Nummer 7 1H. Jebruar 1H21 >> Uätter zum Wahlkampf m�reuAen"� Der Tag ist öa! Horcht, Schwestern, wie Ser Lenzsturm braust l Er will Sie Welt befreien Von kalter, starrer Winterfaust! Nuf, Schwestern, fchliestt Sie Neihen l daß keine säumt l daß keine fehlt! Wir müssen M offen schauen! die Urne ruft: rot wirS gewählt l Nun hanSelt ftifch. ihr 5rauen l. § r e i wurSet ihr, Sie ihr geharrt IahrtaufenSe geüulStg! der Zukunft unS Ser Segenwart SeiS Srum ihr Taten sthutSig! Wahrt euer Recht, tut eure Pflicht UnS werbt voll Selbstvertrauen! des Preußenwahltags Volksgericht Ist Sa: wählt rot, ihr Zrauen! Ihr Mütter, eurer KinSer Senkt! Zur fi e soll sich entsthetSeu ?lm heut'gen Tag, ob Glück ihr schenkt, den Kleinen oSer LeiSen! das alte Preußen brach entzwei l Ein neues gilt's zu bauen! Gebt weiter unser Zelügefchcei: Rot wirS gewählt, ihr Lraoen l Ruf, Schwestern, keine bleib' zurückt wir brauchen Herzen, HänSe... Wir führen unser Meisterstück Heut' zäh zum guten Enüe! der Tag ist Sa: Kampf klirrt unS klingt In allen preußengauen... Nun sorgt, Saß, wenn Ser RbenS sinkt, Wir jubeln-Sieg!"' ihr Zvauen! Frauen, schließt die Leihen? Tag drr Preußcmvahl ist da. Eine ungeheure Verantwortung ist den Frauen deS werktätiLe« Volkes in Stadt und ftmd auferlegt. Sie sollen wählen zum Landtag, zum Provinziallandtag, zum Kreistag und in einzelnen Provinzen auch noch zum Reichstage. Der Kreistag ist neben der Gemeindevertretung gewissermaßen die Felle des demokratischen StaatSbaueS. Von ihm aus muß die Reform der Venvaltung erfolgen. Die Provinzialvertretung ist doppelt wichtig: Nicht nur für die Provinz, sondern für das ganze Preußen, denn auS ihr»verde« die Mitglieder deS Staats» rates nach dem Verhältnisspstem berufen. Auf die Landtags»vahlen aber setzen die Reaktionäre alle Hoffnungen. Sie glauben, daß eS ihnen möglich sein werde, mit Hilfe der Frauen eine Mehrheit zu erlangen und alle mühsam errungenen Verbesserungen zu beseitigen. Wählerinnen! Wollt Ihr es dulden, daß die Parteien des Geldsacks und des Brvtwuchers triumphieren? Wollt Ihr wieder zurück in politische Unfreiheit und»virtschaftliche Fron,»veit schlimmer, als Ihr sie vor dem Kriege erdulden mußtet? Frauen, die Ihr arbeitet im Haushalt, in» Kontor, in der Fabrik oder auf dem Landel Macht durch die junkerlich-kapitalistische Rechnung einen dicken Strich. Schließt die Reihe» und sorgt für einen vollen II wir unö ftfc anderen. Vi« bürgerliche Demohratie gebt von der HnHcht •hs, dafi die politische freiheit eigentlid»»lieg Tel, was der enfeh verlangen könne, höchstens habe der Staat für eine ausreichende Bildung aller Staatsbürger zu sorgen und die Steuern Co einzurichten, daB Keiner ungerecht getroffen werde. Das find drei Dinge, die wir akzeptieren, die aber nicht ausreichen. Der Staat(otl allerdings— fo meinen auch die Sozialdemokraten— die■freiheit garantieren, aber auch darauf fehen, daß die freiheit des einen der freiheit des anderen keinen Schaden bringe. Die politische freiheit aber bann keine gleiche fein, wenn ökonomische Ungleichheit existiert. Der ökonomisch Bessergestellte wird stets einen moralischen Druck auf den Schlechtergestellten ausüben. Ift nun gar ein HbbängigkeitB Verhältnis vorbanden, wie in der jetzigen öefelUchaft, ift der Arbeiter einem Brotherrn unterworfen, von dem seine Bxiltcnz abhängt, dann liegt auch auf der Band, daß diefer Brotherr die Gewalt in den Bänden bat, das politische Recht des Hrbeiters zu verkümmern, es in der ihm dem Unternehmer gutdönbenden Meise auszubeuten. Hber ganz abgesehen davon; an einem Staat, in dem die politische freiheit bloß der Zweck ist, hat der Hrbeiter wenig Xntereffe. Mas ihn drängt und treibt, die politische freiheit und Gleichberechtigung zu erobern, ift die Hu sticht, mit ihrer Bilfe auch die ökonomische Unabhängigkeit zu gewinnen. Huguft Bebel(Unsere Ziele). Gefahr im Verzuge! Von Margarete Pftrrmann. Im Reich eine bürgerliche Mehrheit, in Bayern eine ans- gesprochene Reaktionsregierung und in Preußen?