Nr. 10— 3. Jahrgang I Saarbrücken, Samstag, 12. Januar 1935| Chefredakteur: M. Braun OcigutaLdokument aus dem JiauzeuUatumsLag.ee. £auen&ucg Seite 7 Sturmtage an der Saar! Auflehnung gegen die Autorität des Völkerbundes— Einseitiges Vorgehen der Polizei Die„deutsche krönt" aut den blutigen Spuren des März 1933 Höchste Alarmstufe Am Saargcbict versucht die„deutsche Front" mit allen Mitteln einer riesenhaften aus Reichsmittelu gespeisten Propaganda und mit öffentlich geübtem Terror eine Stim- r»ung zu erzeugen, die der in Deutschland Ansang März 1983 gleicht. Hunderte, vielleicht tansende ausgesuchte, als Radaumacher uud Schläger gedrillte SS.-Leute find illegal in das Saargebiet eingerückt. Ihre Gestalten und Bisagen find überall fichtbar. Rur die gutwilligen, gegenüber dem deutschen Nationalsozialismus noch immer ahnungslpsen ausländischen Sicherheitsorgane vermögen sic nicht zu erkennen. Seit Tage« veranstalten erfahrene Spezialisten des Putschismus, deren fachmännische Eignung für„Umsturz" noch jüngst der RcichSminister Dr. Goebbels in mehreren Reden gerühmt hat,„spontane" Ausbrüche der Volksseele. Am Hauptbahnhof und an den belebtesten Ecken der Hauptstadt Saarbrücken bilden sich Dcmonstratioue« und Umzüge..Der stille Be- pbachter sieht, wie immer dieselben berufSmästigen Schreier iu Hoch- und Riederrufeausbrechcn, das durch diese Gesellen entweihte Deutschlandlied und den Horft-Weffel-Zuhältersang auftimmen. Aunge Burschen und Mädels, die sich beschästi, gungSlos und neugierig auf den Straße» hernmtreibeu, eilen herzu. Die HLude fliegen zum Hitlergruß hoch, die meisten Pasianten fügen sich dem Terror und schreie« und finge» mit. Die Geschäftsleute und ihr Personal eilen vor die Ladeutüren, um nicht iu den Verdacht zu kommen, fie seien„deutschfeindlich". Der Zug, pardo«„SA. marschiert" «nter Siegheil aus Hitler und den 18. Aanuar und mit Riederrufe auf die politische Gegner.„Man Braun" vor allem, und Radaulustige schließen sich zu hunderten und tansende« an. „Oie Straße frei... Aber Demonstrationen find doch verboten? So meinen ahnungslose Gemüter ans irgendwelchen Rechtsstaaten mit starker Regierungsantorität. Ah, schon zeigen sich die braunen Uniformen unseres prächtigen und pflichttreuen saarländischen Laudjäaerkorps. Hoch z« Rost trabt es heran und wird der Bcrördnung der RegierungskomMission Geltung verschaffen. Stiebt nun die Menge vor Rost und Reiter auseinander? Werden die Straße und die Bürgersteige gesäubert werden sür den friedlichen Verkehr? Was geschieht? Die Begeisterung und die Gesäuge verdoppeln sich. Die Demoustranten jubeln„ihrer" Polizei zu, und diese nimmt hoch zu Roß die Huldigung mit strahlenden Gesichtern entgegen. Richt, als ob wir den braven Beamten Unrecht tun wollten. Sie sorgen sür Ordnung. Korrekt, wie sic es auf- fasien, reiten fie neben den Demonstranten her, damit keinem waS geschieht nnd nicht etwa durch Gegenkundgebungen gestört werde. Auch wird so verhütet, daß jemand nnter ein Auto gerät. So spielt sich denn alles unter polizeilicher Bewachung tadellos ab. Rur daß eben die Demonstrationen verboten find. Aber wer kann alle Gesetze immer im Gedächtnis hoben? Wie einst im März Sieht die Regierungskommisston nicht, was hier vorgeht? Hat sie keine Berater, die fie über die Methoden des deutschen Nationalsozialismus ausklären können? Weiß niemand in dieser hohen internationalen Behörde, wie iu» Reiche die „Machtergreifung"«nd die sogenannte„Revolution" vorbereitet, wie die letzten Wahlen zum Deutschen Reichstag im März 1938 gemacht worden sind? Genau so, wie die Abstimmung im Saargebiet in der Preffe und aus den Straßen betrieben wird. Durch Maffenauszüge »nd Mafienterror einer einzigen Richtung soll die Psychose hervorgerusen werden, daß es„zu Ende" und jeder Widerstand nutzlos ist: "Die Straße frei den braunen Bataillonen..." Seht doch, Bürger und Arbeiter: alles ist sür«ns! Die Polizei marschiert mit s. S-e oeht nur nnch--cacn!„Knmmnue, vort Hütet euch, noch gegen uns auszntretcn oder gar gegen uns zu stimmen. Morgen find wir die alleinigen Herren und übe« die Rache, die Ihr von drüben her genügend kennt! Das„dritte Reich" ist da. Auch im Saargebiet! Die Abstim, «ung ist ja nur eine Farce. Die Regierungskommih'ivn fügt sich dem Unvermeidlichen. Die Truppen bleiben in ihre« Kasernen. Roch zwei Tage,«nd aus alle« Straßen wehen unsere Siegesfahne«. Wehe dem, der nicht mit«ns ist! Das und das allein ist der Zweck dieser össentlich und nnter vollem Versagen der Exekutive an!a--ocitschten Stim- mungswogc! Oie Terroroffensive Dazu kommt eine Terrorofsensive gegen die Ballssront and die oppositionellen Katholiken. Ebenfalls genau nach der Art des Februar und des März 1988. Die Werbearbeit der Freunde des Status gno soll mit Gewalt lahmgclegt werden. Die Ausstellung der durch eine Anordnung der Regierungskommission zugclaffenen Plakattaseln wird an vielen Stellen entweder durch Schikanen lokaler Behörden oder durch gewalttätige Drohungen verhindert. Wo fie dennoch erfolgt, find die Tadeln der Vernichtung durch Terrorkolonnen ausgesetzt. Man reißt die Plakattaseln nieder. Es ist vorgekom» men, daß Lastwagen der„deutschen Front" von Ort zu Ort fuhren, die Balken der Plakattaseln dnrchlägten und mit dem Werbematcrial davonsuhren. Wir kennen Dörfer, in denen die Anhänger der Volksfront oder oppositionelle Katholiken, die sich össentlich bekennen, nach Eintritt der Dunkelheit ihre Wohnung nicht mehr verlaßen können. Nicht als ob die Mehrheit der Bevölkerung diese tapferen und un, eigennützige,» Kämpfer ablehnte. Aber in jedem Orte ist eine einheimische oder fremde Schlägertruppe mobil. Gruppe« unserer Flugblatt- und Zeitnngsverteiler müßen«nter Sicherungen, wie Trnppen in feindlichem Land, in die Dörfer und kleinen Städte einrücken. Es ist in zahlreichen Orten nicht möglich, das Aufklärungsmaterial an die Abstimmungsberechtigten heranznbringen Haben Verteiler der Volksfront in einem Hause Flugschristen«nd Zeitungen abgegeben, so betritt gleich darauf ein Trupp-SA.«nd SS. das Haus, um die Bewohner zur Auslieferung der Drucksachen auszusordern, und man fügt fich, weil man die Terroristen und ihre mächtige Regierung in Berlin fürchtet. Die Regierungskommiffion in Saarbrücken? Wir untersuchen hier nicht und klagen sie nicht an, aber die Tatsache besteht, daß sich die Bevölkerung durch die Regierungskommission und deren Polizeiorgane nicht geschützt fühlt. Wenn Reaustragte der Regie» rnngskommisfion ans dem Lande fich umhören, werden fie zahllose Leute finden, die eine Erhöhung der öffentlichen Sicherheit in der Entwaffnung der Polizei und der Landjäger erblicken»vürden. Traurig und beschämend für Deutsche, es sagen zu müßen: bei weitem nicht nur Anhänger der Volksfront fragen sich, warum nicht endlich der öffentliche Sicherheitsdienst in Stadt und Land den fremden Truppen übertrage« nnd die gleichgeschaltete« Pols» zeikrästc zurückgezogen werden, die nm ihr« Stellung und um ihre Zukunft zittern, je näher die Entscheidung herankommt. Entweder— Oder! Die Volksfront hat gestern der ausländischen Presse eine« Zeitungsverteiler, der am hellen Tage auf offener Straße in Saarbrücken niedergeschlagen worden ist, vorgeftellt. Die Weltpreße sah eines der vielen Opfer des Hitlerbeutscheu Nationalsozialismus vor fich, die ganze Bestialität dieser Barbarei. Ein anderer der Mißhandelten hat einstweilen infolge des Nervenschocks«nter den Schlägen und Fußtritte« die Sprache verloren. Solche Noheitsakte werden sich binnen wenigen Tage« zu Hunderten ereignen, wenn nicht endlich eine starke und wirklich unparteiische Exekutive auftritt und sich durchsetzt. Die Volksfront hat gestern aller Welt sagen laßen, daß sie sich an die Verordnung der Regierungskommission, die öffentliche Umzüge nnd den feierlichen Empfang der aus der Fremde kommenden Abstimmungsberechtigten verbietet, nicht mehr gebunden fühlt, wenn gegen die Straßenkundgebungen der„deutschen Front" nicht eingeschritten wird. Zugleich müßen die Mitglieder der Volksfront znrNotwebr gegen die Terroristen übergehen» wenn die Polizei nicht für ausreichenden Schutz sorgen kann. lFortsehung siehe nächste Sette kl vie Verhandlungen mit den Saarbeantien gesdic(er?» In Wiesbaden wurden zwilchen den Vertretern der saarländische« Beamtenschaft mit Minister Loßman« au der Spitze Verhandlungen mit Vertretern der Reichs» regierung geführt. Zweck der Verhandlung war, eine Eini» gung über die Reglung der Rechte der saarländisihen Beamten im Fall« der Rückgliederung herbeizusühren. Zur größten Ueberraschun« der Vertreter der saarländischen Beamtenschaft habe« die Vertreter der Reichsregiernna die Forderungen der saarländischen Beamten nicht akzeptiert und die Verhandlungen sind somit ergebnislos abgebrochen worden. Die Beamte» des Saargebiets haben die größte« Er» nmrtunge» aus die Rückgliederung nach Deutschland gesetzt. Ma« mußle anvehme«, daß die Reichsregierung gerne, wenigstens vorübergehend, ihnen Vorteile zngeschanzt hätte, um ihre Stimme« zu kaufen. Die trostlose Finanzlage des Reichs«nd die Furcht vor einer Rebellion der benachteiligten reichsdeutschen Beamte» mache das unmöglich. So mnßte fie kurz vor Toresschluß die Saarbeamte« enttäusche«. Es kommt nun darauf an, jeder Beamtensamilie das Er» gebnis von Wiesbaden zu sage«: Wer für die Rückgliederung stimmt, beraubt sich aller Rechte, unterwirft fich einem hochbezahlte« Parteiklüngel«nd Gehaltskürzungen find ihm sicher. Warum Status quo? Weil die Saar deutsch bleiben soll! Weil Recht und Wahrheit, Anstand und Ehre von der sich„deutsch" nennenden, in Wahrheit asiatischen Diktatur, täglich verleugnet und mit Füßen getreten werden, wie alle Welt weitz. Weil wir die Freiheit der Meinungsäußerung in gesetzlichen Grenzen, das kostbarste Gut eines Volkes und einzige Gewähr gegen Verbonzung und Der- lumpung des öffentlichen Wesens, wenigstens hier bewahren wollen, zu Nutzen des ganzen Deutschland. Weil wir keinen Zuchthaus st aat wollen, kerne Konzentrationslager, Erschießungen ohne Rechtsverfahren, noch dazu von bisherigen politischen„Freunden". Verfolgung aller Andersdenkenden, Vernichtung der Ge werkschaften zugunsten eines mittelalterlichen„Gefolg. schafts"systems in unsrer ganz anders gearteten Zeit. Weil wir nicht Steuern zahlen wollen einer Regierung, deren Kasse nur eine einzige große