Nr. 7— 3. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 9. Januar 1935 I Chefredakteur: M. Braun Verelendung der Arbeiter Seite 3 Sehnsucht deutscher Jugend Seite 5 Die Wandlungen der Wirtschaftsdiktatur Seite 6 Der Papst und die Saar Seite 7 Die„Säubcrinigsaltflon“ Ein Sdiuritenstrcidi der Gestapo— Die verbotene Zeifsdirlft „Wir Kriegsfreiwilligen von 1914“ ein SpltzelstlMk Berti«, öett 8. Januar 1985. Einige Zeit lang erschien eine Zeitschrift„SB i r Kriegsfreiwilligen von 1914". Der Erfolg war ungeheuer. Sie ging von Hand zu Hand und ihre Auflage stieg von Nummer zu Nummer sprunghaft. Auch die ausländische Presse wurde aufmerksam und zitierte lange Abschnitte aus der verblüffend kritischen Zeitschrift, die in derben ober ironischen Aufsätzen gegen gewisse Auswüchse des Regimes und d:r nationalsozialistischen Organisationen Stellung nahm, so gegen das Solbatenspiclen und die Anmaßung der„Saalkämpser" gegen die wirklichen alten Frontkämpfer des Weltkrieges. Ein Aufsatz des Majors Förtsch vom Reichswehrministerium schien darauf hinzudeuten, daß Reichswehrkreise hinter der Zeitschrift ständen oder ste doch wenigstens schützten. So faßte auch die ausländische Presse die sehr auffallende Erscheinung in mitten der Feigheit und Langeweile des deutschen Pressewesens auf. Plötzlich aber wurde die Zeitschrift verboten. War sie in der Kritik zu scharf gewesen? War Dr. Goebbles, der die Zeitschrift eine Reihe von Wochen ruhig geduldet hatte, nervös geworden oder anderer Meinung?.Lag hier einer der Konflikt« zwischen den Nationalsozialisten und der Reichswehr vor?(Konflikte, die übrigens nur zwischen der Reichswehr und gewissen Formationen und Führern der Nationalsozialisten bestehen, nicht zwischen Hitler und der Reichswehr, die mit dem Borspann für ihre Aufrüstung einstweilen sehr zufrieden ist, solange sie ihn noch braucht). Nein, Gründung, kurze Blüte und baS Verbot der Zeitschrift„Wir Kreigssreiwilligen von 1914" finden jetzt eine Erklärung, die selbst die vorsichtigsten und mißtrauischsten Kenner des in Deutschland herrschenden Systeme überrascht. Es handelte sich einfach um ein raffiniertes und höchst erfolgreiches Manöver zur Ermittlung von Kritikern am nationalsozialistischen Sy st em. In jeder Nummer der Zeitschrift wurde zu freimütigen Zuschriften ausgefordert. Die Folge war eine Flut von Briefen an die Redaktion. Es liefen mehrere tausend Briese mit vollen Adreffen ein. Da die Zeitschrift mit Billigung der Regierung ober doch unter stillschweigender Duldung der Machthaber ye auszukommen sclncn und tue vielen mit Sorgen und Kritik beladenen Menschen glücklich waren, endlich das Ventil einer öffentlichen Aussprache zu finden, ließen ste sich zu entsprechenden Beiträgen an die Zeitschrift verleiten. Die Versuchung war umso größer, als das Blatt in militärisch-patriotischen Formen geleitet wurde, und so, gerade ehemalige Offiziere der Reserve und überhaupt konservative Kreise glaubten, sich hier ruhig zur Kritik„im vaterländischen Geiste" melden zu dürfen. Das Erwachen aus dem schönen nationalen Traume war furchtbar. Als die Redaktion, das heißt bas Reichspropagandaministerium plus Gestapo mehrere tausend Adressen von Nörglern, Miesmachern, Kritikastern, Gerüchtemachern und ähnlichen„Staatsfeinden" zusammen hatten, machten sie den Laden zu und die Welle der Massenverhaftungen setzte ein. Dr. Goebbels ist genau so verfahren, wie er wiederholt öffentlich angekündigt hat: man hat die„Wühlmäuse" aus ihren Löchern herausgelassen, hat sie eine kurze Frist in Sicherheit gewiegt, um dann um so kräftiger und wirksamer zuzuschlagen. Wieviele„Wühlmäuse" in die Falle gingen, wird nicht sestzustellcn sein. Daß Herr Major Förtsch und seine Kameraden vom Reichswehrministerium sich ahnungslos zu diesem wider lichen Spitzel- und Agent-Provokateur-Werk hergegeben haben, zeigt nur, mit welcher Halunkenkunst die ganze Sache vorbereitet und durchgeführt worden ist. Genialität"im Verbrechertum wird man den Herren, die von der Reichstagsbrandstiftung an bis zu diesem einstweilen letzten Gaunerstückchen immer wieder ihre Fantasie erfolgreich spielen ließen, nicht absprechen können. Man mag aber aus dem schurkischen Raffinement deS Systems und seiner Kreaturen erkennen, mit welcher Klugheit, Vorsicht und Sorgfalt die illegale Arbeit im Reiche geleistet werden mutz, und wie sehr insbesondere dre sozialdemokratischen Funktionäre recht haben, wenn sie ihre Mitarbeiter nur nach sehr genauer Kenntnis der Personen auswählen, um Maffenverhaftungen möglichst zu vermeiden. Es ist bester und zweckmäßiger, Heroismus im illegalen Kampfe zu zeigen als hinter Kerkermauern. Auch bei den Maffenverhaftungen der letzten Wochen sind nur ganz vereinzelt tätige illegale Sozialdemokraten„höchgegangen". Man sperrte wahllos Leute ein, die von früher her noch aus parteipolitischer oder amtlicher Tätigkeit als Vertrauensleute der Sozialdemokrate bekannt waren. Badierloden als Lockspitzel Ein bezeichnender Vorfall, der aus der gleichen Ebene liegt, wird uns aus einer we st deutschen Großstadt berichtet. Hier bestand vor der Machtergreifung in der Nähe des Bahnhofs eine„Bücherstube", die hauptsächlich linksradikale Literatur vertrieb. Das war natürlich im März 1933 schnell zu Ende. Einige Monate später, als sich der Bücherladen unter neuer Leitung befand, erschienen im Schaufenster plötzlich wieder Werke verfehmter und verbrannter Autoren. Große Uebcrraschung! Interessenten kamen, bestellten Bücher und gaben den Verkäufern auf deren Bitten ahnungslos ihre Adresse, wen» angeblich eins der gewünschten Bücher„nicht auf Lager" war. Es dauerte nicht lange, und es erschien in der Wohnung statt des Bucht Handlungsboten— die Gestapo, die bei den Verdächtigen peinliche Haussuchungen vornahm und sofortige Verhaftungen anordnete, wenn sie irgend etwas fand. Später wurde das gleiche in den Vororten der Großstadt versucht. Hier stellte man in äußerlich unscheinbaren Buch- und Papierläden plötzlich illegale Literatur aus. Käufer wurden beobachtet und sestgenommen. Das ist das Land und das System, das Deutschland wieder Ansehen in der Welt verschaffen will! Tie Zeitschrift„W i d e r st a n d"(Herausgeber Ernst Niekisch) ist bis auf weiteres verboten worden. Nickisch ist völkischer Sozialist und ein politischer Eingänger. * KailioliKenverhattungcn Wegen der„Deutschen Freiheit“ Aus dem Ruhrgebiet wirb uns geschrieben: Vor kurzem sind in, mehreren Städten des Industriegebietes Mitglieder katholischer Jugendorganisationen verhaftet worden; sie werden beschuldigt, mit illegalen Sozialdemokraten in Verbindung gestanden und sich an der Verbreitung der„Deutschen Freiheit" beteiligt zu haben. Einigen der Verhafteten wird vorgeworfen, sie' hätten Aufsätze aus der„Deutschen Freiheit" vervielfältigt und in katholischen Kreisen verteilt. „Ilebergrilfe" Sorgen eines deutschen Unterrichtsministers Der thüringische Minister für Volksbildung, Wächtler, wendet sich in einem Runderlaß gegen Eingriffe in den inneren Schulbetrieb. In der letzten Zeit sei es wiederholt vorgekommen, baß sich Parteidienststellen ohne behördliche Genehmigung Eingriffe in den inneren Tchulbetrieb erlaubt hätten. Der Minister weist mit größtem Nachdruck daraus hstt, daß es den Schulleitungen aus das strengste untersagt ist» von außen kommende Anordnungen, die den inneren Schulbetrieb betreffen, zu befolgen, wenn sie nicht über die Schulaufsichtsbehörde gehen. Insbesondere sei es unzuläffig, wenn politische Amtswalter oder Jungbannführer ohne Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde für alle Klassen und Lehrer verbindliche Schulwanderungstage anordnen. Sollten sich, so erklärt Minister Wächtler, die in der letzten Zeit wahrgenommenen Uebergriffe wiederholen, so werbe er mit schärfsten Maßnahmen eingreifen. „Goldrausdi“ verboten! Goebbels kann Chaplin nicht leiden..., Die im Jahre 1928 ausgesprochene Zulassung deS Ehaplin-Films„Goldrausch" ist auf Grund einer vom Reichsminister für Bolksaufkläruna und Propaganda angeordnete« Rachprüsuna von der Kilmobervrüsstelle widerrufe« worden. Das Abkommen von Dom Eine neue Niederlage Hitlers Rom, 8. Januar. lieber den Inhalt der Dokumente, die von Mussolini und Laval unterzeichnet wurden, wird amtlich folgendes mitgeteilt:,. 1. Ein amtliches K o m m u n i q u e über die Ueber- einstimmung der Ansichten der beiden Regierungen in den afrikanischen Fragen und die wichtigsten Probleme der allgemeinen Politik. 2. Ein Protokoll, in dem Italien und Frankreich sich verpflichten, im Falle einer neuen Bedrohung der österreichischen Unabhängigkeit sich zu konsultieren, allen österreichischen Nachbar- oder Nachfolgestaaten zu empfehlen, sich ihrer Initiative anzuschließen und untereinander einen Pakt abzuschließen, durch den sie sich verpflichten, gegenseitig ihre Grenzen zu respektieren und sich nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen. 8. Drei Entwürfe von Kolonialkonventionen, wovon eines das Statut der Italiener in Tunesien regelt,- deren Privilegien nach 1965 aufhören, während die beiden anderen die Gebietsabtretungen sestlegen, welche Frankreich Italien in Libyen und im Somalilanb zugesteht. 4. Ein Protokoll, durch das die französische und italienische Regierung in Auslegung der Erklärung der fünf Großmächte vom 11. Dezember 1932 über die Gleichberechtigung-Deutschlands so lange gesetzwidrig ist, ,ls kein Sonderabkommen diesbezüglich zwischen dem Reich und den Großmächten abgeschlossen ist. Der Wortlaut der Abkommen bleibt vorläufig geheim. Mussolini und Laval haben vereinbart, daß die Abkomme» sobald wie möglich de« interessierten Länder« zur Prüfung unterbreitet werden. * Bisher hatte bekanntlich Italien stets eine der deutschen Aufrüstung gegenüber wohlwollende Politik betrieben. Mussolini hatte wiederholt teils selbst in seinen Reden, teils durch seine Beauftragten im Völkerbund das Recht Deutschlands auf Rüstungsgleichberechtigung, d. h. auf Aufrüstung anerkannt. Mit dieser These st and Mussolini in schroff st em Gegensatz zu Frankreich. Es war für die deutsche Auhenpolitik in den früheren Jahren stets eine Erleichterung, dah das Italien Mussolinis in der Rüstungsfrage die deutschen Belange unterstützt hatte. Es mußte er st das Reich Adolf Hitlers kommen, damit nun auch der italienische Freund, neben Sowjetrutzland, dem deut- schenVolkdenRücken gekehrt hat. Die Protokolle von Rom zeigen mit aller Deutlichkeit, daß das deutsche Volk nicht nur innenpolitisch, sondern ganz besonders außenpolitisch dafür büßen mutz, daß es im Januar 1933 an Hitlers„Mission" geglaubt hatte. Durch das Abkommen in Rom hat die'französische Diplomatie in den Fragen der allgemeinen europäischen Politik und speziell in der deutschen Rüstungsfrage ein Zusammengehen mit Italien erreicht. In dem ersten Protokoll wird ausdrücklich betont, daß beide Regierungen über„die wichtigsten Probleme der allgemeinen Politik" in Ueber- einstimmung handeln werden. Das bedeutet, wie wir schoyj mehrmals an dieser Stelle hervorgehoben haben, daß die französische Diplomatie in ihrer Politik Deutschland gegenüber durch Italien nicht mehr gehemmt wird. Damit keine Zweifel mehr über die Abkehr der italienischen Politik vom„dritten Reich" bestehen, haben die beiden Staatsmänner in Rom ein Protokoll unterzeichnet, in w e l ch e m sie die Aufrüstung Deutschlands ausdrücklich als vertragswidrig bezeichneten. Damit hat sich Italien offen dem französischen Standpunkt angeschlossen. Jetzt wird, es auch verständlich, warum vor einiger Zeit der Quai d'Orsay die Wilhelm- strotze wissen lietz, daß die geplante ReisevonRudolf Heß nach Paris vorläufig unerwünscht sei. Laval wollte eben vorher auch in der Rüstungsfrage eine Verständigung mit Italien erreichen, um bei den kommenden Verhandlungen viel entschiedener dem„dritten Reich" gegenüber auftreten zu können. Alle Versuche Hitlers, durch die sogenannten Frontkämpfer, eine direkte Verständigung mit Frankreich zu erreichen, haben schon des wegen zu keinem Ergebnis geführt, weil das dauernde Säbelrasseln im„dritten Reich", das Marschieren der Jugend, die fieberhafte Beschäftigung, der deutschen Rüstungsindustrie, insbesondere der chemischen und Flugzeugindustrie, sowie überhaupt die ganze moralische Aufrüstung des deutschen Volkes unter dem Hitlerregime im französischen Volk ein so gewaltiges Mißtrauen erregen mutzten, daß die plumpen Anbiederungsversuche der