebracht mit dem Wortlaut:„Kaust nicht beim Inden" Während der ein- Geschäftsinhaber die Schrift entkernen ließ, änderte der andere den Schriftsatz, indem er das Wort„nicht" in„doch" abänderte. Infolge dieses Borgangs erfolgte gegen 5 Uhr abends eine An- sammlnng vor dem Schuhhaus Mann, die jedoch bald zer- strent wnrde, nachdem man den Dem"nftrantcn mitgeteilt batle, daß die hiesige Polizei den Sohn des Inhabers, Franz Mann, bereits am Nachmittag in Schntzhast ge- »ommen hatte." Bezeichnend ist auch nachfolgendes Dokument, welches die amtliche..Baiirische O st w n rf> t" in Nr.:'81 in Fettdruck bckanntgibt. Dort beiß» es: „Der indische Inhaber. der Firma Bayerische Sack- und F»'e.Industrie in Bamberg. Strauß, dessen Aufkäufer der Fi-de Blnmenseld und auch der Nürnberger Jude Moses Wildbret! ist, kaufen bei Bäckermeister» und Mühlen ge- brauchte Jutcsäckn auf, um sie, entsprechend den Bestim- zuzugeben, daß Oppositionelle um ihrer politischen Haltung willen beseitigt werden. Das Mißtrauen in den nationalsozialistischen Massen ist schon zu groß. Das neueste moralische Pathos des Herrn Hitler, das nicht sehr echt klingt, wird ihn nicht davor bewahren, daß auch das Ver- trauen zu ihm mehr und mehr schwindet. minderte fahre Kerker Für 82 Illegale C"— Dez. Der 4. Strafsenat des Obcrlandcs- aerichtes:t lja'te seit Ende November im Zentral- aesänanis Merl geaen zahlreiche frühere Dortmunder Kommunist-n verhandelt. 21 Angeklagte wurden setzt zu Zuchthausstrafen von einem Fahr drei Monaten bis''Fahre, ßl Angeklagte zu Gefängnis- strafen'""i einem Fahr bis zwei Fahre sechs Monate sich in der Hauptsache um frühere Angehörige des Roten Front kämpferbunde s, der nach den Feststellungen der Verhandlungen seit Sommer 1922 iv^v'"miind insbesondere im Stadtteil Eving wieder, errichtet worden war. miingen der Fascrstossvcrordnung vom ß.^cptcmbcr iß--', „einer raichen volkswirtschaftlichen Verwendung zuzu- führen. Fn weiten Kreisen herrscht Erregung darüber, da i jüdische St aufIcnte monopolartig den Auskaut der«ackc in der Hand haben. Fch gebe daher bekannt, da» die in Frag: kommenden Volksgenossen nicht gezwungen sind, ihre-sack: an Fiiden zu verkanten. Vielmehr mögen sie sich^bcmnftci', die Säcke an zugelassen arische Aufkäufer im-sinne de- Ge>"tzes weiterzugeben. Bauleitung Bayerische Ostmark der NSDAP, gez. Linhardt. Gauwirtschaftsbcrater." Fn i elch schamloser Weise gehetzt wirb, zeigt iol- gende Auslassung der„Westfälischen Landcszci- l n n g" vom lß. Dezember:^ „Es eine bekannte Tatsache, daß sich in Teutschland bis vor kurzer Zeit auch der Eiergroßhaudel last restlos i r jüdische» Händen befand.'Nach der nationaltozialiitischeir Revolution hat es der größte Teil dieser Eierjudeu sel geschickt verstanden, sich zu tarnen, während sie>edoch>>> Hintergründe die Fäden in der Hand behielte». Es jh> leider genng„öiepräsentiergois", die ihren guten deutsche> Namen für eine neue Firma l!> hergaben und dafür a.' Geschäftsführer oder Teilbaber mitarbeiten dursten,-i c> Rebbach m achte selbstverständlich nach iuk v o r der F u d e." Dabei weiß ein jeder, daß die Eicrpreisc deswegen ge- stiegen stnd, weit durch die bornierte Wirtschaftspolitik d: Hitlerregierung eine starke Futtermittelknappheit nnd dam t eine unerhörte Futtermittel-Prciserhöhung entstanden i?, die von dem Argentinier Darre ganz bewußt gefördert wurde. Und jetzt versucht man, für die Wirtschaftskatastrophe die Juden verantivortlich zu machen! Es muß wirklich schlimm um dieses Regime der Barbarei stehen, wen» es in seiner Ausweglosigkeit neuerdings den Pöbel gegen die Juden ausstachelt. Hervorzuheben ist noch, daß infolge der allgemeinen Verarmung der Bevölkerung und der unerhörten Preissteigerung da s Weih» ach I c geschält überall schlecht verläuft, und daß man deshalb versucht, dem enttäuschten Mittelstand durch Bouko't jüdischer Geschäfte vorübergehend zu Helsen. Aber Hitler»n seine Beauftragten übersetze», daß ein neuer Znsammcnbriic» jüdischer Geschälte dem Mittelstand zwar nichts Helsen, ab^c auf die iveiterverarbeitcnde Industrie ungünstige Rü'' ivirkungen haben und damit ivcilerc Verschlechterung dcr Wirtschaftslage mit sich bringen ivird. ISevlivr litt D'iüosoiti und Ks itr Theodor Litt ist Ordinarius der Philosophie an der Leipziger Universität. Seit einigen Tagen kann er sei» Lehramt nicht mehr ausüben. Tic„Deutsche Hochschul- Zeilung", heute ganz i» braunem Geiste geführt, hatte ihn denunziert! er sei kein Nationalsozialist, und er gefährde die Unterweisung und die Erziehung der akademischen Fugend. Das ist das Resultat einer bereits seit Monaten geführten Aktion gegen Litt. Es ist zn vermuten, daß er auf seinen Leipziger Lehrstuhl nicht mehr zurückkehren wird. Dcr Philosoph Litt hat die Kühnheit, seine bisherigen Tenkresultate nicht a»> dem Altar dcr Macht zu opicru. Eine solche Rarität im Lager seiger Schmiegsamkeit verdient einige Zeilen. Bor kurzem hat er i» der Philosophischen Gesellschaft der Universität Bonn einen Vortrag gehalten. Er hieb„P h i l o so p h i e und Z e i t q e i st", und er war, im Gewände wissenschaftlicher Sprache, die schonungsloseste Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen„Wissen- schalt". Es werde, so sagte Litt in dcr Hauptthese seines Vortrages, heute von der philosophischen Forschung geiordcri, tan sie nicht mehr die zeitlose Wahrheit zu suchen habe, s ndcrn das Schicksal unserer Zeit»nd unseres Volkes er- fassen müsse. Die Behauptung, daß die Philosophie zeit- gebunden sei, komme aber aus dem 18. Jahrhundert, also aus dem Beginn der liberalistischen Denkweise. Das war die erste Ablehnung brauner Weltausfasjung. Dicie geht bekanntlich davon aus, daß die Philosophie ihrer Gegenwart also heute der„totalitären" des„dritten Reichs"- zu dienen habe. Litt jedoch fuhr fort: „Der Geist wird erst dadurch wirklich, daß er sich in e i Ii e in W erde p r o z c ß selbst offenbart. Der Geist schafft sich selbst eine Gestalt und eine» eindeutigen Umriß, indem er ijch äußert und keinen vorhcrgc- faßten Maßstab als Ziel für sein eigenes Suchen sich setzt. D>e Wesensgestaltiiiig des Geistes formt sich ja erst in Werken der Kunst>»d der Religion, c- gibt da keine stieget, die de» schöpferischen Geist rvn vornherein binden könnte. So auch kann die Philo- sophic den Geist der Zeit» i rfi t a ls et w a s F e r t i g e s vor sich hinstellen: in ihrer Gedankenarbeit erst arbeitet sich die Zeit zu ihrer cianen Form durch. Dazu ist ein höchstes Maß von Bewußtsein und Klarheit notwendig." Man braucht kein Philosoph sei», um den Sinn dieser Sätze zu erfassen. Litt stritt mit größter Entschiedenheit eine Philosophie ab. die„etwas Fertiges", gebildet aus vvrgc- faßte» Maßstäbe», begründen soll. Der NationalsozialisxnuS hat jedoch solch„fertige" Postulate: Rassenlehre, völkische Ueberlegenhcit, Fiihrcrglaubc und vieles andere. Zwar iverdc sich, so sagte Litt vorsichtig, keine Philosophie den schöpferischen Gemeinschastsbewegu»gen der Zeit entziehen dürfen. Aber sie d ü r f c sich a n ch nicht c i n z w äuge n lassen in eine Baku, die das Endergebnis j ch o ii vors cb reibt. Man dürfe nicht die Antworten, die mau ja erst suchen müsse, nicht schon von vornherein festlegen. Das sei keine deutsche Tachtreuc, die verlange, daß man eine Sache um ihrer(elbst willen tue... Professor Litt versagte sich die kleine Bosheit nicht, den- selben Satz gegen die nationalsozialistische» Agitatoren im Philoiophenklcidc zu verwenden, der von ihnen mit Vorliebe zitiert wird. Er bekannte sich schließlich zur klassischen Philosophie. Aber ihr Erbe ist vvm deutschet! Frcihcitsgedaukcu nnd den ewigen Menschenrechten nun einmal nicht zn trennen. Man scheint in Bonn Professor Litt sehr gut verstanden zu haben. Der Bericht dcr„Kölnischen Zeitung" über seinen Vortrag verzeichnet vielfachen„starken Beifall". Vier Tage später war es schon zu Ende mir LittS Leipziger Hochschularbeit Das„dritte Reich" kann Vcrkiindcr der unvcrlicr- baren Freibeits- und Menschenrechte und einer nicht von fertigen brau neu Lösunaen ausocbenden Pbiloiovbic nicht vertragen. Awft SomDar! Berlin, 19. Dez. In einem Vortrag, gehalten vor der Berliner Akademie der Wissenschaften, war dcr berühr e Nationalökonoin, Professor Svmbart, kühn genug, d s Gegenteil dessen zu behaupten, was der»ationalsozialistii. e Totalstaat als Wahrheit geglaubt und verehrt wissen ivist. nämlich: Politik und Wissenschaft hätten nichts m I t e i n a ii d c r z u tun: sie seien zwei von einander vv'! kommen getrennte Sphären des menschlichen Geistes. Politik sei„zielstrebig" nnd fuße ans Werturteilen. Wissenschaft i i Erkenntnis»nd strebe»ach Scinsurteilcn. Wissenschaft»inst alle Werturteile ausschließen, den» alle Werturteile sind in höchstpersönlicher Weltanschauung begründet. Mit Encrg e lehnte Sombart die Auffassung, daß Wissenschaft Aktion i »nd nicht nur Analyse, ab.