Ur. 103. Adonntment»• Dedingungt»: ilbonnementS-Pr«i» ptfinumeranbo: vierteljährl. 3,30 MI., monatl. 1,10 MI., Ivöch«»tlich 26 Pfg. frei ins Hau«. Ewztlno Nummer k Pfg, DonntagZ- Nummer mit tllustrtrter Sonntags- Beilage„Z>te Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zettungs» Pretsliste für 1807 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Tsutfchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. U, Jahrg. Die Jnftriions- Grblihr betrügt für die fechSgespallsne Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für LeretnS- und BerfammlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittags tn der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erschelui täglich«ufttt«onkag». Vevlinev VolKsblÄkt. Fernsprecher: Amt I, Dr. 1308. Telegramm-Adresse: ,>S0li und nach sofortiger Theilung schreien. Das klingt ganz prachtvoll i» einer geleckten Gnildhall-Versammlnng»nd liest sich am anderer, Morgen gar hübsch in der Zeitung. Allein der Vorschlag sieht nicht ganz so vielversprechend ans, wen» etliche Hunderttausend liirkischz Soldaten Widerspruch dagegen erheben, daß ihr Land— in welchem sie etliche hundert Jahre lang gelebt haben— ihnen so ohne ivciterrs weggenommen wird. Roch tvcniger einladend sieht die Sacye ans, wenn plötzlich hinter diesem häßlichen Thier von einein Türken, b>i| wahrhaftig die Frechheit hat, sich seiner Haut zu wehren, eine oorr einige der Mächte erscheinen, denen ein Beuteiheil zugedachl ist, und stall nach der Beute zu greife», ihre Hand schützend vor das an- scheuliche Biest halten. Das war die Lage, in die sich Lord Salis» bnry versetzt sah, als er die überlieferte Politik Englands gegen., über der Türkei mit einen» Male umkehren wollte. Diejenigen, welche sich der Zerreißung des Türkischen Reichs, trotz seiner jetzige» Schwäche eiiigegenstellcn, verkennen sicherlich nicht die Mängel seiner Regierung und bedauern die AuS- schreitungen feiner ungezügelten Völkerschafte» der christlichen sowohl wie der muhamedaiiischeu— sicherlich ebenso Icbyast»vi« der begeistertste Politikaster mit noukonfonnistischei» Gewissen, der seinem Whisky- befenerten Zorn in glühenden Tischreden und Leilartikein Luft macht. Aber angesichts der Gefahr, daß Rußland gestärkt und ein europäischer Krieg hervor- gernsen wird— angesichts ferner der Thalsachc, daß von ollen Völkern des Türkische» Reiches die Türken weitaus das tüchtigst» (d� kar tbe linest) sind, haben sie die Ueberzengung gewonnen, daß es'viel vernünftiger ist, den Türken ihre eigene Regierung veroeffer» zu helfe», als sie einer noch schlechteren Regicrmig zu überliefert». Diese Ansicht hatte und verfocht der Schreiber dieses schon im Jahr« 1878 mit allein Nachdruck, und an ihr hält er heute noch fest, da er dnrch den Gang der Dinge linr bestärkt worden ist. Und wenn sich ein Einvernehme» zwischen Frankreich und England erzielet, läßt, ist eine ivlche Politik auch jetzt noch leicht durchzuführen. llnglücklicherweise hat dieselbe politische Kliqne i» England, die so ivüthend ans die Türkei losdonnert, die Durchführung einer solche» Politik der Refonn und Reorganisation hintertrieben. Die englischen Offiziere niid Beamten, die im Einverständni» mit den übrigen Großmächten, nach Kleiuasien geschickt wurd.», *> Der Aufsatz ist vor Ausbrnch des Krieges geschrieben, wa« den Inhalt jedoch nicht berührt. R. d.„V.". mit dem Volt und den Verhältnissen Fiiblnng ,u haben und eine veordnele Sichcrheitspolijci einzurichten, wurden von der Regierung Gfodstone's sofort— 1880— z u r>> ck b e r u f e n. Aber selbst oh», europäischen Einfluß ist in der Türkei überall, wo ei» guter türkischer Verwaltungsbeamter. wie Midhat und Nu st an. die nöthige Unter ftschung fand, eine gute Regierung an die Stell« der schlechte» getreten. Aber gute Regierung unter türkischer Herrschast ist gerade da§ was Rußland und die christlichen Handlanger Rußlands West- Europa's sowohl in Asien als in Europa zu verhindern l>e- strebt sind. Diese beirachte» Rußland, und sprechen es offen aus, als„die von der Ratur und der Vorsehung zur Herrschaft über die Christen des Orients bestimmte Macht." Die Politik, welche die Reorganisation der Türke»»inter moharuedanischer Herrschast verhindern will, hat darum zun» Ziel: Äleinaflen, Kon- stantinopel und den Bosporus den Moskowiter», und die europäische Türkei den»>oskoivitische» Agenten zu überliefern. Nür England ist das unter alln, Unisländen die Alternative. Allein Rußland selbst, das doch de» Löwenanthcil empfangen soll, hatte es nicht eilig, sofort Besitz von dem zu ergreifen, was es später mit geringeren Opfern und Anstrengungen sicher zu erreichen hofft. So hat denn dieser westeuropäische Kreuzzug gegen den Mohamedanis- »ins, den, wie ich sehe, die„Arne Zeit" billigt, das Ergebniß ge- habt, den Sultan von derjenigen Macht abwendig zu machen, die früher die Integrität der Türkei aufrecht' erhielt mit der Absicht. Reformen einzuführen, und ihn in die Arme derjenigen Macht zu jage», welche die Integrität der Türkei auf- recht erhält, um Reformen zu verhindern. Meines ErachtenS war es heller Wahnsinn fsheer rnadness), eine solche Politik anznnehme», und ist es der reinste Blödsinn(downrigsiit idiotey), sie weitet zu befolgen. Und nun eine» Blick auf die Kreter Angelegenheit, die un- mittelbare Ursache der gegenwärtigen Wirren und de» Anlaß zu den» fainosen„europäischen Konzert" unter Leitung des russischen Kapellmeisters. Kreta ist eine Insel»nit 300 000 Einwohiiern, Ivo- von ein Drittel Mohamedaner. Es ist seit 2000 Jahren und mehr als ei» unruhiges Stückchen Erde bekannt; und hat auf die eine oder andere Weise unter der türkischen Herrfchaft einen ziemliche» Grad von Wohlstand erlangt. Vor«iiäger Zeil brachen Unruhen aus, theils infolge innerer Ursachen, tbeils von außen angestachelt. Die Machte forderten Reforme» und bestanden darauf, daß die Türkei sowohl als Griechenland die Hand von Kreta fernhallen sollten. Die Türkei hat das ehrlich gelhan, Griechenland nicht. Die Unruhe» werden ernster, die Grieche» schicken Soldaten. Sehr natürlich, gensiß. Auch der Raubzug des I am eson>var sehr natürlich. Aber die Mächte erllärten den Raubzug der Griechen für einen Treubruch, und sagen, wen» Kreta auch keinen Rachtheil davon haben soll, so dock, Griechenland keinen Vorlheil. Ist das etwas so Abscheuliches? Rechtfertigt es. daß Griechenland nun mit- Krieg auf dem ifeftlande droht, wen» es Kreta nicht annektiren darf— mit einem Krieg, der ganz Europa i» Brand setzen kann? Rechtfertigt es, daß unsere scheinheiligen Pfaffen und Homerule-Eiferer des Unterhauses die Kreter zum Krieg ausstacheln, weil Kreta genau die Form der Autonomie habe» soll, die sie selber für I r l a n d befürworten? Ich denke: nicht. Und mehr: das wohlhabende Kreta dem bankrolten Griechenland preiszugeben, das nur ein nenes Anlehen in Szene sehen will und die Insel sicherlich sehr bald durch Stenern und Mißwirlhschast zu arund richte» würde— es wäre«in schweres Unrecht, und sollte mindestens nicht eher geschehen, als bis die Kreier in der Lage gewesen sind, nach der Entfernung des Obersten Vassos frei und ehrlich darüber abzustimnien. Tie Herren der„Reuen Zeit" möge» sich merken; auf Sizilien war keine mohamedanische Bevölkerung, die von christlichen Gurgel- abschneidern niedergemetzelt»verde« konnte, als Garibaldi mit seinen„Tausend" in Marsala landete. Und ist es, auch»vie die Dinge sind, et>va so ganz gewiß, daß Sizilien,»venu das Volk heute a b z u st i>» m e» hätte, sich, st a t t für A u t o n o m i e. für Annexion an das piemontesische Italien er» klären würde? Solche historische Analogie» können seh» leicht irreführen. Soviel steht indeffen fest: das Beispiel Siziliens ist nicht gerade ermnthigend für Kreta, wenn an Annexation gedacht wird; und für mich sowie für viele ander» Itali-riussiirn(Jtnlienschwärmer) der Jahre 1889— 1870 ist das „einige Italien, das selbstgemachte Italien"— Italia una. lUrlia fatta da so— eine recht arge Enttäuschung. Kreta unter rein türkischer Herrschaft zu halten, ist unmöglich, und es freut mich, daß die Kreter Selfgovernement unter festen Garantien bekommen, wie immer es auch erlangt»vird. Wogegen ich, und ich glaube, die große Mehrheit der Engländer sich»venden, das ist die An- nähme, daß Annexation an Griechenland ein rvesentliches Er- forderniß fei. und daß sie durch einen europäischen Krieg herbeigeführt werden soll. Da ich die extrem-türkenfeindliche Politik Lord Salisbury's prinzipiell verwerfe, so kann ich deniznfolge auch nicht sehen, was er in diesem Augenblick von seiirem Standpunkt anderes tbun könnte, als rvas er thut. Er selbst gab Rußland die leitende Rolle im Konzert, rvährend er gleichzeitig auf anderen Gebieten mit der deutschen Regierung in Streit gerielh; und jetzt haben»vir alle zu»varte», bis den Völkern die Wahrheit auf- dämmert, daß die Juteressen der russische» Regierung und die der zivilisirtcn Völker des Westens sich»veit»veniger mit einander vertragen, als die Interessen der Türkei und die der Völker des Westens. Aber man sagt nun, für Griechenland sein, heiße nicht für Rußland sein, Rußland selbst»viderfetze sich heute der Vergrößerung Griechenlands, und heute sei es gerade dieser Widerstand Rußlande der—»vie»vir alle sehen— de» Franzosen die Augen öffne. Daß Rußland sich jetzt der Annektion Kreta's durch Griechenland»vider- setzt, ist»vahr, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. WaS die Griechen erträumen, ist ein großes griechisches Reich, das Kon- stantinopel und Salonika einhalten, Makedonien annektiren, die Levante beherrschen, und Kleinasien unter seinem Einflüsse haben soll. Dies ist ganz chimärisch und selbst wenn es dies nicht»väre,»vürde die griechische Herrschaft ebenso schlecht und für einige der Völker- schaste», die Griechenland sich aneignen»vill, noch schlechter sein als die türkische. Es ist unnütz, so zu thun, als feien der Einfall in Kreta oder die angedrohte Attacke aus die türkischen Stellungen in Thessalien ernsthaste Versuche zur Lösung der Orientfrag«. Und Rußland tritt den Griechen jetzt nur entgegen, weil sein augenblickliches Interesse es mit sich bringt, den Sultan vorläufig zu unterstützen. während die französischen Sympathien für Griechenland ebenso- wenig verläßlich und substantiell sind, wie die französischen Eym- pathie» für Pole». Rein, ich mag die Frage betrachte», von welcher Seile ich»vill, als Engländer und als Sozialdemokrat kann ich nur voll und ganz übereinstimme» mit den» Standpunkt, welche» der(Redakteur des)„Vorwärts" in der Orientfrage ein- genommen hat. Der gefährliche Feind, den der menschliche Fort- schritt und die Demokratie auf der Welt haben, ist Rußland. Die 'Türkei kann der natürlichen Entivickelung Europa's keine Hinder- nisse in den Weg legen. Rußland kann und will dies. Rußland thut es schon jetzt. Jede Politik, die darauf chinziell, die Türkei in die Arme Rußlands zu»verfe», dessen Stimme in dem Rath« Europas den Ausschlag giebt, ist darum eine für die Wohlfahrt der europäischen Völker, das russische selbst mit eingeschlossen, verderbliche Politik. Der jämmerliche, an sich lächer- lich unbedeutende griechisck,-kretische Spektakel hat die öffentliche Aus- »nerksanikeit von de» ungleich wichtigeren Fragen abgelenkt um die es sich .in Wirklichkeit handelt. Während die Gefühlspolitiker weinen und klagen und ihre Gewänder zerreißen im Jammer um die türtifchen Greuel, stützen und stärken sie direkt und indirekt ein Regiment grausamster Unterdrückung, das schon jetzt schwer auf Europa lastet, und im Laus der Jahre noch weit unheilvoller für uns sein wird, wenn die «uropäische» Kulturvölker nicht ihre untergeordnete» Streitigkeiten vergessen und sich znsamineulhun, um diesen gemeinsamen Feind Aller unschädlich zu machen. Nachschrift. Es verdient vielleicht in diesem Zusammen- hang erwähnt zu werden, daß wir englische Sozialdemokraten unserem liberal-fabianischen Freund Bernstein, der, wie ich glaube, einer der Redakteure der„Renen Zeit" ist, nichts recht machen können. Wir haben die Metzeleien und Schwindeleien der Chartered Company in Matabele-Land nach Kräften bekämpft und gebrand- markt. Nach Bernstein's Ansicht waren wir ganz im Unrecht. Rhodes, Rothschild, Fife, Beit u. Ko. wirken nach seiner Ansicht sehr Gutes in Südafrika. Wir allein von sämmtlichen Parieie» in England haben gegen unser niederträchtiges Regiment in Britisch- Indien agitirt, das von den armen Eingeborenen über ö00 Millionen Pfund Sterling(10 000 Millionen Mark!) erpreßt, diese kolossale Summe aus dem Lande herausgezogen, und hier- durch wie durch sonstige schmachvolle Praktiken die gegenwärtige furchtbare Hnngersnoth verschuldet hat. Nach Bernstein übertreibe» wir freventlich und habe» keine Augen für die Segnungen, dt« das indische Volk dem britischen Regiment verdankt. Das hat er unseren Kameraden häufig gesagt. Wir wollen nickts mit den liberalen Ar- beiterfreundcn zu thun haben, die nach Halifax gingen, um die Wahl Tom Mann's zu bekämpfe». Nach Bernstein's Meinung hätte» wir mit der„Masse" der englischen Arbeiter gehen müssen, einerlei, wohin sie gehen. Jetzt haben wir es abgelehnt, in das heuchlerische schein- demokratische Geschrei von Griechenland und Kreta und dem „Heiligen Rußland" einzustimmen, welches von dem„Daily Chronicle" und dessen hysterischen Pfäfflein männlichen und weiblichen Geschlechts angestimmt worden ist und mit vollster Lungen- kraft betrieben wird. Da kommen wir aber bei Freund Bernstein gar übel an. Hier sind wir erst recht auf dem Holzwege, und ich insbesondere sollte jetzt im Lande herumziehen und das Volk aufrütteln, daß es Krieg für Griedienland fordere. Daß Genosse Bernstein in so manchen Punkten von unseren Anschannngen abweicht und den deutschen Genösset» kein ganz richtiges Bild unserer Bewegung giebt, das ist sehr schmerzlich für uns. Ich hoffe aber, ein besseres Einverständniß wird sich anbahne». Die Bewegung in England geht entschieden vorwärts. Wir habe» freilich hart zu kämpfen, und bis vor kurzem herrschte nicht genügende Einheitlichkeit der Auffaflnng unter uns. Doch das bessert sich mehr und mehr. Und unsere deutschen Genossen, au deren Älchlung uns so viel gelegen ist, werden finden, daß die englischen Sozialdemokraten trotz aller Schwierigkeiten die ihnen zugefallene Ausgabe auch erfolgreich durchfuhren werden. Und Freund Bernstein kann uns, wenn er»ins nimmt, wie wir nun einmal sind, dabei viel helfe».' H. M. H. (Bei der Loyalität linserer englische» Genoflen und bei dem peinlichen Gerechtigkeitssinn unseres Freundes Bernstein sind wir der festen Ueberzengung, daß die gegenseitigen Mißverständnisse, die auch wir bedauern, allniälig schwinden und einem harmonischen Zusammenwirken Pbrtz machen werden. Harmonie ist ja nicht Monotonie, und sie schließt Verschiedenheit deS Denkens und Empfindens nicht aus. W. L.) PolMfchc Mebev�chk. Berlin, 4. Mai. Ans dem Reichstage. Trotz einer verhältuißmäßig langen Tagesordnung verlief die heutige Sitzuiig ungeuicin rasch. Die Punkte 1, 2 und 3 über allgenicine Rechninigs- lepung und den Etat der Schutzgebiete wurde fast ohne Debatte erledigt und bei Punkt 4, Servistarif, trngeil nur die Abgeordneten, welche Städte mit niedriger Servisklaffe ver- treten, die Wünsche der betreffenden Gemeindebehörden um Aufrückung in eine höhere Klaffe vor. Auf eine Anfrage Richters nach dem Stande der Gcsetzesvorlage betr. den Mtlilärstrafprozcß antwortete der Minister mit einigen Ver- legenheits-Wendungen. Ganz sang- und klanglos wäre die zivcite Lesung des Gesetzes über die anderweite Bemessung der Wittwen- und Maisengelder erledigt worden, wenn nicht unser Genosse Stadthagen eine Reihe von Anträgen ein- gebracht hätte, welche sich durchweg ans Erhöhung der niedrigen Sätze bezogen. Unser Genosse begründete seine Anträge mit dem Hiniveise, daß das Reich die Wittivcn und Waisen seiner niederen Beamten nicht schlechter bedeirken solle, als wie die Großstädte dies mit ihren Armen thun. Natürlich hatten diese Ausführungen nicht den geringsten Erfolg und lehnte die Majorität alle Anträge unseres Genossen ab, während die Regierungsvorlage ohne Abänderungen Annahme fand. Kurz nach 4 Uhr war die Sitzung zu Ende, welche damit begonnen hatte, daß Herr v. K a r d o r f s für seine gestrige Ungezogenheit gegen die Abgeordneten Dr. Barth und Richter einen nachträglichen Ordnungsruf erhielt. Morgen 2 Uhr: Answanderungs-Gesetz. Im prcußischc» Abgcordnetenhause wurde heute bei der weiteren Beralhnng des Kullusetats beim Keipilel„Universnäten" dem Kultusminister Gelegenheit gegeben, sich über de» Fall Arons»nd über seine Grundsätze bei der Besetzung nationalökonomischer Lehrstühle zu äußern. Daß es stch hierbei um bestellte Arbeil handelte, beweist die Ungeschicklichkeit, mit welcher der für derartige Dienstleistungen ansersehene Osfiziosns der„Post". der Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) die Sad>e zur Sprache brachte Anknüpfend a» den im„Vorwärts" erhobenen Vorwurf, daß das Abgeordnetenhaus, statt sich mit aklnelle» Fragen, wie die Fälle Arons und Jnstrow, zu beschästige», seine Zeit mit Paritälsllage» und Polendedatte» verzetlele, betonte der Redner die Nothwendigkeit, in ähnliche» Fällen einzugreifen und hierfür eine formell rechtliche Grundlage zu schaffe». Der ninstürzle- rifche Charakter der Sozialdemokratie fei vom Ober-VerwaUungs- gerichl als gerichlsnolorisch anerkannt, es sei also unzulässig, daß ein Sozialdemokrat im Lehrkörper einer staallichen Hochschule sitze. Wenn die bestehenden Gesetze nicht ausreichten, so müßte dr« Gesetzgebung einschreiten. Der Kultusminister B off e schilderte zunächst ausführlich die Vorgeschichte des Falles Arons, dessen Bedeutung im allgemeine» in der Oeffenllrchkert überschätzt sei. Nachdem die pdilosophische Fakultät dem Privatdozente» Dr. Arons im Juli 1895 eine Verwarnung er- theill und ihm gerathen hatte, sich in Zukunft der sozialdemokratischen Agitation zu enlhallen, habe er. der Minister, sich die Frage vor- gelegt, ob er von AufsichtS wegen gegen Dr. Arons einschreiten könne. Aus dem von ihm eingeholte» Gutachten Hab« sich aber er- geben, daß es an einem festen Rechtsboden fehle. AuS dem Verlauf der Angelegenheit habe er de» Schluß gezogen, daß es»othivendig sei, zunächst Ordnung und Klarheit in die Disziplinarverbältnisse der Privatdozenten zu bringen. Es sei im Ministerium ei» Gesetzentivurf in dieser Beziehung ausgearbeitet, über den die Universiläte» gehört seien und über den gegenivärlig Verhandliinge» mit fden anderen betheiligte» Ressorts schweben. Die in der Presse anS- gesprochene Behauptung, es dürfe gegen die Privatdozenten über- Haupt keine Disziplinargewalt bestehen, könne er nicht begreisen. den» nian könne unmöglich den jungen Privatdozenten, die das Recht habe», in den Lokalen des Staates und unter Benutzung der staatlichen Lehrnrillel Vorlesungen z» halten, ei» Privilegnim vor den Professor«» gewähren. Der Staat muß gegen die Privatdozenien eine Disziplinargeivall haben. In dem Falle Arons habe die Sache freilich keine große Eile, denn Dr. Arons sei nach der Verwarn»»» in keiner Weise mehr agitatorisch bervvr- getrete», er habe sich auf seine Bortesungslhäligkeit beschränkt, und es sei nicht der leiseste Verdacht dafür vorhanden, daß er seine Vor- lesnngen benutzt halte, um seiner, Zuhörern auch nur andeiitnnpS- werfe sozialdeinokrmrsche Gedanken beizubringen. Diese Gefahr bestehe auch nicht, denn dazu liest Dr. Arons viel zu wissenschaftlich. Freilich habe der bloße Gedanke, daß ein Privatdozent, der der sozialdemokraiischen Partei angehört, Vorlesungen halten dürfe, an sich etwas Befremdliches. I», weiteren Verlauf der Debatte führte Abg. Dr. I r m e r(k.) unter dem Beifall seiner Freunde anS, daß ein Privaidozent, der sich a» der sozialdemokratischen Agitation bctheilige, riichl auf den Lehrstuhl gehört. Selbst auf die Gefahr hin, daß mau ihm vor- werfe, er vertheidlg« nicht die Freiheit der Wissenschaft, müsse er doch a»f die eigenartige Stellung der Privatdozenten hinweise», die zwar kein« öffentlichen Benmle» seien, aber doch unter der Autorität des Staates lehren. Es verletze das öffentliche Bewußtsei», wenn man weiß, daß ein Mann in so wichtiger Stellung, der unsere künftigen Beamten heranziehen solle, nicht blos sozialdemokratischen Lehre» huldigt, sondern auch durch Vorträge oder durch Spende» von Geldmitteln sich an der Agitation betheiligt. Er nehme die Sache weit ernster als der Minister und wünsche, daß der angelündigie Gesetzeiilwnrf so bald wie möglich dem Hause zugeht. In einer vorzüglichen Rede, die beider bei dem leisen Organ des Redners ans der Tribüne zum theil unverständlich blieb, trat Abg. Dr. Virchow(frs. Vp.) für die Wahrung der Lehrsreiheit ein. Nach den Unive>siläls- Statuten hätten die Privatdozenien im Grunde nur mit der Fakultät zu thun, der Minister habe nur das Recht,»uter Umständen die Rcmolion herbeizuführen, er habe aber lein Recht, den Privatdozenten Lehren zu ertheile» oder sie zu beanssichligen. Das sei lediglich Sache der Fakiiltät, die dem Minister dafür verantwortlich sei. Solange das Statut existire, verlange er, daß man es respektire; wer das nicht thue, begehe einen Rechtsbruch. Wie alle Meusche», so seien auch die Priraidozenten dem Gesetz»nierivorfe», aber wenn man ohne gerichtliches Verfahre» nur durch administrative Einivirkmig die Privaldozenten beeinfluffen wolle, so greise man die Freiheit der Wissenschaft an. Die zweiie wichtige Frage, über die Frbr. v. Zedlitz dem Minister Gelegenheit gab, sich zu äußern, waren die Grundsätze der Regierung über die B e s e tz»» g n a t i o» a l ö k o» o>» i s ch e r Lehrstühle. Hierbei seien für ihn. führte Dr. Bosse ans, dieselben Gesichtspnnkte maßgebend, die überhanpr bei der Besetzung akademischer Lehrstühle in belracht kommen. Er halte es für feine Pflidst, nicht eine bestimmte wissenlchafiliche Richtung z» begünstigen. sein Be- streben gehe dahin, alle Richtunge», soweit sie wissenschaftlich legilimirl feie», zur Geltung zubringen. Die Lehrfreiheit der Universitälen Hab« natürlich auch gewisse Schranken; es gebe Vorkoinmiiiffe, die mibediiigt das Ausscheiden eines Profesiors ans dem Lehrkörper»ach sich ziehen müßten, z. B. der Ueberlritt eines katholische» Theologen zum Pro'.estaniismns»»d umgekehrt. Die weitere» Ausfübrungen des Ministers über Kalheder-Sozialismns sowie die sich daran knüpfende Debatte sind durchaus belanglos, der Kuriosität halber sei höchstens der Vorschlag des Freiherrn v. Zedlitz erwähnt, die Lehrstühle mit Männern aus der Praxis zu besetzen. Daß der Redner hierbei irgend einen bankerotten freikoiiservativen Fabrikanten im Auge habe, ist leicht zu durchschauen. Ter Minister versprach, er werde stch bemühen, Männer der Praxis zu finde», die geeignet seien, die akademische Lehrtbätigkeit auszuüben, er werde ferner, eingedenk des BlSmarck'schen Wortes, daß man die Henne nicht schlachten soll, die die goldene» Eier legi, dafür sorge»/ daß der Standpunkt der Arbeitgeber e t>v a s mehr zur Geltung k o nun t. I», übrigen sei aus der heutigen Sitzung noch der versuch des 9ibg. Schmieding(nail.) erwähnt, de» Prof. Adolf Wagner wegen seiner kürzlich in Bochum gehaltenen Rede zu denunziren. die angeblich geeignet sei. den sozialen Frieden zu gefährden. Daß die Nationalliberalen schon durch da? Auftreten eines Adolf Wagner den sozialen Frieden bedroht sehen, beweist, von einer wie blaffen Furcht diese Mannesseelen befallen sind. Herr Schmieding wurde übrigens von dem Abg. Stöcker in einer verhältuißmäßig glückliche» Weise abgeführt. Morgen wird die Berathung des KnltusetatS fortgesetzt. Au die verantwortliche Stell« Herrn Stumm zubringen, das müßte in einem ivirklich konstitutionellen Staate Auf- gäbe des Parlamentes sein. Herr von Stumm hat es verstanden, maßgebenden Einflnß auf Ernennungen zu höchsten Staatsämteni, auf den Gang der Sozialpolitik, auf Versetzungen von Beamten im Saargebiet, aus Dis- ziplinirung von.Geistlichen, während dem Reichs- kanzler unmöglich wurde, seine dem Reichstage bez. der Militär- Strafprozeßordnung und des Vereinsgesetzes ge- gebenen Versprechungen zu erfüllen, ebenso wenig gelang es ihm, die wegen der Börsengarten-Affäre ihm noth- wendig erschienene Versetzung des Oberpräsidenten v. Bismarck durchzusetzen. So kann man es begreifen, daß Hohenlohe und der mit ihm am meisten verbundene Staatssekretär v. Marschall gerne ihre Ministerportefeuilles anderen überlassen würden. Daß Hohenlohe alt ist und Ruhebedürfuiß hat, daß Marschall den Eindruck schwerer Ermüdung macht, weiß jedermann. Wenn nun auch die Gerüchte von einer RegierungSkristS für den Augenblick keinen Glauben verdienen sollen, so ist es ebenso sicher, daß über Nacht eine schwere MinisterkrisiS anS- brechen kann. Daher die ständige Diskusston in der Presse über den künftigen Reichskanzler. Man weiß, wie schwer eS wird, kür die höchsten Reichsäniter Chefs zu finden, dies zeigt ja auch die auffallend lange Frist, während welcher das Staatssekrctariat des Reichs- Postamtes unbesetzt bleibt. Als Nachfolger des Fürsten Hohenlohe soll nun der Name Miquel's auf aller Lippen sein. Wir glauben aus mannigfachen Gründen nicht an diese Kombination. Biel plausibler wäre es, daß Herr von Stumm, wenn die Verwaltung der Neunkirchener Werke es gestattet, auch die formelle Verantwortung für die Reichspolitik und die Preußens übernehme, indem er sich selbst als Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten aussuchte. Kein Mann ist für den Augenblick geeigneter als Chef der Reichspolitik als der Scharfmacher. Der Sozialdemokratie könnte man zu dieser Wahl gratuliren.