Parteikasse ist, in erster Linie für ihre Anhänger. Weil wir nrcht Stimmvieh sind für einen Reichstag ohne Rechte, dessen Mitglieder gegenüber den herrschenden Diktatoren auch nichts anderes sind, nicht zusammen kommen, nichts tun, den wachsenden Notschrei des Volkes nicht hören, noch hören dürfen, dafür aber ein Monatsgehalt von 600,— RM. erhalten! Weil wir nicht Kanonenfutter sein wollen, das eine verantrvortungslose, fieberhaft die Aufrüstung Deutschlands betreibende Regierung womöglich morgen in einen neuen Weltkrieg steckt. Weil wir freie Mäner sind und bleiben wollen und in Frieden mit den Angehörigen andrer Nationen leben Weil wir auch in unfern Frauen mehr sehen als Gebärmaschinen für Soldaten oder Brutapparate sür eine löge nannte„arische" Rasse. Weil wir unsere Töchter nicht den bekannten Führ- nissen der Hitlerjugend und Arbeitslager aussetzqn wollen, weil uns ihre Ehre und Gesundheit heilig sind. Weil wir in unsre Jungen höhere Ideale pflanzen wollen als die. La usbudxn ideale des Indianers auf dem Krlflsdic Stunden in MartrSAci Murmtagc an der Saar Fortsetzung von Seite 1 Scharfe Absperrungen— Bis Mittag alles ruhig Am Freitagvormittag liefen ununterbrochen Züge mit Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche ein. Aber welch ei« verwandeltes Bild im nähere« und im wetteren Umkreis des Bahnhofs— im Gegensatz zu den letzten Tagen! Wir zählten mehr als 100 Landjäger zu Fuß und zu Pferde, die im Verein mit blauer Polizei überall streug pr Absperrmaßnahmen durchführte. Es gab Keine Ansammlungen mehr, keinen Gesang, kein Geschrei., Ruhig zogen die Ankommenden in losen Gruppen mit ihren Koffern und Päckchen vom.Bahichof zu ihren Lammelorten und Quartieren, lieber nacht- wurden sehr weitgehende Befehle von höchster.Stelle erteilt. die, soweit wir es bis in die Mittagsstunden hinein beobachte» konnten, überall mit Schärfe durchgeführt wurden. Nicht einmal die Angehörigen der Ankommenden wurden zum Bahnhof zugelallen. Aber merkwürdigerweise ließ die Polizei die teilweise in geschloffene« Kolonnen ausmarschierenden Lent« des sogenannte« Ordnungsdienstes der„deutschen Front- aufmarschiere«. Sie werden anscheinend von den Autoritäten des Saargebiets offiziell nnd feierlich als eine Art von Hilfspolizei anerkannt. Mit groben Tafel« standen sie i« den Rebenstraben, ans denen die Ankommende» angewiesen wurden, wohin ff« sich-« begebe« hätte«. Sie grüßten die uniformierte« Polizisten wie ihresgleichen. Ab zwei Uhr«erden die kZrdnnngslente der Einheitsfront ausmarschieren. Sie werden gewiß das gleiche Entgegenkommen bei der Polizei finde».,.. Jenseits der Sperre, aus der Bahnhofstraße vor allem, ging es freilich sehr lebhaft zu. Hier spürte..man die fiebernde Unruhe der Bevölkerung, Gruppe« von Schwarzmütze« bahnten stch ihren Weg. Aber niemand wagte eine Demonstration: teils aus, Respekt vor der von. fremden Offizieren befehligten Polizei, teils, wett fie spürten, daß die sehr zahlreich vertretene Einheitsfront sich keine Provokation mehr bieten lasten wollte. Ueber dem Brausen der Großstadt lag eine seltsame, von Spannungen geladene Unruhe... Kriegspfad— frei nach Karl May— und des Landsknechts. Weil wir Arbeitsmöglichkeiten und Brot behalten wollen, die im Reich täglich mehr schwinden, trotz der gegenteiligen Versicherung der bezahlten Agitatoren. Weil wir nicht Lumpen weichen wollen, die als alte Nazis ihren Arbeitsbrüdern die Plätze wegnekmen. Weil wir die Derlicherungs- und Vie übrige soziale Gesetzgebung nicht abbauen lassen wollen. Weil wir deutsche Kultur nicht vertauschen wollen gegen Barbarei, nicht die menschheitlichen Ideale der größten Deutschen verleugnen und verhöhnen lasten wollen. Weil wir die Gesinnungslosigkeit des amtlich patentierten„deutschen" Schrifttums soweit an uns von der Saar fernhalten wollen. Desgleichen jenes Antichristentum, das oer Kirchs des Menschenfreundes Jesus aufgenötigt werden soll. Weil wir von diesem letzten Stuck von der Gewaltherr, schäft verschonter deutscher Erde aus den Kampf um ganz Deutschland» Befreiung und Wiederherstellung seiner Ehre vor der Welt führen müssen und werden. Weil wir nicht Untertanen werden wollen derer, die wegen de» Reichstagsbrandes und ähnlicher, von ihnen befohlener-Verbrechen, statt zu Herrschen vor ein Volksgericht gehören. Mitbürgers Deutsche! Männer und Frauen der Arbeit! Laht euch nicht verwirren und in die Knechtschaft treiben von der„deutschen Front"! Werft die geistigen Fesseln .odl Zeigt, daß euch Volkstum mehr ut als die „Stimme des Blutes"! Sollen die Toten des Krieges für H i t l e r deutschland gefallen sein? Erhaltet Deutschland sich selbst, erhaltet es sich h i e r für eine schönere Zukunft! Laßt das„Nein" der..Saar zu der ihr heute vorgeschlagenen Rückgliederung millionenfach durch Deutschland rollen und ein Echo wecken! Dies unsre Losung: „Frei die Saar im freien Deutschland!" Deshalb und solange Status quo! Einer für viele. V'Snrense Volksbond-Kunddeirang In Saarbrücken-Burbach hat gestern die letzte öffentliche Versammlung des„Deutschen Volksbundes für christlich-soziale Gemeinschaft- stattgesunden. Die Anhänger der neuen katholischen Bewegung haben es stch nicht nehmen lassen, zur Versammlung zu eilen, um ihre Führer zü hören. Der Terror der„deutschen Front" hat es nicht verhindern können, daß an der Versammln«« über Stillt! Personen teilgenomme« hatten, die den Hauptredner Heinrich I m b u l ch stürmisch begrüßt haben. Obwohl Jmbusch von seinen Verwundungen noch nicht ganz geneken ist. entschloß er stch, ungeachtet des Aerzteverbotes, zu sprechen. Jmbusch rechnete mit den Nationalsozialisten aufs- schärfste ad. Er befaßte stch vor allem mit dem Begriff „Landesverrat" und erklärte, daß es gerade für die Nationalsozialisten nicht angebracht fei, Andersdenkende als Landesverräter zu bezeichnen, wo doch die Hitlerpartei in den vergangene« Jahren wiederholt Landesverrat betrieben hat. So erinnerte er beispielsweise an die Haltung der NSDAP, im Ruhrkampf im Jahre 1928, als die Nazis nicht- besseres zu tun hatten, alö der kämpfenden Reichsregierung mir dein M ü n ch e n e r P« t i ch treulos in den Rücken zu fallen. Jmbusch erinnerte auch a« die Laue«- burger Rebe Hitlers, der, obwohl er damals nicht einmal deutscher Staatsangehöriger war, es wagte, öffentlich zu sagen, baß die NSDAP, im Falle eines Konfliktes mit Polen zunächst die NeichSregieruna stürze« und damit einen Bürgerkrieg entfachen würbe. Zum Schluß seiner interestanten Ausführungen erklärt Jmbusch, daß am 18. Januar an der Saar der Grundstein zu einem neue« Deutschland gelegt werde, das wieder ein Deutschland der Freiheit, der Wahrheit und des Rechts sein würde Nach Jmbusch hielten Fritz Kuhnen und Johann Hoffmann mit größtem Beifall ausgenommene Ansprachen.. wobei Hoffman« die sensationelle Enthüllung machte, daß am"Tage vor der Abstimmung die Braunen mit einer gefälschten„Saar-Post" herauSkommen werden Der glänzende Verlauf der Versammlung zeigte, daß ein Teil der katholischen Bevölkerung des Saargebietes hinter dem„Volksbund- steht und gegen Hitler stimmen wird. Das Alibi der„deutschen Front“ Wie antwortet daraus die„deutsche Front"? Ihr stellvertretender Landesleiter Ni ermann erläßt Ausrufe, die in dem Jargon, de« jeder SA.- und SS.-Mann kennt, zu verstärkten Disziplinbrüche« und Terrorakten anssorder«. Die„deutsche Front-«nd ihr Rietmann wollen stch nur ein Alibi verschaffen. Mit keinem Wort«erde« die Demonstranten und Terroristen der„deutschen Front- gerügt. Zwar kann man an» gefichts der Fälle von Tatsachen nicht mehr ableugnen, wie es noch bis vor einigen Tagen geschehen ist, daß im Saargebiet der Terror gegen die Volksfront wütet. Also ergänzt man den Terror durch verlogene, lagen wir deutlich: schuftige Aufrufe, wie wir ste ans den Februar- und Märztagen des Jahres 1988 zu hunderten aus Deutschland kennen. Vom Minister bis zum letzte« Amtswalter wurden fie damals erlaffeu: „Provokateure find am Werk," hieß eS damals wie jetzt, bolschewistischer Ausstand droht— Kommunisten nnd Sozialdemokraten haben de« Reichstag iu Brand gesteckt als Fanal des Aufstandes— Verkleidete Kommunisten zerstören die Wohnungen«nd mißhandeln Marriften— Provokateure schänden unsere große deutsche Revolution-, und wie sonst noch die Herren Goebebls, Göring nnd Konsorten damals logen. Die SA. und die SS.»erstand: wir habe« unser Alibi! Wir können foltern, stehle», rauben, plündern, brennen, schänden, morde«. Unsere Regierung «nd unsere Partei! üdrung beschuldigt nicht uns, sondern die Kommunisten»nd Sozialdemokraten. Aus die aebt die Hatz,«nd wir werden unter allen Um ständen für alle Taten in Schutz genommen. Hinterher kommt aus alle Fälle die Amnestie. Keinem von«ns wird ei« Haar gekrümmt. Siras» frei los ans die marxistischen„Untermenschen"! Van der Lubbe und verkleidete„Marxisten“ So, ans das Signal von oben„Provokateure am Werk", ging die blutige Terrorwelle im Vorfrühling 1888 über Deutschland hinweg. Aus dem Schlachtseld blieben hunderttausendfach die Zerstörungen«nd die verwuudeteu nnd getöteten Opfer"— von verkleideten Marxisten." Und alle, alle Razibanditeu wurden amnestiert. Ihre blutenden Opfer wurden in die Gesängniffe geworfen, ihre Frauen«nd Kinder um Geld und Gut bestohlen uud verjagt. Die schuldigen Aandite» gingen nicht nur straflos ans, sie kamen in hohe Staatsstellen, wurden Polizeichess. Landräte, Regierungs-»nd Oberpräfidente«, um von noch höheren Staatsämter» aus naheliegendeu Gründen zu schweigen. DaS wisicn die Kreisleiter, Ortsgruppenleiter, Sektionsleiter, Zellenwarte«nd Blockwarte, das weiß ihre SA. und ihre LS. auch im Saargebiet. Sie kennt den Nietmanu und »ersteht seine Ausruse z« leien, wie fie den Göring uud den Goebebls kennt nnd deren Parolen geaen die„Kommune". Die neuesten Ausrufe der„deutschen Front" bedeute« klar «nd eiudeuii«: Draul mit Terror auf die„Untermenkchen"! Gebt uns mit Gewalttaten die Möglichkeit, di» Volksfront, die Sozialdemokraten»nd die Kommunisten zu beschuldigen. Zerstört ihre Einrichtungen. Wir werden schwören, daß es bolschewistische Provoka- tiousftücke waren. Mißhandelt die marxisti, scheu FnnktionLre» wir werdej, die Hand zum Schwurs dafür heben, daß s'ie von ihren eigenen empörten Anhängern niedergeschlagen worden sind. Sage« da ahnungslose Ausländer, wir übertrieben? Mißtraut die Regierung»» und die Abstimmungskommisfion diesen schweren Anklage« gegen die„deutsche Front"? Hat man sch"i vergeffen, wie die Nietmanu»nd Kumnanei, ihre Preffe «nd der hitlerdeutsche Rundfunk über den. Mo r d a«schlag aus Jmbusch berichteten?:„Aus ihre Führer er b i tterte Ststus»auo-R n hLnger haben die Jmbusch-Versammlung aesprengt und den katholischen Arbeiterführer blutig ge- schlage u." Regierungsautorität oder Rollkommandos? Der stellvertretende Landesleiter der„deutschen Frontverlangt, daß seine Anordnungen zur Kenntnis aller Mitglieder der„deutschen Front" gelangen und auch strikte beobachtet w—den. Das wird geschehen. Die philiströse« und spießbürgerlichen Elemente der„deutschen Front", alle, die an Gut«nd Ansehen etwas zu verlieren haben, alle honorigen Mitglieder werden fich zurückhalten. Daiür wird den importierte« und den einheimischen Rollkommandos die Bahn sreigegeben. Der hitlerdeutsche Terror-Ausruf ist. da..Der Wille, vollzogene Tatsachen zu schaffen, ist sichtbar. Die Rachezüge und die„Volksjufttz" gegen marxistische Funktionäre find proklamiert. Das Saargebiet steht vor der Gefahr blutiger Exekutionen Höchste Alarmstufe ist kür die Volksfron, geboten! In Stunden muß sich entscheiden, ob der Völkerbund vor dem nationalsozialistischen Teror«nd seiner Regierung in Berlin kapituliere« oder, im cketzteu Augenblick eine Regierungsautorität im Saargebiet aukrichten will, die auch den Nationalsozialisten imponiert, und die fürchte« nur die überlegene, harte Gewalt.