Hitlerregierung auf dem Umwege über die Frontkämpfer, des Sektreisenden Herrn von Ribbentrop und Rudolf Hetz. Wicht den geringsteir Eindruck machen konnten. Gerade a« diesem Beispiel zeigt es sich, wie eng heute die Innenpolitik mit der Außenpolitik verknüpft ist. M a n k a n n nicht gleichzeitig eine Innenpolitik der Barbarei, der Konzentrationslager, des Rassenwahns, der Soldatenspielerei und gleichzeitig eine wirkliche Friedenspolitik nach außen treiben. * Aus dem römischen Protokoll geht ferner hervor, daß die Tür zu weiteren Verhandlungen mit Deutschland über die Rüstungsfrage offen bleibt. Aber während bisher das„dritte Reich" mit einem in der Rüstungsfrage uneinheltlichen Europa zu tun hatte, steht jetzt das„dritte Reich" einem geschlossenen Block der Großmächte gegenüber. Neben Italien ist es nunmehr auch Sowjetrußland, das, um die Gefahr einer Intervention und der Verwirklichung der Pläne Hitlers-Rosen- bergs zu vermindern, sich in der Rüstungsfrage dem fran- zösiichen Standpunkt angeschlossen hat. England nimmt zwar eine besondere Stellung ein, aber bei den engen Beziehungen, die zwischen Frankreich und England bestehen, kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß England im Endeffekt die französische Diplomatie in der Frage der Aufrüstung Deutschlands unterstützen mutz. Bekanntlich sollen Flandin und Laval voraussichtlich am 20. Januar nach London fahren. Auf Grund der Gespräche, die dort zwischen den französischen und englischen" Staatsmännern geführt werden, werden dann die kommenden Verhandlungen mit dem „dritten Reich" über die Abrüstungsfrage eingeleitet. Bemerkenswert ist bei all diesen Verhandlungen, d a tz die Wilhelm st ratze völlig an die Wand gedrückt worden ist, während die französische Diplomatie unter Lavals Führung eine lebhafte Aktivität entwickelt, die mit dem Pakt in Rom vorläufig einen nicht zu unterstützenden außenpolitischen Erfolg davon getragen hat. Das isosterte Hitlerdeutschland befindet sich in der Defensive und in den nächsten MonatenwirdesauchinderRüstungsfrage unter dem Druck eines geeinten Europas den Rückzug antreten müssen. * Was Berlin sagt Lavals Erfolg in Rom Die„Frankfurter Zeitung"(Nr. 14) läßt sich durch ihren Chefredakteur auS Berlin berichten: Tatsache ist dies: Zum ersten Male seit dem Weltkrieg hat sich der srührende Staatsmann Frankreichs in die Hauptstadt des faschistischen Italien begeben— und d i e Reise war nicht erfolglos.. Die französische und die italienische Regierung haben die bestehenden Hindernisse einer dauerhaften Verständigung-wischen ihren beiden Nationen betseitegestellt(wenn auch keineswegs für alle Zeit weggeräumt) und haben sich aus einen präzisen Vorschlag geeinigt, den sie-en in Südosteuropa interessierten Ländern machen wollen.— sie haben sich weiter geeinigt über ein bestimmtes Verfahren- das sie selbst zur Aufrechterhaltung der U n g b h ä v g i g k e r t und der territorialen JntegritätOesterreichs einhalten wollet': sie Mägen einen'NichtcinmifchungSpakt vor idem sie selbst .beitretcn wollen) und schlossen einen Kon,ultativpak», der auch anderen offenstrhen soll. Es ist anzunehmen, daß die beiden Mächte auf Grund dieser Einigung an die beteiligten Nationen(darunter Deutschland) in kurzer Zeit offiziell berantretrn werden Vielleicht durch«ine diplomatische Note. Man wird dann erst mit letzter Deutlichkeit sehen. In iedem Fall aber werden die Prüfung dieser Sachlage und die zu iälien- den Entscheidungen ebenso ernst wie verantwortungsvoll un- schwierig sein. Man wird den römischen Vorschlag im größeren Zusammenhang der europäischen Gesamtentwicklung zu bei»achten haben. Biflerdcntsdic Lieder Heiho! Die Heidenfahnen weh’n.... Berlin, 7. Fan. Das katholische Kirchenblatt berichtet, daß einem 14jährigen Mädchen in Berlin ein Flugblatt in die Hand gedrückt worden ist,' das eine Art heidnische Hymne enthält.' Einige Strophen seien daraus zitiert: Heiho! Die Heidenfahnen weh'», Eie grüben unsre Schar. So»vollen wir zum Sturme geh'n, Nicht scheuen die Gefahr! Heiho-Ho-Ho Ho! Heiho-heiho! Nicht scheuen die Gefahr! In dem Liede wird der heilige Bönisaz! uS, ferner Kaiser Karl der Große verhöhnt. In der vorletzte»» Strophe heißt es: Sankt Petri Felsen wanket schon, Bestürmt ihn, bis er bricht: Wenn sällt der letzte Prtestcrthron, Dann wtrd's in Deutschland licht! Ti, letzte Strophe lautet: Voran zu»n letzten Sturm, Ums Banner dicht geschart! Zertreten liegt der Weltenwurm, Gesiegt hat deutsche Art. Heiho-Ho-Ho-Ho! Heiho-heiho! Gesiegt hat deutsche Art. NIdit von Pappe Die deutschen Hoheitszeichen Die neueste List« über Entscheidungen auf Grund des Gesetzes zum Schube der nationalen Symbole enthält wiederum einige Verbote kitschiger Darstellungen. Danach sind u. a. verboten worben aus Pappe geprägte Hoheitszeichen der NSDAP, und Abzeichen der NSBO.. ferner Geschäitsbriesbogen und Briesumschläge mit dem Ausdruck „SS.-Schreibblenft" sowie minderwertige Ausführungen von SA.-, SS.- und ReichSwehr-Bleifiguren. Unter den für zuläflig erklärten Erzeugnissen befinden sich Wandteller aus elsenbeinfarbigem, mattglasiertem Porzellan mit dem plastischen Kopfbild des Führers aus weißem Porzellan. „Der Weg nach Paris fahrt Ober Rom“ Eine nohnimg an niilcr Paris, 8. Januar. tVon unserem Korrespondenten) Wenn auch in Rom nicht alle Blütenträume gereift sind, die Optiinisten seit Wochen geträumt haben, und wenn auch hier und da in der französischen Presse eS ganz leise ausgesprochen ivird, daß man voi» dem Rombesuch des Außenministers Laval mehr erwartet habe, als dieser an Resultaten zeige, so ist doch die Presse in» allgemeinen mit dem Ergebnis der Begegnung Laval-Mussolini rech» zufrieden. Nur ein Bebauern ivird vielfach geäußert, daß nämlich erst jetzt Frankreich und Italien den Weg zu einander gefunden haben, und in diesem Zusammenhänge spricht Leo»» Bailby im„Jour" von einem„langen Irrtum" Er unterstreicht eine Wendung in der in Rom gehaltenen Rede Lavals, die darauf hingedeutet habe, daß er bereits im Jahre 1941 habe in Rom seinen Besuch machen wollen, ohne damals bei den Italienern bzw. bei Mussolini das nötige Entgegenkommen zu finden. Im„Journal" meint Sanit-Brice, daß nun das Eis gebrochen se». während der„Oitotidien" vor übertriebenen Hoffnungen warnt. Das Blatt weist darauf hin, daß die Reden Mussolinis und Lavals aus einen verschiedenartigen Ton abgestimmt gewesen seien. Laval habe viermal das Wort„Frieden" ausgesprochen, er habe„im Namen Frankreichs. das kein egoistisches Ziel verfolge", gesprochen, Musto- lini habe von neuem auf die Prinzipien der italienischen Politik hingewiesen, habe erklärt, es handle sich darum,„im Donaubecken die Jntereflen und Lcbensnotwenüigkeiten der Staaten mit den Forderungen der Allgemeinen Ordnung in Einklang zu bringen". Im„Jntransigeant" stellt GalluS die Frage:„Was wird Deutschland sagen?" Er vertritt die Auffaflung, daß nun„trotz aller Geographie der Weg von Paris nach Berlin über Rom führe". Mit anderen Worten also, wenn Hitler heute mit Frankreich verhandeln»volle, dann könne er das n»cht mehr mit Hilse der ehemaligen französischen Frontsoldaten oder durch Vermittlung von Herrn von Ribbentrop oder Rudolf Hetz direkt in Paris versuchen, sondern er müffe den Weg nach Rom— vielleicht spricht man beffer von einem Weg nach Canossa— wählen, müsse sich in Rom mit Musiolini. der Kleinen Entente und Oesterreich an den Tisch setzen und seine Hoffnungen aus Oesterreich feierlichst begraben. Gallus »neint. bas Reich würde sicher lieber direkt mit Frankreich verhandeln und ohne Zeugen, aber gerade das verbiete die Klugheit den Franzosen. Wenn Hitler jetzt dem Abkommen von Rom bcitrete. bann zeiae er dainit das Matz»einer Aufrichtigkeit.„Wollen Tie»ich mit uns verständigen, Herr Reichskanzler?" fragt Gallus am Schluß.„Treten Sie ein. Wir haben gerade ein paar Freunde hier, die entzückt sein werden. Sie zu empfangen." Was muß du SA.-Nanu Protest aus dem Re.d für Schumacher an! einen M v n a t G e s ä n g u< a. Hiller liegen Säuberung Sein Erlaß vom 3. Februar 1931 Gegenüber den Behauptungen. Hitler habt von de«! vielen stttlichen Verfehlungen seiner SA.-Führ«r und -Männer nichts gewußt und habe immer aus„saubere Westen" gehalten, rufen wir seinen Erlaß vom 3. Februar 1981 in die Erinnerung zurück, in dem er eS ausdrücklich ablehnt, seine SA. zu säubern und sogar die Warner in den eigenen Reihen mit AuS- schluß aus der Bewegung bedroht. Es heißt in Hitlers Erlaß wörtlich: „Der obersten SA-Führung liegen eine Reihe von Mel« düngen und Anzeigen vor, die stch gegen SA.»Kühr«r und -Männer richten«nd vor allem wegen des Privatlebens dieser Persönlichkeiten Angriffe enthalten... Den obersten und oberen SA»Führern wird, nun zugemutet, Über diese Dinge» die rein aus privatem Gebiet liegen» Entscheidungen zu treffen. Ich«eise diese Zn» mutung grundsätzlich«nd in aller Schärfe zurück. Abgesehen davon, daß wertvolle Zeit» die i« Freiheitskampse notwendiger ist» nutzlos vertan wird» muß ich seststellen, daß die SA. eine Zusammenfassung von Männern zu einem bestimmten politischen Zweck ist. Sie ist keine moralische Anstalt zur Erziehung von höheren Töchter», sondern ei« Ber- band rauher K ä m p s e r. Ausgabe der Prüfuug kann nur sein, ob der SA-Führer oder-Man« seine Dienstpflicht ersüllt oder nicht, das Privatleben kann nur daun Gegenstand der Betrachtung sein, wenn eS persönlichen Grundsätzen der nationalsozialistischen Weltanschauung widerspricht. Künftig werben di« oberen SA.-Führer, denen derartige Anzeigen zugehen, zunächst zu prüfen haben, ob nicht der Anzeiger, der Mißstimmung und Unfrieden in die SA. trägt, zur Verantwortung zu ziehen«nd gegebenenfalls der Ausschluß aus der SA. bzw, aus der Bewegung zu beantragen sei« wird." sgez.) Adolf Hitlers So sah der„Säuberungswille" aus. Das, was jetzt„Schweinereien" heißt, wurde geduldet. Ten„Meckerern" drohte man den Ausschluß an. Das Datum des Erlasses— der 8. Februar 1981— ist besonders interessant und aufschlußreich, worauf bisher noch nirgends hingewiesen wurde. Ein Monat vorher, nämlich am 8. Januar 1981, teilte Hauptmann Ernst Röhm,»en Hitler am 80. Juni 1984 hat erschießen lasten, in der Nazipresse mit: „Bom Vertrauen Adols Hitlers berufen, übernehme ich ab 8. Januar 1981 den Dienst als Ches des StabeS. Ich bin mir bewußt, damit i« entscheidender Stunde an entscheidende Stelle gerufen zu sein." Es besteht kein Zweifel, baß die vielen Beschwerden über das Privatleben von TA.-Führern, von denen in Hitlers Erlaß die Rede ist, sich in erster Linie gegen Hitlers neuernannten Stabschef Röhm richteten, deffen schwule, homosexuellen Briefe vom 8. 12. 1928 aus München, vom 25. 2. 1929 und vom 11. 8. 1929 aus Bolivien zu jeyer Zeit bereits kolportiert wurden. Man kann auch hundert gegen eins wetten, daß Röhm selber den Erlv'tz verfaßte, den Hitler am 3. Februar mit'seinem Namen unterzeichnet, veröffentlicht hat. -Damals deckte Hitler den„Schweinehund" K ö h m als„r a u h e n K ä m p f e r", am 30. Juni 1984 ließ er ihn erschießen, angeblich, iveil er ein„Schweinehund" war, in Wirklichkeit, weil er Röhm als den Ehei der Landeknechtshorden zu fürchten begann. Hitlers Erlaß vom 8. Februar 1931 zeigt, was eS mit seinem Sänbernngswille» auf sich hat. Slelnn Großmann Stefan Großmann, ein tapferer und h chb. ähigler Streiter moderner Publizistik, ist in Wien nach langem Leiden gestorben. Publizist: das ist zu wenig gesagt zur Eharakteristik dieses beweglichen Geistes, der nebkn dem Artikel des Tages Effays und Romane schrieb. Grobmann— 1875 geboren— war ei» Wiener Kind, in tieferem Sinne, als im Hinblick ans seine Herkunft. Er trat nach längerem Studium bereits nm die Jahrhunderiwende schriftstellerisch hervor und betätigte sich vor allem als Journalist. Die Wiener Volksbühne wurde von ihm gegründet und eine Zeitlang geleitet. Tie Volksbühne war eines der interessanteste» Theater Wiens, sie war literarisch mutig und hatte Glück in der Auswahl der Schauspieler. Mancher Künstler, der an dieser Bühne wirkte, gewann damals oder später eine» großen Namen, so Rudolf Forster, Agnes Straub, der Komiker Karl Ettlinger, Maria Mayer, Ernst Deutsch, Fritz Kortner, Raoul Aslan. Lange war Großmann auch Theaterkritiker der Wiener „Arbeiter-Zeitung". Nach dem Kriege übersiedelte er noch Berlin und übernahm die Feuilletonredaktion der„Bossi- schen Zeitung". Er gab ferner durch zehn Jahre„Tas Tagebuch" heraus und wußte es zu einer der gelesenften sind bekanntesten politischen und kulturpolitischen Zeitschriften Deutschlands zu machen. Seit 1928 hatte Großmann freilich nichts mehr mit dem„Tagebuch" zu tun. Zuletzt war kr Mitarbeiter der Ullstein-Blätter, wirkte entscheidend auf deren Gestaltung eiu und schrieb das Verschiedenartigste zwischen Leitartikel, TageSglosse und Theaterreferät, Als die Nationalsozialisten zur Macht kamen, wurde Großmann „nahegelegt", Deutschland zu verkästen. Er wendete sich nach Wien und lebte hier, von seinem Lungen- und Herzleiden sehr hergenommen, als Privatmann. Von seinen Bücher» wurden die Novellen„Tie Gaste", „Herzliche Grütze",„Der Vorleser der Kaiserin", ferner die Romane„Die Partei" und„Ehesredakteur Roth führt Kri i" am bekanntesten. Vor einigen Jahren erregte in Ber.n Großmanns Drama„Die beiden Adler" beträchtliches A.tt- fehen. Viktor und Friedrich Adler waren die Hauptgestalten dieses Stückes. Aber auch zahlreiche andere Persönlichkeiten deS öffentlichen Lebens Oesterreichs kamen darin vor. Friedrich Adler protestierte gegen die Aufführung. 