— TaS Junkerthum zeigte sich gestern in seiner ganzen Glorie— und zwar das Schlot jnukerthum ebenso wie das Kra utjnnkerthum. Herr vonHeyl, der Jndustriepascha vom Rhein und Graf Kanitz, der Landwirthschaftspascba von Ost- elbicn wetteiferten mit einander in dem edlen Bestreben, Deutschland in einen Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten zu verwickeln, und dem deutschen Volke den Brotkorb höher zu hängen— zur größeren Ehre und reichlicheren Fütterung der junkerliche» Nimmersatte. Nichts ist den Herren genug, aber auch nichts ist ihnen zu gering. Sogar auf die amerikanischen A e p f e l wurde Beschlag gelegt, auf daß die deutschen Arbeiter gcnöthigt seien, für das doppelte Geld die schlechten Aepsel des Grafen Mirbach und seiner Gesellen zu kaufen. Ter Anlaß zur gestrigen Interpellation ist gleichgiltig. Die Herren Junker wollten die amerikanische Regierung un- gesetzlichen Vorgehens gegen Deutschland, die deutsche Regierung schmählicher Nachgiebigkeit gegen die amerikanische S'hen. Sie wollten also zwei Flieger» mit einer Klappe lagen: Aushungerung des deutschen Volkes durch Zollkrieg gegen Amerika und Sturz der Reichsregierung, namentlich des verhaßten Marschall. Dieser fertigte die Herren Agrarier gut ab. Am besten aber wurden sie abgefertigt durch s i ch selb st. Die Jagd ans die Tasche des armen Mannes ist nie zynischer verlüudet, die wahre Junkernatur nie unverhüllter gezeigt worden, als in den gestrigen Aussprachen der agrari- scheu Redner. Und damit das Bild vollständig werde, präsen- lirte Ehren- K a r d o f f zum Schluß die Hammer st e i n'sche Pistole und lud die Gegner des modernen Raubrittertbnms zu einer Schießerei in den Grunewald ein. Man könnte Dieser Belehrung bedurfte eZ für mich nicht, dazu ist meine parla- nteutarische Erfahrung alt genug. Es handelt sich hier um die destimmte Zusage des Reichskanzlers, diese Reiormvorlage dem Reichstage iin Herbst vorzulegen. Wenn diese Zusage nicht erfüllt ist, so beweist das, daß der Reichskauzler nicht dasjenige Maß von Autorität besitzt, welches nothivendig ist, um die Geschäfte des Reiches zu besorge».(Zustimmung links.) Staatssekretär v. Bötticher: Ter Kernpunkt der von mir ge- gebene» Auskunft war der, daß gegenwärtig die Militär-Strafprozeß- Ordnung zur Berathung den zuständigen Ausschüssen des Bundes- raths vorliegt. Und wenn der Vorredner an das Versprechen des Reichskanzlers erinnert hat, so habe ich ihm daraus zu erwidern, daß dieses Versprechen nie dahin ging, daß der Reichstag in» Herbst damit befaßt werden sollte, denn das konnte er nicht verspreche». »veil die Erfüllung eines solchen Versprechens garnicht von ihm allein abhängt, sondern die Zusage bezog sich darauf, daß im Herbste eine solche Vorlage den gesetz- gebenden Faktoren des Reiches zugehen sollte. Diese Zusage ist in vollem Maße erfüllt! der Enlivurs einer Militär- Strafprozeß- Ordnung sowohl>vie das Einsührungsgesetz, letzteres allerdings später. sind dein Bundesrathe zugegangen. Wenn jetzt die Ans- schüsse zur Erledigung der ihnen gestellten Aufgabe noch nicht ge- komme» sind, so»vird sich zwar der llieichskanzler, wie ich annehme. bemühen, die Anstände. die in dieser Beziehung einer definitive» Beschlußfassung noch entgegenstehen, zu beseitigen, aber ein Ver- sprechen zu geben, eine Vorlage bis zu einem bestimmten Termin zu erledigen, dazu ist niemand im stände. Abg. Hasse(natl.) bezeichnet es als bedenklich, daß in der Be- gründung ausgeführt werde, daß der Umstand, daß in einzelne» Bundesstaaten der Servistarif für die Höhe des Wohnungsgeld- Zuschusses als Maßstab diene, nicht in Berücksichtigung gezogen »vorden sei. Man hätte aus diese Rückivirkung doch etwas Rücksicht nehmen können. Abg. Werner(Reform-P.) empfiehlt ebenfalls die Kontmissions- berathung. Abg. v. Kardorff(Rp.): Es»vird kaum einen Abgeordneten gebe», der nicht eine Petition von irgend einer Stadt hat, die i» eine höhere Klasse versetzt»verde»»vill. Alle Wünsche könne» nicht berücksichtigt»verde». Wir müssen doch annehmen, daß die Verivaltungsbehörden eine sehr sorgfältige und sachliche Prüfung vorgenoinmen haben. Abg. Rickcrt(srs. Vgg.) hält doch dafür, daß die Behörde»» nicht überall nach gleichen Grundsätzen verfahren sind, daß dabei eine gründliche Prüfung der Vorlage nölhig sei. Abg. v. Salisch(f.): Die Preise haben sich einigermaßen ans- geglichen; es ist nicht auf eine Versetzung der Ortschaften in ei>»e höhere Servisklasse bedacht zu nehme», sondern aus eine Ausgleichung der Differenzen zwischen den einzelnen Klassen. Zlbg. Richter hält es auch für nothivendig, den eigentliche» Servistarif zu prüfen und einen Ansgleich herbeizuführe». Der Reichskanzler hat bei seiner Zusage nach seinen» Wortlaute doch »vohl angenommen, daß der Bundesralh die Militär- Strafprozeß- reform schneller erledigen»vürde; denn er hat davon gesprochen, daß sie den gesetzgebenden Faktoren, also auch dem Reichstage, im Herbste vorgelegt»verde» soll. Staatssekretär»>. Bötticher: Herr Richter weiß, daß zu jedem Reichsgesetz die Zustimnning der beiden gesetzgebende» Faktoren gehört, und»venn in Allssicht gestellt wird, daß diesen gesetzgebenden Faktoren eine Vorlage gemacht werden soll, so ist es ganz selbst- verständlich, daß diese Vorlage zunächst, wenn es eine Präsidial- vorläge oder ein von einen» Bundesgliede ausgehender Antrag ist, dem Bundesrath zugeht. Diese Zusage ist nun, ich wiederhole es, in vollem Maße erfüllt worden. Abg. Richter: Dann»vürde der Reichskanzler, der doch ein Meister des Ausdrucks ist. gesagt haben, daß die Vorlag« dem Bundesrathe vorgelegt werden sollte. Uebrigens hört man, daß die Schivierigkeiten nicht im Bundesrathe, sondern beim preußische» Staatsininisteriuin, von dem sie ausgegangen ist, liegen.(Zu- stimmuug links!) Staatssekretär d. Bötticher: Was man hört, ist nicht immer richtig!(Heiterkeit.) Die Borlage»vird darauf der Budgetkommission überiviesen. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzentivurscs»vegen a»der> »veiter Bemessung der Wittiven- u>»d Waise»gelber Von den Sozialdemokraten liegt der Antrag vor, die Mindest- peusion der Wittiven von 216 M. auf 450 M. oder doch mindestens auf 360 M. zu erhöhen. Abg. Stadthagcn(Soz.) begründet diesen Antrag unter Hin- »veis auf seine Aussührungen bei der crste» Lesung; die Pension müsse doch so bemessen»verde», daß eine Wittive mindestens täglich 1 M. Pensio» habe. Der Antrag»vird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Antisemiten Werner abgelehnt. Ein»veiterer Antrag des Abg. S t a d t h a g e n, für die Wittiven der Personen des Soldatenstandes von« Fcldivebel abivärls im Falle ciires ilufalles ebenfalls eine Miudestpension von 450 beziv. 360 M. zu gewähren, für die Waisen aber statt des Betrages von 44 M. für eine vaterlose, von 72 M. für eine vater- und mutterlose Weise die Beträge von ISO und 225 M. zu be»villige», »vird ebenfalls abgelehnt,»achdein der Staatssekretär in» Reichs schatzaint Graf PosadowSky Widerspruch erhoben bat. Endlich»vill Abg. Stadthagcu auch für die Wittiven und Waisen der in Neichsbclriedcn verunglückten Arbeiter die von ihm beantragten Mindestrenten beivillige». Auch dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten abgelehnt. Schluß 3Vz Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr.(Ziveite Berathung des'Ausivanderungsgesetzes.) VAvlsmenkAviflches. Die Budactkoinmisfion des Reichstags erledigte in der Sitzung an» Dienstag den N a ch t r a g s e t a t. Es»vurde seitens der Regierung mitgetheilt, daß»och ei» ziveiter Nachtrags- etat auf dem Wege ist, unifassend den Betrag von 100 000 M. flär die Pariser Ausstellung und 37 000 M. für Vermehrung des Personals des Reichsversicherungsamls.— Die For- derungei» im Nachlragsetat zi»r Ergänzung der Reserve- bestände der Artillerie»vurden ohne besondere Abstimmung b e>v i l l i g t. Auch die sänimtlichen übrigen Positionen des Nachtragsetats»vurde» anstandslos beivilligt, darunler eine Million zun» Ankauf eines Gruirdstücks für ein Präsidialgebäude des Reichstags. Koluniissio» für die Handwerkervorlage. Die reaktionäre Majorität in der Koinmisston haspelt eilig die einzelnen Paragraphen der Vorlage durch, um möglichst alle Bestimmungen, die auch den Arbeitern gewiffe Rechte garantire», auszumerzen oder doch ab- zuschivächen. Konservative und Zentrum lausen sich in diesem Bestreben gegenseitig den Rang ab. I» der Sitzung am letzte» Freitag »vurde von Herrn Gamp der Versuch gemacht, die Gcsellenaus- schüsse und ihren Einfluß gänzlich in das Belieben der Innungen zu stelle», ein Versuch, der in der praktischen Handhabung die Streichung dieser Vertretung znr Folge haben muhte. Selbst die Herren von der Regierung bemühten sich, diesen Vorstoß der Jnnnngsfanatiker zurückzuiveisen»»»d von mehrere» Seiten»vurde dem Antragsteller entgegen gehalten, daß die Organisation der Innungen gerade in ihrer Blüthe die Mitivirkung des Gesellen- ausschnsses nie entbehrt hatte. Schließlich beschränkte sich die Majorität darauf, einige Anträge unserer Parteigenossen, die dem Gesellenausschnß einen größeren Einfluß sichern»vollten, abzulehnen. In der Sitziing an» D i e n st a g»vurde von dem Abg. G a»n p durch einen Antrag erfolgreich der Einfluß der- jenige» Handiverksmeister vo» de» Innungen ferngehalten, die »veder Gesellen noch Lehrlinge beschästige». Die Fassung des hinzu- gefügte»§ lOOaa gestattet es nunmehr, daß auch ohne Zustimmung dieser»viinhschastlich so schlecht gestellte» Handiverker die Zivangs innnng errichtet»verde»» kann und in diesem Fall natilrlich auch der Beitritt für diese Kategorie von Geiverbtreibenden ein srenvilliger bleibt. So sieht die Fürsorge für den kleinen Handiverker aus, daß ihn seilte angeblich besten Freunde als Kollegen z, veiten Grades betrachten und ans seine Mitivirkung verzichten. Daß sie von den Wohlthate» der Zivangsinnungen nichts genießen,»vird d»e kleinen Meister»vohl weniger verstimmen. Ei» Antrag unserer Genosse», der von den Innungen Jahresberichte verlangt, die von den Hand- werkskammern zusammengestellt dem Reichstag und Bundesrath vorzulegen sind. wurde abgelehnt. da man natürlich keine Ver- anlassung hat, über die voraussichtlich jämmerlichen Resultate dieser Organisationen auch noch das Material z>lsammen- zutrage»,»velches bisher das Licht der Oeffentlichkeit gescheut hat. Nachdem einige Bestimmungen. die der Aus- sichtsbehörde große Befugnisse Übertruge», ans Antrag der Abgg. G a n» p und E u l e r beseitigt»varen, wurde noch ei» erfolgreicher Vorstoß gegen die O r t s k r a n k e n k a ssen unternommen. Die Vorlage hatte hier vorgesehen, daß. bei Errichtung einer Zivangs- innung die bisher bestehende Jnnungskasse einer freien Innung mit den Rechten und Verbindlichkeiten ans die neue Zivangsinnuug übergehen. Jedoch kann die Verivaltungsbehördc die Kasse schließen,»venn die Orts-Krankenkasse in ihren» Fortbestehen und ihrer Leistnngssähig- keil gefährdet erscheint. Diese Berücksichtigung fiel, es soll also auf das Fortbestehen der Orts-Krankenkassen keine Rücksicht genommen werden. Die Verhandlungen»verde» am Mittivock» sortgesetzt und habe» unsere Genossen beantragt, bei den Ha»d»verkska»n»erii, ähnlich wie es der preußische Entivnrf beabsichtigte, die Gesellen ver- t r e t u» g zuzulassen. Das Zentrum und die JnvaliditätS-Bersichernng. Von den Abgg. Graf von Hompesch und Ge>wssen ist im Reichstage folgender Antrag zur ziveiten Berathung des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes eingebracht»vorden: „Der Reichstag»volle beschließen: In Erivägnng, daß gemäß de» eigenen Darlegungen der Vor- läge die Dnrchfiihrung der Jnvnliditätsversickerung in ihrer gegen- »värtigen Ausdehnung ohne grundsätzliche Preisgabe des Territorial- prinzips nicht möglich ist, I. den Entivurs eines Jnvalidenversicherungs- Gesetzes abzu- lehnen; 2. die verbündeten Regierungen zu ersuchen, eine Abänderung des Gesetzes vom 22. Juni 1889 betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung unter Berücksichtigung»achsolgender Gesichtspunkte vorzubereiten: s) Beschränktnig der Versicherlnigspflicht auf die Arbeiter in Bergiverkc», Fabriken und sonstigen großgeiverblichen Betrieben; b) Aushebung des Versichsriingszivaugcs für die Arbeiter der Land- und Forstivirthschast, des Handiverks und der kleingeiverblichen Betriebe»md für das Gefinde»»nter Wahrung der auf grund des Gesetzes vom 22. Juni 1833 envorbenen Rechte, sei es durch die Ge- stallung der Fortsetzung des Bersicherungsverhällnisses, sei es durch Rückerstattung der entrichteten Beiträge; c) Zulassung der nach den Beslinnnungcn des Gesetzes vom 22. Juni 1389 versicherungspflichtigen, künftig aus der Ver- sicherttiigspflichl ausscheidenden Personen zur sreiivilligen Ver- sicher», ig; ä) Ausdehnung des Anspruches auf Gewährting von Renten ans die Hinterbliebenen der u»ler a) genannten Versicherungs- Pflichtigen: s) Beseitigung des Reichszuschusses, soweit er nicht zur Wahrung »vohlerivorbener Rechte und zur Fortsetzung des Versicherungs- Verhältnisses nothivendig ist." Maifeier» wurden noch abgehallen in Pößneck i. Th.(gute Betheiligung), Hohenstein-Ernstthal(abends 450 Tbeilnedmer), Thal- Hein»(zahlr. Belh.), Einbeck in Hannover(abends ISO Th), Danzig (überfülltes Lokal), Neusalz a. O.(noch nie so starke Bctheilignng als diesmal), Pirmasens(abends 500 Th.), Enckheim im Wahlkreis Hanau(über 1000 Th.). Elberfeld(früh 400, abends 1500 Th.). Badcn-Baden(abends 260 Th.), Dorf Mehlis in Sachsen-Goiha (starke Betheiligung), Schiverin in Mecklenburg(abends sehr gute Bctyeilignng), Heidelberg(überaus zahlr. Beth.), Harpen b. Bochum (100 Th.), Herne bei Bochum(200 Th.). Güstroiv». M.(gtile Beth. am Sonntag 453 Theilnehmer), Herford i. W.(150 Theilnehmer), Minden i. Wests.(120 Theilnehmer), Eisenach(rege Betheiligung, trotzdem die eigentliche Feier verboten ivar), Ruhla i. Th.(gut gefüllter Saal). Slnmcn bei Sprembcrg(300 Th.), Jüterbog(gut Belheiligung), Waldheim i. S.(abends guter Besuch), Markir i. Elsaß(große Begeisternug für die sozialdemokratische Parte. Wilhelmsburg(gut besuchte Versammlungen). Chemnitz(Referent Schippet; nachmittags 2000 Theilnehmer, abends alle Lokale über- füllt), Oranienburg, Wolgast(beim Ausflug, Sonnlag nachmittags 400 Theilnehmer, abends alle Lokale überfüllt), Luga»(freie Zusammen- fünfte, da alle Versammlungen verboten»vorden ivareu), Schniargen- dorf bei Berlin. Velbert(Belheiligung doppelt so stark als im vorigen Jahr). Lambrecht(begeisterte Stimmung), Neu-Isenburg(das Konzert ist nicht verboten worden, wie im erste» Bericht an- gegeben war). Maifcst- Kuriosa. Bei der Maifeier der Arbeiter vo H o h e n st e i n- E r» st t h a l i. S. mußte» ans Befehl des Uebe »vachenden die Fefttheilnchnier die rothen Blümchen aus den Knopflöchern zc. entfernen,»veil die Blümchen„republikanische Abzeichen"»vären. Es ist nicht ausgeschlossen, daß gegen die Blumenfreunde auch noch ein Prozeß anhängig gemacht wird. In O b e r r e i ch e n b a ch i. S. soll der Gemcindevorstand bei einer Abeiidnuterhaltung des Arbeite»-Bildungsvereins das Spielen von Ziehharmonika und Geige auf grund des§ 5 des Vereins- und Versamnilungsgesetzcs verboten habe». Ferner wird uns niitgetheilt, der Spaziergang des Genosse» Preß aus Netzschkau mit seiner Familie sei als„M a s j e n s p a z i e r- gang" polizeilich beanstandet»vorden. Genosse Richard Wittrisch, Redakteur der„Sachs. Arbeiter- Zeitung", solgte deute einer Einladung des Staatsanivalts, um auf sechs Monate im Landesgefänguiß Hoheneck über seine Sünden nach- zudenken. Die Strafe ivurde ihm zu theil,»veil er in zivei Artikeln der Zeitung den Gendarnieriebrigadier Nestmann beleidigte. Außerdem ist noch eine Beleidigung der Amlshauptmannschast in Dresden niil ein begriffen. Da in de» sächsische» Landesanstalten auch vorbestraftepolitisch „Verbrecher" Selbfibeschäftigung i» der ersten Zeit nicht erhalte, so»vird sich unser Genosse znr rechten Würdigung des Zeitall der„Humanität"»nit dem Zerzupfen alter Strümpfe und W abfällen beschäftige» müsse». Hoffen»vir, daß er an seiner Gesjiii heit nicht Schaden nimmt. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Die„Leipziger Vollsztg." schreibt:„Die Richtigkeit unserer Meldung über die F e s s e l u n g S t e i g e r' s ist bis jetzt noch immer von einer Anzahl Zeitungen beziveifelt morde»,»venu dos auch nur in mehr oder»veniger verblümter Weise angedeutet ivurde. Diesen Ziveifelern gegenüber sei hiermit nochmals festgestellt, daß unsere Mit- theilung auf Wahrheit beruht. Wir sind in der Lage hinzuzufügen, daß Genosse Steiger bei seinen» Transport e i n e K e t t e um den Leib trug, deren eines Ende dem anderen Ge- f a n g e u e n, einem alten Mann, um das rechte Hand- gel«» k gelegt»vorden ivar. Der Transport erfolgte durch die belebten Straßen Leipzigs v o r in i t t a g s 9 Uhr. Es sei nur noch festgestellt, daß auch bis heute»och keinerlei behördliche Aeußerung über de» Fall Steiger vorliegt." Die sächsische Regierung ist doch sonst nicht so schüchtern,»ven» es sich um Verlheidigung von Maßnahmen gegen die Arbeiter und deren Vertreter handelt. Wenn sie dennoch über die Fesselung Sleiger's Schiveigen beobachtet, so zeigt das»vobl deutlich genug, daß sie für diese Behandlung eines»vegen Preßvergehens ver- urlheilten Schriftstellers nicht die Veranlivortung übernehmen»nag. Der betreffende Beamte, der die Fesselung anordnete oder geschehen ließ, hat am Ende gar einen Rüffel bekommen. Aber die Hauptschuld an dem Vorfall trägt die Regierung felb�. Ohne ihre ar- beiterfeindliche Haltung>vü>de eS der Beamtenschaft nicht ein- fallen, mit de» Arbeitern und ihren Vertretern so nngenirt um- zuspringen, wie es innerhalb der weiß- grünen Grenzpfähle fast Tag für Tag und fast Ort für Ort geschieht. Schlimmer sind seinerzeit kaum die Kurhessen von ihrem erlauchten Landesvater tyrannisirl worden, den schon deshalb die Nemesis 1366 mit Fug und Recht aus der Reihe der Souveräne strich, als heute die Arbeiter Sachsens unter dem Ministerium Metzsch behandelt»verden. Soziales. Nur nicht ängstlich! Der Verein Deutscher Papierfabrikanten hatte gegen die vo» verschiedenen Gewerbe-Jnspektore» erlassene» Borschriften über die Einrichtung der L u m p e n s o r t i r r ä u in e in den Papierfabriken und Lunipensortir-Austalten eine Vorstellung an de» preußischen Minister für Handel und Geiverbe gerichtet und un, eventuelle Auf- Hebung der betreffenden Vorschriften ersucht. Taraufh»,« ist den». seihen folgeuder»uinisterieUer Bescheid geworden:„Auf die Vor- stelliing erwidere ich, daß die angefochtenen Bestimmungen betreffend die Einrichtung und de» Betrieb vo» Lumpensortir- Anstalten nicht die Bedeutung vo» Vorschriften haben, die unter allen Umständen vo» den Unternehmern erfüllt»verde» müssen. Es handelt sich dabei überhaupt nicht um eine für die Arbeitgeber erlassene„Verordnung", sondern nm eine Jnstrilktion für die Geiverbe- Aussichlsbeainlen, deren Bestimmungen so»veil durchgeführt»verde», sollen,»vie es die in jedem einzelnen Falle in betracht kommenden und sorgfältig zu prüfenden Verhältnisse erfordern und gestatten. Sollte ihre Au- Wendung im einzelnen Falle zu Anordnungen führen, durch die sich ein Unternehmer beschiverl fühlt, so bleibt diesem unbenomine», aus de», im«i 120d Abs. 4 der Gewerbe-Ordnung vorgesehene» Wege gegen i»billige und ungerechtfertigte Anforderungen Abhilfe zu schaffen.ll Als» nlir nicht ängstlich,»verthe Unternehmer i Gegen„un, billige" ,nnd„ungerechtfertigte" Aufordeiuugen von Geiverbe- Aufsichtioeamten giebl es ausreichenden Schutz. Das schlimme ist uur, da.viele Unternehmer alles für„unbillig" und„unberechtigt" halten,!as einen Griff in ihren Geldbeutel bedingt. Das Jutcrcsse für diesi» ist größer als das für das Wohl der Arbeiter. Di» städtische Arbeits- VermittelnngSsteste i» Elberfeld weist sei 1. Mai auch>v ei blichen Personen Arbeit nach,»voniit eine Fo eruiig uuserer dortigen Parteigenossen verivirklicht ist. Vri» Wirken deS Kapitalismus. In N e n r o d e in Schlesien kamen»im diesjährigen Kreis-Ersatzgeschäft 86S junge Männer znr Voi ellung; davon»vurde« nur 187 für tauglich erklärt. e_ 0 Depeschen und letzZe Msrhrichken. Lelczig, 4. Mai.(Privatdepesche des.BonvärtS".) Wegen der M- eier sind 191 Former auf drei Tage ausgesperrt. Bei der Wieder�sstellung wolle» die Fabrikanten eine lOprozentige Lohn» redukli« eintreten lassen. Hellte beschloß«ine große Former- versam iuug, sich mit den Ausständigen solidarisch zu erklären und soll wln die weitere» Maßnahmen am Donnerstag in einer Ver- samml�g Beschluß gefaßt werden. F �nkfurt a. M., 4. Mai.(B. H.) Der Franks. Ztg." wird aus Kaslantinopel gemeldet: Ueber die Gefechte be» Velefiino liegen uch im türkischen Hauptquartier nur sehr spärliche Nach- richtenstor. Die griechische Armee leistet an allen Punkten kräftigen Widertvid, der bei« Türken nur ein schrittiveises Vorgehen ge- stattet..Die aus i»>do» gemeldete Einnahme Volo's hat von Edhenzeiafcha noch' keinerlei Bestätigung gefunden. Der General- stab u» türkische Hauptquartier ist nur für«in Vorgehen bis Donoksc was d»> ustimmuiig des Sultans erfahren haben soll. Der Ktlasv.aiuistc.«fahl telegraphisch die Einberufung des dritten Aufgebots im Voifcc ejche Salonikis. Stuttgart, 4. t'ai.