srrsr«"ZW*—*—*<*? Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands k^r. 28L— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag/Mittwoch, 2$. 26. Oezemb. 1934 Chefredakteur: M. Braun Äis Aktion gegen Jiamcnem und Sinotajeux n die unmittelbare Nähe der Ministerialgebäude kommen. Diese Bewegung hielt die ganze Macht zum Freitag an. Um Uhr morgens erschienen dann zahlreiche Schupomann- schaften, um die Reichswehr abuxlöjejt. Da ja der.Belggtz, rungszustand nicht verkündet war, mußte die starke Kon» zentration von Truppen mit dem Stärkerwerden des Vcr- kehrs am Morgen ausfallen, und das wünschte man nicht, weil die Berliner nicht merken sollten, was gespielt wurde. ' Aber trotzdem auf Goebbels Anweisung die deutsche Presse kein Wort von den Dingen melden durste, wurden sie doch sehr schnell zum Tagesgespräch. Einige englische Diplomaten hatten nämlich an einer Abendgesellschaft teilgenommen. Ans dem Nachhausewege kamen sie in der Nähe des zeruicrtcn Viertels vorüber und beobachteten die eigenartigen Streif- züge der ReichSwchrabtcilungen in der ganzen Gegend. Sie suchten nun hinter des Rätsels Lösung zu kommen, setzten sich unter anderem auch mit in Berlin lebenden Vertretern ausländischer Zeitungen in Verbindung, und diese hielten es natürlich für ihre Pflicht, sich an Ort und Stelle durch Augenschein zu überzeugen. Noch in der Nacht ging daS Telefon recht clbhaft im Propaganda-Ministerium, wo die neugierigen Journalisten gern zu erfahren wünschten, ivas eigentlich los sei. Tic Getreuen des Herrn Goebbels waren in großer Verlegenheit. Sie konnten das Faktum nicht ab- streiten, aber ihr Herr und Gebieter hatte ihnen noch keine passende Ausrede zurechtgelegt. Diese war erst am Tains- tag redigiert. Da hieß es denn recht treuherzig, im Reichs- wehr-Ministerium habe eine Weihnachtsfeier stattgefunden, und man habe verhindern wollen, daß„Unbefugte" an der Feier teilnähmen, zumal Hitler selbst dabei gewesen sei. Man ist hier nicht erst seit gestern und heute wenig ge- neigt, amtliche» Erklärungen Glauben zu schenken, aber dieser um so weniger, da nämlich erst um neun Nhr srüb die verstärkten Posten und die Schupowachcn zurück- gezogen wurden. Man lacht in den Kreisen der ausländischen Diplomatie über Goebbels, der anscheinend mit seinem Propaganda-Laiein am Ende ist. Man erzählt sich schmunzelnd von Hitlers Weihnachtsbaum, der„gegen feindliche Angriffe von schwer- bewaffneten Soldaten im Stahlhelm geschützt" werden muß. Man ist um so weniger geneigt, den amtlichen Erklärungen Glauben zu schenken, als in der Nacht zum SamStag R e i ch S w c h r k o m v a n i e n, die ans Töberitz kamen, in aller Stille durch Berlin nach Tchönebcrg marschierten, und Leute, die es wissen müssen, behaupten, das hänge mit Vor- sichtsmaßnahmen zusammen, die man zu einem„bestimmte/ Zweck" ergreife. Dieser bestimmte Zweck— davon sind hier alle politischen Kreise und besonders die in Berlin lebenden Korrespon deuten der ausländischen Blätter überzeugt— wird nick »ich lange aus sich warten lassen. Nach Hunderten zähle, die SS. und SA.-Lcute, die man in den beiden letzic Wochen verhastet hat. Ihr Schicksal ist für den Angenbli. noch ungewiß. Für den Augenblick! Denn mai fürchtet Rückwirkungen aller rigorosen, aller Terrorakte aus die Saarabstimuinng. tSortsetzuna siebe nächste Settel! vorwärts den BKck! Sprengkörper nntcr dem mmnamssdanm Von Pierre SMirf' nicht zurück. Was war, zerfällt! Der Glocken Lied wird Hammerschlag, Tief ist die Nacht, hell flammt der lag, Dort drüben wächst die nene Welt! Blick' nicht zurück. Das Alte flieht Ins müde Stundenglas der Zeit, Was birgt es? Hunger, Not und Leid Und Hoffnung, die zu Afche glüht—. ÜUicf nicht zurück. Was war, zerrinnt! In bessrc Zukunft trägt Dein Schritt, Hörst Du? So viele ziehen mit, So viele, die Dir Brüder sind! Vorwärts den Blick! Reicht Such die Hand! Bus gleicher liefe geht der Weg, Vorwärts! Es führt nur dieser Steg In Eurer Freiheit Zukunstsland! Man will nach Möglichkeit die Saarabstimmnng ab- warten, ehe man zu neuen blutigen Schlägen gegen alles, was dem Regime nicht genehm erscheint, ausholt. Man Hai liier die Hoffnung dag der Völkerbundsrat auf Grund des Abstimmungsergebnisses iehr schnell seine Entscheidung treffen wird, und ist diese erst einmal bekannt ge- geben, dann wird Hitler wieder seines Amtes als oberster Gerichtsherr ans eigenen Gnaden»der Leben und Tod walten können. -!- ßementi fiQr law en Spione oder Mondsüchtige gehen auf den Dächern spazieren In der Nacht zum Freitag sind an die amtlichen Stellen Mitteilungen gelangt, daß Personen ans Dächern der dem W c h r m i n i st e r! u m benachbarten Häuser gesehen worden wären, die offensichtlich in das Wchrministerinm einzudringen beabsichtigten. Pflichtgemäss muhte diesen Dinge» nachgegangen werden, da es sich e v e n- t u c I l um eine Spionage angelegenheit han- dein konnte. Polizei riegelte den Häuserkomplep ab und nahm eine genaue Durchsuchung vor, ohne jedoch einen Anhaltspunkt dailir zu finden, bau fene Meldung an d i e P o l i z e i st e l l e n begründet w a r. Nach Erledigung der Durchsuchung rückten die Polizeitrnppen in ihre Quartiere. * Berlin darf nichts erfahren Beschlagnahme des„Journal" Paris. 24. Dez. Ans Berlin wird dem„Journal" gemeldet: Die Geheime Staatspolizei hat am Freitag das„Journal" au» dem gesamten Gebiet des Deutschen Reiches beichlag- nahmen lallen. Diese Maßnahme erfolgt aus Grund der am Mittwoch veröffentlichten Meldung über Differenzen zwischen der R e i ch s w c h r und der nationalsozialistischen P a r t c i in bezug aus die Abrüstung il»d über die vom Gene- ralstab aus innen- und außenpolitischen Gründen verlangte Aushebung der SS. Der sanfte Re'disbfsdioi Eine Weihnachtsbotschaft Ter Rcichsbischoi der evangelischen Kirche. Müller, hat anläßlich der Weihnachtsfeier einen Appell erlassen, in dem die Notwendigkeit und der Zweck des Kampfes betont wer- dcil. Ter Bischof spricht davon, daß in der deutschen evange- lischen Kirche kein Friede herrsche, fügt jedoch bei. baß leüem Frieden ein Kampf vorausgehe. Ehristns habe der Welt den Frieden nach einem Kampie geschenkt.„In- dessen", so fügt Reichsbischoi Müller bei,„wollen wir nicht Zwietracht predige». Wir wollen von Frieden sprechen und das Wort denen predigen, der stärker ist als jeglicher Kampf. Deshalb wollen wir Gott bitten, daß wir n a ch» n u nach den Weg slir eine Arbeitsgemeinschaft zurückfinden. * Hinter dieser Weihnachtsbotschakt Müllers ist das Gesicht des KirchenstreitS sichtbar Die amtlichen Stellen des Reichs. Flick und Goebbels an der Spitze, haben das Signal zur Diffamierung der Bekenntniskirche gegeben, die selber nach der Saar-Abstimmnng mit scharfen Maßregeln rechnet. E. it. I. Wer wettet— und wie ist es mit Adolf Hitler? Man schreibt uns ans Schlesien: Der Banernftthrcr vom. Qbcrkrcis Neiße. Erlelt a»s Kostitz, kam in e nein Gasthau, in Patichkan mit dein Qrtsbanersührcr Heider ans Liebenau zuiamme». Sie kamen in ei» Wortgeplänkel, in dessen Verlauf Heider dem Ertelt die Berechtigung absprach, das CK. I. wie er es stets an der Unisorm und auch am Zivilrock trägt, tragen zu dürfen. Ertelt widersprach. Aber Heider, der es besser wissen mußte, schloß mit E. eine Wette über l'HXi NM. ab und legte sofort als Pfand 1 cwi NM. auf de» Tisch. Heider wettete, daß. wenn fic jetzt sofort zu in Ertelt in die Wohnung.slili- reu. dieser»ich» in der Lage sei. den Berechtigungsschein zum Tragen des Eü. I vorzuweisen. E. wollte stch im Lokal nicht blamieren, Man k»hr in einem herbeigeholten Auto in icinc Wohnung, und da stellte sich der Schwindel des E. heraus Die Frage, wann und wo Adoli Hitler fein EK. I erhielt, ist bekanntlich noch nicht gelöst. Agitiert für die „!Deutsdte Freiheit Wie man im Anstand den Weihnadifsmann sieht Neue Todeskandidaten? Tiplomaticus schreibt u. a in der H a a g s ch e n P o st:„Ter Weihnachtsstern von 1934 erstrahlt für Hitler in einem iehr düsteren Licht! Wäre auch nur ein Viertel dessen ivahr, was man sich in den diplomatischen Kreisen Berlins liber die Vorgänge erzählt, die sich hinter den Kn- listen der Regierung, der Reichswehr und der Nazipartei ab- spielen, dann würde der völkische Weihnachtsbaum der gan- zcn Winierhilse und allen Sammelbüchsen zum Trotz eher einer mit Tannenzwcigen getarnte Sprengbüchse als einem Symbol von Christi Geburt ähneln. Es heißt nämlich in gut unterrichteten Kreisen der deutschen Hauptstadt, daß nene Verschwörungen in der Lus, hänge», und. daß neue Blut- »ächte nach dem Muster des 30. Juni vorbereitet würden. Ja, man flüstert selbst, daß im geheimen schon eine dik- tatorialc Ersatzrcgierung gebildet sei. um Hitlers Platz einzunehmen, wenn es so weit sei. Ter preußische Ministerpräsident Görin g versuche bereits, sich bei der Reichswehr lieb Kind zu machen, um im enticheidendcn Augenblick nicht in der Versenkung verschwinden zu müssen, llnd er sei entschlossen, nicht nur de» Rclchspropaganda- minister Goebbels. Darre, den Minister für Landivdnichast und Himmler, den Ebel der Geheimen Staatspolizei, zu opfern, sondern sogar den Führer selbst. Von dem Führer und Reichskanzler raunt man sich zli, daß seine Nerven bis zum Acußersten gereizt seien. Er habe Furcht vor Attentaten und laste sich ständig von Bewaffneten begleiit» Daß dies auf Wahrheit beruht zeigte sich tatsächlich kürzlich bei einem Eisenbahnüberfall zwischen Bremerhaven und Berlin. Außer- dem soll er von einer der bekannteste» Berliner Firmen in der Nähe der Reichskanzlei einen kompletten Operationssaal habe einrichten lasten, um ledenfalls gleich behandelt werden zu können wenn ihm dieses oder jenes zustoßen sollte. Hitler zeigt sich augenblicklich unsähiger als je. selbständig einen Entschluß zu fasten. Ter Grund dafür kann in seiner Acngst- lichkeit liege» oder in feiner angeborenen Unsicherheit: dieie letztere wird ihm von den Menschen nachgesagt, die die letzten Jahre Schütter a» Schulter mit ihm zusammengearbeitet haben. Infolgedessen mache er es keinem mehr nach dem Sinn und wird darum von verschiedenen Seiten im Stillen scharf kritisiert. Tas habe ihm die Veranlassung gegeben, kürzlich neue drakonische Gesetze z» erlassen, die diejenigen die an dein jetzigen Regime Kritik üben, sogar mit der Todesstraie bedrohen. Innerhalb und außerhalb Berlins zeigte man sich schon im intimste» Kreis die neuen Listen der Todeskandidaten. die bei der nächsten Täuberungsaktion a» die Reihe kommen sollen. Inzwischen tröstet man stch damit daß wohl zumindest vor dem Tag der. Saarabstimmung, dem 13. Januar nichts passieren würde. To sehen die Wcihnachis- gaben in.Hitlerdeutschland i>n Jahre 1084 aus! Die Tage vor Weihnachten in Berlin Unter diesem Titel schreibt ein Mitarbeiter u. a. an„T e R> e u w c Rottcrdamschc E o u r a n t": „Es ist kein fröhliches Berlin, das jetzt zum Wcihnachts- fest rüstet Keine lustige Fahnenparade belebt die Straße». !v wie im vorigen Jahre nach Deutschlands Austrete» ans dem Völkerbund. Die Tücher mit den ausfallenden Kampsparolen sind von den Giebeln verschwunden. SA.