Nummer 5 H. Zebruar 192? >} Alätter zum Wal�lfampf in Greußen ch /Z&- Dit W enteren mOffen als«Unkende und crbcnmndc CQc�cn Uwe Lebensbedingungen,a den Antise- mittsmus auf ihrem Programm, sie saugen die Allerweltsweisheit bequemerweise aus einem Schlagwort und das heißt:„Schuld ist an allem der Jude". So soll er auch Deutschland in den Krieg ge- trieben haben. Aber bei Kriegsausbruch hatten wir keinen einzigen jüdischen Diplomaten und die Diptomaten waren doch Mitbestimmer des Geschickes eines Millionenvolkes. Der Jude konnte nicht aktiver Offizier werden und einzig und allein der Kaiser, der Kaiser von Gottesgnaden, konnte staatsrechtlich den Krieg erklären. Doch wie am Kriege, so soll der Jude auch an der Revolutivn der„Schuldige" sein. Ein Ansgestoßener wird eigentlich nach Naturgesetz radikal und so verstSrtten auch viele Juden dle Kampf- front de» Proletariats. Jedoch eine Revolution wird nicht gemacht, dle Revolution war naturnotwendige Entwiiklnng. Das Volk soll wieder entrechtet werden, darum betreiben ds« Rückschrllller den Antisemitismus. Sie wollen wieder Ausnahme- und Sondergesetze. Er st sollen die Juden die Gleich- berechtigung verlieren, dann die Frauen, dann die Arbeiter und dann die Sozialisten schlechthin. Frauen, merkt Ihr, wohin die Reise gehen soll? Die über- zeugte Sozialistin sieht das, nicht erst seit gestern und heute, son- dern schon seit langem. Die finsteren Machte des Rückschritts aber rechnen auf die unklaren, nicht denken wollenden Frauen, sie fpeku- lieren nämlich, ehrlich gesagt, auf deren Dummheit. Dorum, Ge- nossinnen, denkt stets daran und sagt es auch:„Wer Judenhetz« betreibt, arbeitet der Gegenrevolutton in die Hände". Legt Euch nicht selbst die Leine um den Hals. Geöankensvlitter. Ich meine, die Ziele der Sozialdemokrat-ie werden sich ebenso gewiß friedlich verwirklichen, als unsere Gegner Verstand und Ehrlichkeit baben. Wilhelm Liebknecht sHochverrat imd Revolution). • Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde— alle dummen Männer. Marie v. Ebner-Eschenbach. Geschäft in Menschenaugen. Seit dem Krieg« haben sich die Bedürfnisse der Menschen ge- ändert. Das geht aus vielen Verössentlichungen des Handels und der Industrie hervor. Ein Beispiel ist wieder in dem Bericht einer chüringifchen Handels- und Eewerbekammer zu finden. Da heißt es: künstliche Menfchenaugen. Das Gefchäftsbild'war Im ersten Vierteljahr 1020 inlälg« der durch den Krieg und den geringen Wert der deutschen Mark ge- schasienen außergewöhnlich guten Absatzverhält- nisse nach dem Ausland ein besonders günstiges. Di» allgemeine wirtschaftliche Krise führte jedoch in den folgenden Mo- naten zu einem empfindlichen Rückschlag. Erst gegen Ende des Jahres trat eine Wiederbelebung des Geschäfts ein. Einig« Sellen weiter heißt es In dem Bericht: Puppenaugen. Die Geschäftslag« in der Puppenougenindustri« während de» Berichtsjahres N'iiß im allgemeinen als schlecht bezeichnet werden. ... Der deutsche Markt hatte nur geringen Bedarf an Puppen- äugen. Di« Konjunktur in künstlichen Menschenaugen hat stch bedeutend gehoben. Der Absatz in Puppenougen ging zurück. Die Kinder spielen nicht mehr mit Puppen oder die Puppen sind zu teuer>e» worden. Aber däp Geschäft in Menschenougen floriert, Der Krieg hat dt» Menschen erhaben und glücklich gemacht. Er war ein Stahlbad. /:•■-•..