„Die Wissenschaft kann kr•" politischen Ziele stellen." Ihr einziges Ziel ist d e W ahrhci l." Karl Darin- dien$'en?ra$sc n Die Maßreglung des bedeutenden protestantischen Theologen Donnerstag begann der Prozeß gegen den führenden evangelischen Theologieprofesso- Dr..^arl Barth vor dem Disziplinargeril in Köln, wegen seiner Stellungnahme zum Beamteneid. Professor Barth hatte den Beamteneid nichi verweigert, ihm aber eine Klausel beigefügt, daß er Ihn leiste, sofern er eS als evangelischer Ehrist vor finem Gotte ver- antworten könne. Da^ Gericht fällte am Freitag folgendes Urteil: Professor Karl Barth wird seines Amtes enthoben. Er erhält für ein Jahr die Hälfte dcr ihm zustehenden Pension. ^DEUTSCHLAND gg^KHITLER Oer Papsi Mir Status quo Paris, den 22. Dezember. Von unscrem Korrespondenten. Tie„Teulschc Freiheit" konnte in ihrer Ausgabe vom legten Freitag unter der Ueberschrift„Ter Papst und der Saarkampf" eine» Bericht des römischen Tonderbcricht- erstatters des„Matin", Stephane Lauzanne, miedergeben, in dem dieser zum Ausdruck brachte, das; der Heilige Vater zwar im Saarkamps völlig neutral bleiben wolle, aber doch aller Grund zu der Annahme vorhanden sei, daß der Vati- ta» den Status quo wünsche. Heute erfahren wir nun von unbedingt zuverlässiger Seite, daß Stephane Lauzanne vom Kardinal-Ttaats- iekretär Pacelli in Rom empfangen wurde und daß er seinen von uns zitierten Bericht an den„Matin" telefonisch unmittelbar nach dem Besuch be, Pacelli nach Paris gab. Es unterliegt gar keinem Zweifel mehr, daß Pacelli trotz aller Zurückhaltung seinem Besucher deutlich zu erkennen gab, dag die katholische Kirche alles Interesse an der Aus- rechterhaltung des Status quo im Saargebiet habe. Tiese Ausfassung ist um so verständlicher, als man weiß, da» Staatssekretär Pacelli, vormals päpstlicher Nuntius in München, alles getan hat, um das Konkordat zwischen dem „dritten Reich" und dem Heiligen Stuhl zum Abschlug zu bringen, dag er aber außerordentlich erbittert über die Wortbrllchigkeit der braunen Herren und über die Er- mordung des früheren Führers der Katholischen Kirche in Teutschland, des Ministerialdirektors Tr. Klausener, ist, de,, er persönlich gut gekannt und besonders hoch geschätzt hat. Ole Trauen an der Saar Große Kundgebung im Saalbau von Saarbrücken Auch die Frau im Saarland weist, wozu sie neben ihrem Plann im Abstimmungskamps steht. Es sind nicht mehr allein ihre in langen Jahrzehnten erworbenen Rechte, die das Hitlerregime und die Reaktion in seinem Gefolge ihr mit schein Machtbeginn an der Taar zu nehme» droht. Tie Frau als Arbeiterin und Hausfrau, die oft noch schwerer als ihr Gefährte durch die Sorgenlast ihrer häuslichen Um- gebung Bedrückte,— sie kämpft mit iür die Rechte des Mannes und ihrer Kinder. Die saarländische Mutter hat erkennen gelernt, dast ihr die Hakcnkreuzdiktalur nicht nur das kärgliche Einkommen des Mannes schmälert, ihr Ersatzstoffe beschert, sie hat noch Uebleres erfahren. Bis in den Kreis der Familie ist das„System" eingedrungen, es hat die Kinder aus dem Haus der Eltern in die Verrohung der Hitlerjugend und die sittliche Verderbnis des BdM. gerisic», ohne da» die besorgte Mutter wagen darf, ihr Kind zurück- zuhalten. Noch ist es Zeit! Tie saarländische Frau ist erwacht! Das bewies die ge- ivaltige Fraucnkundgcbung im städtischen Saal bau, die gestern abend von der Einheitsfront veranstaltet wurde. Sie hatte gezeigt, dast auch die Frauen die Be- deutung eines.Kampfes für den Status quo voll und ganz erkannt haben. Trotz der bevorstehenden Feiertage, die grade die Hausfrau stark durch ihre mannigfaltigen Vorbereitungen in Anspruch nehmen, waren die Frauen Saarbrückens zahl- reich erschienen. Aus allen Schichten der Bevölkerung hatten sich Frauen zueinander gesunde», die ein flammendes Be- kcnntnis für Frieden und Freiheit und gegen das barbarische System Hitlers aussprachen. Tic Referate von Luise Schisfgens, Lily Hermann. Mar Brau» und Fritz Pfordt wurden mit heller Begeisterung aufgenom- wen. Grost war die Empörung über die Verhaftung unserer Jugendgcnvssen an der Grenze. Es wurden einstimmig Ent- schliestungen angenommen, die die sofortige Freilassung von E r n st Braun und Heinrich Bartsch forderten. Mit dem Gesang„Brüder zur Tonne zu Freiheit" schlost die Kundgebung der saarländische» Frauen. Tauscnde von Fäusten reckten sich zum Schwur empor:„Nie zu Hitler!" naggenierbot und riaggenprotest Verordnung der Regierungskommission Saarbrücken, 21. Dez. Aus Ersuchen der Abstim- inungskommission veröffentlicht die Rcgicrungskommission solgende Verordnung: Artikel 1 Tie össentliche Ausstellung von Fahnen, Flaggen und Wimpeln in den Farben des Saargcbictes, den kirchl ch. n Farben, den Farben der Städte des Saargebiets sowie in den Farben der völkerrechtlich anerkannten Staaten und deren Teile ist bis zum Zeitpunkt der amt- l i ch e n Bekanntgabe des Abstimmungsergcb- nisses verboten. Gleiches gilt für alle Fahnen, Flaggen und Wimpel, die einen besonderen abstimmnngspolitischcn Eharakter haben. Artikel 2. Tie össentliche Ausstellung nationaler Symbole und Hoheitszeichen sowie solcher Symbole, die einen bcson- deren abstimmniigepolitischcn Charakter haben, ist, ohne Rück- sicht aus die Form der Ausstellung, für den in Artikel 1 an- gegebenen Zeitraum verboten. Artikel 3. Wer den Vorschriften des Artikels 1 zuwider- handelt, wird mit Hast nicht unter drei Tagen, beim Bor- liegen mildernder Umstände mit Geldstrafe nicht unter SN» Franken bestraft. Tic§8 12a nnd 12b StGB, finden keine An- wendung. Ter Oberste Abstimmungsgerichtshos ist für die Unter- suchung und Entscheidung zuständig. Artikel 1. Tie Bestimmungen der vorstehenden Verordnung finden keine Anwendung aus die Behörden der Regierung»- lommission, der Abstimmungokommission, aus die interuatio- nalcn Truppen sowie aus die Zollbehörde und die im Saar- gebiet akkreditierten konsularischen Vertreter. Artikel 5. Ausnahmen von den Bestimmungen der Ar- tikel 1 und 2 können aus Antrag der Abstimmungskommisfion von der Rcgicrungskommission bewilligt werden. Artikel ki. Die vorstehende Verordnung tritt am 23. De- zembcr 1984 in Krast. Alle ihr entgegenstehenden Bestim- mungen werden ausgehoben. Vorstehende Verordnung wird ans Ersuchen der Abstim- mungskommission hiermit verkündet. Saarbrücken, den 20. Dezember 1031. Fm Namen der Regicrungskommission: Ter Präsident: gcz G. G. Uno x. * Die„deutsche Front" beantwortet das Flaggenverbot mit einem Klaggenprotest. Sie Hai am Samstag, der vom Flog- genverboi noch nicht betroffen ist, in allen ihren Zeitungen zu einem Protestflaggen ansgesordert. Tic Blockwartc eilten schon am frühen Morgen von Wohnung zu Wohnung, um die Anhänger der„deutsche» Front" einschließlich der un- zähligen Heuchler und Angstlmsen zum Flaggen zu zwingen. Tie Kontrolle soll stündlich wiederholt werden, um an diesem letzten Flaggentage möglichst noch einmal ein Großslaaacn zu erreichen. Wie die Abstimmung erfolgt Saarbrücken, 21. Dez. Auf Ersuchen der Abstimmungskom- Mission veröffentlicht die Regierungskommission solgende Verornung: Hilter smus Segen Katholizismus Die Politik Pius Xl. steht solgerichtigcrweise ganz ein- deutig im Zeichen einer neuen alle Instinkte der Inquisition auspeitschenden Gegenreformation, um das germanische Teutschland für immer zu brechen. Da die Welt es hier nicht mit einem kleinen Hctzkaplan, sondern mit dem Oberhaupt aller Katholiken zu tun hat, das seine Worte zu wägen pflegt, so bedeuten alle diese Ausfälle nichts anderes als ein bewußtes Aufpeitsche« von über hundert Millionen Menschen mit dem Zweck, die er rungencn Machtstellungen durch einen einkreisenden Angriff auf den Protestantismus weiter auszubauen. Dadurch ent- hüllt sich das wahre Wesen des„Königtums Christi", der sogenannten„Katholischen Aktion", der volkszcrmürbendcn pazifistischen Politik der ZcntrumSparkel, der Jnbanncrklä- rung des deutschen Nationalismus durch den römischen Episkopat in Teutschland, durch die bischöflichen Erklärungen gegen den Nationalismus überhaupt. Kein deutscher Katholik kann sich heute der furchtbaren Erkenntnis ver- schließen, dag die zielbewußte, uuscntimcntale römische Politik sich mit dem marristischen Untcrmenschentum und allen äußeren Feinden Deutschlands zusammengeschlossen hat, um das zu vollenden, was im November 1918 noch nicht ganz gelungen war. Alfred Rotenberg, der vom Führer und Reichs- kanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche..Der Mythus des 20 Jahrhunderts" Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestallenkämirfe unsere Zeit. 13.