! Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Slceichecs Häcdlinqec Schacht Seite 2 tin Qeheimedaf) Qooßheis an die Saacpcess-e Seile 3 Die Hol dos Ceut&chen Außenhandels Seite 4 Nr. 290— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 29. Dezember 1934 Chefredakteur: M. Braun Säubcrungsaktionjin vollen Gange! Die Reidisregierung tiurdi uns gezwungen, den neuen 30. lun) zuzugeben Der moraüsdie Gesetzgeber Nichts fürchten die Mörder des 30. Juni und ihre journn- liitifchcn Zuhälter mehr als die Wirkung eines neuen 30. Juni auf die Bevölkerung des Saargebietes. Ter 30. Juni 1034 hat an der Saar den grobe» Umschwung gegen das„dritte Reich" eingeleitet, und eine Wiederholung solcher Greuel muh ihn vollenden. Darum gibt mau sich in Berlin solche Mühe, alle Ventile bis zum 13. Januar geschlossen zu halten, und wo ihnen dennoch blutige Dämpfe entweichen, alles abzuleugnen. Aber wenigstens haben wir die Herrschasten wieder ein- mal zum a b l e n g u e n gezwungen. Bisher versuchten sie unsere Meldungen totzuschweigen. Tie Dementis sind das beste Eingeständnis, d a si sich ei n n c u e r 3 0. Juni entwickelt. Massenoerhaftungen werde» zugegeben. Tie Erschießungen, obwohl sie stattgefunden haben, werden noch bestritten. Noch... Ter Kern der Dementis ist für uns uninteressant, da er uns nicht betrifft Wir haben weder die Erschießung des ab- gesägten Brückner, noch die der Vandvknechtführer von H auen st e i n und von P fester gebracht. Wenn wir dem- nächst Namen melden werden, sind sie richtig. Daß SA.- ünH SS.-Führer erschossen worden sind, steht fest. Attentate sind von uns ebenfalls nicht gemeldet worden. Was sollen also diese lächerlichen Dementis? Aber halten wir uns mal an die Berliner Dementier- Maschine. Dumm genug ist im Saargebiet nur die Redaktion einer Winkclzcituug, das„Abendblatt", die Wider spräche gedankenlos zn übernehme». Borne wird ini Te- menti behauptet, es seien nur Homosexuelle verhastet worden: „Eö handelt sich hierbei um eine Aktion, die auch in keiner Weise i r j c it i i»' c mit politischen Fragen in Zusammenhang steht, sondern einzig und allein die restlose Beseitigung jener Gcscllschasta- seuche zum Z>cl hatte, ein Unternehmen, daä übrigens in der Bevölkerung stärksten Beifall findet." Hinten aber wird genau das Gegenteil bekundet: „Von den Verhafteten 300 Homosexuellen sind bereits bis zu Weihnachten ZOO Personen wieder aus freie« Fuß gesetzt worden. Tic übrige» hundert Mann mußten i n Hast behalte» werden, da Ve r d» n k e l n n g s g c- fahr besteht und die Untersuch» ngsbchördcn gewillt sind, dag Intrigenspiel restlos aufzu- decken, das von dieser Clique seit gerann, er Zeit betrieben wurde." Im„Abendblatt" vom 37. Tezembcr 1034. Organ der „deutschen Front"! So wird also zugegeben, daß allein in Berlin„hundert" Nationalsozialisten aus politischen Gründen in Hast be- halten werden. Tie übrige Presse an der Saar ist über das Berliner Dementi so erschrocken, daß sie nach dem Rein- fall des„Abendblattes" und der verheerenden Wirkung im Saargcbiet das Berliner Dementi vorsichtig retouchiert. Tie größere Saarprcssc hüict sich auch folgenden lief un- sittlichen Satz dcS Dementis zu übernehmen: „Wenn die separatistische Presse beute diese Vorgänge als besondere Sensation politisch auszuschlachten versucht, so gibt sie damit nur ihre S n»> p a t h i c mit jenen asozialen und minderwertigen Subjekten zum Ausdruck, eine Snnipathie. die aus der Stellung- nähme der ehemaligen deutschen Sozialdemokratie bei der Beratung der Strajbestimmung über den§ 175 sattsam bekannt ist." Wahrscheinlich fürchten die gleichgeschalteten Zeitungen wegen Beleidigung des„Führers" belangt zn werden, wenn sie von seinen einstigen intimsten Freunden R ö h in und H eines als„asoziale n u n d minderwertige n Subjekten" sprechen. Gerade angesichts der jetzigen „Sänbernngsaktion und den Beteuerungen Hitlers, daß er mit der„Schweinerei" aufräumen wolle, die nie in Deutsch- land auch nur annähernd so verbreitet war, wie jetzt, sei daran erinnert, daß Herr Hitler vor noch einem Jahre wie folgt an seinen Freund Rohm.geschrieben hat: „Mein lieber Stabschef Röhn», Der Main vi der nationalsozialistischen Bewegung und die^iiat'ouolsozialistischc Revolution wurde nur ermöglicht durch die konsequente Niederschlagung des marxistischen Terrors durch die TA. Am Abschluß des Jahres der natioiiallo-.'altstischcn Revolution drängt es mich daher. Dir mein l i- b e r E r n st R» h m. s« r die u n- v e r'a ä n g l i ch e n B e r d i e n st c zu d a k e n, die Du der nationalsozialistischen Bewegung und dem deutschen Volke geleistet hast,»nd Dir zu versichern, wie sehr ich dem Schicksal dankbar bin. solche Männer wie Du als meinen Freund und .stampsgenosscn bezeichnen»n dürfen. In herzlicher Freundschaft und dankbarer Würdigung. Den 1. Januar 1034. gez. Adolf Hitler." In nachweisbar genauer Kenntnis der Veranlagung und Betätigung seines„Freundes und Kampfgenossen" hat Hit- ler diesen Brief geschrieben! Man soll uns da jetzt mit moralischen Rede» über„Säuberungsaktion", über„Schwei- nerei" und„asoziale Subjekte" vom Leibe bleiben. Unsere Stellung zur Homosexualität ist dieselbe, die sie immer war. Dieses Problem der Serologie ist kein moralisches. Tics unsittlich sind aber diejenigen, die jahrelang in der Agitation und im Parlament die härtesten Zuchthaus- strafen für Homosexuelle gefordert und sich dann als die größten Förderer der Homosexualität erwiesen haben. Alle Organisationen der NSDAP, von oben bis unten, ein- schließlich der Jugendorganisationen sind Brutnester der Homosexualität, wie sie nie vorher in der deutschen Ge- schichte sich entwickelt hatte. Oder ist etwa auch der Marxismus schuld, ivcnn es bei den Nazis von Homosexuellen wimmelt, und gerade der „Führer" so zahlreiche Homosexuelle in seine nächste Um- gebung berief, wo übrigens noch immer bekannte Homo- sexuelle sind und in hoher Gunst bleiben. Erinnert sich Herr Adolf HM er gar nicht mehr srühsstN' Jahre, als er durch seine Stellung noch nicht gezwungen war, als„inoralischcr Gesetzgeber der Nation" zu er- scheinen? Wenn ihm damals die Wahrheit über die moralische Per- wilderung und über die Homosexualität in seiner Bewegung gesagt wurde, antwortete er: Wir sind rauhe Kämpfer und keine Moralscxen..." Wer also trägt die persönliche Verantwortung für den Sumpf, der ans dem„dritten Reich" zu uns stinkt? . Nervenzusammenbrudr ä 10 Ko umbtaliäiis Eine besonders schöne Stelle befindet sich in dem Berliner Dementi, das von einem geheimen Staaisfeind im Reichs- propaganbamiiiisterium versaßt worden sein mutz, über den abgesetzten und verhafteten Oberpräsidcnten, Gauleiter und Staatsrat Brückner: Brückner wurde nach seiner Amtsenthebung in Hast ge- nommen und in das.stolnmbiahauo in Berlin überführt. Hier erlitt er einen Nervenzusammenbruch, der seine Uebcrsührung in das Staotskrankenhaus notwendig machte. Ausdrücklich sei festgestellt, daß der In- hasticrtc keinerlei Verletzung oder V e r w u n- duug davongetragen hat. Sein Zustand hat sich so- weit gebessert, daß Brückner, wie an den vorher- gegangenen Tagen, auch am Weihnachtstagc den Besuch seiner Frau entgegennehmen konnte. Tic„Nervenzusammenbrüche" im Kolumbiahan.e zn Ber- ljii kennen wir seit 1'. Fahren. Wenn wir über die Verhör- Methoden der Gestapo ist dieser Foltcrhölle berichteten, waren es bisher„Greuelmärchen". Es ist anerkennenswert, daß jetzt unsere Meldungen amtlich bestätigt werden. Wenn ichvn ein alter Nazi und hoher Staatsbonze nach wenigen Stunden Behandlung im Kolumbiahause mit seinen„Ner- ven" zu Ende ist, kann man sich vorstellen, wie es den Marxisten nach wochenlanger„Untersuchung" zumute war: und sie wurden nicht in Staatskrankenhäuser überführt, son- der»„erhängten" sich,„stürzten aus dem Fenster" oder wnr- den„auf der Flucht erschossen" oder erlitten sonstige Unfälle, die sich aus dem„Nervenzusammenbruch" erklären. Daß Herr Brückner„keinerlei Verletzungen oder Ber- wilnduiigen" erlitten hat. daraus lann mau bei der erficht- liche» Glaubwürdigkeit dieses großartigen Dementis gerade- zu schwören. Es war nur zarte Rücksichtnahme auf die Nerven seiner Frau, wenn man ihr den Besuch erst nach einigen Wochen gestattete. Immerhin wäre möglich gewesen, daß die Frau den Mann gar nicht erkannt hätte, wenn sie ihn gleich nach dem„Verhör" im KolnmbiahauS gesehen hätte. Solche Fälle sind uns hinreichend bekannt. Im übrigen haben wir natürlich mit Herrn Brückner gar kein Mitleid. Er chatte endlich einmal Gelegenheit, seine eigenen Methoden am eigenen Leibe zu verspüren. Wie sagt doch Herr Dr. Gocbcls so schön und wahr?„Rur nicht d r ä n g c l n. ES k o m in t jeder d r a n!" Es kommt jeder dran. Wenn nicht im dritten, so im vierten Reich. Auch die Herren gleichgeschalteten Redakteure, und man wird dann erleben, ob ihre Nerven stärker sind als die des Pg. Helmnth Brückner Aus dem..Neuen Vorwärts"^ mit der Ueberschrikt„Sein Heiligenschein" ..Im Zuge der Säuberungsalf tien" rruiiftreidi und die Berliner Krise A. Sch. Poris. 28. Dezember. Die zweite stabile Periode des„dritten Reiches" i st zu Ende: auf diesen knappen Satz kann man den Gesamteindruck bringen, den die jüngste, plötzlich ausgebrochene Krise innerhalb der nationalsozialistischen Diktatur auf die französische Öffentlichkeit ausübte. Die erste Etappe der Stabilität: sie begann nach dem Erfolg der Hitlerschen Volksabstimmung vom 12. November, sie dauerte bis zum Anfang Mai 1934, als die tiefe Unruhe die herannahenden Erschütterungen vom 30. Juni erkennen ließ. Nach dem Tode Hindenburgs, der auch die formale Alleinherrschaft in die Hände Hitlers spielte, beginnt die zweite stabile Etappe des nationalsozialistischen Regimes. Nun stellt die führende französische Presse einmütig fest, diese zweite Stabilisierungsperiode sei gewaltsam abge- brachen. Diese Stellungnahme der französischen öffentlichen Mei- nung wird sehr e r n st e außenpolitische Folgen nach sich ziehen müssen, ja, sie selbst ist ein außenpolitischer Faktor ersten Ranges. Man darf nicht vergessen, die außenpolitischen Offensiven und Erfolge des„dritten Reiches" entfallen eben auf die vorübergehenden Perioden seiner innenpolitischen Stabilität. So war es im Winter 1933 34, so war es auch im Herbst 1934. War es im Inneren still, konnte im Auslande der Eindruck entstehen, daß die Macht Hitlers befestigt sei. so waren dadurch auch die Verstandigungsmanöver Berlins erleichtert. Im Winter 1933 34 wie im Herbst 1934, also in den Zeiten der innenpolitischen Konsolidierung des„dritten Reiches", außenpolitisch dasselbe Bild: Auslockerung der Isolierung und Versuche der direkten Verhandlungen, Gespräche von der Rückkehr in den Völkerbund und die Aufrollung der Frage nach der militärischen Gleichberechtigung Hitler- Teutschlands. Tie Hochkon>unktur des„dritten Reiches" wiederholt sich ebenso, wie ihre Abstürze: dem Mai 1934 folgt der Dezember. Es ist von allergrößter Bedeutung für die europäische Politik, wie diese Prozesse in Paris be- obachtet und beurteilt werden. Das Rcichswehrlager auf der Bendlerftraße, in der Nacht vom 29. auf den 21. Dezember ausgeschlagen, wirkte in Paris alarmierend. Den Anfang machte Georges Blun, der Berliner Korrespondent des„Journal", der bereits am 21. Dezember sein Blatt über die Nacht- Vorgänge in Berlin informierte. Paris wurde hellhörig. Bezeichnend ivar die Haltung der großen Informations- presse, mit„Journal" und„M a l i n" an der Spitze. Vom August bis Dezember waren beide Blätter sehr, sehr vorsichtig. Es war der„M a t i n", der das berüchtigte Interview Hitlers mit Jean Gay veröffentlichte, von dem die ganze Kampagne der direkten Verhandlungen ihren Ausgang nahm. Jetzt schreibt derselbe„M a t i n" von der schweren und entscheidenden Krise, die dos„dritte Reich" gegenwärtig durchmacht, das„I o u r n a l" sagt, Deutsch- land befindet sich seit dem 39. Juni im Auslände der Anarchie. Der weitere Verlauf der Krise wird sehr ernst beurteilt. Philipp Barrös. der Berliner Korrespondent Verw rruitd in der. de urseften Fron," Was war in Kassel los? -i cmctiti" nus Berlin hat in alle» Teile» der„beut- fcfk'n ivtont" j»> Saargebiet die Verivirrung u»d die Zersetzung geordert. Auch die Skeptiker sind NUN bezeugt, da» neue schwer« Erschütterungen