Frethel Dentifare Einzige unabhängige deutsche Tageszeitung Nr. 5( Nr. 1-4 verboten) 3. Jhrg. Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 6./7. Januar 1935 Chefredakteur: M. Braun Lavals Forderungen an Italien Seite 2 Entscheidungstage, an der Saar Seite 3 Katholiken wollen emigrieren Seite 4 Hitlers Märchen für politische. Kinder Seite 7 Hitler für Status quo Eine Woche Verbot Wir sind wieder da Die Regierungskommission des Saargebietes hatte uns für eine Woche verboten. Wieder wegen einer aus dem „ Neuen Vorwärts" entnommenen Karikatur, die in allen übrigen Ländern, das„ dritte Reich" natürlich ausgenommen, unbeanstandet erscheinen fonnte. Wir haben neulich schon unsere Auffassung zur VerbotsSeine Mahnung, sich durch den Vorwurf des ,, Separatismus" praris der Regierungskommission dargelegt. Nirgends wird nicht beirren zu lassen Man nennt uns Reichsfeinde und Separatisten, weil wir der derzeitigen Reichsregierung das Recht absprechen, ihr verfassungsbrüchiges undeutsches Regiment, ihre Gewaltund Schreckensherrschaft auch auf die Saardeutschen auszudehnen. Man jagt uns, ein guter Deutscher müsse für die sofortige Rückgliederung stimmen, ob ihm die jetzige Reichsregierung passe oder nicht. Die Abstimmung für die Status quo und damit gegen die Hitleregierung sei zugleich die Parole gegen Deutschland, denn Regierung und Vaterland seien eins. Hören wir dazu heute eine Autorität, die auch von der deutschen Front" anerkannt werden wird, den„ Führer" und Reichsfanzler Adolf Hitler selbst. Man schlage die Reden Adolf Hitlers auf( amtliche Ausgabe), die im Verlag Boep ple erschienen sind und man wird auf Seite 34 einen Ausspruch des„ Führers" finden, der die ganze Agitation der deutschen Front" an der Saar erledigt: Aber eines wollen wir ja doch sagen: Wir unterscheiden zwischen einer Regierung und dem deutschen Vaterland. Wenn uns heute ein halbasiatischer Röchling oder geschmierte Journalisten von mangelnder Reichstreue und Separatismus reden. Herr Hitler ist in solchen Fragen unbestreitbar sachkundig. Er gab sein österreichisches Vaterland auf, ja verweigerte setnem österreichischen Vaterland den Militärdienst, weil ihm die österreichische Regierung nicht paßte. Nach dem Jargon seiner Anhänger im Saargebiet war also Hitler„ Landesverräter und Separatist". Man lese nach, was er in seinem Buche Mein Kampf" über den ihm angestammten Staat Desterreich schreibt: daß er aus politischen Gründen in erster Linie der Schutz Hitlers in fetner Eigenschaft als Staatsoberhaupt gegen journalistische Angriffe so streng gehandhabt wie im Saargebiet. Darauf, daß Hitler nicht nur Staatsoberhaupt, sondern auch der Chef des gesamten nationalsozialistischen Parteiflüngels ist, wird keine Rücksicht genommen. Die im Saargebiet zum Schuße Hitlers erlassene Verordnung be= deutet also zugleich einen Schuh für die NSDAP. und ihre Nebenorganisationen. Dennoch werden wir den Kampf gegen Hitler und sein una heilvolles politisches System mit aller Schärfe fortsetzen. Eine Woche waren wir verboten. Die nächste Woche gilt dem Fretheitsfampf an der Sacr. Am 18. Januar werden die Saardeutschen über Hitler siegen! Defferreich verlassen" habe und er jetzt hinzu:« Ich Der Weg Deutschlands wollte nicht für den habsburgischen Staat fechten." Der militärdienstpflichtige junge Hitler desertierte also aus Oesterreich und rühmte sich dessen. Er brach mit dem Staate Desterreich, obwohl dieser nicht diktatorisch regiert wurde, Gesinnungs- und Pressefreiheit hatte und seine Kritiker nicht in Konzentrationslager und Folterhöllen einfperrte. Was dem Oesterreicher Hitler recht war, wird wohl den Saardeutschen billig sein dürfen. Dies umso mehr, als sie Vaterland zu trennen beabsichtigen. Lausejunge... vorwirft, wir hätten keine Reichs, feineswegs, wie Herr Hitler, sich für immer von ihrem freue, so biffe ich Sie, grämen Sie sich nicht darüber." Die Rede trägt die Ueberschrift: Freistaat oder flaventum." Das ist genau die Entscheidung, vor der das Saargebiet am 18. Januar steht. Fretstaat oder Sklaventum! Freiheit an der Saar oder hitlerdeutsches Zuchthaus! Mit deren Reichstreue und dem Vaterland hat das nach Hitlers eigenen Worten nichts zu tun. Niemand braucht sich zu grämen, wenn irgendwelche „ Lausejungen", wie Herr Hitler sich ausdrückt, oder Clemenceau- Franzosen oder französische Rüstungslieferanten wie Hitlers Worte sind für jeden ganz klar; Hitlerregierung und deutsches Vaterland sind zweierlei. Wer für den Status quo stimmt, trennt sich nicht vom deutschen Volkstum und vom deutschen Vaterland, sondern nur von einer verfassungswidrigen Diktaturregierung. Die Saardeutschen werden sich mit Hitler sagen:„ Paßt euch durch den Anwurf ,, Separatisten" nicht verwirren!" Wir stimmen für den Freistaat gegen das Sklaventum, für eine freie Rechtsordnung an der Saar, bis wir in ein befreites Deutschland heimkehren. Das allein ist die Entscheidung des 13. Januar. Unterdrückung der Arbeiterschaft Ein Dokument der Schande Die deutsche Arbeiterschaft ist, trotz der famosen„ Arbeitsschlacht", diejenige Klasse in Deutschland, die unter den Folgen der wahnwißgen nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik am meisten zu leiden hat. Während die Hitlerregierung in den zwei Jahren ihrer Gewaltherrschaft die Gesamtintereffen der deutschen Wirtschaft den Klasseninter essen der deutschen Landwirtschaft und des Unternehmertums untergeordnet hat, hat sie der Arbeiterschaft lediglich die Fiffion einer Wiedereinstellung in den Produktionsprozes gegeben. In Wirklichkeit hat sich gerade durch die Begünstigung der Landwirtschaft und der Unternehmerschaft die Lage des deutschen Arbeiters unter dem Hitlerregime wesentlich verschlechtert, wobei zur Beurteilung der furchtbaren Lage, in der sich heute die deutsche Arbeiterschaft befindet, darauf hingewiesen werden muß, daß bereits unter Brüning die Arbeiterschaft das notleidendste Element innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft war. In den letzten zwei Jahren mußten die Arbeiter sich eine Lohnsenkung durch die erhöhten Abzüge, aber auch direkt durch Lohnherabsetzung gefallen laffen. Zu gleicher Zeit aber sind die Ausgaben des deutschen Arbeiters durch die künstlich hinaufgeschraubten Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Gegenstände des täglichen Bedarfs um durchschnittlich 20-25 Prozent gestiegen. Unter diesen Umständen mußte die nationalsozialistische Regierung die notwendigen Maßnahmen treffen, um die Arbeiter in Schach zu halten. Dies geschieht nicht nur mit Hilfe des weitverzweigten staatlichen Apparates, der Gestapo, des Feldjägerforps, der SS. und SA., sondern auch mit Hilfe der braunen Arbeitsfront, die praktisch die Interessen des Unternehmertums wahrt. Wir haben in diesen Tagen ein Dokument auf Umwegen erhalten, das besser als alle Worte zeigt, wie heute, unter dem glorreichen nationalsozialistischen Regime, die deutsche Arbeiterschaft unterdrückt wird. Das Dokument lautet: Rössler& Weissenberger A.G. Stuttgart- Bad Cannstatt Bekanntmachung! Laut Vereinbarung mit dem Vertrauensrat werden diejenigen als Gefolgschaftsangehörigen, die nach ausgesprochener Entlassung innerhalb der It. Betriebsordnung festgesetzten Kündigungsfrist in ihrer Arbeitsleistung nennenswert nachlassen, fristlos entlassen. Diese fristlose Entlassung wird in den Papieren vermerkt und bedingt eine Sperrfrist von mindestens 6 Wochen für den Bezug einer Unterstützung. 23. 11. 34. Dir. U/ Cl. Die Direktion: Unterschrift. Der Arbetter ist in dem heutigen Deutschland, wie dieses Dokument beweist, völlig vogelfrei. Während zur Verdummung der deutschen Arbeiterschaft am 1. Mai in ganz Deutschland Plakate herausgehängt werden:„ Ehre den Arbeiter und achte die Arbeit", werden in den Betrieben der= artige Bekanntmachungen veröffentlicht, die den Arbeiter zu einem Kuli degradieren. Vom Faschismus über die Reaktion zur Revolution A. Sch. Baris, 4. Januar. Der Berliner Korrespondent des großen Bariser. Boulevard Blattes„ Matin" Philipp Barrès hat vor kurzem versucht, seine deutschen Tagesbeobachtungen zu verallgemeinern. In einem klassisch knappen Aufjazz hat er den Verlauf und die Perspektiven der deutschen Krise geschildert. Eine eigenartige Tatsache: dieser begabte junge Journalist von ergkonservativer Gesinnung hat eine gut margistische Betrachtung der deutschen Krise gegeben und daran revolutionär- sozialistische Konsequenzen angeknüpft. Als aufmerksamer Beobachter hat Barrès die Oberflächlichkeit und Beschränktheit eines bürgerlichen Reporters überwunden. Er hat die Zusammenhänge der Tatsachen, ja, noch mehr, die Klassenmechanik der deutschen Gegenrevolution verstanden. Barrès nimmt die Krise vom Ende 1932, als Papen als Reichskanzler abzudanken gezwungen war, zum Ausgangspunkt feiner Betrachtung. Es besteht für ihn gar kein Zweifel: Deutschland stand damals vor ernsten revolutionären Erschütterungen, die kapitalistische Klassenherrschaft geriet ins Wanken. Er stellt ausdrücklich fest:„ Das deutsche Proletariat entglitt der Autorität einer durch die Inflation dezimierten Bourgeoisie, einer durch die Verträge stark abgebauten Armee, der durch die Wirtschaftskrise geschwächten finanziellen, industriellen und aristokratischen Kreise." Nun flüchteten das Großkapital und die Reaktion aus Angst vor der revolutionären Welle zu Hitler. Er allein konnte die sozialistischen Massen durch eine gegenrevolutionäre Bewegung niederhalten,„ auf eine beinahe magische Art den Schwung der revolutionären Massen neutralisieren", wie sich Barrès ausdrückt. Er hat recht. Das Geheimnis des Erfolges Hitlers bestand eben in der Massenwerbung und Massen eroberung für die Sache der Gegenrevolution, in der Revolutionierung der breiten Schichten des Kleinbürgertums im Jnteresse des Großkapitals, der alten Herrenklassen. Und nun verfolgt Barrès die deutsche Entwicklung weiter. Seit 1933 perliert Hitler unaufhaltsam jene Kraft, die sein stärkster Trumpf war: die soziale Demagogie, die Anziehungskraft der sozialen Verheißungen, die ihm allein die Möglichkeit gab, den echten, den proletarischen Sozialismus zurückzuwerfen. Die volkstümliche Gegenrevolution geht zu Ende. Hitler selbst vera nichtet die sozialistische Atrappe seiner Politik, zerschlägt den linken Flügel feiner Partei, entwaffnet die nationalfozialistischen Milizen. Der andere, der nationalistische und militaristische Bestandteil des Programms gelingt dagegen völlig. Aber und das betont Barrès mit besonderem Nachdruck- dieser Erfolg wird nicht Hitler und seiner Partei, sondern seinen reaktio nären Auftraggebern, Verbündeten und Ronkurrenten zugute kommen. Denn in der verfünffachten Reichswehr erhält die alte Reaktion endlich eine gewaltig starke materielle und machtpolitische Grund lage. Papen mußte seinerzeit abdanken, nicht mit auf den Bajonetten nicht sitzen wollte, fonbern. Barrès richtig sagt, weil er zu wenig Bajonetten z Verfügung hatte. Jetzt gibt es Bajonette genug, und zwar solche, die nicht in dem Bereich der nationalfozialistischen Formationen stehen. Die Rechte er ( Fortsetzung fiche Seite 2) wacht, fie fühlt sich durch die Mißerfolge Hitlers und Soeben hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung angeordnet, daß in privaten und öffentlichen Betrieben gelernte Metall arbeiter, die am 15. Januar 1933 nicht im Bezirk des für den Betrieb zuständigen Arbeitsamts ihren Wohnort haben, nur eingestellt werden dürfen, wenn eine schriftliche Zustimmung des Arbeitsamts vorliegt. Der Schwur im Opernhaus durch das gewaltige Anwachsen der Reichswehr bedeutend erstarkt. Wiederum wird sie machthungrig. Barrès fragte vor einigen Tagen einen führenden Politiker der Rechten, wie er die kommende Entwicklung beurteilt. In fechs Das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung Monaten, wenn wir nur am Leben bleiben, sind wir die Herren Deutschlands," antwortete dieser.„ Er hält die Vorherrschaft der Rechten für gesichert" sagt Barrès. Was wird aber mit Hitler geschehen? Barrès hält es für sicher, daß der Führer" persönlich sich rasch und restlos verbrauchen wird. Mag heute noch die berüchtigte deutsche Einheit", der sentimentale Glaube, die Hoffnungen auf die soziale und wirtschaftliche Erlösung, in ihm verkörpert sein. Aber diese Hoffnungen und dieser Glaube, durch die Wirklichkeit vertrieben, vergehen wie Rauch. Hitler ohne Mythus wird wertlos. Hitler ohne den Massenglauben und ohne die Massengefolgschaft wird für die Reaktion zu einer Last. Hitler ohne Jdeal, das er Deutschland gegeben hat, Hitler, Mörder der eigenen Joeen und der eigenen Söhne, welches Prestige wird ihm noch erhalten bleiben?" Run wirft Barrès noch eine andere wichtige Frage auf: und was geschieht dann mit der siegreichen Rechten? Es besteht für ihn gar kein Zweifel, daß der Sieg der alten Reaktion die deutsche Krise keinesfalls abschließen und lösen kann. Er wird nur eine 3mischenetappe der Krises darstellen können. Nach diesem Sieg wird die alte Reaktion den enttäuschten und erbitterten Massen gegenüberstehen. Sie wird keine anderen Mittel der politischen Selbstbehauptung besitzen als die der nackten Gewalt. Aber keine Militärmacht und nicht einmal die durch Hitler vergrößerte Reichswehr wird ausreichen, um das sehend gewordene, die Hitler- Mystik abgestreifte Bolk niederzuhalten. Barrès glaubt, daß in diesem Falle die Situation von 1932 sich wiederholen wird: die alte kapitalistische und feudale Reaktion gegen das Volk, gegen die sozialistischen Maffen. Aber mit einem großen Unterschied: diesmal werden der alten Reaktion keine faschistischen Reserven mehr zur Verfügung stehen. Philipp Barrès, dieser durch und durch konservative Journalist, der auf dem Sprunge ist, Chef Redakteur des„ Matin" zu werden, fagt es ganz deutlich: in keiner Form ist die deutsche Gegen revolution im stande, ihre Stabilisierung auf die Dauer zu erreichen. Der totale Staat der faschistischen Partei Diktatur ist bereits im Abbau begriffen; die Doppelherrschaft von Hitler und der Reichswehr kann nur vorübergehend sein; und jede Herrschaft der alten Reaktion, sei es als monarchistische Restauration, sei es als militärische Diktatur, wird, der Maifengrundlage beraubt, auf tönernen Füßen stehen. So prophezeit dieser französische Journalist der Rechten, daß es die sozialistischen revolutionären Massen sein werden, denen in Deutschland das letzte Wort gehören wird. 6 Jahre Zuch! haus! Paris, 5. Januar. ( Von unserem Korrespondenten) Wenn Adolf Hitler und seine Ratgeber geglaubt haben, mit der Kundgebung im Ausland großen Eindruck zu machen, so ist ihnen das zumindest in Frankreich mißlungen. Im Gegenteil, schon am Donnerstagabend wiesen die hiesigen Blätter darauf hin, daß die Vorsichtsmaßnahmen die für die„ Treuefundgebung" getroffen waren, weiter die Haft, mit der man das ganze Theater vorbereitet hatte, die Unruhe deutlich machten, in der sich das Hitlerregime befinde. Die hiesige Presse bringt ausführliche Berichte, weniger über die Veranstaltung selber als über den Umfang der Sicherheitsmaßnahmen, die zum Schuße des Reichsführers und seiner„ Getreuen" getroffen worden waren. " Paris- Midi" zeigt im Bilde den Augenblick, wo Hitler vor der Oper im Auto vorfährt. Man sieht auf beiden Seiten die feldmarschmäßig in dichten Reihen stehenden SA.