Stummer t 2. ftpril Nur nicht verzagen! Will man euch drücken, Ducken und bücken, Richtet cmpor euch, seid stolz und seid frei, Troh aller Lasten Sürst ihr nicht rasten. Trotzt doch dem Schicksal, wie schwer es auch sei. Krieg oder frieden! Von Clara Bohm-Schnch. Am 4. Mai soll mit dem Stimmzettel das Schicksal des deutschen Volkes und damit jedes Einzelnen von neuem ent- schieden werden. Früher im kaiserlichen Deutschland konnten bekanntlich nur die über 25 Jahre alten Männer die Abge- ordneten zum Reichstag wählen. Und sie taten es in ihrer großen Mehrheit so, daß in Deutschland eine Politik geführt wurde, die uns schließlich in den verlorenen Weltkrieg brachte. Seit der Revolution wählen auch die vorher rechtlosen Frauen und all die jungen Männer und Mädchen, die das 20. Lebensjahr vollendet haben. Bei den Reichstagswahlen im Juni 1020 hat es sich aber leider gezeigt, daß auch diese neuen großen Wählerinassen politisch nicht riel gescheiter waren, als die Masse der wählenden Männer im alten Kaiserreich. Auch sie gaben zu einein großen Teil ihren Stimmzettel für Parteien ab, die natürliche Gegner der arbe-- tenden Klassen sind, weil sie die Interessen des Kapitals und der Kapitalisten vertreten. Diese kapitalistischen Kreise(Groß- grundbesitz und Großindustrie) hatten aber vor der Revo- lution, also auch während des Krieges, die Staatsmacht in Händen und sie möchten sie um jeden Preis wieder haben. Darum machen sie derArbeiterschaft vor den Wahlen Versprechungen, die sie nicht erfül- lenkönnenundauchgarnichterfüllenw ollen. Das haben wir vor den Wahlen von 1920 erlebt. Sämtliche bürgerlichen Parteien: Demokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei und D e u t lch n a t i o n a l e Volkspartei führten den Wahlkampf für die freie Wirtschaft, d. h. für Aufhebung der letzten Rationierun- gen und staatlichen Sicherstellung von Lebensmitteln und Be- kleidung. Sie versprachen damals, daß bei freier Wirtschaft alle Rot vorbei sein würde, daß jeder wieder kaufen könne, soviel er wolle und daß darum jeder wieder Arbeit haben würde. Und die Wählerschaft, vor allem die Frauen, folgten diesen Lockungen. Sie wählten die Deutsche Volkspartei oder gar die Deutsch- nationale Volkspartei und schwächten da- durch die Arbeits Möglichkeit der Sozial- demokraten im Reichstag. Der Rest der Zwangs- bewirtschaftung wurde gegen den Willen der Sozialdemokratie aufgehoben und die Folge war, daß bei der Knappheit der Waren die Preise stiegen und stiegen. Gleichzeitig wurde von der bürgerlichen Mehrheit im Reichstag eine Außenpolitik geführt, die die Verständigung mit unseren Kriegsgegnern auch nun, nach dem Kriege, immer von neuem erschwerte. Das Vertrauen zu Deutsch- land siel immer mehr und mit diesem Vertrauen fiel der Wert unseres Geldes. Da keine Familie der Arbeiterschaft und des kleinen Mittelstandes mit dem geringen Einkommen auch nur das Notwendigste an Lebensmitteln und Kleidung noch kaufen konnte, verringerte sich auch die Arbeitsmöglichkeit immer mehr. Und so kamen wir wieder in die furchtbare Hungersnot der letzten Kriegsjahre: Kleider und Wäsche zer- lumpten und Tausende verhungerten und verkamen. Also genau das Kegenteil des Versprochenem trat ein. Und nun heißt es:„Das ganze Elend hat euch die Revo- lution und die sozialistische Regierung gebracht". Nein, nicht die Revolution, nicht die Sozialdemokraten, sondern der Krieg mit seinen Folgen und die verkehrte Politik der bürgerlichen Parteien nach innen und nach außen tragen Schuld an den, schlimmsten Elend. Aber diese