im Reiche sich vollziehen Ei» bekanntes Mitglied der«deutsche» Front" rief uns deute früh mit der Frage an, vb es richtig sei. da» auch in Kassel schwere Zusammenstöbc zwischen Reichswehr und LS. erfolgt seien. Wir mubten den Herrn enttäusche». Ge- rade aus Kassel sind uns solche«Gerüchte" noch nicht ge- meldet. Da aber offensichtlich in den Kreisen der„deutschen Front"»och mehr geglaubt wird, als sich einstweilen zugc- tragen hat. empfehlen wir dem Reichspropagandcnnini- sterium, iofprt ein neues Dementi herauszugeben. Es wird iui Saargebiet seine Wirkung nicht verfehlen. des„M o t! n", ist überzeugt, daß die Krise ihren Höhe- Punkt erst zum 13. Januar und danach erreichen wird? d i e unvermeidlichen, gewaltsamen, furcht- baren Entscheidungen, die zu diesem Termin heranreife», halten bereits jetzt das ganze Land in Spannung und Schrecken. Ruch Wladimir d' O r m e s s o n schreibt im„F i g a r o" von dem kochenden Kessel Deutschland und der Unvermeidlichkeit der Steigerung und Ver- tiefung der Krise: „Trotz der ain 80. Juni durchgeführten Säuberung, nie- mals haben noch die„byzantinischen" Intrigen eine so scharfe Form angenommen, wie jetzt. Tic Führer zerreiben einander Tie Gruppen und Sekten raufen miteinander. Jeden Tag verschwinden geräuschlos unangenehme Menschen und Zeugen." Der Glaube an die Möglichkeit einer C t a b> I i s i e c u n g d e s„d r- t t e n R e i ch e s" s ch w i n- o e t. Und auf die lange Sicht? Man nimmt nicht an. dah mit dem Siege der Reichswehr die deutsche Krise ihre end- gültige Lösung finden wird. Die außenpolitischen Konsequenzen kommen von sich. selbst. Beinahe alle Betrachtungen der Spannungen im „dritten Reich" werden mit dem Tadel an die Adresse jener Privatdiplomaten aus den Reihen der rechtsgerichteten Frontkämpfer-Verbände abgeschlossen, die Hitlers ,,„Bcrständigungs"-Hand- willig ergreifen. Im„Echo de Baris" schreibt P e rt in a x:„Und jetzt urteile man über die Naivität jener Franzosen, die nach Berlin reisen, um dem„Führer" das Zeugnis der All- macht und der Aufrichtigkeit aufzustellen." Dasselbe sagt d' O r m e s s o n:„Geben sich die französischen Frontkämpfer Rechnung darüber, daß sie zu Werk- zeugen in einem innerdeutschen Kampf werden, den man eigentlich dem Gang der Ereignisse überlassen sollte?" Die innenpolitische Krise erschwert das außenpolitische Spiel Hitlers. Auch hier stellt der kommende Sieg der Reichswehr Frankreich vor ernste Fragen: Wird Hitler nach der Bollendung des Sieges der Reichswehr und der hinter ihr stehenden Kräfte noch ver- handlungsfähig sein? Und ist die Reichswehr selbst, der Träger der Waste, geeignet, der Träger einer auch nur be- fristeten Friedenspolitik zu fein» licvr als IOOO Jahre Her her Novemberbilanz der hitlerischen Justiz Nach den bisher bei der Roten Hilfe Deutsch- lanös vorliegenden Berichten verurteilten die faschistischen Blutgcrichte im November 1984 658 antifaschistische Freiheitskämpfer zu 487 Jahren Zuchthaus und 565 Jahren Ge- fängnis. In der Gesamtziffer von 1052 Jahren Kerker cnt- fallen allein aus das Bolksgericht 185 Jahre Zuchthaus und 247 Jahre Gefängnis. Allein im Bezirk Wasserkante wurden hundert Antifaschisten zu 148 Jahren Zuchthaus und 119 Jahren Gefängnis verurteilt: ein Bcwess für die wachsende antifaschistische Widcrstandsfront, die sich durch keine Terrorurteile abschrecken lädt. Wie im vergangenen Monat wurde» mehr als drei Viertel aller Urteile wegen„Hochverrat" und„Fortsetzung verbotener Parteien" gefällt. Ein Beweis für die wachsende Unzufriedenheit mit dem Hitlersystem unter den Mittel- schichten ssnd die zahlreichen Gefängnisurteile gegen Klein- gewerbetreibende wegen Beleidigung des RcichsführerS bziv. der Reichsregierung. Dos sterbende Derlin Der Berliner Korrespondent des„Temps" schreibt in einem Artikel über das Leben in Berlin n. a.: „Den Reifenden, die von Paris oder gar von London kommen, fällt besonders der T r a» e r ch a r a k t e r auf. den Berlin heute hat. Welcher Unterschied gegenüber dem Berlin von vor fünf oder sechs Jahren! Welches Leben, welche Annehmlichkeiten und Zerstreuungen fand man damals! Tie Theatcrdarbic- tungen ivaren schön, wenn auch manchmal etwas revolu- tionär und gepfeffert. Aber Berlin war tatiächlich eine der groben Hauptstädte des m o d e r n e n Europa. Sogar die Berliner Frauen waren elegant ge- worden Ter A n b I i ck der Stadt ist heute ernst und streng Berlin hat sich mehr geändert als die P r o v i n z st ä d t c. Früher hatte es de» Ehrgeiz, eine Weltstadt zu sein: heute ist e s auf d a s R i v e a u der Provinz st ädte herabgesunken. Tie Zahl der Autos ist gröber geworden hält aber mit den anderen groben Hauptstädten noch keinen Vergleich aus. Roch mehr zugenommen bat die Zahl der Verkehrsunfälle: im letzten Monat gab es 81 Tote, also durchschnittlich einen Tvten au, den Tag. Tie Feste, Bälle»nd Empfänge werden in diesem Winter selten sein Bon öffentlichen Bällen hört man nicht einmal sprechen. Man sieht auch nicht mehr svvicle Luhusantos mit Nazis in Uniform wie vor dem 80. Juni. Haben sie ihre Wagen in die Garage gestellt? Manche Leute behaupten, das, sich die Nazisührer vor der Volksmenge scheuen und ihre Wagen Ihren Frauen und ihren Freundinnen überlassen haben. Streichers Nönlllngcr Sdiladit Was das jüdische Versühnungsfest angerichtet hat In und um Rördliuge» im bayrischen Schwaben ist schon viel Blut geflossen. 1084 wurde» hier die Schweden von den Kaiserliche« besiegt. Genau dreihundert Jahre später, als Nördlingc» unt r die Gewalt des„dritten Reichs" gekommen war, steht es wieder> Mittelpunkt einer lustigen Fehde. Was ist^geschehen? Ter braune Stadtrat von Nördlingen hatte im September eine Verfügung erlassen, dast„iv c g c n eines hohen jüdischen Feiertages" der Nörd- lingcr Viehmarkt auf Tonnerstag, den 27. September 1984, verlegt werde. Plan stelle sich vor: wegen eines jüdischen Feiertags! Tai war eine offene Kriegserklärung an Julius Streicher und seinen„Stürmer"! Sie wurde sofort mit einem Frontalangriff gegen die PcgeS in Nördlingen bc- antivvrtet. Obige Bekanntmachung, so las man im „Stürmer", sei ei»„B errar am Na t i o n a l s o z i a l i s- mu S und eine Beleibt g u ng der ch r i st l i ch- deutschen Bevölkern« g". Und dann wurde folgende Gaswolke gen Nördlingen abgeblasen: „Ter„Stürmer" hat schon wiederholt derartige Au- zeigen gebrandinarkl. Jedoch fielen diese in die Kampszeit. Tab im nationalsozialistischen Teutschland eine solche Veröffentlichung vorgenommen ivird, hätte kein N a t i v n a l s o z i a l i st j e für möglich gehalten. Tie vielen empörten Zuschriften, die der„Stürmer" aus der Rördlinger Gegend erhalten hatte, bekunden, ivie die deutsche Bevölkerung darüber denkt Tie jüdische Be- . Völkern»» macht im nördlichen bayerischen Schwaben einen kleinen Bruchteil der deutschen Bevölkerung aus. Es ist schon eine unerhörte Herausforderung und eine Mifjach- tung diesen deutschen Volksgenossen gegenüber, wegen ein paar Dutzend Juden einen Viehmarkt. an dem Tausende Deutscher interessiert sind, ausfallen zu lassen. Diesen wenigen Juden gegenüber z e i g t d e r S i a d l r a t Nördlingen eine geradezu unterwürfige R ü ck s i ch t n a h in e. Tie deutsche Bevölkerung scheint i h:n g l e i ch g ü l t i g z ii sei n." Streicher schlug immer wilder an seinen Schild. Gerade in Nördlingen, wo es der Partei erst nach schweren Kämpfen gelungen, Fuh zu fassen. Jetzt aber sind es Männer im braunen Rock, die Stadträte und der Bürgermeister von Nördlingen, die ihm, dem Siegfried Julius Streicher, den Speer des treulosen Hagen zwischen das Schulterblatt bphrten! 'Unter heu braunen Autoritäten von Nördlingen brach daraufhin helle Empörung ans In der„Pilser Nationalzxitung" riskierten sie eine geharnichte Antwort an den allmächtigen„Stürmer". Tie nationalsozialistische Stadtratssraktio» der Stadt Nördlingen sagt in seiner feierlichen Erklärung, es verrate„eine bedauerlich tj c, st c t) c ii d c Tendenz der Woche n schrill„Ter Stürmer" als nationalsozialistisches Kamp s- b l a t t, wenn man ohne Einziehung näherer Erkundigung einer aus alte» nationalsozialistischen Kämpfern bestehenden T t a d t r a t s s r a k t i o n vorzuwerfen glaubt der Stadtrat Nördlingen hätte ein Verhalten ge- zeigt, dab jedem Rasscstolz und jeder Ehrauffassung ins Gesicht.schlägt." Aber beinahe noch interessanter ist die Rechtfertigung der Rördlinger Alle Autoritäten, NS.-Hago, Kreisbauernschast, nationaler Vichhändlcrvcrband hätten der Verlegung zuge- stimmt, aus„rein wirtschaftlichen Gründen". Ter Zusatz „wegen der hohen jüdischen Feiertage" sei jedoch— ein Fehler des betreffenden Beamten gewesen: Wir warnen jede», die im„Stürmer" hervorgebrachten unwahren Behauptungen weiter zu verbreiten und werden gegebenenfalls rücksichtslos vorgehen." Das hat das jüdische Versvhnungssest zu Nördlingen angerichtet Im Grunde konnten die nicht sehr zahlreichen Inden jener Gegend stolz daraus sein, dab sie, freilich im negativen Sinne, noch soviel Macht besitze», die Kriegs- axt zwischen Streicher und seine Rördlinger zu werfen. Ter Kampf geht immer noch weiter. Tic Rördlinger Stadträte tun kund und zu wissen, dast sie jetzt dem Gau- gericht die Wahrung ihrer Ehre anvcrrrant hätten. Es ist nur eine kleine und nicht sehr wesentliche Geschichte. Aber doch symptomatisch. In diesem Hitler-Teutjchland gibt es ksinen schlimmeren Borwurf als den, Juden gegenüber wirtschaftliche, religiöse und menschliche Rücksicht genommen zu haben. Dieser Gauleiter und bayerische Minister Streicher ist nach wie vor der Duzfreund des„Führers". Jede Streicher Tat ist auch die seinige und kennzeichnet ihn so. wie er ist. Mit Wissen und mit Wollen Adolf Hitlers erfolgt jetzt auch die neue Serie der Judenverfolgungen mit ivilden Drohungen und wüsten Ausschreitungen das alte Mittel der Ablenkung des Volkes von den Schuldigen an seinem Elend und seiner Verzweiflung. Biirchei schärol sich und lagt Ein tapferer Kämpe Wir halten in diesen Tagen festgestellt, dab Herr B ü r ck e!. der Reichskommissar zur Betreuung der Saar, für seinen Gaubezirk Pfalz das Signal zur Hätz gegen jüdische Ge- schäftSleute gegeben hat. Jetzt läszt er in der„Teutschen Front" dazu erklären: „Ern Scparatistenblatt der Saar hält es für notwendig, i» einem Ausruf des Gauleiters Bürckel eine Pogrom- hetze zu sehen. Ter Ausruf lagt nicht mehr und nicht weniger, als dast von den Nationalsozialisten erwartet wird, dast sie nicht zu Weihnachten ihr Geld in den Ramschwarcnladen tragen, sondern es dem kleinen und mittleren Geschäftsmann bringen..." Ter gute, liebe Weihnachtsmann Bürckel! Nein, er hat mit dem Ramschladen nicht die jüdische» Geschäfte und Warenhäuser gemeint, sondern diejenigen seiner eigenen Pegcs. Wie aber beibt es wörtlich in seinem Ausruf? So: Nationalsozialisten! Es besteht Veranlassung darauf hin- zuweilen, dab wir nichts im R a m s ch w a r e n l a d e n des Jude» verloren haben. Und wen» T» mir sagst, dab Trine Frau die Einkäufe besorge, so ergibt sich daraus, dab eben in Deinem Hause kein nationalsozialistischer Geist herrsch, und Tu selbst kein Mann bist, sonder» ei» H a n s w u r st." Das dürfte sehr klär ausgedrückt sein. Dazu gehört aber noch ein Ausruf<6. 11. 1984l des'Kreisamtslciters Speyer der NS.