Nummer? 9. Oktober Älätter zum Gi-oß-Berliner Wahlkampf Zum Gzean! Ich kann oft stundenlang am Strome stehen. wenn ich entflohen aus der Menfchen Bann? er plaudert hier, wie ein erfahrner Mann, der in der Welt sich tüchtig umgefchen. Da fchilderl er mir seiner Jugend Wehen. wie er den Weg durch Klippen erst gewann, ermattet drauf im Sande schier verrann, und jedes Wort fühl' ich im herzen gehen. Wie wallt er doch so sicher seine Bahn! Lei allem Plänkeln, hin- und Wiederslreiscn vergißt er nie:„Ich muß zum Ozean!" Du, Seele, nur willst in der Irre schweifen? O tritt, ein Kind, doch zur Batur heran und lern' die Weisheit aus den Wassern greifen! Georg Herweg h. Die§rau in öer Gemeinde. Von Paul Hirsch. Die Revolution hat endlich aury den Frauen die politische Gleichberechtigung gebracht. Ohne Unterschied des Geschlechts steht jedem über 20 Jahre alten Staatsbürger das aktive und passive Wahlrecht nicht nur zu den gesetzgebenden Körperschaf- ten, sondern auch zu den Gemeindevertretungen'und den Ge- meindeverwaltungen zu. Was noch wenige Monate vor dem Zusammenbruch für unmöglich erklärt, was von bürgerlicher Seite verspottet und verhöhnt worden, ist zur Wahrheit ge- worden, der Traum unserer Vorkämpfer ist in Erfüllung ge- gangen. Unsere schnellebige Zeit vergißt nur allzu leicht. Wie ein Märchen-aus längst vergangenen Zeiten muten uns heute die Debatten über das Frauenwahlrecht an. Kaum glaublich erscheint es manchem von uns, daß die bürgerlichen Volksver- treter aller Richtungen noch im Sommer 1!)l8 sogar von der Hinzuziehung von Frauen als vollwertige Mitglieder zu den städtischen Lerwaltungsdeputationen nichts wissen wollten und die im damaligen preußischen Dreiklassenparlament von sozial- demokratischer Seite gestellten Anträge unter fadenscheinigen Gründen ablehnten. Die Zeiten haben sich geändert. Heute wagt nicht einmal mehr die äußerste Rechte gegen das Frauenwahlrecht Sturm zu laufen-, aus ihren eigenen Reihen würden die Frauen sich dagegen auflehnen. Die früher so verpönte Forderung der Sozialdemokratie ist zum Gemeingut aller Parteien geworden, und die Erfahrung hat gelehrt, daß die Allgemeinheit dabei gut abschneidet. Die Sozialdemokratie hat wieder einmal recht behalten, ihr allein verdanken die Frauen, daß sie nicht mehr als Staatsbürger dritter und vierter Klasse behandelt werden. Wenn irgendwo, so ist in der Gemeinde vie Mitarbeit der Frauen unentbehrlich geworden. Hier, wo es gilt, praktische Kleinarbeit zu verrichten, Rot und Elend zu lindern, den Armen und Bedrückten Hilfe zu leisten, müssen wir uns auf die Erfahrungen aus dem täglichen Leben stützen und sie der Gesamtheit nutzbar zu machen suchen. Und wer ist geeigneter als die Frauen, insbesondere die aus den Reihen des werk- tätigen Volkes, um niitzuraten und mitzutaten, weim es gilt, die heilende Hand an die Krankheiten unserer Gesellschafts- ordnung zu legen? Sie, die am eigenen Leibe den Wahnsinn unserer Zeit spüren, sie, die schaudernd mit ansehen mußten, wie unsere kaum geborene Jugend durch den Krieg und seine Folgeerscheinungen dahingerafft ist, sie, die sie ihre Männer und ihre halberwachsenen Söhne dem Moloch Militarismus opfern mußten, sie, die sie Zeugen der körperlichen und sitt» lichen Verwilderung unserer ohne Aufsicht heranwachsenden Jugend waren, sie in erster Linie haben einen begründeten Anspruch, gehört und zu tatkräftiger Mitarbeit herangezogen zu werden. Greifen wir aus der Fülle der gemeindlichen Aufgaben nur einen kleinen Kreis heraus, an deren Lösung die Frauen vor allem interessiert sind! Der Schutz der Schwange« r e n und Wöchnerinnen, bei wem liegt er in besseren Händen als bei denen, die selbst die Kinder zur Welt bringen! Und gibt.es jemand, der sich mit größerer Liebe und mit mehr Erfahrung der Säuglinge annehmen kann als eine Mutter? Alle Achtung vor der Kunst des Arztes, aber sie bleibt Stückwerk ohne die Unterstützung der Frau, di�, ihn sozial berät. Gerade auf dem Gebiet des Schutzes für Mutter und Kind hat der Krieg die Gemeinden vor schwierige Aufgaben gestellt. Wir sind gezwungen, trotz unserer Verarmung mit den kargen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, der Säug- lingssterblichkeit Einhalt zu gebieten, der werdenden Mutter und dem Neugeborenen die Pflege zuteil werden zu lassen, auf die sie