- und SS. UnnorMen sieht lrmn"rnrrrwmi vereinzelt, ebenso die braunen Jacken der Hitlerjugend, und nur selten siebt man auch den Hitlergruß, als ob das Erbeben des Armes eine zu,, große Krastanstrengung bedeute. In dunklen, grauen Straßen stehen jetzt die hoben Weihnachtsbäume der Waren- Häuser: grauen Häuserfronten bilden den Hintergrund der vielen Verkaufsstände, an denen Adventskränze und Tannenzweige verkauft werden Nur von den öffentlichen Gebäuden wehen vereinzelte blaßrotc Fahnen mit dem Hakenkreuz, gleichsam als ob man ste vergessen hätte,>veg- zunehmen. Bon dem triumphierenden Berlin ist leider wenig übrig geblieben. Was angefangen hat mit großen Ideale» und dem heiligen Vornehmen, gemeinsam am.Wiederaufbau Teutschlands z>t arbeiten,.ist zu einem System geworden, besten Erzssse jetzt am deutlichste» ans den Vordergrund treten. Tie heutige nationalsozialistische Regierung ist in de» Zustand der Defensive gekommen. Geboren ans der'Not ihres Landes, mit dem Ziel, diese Not zu lindern, steht sie nun-ihre Haupt- aufgäbe darin, die Mach! z» behaupte». Dadurch ist der Nationalsozialismus zu einer Art beivasfnetcm Terror gc- ivordcn. Seine negative, repressive Aktivität ist größer ge- worden als feine positiven, schassenden Kräfte— „Ich weiß nichts'," das Et das Leitmotiv in ungefähr allen deutschen Kreisen. Man hält dos Publikum systematisch in ilnivisscnheit. und die Obriake: stellt sich systematisch dumm. Insofern ist das Ziel des Kampfes vollkommen erreicht. Das Volt Hai Angst, ja lebt in einer Art Angstpsychose. Es lebt Im linbetannien Land der Gerüchte, das jeder Art von Greuelmärchen einen fruchtbaren Boden bietet. Don ist Mißtrauen eine üppig blühende Pflanze. Don ist kein Platz mehr stit die Redensart:„Meiw Nachbar ist mein bester Freund." In jeder Straß? und■ n jedem Haus thront außerdem ja der sogenannte Blockwart. Dieser ist über jeden gut»nt'eirichtet, der zu seinem Block gehört. Nichts bleibt dem Blockwart verborgen Er ist der Schwarze Peter ans dem Kartenspiel: man vermutet wo er ist. Sicher aber weiß man das nie. und niemand möchte ihn empfangen.... Dos Volk murrt über die Gerüchte und über die tierische Behandlungswcisc rn den Konzeniratjonslageni. llnd selbst der begeistertste Pg. fühlt sich unangenehm berührt, wenn er zu dem Schlüsse kommt, daß Eier in einigermaßen irischer Form der Vergangenheit angehören: daß die Seife nach einigen Tagen zu eine in unansehnlichen Bröckche» zusammengeschrumpft ist und daß eine Tasse Tee bald eine seltene Delikateste sein wird Daß die Preise von Wolle und Seide erschreckend steinen und— daß die„Winterhilfe" nun schon wieder kommt, um einen Betrag abzuholen. Man murrt weit man von ollen Seiten bespitzelt wird und beklage stch. daß die gleichgeschaltete Preise das Volk systematisch in Unwissenheit hält.und ist unzufrieden über die Auskünfte die über die atlerversönlichsten Angelegenheiten erteilt werde» Abei das Murren ist gedämpft? man ist eingeschüchtert: detin es ist noch nicht so lauge her seit dem 30. Juni...." Belrcil die Gefangenen! Tausende sitzen in den Kerkern und Konzentrationslagern Hitlers London, 24. Dez« Der Vorsitzende des englischen Trmitrois- Komitees, Pelhick-Lawrcnce, chat an de»„Manchester G ti n r i> i ö n" einen Brie» gerichtet, den das große englische Blatt veröffentlicht und in dem gesagt wird: ^»Der 24. Dezember ist. der Jahrestag des Freisprucks Torglers. Trotz dieses Freijprnchs. ist er, nun schon zwölf weitere Monate im Gefängnis. Tiefer'Iähscstag lenkt die Aufmerksamkeit au» die von vielen vergessene Tatsache, daß Taufende nicht nur politischer Gegner des hciitigen deutschen Regimes, sondern auch unschuldige Geiseln in Konzentra- tlonslagcrn»ud Gesäng»isseii leiden, diele, die ein Verfahren erwarten, viele sogar, die niemals vckc ifff-Gericht gestellt werden. iMxmL , Ein.schwaches Licht.auf.die. Verhältnisse, in denen diese Qpfer>» lebcu Habcn. ist"wahren d des kürzlichen Prozcstes gegen Mitglieder der SAP. gefallen. Ein Beobachter be- richtet, die Angeklagten hätten erklärt, daß sie geschlagen und mißhandelt und daß ihnen ihr? Geftändniffe erpreßt worden sind. V-- t tf■.•.•. In diesen Weihnachtslagen appellieren wir an alle Menschen, die guten Willens sind, das Kon^Itce in seinem Aufruf an die deutsche Regierung, die Gesungenen freizulassen j z» unterstützen. Nadi dem Vcrbrcdicn von Leningrad Verhaftung von fßhrern der linftsopposülon «• Moskau, 24. Dezember. Die Gerüchte über die Verhaftung von K a m e n e w und Sinowjew werden amtlich bestätigt. Die Verhaftung der eh'»tätigen"iilircr der Kommunistischen Partei erfolgte am Ist. d. M im Zusammenhang mit der Ermordung Kirvws. tmeistizeittg mit de-- beiden ehemaligen Führern find auch eine Reihe von ndercn hervorragenden Vertretern der loi» innistischen Linksopposition verhaftet worden, darunter der'nähere Mitarbeiter Sitiowiews, I e iv d o k t m o w. so- > ie die bekannten kommunistischen Theoretiker Wardt» S a f a r o w. S a l n tz k i u. a. m. Die Untersuchung gegen d eie Personen hat keine ans- reichenden Beweise für ihre Beteiligung an der Ermordung Kirowo crbraDas Beriab^ n ist deshalb eingestellt: doch wird eie Angelegenheit der Spezialkommiision des Volks- tommistarie's für Inneres überwiesen, der i»r) admini'Ca- tivc ahmen das Recht zusteht, politigh verdächtige Per- joneii all verbannen. * Die Verhaftung ehemaliger Führer der Koniinunistifchcn Partei Rußlands, die seinerzeit zusammen mit Trotzki in bef-, tiaer Qvvositio» zum Stalin-Kurs standen, stellt immerhin einen überraschenden Vvrgang dar. obwohl schon in den letzten Tagen Gerüchte darüber kursiert?». Dieie Gerüchte ivarcn aui einen Artikel znrückzu'nliren. der in diesen Tagen in der Moskauer„Istwestiia" verösfentlichi wurde. Dort wurde gegen den ehemaligen Vorsitzenden der dritten Internatio- nale Grigorif Sinowjew die Befchiildigiing erhoben, daß er angeblich einer gcgeiircvolutivnnrrn Gruppe oon Reo- laichisten nahestehe, die den Mordplan gegen Kirow ge- schmiedet hg'te. Die klastensetndlichen Elemente, io schrieb das 2stoskauer Vlatt, müßten ausgerottei iperde» und ans der Haltung der Sinoivseii'.Gruppe, die in Leningrad besonders stark vertreten sei und schon immer in heiligster Opposition geaen Kirow gestanden habe, müste notwendigerweise d:r Schluß aezogcn werden, daß hier daS Zentrum der Gegen- reoolution liege Die Untersuchung gegen den Mörder Kirows, Rikolajew, der im übrigen, wie es scheint, noch nickt zum Tode ver- urteilt worden ist. sondern stch immer noch in Hast befindet, hat nämlich ergeben, daß der Mörder kaum irgendeiner weistgardiftischen Grunoe angehören kann, die mit dem Auslände In Verbindung steht. Nikolaiew war Mitglied der komonistischen Jugend und Angestellter der Lenin- gradcr Arbeiter- und Banerninsvektion, in der in erster Linie Mitglieder her Partei angestellt werden. Die Unzufriedenheit mit dem Staliiiichcii Kurs scheint in letzter Zeit innerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands immer größer geworden zu sei», und es ist nicht ausgeschlossen, oaß die Aufhebung der Brotkarte bei doktrinären Komnu- nisten Empörung hervorgerufen. Hai,>öe!l man darin einen Verzicht auf wichtige Teile des Parteiprogramms erblickte, lind da.in Leningrad, wo früher der Sitz Sinowjems toar, seine Gruppe stark vertreten ist, fo haben die ltntersnchuii ,s- bchörden angenommen, daß die.Spuren des Verbrechens zur Sinowiew Ginppe illbren. müßte». So erklärt sich auch sie sensationelle.Verhaftung der.Qvvoiikionsflihrer, Aus dem amtlichen Kommuniane ergibt stch aber, daß nickt eingehender Nntcrinchuna ein tuiammeiihang zwischen dem Attentat und der Siuomfcw-Grnppc nicht festgestellt wer- den konnte.> Dennoch werden'währ'chefhlich die Führer dieser Gruppe, die nach den schweren Parleikämpfen. in den Jahren 1027 2» Güter begnadigt wurden, jetzt erneut verbannt werden. Stalin hat sich nicht als„oberster GerichGhm" gegenüber seinen ehemalige» Parteifreunden au'aripielt. er hat ßc nickst nach berühmtem Vorbild erschießen lasten, sonder», trotz der ganzen Schwere des Vorganges in Leningrad, eine Untersuchung gegen ste eingeleitet und sich daraus beschränkt, die 'Opposition politisch unschädlich zu machen. «- r:'t Kamenew und Siiiow'-ro gehörten bekanntlich zu den engste» Mitarbeitern Lenins und werden zu der fo- genannten„alten Garde" gerechnet. Grigoris Sinowjew ivar zu Lenins Zeilen Vorsitzender des Lenliigrader Exekutivkomitees und Vorsitzender her Dritten Internationale. Boris Kamenew war Vorsitzender der Moskauer Sowjets:»stach dem Tode Lenins bildeten Stalin, Sinowjew und Kamenew zusammen d>e sogenannte„TroEa lDreieran-'chußi. die tatsächlich die Pf"cht s« Händen hg"e und Trotzkss«kurz berbtifübne Später ircnuje»"ck> Kameneist und Sinowjew n>!i Stalin und nach heftige» innerparteilichen Kämpfe» I't Stalin alleiniger Sieger er- blieben und leitete den bekannten Kurs auf dl? Soiiglisternng der Sowjetunion, unabhängig von der Entwicklung der Dinge und der übrigen Welt, ein. .-••- ,y'*•.'