-*•" Das stidiwori Verleugnet eure Mitgliedschaft der„deutschen Front“ Durch den deutschen Rundfunk wurden am Donnerstagabend 18 Gebote für abstimmungsberechtigte Mitglieder der„deutschen Front" bekanntgegeben. Im 8. Gebot heißt es:„Laß auch Deine Mitgliedskarte der„deutschen Front" zu Hause!" Da- ist die volle Bestätigung unserer Auslegung des Nietmannschen Terror-Aufrufes'. Keiner, der sich an Demonstrationen und Gewalttätigketten beteiligt, soll als Mitglied der„deutschen Frpnt" erkannt werden. Man will ihn als„Provokateur", als Marxisten öffentlich abschütteln können, um ihm hinter de« Kulisse« um so dankbarer zu sein. Tie Auszeichnung und Beförderung wird später folgen. Hitler Serien das Saargebiet Das Reith lehnt sie ni{w:rl(ung in Den! ab Berlin, den 11. Januar 1085. Halbamtlich wird gemeldet: Der englische Botschafter Sir Eric Phipps hat heute de« Reichsmiuifter des Auswärtigen, Freiherr v. Neurath, aufgesucht«nd angeregt, daß Deutschland als. Ratsmitglied au der bevorstehenden außerordentlichen Ratstagung des Bölkerbuudes teilnehme, aus der die Entschließungen über das Saargebiet auf Grund der Er, gebniffe der Abstimmung gefaßt werde» sollen. Der Reichsminister hat den Botschafter wiffe» lallen, daß die Reichsregiernug, nachdem fie ihre« Austritt aus dem Völkerbund erklärt Hal«, sich aus gruudsLtzliche« Erwägungen nicht in der Lage sähe, dieser Anregung Folge zu geben. Gleichzeitig wurde der englische Botschafter darauf hingewiesen, daß Nachrichten hier»orlägen, wonach die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Saargebiets erst in einer späteren Ratstagung erfolgen sollte, daß aber«ach Auffassung der Reichsregiernug ernste Be- denke» dagegen bestünde«, die Entscheidung über das Schicksal des Saargebiets hiuauszuzvgern, da es insbesondere sür die saarländische Wirtschaft schwerwiegende Schädigungen mit fich brächte, wenn der««gesunde Zwischeuzuftand mit all seinen Unficherheitsfaktoreu über das Maß des dringend Notwendigen hinaus verlängert würde. Hitlerbeütschland stellt also seine Prestige- und Rüstungspolitik über die Interesse« des Saargebietes. Es lehnt brüsk die Mitwirkung im BölkerbundSrat ab, obwohl cs nach den Satzungen trotz seiner Austrittserklärung dem Völkerbund noch bis Ende dieses Jahres angehört Ueber das Schicksal der Saar wird also nach der Abstimmung ohne Mitwirkung Hitlerbeütschland» entschieden«erden. Tas Saarvolk mntz daraus die Folgerung ziehen: Hitlerdentsch» land gibt«ns preis! Stimme« wir für Status quo! Sichern wir dadurch Freiheit und Wohlfahrl^des Saargebiets, bis im Reiche wieder eine Regierung besteht, die aus Deutschland einen Rechtsstaat macht und ihn auch völkerrechtlich in die Reihe der Zivilisation zurückführt. In. die hitlerdeutsche Politik paßt ganz die Forderung an den Völkerbund zu überstürzten Beschlüssen und die Dro- hnng mit den„Unstcherheitssaktoren" im Saargebiet. Wen» der Reichsregierung um eine baldige Erledigung der Saar« frage zu tun wäre«, müßte sie kn Gens Mitarbeiten. Sie zieht es aber vor, ihre„UnsicherheitSsaktoren" an der Saar wirken zu laffen. Wie zu erwarten war Die Aufnahme in London London, den 11. Januar 1935. Die Demarche in Berlin ist int Einverständnis mit Paris «nd Nom erfolgt. Die Ablehnung Deutschlands hat in amtlichen Kreisen nur geringe Ueberraschung hervor- gerusen. Wenn es auch bedauerlich sei, so wird hier erklärt, daß Deutschland es nicht für nötig hält, an den Beratungen über^ das Saargebiet teilzunehmen, so sei es nichts defto- iveniger wünschenswert gewesen, daß England eine solche Demarche unternommen hat. Die Schuld an ihrem Miß- erlplg liege nicht bei der Londoner Regierung.; Man ist jedoch der Ansicht, daß dieser Mangel an Entgegenkommen weit davon entfernt- ist, die Wiederaufnahme der AbrüstungSverhandlungen zu erleichtern. An die ArbcUersDorner des Soargeblefs! Die SASJ. grüßt Euch und fordert Euch auf, noch bis iu die letzten Tage alles zu tun, um dem Gedanken des Status quo zu dienen. Der Standpunkt der Arbeitersportler des Saargebietes ist selbstverständlich schärfster Kampf gegen Hitler. Gebt-em Verräter seiner eigenen Partei, dem gewalttätigen Fronvogt der Deutschen, dem willfährigen Knecht Schachts und der deutschen Schwerindustrie bei der Abstimmung die gebührende Antwort. . Für eiu freies Deutschland jederzeit, nicht aber für das blutbefleckte Zuchthaus und die Kaserne des verbrecherische» Nationalsozialismus. Arbeiterspprtler der SASJ, bietet in den letzten Tagen »och alle- aus,, um den Verrat Hitlers an der deutichen Arbeiterklasse und am deutschen Volk« gebührend zu brand» marken. Frei sei die Saar, immerdar! Das bedeutet Einsetzen aller Kräfte für den Status quo. Zurück zu Deutschland erst dann, wenn die Mörder und Brandstifter, die. Vernichter der Freiste!» Deutschlands den wohlverdienten Lohn>ür ihre Schandtaten erhalten haben. Alles für die F-reihrit des Saargebietes! Nieder mit dem verräterischen Hitlerregime; Paris Ober den Terror und die Lüden der Bronnen li.e Presse fragt warum der Völkerbund dazu schwelgt Erklärung! Au der Saar anwesende Oesterreich«. Anhäug« der Re, ssiuung Schuschnigg und des katholische« Ständestaates, Antimarristeu, Haden mit Verwunderung und Empörung in der„Saarbrücku Zeitung"»om 1«. Januar den Ausrus »Oesterreichische Deutsche zur Saarabstimmuug" gelesen und erklären, daß diese Leute, die sich üb« die Rentralitäts. erklärung der öfterreichischeu Bundesregierung in Sachen des Saarkampfes hiuweggesetzt und zur Stütze des schärfsten Gegners österreichischer Kultur das Wort ergriffen haben, kein Recht hadeu, im Rameu Oesterreichs zu sprechen. Wir bitte« Sie, in„Freiheit" und„Bolksstimme" diese «us«e Erklärung zu veröfseutliche«. Hard nai rau hoher Ihr S a us quo Denn das ist„der segensreiche Ausgang der Saarabstimmung“ München, 10. Jan. Sehnlich wie in den übrigen Bistümern Hai auch der Erzbischof von München, Kardinal Dr. Faulhaber, ein Hirtenwort zur Saarabstimmuug veröffentlicht, das sich inhaltich deckt mit der Kundgebung der Bischöfe der Niederrheinischen Kirchenprovinz. In der Kundgebung wird verordnet, daß am Abstimmungssonntag, dem 13. Januar, in allen Kirchen der Erzdiözese nach dem allgemeinen Gebet drei Vaterunser mit Ave Maria gebetet werden,„um eine» für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen". „Segensreicher AuSgang" ist für den Katholizismus natürlich nur: Los von der neuheidnischen Kulturdiktaturl Maricdirn hclmgckchrt! Hat nun die arme Seele Ruh? Der„Frankfurter Zeitung" entnehmen wir: Donnerstag mittag hielt die frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Frau Reese, die im Jahre 1032 zur Kommunistischen Partei übergetreten mar, über die Reichssender Frankfurt und Stuttgart für die Rückkehr der Saar zum Reich eine Ansprache. Der Bortrag wurde abends auf den gleichen Sendern wiederholt. * Mariecheu Reese ist ein sehr vielseitiges Dämchen. Eine Art„Wanderpreis". Erst srommkatholisch, dann eben so radikal freidenkerisch. Abwechselnd radikale und gemäßigte Sozialdemokratin. Für Panzerkreuzer und gegen Panzerkreuzer. Dann wechselte sie aus weiblichem, allzu weiblichen Gründen zu den Kommunisten hinüber. Jene allzu weiblichen Beziehungen zu einem damals führenden Kommunisten verschafften ihr ein Reichstagsmandat bei den Kommunisten. Frau Reefe reiste landauf, landab und redet und schrieb gegen die Sozialdemokratre. Auch die Kommunisten erkannten das Weibchen bald. Sie haben sie aus der Partei ausgeschlossen und nun landete sie bei den Trotzkisten.''In Paris und anderwärts war sie in den Emigrantenkreisen tätig. Hoffentlich haben alle Sozialdemokraten und Kommunisten diesem hvsterischen Frauenzimmer gegenüber die Vorsicht gewahrt, die wir in Briefkastennotizen ihr gegenüber immer zum Ausdruck brachten. Nun hat sie zur Gestapo heimgefunden. Eine politische Prostituierte! Wieviele Freunde sie ans Messer liefern wird, wird sich zeigen. Wir aber registrieren gerne, daß wir von Frau Reese in zahlreichen Briefen immer beschimpft worden stirb. Das hwin„Völkischen Beobachter", in der er erklärte, es sei unwahr, daß er mit Fräulein Erna H. verlobt gewesen sei Dabei nannte er ihren vollen Namen. Darauf war natürlich die ganze Stadt imstande, sich aus Kosten der Dame den Roman zusammenzureime». Etwas später kommt es zu einer neue» Beziehung. Hrtlei -ewohnt um diese Zeit eine elegante Neun-Zimmerwoh mng in der Münchner Prinzregentenstuatze: den HauS halt führt ihm seine Schwester, Frau Raubald aus Wien die er feit seiner Ingen- vierzehn Jahre lang nicht ge-, sehen hatte. Bei ihr wohnt ihre Tochter Grete, ei« ungewöhnlich schönes und begabte» junge» Mädchen, da» in von Wetten, die man an der Saar abschließe. Zwei Gäste hätte» in einem Saarbrücker Case sich über die Aussichten des 13. Januar unterhalten.„Ich wette 100 Flaschen Bier für de» Status quo," sagte der eine.