Ur. 102. Kbomltments• Kedwgungt«: Abonnements- Pr«tS pränumerando! Bierteljährl. 3,30 Ml., monatl. l.lvMl.. wöchentlich 2S Psg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntag»- Nummer mit illustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lSS7 unter»r. 7437. Unter«teujbanb für Deutschland und Oesterrelch- Ungarn 2 Marl, für da» übrige«uSland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich nutzer Montag«. 14. Jahrg. avm* Die Knserttons- Gebühr Sefrägt für die sechsgespaltene stolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg.. für verein»- undversammlungz-Anzeigen. sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittag» in der Expedilio» abgegeben werben. Tie Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Devlinev VolksblÄtt. Fernsprecher- Smi I, Ar. 1508. Telegramm-Mreffe: „»»lialdemokrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Variei Deutschlands. Wedaktio»; SW. 19, Ueulh-Straße 2. Dienstag, den 4. Mai 1897. g*pedHb»: SW. 19, Menty-Straße 3. Die neuen Geusen. Wenn zwei Leute sich streiten, so gebrauchen sie in der Regel gegenseitig heftige Ausdrücke, die keine Schmeicheleien sein sollen, sondern zum Zweck haben, dem Widerpart Nicht- achtnng zu bezeugen und ihn in der Achtung der Zuhörer— heut sagen wir: des Publikums— herabzusetzen. Schon bei Homer dreschen die Helden fast noch mehr niit der Zunge als mit Schwertern und Spießen auf einander los. Und wenn es dann vorkommt, daß ein mit arg geringschätzigeil Alisdrücken bedachter Kämpe sich stärker weiß oder fühlt als sein hoch- müthiger Gegner, so liegt es nahe, daß er das ihm hin- geworfene Wort der Nichtachtnilg als Ehrentitel für sich in Anspruch nimmt, und dadurch seiilen Triuniph und die Niederlage des Gegners nur in helleres Lichl stellt. So ist es im Privatleben, und so ist es ini öffentlichen Leben. In der Geschichte finden wir zahlreiche Beispiele solcher Umdrehung von Kosenamen in Schlachtrufe. Wir erinnern an die Geusen, das heißt Bettler und Lumpen, die in der zweiten Hälfte des 16. Zahrhlinderts in den Niederlanden den Kampf gegen die spanische Jnqnisitions-Herrschaft aufnahmen und— nach 44 jährigem Ringen— schließlich siegreich zu Ende führten. Der„tag äs Zusux"— der „Haufen Bettler", wie die Vertreter der nationalen Freiheit und Ehre von den verblendeten Machthabcrn ge< nannt wurden, nahm das Wort„Geusen"— holländische Umbildung des französischen gueux— als nom de guerre, als Kriegsnamen im eigentlichsten Sinne des Wortes an, und die„Bettler und Lumpen" brachen die Macht der stolzen spanischen Weltmonarchen, die nicht blos die größte Armee, sondern auch die größte Flotte der damaligen Welt hatten, und in deren Reich die Sonne nicht unterging. Zweihundert Jahre später ereignete sich ähnliches in Frank- reich, als die„O h n e h o s e n", wie sie höhnend vom Adel waren geschimpft worden, stolz„Ohnehosen"—„sansculottes"— zu sein, die Bastillen des Feudalismus zerstörten und den Junker- und Adelsplunder theils vernichteten, theils in alle Winde zerstreuten. Fürst Bismarck, der mit den homerischen'Helden das eine emein hat, daß er seine Gegner rohrspatzenmäßig zu schimpfen iebt, erhob die Bezeichnung„R e i ch s f e i n d" und„vater- landsloses Gesindel" zu Ehrentiteln, auf die jeder anständige Mensch in Deutschland stolz war— und auch heute noch stolz ist. „Vaterlandslose Gesellen". So hat, wie bisher unwidersprochen in allen Blärteril behauptet wird, der deutsche Kaiser in einem Telegran..., an seinen Bruder Heinrich die Mehrheit des deutschen Reichstags genannt, die den„uferlosen Flottenplänen" das Lebenslicht ausblies. So zu urtheilen, war des Kaisers gutes Recht Und wir können nur sagen, es freut uns sehr, daß die modernen Fürsten, und insbesondere der deutsche Kaiser, politisch Partei ergreifen und das Bedürfniß empfinden, aktiv in das politische Leben einzugreisen. Die Zeitströmung ist unzweifelhaft gegen die Monarchie, gerade wie sie gegen das Handwerk und Klein bauernthum ist. Und keinem Stand können wir das Recht ab sprechen oder beschneiden, für seine Existenz zu känlpfen. Das fragliche Telegramm war auch kein einfaches pcrsön- liches Privattelegramm— es wurde öffentlich und im Dienst vor Flottenmannschaften verlesen, und hat so den Charaktcs eines öffentlichen Aktes erlangt. Es ist wahr, die Thatsache wird amtlich noch todt- geschwiegen, allein, wir wollen weder Komödie spielen noch Vogel-Strauß-Politik! Das Telegramm, darüber kann heute keiner mehr im Zweifel sein, i st vom Kaiser abgesandt und i st vor deutschen Truppen verlesen worden. Was nun thun? Die bürgerliche Oppositionspreffe ist in großer Aufregung. Ter Reichstag soll sich regen, soll Protest erheben, soll seine Rechtee wahren. Gewiß. Das haben wir schon tausendmal gefordert— innerhalb des Reichstages und außerhalb desselben. Und wir sind sicherlich für die denkbar kräftigsten Maßregeln der �Abwehr und falls es sein muß anch des Angriffs. Blos �greifen wir nicht die gegenwärtige Aufregung der bürgerlichen Presse. Sind das etwa neue Zu- stände? 9eÄk um einen augenblicklichen Ausbruch persönlicher Stimmung handelt es sich jetzt— es handelt sich um k? n st i t u t i o n e l l e und organische Gegensätze und Widersprüche in unserem Verfassnngs- leben— eS handelt lich um ein tief und lang eingewurzeltes politisches System, das älter ist als das Deutsche Reich. Es handelt sich um die Anomalie, daß wir im Deutschen Reich und überhaupt in Deutschland sogenannte Verfassungen haben, die unter den Formen des Parlamentarismus das Wesen des Absolutisnms fortdauern lassen. Wir haben im Reich und in Deutschland theilweise russische Verfassungszustälde neben dem demokratlschen Urrecht des allgemeinen direkt-n und gehermen Wahlrechts als Basis der Staatspyramide. Hier ist die Quelle des llebels. Hier ist der Grund des K o n f l i k t s, der seit einem halben Jahrhundert in Preuß->l und Deutschland latent besteht, und niehr und mehr zum offenen Austrage und zur e n d g i l t i g e n E n t s ch ei d n n g drängt. Mit einer I n t e r p e l l i t i o n der.vaterlandslosen Gesellen" im Reichstag ist nichts erreicht- obale.ck wir keineswegs gegen eine Interpellation sind—, auch nichts mit der schärfsten Resolution. Praktisch kann ja bei einer der- artigen Debatte nichts herauskommen, znmal unsere thörichte, den Engländern mit ihrer wirklichen Parlamcntsregierung chinesisch nachgeäffte Sitte, die Person des Monarchen nicht zum Gegenstaiid der Kritik zu machen, eine vollständig freie Aussprache verhindert. Was noth thnt, ist, daß die Opposition entschlossen den Fehdehandschuh aufhebt und in planvollem, zielbewußtem Kampf die Macht der Volksvertretung dermaßen kräftigt, daß die reaktionären Elemente in Dentschlaild künftig- hin nicht mehr in der Lage sind, sich dem Willen des Volkes und der Volksvertretung überordnen zu können. Die konstitutionellen Känipfe, die das französische und das englische Bürgerthum schon vor Jahrhunderten durch- gefochtcn hat, sind bei uns infolge der Verrrüppelung des deutschen Bürgerthnms niemals ansgesochten, kaum jemals ernsthaft begonnen worden— sie find noch a u s z u f e ch t e n. Erspart werden sie uns nicht; und wir begrüßen die jüngsten Vorgänge als eine vortreffliche Mahnung. Das Budget ist für dieses Jahr leider bewilligt. Beim n ä ch st e n Budget aber lasten sich Klauen beschneide», Zähne ausziehen. Und der nächste W a h l k a m p s— sei er noch dieses Jahr oder nächstes— wird sich um die„uferlosen Flottenpläne" drehen, und die Flottenvcrweigerer haben da herrliche Gelegenheit zu zeigen, daß sie die Massen des delltschen Volkes hinter sich haben. Und besitzen sie dann den Muth der Geusen, so bedarf es keines so langen und schiveren Ringens als seiner Zeit in den Niederlanden, und der Sieg krönt die„vater- landslosen Geselle n". Dev Vvivg. Seit Mitte voriger Woche haben sich E» g l a n d und Frank- reich um eine Intervention bemnht. Lord S a l i s b u r y hat den Großmächten vorgeschlagen, eine Konferenz in Paris zur Regelung des tiirkisch-griechischen Streitfalles abzuhalten. Der diesbezügliche Depeschenwechsel erstreckte sich über mehrere Tage. Jedoch sind diese Bemnhnnge» bisher erfolglos geblieben. Rußland mit Deutschland und Oesterreich haben noch leine Lust, einer europäischen Initiative beizutreten. Sie wollen abwarte», bis Griechenland selbst sich um eine Intervention bemüht. Dieser Zeitpunkt dürste auch nicht fern sein. Rns Athen verlautet, daß die griechische Regieiung nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten Ralli von der thessalischen Armee Frankreich um Intervention ersuchen wolle. Frankreich dürste auch sehr bereitwillig auf das Ersuche» eingehen. In Paris besteht eine sehr starke Stimmung, daß man einem weitereu Vordringen Edhem Pascha's Einhalt thun müsse, um, wie der„Temps" sagt, zu verhindern, daß das Selbst. bewußtsein des Sultans zu sehr anwachse und daß er sich berechtigt glaube. Griechenland Bedingungen aufzuerlegen, welche weder von letzterem angenommen, noch von Europa ralifizirt werden könnten. Es sei bereits ei» bennruhigeudes Symptom, daß man Abdul Hamid zumulhe, die Wiederherstellung der Grenze von 1681 zu verlangen. Wen» Europa Werth darauf lege, oberster Schiedsrichter im Orient zu bleiben, dann könnte es sich nicht»och einmal dem Vorwurf aussetzen, zur Regelung der orientalischen Frage de» günstigen Augenblick versäumt zu haben.— Zwischen Frankreich und der Türkei ist es zu einem Streitfall gekomme». Frankreich halte den Schutz der griechischen Unterthane» in der Türkei übernommen und den selben Pässe ausgestellt. Die türkische Polizei erkannte jedoch diese Pässe nicht an und verhaftete mehrere Inhaber derselben Plakate, welche die französische Botschaft an die Mauern der Stadl anheften ließ, worin de» griechische» Unterthane» mitgethcill wurde, daß sie unter französischem Schutz stehen, wurden ans Befehl des Sultans entfernt. Infolge einer Be- schwerde der sranzösischen Botschaft fand am Sonntag ein Ministerrath statt, der sich dahin aussprach, daß die türkische Re gierung unstreitig das Ausweisungsrecht besitze und fernerhin jegliche ircmde Einmischung nicht dulden würde; jedoch habe sie nicht die Absicht, von diesem Rechte weiter als zur Ausrechterhaltung der öffentliche» Ordnung nöthig ist, Gebranch zu machen.— Auf dem Kriegsschauplatze sind entscheidende Vev änderunge» nicht vor sich gegangen. Immerhin ist die Ein- »ahme der Hasenstadt V o l o als ein neuer erheblicher Erfolg der Türke» anzusehen. Auch Pharsala ist von den Grieche» geräumt worden; ob dies auf die Absicht deutet, überhaupt de» Rückzug anzutreten, oder ob es nur geschehen, um die Vertheidigungs- linie besser zu gestalten, läßt sich nicht sicher erkennen. In E p i r u s haben Gefechte statlgcfnude». deren Erfolg im allgemeinen ein Rückzug der Griechen war. wenn diese auch an einige» Punkte» erfolgreich gewesen sei» wollen. Nach Meldungen über London befindet sich keine griechische Abtheilung mehr auf türkischem Boden. Die Türken marschiren auf Arta, woselbst die größte Verwirrung herrscht. In A t h e n befürchtet man. daß am nächsten Mittwoch gelegent- lich des Namensfestes des Königs anti- monarchische Kundgebungen stattfinden werden.__ politische Mebevstchk. Berlin, 3. Mai. Ans dem Reichstage. Die heute auf der Tagesordnung stehende agrarische Interpellation über unser Zollverhältniß zu Amerika begründete Graf Kanitz, welcher die bekannten Klagen über die Handelsverteäge vortrug und zwischendurch der'Regierung zu verstehen gab, daß sie sich nach wie vor des ungeschwächten Mißtrauens der Agrarier zu erfreuen habe. Da die Regierung sich zur sofortigen Besprechung der Anfrage bereit erklärte, trat das Haus in die Debatte ein. Der Staatssekretär von Marschall legte den Stand der Dinge dar, wobei er auf die Schwierigkeit der Situation hinwies, aber betonte, daß die Regierung nichts versäumen werde, um die deutschen Interessen zu wahren. Abg. Barth setzt sachkundig auseinander das zollpolitische Verhältniß, in dem die Vereinigten Staaten und Deutschland sich zu einander befänden. Es entspräche dem deutschen Jnter- esse, aber anch dem der Vereinigten Staaten, ivenn beide Staaten strikt an dem bestehenden Vertragsverhältniß und der Meistbegünstigungsklausel festhielten. In bezug auf die differentielle Behandlung des Zuckers ist er der Ansicht, daß Teutschland mit seiner Zuckereinfuhr gegenüber seinen Konkurrenten am günstigsten stehe, iveil sich der Einfuhrzoll der Vereinigten Staaten nach der Höhe der gezahlten Prämien richte und Deutschland im Vergleich zn seinen Konkurrenten die niedrigsten Prämien zahle. Vom Standpunkt der realen Interessen Deutschlands rathe er, nicht zu viele diplomatische Kanonen aufzufahren, sondern sich freundschaftlich zu verständigen. Wichtig sei auch, das zoll- politische Verhältniß Deutschlands zn Kanada im Auge zu be- halten. Im übrigen sei er der Ansicht, daß die Schutzzoll- Hochflnth in den Vereinigten Staaten rasch in der Abnahme begriffen sei. Abg. v. Heyl polemisirt gegen Barth," dessen günstige Be« «rtheilung der Vereinigten Staaten und Kanada's er nicht theilt und ist überhaupt sehr wenig zufrieden mit den Er- fahrungen, die Deutschland mit dem Abschluß seiner Handels« vertrüge gemacht hat. Er behauptet und giebt die bezüglichen Zahlen, daß die deutsche Aussuhr nach den Vereinigten Staaten gegenüber der Einsuhr der Vereinigten Staaten nach Deutschland durch die Verschiedenartigkeit der Zölle und Steuern benachtheiligt sei. Den Appell des Grafen Kanitz, daß Industrie und Landwirthschaft für eine beiden Interessen förderliche Handelspolitik zusammenwirken solle, findet die leb- hafte Zustimmung des Herrn v. Heyl nnd damit auch des lebhaften Beifalls der Rechten. Es scheint, daß wie im Jahre 1873 die große industrielle Bourgeoisie und das Groß« grundbcsitzerthum sich zu einem zweiten Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes rüsten und verständigen. Staatssekretär v. Marschall findet, daß man scharf kritisire, aber nicht sage, was an stelle des Vorhandenen treten solle. Der Vorredner habe Dinge über die zollpolitischen Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten erzählt, wovon er bis jetzt kein Wort gehört habe. Die historischen Aus- führungen des Redners über die handelspolitischen Vorgänge in Deutschland begegnet mehrfach skeptischen Gegenbemerkungen seitens der Rechten und der Nationalliberalen. Auf den Vorwurf der Aengstlichkeit, den der Vorredner der Regierung machte, antwortet der Staatssekretär, daß er allerdings der Kühnheit entbehre, mit der der Vorredner die bestehenden Vertragsverhältnisse beseitigen wolle. Abg. Richter weist darauf hin, daß die neue kanadische Zollpolitik keine schutzzöllnerische sondern eine freihändlerische sei und Deutschland müßten die Vortheile dieser Politik nach der Meistbegnnstigungsklansel ebenfalls zn theil werden. Die ganze Politik des Grafen Kanitz und seiner Gesinnungsgenossen ziele auf eine neue Verthcuerung der nothwendigsten Lebens» mittel für die arbeitenden Klassen. Im weiteren polemisirt er gegen die einzelnen Ausführungen der Vorredner xn frei- händlerischent Sinn und ruft damit lebhafte Proteste der Rechten hervor. Er betrachte es als das größte Unglück, falls es zwischen Deutschland und Anierika zu einem Zollkrieg känie, von dem nur Dritte den Vortheil hätten. Abg. v. K a r d o r f f wendet sich sehr erregt gegen die Be- Häuptling des Vorredners, daß die Zölle die Lebensmittel ver« thenerten. Die Lebensmittcl-Einfuhr sei ein Unglück für daS Reich. Hätten die Jnferpellanten Vertrauen zur Regierung in handelspolitischer Hinsicht, so hätten sie die Interpellation nicht gestellt. Tie Regierung muß eine entschiedenere Sprache gegen die Vereinigten Staaten führen; zu Zeiten Bismarck'S hätten letztere sich das nicht gegen Deutschland herausgenommen« was sie jetzt zu thun wagen. Gras Limburg-Stirum schlug in dieselbe Kerbe wie Graf Kanitz und Herr v. Kardorff; während der Abg. v. Stumm hofft, daß die gehörten Ausführungen die ver- kündeten Regierungen veranlaßten, bei künstigen Handels- politischen Abmachungen schärfer als bisher die Interessen Deutschlands zu vertreten. Da Anträge aus Vertagung wie auf Schluß der Debatte abgelehnt werden, erhält Abg. A h l w a r d t das Wort, der als„erfahrener Amerikaner" seilte Auffassung amerikanischer Zustände zum besten gab. Nach Ahlwardt's Rede, die schloß. ohne einen Schluß zu haben, folgten eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Morgen Sitzling Nachmittag 2 Uhr. DaS Preußische AbgeordueteuhauS sehte beute die Spezial- berathung des K u l t u s e t a t s fort. Einen großen Theil der Ver- Handlungen nahm die Berathung des Antrags v. d. Aibl(Z.) ein, betr. eine Erhöhung der Bezüge der Domkapitularie», Dom- vikarien, Diözesanbeamten, Diözesananstalten und Domkirche», der nach längerer Debatte gegen die Stininien des Zentrums, der Polen und einiger Freisinnigen abgelehnr wurde.- Bei dein Titel „Prüsnugskommissioneu" führte Abg. Schult(kons..- Klage über die zu hohen Anforderungen, welche a» die jungen Mädchen gestellt ivcrden, die sich dem Lehrerinnen- Examen zl.wenden e viele derselben würden gesundheitlich ruinirt. Im Verlaus der Debatte sprach Abg. Weber(natl.) den Wunsch aus, man möge den jungen Mädchen, nachdem man sie zum Abituriun, zugelassen, auch den Zutritt zum Studium verstatte». Die Antwort des RcgiernngsvertrcterS, Geh. Rath Schneider, war i..l höchste» 4N>ade unklar; es sei nicht nöthig, gelehrte Damen Hera»- zubilden' sondern nur festzustellen, daß sie ein gewisses Maß der Bildung nachgewiesen habe». An dein Stndin,» werde mau sie hindern. Ob nun wohl die preußische Regierung den studiereuden Frauen weniger Schwierigkeiten in den Weg legen wird alS bisher? Für eine Verminderung der Ansprüche an die Borbildung der Studentinnen traten Abg. Wetekamp (frs. Bp.) und Abg. S t ö ck e r(bei keiner Fraktion) ein; letzterer bezeichnete es als verkehrt. von den jungen Mädchen, die sich dein Studium widmen'vollen, dieselben Vor- bedingungen zu verlangen wie von jungen Männer», während das Zentrum durch de» Abg. Dr. D i t t r i ch erklären ließ, man dürfe von der weiblichen Jugend zwar eine niöglichst hohe Bildung, ober keine Gelehrsamkeit fordern. Von hoher Wichtigkeit ist die Aus- kunft des Kultusministers Dr. Bosse, welcher darauf Hinweis, daß die acht junge» Mädchen, die bisher in Preußen das Älbiturium ge- macht habe», ihre Examina so abgelegt habe», daß man alle Achtung vor ihnen haben muß; die Damen hätten den Minister ausdrücklich gebeten, nicht anders behandelt zu werde» wie die männlichen Abiturienten. Zur Zeit schweben Erwägungen darüber, ob man für die Frauen» und Kinderärztinnen mildere Be- stimmungen für das Examen zuläßt; vorläufig mußte» diejenige», die sich der ärztlichen Laufbahn widme», auch die gesetzlichen Vor- bedingungen voll erfüllen. Gegen die von der Regierung vorgeschlagene Regelung der Professorenhonorare erHobe» die Abgg. Dr. Virchow(fr. Vp.) und Dr. B ö t t i n g e r(natl.) Protest. Weitere Wünsche des letzteren betr. eine bessere Ausstattung der chemische» Institute für Lebens- mittel-Chemie pnd betr. bessere Ausbildung der Mediziner in der Psychiatrie, damit die Fälle des beginnenden Irrsinns zeitiger er- kannt werden, versprach die Regierung in Erwägung zu ziehen. Morgen Forlsetznng der Debatte. Nach Rotteubnrg Berlepsch,„ach Berlepsch Loh- tnatni. König Stmum's Einfluß scheint noch immer an praktischer Wirkung nichts eingebüßt zu haben. Berlepsch, der vielgehaßte, hat vor dem Stumm die Segel streichen müssen, als er an die Nolhwendigkeit, die kaiserlichen Erlasse durchzuführen, zu erinnern wagte, Herr v. Rottenburg, früher die rechte Hand Bismarck's, mußte Kurator der Universität Bonn werden, weil er es'baate, den Schutz der Bäckerei-Arbeiler, wenn auch in der denkbar Harm- losesten Weise, für nöthig zu halten. Und auch der Nachfolger des Herrn von Rottenburg in der �Leitung der Reichskommission für Arbeiterstatistik, schon früher kaltgestellt, ist nun formell von dem Amte des Vorsitzenden der Kommission für Arbeiterstatistik entbunden worden. Charakteristisch für den sozialpolitischen Kurs ist nicht blos die Verdrängung bezw. Kallstellung aller die sozialpolitischen Aufgaben des Staates ernst nehmenden höheren Beamten und die Beeinflussung aller Streber, nach Stumm's Ideen sich zu richten, sondern auch die Art der Neubesetzung der frei- gewordenen Stellen. Vor wenigen Tagen erst erklärte die„Frankfurter Zeitung", König Stumm habe Herrn Brefeld, dem Beamten aus dem Ministerium für öffentliche Arbeiten, den Posten des Handelsministers verschafft und nun wird nierkwürdigerweise als Nachfolger des Herrn Lohmann, des Uuterstaatssekretärs im Handelsministerium, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Reichs- kommission für Arbeiterstatistik wieder ein Beamter deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten ernannt, und zwar der königlich preußische Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentliche» Arbeiten, der wirkliche geheime Ober- Regierungsrath Fleck. Vielleicht gelingt es Herrn Stumm noch, die ganze Sozialpolitik dem als Vater der Eisenbahnarbeiter und Förderer ihrer Organisation so wohlbekannten Herrn Thielen als Nebenbeschäftignng zu übertragen. Sein weiterer Herzens- wünsch, die Reichskommission für Arbeiterstatistik nicht blos zn lähmen, sondern zu vernichten, wird dem Scharfmacher freilich nicht gelingen, weil die öffentliche Meinung ein solches Attentat nicht dulden würde. Ginge es aber ganz nach den Wünschen des Herrn von Neunkirchen, so würde man die Protokolle und Erhebungen der Reichskommission auf öffent- lichem Markte verbrennen und jedermann verbieten, von dieser Einrichtung zu sprechen und über sie zu schreiben. Je ärger es die um Stumm treiben, desto lieber kann es unS sein, desto früher muß ein völliger Umschlag eintrete».— Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozcsse. Ans Znncka» schreibt unterm 1. d. M. unser Korrespondent: Aach eiuer ihm zu- gegangenen Mittheilung hat die hiesige kgl. Staatsanwallschafl gegen den Genossen Frehse das Versahren wegen Majcstäls- beleidignng eingestellt, da sick nicht genügend Verdachtsmvmenle ergeben haben, ans die sich eine Anklage ausbauen ließe. Zur Untersuchungshaft haben die Gründe freilich gereicht.— »• D«„tsch*s Reich. — Die„Freisinnige Zeitung" contra Herrn Eugen Richter. In ihrer letzun Nummer schreibt die „Fmilnnige Zeitung": „Der„Vorwäits" hält unS gegenüber die Ansicht aufrech!, daß die Fortschrittspartei in der Konfliktszeit im preußischen Abgeordnelenhause hätte nach dn» Antrag Martiny ihre Ver- Handlungen einstellen müssen.„Nichts hätte den Fürsten Bismarck eher zur Gesetzlichkeit zurückgeführt als die offene Konstatirnng dessen, was ist: Die Gesetzwidrigkeit der Regierung obn« Rück- ficht aus die Existenz des Landtags. Das hätte öffentliche Meinung geschaffen, das hätte die Zurückziehung der Preßordonnanzen und der anderen ungesetzlichen Berord- nungen erzwungen."— Aber gerade um offen zu konstatiren das, was ist, bedurfte es der weiteren Tagung des Landtags. Die öffentliche Meinung stand damals auf seilen des Abgeordneten- Hauses und die Aufhebung der Preßordonnanzen mußie im Oktober 1663 gerade infolge des Beschlusses des Abgeordneten- Hause? erfolgen. Wir wiederholen: Damals dem Antrag Martiny zn folgen, wäre eine ebensolche kolossale Dummheit gewesen, als wen» die Sozialdemokratie 1678»ach Erlaß des Sozialistengesetzes sich aus dem Reichstage hätte zurückziehen wollen." So die„Freisinnige Zeitung". Nun, zwischen der Lage von hente und von damals ist ein ge'valtiger Unterschied. Schon der Um- stand, daß die Fortschrittler damals in der überwältigenden Mehrheit waren, ihre Abstinenzpolitik also die Lahinlegung der Thätigkeit des Abgeordnetenhauses und damit die Proklainirnng dessen. waS wirtlich war, des reinen Absolutismus, zur Folge gehabt hält«, während die Mandatsniederlegnng der neun sozialdemokratische» Abgeordnete» im Okiober 1878 ein dummer Schlag ins Wasser gewesen wäre, kommt in betracht. Doch wir wollen gar nicht des nähere» auf den Antrag Martiny eingehen. Derselbe war im Einklang mit Las falle'S bekanntem Standpunkt, daß man die preußische Regierung zwingen müsse, die Maske des Schein-Konstitntionalisnius ab- zuwerfen. Dann wisse das Volk wenigstens, woran eS sei. Als die„Freisinnige Zeitung" ihre Notiz schrieb. dachte sie wohl nicht daran, daß Herr Engen Richter, dem sie nicht ganz fern stehen soll, vor wenig Wochen erst„ e in e e b e n s o I ch e kolossale Dummheit", ja genau dieselbe„kolossale Dumm- heil" verübt hat. indem er bei der zweiten Berathung des Budgets mit bezng ans die uferlosen Flottenpläne i»it dürren Worten erklärt hat, der nackte Absolutismus ist besser als dieser S ch e i n k o n st i t n t i o n a l i s»> u s. UebrigenS sei bei dieser Gelegenheit ausdrücklich erklärt, daß»S unS nicht eingefallen ist, den Mitgliedern der Fortschrittspartei, die den Antrag Martiny's und den Rath Lasialle's zurückwiesen, per- söiiliche Feigheit vorzuwerfen. Persönliche Eigenlchaste» spiele» in der politische» Entwickelung nach unserer Weltanschauung überhaupt «ine untergeordnete Rolle.— — Tragikomisch ist das Ende deS Nationalliberalismus, k Vor 20 Jahren die mächtigste Partei im Reiche, pfeift die Bennigsen- Partei jetzt aus dem letzten Loche. Und sie kann»och nicht einmal s anständig sterbe». Sie verwest»och bei lebendigem Leibe. Erst hat sie alle ihre alten Ideale verschachert, jetzt ver- schachert sie sich selbst. Oder vielmehr, sie möchte sich verschachern, aber niemand mag sie, nicht einmal die 9l g r a r i e r. In der Provinz Hannover, wo die Nationalliberalen einst ihre festesten Sitze hatien, wo ihr erster Führer Oberpräfident ist, haben sie, in Furcht vor den kommenden Wahlen, um die Liebe der Plötz'sche» Brotvertheurer gebuhlt und fast soll schon das köstliche Kartell fertig gewesen sei». Was versprachen sie den Bündlern nicht alles, wenn diese bei den Wahlen ihre. die nationalliberaleu Kandidaten. unterstützen wollten. Sie empfanden wohl, daß die ländlichen Wähler schaarenweise ihnen ausreißen und zu den Bündlern, die das Schreien verstehen und die schönsten Rezept« gegen die Agrarnolh vorweise», übertreten. Also klopften sie an die Thüre der Zollerhöhungsfrennde und flehte» erbarmungovoll um Einlaß. Doch die Bündler fühlen sich, sie wissen wohl, daß die Nationalliüeralen bald nichls mehr zn bieten habe». Sie setzten daher den Hilfe- flehenden de» Fuß auf den Nacken und verlangten von den armen Echlncker», daß sie das ganzePrograinm des Bundes der L a» d w i r t h e verschlucke» sollte», den Zollschntz und die Kanitzerei, die Beseitigung der Handelsverträge und die Toppelivährnng. Das heißt sie verlangte», daß die Nationalliberale» sich selbst die Haut über die Ohren ziehe» solllen. Das war zn viel verlangt. Tie Verhandlungen sind gescheitert. Di« National- liberalen bleiben für sich und entrüste» sich über die gar zn ansprnchs- vollen Bündler. Aber die Bündler haben recht, sie brauche» die „nationattiberalen Hörigen", wie sie Richter schon vor Jahre» treffend nannte, nur noch ein bischen zappeln zn lasse» und die- selben werden auch die schmerzlichsten Bnndesbedingungen an- uehmen. Für die Naüonalliberale» giebt es nnr die eine Wahl: Unter der eigene» Fahne kämpf«« und fallen, oder sich hinter fremdem Schild verkrieche». Zu crsterem sind sie zn feig.— — Die kaiserliche Flotte nagitation ruht nicht- Der Korrespondenz-Sekretär des Kaisers, Regierungsralh Mießner, hat Ende des vorigen Monats an die Magistrate der Städte ein Schreiben gerichtes, welches ans Grund einer neuen Tabelle des Kaisers die Flottenverhältnisse von 1836 mit denen von 1896 in Vergleich stellt. Wir wollen uns garnicht mit dem Inhalte dieses Schreibens befassen, obwohl es eine ganze Zahl Unrichtigkeiten enthält. Wir wundern uns nur, daß man sich in der Umgebung des Kaisers so viel„verlorene Liebesmühe" giebt. Weiß man denn dort nicht, daß die Stadtver- waltungen nicht Politik treiben dürfen? Was soll's denn mit diesem Schreiben an die Magistrate? Sollen diese etwa Kund- gebungen gegen den„vaterlandslosen" Reichs- lag veranstalten? Wahrscheinlich werden sie Herrn Mießner's fleißige Studien zu deu Akten lege», wo sie ja keine» Schaden thnn.— — Anch ein Stück Volksfrenndlichkeit der Agrarier. Schon wiederholt hat die„Deutsche Tages- zeitnng" ihren Unwillen darüber ausgesprochen, daß die An- gelegenheit der Militär-Strasprozeß-Reform so schnell betriebe» werden solle. Heute bedauert sie von neuem, daß der Reichskanzler ein bindendes Versprechen gegeben habe. „Wozu." sagt das Blatt,„soll denn eine Reform, die doch nur in der Einbildung einiger sofort nothwendig erscheint, während die ruhig Denkenden noch gut und gerne einige Zeil warten können, überstürzt, über's Knie gebrochen werden?" Ja das Blatt fordert geradezu zur Nichteinhallung des Hobenlohe» sehen Versprechens auf. Die„D. T." begründet diesen Rathschlag damit, daß die Miiilär-Strafprozeß-Nefolm ein so wichtiges und weitgreisendes Werk sei, daß«ine Ueberhastung sehr bedenk- lich wäre. Seit einem Menschenalter wird dies« Reform gefordert. Seit einem halben Mcnschennlter wurde sie von leitenden Staatsmänner» zugesagt. Nach einigem Hinausschieben und hundertfachem Hin- narren in frühere» Jahren hat endlich die gegenwärtige Regierung fest versprechen müssen, die Sache zu erledige». Und das Wie der Erledigung ist für die bei weitem größte Zahl aller Staatsbürger so klar wie etwas. Nur das Widerstrebe» gewisser militärischer „Fachmäuuer" und kleinliche Frit'ione» zwischen de» Bundesstaaten verhinderten, daß einer der dringendsten Wünsche deS deutschen Volkes und der deutsche" Soldaten erfüllt wird. Da zeugt es vo» einer politischen Verwahrlosung sonder gleiche», wenn das Agrarier- blatt hier noch von einer Ueberhastung spricht und am liebsten die Sache noch weiter auf die lange Bank schieben möchte. Denen um Plötz ist es also ganz gleichgiltig, ob unser« Soldaten noch länger unier einer Justiz leben müssen, welche alle» moderne» Rechtsbegriffen widerspricht und der wichtigste» Garanlien eines gerechten Strafverfahrens entbehrt. Die deutschen Bauernsöhne werden de» bündlerischeu„Bauernfreunden" gewiß für diese Hallung in der Militär-Slrafprozeßsrage sehr dankbar sein!� — Zweck der Kriegervereine. Kürzlich hat hier eine Sitzung des Gesammlvorstnudes der Rriegervercine Teutschlands staltgesnuden. Es wurde beschlösse», eine» besonderen engeren Landesverband für Preußen zu gründen, wobei man vergessen zu haben scheint, daß das Jnverbindmigtreten von politischen Vereine» bisher nicht erlaubt ist. Daß aber die Kriegervereine politische Vereine sind, das zeigt von neuem das ans der erwähnten Sitzung zn stände ge- kommen« Ergebniß:„Als eine der wichtigsten Aufgaben, die inliner mehr und mehr in den Vordergrund ge- schoben werden soll, ist die Bekämpfung der Sozialdemokratie zu betrachten." Wir sehen den ver- mehrten Anstrengungen der Kriegervereine, unsere Partei zu be- kämpfen, mit Gleichinnth entgegen.— — Eine Vorlage betr. die Kostenvergütnng für d i e B e r n f s- und G e w e r b e z ä h l n n g a» die Eiuzclstaaten wird zur Zeit in den Ausschüssen des Bnudesraths beralhen. Die Koste», weiche die Zählung im Jahre I33S erfordert hat und welche die Bearbeitung der Ergebnisse noch erfordern wird, haben sich als erheblich größer herausgestellt, als ursprünglich angenomm«» wurde. Namentlich sind, wie die„B. P. N." mittheilen, für die Bearbeitung und Veröffentlichimg der Beriifssiatistik, sowie der landwirthschaf!- lichen und gewerblichen Betriebsstatistik höhere Beträge erforderlich geworden. Auch war für gewisse Ausgaben Deckung überhaupt nicht vorgesehen, so für Reifekosten»nd Tagegelder für Konferenzen von Vertretern der statistischen LandeSzeiitralstellen, für Her- stellulig vo» Berufs- und Gewerbe- Verzeichnissen zum Gebranch bei Ausarbeilling der Tabellen, Mehrkosten der deutsch- fraiizösischen Formulare für eine» Thcil von Elsaß-Lolhriiige» gegenüber den Kosten der Formnlare der übrige» Staaten». a. m. Zur Bestreitung aller dieser Mehrkosten ist im Reichshaushalts-Etat für 1897/93 eine Sumnie vo» 1050 000 M. ausgeworfen, nachdem bereits in de» drei Etatsjahren 1894/95 bis 1896/97 zusammen 2 870 000 M. in Ansatz gebracht waren. Die Berufs- und Gewerbe- zählung des Jahres 1895 dürfte deshalb einen Kostenaufwand von 3 420 000 M. verursache». Von dieser Euinine werde» natürlich auch die Kosten, die den Einzelstaaten erwachsen sind, vergütet. Mainz, 2. Mai. Ein er st er Ha»dw erkertag für den M> t l e l r h e i n und S ü d>v e st d e u t s ch l a n d fand beute nnter Theilnahme von 51 Delcgirte» ans Hessen. Hessen- Nassau, der bayerische» Nheinpfalz, Baden und Württemberg, die angeblich 5500 Handwerksnieistcr verlralen, stall. Einstimmige A»- »ahme fand die folgende vo» Falk- Mainz verfaßte Resolution: „Der am 2. Mai in Mainz tagende Handwerkerlag für den Miltelrhein n»d Eüdivestdenlschlaud steht auf dem Standpunkte, daß das gefaminte deutsche Handwerk einschließlich der Handwerks- mäßigen Fabrikbetriebe ans gesetzlichem Wege zusammengeführt werde» muß und zwar mit der Gliederung in Meister, Gesellen und Lehrling; den heute bestehenden Innungen und Handiverker- Vereinigungen müsse» ihre Rechte uiivnkiirzt erhallen bleiben. Zu den Handwerkerkammern sollen mir Handwerksmeister wnhl- bercchtigi und wählbar sei». Meister soll sich nur der ileniien können, der sein Handwerk ordnungsmäßig erlernt bat." Nachdem noch der RegleningSrath Noak erklärt hatte, daß er keinen Auftrag von der Regierung habe, bestimmte Versprechung«» zu machen, so könne er aber doch versichern, daß, wenn eine gesetzlich- Grundlage geschaffen sei. auch die Innungen ein Entgegen- kommen finden würden, was sie vielleicht heute nicht erwarten. Nachdem noch beschlossen war. im nächste» Jahre wieder einen solchen Handiverkertag zu berufen, wurde noch ein Zustimmungstelegramm des Freiherrn Hey! zu HerrnShei»» (des größten Industriellen der Gegend. Die Red.) verlesen. Oesterreich. Wien. 3. Mai. Die katholische Volkspartei wird morgen im Abgeordnelenbause einen Gesetzentivurf auf Abänderung des Reichs- Volksschnlgesetzcs einbringen. Tie Tendenz desselben geht dahin, eine länderweise Scheidung der Kinder nach ihren Konfessionen und die fakultative Fortbildungsschnle als Anschluß an die sechsjährige Schulpflicht einzusühren. — Gegen die Sprachen-Berord nungen finden in ganz Böhmen Versammlungen und Parteitage statt. Die Schöne- rianer, die im Egerthal eine Volksversammlung unter freiein Himmel abhielte», wurden, als sie die„Wacht an» Rhein" und„Deutschland, Deutschland über alles" sangen, von der Gendarmerie mit gefälltem Bajonnet auseinander- getrieben. Ans bayerischem Boden wurde die Demonstration fort- geseht. Das Unglück der deiitschen Bourgeois in Böhmen ist, daß niemand a» eine ernsthafie und einige Aktion der verschiedene» deutschen Parteien gegen den Badem glaubt.— Frankreich. PariS, 2. Mai. Hier>vurde der erste Mai diesmal von der royalistische» Partei zu einer Manifestalio» ansersehe», welche, wie es scheint, eine Antwort auf die kürzliche Beschlag- »ahminig der 200 000 Bilder des Herzogs von Orleans sein sollte. Morgens früh waren in Paris eine große Menge von Plakaten mit dem wohlgetroffenen Bilde des Herzogs von Orlöans angeschlagen, welche die einsachen Worte enlhielie»:„Demnächst erscheint — der Herzog von Orleans". Diese Worte waren in fetten, weithin sichlbaren Leiter» gedruckt. Erst wenn man näher trat, war der Zusatz„Broschüre in Okinvformat" zn erkennen. Ein sonderbarer Thronprälendent, der aus solche Weise Reklame für sich machen läßt.— Italien. — Nachwehen der Kolonialpolitik. Der„Agenzia Stefani" werde» aus Sansibar Einzelheiten über das Vorgehe» zur Bestrafung der an der Ni-dermetzelung der Expedition des italienischen Konsuls Cecchi Betheiligten berichtet. Ungefähr 1000 Somalis solle» in die Flucht geschlagen worden sein. In den tütten der Somalis wurden Gegenstände vorgefunden, welche der xpedition Cecchi gehört hatten. Das entgegengesetzte Geschick hatte eine italienische Expedition unter dem Kapilän B o l t e g o im Gebiete der Gallas nahe der abeffynischen Südgrenze. Durch Vermittelung des abessynischeu Kaiser? Menelik wird bekannt, daß mehrere Italiener mit zahlreicher Begleitung das äthiopische Gebiet aus Seite der Gallas»ach Baro hin betreten wollten. Da die Häuptlinge der letzteren sich dem widersetzten, sei ein Kampf, der mit Tobten ans beiden Seilen endete, entstanden. Unter den Gelödteten befindet sich Bottego selbst.— Afrika. — Znm Streitfall zwischen England und Transvaal. Aus P r ä t o r i a wird mitgetheilt, daß Linllenant Eloff bei der Polizeilruppe wieder eingestellt nud zum erste» Offizier der Polizei in Prätoria ernannt worden ist. Lielttenailt Eloff, der Enkel des Präsidenten Krüger, war bekanntlich wegen Beleidigung der Königin Vicloria vor Gericht gestellt worden und auch frei- gesprochen, weil die Zeuge» einander widersprochen haben sollten. Die Rehabilitirung dieses Offiziers wird gewiß de» Engländer Ge- legenheil zu neue» Mißfallensäußerungen gegen Transvaal geben. I» der K a p k o l o n i e stehen sich die Rhodesfreunde und ihre Gegner in ziemlich gleicher Stärke gegenüber. Der Premierminister Sprigg«»klärte am Sonnabend im Repräsentantenhaus, er würde der britischen Regierung rathe», alle Mittel der Diplomatie a>»zii- »veiide», bevor sie die Entscheidung durch einen Krieg versuche. Er hege indessen die Zuversicht, daß die freundlichen Beziehungen mit TraiiSvaal aufrecht erhalten bleiben. — Bezüglich der Unruhen an der marokkanisch- algerischen Grenze erklärte die sranzöfische Regierung dem spanischen Botschafter in Paris, sie beabsichtige in keinem Falle die spanischen Interessen in Marokko zn schädigen. Das Bestreben Frankreichs gehe lediglich dahin, die Verbindungen zwischen Algier »nd Senegambien zu sichern, weshalb die Frage der Tuat- Oasen endlich zur Erledigung kommen Nlüss«. Dies« Frage „erledigen" bedeutet aber nichts anderes als die Tnat-Oasen besetzen und so Marokko im Süden umfaffe». Das bedeutet natürlich für Spanien eine Gefährdung seines Einflusses in Marokko, welcher gegenüber eS nicht gleichmüthlg bleibe» kann.— Australien. — Die Republik Hawaii befindet sich im Konflikt mit Japan. Es besteht ein Vertrag, wonach den Japanesen das un- beschränkte Recht,»ach den Sandwichs-Jnseln zn kommen, zusteht. „Früder gestattete Japan, wie die„Köln. Ztg." mittheilt, seine» Untertbanen nur dann die Answandermig nach Hawaii,»venn sie durch Vertrag angeworben»varen. Neuerdings aber hat Japan die Auswanderung nach Haivaii ganz freigegeben, und infolge- dessen bildelen sich soforr mehrere Gesellschaften, die nun Maffentraueporte von Japan nach Hawaii veranstalteten. Es befinde» sich auf den Sandwichsinscln bereits 25—50000 Japaner, Ivohingegen die Zahl der Weiße», das beißt der Amerikaner, Eng- länder lind Deutschen eine verhältnißmäßig sehr geringe ist. Tie gegenwärtige Regierung der Republik Hawaii neigt sich der Ansicht »u, daß die japanische Regierung nichts geringeres beabsichtige, als durch diese Alasseneinfuhr ihrer Unterthanen die Kontrolle über die Inseln an sich zu bringe». Um das zu verhinder», hat die Re- gierung vo» Hawaii jetzt 400 Japanern die Landung verweigert. Japan will deshalb zwei Kriegsschiffe»ach Hawaii schicken, um die dortige Regieruna zur Einhaltung des Vertrages zn zwinge». That- sächtich ist die Regierung der Inselgruppe zu schwach, um einem Angriff Japans widerstehe» zu können, weshalb sie sich um Hilfe an die Vereinigte» Staaten wandte und die Agitation für die A/,. gliedernng der Inselgruppe an den Staatenbund mit Hochdruck bc= treiben läßt. Allem Anscheine nach darf inan sich daher ans pol'flstjh,. Umwälzungen in bezng aus die Sandwichsnisein gefaßt mach«'. AeichskAg. 2l3. Sitzung vom 3. Mai. I Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst z« Hohenlohe v. Marschall. Graf Posadowsky, r. Bötlicher. Auf der Tagesordiiimg steht die JnlerpeUation der Abaa. Graf K a n i tz und Genoffen: „Beabsichtigen die verbündeten Regierungen angesichts der be- vorstehende» Erhöhung wichtiger Positionen des Zolllarifs der nordamerikanischen Union, iusbefonde.'e der verschärste» Tifferen- »irung der delltschen Zuckereinfuhr. dem durch Notemiuslausch vom 22. August 1391 getroffenen ckebereinkouimen mit de» Ver- einigten Staaten festzuhalten?" Nachdem der Staatssekretär|. Marschall sich bereit erllärt hat, bic Interpellation sofort zu fraMworte», begründet Abg. Gras Kauitz(k.) dieselbe Wir habe» geglaubt, diese Frage zur Erörterung stelle» zn müssen,'rotzdem die Zustimmuiig des nord. amerikanischen Senats noch«iif|teht, in» dieselbe in aller Ruhe erörtern zu können. Das sind w»c unserer vaterländischen Industrie s-duldig. Die Nordamerika, iisci,«,, Staaten werden als u.ciit- begünstigte Lander behandelt trotzdem ei» Handelsvertr»» zwischen ihnen»nd Teutschland niemals bestand. DeshaU» mußten die beiderscltigen Zolllorffe gleichmäßig scharf sein. Wenn das nicht der Fall ist, wen» das eine Land sehr hohe Zölle b»t, dann kann eS nicht verl�gx»� daß ihin die Einfuhr seiner SSanven ohne weiteres gestattet wird. Der amerikanische Tarif ist streng schutzzöllnerisch geworden. Unsere und auch Englands Aus- fuhr nach Amerika hat erheblich abgenommen. Nach den amerikanischen Quellen sind 1834/95 von Anierika nach Europa ausgeführt worden für 628 Millionen Dollars Maaren. Di« Einfuhr von Europa betrug 384 Millionen Dollars, oder 244 Millionen Dollars, also fast eme Milliarde Mark weniger. Die Amerikaner wissen genau, daß sie von der Erhöhung der Zölle eine Ver- mehrung derZolleinnahmen nicht zuerwarten habe», wohl abereineBer» Minderung der europäischen Einfuhr durch Verdrängung der enro- päischen Maaren vom amerikanischen Markte. Namentlich die amerikanische Textilindustrie hat sich erheblich entwickelt, besonders in den Südstaate», wo die Rohbaumwolle prodnzirt wird. Auch die neueste Dingley-Bill ist nur ein Ausfluß des Bestrebens, den euro- päischen Einfluß fernzuhalten. Auch auf anderem Gebiete wird gegen die Einfuhr vorgegangen. So hat der Präsident der Vereinigten Staaten im Dezember vorigen Jahres die Tonuengelder von deutschen Schiffen eingeführt. Eine fernere Rücksichtslosigkeit ist, daß trotz der Saratoga-Konvention ein Zuschlag zum Zuckerzoll er- hoben wird. Es giebt keinen deutschen Exportartikel, welcher nicht von der Zollelhöhung getroffen wäre. Es Handell sich nickt mehr um Schutzzölle, sondern um gänzliche Beseitigung der europäischen Konkurrenz.