-Hago, worin es hcibt: „An alle deutschen Frauen! Inmitten des verzweifelten, furchtbaren Kampfes um die Erhaltung'ihrer Existenz, müssen deutsche, christliche Geschäftsleute mit ansehen, ivie man jüdische Waren- Häuser bevölkert und seinen Bedarf mehr denn je dort deckt. Werde es mir angelegen-sein lassen, in Zukunft eine noch schärfere Beobachtung vorzunehmen»ud auf alle mir bekannt werbenden Verstösse gegen das national- sozialistische Wirtschastsprinzip zu gegebener Zeit zurück- kommen. Vorstehendes liegt ganz im Sinne unseres Führers Adolf Hitler sowie des Saarbevollmächtigtcn Gauleiter Pg. Bürckel, der alle, die in nichtarischen Geschäften kaufe», als Verräter an der deutschen Wirtschast bezeichnet." Herr Viirckcl, in seinem Ganbczirk wilder antisemitischer Kinderschreck, schämt sich in seiner Eigenschaft als Saar- kommissar seiner offenen Pogromhetze. Vor de» Herren der Abstimmungskoinmission präsentiert er sich als gesitteter Europäer. Tie Dokumente, die er vor ihnen verleugnet, zeigen idn in der Rolle eines ebenso rauhe» wie unwahr- hastigen Kämpfers. Ein Bürgermeister nach Hitlers füiirerpriniip Werbt für die„Deutsche Freiheit 1 Tie Große Strafkammer in Bvnn setzte die Verhandlung gegen den frühere» Siegburger Bürgermeister Leu, sSiehe Nr. 280 der„Teutschen Freiheit"), den früheren Polizei- kommissar vo n Braun schweig und den Beigeordneten der Stadt Siegburg T r. Fußhöller mit der Zcugenver- nehmung fort Eingehend vernahm das Gericht den Zeugen Bungardl. Er jagte, Polizeikommijfar vo» Braun- schweig habe ihn damals gebeten, dt« Schuld an dem von Bürgermeister Ley verur achten Kraftwagenunglllck>n dem Ort Stein auf sich zu nehmen. Dabei habe der Polizeikommissar ihn gleichzeitig auch auf die strafrechtlichen Folgen der Tchulbttbernahme aufmerksam gemacht. von B r a» u s ch iv e i g, nochmals dazu gehört, erklärte, Ley habe ihn ausdrücklich beauftragt gehabt, dem Zeugen Bungardt nichts von den etwa>gen strafrechtlichen Folgen der Tchuldiibernahme zu sagen Tie Grobe Strafkammer fällte folgendes Urteil: Das Verfahren gegen de» Beigeordneten T r. F u b h ö l l e r wird auf Grund der A in n e st I e eingestellt.. Ter Hauptangeklagte, der frühere Bürgermeister L c». erhält eine G e s ä n g» i s- st r a f c von einem Jahr sowie 100 Mark Geldstrafe lwcgcn Fahrens ohne Führerschein. Ferner ivird ihm hie Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Ter frühere Polizeikommissar von Braun schweig wurde wegen einiger der ihm zur Last gelegten Verfehlungen zu sechs M onatcn und zwei Wochen G c f ä n g n i s verurteilt. Auch ihm wurde die Fähigkeit der Führung öffentlicher Aemter auf die Tauer von drei Jahren aberkannt. Ley und von Braunichweig wurde die in dieser Strafsache erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Ter Begründung entnehmen wir: Das Gericht hat sei» Urteil ansgcbaut ans dein Ergebnis der Hauptverhandlung und dein Eindruck, den die Angeklagte» persönlich während der Verhandlung ani das Gericht gemacht habe». Ter Angeklagte Leu erschien dabei als Manu, der sich im Kriege und im Kamps fiir die nationale Bewegung v e r d i c n t g e i» a> hat, ein Mensch von klarem Urteil, hart und zielbewußt im Guten wie im Böse». Ans seine Verfehlungen kann die Amnestie nicht angeivandt werden, da er sie nicht im Interesse der natio- nalen Bewegung, sondern zur Verschleierung seiner Straftat begangen hat Ter Angeklagte von Braunschweig trat als wenig fester Eharakter aus, der sich abhängig von Ley suhlte und um seine Stellung besorgt war. Das Gericht ist überzeugt, da» sowohl von Braunschiveig als mich Tr. Fußhöller im Fall Hill übereifrig um das Ansehen der nationalsozialistischen Bewegung bemüht waren. Objektiv war jedoch in dem an» gezogenen Schreiben des Hill keine Beleidigung des Tr. Fußhöller zu erblicken. Ferner sei T r. F» b h ö l l e r wegen Begünstigung der Straf entziehung d c S B ü r- ger Meisters L c y als schuldig befunden worden. Da jedoch keine höhere Strafe als sechs Monate für ihn in Frage kam. fei das Verfahre» gegen Fußhöller. auf Grund der A m n e st i e eingestellt worden Bezüglich des Hauptangeklagtcn Ley iei einwandfrei erwiesen dab er den U u fall in Stein verschuldet habe. Auch über die A n st i s t,, n g zur-trat c n t z i c h ii n g liege kein Zweifel vor. von Braunichiveig habe selbst gesagt, er habe alles nur aus Befehl des Bürgermeisters Ley getan, und es sei kein Grund vorhanden, von Braunichiveig nicht zu glaube». Das Gericht habe auch einwandfrei festgestellt, das, Leu sich des Beiseiteschaffe»« e i» e r a m l- I i ch e ii Urkunde schuldig gemacht habe. Tic Frage, vb er sich dabei einen Bermögcnsvorteil habe verschaffen wollen, sei verneint worden. Bei dem Angeklagten von Braunschiveig hält das Gericht entgegen den Ausführungen seines Verteidigers daran fest, dab er B c a m l c r gewesen>ci. Das Gericht glaube, die Bevölkerung würde kein Verständnis dajllr haben, wenn man heute sage von Braunschiveig, der über ein Jahr lang in der Uniform als Pvlizeikommissar sich betätigt habe, sei kein Beamter. Bei der Strafeiitziehung durch von Braun- schweig sei keine Vollendung, sondern ein V ersuch ange- nommen worden. Wegen der Urknndefälschung ans dem Nummernschild des Kraflivagcns iei der Angeklagte frei- gesprochen worden. Wen» auch von Braunschiveig wegen seines nicht besonders festen Charakters mildernde Umstände zugebilligt worden seien, io: ci seine Handlungsweise vor allein gegenüber der Staatsanwaltschaft aber derart gewesen, dab auch ihm die Fähigkeit zur Bekleidung össentlichcr Aemter aus die Dauer von drei Jahren habe aberkannt werden müssen. ^/»DEUTSCHLAND££60ZHITLER w~ y j An dfc Presse der„denlsmen Fronl" Was verdien! ttödiling bei der RiKhaiiederung? Röchling sichert sich 300 Prozent Saarbrücken, 28. Dez. Die„Weltfront" von Henri Bar- vufse bringt solgende Meldung über Röchling, den Rück- gliederungSgewinulcr: „Eine kleine Notiz einer großen Zeitung ist dieser Tage unbemerkt geblieben. Es bandelt sich um den Börsenbericht, den das französische Handelsblatt„L'Jnformation" am 29. November aus der Feder seines Berliner Korrespondenten brachte. Da beißt es: „Bedeutende Käufe wurden gestern i„ internationale» Werten für Rechnung saarländischer Industrieller und vor allem für Herr« Röchling durchgeführt. Da nach dem in Kraft befindlichen Devisen-System die Saarländer als Ausländer betrachtet werden, wurde der Ertrag der Käufe auf Sperrkonto eingezahlt." Man muß dieses Börsengeheimnis' entschleiern. Man muß der ganzen Welt zeigen, welch ein gaunerhafter Wucher hier von Röchling und der ganzen„Deutschen- Front"-Ftthrung betrieben wird. Gemeinhin ist eine beut- sche Reichsmark gleich sechs französischen beziehungsweise saarländischen Franken. Da die Berliner Regierung bei der Brüchigkeit der deutschen Mark, bei ihrer nichtvor- handenen Deckung unter allen Umständen zur Herbei- schassung von Devisen gezwungen ist, so hat sie die söge- nannte Sperrmark geschossen, Für wenig mehr als 2 Franken zahlt die Regierung eine Mark, wobei Bedingung gg5gSSBggT| Status quo bedeutet: w Zurück;um Reich, 1 aber net gleich! Berlin W., 26. 12. 1934 Wilhelmsplatf 1 H ist, daß die so eingehandelten Beträge nur in Teutschland umgesetzt und angelegt werden., Und nun stellt euch vor: Während die Hitler und Röch- ling euch die wankende Mark statt des stabilen Kranken bringen wollen, während die'Röchling-Bank in Saarbrücken seit dem 4. Dezember der Gestapo über jeden Sparer Be richt erstattet, der aus berechtigter Furcht vor der Um Wandlung in wertlose Mark seine ersparten Franken ab- ,,11, holt,— währenddessen verdreifacht Hermann Röchling seine lr, Profite durch ein schamloses Börsenmanövcr. Der Ertrag seiner Käufe ist auf ein Sperrkonto cingc- zahlt. Aber die Sperre über sein Guthaben hörte in dem Augenblick aus, wenn die Saar au Hitler siele. In diesem Falle wird Röchling die Millionenwcrtc, die er in de» letzten November- und ersten Dezembertagen an der Berliner Börse für einen Spottpreis kaufte, sür den drei- fachen Betrag losschlagen. Wollt Ihr setzt endlich ver- stehen, warum Röchling zu seinem Hitler will, warum er sür den Anschluß an das Deutschland des Börsenwuchcrs mobil macht? Nationalist— aber nur gegen bar! Seine französischen Geschäfte vernachlässigt er allerdings dabei nicht. Mit Recht kann Bourson in seinem Buch „Aulour de la Questio» Sarroise"(Rings um die Saar frage« die Röchlings als„angestellte Lieferanten der iran zösischen Handelsmarine" nennen. Der Nazipatriot Röch- ling hatte die Schamlosigkeit, in einer Reklame seiner Pariser Filiale zu erklären:„Unsere Betriebe babe« im Fahre 1925 in Frankreich für ungefähr 25 Millionen Franken Spezialstahl abgefetzt." Spezialstahl? Für de» Krieg! Für Frankreichs Panzer- schiffe und Festungen! Das ist der Führer der„dcutichcn Front. Pfarrer Bungarten Sein Abschied von der„Saarbrücker Landes-Zeitung" Einer der führenden katholischen Priester des«aargebiets hat einen wichtigen politischen Schritt unternommen. Pfarrer Bu»garten hat den Borsitz im Aufsichtsrat der früher katholischen, heute gleichgeschalteten„Saarbrücker Landes-Zeitung" niedergelegt. Er war der letzte Vor sitzende der saarländischen Zentrumspartci und vertrat in der Leitung der„Saarbrücker Landes-Zeitung" die Jntci essen des katholischen Klerus. Längst war Pfarrer Bungarten als«charter Widersacher des„dritten Reiches" bekannt. Tie Abgesandten des Herrn Goebbels und die nationalsozialistischen Katholiken habe» viele Versuche gemacht, den charakterfesten Priester von Saarbrückcn-Malstatt sür sich zu gewinnen. Sie blieben stets vergeblich, obwohl es auch an Drohungen»ach den Methoden des driten Reiches" gegen ihn nicht fehlte. Die Terroristen genossen schon im voraus ihre kalte Rache. Jetzt gibt Pfarrer Bungarte» durch seinen Austritt ans dem -aarbriickcr Landes-Zeitung" dem ge,a»>tcn saar-Katholi- zisnnis ein unzweideutiges Zeichen. Er hat a»ch an der Gründungsversammlung des„Deutschen Volksbundes teil- genommen.^ Die Neue Taar-Poft" schreibt:„Ueber siebzig katho- l i ck e G e i st l i ch e haben mit vielen Laien den„Deutschen NolkSbund" au* der Dause gehoben. Diese und viele andere Sich an her Saar versichern dem..Deutschen Volksbund" immer wieder ihre Sympathie. Sie. diese Geistlichen und der Deutsche VolkSbund" lassen sich leiten von der Liebe zur Kirche und i"'" Baterlande Die Geistlichen sind mehr als betrübt darüber, daß sich da- katholische Volk an der Saar in nerbetzcn läßt-ie sind enl,etzi. daß nicht mehr m,t de» Watten der Sachlichkeit der Gerechtigkeit und der Liebe ge rzmnl wird sondern mit den s'nsteren Massen der Lüge, der Verleumdung, der N'cdertrachi. der Ebrabkchne'duna und der rohen Gewalt. Reichsministerium für Volksaufklärung unil Propaganda Aktenzeichen 27114 B II STRENG VERTRAULICH NACH KENNTNISNAHME VERNICHTEN An die Herren Parteigenossen Schriftleiter im Saargebiet! In der Falte beigebogen behändigen ivir Ihnen den hierorts ausgearbeiteten Entwurf für die Schlagzeilen Ihrer Rlätter in den letjten Tagen vor der Abstimmung. Gleichzeitig haben wir uns mit den zuständigen Abteilungen der S.4., SS. und des Freiwill. Arbeitsdienstes in Verbindung gesetft, um eine lOOprozentige Durchführung unserer Vorschläge gewährleisten zu können. Wir erwarten von Ihnen strengste Disziplin in bezug auf Befolgung unserer Vorschläge im Geiste des nationalsozialistischen Idealismus. Ihre Belohnungen sind vom 14. 1 1935 ab an der Kasse unseres Ministeriums auszahlbar. Mit Hitler Heil! Friß Tropf, Wir kl. Geh. Reichspropaganda-Rat. Anlagen 1. Januar 1935: Zehn als Arbcitsdienstler verkleidete Marxisten ver- prügeln in Ncunkirche» einen italienischen Offizier. 2. Januar 1935: Enthüllungen über den sür die AbstimmungSnacht ge- planten Putsch der Freihcitssront. Diebstahl der Urnen, Verhaftung der Abstimmungskommission, Vergiftung der Besatzungstruppen geplant. Ausrufung der Sowjet- republik Taarabien vorgesehen. Ministerliste: Minister- Präsident Matz Braun, Innenminister Fritz Pfordt. Kriegsminister Leo Trotzki, Justizminister Dr. Sender, Kultusminister Pater Dörr. Postminister Hossmann. Berkehrsminister Prinz Hubertus von Löwenstein. Rus- sische Truppen sind bereits auf dem Seeweg in An- marsch. 3. Januar 1935: Ein entlassener Arbeiter der Röchlingwerke, Mitglied der Löwensteinschen Katholikenpartei, schießt auf Röch ling. Der Führer der Deutschen Front bleibt wie durch ein Wunder unverletzt. 4. Januar 1935: Hitler enthebt den Saarkommisiar Bürckel seines Postens, weil er Angriffe der Pfälzer Presse aus den Präsidenten Knox gehuldet hat. 5. Januar 1935: Ein Marxist umzingelt zwölf Mitglieder der Deutschen Front, die Plakate kleben, und wird in Notwehr ge- tötet. Ble Ah'enbesdilagnahme Beschwerde der„deutschen Front" abgewiesen Vor dem Obcrverwaltungsgcricht in Saarlouis sand heute die Verhandlung über die Beschwerde der „d e u t s ch c n Front" wegen der seinerzeitigen Attenbe- schlagnahme des Präsidenten der Regierungskommisfio» statt. Es handelt sich um die beiden Beschlagnahmen vom 19. und 24. Juli 1934. Die„deutsche Front" wurde vertreten durch Landgerichts- rat F r c» d e n b c r g e r. die Regierungskommission wurde vertreten durch den Direktor des Innern und des Kabinetts. Heimburger. Tie Ausführungen des Vertreters der Regierungskommission fanden in dem Urteil des Oberver- waltungsgerichts die Zustimmung dieser höchsten Instanz. Die Beschwerde der„deutschen Front" w u r d e in jeder Hinsicht a l S unbegründet a b g c w i e- s c n. Die Beschlagnahme stützt sich aus Artikel 19. 