- und Abteilun= gen. Man erblickt unmittelbar vor und neben dem Eingang zum Opernhaus die bis an die Zähne bewaffneten, mit dem Stahlhelm bekleideten, Schulter an Schulter stehenden Schutzpolizisten der Hundertschaften zur besonderen Verwendung. Hinter den SA.- Reihen befinden sich besondere SS- Manna schaften mit zum Publikum gewendeten Geiich= tern, d h. sie drehen der Oper und dem Führer den Rücken. Fürwahr eine lebendige Illustration für die Liebe des Volfes zu seinem Führer". des Volkes, das man angstlich von der ganzen Veranstaltung fernhält. " 1 „ Paris- Midi" erinnert denn auch daran, daß mit ähn= lichen Aufmärschen der 30. Juni und die geheimnisvollen Vorgänge im letzten Dezember begonnen hätten. Das Blatt meint, die Veranstaltung im Opernhaus habe zwei Zwecken gedient. In erster Reihe habe man den Saarländern zeigen wollen, daß das dritte Reich" auf gejundem Grunde ruhe, daß sie also unbedenklich Hitler am 13. Januar ihr Vertrauen schenfen können. Diese Deutung der Kundgebung findet sich übrigens in der gesamten französischen Preise. Dann aber jagt„ Paris- Midi" weiter, der in der Oper geleistete Treuschwur habe in Rom gehört werden sollen. Noch vor kurzent habe die italienische Presse gewisse Zweifel an der Stabilität des Nationalsozialismus geäußert. Unmittelbar vor der Un terredung Lavals mit Mussolini. die sich doch um die ganze europäische Politik drehe, habe man den verhandelnden Par teien begreiflich machen wollen, daß das Hitlerregime auch noch da sei und dank seiner Einigkeit in einer mehr oder weniger nahen Zukunft eine attive Rolle in Europa spielen fönne. " Jour" verweist darauf, daß in der amtlichen Verlautbarung über die Opernhausveranstaltung zum ersten Male der deutscheit Deffentlichkeit Kenntnis davon gegeben werde, daß man in Paris und anderswo Informationen über die inneren Schwierigkeiten des dritten Reiches" veröffentlicht habe. Dem Berliner Korrespondenten des " Journal" erscheint es besonders auffallend, daß unter den Teilnehmern im Opernhaus neben dem Wehrminister von Blomberg auch der Chef der Obersten Heeresleitung von Fritsch, der Chef des Ministeramts General von Reichenau, der Stadtkommandant von Berlin von Rundsta e dt anwe= send gewesen seien. Der Korrespondent hat den Eindruck, daß die ganze Veranstaltung die furchtbare Nervosität der regierenden Kreise erfennen ließe. die schon seit zwei Tagen feine französische Zeitung mehr nach Deutschland hineinließen. Bemerkenswert sind Jean Pernets Ausführungen im „ Echo de Paris". Wie die anderen Blätter meint auch er, man habe im Opernhaus auf die Saarländer Eindruck machen wollen. Man habe nämlich in den letzten Tagen in Berlin erfahren, daß der Status quo leicht 45 Prozent der Stimment erhalten könne. Tieje Nachricht habe in den leitenden Kreisen der Nazipartei wie ein Keulenschlag gewirft. Was man sich am Donnerstag im Opernhaus erlaubt habe gehöre zur Kategorie der Kindereien und des Bluffs. Es sei typisch, zu sehen, wie das dritte Reich" schon dort angekommen sei. Lavals Forderungen an Italien A. Sch. Paris, 5. Januar 1985. Die Reise Lavals nach Rom eröffnet einen spannenden Großfampf um die europäische Politik. Diesmal treibt Frankreich ein großes Spiel und geht auf das Ganze. Tas Programm, das Laval in Rom vertreten wird, verlangt die gleichzeitige Organisierung der Sicherheit in Mittel- und in Osteuropa. Dieses Programm hat drei entscheidende Bestandteile: die Garantierung der Unverletzbarkeit Dester= reichs gegen die deutschfaschistischen Groberungsgelüfte; die endgültige Liquidierung der revisionistischen Ansprüche Ungarns gegen die Staaten der Kleinen Entente, und schließ= lich die jugoslawisch- italienische Verständigung auf Grundslawiens durch Italien. Kommt es zu einer französischitalienischen Zusammenarbeit auf Grund dieser Plattform, dann hat der europäische Revisionismus seine Schlacht endgültige verloren. Dann erhalten die Friedensverträge von 1919 eine neue Bestätigung und eine neue, erweiterte machtpolitische Grundlage. Die follettive Sicherheitsgarantie jür Desterreich sie wird das zweite St. Germain be= deuten, und die Sicherheitsverträge für die Staaten der Kleinen Entente das zweite Trianon, die nochmalige Realisierung jenes Friedensvertrags, der 1919 das GroßUngarn zerschlagen hat. Eine gigantische Front von der Türkei, die aktiv gegen die revisionistischen Mächte auftritt, Für ein Opfer der holländsichen Auslieferungs- lage der Anerkennung der bestehenden Grenzen Jugopraxis Berlin, 4. Jon. Der Boltsgerichtshof verurteilte beute den 31jährigen Kurt Liebermann aus Dresden wegen Vorbereitung zum Hochverrat, den er zum Teil im AusIande begangen hat zu sechs Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte, der eine führende Stellung innerhalb der Leitung der sozialistischen Arbeiterpartei ( SAP) in Deutschland befleidet hatte, hielt sich nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus zunächit einige Monate verborgen und siedelte dann nach Prag über, wohin die illegale SAP.- Leitung ihren Sitz inzwischen verlegt hatte. Von hier aus versorgte er die Parteimitglieder in Deutschland mit„ Greuelnachrichten" Von Prag wurde er im Februar 1934 nach Paris abberufen und von dort als Vertreter der SAP. Deutschlands nach Holland auf einen internationalen Jugendtongreß entsandt. Als jedoch Störungen des Tagungsverlaufes infolge erheblicher Meinungsverschiedenheiten unter den Teilnehmern eintraten, schob die holländische Polizei furzerhand die Kongreßteilnehmer deuticher Staatsangehörigkeit über die deutsche Grenze a b. In der Urteilsbegründung wurde betont, daß gegen den Angeklagten bereits die verschärften neuen Strafbestimmungen zur Anwendung fämen. Mit sechs Jahren Zuchthaus sei die Strafe noch auffallend ge= ring bemeisen worden, weil der Angeklagte auf das Gericht nicht den Eindruck eines unverbesserlichen Fanatikers gemacht habe. Immerhin erfordere aber die Unterstüßung der„ Greuelpropaganda". wie sie dem Angeklagten zur Last falle, eine nachdrückliche Bestrafung und mache außerdem mit Rücksicht auf die darin liegende ehrloie Gesinnung die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erforderlich. ( ortiebung von Seite 11 Mit dieser Verordnung wird also die Freizügigkeit der gelernten Metallarbeiter wesentlich eingeschränkt. Wenn man dazu noch in Betracht steht daß bereits eine Zuzugsa sperre für Berlin, Hamburg und Bremen ergangen ist, und daß nach einer Reglung im August Jugendliche unter 23 Jahren aus den Betrieben hinausgeschmissen wurden ( im Austausch gegen ältere Arbeitskräfte), so fann man an all diesen Maßnahmen ermessen, wie furchtbar die Lage der deutschen Arbeiterschaft heute ist. 12 atiered Herrschaft der Spitzel In der Reichsdruckerei Berlin, Berlin, Jafobstraße, wurden 22 Arbeiter und Angeftelte verhaftet. Die Gründe die zur Verhaftung führten, scheinen durch eine abgefartete Provokation geschaffen worden zu sein. In dem Betrieb arbeitete ein SA.- Mann und alter Kämpfer", der eine Herrenabend Zeitung" unter der Hand gedruckt haben wollte. Das Mannstript strohte von Wißen über die Hitlerregierung. Die Zeitung wurde gedrückt, und die beteiligten technischen Arbeiter. Steindrucker und Seßer wurden unmittelbar danach von plößlich auftauchender S. und Polizei verhaftet. Der SA. Mann, der ebenfalls mitgenommen wurde, fam furz darauf wieder frei. Situationen das„ dritte Reich" anlehnen konnte. Der LavalPlan ist gleichzeitig gegen die revisionistischen Bestrebungen Deutschlands, Ungarns und Italiens gerichtet. Aber die Durchießung seines antideutschen, d. h. seines österreichischen, Bestandteils ist am ehesten gesichert. Dazu ist die Zustimmung Mussolinis bereits vorhanden, das grundsätzliche Einvernehmen zwischen Frankreich, Italien und der Kleineit Entente ist bereits erreicht. Die Verhandlungen in Rom gelten in erster Linie Un= garn, dem Schicksal des ungarischen Revisionismus. Hier wird auch die Entscheidung über die Gesamtrichtung der italienischen Außenpolitik fallen müssen. Die Pariser Presse erflärt ganz offen:„ Italien soll den totalen Frontwechsel vornehmen. Es ist kein Kompromiß möglich zwischen einer Politik der striften Aufrechterhaltung der bestehenden intrnationalen Ordnung und einer Politif, die den Revisionsmus mindestens in den Worten als ein Ventil der Sicherheit zuläßt", schreibt im„ Journal" Saint- Brice an die Adresse Italiens. Mussolini pelangt nunmehr an eine fritische Wendung, bei der das Gesetz des Handelns bei den anderen liegt. Er muß zwischen Paris und Budapest wählen. wählt er Paris, opfert er Berlin und Budapest, dann ist die endgültige ankenpolitische Spaltung der europäischen Gegenrevolution vollzogen. und bis nach Frankreich foll die heutigen Grenzziehungen in 20000 Personen bei Lava's Ankunft Mittel- und Südosteuropa garantieren. Dieses neue Sicherheitssystem soll sich im Süden auf den bereits bestehenden Balkanpakt ſtützen, im Norden durch den zu schließenden Oitpaft verlängert werden. Damit wird das gesamteuroväische Sicherheitssystem vollendet werden, das sich vom Mittelmeer bis zur Ostice und von der sowjetrussischpolnischen Grenze bis zur Mosel erstreckt. Darum geht jetzt der Kampf. Die Pariser Presse nennt die französischen Vorschläge, die Mussolini unterbreitet sind, einen„ bloc indivisible", d. h. ein unteilbares Ganzes. Wird dieser von England unterstützte französische Plan für Mittel- und Südosteuropa durchgeführt werden, dann wird es in der europäischen Politif zwei Niederlagen und einen Rückzua geben: Niederlagen für Berlin und Budapest und Rückzug für Rom. Doppelt ist die Gefahr, mit der der Paval- Plan das Hitlerdeutschland bedroht: einmal die endgültige Rersperrung des Menes nach Streich, dann die Auffäfuna des revisionistlich- falchistischen Blocks, an den sich bisher in den kritischen Stunden und Für Heinz Neumann Ant den Saarbrücken, im Dezember 1934. Schweizer Bundesrat in Bern. Die Unterzeichneten, das Friedensfomitee und das Mittelstandskomitee an der Saar, die in zahlreichen Konferenzen und Kundgebungen breite Bevölkerungsfreife um sich gesammelt haben, sind von Besorgnis um das Schicksal des befannten deutschen Antifaschisten Heinz Neumann erfüllt. Tie Hitlerregierung verlangt die Auslieferung Heinz Neumanns, den sie unter Mordanflage stellen will. Der Regieruna des„ dritten Reiches", die vor dem Weltgewissen des vielhundertfachen Mordens nicht nur an Antifaschisten aller Schichten, sondern auch an ihren eigenen Kameraden, an bedeutenden Generälen, an ebenso untadeligen wie hervorragenden Katholikenführern, die nicht abzuwälzende Schuld trägt, können wir fein Recht auf Mordauflage zubilligen. Es geht hier nach dem Willen der Reichsregierung nicht um die Sühne eines Mordes, denn Heinz Neumann hat nach den Ergebnissen des seinerzeitigen Prozesses um die Ereig= nisse am Bülowplaß im Auguft. 