begründeten Anspruch haben, und alles zu tun, um unseren Nachwuchs gesund und lebenskräftig zu erhalten. Nur ganz kurzsichtige Gemeindeverwaltungen werden hier auf die Mitwirkung der Frauen verzichten, einsichtige Ver- waltungen bedienen sich ihrer, aber nicht als untergeordnete Organs, wie vor der Revolution, die an die Weisungen ihrer männlichen Vorgesetzten gebunden sind, sondern als gleich- berechtigte und vollwertige Mitarbeiter. Aehnlich verhält es sich mit der I u g e n d�p f l e g e. Hier erwachsen den Gemeinden neue Pflichten aus dem zu erwartenden Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, Pflichten, denen sie sich um so lieber unterziehen werden, wenn sie dabei auf die Unterstützung oller ihrer Glieder'rechnen können. Wieder sind es in erster Linie die Frauen, die auf diesem Gebiete bahnbrechend vorangebcn und auf Grund eia-ner Kenntnisse mit veralteten Vorurteilen»brechen und neuen Ideen zum Siege verhelfen können. Ganz besonderer Beachtung bedürfen die Zustände im W o h n w e s e n. Die gesetzlich vorgeschriebene Wohnungs- aufsicht sieht heute, wo Tausends und aber Tausend von Fa- mitten in menschenunwürdigen Behausungen untergebracht sind, ebenso auf dem Papier wie die Wohnungspflegs. Bedauerlich, daß dem so ist. aber um die Tatsache kommen wir nicht bervm. Solange die Bm-tätiakeit nicht in ausreichen- dem Maße einsetzt, sind weite Kreise der Bevölkerung leider gezwungen, mit Wohnungen fürlieb zu nehmen, die von Rechts wegen aus gesundheitlichen und sittlichen Gründen längst hätten geschlossen werden müssen. Aber das Wohnungs- elend ist so groß, die Unterlassungssünden der Vergangenheit röchen sich bis? so schwer, daß selbst in jeder Hinsicht un- zureichend» Räume in Anspruch genommen werden, weil sonst die Obdachlosiakeit einen noch größeren Umfang annehmen würde. Die Privotwirtschast im Bauwesen hat völlig ver- sagt, retten kann uns nur eine Sozialisierung, aber bis auch die bürgerlichen Vertreter sich zu dieser Erkenntnis durch- gerungen haben, wird noch geraume Zeit vergehen. Aus eigener Kenntnis auf das nomenlose Elend immer und immer wieder aufmerksam zu machen, das Gewissen der herrschenden Klassen zu wecken und sie endlich aus ihrem Schlummer auk- zurütteln, dazu können besonders die Frauen ungeheuer viel beitragen. Hand in Hand mit dem Kampfe gegen das Wohnungs« elend gebt der gegen die T u b e r k u l o s e Ist es auch über- trieben, die Tuberkulose als Wohnu.igskrankheit zu bezeichnen, To ist doch der Zusammenhang so klar, daß es keinen Zweifel daran gibt. Was helfen alle Maßnahmen zur Bekämpfung dieser verheerenden Volkskrankheit, was helfen die Aufwen- düngen für Lungenheilstätten und ähnliche Einrichtungen, wenn die halb Genesenen nach ihrer Entlassung wieder ihre gesundheitswidrigen Löcher aufzusuchen gezwungen sind? Schon an diesen wenigen Beispielen sehen die Frauen, was für sie in den Gemeinden auf dem Spiele steht, wie not- wendig ihr Eingreisen ist und wie sehr sie die Pflicht haben, in ihrem eigenen Interesse und in dem ihrer Familie Hand ans Werk zu legen. Weifen wir ferner noch hin auf das Gebiet des Schulwesens und auf das der Armen- und Waisenpflege, erinnern wir an die Fürsorge für die Arbeitslosen und für die K r i e g s h i n t e r b l i e denen und Kriegsbeschädigten, so wird keine den- kende Frau sich ihrer Pflicht entziehen. Aussicht auf Erfolg wird ihre Arbeit aber nur dann haben, wenn sie Hand in Hand geht mit den sozial empfindenden und von sozialem Geiste beseelten Männern, mit anderen Worten, wenn d i e Frauen sich derSozialdemdkratischenPartei anschließen. Die Sozialdemokratie, die den Frauen die Glcickbercchti- gung errungen hat, wird auch kämpfen für die Beseitigung eller Mißstände, und sie wird um so eher ihr Ziel erreichen, wenn Männer und Frauen zum Klassenbewußtsein erwachen und Schulter an Schulter den Kampf aufnehmen gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung mit ihren Begleitcrscheinun- gen, den Kampf um Menschenrechte und Menschenwürde, den Kampf um eine bessere Zukunft für uns und unsere Kinder. Eilz VormiSas im chuergebäuös links... Von Theodor Thomas. Was gibt es doch für sonderbare Menschen. Man schüttelt oft den Kopf und fragt sich, wie ist es nur möglich! Die Frau Kluge, von der ich hier erzählen will, war nicht etwa von