1030 veröffentlichte Großmann seine Selbstbiographie, die— sehr bezeichnend für ein so leicht entflammtes Wesen— den Titel „Ich war begeistert" trägt. Werbt für die„Deutsche Freiheit 4 ■II TT■!■■■! ff—U Die Ausländer in Frankreich Was geschieht mit den„Unerwünschten“? Paris, 8. Januar. e-(Bon unserem Korrespondenten) Die Frage derBefchäftigungausländischerAr- beitskräfte will in Frankreich nicht von der Tagesordnung verschwinden. Der Arbeitsminister hat jetzt in einer Verordnung sestgesetzt, welche Höchstzahlen von ausländischen Arbeitern in Zukunft in den verschiedenen Bauberufen in den Departements Seine und Seine und Oise beschäftigt werden dürfen. Diese Höchstzahl soll für Erdarbeiter auf 25 Prozent, einen Monat später auf 20 Prozent und nach drei Monaten auf 15 Prozent vermindert werden, bei den Maurern soll der Prozentsatz der ausländischen Arbeiter nach und nach auf 15, später 10 Prozent im Departement Seine, und auf 20, später 15 Prozent im Departement Seine und Oise herabgesetzt werden. Für Zementarbeiter will man zunächst auf 20, dann auf 15 Prozent im Departement Seine heruntergehen. Die Gruppen, in denen weiter ein sehr grobes Kontingent von Ausländern nötig bleibt, sind Ofensetzer, Glaser und die der Mosaikarbeiter. In zahlreichen anderen Berufen wird derAnteilberausländischenArbeiterauf 5 Prozent herabgesetzt. Weiter habe« sich die zuständigen französischen Ministerien mit der Frage beschäftigt, was mit de« vielen Ausländer« geschehen soll, deren Aufenthalt>„ Frankreich «»erwünscht ist. Biele von ihnen haben Ausweisungsbefehle erhalten, ohne daß sie sich im geringsten bemühen, ihr Heimatland ansznsuchen. Die Behörde«, die die Ausweisung durchzusühren haben, könne« diese unerwünschten Elemente nnr in Nachbarländer abfchieben, i« denen sie aber auch nicht willkommen find. Diese schicke« sie wieder zurück, und so har Frankreich von neuem die Sorge für sie. Wenn sie dann wegen Bannbruchs zu Gefängnis verurteilt werden, werden die französischen Steuerzahler durch sie belastet, da sie ja die Kosten der Gefängnishaft zu tragen haben. Eine neue Ausweisung würde zu nichts führen; denn die Komödie beginnt einfach von neuem. Da nun das Problem aus diese Weife nicht zu lösen ist, muß man nach Auffassung der zuständigen Stellen mit der gewohnten Methode brechen. Man hat daran gedacht, ob es nicht möglich ist, Arbeitslager zu schaffen, in die die Verurteilten verschickt werden sollen, die unter allen Umständen in Frankreich bleiben wollen. Frankreich hat ein riesiges Kolonialreich mit grobem Neuland. Warum, so sagt man, soll man nicht unter der Voraussetzung einer sehr genauen Kontrolle und Verwaltung gewiffe Landstrichs denjenigen zur Verfügung stellen, die niemand haben will, und die sich doch dort eine ehrliche Existenz schaffen können? Wenn wir von diesen Plänen den Lesern der„Deutschen Freiheit" und vor allem den zahlreichen deutschen Emigranten in Frankreich Kenntnis geben, die glücklich wären, wenn man ihnen die Möglichkeit gäbe, unter klimatisch gesunden und menschenwürdigen Verhältnissen zu arbeiten und ein bescheidenes Leben zu führen, dann wollen wir noch hinzufügen, daß auch nach Auffassung maßgebender französischer Kreise dieser Versuch freundliche Ausnahme finden würde von Seiten all jener Heimatlosen, die heute, überall zurückgewiesen, zu einem Elendsleben verdammt sind. Auf die anderen aber, so meint man. die angeblich nicht in der Lage seien, Frankreich zu verlaßen, würde dieses Experiment eine heilsame Wirkung haben. Die indische Paiäslinae’nwanderund Nach einer Darstellung des zahlenmäßigen Wachstums der jüdischen Bevölkerung Palästinas in den letzten Jahren gab in einer Pressekonferenz der Leiter der Einwanderungs- Abteilung der Histadruth in Warschau, Elijahu Dobkin, die Zahl der Juden in Palästina Ende 1034 mit rund 810 000 an. 1933 habe die jüdische Bevölkerung Palästinas um 20 Prozent, i. I. 1934 um 22 Prozent zugenommen. Während im November 1931 die palästinensischen.Juden 17 Prozent der Gesamtbevölkerung(170 010 Juden und 801 200 Araber) ausmachten, sei dieser Prozentsatz Ende 1934 aus 25 Prozent(310 000 Juden gegenüber 940 000 Arabern) gestiegen. Die Einwanderung nach Palästina, fuhr der Referent fort, sei in einem alle Erwartungen übertreffenden Maße gestiegen. So habe Wladimir Jabotinskn Ende 1930 in seiner Aussage vor der Shaw Commission erklärt, zur Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina müßte die jüdische Einwanderung i, I. 1984 mindestens 22 000 und 1940 40 000 Einwanderer stark sein. In Wirklichkeit habe die jüdische Einwanderung nach Palästina schon heute 00 Prozent der durchschnittlichen Jahreseniwr—berung von Juden iü die Bereinigten Staaten zur Zeit des Hochstands dieser Ein- wanderungsbewegung in den Jahren 1800 bis 1915 erreicht. Jene Einwanderung nach Amerika habe bekanntlich zum Entstehen des groben jüdischen Zentrums in diesem Lande geführt. Ferner sei die jüdische Einwanderung nach Palästina heute größer als die jüdische Einwanderung nach allen übrigen Ländern zusammengenommen. Werde sie in demselben Tempo fortgesetzt, dann sei zu erwarten,, daß Palästina in fünf Jahren eine jüdische Bevölkerung von einer Dreiviertel-Million Seelen haben werde. Man sehe, daß die Regierung jetzt größeres Verständnis für die Stärke der Aufnahmefähigkeit des Landes zeigt. Es sei möglich, baß i. I. 1935 die legale Eimvanderung nach Palästina 00 000 Menschen betreffen werbe. Ferner bestehe die Möglichkeit, baß die Regierung eine Ergänzüngs- schedule von mehreren tausend Zertifikaten bewilligen wird. Vie Zahl der Juden in Palästina Jerusalem» 7. Jan. Die Zahl der Juden in Palästina Anfang 1985 wird mit 307 812 angegeben. Tab sind 20 Prozent der.Gesamtbevölkerung Palästinas. ßrMkasten M. S. Besten Dank. Aber wir hatten taS reizende braun« Z!tak schon verwandt. E. L„ London. 1. Ja» Sein Vater war unehelich uns ist später legitimiert worden. Daher die Namensänderung. Großvater unbekannt. 2. Siehe 1 und daher nicht exakt zu beantworten. 8. Wahrscheinlich. Tie Frage läßt sich auch im Saargebiet öffentlich nicht erörtern. Die Haltung der Hände aus den allermeisten Fotograsieu läßt entsprechende Schlüffe zu. Aachener Illegale. Ihr schreibt uns:„In den letzte« Tage« erreicht die Zahl der verhafteten angeblichen Gegner des Hitler» fyftems hier mehr als 80 und die Verhaftungen halten noch dauernd an. Durchweg handelt es sich um gänzlich Unschuldige. Unter de» Verhafteten befinden sich Leute, denen wir unser Material unter die Türen stecke», damit sie auch mal wieder sehen, daß es außer Nazis auch noch andere gibt. In unseren illegal arbeitenden Reihen sind bisher keine Verluste entstanden. Unser« besten Kräfte sind SA.-, SS.-Leute und Funktionäre der Nazis." Vmdex, Schweiz. Wir entnehmen Ihrem Brief:„ES tröstete mich tief, als ich in dem neuen Kalender, den ich hier in meiner Stube aufhing, zum ersten Januar ein Wort Börnes fand, das sie vielleicht auch einmal bringen können:„Mau kau» eine Idee durch eine andere verdränge«, nur di« der Freiheit nicht."— Sie sehen, daß wir gerade jetzt Briefe des Emigranten Börne abdrucken. An mehrere. Di« Winterhilfe bracht« bis 18. Dezember nach amtlichen Angaben 1888: 12.8 Millionen, 1884: 98 Millionen, davon 43 Millionen Sachwert«. Bei den gestiegenen Preisen ist das Gesamtaufkommen mit höchstens 70 Prozent gegen daS Vorjahr eiu- zusetzen— falls die Zahlen überhaupt stimmen. E«igra«ti» Paris. Herzlichen Dank für Ihre Treue und Ihr« Grütze. Wir bleiben, wie wir waren. A. I., Lüttich. Einem Privatbrief aus Deutschland an Sie entnehmen wir:„Lindenhofen, Geschäftsführer und Personalchef beim Verband sozialer Baubetriebe, ADGB.-Haus, ist fristlos entlasten und aus der SA. airsgestoßen worden. Ter Monn war führender Saalschläger und Großbetetligter an dem Hinauswurf der„roten Bonzen" bei der Besetzung am 2. Mai 1983. Jetzt hat sich allerdings herausgestellt. Laß der Man» 1919 zu zweieinhalb.Jahren Gefängnis wegen Verschiebung von HeereSgut verurteilt war und außerdem der KPD. angehört hat."— So werden hoffnungsvolle Karrieren abgebrochen, seitdem die„Revolution" abgeblasen ist. Dr. med. in... Sie schreiben uns:„Von einem nordwestdeutschen Städtchen wird uns aus Aerztekreisen mitgeteilt, daß dort sämtlichen Aerzten ein Fragebogen zugegangen ist/'in welchem sie beantworte» mußten, ob sie einen Führerschein besitzenr ob sie reiten können, welcher Art ihr letzter militärischer Dienst war."— Das sind natürlich nur Friedens- und Berständigungszeichen. „38. Juni". Ihnen verdanken wir Preffeberichte über«ine Rede des pommerschen Gaupropagandaleiters Lindeman«, der seine» Pg. in Prenzlau u. a. gesagt hat:„Es gibt nur eine Gefahr, daß der Schweinehund sich in unfern eigenen Reihen breit macht. Wir haben die roten Bonzen nicht vrrjagt, nm«in neues Bonzentum groß werden zu lasten. Ich weiß, meine Parteigenoffen, daß auch Sie in Ihrer Stadt mit Schwierigkeiten zu kämpsen haben. Der 80. Juni hat eine große Reinigungsaktion mit sich gebracht. Sie ist noch nicht beendet."— Soviel„Schweinehunde" scheinen gar nicht totgeschlagen werde» zu können, wie e- in der NSDAP, gibt. „Sein Eid". Aus Ihrer Zuschrift mußten wir u. a. folgende Stelle verschwinden lasten:„Man wird aber^ wenn von seinen ehrenwörtlichen Zusagen die Rede ist, an eine andere Anekdote erinnert.. Ein gewerbsmäßiger Zeuge hat wieder einmal eine unglaubwürdige Aussage gemacht:„Können Sie das auch wirklich beschwören?", fragt ihn der Richter,„Herr Rat, den Eid möchte ich doch sehen, den ich nicht beschwören kann." Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I y tn Dud» wetler; für Inserate: Cito Kuhn tu Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag:. Verlag der Volksstimme GmbH,. Saarbrücken V; Schützensirotze B.