verhängnisvolle Politik in Deutschland wurde ja erst möglich durch den Ausfall der Wahlen von 1S20. Und auch die putsche der Hitler und Ludendorsf, die der deutscheu Republik in der Welt wieder so geschadet haben, wurden erst möglich, weil das deutsche Volk sich eine Mehrheit in den Reichstag gewählt hatte, die nicht fest und stark zur Republik stand, sondern immer wieder rückwärts liebäugelte mit der „verschwundenen Macht und Herrlichkeit" der oavongelanse- nen Hoheuzollern. Wie aber war es möglich, daß die Masse des Volkes so wählen konnte? Sie folgte lediglich dem Gefühl der Unzu- friedenheit und Verbitterung, weil in Deutschland V/n Jahre nach dem Kriege das Leben noch nicht wieder in" solchen Bahnen lief, wie vor der großen Verwüstung. Sie wähle so. weil sie den Versprechungen der bürgerlichen Parteien auf ein gutes Leben rmter der freien Wirtschaft blind glaubte, ohne zu überlegen, daß dse Erfüllung des Versprechens bei den Lasten, die uns die Kriegsverwüstung und der Friedens- vertrag des verlorenen Krieges auferlegt haben, gar nicht möglich war. Es fehlte der Masse der Wähler- schaft 1920 an U eberleg ung und politischer Reife. Soll es nun wieder so komme!: oder gar noch schlimmer? Soll in Zukunft eine bürgerliche Mehrheit in, Reichstag Gc- setze machen können, die alle Lasten auf die Schultern der arbeitenden Massen legen und sie ihrer letzten Rechte berau- den? Soll eine Politik gemacht werden können, die uns noch schlimmeres bringt als das Ruhrabenteuer mit seinen furcht- baren wirtschaftlichen Folgen? Soll das entsetzliche Spiel von neuem beginnen, so wie die Deutsch völkischen und die Dcutschnationalen es wollen: neuer Krieg und Bürgerkrieg mit allen Elends- u n d Hungerfolgen? Oder soll es werden, wie die K o m m u n i st e n es er- streben: Weltrevolution mit allen blutigen Schrecken für Deutschland, wie Rußland sie durchlebt hat, um eine Diktatur aufzurichten, die sich wieder nur durch brutale Gewaltanwen- dung behaupten kann? Dieser Weg wäre derselbe wie jener der Hitler und Ludendorff. Mütter, Frauen, Mädchen, geht als tlar überlegende Menschen an die Wahlurne. Nicht der Verbitterung des Augenblicks sollt ihr Ausdruck geben. Ihr alle seid mit oer- antwortlich dafür, wie sich Deutschlands, das heißt auch euer und eurer Kinder, Geschick entscheidet in den nächsten vier Iahren. Jhrmüßteuchklarsein.daßkeinncuer Krieg uns helfen kann. I h r m ü ß t e u ch f ü r d i e Politik der Verständigung und des sozialen Aufbaus entscheiden. Und diese Politik führt unbeirrt nur die Bereinigte Sozialdemokratische Partei. Das Schwert'unü öer Pflug. Bon MinnaToden Hagen. Auf einem Felde lagen ein Schwcri und ein Pflug beieinander. Das Schwert hatte einem iReitei gehört, der siel in der Schlacht, die auf dem Felde tobte. Der Pflug war von seinem Besitzer zurückgelassen worden als er entfloh, du aus dem Ackerfeld ein Schlachtfeld wurde. Schwert und Pflug sehnten sich nach Tätigkeit und kamen dar. über ins Gespräch. Das Schwert hielt den Pllug für einen Käme-: I. vor der Wahl: »U'eine Damen» in Ihren hänöen liegt Sas Schicksal unseres geliebten kapitalistilchen Vater- lanöesl Darum wählen Sie bitte ontimarxistisch-nationall" raden. 