besonderer Art. sie war wie viele, wie schon der erste Blick in die Wohnung zeigte:' Schlickst und einfach, dabei aber doch jenes Etwas, das dich sofort stutzig macht, jenen Mangel an polilifcher Erziehung, der bei der „Morgenpost" anfängt und bei der Königin Luise über dem Bett aufhört. Findest du aus dem Tisch noch zerrissene Hefte:, Liebe! im Felsengrab" und— einige zerlesene seichte Bündchen aus dem Namschladen, dann brauche ich dir über Frau Kluge nichts mehr zu sagen: Du hast sie erkannt, trotz der sauberen Dielen und den hübschen Staubfängern, die uberall umherliegen, die bei ihr zur guten Stube gehöre», wie Soda zum Waschen. „WähfLN?" sagte Frau Kluge.„Unsinn, es wird ja doch nicht anders, ob ich hingehe oder nicht." Diese Antwort gab sie der kleinen Frau, die gegenüber wohnte, die ibr ab und zu den„Vorwärts" zusteckte, aber leider feststellte. daß sie außer der„Hcimwelt",„Volk und Zeit" und mal unter dem Strich wenig beachtete. „Alles andere ist in der„Morgcnpvst" viel leichter und aus- sührticher beschrieben, viel mehr Brübe davon gemacht." „Las ist es ja gerade," erboste sich Frau Meertein,„denn bei diesem Kitsch braucht man nicht zu denken,' das sind Bettelmann- suppen, die unsere Frauen geistig veröden lassen!" „Nun�rcin," verteidigte sich Frau Kluge,„man wird doch da auch sehr gebildet. Es ist ja doch einerlei, jedem ist fein Schicksal bestimmtl" „Da haben Sie gleich so eine Phrase aus Ihrer Lcsemappe. Unsinn ist das, jeder hat den Hammer zu schwingen, um am Ge- ssUschastsban miizuzimmcrn, dann werden sich auch seine Vcr- hüiwisse verbessern." „Das ist mir zu hoch!" „Natürlich, so was steht nicht in Ihrem Blatt!" Es wäre der schönste Streit entstanden, wenn nicht der Steuer- zcttelmann angestiegen gekommen wäre. „Wat für Frau Kluge, det sinn Sie doch," sagte er. „Na immer." Sie riß den Umschlag ab.„Ach, du liebe Iüte, Sie meenen wohl, wir stehlen unser Geld, das soll ich zahlen?" „SNir jcht det nischt an. Machen se det mit die Steuerbehörde ab. Osch für Sie, Frau Mecrlsin Hab ich was. Morsen!" Wie entgeistert schaute Frau Kluge den Stcuerzettel an. „Sehen Ee, da haben Se gleich den Beweist Ihr Schimpfen nützt gar nichts, wählen Se richtige Leute, dann werden die Steuern richtig verteilt!" Die Augen von Frau Kluge wurden böse.„Das ist ja..." Da ertönte unten ein Geschrei auf der Treppe. Ihre Gretel kam aus der Schule mit verweinten Augen und rotem Kopf. Schon von weitem plärrte sie: „Mir hamm'se va'hcun. Lehrer Zeidler hat mir vaklcppt, bloß wegen meine Bücher, die, wo ich nicht mit hattet" „Dem kratz' ich die Augen aus," tobte Frau Kluge. „Damit ist nichts getan. Sie müssen helfen, daß unsere Ge- meindeoertrctung richtig zusammengesetzt wird, damit wir auf die Lehrer einwirken tonnen. Das ist das Beste. Hatten wir noch unsere Augen offen bei der Wahl der Elternräte, �ann werden solche Dinge verschwinden. Unsere Leute müssen dafür sorgen, daß wir vernünftige Lehrer in die Schulen kriegen!" „Es ist ober auch zum Vcrrücktwerden. Aber einen Brief schreib ich dem Lehrer... Wieder wurde die Szene unterbrochen. Der Gasaufnehmer kam, „Schon wieder?" rief Frau Kiuge. „Ja, schon wieder, und teurer ist es auch geworden," sagte der Mann mit dem Buch. „Da haben Sie's wieder, Frau Meerlein, mit Ihre Wählerei, Nu haben wir doch die vielen Sozis im Rathaus und das Gas wird immer teurer." „Kunststück, wenn Kohlen, Beamtengehälter, Arbeiterlöhne in die Höhe gehen, kann auch der sozialdemokratische Stadtverordnete nicht um die Teuerung herumkommen. Aber er kann durchsetzen, daß die unteren Einkommen weniger davon betroffen werden, wie'die oberen." „Allerdings," meivte kleinlaut Frau Kluge.„Aber man merkt nichts davon." „Wie es wäre, ohne unsere Genossen im Stadtparlament, können wir kaum ahnen." Gretel hielt immer noch ihre Backe. „Scher dich nu in den Kindergarten und heul'»ich hier rum." „Ach, Mutter, laß mich daheim, der is' ja so weit." „Wirste mal gehnl du sollst mal sehn, wenn du dich nu»ich wegtrollst." Gretel ging. Als sie fort war, sagte Frau Meertein:„So ist das auch mit den Kindergäriens: Eine sozialdemokratische Stadtverwaltung wird die Kindergärten, die Krippen, die Säuglings» Heime ganz anders zu organisieren wissen, wie die Bürgerlichen, die unsere Not nich' kennen." Aus dem fünfteck Stock humpelte Mutter Krause