8 2 Abs. 17 des allgemeine» preußischen Landrechts. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes erkennt an, daß der Präsident der Regierungskommission zu der Aktenbeichlagnahme im Jw tcresse der Aufrechterhaltung der ösientlichen Ordnung und Sicherheit in seiner Eigenschaft als Polizciminister bcrech tigt war. ES ist ohnehin lustig, wenn die„deutsche Front", die Geld- schrank-Knacker in ihren Diensten arbeiten läßt, sich über eine behördliche Haussuchung beschwert. Asdierirmrwodi-Siimmoiig in der Pfalz Wegen der Saarabstimmung Ter stellvertretende pfälzische Gauleiter Leyser erläßt eine Bekanntmachung, in der sämtliche Faschingsveranstal- tuugen bis zum Tage der Saarabstimmung einschließlich sür den Bereich des Gaues Rheinpsalz untersagt werden. Dar- über hinaus drückt die Gauleituna de» Vorständen der Karnevalsvereine gegenüber den dringende» Wunsch aus, daß au»' alle jene Geschmacklosigkeiten bei der Pro grammgeftaltung und in Pressevcrlautbarungen verzichte! werde, die dem„endgültig verflossenen liberalistischen Zeit alter den Stempel ausgedrückt" hätten. Den Partei- gliedcrunoen wird die Abhaltung.eigener-Faschings Veranstaltungen untersag«.'' 6. Januar 1935: Zu der heute stattfindenden Kundgebung der Separa- tisten in Saarbrücken haben die Besatzungsbehörden kostenlos Transportmittel zur Verfügung gestellt. 7. Januar 1935: Beim gestrigen Aufmarsch der Separatisten, an dem höchstens 9999 Mann teilnahmen, kam es zu schweren Ausschreitungen. Etwa 29 Mann stürmten den Sitz der Regierungskommission und steckte» ihn in Brand. Bei sämtlichen Verhafteten, die nur mit Hose und Hemd bekleidet waren, wurden kommunistische und sozial- demokratische Mitgliedsbücher gesunden. 8. Januar 1935: Leute mit gefälschten Mitgliedskarten der Deutschen Front mißhandeln mehrere Juden in Dudweiler. 9. Januar 1935: Ueberwältigcndcr Sieg des 21ationolsozialismu6 in SaarlouiS: bei einer Probeabstimmung stimmen von 13 536 Stimmberechtigten 13 916 sür Teutschland! 10. Januar 1935: Durch einwandfreie Dokumente wird bewiesen, daß die Separatistenblätter„Deutsche Freiheit".„Deutsche Volkszeitung" und„Neue Saar-Post" monatlich je 299 999 Franke» Subventionen vom Quai d'Orsay er- halten. 11. Januar 1935: Ein Fingerz eig GotteS: Emigrantenkommissar Machts trägt bei einer harmlosen Schlägerei mit harmlosen Straßcnpassanten eine geringfügige Verletzung davon, an deren Folgen er verstirbt. 12. Januar 1935: Russische Flugzeuge, von französischen Piloten ge- steuert, werte» deutschfeindliche Flugblätter ab. 13. Januar 1935: Alle Züge nach Frankreich überfüllt! Tausende von Juden und Separatisten bereits abgereist! Matz Braun in Paris, Fritz Pfordt in Moskau eingetroffen! In Sulzboch werde» gesälschte Urne» entdeckt, die be- reits Hunderte von StatuS-quo-Zetteln enthalten. Der Präsident der Regierungskommission, Mr. Knox, jüdischen Ursprungs! Sensationelle EnthMutzgen des „Stürmer"! Katholische Pfarrer beim Stimmenkauf entlarvt. In St. Ingbert gehen Pfarrer von Haus zu Haus und kaufen Stalus-quo-Stimmen für 599 Franken pro Stimme! Der Führer a» der Saargrenze, zum Einzug bereit! Börsenkrach in Paris! Ter französische Franken von 16 Pfennig aus 2 Pfennig gefallen! Inflation! Zurück zur Reichsmark! Deutsch die Saar— immerdar— nur gegen bar! E'iie unerhörte Beleidigung Was einen Führer der„deutschen Front" in Wolle bringt In der„Saarbrücker Zeitung" lesen wir folgende Greuel- gcschichte: In den letzten Tagen wurde Vertrauensleuten und Mit- gliedern des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Saar von Saarbrücken ein Rundschreiben durch die Post zuge-, stellt das von einem gewissen Franz Spicker aus Schmal- bach Bierstr. 21 unterzeichnet ist. In diesem Rundschreiben wird versucht, die Herren Jmbuich und Kuhnen den Saarbergleuten als„aufrechte und tapfere" Kämpfer vor- zustellen, während der jetzige Vorsitzende des Gewerk- Vereins, Peter Kiefer, in der übelsten Weise verleumdet wird. ES heißt da u a.: „Was da Kieser>» Saarbrücken über Kuhnen gesagt hat, ist allerhand. Der Peter Kiefer ist gerade der richtige Mann, der das sagen muß. Ich weiß positiv, daß er sich anständig bezahlen läßt, wenn er jetzt i o l o s I e q t der ist ja selbst Nicht von dem überzeugt, waS er sagt, und daß Kuhnen und Jmbusch ehrliche Kerle sind, weiß der Peier io gut wie wir beide." An anderer Stelle heißt es: „Man müßte von Mund zu Mund sagen, daß Mit- gliederversammlungc» einzuberufen sind, in denen über die Ausschlüsse von Kuhnen und Jmbusch gesprochen wird. Peter Kieserdarsnichtn, ehrdas Vertrauen der Gewerkschaftler haben, denn er nimmt von der NSDAP. Gelder an und läßt sich vor Hitlers P o r t e> k a r r e n spannen." Es ist selbstverständlich, daß es sich hier um glatte Lügen handelt. Peter Kiefer wird dem Unterzeichner des Rund- schreibens vor Gericht Gelegenheit geben, seine ungeheuer- liche» Anschuldigungen zu beweisen. Es fällt uns schon seit einiger Zeit auf, daß die gleichgc- schaltete Presse des Saargebietes den teuren Namen Hitler nur noch wenig erwähnt und dafür mehr an D e u t s ch.l a» d erinnert. Man hat auch in diesen Redaktionen etwas ge- merkt. Zum ersten Male erfährt man nun. daß es eine straf- würdige Beleidigung ist. wenn jemand die„ungeheuerlichen Anschuldigungen" nachgesagt werden, er stehe in den Dienste» der NSDAP., des Parieikarrens Adolf Hitlers. 'Noch ein Schritt weiter, und man handelt in berechtigter Abwehr, wenn man einem in die Fresse haut, der mit„Herl Hitler!" grütz« ÄN den Pranger Methoden im„dritten Reich" 6. b Xor schleswig holsteinische Bauerniührer Elans Hans hat eine derart hetzerische Bekanntmachung gegen bockveinige Volksgenossen erlassen, das» wir uns verpflichtet suhlen, dieses Tvkument brauner ituliur in vollem Wortlaut anzuprangern: „?l u den P r a n g e r! Als ein Saboteur allerschümmster«orte am Winterhilss- iv^r! Hai sich der jrnyerc Oiemelndevorsleher Jvhj. Thomse» ans Boltoit(VattöfieW Ftensbnrgj erivieien. Wahrend all gemein im Landkreis Flensburg d:e Opierwilligteit als sehr gut bezeichnet werden kann und man allgemein geivuu ig, zur Minderung der'Nvi jener Volksgenossen, die noch als Opfer der Politik aller Parteien von links bis rechts bis heute noch nicht haben in Arbeit gebracht werden können, nach Kräften beizusteuern, gibt es noch lininer überall l!i einige Volksgenossen, die wohl materielle Vorteile einer nationalsozialistischen StaatSkührung als eine Selbstverständlichkeit betrachten, aber dieser gegenüber keine Ver- pilichrung anerkennen Ein solcher Schmarotzer an der Volks- gemcinichait ist der Vorgenannte. Als Besitze» eines ichuldenircien Hofes in der Größe von ~ 1 ,•'! Hektar mit einem EinheitSwcrt von 81 oini RM. und Jirhaber eines Bankguthabens— nach eigenen Angaben hat derselbe»m vorigen genau wie>» dieiem Jahre es nicht für nötig gehalten, sich auch nur mit der geringsten Wabe iiir das Winterhiliswerk zu beteiligen, obgleich er Junggeselle istund slir niemand weiter zu sorgen Hai. «einer Meinung nach kann er nichts zeichnen. Ohne weite- res drängt sich da einem die Frage aus, wer angesichts einer derartigen gesegneten wirtschaftlichen Vage dann überhaupt wohl noch»n der Vage wäre, iiir das Wintcrhilssiverk irgend etwas z» gebe». Äiachdcm ich in einer beinahe zweistündige» Unterhaltung versucht habe, den Mann davon zu überzeugen, das» man nicht nur Rechte, sondern in erster Vi nie auch Pflichten gegrnüoel der Volksgemeinschast hakte»nd nachdem er zugegeben halte, das» er der RSTAP, die Teutschland vor dem Eliavs ge- rettet habe, es auch zu danken habe, das» er heute noch aus seinem Besitz sei und ihr vielleicht sogar sein Leben ver- danke, lehnte er es dennoch ab. sich zu der von der NTTAP. geschaffenen Volksgcmeinichait durch eine Beteiligung am Winterhiltswerk zu bekennen Aber als es galt, vom nationalsozialistischen Siaat H>i«i Reichsmark Reichszuschüffe zu erlangen, da war es ihm sehr wohl möglich, weitere 8000:KM. sür den Umbau seines Hauses flüssig zu macheu. Aian versteht wenn die Empörung der Bevölkerung an gcsichts derartiger Vorkommnisse zur Siedehitze gesteigert ivird»nd braucht sich nicht zu ivundern. wenn die-e sich in irgend einer Weise Vuit macht. Weiiii. ivle im Falle des Reichsbankrats Köppen. sämtliche Fensterscheibe» seiner Wohnung zertrümmert wurden, so hat dieser Fall gezeigt, dag diese Bollsschädlinge sich nicht der Hossnung hingeben dürfen, das, der nat>onatsoziallstiichc Staat seine Polizei- beamten u>»d Detektive gegen diese empörten Boltcgenoss.n einsetzen»vird. Der nationalsozialistische Staat wird es sich vielmehr überlegen müssen, ob er es verantworten kann, das wertvolle Leben dieser Saboteure ungeschützt zu lassen, oder ob es notwendig ist, ihnen in gut abgeschlossene,, und bewachten Räumen den notwendige» Schutz zu gewährleiste». Allerdi, gs hat diese Art der Inschutznahme im BvUsmunde keinen so guten Klang. Aber vielleicht wird man diese Un- schLnheitrn mit in«aus nehme» müssen. Wir nehmen an. das» es bei diesem Falle sein Bewenden behalten wird und das» er allen als warnendes Beispiel genügt. Wir iühlcn uns verpflichtet alle Arten von E r z i e i> u n g s in a st n a h m e n a n z u w e n den, um die Volksgemeinschah herbeizuführen, möchten sie aber möglichst l!> durch Nebe:-", zeugung erlangen. Wo es sich sedoch»in hartnäckige Saboteure handelt, müssen eventuell auch härtere Mittel auge wendet werden. Wer sich elbst aus der Volksgemeinschaft ausschlieht, braucht sich nicht zu beklagen, wen» die Volks genossen jegliche Berührung mit ihm ablehnen und er eine gesellschaftliche A ech> un g erfährt, wi c sie ähnlich wohl nicht ausgesprochen worden ist. Wir werden uns nicht scheuen, gegebenenfalls der Oeiscnl lirhkeit mit weiteren Rainen zu dienen wenn dieses Beispiel nicht die erhoffte Wirkung auf jene Gleichgesinnten erzielen sollte.(5laiis Hans." Diele Bekanntmachung, die uns einen tiefen Einblick in die Verhältnisse«chlesivig-Holsteins tun lgsti. hat»Ii er den Bauern der Nordmark eine ungeheure Empörung hervor- geruken. Die No! des dcufsdicn Außenhandels 0:e Kansas öd e erhcöen ihre Stimme Tic.Handelskammern der beiden Hansastädte Hamburg und Bremen haben soeben einen Jahresbericht veröffentlicht, j» welchem ein Rückblick über die wirtichaitliche Lage von Hamburg und Bremen gegeben ivird und bestimmte Forderungen für die Zukunft gestellt werden. Angesichts der Bedeutung, die die beiden Städte im deutschen Export einnehmen, sind diese Kammerbcrichte von ganz besonderem Interesse. Bestätigung einer„Greuelhetze" Zunächst einmal erfahren wir aus dem Bericht der Hain- bnrger Handelskammer Einzelheiten über die furchtbare «ituat-oi! in weicher sich Hamburg und sein Handel im Sommer dieses Jahres befand. Als seinerzeit die anti- faschistische Presse aui diese Zustände von denen die gleich- geschaltete Presse, ivenn man von der„Frankfurter Zeitung" absieht, mit keiner Silbe erwähnte, hinwies, erhob sich in Hitlerdeutschland ein Geschrei über die angebliche„Greuel- hetze" die von de»„Emigranten" über Teutschland ver- breitet würde lind jetzt plötzlich werden nachträglich von der Handelskammer>n Hamburg diese Greuel voll und ganz bestätigt. In dem Bericht der Kammer heistt es u. a.: „Tie Tcviscnnot legte nicht nur jedes weitere Tis- panieren auch iiir eine nahe Zukunft lahm, sonder» er- schwcrte und verhinderte vorübergehend die Abwicklung lausender Engagements. Nach einem Zustand, bei dem Tolumentc und Waren in M>llionenwertcn im Freihafen Hamburg eintrafen und wegen Nichtbezahlung dem in- und ausländischen Empfänger vorenthalten werde» mutzten, Hai in der Tai die hansische Wirtschaft die Grundidee des „Neuen Plans" dankbar begrüstt" Die steigende Fertigwareneinfuhr Ferner find die Ausführungen der Hamburger Handels- kammcr über die Entwicklung der Einfuhr non besonderem Interesse. Tie Handelskammer stellt»est das» die Einfuhr von Fertigwaren trotz aller TrosselungSversuche gestiegen sei ein Beweis dakür. wie grost die Planlosigkeit der Wirtschaftspolitik der H!tlerrca>erung ist. Tie Handels- kammrr schreibt darüber wörtlich» „Es mühte sich ans dieser Bewegung sowhl eine Wcr»cr- höhung der ganzen Ein'uhr überhaupt als auch eine Gefahr für die Arbeitsbcichakfungsmahnahmen der Reichs- regiernng ergeben. Wen» mehr ausländische Fertigwaren eingeführt wurden.!o muhte das bedeuten, dan die Ver- ärbeitung von ausländischen Rohstoffen zu deutschen In- dustrietertigwarrn, die gerade eines der wichtigsten Auf- gabengebiete der deutschen Industrie ist. bedroht war. Tat- sächlich war die Einfuhr ausländischer Fertigwaren im Tommei 1084 um ungefähr 20 bis 2."