1931 nicht das geringste damit zu tun Bielmehr beabsichtigt die Regierung des dritten Reiches", sich eines ihrer verhaßtesten Gegner zu bemächtigen. Wir im Saargebiet haben zu gut die Methoden der Hitlerregierung fennengelernt, um nicht zu wissen, daß eine Auslieferung Neumanns nach Deutschland unmenschliche Rom, 4. Januar. Zur Begrüßung Pavals hatten sich auf dem Bahnsteig folgende Persönlichkeiten eingefunden: Mussolini mit dem Unterstaatssekretär des Aeußern Suvich und seinem Kabinetts= chef Baron Aloisi sämtliche Mitglieder der Regierung, der französische Botschafter de Chambrun, der französische Botschafter beim Batifan Roux, die Hauptvertreter der französischen Kolonie und verschiedene Mitglieder des dipkonta= ti chen Korps. Eine auf über 20 000 Personen geschäßte Menschenmenge, die von einem starten Ordnungsdienst in Schranken gehalten wurde, hatte sich vor dem Bahnhof eingefunden und inbelte begeistert Musolini und Raval zu. Der französi che Außenminister wurde mit den Rufen„ Es lebe Frankreich“,„ Es lebe Laval" empfangen. Die Ovationen iebten sich fort, bis Mussolini und Raval im Auto abfuhren. Auf der Straße bis zum Hotel Erzelsior, wo Paval abgestiegen ist, bildeten Garabinieri in zwei Reihen Svalier. Hinter ihnen stauten sich zahlreiche Neugierige, die den beiden Ministern zujubelten. Folterungen, wenn nicht die Tötung des Mannes bedeuten würden, deffen Schicksal und Leben heute in den Händen der höchsten Schweizer Behörde liegt. Wir erinnern den Bundesrat daran, welch große Sympathien die Schweiz fich in der ganzen Welt durch die fompromißloie Gewährung des Asylrechtes für politische Flüchtlinge in der Vergangenheit erworben hat. Wir beschwören die Regierung der Schweiz. dieser Tradition treu zu bleiben, die Forderung der deutichen Regierung zurückzuweisen und dem politischen Flüchtling Heinz Neumann das Asylrecht zu gewähren.. Das Friedenskomitee und das Mittelstandsfomitee an der Saar: Hans Peid. Ingenieur: Dr Gustav Regler. Schrift= steller: Dr. Erich Drucker. Wrat: Karl Sonpc., Rauf= mann: Metty Schneider. Schriftsteller: A. Stern, Schriftleiter: Helene Ballborn Heß, Schriftstellerin; Franke, Journalist: Lehmann, Rechtsanwalt; Erich Weinert, Schriftsteller: Dr. Ernst Meyer. Jurist; M Sofmann. Geschäftsführer; Theo Maret. Künstler: Em Kirichmann, Journalist: Bruno v. Salomon, Schrifts steller: M. Schwarz, Redakteur: Dr. Norbert Mühlen, Volkswirt, Dr. Hanau, Arzt; G. Scheffel. Eine ähnliche Kundgebung erlassen: Delepine, Jaouard, Goudchaur, Rechtsanwälte bei den Pariser Gerichten; Dr. Walter Sender, Rechtsanwalt( Saargebiet); Van T'Hoff Stolf ,. Rechtsanwalt( Holland); Dr. Felix Loria. Rechtsanwalt Zichechoslowakei). SAAR 13 JANUAR Aufruf Für DEUTSCHLAND gegen HITLER der Freien Gewerkschaften Vor einigen Tagen haben die braunen„ Gewerkschaften" an der Saar einen Aufruf erlassen, in welchem sie die Arbeiterschaft aufforderten, für Hitlerdeutschland zu stimmen. Nunmehr erlassen die führenden Funktionäre der freien Gewerkschaften des Saargebietes ihrerseits einen Aufruf, in welchem sie sich mit den braunen Arbeiterschindern aus= einandersetzen. Der Aufruf schließt mit den Worten: Kameraden! Gebt den chriftlich- nationalsozialistischen Tor: wächtern des Kapitals am 13. Jannar die richtige Antwort. Sorgt dafür, nachdem sie am 10. Jannar ihre Mitglieder: listen für neue Mitglieder und Uebertritte geschlossen haben, daß sie dieselben auch nach dem 13. Januar nicht mehr zu öffnen branchen. Folgt der Parole der Führung und Funks tionäre und stimmt geschlossen für den vorläufigen Status quo, für Deutschland gegen den nationalsozia= liftischen Parteistaat! Denft am 13. Januar daran, daß die Regierung Adolf Hitlers die Gewerkschaftsbewegung zerschlagen und den Ans teil Eurer Mitgliederbeiträge von dem beschlagnahmten Ver: mögen bis heute nicht herausgegeben hat! Denkt daran, daß die deutsche Reichsregierung den Inva liden und Witwen ihre Bezüge gekürzt hat und die Beiträge zur Unterstützungsvereinigung der freien, sozialistischen Arbeiterbewegung in der Höhe von über 4 Millionen Reichs= mark befchlagnahmt hat, während die chriftlich- nationalsozialistische Gewerkschaftsbewegung Vermögensanteile und Saffenbeiträge zurückerhalten hat. Kameraden! Saltet Disziplin und bewahrt Euern Führern das Vertrauen vor wie nach der Abstimmung. Die führenden Funktionäre der freien Gewerkschaften des Saargebietes. Frizz Dobisch. Julius Schwarz, Emil Klein, Karl Amann, Max Bock, Paul Vaders, Heinrich Hünnekens, Wilhelm Kaupp, Martin Schmidt, Anselm Störf, Ludwig Lehner, Klaus Brausch, Sauber, Saarbrücken; Hermann Petry, Her= mann Henneide, Neunkirchen; Karl Berg, Ranch, Homburg; Rebmann, St. Ingbert; Richard Kirn, Peter Micheln, Sulzbach; Johann Bernarding, linnen: Johann Dreher, Fraulautern; Paul Hoffmann, St. Wendel; Albin Weiß, Völflingen. Sorge in Berlin Die wackelnde ,, deutsche Front" Die Basler„ National- Zeitung" läßt sich aus Berlin berichten: Die Reden der Staatsführer bezeugen die Sorge, die in den letzten Tagen in Berliner eingeweihten Kreisen um das mutmaßliche Ergebnis der Saarabstimmung herrscht. Denn gerade die deutsche Front" an der Saar wird als ein recht unsicheres Gebilde betrachtet, das trotz aller vaterländischen Beteuerungen böse Ueberraschungen bringen könnte. So wird 3. B. befürchtet, die deutsche Front" sei ein Sammelbecken zahlloser Nein- Sager die sich hier nur ihr Alibi verschaffen wollen, um in Wirklichkeit dann um so sicherer gegen das ,,, dritte Reich" zu stimmen. Die Freiheitsfront der Status- quo- Leute mit ihren täglichen Massenversammlungen, die ihre Propaganda erst jetzt mit voller Wucht zu ent falten scheint, wird in Berliner Kreisen feineswegs unterschätzt. Die Antwort des Saarbevollmächtigten Bürcel an May Braun, eine Antwort, die mit Konzentra= tionslagern für die Nein- Sager, statt den Gedanken daran weit von sich zu weisen, im Gegenteil geradezu droht, gift hiesigen Ortes vielfach als sehr unglücklich. Als falsch wird überhaupt die Politik bezeichnet, die die Anhänger des Status quo von vornherein als Vaterlands- und Hochverräter qualifiziert. Kostenlose Sonntagsfahrt Geld gibt niemand für die ,, deutsche Front" aus Die Regierungskommission hat nunmehr der„ deutschen Front" für Sonntag, den 6. Januar, eine Kundgebung ge= nehmigt, die vormittags 10 Uhr auf einer Wiese bei Saarbrücken stattfindet. Nachmittags um drei Uhr sammeln sich dann die Massen der Volksfront zu ihrer Rundgebung auf den Sportpläßen des Kieselhumes in Saarbrücken. Von 12 bis 2 Uhr laufen die Eisenbahnzüge ein. Aus zahlreichen Orten im Umkreise von etwa 10 kilometern werden Fußmärsche von vielen Tausenden erfolgen. Außerdem wird ein ganzes Heer von Radfahrern nach Saarbrücken kommen. Alle Mitglieder der„ Volksfront" müssen auf eigene Kosten fahren. Dagegen steht auf den Einladungen der„ deutschen Front" die Bemerkung Fahrt mit den Sonderzügen kostenlos". Man fügt also der Peitsche des Terrors noch das Lockmittel einer kostenlosen Sonntagsfahrt hinzu. Eine so zlt= jammengebrachte Rundgebung hat keinen politischen Wert. Ueberzeugung und Opferwille entscheiden den Kampf. Das wird sich am 13. Januar zeigen. Ueberfüllte Frauenkundgebung Eine überfüllte Frauenfundgebung der Einheitsfront fand am Freitagabend in St. Ingbert statt. Beider mußten viele umkehren. weil kein Platz mehr vorhanden war. Wegen überfüllung mußte das Lokal polizeilich gesperrt werden. Die Ausführungen der beiden Referentinnen, Genossin Wodarcak und Jakobs wurden mit großem Beifall aufgenommen. Eine Entschließung zur Befreiung der beiden Jugendgenossen wurde mit Begeisterung angenommen. Der braune Büttel Bürckel Die Garantien" für die Saarbewohner Der Saarbevollmächtigte des Reichsfanzlers, der national sozialistische Gauleiter Bürdel, gab einem Spezialforrespondenten des Reuter- Büros ein Interview. Es handelte sich vor allem um das Schicksal der Anhänger des Status quo für den Fall einer Rüdgliederung des Saargebietes. Feierlich gab Bürckel das Versprechen ab, daß das Abkommen von Rom von der deutschen Regierung befolgt werden würde. Diejenigen Saarbewohner, die seit drei Jahren im Saargebiet lebten, hätten nichts zu befürchten. Sie würden den staatlichen Schutz genießen. Anders stände es freilich mit denjenigen, die erst später hierhergezogen, nicht abstimmungsberechtigt seien und gegen Deutschland gehetzt" hätten. Sie hätten Anklagen wegen Landes= verrats zu erwarten. Der Schuß dieser Personen nach de m13. Januar komme nicht in Frage. Nach einer Mitteilung des Stuttgarter Senders fügte Herr Bürckel hinzu, daß dies Angelegenheit des Völkerbundes sei. Dabei wurde Herr Bürckel ironisch. Es gäbe ja, so sagte er, genug schöne un dgroße Mandatsgebiete, wo diese Leute Raum für ihre Tätigkeit finden könnten, und vielleicht ließen die Vereinigten Staaten eine besondere Einwanderungsquote zu. Die übrigen Bemerkungen des Herrn Bürckel waren belanglos. Er wandte sich gegen die„ Emigranten" in der Saarpolizei und erklärte, die Behauptung über die Möglichkeit der zweiten Abstimmung für„ unehrlich". Als Beispiel für eine Persönlichkeit, die im Falle der Rückgliederung sofort wegen Landesverrats festgenommen werden würde, nannte Herr Bürckel den Reichstagsabgeordneten Imbusch von der christlich- sozialen Volksfront. Seine Beauftragten haben Herrn Imbusch im Zuge eines organifierten Ueberfalles schwere Verlegungen beigebracht. Nun hat Bürckel bereits einen Landesverratsprozeß für ihn und viele andere in Reserve. Aber haben diejenigen, die länger als drei Jahre im Saargebiet wohnen, und sich nicht zu Hitler bekannten, einen wirflichen Schuh? Gibt es einen vernünftigen Menschen, der an die Innehaltung von Verträgen durch das dritte Reich" noch glaubt, wo alle Rechtsgarantien aufgehoben worden find? Gibt das Schicksal der rheinischen und pfälzischen Separatisten nicht zu denken, die nach der„ Machtergreifung" in zahllosen Fällen verhaftet, halb totgeschlagen und ins Konzentrationslager geschleppt wurden, trotz der sie schützenden Londoner Vereinbarungen? Jeder Schutz, der sich auf eine Unterschrift Hitlers oder eines seiner Bevollmächtigten stützt, ist für das dritte Reich", in dem Recht nur ist, was dem Vaterlande nüßt", nicht verpflichtend.„ Vaterland" wird gleichgesetzt mit bedingungsloser Unterwerfung unter die Hitlerdiktatur. Jeder, der sich an der Saar, gerade aus seinem deutschen Grundgefühl heraus, gegen Hitler und das„ dritte eRich" gewandt hat, steht in äußerster Gefahr. Es ist der Fehler und die Schwäche des Völkerbundes- formale Garantien und Unterschriften der Bevollmächtigten des ,, dritten Reiches" ernster genommen zu haben als sie es verdienen. Damit hat er sich eine schwere Verantwortung gegenüber dem Schicksal vieler Tausender von Saareineinwohnern auferlegt. Aufrufe der Kirchen und Bischöfe Wenn man sie richtig liest. Die gesamte deutsche Presse ist täglich angefüllt mit Aufrufen der kirchlichen Organisationen und Repräsentanten anläßlich der Saarabstimmung. Sie werden demagogisch so ausgelegt, als ob die Kirchen, die katholische sowohl wie die evangelische, die Gläubigen aufforderten, für die Rückgliederung der Saar an das„ dritte Reich" einzutreten. Rieft man die Botschaften jedoch genauer, so kommt man zu einem etwas anderen Bild. Am Neujahrstage wurde eine Botschaft des evangelischen Oberkirchenrates der altpreußischen Union an die Gemeinden des Saargebietes verlesen Es heißt darin, daß die evangelischen Gemeinden des Saargebiets treue Mitglieder der Heimatkirche geblieben seien. Nun steht vor den protestantischen Saarländern der entscheidende Tag der Abstimmung. Von ihrem Ursprunge an sei die evangelische Kirche dem Volfe, in dem Gott der Herr uns hineingestellt habe, zugewandt gewesen: „ Evangelische Christen sind für die Entscheidung, die sie zu fällen haben von ihrem Volke und vor Gott, der uns Volkstum und Muttersprache gegeben hat, verantwortlich. Ihr tragt mit eurer Entscheidung am Abstimmungstage Verantwortung für das Schicksal der Heimat, für das Schicksal des Gesamtvoltes, für das Schicksal auch der kommenden Gene= rationen" Es fällt in dieser Botschaft auf, daß in ihr fein einziges Wort über den„ Führer", nichts über ein Bekenntnis zum heutigen Staat zu finden ist. Von einer Aufforderung, für die Rückgliederung ans dritte Reich" zu stimmen, ist feine Rede. Volkstum, Heimat und Vaterland sind Fragen der Herkunft und der Gesinnung, die mit einer Forderung zur Abstimmung zugunsten Hitlers nicht gleichgesetzt werden können. Viele gläubige Protestanten werden die Botschaft so deuten, daß sie gegen die Rückgliederung zu stimmen haben im Namen des Volkstums, der Heimat und in der Verantwortung vor Gott Es liegen auch einige neue Kundgebungen katholischer Kirchenfürsten vor. Im Breslauer Dom hielt Kardinal Bertram am Neujahrstage eine Aussprache, die sich auch furz mit der Saarfrage beschäftigte. Er erflärte, daß neben der firchlichen Verbundenheit die Verbundenheit innerhalb des deutschen Volkstums Geltung habe. Bei aller Achtung vor der Abstimmungsfreiheit wünsche er,„ daß deutsches Gebiet bei Deutschland bleibe". Der Erzbischof von Bamberg jagt in einem Aufruf, daß der folgenschweren Entscheidung an der Saar kein wahrhaft Deutscher gleichgültig gegenüberstehe. Er vervordnet nach dem Beispiel der übrigen Erzbischöfe Gebete, um einen für unser deutsches Vaterland segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen. Auch hier kein Wort für den Führer, nichts von einem Befenntnis zum Staat. Die Kirchenfürsten können nicht wagen, offen für die Rückgliederung des Saargebietes an das dritte Reich" einzutreten, weil sie wissen, daß sie sich damit in schärfsten inneren Widerspruch zu zahllosen Katholiken im Reich wie im Saargebiet setzen würden. Sie wählen darum für ihre Sundgebungen eine verhüllte und auslegungsfähige Form. Gegen ihren Wortlaut werden diese Botschaften als Proflamationen zugunsten der Rückgliederung gedeutet. Schutz für die Minderheiten im Saargebiet Erklärung des Comité des Dé égations Juives Das Comite des Delegations Juives hat der Weltöffentlichkeit folgende Erklärung abgegeben: „ Das Comite des Delegations Juives hat vom Abschluß der Verhandlungen des Dreier- Komitees in Rom und des Völkerbundes in Genf bezüglich der die Minderheiten im Saargebiet betreffenden Bestimmungen Kenntnis genommen. Das Komitee stellt fest, daß diese Bestimmungen weit hinter den Postulaten zurückbleiben, die es zugunsten der jüdischen Bevölkerung im Saargebiet den Ratsmitgliedern vorgetragen hat für den Fall, daß die Abstimmung der Saarbevölke= rung nicht die Aufrechterhaltung des Status quo ermöglichen, sondern den Völkerbund veranlassen sollte, das Saargebiet an Deutschland zurückzugliedern. Insbesondere hat die Nichtgewährung dauernden Schutzes der Gleichberechtigung aller Einwohner des Saargebietes, ohne Unterschied der Sprache, der Religion und der Rasse, tiefe Enttäuschung im jüdischen Volke hervorgerufen Das Komitee verliert jedoch nicht die Hoffnung, daß der Völkerbund bei der Entscheidung über das Schicksal des Saargebietes nach der Abstimmung die Möglichkeit finden wird, der berechtigten Erwartung zu entsprechen, die die Judenheit unverändert in das Gerechtigkeitsgefühl der Welt und des Völkerbundes für die Notwendigkeit des dauernden Schußes aller Minderheiten des Glaubens, der Raffe und der Gesinnung setzt" Dazu schreibt das Nachrichtenblatt der Synagogen- Gemeinden des Saargebietes": Es ist erfreulich, daß das Comite des Delegations Juives der Enttäuschung Ausdruck gibt, die alle Kreise des