•''* Bisher 153 Todesurteile vollstreckt Moskau, 24. Dezember. Im Zusammenhang mit dcr Ermprdnng Kirows sind bis- her nach amtlichen Mitteilung«» im Zeitraum vom 1. bis 21. Dezember 158 politische Verhaftungen vorgenommen und 108 Todesurteile vollstreckt worden. ^/•DEUTSCHLAND ggggft HITLER BOrthel s Weihnadit§-„Gruß" an Präsidenten Knox Am 14. Januar morgens 8 Uhr Ermittlung des Abstimmungsergebnisses Zur Ausführung des Artikels 55 dar Abstimmungsverordnung vom 7. Juli 1034 wird folgendes verordnet: Artikel 1 Nach dem gemäß Artikel 53 der Abstimmungsordnung vom 7. Juli 1034 ausgesprochenen Abschluß des Wahlgeschäftes werden die Urnen versiegelt und mit den Wahl- Protokollen unter Aufsicht der von der Abstimmungskom- Mission zu diesem Zweck zugeteilten neutralen Beamten nach Saarbrücken überführt und dem Abstim- mungskommissar übergeben. Tie Abstimmungskommission wird Mitglieder des Wahlbüros, den verschiedenen Parteien angehörend, anweisen, die Transporte zu begleiten. Nähcrc Anweisungen hierüber sowie über die für den Transport zn treffenden Sicherheitsmaßnahmen werden von der Kommii- sion erteilt. Artikel 2 Tie Ermittlung des Wahlergebnisses wird in Saarbrücken stattfinden und am 14. Januar, um 8 Uhr, anfangen. Tie Ermittlung, die ununterbrochen verlausen soll, findet unter der unmittelbaren und ausschließlichen Aussicht der Kom- Mission statt,' dazu werden nur neutrale Beamte verwendet, die, in Gruppen von drei, die Zählung vornehmen werden. Zur Ausführung der Ermittlung wird die Kommission nähere Anweisungen geben. Vertretern kür die Saarbevölke- rung, Teutschland, Frankreich und die Presse werde» Plätze in dem Saale, wo die Ermittlung stattfindet, nach später zu ergehenden Anordnungen der Kommission angewiesen., Artikel 3 Tie Kommission entscheidet über die Gültigkeit der Stimm- zettel.». Artikel 4 Das Ergebnis wird erst bekannt gemacht, nachdem samt- lichc Zählungen stattgefunden haben. Bon der Kommission werden Mahnahmen getroffen, damit das Ergebnis nicht im voraus von den beiwohnenden obenerwähnten Vertretern bekanntgegeben wird. * Vorstehende Verordnung wird aus Ersuchen der Abstim- mungskommission hiermit verkündet. Saarbrücken, den 21. Dezember 1934. Im Namen der Regierungskommission: Der Präsident: • gez. G. G. Knox. „Ehemaliger Sozialdemokrat" a s Hllierknedil In der„Saarbrücker Zeitung" sucht ein angeblicher frü herer Sozialdemokrat, der den in weitesten sozialdemokra tischen Kreisen unbekannten Namen T e w e s führt, den Nach- weis zu erbringen, wie gut er sich den Jargon der schmierig- sten Gegner der Arbeiterbewegung zu eigen gemacht hat. Wir kennen ihn nicht, wissen nicht, ob er der Partei wirklich angc- hört hat: schließlich kann sich eine Millionenpartei nicht vor dem Eindringen einzelner Gesinnungslumpen schützen, die nun unter geänderter Konjunktur im Schlaiyme des Ratio- nalsadiSmus unter zahllosen Artverwandten fröhlich ein- herwaten. Er wird wohl ein„Sozialdemokrat" gewesen sein, wie die Zerren Holer immer zur gegebenen Zeit Räte- sozialistcn, Clemenceau-Franzosen oder deutsche Demokraten gewesen sind und beute aus Hitler schwören— bis zur nächsten Konjunktur. Was der Herr zu erzählen weiß, ist>o neu wie die Gedanken- gänge des Reichslügenverbandes und seiner Vorläufer vor 39 Jahren Taß er dabei ehrliche Sozialdemokraten, die sich dieser Erwähnung sicher schämen werden, als Schwurzeugen für seine Sorte Nationalismus in Anspruch zn nehmen wagt, ist eine Frechheit, die wir namens der Verstorbenen oder im Mörderreich zum Schweigen Verdammten mit Ab- scheu zurückweisen. Wie wenig der Mann, der zwischen der ehrlichen Vater- landsliebe, die kür Recht und Freiheit eines Volkes nach außen wie im Innern kämpft, und dem von schlauen Ge schästemachern gelenkten Nationalsozialismus der fanatisch Unwissenden nicht zu unterscheiden vermag, logisch zu denken weiß oder gewillt ist. zeigt am besten die Nutzanwendung, die er auf die S a a r s r a g e macht.., Danach ist es vaterlandSfeinlich. wenn wir ein»tück deut- schen Landes und Volkes vor dem furchtbaren Unglück, dem das übrige versallen ist, so lange zu bewahren suchen, bis das unsaubere Feuer doch ausgebrannt und Teutschland wieder eine Stätte des Menschentums geworden ist. Vaterlandsfeind- lich wenn wir dieses Stück durch vorbildliche Einrichtungen zu einem Bollwerk des deutschen Freiheitskampfes zu machen suchen Vaterlandskeindlich. wenn wir durch die Niederlage des 13 Januar dem blutschmutzigen Softem einen vernichtenden'Schlag versetzen, der seinen baldigen Zusammenbruch im befolge hat. Man muß von sozialistischer Erkenntnis nie einen Hauch verspürt haben, wenn man das nicht versteht. Darum wundert es uns auch nicht, wenn Herr..^cwcs' unsere Haltung aus dem dreckigen Gedankengang zu er- klären sucht, der Konjunkturhelden von seiner An und der Sorte Hoser frereS nebst Gei'chäftsgehilfen im Redakttons- stuhl offenbar der geläufigste ist. Den Gang der Tinge. Hit- ler» Niederlage an der Saar und seinen baldigen völligen Zusammenbruch werden sie damit nicht aushalten. D,e Her- reu würden im Vertrauen gesagt, doch schon gut tun. sich Iiriter 5er Hand nach neuen Konditionen umzusehen. Tie jetzige Krma steht schon zu wackelig Bei der Arbeiterbewegung wird freilich für Rc mch»»£ Die Ausländer, die den deutschen Nationalsozialismus und die moralische Qualität seiner Führer nur von ferne kennen, bleiben über das Wesen der Bewegung und ihrer führenden Menschen ununterrichtct. Sonst würden sie nicht immer wieder den Versuch machen, mit diesen Leute» Gentlemcn-Agreement zu treffen, die einseitig bleiben müssen. Da haben wir zum Beispiel an der Saar das schöne Gentlemen-Agreement des Weihnachtsfriedens vom 23. bis zum 27. Dezember. Mit einem Flaggenprotest wurde dieser wundersame Frieden eingeleitet Weil die Behörde ihr Flaggenverbot nicht sofort, sondern erst mit eintägiger Be- sristung wirksam werden ließ, wurde sie durch einen letzten allgemeinen Flaggenterror provoziert und verhöhnt. Das war am Vorabend des WeihnachtSsriedens. Am ersten holden Friedenstage, am 23. Dezember, kamen einige hundert überseeische Abstimmungsberechtigte in Saar- brücken an. Lärmend mit theatralischen nationalistischen Kundgebungen wurden sie empfangen. Gesungen wurde nicht etwa das„Stille Nacht, heilige Nacht" oder„O du sröh- liche..." sondern gegrölt wurde auf Straßen und Plätzen das Horst-Wessel-Lied, das nationalsozialistische Haß-, Rache- und Lügen-Lied.„Kameraden, die Rotsront und Reaktion erschossen....—". Zur Illustration des schönen Gentlemen- Agreement vom Weihnuchtssrieben Hitlerjugend trat in voller Uniform an, denn Weihnachts- frieden ist natürlich so zu verstehen, daß die Polizei nicht einschreiten darf, wen» die Nationalsozialisten Verordnungen der Regierungskommission umgehen. Wenn es um die Jnnehaltung eines Gentlemen-Agree- menls gehl, darf natürlich der Gentleman Bürckcl. Saar- kommissar und Gauleiter, nicht fehlen. To hat er denn zum Heiligen Abend eine» Brie! an den Präsidenten Knox ge- richtet, ein Schreibe», dessen Unverschämtheit auch in den dreisten Zumutungen die seither von drüben an die Regie- rungskommission gestellt worden sind, bisher nicht erreicht war. Der Saarbeauftragte des Reichskanzlers fordert näm- lich von dem Präsidenten Knox die sofortige Entlassung der in die saarländische Polizei eingestellten„Emigranten und Separatisten" Man erfährt zugleich durch Herrn Bürckel, warum eigentlich der Völkerbund die internationale Knox- Armee in das Taargebiet ent'andt hat: sie ist nur gegen den„Emigrantenkommissar" Machts aufgeboten Nu», da die Ruhe und Ordnung durch internationale Truppen ge- sichert sei, müßten Machts und die übrigen nicht boden- ständigen Polizeikräfte sofort entlassen werden. So fordert Bürckel. denn es ist tiefer Weihnachtssrieden. Wir hätten gerne den freche» Weihnachtsbrief Bttrckels im Wortlaut mitgeteilt. Leider konnten wir ihn bis zum Redaktionsschluß nicht erlangen. Er wurde zwar im Rund- sunk durchgegeben, aber nicht an die Presse, denn ein echter deutscher Nazi hält den versprochenen WeihnachtSirieden und das Gentlemen-Agreement,„wie ick) es auffasse" Wann fällt die Cntsdielduna in Genf? Gens, 24. Dezember. Nachdem nunmehr feststeht, daß die nächste Sitzung des Völkerbundsrates am 11. Januar unter dem Vorsitz dec türklichen Außenministers Tewfik Ruchdn Aras sta t finden wird, diskutiert man in hiesigen Völkerbunds^rriseu eifrig die Frage, ob in dieser Sitzung bereits die E l. t scheidung über das Schicksal der Saar fallen werde. Der Völkerbundsrat wirb von der Abstimmungskom- Mission bekanntlich sofort von dem Ergebnis der Abstimmung unterrichtet werden, aber man neigt hier der Auffassung zu. daß der Rat erst in einer späteren Sonder- lagung die Entscheidung herbeiführen werde. Denn, wie auch immer diese Entscheidung ausfallen werde, es seien noch mancherlei Kragen zu klären, die noch keine Lösung gefunden hätten. Seit der letzten Sitzung seien auch mehrere Eingaben zur Saarfrage dem Völkerbundsrat zugegangen, zu denen man noch Stellung nehmen müsse. Dar unter ist die der französischen Saareinwohner, die im Falle der Rückgliederung an Deutschland wünschen, daß die in jedem Falle große Anhängerschaft des Status quo dad,.rch zu ihrem Rechte komme, daß man von der im Vcrsaillcr Vertrag vorgesehenen Möglichkeit einer Teilung des Saar- gebietes Gebrauch mache, um de» aber Tausenden von. im Saargebict lebende» Hitlergegnern eine Zufluchtsstätte zu geben und die europäischen Länder, vor allem Frankreich, die Tschechoslowakei, Italien. Belgien. Holland, die Schweiz und Engtand vor einer neuen Emigration zu bewahren. Schließlich könnten diese Länder Männern und Frauen, die sich, weil sie von dem ihnen vom Völkerbund..garantierten Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch aemacht hätten, deshalb in die Fremde slüch'en müßten nicht das Niedcrlassungsrecht und das Recht auf Arbeit versagen. England and die Saarlrage O. G London, 22. Dezember. Die S a a r s r a g e steht zur Zeit in England im Vorder grund des Interesses. Seit dem Beschluß, englische Truppen dorthin zu senden, fühlt man sich offenbar hier besonders verantwortlich für den weiteren Verlauf der Dinge. Nach wie vor begrüßt die öffentliche Meinung, soweit sie in der Presse zum Ausdruck kommt, den Beschluß, die Abstimmung durch eine internationale Truppe unter englischer Führung zu sichern. Wie ein Albdruck lastete die Unsicherheit, die Putsch- und Kriegsgefahr. Das ist jetzt verscheucht. Gegen eine internationale Truppe werden die Nazis keinen Putsch wagen gegen ganz Europa wird Deutschland keinen Krieg führen. Die gute Wirkung der aktiven englischen Politik in der Saarfrage, die Billigung dieser Politik durch die öffentliche Meinung, hat England auch dazu ge- bracht, im jugoslawisch-ungarischen Streit aktiver die Ber- mittlungsrolle zu ergreifen auch hier mit voller Zustim- mung der gesamten Oefsentlichkeit Englands Außen- Politik