(W. T. B.) Wie der„Schwäb. Merkur" »n�ldel, ist der Dicht, Prof. I. G. Fischer heule Nachmittag gestorben. Paris, 4. Ma(W. T. B.) In dem WohlthätigkeitSbazar, er jedes Jahr voi Damen der Aristokratie in der Rue Jean Goujou zum Bester der Armen veranstaltet wird, brach heute ein Feuer auS, das pen stark besuchten Verkaufsraum vollständig zerstörte. Bis abeizs 6 Uhr war festgestellt, daß 30 Personen nuis Lebe» gekommz und 35 Personen schwer verletzt sind. Die Leichen der Umgeko,>nenen»vurden vollständnig verkohlt heraus- geschafft; zahlreiche gersonen werden vermißt. PariS, 4. Maj 7 Uhr 15 Min. abends.(W. T. B.) Tie «laue Zahl der!>ser bei dein Brande im Wohlthäligkeilsbazar bnnte noch nicht"stgestellt»verde,». Auf de» Trümmern des gazars sind die voständig verkohlten Leichen anfgehäiift und ganz unkenntlich. Dieselben»vurden von städtischen Ainbulanzivagen»ach den» Jndustriepalaj geschafft. Ungefähr 150 Verwundete»vurden i» ei» Hotel gebracht Nach der Aussage eines Polizeibeamte», der den Dienst im Baar versah, sollen 1500 bis 1300 Personen zur Zeit im Bazar genesen sein, als das Feuer ausbrach. Bis 8 Uhr sollen bereits 200 Zpfer festgestellt sein. PariS, 4. Mä, abends 3 Uhr.(W. T. B.) Etwa 20 Leichen sind»ach dem Judistriepalast geschafft worden. Zahlreiche Personen stehe» vor dem Jhore des Palastes,»in» Nachrichte» zu erhallen. Alsbald, nachdem die Alarm- Signale gegeben wäre», ivar der Sicherheilsdienst zir Stelle. Polizeiinaiinschafte» versuchten mit Geivalt Ordnung in die b reits sinnlos vor Furcht das Gebäilde verlassende Menge zu bringen Herzzerreißende Laiite, verziveifelte Rufe wurden überall gehört,»der das Feuer griff so fchnell um sich. daß. als die ersten Naunschaflen der Feuerwehr an der Brand- stelle einträfe», bereits das Gebälk in Flammen stand und zusaiiimeiistürzend viele Persone», welche»och im Innern des Gebäudes»varen, begrub. Man befürchtet, die heutige Katastrophe ist. was die Zaik der Opfer betrifft, noch schrecklicher wie der Praud der„Oxira coniique". Diesi Zahl ist noch nicht fest» »»stellen.' London, 4. Mai.(B. H.) Der Athener Korrespondent der „Times" meldet, der griechische Ministerpräsident Ralli»vürde ein Berinittelungsanecbieten seitens der philhellenische» Mächte sehr »villkommen heißen. Loudon. 4. Mai.(W. T. B.) Unterhaus. Der Parlaments-Unter. fekretär des AeußerilTurzon erklärt, zivischen de» Großmächten finde ein Meinungsaustausch in der türkisch-griechische» Angelegenheit statt. Es se» nnmöglich, über den Charater der Unterhandlungen Mit- theilungen zu machen. Die Mächte»vünschte» ernstlich das Ende des Krieges herbeizuführen, aber die erste»vesentliche Vorbedingung für eine erfolgreiche Vermitteluiig sei, daß die Kriegführenden den Beiveis geben," daß sie bereit sind, die Bermiltelung anzunehmen. Mailand, 4. Mai.(B. H.) Bon Riciotli Garibaldi ist ans Athen ein Telegramm hier eingelaufen, laut»velchcm Garibaldi eine längere Unterredung mit dem König Georg gehabt hat. Der König sei bei bester Lamie. so heißt es»veitcr in dem Telegramm, traue sich aber nicht, den Palast zu verlassen, auS Furcht vor Dcmon- stralionen. Athen, 4. Mai.(B. H) Auf Vorschlag des Ministers des Jiiueru hat der Köllig aiigeordnet, daß morgen sein Namenstag nicht gefeiert wird«. Athen, 4. Mast.(B. H) Die aus Thessalien hier wieder ein- getroffeneu Minister versichern, der Znstand der Armee habe sich gebessert. In bei» für morgen angesetzlen Ministerralh. dem der König präsidire» wird, sollen entscheidende Beschlüsse gefaßt »verden.— Einer d er Minister soll erklärt haben, der gegenivärlige Zustand könne nicht inehr lange andaner», die»virlhschastlichen »äste des Landis würden vollständig aufgezehrt. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnferatentheil verantlvortlichl Th. Glocke in Berli». /iiitt und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen u Unterhaltungsblatt. in diesem frechen Attentat auf daS Gesetz, begangen in dem Hause der Gesetzgebung, einen gewissen Mnth erblicken, wenn nicht bekannt wäre, daß diese Herren sich sehr einflußreicher Gönnerschaft erfreuen und über dem Gesetz zu stehen glauben. Der gestrige Vorstoß ist ihnen nicht gelungen— ob sie schließlich ihren Zweck doch noch erreichen und die Zufuhr aller Lcbensnnttel aus dem Ans lande abschneiden werden— daS bleibe dahingestellt Einstweilen hat das deutsche Volk schon jetzt schwer unter diesem gemeinschädlichen Treiben zu leiden. Abgesehen von der Vertheuerung der Nahrungsmittel durch Einführung sanitätlicher Rücksichten problematischster Art in die Wirthschaftspolitik, ist die neue Mac Kinley Bill, welche der deutschen Arbeit eins der wichtigste» Absatzgebiete fast versperrt und ihr jährlich ungezählte Millionen entzieht, die direkt und nothwendige Folge der Habgier unserer Junker. Das vergesse das deutsche Volk nicht am Tage der Wahl, und der Abrechnung!— Mehr Kähne!— so schallt es tagtäglich in der gouverne mentalen Presse. Die Niederlage im Reichstage ist keineswegs verschmerzt. Im Gegcntheil, der Sturm soll erst beginnen� der Reichstag soll von neuem vor die Frage gestellt werden Schlimmstenfalls soll die Regierung ohne den Reichstag vorgehen denn hier handle es sich nicht um eine„politische Tagcsfrage sondern um„nationale Lebensfragen". Man erinnert gern an die Konfliktszeit der sechziger Jahre; auch jetzt dürft die Re- giernug nicht vor einer Parlamentsmajorität znrückpeichen. Wozu soll dieser ganze Tamtam? Man braucht eine Parole für die Wahlen! Man Hot nichts, gar nichts, womit man die Massen gewinnen könnte, also muß man es mit der„großen nationale«, Lebens frage." der Flottenvermchrung versuchen. Die Herre dürften aber auch mit dieser Parole, und weun sie noch so tfrig und noch so zeitig vorarbeiten, kein Glück haben. Wir werden die Frage:„Abenteuerliche Weltpolitik oder ve'nünftige Friedenspolitik?" an das deutsche Volk stellen. Die Antwort wird nicht zweifelhaft sein.— Chronik der MajestätSbeleidigungS- Prozesse. Wegen Majestäisbeleidigung hatte sich der Maurer Hugo Z ö l n e r vor der S. Strafkammer des Landgerichts I gestern zu vercitworte». Er hatte, nachdem er eines Sonntags im Februar d. I. vo> morgens 9 bis abends 6 Uhr gekneipt, aus dem Wege nach Haus Kinder, welche aus der Strafte spielten, angeredet und dabei tlajeftätK beleidigungeil geäußert. Die Kinder theilleu dies einem S)utzman» mit und darauf erfolgte die Verhaftung des Zöllner. Te Staats- anwalt beantragte 4 Monate Gefängnift. Der Gerichtsbf schloß sich den Ansführungen des Vertheidigers Rechtsanwalt Dr Herzfeld an, daß der Angeklagte im Zustande sinnloser Trunkenheit xhandelt, und erkannte auf Freisprechung. Zwei>v eitere Anklagen wegen Majstäts be leidigung beschäftigten hiesige Stcafkanimern. Die eine be traf den Arbeitsbursche» Max Gresenz, der Sergealen des 4. Garderegiments beleidigt nnd dabei den Kaiser belcidit halte. Er wurde zu drei Monaten Gefängnift verurtheit. Eine Gefängnißstrafe von zwei Monate» traf den Schlosser I a n i s ch. der eine wegwerfende Bemerkung über den Kiser g5 macht hatte. AuS Altona wird uns geschrieben: Ein Sajestäts� beleidigungs- Prozeß spielte sich vor dem Altonaer Landgeicht ab. Angeklagter war der Barbiergehilse Ebelingr der längere Zeit mit dem Zahntechniker Förster befreundet war.«Als vor knr/ui diese Freundschaft in die Brüche ging, lief Försterfz'.«. Polizei ud zeigte an, sein bisheriger Freund habe sich in feinet'' Srftbmmg is Haus fricdcnsbruchs. der Mifthandlung und der' L.ajcsl. ätsb>«idigung lchnldlg gemacht. Alls grund dieser Anzeiges'iurde gegen Ebeliiig Anklage erhoben. Der Angeklagte bestritt in 5er heutige» Verhand- lung ganz entschieden, daß er sich im Sinz der Anllage schuldig gemacht habe, behauptete vielinehr in bezng of die Anschuldigung der Majestätsdeleidigilng, daß er mehrfach Gelewheit genommen habe, den Denunzianten vor unvorsichtigen Aetßßningen zu warnen. Letzterer blieb dabei, daß das von ihm geieldete auf Wahrheit beruhe. Da andere Zeugen aber Aussähe, machten, die ein schlechtes Licht auf den Charakter des Denus'anten ivarfen und seine Glaubwürdigkeit sehr in Frage stellt«,,, so war selbst der Staatsanwalt davon überzeugt, daß der Aigklngte unschuldig und wissentlich falsch denunzirt worden sei. Er l�'üragt« die kostenlose Freisprechung des Angeklagten und der Gcrchtshos erkannte diesem Antrage entsprechend.— »» * Deutsches Reich. — Der Wechsel im Vorstfl der Reichs k o m m i s s i o n für Arbeiter statt st ilk vird in der ganzen Presse als ein hochbedeutsames Ereignift nnfiefaßt. Wir wollen noch daran erinnern, daß die hochoffiziöse„Ber. Corr." vor einigen Monate» ein entschiedenes Dementi gegen»nt osließ, als wir aus die beabsichtigte Verdrängung deS Herrn Lohma«» aus dieser wich- tigen Stellung hinwiese».— — Die Rcichsfinanzen 1896/97. Dr soeben erschienene Bericht über die Beträge der ReichSeinnaKme» aui Zöllen, Verbrauchssteuern, Slempelabgabe» und aus den Betriebsvrwaltungen für das Etatsjahr vom 1. April 1896 bis 1. April 18!7 zeigt einen sehr günstigen Stand der Finanzen des Reiches. Jisbesondere ist das Ergebniß aus den Zöllen und Berbrauchisteuern ein weit gnnstigeres als der Voranschlag angenominei hatte. So ver- zeichnet der Voranschlag an Zöllen SS6c98 009 M., das Äst- Ergebniß beträgt 432 672 789 M. Die Zuckersteuer hat statt 89 Mill. über 93 Mill. Mark ergeben i. s. w. I» Summa biträgt daS Mehr der wirklichen Einnahmen geg>n de» Voranschlag 199 449 362 M. Die Ursache dieses große» Ucbirschusi«? über den Voranschlag liegt darin, daft letzterer nach derD,rchschnit>6rechnung der Vorjahre überaus niedrig ausgefalle» war, owie auch daß die wirihschastlichen Verhältnisse im allgeineinm sich gebessert haben. Bei den Stempelabgaben bleibt da« Jst-Ergebniß ein wenig hinter dem Voranschlag zurück. B» diesem Stand der Finanzen werden die Einzelstaaten noch lb Millionen mehr, als die Matrikularbeiträge ausmachen, vom Reich« herausgezahlt er- halte». Nach Abzug von weiteren 24 Millionen Mark zur Schulden- tilgnng wird noch ein Ueberschuß von über 29 Millionen Mark ver- bleiben, der in den Etat der nachfolgenden Jahre eingesetzt werden kann. Das nächste Finanzjahr dürfte sich allerdings weit ungünstiger gestalten, als das letzte infolge der gewaltige» Zunahme der Aus- gaben für Marine und Artillerie. _ S ch n«l lfeuergeschüye sollen, wie die„BreSl. Ztg." erfährt, demnächst bei einer Anzahl von Feldartillerie-Regimentern zur probeweilen Einführung. Bei dem fchlesischen Feldartillerie- Regiment v. Peucker soll ein Theil des neuen Materials bereits angekommen sein und wird das Geschützexerzire» mit den alten Geschützen schon ausgesetzt.— Wir wissen nicht, daß die Mittel für diese Dinge schon vom Parlament bewilligt worden wären! —„Kaiser Wilhelm der Große." Der Norddeutsche Lloyd hat einen Schnelldampfer gebaut, der den Namen„Kaiser Wilhelm der Große" tragen soll. Dieser Schinellbampier soll das größte Schiff der Welt sein. Der Stapelliauf desselben ging Dienstag unter allerlei Feierlichkeiten— n. a. i/oar auch der Kaiser zugegen— von stalten. Mag man sich von olen her nnd von seilen großkapitalistischer Gesellschaften noch so«eifng bemühen, jene» übertriebenen Beinamen für Wtlhelin I. Wölk denkt darüber ganz anders. AuS Stettin wird dazu noch telegraphtrt, daß der Vorsitzende der Gesellschaft„Vulkan", welche das neue Schiff gebaut hat. Geh. Konnnerzienrath S ch l u t o w, zum Mitglied des Herrenhauses er- »annt worden sei. Er wird sich den übrigen Herrenhäuslern würdig anschließen. — Zur„BaterlandSlosen"-Depesche theilt daS „Haynauer Stadtblatt" aus einem Briefe, den ein Seesoldat des „König Wilhelm" schon am 17. April an seine Eltern gerichtet hat, eine Stelle mit, i» welcher die vielbesprochene Wendung nicht vor- kommt. Da ist nur die Rede von„der allen Konstruktion deS Schiffes". Dies ist natürlich noch lange kein Beweis dafür, daß der Ausdruck von de»„Vaterlandslosen Gesellen" nicht doch ge falle» ist.— — Der frühere Reichstag?- Abgeordnete von M ü n ch kämpft gegen die über ihn vom Amtsgericht beschlossene Entmündigung. Neuerdings haben umfangreiche Vernehmungen von Zeugen und landwirthschaftlichen Sachverständigen stattgefunden, »m zu entscheiden, ob von Münch fähig sei, ohne Gefährdung seines eigene» Vermögens seine Angelegenheiten selbst zu besorgen und seine Güter selbst zu verivalten. Die Ende vorigen Monats ge� schlösse»? Beweisaufnahme ist nun, wie der Stuttgarter„Beobachter' erfahren haben will, sehr zu gunsten von Mttnch's ausgefallen, und somit dürfte die Aufhebung der Entmündigung bevorstehen. Dem Termin zur weiteren mündlichen Verhandlung, der auf den 19. k.M. angesetzt ist, wird mit Spannung entgegengesehen.— — Eine Enttäuschung für unsere Agrarier, ein Geschäftsentgang für den Blind der Land- >v i r t h e. Das Spiritus- Glühlicht, für das unsere agrarischen Spiritusbrenner so eifrig Propaganda machen, erfährt in dem Jahresberichte des chennschen Untersuchungsamtes der Stadt Breslau folgende Beleuchtung: Die Einführung des Spiritns-Glühlichtes ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, welche an die Beleuchtungsart Ursprünge lich geknüpft ivnrden. Weun es auch keinem Zweifel unterliegt. daß es unter Umständen von Vorlheil sein kann, ans bestimmten Gründen diese Beleuchtungsart anzuwenden, also z. B. in Orten, welche einer Gasanstalt entbehre», so erscheint es ans der andere» Seite ebenso zweifellos, daß das Spirilus-Glühlicht mit dem Leuchtgase nicht konknrriren kamt. Ein Liter Spiritus von 96 pCt. kostet etwa 39Pf.n»d erzeugt beim Verbrennen r«»d 5599 Kalorien. Dieselbe Anzahl von Kalorie» liefert einen Kubikmeter Lcncbtgas. dessen Preis in Breslau etwa 15 Pf. beträgt. Mithin stellt sich also das Sviritus-Glühlicht etwa auf den doppelten Preis wie das Gas> Glühlicht. Dazu kommt, daß die Spiritnsglühlicht- Brenner zur Zeit noch sehr heikle Vorrichtungen darstelle», welch« leicht ver- sagen, und schließlich ist die nicht wegzuleugnende erhöhte Feuers gefahr doch nicht außer belracht z» lassen. Nach den Berichte» der Versicherungsgesellschaften hat die Zahl der durch fahrlässiges U»r gehen mit Zündhölzern entstehenden Schndenbräude in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Es wäre von Interesse, festzustellen, in welchem Betrage das Umgehen mit Spiritus an den Schaden- feuern betheiligt ist. Durch die allgemeinere Einsührnng des Spiritus-Glühlichtes würde dieser Betrag voraussichtlich eine Steigerung erfahren. Daß dies nicht ohne Bedeutniig ist, erhellt aus der Utberlegung, daß jeder Brandschaden die Vernichtung eines Theilcs unseres Nationalvermögens bedeutet, soweit nicht aus ländische Versicherungsgesellschaften den Schaden zu tragen haben.— — P r e ß s ü n d« r im G e f ä n g n i ß. Die„Münchener Post meldet, daß dem Redakteur der„Bnndeszeitung", Zeiller, welcher eine Gefängnißstrafe wegen Beleidigung verbüßt, gestaltet sei, sein Blatt im Gefängniß z» redigiren. Sozialdemokratischen Redakteuren wird nicht nur eine solche Erlanbniß nicht gegebe», sie dürfe» nicht einmal irgendivelche Zeitungen lesen. Ueberall:„Gleiches Recht für alle!"- Frankreich. Paris, 3. Mai.(Eig. Ber.) Eine politische Unter- » e h m e r- O r g a n i s a t i o n ist dieser Tage hier gegründet worden. Sie nennt sich„National-republikanischer Ausschuß des Handels und der Industrie" und hat zum Zweck die Vorbereitung der Kammerwahle» von 1893„vermittelst einer lhäligen ic. Propa- ganda gegen die sozialistischen und kollektivistischen Lehren", das heißt, in die nichlsranzösische politische Sprache übersetzt, gegen die Radikalen und Sozialisten. Ter Ausschuß setzt sich zusaininen fast durchweg aus Vorsitzenden und sonstigen Vertretern der ivirth- schastliche» Unternehmcr-Fachvereine. Man darf aber nicht glauben, daß das unmittelbare Eintreten der Großhändler und Großfabrikanlen in den politischen Kampf etwa auf ihre Unzufrieden- heit mit der Thätigkeit der gewerbsmäßigen Geldsackpolitiker zurück- zuführen sei. Hinter der neue» Organisation steckt der opportunistische Staatsmann a. D., W a l d e ck- R o u s s e a n. nnd die besagte Propaganda beabsichtigt der Ansschiiß ausdrücklich,„erfahrenen Republikanern" anzuvertrauen. Immerhin haben unsere französischen Genossen allen Grund, den Ausschuß als einen Verbündelen wider Willen z» begrüßen. Das Ktassenbewiißlsei» des Proletariats muß dadurch erheblich gefördert werde», tnß der politische Kampf unverhüllt von den Unternehmern gesührt wird und daß die opportunistischen Politiker offen und direkt als Haus- knechte einer Unternehmer-Organisation austreten werden. Sozialisteinödter Barlhvu setzt seinen ProvokationS-Feldzug gegen die sozialistische Bevölkerung von C a r m a n x und ihren Abgeordneten I a u r o s fort. Der Bürgermeister, Genosse Calmeltes, dessen Verhaftung am 1. Mai ich bereits telegraphisch gemeldet habe, mußte zwar freigelaffen werden. Er wird aber, wie in ähnlichen Bedingungen sein Vorgänger. Genosse Calvignac, gerichtlich verfolgt wegen„Beleidigung" seines Untergebenen, des Gendarmeric-Ofsiziers, der ihm ungesetzlich den Gehorsam veriveigert halte. James wurde zum dritten Micke die Möglichkeit genommen, scinen Carmanx'er Wählern Bericht über die Ausübung seines Mandats zn erstatten. Schließlich wurde der ozialistische Bildnngsverein von Carmaux ausgelöst wegen angeblichem„nächtlicben Unfug" und Aushängung einer roihen Fahne. Barthon darf sich das alles herausnehmen, nachdem die Kammer- Mehrheit seine Willkürakte vom Herdst v. I. gebilligt Halle. Ressegnier's Klub dagegen durste unbebelligl bei Jaurv's Ankunft über der Straße ein Hetzplakat aushängen mit der Inschrift: „Janräs-Elend!" Das Plakat wurde entfernt erst nach der Ver- haflniig des Genoffen Calmeltes. der das vom Gendarmerie-Ofsizier vergebens verlangt hatte, nnd nachdem die provokatorische Absicht der Hetzer vereitelt war.— PariS. 3. Mai. Am gestrigen Sonntag fanden verschiedene Wahlen statt. Im I n r a- D e p a r l e m e n t wurde der R o d i.- k a l e Vnillod in Stichwahl gegen den republikanischen Kandidaten mit 483 Stimmen gewählt.— J„ der Pariser Vorstadt St.-Quen wurde eine Gemeinderathsivahl vorgenoinmen. Hierbei ging die r e v o l u t i o n ä r- s o z i a l i st i s ch e Liste mit 2252 gegen 2154 Stimmen der radiknlenListe durch. Dieses Resultat wnrdevon denWähleni mit Hochrufen aus die Koni m»ne aufgenommen. Dieselben timmten vor der Schule, wo die Wahl vor sich ging, die Carmagnole an. Italic». Rom, 4. Mai. Heute wurde die Kammer wieder er- öffnet. Der Präsident berichtete über den Empfang im Qnirinal gelegentlich der Ueberreickung der Adresse aus Äliilaß der Errettung des Königs. In der Beantwortung einer Anfrage des Depntirte» Salandra in betreff des Attentats ans den König führte Minister- Präsident di Rudini auö. daß es sich bei diesem Anlaß abermals gezeigt habe, mit welcher Liebe die Bevölkerung an der königlichen Familie hänge. Der Ministerprästdeiit er- klärt sodan», daß nach der vom Ministerium eingeleiteten Unter- uchung ein Fuiiktionär im Disziplinarwege bestraft worden sei, und unterbreitet nuter dem Borbehalt einer später dnrchziisührenden allgemeinen Reform des Sicherheitsdienstes eine Bor- läge in betreff eines Kredits von 699 999 Lire, sowie andere Gesetz- entwürfe, welche die Verbesserung der Sicherheileverbältnisse in Rom zum Gegenstände haben. Die Kammer beginni sodann die ""'----..—-" der festzusetzen, das deutsche � erst« Lesung deS Gesctzentwurss über die R e o r g a n i s a t i o n Spanien. Barcelona, 4. Mai. Die fünf Anarchisten, welche wegen des am letzten Fronleichnamsfeste begangenen Bombenatteutats zum Tode verurtheilt worden waren, sind heute früh in Fort Montjuich erschossen worden. Afrika. — England und Transvaal. Der Bündnißvertrag, welchen die Transvaal-Republil mit dem Orangesreiftaat geschlossen hat, wird von England als unberechtigt bestritten. Nach einer Depesche aus P r S t o r i a vom Montag habe die englische Regierung nicht die Aushebung dieses Vertrages verlangt, sonder» denselben einfach auf grund der Vereinbarungen Transvaals mit der Kapkolonie für ungiltig erklärt. Es liegt nahe, daß diese Frage zu weiteren Schwierigkeiten fähren wird. Die Regierung von Transvaal sucht bereits friedliche Töne anzuschlage». In dem am Montag eröffneten Volksraad hielt Präsident Krüger eine Rede, in welcher er darlegte, daß sich die Republik trotz ungünstiger Einflüsse freundlicher Beziehungen zu allen auswärtigen Mächten erfreue. Anläßlich des Jubiläums der Königin Victoria werde der Volksraad aufgefordert werden, den 22. Juni zum Zeichen der Sympathie für die Königin für einen ofiziellen Feiertag zu erklären. Er beabsichtige ferner, Anträge, be- treffend die Erleichterung des Handelsverkehrs an der Grenze und die Förderung des Handels mit den angrenzenden Kolonien ein- zubringen. Die Regierung fahre fort, der Minenindustrie volle Auf- merksamkeit zuzuwenden. Er bedauere, nicht sagen zu können, daß der politische Horizont unbewölkt sei, aber er blicke srohgemnth und furchtlos in die Zukunft, voll Vertrauen auf die gerechte Sache der Republik.—_ Der V v i e g. Oberst VafsoS ist aus Kreta abberufen worden. Wenn auch ein anderer Kommandeuran seine Stelle tritt und die Truppen noch in Kreta bleiben, so dürfte die Abberufung des ManneS, der die ganze militärische Aktion aus Kreta geleitet hat und in defle» Name» sich zum gut Theil die Hoffnungen der Griechen ans die Angliederung Kreta'? konzentrirle», d. h. ein sicheres Zeichen dafür sein. daß Griechenland friedliche Bahnen einzuschlagen sich genölhigt sieht.— Bemerkenswerth ist auch, daß zum ersten Male die Admirale mit den Führern der Aufständischen in Paläokastro eine Unterredung gehabt haben, während bisher jeder direkte Verkehr unmöglich war. Die Admirale gaben daS Ver- sprechen, es würde de» Kretern vollständige Autonomie gegeben nnd die Ernennung des Gouverneurs der Insel der National-Versammlung zur Bestätigung unterbreitet werden. Die Ausständischen erklärten jedoch, sie könnten nicht in nähere Verhandlungen treten, ehe ihnen nicht die Einzelheiten der für Kreta beabsichtigten Autonomie bekannt seien. Die griechischen Minister sind vom thessalischen Kriegs- schauplatze zurückgekehrt. Wahrscheinlich haben sie dort nicht alles so gefunden, wie es zu einer erfolgverheißenden Fortsetzung des Krieges nöthig wäre. Sie werden daher dem König den Rath gegeben haben, eine Intervention der Mächt« anzurufen. Falls der König diesem Rath bald»achkommt, wird er sich jedensalls zunächst an England und Frankreich wenden, und erst, wenn diese Mächte allein nicht im stände sind, genügend einzugreifen, die Gesainmt» heit des„europäische» Konzerts" anrufen. In A l h e n hat sich nichts geändert. Die Stimmung der Be- völkerung bleibt höchst erregt. Man befürchtet, daß, falls die griechischen Truppen bei Pbarsala besiegt werden, eine Revo- lu t i o n in Athen und in den Provinzen ausbrechen wird. Schon geht dem„Standard" die Meldimg zu, daß vorgestern in Achia, wo der Herzog von Sparta ein großes Gut besitzt, feind- selige Kundgebungen gegen die Dynastie stattgefunden haben. Bolls- Haufen, durch das Lauten der Glocken znjaminengernfen, sollen in die Villa des Herzogs eingedrungen sein, sich der daselbst für die königliche Wache aufbewahrten Waffen bemächtigt, die Möbel zer« triimmert und die vorhandenen Papiere verbrannt haben.