„Und ich ein Halbes Schwein," sagte der andere,„natürlich für den Status quo." Einer, der sich als Anhänger der„deutsche» Front" bekannte, war bereit, die Wette auf 100 Flaschen Bier abzuschließen, aber keiner sand sich bereit, die Forderung auf ei» halbes Schwein anzunehmen. Helsey sagt daun«eiter,«och vor drei Woche« habe«ran i« de« Kreise« der„deutsche« Front" von 70 Prozent und wehr Stimmen für Hitler gesprochen. Henle läge» die Schätzungen wer,««ter diese« Zahlen, ja ma« rechne sogar schon mit einer gerruge« Mehrheit für de« Status quo. En scheidend werde die Haltung der Katholiken s e i n, die immer mehr den Führern der Deutschen Front" als ein zweifelhafter Faktor erscheinen. Lavals Besuch beim Papst, die Kundgebung des„Osservatore Romano", die von der Gewissensfreiheit der saarländischen Katholiken spreche, hätte» die Sicherheit derjenige» erschüttert, die geglaubt hätten, die gewaltige Mehrheit der Kaholiken sei»ach den ungeistlichen Kundgebungen der Bischöfe von Speyer und Trier für Hiler gesichert. Mau habe jetzt seitens der „deutschen Front" zu groben Kriegslisten gegriffen, einen Jmbuich-Aufru? gesälscht, und das beweise, wie wenig man noch an ein günstiges Ergebnis glaube. Für Hitler genüge am Sonntag nicht die Mehrheit schlechthin. Hitler brauche ei«e gewaltige Majorität, dafür aber habe er so gut wie keine Chance». Tie Niederlage werde ihm sehr schaden; denn zahlreiche Deutsche würden sagen, vor Hitlers Regierungsantritt hätte die Saarabstimmung mindestens 08 Prozent Siitn» men'sür Deutschland ergeben, und sie würde» für den Verlust den Führer verantwortlich mache». Der Saarbrücker Korrespondent des„Matin" will beobachtet haben, daß gerade ein Auszug von saarländischen Kapital jetzt vor sich gehe. Die Bankgeschäfte'n Korbach verkauften Mark oder machten Frankcvgeschäfte, ohne daß sie alle« Ansprüche« genüge« könnte». Er meint, das, was sich jetzt an der Saar abspiele, sei die letzte Schlacht, in der der Nationalsozialismus gegen das alte Deutschland von Weimar ankämpfe. "Marcel Bidoux, den der„Populaire" an die Saar entsandt hat, ist der Ueberzeugung, daß das Bekenntnis für die Rückgliederung oder zum Status quo iu Wahrheit bedeute, zwischen Sklaverei und Freiheit wählen. Auch er meint, daß eine Teilung des SaargebicteS nicht außerhalb deS Bereiches der Möglichkeit liege. In fast ollen Zeitungen werden Auszüge aus Bürckels letzter, in Kaiserslautern gehaltenen Reden veröffentlicht. Man weist daraus hin, wie verschiede» die Tonart in seiner öffentliche- Rede von der gewesen sei, die er. gegenüber den ausländischen Journalisten angeschlagen habe. Im.Hntran- sigeanr" heißt cs, Bürckei habe sich nicht nur in leidenschaftlichen Anklagen gegen Frankreich ergangen, sondern er habe auch aus Litwinow, Beuesch und die Juristen deS Völkerbundes geschimpft. Er hab« an all und jedem etwas auszuketzcu gehabt. Alle Blätter wiederholen Bürckels Be- hauprnng. Frankreich finanziere die separatistischen Verräter, so wie es auch die rheinischen Separatisten unterstützt habe. Man kann kaum im Zweifel darüber sein, wie solche Aeußerunge» in Frankreich wirken müssen, mit dem doch angeblich der Führer Frieden und Versöhnung feiern »rächte. Man kann schon heute feftstellen, daß die Saarpropaganda der Hitlerregiexung sehr viel dazu beigefragen hat, um die an und für sied schon hier im starken Matze vorhandenen Zweifel an Hitlers aufrichtigem Willen, sich mit Frankreich zu verständigen, noch zu verstärken. München Musikwissenschaft studiert«. Bald ist Hitler, wo er sich zeigt, immer mit GreteRaubaldzu sehen. Wen» er Dienstreise» macht, zu Konferenzen fährt— Grete Raubald ist dabet. Der Onkel und die Nichte! E» ist formell ratürlich seine Prtvatsache. Aber wie die Menschen nun .inmal sind— die Parteigenossen fangen an zu murren. Ein wlitischer Führer muß gewiffe Rücksichten nehmen. Hitler ehnt bas ab. Einmal kommt der Fall auf einer württem- bergischen Landeskonferenz der Partei in Stuttgart zur Sprache. Da braust Hitler auf:„Ich lasse mir keine Bordriften machen. Wen» ich mit meiner Nichte spazierensahre, o geht das die Partei gar nicht» au!" Das ist eine Auffassung, di« Hitler bei andern nicht lmmer vertreten hat. Nach der Erschießung von Röhm und Heines am 30. Juni 1034 erklärte er in seinen berühmten„zwölf Punkten", jeder politische Führer müsse tu seinem Benehmen und seiner Aufführung vorbildlich sei« für seine« ^apd, ja für die gefamte Gefolgschaft, Wen» abxx jeder Führer vorbildlich sein muß, daun muß es der oberste Führer erst recht sein, und dann darf er auch nicht fortwährende Autotouren mit seiner Nichte machen, die gewissermaßen unter seiner Obhut in seinem Hause lebt. Der Fall Grete Raubald endete tragisch. Eines Morgens 'm Jahre 1030 wurde das jung« Mädchen«schosse« im Bett ausgefunde«. Die Polizei nahm Selbstmord an. Hitler war vollkommea zusammengebrochen. Grete Raubald wurde in Wien beerdigt Ganz geklärt sind die Umstände des Todes von Grete Raubald bis beute noch nicht. Hitler war damals .war noch nichi Reichskanzler und Oberster Gerichtsherr, aber doch schon ei« sehr einflußreicher Manu, dessen Macht- mtritt jede Woche erwartet werden konnte. Eine Zeitlang interessierte Adolf Hitler sich ernstlich für Frau Winnifred Wagner, die Witwe des verstorbene« Siegfried Wagner und Schwiegertochter Richard Wagner». Hitler war häufig Gast im Hause Wahnsried, dem Wohnsitz von Frau Winnifred. Aber eine» Tages nahm die Freundschaft ei» jähe» Ende. Das war im Jahre 1082, Hitler war noch nicht Kanzler, aber schon der berühmteste Man« Deutschland», und die Oeffeutlichkeit überwachte alle seine Schritte. Namentlich sei«« häufige« Besuche im Ha«» Wabukrie» bringt Ar beit» tost# bett f ii Niedergang der Eisenverarbeitenden Industrie In der weiterverarbeitenden Ersen- und Metallindustrie des Saargebiet» sind etwa siebentausend Arbeiter beschäs- tlgt. Sic ist vor allem eine Erportindustrie. Wenn es zur Rückgliederung kommen sollte, so würde sie all die Schwierigkeiten ertrage» müssen, unter denen der einst so blübendc Erp ort zu leiden bat. Tic würde vor allem durch die Drosselung der Rohstosseinnibr betroffen sein und würde teilweise, wie die reichsdeutsche weiterverarbeit nde Industrie, ans die teureren inländischen Rost« und Ersatz- stofse angewiesen sein. Das würde zur Steigerung ihrer Produktionskosten führen und damit ihre Äonkurrcnz- fähigkeit am Weltmarkt wesentlich beeinträchtigen. Außer- dem würde die saarländische weiterverarbeitende Eisen- und Metallindustrie den französischen Markt verlieren, auf den ste neben dem deutschen eingestellt ist Diese Feststellung bez«hi üch vor all'm ans die arosten Werke der saarländischen Maschinen-, Apparate- und Fahrzcngbauindustrie. Wenn somit die weiterverarbeitende Eisenindustrie in ihrer Gesamtheit durch eine eventuelle Rückgliederung aufs schwerste betroffen würde, so sind darüber hinaus einige Zweige dreier weiterverarbeitenden Eisenindustrie, für die di« Rückgliederung gleichbedeutend mit der Schließung ihrer Betriebe sein würde. Diese Feststellung bezieht sich insbesondere aus die nach der Zollunion in Frankreich in der Gegend von Fraulautern n u entstandenen Blechwaren- und Emaille» sabriken. Diese Fabriken stnd fast ausschließlich aus den Absatz nach Frankreich eingestellt. Sie konnten auch im Lau'c der Jahre ihren Absatz a»s dem französischen Markt, inste- malisch steigern. Es genügt daraus hinzuweisen, daß im Jahre 1ll2ö acht tausend Tonnen von Erzeugnissen aus rohem und verfeinertem Eisenblech nach Frankreich ausgeführt wurden. Im Jahre 1938 konnte dagegen diese Industrie die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse nach Frankreich, trotz d«r Krise, auf 14 tausend Tonnen steigern. Ebenso geartet liegen die Dinge bei der H e r d- indostrie. Im Laargebiet, insbesondere in der Gegend von Saarlouis, stnd bekanntlich Herdiabriken neu entstanden. Diese Herdiabriken konnten unter dem Zollschuy den heimischen Mark» bedienen, aber ihr Hanptabsatzgebiet ist Frankreich, vor allem Elsaß-Lothringen Die Herdfabriken setzen de,, größten Teil ihrer Produktion in Frankreich ab. Es ist ganz klar, daß, wenn die Rückgliederung kommen sollte und an der lothringer Grenze Zollschranken errichtet werden, weder die Emaille- und Blcchwarcniabrikaiion noch die Herdiabrikation in der läge sein würde, ihre Erzeugnisse abzuseycn. Sie werden also von ihrem Hanptabsatz- gehiet obgesperri und damit dem llutergang geweiht, denn nach dem deutschen Markt werden sie nicht liefern können, weil dieser von der rcichsdeutschen Konkurrenz übersättigt ist. So droht auch diesen Iweigen der saarländische« W.rt- schaik, wie den«leisten andern, dnrch einen eventuellen Anschluß an das»dritte Reich" t'e Einstellung der Produktion. Mehrer« tausend Arbeiter und Angestellten würden mit ihre« Familien auch hier zur Arbeitslosigkeit verdammt werden. Dickes Unglück zu verhüten, liegt in den Händen der Saarländer selbst. Tic werden am 13. Januar zu entscheiden haben, ob ste durch nebelhafte Periprecku igcn und durch Phrasen über Blu» und Boden üch dazu verleiten lasten werden, ihr eigenes Grab zu graben I.s«ell8ke'n iiiid Al Drängen anrworlcte mir einer der Posten:»Wenn Sic Geld haben, können Sie überall kaufen, aber nicht beim Juden." Hier vor Salberg handeite es stch anscheinend um eine bestellte Volksempörung: aus der Menge wurde mir noch zugerufen:»Feiert dcuticke Weihnachten, yicki jüdische." Ein anderer: »Mit dem Knüppel müßte man den Leuten da» Gehirn einschlagen, di« noch immer bei Jude» lausen wollen." Ein Mann sagte laut zu seinem vielleicht 8jährigen Kinde:»Nächste» Jahr stnd wir ste los, dann werde« st« alle gehängt sei«." Wie ma« mir später erzählte, hat die »kochende Volksseele" nachher bei Salberg die Scheiben zertrümmert. Ich erkundigte mich kurz daraus bei einem in der Nähe stehende» Schupo, ob die Sperrung des Ladens polizeilich vorgenommcn sei. Als er verneinte, forderte ich ibn aui, einzuschreiten, was er ablehnte mit dem Bescheid, da» ginge ihn nichts an. Beim Konfektionshaus Earch aus der Zeile sah ich neben den Derall angebrachten Zetteln»Kauft nicht bei Juden" e:« anderes Plakat: Ich»erkaufe an keine« Deutschen, d««u ich bin ei« Jude. Ein Herr, der den Versuch wachte, diese» Schild zu ioto- grafieren. wurde verhaftet. Auch hier wieder Poste« und zwar in