— Schließfach 778 Saarbrücken. Gestern noch wurden die Siege der Arbeitsschlacht stolz verkündet, und heute wächst die Arbeitslosigkeit. Fragen über Fragen wirft die Wirtschaftspolitik Adolf Hitlers auf. Sie ist ein. Kampf, dessen Erfolg die wenigsten klar sehen,— ein Kampf, der über das tägliche Brot des deutschen Volkes entscheidet. Und zugleich über die Dauer des Hitler-Regimes mitentscheidet. Warum Arbeitsbeschaffung? Wem soll die Wirtschaft dienen? Ist Hitler Freund der Bauern? Das Geheimnis der Arbeitsbeschaffungswechsel? Warum ist die Währung fest? Zwangswirtschaft oder Planwirtschaft? Was hat Schacht geleistet? Gibt es Auswege aus der heutigen Wirtschaftslage? Rettet der Erfindergeist Hitler? Was sind Kompensationsgeschäfte? Wohin muß der Weg Hitlers führen? Ueber all diese Fragen, die jeden angehen, gibt die Schrift, die jeden interessieren wird, eine Auskunft, die jeden überzeugen muß: VON DR. NORBERT MÜHLEN Preis 3 r- Fr. Buchhandlungen der Volksstimme GmbH SAARBRÜCKEN NEUNKIRCHEN SAARLOUIS ^DEUTSCHLAND^mHITLiH Der Medizinmann an das hatholisdic Gewissen Wann Kommt der Rekhstagsbrand? Es ist höchste Zeit Sechs Tage vor den entscheidende« Reichstagswahlen am 8. März 1933 ist am 27. Februar 1933 das Reichstagsgebände durch Nationalsozialisten aus dem Palais des Reichstagspräsidenten Göring angezündet worden. Demnach wäre der„Reichstagsbrand" sür die Saarabstimmung schon am Montag dieser Woche sällig gewesen. Alle Welt im Saargebiet wartet ans das Ereignis. Ein Reichstagspalast ist allerdings nicht in Brand zu stecken, aber so dürstig ist die Fantasie von Gangstern auch nicht, daß sie die Berliner Brandstistung einsach nachzuahmen brauchte. Man wird wohl einen anderen Plan ausgedacht haben, und ein oder mehrere van der Lnbbes werben sich wohl im Saargcbiet finden oder rechtzeitig importieren läffen. Wann also kommt der saarländische„Reichstagsbrand"? Vorabslimmungen Der Hitler grüß im Wahllokal Schon am 7. und 8. Januar konnte eine gewisse Kategorie von Abstimmungsberechtigten ihre Stimme sür die Volksabstimmung abgeben. ES handelt sich dabei in erster Linie um Beamte, Eisenbahner, Straßenbahner usw., also Leute, die am Abstimmungstag aus beruflichen Gründen verhindert sind, abzustimmen. Zu dieser Kategorie der Vorwähler gehören auch die Gefängnisinsassen sowie diejenigen Personen, die sich zur Zeit in den Krankenhäusern befinden. Es zeigte sich bei diesen Vorwahlen, daß die„deutsche Front" beabsichtigt hat, die Wahlräume zu parteipolitischen Kundgebungen, zu Demonstrationen für die NSDAP, zu mißbrauchen. Offenbar wollten die Nazis samt und sonders mit dem Hitlergruß abstimmen. Die Wahlvorstände sind entschloßen, Stimmen, die mit einer politischen Demonstration verbunden sind, für ungültig zu erklären. Die geheime Abstimmung würde ja sonst durch die„deutsche Front" zu einer Farce gemacht. Infolge der Gefahr, daß die Wahlvorstände viel Stimmen -er„deutschen Front" für ungültig erklären, ersucht heute die gleichgeschaltetx Presse, man möge den„deutschen Ätuß" im Ab st i m m nn g s l o l a l unterlasse n. Wlditld für Kafhoflken Wenn die Rückgliederung kommt.... Der„nordische" Freidenker Dr. Loepelmann ist am 17. Dezember von Goering zum Ministerialdirigenten im Reichs- und preußischen Ministerium für Wlsienschast, Erziehung und Volksbildung ernannt morden. Er leitet gleichzeitig die Abteilung höheres Schulwesen. Die.höheren Schulen im Saargebiet würben also einem Wotanspriester Unterstellt werden. Was sagen die Disdiöfe und die Saar-Dedianie ehemals katholische, jetzt gleichgeschaltete„Saarbrücker Landeszeitung" verleugnet diese für jeden wahre« Katholiken selbstverständliche These. Sie schreibt am Dienstag: „Daß der Hl. Stuhl trotz der von der Bolksstimme erwähnten politischen Beschwerdeaktion sich bisher mit der wiederholten Betonung seiner, Neutralität begnügt unkeinerlei Einschränkung erlassen hat,, bie als eine Stellungnahme zu den bischöflichen Kundgebungen betrachtet werden kann, dürste mit hinreichender Klarheit beweisen, daß die Neutralität des Hl. Stuhles nicht unvereinbar ist mit dem Recht deutscher Bischöfe, als Staatsbürger ihre Stellungnahme in einer deutsche» politischen Frage se l b st.ä«ö lg zu bestimmen unöffentlich auszusprechen." Die Kundgebung des Heiligen Stuhls sagt ganz deutlich das G eg en teil. Aber es ist Sache der Kirchenfürsten selbst, sich mit■ Rom darüber auseinanderzusetzen, wo, ihre Gewissens- und Gehorsamspflicht aufhört und ihre„Staatsbürgerpflicht" beginnt. Wir stelle« nur fest, daß der Wille und der Wunsch des Papstes unvereinbar ist mit den Kundgebungen der Bischöfe und der Saardechanten, die von der Abstimmungskommission als Einmischungs- und Beeinflufsungsversuche zürüclge- miesen worden sind. Laval beim Papst Eine lange Unterhaltung Vatikanstadt, 7. Januar. ^Außenminister Laval stattete heute mittag-em HEiligen Vater einen Besuch, ab. Die Unterhaltung zwischen de«: Kirchensürsten und dem Minister war außerordentlich lang: sie währte 50 Minuten. Der französische Minister überreichte dem Papst drei sehr wertvolle alte Bücher. Der Papst war entzückt von der Schönheit dieser Kunstwerke, die er aufmerksam durchsah. Kurze Zeit danach wurden die Mitglieder der französischen Delegation bei dem Papst eingeführt. Trotz des leichten Regens hatte sich eine Anzahl Neugieriger vor der-Kirche eingefunben, um den französischen Minister zu begrüßen, der unter dem Kreuzfeuer der Fotografen seinen Wagen für die Rückfahrt nach dem. Hotel bestieg. Laval begab sich um 17.33 Uhr in Begleitung des Botschafter Roux zum zweiten Male in den Vatikan, um dem Karüinalstaatssekretär Pacelli einen Höflichkeitsbesuch abzustatte». Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Ant Dich kommt es an! Auf dich kommt es an! Auf dich, deutscher Mann, deutsche Frau, auf jeden einzelnen von euch schaut die Welt, und das Welt gewissen fragt euch: Wollt ihr das Recht oder das Unrecht? Sagt ihr Ja zu einer Regierung, die ihre Herrschaft, wie alle Welt weiß, nur durch Lüge und Terror aufrechterhält, die keinen Augenblick sich länger halten könnte, wenn die zu Unrecht Verfolgten und Gemarterten vor allem Volk ihre Stimme erheben, könnten, die Gemordete» reden? Sie werdens einst, wenn Gerechtigkeit die Welt regiert— und sie regiert sie. Sie läßt auch den bösen, widermenschlichen Kräften zuweilen und in einem gewissen Umfang freies Spiel. Sie sollen auch zeigen, was sie können, damit sic keinen Vorwand haben, sie hättens besser gemacht als die andern. Ter Teufel selbst soll am jüngsten Tag sich nicht darauf berufen dürfen, der Herrgott habe ihn ja immer eingesperrt; er, der Teufel, hqbe die Welt doch viel vollkommener machen können! Deshalb wird auch ihm Freiheit gegönnt, allerdings nicht für immer. Hitler und die Seinen haben genugsam während zweier Jahre gezeigt, was sie„können"! Deutschland sich selbst«nd aller Welt entfremden, es srend- und freundlos machen, die 14jährige mühevolle, freilich z« schwächliche Aufbauarbeit im Innern und nach außen zerschlagen zugunsten eines Aufbaus, der nur in ihrer Fantasie besteht. ES demoralisieren, durch deu Abbau der Vernunft, des Rechtes, der Menschlichkeit. Ein Kirchhofssriede ihr„Klassenfriede", ihre nach außen geschrienen Friedensbeteuerungen als Lug und Trug erwiesen durch die rasend betriebene Aufrüstung. Deutschland geistig verödet, Europa mit dem Untergang bedroht, kein Freund mehr, außer dem— nach der Theorie doch minderwertigen— Japaner und dem früher verachteten und beschimpften Polen. Sie wollten und wollen„dem Bolschewismus" wehren: kein Mensch kann zweifeln, daß sie ihn in ieinar mechanischen Gleichmacherei und seinen abstoßenden Gewaltmethoden nur nachahmen unungewollt vropaaierrn. Während aber der Bolschewismus mit eben diese» Mitteln großen m e n s ch h e i t l i ch e n, auch dem Christentum nicht fremden Zielen zu dienen glaubt, der Verwirklichung eines Reiches der Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Freiheit, spricht der Nationalsozialismus eben diesen Gedanken Hohn. Er will den immer wieberkehrenden Krieg, Jagd und Knechtung„niederer" Menschheit durch die„gotterkorenen"„Arier". Die wahren„Edelmenschen" haben stets anders gedacht, die besten Deutschen voran. Dentsch« an-er Saar, Christen, die ihr euch bewußt hin, ter Christi Fahne stellt,«nd ihr andern, die ihr i« dieser Frage zuallererst Deutsche sei« wollt, was kann euch heute ein Vaterland sei«, das«ach widerchristlichen und undeutschen— wen« anders Recht, Treue und Wahrheit deutsch sind— Grundsätzen regiert wird? Gewiß, es ist euch und bleibt euch auch s o teuer. Aber ihr erweist ihm keinen Dienst, indem ihr euch ihm wieder«eingliedert, um morgen nach denselben Grundsätzen regiert zu werden, die gleichen Erfahrungen zu machen wie eure Brüder. Aber sollten mir i h r L o s, ih re Lautdennicht teilen? Gewiß, wenn ihr ihnen damit eluen Dienst erwieset. Tas Gegenteil aber ist der Fall. Tie Dechanten sprechen in ihrem Aufruf wohl den Wunsch aus nach Besserung der kirchenpolitischen Verhältnisse, eine wie oft in diesen Jahren ausgesprochene, immer wieder betrogene Hoffnung. Im übrigen bindet diese lahme' und mühsame E r-, klärung, welche ihre Urheber wohl sür alle Fälle sichern soll, niemanden im Gewissen. Dasselbe gilt von der ebenfalls sichtlich einem widerstrebenden Herzen abgepreßten Aufforderung der deutschen Bischöfe zum Gebet für einen „segensreichen Ausgang" der Abstimmung. Ja, wir wollen um einen solchen Ausgang beten, der die wahren christnstrenen und deutschsühlcnben Kreise in«»- ferm Bakerlande stärkt und die Aussicht eröffnet, daß das Gewaltregtme(man scheut sich, ei« ganz deutsches Wort zu gebrauchen) Hitlers und der Seinen verschwindet. Die Menschen, die Probst und Klausener haben ermorde« lassen, hunderte mutiger katholischer und protestantischer Geistlichen absetzen und einsperren, waren gewiß nicht entschlossen, der Kirche entgegenzukommen. Sie werben cS n o ch weniger sein, wenn die Saar sich für sie entscheidet. Sie werden das nur als eine Bestätigung ihrer Gewaltmethoden ansehen. Das widerchristliche und undeutsche Wesen wird 'dann erst recht in.die Halme schießen., Dagegen ist mi, Sicherheit anzunehmen, daß ein sür die Hitleres ungünstiger Ansgang der Abstimmung die Mili, tärpartei in Deutschland—»crkörverr durch die Reichswehr «nd ihr nahestehende Kreise— stärke«««- in Kürze zum Sturz Hitlers führen wird. Auch dann ist mit einer Diktatur zu rechnen, abex einer vergleichsweise tragbaren, nicht doktrinär bestimmten. Das ist, von allen Ideellen Gründen abgesehen, der ganz realpolitisch» Grund, aus dem wir euch zurufen, heute wie früher: Keine Stimme für dies Deutschland, alle für ein k p m üi e n d e s., Keine Stimme für da zur Zeit in Deutschland regierende Antichristen- und Ündeutfchtum, alle sür Christus, alle für Deutschland, das ist: für de« Status auo. Sie sagen euch: das sei„Separatismus". Sie wissen selbst, daß sie lüge«. Sie wissen, daß keiner der An. Hänger des Status a«o an eine dauernde Trennung von Deutschland denkt, keiner«ndentsch fühlt, im Gegen»eil. Daß wenigstens, noch ein Fleck reichsdeutscher Erde bleibe, wo die Wahrheit gesagt werden kann, die Gerechtigkeit eine Stimme hat, die Freiheit eine Zuflucht, das und nichts anderes ist unser Wille. Widersteht, widersteht endlich den patriotischen Phrasen, der taumelhasten, blind machenden Begeisterung, die Deutschlands Unglück im Kriege gewesen ist und es auch jetzt wieder,zu vernichten droht. Erhaltet Deutschland sich selbst! Crhaltets a« d e r S a a r. Deutscher Mann, deutsche Fra«, ans dich komrnts an. D« trägst Deutschland, d'r vertraut sichs, von Wunden bedeckt, vergewaltigt vom Undcutschen in dieser Stunde. „Stimm jetzt nicht für mich", bettelt es, ,chu stimmst für meine Schande! Erhalt mir ein Stück meiner freien Erde, drauf zu ruhen und wieder Kraft zu finden, baß auch der große R e ft unsres'Volkes wieder frei werbe, an Recht und Wahrheit glauben liirne. Denk an die deutsche Jugend, die Millionen meiner, dem sittlichen Verderben überlieferten, zu Rohlingen, schlimmer als die angeblich vorbildlichen alten Heiden, erzogenen Kinder! Denk an deine Kinder! Willst du sie diesem’-jimc ausliefern? Nimmermehr! Des- Ha". rbrmals: „Keine Stimme der Hitlerschand! Sille dem kommenden Vaterland! Lieber getrennt«och als unfrei sei«! Rimmer z« dem dort! Nein,«ei«, nein!" Civis christianns. Ladi Dr. König bestätigt Hitlers Parlamentär im großen Hauptquartier In einer öffentlichen Erklärung gibt der gleichgeschaltetc Redakteur Dr. König zu,„aus rein vaterländischem Interesse* mit dem Führer der Volksfront Max Braun verhandelt zu haben. Er will aber auf eigene Verantwortung und nicht in irgendeinem amtlichen oder halbamtlichen Auf- trag gehandelt haben. Indes bestreitet er nicht, daß er nach der Unterredung amtlichen deutschen Stellen berichtet hat. Diese haben freilich nach der strikten Ablehnung, die ihre Angebote bet der' Volksfront gefunden haben, zu weiteren Fühlern keine Lust mehr verspürt. Daß Dr. König nun die Ausrede findet, er habe„die verführte Anhängerschaft Brauns retten wollen*, ist recht komisch. Zu solchen Verhandlungen sucht man sich doch wohl nicht den Mann aus. den man als den Verführer betrachtet. Zudem sind ja auch noch die Verhandlungen mit dem sozialdemokratischen Landesratsabgeordneten Lieser gewesen, und da liegt bisher überhaupt noch keiy Dementi deS Hitlerparlamentärs vor. Holland sicht die Saar Unter diesem Titel schreibt der Saarkorrespondent von „Het Handelsblab"(Amsterdam) einen großen Artikel, dem wir die folgenden Absätze entnehmen:„Der Betrieb in Saarbrücken hat nicht den Reiz der Fröhlichkeit und der Ungezwungenheit. Der Betrieb hat die Merkmale von großer Spannung und von starkem Druck. Die Spannung ist auf bas Konto des Plebiszits zu schreiben, das über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Saargebietes und seiner Bewohner entscheiden soll. Der