-16. Auflage, Seite 477. rornung: Artikel 1 Tic Stimmberechtigten, welche den unten erwähnten Kate- goricn angehören, hahen das Recht, ihre Stimme aus die in dieser Verordnung vorgeschriebenen Weise abzugeben: Diese Kategorien sind folgende: a> die Landräte und Bürgermeister, b> die Personen, welche der Polizei und dem Landjäger- korps angehören, es die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Eisen und Straßenbahnen, der Autobuslinien, des Post-, Tele- grasen- und Telesvnwesens, d» die Personen, welche dem Krankenhaus- und dem Ge- fängnispersonal angehören, ei die Kranken, welche sich in den von der Kommission be- zeichneten Krankenhäusern befinden, s> die Personen, welche in Haft sind. Artikel 2 Am 7. und 8. Fanuar 1935 wird im Hauptort eines jeden Kreises wenigstens ein Wablbüro eingerichtet, in welchem die in Artikel la, b. e, d erwähnten Abstimmungsberechtigten, insofern sie in der Liste eines der Wahlbezirke des betr. Kreises eingetragen sind, ihre Stimme abgeben können. Artikel 3 In jedem Kreise wird für den 7.. 8. und 9. Januar 193.', ein Wahlbüro eingerichtet, das die Aufgabe hat, die Ttim wen der Abstimmungsberechtigten entgegenzunehmen, welche sich in den unter Artikel le und> bezeichneten, in dem betr. Kreise gelegenen Anstalten aushalten. Artikel 4 Tie Abstimmungskommission ernennt die Vorsitzenden der in dieser Verordnung vorgesehenen Wahlbüros. Dieselben müssen dem Saargebiet fremd sein nnd dürfen keinem der an der Volksabstimmung beteiligten Staaten angehören. Das Kreisbüro ernennt zwei ordentliche Mitglieder des Wahl- büros und zwei Stellvertreter. Artikel 5 Das in Artikel 2 vorgesehene Wahlbüro erklärt die Wahl um 8.39 Uhr iür eröffnet. Das Abstimmungslokal bleibt für die Wahlhandlung auf jeden Fall bis 29 Uhr offen, und auch nach diesem Zeitpunkt noch so lanae. wie Abstimmungsberech- tigte sich in ununterbrochener Folge anmelden, um ihre Stimme abzugeben. Artikel 6 Tie Mitglieder der in Artikel 3 vorgesehenen Wahlbüros halten am 8, und 9. Januar 1935 in den Gefängnissen und in den Krankenhäusern zwecks Vornahme der Wahlhand- lungen Sitzungen ab.-und zwar zu einem Zeitpunkt, über den das Kreisbüro sich mit deni Vorstande des Gefängnisses bzw. des Krankenhauses spätestens am Tage vorher ver- ständigt hat. Artikel 7 In bezug aus das Wahlveriahren und die Anordnung des Abstimmungslokals wie auch auf die Vornahme der Wahl- Handlung sollen die Vorschriften der Abstimmungsvcrord- nung einschl. der Ttrasbestimmunqcn angewendet werden, es sei denn, daß die gegenwärtige Verordnung etwas anderes vorschreibt. Tic in Artikel 3 vorgesehenen Wahlbüros sollen bei An- wendung der geltenden Bestimmungen das Wahlveriahren in solcher Weise den obwaltenden Verhältnissen entsprechend ordnen, daß die Stimmabgabc frei, geheim und unbeeinflußt ist. Artikel 8 Tie in Artikel la, b. c»nd d bezeichneten Personen müssen sich darüber ausweisen, daß sie das betr. Amt bzw. den be- treffenden Berus zur Zeit ausüben. Artikel 9 Nachdem der Vorsitzende den den Stimmzettel enthalten- den Umschlag von dem Abstimmungsberechtigten empfangen hat. steckt er ihn in einen zweiten für öicicii Zweck besonders vorgesehenen und nach Angaben der Abstimmungskommission hergestellten Außen-Unnchlag. den er vorher entsprechend dem Vordruck ausgefüllt hat. Ter Außen-Umschlag wird vom Vorsitzenden verschlossen und der Verschluß entsprechend den Vorschriften der Ab- stimmungskvmmission gesichert. Artikel 10 Ter Vorsitzende des Wahlbüros übergibt sofort nach Ab« schluß des Wahlverfahrens sämtliche Umschläge demjenigen Kreisbüro, in dessen Bereich die Stimmen abgegeben wor- den sind. Spätestens am 10. Januar 1935 sendet« genanntcSaKreis- büro diejenigen Umschläge, die zu den WahlbezirkenUnderer Kreise gehören, an die Zentralkartothek in Saarbrücken, welche ihrerseits die Umschläge umgehend denjenigen Kreis- büros einsendet, in deren Bereich die Wahlbezirke liegen, wo die Stimmabgeber stimmberechtigt sind. Gleichzeitig mit der Uebcrgabe der in Art. 33 der Abstim- mungöordnung vorgesehenen Aktenstücke werden jedem Wahlbüro die dazu gehörenden Umschläge überreicht. Artikel 11 Ehe jeder Vorsitzende eines Wahlbüros am 13. Januar 1935 gemäß Art. 39 der Abstimmnngsordnung die Wahl für eröffnet erklärt, soll das Wahlbüro sich davon überzeugen, ob die Außenumschläge vorschriftsmäßig verschlossen sind und soll dann prüfen, ob die aus den Außenumschlägen der vor- her abgegebenen Stimmzettel bezeichneten Personen in der Abstimmungsberechtigtenliste des betr. Wahlbüros eingc- tragen sind. Wenn dies der Fall ist, so öffnet der Vorsitzende den Außenumschlag, und nachdem die in Artikel 15 und 49 vorgesehenen Bescheinigungen in die IdentisizierungSliste eingetragen worden sind, steckt er den Jnnenumschlag un- geöffnet in die Urne. Ist die aus dem Außenumschlag angegebene Person nicht in der Liste eingetragen oder findet das Wahlbüro aus einem andern Grunde, daß der Jnnenumschlag mit dem Stimm- zettcl nicht angenommen werde» kann, so wird ein ent- sprechender Vermerk in das Protokoll aufgenommen und der Außenumschlag sowie der ungeöffnete Jnnenumschlag wer- den dem Protokoll angefügt. Vorstehende Verordnung wird auf Ersuchen der Abstim- mungskommission hiermit verkündet Saarbrücken, den 29. Dezember 1931. Im Namen der Regierungskommission: Der Präsident: gez. G. G. Knox. Ein Sowie i Im an der Saar Im Rahmen einer Filmveranstaltung im Stiesel in Saar brücken zeigte am Tonnerstagabcnd»1 u si a v Regler eine Filmreportage, die er mit dem holländischen Regisseur I o c n e. dem Schöpfer von„Borinage" und„Neue Erde" bei seiner Anwesenheit in der Union drehte. Ein gutes Bei spiel iür die Art, in der gegen die Kulturbarbarei des Faschismus und die Lügen der Faschisten vorgegangen werden muß. Regler verwies in seinem begleitenden Vor- trag aus die letzten Versuche der saarländischen Nazis, durch Verleumdung der Sowjetunion von den grauenvollen Ver- hältnincn im„dritten Reich" abzulenken. Tie Ausstellung „Kamps um Gott" sei ein Arsenal von schmutzige» Lügen, die durch jedes Bild des Film schlagend widerlegt iverde. Ter Film gab dann einen gerade iür die katholischen Werk- tätigen der Saar belehrenden Einblick in das Leben des Svwjetarbeiters, zeigte, wie unwahr alle Behauptungen sind, daß'.n der Union die Familie zerstört würde. Ein- drucksvolle Szenen aus dem Moskauer Straßenleben, aus mustergültigen Fabrikküchcn, dem Kulturpark und der neuen Untergrundbahn in Moskau steigerten sich in den Schluß- bildern, nnd lauter Beifall brach aus, als man den Helden von Leipzig, G e o r g i D i m i t r o f f. mit seiner Mutter am Mausoleum Lenins erscheinen iah. Ter Film sollte noch in vielen Saarstädten und Dörfern gezeigt werden in diesen Tchlußtage» des saarländischen Freiheitskampfs, denn mit seinen guten Fotos, mit seiner geschickten und überzeugenden Spontanität, mit den schonungslos angreiienden Zwischenterten und der witzigen und unerschrockenen Erklärung von Gustav Regler kann er ein gutes Stück beitragen die letzten Nebel zu zerstreuen, mit denen die braunen Agenten die Saarwcrktätiaen zu ver- wirren suchen. ..Das dealsdie Volk muß wieder ein DauernvolK werden r W.c die Londtiflfe an der deutschen Votksaesundheii zehrt Fl lltonen an Bornen und Verbrecher Da* Volk hungert Fm Saargebirt wir» gegenwärtig ein Flugblatt mit jol- gcndcm Fnhalt verbktzitet:» Fn Deutschland werften Brotreste gesammelt für ftie Kinder ftcr Armen. Tort betteln Minister aus fter Strasse um einige Groschen sin das sogenannte Winterhilsswerck. Armes Teutichlanft! Fm«aorgebiet aber»virft das non den fteuischcn Steuerzahler» ausgebrachte tKetd nutzlos verschwendet! Herr Bürckel hoi für den leeren Zeitungskopf des „Weit lauft" mindestens souoiiü Franken bezahlt. Tic Kommunisten haben dem«Äestapo-Agenten Steine- buch die neti» Summe von ttiOrto Franken abgeknöpft. Ter Gentleman Einbrecher Hill, ein Judas, hat den Verrat an seinem Herrn mit 8 0 0 0 0 0 Franken bezahlt bekommen Wem nütz, die e Verschwendung? lieber den Rommnnisten- ftreich und den Hereinfall bei»Westland" lacht ftieganze W c l l lieber d.e Methoden des Herrn Hiti sind alle anständigen Leute im Saargebier entrüstet. Tiieitante» und Abenteurer verpulvern den letzten Rest an Tevi en und schaden dazu der naliona.en Sache in unerhörter Weise. Rechnet man hinzu, daß Herr Pirro fiir Zivecke der..deutschen Front" öiiO()(io Franken im Monat erhalt, io ergibt sich zum Bei piel:ür den Monat Dezember ein Gesamtbetrag von I 7 1 6 000 Franken, die förmlich zum Fenster h l n a u s g e w o r s e n sind. In einem Mona, iast 2 Millionen Franken. Multipliziere das mit 12 und du hast eigen Bruchteil der Summe, die die braune Bonzcnmirtjchasi schon heute im Taargebiet verschlingt. Dazu Korruption an allen Ecken Unterschlagung, Diebstahl, Bestechung, Fälschungen die Paragrase» des Strafgesetzbuches reichen nicht aus. um alle Verbrechen zu nennen. Nicht eingerechnet in dicic» Betrag find die Zuschüsse an die gleichgeschaltete Presse«.Deutsche Front". .Saarbrücter Abendblatt".