— Weder in Thessalien noch in E p i r n s hat sich die Kriegs- läge erheblich verschoben. Aus Konstantiiiopet wird der Vor- marsch der Division Chaivi aus der Linie zwischen Trikkala und Pharsala gemeldet. Auch baben dieTürken die GegendzivischcnVolouiid Phansata besetzt nnd dabei 19 Geschütze erbeutet. Die eigentliche Stellung der Griechen ist damit noch nicht berührt; sie soll eine durchaus starke sein. Aus V o l o wird mitgetheilt, daß es daselbst ruhiger geworden sei infolge der Ankunft eines französischen, eines englischen und eines italienischen Kriegsschiffes, sowie des griechischen Geschwaders. Französische Marine- »lannschasten durchziehen in der Anzahl von 299 die Straßen der Stadt, was zur Beruhigung der Bewohner beiträgt. Dem griechischen Westgeschwader ist nach einer Konstantinopelcr Meldung im Gols von Art« ein böser Unfall pnssirt. Am Ansgange des Golfes ist ei» griechisches Kriegsschiff gesunken; insolge dessen sind die griechischen Schiffe in dem Golf eingeschlossen._ Meichsksg. 2 Uhr. von Bötticher, Graf 2!4. Sitzung vom 4. Mai. Am Tische des Bundesraths: P o s a d o w s k y. Bor der Tagesordnung bemerkt der Präsident v. Buol: Ich ehe mich veranlaßt, auf den Schluß der gestrigen Sitzniig zurück. zukoilinien. Es wurde eine Sleußernng des Abg. v. Kardorff br- »unngelt und hieraus gegen eine Rüge, die ich ertheilt habe, Wider spriich erhoben. Es widerstrebt mir ininier, in einer Aenßerung, du im Hause gefallen ist, eine Beleidigung zu erblicken. Auch im vor- liegenden Falle habe ich geglaubt, daß sich bei näherer Einsicht in das Stenogramm die Sache objektiver darstellen würde. Ich muß aber zugebe», daß die Fassung derart ist, daß die- jenigen Herren, gegen welche die Aenßerung gerichtet war. eine Beleidigung darin erblicken konnten und ich muß zugeben, daß die Gegeiibenierkimg, wenn nicht zulässig, so doch dadurch gemildert erscheint. Die Aenßerung des Herrn von Kardorff muß ich aber als entschieden parlamentarisch unzulässig erklären. Für die allgemeinen Rechnungen für 1885/86 bis 1891/92 wird entsprechend den Anträgen der Rechnnngskoinmission die Entlastniig erlheilt. Ebenso werden in dritter Berathniig die Rechnungen der Kasse der Oberrechiiiingskammer und die Ucbersichten der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1894/95 und 1695/96 erledigt. Bei dem letzteren Gegenstände erklärt auf eine Anregung deS Abg. H a m m a ch e r der Direktor der Kolonialabtheilung v. Nicht- Hofen, daß keine Nachricht und auch kein Anhaltspunkt dafür vor- liege, daß in Wcstasrika die Rinderpest ausgebrochen sei. Für den Fall, daß dies geschehen sollte, darf man sich wohl der Erwartung hingeben, daß die Erfahrungen des Dr. Koch uns für unser Schutz. lebiet zu gute kommen werden, daß er seine» Assistenzarzt Dr. Kohl- stock dorthin entsenden wird. Es folgt Iii eiste Berathnng des Gesetzentwurfs betreffend den e r v i s t a r i f und die K l a s s e n e i n t h e i l u n g d e r O r t e. Abg. Richter(frs. Vp.): Es werden ständig neue Anforderungen an den öteichslag gestellt, während alte Forderungen des Reichstags unerfüllt bleiben. Ich möchte daher an den Kriegsminister die Frage richten, wie es mit der Militär-Strasprozeßordnuiig steht. Staatssekretär v. Böttichcr: Tie Mililär-Strafprozeborduuiig liegt beim Bnndesrath und zwar bei den Ausschüssen. Sobald diese ihre Berathungrii abgeschlossen haben(Heiterkeil),«vird sich der Bnndesrath im Plenum unverzüglich damit besassen und die Vor- läge unverzüglich an den Reichstag bringen.(Heilerkeit.) Abg. Hammachcr(nall.) beantragt die Verweisluig der Vorlage an die Budgelkoumiisstou. Abg. Lieber(Z) schließt sich seitens seiner politischen Freunde dem Antrag an. Abg. Richter(frs. Vp.): Der Staatssekretär v. Bötticher hatte die Gicke. mich über den Geschäftsgang im Bundesrathe zu belehren. Nr. 103. 14, Zchz»z.\ Eine GosÄzrclzte!res VievkroMokts. Wenn dienstbare Geister sich nnlerfangen, die ruhinreichen Tha.en ihrer Herren iveltgeschichllich zu verkünde», so kommt, wie das Beispiel der Hofhistoriographen zeigt, meist ein Produkt zu nande. über das die glorifizirten Herren sich selber bedenklich hinter den Ohren kratzen müssen. Einer der wenigen, die trotz ihres streng lapilalistischen Standpunktes sich Scharsblick und Objektivität genug bewahrt haben, um die Zeit zu begreise» und auch den neu ausstrebenden Mächten wenigstens einen Theil der i?'l*?. gebührenden Würdigung entgegen zu bringen, ist Herr Richard .Je o s I ck e, der Direktor der hiesigen Schnllheist- Brauerei. Wir schätzen Herrn Rösicke bei aller Gegnerschaft hoch genug ein, um von ihm anzunehmen, daß er ein Buch, das er zweifelsohne in den letzten Tagen gelesen habe» wird, mit nicht ganz'ingemischter Freude aus der Hand gelegt hat. Es nennt sich„Der Berliner Bierboykoit von 1894")" und ist„nkieumäßig dargestellt" von Herrn Emil Slrnve, früher und vielleicht auch jetzt noch Generalsekretär des Vereins der Berliner Brauereien. Herr Struve beginnt sein Werk mit einer Strafpredigt gegen zwei Schriftsteller, die bisher eine Darstellung des Boykotts der Oeffentlichkcit gebracht, dabei jedoch unterlassen haben, die Unschuld des Kapitals am Ausbruch des geschilderten Kampfes unbesehcns vorauszusetzen. Außer Herrn M. v. H e ck e l. der sich seinerzeit in Conrad'- Jahrbüchern über den Boykott ausgelassen hat, kommt namentlich Herr R. Olden- b c r g wegen seiner in Schmoller's Jahrbüchern veröffentlichten Darstellung des IS94er Bielkriegs oft recht schlecht weg. Herr Oldenberg sei bei aller Scharssinnigkeit der Logik durch seine soziale und psychologische Betrachtungs- und Beurtheilungsmethode oft„vom Wege abgeführt", das heißt mit anderen Worten, in einigen Dingen zu einer nicht rein kapitalistischen Darstellung der Ereignisse verführt worden. Derlei Gebrechen und Vergehen will nun Herr Struve in seinem Buche wieder gut machen und zu diesem Zivcck hat ihm das Akt e n Material, nämlich die Protokolle und Korrespondenzen der Ringparlei zur Verfügung gestanden. Wir waren nicht gerade auf Sensation gefaßt, als wir begannen, uns in die Lektüre des „Aktenmaterials" zu versenken; aber dennoch müsse» wir gestehen, daß wir uns recht enttäuscht fühlten über die wenig kluge Weise, in der Herr Struve mit dem ihm anvertrauten Piunde gervirth- schaftet hat. Man kann Kapitalist und Kapilalistendieuer sei» und dennoch Intelligenz genug habe», das einem zur Verfügung stehende Material nicht nur zu bestimniteni Zwecke, sondern auch von einer höheren Warte aus zu bearbeiten. Dies soll inr gründe sogar nothwendig sein. Nichts von dem bei Herrn Struve. Es ivar uns bei der Lektüre feines Werkes, als fänden wir ei» Echo der bürgerlichen Tagespresse wieder, wie es sich jeweilig beim Aus- und Abwogen des Kampfes kundgegeben hat. Das ist ein Mangel, den wir bedauern müßten, auch wenn das Aktenmalerial, das in dem Buche zu Tage gc- fördert wurde, interessanter wäre, als es ist.'Als wesentlich mag das neunte Kapitel:„Die Ausgleichsbeftrebuilgen der Gast- wirthe" in betracht kommen, in dem die ergebnißlos gebliebenen Friedensverhandlungen vom 29. September bis 13. Oktober IS94 an der Hand eines von den Brauereien ausgenommene» stenographischen Berichtes, der von dem Verein sogar gedruckt worden ist, anszngs- weise ivörtlich wiedergegeben werden. Die übrigen Aktenstücke sind iveniger von Belang und zum theil auch dadurch schon früher bekannt geworden, daß sie in den Stürmen des Krieges der Redaktion des„Vorwärts" auf de» Tisch wehte». Geschickler ist die Auswahl der Artikel und Aufrufe, welche der„Vorivärts" in dem Kriege gebracht hat; auch ist der Inhalt der im Boykott erschienenen Flugblätter unserer Partei ziemlich ausführlich wiedergegeben. Gehe» wir auf Herrn Struve's Anschauung ein, so entbehrt der geivaltige Kampf, den die Berliner Arbeiterschaft im Jahre 1894 acht Monate hindurch gegen einen Kapitalistenring führen mußte, auch jedes Scheines einer Berechtigung. Die Lage der Brauergesellen war, wie er in seinem Buche aus Seite 84 ff. auseinandersetzt, eine rosige; die Monatslöhne schwankten zwischen 120 und 130 Mark und stiegen bei Vorderburschen bis zu 2S0 Mark, die Arbeitszeit war niedrig und durch 4 bis 8 Liter Freibier gewürzt; von eigentlicher Ausbeutung, vo» Verdrängung der gelernten durch ungelernte Arbeiter,„wie Auer von seinem schematischen Standpunkt aus meint", kann keine Rede sein, denn es giebt, wie auf Seite 20 und 21 auseinander gesetzt wird, ja Brauerschulen mit zum Theil bereits„akademisch- wissen- schaftlichem Gepräge", deren Besuch durch jeden Brau- durschen Herrn Struve etwas selbstverständliches zu sein schein», wie in seinem Kopse vielleicht auch jeder Zimmermann, der etwas auf sich hält, die Technische Hochschule in Cbarlottenbnrg besucht. Außer Auer bekommt denn auch namentlich Herr Oldenberg au ver- schiedenen Stellen des Buches derbe Rüffel ob etwaiger Zweifel an dem paradiesische» Zustande in den Berliner Brauereien. Gewiß, so behauptet Herr Struve, gab es Arbeitnehmer im Braugewerbe. die mit ihrer Lage nicht zufrieden sein konnten, aber das waren Leute, die durch eigene Schuld nichts gelernt hatten, und diese„verdorbenen Brauergesellen"(Seite 19) haben denn auch»ach dem Verfasser im 1334er Bierkriege eine „geradezu verhängnißvolle Rolle" gespielt. Diese Kerle werde» in dem sozialpolitischen Meisterwerl»ach Gebühr abgestraft, worüber Herr Struve nicht vergißt, auch der Sozialdemokratie, als der eigentlichen Schürerin und Leiterin des Kampfes, gehörig eins auszuwischen. Sie wollte, trotzdem männiglich bekannt ist, daß die Partei anfänglich alles mögliche that, um den Kampf nicht zum Ausbruch kommen zu lassen, und trotzdem Herr Struve an mehreren Stellen zugiebt, daß die Brauereien, des ewigen Kleinkrieges müde, sich endlich durch eine» inil der brutalen Doppeldezimirung ein- geleiteten Generalkampf den Frieden ruhigen Genießens sichern wollten, an de» armen Brauereileitern ein„Exempel statuire», das die bürgerlich« kapitallstische Gesellschaft mit Schrecke» er- stillen und gemahnen sollte, daß ihre Tage vor dem»n- widerstehlicken Ansturm der siegreiche» Sozialdemokratie gezählt seien."(S. 4). Die„Diktatur des Proletariats" tritt im Boykott in ihrer ganzen Gefährlichkeit zu tage und„zwingt oft weite Kreise unter de» schlimmste» politischen Terrorismus im Bunde mit Feigheit und Heuchelei(Seite 12); und um das Maß der sozial« demokratischen Bosheit voll zu mache», Uschi Herr Struve auf Seite 110 seinem Publikum die Mär auf. daß„ermittelt wurde", daß schon im April von sozialdemokratischer Seite diskrete Anfrage» an aus- wärlige Brauereien gerichtet waren betreffs Lieferung von Bier nach der Reichshauplstadt im Falle eines ausbrechende» Branereiboykotts. Bei solcher Fülle sozialdemokratischer Tücke ist es ein wahres Labsal für Herrn Struve. daß wenigstens der Verein der blauen B r a u e r g e s e l l e n gelegentlich Veranlassung nahm, nachdrücklich gegen die Vergewaltigung der Brauereien und der nichlsozialistischen Arbeitnehmer derselben Verwahrung einzulegen. In diesem Punkte treibt die Dienstpflicht gegen das Branereikapital, der er sich er- gebe», Herrn Struve allerdings zu einer bedenklichen Inkonsequenz. Wahrend er die Arbeiter, die den nicht sehr beneidens- werthen Mnth fanden. in diesem Kriege den Kapitalisten Dienste zu leisten, über den grünen Klee lobt, be- kommen die Brauereien, welche sich nicht dem Ring an- geschlossen hatten, einen beträchtlichen Theil des Buches hindurch die derbsten Strafpredigten wegen ihres Mangels an Solidarität zu hören. Nur einige Proben: Aus Seite 175 heißt es, daß diese ") Der Berliner Bierboykott von 1894. Ein Beitrag zur Geschichte der soziale» Klassenkäiiipf« der Gegenwart. ZIcten- mäßig dargestellt von Emil Struve. Berlin, Carl'Heyinanu's Verlag. 1897. 383 und VI Seite». dkg Jotroitte" zvs&nsBaBszB&aBUBSBmmmammmmBmmammmBum Brauereien sich schwere Verstöße gegen die vornehmsten Forde- rungen bürgerlicher Solidarität haben zu schulden kommen lassen. Ihnen war(S. 176) kein Mittel zu schlecht, um mit der feindlichen Partei gemeinsanie Sache zur Schädigung der Berliner Gewerbskollegen zu inachen, sie konnten(S. 182) das unrühmliche Verdienst für sich in Anspruch nehme», in erster Linie(!) dazu beigetragen zu haben, daß der Berliner Boykott s o lange und in so schädigender Weise von der sozial- demokratischen Partei durchgehalten werden konnte. Worte wie Felonie u. s. w. kehre» nicht allzu selten wieder. Im höheren Interesse des Kapitals ist eine derartige in- konsequente Betruchtungsweise gewiß entschuldbar. Sie ist aber kennzeichnend für den unterwürfigen Geist, in dem das Boykotlbnch des Herrn Struve abgefaßt ist. Tie treue Dienstbeflissenheit bringt es auch mit sich, daß die bürgerliche Presse, die mit der einen Ans- »ahme der„Berl. Volks-Ztg.", dem Bierring doch so unentwegt zur Seite gestanden hat, nicht ganz ohne einige Riiffel wegkommt. Rührt schon die auf Seite 113 kundgegebene Klage zu Thräne», daß den Brauereien zur Thatsacheuberichlignng kein Organ zur Verfügung gestanden hat.>vo doch einige zivanzig Blätter sich um die Ehre stritten, dem Bierring am meisten förderlich zu sein, so zeugt es von einer etwas stark ausgreifende» Naivität, wenn auf Seite 264 lebhaft der Mangel an O p f e r w i l l i g k e i t auf bürgerlicher Seile bedauert und der Vorwurf ausgesprochen wird, daß die bürgerliche Presse glaubte, genug gethan zu haben, wenn sie einige schon geschriebene Leitartikel, wider den Boykott vom Stapel gelassen und ihre Leser mit unterhaltsamen Nachrichten vom Kriegsschauplatz versehen hatte. Diese strenge Musterung entspringt allerdings aus einer Betrachtung über das leidige Anhängsel der Saalbesitzer und ringtreuen Gastwirthe, das die Brauereien während des Boykottkawpses einem Holzklotz gleich mit sich herumschleppen muhten. Die Schilderung, wie die Brauereien in der sich ihnen aufdrängenden Freundschast der Wirthe, die zu 30 pCt. nicht mehr existenzfähig seien(S. 134), ein Haar sehen und sich ihrer mit allerhand süßsauren Komplimenten erwehren, wie die Brauereien schließlich doch nicht umhin können, den Bettelsack für die„Opfer des Terrorismus" zu schwingen, wie der Erfolg der Sammlungen so kläglich ausfällr, wie die Wirthe aber nicht locker lassen und nach Jahr und Tag noch als Nothleidende den Großbauern auf der Tasche liegen, diese Schilderung bildet eines der wenigen lustigen Stücke in dem sonst gerade nicht besoudeis anregend geschriebenen Buche. Solcherlei Schmerzen machen es denn auch erklärlich, wenn der „Vorwärts" als hauptsächlichster Vertreter der Arbeiterpartei gar übel bei Herrn Struve wegkonimt. Das Wirken des Arbeiterblnties und der Boyloltlileralur wird aus Seite 144 mit so spaßiger Wnlh gerügt, daß wir unseren Lesern den Genuß, die Entrüstung des Kapitaldieuers zu tosten, nicht gut versagen können. Herr Struve schilt in einer Schilderung der Geschehnisse vom 16. Mai 1894; „Die Rubrik„Lokales" ist natürlich gefüllt mit Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Sie bildet fortan das große Sammelbecken für allen Haß nnd Groll, den der„Vorwärts" bezw. die mit seiner Leitung betrauten Parteiführer in täglich»nverminderter Fülle über die versehmten Brauereien ergießen, um die boykotlirten(? D. R.) Genossen in Stimmung zu erhalten. Wohl noch nie zuvor hat die Leitung des„Vorwärts" in so ausgiebiger Weise Monate hindurch seine Spalten einer bestimmten Parteiaktiv» gewidmet, wie in diesem Boykott, dabei eine andauernde Lungenkrnft im Schimpfen eut- faltend. die sür eine Redaktionskrasi schier übermenschlich dünkt.... Was hier durch Lüge, brutale persönliche Verleunidung und Aufwühlung der roheslen Leidenschasten sür die Vergistnng der Volksseele und Verhetzung der Klasse vor der Oeffenilichkeit acht Monate hindurch geleistet werden durste, bil' et für die deutsche Sozialdemokratie ein anrüchiges Blatt in ihrer Geschichte, zugleich aber auch eine schwere Anklage gegen die weilverbreitele Abgestumpftheit der öfseutlichen Moral und ihrer berufenen Vertreter in Staat und Gesellschaft, ja einen wahren Hohn ans sie." Mau merkt allmälig, wie der Hase läust. Zwar hofft Herr Struve auf Seite>74, daß in der�Ertheilung der K o r p o r a t i o n s- rechte an den Ringbrauerverein, die im August 1396 i» Gnaden erfolgt ist, eine nicht zu unterschätzende Sicherung gegen etwaige Wiederholungen sozialdemokratischer Boykotlübergriffe gewonnen sei. Aber diese Hoffnung wird Herrn Struve bei Licht betrachtet immerhin als ein Ding mit sehr starkem mystischen Beigeschmack erscheinen. Und daHerrn Struve der Boykott eineAuslehnung gegen die göttlicheWeltordnung dünkt, nnd er ganz imUnternehnlerjargo»(S.65) die bisher nur bei Streiks beliebte Wendung von„Rädels- führen»" auch auf die„Urbeber" des Boykotts überträgt, so darf es nicht wunder nehmen, wenn die sichtbare Vertretung der göttlichen Weltoiduung, die Polizei gegen die„Rädelsführer" einschreiten soll. Aus Seite 55, bei einer Betrachtung über Militär- boykolt und Arbeilerboykott entdeckt Herr Slrnve sein Herz folgender- maßen:„Man kau» über die Strafbarkeit des Boykotts gelheilter Meinung sein, aber nicht darüber, daß wenn jemand durch den Einfluß einer Staatsbehörde in seinem Ge- n-erbebetriebe vor die Nolhwendigkeil gestellt wird, außer- gewöhnliche, wirlhschaftlich überanstrengende Opfer zu bringen. er wenigstens unmitlelbar vor den ihm infolgedessen von anderer Seite her bedrohenden Beeinträchtigungen geschützt wird. In diesem Sinne ist ein auch praktisch sehr wohl durchführbares Vorgehen gegen öffentliche sozialdemokratische Boykotlirnngen von Saal- besitzern, die ihre Säle nicht immer aus freien Stücken, jeden- falls aber im Slaatsiutercss« sür sozialdemokratische Zwecke verschließen müssen, um so gebotener, als die Eozinlvemo- kratie hierbei in einer zwar begreiflichen, aber deshalb dock keineswegs berechtigten iind statthaften Nothwehr handelt. Denn was der Staatshoheit nnd ihren Orgauen im Jnter- esse der Staatsordnung an Zwangsmitteln gegen ihre Unter- l h an e n(!) zusieht, steht doch damit nicht auch irgend einer politischen Partei gegen ihre Mitbürger zu! lieber die Fragen der Ziveckmäßigkeit, ob und wie im einzelnen konkreten Falle solchen in der Oeffentlichkeit geübten Repressalien der sozialdemokratischen Partei öffentlich rechtlich entgegen zu treten sei, mag sich streiten lassen, prinzipiell muß aber diese Aus- fassung unbedingt festgehalten werden, wenn anders man nicht im sozialen Gebiete unserer Zeit jeden Halt und jede Leitung verliere» will." Wir sind höflich und einsichtsvoll genug, um anzunehmen, daß die intelligenteren der Brauereidirektoren, die Herrn Struve mit der Würde des Gcnei alfekrelariats ihres Vereins betraut haben, etwas mehr Selbstdewußlsein haben, als ihr Diener, der trotz seiner Ruhmredigkeil keinen anderen Ausweg weiß, als den in die Arme der kapital- beschützenden Polizei. Speziell Herrn Rösicke halten wir sür viel zu gefcheidt. als daß er eine derartige Hilflosigkeit auch nur andeutungs- weise offenbaren könnte. Vielleicht wird er es nachträglich sogar im stillen Kämmerlein seines Herzens bedauerlich sinden, daß die erste kapital-ofsizielle Geschichte des 1834er Bierboykolts, die ziveifels- ohne von der bürgerlichen Presse oft herangezogen wird, nicht von einer freier nnd geistig selbständiger dastehenden Kraft geschrieben ist als von Herrn Emil Struve, den Generalsekretär. NoZrnles. Zln die Parteigenosse» im vierten ReichStagS-Wahlkreise. In wenigen Wochen ist es ein Jahr her, daß ein neuer Wal» verein für Berlin IV Osten gegründet wurde. Seit dieser Zeit sind 1500 Parteigenossen dem Wahlverein als Mitglieder beigetreten. Das ist gewiß an sich eme achtungswerthe Zahl; ihre Bedeutung schrumplte jedoch zusammen gegenüber der Thatsache, daß einige Zednlausende Parteigenossen iir" diesem Wahlkreise wohnen. Diese haben sämmtlich die Pflicht, ihrer politischen Organisation bei- Miilmih. 5. Ulli 1897. zutreten und durch fleißigen Versammlnngsbesuch, wie durch sonstige Erfüllung ihrer agitatorischen Obliegenheiten unsere Partei ihrem Ziele näher zu führen. Parteigenossen des Wahlkreises, schließt Euch Eurem Wahlverein an; nur in der Organisation liegt eine feste Phalanx zum Angriff, wie zur Vertheidigung! Werbt für den Verein und agilirt nach Kräften, daß er die Mitgliederzahl er- reiche. die ihm gemäß der Bedeutung der Sozialdemokratie im vierten Wahlkreise gebührt. Die Zahlstelleu des Vereins sind: O. F r a n k e, Friedrichs» bergerflrahe 11; O. Zabel, Frankfurter Allee 90; Vogel, Elbingerstraße 9; S ch i l l i n g e r, Tilsiterflraße 40; E. B ö h l, Frankfurter Allee 74; F. Vau in garten. Königsberger- slraße 7; W. Lock, Grüner Weg 46; W. Wille, Andreas» slraße 26; N e u in a n n, Kleine Andreasstraße 15; Längs. Friedrichsselderstraße 37; A. Böhl, Rüdersdorferstraße 8; Strauß, Stralauer Chaussee 176; H a s e l o f f, Landsbergerstr. 8; Mühle, Koppenslr. 41; Gor», Markusstr. 23; Spät, Wein« straße 28; Köpuik, Schillingstr. 30a; Ho ff mann, Blumen- straße 14; Scheere, Blumenstr. 38; I a u e r, Frnchtstr. 52. Der B o r st a n d. Die Berliner Bolkskiichen haben im Jahre 1836 so schlechte Geschäfte gemacht, daß i» diesem Frühjahr für nicht weniger als 5 Küchen(von überhaupt 15) die Schließung verfügt werden mußte, weil sie die Betriebskosten nicht mehr deckten, also dem Prinzip, daß sich jede Küche selber zu erhallen habe, widersprachen. Drei dieser Küchen sind bereits am 1. bezw. 15. April geschlossen worden, und 2 andere sollen am 15. Mai nachfolgen. 1896(bezw. 1895) wurden an Speisemarken verkauft: in 15 Küchen für Mittag 159 312 (111 650) a 25 Pf.. 305 194(367 931) ä 15 Pf., 125 121(134 193) ä 10 Pf.. 269 496(267 813) k 5 Pf., für Abend(nur im Winter. 1896: 5 Monate. 1895: 4 Monate) 133 068(105 527) a 10 Pf.. 71 860(56 392) ä 6 Pf., 62 267(44 934) ä 5 Pf., 10 520 ä 3 Pf. (erst 1896 eingesührl); außerdem in der Frauenküche sür Mittag 414 ä 40 Pf.(seil 1396). 704 ä 35 Pf.(seit 1896), 7287(7423) ä 30 Pf.. 14 342(16 012) k 25 Pf.. 2383 k 20 Pf.(seit 1896), 7360(7527) k 15 Pf.. 443 k 10 Ps.