ansehnlicher.'saht. Einer davon bestätigte mir,'daß dieses Plakat von den Boykoltposten angebracht fei. Leider ließ er stch nicht dazu üverrtden, mir ein solche» Plakat zu schenken. Im Restaurant S a l z h a u s machte mich ein Herr daraus aufmerksam, daß ich es Untertanen müffe, meiner Empörung laut Ausdruck zu geben, sonst würde ich verhaltet werden. Ich hielt ihm entgegen, daß doch alle Geschäfte Angestellte beschäftigen und Stenern zahlen. In echter Nazi- Manier erwiderte er, daß man zwar das Geld brauche, aber die Juden selbst sollen verschivinden. Eine amtliche Schließung sei aber nicht möglich weil sonst der Boykott-er Welt gegen Deutschland noch größer werden würde. o Diese sehr genauen Angaben unserer Leserin beweisen wieder einmal, was von den Dementis und den feierlichen Beteuerungen des»dritten Reich«»" zu halten ist. kielen auf ebenfo aber auch ihr plötzliches Aiiihören Was wa> geschehen r Milten in aer Nacht braun» Adoli Hitler av. Er nahm nicht in Bayreuth Wohnung sondern er ubr mit»einer Wagenkolonne nach dem benachbarten Bad Brr- neck im Fichtelgebirge, wo er seitdem regelmäßig wohnt, wenn er die Festiptcle in Bayreuth betucht. Für den, der dies« Geschichte kennt, lohnt es sich, in de> Filmwochenschau übet die Bayreuther Festspiele zu beobachten, mi» welch gemessener, last beleidigter Feierlichkeit dort der Kanzler Frau Waguer begrübt und ihr steif die Hand küßt. Etwa am die Zeit seines Regierungsantritts schwärmte er tür Fräulein 2.. die Tochter eine» angesehenen Berliner llniversttätSprofestor», der ein große» Haus in Berlin mach«. Hitler, der dort leit langem verkehrt, wird von der HauSirau und den Töchtern mit»Herr Adolf" angr- sprochen Dir von ihm Verehrte, die ans den Kosenamen Puvpi hört, ist ein viel umschwärmtes Mäßcl rn: z» de« Rivalen Herr« Adolfs gehörte eine Zeitlang auch der ehemalige Kronprinz, und zu den erfolgreicheren Rivalen sogar ein jüdischer Bankier. Ts soll norgekommrn sein, daß Puppt S. und »Herr Adolf" im Wagen vor dem Bankhanse des Betreffenden vorfuhren nnd daß der unglückliche Führer dann geduldig unten wartete, während Puppt oben den jüdischen Freund besuchte. In«euerer Zeit gehör« zu seinen Bevorzugte« die Filmschauspielerin Leut Rtefenftahl. Hitler hat seiner Freundin bekanntlich die Herstellung der Filme vom Nürnberger Parteitag übertragen Sie ba« zur Bewältigung dieser Aufgabe einen riesigen Apoarai mit einem großen Mitarbeiterstab auigedaut Der Film des letzten Jahre» ist nach dem Urteil der Fachleute und de» Publikums nicht besonders geglückt, nnd der von 1984 ist überhaupt noch nicht fertig. Dafür lieft man aber von Zeit zu Zeit in der Preffe, wie ungeheuer groß und schwer die Arbeit an dem Film sei und daß dir meisten Aufnahmen ins Archiv kämen, d h aui deutsch weggeworien werden müßten. Von'»en Freundinnen Hitler» hängt Vein Riefenftabl mn der größten Schwärmerei an ihm. Ed ist viel darüber geredet und geraunt morden, ob Hitler uvcrvauvi etwas inr grauen emviinde« könne Namentlich der Fall Röhm Hai zu diesem Berdoch« start bcigctragcn, da Hitler' mit Röhm lang« Jahre ehrlich besrenndet war und namentlich in der ersten Zeit«'einer Regierung üch ihm wieder iedr näherte Aber die Dinge liegen kom- olizterier. al» e» au« den ersten Blick scheint. Außer Zweifel steht, wir wir gezeigt haben, daß Hitler in seinem Leben mehrfach mi, Frauen zu tun gehabt hat. Aber diese Beziehungen enden alle irgendwie unglücklich. Man kann nicht sagen, daß Hitler bei Frauen»kein Glück" hat: iin Gegenteil, wir sagten schon.<*. er dank seiner suggestiven politischen Roll« auf eine bestnnmte Art Frauen sehr anziehend wirkt. Aber im weiteren Verlaus werden die Beziehungen regelmäßig schwierig, und man hat den Eindruck, daß Hitler die Hoffnungen nicht erfüllt, die er zunächst erweckt. Sicher ist, daß sein Empfinden gegenüber Frauen nicht da» gesunde, derbftnnltche des normalen Mannes ist Ein ganz gewiß unbefangener Zeuge, der Vorsteher der Festungshaftanftalt Landsberg, der heute längst selbst Pa ist, ha« in seinem Bericht a« seine vorgesetzt« Behörde übc" leine« berühmten Häftling berichtet: »Hitler ha« keine Netgnng zur Weiblichkeit; Frauen und Mädchen gegenüber zeigt er eine Zurückhaltung." Er hat keinen Hang zur Weiblichkeit.. Das Gutachten des GefängntSvorstandes trifft m» Schwarze. Er hat auch grade keine Abneigung. Sein Verhältnis zu den Frauen ist Neutralität mit gelegentlichen Unterbrechungen, die unglücklich verkaufen. Auch in andern Eigenschaften zeigt stch bei ihm der Mangel an normaler Sinnlichkeit. Er raucht nicht, er trinkt nicht, er ißt kein Fleisch. Er ist ein Asket— nicht aus Selbstzucht, wir viel- fach geglaubt wird, sondern einfach aus Mangel a« Bedürfnis. Ihm fehlt, wa» andere Menschen haben— aber er vermißt es wahrscheinlich nicht sehr. • ö hat er einmal in einer :>!edc im Berliner Lustgarten gesagt:»Im»dritten Reich" wird jede» Mädchen einen Mann bekommen." Nur Adolf Hitler selbst ist nicht zu haben. Den» er ist kei» Mann für Krauen. Er ist kalt. Hau- Waldmann. Kal s'clU Darris Die bevorstehende neue S'iuberungsaktion Berlin, 11. Januar. Unsere Meldungen über Dorre werden bestätigt. Es wird milgercilt, daß der Blubo Argentinier, der schon über Neujahr von Berlin abwesend war, einen neuen verlängerten Urlaub angetreten bat. Tas bedeutet praktisch die Ausschaltung Darres vom Reichsernährungs- ministerium. Er wird auch aller Voraussicht nach ins Reichs- ernährungsministerinm nicht mehr zurückkehren, dafür aber wahrscheinlich an der Spitze des Reichsnährstandes verbleiben, um auf diese Weise immer'noch durch sozialistische Phrasen und durch seine argentinische Blubo-Erfindung den Landwirten Sand in die Augen zu streuen. Die Kaltstellung Darrs» ist um so bemerkenswerter, als sie unmittelbar vor der Saarabstimmung erfolgt. Die nationalsozialistische Opposition wird in die Wüste geschickt. Man bat mit Rücksicht auf die Saar von schärferen Maßnahmen, wie Füsilierungen, Einsperrungen in Konzen tra- tinslager usw. Abstand genommen. Dennoch befinden sich hier hartnäckig Gerüchte im Umlauf, daß nach dem lö. Januar, also nach der Bekanntgabe der Saarabstimmung, die neue Läuberungsaktt«», die di« endgültige Liq« dation der nationalsozialistische« Ideologie«nd damit den Verrat der Httlerregiernng am Nationalsozialismus besiegeln würde, nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses mit Heftigkeit einsetzen wird. Die Kaltstellung Darres und die bevorstehend« neue Säuberungsaktion als ein endgültiger Sieg des Wirtschaftsdiktators Dr. Schacht zu werten, der als Repräsentant der Bank- und Börsensiirstcn, der Schlotbarone und Junker handelt. Damit ist heute da» Hitler- regime zu einem Regime der Scharfmacher gestempelt. Hinter de« hohle«»nd verlogenen Phrase« sieht mau die Fratze der Herreuschicht, die>m kaiserliche« Deutschland regiert hat, und die heut« im»dritten Reich"»«ter Hitler ihre« höchste« Triumph feiert. Um dieser Herrenschicht den Todesstoß zu versetzen, muß am 18. Januar an der Saar für»«ser Deutschland, gegen Hitler gestimmt werden. Deutsche Stimmen• Deilatfc rar Deutsdicn Freiheit‘• Ereignisse und Geschichten Die Schafschur Milten neudeutschec Jheateckcitik „Auch Grieses Stück„D i e Schafschu r“, in Düsseldorf urauf geführt, steht nicht über dem bescheidenen Niveau dieses Jahres— und auf ihn hatf. man gehofft (Aus dem Kölner„Westdeutschen Beobachter“) Das Jahr 1934 ist vorüber und Hitlerdeutschland kann nicht mit einem einzigen Stüde auf warten, das auch nur Mittelmaß erreidit und von dem Ausland Notiz genommen hätte. Die ganze geistige Verfinsterung des neudeutsdien Theaters brüllt aus den Kritiksammlungen, die deutsche Zeit« sdiriften ab und zu bringen. M ir geben hier einige Proben aus der„Neuen Literatur** des ehemaligen Asphaltliteraten und jetzigen braunen Klopffechters Willi Vesper. Ls handelt sich um Uraufführungen im September und Oktober. Die meisten Autoren flüchten in die Vergangenheit, in der Gegenwart wagt nur das Blubostüdc zu spielen und das kennt lediglich freudige Knechtsgesinnung, Huldigung vor den Eingesessenen und Anprangerung des„intellektuellen Strolches“. Lassen wir drei Kritiken sprechen: „Der Spielhof und sein Knecht“ von Hanns Traut- n e r(uraufgeführt in Wiesbaden): „Ein schwerblütiges niederdeutsches Bauernstück, in dem es sich um einen verspielten Hof handelt, das aber in einer mystisch gedämpften Stimmung tiefe innere Mächte der Menschen gegeneinander stellt. Die Menschen verkörpern Prinzipien des Lebens: die einen das gute Prinzip der Herkunft und Knechtestreue, ihnen gegenüber das böse Prinzip des bodenfremden Eindringlings in die bäuerliche Gemeinschaft der Eingesessenen.“ „Heilige Erde“ von Wilhelm Mathiessen(Berlin). „Das Bemühen geht in diesem Bauernstück nach zwei Richtungen: einmal im Stofflichen, um das Einhämmern der Idee von der bluthaften Bodenverbundenheit des Menschen; was gezeigt wird an der studierten Bauerntochter. die sich von ihrem Verlobten, einem gerissenen, wurzellosen Großstadtgeschäftsmenschen, loslöst und wieder heimfindet zum Bauernerbe. Sodann, im Formalen, um das Freiwerden vom naturalistischen Milieu-Stüde; dies versucht der Verfasser durch symbolisch-transzendente Erscheinungen. Die gestaltende Kraft hält aber mit dem gesinnungsmäßig starken, reinen Willen des Autors nicht Schritt.“ „Hannes vom Achterwasser“ von Bruno Wellenkamp(Gera). Spielt im 30jährigen Krieg. ..Die politische, moralische und geistige Verworrenheit, die den von uns erlebten Nadikriegsjahren ihren brennenden Stempel aufdrückte, führt Wellenkamp seiner Zuschauerschaft in historischer Umrahmung vor. Eines ihrer Opfer ist der holsteinische Bauer Hannes Rust, den der Fischhändler um den Hof brachte. Niemand hilft Hannes: weder das Weib, das den fetten Händen des Schiebers verfällt, noch der Pfarrer, der öligen Trost spendet. So wird der heimatlose und verzweifelte Rust dann Landstreicher, ja Schnapphahn willenloses Opfer des intellektuellen Strolchs Pattermann, der ihn nicht mehr aus den Klauen lassen will. Hannes wäre wohl am Galgen geendet, wenn das Schicksal ihm nicht Grete in seinen Lebensweg gesendet hätte. Die Landung des Schwedenkönigs in Stralsund bringt den beiden die Rettung. Hannes schließt sich dem nordischen Heer an und ficht unter Gustav Adolf um Luther und um Deutschland. Sein Heldentod wird zum Sinn seines Lebens. Er erkämpfte Weib und Kindern die heimatliche Erde, den Hof am Achterwasser, aus dem ein Kamerad den Schieber hinaus- j««t" In der Flut der historischen Heldenschmarren spielt die Rebellion der Prätorianer eine Rolle, der Sieg der Reichswehr wirft seine Reflexe in die braune Theaterei und Hitlers Verrat an seinen„rauhen Kämpfern“ wird zu Osafs Gunsten verbrämt: „Alexander“ von Curt Langenbeck(Stuttgart). „Die makedonischen Truppen Alexandere wollen nicht mehr weiter kämpfen, sie sehnen sich zurück zu Weib und Kind. Ein kritischer Augenblick für den König, der sich jedoch dort geführt weiß, wo andere straucheln. Wesentlich wird hier, daß sich die Armee unterwirft, um die Liebe des Führers nicht zu verlieren, der bereits fremde Völker seinen Makedoniern vorzuziehen bereit ist. Die unbedenkliche Gewalt des Heros siegt gegen die Engnis bürgerlicher Gefühle. Alexander ist groß und verzeiht dem Heere...