(Sehr richtig! rechts). Amerika ist durch keine Ver- träge gebunden, wir können nicht das geringste gegen Amerika unternehmen. Wir müssen uns daher die Frage stellen, ob wir bei dem Meistbegünstigungsverhältniß länger verbleiben wollen. Wir müssen abwarten, welche Entscheidung über die Dingley- Bill getroffen wird. Geht unsere Ausfuhr nach Amerika noch weiter zurück, dann glaube ich, daß Deutschland sich dagegen wehren muß. Ein differenzirter Zoll auf Petroleum und Kupfer Amerika gegenüber wäre durchaus angebracht, und bezüglich Fleisch. Speck, Schmalz u. f. w. könnten es uns die Amerikaner nicht übel- nehmen, wenn wir die Sätze des Dingley-Tarifs ihnen gegenüber anwendeten. In Amerika macht sich das Bestreben geltend, einen sehr hohen Zoll auf ausländische Rohbaumwolle einzuführen von 60 pCt. des WertheZ. Die deutsche Landwirthschast hat an dieser ganzen Frage n»r ein untergeordnetes Interesse, denn sie führt nur ivenige ihrer Produkte aus, mit Ausnahme des Zuckers, dessen Export jetzt wegen der Unruhen aus Kuba gestiegen ist. Aber die Landwirthschast hat nur ein indirektes Interesse an dieser Frage. tier kommt die Solidarität von Industrie und Landwirthschast in rage und deshalb haben wir die Frage aufgeworfen.(Zustimmung rechts.) Es muß uns erwünscht sein, bei den Verhandlungen mit Amerika möglichst mit anderen Staaten zusammen vor- zugehen. Auf England wird ja dabei wenig zu rechnen sei». Wir befinden u»S in einer Zwangslage insofern uns die Amerikaner zwingen werden, unfern Bedarf ans andern Ländern zu decken. Die Differenzirung der amerikanischen Waaren wird keine zolltechnische» Schwierigkeiten mit sich bringen, denn eine solche Differenzirung besteht ja schon gegenüber Spanien. Sehr einfach wäre die Sache, wenn wir das amerikanische Verfahren der Fakturenlegalisirnng einführen würden. Man sagt ja: von Englands Seite würde nichts geschehen, denn der britische Löwe trage ja noch immer den Cobdeu'schen Maulkorb. Aber wir wollen uusere Hände rühren, denn»vir tragen trotz aller Bemühungen unserer Frei- Händler diesen Maulkorb nicht.(Beifall rechts.) Staatssekretär v. Marschall: Meiner Antwort, daß ich bereit sei, die Frage zu beantworten, mich ich insofern eine Beschränkung geben, als die Sache sich noch in der Schwebe befindet und die ver- bündeten Regierungen»och keine Stellung genommen haben bezüglich des zukünftigen Borgehens. Ich bin aber bereit, die Frage zu be- antworten, welche Schritte der Reichskanzler gethan hat zur Ver- Hinderung der Maßregeln, die man in Aussicht genommen hat im Repräsentantenhaus. Ich muß mich darauf beschränke» zu erklären, was gethan ist, um die zweifellos schädigende Gesetzgebung zu verhindern. Der Vorredner meinte, die Meistbegünstigung Amerika's beruhe aus dem Notenaustausch von Saratoga und auf dem preußischen Bertrage von 1828. Das ist nicht zutreffend. Ein Verlrag zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reich besteht allerdings nicht, aber es find Verträge mit Einzelstaaten vorhanden. Zuerst der preußische Vertrag vom 1. Mai 1823, welcher nach unserer Auffassung die unbedingte Meistbegünstigung enthüll. Tie ver- bündeten Regiornngen sind der Meinung, daß diese Verträge auf das Reich übergegangen sind, weil diesem die Zoll- gesetzgebung zusteht; diese Verträge haben ihre territoriale Giltigkeit verloren nicht erst durch Gründung des Reiches, sondern durch Gründung des Zollvereins. Die Giltigkeit des Vertrages ist auch von beide» Theilen durch konkludente Handlungen zugestanden worden durch Beanspruchung von Rechten und Erfüllung von Verpflichtungen anf grund dieser Verträge, zum Beispiel 1885, als Fürst Bismarck erklärte, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika meistbegünstigt seien, also auch de» niedrigen Roggenzoll, den der spanische Handelsvertrag enthiell, zu beanspruchen hätte». Ferner hat Fürst Bismarck, als Amerika eine» Vertrag mit Spanien abschließen wollte, bezüglich der Zollfreiheit des kubanischen Zuckers, ans grund des preußischen Vertrags die Zoll- freiheil auch für deutsche» Zucker beansprucht unddaran ist derVertrag ge- scheitert. Es ist also ein langjähriger beiderseitiger Besitzstand der Meist- bcgünstignng vorhanden. Je umfangreicher und einflußreicher die wirthschaslliche» Beziehungen sind, um so mehr wird man der Wahrheit nahekomme», ivenn man sagt, daß diese Entwickelung dein Wohlstand beider Länder in gleichem Maße zu gute kommt. Ich fürchte allerdings, daß drüben die Vorstellung besteht, daß wir das größere Jntereffe an der Aufrechterhaltung des bestehende» Zu- standes hätten. Ich kann das nur als«inen bedauerlichen Jrrthum erklären und würde es nicht verstehen, ivenn auf grund dieses Irr- thums die Gesetzgebung vorgehen sollt«.(Sehr richtig! rechts.) Gegen Treue und Glauben würde es verstoßen haben, wenn wir die Vertragszöll« für Getreide Amerika nicht zugestanden hätten. Durch den Notenaustausch haben wir nicht das Recht der Zollsreiheit für Zucker anf alle Zeit erhalten, sondern nur so lange ein anderer Staat die Zollfreiheit beanspruchen kann. Die Einführung eines Zuckerzolls war keine Verletznng der Abmachungen, wohl aber lag eine solche Verletzung vor bei dem Zuschlag für den Zucker, der aus Prämien zahlenden Länder» kam.(Sehr richtig! rechts.) Wir haben dagegen amtlich Protest erhoben und die Regierung der Bereinigte» Staaten hat diesen Protest als berechtigt anerkannt. Präsident Cleveland hat vom Kongreß die Aufhebung des Zuschlages verlangt; der Senat gab diesem Ansinnen nicht statt(Unruhe rechts). Wir haben diesem Proteste keine weitere Folge gegebe» angesichts dc� Anerkennung unseres Rechts standpnnktes seitens der Vereinigte» Staate»(Lachen rechts), weil infolge der Revolution aus Kuba der deutsche Zucker i» größerer Menge als sonst nach Amerika ging. In der Dingley-Bill ist nicht allein der ZuckerzollZ erheblich er- höht worden, sondern auch der Zuschlag auf den ganzen Betrag der Prämie. Wir haben dagegen protestirt in der Protestnote vom ö. April 1897, welche die Abmachungen von 1891 infolge dieses Vorgehens als hinfällig bezeichnet und die Beseitigung des Meist- begünstigungsverhällnisses als nothwendig hinstellt. Gegen das Vorgehen der nordamerikanischen Staaten haben wir keine Be- schwerde erHobe», weil die Jnteressenten sich zuerst selbst dagegen wehren müssen, und weil derjenige, welcher von seinem Rechte Gebrauch macht, niemanden verletzt. Aber unbeschränkt ist die Autonomie der Staaten nicht. Denn kein Staat kann seine eigenen Produkte den Nachbarn aufdrängen, während er sich den Produkten der Nachbarn verschließt. Es ist eine allgemein menschliche Eigenschaft, daß jede Aktion, welche über das Maß hinausgeht, eine Reaktion hervorruft. Es scheint auch diesmal die Flnlhwelle des Schutzzolls die höchste Höhe erreicht zu habei', und es dürfte die Gegenströmung beginnen. Das ist die Sachlage. Mit Bedauern habe ich wahrgenommen, daß man meine Ausführungen zum theil mit Heite>keit auf der Rechten begleitete. Vielleicht wird einer der Herren mir mittheilen, was wir angesichts der Sachlage anderes hätten lhun sollen.(Sehr richtig! links.) Es ist heute noch alles in der Schwebe, und heute schon Entschlüsse zu saffe», daS wäre ein bedenkliches Vorgehen.(Zustimmung.) Auf Antrag des Abg. Barth tritt das Haus in die Besprechung der Interpellation ein. Abg. Barth(frf. Vg.) weist darauf hin, daß durch die Mac Kinley-Bill allerdings der Export Deutschlands abgenommen habe, aber durch die Ermäßigungen des Tarifs im Jahre 1894 der Export wieder gestiegen fei. Allein entscheidend sind die Zollverhältnisse für Export und Import nicht. Ich erinnere auch an die Wirkung der Silberagitation in Amerika. Gegen die Erhöhung der Schutzzölle an sich kann Deutschland keine» Protest erheben, da Vertragsrechte nicht entgegenstehen. Aber die ganze Situation giebt Veranlassung, die Frage zu prüfen, ob nicht über die Auslegung von Handelsverträgen und über Streitigkeiten aus denselben durch ein Schiedsgericht entschiedcn werden kann. Trotz der hohen Tarifsätze der Dingley-Bill denkt in England niemand daran, Retorsionsmaßregcl» zu ergreifen. Bei solchen Maßregeln spielt immer die Leidenschast eine Rolle und nicht blos die wirklichen Interessen. Die Leidenschaft wird gewöhnlich un, so größer, je weiter der schutzzöllncrische Bazillus verbreitet ist; da seine Verbreitung in Amerika sehr ausgedehnt ist, würde die Retorsion dort sehr stark sein, und schon deshalb ist kaltes Blut dringend noth- wendig. Denn durch Drohungen werden sich die Amerikaner nicht einschüchtern lassen, ebensowenig wie mau die deutschen Schutz- Zöllner 1879 durch Drohungen zurückgehalten hätte. Man kann nur die Hoffnung hegen, daß die Amerikaner mit der Dingley-Bill dieselben schlimmen Erfahrungen machen werden, wie mit der Mac Kinley-Bill. Wenn ivir uns gedulden. werden die Dinge i» Amerika bald wieder ein erfreuliches Ansehe» gewinnen. Abg. v. Heyl(natl.) spricht sein volles Vertrauen zum Reichs- kanzler aus, daß er in der schwierigen Situation das Rechte treffe» werde. Daß wir gegen dies neuere Vorgehen Amerika's nichts thuu dürfen, will mir nicht einleuchte». Wenn die Thorhcitcn allzniveit gehen, dann müffen wir uns doch fragen, ob wir das ruhig hin- nehmen können, nachdem Amerika die Meistbegünstigung ohne jede Konzession erhalten hat. Der neue Diuglcy-Tarif hat für Deutschland eine um so größere Bedeutung, als dadurch die deutsche Steuer- und Sozialpolitik beeinflußt ivird. In Frankreich bestehen keine Einkommensteuern und keine sozialpolitischen Lasten. Ferner sind die Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika stelig ge- wachsen, und die panamerikanische Bewegung steht nicht mehr blos auf dem Papier.' Durch die Drohung mit dem Zuschlag für Zucker haben unsere Unterhändler sich einschüchtern lassen, und so kam das Saratoga- Uebereinkommen zu stände. Wir müssen ebenso vorgehen wie Frank- reich und einen Maximal- und Minimaltarif einführen und auf grund deren unsere Beziehungen zu den anderen Staaten regeln. (Zustimmung rechts.) Aber die deutsche Aengfilichkeit hat ein solches Vorgehen bisher verhindert. I» dem amerikanischen Petroleum liegt ein großes Objekt der Repression. Ebenso liegt es mit dem amerikanischen Obst. Wenn Landwirthschast und Industrie geschlossen in die Schlanken treten, dann ivird es möglich sein, daß wir eine für die nationale Arbeit günstige Handelspolitik erreichen.(Beifall rechts.) Staatssekretär v. Marschall: Der Vorredner weiß ganz genau, wann die Handelsverträge zu kündigen sind, aber er läßt uns immer im Stich, wenn wir fragen. was er an die Stelle setzen wolle.(Zuruf: Autonome» Tarif!) Einen autonomen Tarif kann Deutschland allein nicht machen (Heiterkeit), weil es ein so stark exportirender Staat ist. Der Vor- redner hat ausgeführt, daß die Gewährung der Zollermäßigung a» die Vereinigten Staaten ein reines Geschenk gewesen sei.(Sehr richtig! rechts.) Der Kühnheit des Vorredners, daß er durch seine Pläne alle Beziehungen mit den anderen Staaten zerstören will, stehe ich vollkommen neidlos gegenüber.(Zustimmung links.) Abg. Richter(frs. Vp.): Der neuere amerikanische Tarif ist zum theil eine sreihändlerische Vorlage, weil sie namentlich für die Textilindustrie Tarifermäßigungen vorsieht, und es sind noch weitere Erleichterungen in Aussicht genommen; wen» man diese Deutschland nicht zugestebcn würde, so würde das ein Unrecht sein. Die Verhältnisse in Kanada zeigen, daß ivir einen großen Vorlheil von der Meistbegünstigung haben. Graf Kanitz ist als Vertreter der Industrie aufgetreten; in dieser Maske war er mir nicht bekannt. Die deutsche Industrie wird auch den Verfasser des Antrages, der den deutschen Arbeitern die Lebens- mittel verthenern will, nickt als ihren berufenen Vertreter anerkennen. Dieser Beschützer der Industrie will amerikanisches Vieh und Fleisch mit einem Zoll belegen, ja sogar die Baumwolle. Die Industrie wird auch Herrn v. Heyl, obgleich er auch Großindustrieller ist, nicht als ihren Vertreter an- erkenne». Seine eigene Handelskammer in Worms, deren Präsident er ist, erkennt seinen Standpunkt nicht mehr an. Die Reden des Hcrin v. Heyl zeigen eine solche Bunt- scheckigkeit und geistreiche Oberflächlichkeit, daß man daraus gar nicht eingehen kann. Herr Mac Kinley ist ein Schüler der deutschen Schutzzöllner, der sich ausdrücklich auf den Fürsten Bismarck berief. Die Mcistbcgünstigungsklausel ist eine Schranke gegen die Bevorzugung anderer Staate». Die Theorie der Handelsbilanz ist von der Wissenschaft längst ausgegeben und Graf Kanitz und Herr v. Heyl sind die letzten Vertheidiger dieser falschen Theorie. Nach dieser falschen Theorie müßte England längst verarmt sein. Zur Aushebung des Einsnhrverbots amerikanischen Schweinefleisches waren ,vir verpflichtet, sobald die Bedenke» gegen die Behandlung des Schlachtviehes verschwunden waren. Bezüglich der inter- nationale» Zollftreitigkeilen könnte das Schiedsgerichtsverfahren sehr wohl eingeführt werden. Bezüglich des Petroleummonopols haben sich schon Rückschläge gezeigt. Die Zunahme des Ver- brauchs von Glühlicht und Elektrizität sorgt dafür. Daß das amerikanisch« Obst Absatz gefunden hat in Deutschland, ist ein Beweis dafür, wie sehr der Obstkonsum noch der Ausdehnung fähig ist. Aber Sie(rechts) sehen in jeder Zollerhöhnng einen Vortheil, während wir darin einen Nachtheil erblicken, iveil dadurch der Konsum vermindert wird.(Widerspruch rechts.) Durch Drohungen und aufregende Reden, durch Zollchikanen u. f. w. wird sich Amerika nicht einschüchtern lassen. Wir müssen dafür sorgen, daß nicht die nationale Lcidenfchait hineingezogen wird in diese Frage. Wenn wir alle unsere Vertragsbeziehungen aufgäben, dann würden die anderen Staaten davon den Vorlheil haben, welche ihre Ver- träge aufrecht erhalten. Man will diese Vorgänge in Amerika nur benutzen, um höhere Zölle auf Lebeuimittel herbeizuführen.(Leb- haster Widerspruch rechts. Zustimmung links.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Berechnen Sie einmal, daß 1400 Millionen Mark Lebensmittel nach Deutschland importirt werden, welche die deutsche Erde selbst erzeugen könnte. (Lebhafte Zustimmung rechts. Lachen links.) Diese 1400 Millionen Mark würde» in Arbeitslohn der arbeitenden Be- völkerung in der Landwirthschast zu gute gekommen sein. Nachdem der Zolltarif von 1879 den Reichstag pafsirt hatte, reichte Herr v. Varubühler mit mir dem Fürsten Bismarck ein Promenwria ein. worin wir uns dafür aussprachen, sämmtliche Meistbcgünstignugs- vertrage zu kündigen, oder mindestens einer Revision zu unter- werfen. Fürst Bismarck wollte damals darauf nicht eingehen, ihm lag der Frankfurter Friede noch zu nahe. in welchem Frankreich das Meistbegünsligungsrecht eingeräumt war. In späteren Jahren bestand Fürst Bismarck selbst daraus, daß im Auswärtigen Amte eine sorgfältige Statistik aufgestellt wurde über die Wirkung der Meistbegünstigungssysteme mit den verschiedene» Ländern mit der ausgesprochenen Absicht, sich für die Zukunft einen autonome» Tarif, eine» Minimal- und Maximal- tarif zu schaffen, von dem aus»nan ans grund von Handelsverträgen zu Konventionaltarifen mit andere» Ländern gelangte. Wir haben es sehr bedauert, daß. ehe diese Idee zur Ausführung kam, das jetzige System der Handels- vertrüge inaugurirt wurde. Wir wünschen, daß durch diese Ver- Handlung die Regierung beeinflußt wird, in unserem Sinne zu handeln und nicht in der Weise der Abgg. Richter und Barth, die hier> mehr als Delegirt« des Aus- landes aufgetreten sind, denn als Delegirte deutscher Wahlbezirke. Wir haben das Gefühl, daß zu Zeiten des Fürsten Bismarck die Amerikaner sich das nicht erlaubt haben würden, was sie sich jetzt uns gegenüber erlauben. Eine kleine Handhabe haben wir in der Hand, und die wird es den Amerikanern nahe lege», etwas rücksichisvoller uns zu be- handeln. Die Herren Amerikaner entsenden jetzt eine Kommission nach Europa, um internationale Verhandlungen in der Währnngs- frage anzuknüpfen. Zu keinem Dinge gehört mehr ab- solntes Vertrauen zu der Zuverlässigkeit und Loyalität des anderen Staates wie gerade in der Währnngsfrage.(Heiter- keit). Die Amerikaner sollten sich überlegen, ob sie durch ihr Ver- fahren in der Meistbegünstignngssrage sich dieses Äertranen nicht in recht hohem Maße verscherzt haben. Nach Ablehnung eines Vertagungsantrages erhält um S Uhr das Wort Abg. Graf Limburg-Stirum(k.): Eine solche Behandlung, wie die Amerikaner sie geübt haben, dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Selbst der Zollkrieg wäre dem Fortbestehen des jetzigen Zustandes vorzuziehen. Deshalb kann ich der Regierung nur rathen, daß wir baldigst zu einem autonomen Tarif kommen mögen. Staatssekretär v. Marschall: Gewiß muß man seine eigene Würde wahren, aber man muß auch die eigenen Interessen vertreten, und wir hätten unsere Zuckerindustrie geschädigt, wenn wir damals in Differenzen mit den vereinigten Staaten gekommen wären, denn der Export der Zuckerindustrie nach Amerika war niemals so groß wie damals. Abg. v. Stumm(Rp.): Ich hoffe, daß die Auseinander- sehungen die Wirkung haben werden, daß ein autonomer Zolltarif aufgestellt wird, damit Zugeständnisse nur gemacht werden können, wenn die anderen Staaten auch Zugeständnisse machen. Um S'/e Uhr werden ei» Schlußantrag und ein Vertagungsantrag abgelehnt.' Abg. Ahlwardt(mit Heiterkeit empfangen): Zur Herbeiführung der unglücklichen Situation, in der sich Deutschland zetzt durch die Wahl Mac Kinley's befindet, hat niemand mehr beigetragen als der Abg. Barth.(Heiterkeit.) Diese Lachansälle bei meinen Aeußerungen berühren mich etwas eigenthümlich. Dieses Lachen, während das Gesicht verbittert aussieht, läßt mich auf eine Erkrankung schließen, die ich acute Talrnuditis nennen könnte.(Lachen.) Für die nächsten vier Jahre ist für Deutschland nichts zu hoffen. Die amerikanischen Hochschutzzöllner werden ihre Pläne dnrchsühren zur Schädigung des deutschen Handels und der deutschen Industrie. Abg. v. Heyl: Wenn ihn der Staatssekretär um die Kühnheit seiner Vorschläge nicht beneide, so beneide er den Staatssekretär um seine Erfolge ans diplomatischem Gebiete auch nicht. Abg. Barth: Ich würde aus die absurde Bemerkung des Herrn v. Kardorff, daß wir, Herr Richter und ich, als Delegirte des Auslandes aufgetreten sind, nicht eingehen, wenn Herr Ahl- warbt nicht etwas Aehnliches ausgeführt hätte, nämlich, daß ich als Delegirter Deutschlands gegen die Wahl Bryan's gewirkt habe. Diese Behauptung ist ebenso absurd, wie die Behauptungen des Herrn v. Kardorff. Präsident v. Buol: Das Wort„absurd« ist parlamentarisch nicht zulässig. Abg. Richter: Der Vorwurf des Herrn v. Kardorff ist ebenso häßlich, wie wenn ich behaupten wollte, daß Herr v. Kardorff als Delegirter ameritanischer Silbermiuenbesitzer austrete. Abg. Ahlwardt: Ich habe nicht gesagt, daß Herr Barth der Delegirte Deutschlands war zur Bekämpfung der Wahl Bryan's. sondern er war der Abgesandte der Goldjnden, der eigentlichen Herrscher seiner Partei. Abg. Barth: Der Präsident hat mcine Bezeichnung einer Aeußernng des Herrn v. Kardorff als„absurd" gerügt. Herr v. Kardorff hat aber Herrn Richter und mich als„Delegirte des Auslandes" bezeichnet. Wenn wir nicht darauf abwehrend anl- worten können, dann sollte uns der Herr Präsident wenigstens gegen solche Bemerkungen schützen, die eine empfindliche Beleidigung ent- halten.(Zustimmung links.) Präsident v. Bnol: Ich weiß nicht, ob die Bemerkung gefallen ist; jedenfalls ist aber der Ausdruck„absurd" gebraucht worden und ich halte ihn für unzulässig. Abg. Barth: Daran, daß Herr v. Kardorff den bemängelten Ausdruck gebraucht hat, hat im Hause niemals ein Zweifel ge- herrscht. Abg. v. Kardorff: Ich bin den Herren zu jeder persönlichen Genugthuung bereit.(Große Unruhe links.) Präsident v. Buol behält sich vor, nach Untersuchung der Sache darauf zurückzukommen. Schluß 63U Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr(Nechnungs- Vorlagen. Servistaris und Reliktengesetz). Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Zu unserer Notiz in Nr. 100„Ein eigenartiges Jubiläum" wird uns berichtet, daß das Landgericht in Dresden nur deshalb die Ansehung des Termins gegen die Genossen Reichard und Schulz so weit hinausgeschoben hat, weil die Sammlung und Bearbeitung des umfangreichen EntlastungS- Materials durch den Vertheidiger und das Gericht sich nicht schneller bewerkstelligen ließ. Rechtsanwalt Heine hat die Ladung von 33 Entlastungszeugen beantragt. — Der Genosse Wabersky vom„Hamburger Echo" war neulich von der fünften Abtheilung des Hamburger Schöffen- gerichts wegen Beleidigung des aus dem Frankfurter Schaffuerprozeß sattsam bekannt gewordenen Hamburger Polizeikommifsars Kämpe zu einer Geldstrafe von 30 M. verurtheilt worden, weil im„Echo" ohne Namensnennung gesagt war, daß ein bekannter Kriminal- kommissar, gegen de» ei» Disziplinarverfabren eingeleitet sei, am Verfolgnngswahnsinn erkrankt sei. Der Vorsitzende des Schöffen- gerichts,'Amtsrichter Dr. Görden, der auch schon einmal gegen zwei Mitarbeiter des„Echo" Strasantrag wegen Beleidigung gestellt, denselben aber vor der Hauptverhaudlung»vieder zurück- gezogen hat, stellte in den Urtheilsgründen fest, daß ans der„ver- hetzenden Tendenz des sozialdemokratischen Arbeiterblattes die Absicht und das Bewußtsein der Beleidigung hervorgehe." Gegen das Urtheil legten der Amtsanwalt, der 2 Monate Gesängmß beantragt hatte, und der Angeklagte Berufung ei». Bor dem Landgericht hielt der Staatsanwalt die Berufung jedoch nicht mehr ausrecht, weil aus der inkriminirten Notiz uichl die Person des Beleidigte» zu erkennen sei und der Angeklagte es„bedauerlicherweise" ablehne, den Namen des Beamten, der gemeint sei, zu nennen. Der Vertheidiger de- antragt« aus demselben Grunde Freisprechung, bot aber zum Schluß seins Plädoyers durch Zeugenbenennung den Wahrheitsbeweis an. Auf diesen Antrag ging das Gericht jedoch in keiner Weise ein. sondern erkannte ans den vom Staatsanwalt angeführten Gründen auf Freisprechung._ Gewerkschaftliches. Berlin n»b Uiiigebnng. Achtung, Schuhmacher! Die Arbeiter der Werkstätten von Reib, Dearnebourg, und Stolzenberg haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen diese Werk- slätten bis aus weiteres zu meiden. Morgen Abend findet in dieser Angelegenheit eine öffentliche Versammlung statt.(Siehe Annonce.) Die Agitationskommission. Achtung, ASphnlt-Fnßbodenleger! Die Arbeiter der Firmen Kopp u. Cie., Lietz, Aorlstraße, und Schlesing, welche sich mit dem Verlegen von S t a b f u ß b o d e n in Asphalt beschäftigen, werden ersucht, sich am Donnerstag, den 6. Mai. abeuds 8tzc Uhr, im Lokale des Herrn Zu b eil, Linde, fftr. 106, einzufindc». Es soll i» einer gemeinsamen Sitzung mit der Kommission der Parketlbodcnleger- Branche eventuell ein einheitlicher Preis für da? Verlegen von Stabfußboden in Asphalt festgestellt werden. I. A.: Otto N e r r e, Wilmersdorf. Hebet die Maifeier bringt der„Lokal-Anzeiger" die ver- logene Mittheilung, daß bei der Baufirma Held n. Frank« nur ein kleiner Theil der Arbeiter gefeiert habe und die Fehlenden im Laufe des Tages ersetzt wurden. Thatsächlich haben sämmtliche Arbeiter mit wenigen Ausnahmen die Arbeitsruhe gefordert und dem entsprechend die Maiseier begangen. NnSsperrung 6« zum S. Mai aller derientgen Arbeiter,»velche am 1. Mai feiern, hatten der Aerein der Holziiidustriellen nnd die Berliner Tischlerinnung beschlossen. Am 30. April waren in allen Werkstätten Plakate angeschlagen worden, durch welche besagter Be- schlich den Meistern in Erinnerung gebracht wurde; wahrscheinlich sollte das auch abschreckend auf die Arbeiter ivirken. Die in der Holzindustrie beschäftigten Arbeiter haben auf diesen Was eine kräftige Antwort ertheilt. indem sie. 10 000 an der Zahl, in der Morgenversammlnng erschienen. Die Unternehmer, die es nicht begreifen wollen, daß auch dem Arbeiter das Recht zustehen iuuß. sich einen Feiertag wählen zu können nach ihrem eigenen. Geschmack, haben zu einem kleinen Theil ihre Drohungen wahr gemacht. Es sind ausgesperrt worden: Beim Tischlermeister Krug. Prenzlauer Allee' 52 7 Mann; in der Werkstatt von K n m m e l Frankfurtcrstr. 16: 40 Mann; Völker. Nene Jakobstr. 5: drei Drechsler; Beil. Oranienstr. 9: 6 Mann; G. Klug. Frncht- straße 31/32: S4 Tischler, 20 Möbclpolircr und 8 Maschinellarbeiter. — Die Arbeiter erklärte», daß sie dann die Arbeit vor dem 10. nicht aufnehmen wurden. Der„organifirte Buchdrucker" der Naumanu'scheu„Zeit" sucht sich gegen unsere Erklärung, er kenne die Bnchdruckergeschichte nur vom Hörensagen, durch die Behauptung zu verlheidigen. er habe beim letzten große» Buchdruckerstreik eine„Vertrauensstellung" ein« genommen. Das kann jeder Anonymus sagen, aber kein Mensch glaubt's einem so linglaubwürdigen Anonymus, als welcher sich der„organisirte Buchdrucker" entpuppt hat. Abgesehen davon, die angebliche„Vertrauensstellung" beweist rein gar nichts, denn der „organisirte Buchdrucker" zeigt in seiner Vertheidigung wiederum, daß er die Buchdruckergeschichte nicht kennt. Für die streikende» Wiischeriuueu iu Neu-Isenburg sind bei mir folgende Beiträge eingelanfe»: Von R. Flalow 3,—. Auf Listen: Nr. 6. 7. 8, 9: 44,80. 10. 43. 44: 40,10. 39. 40: 20,05. 49, 50: 23,40. 45. 46. 47. 48: 19,10. 29: 12.90. 64. 65, 66: 24,10. 62: 9,45. 31, 32: 27,85. In Summa 224,75 M., über die hiermit bestens dankend quitlirt wird. Die Vertrauensperson: Frau W e n g e l s, Berlin 0. 17, Fruchtstr. 30. Weitere Beiträge werden gern entgegengenommen. Deutsches Reich. Maiopfer. Ans Harburg wird uns telegraphirt, daß au der S ch i s f s w e r f t von H o l st 65 Metallarbeiter wegen der Maifeier auf 10 Tage ausgesperrt worden sind. Achtung, Metallarbeiter l Die Berufsgenossen werden hier- mit ersucht, bei der Firma A. Kunz, Wasserleitungs- und Pumpenbau- Anstalt in Mährisch-Weißkirchen, keine Arbeit zu nehmen und die Fabrik zu meiden. Der Eigeuthümer hat snmmllicde Arbeiter wegen der Maifeier allsgesperrt. Verband der Eisen- und Metallarbeiter Oesterreichs. Orlsgr. M.-Weihkuchen. In Fiusterwalde legten am I.Mai in der Spielwaaren- Fabrik von Emil Weise(Inhaber Georg Weise u. Ko.) sämmtliche Arbeiter wegen Maßregelung eines Kollegen die Arbeit nieder. Sie bitten um Vermeidung des Zuzugs. In Stcudal haben am 3. Mai die bei dem Steinsetzmeister C h a p p i u s beschäftigten Steinsetzer die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. I.A.: A. Knoll, Berlin, Waldenser- straße 18. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die nach dem großen Streik niedergesetzte Senatskommission sür die Prüfung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Hamburger Hafen scheint ihre Arbeite» jetzt so weit abgeschlossen zu haben, daß sie mit positiven Vorschlägen an die Unternehmer herantreten kann. Sie hat nämlich jetzt wiederum eine Sitzung mit Vertretern der Rheder, Stauer und Schiffsmakler- Firmen abgehalten. um diese, wie der„Hamb. Korrespondent" mittheilt, über die Forderungen und Beschwerden zu hören, die die Schnuerleute bei der Kommission vorgebracht haben. Da die Unternehmer von den Wünschen nnd Beschwerden der Schauerleute durch die gemeinschaftlichen Sitzungen vor der Senatskommission ganz genau iuformirt sind, so kann diese neue Sitzung, zu der die Arbeiterverlreter nicht hinzugezogen waren, vernünftiger Weise nur den Zweck gehabt haben, von den Unternehmeru eine Erklärung darüber zu erlangen, ob und inwieweit sie geneigt find, auf die Forderungen der'Arbeiter einzugehen. Aus den meisten Hafenbetrieben sind die Streikbrecher jetzt so ziemlich verschwunden, sehr zahlreich sind sie nur noch beim Staatsquai und in der Ewerführerei beschäftigt. In letzterem Be- triebe sind noch ungefähr 200 und unter den Staalsquai-Arbeitern noch weitaus mehr. Unterstützt werden allwöchentlich noch zirka 150 Gemaßregelte, die in keinem Betriebe Arbeit finden können. Hauptsächlich sind das frühere Arbeiter vom Staatsquai. Soziale Vechlspiletge. f rozeutpatriotisches. Die Aktiengesellschaft für Nähmaschinen- tahlapparate, vormals I. M e h l i s ch. ließ am 22. März, dem Hanpltage des Zentenarkarnevals, ihre Arbeiter feiern, ohne sie sür den entgangenen Verdienst zu entschädigen. Der Schleifer H. war damit aber nicht zufrieden, er klagt vielmehr beim Gewerbegericht auf Bezahlung des Tages. Die Aktiengesellschaft zahlte nun nicht etwa freiwillig die 4 M., sondern schickte einen Herrn Bartsch mit einem Schein, worauf der Kläger bei der Lohnzahlung unterschrieben hatte, daß er nichts mehr zu fordern habe. Herr H. erklärte jetzt, den Nachweis führen zu können, daß er den Revers nur unler Z«r ausdrücklichen, laut vorgebrachte» Bedingimg unterschrieben habe, daß er damit nicht auf de» Lohn für den 22. März verzichte. Assessor Hcllwiz legte Herrn Bartsch nahe, doch die 4 Mark zu zahlen. Der berief sich nunmehr aber mit stolz geschwelller Brust darauf, daß dazu umsoweniger ein Anlaß vorliege, als ja die Aktiengesellschaft eine Gratifikation von 4000 M. für ihre 400 Arbeiter ausgeworfen habe. Je nach der Dauer ihrer Stellung würde das Geld vertbeilt werden. Und wann? Etwa im September 1897! Der Kläger fühlte sich durch diese Enthüllung merklich getröstet, blieb aber doch so verstockt, immer noch nicht von seiner Forderung abzugehen. Zum Nachweise des behaupteten Vorbehalts wünschte er mehrere Komptoir- angestellte vernommen zu sehen. Nach der Berathung ersuchte ihn der Vorsitzende, die Klage zurückzunehmen. Die Beweiserhebung wäre»ach der Meinung des Gerichts- Hose? unerheblich, da der von ihm unterschriebene Schein gegen ihn spreche und mündliche Abreden neben schrift. l i ch e n bedeutungslos seien.(Grundsatz ans dem Land- recht.) Der Kläger nahm dann auch die Klage zurück, indem er erklärte:„Na, dann schenke ich der Aktiengesellschaft die 4 Mark." Zum Besuch der Fortbildungsschule werden Arbeiter unter 18 Jahren durch ein Orlsstatut der Stadt Filehne verpflichtet. Wegen Uebertretung dieser Bestimmung hatten sich eine Anzahl Schüler vor dem Strafrichter zu verantworten, die unzweifelhaft den Unterricht geschwänzt hatten. Sie wurden indeflen in allen In- stanzen freigesprochen, weil— der Stundenplan nicht ordnungs- mäßig zu stände gekomme» sei. Das K a m m e r g e r i ch t erklärte den Stundenplan für rechtsungiltig, indem es ausführte, die Fest- setzung des Stundenplanes einer Fortbildungsschule müsse in der- selben Weise durch die ftädtisckwn Körperschaften erfolgen, wie das fragliche Ortsstatut nach der Gewerbe-Ordnung(Z 142) zu erlassen sei. Höchstens sei noch zulässig, daß den Plan ei» Kuratorium fest- stelle, das dazu ausdrücklich durch ein Orlsstatut unter Zu- stimmung der oberen Verwaltungsbehörde autorisirt sei.— Das Kuratorium, das im vorliegenden Falle den Stundenplan heraus- gegeben hatte, entsprach nicht den vom Kammergericht gestellten An- forderungen. Rücksichten auf die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicher- heit habe» die Polizeiverwaltung von Dortmund zu einem Feld- zug gegen die Tanzlehrer veranlaßt. Seit einiger Zeit verweigerte sie diesen Künstlern prinzipiell die Erlaubuiß, in öffentlichen Lokalen Tanzunterricht zu geben. So ging es auch de», Tanznieister Zander. Dieser schwieg aber nicht, wie die st»«» übrigen der Zunft, sondern verklagte den Oberpräfidenten von Dort« mund, nachdem der Regierungspräsident und der Oberpräsident seine Beschwerde» abgewiesen hatten. Das Ober- Verwaltungsgericht er- achtete die Klage auch sür begründet. Es nahm an, daß sich das polizeiliche Vorgehen, welches der Oberpräsident gebilligt hatte, nicht gesetzlich rechtfertigen lasse. i Gevichks-IeikttNlg. Auffordernug von Mitglieder» der bewaffueten Macht Ungehorsam wider die Befehle der Obere» wurde dem Parteigenossen Zigarrenmacher Hermann Knabe aus Spandan zur Last gelegt, der gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht ll. stand. Der Anklage nach feierten die Unteroffiziere des Spandauer Trainbataillons am Abend des 6. August im Schurker'sche» Lokale das ZIvancement mehrerer Einjährige» zu Unteroffizieren. Gegen 12 Uhr soll fich der Angeklagte in die geschlossene Gesellschaft gedrängt nnd den Unteroffizieren Billets zu dem am nächsten Sonntage in der Pichels- dorfer Brauerei staltfindenden Feste des Arbeiter-Sängerbnndes zum Kauf angeboten haben, obwohl er wissen mußte, daß den Soldaten der Spaudauer Garnison durch Kommandanturbefehl vom Jahre 1894 der Besuch der Pichelsdorfer Brauerei verboten war und obivohl ihm aus dem„Vorwärts" der vielbesprochene Erlaß des Kriegs- Ministers bekannt sei» mußte, durch welchen den aktiven sowie auch den zu Uebungen einberufenen Soldalen jede Bethäligunz sozial- demokratischer Gesinnung und jede Theilnahme an sozialdemokrati- schen Festen, Kundgebungen, Gesängen, Hochrufen n. s. w. verboten worden war. Der Angeklagte stellte dagegen die Sache als sehr harmlos dar. Er wohne in dem Hause, in welchem das Fest stattfand. Da er das Haus verschlossen fand, habe er durch das noch offene Lokal gehen wollen. In der Gaststube habe er bekannte Zivilpersonen getroffen, die zu der geschlosseneu Gesellschaft gehörte» und ihn mit den Worten„Knabe kann auch etwas dazu geben l" mit in den Saal zogen. Hier habe er erfahren, daß sür den armen Vater eines Regiments-Kameraden, der durch Selbstmord geendet, gesammelt wurde. Er habe nun gesagt, wenn es sich um eine gute Sache handele, gebe er auch etwas, ein Unteroffizier habe aber erwidert:„Der Mann ist ja ein guter Patriot!" worauf er erklärt habe:„Lassen Sie den Patriotismus aus dem Spiele, der hat mit der Sache nichts zu t h u n!" Nicht lange danach habe ein ihm bekanntes Mitglied der Gesellschaft vom Zivil ein Billet sür das Säugerfest von ihn» gefordert. Da er dieselbe» in» Vertrieb gehabt, so habe er seine Brieftasche gezogen und an seinen Bekannten ein Billet verkauft. Da sei ein Unteroffizier hmzngetreten und habe ihn gefragt:„Was haben Sie denn da?" Er habe gesagt:„Wollen Sie auch eins?" habe aber sofort die Briestasche»nit den Billets»vieder eingesteckt. Eine Weile nachher habe er de» Ruf gehört:„Sozialdemokrat raus!" Er sei gegangen, a» der Thür habe»nan ihm aber einen Stuhl in den Weg gestellt, nnd als er denselben beiseite setzen wollte, seien ei» paar Unteroffiziere über ihn hergesallen, im Nu habe er aus der Straße gelegen, und nun seien mindeste>»s vierzeh>» Unteroffiziere über ihn hergefallen und hätten ihn furchtbar geschlagen. Er habe Anzeige bei der Komma»- dantnr erstattet; der ihn vernehmende Offizier habe ihm aber erklärt, daß,»venn erdieÄln zeige nicht zurücknehme, er eine Anklage zu geivärtige» haben werde. Er habe nichts zurückgenomnie», dafür habeßer die Anklage erhalten und der Unterosfizier Fritsch sei standrechtlich »vegen Körperverletzung mit drei Mark Geldstrafe bestrast , vorden. Durch die umfangreiche Beiveisaufnahnie »vird an der Darstellung des Angeklagten nur>v e n i g geändert. Die i>»kriminirle Aufforde- rung wurde in den Worten festgelegt:„Wollen sich die Herren nicht auch betheiligen?" Der Staatsanivalt hielt alle Merk- male des§ 112 des Strasgesctzbuchs für erfüllt, soivohl iu subjektiver »vie in objektiver Hinsicht nnd brachte 6 Monate Gefängniß in An- trag, und z»var mit Rücksicht auf das gefährliche, »velches in dem Bestreben liegt, sozialdenio- kratische Gesinnung»lnter das Militär zu tragen. Der Vertheidiger Rechtsanivalt Wolfg. Heine vermochte in den inkriininirlen Worten eine Aufforderung zun» Ungehorsam, ja nicht einuial eine'Absicht dazu zu erblicke», hielt aber im übrigen das beantragte Strafmaß für horrend, da der Angeklagte noch unbescholten und die Sache sehr harmlos sei. Der Gerichtshof nahm an. daß in den»nkriminirten Worten eine Aufforderung zum Ungehorsam liege. Der Angeklagte sei ei» thätiges, agitatorisches Mitglied der sozialdemokratischen Partei, ihm»varen die öffentlichen Vorgänge bekannt, den Kommandanturbcfehl betr. die Pichelsdorser Brauerei ka,»nte er bestiinmt,»veshalb von den» kriegsministeriellen Erlasse abgesehen werden könne. Der Z 112 sei erfüllt. Der An- geklagte sei noch unbescholten, die Aufforderung sei ohne Erfolg ge- blieben, seine Absicht, seine Ideen in das Militär zu trage»», sei jedoch g e n» e i ng e f ä h r l i ch und deshalb sei auf zwei Monat Gefängniß erkannt»vorden. Gegen deu Buchdruckereibesitzer Schob und die Hebaimne ischoff»var»vegen Verbrechens gegen das keimende Leben von der eigenen Frau des Schob, die mit ihrem Ehenianne i» Scheidung lag, eine Anzeige erstattet»vorden. Die Angeberin wurde darauf seinerzeit»nit angeklagt, von de» Geschivorencn aber für nicht- schuldig bcfltnden nnd deshalb freigesprochen,»vährend Schob zu 2>/e Jahren und die Bischoff zu 3 Jahren Zuchthaus vcrurtheilt »vurden. Das Reichsgericht hob das schivurgerichtliche Erkenntniß auf,»veil ein unvereinbarer Widerspruch darin zu finde» sei, daß die Geschworenen einerseits den Angeklagten Schob der Anstiftung zu einer von seiner Frau begangenen strafbaren Handlung für schuldig erklärten, anderseits aber die Begehung derselben strafbaren Handlung durch die Frau verneinten.— Die Geschworenen gaben diesmal ihren Wahrspruch auf N i ch t s ch u l d i p gegen beide An- geklagte ab. Ter Gerichtshof erkannte hierauf, daß beide Augeklagte freizusprechen und sofort aus der Hast zu entlassen seien. Das Urtheil verursachte große Aufregung im Zuhörerraum, und auf dem Wandelgange entivickelten sich noch lebhafte Auftritte, auf der eine» Seite solche der rührsamsten Begrüßung der Freigesprochene» mit ihre» Angehörigen, auf der anderen solche der Verwünschung gegen die Angeberin. Eine Polizciverordnnug, welche daS Kegelschieben zur Nachtzeit auf allen Kegelbahnen, die innerhalb der geschloffen Se- bauten Straßen einer Stadt belegen sind, verbietet, ist nach eineitz-von der„Deutsch. Juristen-Ztg." veröffentlichten Erkenntniß des Kammer- gerichls, nicht rechtsgiltig. Der Ziveck einer solchen Polizeiverordnuug ist nur die Wahrung der Nachtruhe der Bewohner der Stadt. Daß aber dieser Zweck mit dem des Schutzes der Gesundheit gleich- bedeutend sei, kann nicht angenommen»verden. Das Kegelschieben kann deshalb nur dann strafbar»verde»,»venn eS als die ungebührliche Erregung eines ruhestörenden Lärms unter§ 860 oder 11 R.-Str.-G.-B. fällt. Der grobe Uufugsparagraph spielt trotz des bekannten Rund- schreibcns, das der JnstiMiinster erlassen, in den Händen mancher Staatsanivälte immer noch eine wunderliche Rolle. Vor einigen Tagen hatte sich der verantwortliche Redakteur des„Hannoverschen Tageblattes", Herr Dr. E. Boges, in Gemeinschaft mit den» Glaser- meister Rohde des, vegen vor dem Schöffengericht zu Hannover zu verantivorte»,»veil beide in genannten» Blatte an» 2. Febr. d. I. satirisch geschildert hatten,»vie in einem elektrischen Straßenbahn- »vagen zum Schrecken der Fahrgäste plötzlich das Licht ausgegangen sei. Durch diese Notiz sollen die Angeklagte» „das Vertrauen zu einer sicheren und»ngefährliche» Personen- deförderung auf der Straßenbahn erschüttert, hierdurch aber das Publiliim beunruhigt»ud so die öffentliche Ordnung im all- gemeine» zu unrecht gestört»vorden sein."(Ueberlrelnng gegen §Z 360 11, 47 St.-G-B.) Das Gericht erkannte, ohne sich zur Be- rathung zurückzuziehen, auf kostenlose Freisprechung. Wunderbar ist. daß der Amtsanivalt selber in Gemeinschaft mit den» Bertheidiger die Ansicht vertrat, daß die Presse in Wabr- z.-°°° »e -r/ im'Bis! (c ciae: nehmung berechtigter Interessen handele, wenn sie öffentliche Mißstände an das Licht ziehe. Das Recht, das Publikum auf Schäden anfmerk- sam zu machen, müsse der Preffe in jeder Weise zuerkannt werden. Warum wurde dann erst von der Staatsanwaltschaft die An- klage erhoben? Dürfe« schulpflichtige Kinder in einer geschlossenen Gesell- schaft am Tanze theilnehmeu? Diese Frage hatte die Straf- kammer des Landgerichts Prenzlau iu ihrer Sitzung am 29. April zu entscheiden. Der Restaurateur Lange aus Angermünde stand unter Anklage, gegen die Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg,»velche den noch die Schule besuchenden Kindern die Theil- nähme an öffentlichen Tanzlustbarkeiten verbietet, verstoßen zu haben. An» 27. Dezember v. I. fand in dem Lokal des Angeklagten eine Vereinsfest- lichkeit statt, zu»velcher nur Mitglieder des Vereins Zutritt hatte» und die mit einen» Tanzkränzcheii ihren Abschluß fand. An dem Tanzkränzchen belheiligte sich ebenfalls die noch schulpflichtige Tochter des An- geklagten. Das Schöffengericht daselbst hatte auf Freisprechung er- kannt, inden» es annahm, daß eine„öffentliche Tanzlustbarkeit" in, Sinne der Oberpräsidial- Verordnung nicht vorliege. Die Straf- kammer war gleicher Meinung nnd verivarf die vom Amtsanivalt gegen das Urlheil eingelegte Berufung. Die Erlanbniß zur Abhaltung einer öffentlichen Tanzlustbarkeit»vnrde dem Gastivirth Schröder in Magdebnrg-Buckau für einen Sonntag Nachmittag unter der Beding», ng ertheilt, daß die Tanzmusik zwischen 6 und7Uhr»nterbleiben»iiisse. Es ist dies die Zeit, ,vo in der etiva 45 Meter von» Schröder'scheu Lokal entfernten Gertraudtenkirche der Abend-Gottesdienst statt- findet. Schröder klagte im Verivaltungs- Streilversahren aus Aufhebung dieser Verfügung, er»vurde aber von» Bezirks- ausschuß abgeiviesen. Das Gericht»ah»» an, daß die Tanzninsik die Kirchgänger beim Eintritt und beim Verlassen der Kirche stören könne und daß eine Störung der öffentlichen Ruhe zu befürchten wäre. Das Ober-Verivaltungsgericht hob die Entscheidung des Bezirksausschusses auf und erkannte zu giinsten des Gastivirths. Der Senat erklärte unter anderen» das Verhalte» der Polizei deshalb sür verfehlt,»veil in Magdeburg«ach einer Bekanntmachung des Polizeipräsidiums die Stunden von 9 bis 11 Uhr vonnittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags an Sonn- und Festtagen als die Zeit des Gottes- dienstes anzusehen sind, nicht aber die hier strittige Stunde. Es fände auch nicht§ 167 des Strafgesetzbuches Anwendung, da es sich nicht nu» eine vorsätzliche Beeinträchtigung des Gottesdienstes handele und andere gesetzliche Bestimmungen rechtfertigten die Be- schränkung ebenfalls nicht! Eine Verordnung a«S dem Jahre 1690 sollte eine Frau Griindaum dadurch verletzt haben, daß sie an» Sonntage einen Schuldner mahnte. Diese sogenannte Jsenburger Verordnung be- stimmt nämlich, daß an» Sonntage das„Einnehmen" von Schulden verboten sei. Die Verordnung bedroht auch mit Strafe den, der nicht regelmäßig die Kirche besucht. Frau Grünbaum ist that- sächlich von, Schöffengericht und vom Landgericht zu einer Geld- strafe verurtheilt»vorden. das Kammergericht hob jedoch die Vor- enlscheidunge» auf und sprach die Angeklagte frei. Der Strafsenat »ahm an, daß die Verordnung nicht mehr zu Recht bestehe. Depepchen und letzte Machrichken. Flensburg, Mai.