— Frauen, dedenkt es wohl, auf Euch kommt es an, was für eine Re- gierung Preußen nach den Wahlen vom 20. Februar erhält, denn Ihr bildet die Mehrheit der Wähler. Was aber würde es bedeuten, wenn auch in Preußen eine rein bürgerliche Regierung ans Ruder käme? Schon jetzt hat im Reiche die Deutsche Volkspartei das Steuer in der Hand, obgleich es sich dort um eine Koalitionsregierung mit Zentrum und Demo- kraten handelt. Die Deutsche Volksportei weiß nämlich genau, was sie will: sie will f ü r i h r e K l a s s e, für die Klasse der „nolleidenden Großindustriellen und Grund- besitzet das Beste herausholen— auf Kosten der breiten Masse des arbeitenden Volkes. Das Zentrum aber? Run. es besteht selbst zum großen Teil aus ähnlichen Gesellschaftsschichten und räumt der in ihr organisierten Arbeiterschaft nur gerade so viel Rechte ein, wie es die Zsiwerhältnisfe notgedrungen erfordern, ist aber schnell bereit, die Rückficht auf die Arbeiterklasse fallen zu lassen, wenn diese nur irgendwie an politischem Einfluß zu verlieren scheint. lind wie ist's mit den Demokraten? Auch hier steht das Geldinteresie der besitzenden Schichten obenan. Die demo- kratische Gesinnung, die Sorge für die Mehrheit des Volkes ist mehr oder minder Dekoration, die um so weniger in die Erscheinung tritt, je geringer der politische Einfluß der Sozialdemokratischen Partei ist, der wirklichen Partei des arbeitenden Volkes. Roch blicken die Demokraten im Reich verstohlen nach der Wirkung, die ihr Verhalten in Preußen auslöst, denn hier sitzen noch Sozialdemokraten in der Regierung, die das Gewissen der Demokraten bilden. Und doch sind die Vorgänge im Reich schon jetzt lehrreich genug und kaum imstande, innerhalb der arbeitenden Bevölkerung dos Verlangen nach weiteren Proben der Künste einer rein bürger- lichen Regierung zu erwecken. Man denke einmal an das Versprechen der Reichs- regierung, daß durch die Aufhebung der Zwangswirtschaft eine erhebliche Senkung der Preise erreicht werden würde. Wir Hausfrauen haben es nur zu deutlich gespürt, wie das gerade Gegenteil eintrat, wie die Preise für die not- wendigsten Lebensmittel immer höher und höher kletterten, so daß an ein Auskommen mit den geringen Löhnen und Ge- hältern gar nicht zu denken war. Neuanschaffungen? Ja, sie wären dringend nötig gewesen nach dem langen Krieg, ober sie waren in der„freien Wirtschaft� noch weniger möglich als unter der wahrhaftig nicht idealen Zwangswirifchast. Und welches Bild gewährt uns die Reichsregierung jetzt? Die Preise für Auslandsprodukt« fallen, hervorgerufen durch die Welimarktstrise; auch im Innern macht sich eine leichte Besierung bemerkbar: die deutsche Reichsregierung aber lieb- äugelt mit einer erheblichen Heraussetzung der Preise für Brotgetreide! Fraueti, hallet die Augen � offen, es geht um die Ernährung unserer Kinder, der Kinder des Volkes! Aber sind dos etwa die einzigen Proben der Tüchtigkeit der bürgerlichen Regierung, dieser gepriesenen Retterin aus der Rot? Man braucht nur die Steuerfraae auszuwerfen, und jede Frau aus dem schaffenden