jüdischen Volkes erfaßte, als sie von den geringen Schutzaussichten für die Saarjuden im Eventualfall der Rückgliederung Kenntnis bekamen Auch wir konnten eine starke Enttäuschung nicht unterdrücken und haben ihr an dieser Stelle bereits Ausdruck verliehen. Die Teilnahme des gesamten jüdischen Volkes für das Schicksal der Saarjuden ist geweckt. Der Völkerbund als Wahrer der internationalen Humanität wird diese Stimme nicht überhören können, sollte das Resultat der Abstimmung ihn in die Lage versetzen, über unser Schicksal als das Schick= sal einer Minderheit zu bestimmen. Die übernationale Stellung und Aufgabe des Völkerbundes kann nur in einem voll= ständigen Minderheitenschuh ohne Pretsgabe der Forderuns gen der Menschlichkeit erfüllt werden. Wir halten fest, daß die obenstehende Erklärung des Comite des Delegations Juives sich auf einen Eventual fall bezieht, aber wir begrüßen es, daß sich die maßgebende Vertretung der Interessen jüdischer Minderheiten für unser Schicksal in dem erwähnten Eventualfall einsetzt. Hitlerismus gegen Hatholizismus Unversöhnliche Gegensätze An dieier ewigen Vergeltung" zwecks„ Berherrlichung Gottes" arbeiteten die auf den römischen Mythus einge: schworenen Diplomaten eifrig, ganz wie zu Zeiten Karls des Großen, Otto I. Ferdinand II. So konnte es fommen. daß die Zentrumspartei in Deutschland sich durchaus treu blieb, als sie vom Schutz des Throns und des Altars zum Bündnis mit den religionsfeindlichen Marxisten überging. wie es Bismard 1887 bereits vorhergesagt hatte, als er im Reichstag erklärte. die Jeiuiten würden einst die Führer der Sozialdemokratie werden Im Dienst der ewigen Vergeltung" forderte das Zentrum die„ Wassenbrüderschaft" mit Marristen gegen das protestantische Kaisertum, und in den Schicksalstagen 1914 spornte der„ Friedenspapst" Bene: dift XV. das fatholtfche Defterreich- Ungarn an, um aus einem Weltkrieg zu gewinnen, den russischen Häretiker ebenso zu sürzen wie den Staat der„ Schlange im Paradies". Daß da= bei Millionen trengläubiger Katholiken geopfert werden mußten. war, wie bei jedem großen Schlachtplan, nicht zu vermeiden, Alfred Rosenberg. der vom Führer und Reichs kanzler mit der weltanschaulichen Erziehung der Nation beauftragte Theoretiker des Nationalsozialismus in seinem Buche..Der Mythus des 20 Jahrhunderts" Eine Wertung der seelisch- geistigen Gestaltenkampfe unsere Zeit, 13.- 16. Auflage, Seite 471. Das Buch ist von der nationalsozialistischen Regierung allen Lehrerbibliotheken als geeignet empfohlen und in vielen Fällen auch katholischen Büchereien zwangsweise eingegliedert worden. Wie wird an der Saar abgestimmt? D'e technischen Vorgänge In einer Bekanntmachung teilt jetzt die Abstimmungsfommission mit, daß am 13. Januar die Wahlbüros von 8.30 Uhr morgens bis 20 Uhr abends geöffnet sind. Alle Abstimmungsberechtigten, die zu diesem Zeitpunkt anwesend sind, werden noch zur Abstimmung zugelassen. Der Vorsitzende ist berechtigt und verpflichtet, sich über die Identität des Inhabers von Abstimmungsausweisen oder anderen Schriftstücken näher aufklären zu lassen, sei es, weil er eine Fälschung vermutet, sei es, weil das Lichtbild nicht genügend Aehnlichkeit aufweist. Der Vorsitzende entscheidet dann über die Zulassung. Der Stimmzettel hat ungefähr dieses Aussehen: Société des nations League of nations Volksabstimmungskommiffion des Völkerbundes Beibehaltung der gegen. wärtigen Rechtsordnung ( Status quo) Vereinigung mit Frankreich X Der Abstimmungsberechtigte geht mit diesem Zettel und einem Umschlage in eine Isolierzelle. Beides hat er vorher vom Vorfizenden erhalten. Er darf nach Empfang des Stimmzettels mit niemandem mehrsprechen oder in Verbindung treten. In der Jiolierzelle macht er sein Kreuz. Dann legi er den Zettel ungefaltet in den Umschlag, den er schließen oder offen lassen kann. Er übergibt den Umschlag dann dem Vorsitzenden, der ihn in die Urne legt. Körperlich Behinderten kann der Vorsitzende gestatten. sich von einem Abstimmungsberechtigten unterstüßen zu lassen. Niemand darf im Abstimmungslokal die Wahl, die er treffen wird oder bereits getroffen hat, befanntgeben. Der Abstimmungsberechtigte, der den ihm übergebenen Umichlag und Zettel dem Vorsitzenden nicht zurückgibt, macht sich strafbar und kann sofort verhaftet werden. Wird der Stimmzettel außerhalb der Jiolierzelle ausgefüllt, so wird der Vorfßende den Umschlag mit dem Stimmzettel zurücknehmen und diesen iofor. als ungültig erklären. Der Beteiligte wird zur Abstimmung nicht mehr zugelassen. Die Abstimmungsfommission gewährt unbedingte Ge= heimhaltung der Abstimmung. In diesem Sinne sind auch eine Reihe von Strafbestimmungen vorgesehen. * Die Regierungsfommission hat am 12., 13., 14. und 15. Januar in allen Schankstätten in Verbindung mit einer Verschärfung der Polizeistunde den Verkauf von altoholhaltigen Getränken verboten. Nur in der Zeit von 12 bis 15 Uhr und von 18.30 bis 21 Uhr ist an den genannten Tagen der Ausschank von Wein und Bier gestattet. Katholiken wollen emigrieren Der Wochenzeitung„ Grengland" entnehmen wir folgende bemerkenswerte Notiz: Vor einigen Wochen war im„ Meßer Freien Journal" zu leien, daß der katholische Saarminister Koßmann in Begleitung des Prälaten Dr. Schlich aus Saarbrücken und des: m Saargebiet weilenden päpstlichen Legaten Monsignore Panico den Bischof von Luxemburg aufgesucht haben, um ihn zu fragen, ob er bereit sei, im Falle der Fortdauer des Völkerbunds- Regimes das Saargebiet seinem Bistum einzuverleiben. Wir wissen aus einwandfreier Quelle, daß diese Behauptung des Blattes nicht den Tatsachen entspricht. aber wir wissen auch aus derselben Quelle, daß die Reise tatsächlich stattgefunden hat. Und auch der Zweck der Reise ist uns betannt: Der fatholische Minister Koßmann, der sich wiederholt für die deutsche Front" in einer unangenehm berührenden Wetse eingesetzt hat, hat bei dem Bischof von Luxemburg angefragt, ob er bereit sei, den saarländischen Ursulinenschwestern im Falle der Rückgliederung des Saargebletes ein Asyl zu gewähren. Minister Koßmann wird weder die Reise noch den von uns genannten Zweck zu bestreiten wagen. Die Tatsache aber, daß die Ursulinen heute schon ein Asyl suchen, spricht deutlicher als alle Erklärungen von noch so autorisierter firchlicher Seite für die schweren Besorgnisse, die in den Kreisen der jaarländischen Katholiken für den Fall der Rückgliederung herrschen. * Während also einige katholische Dechanten, die unter brau nem Druck stehen, wider besseren Wissens und unter Bruch der Neutralität für den Anschluß an das Hitler- Paradies eintreten, suchen sie für die Uriulinen- Schwestern ein Asyl, um auf alle Fälle diese vor dem Neuheidentum zu bewahren. An dieser„ Vorsichtsmaßnahme" kann man ersehen, was den Katholiken alles blühen wird, wenn das Saargebiet wider Erwarten dem Hitler- Reich angegliedert wird. Severing und die Saarfrage Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mit dem Size in Prag gibt eine Mitteilung aus, wonach die von reichsdeutscher Seite verbreitete Meldung, daß der ehemalige Minister Karl Severing einem Vertreter der„ Kölnischen Zeitung" gegenüber sich für den bedingungslosen Anschluß des Saargebietes an Deutschland ausgesprochen habe, eine Fälschung sei. Die Kölnische Zeitung" regt sich etwas auf, daß thre Glaubwürdigkeit angezweifelt wird. Es genügt eine Frage an das Blatt: Würde es auch die Stimme irgend eines Deutschen, der sich nicht in der Gewalt Hitlers be: findet veröffentlichen, sofern er gegen die Rückgliederung sich erklärt? Wir haben bisher nicht beobachtet, daß die Kölnische Seitung" sich um solche Stimmen bemüht oder überhaupt gewagt hätte, irgend etwas zu bringen, was den deutschen Machthabern unangenehm wäre. Inzwischen hat die Redaktion des in Saarbrücken erscheinenden„ Grenzland", sich auf eine Aufforderung der ,, deutschen Front" erboten, zwei ihrer Redaktionsmitglieder zu Severing zu entienden, um festzustellen, ob er sich und mie zur Saarabstimmung geäußert hat. Die erwähnten beiden Redakteure haben allerdings verlangt, daß ein Kabinettsmitglied fich für ihre Sic erheit verbürgt. Wir werden sehen, wie die deutsche Front" sich dazu verhält. Sillegung einer Kohlenzedhe Effen, 3. Januar. Die zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen AG, gehörende Steinfohlenzeche Karoline in Holzwickede bei Dortmund soll demnächst stillgelegt werden. In einer Belegschaftsversammlung am 30. Dezember wurde von einem Vertreter des Grubenvorstandes von diesen Absichten Mitteilung gemacht. Ein formeller Stillegungsantrag ist noch nicht gestellt. Es ist aber vorgesehen, die Stilleauna bis Ende 1935 endgültig durchzuführen. Vereinigung mit Deutschland Der Abstimmungsberechtigte macht ein Kreuz( X) in die weißze Kreis. fläche des seiner Wahl entsprechen den Feldes ..Separatistische Lüge" Und wie sie berichtigt wird Die„ Saarbrüder Zeitung"( Nr. 3) schreibt: „ Mit der gewohnten Dreistigkeit im Lügen berichtete die separistische Preise dieser Tage von der Verhaftung und ,, unglaublichen Behandlung" einer Amerikanerin in Waldmohr. Wie es mit dieser neuesten Greuelmeldung bestellt ist, geht aus folgendem tatsächlichen Sachverhalt hervor, der uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird. Danach war die junge Teutschamerikanerin Elia Sitell am 24. Dezember auf der Fahrt zu ihren deutschen Eltern in der Nordpfalz. In Schöneberg, dem Grenzbahnhof, hatte sie, da ihr Gepäck nicht nachgefommen war, einigen Aufenthalt den sie zu Geiprächen mit dem Bahnpersonal benutzte. Dabei ließ sie sich ganz unerhörte Beleidigungen des Führers zuschulden kommen. Die Folge war natürlich die Festnahme und Verbringung in das Amtsgerichts= In der Gerichtsverhandlung gefängnis in Waldmohr. wurde die Angeklagte zu der geringen Strafe von zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Hervorgehoben sei besonders, daß Elia Sitell bei Besuchen des Direktors des GesängDie Wahlbüros Saarbrücken, 4. Jan. Die Zahl der Leiter der Ab= stimmungsbüros ist endgültig auf 901 festgesett worden. Ihrer Staatsangehörigkeit nach sind davon 365 Holländer, 220 Luxemburger, 300 Schweizer, 1 Portugiese, 1 Schwede, 3 Italiener. 2 Amerikaner, 5 Dänen und 4 Engländer. Genug von dem Zauber Man will von ,, Kraft durch Freude" nichts wissen Die„ Bodensee- Run' schau" berichtet aus Engen: Die erste Kraft- durch- Freude"-Veranstaltung ging am vergangenen Samstagabend im großen„ Lamm"-Saal von statten. Der Erfolg war insofern geteilt, als der Besuch mehr als zu wünschen übrig ließ. TIW Eingangs begrüßte der Kreisamtsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Seger, die Erschienenen und den Künstler und bedauerte, daß nicht mehr dem Rufe der Arbeitsfront gefolgt sind, wie gerade diese als stärkste Formation mit 30 Millionen Mitgliedern ersten Anspruch darauf hätte. Der Künstler, Herr Kavs aus Deutschland, wie er sich vorsteilte, begann zuerst mit dem humoristischen Teil seines vendprogramms. Seine Darbietungen in Zauberei, Hellseherei und Gedankenleserei waren geradezu fantastisch und stellten die Anwesenden von Punkt zu Punft vor neues Rätselraten, das schließlich ungelöst bleiben sollte. niſſes teinerlei Klagen über die Behandlung vorzubringen, Auilchnung" hatte. Die Strafe wurde durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt." Wir wissen nicht, was die„ ieparatistische Presse mit der gewohnten Dreistigkeit im Rügen" berichtet hat, es scheint uns aber, die„ Berichtigung" ist Greuel genug. Keine jüdischen Vo'ontäre im im Buchhandel In den„ Mitteilungen des Provinzialvereins der schlesischen Buchhändler e. V. in Breslau" wird folgende Erklä= rung veröffentlicht: ,, Nichtarierfönnen nicht mehr als Lehrlinge und Volontäre im Buchhandel ausgebildet werden, da sie nicht damit rechnen können, in die Reichsschrifttumskammer über die zuständigen Verbände aufgenom= men zu werden. Eine solche Mitgliedschaft ist aber Voraussetzung für die Berufsausübung. Eine Ausnahme gilt nur für rein jüdische Buchhandlungen, die sich auf Belieferung jüdischer Kundschaft beschränken." Ach! Wie großzügig! AN DER COTE D'AZUR. Nutzen und Vergnü ung Angenehme Existenz ohne Fachkenntnisse. Kleineres Hotel, 30/ immer, al er Komfort, großer Garten, Garagen, Tennis. Am Hauptboulevard gelegen. Zuschr. G. F. T., 70 Bd. Carnot Cannes. 