„Saarbrüekcr Leitung",.Saar- biüeter Landeszeiiung"..Saarzeitung" und die vielen an- deren kleinen Blätter auf dem Lande«, die Subventionen an die sogenannte Kultur- und Sportorganisationen. die sich der besonderen Fürsorge des Regiernngsrafs Wal er mann erfreuten, die Zuwendungen an das söge- nannie WinterhilsSwerk» w. Das Reich bezahlt feine Schulden nicht. Die Privatgläu- biger in der ganzen Welt jammern über die Verluste» die ihnen durch die Devisenpolitik des Herrn Schacht enistehen. Aber Hunderttausende, nein Millionen französische Franken werften in eine psvcholoanch wirkungslose und politisch ver- fehlte Saarpropaganda gesteckt, und das Boll drüben hungert! Wir kragen uns weshalb der Aufwand? Tas Volk ist deutsch. Seine Rückkehr nach Deutschland ist tinzioeiselhast wenn dort Freiheit Recht. Ordnung und Sitte Herrichen Wir fragen uns für was diese Berichwendung, wenn die Ziffern der Herren Röchling. Pirro, Kieser und Kon orten richtig sind. Weshalb dann? Nur um einigen Bon- zen einen guten Zag zu bescheren. Spitzel und Agenten zu be olden, eine Fournaille die ebenso gut rechts wie links schreiben kann, auszuhallen? Sind dafür die Tteuergroschen des deutschen Volkes da? Fst da» die Ausgabenwirtschaft, d>e«n» erwartet, wenn statt der Regierungskammission Herr Pirro a« Schloßplatz refidrer«? Sollen die Zteuergroichen der Bevölkerung verludert und verschleudert werden? Das kann kein vernünftiger, verant- wörtlicher Mensch wollen. Wie können die honorigen Bürger — wir müssen sie imer wieder so nennen— die Röchling. Schmelzer. Kiefer Levacher, die Männer mit den Bürger- ehren hoch zu Haiti nur dulden, daß eine solche Luderwirt- schalt getrieben wird? Aber sie tun es Deshalb sagen mir. wer jo handelt, wie die verantwortlichen Männer der.deutschen Front", ist ein Fdloi oder ein Verbrecher! Beide Kategorien haben setzt in^eu, chland das Heft in der Hand Das sieht ieder, der sehen will Wer sich freiwillig unter ihre Boimänigkeit stellt gehör, dazu wie ein Eiel zum andern Dem geschieht recht er kann nicht Prügel genug be- komme» Wer aber deutsch ist wer national denkt und seine fünf Sinne zusammen hat der wird sichS überlegen. Fawahl. zurück zum Reich- Aber»'ch, gleich; Das heistt wenn es— hoffentlich>ehr bald^ drüben wieder so ist da» man frei atmen, ein offenes Wort wagen und sich nngestört bewegen kann, ohne Gefahr zu laufen, sich selber aus der Flucht erschießen. Dem national deutschen Wähler hat Pater Dörr mit dem Worte des Propheten den Weg gezeigt: Malte fest, was du hast! Ans dem Zudi'hauss'aaf Wer seinen Arbeitsplatz aufgibt, kommt nach Dachau Fraukeuthal 22. Dez. Wie das Bürgermeisteramt mit teilt, wurde dieser Tage ein Einwohner aus Frankenthal in das Konzentrationslager nach Dachau verbracht, weil er seine Arbeitsstelle aus eigenem Verschulden verloren hat, seine Familie der Gefahr des Notstandes aussetzte und er selbst der öffentlichen Fürsorge zur Last siel. Es ist kennzeichnend, dag man dem Manne keinen ehren- rührigen Vorwurf macht, wie man es sicher getan hätte, wenn es möglich wäre. Warum muh er also nach Dachau?©eil er seinen Arbeitsplatz wechseln wollte. Verbo'en' Verbo'en! Schweizer Zeitungen Berti«. 21. Dezember. Die Verbote der bekannten schweizerischen Blätter.Neue Züricher Zeitung"..Bailer Natisnslzeituug^ und.Bund" sind für das Reichsgebiet bis auf weitere» verlängert worden. Für e.ne Wiederzulafsung sollen die erforderlichen Voraus- setzungen nicht gegeben sein Das heipt, die beiden Zeitungen haben sich der Verpflicht- tunfl, nie und nimmer die Wahrheit über das.dritte Reich" zn berichten, nicht unterworfen. Die Munchencr„Medizinische Wochenschrift", eine der maßgebenden ärztlichen Fachzeilungen in Deutschland ist dermaßen gleichgeschaltet, daß die Redaktion in der letzten Nummer«Nr 46 vom 29 Novembers glaubte, zum Prager Uuivcrsitätskonflikt noch ein nationalistisches Sonderei legen zu müssen und daß sie in einem von teinerlei'Sachwissen getrübten saftigen Artikel das tschechische„Zigeunervolk" in edlem Sängerwettstreit mit dem ja auch in München er- scheinenden„Völkischen Beobachter" anspuckt. Wir zitieren also sicherlich einen Kronzeuge» des„dritten Reiches" selbst und zugleich den ärztlichen Fachmann, der es wissen muß, wenn wir darauf hinweisen, was diese Ausgabe der„Medizi- »sichen Wochenschrift" kurz und knapp über die gradezn verheerenden volksgefundheitliche» Folgen der Landhilfe, dieses Renommiersttickes des Hitlerfystcms auf sozialem Geb-ei. feststellt. Das Fachblatt sagt: „Die Landkrankenkassen klagen über sinkende Beitrags- einnahmen und steigende Ausgaben. Als Erklärung für diesen eine ungünstige Entwicklung des Fahrcs NM im Fahr 1934 fortsetzenden Mißstandes wird die Rückwände rung aus ftcr Stadt angegeben. Diese arbeitslosen Städter werden aus dem Lande nur ganz gering e n l lohnt und zahlen dementsprechend niedrige Beiträge. Für die Krankenkassen sind sie aber schlechte Risiken weil sie bei der ungewohnten Landarbeit l e i ch- t e r erkranke n." Wir entnehmen der gleichgeschalteten Presse: Vor dem Schwurgericht, das für diesen Fall in Langensalza tagte war eine Verhandlung gegen den.Kommunisten Arthur Hilbig ans Langensalza, der an einer komm» nistnchen Demonstration am 29. Fanuar 1982 in Nägelstedt bei Langensalza beteilig! war, bei der es zu e i n e r g r o ß e n Schlägerei z u> i> ch e n K o ni in u n i st e n und S S- Leute» kam in deren Verlaus der TS.-Mann Fritz Beubler ans Me.erleben durch einen Beckenschuß io schwer verwundet wurde, daß er am 4 Februar an den Folgen dieses Schusses st a r b. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich zunächst gegen den Konimnnisten Erich Hart- m an» aus Langensalza, der von 1 9 u n t e r 2 3 Z e u g e n, die den Vorfall mitgemacht hatten, als der Plann bezeichnet wurde, ftcr den Schuß auf Beubler abgegeben habe, während die vier anderen Zeugen den jetzt unter der An- klage des Mordversuchs vor dem Schwurgericht stehenden Arthur Hilbig als den Schlitzen bezeichneten, der den lud- lichen Schuß abgegeben habe. Nach den Aussagen Hilbig» und des Kommunisten Wil- Helm«entfahrt, der seinem Leben am 12. März durch Erhängen rm Erfurter Untersuchungsgefängnis ein Ende in a ch t e. haben beide mit einer M i l! t ä r p i st o l e M 08 einen Schuß abzugeben versucht. Ob das tatsächlich geschehen ist oder ob die Pistole, wie beide behaupteten, ver- sagt hat, konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Ten Versuch zu schießen, haben aber beide gemacht, deshalb ist nach der Anklage Hilbig der Mittäterschaft an einem M o r d v e r s u ch schuldig. Der der Tai früher verdächtige Erich Hartmann hatte von Anfang an behanpiei. während der Vorgänge in Nägelstedt mit seiner Frau einer Kinovorstellung in Langensalza beigewohnt zn haben was von einer Reihe von Zeugen bestätigt wurde. Ferner hatte Hanmann in dem Ver- fahren, das im Fahre 1932 gegen ihn eingeleitet wurde, etwa zwei Monate nach der Tat zum Nachweis seines Alibis den genauen Inhalt der in der Mvrdnacht zum ersten Mal in Lanaenfalza vorge'iihrte» Filme niedergeschrieben Zur Nachprüfung feiner Angaben wurde Hartmann von dem Marburger llniversitätsproiesfor Faensch in dessen Institut fiir psnchologischc Anthropologie genau untersucht und aus Grund dieses Gutachtens an her Verfolgung gesetzt. Reben der Behauptung, daß es in Hitlerdeutschland„keine Proletarier mehr gebe", spielt im nationalsozialistischen Jargon die andere fchöne Weisheit eine führende Rolle, daß die Deutschen„wieder ein Bauernvolk werden" sollten. Damit diese Zurückschraubung der deutschen Entwicklung eriva in die Tage der Elisabeth von Thüringen oder Heinrich des Voglers schneller sich entwickle, als normalerweise er- wartet werden kann, ist die Landhilie Gesetz im„dritten Reich" geworden. Tic Zivangsdeportationen städtischer Er- ivcrbsloser auf das platte Land sind bei fast allen deutschen Arbeitsämtern in Schwang, den Großbauern sichert neben Osthilse, rein agrarischer Zoll- und Preispolitik und dem herrlichen Eiltschuldungsveriahren diese Hitlcr'che Form moderner Sklaverei noch einen Surplusprosit, indem der staatliche Zwang sie auch noch mit Arbeitermaterial zicmli i tostenlos versieht. Auf wessen Kosten aber dieser Menschen- Handel des„dritten Reiches" geh: zeigt oben der medizinische Fachmann Die großstädtischen Fndustrieoroletarier bezahlen das Erperimeni»ich, nur mit ihren Hungerlöhnen, d e sogar der gleichgeichaltete medizinische Publizist als solche empfindet, sondern noch dazu mit dem Rest an Gesundheit, den sie sich vielleicht noch durch die Elendsjahre der Weltkri>e bisher erhalte» hatten Die sozialen Einrichtungen, wie das Krantenkanenwefen au'' ganz anderen soziologischen Ver- hältnisien ausgebaut, gehen vor die Hunde: den» bei dem Zustand der Finanzen des„dritten Reiches", das von der 'Vorwegnähme seiner Einnahmen l>is etwa 1988 die zwei