Volke ist sofort im Bilde. Ob hausfraulich oder sonstwie beruflich tätig, die Frauen wtsien, was es bedeutet, daß den Arbeitern, Angestellten und Be- amten von ihren gewiß nicht allzu üppigen Gehältern bei jeder Auszahlung 10 Proz. als Steuerzahlung abgezogen werden. Wohl wollen und müssen wir alle nach Kräften dazu beitragen� den Staat wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen, aber wo bleibt die entsprechende Leistung der Besitzenden? Roch ist kaum etwas zu hören von der Einziehung der beschlossenen Vermögenssteuern. Oder doch, es ift sehr viel davon zu hören, nämlich das laute Geschrei der Besitzenden, daß s o die Steuer nicht durchzuführen fei, daß sie den Ruin der Wirt- schaft bedeute, daß Erleichterungen geschaffen werden müssen und immer noch tnehr Erleichterungen. Auf diese Weise wird ■ein langsmnes Abbröckeln der Steuergesetzgebung, soweit sie die Besitzenden trifft, erreicht; und außerdem wird Zeit ge- wonnen, kostbare Zeit, um jedes Hintertürchen zu finden und zu benutzen, das die Gesetze lassen. Wer weiß, wieviel hei den Kapitalisten noch zu holen ist, wenn endlich die Steuern wirk- lich eingezogen werden sollten! Wie aber kann es erreicht werden, daß die früheren Koa- litionsparteien, Demokraten und Zentrum, die damals die Steuergesetzgebung unter dem Drucke des sozialdemokratische» Einflusses bewilligt haben, zu ihrer Pflicht zurückkehren? Es wird nur dann gelingen, wenn die Sozialdemokratie bei den bevorstehenden Preußen wählen st> viele Mandate erhält, daß ihr Einfluß ausschlaggebend in der künftigen Re- gierung Preußens wird. Eine stark sozialdemokratisch gefärbte Regierung im größten deutschen Lolksstaat. besser noch eine rein sozialistische, vermag aus die Reichsregierung einen nicht zu unterschätzenden Druck auszuüben, schon allein durch die Preußenstimmen im Reichsrat. Mit einem Siege der Reak- iionäre in Preußen aber wäre das letzte Bollwerk der deut- scheu Demokratie gefallen. Was heute schon von den Bürger- lichen mehr oder weniger deutlich ausgesprochen wird, würde dann zweifellos schnellstens in die Tat umgesetzt werden: Lohnabbau. Aufhebung des Achtstundentages usw. Des- halb, Wähler, benutzt die Macht, die Euch durch den Stimm» zettel gegeben ist, dokumentiert Euren festen Willen, Deutsch- lands Wirtschaft wieder aufzubaue» zum Besten des g a n z e n Volkes. Man wird im Reiche auf die Stimme des preußischen Volkes hören müssen! Besonders Ihr Frauen, bedenkt genau, was alles durch Eure Stimmabgabe entschieden wird, genügt am 20. Februar unbedingt Eurer Wahlpflicht und gebt Eure Stimme de? einzigen sozialistischen Partei, die bicher bewiesen hat. daß sie positiv arbeiten will und kann, der sozialüemokratischen Partei! Zwölf Millionen Tote! Eine tritt Sfatltlit trflaB jroStf Millionen Striegätote. Wenn's jetzt zur Wahl geht und ihr hört die Unentwegten schreien und„Revanche" brüllen, so sagt ihnen eins nur:.12 M i l- l i o n e n Tote sind in diesem Kriege ach dem Schlachtfeld und im Lazarett geblieben.