herbei:„Nu, wohin?" „Zum Armenpsteger. meine paar Groschen holen." Sie blieb stehen:„Was das für schwere Gänge find. Zu dem Mann geh ich so ungern, der tut immer so, ich weiß nicht wie." „Bagasche, dreckige, totschlagen müßte man sie," bemerkte Frau Kluge. „Frau Kluge, Sie woll'n alle totschlagen, verhau'» und gleich die Augen auskratzen. Damit wird gar nichts gebessert. Richtig wählen, damit das Armenamt von unseren Leuten durchsetzt wird, damit die Armenpsteger aus unseren Kreisen kommen, damit das Jugendamt usw. unseren Ideen zugänglich ist. Das allein hilft." „Weiß Gott," unterbrach die alte Frau Krause,„so genau red' mein Sohn auch immer." Die Klugen war sehr nachdenklich geworden:„Eigentlich haben Sie recht, Frau Meertein. Man überlegt sich's erst gar nicht so." „Die„Morgenpost" sagt Ihnen das freilich nicht, aber Ibr eigener Verstand müßte es Ihnen jeden Tag sagen!" Frau Kluge war nachdenklich geworden. „Also, daß Sie auch eine Freude Hamm', ich geh' mit Ihnen am 16. Oktober wählen. Sie Hamm' recht, man merkt's auf Schritt und Tritt." „Das heute morgen mar ja nur ein kleiner Teil dessen, was es bei dieser Wahl alles zu bedenken gibt. Denken Sie nun mal erst an alles andere, an die Markthallen, an die Säuglingspflege, die Gesundheitsämter...." „Hör'n Sie uff, hör'n Sie uff! Da wird einem ja ganz rappel- köpfig, da merkt man ja erst, wie dumm unfereener is. Wo haben Sie nur das alles her?" „Dort her, wo man unsere Interessen vertritt, aus der Partei und der Arbeiterpresse." Frau Kluge wird sicher am 16. Oktcber einen sozialdemokratischen Stimmzettel abgeben. Gibt es ober nicht noch Tausende solcher Frauen? Schaut euch um, Lssnet auch ihnen die Augen,-gewinnt, werbt auch sie sü�unscren Dienst am Volke! Mammons Gebote« Der Mammon stellt feine zehn Gebote auf, so gut ivi« Gott. Die Hab! ihr beherzigt... Du sollst nicht verächtlich vom Mammon reden: denn er läßt keinen ungestraft, der dos tut. Du sollst sechs Tage des Mammons Geschäfte verrichten und am siebenten an ihn denken. Du sollst den Mammon ehren, aus daß du lange lebest und es dir wohlgehe bei den Wertpapieren, die er dir gibt... Du sollst stehlen, soviel du kannst. Du sollst salsihe Zeugnisse rede» und falsch« Praktiken gegen deine Nächsten anwenden: denn das ist dem Mammon gefällig.» Pfarrcr K u I t» r l„Sie miUTen"). Die Zrauen unö Gesunöheitspsiege. Die Hüterin der Gesundheit in der Familie ist die Frau. Wie ganz besonders schwer sällt es ihr in der heutigen Zeit der argen Teuerung, das sür die Gesunderhaltung von Mann und Kindern Notwendige herbeizuschasfenl Die gesundheitliche Fürsorge kann, um wirkungsvoll zu sein, niemals eine rein individuelle bleiben, säst noch mehr als auf jedem anderen Gebiet hängt das Wohlbefinden der Einzelfamilie hier von der wirtschaftlichen Gcsamtlage und den gesundheitlichen Fürsorgseinrichtungen der Gemeinde ab. Die Ver- breitung der ansteckenden Krankheiten muß bekämpft, die Anstalts- behandlung im Bedarfsfalle von der Gemeinde zur Verfügung ge- stellt, die Möglichkeit ausreichender Ernährung durch Verbilligung der dringendsten' Lebensbedürfnisse gewährleistet werden. Allen diesen großen Ausgaben muß die Gemeindeverwaltung gerecht wer- den; das ist jetzt schwieriger als je, nachdem der Krieg und seine unseligen Folgen uns Teuerung, Unterernährung und Verbreitung -aller möglichen Volkskrankheiten, besonders der Tuberkulose, in er- schreckendem Maße gebracht haben. Frauen, Wählerinnen! Wollt Ihr Gatten und Kinder vor der Tuberkulose schützen? Trotz der schwierigen Zeitverhältnisse hat die Siodtgemcinde Berlin vier neue Tube-rkulosefürsorge» st e l l e n eröffnet: das danken wir unserem rührigen Stadtmedizinal- rat, der der sozialdemokratischen Fraktion angehört. Die Stadt Berlin unterhält ein Kindcrgenesungsheim, in dem mehrere hundert Kinder, die an Knochen- und Gelenktuberkulose leiden, monatelang bis zu ihrer Genesung verpflegt werden: trotz der durch die Ungunst der Verhältnisse uns aufgezwungenen Erhöhung der Krankcnhausvcrpflegungssätze hat der Magistrat auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion beschlossen, die Kur- kosten in diesem Kinderkrankenhaus nach wie vor auf dem niedrigen Satze von K Mk. täglich zu halten: für diejenigxn Kinder, für die die Angehörigen.auch diesen Satz nicht aufbringen