hat neuen Schwung bekommen. Selbst die Beaverbrookpresse hat ihren offnen Widerstand ausgeben müssen. Noch einmal suchte sie den unseligen Zwischenfall'n Saarbrücken auszunutzen, um durch hysterische, sensationelle und gewaltig übertriebene Berichte England von der aktive» Politik in Europa abzudrängen. Aber auch dieser Versuch verfing nicht. Tor Zwischenfall bleibt eine tief bedauerliche Angelegenheit, die den Engländern gewiß nicht angenehm ist. ober die englische Politik wird dadurch nicht im mindesten beeinflußt. s e lbst^ doVt' erwarte ü"chon'hinreichend ausgeklärt ist, ist solches Geschwafel völlig bedeutungslos Aafhlflrnng der Absiimmongsbere diflöfen Paris, 24. Dezember. „ParisSoir" gibt in seiner Nummer vom 20. Dezember einen Bericht über ein Saar Frühstück, das die Zeitung „Journal de la Tarre" veranstaltet hatte. Darin heißt es: Im Verlauie des Frühstücks, das unter dem Borstst von Herrn Gabriel Perreur stattfand, spräche» ver.'chiedenc Personen. F r i b o u r a. der stellvertretende Borsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, Franklin- B o u l l o n. Landau. R u s f o,.I e a n R e v i r e. V i k- tor Schiff. deTraversay, Scott. Pierre Ha mp und andere. Alle Anwesenden waren einstimmig der Ansicht, daß die Saarländer durch die Abstin,muna^kommission e n t- iprechend auigekläxt werden wüßten über die wahre Bedeutung ihrer Tt-mmabaabe. Der Saarbevölkerung müßten Folgen und Tragweite dfr Abstimmung klar gemacht werden, denn sie wären noch nicht hinreichend damit bekannt! Tie Truppenentsendung- freilich nicht nur sie— hat in englischen Augen auch ihre Wirkung auf die Aussichten der A b st i m m u n g. Vor der letzten Völkerbundstagung rechnete die englische Presse mit einer Mehrheit für den An- schluß an Deutschland, freilich war man im Prophezeien vor- sichtig. Nur die R o t h e r m e r c p r e s s e machte sich zum Sprachrohr der Goebbelspropaganda und außerdem wagte noch V e r n o n V a r t l e t t, der„Außcnpolitiker" des libc- ralcn„New Ehroniclc", eine Prophezeiung, er gab der „deutschen Front" genau 85 Prozent, nicht mehr und nicht weniger Nun hat der Prophet Vcrno» Bartlett stets mit seinen Prophezeiungen be vudcres Pech gehabt, es trat näm- lich immer das Gegenteil ein woraus er treuherzig und pathetisch zugab, ei habe sich diesmal eben geirrt, das könne jedem passieren. Und am nächsten Tag prophezeite er wieder — falsch. Wichtiger ist, was die ernsten Zeitungen sagen. Da ist es bemerkenswert daß zwei so seriöse Blätter wie die „T i m e s" und die„M orning Po st", von wachsenden Aussichten der Statu squo-Bcwegung schrei- bcn. Sie führen das hauptsächlich aus drei Dinge zurück: 1. aus verringerte Wirkung des Naziterrors auf die Bevölkerung durch die Anwesenheit neutraler Trup- pen und durch den Beschluß der Abstimmungskommission. alle Stimmzettel in Saarbrücke» zähle» zu lassen: 2. aus den Beschluß des Völkerbundsrates, der eine zweite Ab- st i m m u n g ermöglicht: und 3. auf die Gründung der neuen christlichen Front, die auf zahlreiche Katholiken Ein- druck mache, die sich gescheut hätten, unter„marxistischer" Führung zu marschieren. Das„Journal des Tcbats" ist ebenfalls dieser Ansicht und erklärt mit Recht: „Das ist keine Propagnda, das ist bürgerliche Aufklärung!^ R'escnmeeling in NeuqorH für den Sia!us quo Unter Führung des amerikanische» Hilfskomitees für dn Saar haben alle antifaschistischen Organisationen in Neu- nork beschlossen, am 9. Januar ei» Ricsen-Solidaritäts- Meeting für die Statns-quo-Kämpser zu veranstalten. Zu, Borbereitung dieses Meetings fand am 19. Dezember ein« Konferenz von 2NI) Neuyorker Organisationen statt, aus ber der deutsche Schriftsteller Walter Schönstedt berichtete. Die Organisationen beschlossen, sich mit alle» Kräfte» dafür ein- zusetzen, daß das Meeting am 9. Januar zum größten ameri- konischen Anti-Hitler-Mceting werde. Volk und Schriftsteller in Sowjetrußland taue Unterredung mit Gustav Regler deutschen Srhrirutellrrn an dem Schriftstc llrrkonarcli in^M^ L i''"«^ aar'" ,<,' ,,s m K r e u z f e n r r". nahm gemeinsam mit einige» anderen prominenten mungskanipk iinmiltrlhar teilzunehmen. Sein\anir i«r in I>.,^' Sl j n^' p se» Tajren von Moskau nach der Saar zurückgekehrt. um am Abatim- i|iio- Xiifrufes in offener Verletzung des Genfer Inni.kL'^'' ,p*" n" ers v' e' genannt worden, da er wegen der Unterzeichnung des bekannten Status. Redakteur hatte Gelegenheit, mit R'-sler eine II»)°' ,!,,ens au''R p ,l,r R p H wurde, obwohl er a>Slimni;ingsl>ereeht:pter Saarländer ist. Unser S r h w.• Bericht gehen wir dieses Interview wieder dessen Inl.Ti"r"*"^!tp,n° Eindrücke auf dem Moskauer Srliriftslellerkongreß zu führen. Im nachfolgenden dürfte. er'"""" ,n,,a" fur Le»«, die die Vorgänge in Sowje.rußland verfolgen, von besonderem Interesse sein Frage: Fch fmbc die Berichte über dcti Ltoskaner Schrift» itellcrfnitgrcH ziemlich eingebend gclcicn. Was auf mich he- sonderen Eindruck machte, mar die Taliache dag zahlreiche Delegationen verschiedenster Berufsgruppen, darunter auch eine Delegation der Noten?lrmee deren Sprecher im iibri gen eine ganz ausgezeichnete Rede gehalten hat. den Kongrell aufsuchten und verschiedene Forderungen an die Schriftsteller stellten. Der Befuch dieser.ahlreichen Delegationen hat auf mich den Ei» dritck gemacht, da« zwischen Boll und Schrift- steller IN der Sowjetunion eine enge, für unsere Begriffe vielleicht unerflärliche Berhundenheit. besteht. Könnten Tie sich zu dieser Tatsache Lüstern? Antwort: Der Schrtftstellerkongrell bat nur das hestätiat. was bereits ieit langem be'anni ist Zwilchen dem Schritt- stellertnm und den breiten Vvlksmasien besteht in der Sow- jetunion die engste Verbundenheit Das n t c r e f i c der breiten Massen für den K o n g r e st tt> g r anster- ord: ntli ch^.l n jenen Tagen hcichaftiate tieft d>e Prelle iast nur mit dein Schriitstellerlongreß alle anderen Fragen ivur- den zurückgedrängt. Fnsbelondere bat sich das Fntcrelle für den Kongrell in der Tatsache geaustert, dast sich spontan zahlreiche Telegationen gebildet haben, die vor den Schriftstellern sprechen wollten. Das Präsidium des Kongrelles hatte alle Hände voll zu tun. um die Entsendung der Telegationen zu regulieren. Es liefen täglich Anfragen aus den verschieden- sten Mosfauer Betrieben ein. man fonnte. um die Arbeit des Kongrelles nicht zu sehr zn hemmen, nur einen Teil der Dele- galioncn einführen Tie Auslese mnstte llch auf die wichtig- sten Berufe beschränken. Sie erwähnten eben selbst die Ab ordnttng der Ziolen Armee, die den Kongrest begrüstte und ilre Wlinkche aussprach. K laus Mann in seinem Ellan in der.^Sammlung" fand es störend. d"ü plötzlich..Militär in den Saal der r'ttrra1 Warum war er schon vor Hitler von den Generälen verfolgt? Weil er über den bürgerlichen Pazifismus hin- ausgegangen war. weil er kämpferisch die Hintergründe der Krieae angeprangert und nicht, wie Reniaratic, reftoitiert nur Sie Schrecken der Schützengräben gezeigt hatte. Fch glaube. K aus Mann ist hier noch im Bann des bürgerlichen Pazifis- nin». dieses„Opiats der Nackkrieasiahre?. mit dem man die wachsende revolutionäre We5- abzuleiten suchte. Deshalb sieht Mann, der llch tav'er in die Reihen der Antifaschisten gestellt hat. einen Augenblick"eck unter altem Gesichtswinkels hört in Moskau nur die„Stiefel von Uniformierten in den Saal der Literatur stampfen". hört nickt das Referat des Sol daten. das nicht nur im Niveau des Stils, sondern auch in' den Gedankengängen wirklich die nette Welt vertrat, die alle'« den Frieden erhalten und neues Massenmorden verhindern kann ick meine die marristi'ch geschulten Mallen aller Länder ntil den Werktätigen Rulllands, zu denen auch der rote Kommandeur gehört. Frage: Sie sagten vorhin, dast in ienen Tagen die Prelle in der üauptinche llch mit dem Schrtüstellerkoi'grest beschäftigt figtte. Wie mar aber der Widerhall bei der Malle? Wie re- agierte sie auf die Tagung des Kongresses und auf feine Be- ith»üife? Antwort: Mir ucriün lieft fiel zu nächst einmal auf. dost das Gebäude, in dem der Kongrest tagte, b's inäl in die Rocht von Arbeitern. Angestellten. Beamte« und FntellcfttteOra belagert mar. Sie wollten ef weder periönl-chen Kontakt mit dem einen oder anderen russischen oder ouSländfichen Schriftsteller finden oder interellierten llch»ür die eine oder andere Frage, die auf dem Kongrest erörtert wurde. Wie grast der Kontakt zwischen dem Schriftstellerkongrest und den Mallen war. ,ernte« in irtt'n Togen sämtliche Fa brisen Moskaus: Greste Plakate Iah man überall, in denen die Werke verschiedener Schriftsteller angeführt wurden. Aber damit nicht genug: man hat oleichzeitia bei den einzelnen Werken die Rümmer« der Zeitungen und Zeitschriften angegeben. in denen diele Werke kritisch besprochen wurden Und über dem ganzen Fabrikefnaona h'tig ein Transpar-nt: „W e n n du l i e st. A r b e i t e r lies kritisch!" Bcr- gleichen Sie daneben Hitlfdenttchiond wo eine Disknsiion ichon de« Landesverrat gleichgesefcl wir», wo Aussprachen selbst in Kirchen verboten sind. Ivo die Regierung ihr zweites Herrscha'tsjahr abichliestt mit einem Gesetz gegen jedes kri tiiche Wort, das als„heimtückischer Angriff an! die Partei" von jedem Tummkovf deniinz. rt werden tan».'leisten Sie mir attsterdem in einer deutschen Fabrik auch nur einen einzigen der lebendigen Literaturzirkel, wie wir sie in der Union in jedem Werk antrafen. Zur Zeit des Konarelles gab es dort in den rullischen Fabriken literarische Wettbewerbe. Lese abende. Tiskuft'ionen Wir kamen in das Kugellagerwerk, in die Bibliotbek: die Arbeiter hatten sich gerade auch faichistilch' Literatur angeschafft, diskutierten über Fallada und E e l i n e. zeiaten die Soiideravsstelliina deutscher Literatur: Plivier, Scharrer. Becher. Weinert standen da. Am gleichen Tag ivurde bekannt, dast(Döring d>e Werke von M g r i m Gorki dem Rachrichter übergeben babe Wir waren im Schacht der Nntergr„nd('ihn Fn Wild- tvestern. ivnnderbar nntit-chgitm standen die kräftigen, be geisterten Kom'omolzen bald nm un>'> herum U"d mährend die Loren rollten die Preßluft zischte und die Pumpen stgmoften in dein Verkeh sba». den ganz?l?o?kau liebt wie ein Kind, stellte man uns Fragen über B n ch a r i n s Referat zur Sowfetlnrik ober Pasternak, den LnifeithüW, fragte N'"N tträ. was ttr" v"v Tem I a n B se dnn wüßten und ob ivir nicht ein(D r d t ch t vonndre Mal>-aur bot nach der Riickeebr ans der lknlan erklärt:„Der Schriftsteller in der Union ist ein flänia." Ein trc'ie"hp.v Wo?