“ Die J.oten Mayen, an Von Felix Fechenbach Die Zeit drängt, die Zeit rast. Alles hastet, alles eilt, niemand hat Zeit. In Eile wird gegessen, in Eile wird die Zeitung gelesen. Gedankenlos überfliegen täglich Millionen die Spalten. Die Aufmerksamkeit wird nur durch eine große Sensationsnachricht geweckt. „Ein Ozeandampfer mit 1500 Passagieren gesunken. Zahl der Toten noch unbekannt.“ Das fesselt, wird gierig verschlungen. Aber die kleinen Polizeinachrichten? Kaum, daß man davon Notiz nimmt. Und wieviel soziales Elend melden gerade diese paar winzigen Zeilen. Da fand ich dieser Tage in irgend einem bürgerlichen Lokalblatt eine kleine Notiz in Petit gesetzt: „Von ihrer Untermieterin wurde gestern abend die von ihrem Mann getrennt lebende Arbeiterin A. und ihr neunjähriges Töchterchen in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Alle Räume waren mit Gas angefüllt. Nahrungssorgen haben die Frau in den Tod getrieben.“ Darüber liest man hinweg. Jeden Tag steht so etwas in der Zeitung. Welche Tragödie wird da kurz und bündig mit ein paar Worten abgetan? Was hier gemeldet wird, ist ja vor der letzte Akt eines langen Dramas. Von dem, was vor herging, meldet die Zeitung ni'»!• in noch gröberer Mühe seinem Jubel Platz. Solche kühne Sprünge haben Shakespeare, Swift, Jean Paul nie gewagt. Aber es war wieder ein strenges und gerechtes Volksgericht! Mehrere meiner Bekannten, die glücklicher als ich, im Gedränge waren, haben mir erzählt von den Reden und Aeuße- rungen des Volkes. Man muß erstaunen über diesen gesunden Menschenverstand. Wahrlich, unsere Staatsmänner, die Herren Sebastian!, G ui zot, sogar Talleyrand, könnten bei hm in die Schule gehen. Und dieses sogenannte, so geschol- >ene Volk verachtet man überall; man verachtet die Mehrzahl einer Nation, der weder der Reichtum das Herz verdorben, noch das Wissen den Kopf! Man klagt dessen wilde ■ eidenschaften an, weil es zu edelmütig ist, gleich den Vornehmen seinen Haß in eine kleine Pille zu verschließen, die »au dem sorglosen Feinde mit Lächeln beibringen kann! V«' verspottet seine Dummheit, weil es nicht immer so kiug ist, seinen eigenen Vorteil dem Rechte vorzuziehen! Ich finde wahre menschliche Bildung nur im Pöbel, und den wahren Pöbel nur in den Gebildeten. Brutus! Brutus! Freiheit! Freiheit! — Unter dem Namen N e o r a m a wird hier ein Rundgemälde von unglaublicher Wirkung gezeigt. Das Ihnen bekannte Diorama stellt das Inwendige der Kirchen vor, aber nur im Halbkeise, der Beschauer seht außer ihnen. Im Neorama aber wird man mitten in die Kirche gestellt. Es ist wie Zauberei. Man steht auf dem Chore und sieht unter sich den Boden der Kirche, und auch die Säulen, die Grab mäler, die Menschen, und über sich das Gewölbe. Ganz die Natur. So lernt man die Pauluskirche in London und die römische Peterskirche kennen. Wie alltäglich werden doch die Zaubereien! An der Peterskirche sind die großen Tore offen, die auf den herrlichen Petersplatj führen. Die Sonne scheint, die Paläste glänzen. Es war mir, als müßte ich mich vom Chore herabstürzen, mich durch die Betenden drängen, hinaus zu eilen auf den Platz, und Brutus, Brutus! Freiheit, Freiheit! rufen. — Haben die italienischen Nachrichten nicht auf der Frankfurter Börse eingeschlagen? Sind nicht die Metalliques davon geschmolzen? Schreien die Juden: O wai geschrien! Wanken die Mauern Jerusalems? Lächelt der Herr Baron bei seiner Kolik? Sagen die Helden Levis von den Italienern: was wollen die Gäscht? Schreiben Sie mir das alles, das wird mich erquicken. Den Herzog von Modena haben sie gefangen auf der Flucht. Ich hoffe, sie knüpfen ihn auf. Ein Haus, worin sich 130 der angesehensten jungen Leute versammelt. hatte er mit Kanonen zusammenschießen lassen. Vierundzwanzig Stunden lang hat er sich verteidigt mit der Verzweiflung eines Tyrannen, der keine Gnade kennt. Zwei österreichische Tiroler-Regimenter, dem Herzog zum Beistände gesendet, sollen sich mit dem Volke vereinigt haben. Der Narr, unter allen Fürsten Europas der einzige, der es gewagt, den König von Frankreich nicht anzuerkennen. — Vornehme Royalisten sind arretiert: Herr von Vitrolles, von Berthier, der Erzbischof von Paris. Die Regierung ist in einer gefährlichen Lage. Die Weiterung, die belgische Krone anzunehmen, die gestern feierlich erteilt werden sollte, hat man aus Furcht vor der gereizten Stimmung des Volkes aufgeschoben. Ich sehe keine Hilfe. Die Kammer zeigt sich täglich erbärmlicher, und das besser gesinnte Ministerium muß nachgeben. Gott schütze den König; Europa ist verloren auf zehn Jahre, wenn er zugrunde geht. Ich strenge mich an, meine Furcht zu unterdrücken. Und mit zehn Ellen Hanf wäre der Welt Friede, Glück und Ruhe zu geben! Ich will bald die Malibran als Zerline sehen; das wird mir etwas das Blut versüßen. Darf ich? Vor einem Napoleonsbild Paris, Donnerstag, den 24. Februar 1831. Die Krönung Napoleons, von David gemalt, durfte unter der vorigen Regierung nicht ans Tageslicht; jetzt wird das Gemälde wieder gezeigt. Was half ihnen ihr blinder Groll? Nichts ist doch lächerlicher und grausamer, als die strenge Diät, welche kranke Fürsten, die nichts vertragen können, ihren Völkern auferlegen, die alles vertragen! Sie meinen, wenn man die Herzen fasten ließe, davon würden die Köpfe und Arme schwach, und sie wären dann leichter zu regieren. Aber der Hunger des Herzens sättigt den Kopf und stärkt die Glieder. Napoleons Bild kehrte nach fünfzehn Jahren wieder zurück, und die Burbons werden ewig verbannt bleiben—-— gewiß ewig; denn am dritten Schlagfluase stirbt der Mensch, und wenn er auch ein König ist. Ich sah gestern das Gemälde, es hat sehr gelitten; Farbe, Zeit, Bewunderung. Alles ist verblichen. Es ließ mich so kalt, als sähe ich eine Abbildung von der Arche Noah, in die mit hängenden Ohren alles ehegepaarte Vieh zieht. Der Maler war nicht begeistert, so wenig als jene Zeit, so wenig als Napoleon selbst, so wenig als das Volk, das ihn umgibt; es ist eine vielfarbige glänzende Leerheit. Das Gemälde ist von solcher Ausdehnung, daß es in dem kleinen Theater, wo man es sieht, den Vorhang bildet. Es enthält mehr als sechzig Figuren in Lebensgröße, alle Porträts. Der Moment ist gewählt, wo Napoleon der vor ihm knienden Kaiserin die Krone aufsetzt. Er kniet vor nichts, nicht vor seinem Gotte, nicht vor seinem Glücke; weder Triumph ist in ihm, noch Demut. Es ist eine Krönung, wie die eines marklosen Erbfürsten. Nichts als Weiber, Pfaffen und goldene Knechte. Gibt es etwas Lächerlicheres, als daß sich Napoleon in der Kirche Notre-Dame von einer angstzitternden Geistlichkeit Brief und Siegel darüber geben ließ, daß er ein Held gewesen? Gibt es etwas Herzempörenderes, als diese Hochzeit zwischen dem Manne des Lebens und der Leiche der Vergangenheit? Napoleon hätte sich zu Pferde sollen krönen lassen, sich die Krone hinaufreichen lassen, nicht herabreichen. Er sollte den Thron zieren, der Thron nicht ihn. Keiner von jenen Soldaten war anwesend, die ihn so groß gemacht; nichts als Schleppenträger und Hofhanswürste. Man hätte gerne gesehen, daß seine Marschälle sich stolz auf ihre Schwerter stützten und mit unterdrücktem Spotte auf die gefälligen Kardinäle blickten. Aber sie trugen Degen wie die Kammerherren, und waren geputzt wie die Hofnarren. Die Porträts sind alle geistreich, das ist wahr: aber es hat loder«ein eigenes Crsig«re«i NL8 adbehJ 4. wer als Stubenältester nicht für den vorgeschriebenen- Haarschnitt sorgt. fi. wer seine Haare nicht wie vorgeschriebest schneiden läßt. 8. wer als Gefangen et den b e r e ch t i g l e n Anweisungen der Stubenältesten, oder Vorarbeiter nicht nachkommt, 7. wer, nach Eintritt des Zapfenstreichs außerhalb seines /Bettes in den Stuben betroffen wird, oder die Nachtruhe anderer Gefangener vorsätzlich stört. 8. wer sich während der Tageszeit ohne Erlaubnis seines Stationsführers auf ein Bett setzt oder legt,.. 9. wer beim Appell in Reih und. Glied raucht,, spricht, lacht, oder sonstwie gegen die Disziplin verstößt, - 10. wer den vorgeschriebenen Beschwerdeweg nicht einhält. / 11. wer vorsätzlich Bücher-er Lagerbücherei beschädigt, mit Randbemerkungen versieht; außerdem wird er zum Schadenersatz herangezogen. 8» mit 8 Tagen strengem Arrest und mehrwöchentlichcr Strafarbeit wird bestraft: 1. wer einen Zählappell, oder einen Appell zur Arbeitseinteilung ohne Grund oder Genehmigung seines Sta- tionsführers fernbleiht, 2, wer sich ohne Grnnd zum Arzt meldet, oder nach er» solgter Krankmeldung nicht unverzüglich-en Arzt aufsucht, ferner, wer ohne Wißen des Stationsführers sich zum Arzt ober Zahnarzt meldet, oder das Revier aussucht. 8 4 mit 8 Tagen strengem Arrest wir- bestraft: 1. wer zum Zwecke der Beschwerden Unterschriften sam melt, 2. wer einen falsche» Rapport, eine wiffentlich falsche Meldung oder eine unbegründete Beschwerde erstattet oder verbringt, / 3. wer mehr als 2 Briese oder 2 Postkarten im Monat schreibt, ober zur Erlangung dieses Zweckes unter falschem Namen schreibt, 4. wer als Stubenältester Gefangenen anderer Stationen oder Stuben den Aufenthalt innerhalb einer Belegschaft gestattet, 6. wer sich unbefugt in einem fremden Saal, auch inner- ' halb der eigenen Station aufhält, & wer sich nicht in die allgemeine Stationsordnung fügt, sohlt, schreit, ober sich ungebührlich benimmt, 7. wer als Stubenältester innerhalb seines Ordnungsbereichs Ungeziefer lWanzcn, Läuse. Filzläuse usw.j auskommen läßt; wird dieser Zustand bewußt herbeigeführt, oder aus andere Stationssäle übertragen/ dann kommt Sabotage in Betracht, 8. wer ptit einer ansteckenden oder Übertragbaren Krankheit behaltet ist und bei der Einlieferung keine^ Anzeige - erstattet,'-''......