50 Arbeiter unterschreiben In Eßlingen( Württemberg) gaben mehr als 50 in der dortigen Automatenfabrik beschäftigten Arbeiter eine mit ihren Unterschriften versehene Erklärung ab, in der gesagt war, daß die Unterzeichneten von jetzt an die Abführung der Winterhilfsspenden verweigern. N'ederlage der Nationalsozialis'en Das Reflamebüro des Danziger Senats behauptet, daß 92 Prozent der Danziger Bevölkerung begeisterte Nationalsozialisten seien; Danzig sind die Braunen um 5 Prozent bescheidener als die Angebräunten der„ deutschen Front" im Saargebiet. Ju Danzig wie im Saargebiet müssen viele fich wirtschaftlichem Druck beugen und nationalsozialistischen Organisationen beitreten. Doch in Danzig ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung genau so wenig natio= nalsozialistisch wie im Saargebiet. Die Wahlen vom 12. Dezember haben es erneut bewiesen. Am 12. Tezember 10 wurden die Verwaltungsorgane der Betriebsfrankenkasse des Danziger Hafenausschusses gewählt. Der Nazi- Senat sette den üblichen Terrorapparat ein. Den freien Gewerkschaften wurde die Einberufung von Versammlungen unmöglich gemacht, ebenso den christlichen Gewerkschaften. In den nationalsozialistischen Versamm= Tungen sprachen„ Kanonen", die jeden Gegner als„ Verräter am Deutschtum" bezeichneten. Im ländlichen Bezirf Einlage verhinderten die Nazis das Aufstellen gewerkschaftlicher Pisten. Sämtliche Stimmen im Wahlbezirt Einlage werden den Nationalsozialisten gutgeschrieben. Trotzdem haben fich 54 Prozent der Danziger Hafenarbeiter gegen die National: fozialisten erklärt. Bei freien Wahlen hätten wohl 75 Pro3. nt der Hafenarbeiter gegen die nationalsozialistische Piste geftimmt. Die Danziger Hafenarbeiter haben die Praris der Nazis fennengelernt. Ihre Abstimmung gerade einen Monat vor der Saarabstimmung ist ein Appell an die Saar für den Status quo. Freie Gewerkschaften Ghriftliche Gewerkschaften Polnische Berufsvereinigung 182 Ungültig( davon Einlace 3) 9 192 31 Nazi( mit Einlage) 364 316 680 Deutsche Stimmen Belate zur Deutschen Freiheit" onntag Montaa, und 7. Janua, 1935 ค Ereignisse und Geschichten Weltgeschichte Sie läßt sich nicht verhitlern Am guten Willen der Herren Alexander von Müller und Peter Richard Rohden. in dem von ihnen herausgegebenen Sammelband..Knaurs Weltgeschichte" das ganze Weltgeschehen..von der Urzeit bis zur Gegenwart" zu verhitlern und zu entmarxen. brauchen wir nicht zu zweifeln; denn erstens sind sie reichsdeutsche Universitätsprofessoren in Amt und Würden, was über ihre Steifnackigkeit und derzeitige Gesinnung alles Notwendige besagt: zweitens ist der Verleger des Werkes jener Verlag Th. Knaur Nachfolger in Berlin. der schon das Lexikon A- Z und die Hamannsche..Kunstgeschichte" dienstbeflissen nach dem Diktate des Völkischen Beobachters" eingestampft und im nazistischen Geist erneuert hat; und drittens lesen wir gleich draußen auf dem Schutzumschlage:„ Ein umfassendes Geschichtsbild aus der großen Tradition der deutschen Geschichtswissenschaft, erfüllt vom lebendigen Geist der Gegenwart", und noch deutlicher im Vorwort: ,, Jede große Revolution verwandelt nicht nur das Bild ihrer Gegenwart, sondern auch das der Vergangenheit. Aber diese Umwertung des Erbes der Vergangenheit vollzieht sich langsamer als die der Gegenwart.... Auf der anderen Seite erwecken gerade Zeiten tiefer Umwälzungen wie die unsere das Bedürfnis nach fortlaufender geschichtlicher Selbstbesinnung ungleich stärker und in viel weiteren Kreisen als Zeiten der Ruhe und des Behagens." Nach dieser Vorbereitung möchte man erwarten, daß sich das Drama der Weltgeschichte vor uns als ein einziger Kampf der Rassen abro! lt. daß ein Heros nach dem andern auf die Bühne tritt und uns durch sein bloßes Dasein und Wirken den Unsinn der kollektivistischen Geschichtsauffassung vordemonstriert. daß die Herrlichkeit des Krieges, der mythischen Begeisterung und des nordischen Menschen sternhell über allem leuchtet und daß schließlich und endlich( denn wofür werden von Herrn Rust..die Protokolle der Weisen von Zion" und die Standardwerke des Hammerfritsch als klassische Schullektüre empfohlen?) der..großen Tradition der deutschen Geschichtswissenschaft" entsprechend die Juden als der böse Geist des ganzen Weltgeschehens nachgewiesen werden. Nun. derartige Holzschnitte oder vielmehr Holzklotzmethoden mögen in den zahllosen Büchlein und Wälzern am Plage sein. die für den binnendeutschen Gebrauch der Hitlerjungen und Hitlerieken in Riesenauflagen auf den Markt geworfen werden. für ein Werk aber. das durch seine schöne Aufmachung und seinen erstaunlich billigen Preis in der Welt draußen für den deutschen Buchhandel und den deutschen Geist von heute werben soll. taugen so derbe Handgreiflichkeiten nicht. Da wird die Propaganda für den Krieg wohlweislich den Bildtafeln zugewiesen. die zur guten Hälfte Feldherren, Schlachtenszenen. Militärtypen. Waffen u. dgl. abschildern. und der Gebrauch der Charakteristik jüdisch" wird auf das unentbehrliche Beiwort zum Kapitalismus, Sozialismus und Journalismus jüngsten Datums beschränkt. Wie überhaupt dem Bearbeiter der Gegenwartsgeschichte die Zügel etwal lockerer gelassen werden und er sich saftiger ins Zeug legen darf: einmal vielleicht. weil er Göring( aber. bitte. Helmut. nicht Hermann) heißt und der Name immerhin Respekt fordert; und dann, weil ja im Vorwort von der Gegenwart ausdrücklich gesagt wird, daß sich ihre Umwertung rascher vollziehe". Vor deren Ergebnis bei Herrn Göring freilich mögen einen die Götter behüten: es ist einschließlich der epochemachenden Grundthese, daß das Zusammenwirken, jawohl, das Zusammenwirken von parlamentarischer Opposition und Oberster Heeresleitung die anschließende Parlamentarisierung Deutschlands dessen Zusammenbruch im Kriege verschuldet habe und daß nur ein autoritäres Regime" ( Heil Hitler!) das Reich hätte retten können, das flachste, schlappschwänzigste und verlogenste Bild der Jahre 1914 bis 1920. das bisher ein..Historiker" geliefert hat. Ehrlich und gekonnt. weil sie in die Seele des Mannes blicken lassen. wirken höchstens Kraftstellen wie diese: Die Gewerkschaften mit ihren verderblichen Sekretären" oder:..jener intellektualistisch- jüdische Flügel der anarchistisch- unabhängigen Sozialdemokratie. der sich 1917 zur selbständigen Partei erklären konnte. ohne sofort verboten zu werden" ( S. 795). oder schließlich: ,, Darauf waren die hochverräterischen Berechnungen der sozialistischen Parteien eingestellt...( S. 800). zurückEs wäre unbillig, die übrigen Beiträge des Bandes mit dieser auch sprachlich erschreckenden Klitterung auf eine Stufe zu stellen, die wissenschaftliche Fundierung und die Zivilisationsmaske sitzen bei ihnen viel besser. Besonders bezeichnend sind da die von zwei handfesten und sonst gar nicht zimperlichen Hitlerpaladinen, Karl Haushofer und Bolko von Richthofen, verfaßten einleitenden Kapitel über Raumpolitik und Rasse als Grundlagen der Weltgeschichte, die sich durchaus sachlich und manierlich lesen, die aber den Leitgedanken der haken. kreuzlerischen Geschichtsauffassung, daß jedem Volke seine geschichtliche Sendung durch die Gesetze des Bodens und des Blutes" vorgeschrieben, der deutsche Lebensraum" jeund umdrängt, verstümmelt doch..besonders geschnitten" sei. sehr geschickt unter die Leute bringen: ..Nie mehr wird die Anerkennung des raumpolitischen Einflusses. einmal erfaßt. verschwinden können. Dafür ist zu ernst, die die Frage der Raumverteilung auf Erden furchtbare Liste der Sünden gegen eine Gerechtigkeit nach der Leistung und Entwicklungsfähigkeit der zugeteilten Erdenstücke auf die Völker zu groß, als daß die Menschheit sich die bescheidenen. bisher errungenen Teillösungen und Ausblicke wieder entreißen lassen könnte. wenn sie nicht auf Zusammenbrüche in bisher unerhörtem Ausmaß zutreiben, zueilen. zustürzen will. gegen die der sogenannte Weltkrieg ein harmloses Vorspiel war."( S. 42 43.) Man hört das unheimlich drohende Waffengeklirr hinter dem gelehrten Schrei nach Raum!" man hört die wissenschaftliche These, und nun bedürfte es nur noch des am ganzen Verlauf der Weltgeschichte erbrachten Beweises. daß die These auch stimmt. Aber merkwürdig, mit dem will es nicht so recht vom Fleck, an dem allen Autoren offenbar aufgetragenen Gebot..objektiv" und zivilisiert zu schreiben, werden alle Lehrsäge des Hitler- Rosenbergschen Geistes regelrecht zuschanden. Man atmet ordentlich erleichtert auf, wenn man bei Gelegenheit des Augustus dem Führer mythos in den Worten begegnet: Da war er Römer, der. dem Gesetz verpflichtet, sich fügte, als alle Instanzen ihn unausweichlich beauftragten, alles, was dem Souverän eignete, als sein.Sachwalter', als Vormund zu betreuen. Augustus wurde Träger alles Wollens Roms, Abbild dieses Rom, Rom selbst aus seiner Kraft Bild seines Wesens"( sie; S. 220): wenn die einen greisen Staat verratende Organisationshypertrophie des Diokletian Muster des staatlichen Gefolgschaftswesens erhoben wird: zum ..Bürokratie und Heer waren im Gedanken des Gehorsams gegen den Befehl des Herrschers. des soldatischen .Dienstes der Gefolgschaft verbunden. Der Gefolgschaftsgedanke aus der Kampfzeit wurde hier zu dem des Heers der Staatsdiener geweitet"( S. 260); oder wenn der Mord als bewährtes Auskunftsmittel der germanischen Politik anerkannt wird: ..Daß die Familie( der Merowinger) nicht zu vielköpfig und das Erbe nicht zu sehr zersplittert werde. dafür sorgen Bürgerkriege und im Notfall der Mord. So sind 524 drei Enkel Chlodwigs schon als Kinder von ihren Oheimen umgebracht worden. da die Großmutter sich weigerte. sie zu Geistlichen scheren zu lassen, um ihnen das Leben zu retten. .Lieber tot als ehrlos!" rief sie aus"( S. 305). Wäre Knaurs Weltgeschichte" schon vor dem 30. Juni draußen gewesen und hätte Röhm diese heroische Legende gekannt, fürwahr, er wäre heldischer gestorben! Sonst aber, von solchen erquicklichen Oasen abgesehen, breitet sich vor uns die gewohnte dürre Steppe der ,, liberalistischen" Geschichtsschreibung mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Angaben und Ableitungen und bisweilen tauchen Sätze auf, Säge man höre selber: nun, ..Die französische Revolution darf nicht als ein Ergebnis planmäßigen Wollens gedeutet. sondern muß aus dem Zusammenwirken verschiedener Tatsachenreihen erklärt werden. deren wichtigste der wirtschaftliche Aufstieg und der daraus erwachsene Anspruch des Bürgertums ist. die politischen und sozialen Einrichtungen nach seinem Bilde und seinen Bedürfnissen umzugestalten. Wie alle, Revolutionen. die diesen Namen verdienen, wurzelt also auch die Umwälzung von 1789 in einer bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Spannung zwischen den wirklichen sozialen Kräfteverhältnissen und den politischen Institutionen. die die Mitlebenden wie Fremdkörper anmuten"( S 602). Wenn da nicht der marxistische Ueberbau- und Revolutionsgedanke geisternd umgeht. wollen wir uns getrost der Merowingischen Großmutter zur weiteren Behandlung anvertrauen, und was noch schwerer wiegt: der Satz ist nicht vielleicht eine zufällige Entgleisung seines Verfassers Rohden. sondern nach denselben Grundsätzen werden Renaissance, Reformation, das Jahr, 1848 u. a. dargestellt und in ihrer internationalen. überrassischen und überräumlichen Bedeutung gewürdigt. die marxistische Art der Geschichtsbetrachtung ist also offenbar ein nicht mehr auszuschaltendes Element jeder einigermaßen sachlich vorgehenden Geschichtsschreibung geworden. Wundert man sich da noch, wenn der getreue Eckart des ..dritten Reiches". Alfred Rosenberg, neuerdings von den Münchener nationalsozialistischen Studenten erklärte, daß es eine objektive Geschichtsschreibung nicht gebe und daß es an der Zeit sei, eine deutsche Geschichtsschreibung anzumelden"? Und wenn er die nationalsozialistische Bewegung eine Naturerscheinung" nannte, ..wie sie in der Geschichte der Völker vereinzelt vorkommt? Sie ist vergleichbar mit den gewaltigen Eruptionen, die einst die Gebirge entstehen ließen und die man nicht ablehnen oder annehmen kann. Sie sind einfach da und man hat sich mit ihnen abzufinden". In der Tat, Meister Rosenberg, nur noch als., Naturerscheinung" ist die Hakenkreuzlerei wissenschaftlich zu ,, retten", als ge. schichtliche Größe aber unterliegt sie jenem Gesetze, das auch die..vom lebendigen Geist der Gegenwart erfüllte" Knaursche Weltgeschichte nicht aus der Welt zu schaffen vermag und das historische Mißbildungen an der zur Unerträglichkeit gesteigerten Spannung zwischen den wirklichen sozialen Kräfteverhältnissen und den politischen Institutionen" zugrunde gehen läßt. A. K. Naziveranstaltungen steuerfrei Das Reichsfinanzministerium hat Richtlinien für die Befreiung von der Vergnügungssteuer aufgestellt. Danach sind alle Veranstaltungen der NSDAP., die geeignet sind, das nationalsozialistische Gedankengut zu verbreiten, von der Steuer frei. Die Kraft- durch- Freude"-Veranstaltungen sind ebenfalls dann von jeder Abgabe befreit, wenn sie im Interesse der Volksbildung, der Kunstpflege oder als gemeinnüßig angeordnet werden. Ausgegliedert Schicksal der Tyrannen Du biegst das Recht dir passend mit Dekreten Wirfst die Gesetze spielend aus der Bahn. Doch ein Gesetz ist Dir nicht untertan ( Lies Goethe): Das, nach dem Du angetreten. Die Macht, die durch Verbrechen du errafft. Sie stößt Dich tiefer in Verbrechens Schande. Verschworen noch so sehr Bande bleibt Bande! Kein hohes Amt macht Schurken tugendhaft. 