*', wenn man daran dcti't tote der SchriLst-Npe in den ffloitgftftiiche« t-^ndem oer f' f gpt ist wie ie; ne g'rnbi-'tion nhaeithnürt ii»trb. wenn er sich n>chi in den Tienst der Kr'easbene und de-- Ausbeuter stellen will, wenn e» d»r m«r«tätissn Kla^e. den S:eaer« von moraen die Treu» Fr d-r Un'on ist er e>n König, aber ke-ner. der'ant aui seifen, Tdrnr sjuen karr Tenn d»s B">t a'bi keine Liebe nttr d'm. der ibm n»itr schont. S?e kamen alle mit F o r d e r ti« g<• n. die'gtionen: die Kolchvsbäi'grin monierte, da« die Schritt'! iler dem Bilde der neueu Frau noch nickt, nahegekommen wären: die Rketro- bitrsche« rek'amierten das E»os über den grandiosen AuG-ni if-r.-r Stgdt Moskon S'e si*4it"*f« nicht: sie willen, dast grolle Werke ausreiken müllen. abe' sie nertranen den Tichtern ibre Wüniche mit den immer gleiche^.^orberunaen:-eichnet unter Lebe«. Gntmt zu uns. seid unier Gast, gebt ein Bild von un- ieren Kämp'»n. unl-rc,,-ä>,n'erigkeite>,>>>»d der Krail, mit der wir sie überwinden. Und tagt»ns dgr-'iber hinaus neue Ziele, neue Methoden, wie wir unser» AWt aufbauen sollen. WaS mich dabei lehr aeiellel» hat. ist die Achtung vor der individuellen Freiheit, die sie jedem Talent zugestehen. E* denkt niemand dgrg«. jemand in die''wanas- jacke einer lchablonisi»rten Meinung zu steck"«. Mau hat e'nen ganz nnvolittichen Schriftsteller, wie Pasternak, einen arvsten Sorachkunstler. der Rilke nicl von feiner Musik abgewann, stürmisch gefeiert Man hat F l i g E h r e n b u r g, dessen Spezialität es aeworden>>t von alte,, Schmieriakciten zu ivrech-n. Respekt vor dem Eitfüchickial zu fordern. d»r in jenen Tage,, gerade d»m'->e B?an'e-»r ,-an äftp„„is, beamien vfientiich anarii' durch tauten Bejiall bestätigt, da« man iein' unerichrocke"».Kritik billige und als bolichemifliich atnehe Man bat d-m Satiriker K o l, o tu r: ne besondere r"gtion dargebracht, als er den selbstkritischen Humor pries. Frage: Sie waren in Moskau a»' diesem Konarell»»fam- wen mit anderencht. dall.üitterbeutichlgnd«'cht Teutschland ist. es iväre beschämend für»ns gewesen, da« die einzige Nachricht zn diesem Kongrest. die ans Tenttchlanh kam. die Nachricht vom/Verbot der Werfe Gorkis ivar. Aber mir ivisien. dast der Tag kommt, da wir die Werte, die einer Welt io starke Lebensströme zuleiteten, w i e d i e„M utte r" v o ii o r k i. feierlich wieder in den deutschen Bibliotheken an stellen werden. Fch inull da noch zu einem letzten Vergleich ein Wort sagen, gerade für die Kollegen des Westens, für alle, die iv ängstlich auf die icheinbarcn Freiheiten des Fndi- oidunms in der kapitalistischen Welt sich berufen, wenn sie sich, fönst ichon fnmpathillerend. hierin aber noch abgrenzen. Fm neuen Rnsiland gab und gibt es keine Gleich- > eh a l i u n g im erbärmlichen Sinn, ivie die Rationaliozia- listen sie nun feit zwei SckireckenSiahren praktiziert haben. Ein io hochbegabter Schriftsteller, wie Llcichg. der nicht der Partei angehört, legt nun nach siebzehn Fahren ein B- lenntnis ob ivie er zum neuen S'aat langsam ein Be'bäll'n? gewonnen, wie keiner ihn gezwungen, ivie er selbst a5sx Phasen seiner Eutivicklnng zur Arbeiterklasse dnGchlebe« durfte. T»nken Sie an Hjtlerdeuttchlanb. das Männer wie Heinrich Mann, Brecht sofort hinter die Stacheldrähte gc- sperrt hätte: das jeden Schriftsteller gezwungen hat, die Satzungen der Rrichskulttirtainnie» anzuerkennen oder aber zu verhungern. Tie Tiktaiur des Proletariats, das habe iih nun leibst erlebt, braucht keinen Gleichichaltnngszivnng de feiger gemeiner^erri. zeugen kann, sondern nur durch Drohung oder Hunger das Schrifttum zu willige» Tienern machen will. Teufen mir 'mmer wieder an die Entwicklung hüben und drüben. Z. B. öes Zeitnngswesens. Fm„dritten Reich" ist die Prelle einem langsamen Sterben geivciht. Tie Zeitungen werden immer lgngiveiliger und immer weniger gelesen. Fn Soivietrullland vollzieht sich die Entwicklung in genau cntgegengesctzter Richtung. Tort steigt die Auflagezahl der Zeitungen und Zeitschristen von Fahr zu Fahr, immer neue Millionen von .Leier werden gewonnen. Ein anderes Beispiel! Während iin „dritten Reich" die Bolksbibliolhekcn„gereinigt" worden sind, >a selbst K lassiker, wie z. B. L e f s i n g, aus den Bibliothekc« entfernt wurden werden in Soivietrullland immer tten" Ftn..dritten Reich" wird di? Universität in die Arbeitsdienst- laaer verlegt., Soivietrullland i st ein R a t i o n g I i t fi t c f ü n a t. Gerade die Einstellung Fnterngt'vnalität diews S'"g'e"- bunbes hal den Rgtionglitätenhall beseitigt und d>e Rkl» e eine», jeden Bolkc-lums gefördert. Alle Rationalitäten h»''»" in Soivietrullland die Möglichkeit, ibre Sprache und ih' e kulturellen Eigenarten ,n vileaen. Fn Moskau gibt es iogar e-n Zineinicrtlicater. Wir besuchten mit einigen atislänbiicllen Kongreiiteilnehmern das Moskauer iiidifche Thegt»r T»r Leiter des Theaters begriillte uns mit den stolzen Worte»: „Genoven, ich möchte Fbnen nichts anderes tagen, als nur diese vier Worte:„F i d d i s ck e s S t a a,t s t h e a t e r i« Moska tt." Ter Staat unterdrückt die nationalen Minderheiten nicht, sondern fördert ihr kulturelles Leben. Bor allem ist es aber ein ganz anderer Geist, der in MoSkau das kulturelle Leben erfüllt. Fm„dritten Reich" und auch hier an der Saar werden jetzt Weihnachtsbücher für die Fugend verkauft, die voll von Kriegshetze sind. Blutige Weih- nachten. Tas ist der Geist deS„dritten Reichs"! Auf de n Schriftstellerkongrell in Moskau wurde aber an R o m a i n Roland, den Borkäntpfer gegen den imperialistischen Krieg, ein Begrüllungstelegramm gesandt. Tas ist der Geist Somjetrnlllands! Ter Schriitstellerkongrell bekundete damit den Aufbau- und Friedenswillen eines groben Landes, wahrend im„dritten Reich" die wahren Kämpfer für den Weltfrieden. Schriftsteller wie Ludwig Renn und Karl non Dffietzki. hinter dem Stacheldraht schmachten. Wir sind zurück- gekehrt mit dem noch stärkeren Willen, alles zu tun, rrn unsere Freunde zn befreien, nicht nur die Schriftsteller fern- der« auch Ernst THSlmann. Mierrndorff und alle Eingekerkerten. Kein Tag soll versehen an dem ivir nicht untere Stimmen erbeben und die Werktätigen der Welt anfru'en z'ittt Kamps gegen den Faschismus und den imv»r'alistisck"t Krieg. Wer die Bersammkttna der Towiettchriftsteller i>\ meist, dall der Kamps iede Mühe lohnt und dast bei uns die Fdee ist, die das Fahrhnndert verändern wird. I1lltcldl(cr im.drillen netdi" Nirgends aber blüht der Aberglaube wieder mehr und umfallender als im Heutigen Teutschland unter der Regierung von Adolf Hitler. Ter Wotans-, Edda- und Nggdrasil-Kult, der dort offiziell grost gezogen ivurde, das verderbliche Reubetdenlum in der ivgenaunten Reichskirche in Verbindung mit der amtlich geduldeten Diffamierung der bisherigen Religionsgebräuche in der evangelischen und katholischen Kirche, haben dem Auskommen einer wahren Flutwelle des Aberglaubens den allerbesten Nährboden be- reitet. Tie dagegen erlasienen scharfe« Perbote der Wahrsage rei aller Art. auch der unentgeltlichen, angefangen vdn den Künste« der Kartenlegeret bis zu den geheimnisvollen Offenbarungen massenhaft ausgesuchter Hellseher, haben diesen neuen Unglauben nicht i,n alleraeringsten einzudämmen vermocht, er blüht bettle im neuen Teutschland mächtiger denn ie! Tie Verwüstungen, welche der deutsche Rationalsozialis- mus auf geistigem Gebiete innerhalb von knapp zwei Fahren in Teutschland angerichtet hat. iihertreften all.- Vorstellungen. Ter Halt, den die hergebrachten Religions- Theien den Mallen des Volkes aab. sind längst zn elner morschen Stütze geworben. Der feste Anker der dem Volke in Zeiten groller Notzustände die Beruhigung einer immerhin relativen Geboroclleit gegeben bat. fehlt beute im ..dritten Reiche" vollständig. Der Drang, zu wlslen und zu erforschen, was die nahe und fernere Zukunft bringt, über raa» alle» andere Denk»« und Handel«. Der Mnstizismus f'icrt zur~*eit in T-ntlchland wahre Triumphe. Tie Sucht, hinter die Gebelmnisie der allernächsten Zukunft zu kommen, ist unter der Diktatur Adolt Hitlers zu einer Manie ge worden. Tas deutsche Volk ist unter Goebbels aus das Niveau des finstersten- Mittelaltert herabgesunken. Mit dem Wotan- und Edda-Glanben bat zugselch auch der Heren und Aberalan»"» in-„dritten R»ichc" seinen Einzug g' balten. Ein Stück Mittelalter ist im zwanzigsten Fahr- Kundert in dem ebemaligen Teutschland der Dichter und Tenken auferstunden. Um Fahrbnnderle haben Hitler. Gveb- bels und Göring die einst hohen deutschen Kultunverte zurückgeschraubt. Tie Uhr ivurde zurückgedreht anstatt vor- wärts. Tie Früchte treten schon ganz allgemein in die Er- scheinung. Es ist öffentliches Geheimnis, dall Adolf Hitler kramp'- haf, versucht, fein verhängnisvolles Horoskop durch Kunst- griffe aller Art im Sinne von Fupiter und Venus zu korri- gieren. Er fucht den Halt, die Richtung, in den Konstella- tconen der Sterne. Sein Prestige zerbröckelt mit jedem Tag mehr, den er erlebt Er wacht ängstlich über sein Leben und ist überaus nervös, wenn der 7. oder der 13 eines jeden Monats an den Himmel kommt. Seine Leibwache bildet Tag und Rächt einen undurchdringlichen Kordon um ihn. Tr. Goebbels wird besinnlich, wenn ibm auf feinen vielen Auto- tahrten ein schwarzer Kaier über den Weg läuft oder ihm ein Leichenzug begegnet. Und von Gorittg ist bekannt, dall er neben dem Morphium auch ganz dem heidnischen Kult der alten Germanen verfallen ist. Hitler, ttzoehhels und Göring zittern heute mehr um ihr Lehen, als das jemals bei den blutigsten Zaren des russischen Kaiserreiches der Fall war. Tie breite Masie des deutschon Volkes weih das. Eine Aera furchtbarer Unaetvillheit, vor allem was kommt. Ist in Teutschland angebrochen. Und so ist es kein Wunder, daß auch das Volk selbst diesem Taumel mittelalterlichen Aber- glauben« zum grollen Teil verfallen muhte! Die ländliche Bevölkerung in Deutschland glaubt heute wieder mehr denn je an Spuk. Ter verwirrte Bauer in abgelegenen Gegenden holt nickt mehr den Tierarzt, wenn i'»« ein Stück Vieh erkrankt, sondern die weiße Frau, die ittrch aficrl-i Hokuspokus den bösen Geist im Stall beschwört. E'.