(seit 1896), 26460(27057) ä 5 Pf. I» den Mittags- Portionen find auch die für das Polizeigesängniß, sowie die von Vereinen, Private» u. s. w. für Arme entnommenen und die durch Speise-Transportwagen in die Fabriken gebrachten(seit 1896) mit- enthalten; in den Abendportionen sind milenthalleu die(seit No- vember 1896) in den Morgenstunden verabreichte» Getränke(ü 5 Pf.) nnd Schmalzstullen(ä 3 Ps.). Der Geschäflsrückgang, de» die Volksküchen lrotz aller Aiistrcngnngen, das Publikum durch Neue- rungen mancher Art zu geivinne», gehabt haben, ist zum theil aus die sicki mehrende Konkurrenz anderer ähnlicher U»ternehmn»gen (Bolks-Kaffee- nnd Speisehallen, israelitische Volksküche und Kinder- Volksküchen, auch billige Privatwirthschaslen) zurückzuführen. Außer- dein kommt aber folgender Uiiistand in betracht. Die Volksküchen könne» im allgemeinen nur dann blühen und gedeihe», wenn sich die wirlhschafiliche Lage der Bevölkerinig, auf die sie rechne», auf einer ganz bestiiiimle» Höhe hält. Weiin Gewerbe und Industrie darnieder- iiegen, sodaß derUmfangderArbeitslosigkeilunddesNothstandes das ge- wohnte Maß weil übersteigt, dan» wird es auch in den Volksküchen leerer. Bessert sich die Lage der ärmeren Bevölkerung mit der Zu- »ahme der Arbeitsgelegenheit wieber cin wenig, so kehre» auch die wieder zahlungsfähig gewordenen Gäste zurück. Ist die Besserung aber merklicher, so wendet sich mancher, de», bis dahin die Volks- küche genügen mußte, wiederum vo» dieser, ab, iim sich andersivo besser zu beköstigen,— bis ihn eine neue Verschlechternng der Wirthschastslage von neuem hierher zurücktreibt. Die Berliner Volks- küche» haben in den jetzt über 30 Jahre» ihres Bestehens dieses Hin und Her zivischen den beiden oben bezeichneten Grenzen mehr- fach durchmachill müsse», und wiederholt sind deshalb einzelne Küchen zeitweilig geschlossen und später wieder eröffnet worden. Frau Morgenster», die Leiterin der Volksküche», darf sich auch diesmal tröste». Wenn es über kurz oder laug i»it dem„industriellen Aufschwung" erst wieder vorbei sei» wird, da»» wird es auch in den Volksküchen wieder voller werde», bis auf weiteres ,venigste»s. Zum kirchlichen Nothstande in Berlin. In pfäsfischen Kreisen wird jetzt lebhaft die Frage erörtert, wie die Kirche es an- sielleii solle, das„verlorene Terrain" wieder zu gewinnen und eine „durchschlagende Macht im Volksleben", wie sie»ach der Meinung der Jnteressenteil„doch sein sollte und müßte", auszuüben. Zur Erreichung dieses edlen Zweckes wird nun für eine Verkleinerung der Kircheiigemeinden Propaganda gemacht. Bis zu 70000„Seelen" ieien sür einen Seelsorgebezirk, wie ihn eine Kircheiigeineinde dar- stelle, viel zu viel, 30- bis 35 000„Seelen" noch ansreichend genng. Um eine derartige Dezentralisation vornehnien zu können, ist es aber nothwendig, immer mehr neue Kirchen zu bauen, de» sonst ist eine Verklenieriing der Gemeinden nicht durchzu- führen. Natürlich müssen an diese» neuen Kirchen auch die erforderliche Anzahl„Seelsorger" angestellt werde»,„geistlicher K>äste", wie es in der pfäsfischen Sprache heißt. Ob ihnen dieser Plan wohl gelingen wird? Zum Fall Ziethen wird jetzt berichtet: Ei» Gnadengesuch für Albert Zielden, welches mit zehnlausenden von Unterschrifle» be» deckt ist, wird, falls das Wiederanfnahme-Verfahren endgiltig zurück« gewiesen wird, dem kaiserlichen Hofmarschallamle übersandt werden. Das Gesuch geht nicht von Ziethen selbst oder dessen Angehörigen, sondern von dem Romanschrislsteller Oskar Höcker aus, der einen 79 Folioseiten nmsassende» Cchrislsatz hierzu verfaßt hat. Auf den Unlerschristsbogen, die mit den Heften einer den Fall Ziethen mit behaiidelndcii Erzählung verbreitet wurde», habe» sich eine größere Anzahl Aufseher des Zuchthauses in Werden an der Ruhr, wo Albert Ziethen sein Lebe» vertrauert, eingezeichnet. Wie erinnerlich, halte sich Albert Ziethen vor einer llieihe von Jahre» durch Vermittelung seines hiesigen Bruders des Gastwirths Heinrich Zielhe». jetzt Neue Königstr. 58, mit «iuem„Gnadengesucki um W i e d e r a u f u c, h m e des V e;- f a h r e n s" an de» Kaiser gewendet. DaS Schriftstück wurde auch dem Kaiser in der Siegesallee diuch Heinrich Ziethen in den Wagen gereicht. In, Austrage des ZivilkabinelS wtlrde alsbald terr v. Tausch»ach Elberfeld gesnildt, unr zu prüfen, ob dem imdengefllche Folge gegeben werden könne. Herr n. Tmisch hat seinerzeit eine» umfassenden Bericht ersiallet, der überaus günstig für den nnglücklichen Zielhen lautete. Die Staatsanwaltschafl in Elberfeld hingege» hat sich gegen das Wiederanfnahme-Versahren gesträubt und ist mit ihrem. Widerspruch auch durch- gedrungen. Im Falle einem Wiederanfnahnie- Verfahren Sache» Ziethen slattgegeben ivürde, dürsle dasselbe leicht zur Klarslelliing anderer der Vergangenheit angehöriger Vor' gänge ans der bewegten politischen Epoche der 70er nnd 80er Jahre Elberfeld's führe». Der n» g l ü ck l i ch e Z t e t b e» s e l b st iv i l l von einem G n a d e n g e s n ch nichts wissen nnd hat es bisher verschmäht, trotz tadelloser Führung und besier Atteste der ZuchihauS-Dirertion, um eine Begnadigung ein-.n- konime». Er will nur sein Recht nnd seine Eyr�. haben nicht die Freiheil allein, auf die er in den vielen Jahren verzichten lernte. HanswirthSpech. Ans dem Rathhanse wird berichtet: Es sind in letzier Zeit wiederholt Fälle vorgekomnien, daß Erwerber von Grundstücke», nachdem sie bereits jahrelang Eigenthümer der- selbe» waren, zu den Kosten der Slraßenherstelln»» herangezogen wurden, obwohl diese Herstellung erfolgt ist, lange bevor sie daie Grundstück gerauft haben. Aus nenefter Zeit liegt wieder ein der- artiger Fall vor, i» weiche»! der Eigeuthümer 90 000 Mark an die Stadt zahlen»»iß. Der betreffende Eigenthümer hatte keine Ahnung davon, daß eine derartige Last ans dem Grundstück haftet. Da es sich aber hier»m eine öffenlliche Last handelt, die der Eintragung tm Grundbuch jiicht bednrf, so ist dieselbe ohne weiteres auf den Erwerber übergegangen und da die Ausschreibung der Last erst jetzt erfolgen konnte, so hat er voraussichtlich nicht einmal ein Rückgriffs- recht gegen den Verkäufer. Es kann unter diesen UinsiÄnde» nicht dringend genug empfohlen werde», daß ein Käufer im Kaufverträge sich vom Vevkäufer garanliren läßt, daß ortsstatutarische Beiträge zu den Kosten der Itraßenanlage nicht mehr zu bezahlen sind. Im städtische» Arbcitshause befanden sich am l. April er. 68 Familien mit tlö Personen, darunter 20 Säuglinge, und Sv Einzel- Personen. Am 1. Mai war der Bestand 11 Familien mit 30 Per- sonen, darunter 5 Säuglinge, und �8 Einzelpersonen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe des Monats April 21 405 Personen, und zwar 20 551 Männer, 914 Frauen. Von diesen Personen wurden 17 dem Kraukenhanse am Friedrichsbain, 48 dem Krankenhause Moabit, 8 der Charilee, 4 der Anstalt Wühl- garten, 18 der Krankenanstalt im Obdach überwiesen, 284(278 M., 0 Fr.) der Polizei vorgesührt. Gebadet haben während des Monats April 14 260 Personen. Z«m Falle Rothenvnra wird jetzt berichtet: Dem wieder- holten Autrage der Frau Baumeister Rolhenburg hat jetzt das hiesige Landgericht I hinsichtlich der Anfechtung der über sie ver- hängten Entmündigung stattgegeben und unter Bestellung des Rechtsanwalts Behrendt, hier, als Prozeßvertreter Termin zur mündlichen Verhandlung ans den 15. Juni d. I. anberaumt. Bekanntlich war bereits im Jahre 1892, während Frau Rothenburg im Jrrenhause sich befand, das prozessuale Etttlnnndigungsverfnhrcn durch Eingreifen des Sohnes der Frau Rothenburg, Referendar Rothenburg, derart zu gnusten der Frau Rolhenburg gediehe», daß die Zurückweisung der Enlmttndi- gungsanträge nahe bevorstand. Damals wurde aber plötzlich der Sohn der Frau Rothenburg auf Antrag der Angehörigen, die pekuniär bei dieser Angelegenheit interessirt sind, nach der Irren- anstalt zu Ucckermünde überführt und verblieb dort so lange, bis Entmündigung seiner Mutter von den Angehörigen durchgeführt >var. Man kann unter diesen Umständen darauf gespannt sei», ob seitens der genannten Angehörigen der bevorstehenden prozessualen Aufklärung der Sache entgegengearbeitet werden wird. Ein Stück prenffischcr Eiscnbahnpolitik rein unglaublicher Art wird in folgendem berichtet: Große Aufregung verursacht in den östliche» Vororten der gestern durch die Bahndirektion plötzlich er- gangene Befehl, daß der neu eingelegte Frühzug 7 Uhr 10 Min. ab riedrichshngen nach Berlin ans dem Verkehr zu ziehen sei. Dieser ug war bisher der bequemste, welcher den in Berlin beschäftigten ausleuten und Beamten, sowie den Schulkindern zur Verfügung stand. Es hatten sich insolge dessen auch gestern Morgen auf de» sämmtlichen in Frage kommenden Stationen dieser Bahnstrecke h»n- bette von Personen eingesuuden, welche um 8 Uhr in Berlin sei» mußten und durch das unvorhergesehene und nicht rechtzeitig an- gekündigte Ausbleiben des Trains in arge Verlegenheit kamen. Be- sonders merkwürdig ist die Begründung der Kasflrung des Zuges; dieselbe lautet dahin, daß durch die starke Benutzung desselben die vorher gehenden Züge nuter dem Mangel an Passagieren zu leiden gehabt hätten. I» der Angelegenheit der Auflösung der Orts-Krankenkafse für Handlungsgehilsen und Lehrlinge hat der Magistrat der Aufsichtsbehörde geantivorlet, daß die Auflösung frühestens mit dem I. Juli d. I. eintreten könne. Die Ermittelung, welchen Be- trieben die einzelnen Beschäftigten zuzuweisen, ist nicht ganz leichr; zeitraubend ist. daß eine Menge von Gewerksstatnten geändert werden muß, da diese bisher Handlungsgehilfe» grundsätzlich aus- schließe», endlich ist auch die proportionale Bertheiluug des an- gesammelte» Kaffenvermögens sehr schwierig. Die zehn Berliner Unfallstationen wurden im Monat April 1897 in 1595 Fällen gegen 1244 nn gleichen Monat des Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen und zwar 1389 Mal bei Un- fällen und 206 Mal bei plötzlichen Erkrankungen. In den Stationen wurden 1500, außerhalb derselben 95 Personen behandelt. Die elektrischen Straßenbahnen werden bekanntlich nach neuerem Gerichtsbrnuch als Eisenbahnen betrachtet und irgend eine Kollision mit„elektrischen" Wagen wird daher an dem Schuldige» als Gefährdung eines Eisenbahntransports bestraft. Gegen diesen Brauch will eine von der Fuhrherren- Innung zum 6. Mm einberufene Versammlung protestiren. DaS Chemiegebände und den Pavillon der Stadt Berlin im Treptoiver Part möchte» einige Magistratsbeamte noch auf einige Jahre stehen lassen, da beide Bauten»och ganz durabcl seien und 400 000 M. gekostet hätten. Die Angelegeiiheil soll im Magistrats- Kollegnun zur Sprache gebracht werden. Die alte Strecke der Stettiuer Bahn wird vorlänfig noch nicht eingehen, vielmehr soll dieselbe bis ans weiteres zum beqilemen Transport für Bahnmaterial erhalten bleiben. Die Abtragung der Geleise dürfte erst Ende dieses Jahres erfolgen. Tie Angelegenheit der anonyme» Briefe» in die bekanntlich der Zeremonienmeister v. Kotze verwickelt worden ist, spielt zur Zeit wieder in der Presse eine Rolle. Je mehr diese widerliche Angelegen- heit aufgewühlt wird, je niehr Schmutz kommt durch sie zu tage. Bei Cäsar Schnndt in Zürich ist das neueste literarische Machwerk in der Sache erschienen; es führt de» Titel„Herr v. Tausch und die Verfasser der anonymen Briefe der Hosgesellschaft" und hat einen Herrn H. von Langen- Allenstei» zum Verfasser. Es wird die Frau eines Hoinrnlers F. als Verfasserin der Briefe genannt. Das wird nun von jener Seite im hirsigen„Kl. I." entschieden in Abrede gestellt und dabei eine Charakteristik des jetzt freilich nicht mehr unter den Lebenden weilenden Denunzianten ge- gebe», die jenen„Edelmann" in ein sehr trübes Licht rückt. Nach dem genannten Blatte hat der Edelste und Beste den Hofmaler erst gründlich angepumpt und dann dessen Frau fälschlich bezichtigt. Zur Zeit der Kotze-Afsäre ist v. Lauge» Privatsekrelär bei dem früherer Rechlsanwalt Fritz Friedmann gewesen. Er beschloß seine Laujbahn durch Selbstmord. Ein blinder Philologe war beim Provinzial-Schulkolleginm nm die Zulassung zum Probejahr eingekommen. Es ist darüber jetzt der Bescheid des Ministers ergangen, daß solchen Kandidaten, welche durch Blindheit, Taubheit oder ein sonstiges körperliches Ge- breche» oder wegen Schwache der körperlichen oder geistigen Kräfte zur Erfüllung der Amtspflichten eines Lehrers oder Erziehers der Jugend dauernd unfähig sind, die Zulassung zur praktischen Aus- bildung für das Lehramt grundsätzlich versagt werden niüffe. Diese Maßnahme sei unbedingt geboten nicht blas durch die im Interesse der Schüler an den Betrieb des Schuldienstes zu stellenden Anforderungen, sondern auch mit Rücksicht aus die Pflicht, den bedauernswerlhe» Kandidaten selbst, bei denen die Zuerkennung der Anstellungsfähigkeit von vornherein ausgeschlossen ist. eine un- ausbleibliche Enttäuschung zu ersparen. Der Minister bedauert da- her, dem Antrage des blinden Doktors auf Zulassung zum Probe- jähr unter Befreiung voin Seminarjahre keine weitere Folge geben zu können, so hohe Anerkennung auch seine wissenschaslliche Tüchtig- keit verdiene. Ei« schwerer Fall von Erkrankung a« Gehirnkrampfcn ereignete sich Montag Abend beim Schauirisire» der Bardieriunung in der Philharmonie. Während der Obermeister Wollschläger nach Beendigung des Frisirens eine Ansprache dielt, stürzte der an, Fristren detheiligt gewesene Lehrling Bruno Brumar, der beim Heil- gehilsen Pommerehnke in der Hochmeisterstraße in Lehre steht, be- wußtlos zusammen und schlug dabei stark mit dein Kopf auf de» Bode». Als man den Bewußtlosen zunächst in den Garten und dann in einen kühlen Nebenrauiu getragen, stellten sich heftige Ge- hirukrämpfe ein, die das Einschreilen zweier zufällig anivefenden Aerzie nolhwendig machten. Erst nach langem Bemühe» gelang es, den jungen Mann zum Beivnßtsein zurückzurufen. Eine Schntzmannsaffäre. Polizeilich wird berichtet! Als gestern Abend der 20jährige Arbeiter Wilhelm Rahn im Hanse Plantagenstraße 13 wegen Diebstahls zur Wache des 91. Polizei- reviers gebracht werden sollte, schlug er wiederholt auf den Schutz- mann ein und suchte zu entkommen, so daß der Beamte zur Waffe greifen mußte. Rahn wurde durch zwei Säbelhiebe am Kopfe er- hrblich verletzt und»ach Anlegnug eines Berbandes auf der Uirsall- slalion II in einem Krankenwagen nach der Charitee gebracht. Selbstmord einer Geisteskranken. Die Frau des TapezirerS Lehman», Oraiiieuslrnße 8, war bereits seit«iuigen Jahre» geistes- krank und in einer Anstalt untergebracht. Bor einigen Monate» kam sie, da sie nicht gemeingefährlich z» sein schien, zu ihrer Erholung auf einige Zeit nach Hause. Ihr Mau» halte ihr vorsichtshalber ein besonderes Zimmer eittgerichlet, dessen Fenster unten vergittert wäre», und ihr außerdem zur Pflege und Aussicht eine Wärterin beigegeben. Als diese sich Dienstag morgen aus einen Augenblick aus dem im dritte» Stock gelegenen Zimmer entfernt hatte, kletterte die Kranke über die Vergitterung hinweg zum Oberlichte des Fensters hinaus und stürzte sich kopfüber aus die Straße hinab. Sie war auf der Stelle todt. Zwei Hundertmarkscheine sind gestern Nachmittag um l'/s Uhr in der Zigarreuhaudlung von Gustav Kaphu», Prenzlauer- straße 57, von einem nnbekannten Manne verloren worden. Der Mann wird sich schon wiedersiuden. Vereiteltes verbrechen. In einem Chauffeegraben in Rix- d o r f ivurd« gester» von Arbeitern ein sechsjähriges Mädchen auf- gefunden. Das Kind hatte einen Knebel im Munde, so daß es am Schreie» verhindert war. Das Kind wurde vom Polizeiarzl Dr. Horueffer untersucht. Er stellte fest, daß der Kleinen kein Leid geschehen war. Einige Stunden später weldeten sich die in der Köpinckerstrahe wohnhaste» Eiter» des Kindes und erklärten, daß sie es schon seit einige» Slnude» vermißt hätten. Die Sache dürste ihre Ausklärung dahin finden, daß es von einem Burschen ver- schleppt worden ist, welcher durch das Dazwischenkommen anderer Leute an seinein Vorhabe» gehindert wurde. Tic Billeukolonie Neu- BabelSbcrg hat eine Haltestelle an der Potsdamer Hauptbahn bekommen, und es halle» nun dort sämmtliche direkten Vorortzüge Berlin— Potsdam. Hierdurch wird die Fahrzeit nach jenem Vorort von 48 auf 25 Minute» herabgesetzt. Beim Rücken eines Miethers kam es am Montag Abend in Wilmersdorf z» einer Schlägerei, die damit endete, daß der Miether dem HanSwirthe einen Plätlbolzen auf das linke Zluge schlug und ihn schwer verletzte, so daß er sich nach Berlin in ein Krankenhaus begeben mußte. Das Lcssingtheater in nächster Saison. Dr. Oskar Blumen- lhal hat seine Vorbereitungen für die nächste Spielzeit des Leistng- Theaters abgeschlossen. In de» Verband des Lessingtbeaters werden am 1. September d. I. neu eingetreten: Herr Klei» vom königl. Schauspielhaus, die Herren Rohland, Halm und Vallentin vom Theater des Westens, die Damen Carlsen vom hiesigen Neuen Theater, Illing vom Deutschen Theater in München, die Herren Pfeil vom Jrvuig-Place Theater in New-Iork, Ullrich vom Hos- Theater in Meiningen. Frl. Dnmont wird nach einem neuen Uebereiu- kommen von Mitte Oktober ab dem Lessing-Theater zur Verfügung stehen, und Frl. Groß wird schon in der ersten Septemberwoche ihre künstlerische Thätigkeit wieder aufnehmen. Im Verband des Theaters bleiben die Damen Jäger und Elsinger, Wirth und Pagay. die Herren Guthery und Schönseld. Slockhausen und Waldow. Die ErvssiinngSvorstellniig der Morwitz'schen Oper im Theater des WesteiiS ist ans Sonntag, de» 6. Juni(den erste» Pfingstseierlag) angesetzt. Als erste Kapellmeister smigire» die Herren Sllfred Thienemann(Berlin) n»d Max Wolfhen»(Würzburg- Kisstngen). TaS Programm de? Apollo-TheaterS ist zu Beginn dieses Monats in recht glücklicher Weise abgewechselt worden. Vo» bekannte» Künstlern ist Herr Eteidl wieder eingetreten, der durch einen Humor vollen Bortrag sowie durch neue Schlager das Publikum entzückte. Recht anregend war der Vortrag des Küustlerpaares Lieba», das eine Operetienszene nicht gerade neuesten Datums anmnthig zimi besten gab. Als Riesendame zeigte sich Fräulein Kälhe Komaroff i» Leistungen, die zwar achtunggebietend, aber ästhetisch nicht immer befriedigend waren. Ei» gleiches läßt sich von der Tanbendressenrin Anita sagen, die ihren kleinen Künstlern oit mehr zutraute, als sie mit gutem Willen leisten konnten. Kundige Leiterakrobaten sind die Gebrüder Ceado, in der Gesangskunst leichteren Genres leisteten die Damen Bucskansky, Tornny und Dare das übliche. Wie seit Monaten, so bilden auch jetzt die Vorführungen desKinelographen den Schluß des abwechslungs- reichen Programms. Das Repertoire der polnischen Tchmispielertmppe, welche am 8, Mai ihre Borstellungen«n ReichShallen- Theater beginnt,«itstauwit lauter berühmten polnischen Dramaturgen und Bühuenschreibern. Es wird gegeben am 3. Mai:„Die Nachbarsrache", Komödie von Alexander Fredro; 8. Mai:„Die Frauenfrage", Komödie von Michael Balucki; 10. Mai:„Um die HcimathSscholle", Sittenbild von Sever: 11. Mai:„Mazcppa", Tragödie von Julius Slowacti; 12. Mai:„O Männer, Männer!" Komödie von Kasimir Zalewsli; 13. Mai:„Herr Damazy", Komödie von Blizinski; Ib. Mai:„Ein offenes HauS", Posfenbild von Michael Balucki: 16. Mai; „Das Jahr SV7 oder St. Adalberos Wirken und Tod", Nationalcpos von E. Danieleivski; 17. Mai:„Winzens und Wenzel" Komödie von PrzybylSli; 18. Mat:„Damen und Husaren". Komödie von Alex. Fredro. fn der Urania, Jnvaltdenftraße, wird nunmehr heute, Mittwoch, tondpanorama sowie die für diese Sommersaison neu eingerichteten Sehenswürdigkeiten um 5 Uhr eröffnet. Im Thalia, Theater geht am Donnerstag, den 6. d. M.,„Die schöne Helena" zum ersten Male in Szene. Für die Rolle der Helena ist Fran Julie Kovaczy-Karczag zu einem Gastspiel gewonnen worden. Den Paris singt als Gast Herr Perlusz vom Deutschen Landes-Theatcr in Prag. In anbetracht der Kosten, die das Gastspiel verursacht, sind die Prelle der Logen aus b M., die der ersten vier Reihen des Parguet-Fauteuils aus 4M. erhöht worden. Die Preise der übrigen Plätze bleiben unverändert. Paffage-Panoptikum. Der nächste Sonntag ist der letzte, an dem die Samoaneriimen tm Panoptikum ihre Schaustellmigen geben. Sozisle Vethtspftege. Tod durch Ueberanstreugung alö Betriebsunfall. Der Banarbeiler Weudl verlor am 22. Mai 1895 auf dem Neubau Fricdrichstr. 109 ohne wahrnehmbaren äußeren Anlaß die Besinnung. nachdem er von morgens 5 Uhr bis uachmiliags 5'/2 Uhr dori Kalk getragen hatte. Er mußte nach einei» Krankenhause geschafft werden. wo er am anderen Tage starb. Seine Hinterbliebenen verlangten vergeblich von der Bangewerks- Berussgeuosscnschast eine Unfallrente und auch das Schiedsgericht wies den Anspruch ab. Beide Instanzen bestritten das Vorliegen eines Be- triebsmisalles. Sie beriefen sich ans de» Eektionsbcfnnd, der krank- hast« Veränderungen der Nieren und eine Herzvergrößerung ergeben hatte. In der ebenfalls festgestellten Hirnbtntung, der der Tod zu» geschrieben ivnrde, sahen die Bernssgeuossenschast und das Schicds- gerichl lediglich die Folge einer Krankheit. Das Reichs- V c r s t ch e r u» g s a in l als stteknrsin stanz befaßte sich dem- nächst eingebend mit der Sache. Es stellte fest, daß der Vor- mbeiter der Kolonne, welcher der Verstorbene angebörte, ein äußerst kiälliger Mann war und daß sich Mendt ganz außergeivöhn- l i ch anstrengen mußte, nm mit ihm bei der Arbeit gleiche» Schritt zu hnlten. Nach einem Obergntachten des Prosessors Senator, den da? Reichs-Bersichernngsamt hörte, ist durch jene Neb«. anftrengnng der Emlrilt der tödilichen Hirnblulung wesentlich beschleunigt worden. Das Rekurspericht verurlheilie ans diesem Grunde die Bernfsgenossenschast zur Rentenzablung. In der außergewöhnliche» Anstrengung des Mannes erblickte es ei» plötzliches Ereigniß, wen» auch nur ei» solches im weitere» Sinne des Wortes. Es war im Gegensatz zum Schietsgericht der Meinung, daß die Ueberanstrenguug des Mendt zeitlich genügend beschränkt geivesen sei, nm die Annahme eines Unfalles zu rechtfertigen. Zu einer kn Fabriken nnd Werkstätten viekerSrterten Frag« hat das Gewerbegericht in einer Weise Stellung genommen, die Kopfschütteln erregen muß. Ein Fräulein Schubert war von dem Konfilurenfabrikanten Pötter ausdrücklich als Packerin nnd Lackirerin engagirt worden. Nach drei Tagen verließ sie ihre Stellung, weil man von ihr verlangte, eine Trepp« und den Arbeitsraum zu reinigen und den Müll nach dem Hofe zu schaffen. Hierauf ver- klagte Pötier das Mädchen beim Gewerbegericht wegen Kontrakt- brnches; er verlangte eine Buße gemäß§ 124k der Gewerbe-Ordnung. Die Beklagte machte geltend, daß sie als Lackirerin und Packerin zu Reinigungsarbeiten nicht verpflichtet sei. Außerdem beanspruchte sie einen höheren Lohn als 3,50 M. für die fraglichen drei Tage. Eine Zeugin bekundete, daß im Betriebe des Herrn Pötter gewöhnlich die jüngste Packerin den Packranm nnd die Treppe reinige. Der Vor- fitzende rieth nach der Beralhung des Gerichtshofes dringend zu einem Vergleich, indem er erkennen ließ, daß er sich zu un- gunsten der Beklagten entschieden habe. Der Vergleich kam dann auch durch gegenseitigen Verzicht zu stände. Nunmehr erklärte der Vorsitzende Krause, daß der Gerichtshof der Ansicht sei, solche Verrichtungen(die Reinigung der Betriebsstätte) wäre» im vorliegenden Falle auszusühren gewesen. Wer mit dem Betriebe einer Fabrik Bescheid wisse, der wisse auch, daß diese Arbeiten vo», Ardeckspcrsonal verrichtet würden.