> v. H. größer als in denselben Nkonaten des Jahres 1ÖÄ3; denn im September hatte sie einen Stand von 7.', Millionen Mark erreich!, gegen nur-">8 Millionen Mark im September 1988. Ticie Entwicklung war angesichts der Tatjache, dast au»' allen andern Gebieten die Ein'ubr nach Möglichkeit einge- dämmt wurde, nicht bedeutungslos" Oer Niedergang des Transitgeschä^ts Von ganz besonderem Interesse ist der Bericht der Handels- kammcr Bremen, da in dieiem Bericht trotz aller Verbeugungen gegenüber dem nationaliozialisti'chen Regime der Schleier übe, die Röte des deutschen Außenhandels ge- lüftet ivird'Nachdem die Handelskammer ihre Zustimmung zum neu n Plan von Tr. Schacht gegeben hat, weist sie an» die Sorgen des dent'chen Austenhandels hin. Bekannt- lich ist dem deutschen Transitgc'chä't. das immer lehr grost gewesen war, durch den„Reuen Plan" die Lcbensmöglichkeit genommen worden, weil für Transitgeichätt so gut wie keine Devisen zur Verfügung gestellt werden. Darüber schreibt die Bremer Handelskammer ganz offen folgendes: „Wenn sich auch ö».r„Nene Plan" nach ansanglichen Schwierigkeiten eingespielt zu haben schont,|o gibt es dennoch allerlei Beklagenswertes,^.cm^ran- sithandelsgeschätt das als Tevisenguelle neben dem Export der wichtigste Aktivposten in der Handelsbilanz ist, ichlt die notwendige finanzielle Bans. Ilm Devisen»ach Teutschland hereinzubringen, mutz der Transithandel zum Abschluß der Geschäfte am Weltmarkt zunächst iiir eine Zeitlang Devisen zur Verfügung gestellt bekommen. Bis- her maugell es dafür au der rechtlichen Voraussetzung. Tie muh aber geschaffen iverdcn. ivenn Teutjchland»ch nicht selber eine seiner besten Tcviscnquellen verstopfen will." Fort mit Darre Ganz besonders bemerkenswert ist es. dast die großen Bremer Handclsyäu,cr, deren Sorgen und Wünsche im «ammergericht zum Ausdruck gebracht werden, heute w'edcr den Mut ausbringen, ihre Stimme gegen den Aulark'ewahn- sin,, des National oz alis«s.>usbe,andere gegen die ver- rückte Blubopolitik des Argentiniers Darre zu erheben. In vorsichtigen Worten, aber immerhin recht deutlich, berichtet darüber d>e Handelskamme, Bremen wie folgt: „Aich, unberechligte Sorgen muh der hanseatische Ucber- seehandel serner aus dem Gebiet der eigentlichen Handels- Politik äußern, wo sich der Uebergang vom allen System der Meistbegünstigung zum neuen Prinzip der Gegenseitig- keitSverträge noch im Zustand der Entwicklung befindet und die verschiedenen Verrechnungsabkvmcm» eine Ivel- tere Schrumpfung des Welthandels herbeiführen. Von einem Fortschritt kann auf diesem Gebiet nicht die Rede sein. Ter grundle'gcnde Fehler war hier entschieden der, daß die Handelspolitik unter verschiedenartigen Einflüssen geleitet wurde. So haben die Verträge mit Holland und Finnland bc.ondeis ungünstige Folgen slir die deutsche Nationalwirtschaft gezeitigt Das Ziel, die deutsche Landivirtschast vor übertriebener ausländischer Einfuhr zu ichützen. wurde nicht erreicht, da- gegen der Export in starkem Maße eingeengt, Hollands landwirtschaftliche Ausfuhr»ach Teutschland hat z. B. in den eisten neun Monaten des Jahres 1981 um etwa"20 Millionen Mark zugenommen, während die Ausfuhr Teutschlands nach Holland insgesamt schon in den ersten Monaten des Jahres um 92 Millionen Mark abnahm." Ganz besonders interessant ist der Hinweis auf Holland und F.Unland. Ta zielt die Handelskammer direkt auf Tarre, denn die Schwierigkeiten, die durch die Agrar chutz- zvllpolitik der Butterausfuhr Hollands und Finnlands nach Teutschland bereitet wurden, haben diese Länder zu Gegen- maßnahmen veranlaßt, die die deutsche Ausfuhr ichiver ge- troffen hatten Das Ende der„Arbeitsschlacht" Es würde zu weit führen, auf alle Probleme, die die Bremer Handelskammer in ihrem'Bericht ausgcmorsen hat, einzugehen. Wir möchten uns deshalb darauf beschränken, zum«chiiist nur noch den wichtigsten Punkt des ganzen Be- richts hervorzuheben. Tic Bremer Handelskammer erklärt nämlich ganz offen, das» heute„>m deutschen W'rtschastS- leben der Punkt erreiche worden ist, der eine weitere Stei- gernng der b'nnenwirtjchastlichc» Umsätze und ein^ damit verbundene Förderung der Arbrttsbefchassung ohne Bcle- bnng deS Auslandes nicht mehr zuläßt". Tiefe Erklärung bedeutet, dast von weiteren Arbeitsbe- schaffnngsp.äncn bei der gegenwärtigen finanziellen und wirtschaftlichen Lage Teutschlands Abstand genommen werden must, daß heute die Parole nicht mehr die dileitaniiich aui- gezogene„Arbeitsschlacht", sondern Förderung des A n st c n h a n d c l s sein must. Das Ende der Arbeits chlacht offenbart sich bereits in der Tatsache der steigende» Arbeits- lo.enzahl, mährend von einer Forcierung der deutschen Aus- fuhr noch nicht gesprochen werden kann. Dementsprechend ist auch die wirtschaftliche Lage im„dritten Reich" außerordentlich bedenklich, und die politi'chen Spannungen im Hitlerparadies sind teilweise Reflexe der bestehenden groben wirt- schastlichen Schwierigkeiten. Per„Bibelforscher im UM IM Entlassung wegen Verweigerung des Diensteides Vor der Badischen Tienststraikammcr. hatte sich der ver- heiratete Polizciivachtmeister Wilhelm Woli zu veranl Worten, weil er sich g c Iv e i g e r t b a t l e, d c II T i e II st ei d zu leisten und„den Symbolen des Staates die Ehren zu erivcisen, die von jedem Beamten verlangt werden." Wie der Angeklagte eingehend darlegte, erfolgte die Eidesverwei- gernng aus einem Gewissenskonflikt infolge Bindungen religiöser Natur. Er mar vor einiaen Jahre» der V e r e i n i g u ii g ernster Bibelforscher beigetreten 1982 habe er stck tanken lauen Ter damit einqeaanaene Taufbund sei ledialich ein Bund, der zwischen dem Täufling»nd(V, Ott ge ich lost"ii werde: er erlege dem Täuiling die'Verpflichtung an'', nach der Lehre Goitcs zu leben, enthalte jedoch keinerlei u eltliche Verpflichtungen. Ans die Frage, was die„Ernsten Bibelforscher" vorge schrieben und ihn nachher veranlaßt habe die Eidesleistung abzulehnen, erklärt der Angeklagte: Tie Bibeliorscherverei- uigung war ankaclöst»nd konnte mir nichts vorichreiben. I ch st ii tzc mich lcdiglichau»' dicHeilige Schritt. Tie Ankchavungen der B'bilkor'cher ivaren iveltl'che An schi'iiunoen. Ich must mich an»' die Heilige Schrift stützen. Vorsitzender: Ausaehend von welchen Stellen der Schrift haben Sie sich geweigert, den Eid aus den Führer z» leisten? Angeklagter: Ich stütze mich ans das Evangelium Matlhäi ö. 88—37:„Ihr habt weiter gehört, das» zu den Asten getagt ist: Tu sollst keine» falschen Eid t u n und i o l l st deinen Eid halte n. Ich aber sage euch, da« ihr allerdings nick'l schwöre» sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl: noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel: noch bei Jerusalem, denn sie ist eines großen Königs Stadt. A» ch i o l l st d u n i ch t b e i d e i n e m Haupt schwören: denn du v c r m a g st nicht ein einziges Haar weis» oder schwarz zu machen. Eure Rede sei: Ja. ia, nein, nein: was darüber ist. das ist vom Ucbcl." Ferner auf laeobi st. 12:„Vor allen Dingen abe" meine Brüder, schwöret nicht weder bei dem Himmel r"ch ft"' der E?de noch mit keGem anderen Eid? Es sei aber ,,.•«wpv». gp i„ i»t:„nd: Nein das nein ist. aui dast jl nich' k» Heuchelei fallet." Vorsitzender: Sie mußten kich doch über die Folgen der Verweigerung des Eides, der durch Gesetz angeordnet ist. klar sein. Tic mutzten doch die Konsequenz ziehen»nd aus dem Staatsdienst auötreien. Ein Beamter, der dieser gesctz liehen Bestimmung leine Folge zu geben vermag, aus weichen Gründen auch immer, muß eben seinen Dienst ausgeben. Angeklagter: Ich war bereit, meinen Dienst»ach ivie vor zu»ersehen. Vorsitzender: TaS Gesetz ist ein Gebot und der Be- amte bat es zu erfüllen. Im Weigerungsfälle verstößt er gegen feine Beamtenpilichtc». Ich wein nicht, warum Sic den Eid nicht leisten sollten trotz dieser Bibelstellen. Ter Eid l> a i mit den Bibel st e l l e» nichts z u t u n. Warum grüßen Sie die Symbole des Staates nicht? A»geklagt c r: Ich achte die nalionalen Symbole, aber es midcrstrcbl meiner innersten Glanbensanschaunng und auch der Schrill: ich kann und darf es nicht auf Grund des Bundes, den ich mit G o t i geschlossen habe, V o r i i 0 e n der: Bei dieser Einstellung war es ein Glück, daß Sic nur im Innendienst zu tun hallen. Wenn sie sonst i» die Laac gekommen mären, von der Waise Gebrauch zu machen, dann hätten Sie gesagt:„Tu sollst nicht töte n." Angeklagter: Ich würde nur von der Waiie Gebrauch machen, um den Gegner kampsnni'ähig z» machen. Vorsitzender: lind wenn Sic bei einem solchen Vor- kommnis mit Ihrer Pistole aus den Gegner schießen, dann müßten Sie doch damit rechnen, dast Sic ihn zur«trecke bringe»? Angeklagter: Aber eine beabsichtigte Tötung läge dann nicht vor. Ich würde in diesem Falle aus Gott ocr- trauen. Ter Vorsitzende hält ihm die Folgen seiner Weigerung vor und erinnert den Angeklagten daran, an seine Familie zu denken: 11»Jahre lang hat er seinen Dienst zur vollsten Zufriedenheit verschen. Ter Angeklagte antivortel, daß er- sich die Sache reiflich überlegt habe. Er könne gar nicht anders handeln. Was seine Zukunft anlange, so verlasse er stch aui Göll Vorsitzender: Sie sehen selbst ein. daß ein Staat einen Veainicn, der den Eid aus den Führer verweigert kon- scauenterweise nicht behalten kann. Angeklagter: Ja, das sehe ich ein. Ich möchte er- klären, dast ich gegen den Führer»nd Reichskanzler und gegen den Staat nichts habe. Ick» kann nur wiederholen: Meiner lieber,zeugung nach, die ich durch die Heilige«chrnt gewonnen habe, kann ich m i ch n i ch t in G c g c n j a tz z ii G o t t st c l l c n.^,=„ Ein Vorgesetzter des Angeklagten wurde als Zeuge ver- Nammen. Er stell: ihm ein tadelloses Zeugnis aus.^rotz Zuredens seitens seiner Kollegen blieb er bei der Berweige- rnng des Eides auf Grund seiner überreligiösen Einttelluug. Der Zeuge erklärt, W. habe Jesus als seinen V o r- gesetzten angesehen. Er habe wiederholt zum Aus» druck gebracht, daß er es mit seinem Gewissen nicht vcrein- baren könne, den Eid zu leisten. Als die Vereidigung statt- finden sollte, hat er sich krank gemeldet,«ein Verhalten wird von seinen eiaenen Kollegen nicht verstanden, da nichts v^r- langt wurde, was gegen die Reliaion verstößt._ Der V ertretcr der Anklage weist daran! bin. daß der Standpunkt des Angeklagten insofern inkonsequent sei. als er auf der cii-cn Seite versichert, die Gesetze beachten und seine Amtspflichten erfüllen zu wollen, während er andererseits den Diensteid, der zu den Amtspflichten gehört, verweigere. Ter Diensteid müsse von einem Beamten vvr"- behaltlos geleistet werden. Zweifellos verdiene der A>»> geklagte menschliches Mitleid. Es könne aus keine andexi Strafe als ans Tienstentlanuna erkannt werden. Ter An- klagevcrtrcter befürwortete die Bewilligung von 80 v. H. des Rnhcgcbaltes iiir die Tauer eines Jahres. Tie T i c n st st r a i k a in m e r erkannte ans Eni- l a s s u n g aus dem Dienste. Es wurde ihm aus Vit Tauer von zwei Jahren ein llnterstüviingsgehalt in Höhl von 80 v. H. des Ruhegehalts für die Uebcrgangszcit bewil« ligt. In den Urtcilsgründen wurde u. a. ausgeführt: Daß auf keine andere Strafe erkannt werden konnte als auf Dienstentlassung, war sür die Ticnststrafkammer selbst- v e r st ä n d l i ch. Auch der Angeklagte war sich darüber klar, wenn er sich weigerte, den Tiensteid zu leisten und de»«um- boleu des Staates die Ehre zu erweisen. Das Gesetz, in dem die Leistung des Diensteides vorgeschrieben ist, ist ein Gebot, das der Beamte zu erfüllen hat, und ivenn er diesem Gebot nicht nachkommt, so verletzt er seine Amtspflicht und begeht damit eine