-s> Kläffer zum Wahlkampf in Greußen ch- Nummer Z 2Z.�anttar?H21 * Denk daran! X)cnf bat an dah Milliancn Menschen dem schrecklichen Morden ' zum Opfer fielen. Denk daran wieviel Krüppel ein kummerliches valein fristen'| * wieviel Kriegsverletzte noch die Lazarelle füllen- Denk daran hunderte von Menschen, die ihren Derstand ' im Kriege verloren Hobe», in Irrenhäusern sind Denk daran � laufende nie wieder das Sonnenlicht cr- 7 blicken. Dmf daran kvie wir mit unseren Sindern gehungert haben ' und noch hungern. Denk daran datz Millionen Sinder den Vater entbehren ' müssen. Denk daran wieviel Frauen dem Kriege zum Opfer gefallen sind. Denk daran daß Millionen Kinder unterernährt.aufwachsen —— als kranke Menschen. Denk daran der Krieg unserer Zugend verderben, Tod ' und Not gebracht. Denk daran, wem wir all diese» zu verdanken haben. Denk daran dah die nailonalistlscheu Parteien den Krieg ' gewollt haben. Denk daran datz nie wieder ein Krieg über UNS hereinbrechen darf. Denk daran und wähle GM 20. Februar die sozialdemokratischen Listen! Zrauen unö Lanötagswahlen. Von Paul Hirsch. Den Rechten, die die Frauen durch die Revolution er- langt haben, stehen naturgeinäß Pflichten gegenüber, Pflichten gegen sich selbst, gegen ihre Familie, gegen ihre Klasse. Für jede proletarische Frau muß das Wahlrecht zur Wahlpflicht werden, keine von ihnen darf intcrekse- los beiseite stehen, wenn es gilt, durch die Abgabe des Stimm- Zettels den Kurs der künftigen Politik zu beeinflussen. Gewiß ist durch die neue Reichsverfasiung die Entscheidung über die Fragen der hohen Politik mehr noch als früher in die Hände des Reichstags gelegt. Gewiß haben die Zustän- bigfeiten der einzelnen Länder eine wesentliche Einschränkung erfahren. Aber auch so harren ihrer Lösung durch die Landes- Parlamente noch eine große Fülle von Aufgaben, an denen die Frauen ganz besonders interessiert sind, Aufgaben vor allem auf dem Gebiete der Kultur, der Erziehung und der Bolksgesundheit. Es kann den Arbeiterfrauen nicht gleichgültig fein, in welcher Weise die Länder die Einrichtungen zum Schutze der Jugend gegen Ausbeutung sowie gegen sittliche, geistige und körperliche Verwahrlosung gestalten, die zu treffen ihnen die Reichsverfasiung auferlegt: es kann ihnen nicht gleichgültig ein, welche Maßnahmen die Länder zur Reinerhaltung, Gc- undung und sozialen Förderung der Familie ergreisen, wie ie für die Bildung der Jugend sorgen, wie sie de!» Kampf gegen Volkskrankheiten führen, wie sie dem Wohnungselend zu Leibe gehen. Zu viel, ja, man möchte sogen, alles hängt von der Verwaltung ab, und mehr als einmal haben»vir es in der Zeit vor dem Zusammenbruch erlebt, dasi selbst solche Reichsgesetze, die einen gewissen freiheitlichen Geist atmeten und soziales Empfinden verrieten, in der Hand reaktionärer,, »nit ihrer Ausführung betrauter Organe in ihr Gegenteil ver- kehrt wurden. Es kommt eben weniger auf den Wortlaut eines Gesetzes, als auf die Art seiner Handhabung in der Praxis an. Die preußische Verwaltungsresorm ist über i die ersten Ansätze nicht hinausgekommen. Zwar ist das Wahl- recht sowohl zu den Gemeindevertretungen, als auch zu den Kreistagen und Provinziallandtagen demokratisch gestaltet worden, jeder Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts hat die Möglichkeit, nachjfreiefter Ueberzcugung auf derselben Grundlage wie zu den Reichstagswahlen seine Stimme ab- zugeben. Ebenso sind bestimmte Grundsätze der Reform in der Verfassung festgelegt, vor allem der Grundsatz einer Er- Weiterung der Befugnisse der Provinziallaudtage. Auch das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, Kreise und Pro- vinzen ist verfassungsmäßig verankert. Aber das wichtigste, die Durchführung der Verwaltungsreform, ist verschoben, mit dieser Aufgabe wird sich der neue Landtag zu befassen haben. Und an dieser Resorrn sind die Frauen ganz besonders inter- esiiert. Die innere preußische Verwaltung ist von jeher der eigent- liche Hort der Reaktion gewesen. Alle einflußreichen Stelle»» im Staate waren den Angehörigen einer bestimmten Kaste vorbehalten,»mumschränkt und ungehemmt durch liberale Ge- setze schalteten und walteten die Kraut- und Schlotjunker, bis sie letzte,, Endes Preußen und De>'' hland zugrunde regiert haben. Rechtlos war nicht nur der größte Teil des Bürger- tums und die gesamte Arbeiterklasse, sondern auch alle Staats- bürger weiblichen Geschlechts. Und dieselben Kreise, die sich die Verwaltung des Landes angemaßt hatten,»vareu es. die die Gesetze schufen, nach denen das Land regiert wurde. Wer erinnert sich nicht des alten preußischen Dreiklassenparlaments mit seiner durch und durch reaktionären Mehrheit, die nichts für das Volk, sondern alles gegen das Volk getan hat? Die Novemberstürme haben der Herrschaft dieser Gesellschaft, die das Volk in namenloses Elend gestürzt hat, ein Ende bereitet. An die Stelle der Herrschaft einer Klasse ist die des gesamten Volkes getreten, die Demokratie hat sich durchgesetzt. Aber schon glauben die Gewalthaber von ehedem wieder, daß ihre Zeil gekommen sei: an allen Ecken und Enden rühren sie sich, um die Errungenschaften der Revolution zu beseitigen, rüsten sie sich zu neuen Kämpfen gegen die Rechte und Frei- heilen des Volkes. Diesen Angriff gilt es abzuwehren, und tvenn der Reaktion auch ein wertvoller Bundesgenosse in der Zersplitterung und der Selbstzerfleischung der Arbeiterklasse entstanden ist. so darf man doch zu den» gesunden Verstand desjenigen Teils der ocutschen A rbeiter, die trotz aller Erleb- nisie der letzten Jahre den Sinn für die Bedürfnisse des Volkes bewahrt haben, das feste Zutrauen hegen, daß sie erkannt haben, wo der Feind steht. Der Feind steht rechts. Das sollten in erster Linie die Arbeiterfrauen emsglien. Gelingt es der Reaktion zu siegen, io ist es vorbei mit der potitischen Gleichberechtigung der Geschlechter, vorbei mit dem Ausbau unserer Schulen zu wahren Bildungsanstalten für das Volk. Dann wird rückwärts revl- diert, Frauen und Kinder werde»» wieder Ausbeutungsobjekte eines profithungrigen Kapitals. Dieser Erkenntnis darf sich keine Arbeiterfrau, keine Mutter entziehen. Schulter an Schulter mit den Männern haben sie den Kampf zu führen um die völlige politische und wirtschaftliche Befreiung des Volkes. Die Sozialdemokratische Partei, die auch m den Stürmen des Krieges und in den Tagen des Zusammenbruchs ihren Grundsätzen treugebliebcn ist, die sich stets als die treueste Hüterin der Rechte des Volkes bewährt hat, bildet den Voi'tnlpp des.Heeres