114 ou 1967 Die Meuchelmörder. einst für dich gedungen, Als Paladine stehn um Deinen Thron.t Dir selber siehst Du ihre Mienen drohn, Siehst ihre Dolche gegen Dich geschwungen! that of Warst Du auch einst der Abgott Deiner Horden, Dein Zukunftsweg steht unerbittlich fest, Der einzige, den Dir Dein Schicksal läßt: Gemordet werden oder selbst zu morden! Naumannismus Eine neue Selbstbefleckung D 19 Mucki. In Berlin lebt ein Dr. Max Naumann, Vorsitzender des ,, Verbandes nationaldeutscher Juden", einer Gruppe seltsamer Amokläufer, die bestrebt ist, antisemitischer zu sein als die Antisemiten. Sie versichern immer wieder, daß sie gar nichts, rein gar nichts vom Nationalsozialismus trenne und sie quittieren als echte Masochisten jede Backfeige, die ihnen das Regime verabfolgt, mit um so betäubenderem Heilgeschrei. In Paris geben die antisemitisch- faschistischen ..Kreuzritter" die Zeitung La Croix", eine Art Gegenstück zu Streichers., Stürmer" heraus, das zwischen getarnten Erpressungen und unaufhörlichen Galgenrufen hin- und herpendelt In diesem Blättchen ist der Präses der nationaldeutschen Juden zu Wort gekommen. Und er schreibt, in wörtlicher Uebersetzung, tolgendes: .. Wir nationaldeutschen Juden hätten es als ein nationales Unglück für Deutschland und für uns deutschnationale Juden gehalten, wenn Hitler nicht die Geschicke des deutschen Volkes in die Hand genommen hätte." Es wäre also, sagt dieser Naumann, ein Unglück für die deutschen Juden gewesen, wenn man sie nicht in den Konzentrationslagern mit Nilpferdpeitschen geprügelt und mit Gewehrkolben totgeschlagen hätte es wäre ein Unglück für sie gewesen, wenn sie nicht aus ihren Stellungen gejagt, zu Zehntausenden brotlos gemacht, nicht zu Parias degradiert worden wären, die man tagtäglich, vom Staat gesegnet, mit Schmut bewerfen darf. Es wäre ein Unglück für sie, wenn sie nicht Freiwild für sadistische Burschen wären, die in die intimsten Bezirke ihres Lebens eindringen, um sie auszurotten". Diesen Naumann und die Individuen seines Schlages soll man nicht weiter analysieren. Aber es ist vielleicht die widerwärtigste Begleiterscheinung eines Systems aus Terror, Blut und Gemeinheit, daß es gespenstische Flagellanten von der Art eines Max Naumann aus der Linie der Psychiatrie heraushebt und zu einem Faktor der deutschen Politik werden läßt. Und so sieht die auch aus! Das Kommando des Hauptmanns Weiss ,, Präsentiert die Feder!" Pierre. Der Leiter des Reichsverbandes der deutschen Presse Hauptmann Weiß, schreibt zum Jahreswechsel: ..1934 war mehr als ein Jahrgang. Für die deutsche Press begann eine Epoche Durch das Schriftleitergesetz wurde der Reichsverband der deutschen Presse geordnet und eingegliedert in den großen Dienst an der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Der Führer hat dem deutschen Menschen neue Lebenskraft verliehen. Durch die Erneuerung des Volkes wurde auch im Schriftleiter ein neues Staatsbewußtsein geweckt, mit neuen Rechten und Pflichten wurde er in den Dienst gestellt. Der Verlauf des ersten deutschen Pressetages im November 1934 hat gezeigt, daß wir auf dem rechten Wege sind. Das disziplinierte Verantwortungsgefühl, das den Journalisten des Dritten Reiches auszeichnet, entspringt der soldatischen Grundhaltung, die uns der Führer selbst vorlebt. Ihm gilt daher auch unsere Hingabe und Treue. Schon zeichnet sich im Grundriß der Typus des neuen deutschen Schriftleiters in Leistung und Charakter ab. Im Nachwuchs muß er endgültig Form und Gestalt annehmen. Die die neugeschaffene Reichspresseschule, Anfang Januar 1935 ihre Arbeit aufnimmt, wird im Dienste dieser großen erzieherischen Aufgabe stehen. Die Aufgabe für das neue Jahr ist uns gestellt. Wir wollen dafür sorgen, daß sie gelöst wird im Geiste der nationalsozialistischen Staatsidee, im Geiste Adolf Hitlers!" ( gez.) Weiß, 1130 Leiter des Reichsverbandes der Deutschen Presse. * Jedes Wort sollen sie lassen stahn. Der Kommandeur der deutschen Presse hält Manöver ab und freut sich mit Recht, daß alle Gesinnungsknöpfe gut angenäht, alle Tretstiefel blank geputzt, alle Halskrägen( mit Würgemerkmalen) fest ,, Danke, Herr Hauptgesessen. ,, Jahrgang 1934, Abtreten!" mann!" Der gleichgeschaltete Börsenverein der Deutschen Buch- Verbotene Filme händler, in dem immer deutlicher der Konkurs des nazischen Buchhandel zu sprechen beginnt, versucht nun so zu tun, als sei er gar nicht mehr gleichgeschaltet; er hat sich nämlich aus der Reichsschrifttumskammer ausgliedern" lassen. An seine Stelle trat als Fachverband der Bund reichsdeutscher Schriftseller. Der Börsenverein erhebt nun lauter als sonst den Anspruch als überstaatlich zu gelten. 019700 Der Leiter der Filmoberprüfstelle hat verboten: L'ordo nance, Märkische Film GmbH.; Eine Erholungsreise, Osvofilm, Hamburg; Harry, der unfreiwillige Kunstflieger, Osvofilm, Hamburg; Moulin Rouge, United Artists, Neuyork; Theodor Körners letzte Tage, Agfa. Berlin; Das Narbengesicht. United Artists. Neuyork. Hde Volker in furmzetten Nr. 6 Völker in Sturmzeiten Im Spiegel der Erinnerung- im Geiste des Sehers Der Freiheitskämpfer Ludwig Börnes Aus seinen ,, Pariser Briefen" vor hundert Jahren Zu den großen Freiheitskämpfern des 19. Jahrhunderts gehört Ludwig Börne. Liest man in seinen Schriften, so begreift man nicht, weshalb er heute zu den Halbvergessenen gehört. In seinem Bekenntnis zu der Menschheit ewigen Dingen lodert das Feuer des Gerechtigkeitswillens in einem Stile, an dem sich in den vierziger und fünfziger Jahren eine Generation von Journalisten schulte. Es fehlte ihm die Skepsis und die Ironie seines Zeitgenossen Heinrich Heine. Dafür konnte er das Ueble und Rückständige noch viel tiefer hassen, das Gute und das Echte noch viel stärker lieben als er. Börnes., Pariser Briefe" wurden vom September 1830 bis Mai 1833 geschrieben. Er war nach Paris in den Monaten nach der Juli- Revolution gekommen. Der Nachhall dieser Kämpfe ist in seinen Briefen noch ganz lebendig. Darüber hinaus sind wir auch heute noch gefesselt von der Darstellungskraft eines Menschen und Charakters, dem Kunst nur als Mittel zum Zweck galt: Zum Kampf für Freiheit und Wahrhaftigkeit. Ausreise Karlsruhe, Sonntag den 5. September 1830. Ich fange an den guten Reisegeist zu spüren, und einige von der Legion Teufel, die ich im Leibe habe, sind schon ausgezogen. Aber je näher ich der französischen Grenze komme, je toller werde ich. Weiß ich doch jetzt schon, was ich tun werde auf der Kehler Brücke, sobald ich der letzten badischen Schildwache den Rücken zukehre. Doch darf ich das keinem Frauenzimmer verraten. Gestern abend war ich bei S. Die hatten einmal eine Freude, mich zu sehen! Sie wußten gar nicht, was sie mir alles Liebes erzeigen sollten, sie hätten mir gern die ganze Universität gebraten vorgesetzt. Mir Aermsten mit meinem romantischen Magen! Nicht der Vogel Rock verdaute das. Die W. hatten einen prächtigen Jungen. Ich sah eine schönere Zeit in rosenroter Knospe. Wenn die einmal aufbricht! Wie gern hätte ich ihn der Mutter gestohlen, und ihn mit mir über den Rhein geführt, ihn dort zu erziehen mit Schlägen und Küssen, mit Hunger und Rosinen. daß er lerne frei sein und dann zurückkehre, frei zu machen. In Heidelberg sah ich die ersten Franzosen mit dreifarbigen Bändern. Anfänglich sah ich es für Orden an, und mein Ordens- Gelübde legte mir die Pflicht auf, mich bei solchem Anblicke inbrünstig zu ärgern. Aber ein Knabe, der auch sein Band trug, brachte mich auf die rechte Spur. Ich mußte lachen, als ich nach Darmstadt kam, und mich erinnerte, daß da vor wenigen Tagen eins fürchterliche Revolution gewesen sein soll, wie man in Frankfurt erzählte. Es ist eine Stille auf den Straßen, gleich der bei uns in der Nacht, und die wenigen Menschen, die vorübergehen, treten nicht lauter auf als die Schnecken. Erzählte man sich sogar bei uns, das Schloß brenne, und einer meiner Freunde stieg den hohen Pfarrturm hinauf, den Brand zu sehen! Es war alles gelogen. Die Bürger sind unzufrieden, aber nicht mit der Regierung, sondern mit den Liberalen in der Kammer, die dem Großherzoge seine Schulden nicht bezahlen wollen. Das ist deutsches Volksmurren, das laß ich mir gefallen; darin ist Rossinische Melodie. Wenn Sie mir es nicht glauben werden, daß ich gestern drei Stunden im Theater gesessen und mit himmlischer Geduld ,, Minna von Barnhelm" bis zu Ende gesehen bin ich gar nicht böse darüber. Aber das Unwahrscheinlichste ist manchmal wahr. Auf der Reise kann ich alles vertragen. Die Theaterwache in Darmstadt war gewiß fünfzig Mann stark. Ich glaube, auf je zwei Zuschauer war ein Soldat gerechnet. Noch viel zu wenig in solcher tollen Zeit. Und diesen Morgen um sechs Uhr zogen einige Schwadronen Reiter an meinem Fenster vorüber und trompeteten mich, and alle Kinder, und alle Greise, und alle Kranken, und alle süßträumenden Mädchen aus dem Schlafe. Das geschieht wohl jeden Tag. Diese kleinen deutschen Fürsten in ihren Nußschalenresidenzen sind gerüstet und gestachelt wie die wilden Ka stanien. Wie froh bin ich, daß ich aus dem Lande gehe. Adieu, Adieu. Und schreiben Sie mir es nur auf der Stelle, so oft bei uns eine schöne Dummheit vorfällt. Die Fahne auf der Brücke Straßburg, den 7. September. Die erste französische Kokarde sah ich an dem Hute eines Bauern, der von Straßburg kommend, in Kehl an mir vorüber ging. Mich entzückte der Anblick. Es schien mir wie ein kleiner Regenbogen nach der Sündflut unserer Tage, als das Friedenszeichen des versöhnten Gottes. Ach! und als mir die dreifarbige Fahne entgegenfunkelte ganz unbeschreiblich hat mich das aufgeregt. Das Herz pochte mir bis zum Uebelbefinden und nur Tränen konnten meine gepreßte Brust erleichtern. Es war ein unentschiedenes Gemisch von Liebe und Haß, von Freude und Trauer, von Hoffnung und Furcht. Der Mut konnte die Wehmut, die Wehmut in meiner Brust den Mut nicht besiegen. Es war ein Streit ohne Ende und ohne Friede. Die Fahne stand mitten auf der Brücke, mit der Stange in Frankreichs Erde wurzelnd, aber ein Teil des Tuches flatterte in deutscher Luft. Fragen Sie doch den ersten besten Legationssekretär, ob das nicht gegen das Völkerrecht sei? Es war nur der rote Farbenstreif der Fahne, der in unser Mutterland hineinflatterte. Das wird auch die einzige Farbe sein, die uns zu teil werden wird von Frankreichs Freiheit. Rot, Blut, Blut ach! und nicht Blut auf dem Schlachtfelde. Gott? könnte ich doch auch einmal unter dieser Fahne streiten, nur einen einzigen Tag mit roter Tinte schreiben, wie gern wollte ich meine gesammelten Schriften verbrennen, und selbst den unschuldigen achten Teil von ihnen, der noch im Mutterschoße meiner Fantasie ruht! Schmach, Schmach über unser Andenken! Einst werden die siegesfrohen, siegesübermütigen Enkel spottend einen Gansflügel auf unseren Grabeshügel stecken, während glücklichere Tote unter dem Schatten der Lorbeern ruhen. Ich begreife, wie man gegenwärtige Uebel geduldig erträgt es gibt kein gegenwärtiges Uebel, es wird nach jeder Minute zur Vergangenheit aber wie erträgt man zukünftige Leiden? das fasse ich nicht. Diesen Mittag war ein junger Mensch bei Tische, der in Paris mit gefochten. Es war mir gerade, als brennten ihm die Haare, und unwillkürlich rückte ich von ihm weg, ob zwar ich deutsches nasses Holz ihn eher ausgelöscht hätte, als er mich angezündet. Wir waren unserer neun, worunter drei alte Weiber, mich mitgerechnet, und ich habe in einer einzigen Stunde mehr sprechen hören, als im englischen Hofe während der zwei Monate, daß ich dort zu Tische ging. Ich wollte hier einen Platz im Kupee nehmen, aber schon auf acht Tage voraus war das Kabriolett in Beschlag genommen, und so lange habe ich keine Geduld zu warten. Mich in den inneren Wagen zu setzen, dazu kann ich mich nicht entschließen. Uebrigens sind auch hier die Plätze schon auf mehrere Tage besetzt. Diese Frequenz kommt von den unzähligen Solliciteurs, die täglich nach Paris eilen, den jungen Freiheitsbaum zu schütteln. Donnerstag, den 8. September. Um zehn Uhr reise ich weiter. Ich habe mir einen Mietwagen bis Chalons genommen. Das ist zwei Dritteile des Weges. Mit dem nämlichen Kutscher und dem nämlichen Wagen ist vor kurzem Potter nach Paris gefahren. Ich wohnte hier in dem nämlichen Zimmer, das er bewohnte. Was das Zimmer betrifft, ist mir nicht hange; eine Nacht, das kann mir nicht schaden. Aber acht Tage in Potters Wagen? Ich werde ihn durchräuchern lassen. Eben zog die Nationalgarde vorüber. Ich erstaunte über ihr gesundes und frisches Aussehen, da sie doch einige Jahre scheinbar im Grabe gelegen. Aber die Freiheit lebt auch im Grabe fort und wächst, bis sie den Sarg sprengt. Das sollten sich die Totengräber merken. ,, Ich bin auch wachend nirgends fremd" Vitry- sur- Marne, den 12. September. Das menschliche Leben ist voller Rechnungsfehler und ich weiß wahrhaftig nicht, wozu uns das Einmaleins nützt. Sonntag- Montag, 6. u. 7. Jan. das Vergnügen aber, nicht totgeschossen worden, der Gefahr entgangen zu sein, reicht für das ganze Leben hin. Man muß rechnen, zählen, wiegen. Auf mehr oder weniger, schwerer oder leichter kommt alles an. Die Qualitäten sind nicht sehr verschieden. Ach; ich spüre es schon, es ergeht mir diesmal in Frankreich, wie die beiden vorigen Male. Die feuchte Philosophie schlägt an mir heraus, wie wenn warme Witterung eintritt, die Steinwände naß werden. Es ist mir recht, diese Hautkrankheit der Seele ist meiner betrübten Konstitution sehr heilsam. So eben las ich in einem Pariser Blatte die aus einer englischen Zeitung entlehnte Nachricht: in Hamburg wären Unruhen gewesen, man hätte die Juden aus den Kaffeehäusern verjagt. Und in Hannover hätten sie geschrien: à bas la noblesse! Ich kann mir gar nicht denken, wie das in Deutschland gelautet haben mag: denn unsere guten Leute kennen keinen andern Zornruf als das lateinische Pereat! Was nun den Adel betrifft, so habe ich, bei aller Menschenfreundlichkeit, nichts dagegen. Mit guten Fallschirmen versehen, wird er herunterkommen, ohne sich sehr wehe zu tun. Aber die Juden! Die Franzosen hatte ihre Julitage, wollen die Deutschen ihre August-, ihre Hundstage haben? Fängt man so die Freiheit an? O, wie dumm! O, wie lächerlich! O, wie unästhetisch! Von der Niederträchtigkeit will ich gar nicht sprechen! die versteht sich von selbst. Ist es aber wahr? Die Kellnerin kam herauf und sagte mir: sie hätten meinem Bedienten ein ganz gutes Zimmer angewiesen, er verlange aber ein Appartement. Ich ließ ihn rufen, und fragte, was das sein sollte? Da fand ich denn, daß er die bescheidenste Forderung gemacht, und eine unschuldige Neugierde zu befriedigen gesucht, der kein Mensch, von welchem Stande er auch sei, lange widerstehen kann. Als feiner Nordländer war er gewohnt, das unartige Ding Appartement zu nennen. Endlich in Paris Paris, den 17. September 1830. Seit gestern bin ich hier und alles ist vergessen. Ob ich gesund und froh, wie Sie es wünschen, in Paris angekommen, oder durch mein Ankommen erst geworden bin, wüßte ich kaum zu bestimmen: doch glaube ich eher das letztere. Ich habe wunderliche Nerven. Wenn sie kein Lüftchen berührt, sind sie am unruhigsten und zittern, wehklagende Töne gleich Elvirens Harfe in der Schuld. Diese Kränkelei macht mich so wütend, daß ich meine eigenen Nerven zerreißen möchte. So oft sie aber ein grober Sturmwind schlägt, bleiben sie philosophisch gelassen, und verlieren sie ja die Geduld, brummen sie doch männlich, wie die Saiten einer Baßgeige. Ich kann es Ihnen nicht genug sagen, wie mir so behaglich warden gleich von der ersten Stunde an. Das moralische K'ima von Paris tat mir immer wohl, ich atme freier, und meine deutsche Engbrüstigkeit verließ mich schon in Bondi. Ras chzog ich alle meine Bedenklichkeiten aus und stürzte mich jubelnd in das frische Wellengewühl. Ich möchte wissen, ob es anderen Deutschen auch so begegnet wie mir, ob ihnen, wenn