können, trägt die Wohlfahrtspflege die Kosten, so daß die Wohltat der Behandlung im Kindergcnesungshcim Buch jedem bedürftigen Kinde zuteil wer- den kann. Daß vom Jugendamt Jahr für Jahr Tausende von Kindern aufs Land und in Erholungsheime verschickt wer- den, um einer Erkrankung vorzubeugen, ist gewiß eine wichtige Errungenschaft zur Krästigung unseres Nachwuchses. Auch auf einen Ausbau der Schulzahnkliniken hat die in ihrer Mehrheit sozialistische Gcsundheitsdeputa�ion hingewirkt. Aus diesen kurzen Andeutungen über die gesundheitlichen Auf- gaben der Gemeinden mögen die Frauen ersehen, wie wichtig die Zusammensetzung der städtischen Behörden für das Wohl ihrer Dnder ist und wie groß daher dos Interesse der Frauen sein muß, stell einen Einfluß in der Verwaltung zu sichern. Unter den schwie- rigsten Verhältnisse« hat der Berliner Magistrat unter dem Druck der sozialdemokratischen Stadtverordneten die gesundheitliche Für- sorge sür die Bevölkerung, besonders für dhe Kinder, ausgebaut: darum ist es Pflicht jeder einzelnen Frau und besonders jeder Mut- ter, ihr Wahlrecht auszuüben und so dazu beizutragen, daß eine s o- z i a l i st i s ch e Mehrheit geschaffen wird, die allein das gesund- heitliche Wohl der Massen über alle anderen Interessen stellt. Wer immer die kleine Mühe scheut, zur' Wahlurne zu gehen, schädigt dds Wohl seiner Kinder.. Frauen, Müller. Genossinnen! Gebt am IS. Oktober Euren Stimmzettel sür die Sozialdemokralische Parle, abl Dr. W. Das Wühre Gesicht. Elli R a d t k e. Alle bürgerlichen Parteien, von den Deutschnationalen ange- fangen bis zu den Domekralen und Zentrumsleuten, entdecken vor den Wahlen immer ihr Herz für die Frauen. Man wendet sich in den Flugblättern an sie, malt ihnen mit dick aufgetragenen Farben die„Gefahren" einer sozialistisehen, einer„roten Herrschaft" vor Augen, und sucht sie mit allen möglichen Schauermärchen von den Sozialdemokraten zu erschrecken. Man spricht vom„roten Sumpf", »on der„Vergiftung der Schule" usw. Dagegen finden die Frauen — angeblich— bei den Bürgerlichen und Dcutschnationalen wärmstes und zartestes Verständnis für alle ihre Sorgen und Nöte, und nur die bürgerlichen und rechtsstehenden„Nolks"parteien nehmen stch — vor den Wahlen natürlich— mit Liebe der Frauen an. Mit lieben und freundlichen, wohlwollenden Worten spricht man zu ihnen — solange die Wahlen vor der Tür st ehe». Wie man in WirNichkeit in diesen Kreisen von den Frauen denkt, das zeigt uns in offenherziger Weise Herr Oberst Bauer in seinem kürzlich ver- öffentlichten Buche:„Der große Krieg in Feld und Heimat", Erinne- rungcn und Betrachtungen, in dem er über den Zusammenbruch spricht. Also hören wir einmal den Herrn Oberst selbst. Da heißt e» unter anderen,: ......„Die Briese der Frauen aus der Heimat, denen es ja zum Teil nicht gut geht, aber doch noch erträglich ging, wirkten durch ihre Klagen und ihr aufreizendes Schimpfen ver« heerend. Die Frauen glaubten bei längerem Zu. reden alle, daß es ihnen ganz besonders schlecht ginge, und daß der Krieg nur von den„Reichen herauf» beschworen und genährt wurde. So groß der Unsinn war, er wurde geglaubt und niemand sprach dagegen." Also, Frauen, daß ihr es wißt: Die Kriegsjahre, die ganze» langen A'A Kriegsjahre mit ihren viel hundertfachen Entbehrungen und Sorgen, der Kohlrübenwinter 1916/17, die Unterernährung der Kinder und der Frauen selbst, Krankheit, Elend, Not, das alle» „glaubten die Frauen erst bei längerem Zureden!" Wa» soll man zu einer solchen Verhöhnung sagen? Nun weiter: ......„Aber auch sehr viele Arbeiterfrauen zogen e» vor, stch unterstützen zu lassen, um ein freies Leben zu führen...., Die Gesamtleistung der Frau ist also qualitativ und quantitativ hinter den Erwartungen zurückgeblieben, genau wie in den anderen Ländern. Dies soll kein Vorwurs sein, soll nur zeigen, daß e» ein Unding ist. Mann und Weib gleichzustellen. Und ich würde diese alte Binsenwahrheit auch gar nicht predigen, wenn nicht eine umfangreiche Selbstbeweihräucherung der Frauen vielfach da» Bild total umgedreht hätte."