im Kampfe gegen Reaktion. In ihren Reihen ist der Platz einer jeden Arbeiterfrau, die zur Erkenntnis ihrer Klasienlage erwacht ist. Mahnung. Denn der J�entcb, der zur tchwanltenden Zeit«uch Ichwanhend gefinnt ift, Der vermehrt das debel und leitet es weiter und weiter. Hber wer feft auf dem Sinne beharrt, der bildet die CQclt fich. Goethe. SD Neue Aufgaben. Von Hedwig Wachenheim. Die bürgerlichen Parteien haben gerade im Preußischen Landtag gezeigt, daß ihnen weniger an der Freiheit, als an der bürgerlichen Herrschaft in den Gemeinden liegt. Die Un- abhängige Sozialdemokratische Partei aber will ihrem Pro- gramm nach die hauptvcrantwortung für das, was in der Gemeinde geschieht, den Arbeiterräten der Gemeindebetriebe geben. Das darf nicht fein, nicht nur deshalb nicht, weil dann wir Frauen ganz ausgeschlossen würden, sondern weil nicht die Gemeindearbeiter zum Vormund der gesamten übrigen Arbeiterschaft bestellt werden können. Der Wille der Mehr- heit der Einwohnerschaft muß entscheiden, was frommt. Solange die neuen Gemeindegesetze noch nicht durch- geführt sind, wird die Bestätigung der Magistratsmitglieder durch die Regierung und die Aufsicht des Staates über die Städte, die die Staatsregierung auszuüben hat, bestehen bleiben. Das wird eine ganze Weile fein, denn die Arbeiten an der neuen Stadt- und Landgemeindeordnung, am Gesetz über die Landesverwaltung und dem Zuständigkeitsgesetz werden Monate in Anspruch nehmen. Da muß dafür gesorgt werden, daß die Staatsregierung in dieser Zeit ihre Rechte nicht gegen die Städte, besonders gegen die Ar- beiterftädte, ausnutzt, sondern sie in ihren sozialen Be- strebungen unterstützt. Die Staatsregierung wird von Ende Februar ab dem Willen der Mehrheit des neugewählten Landtags entsprechen. Darum, Sozialistinnen, wählt Sozialdemokraten in den Landtag, damit der in seiner Mehrheit sozialdemokratische Landtag eine Regierung seiner Gesinnung schaffen kann, die euch allen eine BeHand- lung der städtischen Angelegenheiten in eurem Sinne sichert! Aber die Gemeinde ist ja nicht nur in ihrer Verfassung und in der Wahl ihres geschäfteführenden Kollegiums abhän- gig vom Staat, sie ist es in ihrer gesamten Tätigkeit. Wer in der Gemeindearbeit steht, weiß, daß die Gemeinde keine Auf- gaben übernehmen darf, die der Staat für sich beansprucht, auch wenn er sie innerhalb ihres Gebietes nicht zu ihrer Zu- friedenheit ausführt. Er weiß, daß sie sich bei der Erfüllung anderer Aufgaben an die Vorschriften von Reich und Staat halten muß. Wir Sozialdemokraten haben immer darauf ge- drungen, daß z. B. Wohlfahrtsmaßnahmen durch Reich und Staat festgelegt werden, damit sie nicht auf große Gemeinden, wo unser Einiluß stark ist, beschränkt bleiben und kleine Ge- meinden, besonders solche aus dem Lande, ihre Bürger ohne den notwendigsten sozialen Schutz lassen. So haben wir, als vor dem Krieg nur wenige Städte eine Arbeitslosenfürsorge hatten, ein Arbeitslosenreichsgesetz gefordert, das für alle Ge- meinden, große und kleine, bindend sein sollte. So verlangen wir jetzt ein Reichsgesetz über den Arbeitsnachweis, die Lugendaniter, die Armenpflege, um nur weniges zu nennen. Die volkshygienische Gesetzgebung soll zum Teil vom Reich, zum Teil von Preußen geregelt werden. Dann