(W. T. B.) Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports bezw.»vege» Herbeiführung eines Zusammen» stoßes z,veier Züge auf der nordschleswigsche» Weiche an, 2. Januar. durch»velchen fünf Wagen zertrümmert, mehrere Pferde getödtet u»d verivundet wurde», sind ein Stationsassistent und ei» Lokomotiv- sührer von der ersten Strafkammer zu je 3 Tagen Gefängniß ver- urlheilt»vorden. Frankfurt a. M., 3. Mai.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Zürich: Der vielgeuannte schiveizerische Ingenieur Jlg »vnrde von Menelik zum ersten Minister und Staatsrath ernannt. Der Franzose Lagarde, päpstlicher Gras, wurde zum Herzog von Antolto erhoben. Ferner wurden noch»nchrere Franzosen aus- gezeichnet. Frankfurt a. M., 3. Mai.vahrten vollkommene Ruhe. A»»» Abend drei stark besuchte Versammlungen, etiva 800 Besucher. In B ü»de stellte,»vege» Mangels eines größeren Lokals, ei» Parteigenosse seine Scheune z» einer Versammlung zur Verfügung; die Bescheinignug der Anmeldung»vurde jedoch versagt Nun »vurde die Versammlung für das uns zlir Verfügung stehende Wirths- Hans angemeldet, worauf die Bescheinigung ertheilt wurde. Aus B a r in e n wird uns geschrieben: Die Feier am 1. Mai verlief nicht so gut, als»vir gehofft hatten, denn es regnete Bindfäden. Die Vormittagsversanunlung»var nur von 80 Personen besucht, am Ausflug nachmittags nahmen 200 Per- sone» tbeil; die drei Versammlungen am Abend»vare» auch nur mäßig besucht. Aus Solingen theilt man uns mit: Trotz der höchst ungünstige» Witterung am 1. Mai ver- sammelten sich die Parteigenossen von Solingen, Höhscheid, Ohligs und Wald zahlreich an den verschiedenen Treffpunkte», »»in von diesen aus»ach dem geineinsamen Ziele, der roniantifch gelegenen Schivanenmühle in» äußersten Winkel von Höhscheid, zu marschiren. Abends wurde der Rückmarsch nach Ohligs angetreten, wo in einer Volksversammlung Genosse Härder über den Acht- stundentag referirte. Am Sonntag wurden in Solingen, Ohligs und Wald große Festversammlungen abgehalten. Gräfrath. Der Ausflug an, I. Mai litt unter der Ungunst der Witterung, iinmerhin betrug die Zahl der Theilnehmer zirka 30. Die Versammlung am Abend»var gut besucht. Provinz Hessen-Nassau und Großherzoathnm Hessen. B o ck e» h e i»n b. Frankfurt a. M. Früh Verfammluiig, 120 Theilnehmer, Referent I. B r a n d; Abendversannnlung 300 Theilnehmer, Referent I. Beckmann. Beim Volksfest an» Sonntag hat das Polizeipräsidium das Tanzen verboten. Wiesbaden. Am Vor- mittag eine Versammlung Nlit Referat des Genossen Quarck, die von über hundert Feiernden besucht»var. Annahme der Frankfurter Resolution. Nachmittags Aussiug der Feieinden unter ständiger Begleitung von zivei Geheimpolizisten, die nach Hause gehe» mußten, ohne etivas verdient zu haben. Abends überfüllte, von zirka 600 Proletarier» und ihre» Familien besuchte Versamm- lung mit Referat Bau m a n n- Frankfurt a.M. und ihedervorträgen. Biebrich. Abends Versammlung mit Referat Qua rck's, von ca. 200 Männer» und Frauen besucht, Annahme der Frankfurter Niesolutio». H ö ch st a. M. Zirka 30 Mann, meist Tischler, ließen die Arbeil ruhe». Abends stark besuchte Volksversammlung, Reichstags- Abgeordneter B r ü h n e ans Frankfurt a. M. hielt den Vortrag. Sonntag»var ein Volksfest. Auch in dein Dorfe Kelkheim i», Taunus feierten 25 Tischler; sie kamen morgens zu- sammen,»»»teruahnien mittags einen Ausflug und be- theiligten sich abends a» der Versannnlung in Höchst a. M. M ü h l- heim a. M. Imposanter Verlaus der Abendversamuilung, 200 Theilnehmer; Landtags- Abgeordneter R a u e hielt den Vortrag. Behördlicherseils»varen ainvescnd ei» Polizeikommissar, ei» Gendarm und ein Polizeidiener. Mainz. Die fünf Versamm- lange» ain Abend»varen gut besucht. Am Sonntag»vurde» in der Nordhalle ein großes Volksfest abgehalten. Dr. David referirte. Kastel a Rh. Versannnlung sehr stark besucht. Arbeitsruhe gering, woran der Sonnabend schuld»var. In K o st h e i n», Weisenau, Bretzenheim. Mombach und andere» Orte»»vurde ebeufalls in Versammlungen für die Forderungen der Arbeiter demonstrirt. Provi>»z Sachse»«. Mühlberg. Morgens Ausflug'von 25 Ge- nossen, abends Versammlung vo» 60 Personen; Referent Gorgas ans Magdeburg. Egeln. Kein Lokal. Abends Versammlung in einer Privativohnung; ca. 60 Theilnehmer. S t a ß f u r t. Imposante Versammlung am Abend. Referat Kcßler's aus Berlin mit großer Begeisterung aufgenommen. Schkeuditz. Arbeilsruhe ge- ring, Abendversauimlung mäßig besucht; Referent Laube auS Leipzig. Sonntag Ausflug»ach Wehlitz, Betheiligung ge- ring. Aschersleben. Eine Anzahl Genossen ließen die Arbeit ruhen. Der Versammlung am Abend(mit A. H o f f n» a n n aus Berlin als Referenten)»var von 200 Personen be- sucht. Mehrere Uniernehmer ließen an» Abend arbeiten, um ihr Personal vom Besuch der Versamnilung abzuhalten. Hall« a. S. Ein starker Bruchtheil der Parteigenossen feierte den Maitag auch durch Arbeilsruhe, allen voran die Tischler. Bei der Vormittags- Versammlung»var der Andrang außerordentlich. Nach dem Referat des Genoffen Fritz Kunert»vurde ein Aus- flug nach dem im Saalkreise gelegenen Diemitz unternommen. Ueberall herrschte eine zuversichtliche Stimmung und freudige Begeisternng. Burg b. Magdeburg. Betheiligiuig bedeutend stärker als in den früheren Jahren. Vormittags fanden sich zirka 250 Arbeiter und Arbeiterinnen zusammen(früher war die höchste Zahl 80). Bei der Abendfeier»var der Besuch so stark, daß viele keinen Platz bekamen. In O st e r w i e ck am Harz»vurde der 1. Mai am Nachmittag durch einen Ausflug gefeiert,»vährend an, Abend eine Versammlung»nit Thealeraufführung arrangirt»var. In Mühl hau sei, i. Th.»var die Berjaminlung am Mittag sehr gut besucht. Den Vortrag hielt Holzapfel aus Nordhausen. Das Konzert am Nachniiltag und Abend ging vor überfüllten» Lokal vor sich. Viele mußte»»vegen Platzmaugels umkehren. In Tangermünde wurde an» Vormittag»vie am Abend eine Ver- sammlung abgehalten. Letztere»var überfüllt. Delitzsch. Früh Ausflug von 100 Personen,»achmitlags Konzert 200 Personen, abends Versammlung 300 Personen. Imposanter Verlauf. Ueber den Verlauf der Maiseier in Magdeburg ging unS eine ausführliche Schilderung zu, die die gestrige Mittheilung zum theil berichtigt. Es»varen geplant eine Frühversainmlung, nach- »niltags ein geselliges Beisammensein derjenigen Personen, die die Arbeil ruhen lassen konnte», und vier Versammlungen abends. Die Frühversammlung fand im Lokal Drei-Kaifer-Bund statt. In, Saal und in den Nebenräumen daselbst waren insgesannnt 1400 Personen ainvesend(die stärkste Betheiligung seit 1890). Die Maurer und Bauarbeiter, die insgesammt feierten, fanden leider kein Unterkommen, da das Lokal sich als zu klein erivies; sie hatte» sich in ihren Ver- sammlungslokalen aufgehalten, die Festrede hielt Gen. Schmid: es herrschte große Begeisterung. Die Versammlung verlief ruhig und glalt. Nach Schluß derselben versperrte die Polizei den Ausweg. Nur je 10 Personen konnten i» bestimmte» Zwischenräumen das Lokal ver- lasse». Sobald die Personen geschlossen den von der Polizei vor« gezeichneten Weg beschritten,»vurden sie durch berittene Schutzleute auseinandergefpreugt. Alle nach der Mitte der Stadt zuführenden Wege»varen polizeilich abgesperrt— über 100 Schuhleute»vare», im Dienst, sogar Unteroffiziere verrichteten zum theil Polizeidienste. Durch diese Maßregel»var der Abzug der Versainnilungsbesncher sehr erschwert. ES herrschte eine ungeheuere Erbitterung. Einmal »vurde die Schutzmannskctte durchbrochen. Doch»tnbarm herzig drängte die Polizei die Versammlungsbesucher zurück, dazwischen ertönte das Geschrei der Weiber und Kinder, die zulveilen dein Ausgang des Versammlungslokals zudrängten. Blank gezogen habe» die Polizisten nicht, aber allch diese höchst sonder« baren Maßnahmen waren höchst überflüssig. Nur dem Eingreifen bekannter Genossen, der Disziplin und Manneszucht der Theil» nehmer ist es zu danke», daß nicht ernstere Szenen sich ereigneten. Nach Verlauf einer Stunde»var das Lokal erst geleert. Die Fuß» steige standen voll Neugierige, die Fenster»varen überall besetzt. eine bessere Agitation konnten»vir uns gar nicht denken. Unsere Genosse» und Genossinnen ließe» sich aber ihre Maistimmung nicht railben. Ungeheuere Heiterkeit rief die Absperrung vieler Straße» hervor. Auch mußten die Pferdebahnivagen anhalten, die Mai- demonftrante» aufgenommen hatten. Für die Kondukteure eine schwere Aufgabe, die„Rotte" von den Bürger» zu trenne». Doch es ging. Wer verschmitzt über den genialen Einsall der Polizei lachte, mußte auS- steigen— er»var verdächtig, der Rotte vaterlandsloser Gesellen anzugehören. Doch alle diese Hindernisse wurden spielend über- »vunden. Von Mittag an bliebe» ca. 2000 Personen in Friedrichs« lust,»voselbft Konzerl stattfand. Die Versammlungen am Abend waren überfüllt. Große Lokale stehen uns nicht zur Verfügung, »veshalb nur ca. 6000 Personen sich versammeln konnten. Immerhin ein ungeheurer Forlschritt gegen das Vorjahr. In den Abendver« sammlungen sprachen die Genossen Bartels, Gärtner, Klees und Schmidt. Das Gesammlbild ist ein für uns hochersreuliches. Königreich Sachsen. Meißen-Cölln. Znsanunenknnst an» Morgen schwach besucht; abends Kommers in 2 Lokalen mit H e i n k e aus Dresden als Referenten. Beiheiligung 7—800 Per- sonen. Ain Sonntag Partie»ach Weinböhla. Penig. Bethcili gung an der Abendfestlichkeit 4—500 Personen. Referent A. G a s ch. M e e r a n e. Der Ausflug»ach Gesa»» am Nachmittag durch Regen- »vetter beeinträchtigt; abends zivei überfüllte Versammlungen; Friedrich Geyer aus Leipzig hielt den Vortrag. Am Sonntag»var Nachfeier. O e l s n i tz i. V. Die Maifeier gestaltete sich hier zu einen»»virklichen Volksfest. Die Versammlung an» Abend»vac von zirka 1000 Personen besucht. Franz Hof»» an», aus Chemnitz hielt die Festrede. R o d e w i s ch. Maifeier un- möglich, da bereitsseit 5 Jahren kein Lokal vorhanden und da die Arbeiter, selbst solche, die sich Sozialdeinokraten»ennen, sich z»» energischer Wahrnehmung ihrer gemeinsamen Interessen nicht er« mannen»vollen. Wegen Mangels eines Lokals»ind»vegen zu ge» »värtigender Maßregelung mußten die Arbeiter von Brunn« Döbra auf die Abhaltung einer eigenen Maifeier verzichte» und besuchten die Maiseiern der Genossen von Falkenstein und von Graslitz in Böhme». Hartha. 200 Man» feierten an» Tage. Der Kommers am Abend ivnrde verboten, weil>»vie uns geschrieben»vird— die Arbeiterschaft an diesem Tage ohnehin schon aufgeregt sei und durch die geplanten Ansprachen sollte» tue Arbeiter zu Gesetzesübertretungen aufgefordert»Verden; sern.r »vürden durch die Aufführung eines lebenden BildeS re» volutionäre Abzeichen verherrlicht»verde» und das»väre in einen» moralische» Staate unsittlich. Endlich wäre es erwiesen, daß die ordnungsfeindlichen Elemente in Hartha innner mehr über- Hand nähmen, somit bestehe kein Zweifel, daß die staatlichen Sicher- heitsorgane durchaus zur Ausrechterhaltung der Ordnung nicht hin- reichen»oürden. Hartha hat bei 4000 Einwohnern 1 Gendarm, l Wachtlueister nnd 2 Polizisten, entschieden zu wenig, bei so eii,en» »vilden Völkchen, wie die Harthaer nach diesen» Verbote sind. Aber trotz des Verbotes»var die Betheiligung am Tage desto größer. 3 Fabriken feierte» ganz, 2 theilweise. Waldenburg. Die Versammlung in UhlZdorf, wo Reichs- tags-Abgeordneter Friedrich Geyer aus Leipzig referirte,»var von ca. 700 Personen besucht. Die Stimmung»var begeistert.- Z>v i ck a i». Versammlung an» Morgen von 520 Personen besucht. Referent Reichstags-Abgeordneter Förster aus Hambnrg. Bein» Konzert an, Nachmittag betrug die Theilnehmer- zahl mehrere Hundert. Abends war in zivei Sälen Kommers. Theilnehmerzahl 2000. Die Feier verlief auS, gezeichnet und»var viel inlposantcr als die srühere». Tic Steinmetzen ließen eininüthig die Arbeit ruhen. Am Abend des 30. April und am 1. Mai morgens»varen in Zivickau Stadt und Land 15 000 Agitationsnummer» deS Parteiorgans„Sachs. Volksblatt" verbreitet worden. Pirna. Auf sämmtlichen Steinmetzpläyen und in den zwei am Platze befindlichen Zigarrenfadriken ruhte die Arbeit. Der gemeinsam» Ausflug nach Graupa»var von der Amtshauptinannschaft unv dem Sladlrath verboten»vorden, woraus die Arbeiter sich aus verschiebe»»-»« Wegen vereinzelt nach jenen, Ort begaben, wo dann 4—500 Personeil zusannnentrafen. Bei den Kommerse», die in Pirna, Groß-Gruupen und Neuendorf angemeldet»varen, verboten die Behörden die Fest- rede,»veil bei der Anmeldung deren Zweck nicht angegeben worden war. Die Kvimnerse waren überull sehr stark besucht. In Johann« georgenstadt im Erzgebirge unternahmen trotz ver ungünstige»» Witterung am Nachmittag des I. Mai zirka 150 Personen einen Ausflug. Abends fanden sich die Genossen nnd deren Angehörige bei einer musikalischen Abendunierhaltung zusammen. In dein eine Stunde von hier entfernten Ort Platten in Böhmen war die Maifeier besonders großartig: am Vorabend war Zapfenstreich und früh den 1. Mai Reveille, da»» großer Umzug uiil Musik,»voran sich die dort stark vertretenen Handschuhmacher,»velche alle organisirt sind, in Zylinderhut nnd d»»», klein Anzug betheiligten. Aus Leipzig»vird uns geschrieben: Die Maifeier»vurde in dicseu» Jahre insofern etivas anders arrangirt, als früh die Gewerk- schafte» in gesonderten Lokalen ihre Mitglieder gesaunnclt hatten und ge« meinsam dann auf der ivestlichen Seite des Pronienadenwegeszusamnien» trafen. Bon hier aus bewegten sich dann etiva 3000 Personen durch die Hauptgeschäftsstraßen von Leipzig- Altstadt nach Stötteritz. Die Betheiligung»var die stärkste, die bis jetzt zu verzeichnen war und das rrotz der Allsstellung, trotz des Sonnabends und deS regnerischen Wetters. Die Polizei»nachte sich sehr bemerkbar. J» Stötteritz mögen am Vormittag gegen 10 000 Personen»vährend der Rede des Genossen Jgnaz Auer in der Halle und in, Garten geivesen sei». In den 25 i» Leipzig und nächster Uingedung abends abgehaltenen Versammlungen mochten sich gegen 23 000 Personen zusaminengefunde» haben. Die Polizei eiufernte widerrechtlich ein« roth und»v e i ß e Fahne, die zur Maifeier herausgehangcn war. Thiiringelt. WalterShaufen. ArbeitSrnhe hier n»f ab- sehbare Zeit nicht durchführbar. Abendfeier von 4—500 Personen besucht, Verlauf nmsterhaft; Referent Schauder auS Ohrdruf. Koburg. Abends am 1. Mai Versammlung, Referent Karl Klötzel von hier. Am 2. Mai Ausflug mit Mnfil. am 9. Mai Ge- werlschaftsfest. Weimar. 80Parteigenossen unternahmen eine» Aus- flug nach Tiefnrth; trotz des strömenden Regens ließen sich's 16 Gendarmen nicht verdrießen, den 80 Sozi auf der Partie ihren Schutz angedeihen zu lassen. Die Abendversanimlnng in Weimar war von mekr als 800 Personen besucht; de» Vortrag hielt Michaelis aus Erfurt. Greiz. Trotz der ungünstigen Witterung war die Versammlung, in der Reichstags-Abgeordneter Förster aus Haniburg sprach, sehr zahlreich besucht. Altenburg. Die diesjährige Maifeier war imposanter als ihre Vorgängerinnen. In den große» Fabriken ruhte die Arbeit während der Vormittagsversamnilnng, in vier Fabriken den ganzen Tag. Die Versammlung, wo Frau Greiffenberg aus Berlin referirte, war üüerfüstt, und lauschten die Genossen an den geöffneten Fenstern ihren Worten— bis dieselben aus An- ordnnng der Polizei geschlossen werden mußten. Der Kommers am Abend, der im größten Lokale der Stadt abgehalten wnrde, war gleichfalls überfüllt. Ebenso die Abendversammlung in dem be- nnchbarten Dorfe Nobitz. In Ronneburg wnrde ein für den 2. Mai geplanter Aufzug wegen„Gefährdung" der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht gestattet.— S o n n e b e r g. 50 Personen, meist Tagelöhner und hansindustrieve Arbeiter, ließen die Arbeil ruhen. An der Abendversammlung, wo W e h d e r referirte. nahmen 200 Personen theil. Die Hauplfeier wnrde mit Rücksicht auf die mißlichen Verhältnisse in der Spiel- waarenindustrie am Sonntag abgehalten. In I u d e n b a ch sprach vor 4— 500 Personen Reißhans ans Erfurt unter stürmischem Beifall. In Steinach wnrde der 1. Mai mit Reveille und Flintenschüssen festlich eingeleitet. Abend? war musikalische Abendunterhaltung, verbunden mit Ansprachen. Die Mitglieder des Porzellanarbeiter-Verbandes in Hüttensteinach hatten auf den 1. Mai abends eine Gewerkschasts- Versammlung einberufen, die von über 300 Personen, darunter viele» Arbeiterinnen, besucht war. Tie Ansprache hielt Rudolf Wächter. Im Bezirk Sonneberg prangten auf den tannen- umranschten Bergen stattliche rothe Banner. Die Maifestschrift, eine mit jedem Jahre immer mehr willkommene Festtagslektüre, wnrde in 1800 Exemplaren im Bezirk Sonneberg verbreitet. Jena. 60 Mann ließen die Arbeit vollständig ruhen, 30 theil- weise. Am Ausflug nach Kahla in SachsewAltenbnrg nahmen 60 Mann theil. Weil in dem Zuge eine rothe Fahne getragen worden fei» soll, verbot die Polizei i» Kahla die von den dortigen Genossen einberufene Volksversamrnluna. Am Rommers am Abend nahmen in Jena 500 Personen theil. Zeulenroda(Reuß ä. L.). Großartiger Verlans. An der Feier im Schützenhause betheiligte» sich gegen 800 Personen. Anhalt. Coswig. Der Ausflug am Morgen litt unter der denkbar schlechtesten Witterung. Nachmittag Umzug mit klingendem Spiel durch die Stadt nach dem Konzertlokal; Besuch zufrieden- stellend. Die Versammlung am Abend verlief in feierlicher Weise. Die Bern burger Parteigenossen feierten den 1. Mai durch Ans- flug am Morgen, Massenspaziergang mit Mailaternen durch die Stadt des Abends(an stelle des behördlicherseits verbotenen Um- zuges), sowie durch einen Kommers. Die Festrede hielt unter reichem Beifall Buchdrucker Albert Massini ans Berlin. Die Betheili- gung war gut, B r a u n s ch w e i g(Stadt). Trotz des ungünstigen Wetters ist die Maidemonstration durchaus gelungen. Am Morgen referirte Reichstags-Abgeordneter W i l h. Bios vor vollbesetzter Ver- fammlung, und dein, Konzert nachmittags und abends waren die beiden Lokale„Hosjäger" und„Weißes Roß" überfüllt; zusammen mögen 4000 Personen dort gewesen sein; viele fanden keine» Platz mehr. Baver«. Nürnberg. Vor zwei zahlreich besuchten Ver- sammlungen(zirka 2000 Theilnehmer) sprechen hier am Abend des 1. Mai Oehme und Segitz. In den Vororten wurden ebenfaUs Versammlungen abgehalten. Das Maifest am Sonntag mußte wegen des Regenwetters bis zum 9. Mai verschoben werden. I» Fürth war die Versammlung sehr stark besucht. Teil Vortrag hielt Oertel. Am Sonntag war Gartenfest; die Festrede hatte die Polizei nnter- sagt. In S ch n e y bei Lichtenfels sprach B r e d e r aus Nürnberg vor einer zahlreichen Versammlung. Würzburg. Arbeitsrnhe gering. Gut besuchte Volksversammlung am Abend des I. Mai, am 2. Mai Gartenfest; Festredner B e i ß w a n g e r. In Heidingsfeld früh Versammlung, abends Festlichkeit. Augsburg. Früh Ausflug bei geringer Betheilignng. Abends zwei sehr gut besuchte Volksversammlungen. Refe- reuten M a t t u t a t und Schnitzer. Am 2. Mai Fest. Neustadl(Rheinphalz). Arbeitsruhe größer als früher. Festver- sammlung gut besucht; Redner I. Stein. Kaiserslautern. Ueberfüllt« Volksversammlung am 1. Mai(500 Theilnehmer), Referent Stadtrath Klemer!. Am 2. Mai Ausflug. Franken- t h a l. Bedeutend größere Betheilignng als im vorigen Jahr. Das Festbankett am Abend war von 6—700 Personen besucht. Die An- spräche hielt S ch ö b. In M e m m i n g e n wurde am Abend des 1. Mai eine Versammlung abgehalten, woLepebne aus Augsburg sprach. Bayreuth. Stark besuchte Versammlung am 1. Mai; Frank aus Nürnberg referirte. Bad Reich«»hall. Vor zwei Jahren ließen 8 Mann die Arbeit ruhen, im Jahre 1896 16 bis 18 Mann und diesmal 30 Mann. Diese machten mittags einen Ans- flug nach Staufenbrück und hielten die Feier dort ab; ein durch- reisender organisirter Genoffe wurde dazu eingeladen. Die Sonntags- frier mußte verschoben werden, da uns die Lokale abgetrieben worden sind. Ein Manrer wurde wegen des 1. Mai gemäß- regelt. Württemberg. Wie groß die Fortschritte der Maifeier in Stuttgart sind, zeigt folgender Vergleich mit den früheren Jahre». Es ließen die Arbeit ruhen und besuchten die Versammlung am Morgen: im Jahr 1894 200 Personen, im Jahr 1895 400, im Jahre 1896 900 und diesmal 2000 Personen. Bade». Die Konstanzer Parteigenoffen hielten ihre Maiseier im benachbarten K r e u z l i n g e n i. d. Schwei, ab. da für Arbeiter- feste in Konstanz kein Lokal zu haben ist. Die Betheiligung war recht gut, es waren etwa 300 Genossen und Genossinnen versammelt. Das Referat hielt C r o h n e. F o r ch h e i m bei Karlsruhe. Gut besuchte Festlichkeit des WahlvereinS. vortrefflicher Verlauf. Laden- b n r g. Zirka 30Ma»nließen dieArbeitruhen. Der Ausflug mußte ivegen zu schlechten Welters unterbleiben. In der Volksversammlung am Abend, wo Wittich aus Mannheim sprach, waren zirka 200 Per- sonen anwesend. Villingen. Glänzender Verlauf. Theilnehmer- zahl 300. Freiburg. 