— Den Gründe» des Gerichts kann keineswegs beigetrelen werden, st« sind durchaus zu verwerfen. Wer mit dem Betriebe einer Fabrik Bescheid weiß, der weiß allerdings, daß vielfach jene Reinignngsarbcite» von den Mädchen bericbtel werden. Das geschieht aber auf ausdrückliche Abrede mit dem Abeitgeber oder„aus freiem Willen", um sich nicht den Sorge» der Arbeitslosigkeit auszusetzen. Hieraus ist doch aber nicht zu schließen, daß Arbeiterinnen oder Arbeiter, die aus drück- l i ch für b e st i m m t e Thäligkeiten angenommen werde», auch zum Ausfegen verpflichtet sind. Von eine», Kontraltbrnch kann deshalb hier unmöglich die Rede sei», höchstens von einenl Kontrakt- bruche des Unternehmers; dies deswegen, weil er das Mädchen zu einer kontraklwidrigen Thätigkeit zwingen wollte. Es war einfach ihr gutes Recht, ohne vorherige Kündigung sich dem Zwange zu entziehen. Für die NnSftthrung eineS SiegeSgefpanneS am„National- denkmal" halte sich die Firma Martin u. Jlsing mehrere Kupferschmiede zu einem Wochenlohn von 27 M. vertraglich verpflichtet. Ten Lenlen wurde im Vertrage auch eine Gratis i- k a t i o n von je 50 M. zugesichert. Als nun der Knpfertreiber Hensel nach Beendigung der Arbeit die Gratifikation verlangte, wurde sie ihm verweigert. Er klagte dann beim Gewerbe- gericht. Die Beklagten wandten ein, Kläger selber habe den Vertrag durchbrochen, indem er sich in der für die Firma ungünstigsten Zeit mit seine» etwa 10 Milarbeiten» zusaminengerottet und eine Lohn- crhöhmig von 27 aus 30 Mark habe durchdrücken helfen. Der Kläger betonte demgegenüber, er habe wohl gewußt, daß sein Vertrag ihn z» dem Lohn von 27 Mark verpflichtete, nnd er habe darum auch keine Mehrforderung gestellt. Natürlich hätte er keinen Anlaß ge- habt, den höhere» Lohn zurückzuweisen, als er auch ihm gezahlt worden sei. Die Beklagten blieben bei ihrer Behauptung, ver- mochten sie aber nicht zu beweisen. Sie mußten deshalb wohl oder übel die 50 Mark herausrücken. Für Arbeiter, welche anS der Fabrik Arbeit mit nach Hanfe nehmen, lieber die Frage, ob eine Fabrikarbeiterin, welche Arbeit mit nach Hause nimmt und in ihrer Wohnung vollendet, bei dieser Thätigkeit als Heimarbeiterin oder Hausgewerbetreibende zu betrachten sei, bat das Reichs- Verstcherungsamt, wie wir in der „Zucker-Berufsgenossenschaft" lesen, ein sehr beachtenswerthes Urtheil gefällt. Eine in den Lohnliste» ihres Arbeitgebers geführte Fabrik- arbeiterin, welche regelmäßig den Tag über in de» Fabrikräumen thälig war, nahnr bisweilen nach Schluß der Fabrikstunden Arbeit (Lölhen von Trauerschmuck- Gegenständen mit»ach Hause und voll- endete sie in ihrer Wohnung. Bei solcher Thätigkeit verunglückte sie. Die Bernftgenoffenschaft lehnte die beanspruchte gi e n t e» z a h l u n g a b. da die Verletzt« bei ihrer häuslichen Thätigkeit nicht als versicherte Arbeiterin, sondern als Haus- gewerbetreibende zn betrachten sei. Nachdem daS EchiedS- gencht die Bmifsgenossenschafl zur Gewährung der Entschädigung v e r u r t h e i l t hatte, ist der dagegen eingelegte Rekurs vom Reichs- Versicherungsamt unter dem 11. November 1895 zurückgewiesen worden. I» den Gründe» ver Entscheidung heißt eS: Die Bc- klagte verkennt de» Begriff eines Hausgewerbetreibenden, wenn sie die Klägerin als solche angesehen wiffen will. Wie das Reichs- Verstcherungsamt bereits ausführlich � in srühere» Nevinonsentscheidnngen für das Gebiet der JnvaliditätS- und Altersvirsicherung dargelegt hat, kann von einer hausiudustriellen Thätigkeit dann keine Rede sein, wenn dem Arbeiter die Selbst- stnndigkeit der Verfügung über die Verwendung seiner Arbeitskraft fehlt. Von dem gleichen Grundsätze muß auch ans dem Gebiete der Unfallversicherung ansgegangen iverden. Im vorliegenden Falle stand nun die Verletzte in einen, festen Arbeitsverhältniß zn dem Arbeitgeber, durch welches sie ihre Arbeitskraft dem Unternehmer verdungen halte. Kraft dieser Unterordnung arbeitete sie den Tag über in der Fabrik und nahm sich abends noch Arbeit mit nach Hause, nm sie bis zinn andern Tage fertig zu stellen. Es bandelte sich somit bei dieser häuslicken Arbeit, bei der die Klägerin verunglückt ist, nicht etwa um frei über- n o ni m e n e E i n z e l a Ii s t r ä g e, hinsichtlich deren sie vielleicht über ihre Arbeilskrast frei zu verfügen in der Lage gewesen wäre, sondern lediglich um die Fortfeh niig ihrer Fabrik- thätigkeit in der gleichen wirthschaftlrchen und persönlichen Abhängigkeit von dem Unternehmer, in der sie sicb am Tage in der Fabrik befand. Sie war auch zu Hanse lediglich Fabrik arbeiterin, nicht aber Hausgewerbe- treibende. Diese durchaus richtige Entscheidniig ist auch nm deswillen noch besonders inUressaiit, weil sie die berützinte„Freiheit des Arbeits- Vertrages", mit der von nrbeitei feindlicher �eite zuweilen noch krebsen gegangen wird, drastisch als das kennzeichnet, was sie ist, nämlich als absolule Unterordnung des„arbeitnehiiienden" Theils. Eine Entscheidniig, durch die daS Frachtfnhrwescn berührt wird, soweit es sich in den konununaleii Grenzen vollzieht, sälllc gestern daS Oder-Verwaltungsg«richt. Die Stuvt Bochum hat ans gesundheitlichen Rücksichten die Fälalienabsnhr derart geregelt, daß sie sie durch elwa 40 Landwirihe vc, mittelst pneumalischer Maschinen, die den Landwirtheu gchme». unter gewissen Bedingungkli vollziehen läßt. Allen anderen ab' ihren„Beauftragten" wird in einer Polizeiverordnuiig vci Strafe verboten, die Entleerung von Oborten. Janchgrnbc,. nnd Sammelbehältern vorzuiiebuien. Ein« ländliche Be- sitzerin focht im Verivaltnugsstreitverfahren die Rechts- gilligkeit dieser Verordnimg an und der Bezirksausschuß erkaiinc. auch mit der Begründung zn ibrea gnusten, daß durch diu Polizeiverordnung die im gl der Gewerdeord- ii n n gprokla m irteGewerbesreibeitbeet.i trächtige werde. Der Oberbürgermeister von B o ch u in legt« für die Stadt-Polizeiverivalluiig Berufung ein. Gegen diese machte der Ver- lreter der Klägerin u. a. geltend, daß, wenn jene Verordnung zulässig wäre, die Polizei auch die Macht hätte, de» Transpozt von Fleisch, Eis, Holz and allen möglichen an» deren Gütern auf ganz bestimmte Leure zu be schränken. Ein« derartig« Beschränkung werbe aber durcy den § 37 der Geweideordnung, der den öffentlichen Verkehr regele, nicht gerechlsertigt.— Im Termin vor dem III. Senat des Ober- Vrrwaliungsgerichls ließen sich die betheiligtei, Minister durch den Geh. Obeuegierniigsrath Sie feit verlielri,. Der Minlsteriai-- kommissar. sprach sich nanieus des Ministers des Jim er» m>o des Kultus m i n i st e r s dah'» ans, daß§ 37 nicht ans das Ab-- snhrivesen Anwendung finde. Aus dem tz 76 der Gcwerbe-Ordan.ig gehe hervor, daß oer Z 37 den offeiillichen Verkehr nur in,"- iveir der ortspolizeilichci, gtegelung i.nlciweife. als er inne• kalb der O. r e uiiierhalien werde durch Wagen. Pferde, Sänften, Gondeln und andere Transportniiltel. welche ösjentlicy„u Gebrauche ausgestellt sind>j. B. Droschke» u. s. m.j. DaS Obtt'ÜZenvaltnnsSgnicht trat dem bei und verwarf die Jbeiufung der Stadt-Poli�eiverwaltuiig. Der Vorsitzende führte ferner aus. daß sich das fragliche Vorgehen der Polizei auch nicht aus 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts rechtfertigen lasse, da dem der ß 1 der Gewerbe-Ordnung entgegen stehe. Das Absnhrwesen falle Ichon deswegen nicht unter de»§ 37 der Gewerbe-Ordnung. weil es sich wesentlich um die Reinigung der Aborte ec. handle, an die sich dann erst der Transport anschließe. Eine Polizeiverordnung, welche die Zulassung zum Abfnhrgewerbe beschränke, sei ungiltig. /Gerickzks-�etkunig. Mit einigen Arbeiter», die in der Hitze eines erbitterten ■cchulanipscS sich hinreißen ließen, einige» Streikbrechern zu Leibe zu gehen, ging die erste Slraskammer am Landgericht II in heutiger Sitzung streng ins Gericht. Die Malergesellen Karl Sprey, Fritz M a a ß und Louis Nedder meyer, sämmtlich ans Berlin, waren wegen Vergehens gegen die Gewerbe- Ordnung(Nöthigung im Sinne des§ 163), ferner wegen Körperverletzung und wegen Beleidigung angeklagt. Die Angeklagte» hatlen im Frühjahr v. I. einige Zeit lang für de» Malermeister Swantes a» dem»euerbaute» Erziehungshause in Friedrichsberg gearbeitet. Am Montag den 9.März brach jedoch ein allgemeiner Malerausstaud aus. dem sich auch die Angeklagten und ihre Kollegen vom Bau anschlössen. AmMitlag desielbe» Tages stellte der Meister die Gesellen Hose und Herbert ein. Schon zivei Tage später hatte er sein Personal ganz neu komplettirt. Hose und Herbert sind ihrer Aussage zufolge von den Ausständigen windelweich geprügelt und mit Titulaturen wie„Streikbrecher". . Strolch",„Lump"-c. belegt worden. Auch sollen die Angeklagte» den beide» Arbeitenden gedroht haben, ihnen die Knochen im Leibe entzwei schlagen zu wollen. Die Angeklagte» bestreiten jede Schuld. Sprey giebt zwar zu, das Wort„Streikbrecher" gebrauäit zu haben, jedoch nur in dem Sinne:„Erst wolltest Du den Meister prügeln»ud jetzt willst Du den Streikbrecher spielen?" Der Zeuge Malergeselle Hose entschuldigte sein unsolidarisches Ver- halte» damit, er habe 15 Wochen keine Arbeit gehabt und hätte mit seiner Familie ebenso lange gehungert. Der Bertheidiger, Rechts- anwalt Heine, beantragte, aus Freisprechung von dem Vergehe» der Nöthigung im Sinne des§ 153 der Gewerbe-Ordnung zu erkennen und plädirle im übrigen für eine luildere Aufsassung der strafbaren Handlungen. Der Gerichtshof(Vors. Landgerichtsdircktor Gartz) war auch der Ansicht, daß keine Nöthigung, sonder» nurKörperverletzung und Beleidigung vorliege. In bezug auf letztere beide» Delikte erklärte aber der Vorsitzende, das Gesetz gebe jedem die Freiheit zu arbeiten oder nicht zu arbeiten. Wenn sich Arbeiter zusannnenthnn,»m bessere Lohnverhältnisse zu erreichen, so ist das ihr Recht, es ist auch ihr Siecht, durch gute Worte oder Ueberredungskünste andere zu ver- aulassen, sich ihrer Bewegung anzuschließen, wenn aber einer arbeiten will, so muß er ganz energisch geschützt werden vor den Uebcrgrifsen derjenigen, die das Recht, nicht zu arbeiten, für sich in Anspruch nehmen. Demgemäß lautete das Urtheil für Sprey auf sechs Monate, für M a a ß auf vier Monate und für Nidder- n> e y e r auf drei Monate und eine Woche Gefängn iß. Sprey wurde wegen Fluchtverdachts sofort in Hast genommen. Man vergleiche mit diesem Urtheil de» Spruch, der von einer andere» Straskammer desselben Gerichts vor S Tagen gegen den Edelsten nnd Besten v.Weiher gefällt wurde. Dieser„Gebildete" hatte den zehn- jährigen Knaben eines armen Tagelöhners beim nnerlanbten Graspflücken betroffen nnd das wehrlose Kind dafür in geradezu viehischer Weise mißhandelt, worauf er es in hilflosem Zustande auf der Landstraße liegen ließ. Wegen dieser That, die sich sowohl durch erbärmliche Feigheit, als durch geradezu grauenerregende Roh- heit auszeichnete, wurde der„gebildete" Volontär v. Weiher in erster Instanz zu sage und schreibe fünf Mark, in zweiter In- könne. stanz dagegen zu dreißig Mark Geldstrafe verurtheilt!/ Aus der ThcatcrpraxiS des TheatcrS deS Westens. Für das Theater des Westens war bei seiner Begründung die Schan- spielerin Hermine K. alS erste Liebhaberin auf mehrere Jahre fest eugagirt ivorden. Sie wurde aber, ohne zu einer Probe zugelassen worden zu sein, angeblich wegen gänzlichen lüustlerischen Unvermögens auf grund der sattsam bekannte» Vertragsbestimmungen entlassen. Frl. K. wurde infolgedessen gegen B a u m e i st e r E« h r i n g, in dessen Namen Herr Blumenreich danials die Verträge abgeschloffen halte, klagbar. Der Anwalt des Beklagten. Rechtsanwalt Michaelis, stellte die Behauptung auf. die einfachste Unterhaltung mit der Künstlerin habe der Direktion die Ueberzeugung verschafft. Frl. K. könne nicht einmal eine» Satz ordentlich sprechen. Bei der Ver- iviederholt an seiner Am 7. Mai vorigen Jahres Austritt gekommen; seine und sei zu ihren Eltern ihm eine Hypothek in Höhe von 30000 M. alS Mitgift z u gebe n. Der Angeklagte habe besonders den erste»Theil seines Versprechens nur t h e i l w e i s e gehalten. Der Gerichtsvollzieher habe sich häufig bei ihm, dem Zeugen, blicken lassen und dadurch sei es zwischen ihm und seiner Ehefrau zu Verstimmungen gekommen, die sich immer ärger zuspitzten. Richtig sei es, daß er sich Ehefrau vergriffen habe sei es wieder zu einem heftigen Ehefrau habe ihn verlasse» gegange». Am Abende sei der Angeklagte zu ihm gekommen, um sich mit ihm anszusprechen. Sie seien dabei durch die Leipzigerstraße gegangen. Hier habe sich der in Erregung gerathene Angeklagte zu Beleidigungen hinreiße» lassen Der Zeuge sei deshalb an einen Schutzmann herangetreten und habe denselben gebeten, ihn vor de» Beleidigungen des'Angeklagten zuschützen Nun sei der letztere auch hinzugekommen und habe de» Schutzmann gebeten den Zeugen zur Wache zu bringe»,„der Mann sei verrückt". Als der Beamte erwiderte, daß er hierzu keine Befngniß habe, holte der Angeklagte seine Erkennnngsmarke als Steuererheber hervor und wiederholte sei» Verlange» mildem Bemerken, daß er die Verantwortung übernähme. Jetzt brachte der Schutzmann de» Dr. Meine zur Wache Derselbe hat dort etwa eine halbe Stunde verweilen müssen. Der An- geklagte gab diesen Thatbestaud im wesentliche» zn, er führte aber eine Menge Thalsachen an. woraus er habe schließen müssen, daß sein Schwiegersohn nicht normal sei. Der Zeuge Meine gab zu, daß er dreimal wegen Beleidigung vorbestraft sei. Mediziualrath Dr. Long begutachtete, daß von einer Geisteskrankheit desZeugen Dr. Meine nicht die Rede sein könne, derselbe sei aber so ein erregbarer Mann, daß man es einem Laien nicht verübeln könne, wenn er dessen Znstand nicht für normal halte. Der Staatsauwalt war der Ansicht, daß der Angeklagte sich mißbräuchlich der Staatsgewalt bedient habe, um seiner Puvatrachezu genügen. Er beantrage eineGefängnißstrafe von 3Tage» Der Gerichtshof kam zu einem freisprechenden Urtheil einestheils auf grund des medizinische» Gutachtens, anderntheils, weil der Angeklagte sich der Tragweite seiner Handlungsweise nicht bewußt gewesen fei und die Sistirung seines Schwiegersohnes erst verlangt hatte, nachdem der letztere den Beamten für seine Zwecke in Anspruch genommen hatte. Polizeistunde und Zahlstelle. Im Lokale unseres Parte» genossen Schulz in Friedrichsberg haben verschiedene Slrbeitev vereine ihre Zahlstellen. Eines Abends blieben mehrere Leute, die dort ihrer Beitragspflicht nachkamen, noch nach dem Eintritt der Polizeistunde in der Wirthlchaft. Schulz wurde, weil er dies ge duldet hatte, zu einer Geldstrafe verurtheilt. Er legte gegen das Urtheil der Straskammer Sievision ein und machte geltend, daß die Polizeistunde im fraglichen Falle nicht maßgebend sei. Der Straf senat des K a m m e r g e r i ch t s wies aber die Revision mit der Begründung ab, daß hier von einer geschlossenen Gesellschaft nicht die Rede sein lönne und daß es auf den Zweck der An- Wesenheit der Gäste nicht ankomme.— Unsere Partei- g e n o s s i n n e n Geiser und K a i s e r in B r e s l a u wurden s. Z. wegen einer Anzeig« in der„Bolkswacht" der Uebertretung des Vereinsgesetzes angeschuldigt. Sie sollte» eine Versammlung«in- berufen haben, in der öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollte», ohne von dieser Versaminlung der Polizei Anzeige gemacht zu haben. Das Schöffengericht sprach sie indessen frei nnd legte die Koste» ihrer Vertheioigung der Staatskasse zur Last. Dann be- schäftigte sich auch noch das Landgericht mit der Sache. Dieses stellte das Verfahren wegen Verjährung ein, ohne aber die Ver lheidiguiigskosten der Staaiskasse aufzuerlegen. Die Revision der so Bcnachlheiligten wieS das Kammergericht mit der Begründung ab, daß Z 499 der Slrafprozeß-Ordnung das Landgericht zu diesem Verhalten berechtige und daß der RevisionSrichler dasselbe nicht nach Handlung de? Rechtsstreits kam auch die Art und Weise zur Sprache, wie sich die Direklion die angebliche Ueberzeugung von dem künstlerischen Unvermögen der Dame verschafft haben wollte. tiernach war eine Probe wegen Ausbleibens eines Künstlers, Herrn onn, aufgehoben worden. Fräulein K. wurde nun vom Regisseur Drach in ein Garderobezimmer gerufen und überflog hier mit ihm halblaut das Regiebuch. Die II. Zivilkammer des Landgerichts I erklärte, daß eine derartige Durchsprechung oder Besprechung mildem Regisseur nie als eine Probe ausgefaßt werden dürfe. Eine Probe müsse eine Prüfung der künstlerischen Fähigkeit wenigstens ermöglichen. und dafür sei Voraussehung der Versuch in dem auf der Bühne stattfindenden Zusammenwirken der Rolleudarsteller. Maßgebend für die Beurtheilung des Könnens sei die Fähigkeit, sich im Verein mit de» Mitspielenden auf der Bühne zu bewegen und zn reden. Baumeister Sehring ist deshalb verurtheilt worden, an Frl. K. die sämmtlichen ihr»ach dem Vertrage zugesicherten gebeträgezuzahleu. � Ter Hofpianist Georg Liebling hatte eine Privatbeleimgungs- klage gegen den Musikreferenten der„Tägl. Rundschau", Wilhelm I a n ck angestrengt, die gestern vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt werden sollte. Der Beklagte war persönlich anwesend, der Kläger war nicht zur Stelle. Er ist nach Meran abgereist. Der Angeklagte hatte in der„Tägl. Rundschau" vom 27. Januar dieses Jahres einen kritischen Artikel veröffentlicht, in welcher er auf einige tadelnSwerthe Erscheinungen in unserem Musikleben im allgemeine» hinwies und die nach seiner Meinung besonders tadelnSwerthen Eigenheiten des Herrn Georg Liebling im spezielle» hervorhob. Der Kläger wurde in dem Artikel als Rcklameheld, Gernegroß jc. hingestellt, es wurde von Mühlen- dammerlhum in der Kunst und von Kunstpfuscherei gesprochen und die Vorführung der Beethoven'sche» Appasflonaia alS ein Monstrum von Ungenauigkeit bezeichnet. Rechtsanwall Wollner als Bertheidiger des Angeklagten beantragte, durch Beweisausnahm« festzustellen, daß eine als Beiblatt zum„Berliner Tageblatt" seinerzeit erschienene Weihnachtsgabe mit den üderschiränglichsten Lobeserhebungen auf Georg Liebling, welche von jedermann als Darstellung eines unbe- theiligteu Dritte» angesehen werden mußte, thatsächlich vom Kläger selbst veranlaßt ivorden sei. ebenso wie eine bezahlte Annonce der„Allge- meinen Musikzeitung". Der Bertheidiger hielt dies für die eveut. Strasabmessung doch für wesentlich. Da der Vertreter des Klägers die Behauptung des Vertheidigers nicht ohne weiteres als richtig zugeben mochte, so beschloß der Gerichtshof, die Verhandlung zu vertagen und dem Kläger auszugeben, binnen einer kurz bemessenen Frist zu de» Behauptungen deS Angeklagten beziv. seines Bertheidiger� Stellung zn nehmen. TaS heiligste, waö der Deutsche kennt, die Stellung der Fran, kam drastisch zum Vorschein in einem vor der vierten Straf- kanimer am Landgericht I verhandelten Beleidigungsprozeß. der so recht ein krasses Bild von den Auswüchsen der zeitgemäßen Bonrgeoisehe entrollte. Der praktische Arzt Dr. Georg Meine Halle die Bestrafung seines Schwiegervaters, des städtischen Steuer- erHebers Wilhelm K r a m e r wegen Freiheitsberaubung beantragt. Dr. Meine hat die Tochter des Angeklagte» im Herbst 1335 ge- heirathet. DaS Zusanimenleben hat gerade sechs Monate gedauert und ist eigentlich ein ununterbrochener Kampf gewesen. Schon auf der Hochzeitsreise soll die junge Frau von ihrem Ehemann geprügelt worden sein. Zeuge Dr. Mein« er- klärte, daß der Angeklagte ihm versprochen habe, seine etwa 3000 Mar! betragenden Schulden zu bezahlen und Gemerkschnfkliiszes. Berlin und Umgebung. Achtung» Holzarbeiter! Für L ii b e ck� suchen einige Tischler 3**' meister in Berlin Geselle» anzuwerben. Wir machen darauf auf- merksam. daß der Streik in Lübeck fortdauert. Achtung, Former nnd Kernmacher. I» der Maschine» fabrik und Eisengießerei von Sentker. Müllerstraße, sind fünf zehn Former wegen Feier des 1. Mai bis auf weiteres aus gesperrt worden. Wir ersuchen, den Zuzug aufs strengste fern zu halten. Die O r t s v e r w a l t n n g. Achtung. Zimmerer Berlins! Bei dem königl. Hof- und RalhSzimmermetslcr L. P e i S k e r, Bellealliancestraße 92, wird der Minimallohn nicht gezahlt. Verhandlungen blieben erfolglos. Der Platz ist deshalb zu meiden. Die Lohnkommission. Deutsches Reich. Daö Bnreau der Genera lkommissiou der dentscheu Gewrrk schaftcu in Hamburg ist am 1. Mai nach der Marklstraße 15, 2. Etage, Hamburg 6., verlegt worden. Achtung, Steinarbcitcr! Zuzug ist fernzuhalten von Beiers d o r f bei Oppach in Sachsen, wo von der Firma Z i l s ch e r acht organisirte Steinarbeiter entlasse» wurden, weil sie einen Tarif vor- gelegt hatten, und von Schwarzenbach im Fichtelgebirge, wo am 30. April die Steinarbeiler gekündigt haben, um die Anerkennung ihres Tarif? zu erreiche». Sie fordern den Zehnstundentag und Regnlirung der Lohnverhältuisse sowie Durchführung des Z 120a. der Gewerbe-Ordnung, wonach die Betriebseinrichtunge» derart ei» zurichten sind, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestaltet. Außer der moralischen Hilfe erbitten die Stein arbeiter in Beiersdorf und Schwarzenbach auch die finanzielle Unterstützung der Fachgenossen. Ferner ist der Zuzug fernzuhalten von Erfurt. Die Geschäfleleilung der Steinarbeiter Deutschlands I. A.: P. M i t s ch k e in Ripdorf bei Berlin, Steinmetzstr. 14 I. Alle Arbeilerblätter werden um Abdruck gebeten. Ucber den Stand des Maurcrstrciks in Brandenburg berichtet unser dortiges Partei- Organ: In Sachen des Maurer- streiks fand am Freitag eine vom Magistrat einberufene Konserenz unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Reuscher statt. Es waren hierzu zwei Ardeitgeber und zivei Arbeiter geladen. Der Oberbürgermeister legte in seiner Ansprache die wirthschaftliclien Nachtheile der Arbeitseinstellung der Maurer für den hiesige» Ort dar und forderte die Anwesenden auf, die vom Siadtbaurath formulirte» nnd sogleich zu Protokoll mitzutheilenden Vorschläge zur Einigung einer wohlwollenden und sachgemäßen Beurtheilung zu unterstellen, mit ihren Machtgebern darüber in Ver- Handlung zu treten und das Ergebniß der Verhandlung spätestens bis Montag früh 11 Uhr z»r Kenntnis des Magistrats zu bringen. Hieraus gab der Stadtbauraih folgende Punkte zu Protokoll: I. Die Arbeitgeber werden aufgefordert, die am 1. April d. I. entlassenen 43 Maurer wieder einzustellen. 2. Den Arbeitnehmern soll' gestattet sein, einein beliebige» Arbeiter- rbande anzugehören, ohne daß denselben dadurch irgendwelche achtheile bei der Arbeilseinstclluug entstehen dürfen. 3. Der Normalarbeilstag soll ausschließlich der üblichen Arbeitspausen die Dauer von zehn Arbeitsstunden nicht überschreiten. I» der Herbst- und Winterszeit soll der Arbeilstag von Tageslicht zu Tageslicht dauern. 4. Der Stundenlohn soll im allgemeine» 40 Pf. betragen. Für Junggesellen und alte, nicht mehr im Vollbesitz ihrer Körperkräsle befindliche Gesellen wird über den Stundenlohn freie Vereinbarung vorbehalten, jedoch mit der Maß- gäbe, daß dieser Stundenlohn nicht unter 33 Ps. herabsinken darf. 5. Für außergewöhnliche Arbeite», wie für Arbeilen im Wasser, i» gröberer künstlicher Hitze(Dampskessel-, Dampsschornstein-, Backöfen- Reparatur) findet freie Vereinbarung für den Stundenlohn statt. Ebenso sollen die Arbeitgeber verpflichtet sein, für Vorhalten von Pinsel» beim Weißen, Färben und Liabitz-Putzer eine Entschädigung von 25 Ps. pro Arbeitstag zu zahlen. 3. Die Auszahlung des Lohnes»ins, spätestens innerhalb einer halben Stuiide nach abgelaufener Arbeitszeit erfolgt fein. Für Ueberstunden, das heißt die Arbeitszeit über 10 Stunden täglich, soll eine Zulage von 10 Pf. pro Stunde bezahlt werden. Nachtarbeit wird nach Vereinbarung bezahlt. Zum Schluß begründete der Stadtbaurath seinen Vorschlag auf grund seiner Er- sahrungen und im Interesse dauernde» Friedens, so viel wie möglich auf Akkord zn arbeite». Die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber ver- pflichten sich, in Versammlungen morgen Abend die vorstehend protokollirten Vorschläge ihrerseits zu vertreten nnd für deren An- »ahme zu wirken.