� 12 Millionen— wißt ihr, was das heißt? Ein Zug von Geistern ist es, der, wollte er Rache nehmen, an den Gewalthabern dieser Erde drei Monate Tag und Nacht vorüberziehen müßte. Ein Zug von Geistern ist es— fo lang wie der Weg vom Aequator zum Pol. Und wollte man den Toten Ruhe gönnen— nicht im Massen- grab, fondern wie armen Schluckern, Sarg neben Sarg— ein Friedhof wäre oonnäten, größer als Berlin mit allen Vororten und Dorstädten. Und genügt den Hirnverbrann- ten dieses grauenvolle Spiel mit Zahlen nicht, fo laßt sie denken, daß 12 Millionen Tote 50 Mitlionen Lebendige in Gram und Schmerz ach dieser Erde lassen, ein schwarzes Volt, stark genug, ein ganzes Reich zu füllen. Tut ihr aber nicht das eine— die Kriegshetzer zu betämpfen, wo ihr pe findet— so wird Europa werden was Serbien wurde, das den dritten Teil feines Volkes im Krieg verlor. S. Enzelhordt. jp" LSftcrtutcbt dlt Zeit, 4le rttnd □ Schmäht(hr fit, fo schmäht ihr cudtt Dtnn t» ift die Zeit dem wciBtn, Unbefchriebnen Blatte gleich; Das Papier ift ohne JVlahel, Doch dir Schrift darauf seid ihr! Wenn die Schrift nicht just erbaulich, fiun, was kamt das Blatt dafür! A.® rfin. pi g die Irau öes Landarbeiters. Für das deutsche Volk von Höchster Bedeutung ist die Notwendigkeit der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft. Dazu gehört nicht nur die Bereitstellung der nötigen Mengen an Dünger und Saat— wo nichts hineinkommt, kommt nichts heraus!— sondern auch besonders inten- Jive Arbeit. Früher wurde ein guter Teil der Landarbeit auf den großen Gütern von russischen und galizischen Arbeitern ge- macht und an deren Stelle traten während des Weltkrieges die Kriegsgefangenen. Die Insten oder Büdner oder Katen- leute oder Deputatknechte waren die auf meistens Jahresver- trag gemieteten Landarbeiter, zum Teil durch Naturalien entlohnt!— mit einem Stück Land zur freien Bebauung, einer Gutswohnung, mit einem bestimmten Teil Milch, Brot, Kar- toffeln und der Berechtigung zum Halten von Kleinvieh, wie eines Schweines. Wenn man überlegt: Sichere Wohnung, jahrelang sichere Arbeit, im gewissen Umfange die Lebensmittel gesichert und dann Barwhn, so kommt einem doch ein Wundern darüber, daß trotzdem die Landbevölkerung durch Abzug nach der Stadt in den letzten Dezennien ständig abnahm. Das lag nicht am Zug nach Kino und großstädtischen Zerstreuungen— auch nur zum Teil an der geringen Barentlohnung, sondern an der Ueberlastung des Landarbeiters und seiner Familie und an der durchaus ungeregelten Arbeitzeit. Der Arbeiter in der Stadt ist am Feierabend fertig. kleidet sich um und kann, wenn er will, auf der gleichen Bank mit seinem Arbeitgeber oder seinem Borgesetzten in einer Er- holungsstätte sein oder seine Bildung pflegen oder sich seinen staatsbürgerlichen Pslichten widmen. Der Sonntag steht ihm ganz für das Familienleben zur Verfügung: jedenfalls kann er am Sonntag von seiner täglichen Erwerbsarbeit sich einmal gründlich abwenden. Anders der Landarbeiter, desien Ar- beitstag durchgehends von Ende bis Anbruch der Nacht und im Winter darüber hinaus reicht. Nicht nur fordern Sonnen- brand oder drohender Regen häufig Ueberarbeit und Mehr- arbeit, sondern auch das Vieh verlangt Sonntag wie Alltag feine Bedienung. Und zwar nicht nur dasjenige der„Herr- schaff, sondern auch das Schwein, die Ziege, die Gans oder das Kaninchen des Arbeiters wollen mehr noch als sein Stück- chfn Land gepflegt sein. Der Landarbeiter, vom Morgen- grauen an in jeder Witterung draußen schwer arbeitend, ist auch nur ein Mensch und abends zu müde, für sich selbst noch Nennenswertes zu leisten, und verläßt sich daher für die Be- wirtschaftung seines Stück Landes und die Pflege feines Viehes auf feine Frau und eventuell auf die Kinder. Das Eigentümliche der Landarbeiteroerträge war— und ist es noch heute—. daß nicht ein Mann, eine Arbeitskraft, gemietet wird, sondern ein Landarbeiter, der e i n e Frau fürs Melken und regelmäßig oder nach Bestellung des „Herrn" auf Tage oder länger auch für die Feldarbeit zu stellen hat. Sind Kinder da, auch