8—400 Personen ließen die Arbeit ruhen; die Steinarbeiter feierten sämmtlich. ebenso das Personal der Hofmöbelfabrik bis aus 3 Man»; serner feierten die übrigen Holzarbeiter zum größten Theil. Die Festversamm- lnng war von 5—600 Personen besucht. Die Rede hielt Kreut er. Die Betheiligung wäre noch großartiger gewesen, wenn es nicht am 1. Mai von Mittag bis Abend ununterbrochen geregnet hätte. In Durlach haben 300 Arbeiter und Arbeiterinnen gefeiert. Die Bormittagsversammlung war gut besucht. Des Unwetters wegen konnte der Vorniittagsansflug nicht staltfinden. Nachmittags 2Uhr waren 500 Personen beim Konzerl anwesend; die von 1000 Personen bc- suchte Abendversammlung, in der K o l b- Karlsruhe sprach, verlies i» begeisterungsvoller Stimmung. Ans Grötzingen wird uns berichtet, daß 200 Arbeiter feierten. Abends hielt Genosse Geist in der„Kanne" eine packende Festrede; in bester Stimmung blieben die Genossen und Genossinnen bis morgens 3 Uhr beieinander. In Triberg ans dem badischen Schwarzivald wnrde vom Bezirksamtmann ein Verbot«rlaffe», wonach de» sozialdemokratischen Vereinen Versammlungen und Auszüge auf öffentlichen Straßen und Plätzen untersagt ist. In O s s e n b u r g und verschiedenen anderen Orten wurde ein Tanzverbot erlassen, wofür noch 3,80 M. Sporleln zu bezahlen waren. Elsaß-Sothrittgen. G t r a ß b u r g. Die Maifeier wurde hier am 2. Mai durch ein Fest in der West-Marklhalle begangen. Die Brtheiliguug betrug etwa 3000 Personen. Der Verlauf war glänzend. « Von unseren auswärtigen Korrespondenlen liegen noch folgende theils telegraphische, theils briefliche Mittheiluugeu vor: Oesterreich. Ans Prag wird uns unterm 2. d. M. geschrieben: Zur Feier des gestrigen Arbeiterfeiertages fand wie alljährlich auf der Schützeninsel Vormittag ein Riesenmeeting statt, ans welchem die Genosse» Dedic und Abgeordneter Steiner referirte». An diese imposante Volksversammlung schloß sich für den übrigen Theil des Tages ein von prächtigem Welter begünstigtes Volksfest, dessen Theiluehmerzahl sich auf ca. 40 000 belief. Der Reingewinn des Festes war für den Gründungsfonds des czechischen Tageblattes be- stimmt. Tausende von Menschen, geschmückt mit rothcn Nelke», sah man tagsüber in der Stadt und deren Vororten, während die Arbeit fast ausnahmslos ruhte. Von nationaler Seile war ein Gegenfest ans der Sophien-Jnsel in Szene gesetzt, dessen geradezu lächerlicher Verlauf neuerdings den Beweis lieferte, daß selbst hier, am klassischen Boden des nationalen Kampfes, sich die Arbeiter- chast vollständig von der nationalen Phrase emanzipirt hat. Schweiz. Ans Zürich meldet unser Korrespondent noch: Die Maifeier in der Schweiz gewinnt mit jedem Jahre an den größere» Orlen an Bedeutung und namentlich die ganz- und halbtägige Arbeilsruhe dehnt sich immer mehr aus. In vielleicht zehn Jahren ist der I. Mai zum allgemeinen Feiertag geworden. Interessant ist der Umschwung in der Gesinnung der Unternehmer. Mancher der Herren Fabrikanten und Gesellschastsdirektionen, welche »och im vorige» Jahre mit Entlassungen drohten oder solche auch wirklich ausführte», gaben dieses Jahr frei. So maßregelte im vorigen Jahre noch ein Schuhfabrikant i» Winterthur einen mai- feiernden Arbeiter. Gestern wnrde mittags der Betrieb eingestellt und die 150 Arbeiter konnten feiern. In Frauenfeld hat die Schuh- sabrik Brauchlin zum ersten Male ihren 500 Arbeitern und Ar- beiterinnen den ganzen Tag frei gegeben und ähnliche Forlschrilte sind in anderen Orten zu verzeichnen, so in Bern, Basel u. s.«. Frankreich. Ucber die Maifeier liege» u»ler anderem noch die folgende» vom 1. Mai dalirtcn Meldungen vor: I» Jvry, einer Vorstadt von Paris, die einen sozialistischen Gemeinderath besitzt, wnrde der heutige Tag festlich begangen. Kanonenschüsse verkündigten früh den Anbruch des Arbeiterfeiertags und am Abend wnrde» die Mairie und die Häuser illuminirt. In L y o» waren alle Truppen in ihren Kaserne» konstanirt, obgleich gar keine Veranlussung vorlag, Ruheslörnngen zu befürchten. Eine Anzahl vo» Fabriken, besonders die großen Färbe» eic» und die Apreluren feierte». Die Arbritgeber haben dort, um Konflikte zu vermeiden, schon seit niehreren Jahre» die Gewohnheit, am 1. Mai ihre Etablissements zu schließen. Belgien. Aus Brüssel meldet unser Korrespondent: Das Maifest ist von den belgischen Arbeitern in weit größerem Umfange gefeiert worden, als nach der kurzen aus bürgerlicher Quelle stammenden Depesche, die wir gestern brachten, erscheinen mochte. Ein für die letzte Nummer leider zu spät eingetroffenes Privattelegramm aus Brüssel meldet:„Die Slrbeitsruhe ist in weiterem Umfange durchgeführt, als in den Vorjahren. An dem Fackelzug am Abend des 1. Mai waren 20 000 Personen betheiligt." Ein bürgerliches Blatt„I-a Rskorme" schätzt die Zahl der Manifestirenden auf 30 000. Die Fackeln, bunten Lampions, die rothen Banner und die 300 Transparents, die mit Jnschrisle», wie„Hoch der Achtstundentag",„Raum für das schaffende Volk" versehen waren, gaben dem Znge. der sich über die großen Boulevards hin bewegte, ein feenhaftes Gepräg«. In C h a r I e r o i nahmen an dem Feslzuge gegen 10 000 Personen theil. Die Arbeiterviertel boten ein festliches Aussehen. Am ausgedehntesten war die Arbeits- ruhe im B o r i n a g e. In siinf Schächten bei Flenn ließen 1200 Bergleute die Arbeil ruhen. In Q» a r e g n o n war die Arbeitsrnhe allgemein, 4000 Bergleute feierten; im ganze» dürften nach de» Mittheilunge» des obengenannten bürgerliche» Blattes im B o r i n a g e 15 000 Bergleute den ganzen Tag gefeiert haben. In Lüttich, Gent, Antwerpen war die Betheilignng ebenfalls eine große; in allen größeren Städten haben Festzüge stattgefunden. Hollmid. Durch viele Versammlungen, demonstrative Maffenzüge und Festfeiern in großen VersammlungSräninen und Vereiuslokale» wnrde das Wellfest der Arbeit begangen, so vor allein in Haag, in Utrecht, Rotterdam, Amsterdam. Hanriem und im Wnischotencr Wahlkreise. Abgesehen von Amstervam, wo die Polizei den Jestziig zu störe» bemüht war, kam es zu keinerlei Differenzen.— Norwegen. Aus Christi an ia wird uns unterm 1. Mai geschrieben: Die Betheiligung an demDemonstrationsznge warbedeutend größer als in früheren Jahren. 60 Vereine mit Fahnen und Mnsik haben daran theilgenommen. Man sammelle sich auf„Aukertoivei", von wo aus— gegen 5 Uhr nachmittags— der Zug sich in Bewegung setzte. Unter den Klängen der zahlreichen Musikkapellen marscdirte man durch die Hauptstraßen der Stadt nach„Tnlinlölken"— einem großen freien Platz im Westen der Stadt. Hier hielten Kaufmann I e p p e s e n und Buchdrucker Knuds«» Ansprachen. Ersterer für de» Achtstnudenlag. letzterer für die Organisaliou der Arbeiter. Von 7 Uhr abends ab war großes Fest auf Tivoli. Reger Verkehr herrschte während des ganze» Tages in allen Straßen der Stadt. Es war eben Feiertag des Volkes. Serbien und Nnmäuien. AnS Belgrad meldet uns ia Ergänzung unserer gestrigen Depesche ein weiteres Telegramm: Am Sonntag baden wir unsere Maifeier abgehalten, welche von mehr als 3000 Genossen und Genossinnen besucht war. In Toptschider(einen» Park neben Belgrad), »vohin der Ausflug stattgefunden hat, ivollten wir eine öffeuttichr Volksversammlung abhalten. Die Polizei löste dieselbe aber auf. I» den Staatsbetrieben, in»velchen sonst an Sonntagen nie gearbeitet ivird, mußte diesmal den ganzen Tag gearbeitet»verde», nur»»in die Arbeiter von, Feste fernzuhalten. Das Maifest wnrde auch i» allen größeren Orischaflen Serbiens nnter zahlreicher Betheiligung und großer Begeisterung der Genossen gefeiert. Ans Galatz ivird uns telegrnphirt:„Die zur Maifeier ver- sammelte» Genossen senden brüderliche Grüße." Uoksles. Wilhelm Bnchholz, von dessen Verhaftllng wir in unserer Mitl,voch»i»i>mer berichtete,», ivlltde, nachdem die 8 Tage, für die ein amlsrichleilicher Haftbefehl reicht, abgelausen»vare», wieder in die deutsche Freiheit gesetzt. In der Choritce scheinen immer noch, trotz der gegentheiligen Behauptungen, niaucherle. Mißstände zu bestehen. Vo» Leser» unseres Blattes, die kürzlich als Patienten in der Stativ» 9 des genannte» Krankeiihauses längere Zeit zudringen ninßten, umd uns mitgetbeili, daß zwar die Art, wie die Aerzl« mit de» Kranken umgehen, volle Anerkennung verdiene, daß dagegen das Benehmen der Wärter der Slalivn 9 den Paliente» zu vielsacken Klage» Vera»- lasinng giebt. Die den Wärtern obliegende Reinigung des Saales und der dem tägliche» Gebrauch der Kranke» dienende», Gegenstände muß zum größte» Theil von den Patienten, sou'eit sie dazu sähig sind, selbst besorgt»verdeu. Der Fußboden ward zwar peinlich sauber gehalten, die Eßbestecke dagegen, soivie die Tische, auf welche die Kranke» auch Eßwaare», legen, solle» oft längere Zeit der„othwenbigen Reinigung entbehrt habe». Es »vird»ns berichtet, daß Tische und Bestecke derjenigen Patienten,»velche außer Stande waren, diese Gegenstände selber abzuwaschen, dreißig Tage hintereinander nicht ordenlltch gereinigt worden sind, was um so bedenklicher ist, als es sich hier um schwere Lungenkranke handelt.(Hier kann es sich»vohl doch mir»im ein Versehe» handeln. R. d. A.) Eine dieserhalb an den Oberivärter Senz am l. April gerichtete Beschwerde soll auch nicht sogleich den geivünschten Erfolg gehabt haben. Wenn ein Patient stirbt— so ivird»ns weiter mitgetheilt—»verde» seine Bettdecken, Kiffen und Matratzen zwar hinausgetragen, aber nicht etiva deS- infizirt oder gereinigt, sondern, nachdem sie einige Stunden aus dem Korridor gelegen haben, nur frisch nberzogen und»viedcr in Gebrauch genommen. Auch die Art, ivie die Wärter mit de» Kranken um- gehen, soll»»»cht immer besonders höflich sein. Was uns über unzureichende oder mangelhaft zugerichtete Speise» be- richtet wird, übergehen»vir,»veil dies vielleicht mehr eine Sache des Geschmacks»st, und sich über Geschmackssachen bekannllich nicht streiten läßt. Bedenklich scheint es uns aber, daß die Patienten der genannten Station, mögen sie komme»»,»voher sie »vollen, bei ihrer Ausnahme nicht einmal gebadet werde» sollen wahrscheinlich, weil es a» ausreichenden Bade-Einrichtnngen fehlt. Beschwerden bei dem Inspektor Vogel haben sellen Erfolg. Gegen- über diesen, uns glanbivürdig berichtete» Klagen wäre es»vohl ivünschensiverth. daß man a» zuständiger Stelle aus Beseitigung der angeführten Mißstände bedacht nähme. Die von fromme« Agitatoren betriebene Seelenrcttnng erstreckt sich znr Zeil auch ailf solche Personen, die der Behörde ihren Austritt aus der Landeskirche angezeigt haben. Ein drastischer Fall passirte kürzlich einen» Parteigenossen in der Lindowerstraße. Klopfte da ein gotlessiirch liger Bruder bei den» Vater des Genosscn an, wie er es den» zugeben könne, daß sein Sproß der Kirche den Rücken kehre, und»vi« es denn»verde» solle, ivenn alle Leute es so machen»vollten. Während diese sanfte Ermahnung vor sich ging, kam der Sohn ins Zimmer, um ein»venig an der Debatte theilznnehmen. AlZ dann noch die lOjährige Tochter mit de»,„Vorwärts" in der Hand hinzutrat und gleichfalls erklärte, daß sie nächstens aus der Kirche austreten»verde, »vurde der gute Mann»vüthend und meinte, wenn die Sache in der Familie so stände, sei es wirklich schon besser, sich von der Religio» abzuwenden. Bedanerlicheriveise»vurde das Schimpfen des kirch- liche« Agitators schließlich so arg, daß man ihm deutlich zeigen mußte,»vo der Zimmermann das Loch gelassen halte. Nach einem hiesigen Blatte wollen sich auch die Berliner Freisinnigen ihr Theil in gegossener Hohenzollmibegeislerung leisten. Sowohl die Schönhauser Vorstadt»vie die Luisenstadl kriegt ein Standbild auf Kosten der patiiolischen Bürge»schaft. Selbstversiäud- lich»vird es eins für Kaiser Friedrich. An solche» niedlichen Zügen sieht man, daß ein quanlitativer Unterschied zwischen Frei- st»» und reaktionären» Lakaienthnn» eigentlich kaum besteht,»venu auch zugegeben»Verden soll, daß bezüglich der Qualität der fürst- liche», Aerehrungsgegenstände der Freisinn andere Neig>l»gen als die znr Zeit übliche» hat. Tic Furcht vor der Sozialdemokratie. Ein Verlangen, das »vohl sehr schiver Befriedigung sinde»»vird, siellte dieser Tage ein Herr A. Nonnenburg in Graudeuz an einen Tischler in Berlin, den er zur Errichtung und Leitung eines Fabrikbetriebes gegen baare 24 M. Wochenlohn engagire»»rollte. Der Herr schrieb an den be- treffenden Herrn»»'örtlich: Ich mache es mir zur Bedingung, daß Sie kein Sozialdemokrat fein dürfen; sollte dieses der Fall sein, so l ö s e ich sofort das Verhällniß. Ter gute Herr Nonnenburg scheint die Berliner Arbeiter schlecht zu kennen. AlS freie HilfSkaffe»st vom Polizeipräsidium die Kranken- Zuschußkaffe„Volksivohl" unter dem 10. April d. I genehmigt »vorden. Das Riesenfernrohr in Treptow ist seit Donnerstag eröffnet: da» astronomische Museuin sieht den» Pnbliluv» von 2—8 Uhr gegen ein Eintrittsgeld von 20 Pf. offen, wofür auch die Konstruktion und Bewegung des Riesenrohres erläutert und gezeigt wirb. Gegen ein Entree von weitere» 30 Pf. ist man auch berechtigt, den im Saale stattfindenden Projeltionsvor- trägen mit Lichtbildern beizuwohnen. Ein Blick durch das Instrument selbst, daS bei schönem Wetter auf die gerade sichtbaren Planeten, sowie auf den Mond gerichtet wird, oder das am Tage ein Bild der Sonne enttvirft, ist gegen daö Opfer einer Mark jedem gestattet. Vereinen ivird das Museum und das Fernrohr gegen ein er- mäßigtes Eintrittsgeld gezeigt»verde»; doch ist eine vorherige Anmeldung bei der Verwaltung in Treptow nothwendig. Bon Kießling's Berliner Verkehr, dem bekannten Kursbuch, ist die Sommeransgade erschienen. Die nach den Bahnen übersichtlich ge- ordneten Eifenbahn-Fahrpläne sind derartig erweitert, daß sie nicht nur ftir Touren in der Mark Brandenburg, sondern auch für weitere Reisen ausreichen; die Fahrpläne der Pferdebahnen, Omnibusse, Dampfstraheu-, elcltrischen Babnen und Danipfschiffc weisen auf einer großen Zahl von Linien wesentliche Kurs- und Tarisänderungcn nach. Eine Ergänzung zu dem Büchlein ist„Kießling's Taschenplan von Berlin"(kleine Ausgabe 20 Pf., große Ausgabe 30 Pf.). Wie der Schiller im Sinne d«S Meisters wirkt. Das „Bert. Tagebl." meldet:„Eme Aussehen erregend« Verhaftung wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit wurde vorgestern am diesigen Bahnhos Gesnudbrnnne» vorgcnon»»«». Verhaftet»vurde ein Passagier der ersten Wagenklasse, der von Kopenhagen nach Berlin reiste und dem zur Last gelegt wird, unterwegs das Verbrechen der Nolhzucht begangen zu haben. Wie verlautet, handelt es sich um den als eifrigen Anhiiuger vo» Dr. Peters bekannte» Dr. Jahn. Zu der Verhastung erfahren wir, daß Dr. Jahn aus Antrag keines Veilheidigers gegen eine Kaulion von 40 000 M. ans freien Fuß gesetzt»vorden ist. Als während des Septemberkurses hier einige Redakteure des„Vo>wärls" plötzlich»vegen angeblicher Majestätsbeleidigung in Unte»suchll»gshast genommen wurde», war es nicht möglich, sie gegen Kantion aus dem Gejängniß herauszu- kriege». -Ueber den Mciinouiteu Tröhler, der sich bekanntlich auf Wind seines öletigionsbekenntniffes geivelgert hat, beim Militär Mienst mit der Waffe zu venichien»nid dafür schwere Strafen ver- büßeil»miß, schreibt man dem„Schwäbischen Merkur" aus Mül- Hanse» i. E.:„Des öfteren habe» die Zeitilnge» vo» dem elsässischen Soldaten Gotilieb Tröhler berichtet, der»viederholt zu längeren Freiheitsstrasen veruriheilt wurde,»veil er sich beharrlich»veigerte, Waffen zu berühren,»nd der daher auch nicht zum Waffeiidiciiste ausgebildet»verde»» konnte. Dieser Tage besuchte ich die in der Barsüßerstraße hier ivohnende Familie des Tröhler.»velche in ärinlichen, aber durchaus geordneten Verhältnissen lebt. Eine Schwester ist infolge eines Falles krüppelhasl. die 62jährige Btntter seit Jabren kränklich. Der Vater ist 67 Jahre alt; er geht seit dem 3. Lebensjahre an zivei Krücken niid ist vollständig arbeitsunfähig. Unter Anführung zahlreicher Bibelsiellei» suchte er mir den Nacknveis zu führen, daß die Gemeinde Jesu Christi,»velcher er angehöre, mit recht den Waffendienst, als den» Worte Gottes»vidersprcchend, veriverse; das Gebot der Stächstenliebe verbiete es schon, die Mit- mensche i, z u beleidigen, noch mehr aber sie zu verletzen oder gar zu tödten. Sein Eodil sei nun, weil er bei» Worte Gottes treu geblieben sei, schon im dritten Jahr im F e st u n g s g e f ä n g n i ß zu Spandau,»vo er mit Schneiderei beschäftigt»veide. Zivei Gnadengesuchs seien ohne Erfolg geblieben. Wenn seine Strafzeil nn» sei,»verde sich»vahrscheinlich das gleiche»viederhole»: Waffendienstverit'eigerung und Verurlheilung zu längerer Freiheits« strafe. Wie das enden»verde, sei nicht abzilsehen u. f. iv. Ich habe bei dem Besuche der durchaus rechtschaffenen, von religio,.»» Ueberzeugungen durchdrungenen und von Knnnner nieder- gedrückte» Familie den Eindruck gewonnen, daß es wünschen?- werih wäre, wenn tu dem hier vielbesprochene», Falle, in welche»! es sich ohne Ziveifel nicht um Bösivilligkeit, sonder»»im Gewissens- bediängniß handelt, ein Ausweg gefunden»verde» könnte, z. B. dadurch, daß der jrnige Mann seine Militärzeit als Mililärhandiverkcr oder im Lazarethdienft abdienen darf." Ter Fall des Mennoniten Tröhler ist zu» Cbarakleristik des Reiches der Gottesfurcht»ino frommen Sitte überaus interessant. Zeigt er doch deutlich, haß nur die Religio,» für stantserbaltend erachtet»vird. die nicht dfe Drei» einigkeil Infanterie, Kavallerie und Artillerie negirt. zr ®et Redaktenr Tchlefinger. Wir haben kürzlich nach der .Post" die Nachricht gebracht, daß der Schriftsteller Schlesinger, Redakteur der„Germania", nach erfolgler Bernrtheilung seitens eines preußischen Gerichtshofes als Ausländer— Schlesinger ist geborener Ungar— von der Polizeibehörde ausgewiesen worden sei. Mit bezug hierauf theilt die Redaktion der „Germania" mit, daß eine Ausweisungsordre noch nicht er- gangen ist, da eingezogenen Erkundigungen zufolge das königl. Polizei-Präsidium noch ohne Kenntniß des Urlheils und der Akten ist. Herr Schlesinger sei vor Eintritt in die Redaktion der„Germania" vor bereits zehn Jahren in den Rheinlanden als Redakteur thätig gewesen, weswegen man bei seinem hiesigen Engagement sein deutsches Jndigenat vorausgesetzt habe. Am 13. Februar er. sei Herr Schlesinger, der als Feuilleton- und nicht als politischer Redakteur engagirt war. aus der Redaktion der „Germania" ausgeschieden. Von der Kouimanditgcsellschaft Lehmann n. Mann erhalten wir eine Zuschrift, in der mitgetheill wird, daß die in unserem am 27. April veröffent lichten Artikel„Moderne Bleikammer»" gerügte» Mißstände auf ihre Akkumulatoreufabrik in Grünau nicht zutreffen. Der niedrigste Stundenlohn betrage nicht 22'\2 Pf., sondern 23 Pf., der Durchschnitlslohu fei über 30 Pf. Wöchentliche Arbeils- zeiten von 90 bis 100 Stunden seien nicht vorgekommen; auch würde» in ihrer Fabrik die Mahlzeiten nicht i» den Arbeitsräumen eingenommen. Ferner diene der Arbeitsranm nicht als Ankleide- räum. I» ihrer Fabrik seien alle denkbaren Vorrichtungen zum Schutze der Arbeiter getroffen. Wir halten in dem Artikel über die Firma Lehmann u. Mann nur insoweit bestimmlere Angabe» gebracht, als Arbeitszeit und Stundenlohn in betracht komme» und werden unsere Gewährsmänner in diesen Punkten um entsprechende Ausklärung ersuche». Im übrigen ist es wohl billig, daß eine Fabrik, die eine Ausnahme von de» im allgemeinen gerügten Mißständen macht, öffentlich als solche euoähiit wird. euo �Soi en."