Ticnstpflichtverlctzung. TaS Gericht ist über den Ruhegehaltsantrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft hinausgegangen, weil nicht unehrenhafte Motive den An- geklagten zu seinem Verhalten bestimmt haben, sondern G c m i i s? n s k o n i l i k t e und Bindungen r c l i- giöier Natur, von denen er trotz allem Zuspruch sich nicht freimache» kann. Ta er eine Frau und zwei Kinder hat, alanbte das Gericht, ihm die Uebergangszeit erleichtern zu sollen und bat ihm daher auf zwei Jabre-das„N«s^r'lii9ix'ms- gchalt gewährt. ftvwnmen• zur^eufscfien f?fcificW•»reifrifssf und 9es«füt W innir vorzulegen. Finale (Schluß) Bann liefen wir hastig nach der Höhe, wo unser Stall lag, um den Aufbruch nicht zu verfehlen. Hinter uns drein kamen Vyth und Jochimsen nun auch gelaufen. Im Stalle herrschte eine schreckliche Verwirrung. Alles bewegte sieh schreiend und nach den Tournistern suchend durcheinander. Natürlich fand keiner den richtigen, ausgenommen wer gerade daruaf geschlafen hatte und schleuderte ihn über die Schultern. Nicht viel hesser ging es mit den Gewehren; die Pyramiden wurden einfach auseinander gerissen und umgeworfen. Um die Aufregung noch zu steigern, gingen ein paar Schüsse los, die aber wunderbarer Weise niemand verletzten. Wer sich etwa die Stiefel ausgezogen hatte, war schlimm daran. Mitten in dem Lärm tönten die Kommandos zum Antreten. Der Hauptmann rannte wie besessen umher und verlangte durchaus, daß wir zur„Besetzung dieses Höhenrandes" schwärmen sollten. Während er solchermaßen herumspektakelte, schwirrte im Stalle alles wie in einem Ameisenhaufen umher. Wer fertig war, ging hinaus und wurde sofort„zur Besetzung dieses Höhenrandes" kommandiert. Währenddem war der„Feind" ziemlich nahe herangekommen. Hätte er nicht die verrückte Idee gehabt, über die von W asserläufen durchschnittenen Wiesen vorzugehen, so hätte er sich längst unser erbarmen können. Da wir glaubten, für diesen Fall außer Gefecht gesetzt worden zu sein, so schimpften wir nicht schlecht auf seine Dummheit und feuerten auf Geratewohl ohne anzulegen einfach in die Luft, auf den nassen Boden, oder wo wir sonst Lust hatten, hinzuschießen. Inzwischen war es heller geworden und wir erkannten das monströse Gefechtshild. Unser Regiment war allenthalben angegriffen; aber" das Gefecht bildete nicht etwa ein einheitliches Ganzes, sondern zerstreut sahen wir hier eine Kompanie, dort zwei, an anderer Stelle bloß eine halbe, sich mit denen von der andern Seite herumschießen. Es war ein schrecklicher Wirrwarr. Nachdem wir etwa eine Stunde oder anderthalb!» zur höheren Ehre des Vaterlandes Platzpatronen verschossen hatten, machte ein erlösendes Halt dem grausam dummen Spiel ein Ende. Und dann kam eine noch schönere Botschaft: Auf allerhöchsten Befehl Ruhetag— abrücken in die Quartiere! Das war's, wonach wir uns sehnten. Die zersprengten Haufen unseres Regiments sammelten sich auf der(.liaussee, und bald marschierten wir auf eingeweichten Wegen nach Norden, wo man uns Quartiere angewiesen halte. Größere, zusammenhängende Dörfer fehlten hier fast vollständig. Was wir sahen, waren große Gutshöfe, mit einem Kranze von niederen Tagelöhnerkathen umgehen, die in ihrem Schmutz einen trostlosen Eindruck machten In diese Gutshöfe zerstreute sich bald unser Regiment. Unsere Kompanie hatte wieder den weitesten Weg. Da man vorn ein viel zu eiliges Tempo ansehlug, fiel uns das Marschieren schwer und und mancher glaubte, daß er bringen würde; aber wie gewöhnlich, war auch heute unsere Widerstandskraft weit stärker, als man selbst dachte. Es ist überhaupt erstaunlich, was der Mensch auszuhalten imstande ist. Oft glaubte man, es keine zehn Minuten mehr ertragen zu können, und in diesem dumpfen.Mattigkeitsgefühl ging man oder schleppte man sich noch stundenlang fort. Bei diesem Marsche, der ungefähr zwei Stunden dauerte, hatte es mein Freund Seele am schlechtesten. Er war offenbar krank: jedenfalls hatte er sich bei dem Gefecht auf der von Wasserläufen durchschnittenen Wiese erkältet, oder das elende Lager in dem feuchten Stalle hatte es ihm angetan Sein Gesicht glühte und auf der Stirne stand ihm dicker Schweiß. Dabei schritt er mit großer Hast vorwärts; wenn ich versuchte, ihn durch einen Scherz aufzuheitern, schüttelte er den Kopf und stöhnte:„Wenn wir bloß erst im Quartier wären!" Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und nahm ihm das Gewehr ab. Das war ihm zuerst eine Erleichterung, aber lange dauerte es nicht, dann stellten sieh die Anzeichen der gefährlichen Erschöpfung wieder ein. Plötzlich faßte er mich beim Arm: ..Ich hin«ehr schlecht. Junge; ich glaube, ich muß mich ausruhen." Damit wollte er zusammensinken. Ich stützte ihn, so gut ich es bei meiner eigenen Schwäche konnte, und schaute mich hilfesuchend um. Aber jeder war heute so sehr mit seiner eigenen Qual beschäftigt, daß man nur unwillig über die durch uns verursachte Verzögerung wurde und schalt. Ich rief Hans, den Geistertänzer an; aber der hastete mit weil vorgestrecktem Halse vorwärts, ohne auf uns zu hören. Einige andere, denen ich zurief, blickten müde und teilnahmslos auf uns Wir waren aus der Reihe getreten.um den Zug nicht länger aufzuhalten. Als wir nun am Grabenrande standen, kam uns Hilfe. Der erste war Vyth. der selbst humpelte. '„Was hat Seele?" fragte er. „Fragen Sie erst nicht lange, nehmen*Si*4ie» Tournister!" Ohne ein Wort zu erwidern, hakte Vyth den Tournister los und schwenkte ihn auf den Rücken. Inzwischen ging der dritte Zug an uns vorüber, in dem Jorhimsen marschierte. Lebhaft und flink voranschreitend, wie immer, kam er daher, den Kopf hochtragend und mit den hellen Augen herumblickend. ..Hallo! ein Mann schlapp?" rief er und trat aus dem Gliede. Ohrte sich an die Rufe des Unteroffiziers zu kehren, griff er Seele mit unter den Arm. Als das Ende der Kompanie uns erreichte, schlössen wir uns hinten an. Seele hing in unseren Armen und taumelte hin und her. Ich zweifelte nun nicht mehr, daß er ernstlich erkrankt sei. Endlich hatten wir unseren Gutshof erreicht, ein grämliches, kahles Durcheinander von Ställen und Scheunen und niederen Hütten. Seihst das Herrenhaus war unfreundlich Der elende Eindruck wurde noch durch die kahle Anhöhe, auf der das Gut lag, verstärkt. Feuchte Nebel flatterten darüber hin, und als wir durch das morsche Tor schritten, war nicht eine Menschenseele da. die uns zurechtwies. Wir zerstreuten uns in die Scheunen und Ställe, warfen Stroh auf das holprige Pflaster und sanken nieder. Einige rieten uns. wir sollten erst trockene Kleider anziehen, aber der Teufel mochte sich noch länger auf den Beinen halten, wir konnten eben nicht mehr. Ich war mit Seele in einen Winkel getaumelt. und bald wußte ich von nichts mehr. Um midi her schwirrten leise und laute Stimmen, wie aus weiter Ferne hörte ich manchmal meinen Namen rufen, aber ich konnte nicht antworten, denn eine Mattigkeit, wie ich sie noch nie gefühlt., drückte mich zu Boden. Erst einige Stunden später kam ich soweit zu mir. daß ich aufstehen konnte. Meine Glieder waren steif und es machte mir Mühe, midi in dem schweren, durchnäßten Tudie zu bewegen. Seele lag im festen Schlafe, und mit ihm die meisten anderen Leute; nur einige standen unter dem Schauer vor der Tür und reinigten Gewehre. Ich fand kinen Geschmack daran. sann vielmehr darüber nach, wie es wohl möglich wäre, den sich meldenden Hunger zu stillen. Wir hatten ja nur Notqnirtier bezogen und bekamen deshalb kein Essen von unseren Quartierwirten. Ohne Absicht lenkte ich meine Schritte aus dem Hof und ging nach dem dahinter liegenden Garten. Das erste was ich sah, wai eine Feldmütze voll blauer Pflaumen und das zweite war Joehitnsen, der damit auf einer umgestürzten Karre saß und sie als sein mir höchst verlockend erscheinendes Mittagsmahl verzehrte. Er bot mir sogleich von seinem Raube an. Im gewöhnlichen Lehen wird man mit Kommißbrot und Pflaumen nicht viel Tafelfreuden erleben, uns ausgehungerten Barschen aber schmeckte es wie Karpfen am Weihnachtsabend. „Wie geht es Seele?" unterbrach Jochimsen unser- Mahl. Ich schrak zusammen und dachte nach. Seele— ja wie war das eigentlich? Er war ja wohl marode? Dann erinnerte ich mich des Zustandes, in dem sich Seele heim Marsche befunden hatte und erwiderte stockend:„Er schläft— ich denke, daß er schläft, ich habe ihn nicht gefragt." ..Du. dann müssen wir uns um ihn bekümmern. Und umgekleidet hat er sjch auch noch nicht?" Ich verneinte. „Das hätte er lieher tun sollen. Weißt Du, diese dicken Kerle sind wie die Mollusken, die können nicht viel vertragen. Laß uns mal sehen." Wir gingen zurück und fanden Seele schlafend im Stroh. Als wir uns ihm näherten, fühlten wir die Hitze, die von ihm ausging. Gesicht und Hals waren scharlachrot. Er hatte offenbar starkes Fieber. Wir entschieden uns nach eitrigem Ueberlegen dafür, ihn hier liegen zu lassen und den Stabsarzt zu suchen. Vorher deckten wir ihn mit zwei Mänteln zu; sie waren zwar naß, aber wir hatten nichts besseres. Den Stabsarzt zu finden, war durchaus nicht so leicht; aber nach einigen vergeblichen Gängen stöberten wir ihn doch auf. und zw ar in einem Gutshofe, wo er anscheinend sehr gut aufgehoben war; denn er lag auf einem Sofa und qualmte wie ein Bäckerschornstein. „Was wollt Ihr, meine Freunde?" fragte er in seiner gutmütigen Art. Wir stellten ihm die Sache vor und baten ihn, mitzukommen. „Euer Kamerad wird zu viel gegessen haben, das ist die richtige Manöverkrankheit. Er fiebert? Das ist gut! Nun muß er noch tüchtig purgieren, dann ist der Leichnam wieder in Ordnung. Ihr werdet's sehen." Wir durften darauf nur ungläubig lächeln und der Stabsarzt lachte mit. „Na, woll'n dem Freund mal wieder auf die Beine helfen!" Dann kleidete er sich schnell an und ging mit uns. Als wir mit ihm das Gehöft betraten, erregte es nicht wenig Aufsehen. Einige Unteroffiziere wollten uns ausfragen, aber wir hielten uns nicht bei ihnen auf. Der Stabsarzt schüttelte Seele wach und fragte ihn wieder:„Du bist doch ganz gesund, mein Freund?" Seele mnc-ielte leise, daß er trinken wolle. „Na seht Ihr. er hat zuviel gegessen und will nun trinken. Das konntet Ihr ihm schon gegeben haben. Holt ihm Milch oder Wasser; es ist ja ganz egal." Dann untersuchte er ihn.„Es ist so, wie ich sage— wandte er sich an uns— schwitzen und purgieren, und der Kadaver ist wieder im Lot. Dann läuft er wieder, solange es Majestät für gut hält, uns laufen zu lassen. Aber er soll Euch ans den Augen, Ihr werdet sonst auch noch krank. Der arme Freund muß nämlich ins Bett." „Aber wohin?" fragte ich. „Ei," rief der gute, kleine, dicke Stabsarzt,„wohin? Da ins Haus! In das Schlafzimmer der gnädigen Frau meinetwegen, wenn sonst kein Platz ist. Geh einer hinein und melde es. daß ein Bett für einen Kranken bereit gestellt werden soll!" Vyth ging ins Haus und stieß an der Tür mit dem Hauptmann zusammen. „Wo willst Du hin?" fragte er. Vyth sagte es.— „Und Du dreckiges Judenaas willst da hinein tapsen? Ich werde Dich bekranketi! Mach, daß Du weg kommst, Du Vieh!" Der Stabsarzt hatte es gehört. Er ging schnell zum Hauptmann. „Tag. Kaiisch!" rief er, ihm die Hand reichend.„Gut Quartier? Ich denke, wir lassen den armen Burschen von Ihrer Kompanie da hineinschaffen; steht verdammt schlecht mit ihm. Starkes Fieber! Kanu nicht wissen, was daraus wird.