- kleinstädtische Bevölkerung sucht Zuflucht bei den Kart- krauen. Pik Aß. Kaffeesatz, das sibirische Pendel, die Ha«- Unten und die Graphologie müssen Einblicke in die Zulu't g-währen„Wann wird es endlich besser, wann nimm» d-- alles ein Ende?" ist die Frage, die stereotnp wiederkehrt! F« den Großstädten haben die Astrologen und Hellseher über füllte Warteräume.„Was bringt die Zukunft?" ist auch h>r die ewig wiederkehrende Frage. Und je mehr die Reglern\ das alles verbietet und zu unterdrücken versucht, d>»' größer wird die Manie der Bevölkerung, erst reebt in Erfahrung zu bringen, ivas für die Zukunft bevorsteht.» v Aberglaube ist fo alt ivie die Meuichlwit selbst. Mit V- boten, mit Gefängnis und Konzentrationslager ist er 1; e- mals auszurotten. Hier Hilst nur Aufklärung. Geklärie. ritbiac und nu*«e'ol Manie segli^g Grund'-»-». Fm neuen Teutfchl""d aber ^«v*1! infti vr« bringt, wie lange das Foch der HiUer»i noch er'ra' werden mn»!. bereits staatsgefährl'ch geworden. Ka" krauen und Astrologen iverden als Siaatsfeinde beeeick' weil sie dem Volke d e„Wahrheit" vermitteln. Tamil ist Regierung Hitler nicht nttr bildlich, iondern effektiv au> primitive Vorstellungskraft des finstersten Mittelalters g su iifen. Im Mittelalter wurden die Frauen, die eine eigene M nung hatten, von der Fnguifition als staatsgefährliche'^e» lebendige,, Leibes verbrannt. Heilte iverden ln Teutich'' unter Hitler Männer mit eigener Gesinnung in den>'' zentrationSlagern zu Tode zermürbt. Das Mittelalter ist Teutschland wieder erstanden. Rur die Methode« haben fi Ö geändert. Sonst ist alles wie im 13. Jahrhundert! • Bon Albort Lanrent-Scrardt deutsche Stimmen• Gleilage zur.^Deutschen PreifieW• lre*£mis§ en kxc Reform niederzuzwingen, war die politische Lage in dieser Frage geklärt. Trotzdem gab es in beiden Häusern des Parlaments Aussprachen, die sich über mehrere Tage hinzogen. Di? Debatte stand im allgemeinen auf sehr be- achtlicher Höhe, im Oberhaus beteiligten sich sogar drei ehemalige Vizekönige von Indien an der Aussprache— olle drei traten für die Reform ein. In beide nHäu- lern erhielt die Regierung eine starke Jiehrheit, etwa im Verhältnis 4:1. Im Unterhaus fand sich bei der Schlnßabstimmung eine seltsame Ge- meinschaft zusammen. Tie rund»0 Labourabgeordneten, denen die Reform nicht weit genug geht, stimmten ge- meinsam mit zirka 80 Rechtskonservativen, denen die Reform zu weit geht, gegen die Regierung. Im Oberhaus enthielten sich die paar Labotirlords der Stimme, dort blieben die Rechtskonservativen unter sich. Wenn es sich auch nur um Borabstimmungen handelte, so ist doch in dem jetzigen Parlament eine starke Mehrheit sür das ileformgesetz gesichert. Die Versuche der Rechtskonser- vativen mit Hilse der indischen Fürsten die Reform doch noch zu Fall zu bringen, scheinen nicht sehr aussichtsreich zu sein. Lloyd George stößt vor Jahrelang hat sich Lloyd George im Hintergrund gehalten..Er verfaßte seine Kriegsmemoiren voller gif- tiger Attacken gegen die Generalität, ja gegen alle Sachverständigen. Er baute auf seinem Gut preis- gekrönte Kartoffeln an und züchtete preis- gekrönte.Aepfel. Fast niemals erschien er im Parlament. Zweifellos ist er die markanteste politische Persönlichkeit, die England während des ersten Iahrhundertdrittels her- vorgebracht hat. Vor dem Kriege hat er als liberaler Echatzkanzler gegen gewaltige Widerstände die englische Sozialgesetzgebung durchgesetzt: während des Krieges und einige Jahre danach hat er England f a il diktatorisch regiert, wobei er immer mehr ins reaktionäre Fahrwasser geriet. Und dann verschwand er plötzlich im Hintergrund. Gelegentlich ließ er seine Stimme ertöne», gelegentlich versuchte er sogar neue Vorstöße, stets aber ohne Wirkung und Erfolg. Schließ- lich zog er sich ganz zurück. Run plötzlich kündigt er einen neuen Vorstoß an. Im neuen Jahr will er mit einen, großen Plan zur Umformung der eng- tischen Wirtschaft und zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit herauskommen. Er scheint dabei vor allem R o o s e v e l t s Politik vor Augen zu haben und spricht sogar ausdrücklich von„New deal". An Einzelheiten H er bisher nur die Verstaatlichung der Bank von England erwähnt, die bis heute noch ein rein privates Institut ist. Er hofft aus die Unterstützung durch die Labour Party und durch die planvirtschaftlich eingestellten Jungks n s e r v a t i v e n. Er rechnet da- mit, daß im nächsten Parlament Labour und Konser- vative etwa gleich stark sein werden und daß er mit den auf Grund seines Planes gewählten Abgeordneten das Zünglein an der Waage sein werde. Tann will er offenbar die Annahme seines Reformplanes zur Bedingung der Unterstützung einer Regierung machen. Sein Plan ist gewiß nicht aussichtslos, da im Lande zweifellos eine starke Sehnsucht nach kühnen, konstruk- t i v e n Vorschlägen besteht. Aber hat der itber 70- jährige noch die Spannkraft, seine Kampagne durchzu- führen? Wie steht es mit dem englischen Faschismus? Nach dem 30 Juni war Mosleys Stern im Sinken. Heute ist die Lage für ihn wieder etwas besser geworden, obgleich nach wie vor noch keine akute faschi- st i s ch c Gefahr in England besteht. Aber Mosleys Per- sammlungen sind nicht mehr so leer wie im Juli und August und er hat wieder etwas mehr Publizität. Von Versammlung zu Versammlung legt er mehr Gewicht auf den Antisemitismus, einmal, weil Antisemitismus bei einer bestimmten Sorte des Mobs stets anspricht— auch in England; sodann aber weil er damit rechnet, daß diese in England ungewohnte Parole eine leidenschaftliche Diskussion auslöst, in der sein Name und der Name leiner Part?! immer wieder genannt werden wird, und daß ihm seine Gegner durch Angriffe die ersehnte Publizität ver- schaffen. Ganz Unrecht hat er mit dieser Rechnung nicht gehabt. Freilich hat er auch auf anderem Wege Publi- zität erhalten— und zwar durch eine Reihe von Pro- z.e s s e n. Da gab es einen Beleidigung spr ozeß. Moslez gegen die liberale Zeitung„Star". Der„Star" hätte eine angebliche Aeußerung Mosleys in sehr zahmen Worten als hochverräterisch bezeichnet. Mosley klagte. •Niin ist die' englische Bsleidigüngsrechtsprechung von einer geradezu unfaßbaren, aber im allgemein?» segensreichen Schärfe. Pressebeleidigungen haben phantastische Geld- strafen im Gefolge: daher ist die englische Presse frei von persönlichen Schimpfereien und Verleumdungen. Uebcr Beleidigungsprozesse wird in der ganzen Presse immer ausführlich berichtet. So auch diesmal. Mosley. der feine Legalität nach bekannten W u st c r n beschwor', hat den Prozeß gewognen, dazu ein? E»l- schädigung von 000«» Pfd Sterling--- und die gewünschte Publizität Dieser Tage kam ei» anderer Prozeß ihm zu- statten in dem er der Angeklagte ivar. Nach einer Mosleyversammlung in einer südenglifchen Küstenstadt war es zu einer Schlägerei gekommen, an der u. a. auch Mosley'persönlich teilnahm. Die Polizei klagte ihn des Aufruhrs an. obgleich sie nickt gerade über besonders wirkungsvolle Zeugen verfügte. Es war eine leichtsinnige Anklaae Mosley und die Seinen wurden glänzend frei- gesprochen- wie nach der Beweisaufnahme nickt anders zu erwarten war. Sie sonnen sich jekt in der Rolle der verfolgten Märtyrer, die sich nur ibrer Haut gewehrt hätten und hoffen, daß ihre eiaenen Roheiten..und echt faschistischen Brutalitäten in der Olympin- Versammlung im Frühjahr verg-ssen werden P a u l a W a l l i s ch verötsentlicht die Lebens- nnHSter- bensgeschichte ihres Mannes Koloman» Drei Revolutionen sind in dieses Leben verknüpft. Nach Lugos einem kleinen deutsch-siebenbürgijchen Stadt- che», der Vaterstadt Koloman Wallychs, kam ei» Matrose des Panzerkreuzers„Polenikin". Durch ilm lernte der jünszehn- jährige Manrerlehriing die Gedankt» des Sozialismus ken- neu Zarismus und österretchijch-ungarische Monarchie stau- den damals lvie ünstürzbare Mächte, als der junge Walliich im Arbeitcrbildungsverci». den der Emigrant vom„Pvtcm- fin" gegründet hatte die Gesetze zu verstehen strebte, die diese kapitalistische Welt regieren. Es ist ein. Tombol sür das Hcldenleben Wallichs, daß er weder in'der politischen,»och. in der gewerkschaftlichen, sondern in der Btldungsorgani- satjon den Gedanken und die sittliche Grobe des Sozialismus zum ersten Mal erlebte. Ein reifer und bewußter Sozialist ivar er, als der Welt- krieg ausbrach: auch als Soldat fühlte er sich den Gesetz?« der Arbeiterbewegung und nicht denen der Militärinaschi« ncric verpflichtet und die Uniform hinderte ihn nicht daran, als Vertrauensmann feiner Genossen weiter z» ivirke». Der Mann vom„Pmemkin" muß ein guter Lehrer gewesen sein. Als der österreichische Feldwebel Wallisch ist seiner dienstfreien Zeit mit den Unternehmern als Vertrauensmann der Arbeiter verhandelte, lag die Monarchie im Sterben. Sie. die vom Btnt der unterdrückten Nationen gelebt hatte, in Schanden gelebt hatte, zeigte damals bereits jedem, der zu sehen und Todessumptvme zu deuten verstand, ihren Tod an: der Unterossizier Walliich war damals bereits hellsichtiger als die ihm vorgesetzten Offiziere und sie wehrten sich gegen seine überlegene Klugheit, indem sie ihn vor das Militärgericht stellten. Aber man wagte nicht mehr, ihm ans Leben zu gehen. Tie Bestie des österreichischen Militarismus, an deren Lebensbahn hunderte von Galgen stehen, wagte es nicht mehr de» Galgen sür Kvloma» Wallisch zu errichte». Sie gab ihm Urlauh für etliche Jahre, sie wartete, bis sie wieder kräftig genug ivar, um in der modischen Tracht der Heimwehr ihr dreckiges Gewerbe aufzunehmen. Das Habsburger.Rcgimeitt verreckte. Die ungarische Revo- luiion loderte ans: Koloma» Wallisch übernahm das Sckre- tariat der sozialdemokratischen Partei i» Szcgcdi». Als Sozialdemokrat hielt er bis zum letzte» Augenblick der un- glücklichen ungarischen Räterepublik aus seinem Posten aus. Als er dann später in Oesterreich der Führer der ober- fteirischen Arbeiter wurde, als man ans ihm de» bolschcivisti- scheu Bürgerschreck machte, erzählie».die Heimwehragenten Lügenmärchen über Wallisch» Tätigkeit während der ungarischen Kommune. Jahrelang mußte, er sich mit seinen Ver- leiimdcr» vor den Gerichten herumschlagen, bis er die Lügen der Klassenfeinde zerstört hatte Aber 5fc Verlestmdunge» klebten wie zähes Pech-an ihm. es ivar gelungen, gus dem sachlichen,»ervenruhigen Wallisch, den das- Vertrauen der Genossen