-«v S S lj�W7S d Das Befinden der Klavierlehrerin Marie Gerdes, die im Sommerlazareih der Charitee im Zimmer 1 liegt, ist den Umständen nach gut. Die Wunden im Gesicht und am linke» Arm sind zwar sehr tief, sodaß sie genäht werden mußten, die Heilung dürste aber einen guten Verlauf nehmen. Das traurige Schicksal des Fräulein Gerdes dürfte in gewiffe» Kreisen des liierarischen und künstlerischen Berlins tiefe Erregung hervorrufe». Zu den regelmäßige» Gästen der ehemaligen lite- rarischen Abende der Monatsschrift„Neue deutsche Rundschau", an denen u. a. die Schriftsteller Bruno Wille, I. H. Mackny, Wilhelm Bölsche, Julius und Heinrich Hart, vorüvergehend auch Gunnar Heiberg und die Maler Leistikow, Münch und Uri theil- nahmen, gehörte auch eine begabte junge Pianistin, die, ,vie die „W. a. M." mittheilt, insbesondere als tüchtige Kennerin der nor- dischen Literatur wie der norwegischen Sprache galt und mit ihren Chopin-Vorlrägen auch in der Neue» Freien Volksbühne hervortrat. Marie Gerdes genoß in genannte» Kreise» allgemeine Achtung und Sympathie, die man ihr jetzt, nachdem sie das Opfer eines brutalen Verhängnisses geworden, nicht entziehe» wird. Bemerkt sei noch, daß ein hiesiges Blatt den Muth gefunden hat, den tapferen Ein- jährig-Freiwilligen zu vertheidigen. Die Bismarck'schen„Neuesten Nachrichten" schreiben:„Die hieran geknüpfte Frage, ob Reibenstein über die Grenzen der Vertheidiguug hinausgegangen ist und die Nothwehr überschritten habe, erscheint sehr müßig. Wenn auf jemand geschossen wird, hat der Angegriffene ivohl mindestens das Siecht, sich ans jede Weise von seinem Angreifer zu befreie»."— Reibenstein und Bismarckblatt sind einander werth. Verschwunden ist seit einigen Tage» der am 8. Jnlj geborue Wilhelm Staats, der bei seinem Vater, dem Putzer Karl Staats in der Rostockerstraße 13 v. 3 Tr. wohnte. Der Per- schmundene ist 1,70 Meter groß, hat blondes Haar und blaue Augen und trägt einen graumelirten Anzug. Wer über den Verbleib des junge» Staats Auskunst zu geben vermag, wird gebeten, den Vater oder das nächste Polizeibureau zu benachrichtige». Tie Barbiere und Friseure des Ostens haben in ihrer am 80. April abgehaltenen Versammlung beschlossen, de» bei ihnen be- schäfligten Gehilfen infolge der Preiserhöhung für Rasiren eine» Lohnzuschlag von 20 pCt. zu bewilligen. Eiue Gasexplosion richtete gestern Mittag gegen 1 Uhr in dem Bronzeivaarengeschäsl von Winkler, Alte Jakobstr. 2, Ver- heerunge» an. Bei Untersuchung einer schadhaften Stelle im Haupt- rohr durch einen der im Lagerraum der Firma beschäftigten Arbeiter explodirte plötzlich das Gas mit gewaltiger Detonation. Der Ar- beiter wurde zu Boden geworfen und erlitt Verletzungen am Arm und am Kopfe. Die Decke wurde gleichfalls beschädigt. Die Fenster- scheiden nach dem Hofe sowie nach der Straße zu zersprangen unter lautem Knall. Glücklicherweise wurde durch die Glassplitter niemand ernstlich verletzt. Der Versuch, einen Eisenbahnzng anfznhalten, dürste vier jungen Leuten sehr ldcuer zu stehe» komme». I» der Nacht zum 1. d. M. hatten vier Anfang der zivanziger Jahre stehende Burschen aus den Geleisen der Steltiner Bahn a» her Badstraße Aufstellung genommen, um den letzten auf dieser Strecke verkehrenden Zug zum Anhalte» zu zwinge». Der Aufforderung des Barrierenbeanrte», sich zu entfernen, leisteten die vier nicht folge und setzten ihm sowie einem hiiizukommenden Schutzmann einen entschiedenen Widersland entgegen. Da der Zug in wenigen Minuten die Stelle passire» mußte, so war ein höchst energisches Eingreifen der Beamten noth- wendig und glücklicherweise erschien auch schon nach wenige Sekunden von der nahen Revierwache ein Aufgebot von fünf Schutzleute» unter Führung eines Wachlineisters, welche die Exzedenlen fest- nahmen._ Ans den Nachbarorten. Neber den Selbstmord zweier Schwester« wird aus EchlachUnsee folgendes gemeldet: Am Sonnabend Vormittag sah der Bootsmann Jordan«inen a»S dem Wasser hervorragende» menschlichen Kopf. Als I. sich in feinem Boote der Stelle näherte, bemerkte er zu seinem Entsetzen die Leichen von zwei weiblichen Personen. Die Tobten, die mit einem Strick zusammengebunden ivaren, wurden gelandet und nach der Leichenhalle in Zehlendorf gebracht. Nach den bei oen Leichen vorgefundenen Papiere» wnrden üe als die Geschwister Zogbaum aus Charloltenburg rekognoSzirt. Die beiden bl resp. 54 Jahre alten Damen, die uuverheiralhet waren, hatten mit ihrer achtzigjährigen Mutter, der verw. Frau Musikdirektor Z. zusammen zu Charlottenburg in der Spandauer. straße 2 gewohnt. Am Mittwoch voriger Woche war die alte Dame infolge Altersschwäche gestorben; der Tod ihrer Mutter ist den beiden Schwester» so»ah- gegangen, daß sie beschlossen, ihr z» folge». Am Freitag fuhren sie nach Schlachtensee, wo sie im See ihrem Leben ein Ende machten. Der Besuch der«anmbliithe in Werder war am Sonntag. infolge des gegen Mittag eingetretenen guten WelterS ganz bedentend. Nach oberflächlicher Schätzung haben gestern über 15 000 Personen, zu denen Berlin die Hauptmasse gestellt hatte, der märkische» Obst- kammer ihren Besuch abgestattet. Versammlungen. In der Generalversammlung des Wahlvereins für den dritten Reichötagswahlkreis, die am 27. April in der„Ressource" statlsand, machte der Vorsitzende Kräker zuvörderst Mitlheilung von dem Ableben des Mitgliedes Friedrich Töpfer. Kohlen- Händler. Adalbertstraße 21. und ehrte die Bersanunlung das An- denken desselben in der üblichen Weise. Alsdann sprach Dr Gustav Heymann üder daS Thema:„Wie ist für die Kuider des Volkes gesorgt?" Mittels amtlich- statistische» Zahlenmaterials führte Redner den Zuhörern zunächst die ungeheuere Kindersterblichkeit bei den ärmeren Klassen vor Augen, uui dann eingehend die Ursachen dieser erschreckenden Erscheinung zu untersuchen. Der Referent kam zu dem Schluß, daß sowohl Staat wie Kommune ihre Pflicht für bessere Sorge für die Proletarier- kinder in jeder Weise vernachlässigten, so daß einer späteren sozial- demokratischen Gesellschaftsordnung vorbehalten bleibt, auch in dieser Hinsicht erst menschenwürdige Zustände zu schaffen. Eine Diskussion des beifällig entgegengenommenen Vortrages fand nicht statt.— Wie Kräker in seinem Vorstandsbericht hervorhob, sind im letzten Vierteljahr dem Vereine 102 neue Mitglieder hinzugetreten und zählt derselbe jetzt über 000 Mitglieder. Immerhin steht diese Zahl noch bedeutend hinter der zurück, welche vor dem bekannte» „Köllerkoup" erreicht war.— Der von H a r n d t verlesene Kassen- bericht wies mit den» Bestände vom vorigen Jahre eine Einnahme von 853,42 M. aus. Verausgabt wurden 370,55 M. Von dem verbleibenden Ueberschnß(482.37 M.) wurden 330 M. dem Vor« stände zu Agitationszwecken überwiesen. Zuletzt wurde beschlossen, die Broschüre von M. Schippe!:„Die Währungsfrage je." zur unentgeltlichen Verlheilung an die Mitglieder gelangen z» lassen. Im„Sozialdemokratischen Verein Vorwärts" hielt am 27. April Genosse K a tz e n st e i n einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Verbesserung unserer Rasse und der Sozialismus. Im Verschiedene» brachte ein Mitglied zur Sprache, daß doch, wie be- kannt, die Parteigenossen der Schönhauser Vorstadt ihre Maifeier im Berliner Prater und im Puhlmann'sche» Lokal begehen. Trotzdem habe sich nun in der Schönhauser illllee ein Privatkomitee gebildet, welches eine Extra-Ma.ifeier im Schönhauser Volksgarten bei Mierke veranstalten wlll. Ein anwesendes Mitglied dieses Komitee's versuchte das zu rechtfertigen, wurde aber von verschiedenen Rednern dahin belehrt, daß es Pflicht eines jeden Parteigenossen ist, sich der Gesammlheit anznschließe» und nicht durch Zersplitterung die Ei»- heitlichkeit der Demonstration zu störe». Zum Schluß bedauerten Brinkmann und Are ndsee die geringe Betheiligung ander letzten Flugblattverbreitung und forderten die Parteigenossen auf, sich in Zukunft zahlreicher daran zn betheiligen. Tie Schriftgirßer und deren Hilfsarbeiter und Ar- beiteriuueu waren am Freitag sehr zahlreich versammelt, um über die Verhandlungen ihrer Kommission mit de» Prinzipalsvertretern Beschluß zu fassen. Gefordert wurde bekanntlich eine Lohnerhöhung sowie Verkürzung der neunstündigen Arbeitszeit auf acht Stunden. Wie aus den Ausführungen der Komniissions- Mitglieder hervorging, haben die Unternehmer einen eiuheit- liehen Akkord-Lohutarif für Gehilfen bewilligt. Derselbe ist in seinen Einzelheile» festgestellt und bedeutet im allgemeinen eine Erhöhung der bisher gezahlten Sätze, obgleich einzelne Positionen eine kleine Herabsetzung ersahreu haben. Von einer Auf- besserung der Löhne für Hilfsarbeiter und-Arbeiterinne» wollten die Prinzipale dagegen nichts wissen, auch verweigerten sie ganz ent- schieden eine Verkürzung der Arbeitszeit und erklärte», sie wäre» ge- bunden, an der neunstündige» Arbeitszeit festzuhalten und würden es eventuell auf einen Kamps um diese Forderung ankommen lassen. Die Gehilfenvertreler hätten ihr möglichstes versucht, um auch die Verkürzung der Arbeitszeit durchzudrücken, sie wären aber überzeugt, daß dieselbe zur Zeit nicht in Güte zu erlangen sei. Andererseits biete der bewilligte Tarif nicht nur ivegen der erhöhten Sätze, son- der» namentlich deshalb, weil er ein einheitlicher, für alle Gießereien geltender sei, eiue» nicht zn uuterschätzen- den Vortheil. Die Konnnission rathe zur Aunahn:« dieses Tarifs, der am 3. Mai in kraft treten soll, und empfehle, daß man von einer Verkürzung der Arbeitszeit einstweilen absehe, denn es sei gegenwärtig nicht rathsam, deswegen zu streiken. Uebrigeus habe man Aussicht, nach 2 Jahren 8'/« stündige Arbeits- .eit ohne Kan'pf bewilligt zu erhalten. In der sehr ausgedehnte» Diskussion traten einige Redner entschieden dafür ein, daß man an der geforderten Verkürzung der Arbeitszeit, allenfalls auf 8>/s Stunde» unbedingt festhalten müsse, da dies gerade der wichtigste Punkt sei. Die Hilfsarbeiterinnen äußerten ihren Unwillen darüber, daß für sie bei dieser ganzen Bewegung nichts herausgekomnien sei. Sie verlangten von den Gehilfen eine entschiedenere Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen und drohten mit den« Austritt aus der Organisation der Schristgießer, die ihnen ja»nter diesen Unsständen doch nichts biete. Löhr stellte folgende Resolution: Die Ver- sammluttg erklärt sich mit den festgesetzten Tarifpositionen einverstanden, hält aber fest an der Forderung einer effektiven 8l/2 stündigen Arbeitszeit, sowie an der Erhöhung des Minimums auf 27,50 Mark und einer Aufbesserung der Löhne für Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen um 10 pCt. Eine von Berk hahn und R ü h l e m a n n eingebrachte Resolution sagt: Die Versammlung erklärt sich zwar mit den Tarifvereiubarnnge» einverstanden, protestirt aber mit aller Entschiedeuheit gegen das schroffe Verhalte» der Berliner Schriflgießereibesitzer betreffs Verkürzung der Arbeitszeit und behält sich vor, dieselbe zu geeigneter Zeit aufs neue zu verlangen und durch- zuführen. Nach mehrfachen Abstimmungen, bei denen schließ- lich eine genaue Stimmenzählung stattfand, konstatirte der Vorsitzende, daß für die Resolution Löhr(welche de» Streik bedeutet) 125, für die Resolution Berkhahn 143 Stimmen abgegeben wurden. Nach Bekanntgabe dieses Resultats verließ die Minorität sofort de» Saal, und der Vorsitzende schloß deshalb die Bersanunlung. Sattler und Tapezirer. Arn Sonnabend, den 24. April, fand im„Englischen Garten"«ine konibinirte Mitgliederversammlung der Filialen I bis IV statt. Kollege Tann Häuser berichtete über die Generalversammlung. Hierüber entspann sich eine sehr rege Debatte, doch waren die Kollegen mehr oder weniger mit dem Resultat der Generalversammlnng einverstanden. Wenn auch die Arbeitslosen-Unterstützung abgelehnt sei, so ist sie doch nicht aus der Welt zu schaffe». Sie werde immer wieder aufs Tapet gebracht werden. Bei der hierauf folgenden Wahl wnrden neu- resp. wieder- gewählt die Kollegen: Pfeffer, 2. Zentralvorsitzender; Weyer, zweiter Kassirer; Riedel, Block und L i p p e r t Beisitzer. In den Ausschuß: Blum, Lau» hausen, Lew in. Nese und H a g e m a n». Die Musikinstrnmeiitcn Arbeiter hatte» am 27. April, dem Tage der Jährigkert ihrer Arbeitsniederlegung, eine sehr gut besuchte Vertrauensniänner-Versauunlnng für die im Holzarbeiter-Verband organisirten Kollegen. Es galt eine» Rückblick zu thun über den Sireik und zwar hauptsächlich bezüglich seiner daraus zu folgernden Lehren. Der Referent Fritz Z u b e i l, welcher das Thema rfreulicherweise auf das ganze Gebiet der vorjährigen Streiks resp. gewerkschaftlichen Kämpfe ausdehnte, entrollte ei» Bild, welches nicht nur viel Anregung bot, sondern auch zeigte, daß für die Zukunft vieles anders ge- bandhabt werden muß. Einige Anregungen betreffs der Maifeier faßte» sich dahin zusammen, daß die Vertrauens- männer sich die von arbeitenden Mitgliedern laut Beschluß zu leistende 1 M. erst in Empfang nehme» und hierauf entiveder auf den Zahlstellen oder bei den Kollegen M a r k»> a n n, Lands- berger Allee 3, oder B r i n k m a n n, Gräfestr. 69/70 die Marke» dafür auslösen. Ferner wurde die Hoffnung ausgesprochen, de» Welt-Feiertag zur Gewinnung neuer Miiglieber zu benutzen, damit die durch den vorjährigen Streik erlittene Schlappe bald wieder aus- geglichen sei. Der allgemeine deutsche Tapezirerverei», FilialeZSüd, hielt am Mittwoch, den 23. April, seine R!itgiiederversa»»nlu»g ab, in der Kollege Schmidt einen Vortrag über Verbreche» dielt. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Sander und Bechert. Unter Vereinsangelegenhei len theilt S a» d e r mit, daß auch in der letzten Vereinsversammlung des Fachvereins dieVorschläge der Einigungs-Kom- Mission angenommen worden sind. Beide Organisationen der Berliner Kollegen sind also mit der Vereinigung einverstanden, hoffen wir, daß auch der Kongreß diesem Beispiele folgt und endlich einmal Remedur schafft zum Wohle unserer Bewegung. Diese Vorschläge werden den Berliner Kollegen durch ein Flugblatt, daß iu nächsten Tagen verbreitet werden wird, bekannt gegeben. Kurz darauf wird eine öffentliche Versammlung stattfinden, iu der definitiv darüber be- schloffen werden soll. Der Verband der Gold- und Silberarbeiter»ahm in der letzten Versammlung nach einem Vortrag des Herrn Dr. Friede- berg den Kassenbericht vom I. Quartal entgegen. Nach demselben ist eine Einnahme von 665,55 M., eine Ausgabe von 619,75 M. zu verzeichne», so daß ein Bestand von 45,80 M. verbleibt. Auf Autrag des Revisors Wegehaupt ertheilt die Versammlung dem Kassirer Decharge. Zu Verschiedenem giebt der Vorsitzende bekannt. daß noch einige Urania-Billets zu haben seien. Kollege Zeuge muh das gänzliche Fehlen der Kollegen von Mosjau lebhast tadeln. Charlottenburg. Der sozialdemokratische Wahlverein für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg hielt am Dienstag, den 27. April im Lokale Bismarckshöhe seine ordentliche Generalver- sammlung ab Nach dem Bericht des Kasstrers Genossen Dörre belausen sich die Einnahmen für das erste Quartal 1397 auf 214,61 M., die Ausgaben auf 163,15 M., so daß ei» Bestand von 51,46 M. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge ertheilt. Zu Punkt 2 erstattet der Vorsitzende Genosse Nötiger den Bericht. Nach demselben habe» im verflossenen Halbjahr 7 Mitgliederversammlungen, darunter zwei öffentliche Kommunalwähler-Versammlungen stattgesunde», von welch letzteren die eine aufgelöst wurde. Die Beschwerde gegen die betr. Aus- lösung ist eingereicht worden und wird bis zur letzten Instanz durchgeführt werden. Außerdem fanden sechs Vorstandssitzungen und zwei Lese- Abende statt. Die pünktliche Abhaltung der Lese- Abende konnte nicht stattfinden, da immer wieder Umstände eintraten, die es nölhig«lachten, dieselbe» ausfallen zu lassen. Kränze wurden niedergelegt auf den Gräbern der verstorbenen Genossen Leue, Schulz und der Märzgefallene».— Die Neuwahl des Vorstandes zeitigte folgen- de« Resultat: Görcke erster, Sommer zweiter Vorsitzender; Dörre erster, Labnde zweiter Kassirer, und Schleks, Schriftführer.— Als Revisoren für das nächste halbe Jahr wurden gewählt: Sellin, Blehk und Meißner.— Eine lebhafte Debatte entspann sich nun- mehr über de» Punkt 4 der Tagesordnung: Belheiligung oder Nichtbetheiligung an den kommenden Kommunalwahlen, an welcher sich die Genosse» Görcke, Kube, Spörer, Junger, Blehk. P r i l l, F I e n> ni i n g, Sellin, Rod. Göricke und Klose betheiligten. Während Görcke und F l e m m i n g von verschiedenen Gesichtspunkten aus für Nicht- belheiligung sprechen, treten sämmtliche übrigen Redner für die Be- theiligung ein, fo daß schließlich ein Antrag Prill, wonach eine Betheiligung an den Kommunalwahlen nach wie vor staltzufindcn hat, und alle Genossen energisch dafür einzutreten haben, mit großer Stimmenmehrheit angenommen wird. Die ungenügende Betheiligung der Genossen an der letzten Flngblattoerbreitung führt sodann noch eine längere Debatte herbei. in welcher vor allen an die Wahlvereins- Mitglieder die Mahnung von allen Rednern ergeht, bei derartigen Vorkommnissen thätiger an de» Arbeiten theilzunehmen, und wird schließlich ein Antrag Sellin. wonach Wahlvereinsmitglieder, falls sie der Aufforderung ihrer Bezirksftthrer ohne genügende Entschuldigung nicht»achkonnnen, in der nächsten Mitgliederversamnilung bekannt zn machen, einstimmig angenommen. zUd«it«f.KiIdti>,s»i'chuU. Die Bibliothek in der Nord schule. B r u n n e n st r.!ö, ist sür die Mitglieder an folgenden Tagen geöfsnel! Sonn- tag«, vormittags von lo-l», D.ic n st ag s und Fr e it a g«, abends U big w Uhr. ÄstttgltedSbeiträge werde» an diesen Tagen in der Nordschule entgegen- genommen, ebenso in solgenden Zahlstellen: wotlsr. Schulz, iltdmiralstr. loa: Schöning, Köpnteterstr. os: Reul, Barnimstr. 42: Badtel, Rosenihalerstr. d?: Sleinert, MilUerslr. 7a; Burghause. Putbuserstr. 32; Blankenseld, Stephanftr. 29! Werner. Bülowstrahe 59; Grube, Mariendorserstrasje 6; Katzler, Junlerstratzezi; H. König«, Dtessendachstr. 30. Alle Zufchrtflen sind an den Borsthenden Paul Mücke jr., 80. Man- teufselstr. 110, Geldsendungen an den«asstrer H. Königs, L. Diessenbachstr. 30, zu senden. Zlrd«it«r-Kä»>o,rd»»d Berlin«»nd Umgegend. Vorsitzender Ad. Neuinann. Pasewallersir. 3. Alle Aendernnge» im verelnslaiender stnd zurichten an Friedrich Kort» m, Manteulselsir. 49, v. 2 Tr. Hund den geselligen Ardeitcrnerein» perlin» und Klmgegend. All- Zuschrislen, den Bund betreffend, stnd zu richten an H. Bendtr. Alexandrinen- stratze 100. Arbeiter. Pancherdnnd Kerlin« und zlnigegend. Aenderungen im vereinSkaiender stnd zu richten a» Hermann Braunfchiveig, Dresdener- stratze so, 2. Hos, 4 Tr. ziatianal» Iianfitta», lisch» Kraulten-»nd Sierbelinls«. f«. H. 71.) Bureau: 0. Holzmarttstr. s?. Heute Abend»s; Uhr im Restaurant Slühler, Reue Grünstr. s»: Vorstandssitzung und Ausnahme neuer Mitglieder. Briefkasten der Redaktion« Richnen, Kaiserslautern. Im Slpril 1884. M. M. 2. Theilen Sie die Angelegenheit Ihrer Gewerlsschafts- Orgniiisation mit. Max Pipper, London. Die Adresse ist: Spiers u. Poud, New Bridge Street, Queen Victoria Street, London. Gehen Sie nur einmal hin. Gruß. Kowall. Theilen Sie uns bitte Ihre genaue Adresse mit. M.. Birkenstrafte. Ihre Mittheilung soll aufgenommen werden, wenn Sie sie durch den Vorsitzenden Ihrer Geiverkschaft beglaubigen tasten. P K. 14. Eine Wittwe und, falls eine solche nicht vorhanden ist, die hintcrlaffenen ehelichen Kinder unter 1ö Jahren haben, falls der Ehemann beziehungsweise der Vater gestorben ist, bevor er in den. Genuß einer Alters- oder Invalidenrente gelangt ist, einen Anspruch auf Erstattung der tälftc der geleisteten Klebebeiträge. Der Antrag ist an den Vorstand der ersicherungsanstalt, von der die letzte Karte herrührt, zu richten. Ver- jährung liegt nicht vor.— W. P. 12. 1. Die Widerklage muß bei Be- leidigung spätestens vor Verkündung des schöffcngcnchtlichen Urtheils erhoben werden. 2. An stelle der Geldstrafe tritt im Nichtbeitreibungsfall Haft oder Gefängniß. 3. An stelle der Kosten tritt im Nichtzahlungsfalle leine Freiheitsstrafe. Die Gerichtstostenschulden gleichen»ach der Richtung hin allen anderen Schulden.— G. Hering. Nein, Sie sind im Jrrthum. WttterniigSiibersicht vom 3. Mai ISO1?. Weite» Prognose für Dienstag, den 4. Mai lttv7. Etivas wärmer, vorwiegend heiler und trocken bei schwachen südlichen Winde». Berliner W e t t e r b u r c a u. r Im Erscheinen begriffen ist: Geschichte der MiWn KMWMtie von Jfcani Mtehving. Erscheint in wöchentlichen Lieserungen k 20 Pf. Deutscher Holzarhsiter-Verband �Zahlstelle Berlin). Nertmensmmner UersilMluilgkn: KKitK«»ovK, 3. KKsi, sdenrZs L Uhr: Osten und Nordosten: Alo. S Kvi Ästd0steN: bei HkuitenKerx, vranienftr. 180. iOfftEii mid Ziidwkkrn: im Lokale dcö Herrn Xubeil, Lindenstratze Nr. 106. NIOllMt: im Lokale Thnrmstrafte 84. Wedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn(Kolber�er Talon). Kolbergerstr. 23. Die Mitglieder der Werkstatt-Kontrvllkommission versammeln sich um 7 Uhr vorn im Lokal. Rosenthnler und Schönhauser Vorstadt: Schwedterstr. S3 bei Wernau. Branchen-Versammtag der Drechsler am Mittwoch, den 5. Mai. abends 8 Uhr, i» den Oranien-Hallen, Oranienstrafie 51(am Morihplatz). Tagesordnung: 1. Soziale Kämpfe. Referent Kollege Ii»»««. 2. Diskussion. 3. Wie werden die Errungenschaften der letzten Lohnbewegung aufrecht erhalten? Die Kollegen des Süd-Osten und Westen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Krauche der Kammmacher. Dienstag. 4. Mai. abdS. 8 Uhr, bei Gold. Gr. Frankfurterstr. 