** „Was ist das ein Schlappstiefel!" „Hat sich aus geschlappstiefelt, Kaiisch, den guten Mann hat die Nässe und der Hunger untergekriegt. Denken Sie, ich habe seihst einen ganzen Tag nichts Warmes zu essen gehabt." Es ärgerte den Alten, daß wir Zeugen der Unterhaltung waren. Er wehrte deshalb unwirsch ab. „Lassen Sie das doch! Wenn man davon krank würde, wäre ich schon vor fünfzehn Jahren gestorben. Ich werde den Schweinehund nachher ein paar Stunden exerzieren lassen, dann, sollen Sie sehen, ist er wieder so munter wie ein Flohhock." „Ich kenne Ihre Hausmittel, Kaiisch, aber diesmal taugen sie nichts. Helfen Sie mir lieher, ein Bett für das Kerlchen zu finden. Kommen Sie!" Damit schob der Stabsarzt seinen Arm in den des Hauptmanns und zog ihn mit ins Haus hinein. Nach einer Weile kamen beide zurück und der Stabsarzt ordnete an, wie Seele ins Haus zu transportieren sei. Der Hauptmann konnte es nicht überwinden, er mußte noch einmal über den armer Seele herfallen und ihn nach Kräften ausschimpfen. Eine Utopie wird Wirklichkeit Judenfrage, Zionismus, Palästinaaufbau- losef Dünner Mehr denn je ist die Judenfrage aktuell. Wirtschaftskrise, nationalistische Beschränktheit und Verhetzung haben dazu beigetragen das Problem des über die ganze Erde verstreuten Volkes erneut auf die Tagesordnung zu stellen. W ir geben daher in den folgenden Artikeln einem guten Kenner der Materie das W ort. Der aus der deutschen Arbeiterbewegung hervorgegangene Verfasser, Dr. Josef Dünner— selbst Jude—, hat Palästina hereist und uns seine Eindrücke übermittelt. V orgeschichte Als im September 1882— nach den russischen Pogromen — der russisch jüdische Arzt Dr. Leon Pinsker die Losung der„Autoemanzipation" erhob und jene bedeutungsvollen Worte niederschrieb:„Die Juden sind keine lebende Nation, sie sind überall fremd, daher sind sie verachtet. Die bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden genügt nicht, sie in der Achtung der Völker zu heben. Das rechte, das einzige Mittel wäre, die Schaffung einer jüdischen Nationalität, eines Volkes auf eigenem Grund und Boden, die Autoemanzipation der Juden, ihre Gleichstellung als Nation unter Nationen durch Erwerbung einer eigenen Heimat." da stieß er zunächst fast nur auf Gleichgültigkeit. Die westeuropäische Judenheit sonnte sich noch im Glück der ihr mit der französischen Revolution znteilgewordenen Freiheiten. Der Boden, auf dem die Väter und Vorväter gelebt und oft gelitten hatten, war tiuti kraft Gesetzes Vaterland geworden. Jene Mirabeau und Lessing sollten»ich in ihrer Voraussage, daß mit der Aufhebung des Ghettos und der Unterdrückung die Juden sich als treue und nützliche Staatsbürger bewähren würden, nicht getäuscht haben.— Wenigstens soweit das in der Hand der Juden lag. Die jüdische Gesellschaft Berlins hatte sich um die Jahrhundertwende herum fast geschlossen taufen lassen. Nichts mehr sollte sie mit der Vergangenheit verknüpfen, nichts mehr sollte sie von ihrer nichtjüdischen Umgebung trennen. Selbst diejenigen, die die Tradition nicht verleugnen wollten, stempelten sie zur Konfession. Französische, englische, deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens erhielt sie vom Judentum nur noch die äußere Form. Und, wenn sie im Gebet sich auch gen Osten wandten, Jerusalem, der heiligen Stadt, zu, wenn sie an Feiertagen von der Rückkehr in die alte Heimat sprachen und am Weihefest der Makkabäer dachten, der Wunsch„im nächsten Jahre in Jerusalem" war ihnen zum Symbol geworden. Traum einer messianischen Zukunft, die sich nun bald,„bald, in diesen Tagen'* erfüllen sollte,• Hitlers Knielail vor den Franzosen Eres; EfraBm-» KemriM öarksdi Heraus mit den widerrechtlich Verhafteten! Seit zehn Tagen befinden sich der Führer der Sozialistisch.',, Arbeiterjugend de«» Zaargcbiets, E r n ft A r a« n, und fc-n Kamerad Heinrich Bartsch im..dritte» Reich» in Haft.«lnch nach den Berichte» der nationalsozialistischen Presse sind die beiden Sozialdemokraten nicht absichtlich ins »dritte Reich» gcsahrcn, tvndcriz sind über die Grenze ge- lockt worden. Tami» entfällt jede Absicht einer politischen Betätigung aus reichsdcutschem.Gebiet. D>c Verhaftung ist ei„ flagranter Rcchtobruch, der um so schlimmer ist. als er Abstimmungsberechtigte trisst, die so an der Wahrnehmung ihrer durch den Völkerbund verbrieften Rechte ge- hindert werden. W'r fordern, dast die Freiheitsberaubung sofort ausge- hoben wird. Wir erwarten, dast die Regtcrungskommissio» nicht nur alle zweckdienliche» Schritte unternimmt, sondern auch die Qcsscntlichkcit aufklärt, was geschehen ist und w'c das»dritte Reich» sich zn der Forderung der Freilassung stellt. Auch die Abstimmnngolommission erinnern mix an ihre Pflicht. !??e neue Judcnliafz Aus dem Reich wird uns berichtet: In Frankfurt a. M. ivurden ain„Goldenen Sonntag» (28. 12. lt)84 1 und am darauffolgenden Tage die jüdisch c n D e t a i l g c s ch ä f t e wieder b o u l o t l i c r t. Bor den Gefchästseingängen postierten fiel) junge Männer in Zivil, ivelchc dem Publikum den Gintritt in die Geschäfte vcr- wehrten. Bor den Geschäften entstanden Meirschenansamm- lungen: die Polizei stand dabei und rührte sich nicht mit der . Begründung, es bandle sich hierbei um eine wirlschasts- politische Mastnahme, die sie nichts angehe. Die Posten be- gannen ihre Tätigkeit meist erst gegen l? Uhr, jedoch vereinzelt auch schon vormittags. An verschiedenen jüdischen Geschäften sind kleine Zettel an die Schaufenster geklebt, an' denen eine, - Indenkarikatur in der Art des„Stürmer» abgebildet ist mit der Ausschritt:„Wer beim Juden kaust, ist Bolköverräter». An manchen Hausfassaden findet man auch mit Farbe die Aufschrift, welche als Motto siir ein Adrcssenverzeichnis aller in Frankfurt lebenden Inden dient:„Wer vom Juden frißt: stirbt daran». Andererseits >verden die nichtjübischcn Geschäfte veranlaßt oder ge- ? vnnaen. an aut sichtbarer Stelle das Schild„Deutsches Geschäft» anzubringe». Ten Ladcnbesstzern wird mit er- vresseriichcn Drohungen das Schild aufgezwungen. Auch in anderen Städten der frankfurter Nmacbung wurde dem Publikum der Eintritt in jüdische Geschäft gewaltsam vcr- wehrt, z. B. in Fricdbcrg(Hessens, Bad Nauheim. mmmvMTäc Gürtft Feuer lenüdTef tqt Wuppertal, 28. Dezember. Bei der bekannten Firma Vorwerk S. Sohn. Ab- t e i l Ii n g Gummiwerk, in welcher gegenwärtig 750 Arbeiter beschäftigt sind ist ein Großfeuer entstanden. Das große vierstöckige Fabrikgebäude ist vollständig vernichtet, und das gewaltige Vager an Gummi und sonstige,, Roh- Materialien ist e'nc Beute der flammen geworden. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Mark geschäht. Die Vernichtung der Gummivorräte eines solch großen Unternehmens wie Vorwerk, bedeutet unter den gcgenwärti» gen katastrophalen Airtschastverhälinisscn im„dritten Reich" einen schweren Schlag für die Gnmmiversorgung des Van- des. Bekanntlich gehört Gummi zu denjenigen Rohstoffen, die zuerst der Zwangswirtschaft unterworfen wären. lieber die Ursache des Brandes wird amtlich nichts be- richtet. In der Stadt sind aber verschiedene Gerüchte im Umlauf, und es wirb behauptet, daß r a n d st: f t n n g vorliege. kr villi eecen sitii selber süiwören Paris, den 28. Dezember 1934. (Von unserem Korrespondenten> Ter gut unterrichtete Berliner Sonderberichterstatter des „Journal», Georges Blu». berichtet seinem Blatte, daß Hitler gleich nach der Taarabstimmung eine große poli- tische Reden halten wolle, die die diplomatischen Bcspre- chungen über die Entwaffnungsfrage einleiten werde. Bei dieser Gelegenheit werde der Führer' auch ans sein Buch »Mein Kampf» zurückkommen, das bekanntlich heftige Angriffe gegen Frankreich enthält. Bei den kürzlichen Be- sprechungen der Frontkäippserorganisationen in Berlin hätten die Vertreter der französischen Frontlämpferorgani- sationen, wie man wisse, erklärt, dieses Buch. bzw. die in ihm enthaltenen Beleidigungen Frankreichs bildete» ein Hindernis für die Verständigung. Georges Blun will nun wissen, daß Hitler die Gelegen- heit dieser großen politischen Rede benutzen werde, um zu erklären, er habe das Buch„Mein Kamps» in den Jahren 1023—11)24 als Gefangener aus der Festung Lands^erg am Lech in e i n e m Z u st a n d c b c g r c i f l i ch c r N i c d e r- g c s ch l a g c n h c i t geschrieben, zu einer Zeit, die durch die gerade erfolgte Nuhrbesctzung ein besonders düsteres Kapitel der Geschichte des Deutschen Reiches sei. Hitler werde in noch nicht näher bekannte» Sätzen öffentlich erklären, daß er. nachdem er heute Frankreich kennen gelernt habe, keinen Grund mehr habe, sein damaliges Urteil ausrecht zn erhalten. Er werde erklären, daß das Frankreich von 1 0S."> nicht mehr das von 1023 sei und daß mit diesem neuen Frankreich das neue Deutschland sich vollkommen verstän- digen und in Frieden leben könne. * Da sich Hitler durch eigene Schuld wieder in„einem Zu- stände moralischer Niedergeschlagenheit» befindet, ist ihm zn- zutrauen, daß er die Telbstentwürdigung begeht, die hier angekündigt wird, und zwar ans Befehl der Franzosen! Wie weit seine entsprechenden Erklärungen von Frank- reich ernst zu nehmen wären, hat dieses selbst zu entscheiden. In der Not ist schon mancher Schwur geleistet worden, der nicht gehalten wurde, wenn der Schwörende wieder freier atmen konnte. Hitler hat nach seiner moralischen Niedergeschlagenheit des Jahres 1024 Auflage aus Auslage des Buches er- scheinen lassen bis in die jüngsten Monate, ohne eine Zeile seines Schnndbuches zu mildern. Im Gegenteil! Er hat es noch ergänzt, und er hat die gesamte Berständigungs- und Paktpolitik der republikanischen Regierungen alS Landcs- verrat beschimpf:. Auf dieser riesigen politischen Schmutz- woge ist er hvchgctragen worden, und er wird sich lcbcns- lang in den Augen alle urteilsfähige» Menschen von diesen Ursprüngen nicht säubern können. Die sanatische Hetze gegen Frankreich und alles, was einen friedlichen Ausgleich der Gegensätze zwischen de» Völkern wollte, ivar der Motor für Hitlers politische Lausbahn- und der Reichstagsbrand und die Morde des 30. Juni krönten sie. Wer das je vergißt und diesen„Führer» und seine Be- wcgung anders einschätzt als sie waren, sind und bleiben werden, braucht sich über die Folgen nicht zu beklagen. Lavals Verhandlungen mit Pinssolini Peninai' warnende Stimme Paxls, 28. Dezember. Von unserem Korrespondenten In gut unterrichtete» hiesigen politischen Kreisen glaubt man, daß die Abkürzung des Weihnachtsurlaubs des Außen- Ministers Lava! mit seiner bevorstehenden Romreise zu- sammenhängt. Man hält es für möglich, daß Lava! diese Reise bereits in der ersten Januarwoche antritt. Wenn man sich daran erinnert, daß der Duce das Jahr 1035 als ein Entscheidungsjahr für Europa genannt hat, so wird man die ungeheure Bedeutung dieser Reise verstehen, die eine engere und harmonischere sranzösisch-italienische Znsammen- arbeit für die Befestigung des Friedens zum Ziele hat. Pertivax teilt im„Echo de Paris» nicht diesen Opti- mismnö. Er verhüllt kaum seine Besorgnisse, wenn er ausführt: „Wer sogt uns nach allem, daß Mussolini nicht den Bund der Kleinen Ent.cnte und die Fäden, die sie mit Frankreich verknüpfen, zerreißen.möchte? Tic Gruppe Frankreich- Kleine Entente sind deren Verlängerung genügt siir die Er- Haltung der Verträge das heißt für den Frieden. Die Gruppe Italien-ilngai»-Oesterreich möchte die Revision der Verträge, das heißt alio Revanche und Krieg. Gerade jetzt rüstet Ungarn lebhafter denn je. Wenn Frankreich dieser zweiten Gruppe einen Prestigeerfolg verschafft, so schürt eS deren Schwungkraft und Unternehmungsgeist und deren Kühnheit, wahrend.es gleichzeitig diejenige» entmutigt, die Frankreichs Handlungen unterstützen, und sie in das gcg- nerische Lager treibt. Wir sind— so schließt Pertinar seine Warnung— ebenso und mehr als irgendwer Anhänger einer französisch italienischen Annäherung, aber einer crnsthaiten. die der Ruhe Europas dient Eine nur scheinbare Verständigung beider Länder würde die kontinentale Unsicherheit nur»och vergrößern.» Line ens:die dende Unterhaltung Paris, 28. Dezember. Der französische Botschafter in Rom. de C Hambrun, hatte gestern eine längere Aussprache mit Mussolini. Die Unterhaltung drehte sich um die letzten französischen Vor- schlüge. In hiesigen politischen Kreisen erklärt man. daß Mussolini dem französischen Botschafter die italienischen Gegenvorschläge überreicht har. Von diesen wird weientlich davon abhängen, ob Außenminister Laval nunmehr endlich seine schon seit längerer Zeit angekündigte Reise nach Rom antreten werde. Bon gut unterrichteter Seite erfahren wir daß Reihnngo- fläche» zw> chen Frankreich und Italien unmiticlba» nicht mehr bevorstehen. Beide Mischte haben sich über alle strilti- gen Punkte geeinigt. Worüber aber noch immer, wie es scheint, keine Einigung erzielt werden kann das ist die Klärung der Beziehungen Italiens zu den Staaten der Kleinen Entente. Der Botschafter Chambrun. ebenso wie Senator Berengcr, sollen Mussolini aufgefordert haben, eine Erklärung abzugeben, daß Italien die jugoslawische Grenze» anerkenne und die ungarischen Revisionsbestrebnnge,, nicht unterstützen werde. Diese Forderung soll jedoch bisher von Mussolini abgelehnt worden sein. Damit erkläre» sich wohl auch die scharfen Ausführungen Pertinar über den gegen«- wältigen Stand der Verhandlungen mit Italien. .