■ v wer erhaltene Bekleidung«- und Ausrüstungsstücke vorsätzlich beschädigt, nicht reinigt und in Ordnung hält; außerdem wird er zum Schadenersatz herangezogen. 1V. wer aks Beauftragter bei der Essenausgabe Mitgefangene bevorzugt, oder politisch anders gesinnte Gefangene benachteiligt. 8 5, mit 8 Tagen strengem Arrest und mit mehrwöchentlichcr Strafarbeit wird bestraft: 1. wer sich von der Arbeit drückt, oder zum Zwecke des Nichtstuns körperliche Gebrechen oder Krankheiten vorschützt, 2. wer ohne Befehl eine Arbeitsstätte oder eine Werkstatt verläßt, vorzeitig einrückt, seine Abmeldung beim ans- sichtsführenden SS.-Mann unterläßt, sich beim Verlassen bei einem Mitgefangenen abmeldei. 8« mit 8 Tagen strengem Arrest und mit je 23 Stockhieben zu Beginn und am End« der Strafe wirb bestraft: 1. wer einem ST.-Angehörigen gegenüber abfällige oder spöttische Bctnerkungen macht, die vorgeschriebene Ehrenbezeugung absichtlich unterläßt, oder durch sein sonstiges Verhalten zu erkennen gibt, daß er sich dem Zwange der Zucht und Ordnung nicht fügen will, 2. wer als Stubenältester oder als Vorarbeiter die Befugnisse als Ordnungsmann überschreitet, gleichgesinnten Gefangenen Vorteile in der Arbeit oder aus andere Weise verschafft, politisch andersgesinnte Mitgefangene schikaniert, falsche Meldungen über sie erstattet, oder sonstwie benachteiligt, 3. wer sich angeblich guter Beziehungen zum Lagerkommandanten, einem SS.-Führer, Unterführer oder SS.-Mann rühmt und damit auf andere Gefangene einen Truck auS- ttben oder sich Vorteile verschaffen will. 8? mit 14 Tagen strengem Arrest wird bestraft: 1. wer eigenmächtig ohne Befehl des StatianSführers di« für ihn bestimmte Unterkunft mit einer anderen vertauscht, oder Mitgefangene hierzu anstiftet oder verleitet, 2. wer auslaufenden Wäschepaketen verbotene oder im Lager hergestellte Gegenstände beifügt, darin versteckt, oder in Wäschestücken usw. cinnäht, 8. wer in Unterkünften, Aborten und an feuergefährlichen Orten raucht, oder feuergefährliche Gegenstände an solchen Orten apWivahrt,. oder, niederlegt. Ist. infolge Austerachtlassung dieses Verbots ein Brand entstanden, dann wird Sabotage angenommen. 8 8 mit 14 Tagen strengem A r r e st und mit 2ö Stockhieben zu Beginn und am Ende der Strafe werden bestraft: 1. wer sich unbefugt einer ausmarschierenden Arbeitskolonne anschließt, 2. wer in Briefen oder sonstigen Mitteilungen abfällige Bemerkungen über nationalsozialistische Führer, über Staat und Regierung, Behörden und Einrichtungen zum Ausdruck bringt, marxistische oder liberalistlsche Führer oder Novemberparteien verherrlicht, Vorgänge im Konzentrationslager mUteilt, oder in Briefen wider besseres Wissen seine Unschuld beteuert und damit Unruhe in die Oeffentlichkeit trägt, 3. wer verbotene Gegenstände, Werkzeuge, Hieb- und Stoßwaffen in das Lager schmuggelt, oder hier ansertigt und versteckt hält, oder wer als Mitgefangener hiervon Kenntnis hat und keine Meldung erstattet. 8 0 mit 21 Tagen strengem Arrest wird bestraft: wer staatseigene Gegenstände, gleich welcher Art, vom vorgeschriebenen Ort nach einem anderen verschleppt, vorsätzlich beschädigt, zerstört, verschleudert, umarbeitct oder zu einem anderen als vvrgeschriebenen Zweck verwendet; abgesehen von der Strafe haftet nach Umständen der Einzelne oder die gesamte Station für den entstandenen Schaden. 8 w mit 42 Tagen strengem Arrest, oder bauernder Verwahrung in Einzelhaft wird bestraft: 1. wer Geldbeträge im Lager ansammelt, verbotene Bestrebungen in- oder außerhalb des Lagers finanziert, oder Mitgefangene durch Geld gefügig macht, oder zum Schweigen verpflichtet, 2. wer Geldbeträge, die aus verbotenen Sammlungen der roten Hilfe oder anderen Verbänden stammen, sich schicken läßt, oder an Mitgefangene verteilt, 3. wer einem Geistlichen Mitteilungen macht, welche außerhalb des Rahmens der Seelsorge liegen, Briefe oder Mitteilungen zur Weitergabe zusteckt, den Geistlichen zu verbotenen Zwecken zu gewinnen sucht, 4. die Symbole des nationalsozialistischen Staates, oder die Träger derselben verächtlich macht, beschimpft, oder auf andere Weise mißachtet, 6. wer andere Gefangene dazu verleitet, in einen Hungerstreik einzutreten. 8 11. Wer im Lager, an der Arbeitsstelle, in den Unterkünften, in Küche« und Werkstätten, Aborten und Ruheplätzen zum Zwecke der Aufwiegelung politisiert, aufreizende Reden hält, sich mit änderen zu diesem Zwecke zusammenfindet. Elianen bildet, ober umhertreibt. wahre oder unwahre Nachrichten zum Zwecke der gegnerischen Grcuelpropaganda über das Konzentrationslager oder dessen Einrichtungen sammelt, empfängt, vergräbt, weiter erzählt, an fremde Besucher oder an andere weitergibt, mittelst Kassiber oder aus andere Weise aus dem Lager hin- ausschmuggelt. Entlassenen oder Ueberstellten schriftlich oder mündlich mitgibt, in Kleidungsstücken oder anderen Gegenständen versteckt, mittel« Steine usw. übet die Lagermauer wirft, oder Geheimschriften ansertigt, durch Lichtsignale oder auf andere Weise Zeichen gibt, oder nach außen Verbindung sucht, oder wer andere zur Flucht oder zu einem Verbrechen verleitet, hierzu Ratschläge erteilt, oder durch andere Mittel unterstützt, wird krait revolutionären Rechts als Auswiegler gehängt! 8 12 Wer einen Posten oder SS. Mann tätlich angrcist, zum Zwecke der Meuterei den Gehorsam oder an der Arbeitsstelle die Arbeit verweigert, andere zu den gleichen Taten ausfordert oder verleitet, als Meuterer eine Marschkolonne oder eine Arbeitsstätte verläßt, andere dazu aussordert, während des Marsches oder der Arbeit johlt. Hetzt, ober Ansprachen hält, wird als Meuterer aus der Stell« erschossen oder nach träglich gehängt. § 13 Wer vorsätzlich in der Station, in den Unterkünften, Werkstätten, Arbeitsstätten, Kessclanlagen, Küchen, Magazinen usw. einen Brand, Explosion, Wasser- oder sonstigen Sachschaden herbeisührt, ferner wer an einer Starkstromleitung, in einer Schaltstation, an Fernsprech- oder Wasserleitungen, an der Alarmanlage oder sonstigen TicherungSeinrichtnngen, an Maschinen oder Krrasifahrzcuaen Handlungen vornimmt, die dem gegebenen Auftrag nicht entsprechen, wird wegen Sabotage mit dem Tode bestraft. Geschah die Handlung aus Fahrlässigkeit, dann wird der Schuldige in Einzelhaft verwahrt. In Zwcisclsfällcn wird jedoch Sabotage angenommen. 8, 14 Wer einem SS-Mann oder Posten Geschenke anbietet, ihn mit Geschenken, Geld, oder anderen Mitteln zu gewinnen sucht, Handlungen zum Zwecke der Zersetzung der SS.- Truppe vornimmt in Gegenwart eines Posten oder ST.- Mannes politische Gespräche anknüpst, den Marxismus bziv. eine andere Novemberpartei ober deren Führer verherrlicht, abfällige Bemerkungen über die SS., SA., den nationalsozialistischen Staat, seinen Führer und seine Einrichtungen macht, oder sich sonst widerspenstig zeigt, ferner, wer im Lager verbotene Gegenstände zum Zwecke des KassiberschmuggelS oder zu Angrifsszwccken herstellt, oder an andere weitergibt, wird wegen Gemeingefährlichkeit dauernd f» Einzelhaft verwahrt. Eine Entlassung für solche Personen kommt nicht in Frage.'- f.»' t.',.r’Sw . 8 15■•■.;>,5 Wer sich wiederholt von der Arbeit drückt, trotz vorher* gebender Verwarnung den Appellen zur Arbeitseinteilung oder den Zählappcllen serrnbleibt, sich dauernd ohne Grund zum Arzt oder Zahnarzt meldet, körperliche Leiden oder Gebrechen vorschützt, nicht ausrückt, dauernd faul und träge sich benimmt, Ordnung und Disziplin außer Acht läßt, wegen seiner Kleidung wiederholt beanstandet wurde, anstößige Briefe schreibt, Mitgefangene bestiehlt, schlägt, wegen ihrer Gesinnung schikaniert, verspottet oder lächerlich macht, wird wegen Unverbefferlichkeit mit dauernder Strasardeit mit Arrest, mit Strafcxcrziercn, oder mit Prügel'bestraft. 8>6 Wer nach Eintritt des Zapfenstreiches sich außerhalb seiner Unterkunft bewegt, mit andern einen Hausen bildet, aus die Aufforderung eines SS.-Manncs nicht sofort auScinander- gebt, nach Eintritt des Alarms nicht sofort seine Unterkunft auisucht, oder während der Tauer des Alarms die Station verläßt, oder die Fenster öffnet,. wird vom nächststeheuden SS«Mann oder Posten beschossen. 8 17.'< Wer verbotene Gegenstände lWerkzeuge, Messer, Feilen usw.j mit sich führt, oder unbefugt Zivilkleidung tragt, kann wegen Fluchtverdachts in Einzelhaft verwahrf werden. § 18 Wer als Stubenältester, als Vorarbeiter oder als Gefangener von dem Vorhaben oder Verdacht einer Aufwieglung, Meuterei, Sabotage, oder soustigen strafbaren Handlung Kenntnis erhält, wird, falls er seine Kenntnis nicht sofort zur Meldung bringt als,/ Täter bestraft. Der Anzeigende wirb wegen Erstattung einer falschen Meldung nicht zur Verantwortung gezogen, wenn er durch besondere Umstände getäuscht worden ist. 8 10 Arrest wird in einer Jelle, bei hartem Lager, bei Wasser und Brot vollstreckt. Jeden 4. Tag erhält der Häftling warmes Essen, Strafarbeit umfaßt bart« körperliche oder besonders schmutzige Arbeit, die unter besonderer Aufsicht dnrchgeführt wird. Als Nebenstrafen kommen in Betracht: Strafexerzierey, Prügelstrafe, Postsperre, Kostentzug, hartes Lager, Pfahlbinden, Verweis und Verwarnungen. Sämtliche Strafen werden aktlich vermerkt. Arrest und Strafarbeit verlängern die Schutzhaft um mindestens 8 Wochen; eine verhängte Nebcnstrase verlängert die Schutzhaft um mindestens 4 Wochen. Strafweise in Einzelhaft verwahrte Häftlinge kommen in absehbarer Zeit nicht zur Entlassung Inspekteur der Konz;-?ager, F. d. R. Der Lagerkommandant Unterschrift.* I. A. gez. Eicke Adjutant. SS.-Brigadeführer und Gedanken eines„alten Kämpfers „Wir sind zu willenlosen Waschlappen degradiert.. ÄuS Dachsen schreibt uns aus Umwegen ein SA.