1Z8: Wer* a bjr ni 1 u n g*. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verstärkung der Werkstatt-Kontrollkommission. 4. Werkstattanaelegenhcitcn. Kollegen, welche dem Verbände noch nicht angehören, haben Zutritt und können sich in dieser Versammlung ausnehmen lassen. 105/3 Die Ortsverwaltung. S Zur Beachtung für die Beitragsammler: Die Billets für a" werden zu öl) Pf. verkauft. Deutsch. ltatallarheiter-Vcrhaull (Verwaltung Berlin). Bezirks-Versammlungen. niw Di'Tilnrf* Dienstag, den 4. Mai, abends 8V2 Uhr, in den II BlAUUIl. Viktoriasälen. Hermannstr. 49/50. Tagesordnung: Bortrag des Kollegen Gryczewskl über Elektrizität(mit Apparaten). Diskussion. Hr Wedding u. Oranienburger Yorstadt: flÄ abends 81/2 Uhr, bei Raabe, Kolbergerstr. 23. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Beutler über: Der deutsche Bauemkrieg. Diskussion. nv Südosten(Göriitzer Viertel): Rautenberg, Oranienstr. ISO. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Wollheim über: Geschichtsschreibung. Diskussion. kär«eslm 11. Scliöneberg: SW/urAS: hos. Bülowstr. 38/39(kleiner Saal). Tagesordnung: Vortrag des Genossen Ernst Joel über: Der Kampf ums Dasein. Diskussion. In allen Versammlungen Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Gäste willkommen.-lWE_ 121/18 Berliner Arbeitervertreter- Berein. Versammlung an» Blenstag, den 4. Mai 1897, abends SV2 Uhr, bei Bnske, Grenadierstrasse RTo. 33. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den Wahlen in das Reichs-Verstcherungsamt. 2. Bericht über Entscheidungen und Rechtsprechungen im Kranken- Versicherungswesen. 3. Diskussion.— Gäste haben Zutritt. 53/11 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Achtung! Putzer! Achtung! Mittwoch, den 5. Mai, abends pünktlich 6 Uhr, Grenadierstr. sli: Versammluilg drr DiudtpuMk« der nutzer Berlins und Unigegend. 280/8__ Die Kommisfion. Achtung, Schuhmacher! Dienstag Abend 8Vz Uhr, in Cohn s Festsälen, Beuthstraße 20/21: _ Grotze öffentliche ||ÖfP Schtthmacher Versammlung.-WI Tages-Ordnung: Die Streiks in den Werkstätten von Dearne- bourg, Reiß und Stolzenberg. lS13b Die Agitations-Kommissio». IY Ixcloi't*. Franen- und Wädchen-Bildungsverein. MittHVLvQl», ÄSIR 5.]Ä»i, abends 8�/2 Uhr, in Hoffiiianii's Festsälen, Bergstraße 153:_ MW" Versammlung."WI Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Heymann: Wie ist für die Kinder des Volkes gesorgt? 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 204/7_ I. St.: Frau Jeetze. Veriiand der Graveure, Ciseleure etc. Filiale Berlin. Dienstag, den 4. Mai, abends G/z Uhr, Oranienftrasie äl: Tagesordnung: 1. Geschäftliches: die Maßregelungen bei der Firma Zenkeri. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Wahl von drei Delegirten. 4. Verschiedenes. Rege Betheiligung erwünscht. Ber Vorstand. Dienstag, den 11. Mai, findet eine Spezialversammlung der Cileleure im Englischen Hof, Nene Roßstraße 3, statt._ Hilft Achtimg! Former. Aütlmig! Am Dienstag, den 4. Mai. abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 33: Oeffentliche Vtrsammiung der Zormer und sämmtl. m Gießereien beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnnng:. 1. Die Folgen des 1. Mai. 2. Verschiedenes. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Ber Einbernfer. Blenstag, den 4. Mal, abends lUft Uhr, in den Arnilnh'SIlen, Kommandantenftraße 20: SMlons-MchllMlnng der SmÄinn, Pdrr, MrNWr, Stllmrlntir. Tages-Ordnung: 67/7 1. Vortrag des Herrn Dr. Weil über die Schwindsuchtsftage. 2. Diskussion. Zahlreichem Besuch sieht entgegen Der Einbernfer. Zur ßtAigeil KtUlltllAlihme. Die unterzeichneten Barbiere und Friseure des Ostens beschlossen in der Versammlung vom 30. April 1897, ihren Gehilsen eine Lohnzulage von vorläustg 20 pCt. zu bewilligen. Schneider, Stein, Bähr, Schlmmach, Setzkorn, Morgenstern, Bnchwald, Stalhowskl, Schulz, Riedel, Hngunin, KralTt, Fachs, Bach, Kühne, Willner, Keckow, Jsensee, Sternitzky, Agotz, Gntjahr, Trauter, Schnabel, Jeetze, Freyer, Thiele, Jablonski, Müller, Henkelmann, Eldt, Matz, Reim, Steinhans, Reimann, Raap, Kuhlmann, Ki-eikemeyer, Grese, Gepfert. Hönlcke, Hertel, Gihr, v. Holw-zigonskl, Wolf, Collatz, W. Pattky I, M. Pattky, Pramor, Britzmann, Eutze, Heise, Gärtner. 19216 14 Geslhösts-Bericht her ktnOilsWS-Merei Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Berlin, Am Ostbahnhof Nr. 3. «elu Vermäclitiiiss an die sozialdemokratische Partei von Deutschland und Oesterreich, Meiner Anordnung gemäß sollen Exemplare von meinem Werk„Grosse Jubiläumsfeier und imposanter Drinmphzug in Erinnerung des 100 jährigen Bestehens der sozial- demokratischen StaatSeinrichtung in Britannien" an alle Reichstags- Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, an alle Arbcirer-geitungen und an alle Arbeiter-Vereine unentgeltlich durch Wörlein n. Comp, in Nüw- verg, verabfolgt werden. dohann Petzler. RuderYereln, Vorwärts: Berichtigung. Statt arbeitende Mitglieder muß es heißen: ausübende Mitglieder. BereinSzimmer für 30— 50 Pers. zu vergeben Schönhauser Allee 33. Charlottenburg, Nonnendamm. 2 Min. v. Bahnhof„Jungfernheide". Weiss- u. Bairisch-Bier. Schön. Garten, 2 Kegelbahn., Billard, Vereinszimmer, Kaffeeküche. Robert Koch, genannt„gemüthlicher Robert", M�er�llt-Moabitu��� Der Geschästsumsatz öl 134,92 M.- vom 1. Januar 189K bis 31. Dezember 1896 betrug Am 31. Dezember 1896 gehörten der Genofsenschaf 9 Genossen mit 19 Antheilen an. Haftsumme der Genossen am 31. Dezember 1896... 380,— M. „„ 31. Dezember 1895... 180,—„ Geschästsantheile der Genossen am 31. Dezember 1896. 380.—„ „ 31. Dezember 1895. 180,-„ Hermann Tenpel, Geschäftsführer. Hermann Grossmann, Kassirer. Theodor Dochow, Vorsitzender des Aufsichtsraths. �reie Volksbühne. Sonntag, den 9. Mai er., nachmittags 3 IJhrJ, im Belle- Alllance-Theater, Belle-Alliancestr. 7/8, 2. Vorstellung der I. Abtheilung(rothe Karten) sowie der Mitglieder der 3. Abtheilung(graue Karten), welche in den Zahlstellen von(Winkelmann No. 3), (G. Böhlert 16).(Karl Scholz 18),(H. Baake 22),(G. Kassier 23) und(Ä. Bot t gelangt das vieraktige : g e r 25) eingeschrieben sind. Zur Auffühi e r 25) Au Schauspiel run j von enge bonauspiel von Cr e o Die Müitei* eorg Hirschfeld unter Mitwirkung folgender Gäste: Frau Bora Frey. Frau Dr. Cala. Robert Frey. Eüdwlg Harlan, BerlinerTheater. Hedw. Frey. Elise Zachow a. G. vom Stadttheater Rostock. Herr Brahm vom Deutschen Theater in München. Marie Weil. Milly Kranse vom königh Schauspielhaus zu Berlin. Frau Printz. Elise Htiftel. Die Mitgliedskarte muss für die im April eingetretenen Mitglieder 2 Marken in der 1. und 1 Marke in der 2. Rubrik enthalten. Die neu eingetretenen Mitglieder kleben in die 2, Rubrik 2 Marken, Bie Monatsschrift„Freie Volksbühne" von Br. C. Schmidt liegt in allen Zahlstellen aus und ist in derselben der Theaterzettel mitenthalten. Heft t und 2 ist zum Preise von ä 10 Pf. zu haben. Im Theater findet ein Verkauf dieser Schrift nicht statt. 61/13 Im Theatei- befindet sieh keine Zahlstelle und haben zu den Vorstellungen nur Mitglieder Zutritt. Die nächste Vorstellung tür die 2. und 3 Abthellnng i aller oben nicht genannten Zahlstellen) findet am 6. Mal statt, da eine besondere Vorstellung für die 3. Abtheüung nicht veranstaltet wird. Ber Vorstund. I. A.: G. Winkler, Kassirer. Lese- und Diskutirklub„«foliann Jacoby� Sonntag, 9. Mai 1897, in Wernan's Festsälen, Schwedterstr. 23: VI. Stiftungs-Fest, bestehend in Theater, Konzert, Lebendes Bild nnd Tanzkränzchen unter gütiger Mitwirkung des Theaiervereins„Voran" und des Gesang- oereins„Lorbeerzweig". 100/13 Zur Auffühnmg gelangt u. a.: Die Ausweisung am Weihnachtsabend. Ansang 5 Uhr.-»U iW Ende?? F. liietzke, Schwedterstr. 33(„Insel Rügen") G ünaeel, Lothringerstr. 52. Spezialität: Porträts —*—- sozialistischer Führer, Lassälle, Marx:c. in Cigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bilden: u. dgl., sowie jede Drcchslerwaare u. Repar.(Man Verl. Preisiurant.) empfiehlt sein Weiss-»nd Bairisch-Bierlokal nebst Bereinszimmers.* Wff" Cöpeiilck. 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Dank sage ich allen Verwandten, Bekannten und Kollegen für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes. 1910b Wittwe Emilie Schneider, geb. Wagner._ Danksagung. Für die zahlreiche Beiheiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, des Meialldrückers Ernst Frees (nicht Freus wie es irrthümlich in der Todesanzeige heißt) sagen wir allen Bekannten, Verwandten, dem Verband der Metallarbeiter Berlins, insbesondere die Herren Chefs der Firma I. Hirschhorn, seinen Mit- arbeitem u. Mitarbeiterinnen unseren herzlichsten Dank. 1920b Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Die gegen Frl. Rosa Schiemanu ausgesprochene Beleidigung nehme ich hiermit zurück. Bans Beleb. L Platt Kranzbinderei . Blau, u. Blnmenhaildlung, 6. Landsbergerftr. 6, Ecke Höchstestr., (früher Königsbergerstraße) empf. Widmungskränze mit Schleifen, Guirlanden, Bouguets zc,* Kranzbinderei n. Blumen- handlang von 16438* Robert Meyer, Mo. 8. Mariannenstr. Jfo. Z. 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Arbeiter-Sängerbundes). Offerten u. A. B. Postamt Görlitz« Bahn. 19266 Einen Bürstenmacher. Bohrer, verlangt bei hohem Lohn. 19086 _ A. Viesienz, Ackerstr. 132. Plätterinnen ans Stehkragen u» geschweifte Umlegekragen in n. außer dem Hause sucht Trepve, Lothringerstr. 16, Qucrgev. tV. sl92'.l, Schildermaler werden oerlaiigr' 19096] Weifemann, Stallschreiberstr.:: 6. Farbigmacher verlangt Kottbns« Damm 100. 191?fi Einen tücht. Graveur f. Emaille, aber nur einen solchen, sucht Arbeits, Nachweis Deutscher Goidarbeiter, Holz, marktstr. 8. 71/19 Dirigenten, durchaus tüchtigen, sucht Gesangverein (ca. 25—30 Pers.) n:ö glichst f. Freitag. Gest. Offerten bitte bis Donnerstag zw richten an Otto WullT. 26/13 Admiralstr. 11, v. IV, Beranlwortlicher Redaklenr: Robert Schmidt i» Berlin Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 102. 11. IchMg. 2. KW des Jorairts" Krlim WsdlM. . 1. Mai 1897. VevsÄinmlunsen. Ter Berel» graphischer Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 24. April seine Generalversammlung im„Englischen Garten" ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Ableben des Kollegen Brandt bekannt gegeben und in üblicher Weise geehrt. Kollege E t r o p p gab den Kassenbericht vom 4. Quartal. Die Einnahme und Ausgabe betrug I3S9.65 M. An die Hauplkasse wurden 723,28 M. gesandt. Mitgliederbestand 1142 männliche und lsv weib- liche, Einnahme und Ausgabe für das Bureau betrugen 515,60 M. Das Privatvermögen betrug 48,25 M. Ans Antrag der Rwisoren wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Hierauf gab Kollege Schöpke den Jahresbericht der Verwaltung. Abgehalten wurden 11 Mitgliederversammlungen mit 8 Vorträgen, 11'Vertrauensmänner-Sitzungen, 16 öffentliche Versammlungen und 53 Geschäfts-Versammlungen, zusammen 96 Versammlungen. Redner kam nachdem auf den im Herbst verloren gegangenen Streik zu sprechen. Unbegreiflich sei es ihm, wie man die Schuld des ver- lorenen Streiks auf ihn wälzen könne, da er doch gar nicht Mitglied der Komniission war, sondern nur mit eingegriffen habe. I» die Verwaltung wurden gewählt: Schöpke, I. Vorsitzender; A l b r e ch t, 2. Vorsitzender; S t r o p p, 1. Kassirer; I a n z e n, 2. Kassirer; T i s ch e n d ö r f e r. 1. Schriftführer; Quast, 2. Schriflf.; Beisitzer: Guttknecht, Weihkopf, Schubbert. Zu Revisoren: Bräutigam, Fisch und Dübelt. Die Sieinarbcitcr beschlossen in ihrer Versammlung vom 27. April, den 1. Mai durch Arbeitsuche und Betheiligung an den Versammlungen und Festlichkeiten zu feiern. Denjenigen, die ge- z, vuiigen sind, zu arbeiten, wurde aufgegeben, 1 M. von dem Tages- verdienst an die Streikkasse abzuführen. Den Feiernden dagegen wurde aufgegeben, ihr Mitgliedsbuch mitzubringen, in demselben wird der Vertrauensmann mit entsprechendem Stempel einen Ver- merk anbringe», daß dessen Inhaber am 1. Mai feierte. Hierauf fanden einige Unterstützungsgesuche Erledigung. Sodann unter- breitete der Gewerkschaftsdelegirle den Versammelten die vom Aus- schuß der Gewerkschaftskommission ausgearbeitete Resolution, mit welcher die Versammlung sich einverstanden erklärte. Der Vertrauens- mann machte alsdann die Anwesenden mit den Antwortschreiben der Kollegenscbasten in de» Brüchen bekannt. Aus diesen Schreiben ging erfreuliche Zustimmung hervor, zugleich berichtete» sie aber auch von trostloser Arbeitslosigkeit. Eine Besprechung mit den auswärtigen Kollegen sei nothwendig und fände daher zu Himmelfahrt eine Provinzialkonferenz in Schlesien statt(der Ort werde noch im„Bau- Handwerker" bekannt gegeben), wozu eine Vertretung aus Berlin dringend nöthig sei. Die Versammelte» erkannten diese Roth- weudigkeit an und beschloffen den Kollegen V o r k a u f zur Konferenz nach Schlesien zu delegiren. Nach eingehender Besprechung einer Reihe von Entlassungen, die zum theil Maßregelungen gleich kämen, wurde ein eventueller Ausstand in Erwägung gezogen, ein Beschluß aber nicht gefaßt. Ter Arbeitslosen- Kommission wurde aufgegeben, sich durch den Gesellen-Nusschuß zu ergänzen. Sie hat sich dann zu vergewisser», wie sich die Kollegen- schaflen von außerhalb im Falle eines Streiks zu der Unterstützung der Berliner Kollegen durch Arbeitsniederlegung u. s. w. stellen würde». Von dem Ergebniß hat die Kommission in einer späteren Versammlung zu berichten. Ter Arbeiterverein von Stralau, Ruinnielsburg und Umgegend hielt am 25. April seine Generalversammlung ab. AlS ersten Punkt, Abrechnung vom ersten Quartal, verlas der Kassirer den Kassenbericht wie folgt: Ausgabe 80,65 M., Einnahme 249,54 M.» bleibt Bestand 169,49 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Der Verein zählt gegenwärtig 219 Mitglieder. Bericht des Biblis« thekars: Es wurde» im verflossenen Vierteljahr 35 Bücher auS der Vereinsbibliolhck verliehen und 80 Pf. für unpünktliches Abliefern der Bücher als Strafe erHobe». Zu Punkt 3: In welchem Ver- hällniß stehen die Steuerlcistungeu der Grundbesitzer zu denen der Mielher? weist Genosse Ziitter durch statistische tahlen nach, daß der Arbeiter im Verhältniß mehr teuer» bezahlt als der Besitzende. Unter Verschiedenem wurde hervorgehoben, daß es zweckmäßig sein würde, daß die Lehrer am Orte hin und wieder mit de» Eltern der Schulkinder Zusammen« künfte abhalten sollten, um in einer gegenseitigen gründlichen Aus« sprach« dafür zu wirke», daß den Kindern die richtige Erziehung und Bildung schon in der Jugend eingeflößt werde, und wurden hierzu drei Genossen geivnhll, die die nölhigen Wege dazu anbahnen sollen. Ferner wurde mit der Stralauer Gemeindevertretung scharf ins Gericht gegangen, da sie die für die Schulkinder so»othwendige Badeanstalt noch nicht ins Leben gerufen hat und alle Anträge dcji sozialdemokratische» Gemeindevertreters bis dato erfolglos waren, r692L» geutsch-AmmKanische Schuh- Fabrik direkte Berkaufs stelle» ukl O r ö« s t c Auswahl in Herren-» Damen- mili Kinderstiefeln zu festen, billigsten Preisen Roscnthalerftr. 67, Lranienstraße 163, zw. August- u»d Linienstraste. zw. Oranieu- und Moribplav. Nr 3ß MM liefere feinen Anzug u.Maaß.FiirZV M. ff. Soiunier-Palctot nach Maaß. Für 8—12 M. feinste Hosen nach Maust. Bedeutendes Stofflagcr.* Krausenstr 14, i, kein Laden. M Mgste DtWsquelle für Cigarren_ für H ftn, Her, Res tau rat eure nml WlcderverUilufcr! 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(Ohne Gewähr.) 4S 214 SS 310 875 797 1161 288 310 24 49 55 481 96 575(500] 855 963 64 2115 58 224 306 13 47 73 559 91 793 940 44 69 8138 64[500] 97 234(15001 308 437 522 34 46 93 725 82 672 13000) 4094 138 398 583 607 841 81 812 75 95 5077 139 360 405 1500] 662 704 831[1500] 6186 449(500] 94 756 82 800 65 901 42 57 7263 357 95 530[1500] 35 71 727 92 913 89 8146 92 +26 642 816 960«091 221 86 302(1500] 455 560 612 62 821) 973 IO208 480 679 677 897 11011 28 121 222 506 71 715 riOOOOl 845 51 18198 397 549 707 9 13040 53 54 242 313 50 403 40 695 764 83 875 14041[500] 100 (500) 227 323 43 938 86 15038 57 558[3000] 731 95 1500] 853 912 18 16062 104 259 329 617 43(300] 61 978 17019 67 152 95 326 520 36 73 83 622 940 18214 32 444 685 837 918(500) 59 67 19017 63 195 833 71[300] 963 98 «»106 60 92 230[500] 534 45 98 685 864 21060 280 503 55 876 80 907 59[300] 22054 156 I150OJ 210 331 616 59 725 864 944 79 95 23172 266 325 32 33 484 578 88 689 733 907[500] 64 66 24029 78(1500) 181 492 503(500) 713 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Ziehung d. 4. Klasse 196. Kgl. vrenh. Lotterie. Ziehnng vom t. Mai 1897, Nachmittags. lull die Liewinne über 210 Mark find den delrifiende, Nummern in Pareniheje deigejügt. (Ohne Gewähr.) 47 99 256 687 ,031 55 114[500] S2I 352[1500] 869 743 54 970 2221 23 602 11 75 1131 208 370 75[«0099] 474 86 741 890-1031[500] 202 364 0072 160 66 216 25 379 90 481 585 619 793 804 46«008 207 301 15 88 94 440 554 659 711 75 848 7045 171 264[300] 331 3« 68 405 88 610 11 762 869«013 20 55 11.3 73 217 486 88 527 77« 800 911 9-36 143 355 425 628[300] 710 43 868 10086 IIS 243 60 335 441 82 506 10 20 923 94[300] 11068 128 77[1500] 322 45 91 421 29 94 5(3 19[1500] 60 696 967 12165 71 77(500) 92 93 287 345 409 10 38 51[1500] 98 549 641 78 733 1 3091 122 261 523(500) 721 841 45 66 962 14040 119 75 460 588 932(1500 15224 393 732 77 96 824 34 65 85 1 0002 90 404 635 [3000] 36 712 13 48 990 95 17002 108 225 27 451 11500) 61 517 620 875 1 8015 139[300] 46 55 512 1 9190 644 39006 90 254 92 403 34 44 785 89 856 62 917 98 21026 109 I30O] 91 403 683 725 45 952 80 22114 25 446 59[1500] 65 78 698 815 38 49 73 76 79 99»13 38 54 67 21084[300] 336 51 72 424 532 707 899 985 24038 96 171 284 306 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ThvÄkev. Dienstag, den 4. Mai. CpeenhniKt. Carmen Schanspielhaus. Wie die Alten inngen. DemscheS. Don Carlos. Berliner. Die Brilder. Lessing. Die Geisha. �"> Der G'wissenSwurm. Trilbh. Zwei glückliche Tage. Die Fledermaus. Oeirath auf Probe. Wichel instädtisches. Tchiller Neues. Weste». Linden. Thalia. Friedrich Ultimo. Belle-Allianee. Trilby. Residenz. Eine Reisebekanntschaft. — Vaterfrenden. Alexanberplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeh. Oftend. Aus der Millionenstadt. Passage-Panoptiknin. 32 Mädchen aus Samoa. Apollo. Spezialitäten._ Volks-Theater 31. Reichenberger- Strafte 31. Pferdebahilslation: Kottbuser Thor. DM" Bis zum 14. Mai: Grpchlossrn. Sonnabend, den 1». Mai 1897: Eröffnung der Sommer- Saison. 1. Neu-Aufftihrung der Geiangsposiei Aus tisriir«»ßtn pun E. Pohl und H. Willen. Vor der Vorstellung; Gr. Garten- Konzert. Oftend-Theater. Gr. Frankfurtcrstr.132. Dir. E. Weift Heute und folgende Tage: Aus der Millionenstadt. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Erste Vorstellung im Garten: Spezialitäten ersten Ranges. Anfang 4 Uhr.— Im Theater 3 Uhr: Der liebe Onkel.-■— Die Räuber. Abends 7Vi Uhr: Sckiller�kzrnkrv (Wullner-Theater), Dienstag, ab. 8 Uhr: Der G'wisfens- wurm. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Das Stiftniigsfest. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Dheater). Vorletzte Aufführung: Heirath auf Probe. Posse niit Gesang in drei Akten. Donnerstag, den 6. Mai er.: Gast- spiel Julie Kopaczy-Karczag und Adols Perluhtz v. Landes- theater in Prag. Die schöne Helena. Apollo- Theater und Konzert-Garten. Eröffnung der Sommersaison. Pollständig ileilksProgrüM. 14 Debüts. Kalseneröfsnung«Vi Uhr. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Ans. der Vorstellung 8 Uhr. In Vorbereitung: Venus auf Erden. Burlesk phantastische Operette in 1 Akt von Bolten-Bäckcrs. Musik von Paul Linke. Äctien-Branerei Friedriclisliain. Heute, Dienstag: Grosses 'Mllltär-Frei- Konzert. Prvgrannn nncntg. Welt- Restaurant Vari�tä- nudSpexinlltlitcn- Theater. Dresdenerstrafte 97. Nord und Süd! Liederspiel von Riehard Thiele. Hauptrollen: Käthe Rionde.— Walter Kröning. Rudolf Schauss.— Max Röwer. Otto Wendt. Im vorderen Saal täglich: ie kleinste» Die beiden iudische» � die kleinsten Menschen der Welt! Dainen-Wettschivinimen. lionoordia Vgriele-Itiesfer Ilrnnaenatr. 154. f.roHMc Theater- und 8pc7,iaIitiiten-'Voi,8tellnn£. GroftartigeS April- Programm k Neu! bir-and �ttraktlen. tiebr. ITorre, Jnstrnmentalist. Neu! Hertha I.orenzl, brillante Kostnmsonbrette. Knospe und Stengel. Passe in 1 Akt. Anfang Wochentags?:/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. Concerthaus Sanssouci Kottbuscrstr. 4a. Sich.; H. Pierry. Heute, Dienstag, de» 4. Mai: Verntellnnzr des Berliner Posten- Theaters. Harellne! Hie kleine Kachtigad. Der Glücklichmacher! Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entree 30 Pf. Passepartouts haben Giltigkeit. 11. Pierry, Grosse allgemeine Gartenban-Ansstellung im Treptower Park vom 28. April bis 9. 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KkI.Pmiß. Lotterie. ststhnng vom». Mai 1807, Nachmiitag». Hut die«enmiue über»10 Mark find den teUesseNden ütummern in Parenthese beigestigt. 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