sie nach Paris kommen, wie Knaben zu Mute ist, wenn an schönen Sommerabenden die Schule geendigt und sie springen und spielen dürfen! Mir ist es gerade, als müßte ich unserm alten Konrektor einen Esel bohren. Der Teufel ist Kontrolleur und hat seine Freude am Widerspruch, um jeden Abend den ehrlichen Buchhalter zu verwirren. Am zwölften September des vorigen Jahres war ich, wie ich aus meinem Tagebuche erfahre, in Soden, der letzte Gast im Bade, der einzige Städter im Dorfe, saß gefangen auf meinem Zimmer, von dem schlechtesten Wetter bewacht, ward gefoltert von den boshaftesten Nerven. Es war abends acht Uhr, ich lag auf dem Sofa, das ungeputzte Licht brannte düster, Wind und Regen klopften leise an das Fenster, es war mir, als wenn die Elemente riefen: komm zurück, wir erwarten dich! Es war mir unendlich wehe. Ich fühlte mich wie fortgeschleppt von den gewaltigen Armen der Natur und kein Freund kam zu meiner Hilfe... Wer mir damals gesagt hätte, heute übers Jahr bist du um diese Stunde in Vitry- sur- Marne, froh und gesund und wirst dort schlafen und nicht unter der Erde ich hätte ihn ausgelacht inmitten meiner Schmerzen. Und wer am nämlichen Tage dem Könige von Frankreich gesagt hätte: heute übers Jahr bist du nicht König mehr und schläfst in England?... Es ist doch schön, kein König zu sein! Daran will ich künftig denken, so oft ich leide. Armer Karl! Unglücklicher Greis: Die Menschen nein, unbarmherzig sind sie nicht, aber sie sind unwissende Toren. Sie begreifen gar nicht, was das heißt: König sein: sie begreifen nicht, was das heißt, auf schwachen menschlichen Schultern den Zorn und die Rache eines Gottes tragen; sie begreifen nicht, was es heißt, einem einzigen Herzen, einer einzigen Seele die Sünden eines ganzen Volkes aufladen! Denn warum haben die Menschen Könige, als weil sie Sünder sind? Ist das Fürstentum etwas anderes als ein künstliches Geschwür, welches die heilbedächtige Vorsehung den Völkern zuzieht, daß sie nicht verderben an ihren bösen Säften, daß ihre giftigen Leidenschaften alle nach außen fliehen und sich im Geschwür sammeln? Und wenn es aufspringt endlich wer hat es strotzend gemacht? Nicht schonen soll man verbrecherische Könige, aber weinen soll man, daß man sie nicht schonen dürfe. Doch erzählen Sie das ja keinem wieder. Denn die Toren anderer Art möchten sagen: da ist nun ein freiheitsliebender Mensch, der doch noch sagt, es sei dem Könige von Frankreich Unrecht geschehen! Was? Recht! Unrecht! leere, tolle Worte! Verklagt den Sturm, verklagt den Blit, verklagt das Erdheben, verklagt das Fieber, verklagt die spitbübische Nacht, die euch um den hellen Tag geprellt und wenn ihr den Prozeß gewonnen, dann kommt ihr geschickten Advokaten und verklagt das Volk, es habe seinem König Unrecht getan! Ich habe schon viel in Frankreich geschlafen: in Straßburg, in Pfalzburg, Lüneville, Nancy, Toul, Bar- le- Duc, und heute schlafe ich hier. Es ist eine schöne Erfindung, wie vor, noch höre ich den Polizei- Jubel, höre alle die Lieder Sancho Pansa sagt; und wo man schläft, man schläft immer zu Hause, und wo man träumt, man hat überall vaterländische Träume. Aber was geht das mich an? Ich bin auch wachend nirgends fremd. In den Niederlanden scheint es arg herzugehen. Was aber die Leute dort wollen und nicht wollen, begreife ich nicht recht. Ihr hättet mich nicht abhalten sollen über Brüssel zu reisen. Es ist freilich kein Vergnügen, totgeschossen zu werden und nicht zu wissen wofür. Aber wenn man im Bette stirbt, wie die meisten, weiß man dann besser, wofür es geschieht? Die Unannehmlichkeit dauert einige Minuten; Ich wohnte hinter dem Palais- Royal, Die Zimmer sind gut, aber die enge Straße mit ihren hohen Häusern ist unfreundlich. Kein Sonnenblick den ganzen Tag. Und doch ist es mir manchmal noch zu hell; denn ich habe merkwürdige Gegenüber. Erstens sehe ich in die Küche eines Restaurateurs. Schon früh Morgens fangen die ungewaschenen Köche zu tüchten und zu trachten an, und wenn man so mit ansieht, wie die Grazie, die allen französischen Schüsseln eigen ist, zustande kommt, kann man die Eẞlust auf eine ganze Woche verlieren. Dann sehe ich in das Zimmer einer Demoiselle; in eine Schneiderswohnung; in einen RouletteSaal und in eine lange Galerie von Cabinets inodores. Wie schön, freundlich und glänzend ist alles nach der Gartenseite des Pala Roval; nach hinten aber wie betrült und schmutzig Alles! Ich werde mich eilen, aus diesen Kulissen zu kommen und mich nach einer andern Wohnung umsehen. Sie können es sich denken, daß ich nicht lange zu Hause geblieben, sondern gleich fort eilte, die alten Spielpläne meiner Fantasie aufzusuchen und die neuen Schlachtfelder, die ihr Wort gehalten. Aber ich fand es anders als ich erwartete. Ich dachte, in Paris müsse es aussehen wie am Strande des Meeres nach einem Sturm, alles von Trümmern bedeckt sein, und das Volk müsse noch tosen und schäumen. Doch war die gewohnte Ordnung überall und von der Verheerung nichts mehr zu sehen. Auf einigen Strecken des Boulevards fehlen die Bäume, und in wenigen Straßen wird noch am Pflaster gearbeitet. Ich hätte die Stiefeln ausziehen mögen; wahrlich, nur barfuß sollte man dieses heilige Pflaster betreten. Die vielen dreifarbigen Fahnen, die man aufgesteckt sieht, erscheinen mir nicht als Zeichen des fortdauernden Krieges, sondern als Friedenspanier. Die Fahne in der stolzen Hand Ludwigs XIV. auf dem Place des Victoires machte mich laut auflachen. Wir haben die Reiterstatue vor acht Jahren zusammen aufrichten sehen. Wer hätte das damals gedacht? Träume von Eisen und Marmor und doch nur Träume! Noch schwebt jener Tag mir mit ihren Melodien, welche bezahlte Bänkelsänger auf dem Platze sangen. Das eine Lied fing an: vive le roi, le roi, le roi, que chante le monde à la ronde jetzt müßte es heißen statt que chante, que chasse le monde à la ronde. Wenn er nur nicht so alt wäre! das verbittert mir sehr meine Freude. Gott segne dieses herrliche Volk, und fülle ihm die goldenen Becher bis zum Rande mit dem süßesten Weine voll, bis es überströmt, bis es hinabfließt auf das Tischtuch, wo wir Fliegen herum kriechen und naschen. Summ, summ wie dumm! ( Fortsetzung folgt) Das Zuhälterliced und die religiösen Gefühle Rundschreiben der Deutschen Arbeitsfrom" zu einem Gerichtsuriell " „ Es ist der Wille des Führers, daß niemand durch Druckmittel zur Teilnahme an Versammlungen und an Demonstrationen gezwungen wird." ( Anordnung des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß. Anfang September 1934.) Diese Anordnung des Herrn Hitler, die von den Massen In den Betrieben aus ganzem Herzen begrüßt wurde, hätte, wenn sie durchgeführt worden wäre, das Ende der Massenmeetings bedeutet. Denn außer dem geringen Prozentiak überzeugter azis würde niemand freiwillig zu einer Demonstration erscheinen. Da sich die Herr schaften über die ablehnende Haltung der Volksmehrheit absolut klar sind, wird der„ Wille des Führers" wie folgt in die Praxis umgesetzt. In einem Rundschreiben der NSBO. und der DAF, Kreis V, Berlin, wird ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Karlsruhe( Baden) bekanntgegeben, das die fristlose Entlassung eines Arbeitnehmers mit ausführlicher Begründung zu rechtfertigen sucht. Zer betreffende Arbeitnehmer hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, das Horst- Wessel- Lied mitzufingen. Das Rundschreiben: „ NSBO. DAF. Kreis V Kreisleitung Berlin. 29. Sept. 1934. Blücherstr. 1, Tel. Bärwald F. 6 5156. Rundschre ben Nr. 108/34 An alle Ortsgruppen, Betriebszellen und Stützpunkte des Kreises V der NSBO. DAF. Nachstehend bringen wir die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Karlsruhe vom 6. 7. 1934 zur Kenntnis. Wir bitten, allen Mitgliedern der NSBO. DAF., sowie allen übrigen Gefolgschaftsmitgliedern die Einsichtnahme zu ermöglichen, desgleichen den Betriebsführern ohne Kommentar davon Mitteilung zu machen. Die Entscheidung ist gerade in heutiger Zeit, in der so mancher unbemerkt bleiben und ist auch innerhalb der Belegschaft richtig gewürdigt worden. Das Verhalten des Klägers hat lebhafte Beunruhigung in die Bevölkerung hineingetragen. Tie Beklagte ist gleichwohl nicht ohne weiteres und nicht ohne vorherige Mahnung zur Lösung des Arbeitsverhältnisses geschritten. Sie hat vielmehr mit Schreiben vom 26. März 1934 vom Kläger und von zwei anderen Betriebangehörigen eine unterschriftliche Erklärung des Inhalts verlangt, daß sie ihr Verhalten fünftig ändern würden. Der Kläger aber hat dies mit Schreiben vom 28. März abgelehnt. Jeßt erit. und nachdem die NSBO. ein Einschreiten gegen den Kläger verlangt hat, hat die Beklagte die Kündigung auf den 30. April 1934 ausgesprochen Dazu war sie berechtigt, denn der Beklagten konnte es im Hinblick auf das geschilderte Verhalten des Klägers nicht länger zugemutet werden, das Arbeitsverhältnis fortznießen. zumal im Hinblick auf den be= vorstehenden 1. Mai, an dessen feierlicher Begehung der Kläger sicherlich io went teilgenommen hätte wie an früheren nationalen Feiern. Es konnte daher der Beklagten auch nicht zugemutet werden das Arbeitsverhältnis bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist fortzusetzen, wenn es sich hierbei auch nur noch um einige Tage 1. bis 9. Mai- gehandelt hätte. Der Kläger hat nun geltend gemachi, die ihm gegenüber ausgesprochene Kündigung verstoße gegen ein gefeßliches Verbot, und zugleich auch gegen die guten Sitten und sei deshalb überhaupt nichtig(§§ 134 138 BGB.). Verletzt ist nach seiner Meinung Art 135 der Reichsverfassung, welcher die Glanbens und Gewissensfreiheit lurz die Bekenntnisfreiheit gewährleistet. Hierzu ist zu sagen: Vom Kläger wurde lediglich verlangt, daß er im Betriebe und innerhalb der Betriebsgemeinschaft ein Verhalten an den Tag lege, das dem der übrigen Belegschaft entspricht. Dadurch ist die Bekenntnisfreiheit nicht verlegt. Tenn diese gewährleistet nicht das Recht zur religiösen Betätigung ohne En Sireld gegen die Armen Zu Beginn ihrer Herrschaft verteuerte die national.ozialistische Reichsregierung sofort die Preise für eine Reihe wichtigster Nahrungs- und Genußmittel. Dazu gehörten auch die Butter. Margarine- und Fettpretie. Die Arbeitslosen und sonstigen Unterstüßungsempfänger wurden damit beruhigt. daß die Regierung Reichs- Fettverbilligungsscheine ausgab, die beim Einkauf von Butter und Fett mit 25 Pfennigen pro Pfund vergütet wurden. Doch schon nach kurzer Zeit wurde die Zuteilung der Fettverbilligungsscheine gekürzt und der Krets derer, die sic erhielten, ganz erheblich eingeschränkt. ist Als einen gewissen Ausgleich für diese Maßnahme, die weiten Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung den Butterund Fettverbrauch beschränkte, und weil es außerdem Millionen Arbeiter, Sturzarbeiter uim, gab die, obwohl thr Einkommen kaum höher als die niedrigen Unteritüßungsfäße ist, überhaupt keine Verbilligungsscheine erhielten wurde eine besonders billige Haushaltmargarine eingeführt, die für 38 Pfennige pro Pfund verkauft wurde. Diese Margarinejorte minderer Qualität wurde im„ dritten Reich" immer mehr die Butter der armen Leute, weil die Butterpreise inzwischen durch die Agrarpolitif der Reichsregierung etwa um 100 Prozent in die Höhe getrieben worden waren. Jetzt stiehlt die Hitlerregterung diesen Millionen armen Menschen auch diesen dürftigen Butterer az. Die Haushalt= margarine für 38 Pig. je Pfund ist abgeschafft worden, Die Bevölkerung soll dafür die sogenannte Konsummargarine fansen, die 65 Pig. ie Pfund fostet. Damit aber niemand daran zweifelt, daß die Regierung alles für die Armen tut, hat sie den Preis der Konsummargarine um 2 bịch= nige herabgesetzt. Sie fostet jetzt 63 Pig. Diese neue Maßnahme richtet sich in voller Schärfe nur gegen die armen Voffsschichten, für die sie sich als ein schwerer Anschlag auf ihre Ernährung auswir fen muß. Sie ist zugleich ein Beweis dafür, daß die Tevise „ Gemeinuut geht vor Eigennut" im„ Dritten Reich" von der herrschenden Clique io verwirklicht wird, daß die großkapitalistischen Interessen in jedem Falle vor den Interessen der Volksmassen kommen. Bolksgenosse glaubt, den Drückeberger spielen zu können, Rücksicht auf sonstige vertragliche oder geießliche Verpflich Die Gezeichneten von allgemein wichtigem Interesse. Heil Hitler! tungen. So wenig ein Katholik für sich das Recht in Anspruch nehmen kann, gegen den Willen seines Arbeitgebers zuin Zwecke der religiösen Betätigung an einem firchlichen, aber Kreisbetriebszellenobmann u. Kreisleiter der DAF. nicht staatlichen Feiertag der Arbeitsstelle fernzubleiben, so gez. Erzleben, Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Karlsruhe, vom 6. Juli 1934. Durch Entfernung vor Beginn des Singens des Deutschlands- und Horst- Wessel- Liedes aus den Geschäftsräumen und durch die Nichtteilnahme an gemeinschaftlichen Aufmärschen, Feiern und sonstigen Veranstaltungen der Belegschaft stellt sich ein Arbeitnehmer bewußt außerhalb der Volksgemeinschaft und zeigt hierdurch seine staatsseindliche Einstellung. Dadurch wird die fristlose Entlassung gerechtfertigt. Aus den Gründen: Der Kläger has sich durch sein Verhalten bewußt außer halb der Volksgemeinschaft gestellt. Wenn er es auch nicht wahrhaben will, daß er dem Staate gegenüber seindlich eingestellt ist, so fonnte und mußte doch sein Verhalten dem Betriebsführer und den Arbeitskollegen nicht anders denn als Aeußerung seiner staatsfeindlichen Einstellung erscheinen. Daß iein Verhalten, wie er behauptet, nicht durch politische Gründe bestimmt war, sondern durch solche religiöser Art, ist vollkommen unerheblich Wenn ihn feine religiösen Gründe davon abgehalten haben. den großen Leistungen des neuen Staates, die er nach seiner Behauptung anerkennt, zusammen mit der übrigen Belegschaft Ausdruck zu geben, so hat er die Folgen sich allein zuzuschreiben. Daß der Kläger, wie er behauptet, vor Absinaen der nationalen Pieder sich aus den Betriebsräumen entfernt hat, ist gar nicht anders zu deuten, als wenn er dageblieben wäre und nicht mitgejungen hätte. Denn sein oftentatives Weggeben fonnte nicht Die Vorbildung Der Führer der Reichsbetriebsgemeinschaft Druck Am 4. Tezember v. J. wurde im Auftrage des Reichsorganisationsleiters, Pg. Dr. Ley, der Pg. Dipl.