Druck muß den politischen Einflüssen zuge schrieben werden, die bestrebt stnd, den Ausschlag der Abstimmung in eine bestimmte Richtung zu treiben, und die dabei hinfichtlich ihrer Mittel durchaus nicht wählerisch sind. Ueber- und unterirdisch wird in einer Weise agiert, pie dem ganzen öffentlichen Leben ihren Stempel aufdrückt. Man kann das erkennen an einer unfairen Pressekampagne» die vor keinem Mittel zurückschreckt, keine Lüge verschmäht, keine Denunziation versäumt und sich vor keinem Verdacht schämt. Jp dieser malerischen Stadt von 130 000 Seelen hat sich eine Tagespreise entwickelt, die an Umfang und politischer Nuancierung beinahe alles übertrifft, was ans diesem Gebiet' besteht... Diejenigen, die sich nicht der„deutschen Front* anschließen, und das gilt vor allem für die Landbevölkerung,— werben mit wirtschaftlichem Boykott, gesellschaftlicher Isolierung und physischen und moralischen Terror bedroht. Man denkt dabei M»KKnzeflirgtUmSlager. und. allgemeine Repressaliemaßnahmen nach dem Plebiszit, wenn das Saargebiet, worauf, die„deutsche Front" fest rechnet, wieder deutsch fein wird, Die Nationalsozialisten sollen schon, genau wie überall sonst, eine schwarze Liste angelegt habe»,' auf der alle, von denen bekannt ist, daß sie gegen Hitler sind oder sich für den Status guo ausgesprochen haben, als Staatsfeinde eingetragen stnd, mit denen abgerechnet werden muß. Man weist jetzt schon auf-te Geschäfte, von denen man sagt:«ach dem 18. Januar sind diese Herren„erledigt*. Aus den Aeußerpngen von Nationalsozialisten, die ich bei meinen Rundgängen in Saarbrücken ausfangen konnte» bi» ich geneigt zu schließen, daß alle diese Gerüchte und Behauptungen keine Hirngespinste sind, sonder« bitterer Ernst, mit dem man am Tage nach der Abstimmung ernst, haft zu rechnen hat." Ein Wort an die saardcutsdicn Arbeiter Man schreibt uns aus dem Reiche: Das ganze Deutschland ist in ein Plakat--und TranSparent-Meer getaucht. Aus allen Ecken und Enden leuchtet es uns entgegen:„Keiner soll hungern und frieren!" Der Reichsrebeminister Goebbels und der Parademinister Göring verkünden Tag für Tag diese These, erläutern das Winterhilfswerk und wissen nicht genug den Opsersinn der Volksgenossen zu loben. Die Gelder fließen reichlich. So reichlich, daß der geruhsame Bürger einen Schreck bekommt über all die Wohltaten, die den Hilfsbedürftigen zufließen.„Die Arbeitslosen werden tatsächlich verwöhnt".„Es wird zu viel für sie getan!", sind Redensarten, die man mehr als einmal zu hören bekommt. Wenn man aber diese»„Nörglern* den wahren Sachverhalt erklärt, dann setzt grenzenloses Erstaunen ein. Zunächst ein Wort über die„Freiwilligkeit* der Sammlungen. Haus für Haus, Wohnung für Wohnung wird abgekloppt. Wer nicht gibt, wird diffamiert, wer zu wenig gibt, desgleichen. Du mußt geben, lautet die Parole auch für denjenigen, der. wie früher, lieber selbst den wirklich Bedürftigen helfen will. Wo bleibt nun das gesammelte Geld! Was erhalten die Bedürftigen an Unterstützung? Laßt Zahlen sprechen: Im Vorjahre wurden in Deutschland rund 7 Millionen Familien von der Winterhilfe betreut, in diesem Jahre angeblich nur 8L Millionen. Im Vorjahre verblieb ein beträchtlicher Neberschuß, lt. Bekanntmachung von Goebbels. In diesem Jahre ergeben Sammlungen und Eintopfgericht-Abgaben angeblich beträchtlich mehr als im Vorjahre. Und trotzdem erhalten die Bedürftigen bedeutend weniger. Es erhielten durch die NSV. Allein st ehende: Weihnachten 1938: 2 Psd Mehl(0.44 Mk.), 1 Pfd. Zucker(0,40 Mk.),'/. Pfd. Schmalz(0.50 Mk.), 1 Dose Milch (0,21 Mk.),'/. Pfd. Kakao(0.55 Mk.), 1 Pfd. Reis(0,22 Mk.), 1 Pfd. Erbsen(0,40 Mk.), 1 Ztr. Briketts(1,01 Mk.). Summa 8,78 Mk. Weihnachten 1 084: 2 Pfd. Mehl(0.44 Mk.), 1 Pfd. Zucker(0,40 Mk.),'J, Psd. Schmalz(0,50 Mk.), 1 Ztr. Briketts(1,01 Mk.) Summa 2.35 Mk. Der Zentner Briketts kostet 1,16 Mk., 15 Pfg. muß der Unterstützte selbst zahlen. Im Voriahre gab es für den Monat Oktober bereits einen Zentner Briketts, in diesem Jahre nichts. Der Bedürftige (es findet eine haarscharfe Prüfung durchs Wohlfahrtsamt und NSV. statt!) erhielt im Vorjahre insgesamt 8 Zentner Briketts, zuzüglich der Weihnachtsgabe, insgesamt also für 11,81 Mk. In diesem Jahre 5 Zeniner Brikett zuzüglich der WeiünachtSqabe, also insgesamt Wert 7.40 Mk. Für jede Person gibt es, wie im Vorjahre, 1 Zentner Kartoffeln. Verheiratete erhalten für jede Person vorstehendes Quan tum, mit Ausnahme der Briketts, die nur einmal gegeben werben, dann für 2—3 Personen insgesamt eine Büchse Milch im Werte von 21 Pfg. Und da sage noch einer, daß die NSV. den Bedürftigen nicht helfe! Keiner zweifelt in Deutschland daran, daß in diesem Winter keiner hungert und friert. Früher, als die verfl... Sozis noch etwas zu sagen hatten, erhielten die Arbeitslosen zu Weihnachten durch Stadt und Arbeitsamt bis zu 80 Mk. und mehr, dazu Ostern und Pfingsten besondere Beihilfen. Und trotzdem: es ist jetzt alles besser, gerechter und wohlbestellter in Deutschland(lt. Goebbels!). Welch eine Wendung durch die Nazifügung! Fließt der Ueberschuß der Sammlungen etwa restlos ins Saargebiet als Wahlköder? In diesem Zusammenhang noch ein paar interesiante Streiflichter über die sozialen Verhältnifle im Vaterlande: Nach Mitteilungen der amtlichen Stellen sind über 80 Prozent der Arbeitslosen mittlerweile in Arbeit und Brot gebracht worden. In«Arbeit* stehen auch Hunderttausende von Pflichtarbeitern, die täglich 6 Stunden arbeiten(Straßenkehren, Gartenarbeit. Wegearbeiten usw.) oder exerzierten müffcit. Sie erhalten monatlich 24 Mk. und dazu täglich je eine Schussel dünne Suvve. Wer nicht pariert, der fliegt und geht jeglicher Unterstützung verloren. Tas gilt auch für die, die bereits ein Jahr im„freiwilligen* Arbeitsdienst absolviert haben und nun glauben, eine Arbeitsstelle zu erhalten. Von 14 bis zu 55 Jahren marschieren hier die Pflichtarbeiter Tag für Tag hinaus. Auf der gleichen Linie liegen auch die Leistungen der Arbeitsfront. Ley hat ausdrücklich bekanntgegeben, daß die in den Gewerkschaften erworbenen Rechte erhalten blieben. In der Praxis siebt es anders aus. Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, daß Kollegen mit mehr als 20jähriger Mitgliedschaft keine Unterstützung erhalten, weil„keine Bedürftigkeit* vorhanden. In andern Fällen erhielten Kollegen nach lanaer Wartezeit(biS zu 12 Wochen!) die Mitteilung, daß ihr Unterstützungsantrag abgelehnt sei, „weil die Karenzzeit nicht erfüllt" sei. Bor Ablauf von sechs Wochen gibts keine Unterstützung durch die Arbeitsfront, weil jeder Antrag in Berlin geprüft wird und stets Rückfragen erforderlich werden. Wie einwandfrei wurden dagegen früher von den Gewerkschaften die Leistungen gewährt. Auch zu Weihnachten gab es früher für die Arbeitslosen bis zu 20 Mk.(je nach Familienstand) an Extraunterstützung. Tie Witwen der verstorbenen Kollegen erhielten 10 Mk. Und jetzt gibt die Arbeitsfront keinen Pfennig mehr. Alle Gelber„verwaltet* ja die NSDAP. Kollege im Saarland, weißt Du, was Dir im Hitlerdeutschlanb blüht? Ziehe aus dem hier bargelegten die Lehre: Deutsch immer, zu Hitler nimmer! Die Saar stimmt ab: Für oder gegen nillcr Bo» unserem Korrespondenten Paris, 7. Januar. Nachdem die französische Presse wiederholt darauf hingewiesen hatte, daß die Saarbevölkerung in keiner Weise darüber aufgeklärt sei, was der Status quo bedeute, nachdem sie auch die Oesfeytlichkeit davon unterrichtet hatte, baß die Blätter der„deutschen Front" immer wieder die Möglichkeit einer zweiten Saarabstimmung bestritten, zeigt sie sich jetzt darüber sehr befriedigt, daß die AbstimmungSkom- Mission nunmehr durch öffentliche Anschläge v o u.d em d i esb e z.ü.g lichen Besch lußbeSBölker- bundSrateS den Taarwäh lern. Kenntnis geben wird. Leon Bailby meint im„Jour", die Möglichkeit einer zweiten Abstimmung müsse all-en Abstimmungsberechtigten sehr willkommen sein, die heute noch zwischen„Ja" und „Nein" schwanken. Diese Lösung könne am 18. Januar nur diejenigen in ihrer Absicht bestärken, die für den Status quo einträten. In allen Zeitungen wir- mehr oder minder deutlich darauf hingewiesen, welche Verantwortung RegierungSkommisston und Abstimmungskommisston damit übernommen hätten, daß sie am gestrigen Sonntag-te Gegenkundgebung der„deutschen Front" erlaubt hätten, die ja nur die Anhänger der Freiheitsfront habe provozieren sollen. Im„Exeelsior" wirb von dem Saarbrücker Korrespondenten dieses Blattes die Meinung ausgesprochen, daß der Kampf, der sich an der Saar abspiele, tatsächlich seinen Charakter völlig gewechselt habe. Man stimme nicht für oder gegen die Rückgliederung. Man stimme für oder gegenHitler. Man möchte sagen, daß nicht das Schicksal der Saar auf dem Spiele^ stehe, sondern daß die Abstimmung uni Hitler selbst gehe. Der„M a t i n* gibt aus einer in Zweibrücken gehaltenen und durch den.Rundfunk verbreiteten Rebe den Satz wieder: „Max Braun und seine Genossen wollen die deutschen Arbeiter an den französischen Kapitalismus verkaufen." Es ist klar, daß solche Bemerkungen wenig.geeignet sind, in der französischen Oesfentlichlcit Sympathien sstr Hitlerdeutschland zü erwecken.' Hitlerdeutschlanb sollte um so vorsichtiger mif.,derartiges Behauptungen sein, als doch sein Führer immer wieder seinen Willen betont, sich mit Frankreich zu verständigen. So berichtet der„Figaro" aus Berlin, daß dort die maßgebenden Politiker erklärten, Hitler wolle nach der Saarabstimmung Frankreich ein ganz konkretes Angebot zwecks Abschlusses eines Uebereinkommens machen, weil ja mit der Saarfrage das letzte Hindernis zu einer Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland aus dem Wege geräumt sei. Glaubt Hitler wirklich, mit einer solchen Fata Morgana die französische Regierung dazu zu verlocken,-aß sie das tut, was dem Berliner Berichterstatter des„Jour* zufolge die Naziblätter wider besseres Wissen behaupten: „daß die französische Regierung von den StatuS-quo- Änhä'ngern in Rom und Genf abgerückt sei und eine für Hitlerdeutschland günstige Saarabstimmung wünsche?* Schnsudit deutscher Jagend Jungensbriefe aus Wirklichkeit und Romantik . Gewiß: sie waren die Begeistertsten, haben am fanatischsten zu seinen Fahnen geschworen, damals, diese deutschen Jungens, weil sie am ärgsten enttäuscht, geradezu der Verzweiflung nahe waren und sich noch ein klein wenig den Glauben an das Schicksal, an eine Wende ihres kümmerlichen Daseins, an das Schicksal deutscher Jugend bewahrt hatten... Kein Mensch nahm sich ihrer an, wenn sie stundenlang auf den Straßen herumstanben, in der Frühe sich die Zeitungen aus den Händen rissen, um nach offenen Arbeitsstellen zu suchen, wenn sie tagaus, taget« von Fabrik zu Fabrik, von Verrieb zu Betrieb, von Büro zu Büro wanderten und um Arbeit fragten. Bis sie es müde, mißmutig und verbittert braugaben. bas hatte ja doch alles keinen Zweck! Was batte überhaupt das Leben für einen Zweck? Kein Inhalt, keine Freude— kaum satt zu essen! Dann zogen sie, an schönen Sommertagen, in kleinen Trupps hinaus, auf„Fahrt*— in den Wald, an die Seen, auf Hügel und Berge— saßen des abends am Feuer und sangen ihre schönen Wander- und Fahrtenlieder... Irgendeiner warf vielleicht einmal ein politisches Wort hinein— aber sie wollten nichts hören, wollten sich die karge Freude, die ihnen noch blieb, durch die Garstigkeit politischer Diskussion nicht verderben lassen. Und dann— dann war auf einmal alles aus! ES gab keine„Fahrt* mehr, es gab nur„Dienst*.«Hluft* durften sie nicht mehr anziehen, man hatte sie ihnen heruntergerissen, wenn sie nicht gutwillig sie auszogen— es gibt nur noch Uniform! Ihre Bünde hat man vernichtet, die Fahnen und Wimpel verbrannt, Zelte ihnen gestohlen, ihre Harm, kosen Insignien und Fahrt-Erinnerungen zertrampelt. Es geb keine Wander- und Fahrtenlieder mehr.