..... So also, sieht es mit der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau in Wirklichkeit bei den Herren von Rechts aus! Bor den Wahlen geht man damit krebsen, und wenn alles vorüber ist. und sie in den Parlamenten sitfen, dann werden sie zeigen, wie sie die Gleichberechtigung der Frau a u f f a s s e nl Oberst Bauer steht nicht etwa einzeln mit seiner Ansicht darum ist er so unvorsichtig und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berge. Wir wollen ihm für diese Offen» heit wenigstens dankbar sein. So werden uns Frauen die Augen geösfnet, wie man über uns denkt, wie man. die Nöte und Sorgen der Frau würdigt und einschätzt, wohl verstanden: Wen» keine Wahlen vor der Tür stehenl Darum, Frauen und Mädchen, laßt euch nicht einsangen von den glatten und heuchlerischen Phrasen der Flugblätter all dieser Parteien, die in»hrcr Weltanschauung zu Oberst Vauer und seinen Freunden haltenl Gebt eure Stimmen den Frauen und Männern aus dem Volke, die euer Leben aus eigener Erfahrung kennen und wissen, was uns not tut. Wählt in das Skadlparlament die Der« treker der Sozialdemokratischen Parteil proftsio? Kahl unö öie Krauen. Bon K u h e i. . Es war der deutschnationale Professor R o e t h c, der einmal sein Kolleg unterbrach, um die hörenden Frauen zu zwingen, der» Unterrichtssaal der Universität zu verlassen. Während des Krieges wurde er langsam vernünftiger. Als er einmal in Brüssel einen Vortrag hielt,' freute er sich schon üöcr die Teilnahme der Frauen. In anderer Art setzte sich In der Weimarer Nationalversnmmlung Professor Kahl mit der Notwendigkeit auseinander, zu Männern und Frauen' zu sprechen. Das amtliche stenographische Protokoll berichtet über seine erste Rede in der Nationalversammlung: „D. Dr. K a h l: Meine Herren!(Zurufe: und Damen!) Fernab von den schweren vaterländischen Sorgen lassen Sie mich wegen dieses Zurufs sogleich die kleine Acußerlichkeit zur parlamentarischen Etikette ins Reine bringen. Die Frauen wollen nicht falsch verstehen, wenn ich heute und so oft ich vielleicht die Ehre haben werde, hier zu sprechen, ausdrücklich nur d i e H e r r e n in der Versammlung anspreche. Wir leben zwar nicht mehr unter dem römischen Recht, aber das rönnsche Recht hat uns eine Reihe von überaus nützlichen und klugen Vorschriften überliefert. Da findet sich im öl). Buche (Heiterkeit) der Pandekten des seligen Kaisers Justinian(erneute Heiterkeit) eine Stelle— allen Wissensdurstigcn und denen, die überhaupt noch ein corpus juris aufschlagen können, bin ich bereit, sie ganz genau zu bezeichnen—, diese Stelle sagt in ungefähr tvßrt» licher llebersetzunq, daß, wenn i» der Rede das männliche Geschlecht angesprochen wird, darunter für alle Regelfälle beide G c- schlechter zu verstehen sind.(Große Heiterkeit.) Diese Abkürzung ist vernünftig und die Gleichstellung echt demokratisch, sie paßt also außerordentlich gut in den Geist. der Zeit! Ich besitze natürlich nicht das Ansehen in dieser Versammlung, die Anwendung der gleichen Abkürzung anderen zu empfehlen, aber ich für meine Person ziehe sie— quellenmäßig begründet—(Heiterkeit) bei ernster politischer Arbeit einer Anrede vor, die. zur Hälfte französisch ist und zur anderen Hälfte unwillkürlich jedesmal die Erwartung einer Tischrede erregt." Bebel erzählt uns in seinem Buche„Die Frau und der Sozia« lismus" näheres über jene mittelalterliche Auffassung, daß die Fra» eine Erfindung des Teufels und ein Wesen ohne Seele sei. Und wer kennt nicht den Wahlspruch der deutschnationalen Propaganda gegen die Gleichberechtigung der beiden Geschlechter: Frau und Katze ge> hören ins Haus. Man weiß ja— nicht nur manchen Professoren wird es schwe% sich an die politische Gleichberechtigung der Frau zu gewöhnen. Um öle städtische Cenährungswietschast. Von Helene Schmitz, Stadtverordnete. Me Aufhebung der Zwangswirtschaft für eine Reihe von Lebens- Mitteln hat keineswegs die Segnung gebracht, welche die Be- fürworter der freien Wirtschaft prophezeit haben. Einen Erfolg kön- nen die Sieger in diesem Streite allerdings buchen: die Preise für die freigegebenen Lebensmittel find rapide zu einer phantastischen Höhe herausgeschnellt. Der minderbemittelten Bevölkerung ist es dadurch geradezu unmöglich gemacht, auch nur annähernd ihren wirklichen Bedarf zu decken. Wir Sozialdemokraten haben dies vor- ausgesehen und in allen Parlamenten bis zum letzten Augenblick gegen die Aufhebung gekämpft. Aber unsere Warnung hat nichts genützt, wir hatten nicht die Mehrheit. Dann hatten wir gefordert, wenigstens zwangsweise Preisfest- setzungen