trug, den Bluthund zu machen, gegen den jede Niedertracht erlaubt schien. Nach dem Zusammenbruch der ungarischen Arbeiterbewe- gung, ging er nach Südslawie», nach Maribor und von dort in die Steiermark. Als ein unbekannter Genosse mußte er sich mühsam das Vertrauen erwerben: aber dann, als die Massen den Mann erkannt hatten, seine»»bedingte Hingabe an die Sache, seinen nie ruhende» Fleiß, seine Bescheide»- Heit, die durch keinen äußeren Erfolg zu.verführen war, da galt ihm die ganze Liebe, nicht nur der obersteirische», son- der» der österreichischen Arbeiter überhaupt. Je schmutziger der Feind diesen reinen Mäuschen mäche» ivollte, desto inniger wurde die Liebe der Arbeiter sür ihn: aber auch diele Liebe vermochte nicht,' ihn überheblich zn machen, brachte ihn nicht dazu, der Masse nach dem Munde zn reden und ihr nur das zn sagen, was sie hören wollte. Plan muß die ab- *1 Tai N»ch: Paula Wallisch„Ein veld'stirbt-''sst durch die Per- waltung des„Kampf", Prag Vützowoua sr, zu be-ichcn. Simon and Lava] Fortsetzung der Gespräche nach dem 13. Januar (Von unser»! Korrespondenten! Paris,24; Dezember. Tic großen Fragen der Außenpolitik wäre» Gegenstand der lange» Unterhaltung, die Sir John Simon und L«»ol am Samstag am Quai d Orsast geführt haben. Wir tonnten schon vorher ans die Bedeutung dieser Unterredung hinweisen, und ihr Ausgang gibt unserer Voraussage recht. Dabei müssen mir bemerke», da» der englische'Außenminister nicht eliva mit testen Vorschlägen für bestimmte Fragen zu seinem französischen Kollegen gekommen ist. Am Samstag handelte es sich vor allem darum, i» einem allgemeinen Ueberblick über das gesamte Gebiet der Außenpolitik, so iveit Frankreich und England dadurch direkt oder izidirckt berührt werden, in einen Meinungsaustausch einzutreten. Ein wesentlicher Teil der Aussprache ivat dem Saar- p r o b l e m gewidmet. Beide Staatsmänner verhehlten sich nicht, daß mit der Abstimmuna am 13. Januar die Saarsrage durchaus noch nicht gelöst ist. Lav-gl betonte noch einmal, daß Frankreich keinerlei Sonderintereffen an der Saar ver- folge, daß es aber Wert darauf leaen müsse, daß die Wertung des Abstimmungsergebnisses im Sinne und Geiste des Ver- sgiller Vertrages geschehe» müsse. c Der englische Staatsmann'! gab' unlNnwunden zn, daß T'ltlerdeuitchlands Ausrüstung zumal in dcr Luft, eine Ge- fahr sür England bilde, und dies alles i»n werde, n»i dieser Gciahr zu begegne».'Während er' die Auffassung vertrat, man müsse die bisherigen Rüstungen Deutschlands anerkennen und sie auf das vorhandene Piaß beareuzeii. vertrat Laval zwar die Auffassung, daß man der deutsche), Aufrüstung ein Ende machen müsse, aber dies nur könne. loenn Deutschland durch seinen Veitritt uim Ostvakt eine' Verpflichtung zn gegenseitiger Hilfe im Kriegsfälle und zu Sanktionen gegen den Friedensstörer einginge. Wie mir höre».' sollen die enaI!ich franzöIiichen Gespräche nach der S a a r a ö st i in m n'» g fortgesetzt-werden. wehrcnde Hai,dbc>vcgn»g gesehen hüben. mit der er den Be-« grüßungssturm beantwortet haue, wenn er zu sprechen be- gann um diesen Mann zn begreifen, der so ganz anders war als'ihn die heutigen österreichischen Machthaber schildern. Als Koloman Walliich am 12. Februar von Graz»ach Bruck an der Mur fuhr, weil er den Brucker Arbeitern ver- sprocheu hatte, in der Stunde des Kampfes bei ihnen zu sein, d.i'wnßte er, daß er in eine Schlacht ging, die wenig Erfolg 'versprach Paula Wallisch, die ihren Mann begleitet hatte, bezeugt die Erkenntnis ihres Mannes. Ehe er von dem per- sönlichen Schicksal sprach, das ihn erwarten mußt?, dopp nicht ohne Absicht hatte man aus ihm einen Bluthund gemacht. . redete ep von dem-Schicksal»>rd den Möglichkeiten, der Ar- beilerbeweguirg.in dem Kampf, den die veriassungsbrecherische Regierung erzwungen hatte. So nebenbei sagte er:;„Ich weiß auch daß ich»gch dem Zusammenbruch eines der Opser sein werde. Mir ist schon lieber ein rasches Ende, als dieses aufreibende Dasei».. Wie Wallisch es vorhergesehen hatte, so ist es gekommen. Paula Wallisch schildert den Kamps und den Rückzug der obersteirischen Arbeiter, schildert wie die meineidigen Ver- sgssnngsbrecher die Verfassungsverteidiger mit gller Aus- »ützuiig der überlegenen Ausrüstung des staatlichen Macht- apparates niederwerfen, schildert, mit welchem Heldenmut, der über jedes Wort erhaben ist. die Roten angreife» und sich verteidigen. Und dann erzählt sie das surchtbarc Ende: Wallisch war vor dem Standgericht. Wallisch vor Richtern und Henkern. Tic Auszeichnungen die Wallisch sich fsir«eine Anklagerede vor Gericht machte, find dem Buch faksimiliert beigegeben: sie sind mit fester Hand niedergeschrieben, auch im Angesicht des Todes Hai Wallisch nicht gezittert. Kein Pathos war in seiner Rede Sic ist von fast nüchterner Sachlichkeit, sie geht ans sozialpolitische Details ei», die deutlich machen sollen, daß die Begriffe der Freiheit und des Rochs.sstaateS, die zn verteidigen sich die Arbeiter erhoben hallen, von brennender Realität für die Arbeiterklasse mären. Als Sozialdemokrat ist Wallisch leinen Weg zu Ende ge- gangen, gis Sozialdemokratin Hai sich Paula Wallisch wegen Beihilfe zum Hochverrat vor Gericht verteidigt. Mit rühren- der Bescheidenheit erzählt die Gefährtin von ihren eigenen Schicksale». Daß dieses Buch so ganz ohne Pathos Ist. macht seine Größe und Wirkung ans. Jedes Wort darin lebt nnd wird leben. Auch jedes Wort der Anklage, die es ausspricht) da wird von dem Hcimwehrsührer Watzek-Mischa» erzählt der. gewissermaßen im Nebenamt. Richter war: da hören wir von dem Henker Spitzer, der vor dem Leichnam Walli.'chs eine Verbeugung machte und jagte:„Herr Wallisch. bei Ihnen war es mir ein ganz besonderes Vergnügen," Diese Helden selbst haben sich all ihrer Gemeinheiten ge- rühmt, damals als die Diktatur so jung und blutig mar Heute, da das unterirdische Lebä» der'Illegalität immer mächtiger wird, erzählt man. daß sie nervös sind»nd sich kann» aus die Straße mage». Von dem Grab des Koloman WaslifchS, das die Mach'- haber zuerst dem Erdboden aleich mächen ließe», das aber immer wieder wie von Geisterhänden mit Blumen bedeckt und so kenntlich gemacht wird, strahlt eimunheimliches Licht ans. Alle Macht die Menschen haben können, liegt in den Händen der Herrschenden, sie haben Waffen und Polizei- tanks. Flugzeuge und Gerichte: alles Hai man den Arbeitern genommen, in ihren Häuser», In ihren Organisationen, in ihren Gewerkschaften/in ihren'Arbeiterkammern sitzen die biniigen Ueberwinder' In-ihre Sicherheit und in ihren Schlaf, in ihre Festbankette und in iine Wassciiparaden springt der leiste. Schrei der Febrnarioien. der letzte Ruf Koloman Wallums nnd das große Licht, das von seinem «Krabe ausgebt über ganz Oesterreich und>ür sie n«tiu> der kämpfenden Arbeiterschat: Das Kabinett JevlKsds Paris zufrieden. V o n u n s c r e m K örreiß o n de n t en * Paris, 24..Dezember. Die Kommentare derfranzösische» Presse über die Lösung der jugoslawischen Regierungskrise sind durch>us optimistisch gehalten, lieberall äußert man seine reßlvie Genuatn»,'., darüber, daß es Jcvlitch gelungen, ist,>» jo kurzer Zeit ein Kabinett z» bilden, in dem sogar einig? Führer der O-"' Option vertreten sind. Man spricht die Ueberze» inna ans, daß der neue jnaoslawiiche Ministerpräsident in"iir»c r«cr Frist bereits ans Werk gehe» wird, um die friedliche Politik fest zu verankern, deren Vorkämpfer er bisher als Außenminister seines Landes im-Sin»e Alexanders I. gewesen ist Ei» Kabinett.'Jevtitch in'Belgrad, so sag! der der>ran- zöfikchen Real.erun'g»aliestebende„Temvs".•">'-v»ift eine Situation. die gccigu))! jsy die sranzösi'ch-italie»>sck>e Entente z» fördern) deny iiäch, Lage der Dinge ist diese von der Vcrstä i- dianng Italiens mit der Kleinen Entente abhängig. Tie- jenigen, die auf'tste*Störung der inioiloiv.'che» Politik ge- rechnet habe» nnd davon eine Schwächung- der Klein"i Entente und der französische» Politik in Europa erwarteten, werden zweifellos enttä"'ch< sein, aber die Sache des Friedens und der international''» Zusammenarbeit wird dadurch in glücklicher Weise eine KräsiigUng erkghre». Im übrigen"la»«'e» ii>',isürlanb genommen..und vor End? der Woche werden die Versandlunaen mit dem iranzö'^chen Botschafter in Rom, he.-Ehambrnii. kaum ihren Fortgang nehmen. Es iß nicht ausgeschlgne», daß L.a,v gl.noch vor dem 1». Januar, wo er z» de» LwIkerbundsverhäNdlu> v.'u"och Geui reise» wird, seinen so oft vertagten Bestich ni Rom abzustatten gedenkt.'' Englische Justiz Die englische Justiz ist mit.Recht angesehen. Das Wart Klassenjustiz hört man kaym.das Wort, Pgrteijusiiz nie. Es gihl nur wenige Richter,.diese tyenigxüyber genießen hohe Achtung bei jedermann und ivachen eifersüchtig über ihre Unabhängigkeit. Ein, kleines, aber, bezeichnendes Beispiel. Als kürzlich im Oberhaus eine an sich un- bedeutende Iustizvoriage zur Debatte stand, ergriff der O b e r st e Richter E n g I a, n d s. L y r ,d H e w a r t, das Wort zu einer leidenschaftlichen Anklage gegen die für diese Frage zuständigen Regierungsmilglieder. Und zwar aus folgendem Grunde. Die. Vorlage sah die Schaffung eines Vizepräsidenten beim Appellationsgericht vor: dadurch konnte sich der Richter beini Appellations- gericht gekränkt fühlen, der nach dcx bisherigen Rechts- läge als Stellverteter des Porsitzenden in Frage gekom- inen iväre. Das war der R i ch t c r Slesscr, der. bevor er Richter wurde. Abgeordneter rind Minister der La- bour-Regierung gewesen war. Der'.Oberste Richter sah in dem Gesetz eine Benächteiliguiig SIessers wegen seiner politischen Gesstin-ung,-Dagegen protestierte er mit einer in> Oberhaus ganz ungewöhnlichen Leidenschaft. Dabei ist Lord He wart Konservativer und ivar, bevor er Richter wurde, konservativer Abgeordneter und Minister gewesen. Er kämpfte gewissermaßen für seinen politischen Gegner, aber er kämpfte vor allem für die Unabhängigkeit der Justiz von politischen Erwä- gungen Und er siegte auf der ganzen Linie. Tie Regie- rung gab nach., Wird der Faschismus ist einem Lande zur Herrschaft kommen können, wo es, auf- allen Gebieten des öffent- lichen Lebens Männer gibt, die wirklich Männer sind und keine Knechte? Karl Barth Seine Absetzung und ihre Wirkungen 2>u§ Kölner Gericht, vor dem das Disziplinarverfahren gegen den Bonner Thcologieprofessor Karl Barth vcr- handelt