wohl noch eine Jungdirn fürs Hüten oder einen Burschen als Helfer im Stall oder beim Gärtner. Gerade diese Verpflichtungen zur Landarbeit, zur Mit- arbeit der Familie, sind sicher die Ursachen der Landscheu. Mehr noch als alles andere ift zur Erhältung der Arbeits- fähigkeit wie der Arbeitsfreude ein freundliches Heim Bedin- gung. Dieses erfordert nicht nur eine menschenwürdige Woh- nung, sondem dazu gehört eine Frau, die auch Zeit hat und nicht abends vor Müdigkeit umfällt, weil sie ebenfalls an der Erwerbsarbeit teilnehmen mutz. Ein freundliches Heim kann dort nicht entstehen und fein, wo die Frau entweder nachts oder Sonntags die eigene Hausarbeit erledigt, die Wäsche macht usw. Noch weniger natürlich, wenn kleine Kinder in gefährlicher Verlassenheit nach der Mutter schreien, während diese gemäß dem Vertrag entweder auf dem Gute wäscht, in der Meierei arbeitet oder Feldarbeit macht. Hier kann man wohl vom Unsegcn der Arbeit sprechen. Von größter Bedeutung ist deshalb für die Landarbeiter- schaft die Ausnutzung der Schutzbestimmungen für die Frau des Landarbeiters im Z.14 in der„Vorläufigen Landarbeitsordnung vom 24. Januar 1919": „Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu versorgen haben, sind so früh von der Arbeit zu.entlassen, daß sie eine Stunde vor der Haupt- mahlzeit in ihrer Häuslichkeit etntreflen. An den Tagen vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind sie von der Arbeit entbunden. Arbellerinnen, die ein größeres Hauswesen zu versorgen haben, ins- besondere auch Gehilfen, die nicht zur eigenen Familie gehören, zu beköstigen hoben, sind, abgesehen von Notfällen, nur insoweit zur Arbeit zu oerpflichten, als dies ohne erhebliche Beeinträchtigung ihrer häuslichen Pflichten möglich ist." Die Schutzbestimmungen können nicht durch einen anders lautenden Vertrag umgestoßen werden. Auch wenn häusliche Pflichten(Waschen, Putzen, Kinderpflege) darunter leiden würden, braucht ein entgegenstehender Arbeitsvertrag nicht erfüllt werden. Im§ 15 der Landarbeitsordnung wird der Arbeitgeber zur Stellung einer einwandfreien Wohnung verpflichtet. Die Anweisung einer gesundheitsschädlichen Wohnung wird aus- drücklich als Grund zur fosörtigen Lösung des Arbeitsver- hältnisies bezeichnet. Hält man dazu, daß die Laudarbeitsordnung das volle Kvalitionsrecht für die Landarbeiterschaft sicherstellt, und da- mit u. a. die richtige Plattform zur Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gibt, dann muß man sie als einen sehr be- deutsamen Schritt vorwärts bezeichnen. Zunächst aber müssen die Arbeiterfrauen auf dem Lande erst mal wissen, daß sie Rechte haben, die durch die politische Arbeit, besonders den Frauen, gewonnen sind, daß auch sie, dank der Revolution, politische Rechts haben, für deren Erhaltung und Verbesserung sie mit ihrem Stimmzettel am 20. Februar eintreten müsien. politische Silöergalerie. Der Wahltmnps treibt eigenartige Blüten. Die bürg er- lichen Parteien haben auf ihren Plakaten nichts gescheites den Wählern zu sagen. Deshalb steigen sie in die Jahrhunderte alle Vergangenheit und greifen von dort irgendein bekanntes Gesicht heraus, das sie auf» Plakat kleben und als Symbol sür ihre Gegenwartspolitik gelten lasten wollen. Die Den tschde m vtra tische Partei z. B. läßt den Kops des alten Freiherrn v o m S t e i n an Stelle ihres eigenen Programms auftauchen und die Preußen auffordern, deutschdemokratisch zu wählen. Di« jchwer4iberaie„Deutsch« Volkspart ei" hingegen macht Konkurrenz den Deutschnationalen, indem sie beide