•■- Daseins in ihren Liauptstützpunkten decken. Um die Gefahr ihres Zusammengehens zu oerhindern, wird der Soziallsmus als l?eind der Religion, des Christentums usw. verleumdet Der Sozialismus ist religiös tolerant. In der Sozialdemo» tratie ist dt« Religion Privatsache. Das weih heute jeder, der sich überhaupt einmal darum bekümmert hat. Am widerlichsten ist es, daß der Glaube, die Religion in der Politik dazu dienen muß, den k r a s s e st en Eigennutz der Kapitalisten, der Besitzer der Produktionsmittel, der Ruß» nießer des Volksvermögens zu schützen. Die Religion, die den Menschen, die ihr anhängen, da» H e i l i g st e sein sollte, wird auf diese Weise zu einer Waffe der Selbstsucht er» niedrigt, zu einer Dienerin des Mammons. Denkt Ihr öaran! Proletarierfeauen und-mütter, denkt Ihr noch daran, wie Ihr von Eurer MSdchenzeit die meisten und schönsten Jahr« in Dienst- stellen, in den Häusern der sogenannten.besseren Leute" um ein paar Mark Lohn habt vertrauern muffen? Kennt Ihr auch den Inhalt der vorhundertjährigcn gesetzlichen Bestimmungen(Edikt vom 15. Mai 181!)!) auf den ersten v er Blihtcnv Eures damaligener- stellte Manlard« im dritten oder vierten Stock schlichen! Ich habe schon oft gedacht, wenn man alle die Ansbeutereien der Hausmädchen durch d e„feinen" Damen schriftlich in einem Buche sammeln kömite, das gäbe eine Chro?ük, die nirgends ihres- gleichen fände, ein Schanddenkmal der besitzenden Klaffe, deffen blvtzer Anblick uns die Hand zur Faust ballen würde. Mir selbst haftet ein persönliches derartiqes' Erlebnis so im Gedächtnis, daß es sich-fast van selbst in die Feder drängt. In Frankfurt a. W, vor 13 Iahren. Herrichastliche Sechszimmerwohnung Böhmerstt. 58111. Faml'ie: Landnerichtsrat und Frau, zwei erwachsene Töchter. Un- chntelbrocheii« Arbeitszeit von kriih bis abends. Niemals Zeil, fein« eigene Kleidung und Wäsche außer dem Waschen instand z» halten. 13 M. Lohn! Sie gingen größtenteils für Schuhwerk auf. Der Mann war leidend: die ganze Wohnung roch nach Sp tal. Da er nun zu einer erneuten Operation nach Würzburg ins Iuliusspital ge- bracht werden sollte, hoffte ich durch die Abwesenheit d»r Familie endlich etwas freie Zeit zur Instandsetzung des nötigsten eigenen Kleidcrbedarfs ergattern zu können. Aber anstatt mir einmal in ein bis zwei Stunden ein paar Sttümpfe stopfen zu können, mußte Ich fünf— ausrangierte Zimmerlampen putzen, die nie mehr in Gebrauch genommen wurden. Warum ich dieles hier erzähle? Weil wir Arbeiterfrauen und -Mädchen, die bei diesen Menschen ihr Brot suchen müssr», von der Einsicht und menschenfreundlichen Humanität d eser„Gebildeten� kkinen Pappenstiel Entgegenkommen erwarten können. Menschenwürdige Entlohnung und Arbeitsbedingungen, ins» besondere Arbeitszeit, können uns nur unsere Volksvertreter auf gesetzlichen, Wege schassen, und darum gibt es für»ins Arbeiter» stauen und-Mädchen nur eins: Am 20. Februar sozialdemokratisch wählen! MarieSchleeh, Nied am Main. Ein anöerer Zruhling... Sin»««lere» fMldtinA hemmt weM bald, um»Item 8cht»f ein Bnd' zu machen» dann wird,«in pbSmx an Oeltalt, aus l einem Craum das Volh erwachen, ans(einem Craum; gibt weiten Raum der COeisheit Rat, dem freien Staat, dem gleichen Recht für alle. August Gr ib. Religion im Wahlkampf. Bon August Frettdeuthai, Münster. E» tst eigentlich Unsinn, die Begriffe Religion und Politik miteinander in Verbindung zu bringen, denn sie verkörpen; Sei Gegensätze, die gar nichts miteinander zu tun haben. ährend sich die Politik ledtglkch.