— nur noch „Kampflieder*. Es gab keine freie, fröhliche, unbekümmerte Kameradschaft mehr— es gibt nur noch eine sehr vage„Ge- meinschaft*, jene„von staatswegen* aufgezwungene Gleich- macherei. Es gab nicht mehr das im freien Spiel der jugendlichen Kräfte sich entfaltende Selbstbewußtsein und Verant- wortungsgefühl— es gibt nur noch„Disziplin", den kommandierten Gleichschritt, daß Sich-Ducken unter ein„Führerprinzip" mit dem oft genug die Unfähigen, ja die Unwürdigen (wie die Annalen der Httler-Jugend immer wieder bewei- fen!) sich drapieren. * Nun sind bald zwei Jahre verflossen— seit dem Tag! Sie haben ihre„neue Jugend" im Zeicyen des Osaf, die man thnen so hymnisch vorgegaukelt batte, erlebt, sie haben die Segnungen genossen— und' sind aufs bitterste enttäuscht! Sie taumelten damals in bas neue Erlebnis hinein, wie in einen schönen Traum, in eine herrlich sich entfaltende Illusion— aber, ach, es war nur eine Illusion! Gläubig waren sie, diese Jungens, entflammt, geradezu besessen— kann man es ihnen verdenken? Es ist das Recht der Jugend, sich mit allen Fasern preiszugeben an das Erlebnis, besten sie staunend, wenn auch nicht begreifend, Zeugen waren. Sie glaubten an eine Schicksalswende— ja, an eine Weltwende! Was hatte man ihnen doch alles versprochen, mit welch eitlen und berauschenden Worten hatte man sie geködert! Jetzt stehen sie da und sind stumm! Zweifel nagen heftiger denn je an ihren Gedanken. Sie wisten, wieviel sie verloren haben, wie herrlich Schönes man ihnen nahm— aber sie wisten bis heute nicht, was man ihnen dafür gegeben hat. Worte— nichts als Phrasen! Die„Garanten zu sein von Deutschlands Schicksal und Zukunft": bas ist der vom Propa- ganbaminister über den Reichsjugendführer bis herab zum kleinsten Pimpfenführer ewig heruntergeleierte BRchlspruch! Sie haben eS satt, sich mit Phrasen traktieren zu lasten. Unwirsch tun sie ihren Dienst. Manchmal nur die Hälfte aller tritt zum Appell an. Heimlich tyn sie sich zusammen, die, die sich kennen und einander vertrauen, und fahren des Samstag hinaus in die freie Landschaft, wie sie es früher taten, Zelte bauten, am Lagerfeuer ihre Lieder saugen, auch wohl mal ein„Geländespiel* austrugen— aber es war doch eben Spiel, freies, ungebundenes Spiel jugendlicher Kräfte— nicht Kampf, nicht militärischer Drill! Nun hocken sie da und marschieren und üben Disziplin und üben, nicht weniger, an Schießgewehren— und wenn sie, dazu kommandiert, auf„Fahrt" gehen, dann ist das„militärische Uebung", und wenn sie singen und spielen, dann ist das Haßgcsang und Kampfgelüst, weil doch nie die„Aktion* nachlassen darf, immer müsten sie in„Bewegung" sein und die„Bewegung" Vorwärtstreiben.... Aber das laute und schmetternde Signal verfängt nicht mehr, diese fortwährende Aufpulverung aller jugendlichen Instinkte macht auf die Dauer müde und apathisch— diese Jugend fühlt, wie sie immer tm Kreise herum- geführt wird, einem Ziel entgegen, das sie nicht kennt, noch nicht einmal mit klaren Blicken sieht— und dem sie mißtraut. Sie spüren, daß sie im Gefängnis sind. Die laute Fan- farenmustk und der ganze maskenhafte Spuk, der um sie getrieben wird, mit Orden und glitzernden Uniformen und flatternden Fahnen,— das alles erregt sie nicht mehr, läßt sie kalt und wirft ein bitteres Lächeln über ihre Züge. In ihren Fantasien aber lebt wieder das Bild von ehedem auf, dieses herrliche, bezaubernde Bild, da sie mit ihren Fahrtaenoffen hinauSzogen in die kleine und die aroßc Welt. vielleicht mit einem Bünbelchen voller Sorge», was morgen sein werde.... aber doch unbekümmert, fröhlich, ihrer selbst bewußt, dem Heute preisgegeben und dem jauchzenden Rausch ihrer Jugend. Die schöne, wilde Welt tat sich vor Hine» auf, nicht„autarkisch* umspannt mit Grenzpfählen oder Stacheldraht— und ihre Sehnsucht schweifte hinaus über die Grenzen auf das Meer, in ferne Länder und zu seltsamen Abenteuern. Aber das ist ja heute nicht erlaubt — Abenteuer gibt es nur, soweit sie volks- und wehrpolitisch von Nutzen sind— ferne Länder sind Länder der diversen „Erbseinde*— und das Meer darf für die hitlerische Jugend nur eine Domäne der Torpedos, Unterseeboote und Panzerkreuzer von A bis D bis... sein! Wenn diese Jungens nun einmal gerade nicht zu exerzieren haben, nicht durch Unterricht in Rassenkunöe, Instruktionen wshrpolitischer Art oder sogenannte»^Luftschutzübungen* in Anspruch genommen sind, und sie fühlen sich sicher im engen, vertrauten Kreis(denn überall sitzt ja auch heute noch in den scharf überwachten Organisationen der Denunziant, der Spitzel— weuy er auch nur spitzelt, um desto schnellere Karriere zu machen!)— wenn sie zusammensitzen, dann flüstern sie wohl einmal von dem, was ihre Sehnsucht sucht, trällern leis die Fahrtenlieder, die sie früher brausend sangen, spinnen Märchen und Legenden, träumen von den stolzen Fahrten, die ihre Freunde früher einmal machten unb kein Mensch hinderte sie daran, wenn die Lust sie hinaus in die Welt trieb, zu neuen, unbekannten Ländern, zu Abenteuern, wie ihre Jungenseele sie ersehnte, aus Bücher» las oder aus den Erzählungen der Große» hörte. Sehnsucht dieser Jugend— einer enttäuschten, irregeleiteten Jugend, läßt sich nicht unterdrücken, diese Sehnsucht braust auf, wenn sie noch so kunstvoll und systematisch übertäubt wird, wird lebendig, weckt Nacheiserer.... Eifernde Jugend— und diese Ingens wird reif! Sie leiden unter dem Druck, der sie einengt und schnürt— diese Jungen, die nun schon seit 20 Monaten im Gleichschritt marschiereit müsten, immer im Kreise herum, längs den Grenzen, mit verstelltem Bister über die Grenzen Hinausschauen und vielleicht schon im Zielen sich üben müssen. Sie sollen den Feinsehen, der nach geschickter Propaganda-Methode längs den Grenzen dieses Hitlerdeutschlanb herum aufmarschiert sein soll— und sie sehen nur ein fernes, schönes Land, den weiten, blauen Horizont, die Sonne, die über Gerechte und'Ungerechte ausgeht:' sie hören den Wald rauschen,, die Waster strömen, Menschen sind gut und m'ldtätig, io hier wie drüben— der alte Wandertrieb der jedem deutschen Jungen im Blut sitzt, vaclt sie und>"ckt zu neuen, unbekannten Usern:«Schluß solgt.) Saarbrücken. Mittwoch, 9. Januar 193S „Deutsche Freiheit“, Nr. 7 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Hitler ruft nach dem Retter Die Wandlung in der Wirtschaftsdiktafur Von Anfang an hat die nationalsozialistische Diktatur in ihrem Streben nach Totalität, nach Unterordnung aller gesellschaftlichen Beziehungen unter die absolute politische Leitung, sich die Wirtschaft zu unterwerfen gesucht. In diesem Bestreben war sie dadurch begünstigt, daß bei der Machtübernahme bereits ein bedeutsamer Teil der deutschen Wirtschaftsmacht namentlich infolge der Wirkungen der Kreditkrise in unmittelbarer Verfügung der Staatsmacht war. Die wichtigsten Großbanken waren praktisch verstaatlicht und das bedeutete bei der Entwicklung des Finanzkapitals in Deutschland, daß ein großer Teil der Industrie, der Schifffahrt und des Großhandels in weitgehende Abhängigkeit von der Staatsgewalt geraten waren. Diese Entwicklung wurde durch den Fortgang der Krise weiter verschärft. Große und entscheidende Teile der deutschen Wirtschaft— die Handelsschiffahrt, die Werften, die Waggonindustrie, der Erzbergbau,, um nur einige zu nennen— konnten saniert oder unsaniert, überhaupt nur noch mit staatlicher Hilfe, mit Subventionen oder öffentlichen Aufträgen, weitergeführt werden. Diese Abhängigkeit weiter Wirtschaftsgebiete von Staate, die das bedeutsamste soziologische Ergebnis der Wirtschaftskrise gewesen ist, vervollständigte nun die Diktatur sofort nach ihrem Machtantritt mit außerordentlicher Energie durch politische Maßnahmen. Die Unternehmungen werden in den für sie lebenswichtigen Fragen der Arbeitsbedingungen unter die Kontrolle der von der Diktatur eingesetzten Treuhänder gestellt, die Wirtschaftsorganisationen werden gleich geschaltet, das heißt unter die unumschränkte Führung der von der Diktatur eingesetzten Leiter gebracht. Dabei verrät die Hitler- diktatur bereits ihren angeblich sozialen Charakter, indem die Organisationen der Arbeiter in ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen völlig vernichtet, die Unternehmerorganisationen aber, zum Teil unter den alten Leitern, im wesentlichen erhalten werden, während der Zusammenhalt und die Funktionen der agrarischen Organisationen unter rein nationalsozialistischer Führung eine außerordentliche Steigerung erfahren. Erstes Ziel— Stärkung der Hitlermacht Die Hitlerdiktatur verfügt auf diese Weise über eine größere Wirtschaftsmacht als je ein kapitalistischer Staat vor ihr und sie geht daran, diese für die Erhaltung, Befestigung und Ausdehnung ihrer politischen Macht einzusetzen. Denn dieses politische Motiv ist das primäre für die wirtschaftliche Verwaltungskreise jeder Diktatur. Sie will die Massengrundlage ihrer Stellung verstärken. Dazu dient die r Arbeitsschlacht“, der Versuch, die Arbeitslosen in den Produktionsprozeß einzureihen, den Arbeitenden ihre Arbeitsstätte zu sichern und so die gewaltsam niedergeworfene Arbeiterschaft durch materielle Besserstellung mit dem Regime, das über sie den Verlust der Freiheit und des Selbstbestimmungsrechtes gebracht hat, wieder auszusöhnen. Zugleich bestimmt der Zweck der Machtvermehrung je länger um so mehr den Inhalt des Arbeitsprozesses, der.immer offensichtlicher auf die Aufrüstung ausgerichtet wird, zum Unterschied von den Arbeitsbeschaffungsprogrammen unter Brüning und Papen. Dem gleichen Zweck dient die nationalsozialistische Agrarpolitik. Darr6 proklamiert die Herauslösung der Landwirtschaft aus dem kapitalistischen Machtzusammenhang. In Wirklichkeit reduziert sich sein System auf einen Ueber- protektionismus und auf Festsetzung monopolistisch hoher Preise, zu deren Durchsetzung ein immer lückenloseres System der Zwangswirtschaft durchgeführt wird. Der Großgrundbesitzer bleibt trotz des Drängens eines radikaleren Flügels unangetastet, die kostspielige Entschuldigungsaktion wird fortgeführt, das Siedlungswerk gerät ins Stocken. Diese beiden Hauptmaßnahmen werden ergänzt durch Stützungsversuche für den städtischen Mittelstand. Die Neuerrichtung von Handelsbetrieben wird verboten, der Zugang zum Handwerk wird unterbunden, dem Hausbesitz die Hauszinssteuer zum Teil geschenkt, für den Umbau von Wohnungen Subventionen gewährt, die jüdische Konkurrenz— mit Ausnahme der Banken— in steigendem Maße aus der Wirtschaft ausgeschaltet, usw. Der Bankrott der braunen Pläne Die Wirtschaftspolitik der Diktatur gerät rasch in Widerspruch zu den ökonomischen Gesetzen und insbesondere zu den Grundbedingungen der deutschen Wirtschaft, wie sie ihr durch ihre Verflechtung in die Weltwirtschaft gesetzt sind. Die Arbeitsschlacht wird mit inflationistischen Methoden finanziert. Trotz fortschreitender Lohnreduktion bewirkt das Hineinpumpen von etwa fünf Milliarden neu geschaffener Geldmittel eine Steigerung der Einfuhr. Die Preise der l^bensmittel und der agrarischen Rohstoffe werden durch die Agrarpolitik, die industriellen Preise durch Begünstigung der großkapitalistischen Kartelle und kleinkapitalistischen Monopolbildungen in die Höhe getrieben. Die Gesamtwirtschaft wird unproduktiver, die Exportfähigkeit vermindert sich. Zugleich zerstört die hochprotektionistische Handelspolitik, von der Agrarseite her begonnen, immer mehr die Außenhandelsbeziehungen Deutschlands. Der bisherige Außenhandelsüberschuß verschwindet, die Handelsbilanz wird passiv, der Goldbestand der Reichsmark fließt ab, die Zahlungen für die ausländischen Kredite können nicht mehr geleistet werden. Die Rohstoffversorgung ist gefährdet und der Mangel an Rohstoffen droht der künstlich angefachten Binnenkonjunktur ein Ende zu setzen. Die Nationalsozialisten hatten darauf vertraut, daß, wenn nur einmal der Staat mit seinen Mitteln die Wirtschaft„angekurbelt“ hätte, die kapitalistischen Unternehmer schon das Uebrige besorgen würden. Im Frühjahr 1934, als er sich nicht genug Vorschußlorbeeren winden konnte, hatte Hitler erklärt: „Die Initiative, die der Staat bei der Arbeitsbeschaffung ergriff, hatte immer nur den Zweck und die Absicht, die wirtschaftliche und private Initiative und damit das wirtschaftliche Leben langsam wieder auf eigene Füße zu stellen.“ Aber gerade das ist nicht eingetreten und konnte bei der exportzerstörenden, die Gesamtwirtschaft immer unproduktiver machenden Wirtschaftspolitik auch gar nicht eintreten. In seinem neuesten Vierteljahresbericht konstatiert das Institut für Konjunkturforschung, das die staatliche Wirtschaftsankurbelung sonst nicht genug rühmen konnte, genau dasselbe: „Sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft beschränkte sich die Investitionstätigkeit in der Hauptsache — gefördert durch Steuerbegünstigungen für Ersatzinvestitionen— auf Instandsetzung von Gebäuden und Ersatzbeschaffungen abgenutzter Maschinen. Wie die einer Beobachtung zugänglichen Bilanzen von industriellen Aktiengesellschaften erkennen lassen, halten sich hierbei die Aufwendungen nach wie vor unter den laufenden Abschreibungen.