Fahre seiner Dauer gelebt hat. kann man sich an de» fünf Fingern abzählen wie später die Sanierung solcher durch das System bankrott gemachler Kassen aussehen soll. Fn dem Prozeß gegen den Angeklagten Arthur Hilbig erstattete de» Marburger Universitätsprosesior und Direktor des Psychologischen Fnstituts der Universität Marburg, Dr. Faensch, ein Gutachten, durch das das Alibi des an- länglich des Mordes an Beubler beschuldigten Erich Hart in an n wissenschaftlich gestützt wurde. Hartmann hatte, nachdem er bereits zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, als Alibibeweis die genaue Schilderung zweier Filme schriftlich niedergelegt, die er a» dem Abend, an dem Beubler in Nägelstedt die tödliche Schußwunde erhalten hatte, im Kino in Langensalza mit seiner Frau gesehen hatte. Da die Staatsanwaltschaft Bedeuten hatte, ob Hartman» nicht etwa von dritter Seite die genaue Kenntnis der beiden Filme übermittelt worden sei. hat sie ihn durch Pros. Faensch genau auf seine Gedächtnis st ä r k e untersuchen lassen. Dabei Hai nun der Sachverständige festgestellt, das« Hartman» zu der kleinen Gruppe von Menschen gehöre welche d'e Fähigkeit besitzen, etwas Vor- gestelltes wieder plastisch vor sich zu sehen. Und zwar besitze Hartmann diese Gabe in besonders hohem Grade. Zum Vergleich wurden sechs Personen mit besonders gutem Ge- dächtnis herangezogen. Aber diese Bergleichspcrionen konnten höchstens 50 Prozent der Einzelheiten angeben, die Härtmann anzugeben vermochte. Für nur Gehörtes, nicht Gesehenes, geht sein Gedächtnis über das Normale hinaus. Die beiden Filme ivurden an jenem Abend, da Hartmann sie sah, zum erstenmal in Langensalza ausgeführt: bei der zweiten Ausführung war Hartman» bereits in Hart. Es sei also, meinte Professor Faensch. mit UMl Prozent Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß Hartmann tatsächlich an dem tragliche» Abend im Kino in Langensalza war. Das Gericht schloß sich diesem Gutachten an. Damit war Hart mann als Täter ausgeschaltet. Der Oberstaatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, es sei einwandfrei festgestellt worden, daß der„durch Selbst- mord" aus dem Leben geschiedene Wilhelm Seykarth mit der Pistole H i l b l g s de» tödlichen Schuß ab- gegeben habe. Er beantraate die Todesstrafe g e g.e n H i l b i g da dieser a l s M i t i ä t e r anzusehen!ei. Das Gericht kam aber nach dreistündiger Beratung zu der Ucberzeugung, daß sich Hilbig nur der Beihilfe zum Mord, welchen Seytarth ausgeführt habe, schuldig gemacht habe, und erkannte ans eine Zuchthausstrafe von 12 Fahren.' »t M Was heißt hier Kameraden? ..leher 10 Jahre Dürre a§ nodi 1 Jahr harter Der„Tburgauer Zeitung"(Nr 292) wird aus Berlin geschrieben Fm Zirkus Busch in Berlin haben kürzlich Borkämpie stattgefunden, während deren die Beleuchtung des Zuschauerraums ansgeschaltet wurde, und nur vo» der Kuppel des Gebäudes herab einige Scheinwerfer ihr Licht aus de» Borring warfen. Sowie die Zuschauersitze in Dunkel gehüllt waren, vernahm man von der Höhe des Zirkus her Rute: „Nieder mit der Hungerregiernng!" Des Publikums bemächtigte.sich ziemliche Erregung, und das Licht flammte wieder auf. Da aber eine sofort angestcllte Untersuchung kein greifbares Resultat ergab, ließ man den Saal wieder verdunkeln. Sofort wurde aber wieder der gleiche Sprech- chor hörbar Abermals flammte die Beteuchtuua wieder auf: diesmal aber durchsuchte die Polizei sehr sorgfältig die Gegend, ans der das„Rieder"-Geschr> i gekommen war. Niemand der Betragten wollte etwas wissen, keiner beob- achtet'laben, daß etwa sein Nachbar d'n Mund auigctan habe. Und so verhaftete man schließlich der Einfachheit hal- ber und des Eremvels wegen gegen hundert Besucher ans den oberen ZirkuSregioncn. . Auch Frau Magda Goebbels, d'e Gattin des Reich'-- propagandaministers wurde kürzlich in»ich« gerade angenehmer Weife apostrophiert. Sie bciuch.c eine Vorstellung des zum'Befehlsbereich ihres Mannes zählenden Deutschen Opernhauses: da sie eine elegante Frau ist, die sich gern gut kleidet, so trug sie ein vermelineape. Aber höhnische.Zurufe:„Für unser Geld!" und dergleichen nötigte» sie. sich in den Hintergrund der Loge zurückzuziehen.- Vor der Velegschait oder niclmehr„Gefolgschaft" der Allgemeinen Elektrizitätsgeiellschait, die zu des Führers liebsten Kin- der» gehört, sprach statt des verhinderte» Führers selbst dessen Stellvertreter Rudolf Heß. Als er aber nach gutem nationalsozialistischem Brauch die Arbeiter mit»Kamera- den" anredete, muhte er sich aus der Versammlung heraus sagen lasien:„Was heißt hier„Kameraden"! Du hast drei Autos, und wir haben nichts!" Fn einem Arbeitsdienstlager, von dem aus eine Strecke der Reichsautobahn gebaut wird, machte der Unwille sich besonders bemerkbar. Tie Leute bekommen dort eine wöchentliche Entlohnung vo» sechzehn Mark. Bei den Verheirateten werden vo» diesem Beirag sofort zehn Mark ab- geziveigt und an ihre Frauen gesandt: von den verbleiben- de» sechs Mark gehen dann zunächst siebzig Pfennig für O.narticrgeld. eine Mark für die Beförderung mit Last- kraitivagen zur und von der Arbeitsstätte und außerdem 2,10 Mark für Verpflegung ab. so daß der Mann ganze 2,20 Marl als Wochenverdienft buchen kann. Aber auch die- ies Geld erhält er nicht ausbezahlt, sondern es wird ihm gutgeschrieben: man erzieht ihn also zur Sparsamkeit. TaS paßte einem der so Vedachten in dem erwähnten Lager nicht, und er eröffnete dem Lageriührer. daß er seine wenig nutz- bringende Tätigkeit einstelle. Die Antwort war die Drohung mit dem Konzentrationslager, woraus die gesamte Belegschaft von 210 Mann sich mit dem Aufbegehrenden solidarisch erklärte und abmarschierte. Fn Schleswig-Holstein vpr- anftaiteteu die Bauerngutsbesitzer einen Umzug mit schwur- zen Fahnen»nd Fntchriittat'eln auf denen stand:„Lieber zehn Fahre Dürre als noch ein Fahr Darre!" So liehen sich die Beispiele über die gärende Stimmung noch beliebig vermehren. Man kann wohl sagen, daß heute kein einziger Gau des Deutschen Reiches mehr geschlossen hinter dem nationalsozialistischen Regime stellt. Da» Nationalsozialistische Kraslsahrerkorvs ist angeblich wegen(.3 einer notwendig gewordenen Neuorganisation,„beur- laubt" worden: ein grosser Teil von ihm wird aus diesem unerwarteten Urlaub nicht wieder zurückkehren, nämlich alle die, an deren Zuverlässigkeit im nationalsozialistischen Sinn man zweifeln zu müssen glaubt. Auch in den Reiben der SA. und TS., die doch erst im vergangenen Sommer peinlichst gesiebt wurden, soll wieder einmal strenge Muste- rung gehalten werden, weil sich auch da wieder neue Zcr- setzungserscheinungcn bemerkbar machen. I? tahre Zadiihaus fiir unbewiesene Besthuldigung Ein tieu sdier Gericfhsher m der d e hadieiiisii iiius r erl ®ec?scftc ftimmcn• fäeVate zur..Deutstfien Freiheit"- frei^nlsse und@cs Schlimmste geschieht den Kindern. Erinnerst Du ' lassen, und mau rechnet damit, daß er nicht mehr zurück kehrt. Qäcing Cie&t die Ziere Aber der Reichsjägermeister hat keine Zeit Die deutschen Förster schütteln den Kopf über eine Bestimmung im neuen Jagdgesetz. Nämlich, daß in„besonderen Fällen" der Jäger von der Nachsuche befreit und diese von einem Kenner der Revier- und Schuß Verhältnisse geführt werden kann. So etwas hat es bisher nie gegeben und widerspricht der Ehre eines echten Jägers. Nachsuche ist die Verfolgung eines angeschossenen Wildes. Es muß gefunden werden, damit es nicht irgendwo an der Verwundung elendig krepiert. Jeder Jäger sieht in der Nachsuche eine unbedingte Verpflichtung. Nur Herr Göring nicht. Er hat bei einer Jagd vor einiger Zeit einen Hirsch angeschossen. Nach einiger Zeit wurde ihm die Nachsuche langweilig und er erklärte seiner Gefolgschaft, daß er keine Zeit mehr habe. Da kam er aber bei den hoben Forstbeamten schlecht an. Sie erklärten ihm, daß die Nachsuche stets unter der Führung des Jägers zu stehen habe, der den Fehlschuß abgegeben habe. Göring schob dringende Staatsgesrhäftr vor. Darauf erklärte der höchste Forstheamte, daß er die Nachsuche für den folgenden Morgen 5 Uhr ansetze und sich die Ehre geben werde, den Herrn Reichsforstineister abzuholen (auf gut deutsch heißt das:„geweckt"). Göring brauste auf und erklärte, wegen dieses Hirschen nicht wichtige Arbeit vernachlässigen zu können und—, wenige Tage später kaui das neue Jagdaesetc mit der obenzitierten Ausnahmebestimmung. '6lc«r m wgrmt«it«n Nr. 101 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Sonntag-Montag, 23. u. 24. Dax I Jungens im Moor Erlebnisse junger Saarländer im FAD.