«nit der Regelung der dies- seitigen, der irdischen Lerhältnisie de» Menschen als Mitglied einer Volksgemeinschaft befaßt, will die Religion des Menschen jsenseittge, nicht irdische Angelegenheiten regeln. Und man tut den Talsachen Zwang an.»venn»nan die Religion mit der l Polittk verquickt. ' Allerdings gibt es ein Grenzgebiet, auf das sowohl die Reiigton wie die Politik hinübergreift, wodurch leicht Unklar- Heiken und Konflikte entstehen. Das tst da» Gebiet der Ethik Die Ethik handelt vom Wollen und Sollen des Menschen, von den Zielen und Zwecken, die er anzustreben hat. Im Grund« i genommen wollen die ethischen Fordeningen, die Sittengesetze 'da» Zusammenleben der Menschen regeln. Das Sittengesetz ist also eigentlich sozialer Natur, wenige stens soweit e» sich zum geltenden Recht und Gesetz verdichtet sB?t oder als ungeschriebene Regel stillschweigend befolgt wird. Da? spezielle Sittengesetz der verschiedenen Religlonsgemein- 'fchaften, das innerhalb dieser ebenfalls als soziale Vorschrift gilt, stillt vielfach zusammen mit gesetzlichen Vorschriften und üblichen allgemeinen Moralbegrtssen. so daß die gemeinsame -Abstammung unverkennbar ist. nur sind in diesem Falle nicht -nur diesseitige Strafen, sondern auch Nachteile im Jenseits im Uebertretungsfalle angedroht, die in manchen Fällen durch diesseitige Buße gesühnt wertzen können. Daß. nebenbei er- 'wähni. Gesetz und Recht, Sittltchteits- und Moralbegriffe 'Nichts Ewiges sind, erleben wir alle Tage und wiffen ebenso igen«», daß nicht in allen Klassen der Gefellschaft gleiche Be- griffe über bestimm!? Fragen der Ethik herrschen. ] Das Ziel, der Zweck der Religion, ihr eigentlicher Kern ist also nicht das Leben im Diesseits. Ihre siltlichen Forde- ( rungen sind nicht das Ausschlaggebende, sondern nur unent- dehrliche Verhaltungsmaßregeln für estie Uebergangszeit. Der Glaube an ihre Lehren von einem höheren Wesen, an ein - Lebe»? nach dem Tode, an ein Jenseits außerhalb der irdischen Vergänglichkeit ist es allein, worauf letzten Endes alles an- 'kommt. Nicht der vergängliche Leib, nicht diese Welt, son- dern die menschliche Seele tst der Religion Objekt. Das ist der Kern aller christlichen Religion nach der Lehre Jesus von Na» zareth:»Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" Der Glaube an ein Jenseits aber kann nichts mit der Politik des Diesseits zu tun haben. Mag einer an ein Jenseits. nn einen Gott, oder an alles dieses nicht glauben, deshalb kann er Sozialdemokrat, Monarchist, Republikaner, Demokrat oder Artstotrat sein. Und tatsäihlich findet man in allen Par» tele» Gläubige und Ungläubige, Christen und Atheisten. Es ist kein Zufall, daß die sittlichen Forderungen des Sozialismus und des Christentums sich vielfach decken. Es ist nur ein Beweis mehr dafür, daß sie ursprünglich aus der gleichen Wurzel entsprangen, der Ethik der Müh» Ie l i g e n und Deladenen. der Unterdrückten und l u s g e b e u t e t e n. Wer i h r zum Durchbruch verhelfen will, muß auch als echter Christ, der die sittlichen und ethischen Forderungen seiner Religionsgemeinschaft erfüllen will, ein Sozialdemokrat sein. Trotzdem der Glaube etwas jeder Politik Fremdes ist, jwird die Religion mit Vorliebe in der Politik als Mittel zum Zweck benutzt. In jedem Falle, da es geschieht, tritt die dabei -verfolgte Absicht klar zutage. Am deutlichsten ist sie in der »Politik des Zentrum» und der D e u t s ch n a t i o n a l e n erkennbar. Beide missen genau, daß sich die sittlichen Forde- rungen de? proletarischen Christen und der sozialistischen Pro» letarier in bezug auf die Forderung eines menschenwürdigen Ihr müßt Partei ergreifen! siiid»« partei ergreifen, das beißt: kein« debe-zeuaung haben oder sie verleugnen, hiiebt partei ergreifen, das heißt in einer fchmachvoUcn Oleichgüliiqhrit gegen die hSchlten interekfen, welche das Oerz der hlenfchhcit durchzucken, die eigene Ruh« und ßebagUchheit den gewaltigen-prägen vor» ziehen, von denen das Cdohl urd Wehe des Vaterlandes ab» hängt, und fo die pflichten verraten, welcke wir dem Vater- lande kchulden. Die©efehiebt« hat Verzeihung für alte Irrtümer, für all« Qebtrztugungen, üe bat hein« für Qebcrzeugungs» loNgheit. Ferdinand Las lalle.