werden z. B. auch die Gemeindemaßnahmen zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten, das Hebammenwesen nach den Bestim- mungen des Staates gestaltet werden. Für die Kommunali- sierung soll ein Reichsgesetz gegeben werden, so daß z. B. die Kommunalisierung der Lebensmittelversorgung nur erfolgen kann nach den Bestimmungen des Reichsgesetzes. Von diesem hängt es dann ab, ob die Gemeinde eine Meierei oder eine Brotfabrik, die an ihre Bürger liefert, dem Privatbesitzer nehmen uitd selbst verwalten darf und welchen Preis sie für die Enteignung zahlen muß. Ich führe hier mit Absicht nur Gebiete an, die uns Frauen besonders interessieren, um den Frauen zu zeigen: All euer Fleiß, all eure Hingabe an die Arbeit in�der Ge- meinde zum Wohl der arbeitenden Klasse wird gehemmt, wenn ihr nicht eure politische Pflicht tut auch im Lande Preußen und im Reich! Hier wird die Entscheidung fallen über die Art, wie die Gemeinde ihre Aufgaben in der Wohl- sahrtspflege, ihre Tätigkeit für die Volksernährung ausübt, wie sie die städtischen Wohlfahrtsämter, Verufsberatungs- ämtcr, Arbeitsnachweise und Wohnungsämter und deren Tätigkeit gestaltet. Auch die Mittel zu all diesen Aufgaben erhält die Gemeinde nach der neuen Reichsfinanzgesetzgebung hauptsächlich vom Reich. Darum, ihr Frauen, wenn ihr die Tätigkeit eurer Ge- meinde zur Bekämpfung der Not zur Erleichterung der Lage der arbeitenden Bevölkerung fördern wollt, dann wählt am 20. Februar sozialdemokratisch! Sogt nicht:„Der Landtag hat ja nichts mehr zu sagen, die wichtigsten Entscheidungen fallen im Reichstag!" Noch bleiben dem Landtage wichtige Aufgaben, sie sind im Hinblick auf die Gemeinde hier ge- schildert worden. Und dann wird ja doch die preußische Land- tagswahl wichtig sein für die Politik, die im Reich gemacht wird. Wenn sich bei einer Wahl, an der � des deutschen Volkes teilnehmen, zeigt, daß das Volk wieder eine vornehm- lich soziale und demokratische Politik will, kann sich die Reichs- Politik dem nicht entziehen, und dann erhalten auch die Ge- meinden eine sicherere Grundlage für ihre Politik zum Wohl der arbeitenden Massen als bisher. Darum, Frauen, zeigt am 20. Februar, daß ihr in der Arbeit der Gemeinde erzogen worden seid in sozialem Geist, zur Selbstverwaltung der Gemeinwesen, indem ihr sozial- demokratisch wählt.___ Preußen, öas selbstherrliche. Von Erna Büsing. Zugegeben, viele Frauen haben nicht die Zeit, tiefgründige Ab- Handlungen über Politik zu lesen, politische Versamlungen zu besuchen oder dergleichen mehr. Die Mühen und Lasten des täglichen Lebens, die tausenderlei Pflichten im Haushalt, namentlich wenn kleine Kinder zu versorgen sind, hindern sie daran. Und doch muh die Frau aus naiver Unbewußtheit aufwachen. Denn die Politik drückt dem Leben eines Volkes den Stempel auf und beeinflußt in ihren Auswirkungen so sehr das Dasein des einzelnen, daß es tatsächlich«ine Selbst- schädigung ist, an ihr unaufmerksam vorüberzugehen. Zurzeit, da die P r e u ß e n w a hl e n vor der Tür stehen, muß unser Hauptaugenmerk auf Preußen gerichtet sein. Das Preußen vor der Revolution kannte nur Untertanen, ober dem Obrigkeitsstaate läutete November 1918 das Sterbeglöcklein. Preußen, dieses selbst- herrliche Staasswesen, war unter der