“ Das heißt mit dürren Worten, daß, soweit eine Mehrbeschäftigung der deutschen Wirtschaft überhaupt zu verzeichnen war, sie nach dem Verbrauch der staatlichen Mittel beschränkte, daß darüber hinaus aber eine Steigerung der Produktion nicht stattgefunden hat. Oder wie es kürzlich der Preiskommissar Goerdeler ausgedrückt hat: „Auf Gebieten, wo die öffentlichen Aufträge eine geringere Rolle spielen, ist schon heute(!) das Versagen der Kaufkraft deutlich erkennbar.“ t Schacht als Retter Dieser Bankrott der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik hat nun aber für das Gefüge der Diktatur selbst weit- tragende Folgen. Wohlgemerkt, wir sprechen gar nicht davon, daß die Ziele dieser Politik, die Stärkung der Massengrundlage und damit der Diktatur, verfehlt worden sind, daß die Unzufriedenheit in allen sozialen Schichten außerordentlich zugenommen hat. Aber die Diktatur selbst hat eine Wandlung erfahren. Die völlige persönliche Unfähigkeit und sachliche Unerfahrenheit der Diktatoren hat sie angesichts der Verschärfung der Wirtschaftssituation gezwungen, die Führung der Wirtschaft immer mehr aus der Hand zu geben,«sie den Exponnenten der alten Mächte zu überlassen. Die Wandlung der Diktatur zeigt sich in der gewandelten Stellung von Schacht. Als Reichsbankpräsident ist er zunächst gleichgeschaltetes, dienendes. Glied der. Diktatur..Er macht die Inflationspolitik, die Zerstörung der Außenhandelsbeziehungen gehorsam mit bis zur Katastrophe der Reichshänk. Dann nützt er die Situation aus, um sieh der Wirtschaft zu bemächtigen. In den letzten Wochen hat er seine persönliche Machtstellung auf doppelte Weise außerordentlich befestigt. Die Neuorganisation der Wirtschaft bedeutet einmal die unmittelbare Gleichschaltung der Organisationen von Industrie, Handel und Gewerbe nicht mehr mit Hitler, sondern mit Schacht. Dieser ist es, der alle entscheidenden Kommandostellen, unter Ausschaltung der alten, noch einen Rest von Selbständigkeit beanspruchenden Unternehmer, wie Krupp usw., mit seinen Kreaturen besetzt und damit seine bisherige, Zahle Deine Schulden Der Erfinder des nationalsozialistischen Programms und des blendenden Schlagers von der„Brechung der Zinsknechtschaft“, Gottfried Feder, ist auf Eis gestellt worden. Der Sinn dieser Maßreglung konnte nicht mißverstanden werden. Es war ein öffentlichen Kotau vor dem„raffenden“ Kapital, ein Bekenntnis der Reue über die antikapitalisti- schen Wortsünden der Vergangenheit und ein Gelöbnis, es nicht mehr tun zu wollen. Aber dem Schacht und seinen kapitalistischen Kumpanen, die sich mit Recht als die wahren Herren des„dritten Reiches“ fühlen, genügt es nicht, daß der Prophet in die Wüste geschickt wurde, sie verlangen von ihrem Kuli Hitler, daß auch seine Lehre verbrannt werde. In aller Form und parteioffiziell. Nachgerade hat man sich lange genug das dumme Gerede von der Brechung der Zinsknechtschaft mit angehört, bei Strafe der allerhöchsten Ungnade muß damit ein für allemal Schluß gemacht werden. Kein Geringerer als Bernhard Köhler, der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP., also die oberste nationalsozialistische Autorität in diesen Fragen, muß sich dieser heiklen Aufgabe unterziehen. Heikel? Ach nein, für den ehrenwerten Pg. Köhler ist das nur eine Gelegenheit, die Lust am Prinzipienverrat und die zynische Perfidie der Gangsters gegenüber ihren betrogenen Opfern aufs neue unter Beweis zu stellen. In einer Rede, die er kürzlich über Wirtschaftspolitik in Hannover hielt, hat er die fällige parteiamtliche Erklärung zur Frage der Zinsknechtschaft abgegeben, und zwar(wir zitieren nach dem Bericht der gleich geschalteten„Bremer Nachrichten“ vom 21. 12. 1934) in folgender geradezu klassischen Form: „Die vielgenannte Brechung der Zinsknechtschaft sei auf eine sehr einfache Formel zu bringen: Zahle deine Schulden und mache keine neuen Schulden— dann gibt es keine Zinsknechtschaft mehr.“ Das ist nicht etwa ein Silvesterulk, sondern aus einer wirklich gehaltenen und durchaus ernstgemeinten Rede. Die „vielgenannte Brechung der Zinsknechtschaft“— armes verstoßenes Federlein, wie wird es dir? Und die vielen noch hitlertreuen und also immer noch hoffenden verschuldeten ihm von Hitler verliehene Machtstellung organisatorisch unterbaut hat. Er hat zweitens durch die Neuordnung des Bankwesens nicht nur das private, sondern auch das öffentliche Kreditwesen und die Sparkassen völlig seiner Macht unterworfen. Das bedeutet aber, daß die Finanzierung der Staatsbedürfnisse, d. h. die Finanzierung der Diktatur, seinen Entscheidungen unterliegt. Jede Diktatur, zumal die einer so herrschsüchtigen und ehrgeizigen Person, strebt nach Expansion, nach Vermehrung ihrer Macht und deshalb hat die Nachricht sehr viel innere Wahrscheinlichkeit, daß Schacht neben der Leitung der Reichsbank, des Reichswirt-. Schaftsministeriums und des Außenhandels, die er bereits inne hat, jetzt auch die Unterstellung des Ernährungs- und des Arbeitsministeriums fordert, die ihm die Gewalt über den Reichsnährstand und die Agrarwirtschaft sowie über die Arbeitsfront und die gesamte Sozialpolitik ausliefern würde unter Kaltstellung oder Beseitigung der Darre und Ley. Pluralismus der Diktaturen Schachts Anspruch ist um so weittragender als seine Politik so ziemlich das Gegenteil der nationalsozialistischen wäre. Haben die Nationalsozialisten durch die„Krediterweiterung“ getaufte Inflation eine künstliche Binnenkonjunktur (mit den bereits geschilderten Folgen) schaffen und aufrecht erhalten wollen, so will Schacht eine Politik der„Deflation“, um der Inflationskatastrophe zu entgehen. Der Agrarpolitik sollen Schranken gezogen werden, Goerdeler soll die Preise halten, die Kreditschöpfung soll eingeschränkt werden. Die alten Arbeitsbeschaffungsprogramme sind bis auf den Bau der Automobilstraßen nahezu erschöpft. Neue will Schacht ebensowenig bewilligen wie neue Ehestandsbeihilfen, Wohnungsbausubventionen oder die Kosten für den obligatorischen Arbeitsdienst. Aber das alles bedeutet Einschränkung der Staatsaufträge, Schluß der Wirtschaftsankurbelung in demselben Moment, wo die Privatwirtschaft so wie je dar- niederliegt. Also Verschärfung der Krise im dritten Jahr des Hitlerschen Fünfjahresplanes, Abbruch der Arbeitsschlacht und vermehrte Arbeitslosigkeit nach Verbrauch der letzten Wirtschaftsreserven. Die Wirtschaftsdiktatur Schachts steht so im Gegensatz zu den unmittelbaren Parteiihteressen der Nationalsozialisten. Aber deren Verwirklichung würde zu einer vermehrten Inflation und damit unmittelbar zu der Gefahr einer akuten Wirtschaftskatastrophe führen. Demgegenüber erscheint Schacht noch als Retter und daraus erklärt es sich, daß Hitler ihm die Diktatur überläßt. Es ist der gleiche entscheidende Vorgang, der sich auf politischem Gebiet vollzieht. Vor die Wahl gestellt, seine eigene Bewegung fortzuführen und ihren Machtanspruch restlos im Staate durchzusetzen, hat Hitler der Reichswehr die Diktatur der Waffe überlassen aus Furcht vor den Massen der eigenen Partei. Das gleiche vollzieht sich auf dem Gebiet der Wirtschaft. Im Gegensatz zu den anderen Diktaturländern ersteht in Schacht ein Wirtschaftsdiktator neben dem politischen Diktator. Die Totalität der Diktatur zerfällt in rivalisierende Diktaturen, deren Gegeneinander die nächste Dynamik der deutschen Entwidclung und die fortschreitende Zersetzung des„dritten Reiches“ bestimmen wird. Dr. Richard Kern. Bauern und Mittelständler, die allein wegen der Zinsknechtschaft die braune Diktatur zur Macht verhalfen und die nun mit so frechem Hohn verlacht werden. Und ent die zahlreichen braunen und angebräunten Professoren der Nationalökonomie und sonstigen gelehrten Skrinenten, die in unterwürfiger Liebedienerei so geflissentlich bemüht waren, die demagogische Agitationsphrase ernst zu nehmen und ihren„wissenschaftlichen“ Senf dazu zu geben. Welch eine klatschende und wohlverdiente Ohrfeige!' Was war das doch für ein gewaltiges Getöse um die große nationalsozialistische Wirtschaftsrevolution mit der Brechung der Zinsknechtschaft als Kernstück. Und nun— die Berge kreisten und zum Vorschein kommt nicht einmal ein armselig Mäuslein, sondern nur ein frecher Kalauer und nicht einmal ein originaler. Vor vielen Jahren konnte man in den Zeitungen ein Inserat lesen, in dem ein garantiert unfehlbares Mittel gegen Bettnässe angekündigt war. Wer die angeforderten drei Mark einschichte, erhielt einen Zettel des Inhalts:„Sie müssen sieh aufs Sofa legen.“ Wie leicht man mit den„sehr einfachen Formeln“ auch die schwierigsten Probleme der Wirtschaft im Handumdrehen lösen kann, bewies Köhler in derselben Rede gleich noch an einem zweiten Beispiel. Er beschäftigte sich nämlich auch mit den unverkennbaren Nöten des Exporthandels. Daß er sich damit„beschäftigte“, ist allerdings zu viel gesagt, dehn in einem einzigen Lapidarsatz vermochte er das ganze Problem restlos zu lösen: „Heute, in einer Zeit großer Ausfuhrschwierigkaiteh, müsse man dem Unternehmer, der auf Ausfuhr angewiesen sei, sagen: biete an, was die anderen brauchen können, findest du Aufträge, ist es gut, findest du keine, bist du kein Exporteur.“ Wie dankbar die Exporteure für diesen klugen Rat sein werden! Den Bernhard Köhler aber muß man sich merken für die Zeit, wenn die Gangster für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Seine Verdienste um den Sturz des Hitlerregimes-sind groß genug, um für ihn eine Amnestie in Erwägung ziehen zu können. — und Du bist frei von Zinsknechtschaft Dcuhdie Stimmen- Beilage zur.deutschen Freiheit- freignisse und GescMcfiten Mittwoch, den 9. Januar 1935 Caccia Von Jtaul Scholl Der Aufenthalt in diesem feuchten Keller war fast unerträglich.. Die Arbeit wurde schweigend verrichtet. Ingrimm und Steinmeier'säuberten die Gaze des Vervielfältigers und schwärzten die Walze. Der Jesus auf dem Bilde an der Wand sah ihnen, zu. In der entgegengesetzten Zimmerecke saß Carola Herbst vor einer Schreibmaschine und tippte den Text, den ihr der Bruder diktierte, auf eine Wachsplatte. „Studenten! Arbeiter! Intellektuelle! Hitler hat keine seine Versprechen an die Armen gehalten. Er hat Euch belogen und betrogen. Arbeit und Brot, Freiheit und Sozialismus habt Ihr gewollt;.Hunger, Elend und noch mehr Knechtschaft hat er Euch gebracht. Die herrschende Klasse, unfähig einen Ausweg aus dem wirtschaftlichen Jammer und der sozialen Not zu finden, greift zu den Methoden des Terrors und der blutigen Unterdrückung, um den Widerstand der hungernden, verzweifelnden Massen gegen dieses grausame Ausbeuterregime zu ersticken. Sie wollten uns zerschmettern! Sie weiten uns ganz einfach verbieten und aus der Welt lügen. Zwar können sie einige Kämpfer niederschlagen und, in ihre Zuchthäuser werfen, ermorden oder in den Konzentrationslagern zugrunde richten, aber niemals werden sie aus den Hirnen und Herzen der Arbeiter, der Millionen Proletarier der Stirn und der Faust die Idee des Kommunismus austilgen. Wir leben und bereiten den Tag der revolutionären Abrechnung mit den Betrügern und Henkern vot! Keine Schandtat wird ihnen vergessen sein! Es wird ihnen nicht vergessen sein, daß sie unseren tapferen Genossen Ernst Ivens, den Führer der roten Studentengruppe, der seit mehr als neun Monaten unschuldig in Untersuchungshaft sitzt, mit Hundepeitschen mißhandelt haben, um ihm Geständnisse zu erpressen. Aber unser tapferer Genosse hielt stand! Kein Wort kam über seine Lippen! Der Hauptprügelheld war der SS.-Führer Neidhammel, der Abscheu und Verachtung jedes anständigen Menschen verdient.. Das Leben Ernst Ivens ist in Gefahr! Schickt massenweise Protestbriefe an die Staatsanwaltschaft und den Untersuchungsrichter! Fordert überall die Freilassung unseres unschuldigen Kameraden! Der rote Studentenbund.“ Carola schrieb schnell und sicher. Vorsichtig spannte sie den Bogen aus, gab ihn dem Bruder. Sie stand auf, setzte sich gleich wieder, trommelte nervös mit den Fingern auf die Tischplatte und sah den Freunden zu, die den Rotaprint gesäubert hatten', und sich die Finger' an einem schmierigen Lappen abputzten. Sie waren beide gleichgroß, hatten dunkles, fast schwarzes Haar und ernste gleichmäßige Gesichtszüge. Sie sahen sich beinahe ähnlich. Walter HertKt hatte den Wachsbergen- durchgelesen. Er reichte ihn den Genossen. Sie spannten ihn auf die Gaze, drehten einige Male die Walze um, bis die Farbe gut eingesickert war. Dann machten sie die ersten Abzüge.