durch die Gemeinden durchzuführen, um dem Preiswucher einen"Riegel vorzuschieben. Aber wir sind leider, weil wir eben nicht die zahlenmäßige Mehrheit hatten, bis auf Brot und Milch unterlegen gegen den Ansturm der gesamten bürgerlichen Parteien bis zu den Demokraten hinunter. Sie wurden darin kräftig unterstützt von den Agrariern und Landwirten, die sich nicht scheuten, mit der Lieferung der allernotwendigsten Lebens- mittel, wie Fleisch, Kartoffeln, Brotgetreide, Milch und Eier zurück- zuhalten, um die Regierung mürbe zu machen und die Freigabe zu erzwingen. Bei Brot und Milch haben es die Stadtverwaltungelf' noch in der Hand, zu rationieren und Preise festzusetzen. Aber wie lange noch? Die Rechtsparteien im Berliner Rathause laufen schon monatelang Sturm gegen die kommunale Be- wirtschaftung und Verteilung auch dieser wichtigsten Nahrungsmittel. Sie schrecken bei ihrer Hetze gegen alles, was nach Kommunalisierung oder Sozialisierung aussieht, selbst vor den schäbigsten und niedrig- sten Mitteln nicht zurück. Auch das städtische Milchamt und die Er- nährungsdeputation hat ein gerüttelt Maß von dieser Hetze abbe- kommen. Fost nicht eine Woche ist vergangen, wo nicht eine der bürgerlichen Parteien mit einem angeblicheck Mißstande in der Er- nährungswirtschaft Berlins aufwarten konnte. Wenn dann der ein- gesetzte Untersuchungsausschuß den Anschuldigungen nachging, konnte in allen Fällen die Haltlosigkeit nachgewiesen werden. Es wurden aber auch Mißstände festgestellt, die in die Zeit der rein b ü r- gerlichen Herrschaft im Rathause zurückfielen, und dem so verhaßten„roten" Magistrat blieb es vorbehalten, in diese Uebel- stände hineinzuleuchten und aufzuräumen. Den sozialistischen Vertretern im Stadtparlament können es die Hausfrauen und Mütter verdanken, daß'' bis jetzt für ihre Kinder die M i l ch o er s o r g u n g durch Licfcrungsverträge und Rationierung sichergestellt war und daß sie noch nicht mehr als 8,40 Mk. für das Liter Kartcnmilch zu bezahlen brauchen. Die Bür- gerlichen im Bunde mit der Milchinteressentengemeinschaft haben olles mögliche versucht, auch für Milch den Preis ins Unerschwingliche zu treiben. Die Säuglinge der ärmeren Bevölkerung müßten dann glatt verhungern, weil das geringe Einkommen einfach nicht mehr reichen würde. Jetzt wird die Politik des Ausgleichs befolgt. Der Notbedars an Kartenmilch wird verbilligt um 1 Mk. pro Liter, und der Preis der freien Milch heraufgesetzt. Auch der Herstellung von Emulsionsmilch haben sich die bürgerlichen Parteien mit Hän- den und Füßen entgegengestemmt, aber wir Sozialisten haben sie doch durchgesetzt, in der richtigen Erkenntnis, daß wir sie bei der sicher einsetzenden Milchknappheit im Herbst sehr nötig gebrauchen werden. Auch für die Beschaffung von Kartoffeln ist von feiten der sozialdemokratischen Stadtverordneten Borsorge gctrossen war- den, trotz der freien Wirtschaft, um im Frühjahr gegen zu große Preistreibereien gerüstet zu sein.' Alle diese Tatsachen sollten doch allen Hausfrauen und Müttern, allen Wählern und Wählerinnen die Augen öffnen und ihnen zeigen, w o ihre wahren Freunde sitzen. Sollten am 16. Oktober, dem Tage der Stadtoerordnetsnwahl, die Rechtsparteien die Mehrheit im Etadtparlamcnt bekommen, so würden gerade die Proletariersamilien sehr bald und sehr empfind- lich den rückschrittlichen und reaktionären Geist zu fühlen bekommen. Dann ist es aber zu spät. Wir müssen-uns früh genug auf unsere Pflicht gegen uns selbst und unsere Klassengenossen besinnen und der Reaktion bei dieser Wahl für ihr arbeiterfeindliches Treiben einen Denkzettel geben, der es ihnen klar macht, daß die Arbeiterschaft nicht gewillt ist, mit ihnen rückwärts, sondern mit der Sozialdemokralischen Partei vor- wärts zu schreiten! Erfüllen alle Arbeiterfrauen und-Mädchen am 16. Oktober ihre Pflicht und wählen sozialdemokratisch, so muß der Sieg im Rathause unser sein! Di« Erde bringt viel mehr Nahrung hervor, als die Menschen verbrauchen: das Interesse der Menschheit erfordert es keineswegs, daß durch eine unsinnige Anhäufung von Kapital und Grundbesitz in den Händen einzelner die Produktion in Kanäle abgeleitet wird, welch« den Gewinn immer wieder in die- selben Hände zurückfließen lassen. Rudolf Vlrchow. Es ist nicht das Geld, das ein Land besichert, sondern der Geist, Ich