- Von Jean Cl-iristophe J u n g e n s im Moor, als Saarländer brim Arbeitsdienst; dies ist der. Titel einer 18 Seiten umfassenden Srbrift, die soeben im Verlag der, Volksstimme" erschienen ist. Jean Christophe — ein Pseudonym, hinter dein sich ein bekannter deutscher Autor verbirgt— hat diese 48 Seiten„nach Berichten" gesellrieben. Es ist die Widergabe von Erlebnissen junger Saarländer. Arbeitslos, wie sie waren, zogen sie ins Reich, in den Freiwilligen Arbeitsdienst. Sie hatten sich auf ein frischfröhliches Lagerleben eingerichtet, mit gutem Essen, schönen Montieren und Mädels. Sie hatten dem Nationalen Alarm geglaubt, beseligt, am Aufbruch der jungen Nation drüben im „dritten Reich" endlich teilnehmen zu dürfen. Wenige Wochen, wenige Monate später: Jammerbriefe, in lähmendem Entsetzen, ausgemergelte Körper, gepeinigte Seelen. An der Saar hat man Verzweiflungsbriefe dieser jungen Menschen kennen gelernt. Andere, die robuster gebaut waren, gehören noch zur Spaniol- Armee. die nach dem Willen ihres„Führers" das Saargebiet im Zuge der Abstimmung„erobern" soll.... Wii geben einige Kapitel aus der Schrift Jean Christophes. Zum Schluß graut der belogenen Jugend vor der Wahrheit: Iden Außenminister gebildet. Vor allem galt aber, wie man zuverlässig criährt, die Unter- rcdung der Tatsache, daß nach dem Scheiter» der Flottcn- konfereuz in London Rooscvclt sich zu dem Grundsatz der Freiheit der Meere bekennt. Run hat vor einigen Tagen in einer Pressekonferenz in Washington der amerikanische Staatssekretär siir das Aus- wältige. Hüll, in Gegenwart von Rooicvelt erklärt, die Regierung suche gegenwärtig ihre Stellungnahme der Neu- rralität im Falle eines Krieges in den Secfragcn zu formu- lieren. Amerika wurde im Prinzip nicht auf die Freiheit zur See verzichten, aber es gebe zu, daß die restlose Verteidigung dieses Grundsatzes es in Komplikationen vcrivickeln könne, iveShalb eine Regln ng notwendig sei. Amerika würde also geneigt sein, im Kriegsfälle „K r i c g s z o n e»" zu bestimme»' es würde den Äineri- kancr» von ihrer Regierung mitgeteilt werden, daß sie innerhizlb dieser Kriegszonen aus eigene Gefahr handelten, alles in dem Wunsch, gegenüber den kriegführenden Par- teien in keine prekäre Lage zu kommen. Roosevclt will— das»st sei« Beweggrund— i„ keinen europäischen Krieg verwickelt werden. Er will d>c„src>c Ausübung der unumschränkten Neutralität" sichern. Dazu gehört die Kontrolle der Waffenfabrikatton den Vereinigten Staate» im Krieg und im Frieden, die verhin- dcrn soll daß die amerikanischen Staatsmänner unter irgendwelchem Truck zur Teilnahme am Kriege gezwungen werden könnten. Man nimmt hier an, daß alle von Amerika vorgesehenen Maßnahmen— dazu gehört auch das geplante Verbot der Verproviantier»»« der kriegführenden Länder oder der der Anwerbung von Freiwilligen ans amerikanischem Boden— die Wirkungskraft internationaler Sanktionen und im Notfälle einer Blockade durch die englischen Seestreitkräfte stei- gern werden. Diese Maßnahmen würden aber auch das größte Hemmnis beseitigen, das dem Eintritt Amerikas zum Völkerbund im Wege stehe, und gerade Amerikas Eintritt in den Völkerbund sei es. an den sehr häufig einflußreiche Kreise in Washington im Augenblick dächten. ...lind diese letzten wichtigen Fragen bilden heute Gegen- stand der Unterhaltung zwischen Sir John Simon und Laval. Jevmstii und die Verhandlungen in Rom Paris, den 22. Tczcmbcr. Von unserem Korrespondenten. Auch in der Politik zeigt es sich oft. daß das Wort von der»Kraft, die das Böse ivill und das Gute ichaiit, eine gewisse Berechtigung hat. Als der jugoslawische Außen- minister Jcvtitsch seine Demission gab, haben, wie der Berliner Korrespondent des„Paris-Midi" zu melden weiß- gewisse Leute in Berlin geglaubt, daß nunmehr aus der von Lava! so eifrig betriebenen Annäherung zwischen Italien und Jugoslawien nichts würde, daß damit also auch das Ende der französisch italienischen Verständigungö- aktion gekommen sei. Sie haben sich geirrt, wie sich die Anßenpolitikcr in der Wilhelmstraße in den letzten beiden Jahren so oft geirrt haben Und wenn sie das nicht glauben wollen, dann mögen sie sich in den Pariser politischen .Kreisen umsehen, wo die vergnügte» Gesichter sie bald eines besseren belehren werden. Tatsächlich glaubt man hier in maßgebenden Kreisen, daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien dadurch nur eine Förderung erfahre» können, daß Jcvtitsch an die Spitze der jugoslawischen Regierung tritt. Man weiß, daß er bereit ist. sich mit Italien zu verständigen, und damit i st eine wesentliche Voraussetzung für die k o m m ende s r a n z ö s i i ch- i t a l i c n i i ch e Entente erfüllt. Tic Verhandlungen zwischen Paris iind Rom erleiden auch in diesen Tagen keinerlei Unter- brechung sie werden sogar im Gegenteil im Augenblick be- sonders intensiv fortgeführt, und man' kann ruhig sage», daß in den letzte» vierundzwanzig Stunden iranzomch- italicnische Vcrständigungsakticn" außerordentlich im Kurse gestiegen sind. m englischer«dcrrXli er Er steht für das Recht ein Tic englische Regierung hat dem Hauic der Lords einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine NeugeMiltung des-.-cr- fahrens vor dem Obersten Gericht bezweckt. Testen tzraii- de«». L o r d H e>var t. der c r st c R. cht e r d es R c ich« s. lial darin eine Bestimmung gesunden, die nach iriner lieber- zeugung gegen ein Mitglied des Gerichtshots, den früheren so zi a l ist l ch e 11 Abgeordneten Henri,«bei,er. gerichtet„t. Er nannte das ci« g-bässig-s Manöver«nd erklär^ er werde den Gesetzentwurf im Oberhans Zeile iur Zeile, ,a Wort siir Wort bekämpfen. Er wird deshalb, wenn jene Bestimmung nicht geändert wird, den Kampf im Parlament fuhren und kür dicic Zeit de» G e r i ch« s hol vertage n. so daß ein Stillstand des Rechtsgangs zu erwarten ist. Das Verhalten des Höchstrich- ters ist ohne Vorgang und hat großes Aufsehen erregt. Man versetze diesen Fall nach Deutschland: cm Höckmrichter. der den Mut ausbringt eine Ungerechtigkeit als wiche zu be- ,'eichncn. und der alle Kräfte>'iir ihre Bekämpfung einsetzt! Was würde einem so'chcn Mann in,»dritten iiieich" wider« fahren? Aber keine Sorge! Ter Fall kommt doch nicht vor. Rer fal! Ci re£n Ein Artikel von Leon Blum Die soziale Bedeutung des Falles hat auch die sozialistische. Fraktion der Kammer unter Führung von Leon Blum veranlaß, eine Interpellation einzubringen, in der eine iv,or- nie Besprechung der..Affäre Citroen" ge,ordert wird. z», Pop ula irc" kommt Leon Blum'elbst au, die Angelegenheit zu sprechen. Er fordert die Sequestrierung der Citroen-Werke, also mit anderen Worten ihre UcbersührnNg in Jwängsmr val ung durch den Staat T,->er wurde wohl zunächst zur Wicderflo.t.nachung des Unternehmens c.ne i inline hincittstecken müsse», dafür aber wurde er a!?ke B^räac cr /paren die sonst siir die Unterstützung der große Betrage er,parr.„nd Angestellte» des llntcr- ..wc.D-i»..(cicii Di, in Den rrfeiSÄö* h" k'tb"?,'.^nlaire" ivciter mitzuteilen weiß, soll, falls Wie der Ii opulmre ,'j^tion der Werke kommt, der be- es zur gerichtlichen^xnauld als V'quldator vorge- kannte Automob, Qj n z M, das wäre paradox: denn sehe» sei«.„„ Citroens Untergang gearbeitet. Renault habe>cit l ,vürde das d'e geheimnisvollen SÄ" S».-.««.-.-»««'»■ „Man hat eine rrau gehängt.. „Oeuvre" kommentiert die Hinrichtung von Mrs. Major in Hull, die ivegcn Giftmordes, begangen an ihrem Gatte», zum Tode verurcilt worden war, mit packen- de» Worten: „Seit 8 Jahren hatte man keine Frau in England gehängt. Tie Zeit schien lang. Es ist niemals zu spät, um etwas gut zu machen. Derart ist wenigstens die Ansicht des Innen- Ministeriums gewesen. Und die Ansicht des Königs. Und die Ansicht der Königin. Ter Lordmajor von Hull hatte vor- gestern abend ein Telegramm an den Buckingham-Palast gerichtet:„Möge Ihre Majestät die Königin>n dieser elften Stunde sich einer Frau und Mutter erbarmen." Tie Antwort lautete, der König könne von seinen Vor- rechten nur auf den Rat seiner Minister Gebrauch machen. „In diesem Fall hat sich der Staatssekretär des Innern gegen einen Aufschub ausge-prochen. Es kann nichts mehr getan werden." Der Bürgermeister von Hull hatie ebenfalls an den Staats- sckretär des Innern telegraphiert:„T>c 801, l)(W Einwohner meiner S>adt flehen S'c an. Neben S>c aus Menschlichkeit Gnade! Tenken Sie daran, daß Weihnachten nahe ist, und denken Sic a» die Botschaft des„Wohlgefallens", die diese Zeit uns bringt." Ter Staatssekretär für das Innere antwortete nicht. Er weiß sehr gut, was er zn Weihnachten zu tun hat: natürlich das Fest recht schön zu feiern. Vorgestern abend wurde Frau Major— die ihren Gatten vergiftete, deren Eheleben aber so war. daß fast die Gesamt- heit der Einwohner ihrer Stadt und der Pastor ihre Be- gnadigung nachgesucht harten—. benachrichtigt, daß es mit ihr'zu Ende ging. Sic unterhielt sich einige Augenblicke mit ihrem Sohn, einem junge» sechzehnjährigen Burschen, und hielt sich während dieser Zusammenkunft ziemlich gut. Aber der Junge sollte weggeführt werden. Da wurde er ohnmächtig. Ter Henker kam etwas danach in das Gesängnis von Hull. Man hatte