■ Die Buchstaben waren sehr klar ausgeprägt. „Werden die speuzen“ sagte Walter. Carola legte die Bogen auseinander, damit sie besser trocknen konnten. In drei'Stunden waren sie mit der Arbeit fertig. Der Wachsbögen wurde sofort verbrannt. Sie säuberten den Verviefältiger. Dann hingen sie das Jesusbild ab und schoben den Dublikator in eine dahinter befindliche Nische. Die Schreibmaschine stellten sie dazu. Sie verpackten die Flugblätter. Carola füllte ihre Aktentasche und ging., Die anderen erwarteten den Kurier, der die Flugblätterpakete abholen sollte. Sie konnten sie nicht selber fortbringen; sie waren zu bekannt. Sie durften sich nicht auf der Straße sehen lassen.> Carola schritt tüchtig aus. Sie war schlank und ihr Gang federnd.« SMwcck Cut deutsch-jüdisches Stoahocdat? Der Präsident 1 der Reichsschrifttumskammer Hans Friedrich BTu n c k veröffentlicht im Dezember-Heft der„Europäischen Revue“ eine„Rede an die Jugend der Westländer“. Ueber die Judenfrage werden darin von Blünck Ausführungen gegen die Einwendungen gemacht, die das Ausland zu dieser Frage gegen das neue Deutschland erhebt. Es wird der Einfluß der Juden im Deutschland vor 1933 in sehr übertriebener Weise geschildert und weiter ausgeführt: „Unsere Emigranten, die noch vor Jahresfrist Krieg gegen Deutschland oder zumindest unsere Entwaffnung verlangten, die mit ihren Zeitungen die Parlamente unserer Nachbarländer überschwemmten, die das junge Deutschland überhaupt nur von draußen sahen und deshalb an ihm vorüberleben— genau wie die Emigranten der französischen Revolution, sollten endlich Rücksicht nehmen auf die Lage jener vier Füyfjel der jüdischen Bevölkerung, die hier in Deutschland verblieben. Die Bestrebungen gerade des deutschen Schrifttums, zwischen der im Reich verbliebenen jüdi- schen Bevölkerung und der Regierung ein Konkordat zu erzielen, werden immer wieder im entscheidenden Augenblick durch Eingriffe aus dem Ausland verhindert.“ Hierzu bemerkt die„Jüdische Rundschau“, daß die deutschen Juden über diese Bestrebungen des deutschen Schrifttums bisher noch nicht unterrichtet waren.„In der Tat dürfte es eine wichtige Aufgabe der Kreise sein, die das geistige Deutschland repräsentieren, zur Judenfrage in einem positiven Sinne Stellung zu nehmen,,da auf die Dauer eine Lösung dieses Problems nicht nur für uns Juden, sondern auch im Interesse der Entwicklung der deutschen Gesamtheit erforderlich ist.“ Dabei gelte es, so meint die„Jüdische Rundschau“, Mißverständnisse und irrige Vorstellungen zu beseitigen, was auch aus den angeführten Worten Blundcc hervorgeht, dessen Meinung über die Rolle der deutschem Von irgend einem Glockenturm schlug es sieben. Sie mußte sich beeilen. Die Menschen wogten über die Hauptstraße. Das war der richtige Augenblick. Vor dem Woolworth-Warenhaus blieb Carola stehen. Am seitlichen Treppenaufgang war ein Emailschild angebracht: Dr. med. Stahl Zahnarzt, 3 Stock Sie stieg bis ins vierte Stockwerk hinauf. Hier wohnte niemand. Sie öffnete das Fenster und blickte hinunter auf die Straße. Der Wind pfiff ihr über die Ohren. Ein rauher, eiskalter Wind. Die braunen Haare fielen ihr ins Gesicht. Sie strich sie zurück. Ihre Lippen glühten. Sie atmete hastig. Sie horchte einen Augenblick, ob niemand die Treppe hinauf käme. Nichts regte sich. Sie öffnete entschlossen die Tasche, warf die Flugblätter steil in die Luft. Schloß die Tasche, eilte ins dritte Stockwerk. Die Türe war geöffnet. Sie ging geradewegs ins Wartezimmer. Viele Patienten saßen da. Sie blickten Carola mißmutig an. Sie setzte sich, nahm den„Völkischen Beobachter“ und begann zu lesen. Jetzt erst hörte sie ihren Herzschlag. Sie dachte einen Augenblick an die Freunde. Sie wußte, daß die Straße schon abgesperrt war. Die Türe ging auf. Ein SA.-Mann trat. ein. Er hatte ein geschwollenes Gesicht. Carola wußte, daß er ein Patient war. Hinter ihm kamen noch eine ältere Frau, die einen Wattebausch an die Backe gepreßt hielt und leise wimmerte, ein Herr mit einem Spitzbart und ein Sportlehrer den Carola kannte. Dann wurde die Tür plötzlich aufgerissen. „Schweinhunde! Saubande!“ „Was fällt Ihnen ein, Mann?“ fragte der Herr im Spitzbart. Ich bin Vorsitzender des Kriegervereins Hassia.“. „Schnauze“, brüllte der SS.-Mann.„Die Saukerle haben Flugblätter hier, herunter geworfen.“ Hinter ihm kamen noch etwa acht SA.-Leute mit schußfertigen Pistolen in der Hand. Die Frau mit dem Wattebausch schrie auf. Der bebrillte Zahnarzt erschien im Türrahmen und sagte: „Meine Herren, ein Mißverständnis, ein Mißverständnis! Was ist denn vorgefallen?“ Drinnen im Zimmer stöhnte ein Patient. Der SS.-Mann war nicht zu beruhigen.„Saukerle! Schweinebande! Hunde! Wer hat hier die Flugzettel heruntergeworfen?“ „Aber verzeihen Sie bitte“, wagte der Zahnarzt zu sagen. „Ich bin Arier.-Von diesem Fenster aus kann man ja nur in den Hof sehen. Sehen Sie doch selber!“ Der.SS.-Mann überzeugte sich davon. Dann drehte er sich um, blickte den Arzt aus kleinen hinterlistigen Augen durchdringend an und ging mit seinen Kumpanen davon. Der Mann vom Kriegerverein sagte, er würde dieses ungeschliffene Verhalten dem Führer melden. Carola freute sich. Sie wartete noch eine halbe Stunde. Dann ging sie. Noch mindestens acht Patienten kamen vor ihr. Die Menschen wogten immer noch über die Straßen. Der Polizeioffizier, an dem Carola vorbeiging, sagte zu einem Spitzel:„Die Kommune hat doch Courage! Das muß man den Kerlen lassen.“ Sie fühlte eine tiefe Genugtuung. Sie wußte, daß da» Flugblatt seine Wirkung nicht verfehlte. Sie war zufrieden. Aus dem im Februar im Offensiv-Verlag(London-Paris- Amsterdam erscheinenden Roman:„Der Ausweg“, Roman aus dem deutschen Bürgerkrieg 1934-35 von Paul Scholl. Juden im deutschen Geistes- und Wirtschaftsleben allerdings einseitig orientiert erscheine. * Die„Jüdische Rundschau“ erscheint im„dritten Reich“. Sie drückt sich darum sehr zart aus. Um so deutlicher können wir werden. Dieser Herr Präsident Blunck hat sich früher um die Gunst jüdischer Verleger und jüdischer Schriftsteller, deren Geist er nicht emsig genug rühmen konnte, gerissen. In Hamburg war er Gast m jüdischen Häusern— genau so, wie er sich mit Vorliebe von den sozialdemokratischen Mitgliedern des hamburgischen Senats protegieren ließ. Unter seinen früheren Freunden befinden sich Leute, die emigrieren mußten. Er hat nie mehr ein Wort für sie gehabt und hat nie seine Stimme erhoben zugunsten verhafteter und gemarterter Kollegen, Knecht des„dritten Reiches“, dessen Gladiatoren er vor der Machtergreifung verachtete und verhöhnte. Das heutige deutsche Schrifttum, die Blubo-Autoren und ihr Anhang, haben diesen Präsidenten redlich verdient. „Stlul uüfße&eciqcc Stüidec“ in Tiflis Das Jugendtheater in Tiflis hat einen Kinderklub errichtet, in dem Kinder auf Fragen, für die sie Interesse haben, Antwort erhalten können. Fachleute und Lehrer geben den Kindern im Klub Auskunft über alle Wissensgebiete, vor allem Geschichte, Geografie, Technik usw. Ausstellungen über aktuelle Fragen werden im Klub organisiert, dem auch ein Spielzimmer für belehrende Unterhaltung(Rätsel, mathematische Scherzaufgaben, unterhaltende Aufgaben aus Cheiuie und Technik) auceschlossen ist. Seift Stampf Heil dem Mann, der in der Opposition steht! Halb Rußland wollt 1 ich für Deutschland haben. Wehe dem, der an die Macht gerät! Nun muß ich sogar das Elsaß begraben.■ Mein Sohn, bleibe stets in der Opposition! Da kannst du den Wählern den Himmel versprechen. Kaum war ich am Ruder, da mußt 1 ich schon alles(außer der Zinsknechtschaft) brechen. Einst schien ich ein Löwe— heut schein ich ein Lamm (und bin nur immer der Hitler geblieben). Erinnert mich nicht an mein altes Programm— das war eben nur für damals geschrieben. Den Frieden will ich für alle^eit— zumindest für tausend Jahre— verkünden. (Und er denkt für sich: Dies sage ich heut). Was ich morgen tu— wird sich schon finden. Iwan Heilbert. 1Deutsche Cehcec im Stampf gegen nationale Verhetzung Natürlich nicht im„dritten Reich“ oder gar im Saarge« biet. Die Reichsvereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer der Tschechoslowakei hat einen Aufruf an die sudetendeutsche Lehrerschaft erlassen, in dem sie unter Hinweis auf die Vernichtung der freien Schule und der Lehrerrechte in den faschistischen Ländern zur Abwehr der faschistischen Bestrebungen, in gemeinsamer Front mit den tschechischen Lehrern auffordert.„Die Völkerverständigung ist in der Tschechoslowakei die Voraussetzung für den Sieg über den Faschismus. Wie der Faschismus den Untergang des Sudentendeutschtums bedeutet, so ist die Völkerversöhnung der einzige Weg zur Sicherung der sudetendeutschen Schule.“ Im Dienst dieser Arbeit steht eine pädagogische Woche, die in der Osterwoche(14.—19. April) in Teplitz- Schönau dem Gegenstand Schule und Völkerversöhnung gewidmet sein wird. Dort werden behandeln: 1. Außenminister Dr. B e n e s c h: Die kulturellen Aufgaben der Deutschen und Tschechen. 2; Minister für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch(Vorsitzender der deutschen sozialdemokratischen Partei): Wie kann der sudetendeutsche Lehrer für die Völkerverständigung wirken? 3. Universitäts- Professor Dr. Radi: Wie soll die Demokratie nationale Konflikte lösen?, 4. Professor Dr. Kleinberg: Wie betreibe ich in Geschichte und Muttersprache Völkerversöhnung? 5 Dozent.Dr. P r i k o d a: Der Gedanke der Völkerversöhnung in den neuen Lehrplänen. Es ist ein guter Gedanke, gegenüber oer nationalistischen Fanatisierung,' wie sie von den Faschisten'beider Völker planmäßig betrieben wird, den solidarischen Widerstand der deutschen und der tschechischen Demokratie einzusetzen. Vor allem der Lehrerschaft, die in erster Linie als Kulturvermittlerin zur völkerversöhnenden Arbeit berufen ist, und die sich doch so oft zur Schleppträgerin der eigensüchtig-gehässigen Verhetzungspolitik machen läßt, gilt es zu zeigen, was für sie und die Schule auf deni Spiele steht, ihre Kraft als Trägerin der Erziehung gegen rohe Unterdrückung und blutige Zerfleischung lebendig zu machen. Gelingt es, der gewissenlosen Politik der Chauvinisten hier einen unüber- steiglichen Damm zu setzen, so ist die wichtigste Arbeit für die Rettung und den Ausbau der Kultur geleistet. Auch für das Saargebiet, wo es zwar nur eine Nation, aber'innerhalb dieser eine um so schlimmere nationalistische Verhetzung gibt, würde sich eine solche Veranstaltung sehr empfehlen. Zschätzsch gibt Bekenntnis Endlich die„tieferen Zusammenhänge“ Karl GeorgZsehaetzsch hat trotz seiner verdächtig zahlreichen Konsonanten einige Bücher geschrieben, die „Herkunft und Geschichte des arischen Stammes“ mit einem Bericht über„25 000 Jahre arischer Geschichte“ klarlegen, „Uralte Sippen- und Familiennamen“ erläutern, die„zum Teil ein Alter von annähernd 16 000 Jahren“ haben, und endlich das„Geheimnis über die Herkunft der Germanen“ entschleiern, welche danach aus Atlantis stammen, wobei „der Sintbrant und die Sintflut“ ihre definitive Aufklärung finden. Auch wenn man die Bücher nicht selbst liest, bietet schon die Sammlung begeisterter Pressestimmen aus dem „Ari-Gau“ eine Quelle des Vergnügens. So schreibt die „Breslauer Hochschul-Rundschau“, daß es dem Verfasser gelungen sei, das Wesen und Werden des arischen Stammes „von seines Urda Bronnen Rannen an entstehen und verstehen zu lassen“—(besonders entstehen!). — Im„Schwäbischen Schulanzeiger“ Augsburg heißt es:„Der Leser wird mit Staunen auf Zusammenhänge aufmerksam gemacht—(wer staunt da eigentlich? Schulzeitungen sollten doch besseres Deutsch von sich geben)— über die er tagtäglich hinwegstolpert“. Und die„Deutsche Sparer-Zeitung“ Berlin—(Sachen gibt es!)— meint gar, daß, wer sich nicht„am Leitseil der Verdummung durchs Leben schleppen lassen will“, sich bei Zschaetzsch Erkenntnis verschaffen soll. Jä, dagegen kämpfen Götter selbst vergebens. 2)as Zeichen Der Staatsrat Henningsen, Hamburg, stellvertretender Gauleiter der NSDAP., hat, laut„Frankfurter Zeitung“ kürzlich erklärt:„Wenn es heute noch Deutsche gibt, die lieber „Guten Morgen“ statt„Heil Hitler“ sagen, dann soll man sich darüber nicht aufregen, doch sind diese Leute nicht fähig', Beamte zu sein.“— Die Prüfung zur Beamtenbefähigung kann demnach außerordentlich vereinfacht werden!