— Die Versammlung der Streikenden erklärte fich in der Hauptsache mit den Vorschlägen einverstanden, nur für Jung« gesellen und ältere Leute wünschte» sie die Festsetzung des Lohnes auf 33 Pf. Wenn also jetzt der Streik nicht beigelegt wird, trifft die Schuld die Arbeitgeber allein. In Forst haben die Metallarbeiter von den Unter- nehmern die 1>/s ständige Mittagspause bewilligt bekommen, die Antwort auf die anderen Forderungen lautete aber ausweichend. In einer Versammlung am 30. April beschlossen nun die Metall- arbeiter in geheimer Abstimmung mit 153 gegen 5 Stimmen, am 3. Mai die Arbeit einzustellen, da alle anderen Mittel erschöpft seien, um die Unternehmer davon zu überzeugen, daß es den Arbeitern mit ihren Forderungen Enist ist. Zuzug ist fernzuhalten. Zuschriften sind zn richten an M o r i tz Kähne in Forst, Kottbuser- ftraße 48. Wie die„Märk. Volksstimme" mittheilt, haben am Sonnabend 4 Geschäfte mit zirka 50 Arbeitern die Forderunge» bewilligt. Am Morgen des 3. Mai betrug die Zahl der Streikenven 85. In Dresden haben die Stuckateure die Arbeit nieder- gelegt, weil die Unternehmer den Tarif nicht anerkannten. In der G. Maure r'schen Metall waaren-Fabrik wurden sämmtliche Former und Gießer ausgesperrt, weil sie den 1. Mai feierten. Der GeringSwalder Holzarbeiter-RuSstand dauert fort. 153 Ausständige sind von 314 in den Streik getretenen Arbeitern noch zu unterstützen. Von ihrer Taktik, Einbehaltung der Arbeits- bücker und Werkzeuge sind die Herren noch nicht abgewichen. Die Ausständigen klagen in Rochlitz vor dem Amtsgericht auf Herausgabe ihrer Werkzeuge. In letzter Zeit sind niehrfach Gingriffe der Behörde zu verzeichnen gewesen. und jetzt hat die Behörde die Ausweisung des Streik- l e i t e r s Alb. M o h s aus Leipzig aus dem Amts- gerichtSbezirl iHochlitz auf die Dauer eines halben Jahres verfügt. Der schon mehrfach vorbestrafte Uebelthäter ruft die behördliche Befürchtung wach, daß er zu Gesetzes- Übertretungen geneigt wäre und verschiedene Bevölkerungs- klaffen gegen einander aufreizen könnte. Grund hierzu liegt allerdings nicht vor, vielmehr hat man bisher keine Störung wahrnehmen können. Dagegen sind die Gesetzesübertretungen der Unternehmer wiederholt ans Licht gezogen worden. Der Wunsch der Unternehmer nun, über die Arbeiter triumphiren zu können, sie zu unbedachten Handlungen aufzustacheln, wird vollständig zu Nichte gemacht werde». Ruhe und Besonnenheit haben sich anch die Geringswalder Arbeiter angeeignet. Bei weiterer kräftiger Unter- stütziing wird anch hier die Arbeiterschaft, trotz aller Machinationen, im Kampf nicht erlahmen. Eine Konferenz der Steinarbeiter Schlesiens ist von der Agiiationskommission in Bnnzlau aus den erste» Pfingstfeiertag nach H ä s l i ch t bei Gr. Rosen einberufen. Die Steinarbeiter Schlesiens »verde» ersucht, die Kouserenz recht zahlreich zn beschicken. Näheres durch Wilh. Seidel in Bunzlau, Friedhofstr. I», II. Ans Stettin»vird uns von der Lohnkommission der Maurer mitgetheilt, daß alle Maurer, die am 1. Mai die Arbeit ruhen ließen, zirka zweihundert Mann, von den Jnnungsineistern ausgesperrt worden sind. Die Meister suchen nun auslvärts Arbeitskräjte,»veshalb der Zuzug streng fern zu halten ist. Die Getreidcträger Stettins beschlossen, nach Angabe der „Ostsee-Ztg.". uiigeachlet der erfolglos verlaufenen Verhandlungen zivischen ihrer Kommiffion und den Vertretern der U>»tern«hmer mn Montag die Arbeit»vieder aufzunehmen. Sie beschlossen ferner, bei denjenigen Unternehmern, die bisher den Tarif innegehalten haben, zu den darin angegebenen Sätze» und Bedingungen weiter zu arbeiten, bei de» übrigen aber, ,vo sich ihnen die Gelegenheit bietet, ihre Arbeitskraft nach Möglichkeit bezahlen zu lassen. Die Maurer Königsbergs i. Pr. haben zur Durchführung ihrer Lohnforderungen de» partiellen Kainpf mit den Unternehmern begonnen und ersuchen die auslvärtigen Fachgenoffen, ihnen dabei durch Vermeidung des Zuzuges behilflich zir sei». Tie Bahnarbeitcr in Uelzen haben, wie nnS geschrieben »vird, unterschriftlich versichern müsse», daß sie dem Eisenbahner- verband fernbleiben»volle». In demselben Orte stehen die Maurer iin Streik. Von den Tischlern Hannovers habe» 605 in 107 Werkstätten die Forderungen beivtlligl bekommen. 211 Mann stehen noch in» Streik. Ter Streik in der Jutespinnerei und Weberei Bremen ist durch Vermittelung des EinigungsaintS des bremischen Gewerbe- gerichts beigelegt. Die Forderungen des Personals wurden theil- »veise beivilligt. In Halle a. S. hat der Streik der S ch n h m a ch e r der Firma Gebr. Haas« mit der Niederlage der Arbeiter geei»det. In Magdeburg sind,»vie die„Volksstimine"»littheilt, über 140 Maurer wegen der Maifeier ausgesperrt ivorden. Die Stnckatcnre Dresdens si>»d am l.Mai in den General- st r e i k eingetreten. Sie verlangen die schriftliche Anerkennung deS Tarifs, dessen Preis« den bisher gezahlten augepaßt sind. Die Meister werden d»»rch Agenten und auf sonstige Weise Berliner Stuckateure anzuwerben suchen,»veshalb der Zuzug»anlentlich hier streng fernzuhalten ist. Briefe und Sendungen sind zu richten an die Lohnkonunission der Dresdener Stuckateure. Restaurant Baubörse, Galeriestr. 15. Auf dem Jacobimcrk in Meißen sind die Differenzen durch Entgegeukonnneu der Direktion beseitigt. Tie Maurer Altenburgs forderten bereits Ende Januar den iehi>slu»de»tag, 35 Ps. Minimal-Stundenloh» und Lieferung der alkkäste» durch de» Uiiteruehmer. Sie erhielten erst gar keine Antivort und ihr nochmaliges Gesuch»vurde dann rundiveg ab- geiviesen. Ain 29. April beschlossen nun die Maurer, den folgenden Tag auf allen Baute» die Forderunge» abermals zn stellen,»nid ivenn diese»vieder abgelehnt»verde» sollte», den Streik zn beginnen. Die Unternehmer antivorteten wieder ablehnend und so brach der Streik a»is, der sich fast auf alle Bauplätze erstreckt. Von 250 Mailrern arbeilen 40 zu den geforderten Bedingungen. Am Zimniercrstrcik in Sonncbrrg i. Th, der seit dein Oslerseierlage ivährl, sind rund 45 Btann belheiligt. Sie bezogen bisder folgende Stundenlöhne: je ei» Geselle 23 und 29 Pf., fünf ä 27. vier ä 26, zivanzig ä 25. sieben ä 24, firnf k 28 und je ein Geselle 22 und 21 Pf. Ter Schuhmacherstreik in Offenbach-Oberrad hat mit der bedingungslose» Unteriverfung der Arbeiter geendet. Ausland. Die streiketlden Arbeiter der Schiffswerft« Sa» Roeca bei Muggia in der Nähe Trieft'S bitten die deutschen Ar- b eiter dringend, ihnen bei ihren,»vohlberechtigten Kampfe finanziell»ach Kräften beizustehen. Schnelle Hilfe thut d r i n g e„ d n o t h. Die Sendungen sind zu adressiren an die Lege. sociale-democratica in Trieft. Der Ausstand in Trautcnau in Böhmen ist,»vie bürgerliche Blätter melden, beendet. A»S der Schweiz. Die Arbeiterbörse in Züricb soll diese Woche eröffnet werden. Als Sekretär wurde ans 20 Be- Werbern der Genoffe Lüchinger in Zürich, Buchdrucker und Mit- glied des Großen Stadtrathes, gewählt.— Der Gießerstreik in R o r s ch a ch und A l t st ä t t e n bei Zürich hat zu gunsten der Arbeiter geendet. Das Bnndeskomitee vermittelte.— Auch der Streik der Maler und Gipser in B c r n ist durch Bcr- ständigung mit den Meistern beigelegt, und zwar mit theilweisem Erfolg der Arbeiter. In Cleveland, Ohio. ist ein gewiffer Bloom bei Verübung einer Brandstiftung abgefaßt worden, der bei seiner Vernehmung eingestanden hat, gelegentlich des großen Streiks au den Eisenbahnen des Westens, als er in Chikago als Deputy- Marshall(H i l f s- Polizist) und später als Milizfoldal fungirte. über K0 Eisenbahn- Waggons in Brand gesteckt zu haben. Das ist ungefähr die ganze Anzahl solcher, für welche die Eisenbahn- Gesellschaften eine Ent- schädigung von einer Million Dollars seitens der Stadt verlangten. die es aber ans einen Prozeß ankonimen ließ, der heute noch schwebt. Schon damals ward i» der Arbeiterpresse behauptet, daß die Brände von de» Gesellschaften selbst angestiftet worden seien, mn das Einschreiten der Bundesregierung zu sorciren; es waren nämlich auffallenderweise nur alte, a u s r a n g i r t e Wagen in Brand gesteckt worden. DevprnmnUmZen. Tie Konditoren hielten am 22. April bei B a b i e l eine recht gut besuchte Mitglieder-Bersammlung ab. Der Kassenbericht ergiebt einen Bestand von S9,I0 M. und wird daraufhin der Kassirer ent- lastet. Sodann hielt uiiser Zentral-Borsitzende Kollege B ö l k aus Hamburg einen sehr beifällig aufgenommene» Vortrag über: Die zukünftige Gestaltung unserer Organisation, bezugnehmend auf den Verb« ildetag. Redner meint, daß die Verschmelzung gescheitert sei namentlich a» dem Widerstande der Bäcker. Um eine größere Leistuugs- fnhigkeit des Verbandes zu erziele», habe man beschlossen, den Beilritt von ö0 Pf. auf 7S Pf. und den wöchentlichen Beilrag von 15 auf 30 Pf. zu erhöhen. Dafür solle eine Unterstützung der Mitglieder zur Einführung gelangen, wonach die Mitglieder nach 52 wöchiger Karenzzeit 40 Tage lang 80 Pf. pro Tag bei Arbeitslosigkeit und Krankheit erhalten und nach 26 Wochen nach der Aussteuerung nochmol dieselbe Unterstützung. Das Sterbegeld ist nach Leistung von 150 Wochenbeiträge» auf 30 M. erhöht. Ein Drittel der Einnahmen verbleiben den Mitgliedschaften, welcher Titel anstatt„L o k a l v e r e i n" angenommen wurde, zur Ber- sügnng. Auch können dem Verband alle in der Nahrungsmittel- Branche beschäftigten Personen beitreten. Das Organ ist beibehalten, nachdem einige Verbesserungen für uns erzielt worden sind. Di« Statuten treten am 1. Juni in kraft und haben die alten Mitglieder bis zum 15. Mai 1698 Unterstützungsanspruch nach dem allen Statut. Der Referent appellirt an die Solidarität der Mitglieder, trotz der erhöhten Anforderungen fest und treu zum Verbände zu stehen. Der Bericht des Delegirten vom Verbandstage. Haas«, deckt sich zumeist mit den Aussührungen des Referenten und wurden nur einige Punkte noch näher erörtert. Hieran schloß sich eine lebhafte Diskussion, die jedoch nicht zu Ende geführt werden konnte. Fortsetzung dieser Versammlung findet am Donnerstag, den 6. Mai, abends 8� Uhr. in demselben Lokale statt. Der Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder galanteriewaaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen(Zahlstelle Berlin) hielt am 23. April seine ordentliche General-Versammlung ab. Kollege Schmidt giebt den Geschäftsbericht über das verflossene Quartal. Daraus ist zu entnehmen, daß der Mitgliederbestand, welcher in den letzten Jahren fielig von Quartal zu Quartal gewachsen war, ganz rapide gesunken ist. Der Geist unter de» Mitgliedern lasse ebenfalls sehr viel zu wünschen übrig. Die Berichte der Branchen-Vertrauenspersonen geben auch nur ein trübes Bild von der Lässigkeit unserer Verbands- Mitglieder, da die Versammlungen und die Delegirtensitzungen ebenso auch die Werkstubenversammluugen zum großen Theil sehr schlecht besucht waren. Die Agitation muß wieder in fast allen Branchen von vorn angefangen werden. Der Mitgliederbestand betrug am Schluß des 4. Quartals 1896 1705 männliche und 1119 weibliche, das sind insgesammt 2824 Mitglieder. Am 1. April d. Js. dagegen waren vorhanden 1405 männliche und 832 weibliche. d. i. ein Gesammt-Mitgliederbestand von 2237 Mitgliedern. Ter Kassenbericht lautet wie folgt: Für die Zentral- Kasse: Einnahme 11 726,67 M.(inkl. der 5000 M. aus der Verbandskasse zum Streik). Ausgabe 4145,54 M. An die Ver- bandskasse eingesandt 2580,73 M. Für die L o k a l k a s s e: Einnahme: 1567,27 M., dazu Bestand vom 4. Quartal 1896 1509,04 M.. sind insgesammt 3076.31 M. Ausgabe: 2070,85 M. Verbleibt ein Ztaffenbestaud von 1005,46 M. Hierauf werden die Ergänznngswahlen zum Vorstand vorgenommen und ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Eugen Brückner, 1. Schrift- sichrer C. Eberhard, 2. Schriftführer A. B a e r. Der Vor- sitzende giebt noch bekannt, daß auch in diesem Jahre wieder unseren arbeitslosen Verbandsangehörigen zur Maifeier ein Geschenk in Höhe von 2 M. gegeben werden wird. Ein Antrag Bruckner, den Ver- bandsvorstand zu ersuchen, baldmöglichst eine Urabstimmung bezng- lich der Herabsetzung der Beiträge vorzunehmen, wird vertagt für die nächste Mitgliederversammlung. Dem ersten Kassirer werden für seine Mühewaltung vierteljährlich 25 M. bewilligt. Charlottcnburg. Eine öffentliche Versammlung der Maurer, welche von über 500 Kollegen besucht war. tagte am 29. April im Lokale„Bismarckshöhe". Die Delegirten von der zweiten Konferenz der Provinz Brandenburg erstatteten Bericht; die Versammlung er- klärt sich mit den Beschlüffen einverstanden. Uebcr die Lohnsrage referirte der Kollege Schulze; derselbe schilderte in längeren Aus- führungen eingehend die Bewegung der Maurer seit dem Jahre 1839 bis zur jetzigen Zeit und empfahl den Anwesenden die Berliner Resolution vom 8. April. Die Resolution wurde gegen 3 Stimmen angenommen. Ferner beschloß die Versammlung, von jetzt ab des Donnerstags von 2—6 Uhr nachmittags abzustempeln. I» Fricdnchsfclde tagte am 25. April seit drei Jahren wieder einmal die erste öffentliche Versammlung. Genosse M e tz n e r hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „Ethik". Beschlossen wurde, den 1. Mai am Orte selbst zu feiern. Sämmtliche Lokale, die für Versammlungen nicht zu haben sind, sollen als gesperrt gelten. Dabei wurde bedauert, daß die Berliner so wenig auf die Lokalliste achten und den Kampf dadurch er- schweren. Kette ermahnte noch, den Beschluß richtig durchzuführen. Wcistensee! Der politische Arbeiterverein für Weißensee und Umgegend hielt am Montag den 26. d. M. seine Generalversamm- lung ab. Nach dem Bericht des Knssirers beliefen sich die Ein- nahmen des letzten Ouartels incl. Bestand vom vorigen Halbjahr auf 403,25 M., die Ausgaben betrugen 227,55 M. Der Bericht der Bibliothekare ergab einen Bestand von 119 Bänden. Die Ausgaben für die Bibliothek beliefen sich im letzten Jahre auf 37,20 M. Weitere 22 M. zur Ergänzung wurden bewilligt. Dem Kassirer, lowie Bibliothekaren wurde Decharge erlheilt. Als Revisoren wurden die Genossen Belitz, Junke und Gersteuberger gewählt. Außerdem wurden der Genosse Slahlberg als Beisitzer, und die Genossen Polleschack II und Glöhn als Bibliothekare gewählt. Als Verkehrslokal für die Sommermonate ist„Cafs Rettig bestimmt. Fricdrichsbcrg. Eine ziemlich gut besuchte Wanderversamm- lung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend tagte am 27. v. M. bei Spitzig. Kollege Li a t e r hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Zweck und Nutzen der Organisation. Diskussion über den gehörten Vor- trag fand nicht statt. Als Hilsskassircr für Friedrichsberg wurde Kollege Kroll gewählt; derselbe kassirt jeden Sonnabend von 8 bis 10 Uhr im Lokale des Herrn Lange, Wartenbergstr. 67; auch finden dort an jedem Sonntag Morgensprachen statt, wozu jeder Maurer hierdurch eingeladen ist. A>dcitee-Sild,»'»«sch>>lr. Tie Bibliothek in der Nordschule B«un neust r- es, ist sür die Mitglieder an folgenden Tagen geöffnet: Sonn» t a1»s, oormtttags von lo— IS. The nst a g§ und F re i l a gS, abend»!is bis 10 Itbr. Mitgtiedebetlräge werden an diesen Tagen in der Nordschule entgegen- aenommen. ebenso in folgenden Zahlstellen: Sollfr. Schulz. Adiniialstr.■loa: Schöning,«öpnickerstr.«8; Reul. Barnimstr.<9; Babiel. Rosenihalerstr. 67; Slcinert, Müllerftr, 7a; Burghauie, Pulbuserstr. 35; Blankenseld. Sleohanstr. 29; Werner, Bülowstraste 59: Grube, Marlendorserstraß- 6; Katzler. Junlerstratze 1; H. Königs, Dicffenbachstr, so.____— Alle Zuschrtslen sind an den»orsttzenden Paul Mucke Ir., SO, Man- teufselstr. 119,(Leldsendiingen an den Kassirer H. König», S. Tieffenbachstr, so, au senden. 3U-lieitt«r-Snnn»vt>«m» Verlin« und Umgegend Vorsitzender Ad. Neumann, Pasewallersir. z. Alle Aendernugen im Bereinskalsiider stnd zn richlen an Friedrich Kortum, Manteusielsir.»9, v. 5 Tr. «und der gef-Uig«» Ardeitervorel»» Kerlin««nd zlmoeoend. All- Zuschrifien, den Bund belrefsend, sind zu richien an H. B e n d i l, Aiexandrinen- stratzc loo..._ Arbeiter- Pancherdnnd Kerlin«»nd zimgeg«»». Aenderungen im Bereinskaiender sind zu richien an Hermann Braun schweig, Dresdener- strotze 80, 9. Hof, 1 Tr...„„... Zands,»nnnfchast der Schleswig- Holstelner. Heute, abend» Sit Uhr: Antzerordentliche M t t g lt e d er- B er sa m m l u ng in Feuerstein'» Fest- salen. Alte JalobM. 7«... NonAloilo v, EnglisH Conversaiional- and Reading-Club. 9 o clock a Tettenboras' Pesiaurani, Wall-Sirasse 91. Guesis are welcome. Briefkasten der Redaktion. I. M. Die Namen sind uns auch nicht bekannt. E. K. 37. Umer Wilhelm I. und unter Bismarck als Reichskanzler wurde vom Kartell-Rcichstag(1887-90) die Berlänaerung der Legislatur- Perioden des Reichstages und des preußischen Al'geordnetenhauses von 3 auf 5 Jahre beschloffen. Sofmanit 190. Die russischen Staatsbürger sind blos aus Preußen und nicht aus dem Reichsgebiete ausgewiesen worden. Arbeiter bei S. und H. Sie irren sich. Der Eintrittspreis von 50 Pf. berechtigt in der Urania nicht zum Besuch der Theater-Borslellmig. Hübnrr. Schriftliche Antwort zu ertheilen müssen wir ablehnen. Das betreffende muß bei Vermeidung der Möglichkeit des Wahlrechts- Verlustes gezahlt werden.— M. A. 1. Klage hat Aussicht auf Erfolg. 2. Privatschristliche Zession genügt.— Th. G. Schriftliche Antwort zu ertheilen müssen wir ablehnen. 1. Ohne Einsicht in die Papiere nicht zu beantworte». 2. Der Antrag muß möglichst bald nach Ladung zum Termin gestellt werden. Hebeammcnattest genügt. Erheben Sie außerdem schriftlich vor dein Termin den Einwand bereits erledigter Sache.— Molken- markt a. D. Ja, es giebt nichts nach der Richtung hin, was als Ma- jestätsbelcidigung nicht erachtet werden könnte. Wozu das Thema- Es giebt doch solche, die interessanteren Gesprächssioff abgeben. WittrruiigSiiberflcht vom 4. Mai kk4i>7. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 5. Mai IW97. Etwas kühler, zunächst ziemlich trübe, mit leichte» Regenjällen und mäßigen nordwestlichen Winde». Nachher auslläreud. Berliner Wetterb ureau. Achtung! Haiirei1'. Achtung! DonnevflÄg, den v. Wl.» ubends 8 Mhu: Grosse öffentliche lanrerversammlimg in Cohn's Festsälen, Beuthstraße Nr. 2l|22. Tagesordnung: 1.„Inwieweit sind unsere Forderungen vom hygienischen und menschlichen Stand- punkte aus berechtigt und inwieweit decken sie sich mit dem§ 120b u. f. w. der Reichs- Gewerbe-Ordnung Referent:!>»-. Friedeberg. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 280/9 Der Vortrag hat den Zweck, unseren Kollegey die Agitation sür unsere diesjährigen Forderungen zu er- leichtem, und ist es deshalb nothwendig, daß die größtmöglichste Propaganda für diese Vcrsammlmig gemacht werde. Die Lohnkommission. DkMer Dolzlttlietttr-Vkrbimd. Zahlstelle Berlin. Vvsnche vor NuvuuvttbodvnleAeu. Donnerstag, den 6. Mai, abends 3 Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 106: Sitzung der WerkßiltttMroll-KsmNisPll mit de» Vertrauensleuten. Tages-Ordnung: I. Di« diesjährige Geschästsionjunktur unter Berücksichtigung unseres Lohntarifs. 2. Festsetzung eines Lohnsatzes stir das Verlegen von Asphalt- Fußboden. 105/6 Hierzu eingeladen sind die Asphalteure der Firmen Gehlesing IVaehfl., I-Ieta und Kopp& Cle. Ferner die Kollegen der Firmen l-elhe& Co., sowie Ii. Kampmeyer, davon speziell der Kollege B u ck w i tz. Brauerei- �ch*""'' «. Bierverlags-Hilfsarveiter. Donnerstag, de» 6. Mai 1897, abends 8 Uhr, im Liokale des Herrn Stabernack, Inselstrasse 10: g: Vereins Uersammlung. Tages-Ordnung: 1 Vortrag über:„Arbeiter- und Untemehmer-Berbände". Referent Genoffe Hohriaek. 2, Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Es ist eines jeden Kollegen Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Neuaufnahmen von Mitgliedem finde» in der Ber- sammlung statt._[41/16]_ Der Vorstand. Chemigraphen. Am Donnerstag, den 9. Mai, abends 8Vz Uhr. im Lokale des Herrn ZnheN, Lindensirasic 106: SP Mitglieder-Versammlung. ZZ TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Professor ZI. W. Ulrich über:„Die Form des Kopfes und die Möglichkeit, daraus den Charakter und die Fähigkeiten zu erkennen." Erläutert durch Zeichnungen und Porträts, verbunden mit öffentlichen Charakterbeurtheilungen anwesender Herren nnd Damen. 2. Ab- rechnung vom Stiftungsfest. 3. Vereinsangelegenheiten. 97/10 SjÜp Gäste sind willkommen. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Die Berwaltung. Steppdeck. Gardin.. Wäsche. )UUU Teppiche, Sommerpaletots, izüge, Hosen, Regulatoren, Renron- toiruhren, Reisekoffer, Operngläser, spottbillig Pfandleihe, Neanderstr. 6. �Billig. 1177«* Billig. Knaben- Anzüge. Knäben-Anzüge und Mädchen-Kleidchen Nester zu Anzügen sehr billig. Otto Hoffmann, Veteranenstr. 14. Brillante Kapitaisanlage. Mit kleiner Abzahlung verk. inehrere Baustellen und Häuser mit hohem Neberschub sehr billig. Off. unt. B. G. nimmt d. Exped. entgegen. 1922b Alte Bäckerei. 1813b schön gelegen, a. e. jungen Ansänaer, lücht. Fachmann, dirett v. Wirth sofort od. 1. Juli zu verm. Auskunst ertheilt Bäckermst.Hennvch.A.Friedrichöhain39. Vödes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser guter Vater, Großvater und Schwiegervater. der Tischler Karl Wilhelm Habrecht nach langen, schweren Leiden am 2. Mai nachm.-p/z Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. Mai, nachm. S'/z Uhr, vom Trauerhause, Kreuzigerstr. 3, statt. 1945b s Die Hiuterbliebeue». Banksagnng. Allen Verwandten, Freunden und Beiaiuitcn, insbesondere den Kollegen meines unvergeßlichen lieben Mannes, unseres guten Baters, sowie sür die reichliche Kranzspende sagen ihren herzlichen Dank 1944b Ww. Hauptmeier nebst Kindern. Dauksagling. Für die herzliche Thcilnahme bei der Beerdigung ineines liebe» Mannes, insbesondere den Kollegen von Frister u. Rohmann und dem Lotterieklub Pech innigsten Dank. 1S41b 'tzVwe. Pohle und Kinder. Von der Matinee am 4. April cr. ini Feen-Palast der Metallarbeiter- Kasse Berlin und Umgegend als zweite Rate 294,10 M. für die nachgeblie- bcnen Opfer des Hafenarbeiterslreiks empfangen zu haben, bescheinigt Der Aorstand des Berbandes der Hasenarbeiter Deutschlands. Schönes 2senstr. Zimuier, gut mvbl. mit Sopha u. Schreibtisch, zu venu.. Preis für 1 Hrn. 7,50 M., für 2 Hrn 14 M. monatl., auch an anst. Dame» Sparrstr. 13, v. II(am Wedding) bei Rasenack._ 19386 Pfandleihe von ä. Hirschson, gegr. isso. (früher Jägerstrastc) Wujslliir. i, BSTSS .» äuf Wert. fache»:c. tr. Mie Mlisiiji owf®öcrtr,s faicü- Clgarren, verpf. gew., Mille 40 M., Leihhans Rosenthalcrstr. 11/12. Fernsprecher. Barbiere nnd Frisenre der äußere» Louisenstadt. Nachstehende Kollegen geben hiermit die Erklärung ab, daß selbige mit Eintritt der Preiserhöhung ihren Gehilfen 22t/z bis 25 pCt. Lohn mehr zahlen Dieses der geehrten Kundschaft zur gefälligen Kennwiß. 1939b ». Leopold, Adalbcrtstraße Nr. 21. H. Meyer. Or-mienstraße Nr. 199. �-ouis Schlamkow. Waldemarstraße 41. Paul Reifch, Wiencrstraße 18. Ernst Tschacher, Waldeniarsttaße 78. August Kohle, Grünauerstraße 4. Karl Heise. Adalbertstr. 10. Otto Billert. Oranienstr. 20. Wilhelm törstcr. Skalitzerstt. 5. Louis Hiiqneniu, Reicheubergerftt. 26. Herman» ahlenburg. Reichenbergerstraße 149. Joseph Flach, Dresdenerslraße 12. A. Zchüsiler. Hasenhaide 20. Will). Kranz. Urbanstr. 34. Rod. Wolff. Reichenbergerstr. 52. Fr. Pook. Boeckhstr. 13. Otto Kay, Kottbuser Damm 1. Josef Roffa, Boeahstraße 50. Hermann Schäffer. Kottbuser Ufer oh. ,7>cniio«« Hensel, Kottbuser Damm 15. Hans. Mariannenstt. 42. Ernst Kuhlhorn. Reichenbergerstr. 162. Karl Giller, Skalitzerstt. 107. Hermann Pfab, Skalitzerfttaße 121. Gustav Ehlert, Urbanstraße 111. Rcinhold Lehmann, Adalberftr. 20. Franz Runge, Jahnstt. 2. Dampf- schifffalirts- Geseilsciiaft Anker" empfiehlt den verehrt. NtttlNe», ZthraNstalteN U. ihre neuerbauten, hocheleganten Salondampfer zu Anssisigkkl nach der Mr- nnd UntkOrre. Dahine. Aavel etc. llflUtPfft in allen Größen zu jeder Zeit, Sonn- und Feiertage auch für den ganzen Tag zu außerordentlich billigen Preisen zur Verfügung.> Abfahtts-Stationen: Janno witzbrücke(Spreeterrasie), n. jÄnrschaUbrücke. �OlUptOlt: Rnmmelsburg, Cöpenicker Chaussee 10. Telephon: RummelSburg 23. Auskunft ausserdem: Berlin, Brückenstraße 7 inr Restaurant„Spreeterraffe". 103/6 Die Direktion. " i"iiimiiii im ArbeWmrkt. NrHkung! Holzarbeiter! Die Kollegen von King, Frucht- strasse 31/38. die wegen der Mai- seier bis zum 5. Mai ausgesperrt wurden, haben beschloffen, vor dem 10. Mai die Arbeit nicht aufzunehmen. Zuzug feruhalten! 105/7 Die Ortsbertvaltung. Alhtmlg, Metillllllbeiter! Bei der Firma Oiossen, Schönhauser Allee 73, u. bei der Firma J. G. Heber, Simeonftr. 