Vorsorge treffen müssen, um zu verhindern, daß er erkannt wurde um seine„Eigenschaft" zu verbergen... Er besuchte Ethel Major. Er ist ein gewissenhafter Mensch. Er wollte nicht, da» das Königreich unnütze Ausgaben für den Strick habe. Darum»ahm er genau Maß. Wir wollen jage», er maß Ethel Major. Tann wog er sie. Für ihn ivar das schon kein Lebendgewicht mehr. Für einen Tag war das genug. Für den nächsten Tag standen die ernsten Tinge bevor. Man hatte Ethel Major in ihrer Zelle aufgefordert zu schlafe». Sie wurde zweimal ohnmächtig. Man brachte sie enerigsch wieder zum Leben. Sie durfte nicht zu früh sterben. Und dafür hatte man erst 9 Uhr morgens festgesetzt.. Draußen war die Polizei ans dem Posten. Niemand durste dem Gefängnis nahen, Ivo man den Wunsch hatte, unier sich, nur unter Freunden zu sein. Um 8 Uhr 30 erschienen der Gesängnisdirektor und zwei Geistliche. Tos Tor des Gesänq- nifses schloß sich hinter ihnen Aus d>e M>nnte um 0 Uhr entblößten die Arbeiter aus den2Tocko und Wersten von Hull ihre Häupter. Ethel Major verließ ihre Zelle. ,>>>ins'.et>n Sekunde» kvätcr war sie tot. und die Papiere fertig. Völlig fertig. Ter Arzt hatte selbst unterschriebe», ■irr Lauf der Gerechtigkeit ivar endlich beendet. Mit einer Leiche Kühl wie der Morgen. Um 0 Uhr 5 erschienen drei Polizisten. Ihre Aufgabe war es. die Papiere anzuschlagen. Wcnii^ma» diese Art von Papieren au den Toren der eng- tischen Strafanstalten anschlägt, dann pflegen dort stets viele Leute zu stehen, um sie zn lesen. Es sind oft Leute, die nicht weitab vom Gefängnis wohnen, die mit dem Verurteilten gezittert und gebetet haben, als er vor seinem Ende betete. Darunter gibt es auch manchen, der i'aat: „Ich halte nicht Geschworener sein wollen..." rrheüsfron ftewegund n Be^en Die Kommunistische Partei hat an denVorstand dcrArbcitcr- parte! iSP.j eine Aufforderung zu gemeinsamer Aktion gc- richtet. Ter Vorstand hat sich einverstanden erklärt, falls die KP. bereit ist. den Arbeitsplan, der vom Partei- kongreß am 2">. Dezember 1933 beschlossen wurde, anzunehmen. Gegenstand des Arbeitsplans ist die Machtergreifung durch die Arbeiterbewegung bchuks Einführung der Plan- Wirtschaft, Rur bei Einverständnis dieser Frage vcr- möge die Arbeiterpartei ein fruchtbares Zusammenarbeiten z» erwarten. !Durdws Oudktoih Auch in Köllen, der heiligen Studt, hat man, wir überall in Deutschland, das angestammte, altväterliche und höchst gemütliche„Daag zesamme!" durch das stramme„Heil Hitler!" zu verdrängen versucht. Wer auch nur ein Weniges von der kölschen Seele weiß, der fühlt, daß hier ein Attentat auf die Unveräußerlichkeiten von zwei tausend Jahren— so alt ist nämlich uns Kölle— unternommen wurde, so daß man nur tiefstes Mitleid heute schon mit den ,.volksfremden" braunen Sturmgeselle n haben kann, die diesen schnöden Anschlag auf das..Brauchtum" und diesen mörderischen Leerhieb in die rheinische Luft verschuldeten. Im Hinblick auf den Tag der süßen Rache nämlich, der einmal kommen wird. Einstweilen ist dort, in Köln, ein neuer klassisiher Fall von Reverenzverweigerung vor dem Geßlerhut des ,.dritten Reiches" zu verzeichnen. Der stellvertretende Vorsitzende der Kölner Anwaltskammer, der Rechtsanicalt beim Ober- landesgericht. Dr. Legers, wurde aus dem Nationalsozialistischen Juristenbund ausgeschlossen, weil er statt„Heil Hitler!" mit konstanter Renitenz..Alan) Kölle!" dienstlich und außerdienstlich zu sagen pflegte. Herr Legers ist dadurch einstweilen existenzlos gemacht. Aber Herr Legers wird auch daran denken, daß ja auch auf die schmähliche Apfelszene im„Teil" später das Intermezzo in der hohlen Gasse von Küßnacht folgte. Man muß nur ein wenig warten können. Die Situation in Deutschland, und auch gerade in Köln, ist zur Zeit: Wilhelm Teil von Friedrich von Schiller — Zehn Minuten Pause zwischen dem 4. und 5. Akt! Herr Legers ist übrigens nicht der einzige Jurist, dem es so— einstweilen!— ergangen ist. Vor einem halben Jahr wurde der Leipziger Anwalt Meißer aus dem ehrbaren Stand der Advokaten ausgeschlossen, weil er im Verhandlungssaal bei Eintritt des Gerichts auch die rechte Hand unter dem Talarärmel versteckt hielt. Herr Meißer ist und ivar alles andere als ein subversives marxistisches Subjekt. Er war es. der den ersten Schuß auf Erich Zeigner und seine angebliche Weihnachtsgans löste und dem seitdem die Berühmtheit anhängt. Sachsen durch ein Eingesandt in den Leipziger Neuesten Nachrichten vom Räteschreck befreit zu haben. Wenn also das schon eine/n c/uasi Arminius passiert, darf sich dann ein weniger blondes, urkölsches Gemüt— bei gleichem Schicksalsschlag— beschwert und bedrückt fühlen? Nein, es tut es nicht! Köln sagt nur das eine; „W aaht, Pööschje!" Aber zur Zeit ist wirklich noch Aktpause.... Einstweilen leben wir noch in der Zeit der Gesinnungsschnüffelei, in der clas Hitlerregime einen schlechthin unüberbietbaren Weltrekord aufgestellt hat. Wer dort kein privilegierendes Rosettchen im Knopfloch trägt, teer lieber die..Rasenbank am Eiterngrab" als das vorgeschriebene..Die Fahne hoch, die Reihen fest geschloooßen!" singt, wer die Farbe eines Schlippses nicht der Staatskulör anpaßt, wandert ins Ka- schöttchen oder in Acht. Hitler hält zwar den Rekord. Aber anderswo ist's auch schlimm! Da hatten sich die Oesterreicher autoritären, will sagen brachialen Systems den Bundesbahndirektor Novak zum Präsidenten ihres Staatsrates bestellt, der, ein Panoptikum von feierlich ernannten und nicht mehr gewählten Wachs, puppen, das verfassungsmäßig absolvieren soll, was früher dem Parlament vorbehalten war. Herr Novak ist sicherlich ein wendiger und tüchtiger Herr; sonst hätte ihn Herr Sehuschnigg nicht bestellt. Aber was hilft einem heute schon Wendigkeit und Tüchtigkeit, wenn eben die zuliitliche gute Gesinnung fehlt?! Drei Tage nämlich nach der Bestellung stellte sich heraus, daß der p. />. Novak— Zeitgenosse, halte Dich fest!— in einer Sever-Ehe sozusagen glücklich seil mindestens zehn Jahren lebt. Eine Sever-Ehe ist, so würde der leider verstorbene Ringelnatj sagen, eine Ehe, wo quasi i vild ist. Eine Ehe. die nur der Fislsul und nicht der Dechanl gesegnet hat. Man weiß zwar nicht recht, warum der Herr Novak nicht ein ganz erfolgreicher und systemgerechter Staatsratspräsident sein soll, selbst wenn er die Flitterwochen..severisch" und nicht kanonisch vor einem Jahrzehnt verlebt haben sollte— aber so ist clas schon so in dieser Welt unserer herrlichen Tage: Wehe, dreimal wehe, wenn Du kein anerkanntes Sacktuch vorwe-sen kannst! F. E. R o t h. »«helleren Rill..trvn hämmern Der„Führer" sucht Gimpel (Von unserem Korrespondenten,> Wieder einmal sind Führer einer französische» Front- kämpfcrorganisativn bei Adolf Hitler gewesen, und dieser hat zu der Unterredung seinen„Stellvertreter" in der Fiih- rung der nationalsozialistischen Partei, Reichsminister Rudolf Heß, hinzugezogen.„Frontkämpier", so heißt es in dem v'iizicllen, vom TNB. verbreiteten Eommnnigue,„wollten mit„Frontkämpfern" reden." Tie französische Presse gibt mit wenigen Ausnahmen diese Meldung des offiziösen Deutschen Nachrichtenbüros ganz oder im Auszuge wieder, aber die Kommentare zu dic>er Meldung sind nur sehr wenig zahlreich Hier und da spricht man seine Verwunderung darüber aus. daß es jetzt zu diesem Besuch bei Hitler kommen konnte, Ivo doch eine bedeutende Frontkämpferorganisation die Einladung nach Berlin mit der Bemerkung abgelehnt hatte, daß man erst nach der Saar- abstimmung zur Verfügung stehen könne... Sehr unzufrieden über die neue Aktion ist der„Figaro", Ivo es heißt, man könne nur wiederholen, was der„Figaro" bereits gesagt habe: die ehemaligen französischen Front- kämpscr hätten keinerlei Auftrag, mit den Männern der Reichsregiernng zn verhandeln. Frankreich habe einen Slot- irbafter in Berlin. Das Reich habe einen Vertreter in Paris. Auf dem Wege über sie müßten die beiden Regierungen verhandeln, wenn sie Verhandlungen beginnen wollten. Im übrigen hängt, ivie wir cr'aliren, die.sinrücklioftvng der sran»ösischen Presse damit zusammen, daß man erst einmal den Bericht abwarten ivill. den Hitlers Besucher Ihrer Re- gierung erstatten werden, die diesmal von diesem Schritt der von ihnen vertretenen französischen Frontkümpferorganisa- tion vorher unterrichtet war. „Paris-Midi" verweist daraus, in welcher außenpolitisch ungünstigen Lage Hitler-Deutschland Frankreich gegenüber in dem Augenblick iei. wo dieses vor einer Entente mit Sowjet-Rußland und mit Italien siebe. Indem das Reich den iessheren französischen Frontkämpfern einen leserlichen Empfang bereite, mache es seine Notizen iur seine eigenen Verhandlungen mit Paris. Nebe» den Besprechungen mit Rom und den Verhandlungen mit Moskau stell' es ieiiiß Visierstangen auf französisch deutsche Unterhaltungen rA Gönnt uns den Weihnadrisfrieden! Ein Wunsch der deutschen Emigranten