abwechselnd den Alten Fritzen mit dem Krückstock als Sinnbild ihrer Preußenpvlitik aufmarschieren lasten. Die„nationalen" Parteien bilden sich auch wahrscheinlich ein, daß die Gesichter immer noch bester seien, als wenn man z.B. das de» Herrn Helfferich auf» Plakat setzen würde, oder etwa van den Kerkhoff, oder gar den„Konsul" Simon! Zweifellos Ist der Krück- st o ck des Alten Fritz anch ein besseres Symbol für die Politik der Gewaltparteien, als irgend etwas aus der Gegenwort. Dos Bild bietet tatsächlich ein Programm für sich. In der Schule wurde uns gelehrt, daß der Alte Fritz auf feine Art„Ordnung" schaffte, indem er gelegentlich seine»„Untertanen" mitdemEtockhöchst- eigenhändig den Rücken verbläute. Das ift dos Ideal der 5)ergt und der Stresemonn, der Helfferich und der Leidig und wie sie alle heißen mögen. Der preußische Staatsbürger soll wieder von den Agrariern und den Schwerindustriellen abwechselnd o e r 7 prügelt werden. Und wenn er sich dagegen ausbäumt und sich auf sein Recht beruft, soll e« wieder heißen wie damals:„Räsonnier Er nicht!" In dieser politischen Gemäldegalerie fehlt nur noch ein charakteristisches Bild des Zentrums. Es müßte den heiligen Thomas von Aquino abbilden, der das schön« Wort prägte, es fei„für die Sklaven, die das Land bebauen, zuträglich, daß sie stark am Körper, aber schwach am Verstände seien. So würden sie nützlich sein für die Bearbeitung des Landes und nicht ausarten in Umtriebe wider ihr« Herren". Oder aber jenen bayerischen Bischof, der noch in den letzten Jahren als Grundsatz aussprach wer Knecht sei, solle Knecht bleiben! Die Sozialdemokratie braucht nicht in der Vergangen- hell zu wühlen. Sie kennt die Geschichte und wendet sie auf die Gegenwart an. Sie will die Unterdrückung vergangener Jahr- hunderte nicht wieder aufleben lasten und will ein freies Volt auf freiem Grunde sehen. Daß Gegenwart und Zukunft ihr gehöre, dafür mästen die Wähler am 20. Februar sorgen helfen, indem sie den papierenen Götzen ins Gesicht lachen und sszial- demokratisch wählen! Zwei Srlefe. s. Mirrie Brunke, �aiisanaesteA«'bei. Fabrikant Msisl, an ihre Freundin Käthe fiel lhlt it. Lieb« Käthes- Wir haben uns so lange nicht gesehen und es hat sich so vieles geändert, seit ich Dir damals met:: Herz ausschüttete., daß ich Dir unbedingt schreiben musi. Es war wohl im August vorigen Lahres, als wir uns trafen und ich auf Dein« Frage, wie es mir gehe, in Tränen ausbrach,—|o unglücklich fühlte ich mich damals. Fch erzählte Dir dann viel k)äs- liches von den schwerreichen Leuten.' oerm Haushalt ich. so gut ich es vermag, tn Ordnung halte. Und Du weißt, daß ich meine Sache verstehe. Du tröstetest mich in Leiner fluge» Art,— nicht zuletzt mit dem Hinweis daraus, daß niemand mich zwingen könnte, Un> würdiges zu erdulden! daß ich gehen könne, wenn Ich es nicht aus- halten könne und leicht eins bessere.Anstellung finden würde. Aher damit war mir nicht gedient. Ein Jahr wenigstens muß ich durchhalten, das holte ich einfach für Ehrensache. Die Hauptursaihe meiner Verzweiflung hatte ich Dir ver- schwiegen. Es war die Euttänschung über die Verwandlung in dem Benehmen meiner.Lerrfchast" mir gegenüber, r Im Mm hatte ich meine Stellung angetreten. Im Anfang war die, gnädige Frau mehr als freundlich zu mir.. Alle Augenblicks kam [Is. zu m]r und sah mir bet der Arbeit zu....Nein, wie fleißig Sie Miner sindt" hörte Ich dann zuweilen, yder:..Wird es Ihnen auch nicht zu vW?