wurde, hat, wie wir schon kurz berichteten, seine Ab- setzung ohne Pension verfügt. Nur die Hälfte des Ruhe- gehalts für die Dauer eines Jahres wurde ihm zugesprochen. Die erwartete Maßreglung ist nun perfekt. Teutschland ver- liert seinen bedeutendsten und charakter- vollsten Theologen, der vermutlich bald nach seiner schweizerischen Heimat aus einen ehrenvollen Posten berufen werden wird. Schon macht die Universität Basel den Versuch, chn für sich zu gewinnen. Barths hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, den Eid auf Hitler zu leisten. Hinter q« stehen weite evangelische Kreise, die nach seinem Beispiel , e"®. ii:ten Gottes gegenüber dem Staatswillen, der„Totali- tät über Sachen und Seelen beansprucht, auseinander- halten. Die g e s a m t c deutsche Presse nimmt die Ab- letzung Karl Barths ohne ein Wort des Widerspruchs hin Äie sagt, gut gedrillt von Goebbels, überhaupt nichts dazu, damit ihr nachher nichts zustößt... * Tie„Neue Zürcher Zeitung" bemerkt zur Disziplinierung Karl Barths: In unserer letzten Nummer berichteten wir, daß der be- rühmte Bonner Theologieprofessor Karl Barth vom Diszi- plinärgericht mit Dienstentlassung bestraft worden ist. Zu dem Falle Barth macht die„Neue Zürcher Zeitung" folgende interessante Ausführungen: „Die Entlassung Prof. Karl Barths von seinem Lehramt an der^Univcrsität Bonn wird in der deutschen Presse m i t T t i l l s ch w e i g c n übergangen, so daß es der„gesprochenen Zeitung" überlassen bleibt, die Aufsehen erregende Nachricht weiter zu verbreiten. Tic Trennung die der Staat zwischen sich und dem Hochschullehrer vornimmt, der wie wenige unter der jetzt lebenden Generation zum Weltruf der deutschen Wissenschast beigetragen hat, ist so brüsk wie nur möglich vollzogen worden. Mit der Verhängung der schwersten Strafe, die dos Tisziplinarstrafrecht vorsieht, be- weisen die Behörden, daß sie am absoluten und u n b e- dingten Charakter der Eidesleistung auf Hitler festhalten wollen. Auch ein stillschweigender Vorbehalt, mit dem sich Prof. Barth begnügt hätte, wenn ein solcher von der Staatsseite aus als zulässig anerkannt worden wäre, konnte nicht mehr als Brücke zu einer Verständigung dienen. Der klaffende Gegensatz zwischen politischen und religiösen Auffassungen, der damit entstanden ist, läßt bereits ermessen, was für Stürme ausbrechen werden, wenn auf dem Ge- biete der evangelischen Kirche die vorgeschriebene, aber noch nicht durchgeführte Vereidigung der Geistlichen auf den Na- men Hitlers verlangt werden sollte. Der Reformierte Bund für Deutschland, dem 300 Gemeinden angehören, hat bereits offen für Pros. Barth Partei genommen und den RctchskultuSm'nlstcr wissen lassen, daß die Entscheidung eines jeden evangelischen Christen in Dcwtschland aus Grund des GotteSwortes nicht anders ausfallen könne, als wie sie von Karl Barth getroffen worden sei. Tie Herabsetzung der finanziellen Absindung an den gemäß- regelten Hochschullehrer auf ein Minimum steht mit der Tendenz, den die ganze Sanktion ausströmt, im Einklang. Pros. Barth hat die Möglichkeit, an das preußische Oberver- waltungsgericht zu appellieren: ob er davon Gebrauch machen will, ist aber noch nicht bekannt geworden. BBIEHCBSTEM Illegale Freund«. An Euerem diesmaligen Briefe ist besonder« Interessant, wie gering Ihr die Meckerer und Kritikaster einschätzt. Ihr bedankt Euch dafür. Euer wertvolle« Material, da« unter so großen Gefahren hineingeschmuggelt wird, an Leute zu verschwenden, die gerne kritisieren und schimpfen, aber niemals für eine wirkliche Aufbauarbeit zu haben find. Ihr tut recht daran, die illegalen Schriften nur solchen Volksgenossen zu geben, die sich irgendwie aktiv gegen das Regime betätigen werden. Lustig ist Eure Erfahrung, daß so mancher, der die„Diktatur de« Proletariat«" fordert, sich absolut nicht diktieren lassen will, wenn ihm eine illegale Arbeit zugewiesen wird, die unter den jetzigen Verhältnissen von dem führenden Ver- trauenSmann nur als Anordnung weiter gegeben werden kann. Zu Diskussionen über die illegale Arbeit und ihre Verteilung habt Ihr jetzt weder Zeit noch Gelegenheit. Literatur Weißbuch über die Erschießungen des 30. Juni 1934 Authentische Darstellung der deutschen Bartholomäusnacht. (Zirka 250 Seiten, gebunden, mit zahlreiche» Illustrationen. Preis: Frankreich»5,— Fr.. Schweiz 4,— Fr., Holland 2,— Fl., Tschechoslowakei 20,— Kr.— Edition» da Earresour, Paris VI, 88 Bl». du Montparnaffe. Tie Zuspitzung der tnnerpolitischen Lage in Deutschland, die Ab« setzung des schlesischen Oberpräsidcntcn Brückner und sein Aus- schluß aus der nationalsozialistischen Partei, die Vorgänge in Tan- zig, der durch den RcichSwirtschaftsminister Schacht erzwungene Rücktritt de» nationalsozialistischen WirlschaftSführers v. d. Goltz sowie die Amtsenthebung des Staatssekretärs Feder, des Schöpfers des nationalsozialistischen Programms, lassen überall die Frage auf- tauchen: Steht Deutschland vor einem neuen 80, I unk? Was aber bedeutete die Bartholomäusnacht des 80. Juni 1984? Tic von der deutschen RcichSrcgierung mehrfach in Aussicht gestellte authentische Tarstellung der blutigen Vorgänge ist niemals erfolgt. Jetzt endlich wird die Wahrheit über die Erschießungen und Morde des 80. Juni in einem aufsehenerregenden Tokumenienwerk„Weiß- buch über die Erschießungen des 80. Juni 1084" enthüllt. Der be- kannte schwedische Jurist Senator. Dr. Georg Branting-Slockholm hat die Einleitung zu diesem Buche geschrieben, da« von dem Kollektiv der Autoren de« Braunbuche» über den Reichstagsbrand auf Grund von zahlreichen Augenzeugenberichten, von Dokumenten und Recherchen zusammengestellt ist. Trotz'äußerster Nüchternheit, trotz völliger Beschränkung aus die fachliche Darstellung der Vorgänge ist hier ein Werk entstanden, das jeder Leser mit atemranbender Span- nung von Ansang bis Ende verfolgt. Gerade der dokumentarische Charakter dieses Buche« verleibt ihm eine so außerordentliche Wir- küng. Wir hören den Bericht eines hohen Beamten des Münchener Polizeipräsidiums über feine Erlebnisse in der Mordnacht. Ein Hotel- gast de« Hotels„Hasfelbauer" schildert, wie er als Augenzeuge den Verhaftungen in Wieffee beiwohnte und widerlegt damit die von dem Propagandaminifter Goebbels um diesen Akt des Drama« ge- woben« Heldenlegende. Ein Beamter des Zuchthauses Stadclheim stellt die letzten Stunden und das Ende von Röhm und seinen Ge- fährten dar. Da« Weißbuch beweist an Hand authentischer Dokumente, daß Hit» ler, als er sich ins Flugzeug setzte, um die blutigen Exekutionen de« 80. Juni vorzunehmen, nicht nur in keiner Weis« überrascht, sondern im Gegenteil wohl vorbereitet war, da die Aktion durch SS.»nd Reichswehr bereits weitgehend eingeleitet, eine Reihe von Verhaf- tungen schon durchgeführt war und die entscheidenden Plätze schon besetzt waren. Von eindringlicher Wucht»nd außerordentlicher politischer'Be- dcutung sind die im Weißbuch großenteils fotografisch wiedcrgcgebe- ncn Dokumente. Sic führen zurück auf die Ursprünge des Dramas vom 80. Juni, die zugleich die Ursprünge de«..dritten Reiches" sind, mit der Wiedergabe de« van Karl Ernst, dem Berliner Gruppen- führcr bei SA. verfaßten und' eigenhändig unterzeichneten Einge- stllndnisie« feine Beteiligung an der Brandstiftung I« Reichstag, daß nicht nur die Namen feiner Mittäter und den genauen Hergang der Tat schildert, sondern auch die Anstifter diese« politischen Ver- brechen« mit ihrem Namen nennt. Einen tiefen Einblick in die hef- tigen Auseinandersetzungen innerhalb der nationalsozialistischen Partei gewährt ein persönlicher Brief de« SA.Führers Karl Ernst an seinen Freund, den schlesischen Gruppenführer Heines. Entscheidende Wichtigkeit aber hat— besonders im Hinblick auf die gegenwärtige innen- und außenpolitische Lage des„dritten Reiches", der im Weißbuch wiedcrgcgebcne Auszug au« jener unter dem Namen„Blaubuch" bekonnten vertraulichen Denkschrift von RcichZwehrgenerälen und Offizieren de« Rcichswehrministcriums. die nach der Ermordung des General« von Schleicher an den Reichs- Präsidenten von Hindcnburg gerichtet wurde und mit ihren mili- tärpolitischen Betrachtungen von größter Aktualität ist. und vollste Ausmcrksamkeit verdient. Zum erstenmal ist auch im Weißbuch der schlüssige Beweis für den Zusammenhang zwischen den Morden am 80. Juni und dem blutigen Putschversuch des 25. Juli in Wien geführt. * D'« neue WeltbShue, Prag 10, Zizkoua 4c.„Friede auf Erden" heißt der Leitartikel der letzten Nummer des Jährgangs 1084. liebe» den zweiten dreißigsten Juni in Teutschland, die 230 Tezcmbe/ morde, berichtet Heinz Pol. Mar Seydcwitz gibt unter dem Titel «Englische Perspektiven" eine Schilderung der Politik der Labour- Party. Heinz Konrad schreibt über Schachts„Neuen Plan". F. C. Weiskops kritisiert deutsche Sowjetbücher. Kurt Hiller setzt die Artikelserie„Schutzhäftling 281" fort. Außerdem enthält die Nummer eine Filmkritik von Friedrich Wolf u. m. Zu vermieten in großem Speditions und Lagerhaus in ST. LOUIS(Elsaß), Nähe Basel, helle, trockene Räumlichkeiten mit Geleiseanschluß, Elektrisch, Gas und Wasser, geeignet tür Fabrikation, Gewerbe, Bureaux n. Lager zirka 2 700 qm(ganz oder weniger) per sofort oder später. Auskünfte über Steuer, Lohnverhältnisse usw. sowie über Gesellschaftsgründungen werden gerne erteilt. Offerten unter Chiffre D 8242 an Publicitas Basel W»> Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz tu Dud- weller: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck nnd Verlag: Verlag der Volksstimme Gmby„ Saarbrücken k Schützenstraße b.— Schließfach 776 Saarbrücken. Was ist's mit dem Arbeitsdienst? 4dPÄür "3 j % Lies„Jungens im Moor" und du weißt es! Ein erschütterndes Dokument! In seinen einfachen Worten zeigt es, wie der Idea« 1 lismus der deutschen Jugend von unfähigen 1 Kommißknechten erschlagen wird. W a' die Nazis anfassen, wird Zwang, Sklaverei und Militarismus. Das beste an jeder Sache erstirbt: Die Freiwilligkeit! Man muß das Wort„freiwillig" vom deutschen Arbeitsdienst streichen. - M. M. ein alter Eagerführer. Dies Buch müssen alle Eltern und Jugendlichen lesen! 48 Seiten. Preis 2,— Fr.. Bestellungen erbeten an Verlag der„Volksstimme" Saarbrücken 3, Schützenstraße 5, Telefon 20731 und seine Buchhandlungen: Saarbrücken, Trierer Straße, Neunkirchen und Saarlouis.. SAARLANDER BEIM ARBEITSDIENST