Königsherrschast derart von seiner eigenen Vollkommenheit und Unfehlbarkeit überzeugt, daß es eben jedem Fortschritt, jeder freieren Regung zum Hemmnis werden mußte. Die Gelnechietsten des Obrigkeitsstaates aber waren die Ar- beiter und die Frauen. Die Arbeiter und die Frauen gemeinsam, weil sie politisch gewaltsam entrechtet waren und die wirtschaftlich Schwächsten sind. Wer da in seinen Iugenderinnerungen kramt, wird gar allerliebste Dinge zutage fördern. Jetzt jedoch lautet die Verfassung:„Preußen ist eine Republik, Träger der Staatsgewalt ist die Gesamtheit des Volkes". Mithin leben wir nun in der Republik, das heißt in einem V o l k s st a a t. Das ist eine Tatsache, welche die Frauen, wenn sie nur einiges Nachdenken ausbringen können, mit größter Freude be- grüßen müssen. Im Verlangen nach unserm Eigendasein, im Sehnen nach der Entwicklungsmöglichkeit der kommenden Geschlechter, können wir Frauen nicht anders, wie auf Tod und Leben der Republik ver- bunden sein. Wir stehen auf dem Boden der Demokratie, also der Gleichberechtigung aller. Die Demokratie jedoch verlangt von ihren Anhängern ein persönliches Verantwortungsgefühl und verbürgt allen die Freiheit der eigenen Meinung. Aber aus dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit heraus zu handeln, das kann nicht anders, wie ganz nach dem Sinn der Frauen sein. So gehen bei der Frau nun persönliche Gründe und Gründe der Weltanschauung Hand in Hand, wenn sie zu der S o z i a l d e m o- k r a t i e hält. Denn geht diese nicht mit erheblicher Rückenstärkung aus der Wahl hervor, dann kann der Gleichberechtigung gar leicht das Grablied gesungen werden. Das kann die Frau wahrnehmen, wenn sie nur ein klein wenig Lesetüchtigkeit besitzt. Denn äußerste Rechte sowohl wie äußerste Linke sind Anbeter der Gewalt und streben, teils offen, teils geheim, die Herrschast durch die Gewalt an. Die Sozial- demokratie jedoch will die Freiheit, die Gleichberechtigung oller, als Erfolg der Wahl, als einen bewußten Mehrheitsentscheid. Darum können die Frauen eigentlich überhaupt nicht anders, wie zu der Sozialdemokratie balten, denn sie, die jahrhundertelang unter einem Ausnahmegesetz gestanden haben, dürfen doch mit keiner Partei liebäugeln, der die Demokratie nicht heiliger Ernst ist. Das hieße Verrat an den eigenen Geschlechtsgenossinnen begehen. Die politische Freiheit wurde den Frauen durch die Sozialdemo- kratie gegeben, nun ist es Pflicht und Schuldigkeit der Frauen, sich der Freiheit wert zu zeigen. Und damit nicht wieder ein selbstherrliches Preußen erstehe, das seinen Untertanen den Fuß auf den Nacken setzt, deshalb Frauen, haltet zur Republik, seid Schützerin des Volksstaotesl Wählt öle Sozialdemokratie! Partei I , das Gesetz in seiner jetzigen Fasiung sür undurchführbar zu erklären, dieselbe Abgeordnete, die vor einem Ia!