� Daun mußte der Herr, den Hausknecht schicken, da- Mlt er inir die gröbste Arbeit abnehme. Daß sehr viel und sehr grobe wie feine Arbeit in deni Hcnis zu Kisten cht, sagte ich Dir ja. Eigentlich mehr als genügend für zwei Dienstboten. Doch arbeitete ich gern bis tief tn die chiacht, als Cutgeit für so viel Freundlichkeit, � Den Herrn sah ich selten,— hauptsächlich während des Ser- vterdns bei Lisch. Und dann mar auch er die Ltebenswürdigkest in Pch-son und sagte mir viel Schönes über,.weine Kochkunst. Wenn die Kinder, die wirtlich sehr schlecht erzogen sind, mich quiten, so wurden sie gerügt und ins Kinderzimmer geschickt. Und wenst-ckch einmal abends in eine Versammlung wallte,.— es war doch vor der Retchstagslvahl,' dann.meinte die Gnädige sogar, sie .wüßte etwas Vefseres zur Unterhaltung und Belehrung für mich und schenkte mir eine Eln.'nßkartt zum.sommerkheater. Am Wahltag dachte ich gar nicht ans Wählen, was wir ja feit der Revolution dürfen, Ich warauch mit der Arheji noch sehr zu- rück. Aber der Herr brachte, mir«inen Stimmzettel im Kuvert. machte fehr viel Scherz, und dann,— denke Dir nur. nahm die Herrbbatt mich trok nl'cm Sträube»!n tdrem eigenen Wog«, mit tn» Wahllokal. Ich halte gern den Zettel unterwegs durchgelesen. wir kamen„tum vor lauter Lachen so? nicht dazu. Und dann, gleich aro anderen Tag, muß mich wohb jemand serklatscht haben Da ging's los.— mit ihr, mit thin. mit den Kindern. Ich hatte die Hölle im Haus. Friedrich durfte mir nititf mehr helfen. Nichts als Gezänk den ganzen Tag. Quälereien. Böswillige Vermehrung der Arbett. Das habe ich Dir ja alles erzählt. Aber nun höre an. Ich hatte mir schon vorg-mommen zu kündigen.— da sind den Leuten wohl dl« Augen aufgegangen. Ich wollte mich eines abends unterrichten über die Hausangestelltenbewegung, von der ich gehört hatte. Ich hatte zu dem Zweck einmal um acht Uhr Feierabend ge- Macht und das Silberzeug, da» noch zu pusten war, beisslte gestellt. um es anderen Tages vorzunehmen. Ich worauf einen großen Sraift geroßt bei der Heimkehr. Aber denke und nur. Herr und Frau Flösiel saßen in der Küche»nd empfingen mich fehr freundlich. Sie erkundigten sich nach dem Ber- lottf der Versammlung und als lch von einer Einladung zu einer Frau e-nverf am m l u n g der S.P.D. sprach, meinte die Gnädig?!„Gewiß müssen Sie mehr heraus", und es zeigte sich, daß sie mir gerade zu dem betreffenden Abend ein OpernbilletI gekauft hatte. Aktes ist wieder beim alten. Ich bin sehr glücklich darüber. Die Forderunaen der HausanzesteNen habe Ich. nicht richtig verstanden. Ich war so sebr imtde,— ich glaub«, ich bin währenh der Rede..über die alte Gesindeordnuug- und die neuzeitliche Behandlung der Hausangesteiltenfrsge" eingeschlmen. Frau Fläfsei Sqt auch Immer„Gesinde" und icki' habe mich oft darüber geärgert. ber Du siehst, sie ineint es nicht böse. Gehst Du auch tn Versoinmlungen? M'i herzlichem Gruß Dein« Marie. ll. Käthe Hetib l i ck, Hausangestellte bei Kommerztenrat von Guren. an ihre Freundin M Schlechter Crsst. Pen(S e» r g£- e-v» eg h. Ou wirft tin k-t>Sn'r«s Heben lck>.-.urn, Cnii ewig, ewig bleibt es cUin. M»n wird dir gold'ne öthiatfer bftuen sSur— muOt du erft gestorben kein. Ou wir t bt» zu den Sternen dringen Qnd stellen dich in ihre Rtib'n, Von Welten dick» zu Welten kebwingen JSur— mußt du erlt gestorben sein. üöenn Sünder(n der köSile braten, Ho gebelt du tum Oimmtl ein} Ou. wirft gebüßt und niebt vei raten, »S'ur— mußt du erft gestorben fein. Ob ihm der Oft die Segel bläbe, Mag hilft'!» dem morfehen, iedien Kahn« Mas hilft dem fink die Sonnennähe, Den tot ein Hdlcr trügt hinan?