meine den Geist, der die Arbeit organisiert... Ter beste Staat ist der, der die geringst« Anzahl von unnützen Menschen enthält. V o l l a i r«. Seriin-München. Ein Spielwarengeschäft In der City! Vieles, was Kinder- herzen erfreut, ist darin ausgestellt. Zarte Puppen mit wasscr- blauen Augen, die sich schließen, wenn man sie hinlegt und deren Glieder überaus gelenkig sind. Puppen, die Perücken tragen, die aus richtigem Menschenhaar gefertigt sind und die blaue und rosa- rote Schleifen habenr kurz, kostbare Puppen, die ganz und gar zur „besseren Gesellschaft" gehören. Schiffsmodelle mit allen Einzel- Helten, die selbst einer fachmännischen Kritik standhalten können, mit blendend weißen Segeln und schlanken'Rümpfen und schwarz- weißroten Fahnen, wie sie die neuen Neichen lieben. Eine Burg ist da, mit allen Rittern und Landsknechten, die sich in kriegerischer Stellung gegenüberstehen. Baukästen und Spßcle der verschieden- sten Art, Gummibülle, Trompeten, Säbel und Kanonen sind zu sehen. Aber das Glanzstück dieser prunkenden Spielzeugausstellung ist doch ein O-Zug. Eine mit wundervoller Genauigkeit gearbeitete Lokomotive, ein wahres Meisterstück der Spieizeugtechnik, ist vor die schweren Durchgangswagcn gespannt. Vom Dampfdom des langgestreckten Kessels führen sauber gebogene blanke Kupferrohre zu den Dampfzylindern, die mit richtiger Schiebersteuerung versehen sind und deren Kolben durch saubere Pleuelstangen die korrekt ge- kuppelten Räder dieser Miniaturlokomotive bewegen. Nichtige Schmierpressen sind auf das Fahrgestell montiert, selbst der Ner- schluß der Rauchkammertür fehlt nicht und neben der vorderen Kuppelung ist sogar ein Schlauch der Luftdruckbremsleitung befestigt. Am Führerstand sind Hebel und auch ein Manometer ficht- bar. Die ganze Maschine mit ihrem niedrigen Schornstein und der schiffsartig auf den Kessel ragenden Vorderwand des Führerstandes verkörpert geradezu, die jagende Hast unseres Zeitalters. Der Ten- der trägt blinkende Kohle und die v-Zugwagen sind ebenfalls recht naturgetreu gearbeitet, selbst der Staub, der sich an den Dächern der richtigen Wagen bei ihrer schnellen Fahrt mit der Zeit zu setzen pflegt, fehlt bei diesen Nachbildungen, mit denen Kinder spielen sollen, nicht. Auf kleinen weißen Tafeln ist das Ziel dieses Zuges angegeben:„Berlin— München". Vor dem Schaufenster stehen auch zwei nacktfüßige, ärmlich gekleidete Proletariertinder und sehen mit leuchtenden Augen diese Herrlichkeiten, die nicht für sie gemocht sind.„Ach wat," sagt denn der eine,„komm doch Fritze, dett krigste ja doch nich". Aber Fritze starrte auf die Lokomotive. 2lm liebsten hätte er sie mitgenommen. „Ick möchte se jcrne haben, du doch ooch, nich?" Da drängte sich ein kleiner, wohlgepflegter Junge-rücksichtslos zwischen die beideiW „Papa," sagte er herrisch zu seinem Vater, der auffällig ein Haken» kreuz Im Schlips trug,„ich will die Eisenbahn".»„Dummer Junge," sagte der Papa. Dann trat er näher und plötzlich leuchtete sein Gesicht auf, als er die Täfelchen mit der Aufschrift„Berlin— München" las.„Hm," machte er.-„Sich mal die Lokomotive," unterbrach ihn fein Junge.„Ach' was, Lokomotive. Kannst du lesen, was hier drauf steht?" Der Junge buchstabierte und bracht« es. glücklich heraus—„Berlin— München".„Sielst du meln Junge, München ist die HauFstadt von Bayern, so wie Berlin von Preußen. Bayern ist unsere Zukunftshoffnung. Wenn wir erst durch die Stadtvcrordnetcnwahlen auch in Berlin soviel Einfluß haben werden wie in München, dann----."„Kaufst Du mir nun die Eisenbahn, Papa?!"„Berlin— Manchen" sagte der Papa mit dem Hakenkreuz noch einmal nachdenklich. Und dann fügte er energisch hinzu:„Gut, sollst sie zu deinem Geburtstag haben!" „Du," fragte Fritze seinen Spielkameraden,„wat meent er denn mit Berlin— München und mit Bayern"?„Wees nich, wer mal Vätern fragen."— Und Vater wird ihm die richtige Antwort gegeben haben. Hierdurch erkläre ich meinen Bciiriit zur Sozialdeniokr. Partei Vor- u. Zuname:- Veruf:- geboren:- ■ Geburtsort: Wohnung: Tiefen Schein sende an Alex PagelS, Bezirksverband, Berlin SW 63, L i n d e n st r a ß e 3. Gleichzeitig icnde Eintrittsgeld und Beitrag für einen Monat per Postanweisung oder auf Postscheckkonto 437 43. lEintritlsgcld und ein Beitrag betragen sür Männer 3,00 M., für Frauen 2,20 M.)