-Mann: Wenn wir uns heute, nach knapp zweijähriger Regierungiszeit des nationalsozialistischen Regimes tragen, was ist erreicht' worden, so müssen wir die Frage mit „nichts" beantworten Ja, wir muffen sogar seststellen, daß das Gegenteil von dem eingetreten ist, wofür wir gekäwpst haben. Bei der Äöhmrevolte wurden 1184 Manu erschaffen, noch mehr etngesperrt und abgesetzt. Hunderte andere stehen an ihrer Stelle, um uns genau so sür ein paar Silberlinge zu verraten und zu verkaufen wie ehedem. Wir alten Kämpfer, die wir»ur bas Ideal des nationalsozialisttschen Programmes vor Augen batten, die wir dafür unser Leben, Gut und Blut in die Waagschale warfen, wurden mit einigen Gesten und großen RedLn abgetan, ähnlich wie man die Opfer des Weltkrieges mit dem„Dank des Vaterlandes ist euch gewiß" abspeiste, während die Leute der Etappe ihr Schäfchen ins Trockene brachten und heute den dicken Wilhelm spielen. Wen« wir eiumal die Argumente, die wir früher gegen unsere Gegner ins Feld führten, unsere» nächsten Führern vorhielte«, würde man sosort«ege» staatsfeindlicher Umtriebe hinter Schlost und Riegel gesetzt werden. Haben wir früher gekämpst gegen unsoziale Handlungen, Korruption und hohe Gehälter— für ein freies sauberes Deutschland, io ist gerade von dem. was wir wollten, das Gegenteil eingetreten. Nannten wir die Führer des Svstems Bonzen so ist heute die Bonzokratie dreimal gröber als früher. Habe» wir die Juden aus den Amtsseffeln geworfen, so verstehen eS heute die„Christen" noch viel beffer, uns Honig um den Mund zü schmieren und uns dabei auszuplündern und zu erpressen wie noch nie. Sprach irgendeiner von Sozialismus und den Segnungen der Republik, so batten wir für die verführten Proleten nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Haben politisiert und diskutiert, haben uns gerauft und geschlagen, ia sogar gemordet für däs Ideal des Tritten Reiches. Man könnte weine« vor Wnt, wenn mau daran denkt. Heute müffen wir stillstehen und die Schnauze halten, und wer sie auktut, ist erledigt. Ich' denke an das alte Lied— beut« ist es verboten —, das wir mit einer Leidenschaft, mit einem Fanatismus gesungen, geschrien, gebrüllt haben: Einst kommt der Tag der Rache, Einmal da werde» wir frei Schaffendes Deutschland erwache! Brich Deine Kelten entzwei! Und setzt nach zwei Jahren?„Lore-Lore-Lore-Lore, s ch ö» s i n d die Mädchen non siebzehn, achtzehn J a b r e n" Lästt sich mit diesen beiden Liedern nicht die ganze Politik charakterisieren? Das Volk hatte stch am 5, März freigemacht von Judentum und Bonzokratie, es glaubte an einen moralischen und sozialen Aufstieg. Jetzt sind zwei Jahre vergangen, und das Volk wird dreimal mehr geknechtet und geknebelt, ausgesaugt und erpreht wie früher, und das alles im Zeichen der nationalen Revolution, wo eS nur opfern» opfern und immer wieder opfern heißt. Man bat uns aus der Arbeit geworfen, vor die Gerichte des Systems geschleppt.. cingekerkert und sonst etwas mit uns gemacht. Nichts hat unseren Willen brechen könnest. Wir hlieben SA-Männer und hielten Adolf. Hitler die Treue. Und setzt? Man darf gar nicht daran denken^ sonst packt «i«e» di« W«t, die wa» nicht auslaffeu kann, man muh sie in sich hiueinsreffen und blindlings gehorchen. Wir sind keine Männer mehr, wir sind z« willenlosen Waschlappen degradiert worden. So denke nicht nur ich, sonder« viele alte Kämpfer, tausende und aber tausende, und an den Betrug, der au ihnen begangen wurde. Doch eS knistert langsam im Gebälk! Der alte Kämpfer hat nichts mit denen gemein, die sich so gern hinstellen und tun, als würden sie allein die SA. verkörpern: im Ausgehanzug Dienstöolch und Revolver haben, eine schöne Frau am Arme, dir teuersten und vornehmsten Lokale besuchen, bei Dienst aber nie anwesend sind, sonst in allen die SA. betreffenden Fragen in der öffentlichen, Meinung stets das graste Wort führen, als hätten sie allein gegen Kommunismus und,Terror gekämpft und das„dritte Reich" erobert. Dabei waren die Herrschaften, die heute solch große Töne angeben, auf die aber leider auch gehört wird, zur damaligen Zeit bei irgendeinem Spießerklub und trieben Vereinsmeierei. Nachdem die SA. ungefährlich und gewissermaßen ein Mooebegriff geworden war, mußten sie dabei sei«, genau so, wie sie die neuesten Anzüge nach Pariser Modell tragen. Diese Cligue verstand es, durch Schmus, Bier und Geld in.führende Stellungen zu kommen und hier nach ihrem Belieben schalten und walten zu können. Wir alten Kämpfer, die dagegen Front machten, wurden degradiert»nft hinausgeschmissen. So hat die SA- nach und nach ihren Sinn verloren und dient nur noch zur„Wirtschastsankurbelung". Wir haben gekämpst gegen Bank- und Börsenlürsten, Industriekönige. Krautjunker und Schlotbarone, und beute finden wir .diese, nachdem wir.sie früher an den.Pranger gestellt haben, als Führer der Wirtschaft, als Führer der TA. Wir„alten Kämpfer" stehen dabei, beißen die Zähne zusammen und ballen die Fäuste in den Taschen, wir, die alte SA., der Garant der Bewegung, der Garant des„dritten Reiches", des„dritten Reiches", das wir heute schon Haffen. Ordenskissen(Or Arbeiter In der„Bodensee-Rundschau" liest man unter der Ueberschrift:„Wohin mit den vielen Abzeichen?": ,„Was fangen wir bloß mit den. vielen Abzeichen an?— hat sich schon mancher gefragt, wenn er an einem unserer nationalen Feiertage gewendet und dafür einen Anstecker erhalten'»atte. Wegwerfen wollte man sie nicht, denn sie sind wirklich wertvolle Erinnerungsstücke an die große Zeit, in der das dem!-,e Volk sich wieder zusammenfand und gemeinsam sein Schicksal meisterte. Auch diese Anstecker— und feien sie noch so einfach— sind Auszeichnungen, denn sie beweiicn tast ihr Besitzer sich in den Rahmen der Volks- gemeinfchast eingesügt hat und mirarbeitet. Aus Anregung der Kreisleitung der NSV. wurde nun hier ein Ausweg gesunden, eine Art— wir können ruhig sägen Ordenskissen geschaffen, aus denen wir die Anstecker übersichtlich geordnet ausbewahren können.— Ein Stück Pappe— 25 mal 40 Zentimeter groß— ist schwarz überzogen und leicht gepolstert. Daraus gedruckt ist das Hoheitsabzeichen der NSDAP, mit der Aufschrift„Wik opfern", Tiefe Wandtafel kann von der Kreisleitung der NSV. bezogen werden und kostet 80 Pfg. Wir haben sie in unserem Schaufenster ausgestellt, so daß siH jeder selbst zuerst überzeugen kann, daß damit einem wirklichen Bedürfnis entsprochen wird." Kissen ans dem Sumpt Man schreibt uns aus Sachsen: BdM., Bund deutscher Mädchen, Obergebiet Chemnitz, dessen Obersührerin IlseLämmle und deren Bertreteri« Johanna Schnabel ist, umfaßt ungefähr 10 000 Mädchen im Alter von 12—18 Jahren. Es ist nun die Ausgabe dieser beiden Damen, die ebenfalls erst 23 Jahre alt sind, die Mädchen zu guten deutschen Müttern und Hausfrauen zu erziehen. Sie lernen dabei, wie man am beste» den„Assen" packt und die schönsten Zelle baut Samstags wird ausgerückt, irgendwo gezeltet. Zufälligerweise ist auch die HI. i» der Nähe und es kommt wie es kommen muß. Dem Vorbild der höhere» SA.-Führer folgend, kaufte die 23jährige Ilse Lämmle ein schönes Auto, das nur 8000 Mark kostete: ihren Freund, einen SS.-Obertruppführer, der bei der Revolution keine» richtigen Platz gefunden hatte, machte sie zu ihrem Chauffeur und persönlichen Adjutanten. Eines Tages kommt noch eine höhere Führerin, sieht sich mal den ganzen Laden in Chemnitz an und nimmt sich Ilse richtig vor. Sie verspricht, alles in Ordnung zu bringen, arbeitet die halbe Nacht durch, damit die Bücher stimmen, geht am nächsten Morgen zur Bank, hebt 20 000 Mark ab, um es angeblich persönlich auf den Gau zu schassen, gibt es aber ihrem Freund, damit er es einstweilen aushebe. Der setzt sich in das schöne Auto, fährt es au der Grenze in einen Steinbruch und war in wenigen Minuten über den Grenzbach gesprungen und in der Tschechoslowakei. Ilse wartete vergebens am Schnellzug Beuthen—Zürich, wo der Freund Herkommen sollte. Statt feiner kamen zwei ältere Herren, die der Ilse höflichst, aber bestimmt erklären, daß sie verhaftet sei. Bei genauer Durchsicht der Bücher ist eine Unterschlagung von 40 000 Mark aufgedeckr worden. Die beiden Autos sind in der Summe nicht enthalten, die waren mit verbucht. Wie ist es überhaupt möglich, daß so ein Mädel soviel Geld in di« Hände bekommt, daß jemand überhaupt soviel Vertrauen geschenkt wird? Die armen Eltern von den Kindern wiffen mitunter nicht, wo sie das Geld hernebmen sollen. Bald sind 10, bald 5, 50 und wieder 20 Pfennig mitzubringen: es wird direkt erpreßt. Geld und immer wieder Geld. Das ist in der SÄ., in der SS., bei de» Amtswaltern, bei der Arbeitsfront und überall der Fall. Geld, Geld, und noch einmal Geld, je mehr du hast, um so besser bist du angesehen. So sieht der Sozialismus der Tat aus, die Volksgemeinschaft der Arbeiter der Stirn und Faust. Das sind erst Blasen, die aus dem gewaltigen Sumpf der Korruption und Unterschlagung austauchen. Das sind Blasen, die noch am Rand platzen in die Mitte kann män gar nicht sehen. Da liegt ein gewaltiger Schleier draus» der da heißt Pressezensur und Konzentrationslager. Wer so eine Nachricht verbreitet, ist staatsgesährlich. er ist ein Meuterer und Aufwiegler und muß von der Bildfläche verschwinden. Die Sklarek-, Barmat- und Kutisker-Skandale sind Stecknadelköpfe gegen das, was heute geleistet wird. Werbt für die„Deutsche Freiheit'* 6rtcr6a«fen L, K, Paris. Wir banken Ihnen für Ihren Brief unb Ihre Anregungen. Sie sind größtenteils schon verwirklicht worben. Für»en Seiamrinholt verantwortlich. Johann Pitz In Dub» -veiler ffn Inserate: Ctte Sf*D 6 n In Lao-drUNen StvrartvnSbroil an» Berlaa Bertaa»er Bolkslitmyie GmbH. LaarbrUNen 3. Bchützenftraßr 5. Schließlach 776 TaardeüSeu. Gestern noch wurden die Siege der Arbeit«- schlacht stolz. verkündet, und heute wächst die Arbeitslosigkeit Fragen über Fragen wirft die Wirtschaftspolitik Adolf Hitlers auf. Sie ist ein Kampf, dessen Erfolg die wenigsten klar sehen,—- ein Kampf, der über das tägliche Brot des deutschen Volkes entscheidet. Und zugleich über die Dauer des Hitler-Regimes mitentscheidet Warum.Arbeitsbeschaffung? Wem soll die Wirtschaft dienen? Ist Hitler Freund der Bauern? Das Geheimnis der Arbeitsbeschaffungswechsel? Warum ist die Währung fest? Zwangswirtschaft oder Planwirtschaft? Was hat Schacht geleistet? Gibt es Auswege aus der heutigen Wirtschaftslage? Rettet der Erfindergeist Hitler? Was sind Kompensationsgeschäfte? Wohin muß der Weg Hitlers führen? Ueber all diese Fragen, die jeden angehen, gibt die Schrift, die jeden interessieren wird, eine Auskunft, die jeden überzeugen muß: Erhältlich’n den Preis 3,- Fr. VON DR. NORBERT MÜHLEN Buchhandlungen derVolksstimme GmbH., SAARBRÜCKEN NEUNKIRCHEN iAARLOUl»