-.5..' V-<><•••'•>'<". ,«..«5,.-'Ji-• Denaln Ober Franhre'Hbs Luftrcfte Parts. 28. Dezember. Die Europe Nouvclle veröffentlicht diese Woche einen größeren Aufsatz über die Lustrüstnngen und die europäische Politik. Zu dieser Veröffentlichung har der französische Lust- sahrtminister.General D c n a i n. ein Vorwort geschrieben. Er führt unter anderem folgendes aus: Frankreich verfolgt den Ausbau seines Flugwesens in voller Oeiscnllichkeit. Tie Schaffung einer Lustslvtte bat keinen Angrifsscharakier. Es handelt sich für uns darum, eine Luftflotte von höchster technischer Leistungsfähigkeit zu schassen, die jedoch zahlenmäßig ans die notwendigsten Bedürfnisse zur Landesverteidigung beschränkt bleibe» muß. D'e 1600 Flugzeuge, die augenblicklich verwandt werden, ^ müsse» durch 1»(H) moderne Flugzeuge ersetzt werden. Diese Feststellung ist notivendig in einem Augenblick, wo überall ein wahres Wettrüsten loszugehen scheint. Die fran- zösische Regierung hat den Wunsch, daß unsere friedliche-Ttel- lung ganz besonders verdeutlicht wird, und nur aus diesem Grunde haben wir unsere Beziehungen zu den ausländischen Luftstrcitmächten noch befestigt. „Wir haben nichts versprochen! Bas täglkti inftegreimdie (sin alter Akademiker übermittelt uns diesen Aussatz.. Erlebte b's vor kurzem in einer westlichen Großstadt des „dritten Reiches» und verließ sie. als>hm der braune Druck unerträglich geworden war. Das„Unbcgreifl che - das sind für ihn die Bielen an der Saar, die Hitler und den Sc'ncn immer noch glauben und vertraue».- Man ist gewöhnt, daß die braune Presse des Saargebiets entweder alles, was im„dritten Reiche geschieht gutheit,t oder ober, wenn das nicht geh. verschweigt. Wenn man aber mii einzeln»ach außen hin mit dem Nationalsozialismus kokettierenden Kreisen spricht, dann muß man lagen. Unlw- ^'Yst' wirklich unbegreiflich, daß eine skrupellose Massen- vrovaaand r eine solche Wirrnis in den Köpfen ernster und nachdenk ickcr Mensche» anrichte» kann. Man muß sich trage», was t at de> eigentlich»n'-r selbstverständliches Ten.chtum SJKl'tt ä» w"»•» ""ir-'Ä W-mru. au- k-nn«. » fiiivi offen sagen, was er denkt. Jedem droht, kein Ifcli o«)jciöc tanzt. Festnahme. Freiheitsstrafe und ?«Hill nlrh-ckilimmeres! Und das weiß auch jeder; aber vielleicht«och s; onicizucii.z ziehen, stecke» sie vor Schreck anstatt da» alle■ lassen das Unheil wachsen, aus ■KÄ ftÄ wiw«»»»««"»" ÖC a8o3 hat Hitler von seinem P r ogr a mm u n d dem sa- moien Sofort-Programm» wahr gemacht? Tie 'Warenhäuser bestehen unentwegt weiter-rie Einhcus- SÄoe, sind um das»eunjache zahlreicher geworden. Wo blieb Re Bankenüberwachuiia für Kredit, siir deii M>«te!- Wo blitv ow«'jinsknechtichaiievv die vilse tür di"c" kleinen Bauer» und die großzügige Alicrsversorgnng? Statt ihrer ivurden die Renten für Witwen»»d Invaliden gesenkt. Wo bliebe» die Staats- und Kommunalaufträge für den Mittelstand? Wo bleibt das alles? Da.chmnnzc!» die Krupp—Röchling-Thyssen-Springs- rum--Schröder und Schacht»nd der trunkfestc Dr. Leu hat „Kraft aus Freude!» Die Leute, die die Nazi bei der früheren Zeit die„Bon- zcn» nannten, heute heißen sie„Führer", beziehen, zehnmal höher wie früher, eminente Beträge. Und das meistens ohne i» den Belangen ihres Amtes oder ihrer Aemtcr durch irgend eine Sachkenntnis geirübt zu sei». „Nach uns die Sündflut» rufen die Bonzen und sacken ihre Bezüge ein. Junge Leute ivill der„Führer» haben,»nd so Hai er den famosen Reichstag ans seine» braunen Soldaten, den„erprobten Kämpfen» geschaffen, die da stehen und i» der Tasche ihre ätzt) Reichsmark Monatsgehalt und Billett teuer- ster Eisenbahnklassc sorgsam für Nazikultur in Berlin be- hüten»nd„Sieg Heil» schreie» müssen, sonst würden die Pi- stvlcn der TS.-Leute knallen. So ein„stleichstagsabgevrdneter»— Vertreter des ganzen deutschen Volkes— ist nebenbei noch allerlei. Der„Staats- rat».„Ganleiter».„L'berprästdcnt»„Uiiivcrsttäts-Kurator» sind ja noch hübsche Pöstchcn. So ein Man» bezieht z. V. als MdR. 500 RM.. als Gauleiier 2000 RM„ als Staatsrat Uli«) Reichsmark, als Oberpräsident lOuo RM. Aufwandsentschädigung 500 RM. Alles das monatlich, also jährlich 07 020 RM. oder— 407 520 Franken. Dr. Schacht hat ein Gehalt von 800 000 NM.— 2 100 000 Franken ohne Nebenkosten jährl'ch! Und wie geht es H i t i e r— G o e b b e l s— G ö r i n g? Frühei bettelarm, sind sie jetzt Millionär»»d wohnen in kaiserliche»»nd königlichen Palästen. Kein Anlo kann teuer und kostbar genung sein, ihren Leib zn tragen! Der Hereinsali mit der„A r b c i t s s ch I a ch t» ist so be- lanni hast das Wort schon wie ein sauler Witz wirkt. Die Veznge der Aibeitssgsen sind reduziert, aber dafür dürfen sie einige Tage irgend eine andere Arbeit mit militärischer Ans- mrchung leisten, aber ohne auch nnr einen Pfennig mehr zu bekomme»! Das ist doch sicher nicht mehr, wird mancher sage». Nun er frage einmal in irgend einem ärmere» Viertel in Hitler-Tcntschland»ach!— Man frage einmal den Inhaber eines kleinen Laden, was er von den Wirtichasisverhältnissen hall, der Maini wird ängstlich schweige» und mit de» Achsel» zucken. Nichts- aber auch rein gar nichts ist in Ordnung. Ii» Gegenteil, alles geht von Tag zn Tag mehr zurück. Da gibi es nun wieber ganz Verbohrte, die iagcu, so schnell gehe das nicht! Schön! Die Hälfte der Zeit, die Hilter verlangt, ist bald vorüber, aber eine Besserung ist auch nicht eingetreten. 2!»r eins ist besser geworden,und sind die Einnahmen der Partei. Was geschieht eigentlich mit den Parteibeitrügen, den Beiträgen für TA.. SS.. HJ.-.- BdM., Frauenschast. NT.-Hago.. RSBO.»nd alle de,» andern faulen Thcaterzauber? Wo bleiben die Beiträge von 7 Miilio- nci!- sage nnd schreibe 7 Millionen— der FDA- angelegt? 2t»» kommen aber die ganz Superklugen!--- Diese jagen: „Der Führer weiß das alles nickst Aber er Hai o;t genug bewiesen daß er weiß. I»'einer VerteibigüngSrede über den 80. Juni hat er selbst die Verschwendung und die Schandtaten seiner besten Freunde und„erprobten Kämpfer» grschil- de«. Warum hat er nicht eingegriffen während das Volk hungerte?„Aus Ntitlcid wissend— der reine Tor!», wie sein Freund Wagner einst im Parseval vertonte. 2tnn aber angenommen, er wisse wirklich nichts, dann sei eine kleine Frage gestattet: Was geschieht, wenn in einer Riejeii.sabrik eine große Bummelei, die sie dem Perben nahe bringt und der verontwortliche Leiter sagt Ja— ich wußte von nichts!»— Was geschieht wenn ein General eine Schlackst verliert und er sagt„Ja waS wußte ich denn davon?» Unbegreiflich aber ist es auch,„ivcnn staunend die entzückten jungen Dame» und Herren a» einem Bildcrladen stehen und sich freuen wie der„Führer» einem aufgeputzten Kinde daS Köpfchen kraut»nd gar in seinem Parke ein Rcb'chen iiitiert. Leider gibt es keine Bilder von ihm als„Oberster Geri-'Ms« Herr". de> Wehrlose ohne It»teil töte» tieß und auch lanb ist für die BcrzweislungSschreic aus den Kellern der braunen Häuser und de» Konzentrationslagern.—^ Wirklich»^begreiflich! Audi ein Jägermeister Der Aufstieg eines„allen Kämpfers' Man schreibt uns aus Trier: Ein recht Interessanter Fall. derjenige des Parteigenossen Berens, beschäftigt in Trier seit längerer Zeit die Oes- sentlichkeii. Berens. früher einmal Inhaber einer Kneipe und Ehauffeur, nahm, nachdem er bis zum letzten Hosen- knops ausgepfändet worden ivar und den OsseubarungseiS geleistet hatte den unter solchen Verhältnissen sclbstverständ- lichen Weg zur NSDAP. Im Augenblick der Machtcrgrei- jung war er älterer, wenn nicht aar alter Kämpfer und hatte demgemäß einen Anspruch aus die ihm mangelnde Futter- stelle. Man gab ihm die Leitung der NS.-Wohliahrl und Wrnterhilsc. eine Ausgabe, der er sich mit allen Mitteln des Bettels, der Verächtlichmachung und Erpressung und dem- gemäh nicht ohne Erfolg unterzog. Kaum halte er diesen Posten, da erwachte in ihm wieder der Kavalier, der ihm in früheren Fahren das Schießgewehr in die Hand gedrückt und ihn dem edlen Waidwert zugeführt hatte. Hatte er bis dahin die Bezahlung einer verschwindenden Jagdpacht sei- nem Bürgen überlassen, so faßte er jetzt die Sache gleich anders an. Er übernahm eines der teuersten Hochwildreviere, in dem er außeidem mit unbegrenztem Wildschaden zu rech- neu halte. Ein im Revier befindliches Jagdhaus übernahm er gegen Barzahlung vcrichiedener 1000 Mark. Alle Welt wunderte sich und sragte. wie das möglich sei: nur die Par- teileitung fand nichts darin, obivohl man schon bald die Fest- stellung treffen mußte, daß es bei der von B. geleiteten Dienststelle mit den Finanzen nicht stimmte. Man suchte sich ein paar andere Tündenböcke, die sich recht sehr dagegen vcr- wahrten, die Spitzbuben zu icin. die man an anderer Stelle suchen möge. Das half ihnen aber nich^: sie mußten ins Konzentrationslager— einer gerichtlichen Klarstellung ging man, getreu der allgemeinen Uebung, aus dem Wege— kehrten dann aber alsbald' wieder>n ihr Land zurück und haben zwischenzeitlich mit anderen Pöstchen den Mund gcstopst be- kommen Tann kam das neue Jagdgesetz, das die Bestellung ehren- amtlicher K r e i s j ä g e r m e i st e r vorsieht, eine Stellung, für die nur der beste, ehrenwerteste Waidmann mit der sau- bersten Weste gerade gut genug ist. die aber dem zweifelhaf- ten Bruder wieder die beste Gelegenheit zu selbstsüchtigen .Klüngel und unsauberen Machenschaften gibt. Nach diesem Posten streckte dann Berens, der von anständiger Jägerei nur eine untergeordnete Vorstellung hat, gleich seine Finger aus und zwar, dank der Bemühungen mehr oder-weniger gleichwertiger Zwischeninstanzen, auch mit Erfolg. Damit er- lebte seine Kavalierseele einen neuen Austrieb. Er pachtete ein halbes Dutzend weiterer Gemeindejagdc» zu allerdings nicht hohen Preisen, sondern im Wege des Klüngels unter Schädigung der Grundbesitzer von seinen Pg.-Gemcindcuor- stehern hinten herum für einen Apfel und ein Stück Brot, aber immerhin unter der Möglichkeit, in einigen dieser Ge- meinöen zum WildschadcnSersatz in erheblichem Umfang herangezogen zu werden, aut den er verschiedene istM Mark Vorschuß leistete. Er schaffte sich einen größeren Hunde- bestand an. darunter ein Tier zu dem geradezu phantastischen Preise von 1S00 RM. Des weitem erwarb er einen neuen, hocheleganten Kraftwagen und verschiedene Luxuspserde, da er sich auch dem Reitsport zuzuwenden beabsichtigte. Daneben vergaß er aber auch die Sorge für die Zukunft nicht, wie die Tatsache beweist daß er-sich ein Bankkonto an- legen ließ, aus das er ganz bedeutende Summen einzahlte. Alle Welt fragte, und zwar mit Recht: Woher dieser, gleich mit seiner Bestellung zum Leiter der NT.-Wohlfahrt in die Erscheinung tretende Wohlstand? Für jeden, der nicht wit Blindheit geschlagen ist, mar die Antwort sehr naheliegend. Ein Kunststück, zu Wohlstand zu gelangen, wenn einem an jedem Sonntag zahllose verschlossene Sammelbüchsen und fortlaufend der Geschäftswelt und den Privaten diskret ab- gepreßte unkontrollierte andere Gelder durch die Hände laufen.IIonsk>i II I n»5 ih-NAgi Lerlao Or, xHctrsfttmmr t»mt>H„ Similirfi-ff, Lchupcnsiraiic 5.— Ertiiifbiich?7v Sümbtüiltn, Gestern noch wurden die Siege der Arbeits* schlacht stolz verkündet, und heute wächst die Arbeitslosigkeit. Fragen über Fragen wirft die Wirtschaftspolitik Adolf Hitlers auf. Sie ist ein Kampf, dessen Erfolg die wenigsten klar sehen,— ein Kampf, der über das tägliche Brot des deutschen Volkes entscheidet. Und zugleich über die Dauer des Hitler-Regimes mitentscheidet. Warum Arbeitsbeschaffung? Wem soll die Wirtschaft dienen? Ist Hitler Freund der Bauern? Das Geheimnis der Arbeitsbeschaffungswechsel? Warum ist die Währung fest? Zwangswirtschaft oder Planwirtschaft? Was hat Schacht geleistet? Gibt es Auswege aus der heutigen Wirtschaftslage? Rettet der Erfindergeist Hitler? Was sind Kompensationsgeschäfte? Wohin mul3 der Weg Hitlers führen? Ueber all diese Fragen, die jeden angehen, gibt die Schrift, die jeden interessieren wird, eine Auskunft, die jeden überzeugen muß: Erhältlich in den Preis 3,- Fr. VON DR. NORBERT MÜHLEN Buchhandlungen der Volksstimme GmbH SAARBRÜCKEN NEUNK fiCHEU u. jAARLOU