>re warm sür die schleunige Durchführung sprach. Unterstützt wurde das Zentrum von der deutschen Voltspartei und den Deutsch- nationalen. In diesem Sinne arbeiteten auch die Vertvncr dieser Parteien in dem Aeliestenausschuß. Man ging dort sogar so weit, zu sagen, es sei schon inancher Entwurf in den Papierkorb gewon- dert: dieses Gesetz habe keine Eile. Uebrigens ein nettes Geständnis für die wahre Gesinnung dieser drei Parteien» Nach dem Gesetz sollen dt« Hebammen künftig die Pioniertruppen iverden, die ihren Einfluß auf die gesamte Frauernvelt benutzen, uii: die gesundheitliche Belehrung In alle Kreise zu tragen. Die Hebamme wird deshalb einheitlich im Dienstvertrag angestellt. Der Regierungsentwurf sah drei Arten von Hebammen vor: Beamte, Angestellte und frei Praktizierende. Gerade das mußten wir im Interesse der Allgemeinheit verhindern. Anstellungsbehörd« sollen die Provinzialverbände werden. Wollen wir den Hebammen- stand tatsächlich heben, so müssen wir gleich großzügig vorgehen. Selbstverständlich soll dem Kreise eine Mitwirkung bei allen Fragen gewährleistet werden. Heut« besteht bereits die gesetzliche Bestim- mung. daß der Provinz di« Ausbildung und Fortbildung der Hebamme obliegt. Der Direktor der Hebammenlehranstolt soll er« wägen, ob die Hebamme für städtische oder ländliche Bezirke ge- eignet ist, ob sie besser am Sitz« des Kreisarztes oder in Bezirken, wo bereits viele Hebammen sind, verwendet werden soll. Bei Wer- setzungen, die unter Umständen möglich werden, kann die Provinz den Austausch besser vornehmen. Auch be! Beurlaubungen kann sie eher«inen Auslausch erinögtichen. Schwierigkeiten werden bei einer Anstellung von 17 A)V Hebamme» immer emstehen, ob der Kreis oder die Provinz di« Anstelliiiigsbehvrd« wird. Da sollen die Provinzialverbände di« erforderliche Zahl von Hebammen anstelle»». Es wird dann nicht mehr vorkommen, daß— wie die Statistik uns lehrt— unendlich viele Mütter ohne Hebainmenh.lse gebären. Rur einig« Zahl-r» hierüber zeigen uns ein krasses Bild. Ohne Hebammen Hilfe kamen nieder 33 Proz. in Bromberg. 2S Proz. in Allenstein, l8 Proz. in Marienwerder und 29 Proz. in Berlin. Die freie Wahl der Hebannne» wollte das Gesetz dadurch sichern, daß in den Bezirken mehrere Hebammen angestellt und selbstverständlich prozentual oerteilt werden. Kommen in ländlichen Kreisen nur 12 Geburten im Jahre vor. so kann»nan dort auch keine 2 Hebammen anstellen. Daß auch die Stadt in Bezirke eingeteilt»verde« muß, ergibt sich aus dem ausgedehnten Eiädtecharakter von leibst. Es kann nicht praktisch sein, daß ein« Hebamme aus dem Osten Im Westen entbindet, deshalb die Bezirkseinteilung. Der vierte Absatz des Gesetzes behandelte die Pflichten der Heb- ammen. Er ordnet« dabei auch die Frage des Nebenerwerbs, der in Zukunft ganz fortfällt. Der Z 10 sagte deutlich, daß di« Mitwirkung bei der Säuglingsfürsorge oerlangt wird, also muß In Zukunft auch die Ausbildung eine dementsprechend« sein. Selbstverständlich muß das Diensteinkominen dem Beruf ent. sprechend sein, und man erkannte auch an, daß ein Grundgehalt von 3600 M. niedrig bemessen sei. Aus di«s-.'m Gruirde wurde ein Zu- schlag bis zu 100 Proz. des Grundgehalts, je nach den Lebens- und Arbeitsverhältnissen des Arbeitsgebietes, in dem die Hebamme tätig ist, vorgesehen. Ebenso erhalten die Hebammen ein« Teuerungszulage, die sich nach den Ausgieichszuschlögen der Beamten richtet. Für die große Zahl der Hebammen wäre dies« Neuordnung ein großer Fortschritt. Man seh« sich nur einzelne Verträge aus Land« gemeinden an, sie sind geradezu empörend! Mir liegt ein Vertrag aus Alsfeld in Hessen vor, da ist«in Iahresgehalt von 120 bis 200 