- Ing. Frizz Ebenböck mit der Leitung der Reichsbetriebsgemeinschaft Druck beauftragt. Ueber seine Vorbildung berichtet die gleichgeschaltete Presse: „ Pg. Ebenböck, Inhaber des Blutordens vom 9. November 1923, war bereits auf den verschiedensten Gebieten des Verlagswesens, insbesondere längere Zeit als Schriftleiter und Werbeleiter tätig, und besitzt dementsprechend die notwendige Eignung für sein neues Amt. Er ist einer der ältesten Kämpfer der Bewegung, hat 1919 beim Freiforps Epp in München, 1920 im Münchener Zeitfreiwilligenforps int Ruhrgebiet und 1921 bei„ Oberland" in Oberschlesien gegen die Spartafisten gefämpft. Seit 1922 gehört er der attiven SA. an und führte als Nachfolger des heutigen Reichsministers Rudolf Heß am 9. November 1923 die 11. Kompanie des SA- Regiments München. Nach vorübergehender Zugehörigkeit zum Freiforps Roßbach wurde die Kompanic umgewandelt in die Stabswache Oiai- Süd bzw. Sturm 11 der SA- Leibstandarte. Zuletzt führte Vg. Ebenböck als Obersturmbannfayrer den Sturmbann II der Schüßenstandarte 1 und war als technischer Referent bei der Polizeidirektion München in Verwendung." Zwei Zeilen Angaben, und zwar sehr ungenau über den Beruf, und ein ganzer Roman über die Abenteuer eines Landsknechts! Und so etwas wird Führer eines der wichtigsten und höchst entwickelten deutschen Industriezweiae. wenig hatte der Kläger ein Recht, aus religiöser Ueberzeugung eine Einstellung an den Tag zu legen, die als staatsfeindlich gewertet werden muß Einen Verstoß gegen die guten Sitten enthält die Kündigung um dessentwillen nicht, weil nicht gesagt werden kann. daß sie mit dem Anstandsgefühl aller billig und gerechtdenkenden unvereinbar ist. Die ablehnende Haltung des Klägers aenen die Befundung natio= nalsozialisti.chen Denkens und üblens est im ichroffen Gegensatz zu der Auffassung Volfsgenossen." is der Berlin, 4. Januar. Nach einer Mitteilung der amtlichen „ Wirtschaft und Statistit" stellt sich die Zahl der Erbhöfe in Deutschland auf etwa 845 000. Von der Gesamtzahl aller land- und Forstwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 0,5 Heftar Betriebsfläche, die 3,0 Millionen beträgt, würden mithin etwa 28 Prozent der Betriebe Erbhöfe sein, während rund 2,2 Millionen Betriebe oder 71 Prozent unterhalb der Erbhofgröße( im allgemeinen 7,5 Heftar) und 27000 Großbetriebe oder 1 Prozent oberhalb dieser Betriebsgröße( 125 Heftar) liegen. Die zu den Erbhöfen gehörende eigene Fläche die Erbhoffläche umfaßt im ganzen etwa 17 Millionen Heftar oder 42 Prozent der gesamten land- und forstwirtschaftlichen Betriebsfläche. Die„ erbhoffreie" Fläche beträgt donegen etwa 23 3Millinen Heftar oder 36 Prozent der Gesamtfläche. Hitlers Flärchen für politische Kinder Wolür er unter Wolur er unter Ensatz seines Lebens e nzus.chen versprach Erinnert Euch! „ Erinnert Euch an das Programm inserer Bewegung", hatte Adolf Hitler in seiner Neujahrsbotschaft zum„ Jahr des deutschen Aufbaus 1984" gemahnt; doch be= vor das„ Jahr des Aufbaus" verstrichen war, wurde der Verfasser des Programms der nationalsozia listischen Bewegung, das Mitglied Nr. 3 der NSDAP., Gottfried Feder, seiner sämtlichen staatlichen und politischen Aemter enthoben. Das Programm versprach:„ Riesenbetriebe( Konzerne, Syndikate, Trusts) werden verstaatlicht. Diese Forderung crgibt sich folgerichtig aus unserem ganz allgemeinen Rampf gegen die kapitalistische Idee." Aber bisher ist fein einziger Riesenbetrieb verstaatlicht worden, im Gegenteil: die Riesenbetriebe erhielten Hunderte von Millionen als Steuergeschenke oder als Subvention. „ Ganz folgerichtig." Wir erinnern uns. Das Programm versprach( S. 36) der Arbeiterschaft„ Mitverantwortlichkeit" an der Leitung der Betriebe. Das am 13. Januar 1934 verkündete Arbeitsordnungsgesetz aber legt die Diktatur des Unternehmers fest:„ Der Führer des Betriebes( der Unternehmeri entscheidet der Gefolaichait( Belegichaft) gegenüber in allen(!) betrieblichen Angelegenheiten."( Par. 2.) Die Arbeiterschaft erinnert sich. Das Parteiprogramm versprach:„ Jedem bedürftigen deutschen Volksgenossen wird von einem bestimmten Lebensalter an oder bei vorzeitigem Eintritt dauernder Erwerbs= unfähigkeit eine auskömmliche Rente sichergestellt." Der Innenminister Frick höhnte( am Muttertag 1934): " Sozialversicherung zerstört den Familiensinn." Die Diftatur hat die( nenen) Renten der Invalidenversicherung und die Pensionen der Knappschaft gefürzt. Die Invaliden erinnern sich. Das Programm verfproch Todesstrafe für Mucherer ( Punft 18). Turch die Wirtschaftspolitik der Hitlerdiktatur sind seit Januar 1933 die Preise der Lebensmittel um rund 20 Prozent gestiegen. Die Frauen erhalten beim Einkauf für 1, RM. nur noch so viel, wie sie vor Hitler für 80 Pfennige erhielten. Die Frauen erinnern fich. „ Brechung der Rinafrechtschaft ist die stählerne Achse, um die sich alles dreht." erklärt das Programm der NSTAP. ( S. 32).„ Wir fordern daher, daß das Banfwesen verstaatlicht wird."( Wirtschaftl. Sofortprogramm der NSDAP., S. 22.) Aber am 1. Dezember 1934 erschien der Bericht der Bankenquete, der sich gesen eine Verstaatlichung der Banken aus= sprach. Führende Nationalinzialisten haben diesen Bericht unterzeichnet, die„ stählerne Achie" des Parteiprogramms ist zerbrochen. In Kreisen der Finanz ist der Bericht put auf= nenommen worden," berichtet„ The Economist"( 8. Dezem= ber), das Draan der Londoner City, des internationalen, blutsaugerischen Finanzfapitals". Sechs Tage nach der Veröffentlichung des enqueteberichtes wurde der Programmatiker der NSDAP, seiner Aemter enthoben. In Kreisen der Finanz wurde das gut aufgenommen. Dank der leichtfertigen Pumpwirtschaft der braunen Diftatur sind in den nächsten Jahren jährlich 1,5 Milliarden zur Einlösung von Wechseln und Steuergutscheinen aufzu= bringen, ein volles Viertel des Etats. Diese 1,5 Milliarden sind längst ausgegeben, sie wurden gepumpt, in der Hoffnung auf Steuereinnahmen, die noch nicht vorhanden sind. „ Der Staat dari feine Schulden schen", forderte das nationalsozialistische Programm( S. 52), er gerät jonit in 3insfnechtschaft“ und„ Bengt sich der Macht des Peihfapitals... „ Die Führer der Partei versprechen, wenn nötig unter Einsatz des eigenen Lebens für die Durchführung der vor: stehenden Punkte rücksichtslos einzutreten."( Schluksaß des Programms der NSDAP.) Taß die Führer der NSTAP. ihr Leben für die Durchführung ihres Programmis einsetzten daran fönnen wir uns nicht erinnern. Leys Kurswechsel Zwei Re en des Reiters der Deutschen A.beitsicont zeigen schlaglichtartig den Kurswechsel der braunen Tiftatur im Jahre 1934. Bis zum Juni 1934 überschlugen sich die nationalsozialistischen Agitatoren bei ihren Reden vor den deutschen Arbeitern. Je reaktionärer die Praris des dritten Reiches" wurde, desto radikaler gebärdeten sich die Redner. Am 27. April 1934 sprach Dr. Yen in Bremen: Sozialis= mus will erprobt sein. Wer sabotiert, der wird zertreten. Tie Volksgemeinschaft verplichtet. So lange noch ein einziger Arbeitsloser da ist, hat kein Unternehmer das Recht, hohe Dividenden auszuschütten." SA. und NSBO. flatschten Beifall. Neben gey stand ouf der Tribüne der Reichsobmann der NSBO der ehemalige Schlosser Walther Schuhmann. 3wei Monate nach dieser Rede Dr. Leys kam die Juni nacht der langen Messer. Die SA. wurde entwaiinet, die NSBO. entmachtet, ihr Obmann faltgestellt. Heute glauben die Nationalsozialisten, gestützt auf die Bajonette der Reichs= wehr, ofien sozialreaftionär regieren zu fönnen. Wieder spricht Dr. Pen vor zusammengetriebenen Arbeitern, doch jetzt verzichtet er auf foziolradifales Getne Sechs Millionen sind ohne Ermerb, die Löhne sinken, doch selbst national= sozialistische Arbeiter verweisen emvört darauf, daß bei machsender Not der Massen die Dividenden der Aktionäre steigen. 385 Sie erinnern an die Versprechen vom Frühjahr 1934 To Tr. Pey antwortet ihnen annisch: Ch das Geld in de Lohntüte( der 9rbeiter) ist oder( den finns in Tins dende auszahlt wird, ist gleichgültig."( Rede am 3. Te= zember 1934.) tab Die Erklärung zeigt zugleich das Programm der Arbeitsfront für das Jahr 1935.. Nazijournalisten unter sich Kennzeichnende Gespräche Stockholm, 4. Jan.( Jnpreß) Dagens Nyheter", das große liber- le Blatt Schwedens. veröffentlicht einen„ Deutschlandbrie" seines Berliner Korrespondenten Dr. Johannes Wickman, in dem gesagt wird:„ Nicht nur die Gegner des Regimes, sondern auch zahlreiche hochbetraute Anhänger sind überzeugt, daß die speziell nationalsozialistischen Züge in der Physiognomie des dritten Reiches" langjam verblassen und daß sich Hitler auf einen Staat hin orientiert, der mit dem alten Kaiserreich nahe verwandt ist: fapitalistisch, fonservativ, militaristisch und starf national. Unter den vielen Nazis, mit denen ich darüber zu sprechen Gelegenheit hatte, habe ich nur eine einzige Person angetroffen, die an die Geschichte von der Konspiration Röhm glaubte: das war der Schlafwagenschaffner zwischen Berlin und Saßnitz, den man sicherlich mit Absicht auf diesen Posten gestellt hatte, damit er die Reisenden über die offizielle Wahrheit des„ dritten Reiches" informiere. Sonst begegnet man überall entweder einer respektlosen Skepsis, oder der Betreffende gibt vorbehaltlos zu, daß diese Konspiration nicht nur erdichtet, sondern dazu so faltblütig inszeniert war, daß eine Instanz, die hier nicht genannt werden soll, die ahnungslosen SA.- Leute nach München kommandiert hatte, um als Material für die Verhaftungen zu dienen, das unumgänglich notwendig war, um dem angeblichen Komplott einen Schein der Wirklichkeit zu geben. In Paris frug ich den Berichterstatter einer der größten deutschen Zeitungen, ob er eine Vorstellung von der Anzahl der Opfer des 30. Juni habe, die in politischen Kreisen Frankreichs auf 700 geschätzt werde: der Berichterstatter antwortete ohne Bedenken, daß diese Zahl seines Erachtens zu niedrig fei..." Die Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands muk man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutschen Freiheit" Name: Straße: Ort: den Unterschrift Verlag der ,, Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3. Schützenstraße 5 Postschliektach 776 . Schweizerisches and elsäasisches Worstwarengeschäft Kuchenbackerel. Konditorei, Weins and Liköre Produits Schmid Paris, 78, Boulevard de Strasbourg, 8, rue St. Laurent bel Gare de l'Est Telefon 4 Linien vereinlat unter BOTZARIS 61-10 Besonders günstiger Gelegenheitskaut! ,, Naziführer sefien Did an" 33 Biographen aus dem ,, dritten Reiche" Hier werden die Führer Hitlerdeutschlands gezeigt wie sie wirklich sind. An Hand streng dokumentarischen Materials hat der Autor die Götter. die Halbgötter, die Provinzgötter, die Helden und Barden, die Zuhalter und Drahtzieher des dritten Reiches mit schartem Witz und erbarmungsloser Offenheit gezeichnet. 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Juni 1934 In zahlreichen nationalsozialistischen Zeitungen( u. a.„ Der Führer", Nr. 357) ist zu lesen: Während ein Teil der dunklen Existenzen, die über die Grenzen nach Holland einwanderten, sich mit Devisen- und Aftienschmuggel und schwindelhaften Finanztransaktionen beschäftigt, widmen sich die anderen einem systematischen Gold- und Platinauffauf in Deutschland und dem Schmuggel dieser Edelmetalle nach Holland. Sie haben, wie berichtet wird, hierfür regelrechte Organisationen aufgezogen und arbeiten eng mit jüdischen Juwelieren in den Großstädten des Reiches zusammen. Auch bei diesen üblen Geschäften spielt die Gerüchtemacherei eine große Rolle. Die jüdischen Auffäufer verbreiten systematisch das Gerücht, daß die Reichsregierung beabsichtige, sämtliche im Privatbesitz befindlichen Goldmengen einschließlich der kleinsten ch mu df= stücke und der Trauringe(!) zu beschlagnahmen, um auf diese Weise einen Teil der Bevölkerung zu veranlassen, die in seinem Besitz befindlichen Goldwaren rechtzeitig und zu guten Preisen" loszuschlagen. Das erschacherte Edelmetall wird dann von oftjüdischen Fachleuten eingeschmolzen und in den verschiedensten Formen ins Ausland, also vorwiegend nach Holland eingeschmuggelt. Die Juden scheinen also damit einen neuen einträglichen Handelszweig ausfindig gemacht zu haben und ihre Organisationsfünite jetzt zur Ausgestaltung dieser neuen„ Branche" in Anwendung zu bringen. Troß aller Schleichwege aber, die sie dabei wählten, und trotz siebenfacher Tarnung werden sie im nationalsozialistischen Deutschland auch damit wenig Glück haben. Wenn sie vielleicht auch aute Anfangserfolge" zu erzielen vermochten, so wird der Rückschlag ebenso aroß sein wie dieser Erfolg. Aber ihre indiafeit sei jedenfalls voll anerkannt. Ein neuer Beweis dafür, daß sie immer gleichbleiben werden." Briefkasten „ Besancon". Ja! Vielen Dant. Es wird alles verwertet. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann is in Dub meiler: für Inferate: Cito Rubn in Saerbrüden. Rotationsdrud und Verlag: Verlag der Volfsstimme GmbH., Saarbrüden 8, Schützenstraße 5.- Schließfach 776 Saarbrüden. Was ist's mit dem Arbeitsdienst? Lies ,, Jungens im Moor" und du weißt es! Ein erschütterndes Dokument! In seinen einfachen Worten zeigt es, wie der Idealismus der deutschen Jugend von unfähigen Kommißknechten erschlagen wird. Was die Nazis anfassen, wird Zwang, Sklaverei und Militarismus. Das beste an jeder Sache erstirbt: Die Freiwilligkeit! Man muß das Wort ,, freiwillig" vom deutschen Arbeitsdienst streichen. M. M. ein alter Lagerführer. 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