an die französischen Behörden ans, den 22. Dezember. Von unserem Korrespondenten. Das Weihnachtsfest steht vor der Türe. Das Fest des Friedens. Frieden auch für die deutschen Emigranten, die auf französischem Boden weilen? Wir wagen es nicht zu hoffen. Mehr als zuvor lebt die Sorge in den Herzen unserer Schicksalsgefährten. Viele von ihnen haben sich mit emsigem Fleiß und unbeugsamer Energie eine mehr als bescheidene Existenz in Frankreich geschaffen, die ihnen wenigstens ermöglicht, ein Dach über dem Kopf und Brot und Kartoffeln im Hause zu haben. Aber das Fundament dieses Hauses schwankt. Viele hunderte unter den deutschen Emigranten haben in den letzten Wochen von der zuständigen Polizeibehörde das Refoulement, den Refus de Sejour, den..blauen oder roten Ausweis", d. h die Ausweisung erhalten. Gesuche wurden an die Präfekturen, an das Innenministerium gerichtet. Dieser oder jener erhielt auch wirklich eine Gnadenfrist von zehn oder vierzehn Tagen, bevor er das Land verlassen sollte, das ihn als deutschen Hitlerflüchtling vor mehr als Jahresfrist gastlich aufgenommen hat. Bei vielen sind die Fristen längst überschritten. Sie werden zur Präfektur bestellt, man holt sie aus ihren Wohnungen zur Polizei, man droht und droht und schreibt auf ihre Ausweispapiere die Worte:„Invite ä quitter le territoire franc*ais en 48 heures"— d. h. aufgefordert, innerhalb 48 Stunden Frankreich zu verlassen. Auch diese 48 Stunden vergehen, und der Flüchtling bleibt weiter in dem Land, das ihm die Türe weist. Mittel hat er nicht. Kein Land will ihn haben. Nach Deutschland kann er in den allermeisten Fällen nicht zurück. Was nun? Wieder vergehen einige Tage, manchmal auch ein oder Das„fliegende Hotel" Furchtbarer Absturz Amsterdam, 22. Dezember. Das unter dem Namen„Fliegendes Hotel" befannte hol- ländische Großflugzeug„Uivcr", das sich bei dem Fluge London—Melbourne ausgezeichnet hatte, war vor zwei Tagen mit sieben Personen an Bord zu einem Schnellpost- fluge nach Niederländisch-Jndien gestartet. Seit Mittwoch nacht fehlt von dem Flugzeug jede Nachricht. Eine Staffel britischer Militärflugzeuge aus Palästina hat jetzt die Trümmer deS holländischen Flugzeugs„River" 18 Kilometer südlich der Oase Rutbah snordöstlich von Jerusalem) entdeckt. Das Flugzeug war v o l l st ä n d i g verbrannt. Bei dem Absturz des holländischen Flugzeugs sind alle Insassen, drei Passagiere und vier Mann Be- satzung Ilms Leben gekommen zwei Wochen, und wieder zitiert man ihn zur Präfektur. Neue Drohungen:„Wenn Sie jetzt nicht abreisen, dann erhalten Sie einen„Arret d'expulsion", d. h. man droht ihm Verhaftung und zwangsweise Ausweisung an. In dieser Lage befinden sich viele hunderte unserer deutschen Landsleute, die jetzt das Weihnachtsfest, das Fest des Friedens, feiern wollen. Sie können es nicht feiern, denn für sie gibt es keinen Frieden. Ruhelos und gehetzt sind sie. Und da richten sie eine Bitte an die französischen Behörden, an Außen-, Innen- und Arbeitsministerium: gönnt uns wenigstens in diesen Tagen, da man in der ganzen Welt Kerzen der Freude und des Friedens anzündfet, gönnt uns in diesen Tagen auch den Frieden! Wenn schon nicht grundsätzlich alle Ausweisungsbefehle generell zurüchge- nommen werden können, dann trefft eine Verfügung, daß Refoulement und Refus de Sejour für die Zeit des Weih- nachts- und Neujahrsfestes und einige Tage danach ganz allgemein außer Kraft gesetzt werden. Das ist der Weihnachtswunsch der deutschen Emigration an die französische Regierung. Wird sie ihn erfüllen? •vkmitrlichtt«BS BCVtMtHDM WBrvtvaraBQBschaf! »•«n.nblektr.1. KoirfllorvC, Vilm«4 UM» Jxoduits Jthiftid 7B, Boulevard da StrasMvrg, 8, rat St. laoraot JUlClS, W Bar»#t rt«f Teleftn 4 Linien wetntat airtor BÜTZAItfS fl-lf Zu verkaufen im Großherzogtum Luxemburg in Esch a /Alzette, Hauptstadt des Luxemburger Industriebeckens mehrere Geschäfts» und Ertragshäuser, 3 Stockwerke, in zentraler Lage, vor einigen Jahren neaerbaut. Gas, Ulekrizität und Was«er. Preise von 140000— 200 000 belgische Frankenundroehr. Sehr günstige Kapitalanlage Sich wenden an Jonann Peter BAUM. Brillstraße 58 in Esch s /Alzette(Luxemburg). Holland(Amsterdam) Jüdisches Kinderheim Bingo Ihre Kinder finden liebevolle Aufnahme zum vorübergehenden und dauernden Aulenthalt in unserem erstkl. geführten Heim. Prima ärztliche und private Referenzen. 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Im Inner» befand sich ein Zettel, auf dem der Spender der Kartoffeln bat, ihm mitzuteilen, wer diese erhalten habe. Außerdem waren 10 Pfennig für die Antwort beigefügt.— Hier hat ein Bauer, der wohl von anderweitiger Verwendung der Spenden gehört halte, sich selbst ver- gewisser,, wollen." Saarkommisfar. Sie veröffentlichen:„Alle, die auf Grund meines Ausrufes G a st k i n d e r angenommen haben, sage ich herzlichen Dank. Es sind bis heute nahezu 7000 Kinder untergebracht."— Ti: verheimlichen, daß versprochen war, 20000 Gastkinder unterzubringen! Aus Dresden wird uns ein Privatbrief zur Verfugung gestellt, in dem es n. a. heißt:„Außerdem ist eine besondere Abteilung für BdM. eingerichtet. ES handelt sich dabei um Beseitigungen von Schwangerschaften, die aus dem Verkehr mit TA.-Führern und Bon- zen herrühren! tPraktischer Kampf für die Geburlenerhöhung!) In der Woche vom 17. bis 2Z. November lagen in einem Saal mit 2! Betten 1t> BdM.-Mädel".— Das sind die„Gerüchte" über Hitlers BdM., die man sich überall erzählt. Inngsozialisten. Ihr schreibt uns:„In einem Landgebiet des Re- gierungsbezirks Osnabrück kursieren augenblicklich in Genogenkrei- sen einige Exemplare des kommunistischen Manifests aus alten Büchereibeftände». Die Genossen versichern unS, daß ihnen diese Lel- tiire in heutiger Zeit eine Feierstunde sei."— Ter Katakombengeist wird Euch stählen und vertiefen. R. S., Paris. Sic alter Meckerer! Führen Sie sich mal folgende Meldung aus dem„dritten Reich" z» Gemiite:„In den Erdbeer- hslanzungcn eines Landwirtes in Körrenzig bei Erkelenz wurden setzt, im Dezember, reife Früchte in erheblicher Menge entdeckt Tie Erdbeeren dieser zweiten Ernte sind ebenso schmackhaft wie im Som- mer."— Gab es solche Wirtschaftswunder etwa in den vierzehn Iah- ren Marxismus? Tie Sonne im Herzen des Führers, führt Deutsch- land tropischem Wachstum entgegen! „Gutenberg". Tu teilst uns nach einer Reise im Reiche mit:„Bei der„Niedersächstschen Tageszeitung" fNTZ.l, amtliches Organ der NSDAP., find drei Handsetzer und l0 Maschinensetzer entlassen wor- de». Die Auflage ging von Ansang dieses Jahres(lt-S 000 Exemplare! ans 82 000 Exemplare im August zurück. Inzwischen ist eine weitere Verminderung der Auflage erfolgt, die darum doppelt kroß wirkt, weil normalerweise gerade in diesem teilweise agrarischen Ge- biet die Herbst- und Wintermonate den Zeitungen neue Leser aus der Landwirtschaft bringen."— Wer mag denn immer wieder die Selbstbeiveihräuscherung der Nazibonzen lesen? TAI. Du schreibst uns ans dem Reiche:„In der....schule eines norddeutschen Kleinstädtchens erhält ein ehemaliger SAJler den Auftrag, über die 25 Punkte des nationalsozialistischen Programms zu sprechen. Er entledigt sich seiner Ausgabe, indem er da? Programm, wie etwa früher in einer SAJ.-Bersammlung, einer sozialistischen Kritik unterzieht und bei jedem Punkt zu dem Schluß kommt:„Auch dieser Punkt ist noch nicht erfüllt." Tie Schulkameraden, soweit es Nazis sind, lärmen und toben. Ter Lehrer beschränkt sich darauf, zu vermitteln und die derbe Kritik des Jugendlichen abzuschwächen. Der Junge, ein Mechanikerlelirling, blieb ungeschoren."— Ein wackerer Kerl und einer der Kommenden. Lotte»ud Erna. Ihr schickt uns Grüße der Arbeiterwohlfahrt aus einer norddeutschen Stadt mit der Mitteilung, daß die Genossinnen »ach wie vor festen Zusammenhalt habe» und im Augenblick illegal an der Fertigstellung von Weihnachtspaketen für bedürftige Familien von Genoffen sind.— Bravo! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P 1 tz tn Dud- weller: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstlmme GmbH, Saarbrücken Z, Schützenstraße ö.— Schließfach 77g Saarbrücken. Was ist's mit dem Arbeitsdienst? Lies„Jungens im Moor" und du weißt es! Ein erschütterndes Dokument! In seinen einfachen Worten zeigt es, wie der Idealismus der deutschen Jugend von unfähigen Kommißknechten erschlagen wird. Was die Nazis anfassen, wird Zwang, Sklaverei und Militarismus. Das beste an jeder Sache erstirbt: Die Freiwilligkeit! Man muß das Wort„freiwillig" vom deutschen Arbeitsdienst streichen. M. M. ein alter Lagerführer.. Dies Buch müssen alle Eltern und Jugendlichen lesen! 48 Seiten. Preis 2,— Fr.. Bestellungen erbeten an Verlag der„Volksstimme" Saarbrücken 2, Schützenstraße 5, Telefon 20731 und seine Buchhandlungen: Saarbrücken. Trierer Straße.« Neunkirchen rnd Saarlouis. SAARLANDER BEIM ARBEITSDIENST