M. vorgesehen, unterschrieben am S. Juni 1910: ein anderer Vertrag. der 1000 M. pro Jahr vorsieht, aus dem April 1920! Für jeden Stadt- und Landkreis ist eine Kreishebammenstell« einzurichten: diese besteht aus dem Gemeindeoorstond, Kreisarzt, 2 Bezirkshebammeii, 2 Müttern und 1 Vertreter der öffentlichen Krankenversicherung. Dies« Zusammensetzung entspricht den Wünschen der Hebam- men wie denen der Mütter. Bei ollen wichtigen, das Hebammen- wesen des Kreises betreffenden Fragen muß diese Behörde gehört nxrden. Die Provinzialhebammenstell« ist Beschwerdeinstanz gegen- über den Verwarnungen und Berussinstanzen in Bersctzungssragen. Für jede Geburt ist eine Gebühr zu bezahlen, je nach der Höhe des Einkommens und der örtlichen Berhäitn'fle. Nach Möglichkeit sollen die Gebühren oder Teile der Gebühren durch di« Kassen direkt abgeführt werden. Um das zu ermöglichen, bedürfte es einer Aenderung der Reichswochenhilfe, die inzwischen erfolgt ist im Ein- Verständnis der Vertreter der großen KrankenkassenverbLnde. Der Staat braucht Kinder: der Mangel an wirtschaftlichen Mitteln zu ausreichender Fürsorge bedeutet nichts weniger als das Todesurteil für Tausend« von Wöchnerinnen, Hunderttausende von Säuglingen, di« andernfalls zu gesunden und wirtschaftlich tüchtigen Volksgenossen herangezogen werden können. 10 000 Mütter sterben noch jährlich im Wochenbett. Setzte ein« gründliche Hebammenresorm «in, retten wir diese 10 000 Mütter. Trohdem sür die Annahme des Geseheniivurses alles bereit war, ja, trohdem da» Gesetz in zweiter Abstimmung bereits angenom- men war. gelang es den Deulfchnationalen. Deutschvolkspartei. lern und einem Teil des Zentrums, die Annahme des Gesehe» indritlerLesungzuverhindern, intern sie durch Stimm- enthaltung die Landesversammlung beschlußunfähig machten! Bei diesen Parteien haben sich die preußischen Frauen und Mütter zu bedanken dafür, daß ihnen im letzten Augenblick der Mutter- schuh verhindert wurde! Mögen die Frauen am 20. Februar den reaktionären Parteien die Quittung ausstellen durch die Wahl von Sozialöemokraten l Der Wert öes Stimmrechts. ... Mit dieser erfolg, eichen Benlitzung des allgemeinen Stimmrechts war aber eine ganz neue Kampsweise de« Prole» tariatS in Wirksamkeit getreten, und diese bildeie sich rasch weiter aus. Man fand, daß die Siaaikeinrichrnngen. in denen die Herr» fchaft der Bourgeoisie sich organifiert. noch weitere Handhaben bieten, vermittelst deren die Arbeilertlasie diese ielbcn Staatsein» »ichlungen bekämpfe» kann. Man beteiligte sich an den Wahlen sür Einzellandtage. Gen, eindcräte, Geloerbe» g« r i ch t e,»nan machte der Bourgeoisie jeden Posten streitig, bei dessen Besetzung ein genügender Teil de» Prole» iariats mit'prach. Und so geschah es. daß Bourgeoisie und Negieiung dahin kamen, sich weit mehr zu fürchten vor der gesetzlichen als vor der ungesetzlichen Aklion der Arbeiterpartei, vor den Erfolgen der Wahl als vor denen der Rebellion. Friedrl» Cnqel»(Borrede ZU Marx! „Die»lassenlämpfe in ZremlrrWrx Sprüche. Immer ltrebe zum Ganzen, und bsnnkt du selber Kein Ganze» Werden, als dienendes Glied lcblleß an«in Ganzes dick, an. Schiller. Wie groll für dlck» du kdft, vorm Ganzen blft du nichtig| Oedt als des Ganzen Glied bilt du als RUinftes wichtig. Rüder».