13. sind unsere Kollege» wegen der Mai- feier entlassen tvorden. Beide Werk- stätten sind gespertt. 282/8' Zuzug ist streng fernzuhalten. Ter Vorstand deS BerbandeS aller in d. Metallindustrie beschüft. Arbeiter Berlins». Umgcg. AchtlUlg, Parquetbodenleger. Bei der Firma Kampmeyer an der Moabiter Brücke sind Lohndifferenzen ausgebrochen. Wir ersuchen dieKollegen, Zuzug biS auf weiteres femzubalten. 105/5* Die Kommisston. Bon der Reise zurückgekehrt. Dr. Dradt, prall. Arzt. 1947b Wienerstraße 20. Nachtigallen lungarische), sofor' schlagend, 6 M., Waldvögel, Vogel I baucr, billigst. Schnelle, Jnvalidenstt. 7 LIeniienä weisse Wäsche ohne Bleiche erzielt man nur mit dem echten vi'. Tiiompson's Seifenpulver. Dasselbe ist frei von jeder schädlichen, ätzenden Substanz und greift die Wäsche auch nicht im geringsten an. Man erhält Dr. Dhompson's Seifenpulver in den meisten Cololtialwaare»-. Seifen- und Droguen- Geschäfte», jedoch mir echt mit Schutzmarke„Schwan". ESÖM Gesucht für sofort ein ordentliches Mädchen zur Hilfe im veg. Haushalt auf dem Lande. Fam.-Anschl. Off. an H. Brauner, Neu-Sättchen 40, Post Riesky b./L. 1937» Stanzer auf Holzrahmen wird verlangt Mathienstr. 14. lü.'lsib Tüchtige Korbmacher aus Rohr- figuren sinden dauernde und lohnende Beschäft. Schlieter, Neue Königftr. 79. Zuarbeiterw zur Schneiderei verlangt Borsch, Raupachstt. 7, Quergeb. IV.[19401» Tüchtige Vallirer auf Goldleiften 18866 sofott gesucht Liegnitzerstraße 15. Plätterinneit auf Stehkragen u. geschweifte Umlegekragen in u. außer dem Hause sucht Trevpe, Lothrtngerstr. 16, Quergeb. IV.[1927» Zitherspiel lehrt Nikkel» Jnvaliden- straße 128. 18916 Dirigent sucht Gesangvereine zu leiten. Malmene, Neanderstr. 22. Lehrmädchen zur feinen Schneideret Verl. Peter, Zionskirchstt. 46, 3 Tr. ZV Einen Korbmachergesellen auf Rohrarbeit verlangt 1946» A. Habitz, Lausttzerstr. 12. Einem Theile der heurige,, Auslage liegt ein Prospekt des Geschäftshauses Hamlowsk.y & Co., Roseuthalerstr. 53. bei. Verantworlitcher Siedaklenr: Robert Schmidt i» Berlin. Für den Jnseratenlheil veranl» örtlich: Th. Glocke tu Bert,». Druck und Vertag von Piax Bading in Berlin. w.«. 2. KrilU!>«.FMlis" Kerüm WslllM.'»'l VevfAmmlttngen. Der Berliner Korbmachcr-Verband»ahm in seiner letzten Versammlung den Kassenbericht entgegen. Es entspann sich dann eine lebhafte Debatte über die Lage in der G r ü n b r a n ch e. Die Friedrichsfelder Kollegen sprachen sich dahin aus, daß der Lohntarif viel zu niedrig sei und ein tüchtiger Arbeiter höchstens 18— 20M. verdient, der Durchschnittslohn sei 10— 13 M. pro Woche. Es wurde dann angeregt, nochmals mit dem Vorstand und der Lohnkommission zu unterhandeln und gelangle ein Antrag zur An- »ahme, den Lohntarif zu erhöhe» und denselben so bald wie möglich den Arbeitgebern vorzulegen. Bei der Besprechung der Kugelkorb- brauche wird der Lohn pro Stück auf 5 M. festgesetzt und die Arbeitszeit soll auf 8l/3 Stunden reduzirt werden. Der Verband der Bäcker(Mitgl. Berlin) wählte in seiner letzten Monatsversamnilung de» Kollegen H ö p f n e r als ersten, den Kollegen B a s i l i e e als zweiten Kassirer. Alsdann erstatteten die Delegirten B a s i l i e e und S a n d h o s Bericht über die Generalversammlung, wobei sie einige Punkte des„Vorwärts"« Berichtes richtig stellen. Die Versammelten erklären sich mit den Beschlüssen der Generalversammlung, als auch mit der Haltung ihrer Delegirten auf derselben einverstanden. Ter Verein der Zimmerer hielt am Montag, den 25. April, seine Generalversammlung ab. Im ersten Punkt verliest der Kassirer die Abrechnung, welche folgende Zahlen ergab: Einnahme 1827.30 M., Ausgabe 705,l0 M., Bestand vom 4. Quartal 1696 4230,32 M., bleibt Bestand 5352,52 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. AlS Revisoren wurden die Kameraden Lehmann. Clamann und Rebschläger wiedergewählt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden ans, sich rege an der Feier des 1. Mai und ebenso an der Abnahme der Billets zur Urania am 2. Mai zu betheiligen. Verband der Töpfer und Zicgler, Filiale Berlin. General- Versammlung vom 25. April. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes und beklagt in demselben die Or- ganisationslosigkeit der hiesigen Kollegenschaft im allgemeine». Hierauf gab der Kassirer den Kassenbericht für das abgelaufene Quartal. Die Einnahme beträgt 315 M. Davon wurden an die Hauptkasse abgeliefert"250 M., an Verwaltungsausgaben sind ver« braucht 32,50 M., so daß noch ein Bestand von 32,50 M. auf das 2. Quartal verbleibt. Die Mitgliederzahl beträgt 125. TieRichligkeit der Abrechnung wird von de» Revisoren bestätigt und dem Vorstand Decharge ertheilt. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Wilh. Thiele, 1. Vorsitzender; Herkner, 2. Vorsitzender; H. Kraus«, I. Kassirer; Ulbrich, 2. Kassirer; Steinigk, Schriftführer; Jage» und Hesse, Beisitzer; R. Sprenger, Revisor. In die Agitations- kommission wurden gewählt O. Scbmädicke und Gustav Krause. Bezüglich der Maifeier wird davon Abstand genommen, eine eigene Versammlung einzuberufen, es wird den Kollegen zur Pflicht gc- niacht, die in ihrem Bezirk stattfindenden allgemeinen Versamm- lnngen zu besuchen und de» Tag, wie in früheren Jahren, wo es irgend thunlich ist, durch Ruhenlassen der Arbeit zn feiern. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß unsere Versammlungen in Zukunft stets pünktlich eröffnet werden; sie finden den Sommer über an Wochentagen statt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäfchebranche hielten am 27. April eine öffentliche Versammlung in Schulz' Salon ab, in welcher Genosse L i t f i n über den Einfluß der Or- ganisation auf die Lebenshaltung der Arbeiter und Arbeiterinnen unter dem lebhaftesten Beifall der Versammlung sprach. Anschließend Meran besprach der Kollege Trinks das Lehrlingsunwesen in der Branche. Ein weiterer Punkt:„Wie stellt sich die Gewerkschaft nr Erweiterung der Thätigkeit der Gewerkschaftskommissiou?" fand nach längerer Diskusston dadurch seine Erledigung, daß der Delegirte beauftragt wurde, gegen die Anstellung eines weiteren Be- amten zu stimmen. Tie chirurgische Branche tagte am Dienstag, den 27. April, bei Gründe!, Brunnenstraße. Der Kassirer gab den Kassenbericht vom ersten Quartal. Danach betrugen die Einnahmen 634,55 M., die Ausgaben 328,70 M., bleibt ein Bestand von 305,85 M. Der Reservefonds beträgt 950 M. Hierauf hielt die Genossin Ida A l t m a n n eine» interessanten Vortrag über die Welt der Träume, welcher allgemeinen Beifall fand. Ein Antrag, im Juli dieses Jahres eine Dampferpartie nach Wilhelmsruh bei Spandau zn machen, wurde angenommen. Zum Schluß forderte Kollege Heller die Kollegen auf, die Wohlthätigkeils-Matinee der Messerschmiede bei Noack am Sonntag, den 16. Mai, recht zahlreich zu besuchen. Der Verband der Graveure, Ziseleure ec. hielt am 27. April sein« erste Generalversammlung ab. Nach dem vom Vorsitzenden Kollegen K l i n s k y erstatteten Vierteljahresberichte habe» seit Be- stehen der Filiale 5 Versammlungen mit Vorträgen stattgefunden. Die geschäftliche Leitung wurde durch 6 Verstandssiyungen geregelt, die Kassenverhältnisse gestalteten sich in der Einnahme mit 721 M., der eine Ausgabe von 109,75 M. gegenübersteht. Der Arbeits- Nachweis wurde von 33 Graveuren und 21 Ziseleuren in Anspruch genommen. Nachdem die Revisoren die Richtigkeit des Kassenberichts bestätigt, hielt Kollege S ch a a l einen interessanten Vortrag über Arbeilsbörsen. Redner erläutert die Thätigkeit derselben in Frankreich und bespricht alsdann die Aufgaben der Ge- werkschastsorganisatione». In der Diskussion fordert Grill zum Ausbau des Vertrauensmänner- Systems auf. Kollege G u t t m a n n beleuchtet die Bedeutung der Arbeiterbörse nach deutschen Verhältnissen und erblickt darin nichts weiter als ein Vermittlungsbureau. Die Taktik einer Gewerkschaft läßt sich nicht schablonisiren, sondern richtet sich je nach den Verhältnissen. In seinem Schlußwort wendet sich Referent gegen einige Aussuhrungen Gnttmauns und hält bei einem kommunalen Zuschuß die Haltung einer Arbeiterbörse möglich. Unter Verschiedenem macht Vorsitzender bekannt, daß in nächster Zeit mehrere Branchenversammlungen ab- gehalten werden. Die erste für Ziseleure findet am II. Mai im Englischen Hof. Neue Roßstraße 3, statt. Hierauf erfolgte Schluß der zahlreich besuchten Versammlung. Die Händler und Händlerinnen beschäftigten sich in einer nochmaligen Versammlung, die am 29 April bei Buske tagte, aber- mals mit der Beschickung des zum 17. Mai in Aussicht genommenen Kongresses lokalorganisirter Gewerkschaften. Töpfer Thieme leitete wiederum die Debatte ein, die sich wiederholt zu einer recht erhitzten gestaltete. Schließlich wurde ein Antrag: den Beschluß der am 22. April stattgehabten Versammlung aufrecht zn erhalten, und keinen Delegirten nach Halle zu senden, abgelehnt. Eine ähnlich heftige Debatte rief der Kostenpunkt hervor, man bewilligte schließlich 50 M. Delegationsgelder, die mittels Sammellisten aufzubringen sind, und übertrug Schröder das Mandat, als Delegirter nach H'alle zu gehen. Recht unlieb- same Vorkommnisse wurden in Sachen des früheren Agitations« Mitgliedes Haupt zur Sprache gebracht; letzterer wurde öffentlich aufgefordert, mit seinem Nachfolger Schröder abzurechnen; in seinem Besitze befänden sich nebst dem Agitationsstenipel 3000 weiße Agitationsmarlen. Die Angelegenheit Haupt und eine andere Angelegenheit Saß, zeitigten eine höchst unerquickliche Debatte, die sich bis gegen 2 Uhr morgens hinzog. Der Berliner Metallarbeiter- Verband hielt am Montag eine außerordentliche Generalversammlung ab. Ueber die Maiseier und deren Folgen berichtete Litfin, daß sich 43 Wcrkstellen mit etwa 1000 Arbeitern für die Arbeitsrnhe entschieden hätten, davon seien aber die Kollegen einer Fabrik und die Klempner von zwei Werkstätten nachträglich zurückgetreten. Maßregelungen aus Anlaß der Maifeier wurden von vier Firmen vorgenommen. Bei Ziegler. Reinickendorserstraße, erhielten 56 Arbeiter ihre Entlassung, darunter befindet sich auch der Vertrauensmann für den Norden. Der Unternehmer erklärte sich aber bereit, sämmtliche Arbeiter mit Ausnahme des Vertrauensmannes wieder einzustellen. Da dieser aus seine Wiedcreinstellung verzichtet und dieselbe nicht zum Gegenstand eines Kampfes machen will, so steht der Ausnahme der Arbeit seitens der übrigen Kollegen nichts entgegen. N ä t h e r machte den Vorschlag, bei Ziegler nur unter der Bedingung wieder anzufangen, paß St. von der schwarzen Liste des Unternehmer« Verbandes gestrichen werde. Litfin und S t ö h r zweifelten an der Durchführbarkeit dieser Bedingung, da die Erfüllung derselben wohl nicht von dem Willen des einzelnen Unternehmers abhinge. Die Regelung dieser Angelegenheit wurde den Kollegen der be- treffenden Werkstatt unter Hinzuziehung des Vorstandes übertragen. Ferner fanden Entlassungen statt bei Gossen. Schönhauser Allee 72, bei Heber, Simonstr. 13 und bei Kunitz wurde» die Drücker gcmaßregclt. Die Versammlung be- schloß, daß alle anläßlich der Maifeier gemaßregelte» Kollegen schon vom ersten Tage der Aussperrung an die übliche Unterstützung erhalten. Die Werkstätten von Gossen, Heber und Kunitz sind als gesperrt zu betrachten. Litfin berichtete hierauf über die auf der Generalversamm- lung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes erfolgte Statuten- ändernng, welche den Mitgliedern des Berliner Verbandes den liebertritt ermöglicht, und empfahl, als Zeitpunkt der Aus- lösung des Berliner Verbandes und des Uebertritts in den Deutschen Verband nicht, wie es anfangs beabsichtigt, den I. Juli, sondern schon den 1. Juni festzusetzen und den einzelnen Mitgliedern aufzugeben, bis spätestens den I. Scp- tember ihre Umschreibung vollziehen zu lassen. K ö r st e n wünschte zu erfahren, wie sich die Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes zu der Frage einer Bereinigung mit den bestehenden Branchen- Zentralisationen von Metallarbeitern gestellt habe. N ä t h e r beantwortete diese Anfrage dahin, daß eine in Hamburg abgehaltene Konferenz von Ver- tretern der betreffenden Organisationen und des Deutschen Verbandes die Frage der Vereinigung erörtert habe, aber zu keinem Resultat gekomme» sei, weil die Branchen-Organisationen für sich Sonder- rechte forderten, jedoch in dieser Hinsicht keine bestimmten Anträge stellten. Möhricke äußerte Bedenken gegen den Uebertritl deS Berliner Verbandes, da seiner Meinung die Statuten des Deutschen Verbandes auch nach ihrer Aenderung das Selbstbestimmungs- recht der Mitglieder der Ortsverwaltung nicht genügend sichern. Er wollte den Uebertritt noch hinausgeschoben und von einer nochmaligen Statutenänderung abhängig gemacht wissen. Nachdem Litfin auf das unzutreffende dieser Ansicht hingewiesen hatte, beschloß die Versammlung mit allen gegen die Stimme Möhricke's, den Verband aller in der Metallindustrie von Berlin und Umgegend beschäftigten Arbeiter mit dem I. Juni auf- zulösen und in den Deutschen Verband überzutreten. Zur Erledigung der hierauf bezüglichen Geschäfte wurde eine Liquidationskommission eingesetzt, bestehend aus den Kollegen Freithalcr, Hetz und A s m u s. Der Zentral-Verband der Maurer Deutschlands, Zahl« stelle Berlin I Putzer, hielt am 2. Mai seine regelmäßig« Mitgliederversammlung ab, in der Kollege Dietrich über den Stand unserer Lohnbewegung referirte. Redner schilderte die Lage als eine nicht sehr günstige, giebt bekannt, daß 699 organisirte Kollegen mit Quittungskarten versehen sind, dagegen 73 sich an den Zahlungen bis jetzt noch nicht bethciligt haben. Er führt ferner an, daß Kollegen aus den Zahlstellen der Vororte es fertig bringen, gegen die Beschlüsse der Berliner Putzer zu arbeiten. Da infolge der Preisdrückerei die Kollegen kaum im stände sind, den üblichen Loh» zu verdienen, versuchen es einzelne Kolonnen, durch Ueber- zeitarbeit auf ihren früheren Lohn zu kommen. Redner empfiehlt daher der Lohnkommissio», auf diese Kollegen ein wachsames Auge zu haben, nm, wenn sie nicht davon ablassen, sie der Versammlung bekannt zu geben. Zum Stiftungsfest beauftragte man das Ver« gnügungskomilee, das Etablissement von Puhlmann zum 24. Juli festzumachen. Zur Regelung einiger Rechlsschutzsachen führt der Bevollmächtigte an, daß die Kollege» nicht immer zur Zeit den richtigen Stoff bringen und dadurch der Zahlstelle unnütz« Kosten erwachsen. Die Versammlung wünscht daher, den Herrn Rechtsanwalt zur nächsten Mitgliederversammlung einzuladen und von ihm einen Vortrag zu hören, um auf diese Weise zur Aufklärung zu gelange». Für Schöneberg wurde der Kollege H. Neumann als Hilfskassirer gewählt; ferner beschloß man am Himmelfahrlstage eine Herren- partie zn unternehmen. Charlottenburg. Am Montag hielt der Deutsche Holzarbeiter- Verband feine Generalversammlung ab. Zunächst erstattete Kollegt Bleeck den Bericht über die Konferenz der Holzarbeiter der Provinz Brandenburg. Sodann verlas der Kassirer die Abrechnung vom ersten Quartal, welche einen Bestand sür die Hauptkasse von 204 M. und für die Lokalkasse von 159 M. ergab. Sodann wurde beschlossen, Streikmarken von 10 Pf. jede Woche in die Strcikkarte einzukleben. Der Charlottenburger Gewerkschaftskommission wurden 10 M. über- wiesen. Der Arbeiter-Bildnngsvercin für Mariendorf und Nm- hielt am Sonntag, den 25. April, seine Generalversamm- üng in M a r i e n f e I d e bei Teutschbein ab. Nach dem Bericht des Kassirers ergab die Einnahme im vorigen Quartal 77,69 M., die Ausgabe 67,73 M., mithin eine» Bestand von 10,11 M. Nachdem die Abrechnung von den Revisoren für richtig befunden, wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. In der hieraus vorgenommenen Bor- ftandswahl wurden neu gewählt: Otto, Wende und Schneider als Beisitzer, Schmidt, Reiche und Zajas als Revisoren. In Lichtcrfelde tagte am 27. April eine allgemeine Gewerk- schafisversammlung, in ivelcher nach einem Referat von Poetzsch- Berlin der Genosse B o x h e i m« r als Obmann des nenbegrün- beten Geiverkschastskarlells gewählt wurde. Die Versammlung he« schloß, daß jede im Kartell vertretene Gewerkschaft pro Mitglied und Quartal 5 Pf. zur Bestreitung der Unkosten desselben beizn- tragen habe. Nachdem der Vorsitzende noch bekannt gegeben, in welcher Weise der 1. Mai gefeiert werden soll, wurde die Ver- sammlung geschlossen. In Weißcusce hielten am 25. April die Gasanstalts- a r b e i t e r eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Bruno V ö r s ch„Ueber den Werth der Organisation" referirte. Diskussion fand nicht statt. Ein Theil der Anwesenden ließ sich in den Verband aufnehmen. Friedrichsfelde. In der Generalversammlung des Ar- beiler-Vildnngsvereins hielt am 22. April Genosse S a i l e r einen Vortrag über die Entwickelimg der kapilaliftischeu Produktionsweise, welcher beifällig aufgenommen wurde. Ans dem Bericht des Vorstandes ging hervor, daß im Winterhalbjahr 6 Ver- sammlungen abgehalten wurden. Die Kaffenverhältnisse zeigten eine Einnahme von 54,47 M. und eine Ansgalie von 39,10 M. Auf A» Irag der Revisoren wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. In dcv Vorstandswahl wurden die Genossen K a u l zum Vorsitzende.., Grass« zum Schriftführer und T ö p p e r zum Kassirer gewählt. Die Wahl der Revisoren siel ans die Genossen Knauer, Gruhl 'und Sack, die deS Bibliothekars auf Genoffen(55 n b e r. MMMMM ü itttf0 d#1 M s- eh» tsg Von*fS fr««?3;.' d�1 Frülijahrs-Prelslisle kostenfrei. Sonnenschirme Weiss n. eröws, 2,75, SpiB»in..ö 3,75, 4,80 Entonfcas,.ch«..,, farbig 2,90, 4,75, 6,50 Kinder-Sonnenschirme 45, 85».. 1.» i- >lk. Herren- Strohliiite weiss mit schwarzem Bande, hohe Form].,%5 Mk. Knal>en-Strolilvü.te Sleckenform, 30 h, bü. 60« WeiSS, eingefasst mit schwarzem Bande§0 Pf, Matrosenform, hiau-weiss meliert 8Q Pf. P�men- HCIeiderstoffe Engl. 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Geschloffen. Friedrich- WilhelmstüdtischcS. Ultimo. Belle-AIliaure. Trilby. Residenz. Eine Reisebekanntschaft. — Vaterfreuden. Alexnndert'lah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Oftend. Aus der Millionenstadt. Passage-Panoptikuu«. 32 Mädchen aus Sainoa. Apollo. Spezialitäten. Sfiodensee. — Zwei Jahn ßorantie.—' und Paletots nach Mast Tompo- rowsti, Schneideruistr., Jüdenstr. 37 l. Etage. Anzüge von 27 biö 35 M mir gegen baar. 1K37L« 9, githmig d. 4. Müsse 19ß. Kill. Prt»ss. Lotterie. giehung vom 4. Mai t»S?,«ormitlagl. Kur dir Gewinne über GlO Mark sind den bklrißendtU Itumnnrn in Par-Ntbese beigesiigl. (Ohne Gewahr.) 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(Ohne Gewähr.) 67 164 302 25 402 9(1500) 52 702(1500) 7 53, 026 77 307 400 26 35 49 703 99 966»136 250 36 442 540 930 41 73»071 152 361 89 411 935 89 4258 394 467 510 713(3000) 63 6074 80 90 103 28 366 489 587 855 63(300)«188 300 25 442 574(300) 631 740 916 27J1600i 68 7100 58 256 70 315 24 667 8108 98 340 681 731 41 51 88 822 929»060 90 212 60(500) 77 860 71 664 86 638 86 801 29(1500) 92 901 75 1008? 188 803 83 487 707 97(300) 882 961 66 11146 87 218 42 626 7.>3 68 1*001 43 92 268 319 480 91 502 6 686 998 1:1069 401 545 97 609 12 741 73 997 1 4120 78 262 832 44 63 679 717 806 25 26 970 15066 223 823 675 91 743 826»«063 86 194 288 421 528 65 93 692 870 984(300) 17146 99 267 405 637 775 822 902 18220 441 50 509 77 97 810 69 990 1 0058 206 89 300 6 449 61 670 686 72[1500] 98 948 81 *«101 03 290(6001 94 384 632 75 741 802 12 932 »1028 61(1500) 94 112 34 85(3000) 97 98 205 25 495 97 567 612 20 43 708 92 816 79 83 949«*377 449 614 85 679 716(1500) 64 821 914 18»El 13 91 274 39) 562 644 83 98 809 16 983(600) 2 1011 99 256[8001 790 812 33 966*5015 84 118 71 74 296 314 61 408(500) 612(3000) 696 921 54««072 141 95 837 405 95 610 61 734 86 849 76 952«7007 70 254 69 512 682 93 953 918 27 79 äSo73 189 214 409 586 1300] 720 916«0086 114(800) 431 632 704 27 803 64 65 975 79 3O0I2 220 28 676 811»1260 66 358 401(3000) 8 810 54 926»*014 51 198 265 426 8ol 45 58 994»9018 82 325 28 91 404 12 579 707 86»4098 189 245 560 615 62 72 847[15001 953»6005 2.J 283 493 526 96 635 722 868«07 73»«191 98 11500) 225[300] 428 69 993 87074 (300) 122 25 203 80 304 439 832»8244 480 604(600) 716 842 39126 5o3 743 801 53 921 40165 66 80 405 617 711 41271 94 339 632 717 981 4*073 168 300 531(1500) 931 48129 211 1600) 482 74 520 608 950 44'>31 37 256 441 786 808 11500) 45 95 917 4 5075 284 502[3001 77 763 82 877 943 4 6005 133 44031 37 W»________ �2(MO)_____________________ 243 460 71 549 634 85 779 874 938 93 47145 51 90 216 828 475 538 696 713 48034 119 261 328 74 436 41 77 541 757 66 828 43 989 40143 48 261 89 90 506 88 (500) 763 »«022 137 241 432(3000) 63 514 37 58 624 36»»140 250 64 1500) 484 647 6? 709 832 925 28 69«*048 298 570 S»016 104 580 608 38 770 78 860 86«4456 551 «13 41 55089 185 362 512 693 710 72 816 S«032 107 40 343 44 68 400 76 676 777 891 57088 117 305 453 646 921 24»8162 213 626(8000) 762«»587 634 47 69 877 ««025 33 98 301 479 523 850 92«4022 173 74(300) 214 341 526 60 92 696 838 974«*039 248 470 587 654 861 99«»014 107 27 211 339(800) 504 13000) 39 60 98 «4039 208 519 74 648 724 81 840 05018 181 452 78 544 68 805 56 994«0133 307 46 433 504 659 794«7049 76 105 338 680 674 770 90«»13« 82 288 662 713 24 ««108 10 286 403 23 40 502 39 720 13000) 86 851 915 31 51 81 70091 317 474 581 673 85 727 86 7 1087[1500] 201 366 93 713 917 80 7*122 212 448 92 520 710 77 79 7»062(1500) 190 278 79 447 90(800) 74077 107 14 69 286 869 74 437 47 61(1500) 519 98 624 711 8489 7 3000 73 116 365 405 53 762 840(3000) 63 971 78022 114 400 30 598 659 808 77109 22 45 232 56 330 81 425 52 609 51(500) 740(500) 45 833 38 78027 52 367(500) 631 758 70039(300) 42 53 201 305 6 445 513 94 709(300) 13 58 834 951 54 66 H0097 299 321 78 438(500) 40 615 59 615 58 959 (5001»1145 210(3000) 57 594(500) 645 923 66«*168 253 431 61 777 810 946 88»»22? 4? 335 441 508 61 910»4009 48 103(500) 28 221 98 430 71 618 94 704 75 98 947 85061 160 61 62 1300) 305 481 605[1600] 99 779 86148 2»? 614 851 88 983 87159 3,8(1500) 09 89 417 559 669 13000) 708 991 88051 53 216 42 61 306 42? 52 512 31[1600] 75 697 833 61 978 80104 19 61 209 344 556 672 809 62 901 00126 95 234 62 68 76 84 397 638 47 748 931 01326 411 644 99 761 829 906 81»*265 581(300) 88 838 910 »»004 287 350 475 88 611(3000) 12 58 61 83 91 694 934 »4080 182 98 469 88 677 610 38 98 767 945 92 05050 (15001 193 252 386 98 664 755 75 872 74»0202 50 344 87 430 73(3000) 867 978»7024 132 283 354 423 34 583 613 60 736«>4122 248(300) 60 1600) 96 333 49 50 490 595 624 32 96 901»»079 82 442 507 54 670 714 85Ö 975 100007 38 145 270 372 426 588(300) 928(3000) 101319 68 458 530 627 902 68 ,»*056 491 60' 774 851 970 1 03069 272 342(300) 493 585 998 104025 210 95 459 67[3000] 529(300) 80 770 105017 157 216 360 793(3000) 832 64 72(5001 919, 06088 166[500] 425 31 36 69 739 816[30001 1Ü7297 438 052 1«H217 47 364 520 83 815 936(500) 72 100175 338 417 618 32 47 616 876 110072(300) 359 95 549 657 89 718 66(800) 908 88 (300) 1 11083 118 65 204 88 508 17 32 75 90 709 88« 978 94 11*054 57 132 57 458 775 89 11»062 106 Ii 25 217 50(300) 348 91 465 558 660 818(500)„ 11409! 405 521 28 632 76 734 809 2? 34 1t«004 80 84 206 2- (1500) 38 352 55 83 433 82 627 723 37 805 944 11«00» 89 45 86 130(300) 562 617 88 716 87 858 II»«8.«? 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Für den Jusiralentheil vermitivorttich: Th. tLlorke in Berliu. Druck und Verlag von Max«adina i» Berlin.