5)ochinütlg Hub es zu prahlen an-„Ich war die zweite chand meines Herrn, durch mich tötete er ein Dutzend Feind« oder mehr mit einem Streich, ich erwarb ihm den Orden Pour 1c merite. Wem dientest du, bekamst du auch einen Orden?" Dem Pflug schauderte es- Bescheiden antwortete er:„Auch ich war meines Herrn zweite Hand. Wenn er mich führte, lockerte ich die Erde des Feldes� Zlxj ein Dutzend Furchen oder mehr aus ein« mal, da hinein streute mein Herr Saatgetreide, das wuchs und nährte die Menschen." „So bist du ein arinseliger Ackersknecht und hast nickst Teil an der Menschen höchstem Ruhm," sagte das Schwert,„pfui, wie ge« wohnlich!" „Ich weih nichts von Ruhm," sagte der Pflug,„ich weiß nur vom Segen der Arbeit, der die Menschen glücklich macht." „Weiht du." sagte das Schwert,„ob die Menschen glücklich sein wolle»?" „Ich weiß nicht," sagte der Pflug,„ob die Mensche» glücklich seilt wollen, ich weiß mir, daß sie es sind, wo ich mein« Spuren ziehe. Du aber bringst Tod und Grauen über sie" „Und doch," sagte das Schwert,„schätzen die Menschen mich mehr als dich." „Ich kann mir nicht denken," sagt« der Pflug,„daß die Menschen ihre Mörder lieben." Zwei Wanderer kamen des Weges, sahen das Schwert, hoben es auf, bewunderten es, gewahrten unter dem Handgriff die An- fangsbuchstaben eines adligen Namens, bezeichneten es als einen wertvollen Fund, würdig, als Zeichen einer ruhmreichen Zeit in «lnein Museum aufbewahrt zu werden und nahmen es mit. Den Pflug aber würdigten sie keines Blickes. Das Schwert schnitt dem Pflug eine hämische Grimasse, der aber versank vor Trauer über die Torheit der Menschen in die Erde. verteidigt Eure Ehre! Frauen und Mädchen de» arbeitenden Volkes! Unsere„E d e l st e n und B e st e n der Ratio n", die Herren von„Bildung" und Besitz haben sich immer mit allen Mitteln gegen die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts gewandt. Zllle Anträge der Sozialdemokraten, den Frauen und Mädchen vom 20."Lebensjahre ab das Wahl- recht zu geben, wurden in den Parlamenten der Borkriegszeit von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Als im Nm>ember 191L der alte Obrigkeitsstaat infolge seiner Sünden und Fehler zusammenbrach, waren es die sozialdemokratischen Nolksbeoustragten, welche auf dem Per- ordnungswege den Frauen und Mädchen das Wahlrecht zuer- kannten. Seitdem die Frauen das paffire und aküve Wahlrecht besitzen, werben gerade die reaktionären Parteien um die Gunst der weiblichen Wähler, sehen sie in den wahlberech- tigten Frauen das Stimmvieh. Mit Lügen und Verleumdungen gemeinster Art unter- nehmen die nationalen Parteien angesichts der bevorstehen- den Reichstagswahlen den Versuch, die Wählerinnen gegen die Sozialdemokratie aufzubringen. Die Reaktion will die weiblichen Wähler einfangen! Dieselben Frauen und Mädchen, die bürgerliche Sitten- Heuchler im Vergleich zum männlichen Geschlecht als minder- werug bezeichneten. Heute sind die Frauen dazu gut genug, in die Wählerschar der bürgerlichen Parteien Aufnahme zu finden, damit mit Unterstützung der Frauen die Reaktion ihre brutalen Pläne verwirklichen kann Das darf nicht sein? An, 4. Mai, de», Tage der Reichstagswahl, müssen alle wahlberechtigten Frauen und Mädchen der Neaktivn eine Absage geben. Ein S-'eg der Reaktion gefährdet die politische Gleichberechtigung des weiblichen Gefchiechts! Wie in Wirklichkeit nationale und völkische Führer die Bedeutung unserer Frauen einschätzen, dafür fei den Wähle- rinnen ein Beweis erbracht. In feinem Buch„Der große Krieg in Feld und Heiinai" schreibt der Putschist Oberst Bauer über unsere Frauen und Mädchen wie fo'gt: „Insonderheit hat die Frau nicht das geleistet, was sie hülle leisten können Lo'e.n sie nicht durch die Ks! da,» getrieben wurde oder die sich biekende pekuniäre und sonstige, iiamertlich sexuelle Uu- obhängigk it sie lockte, blieben sie in Scharen der Arbeit'fern. Die Gesomlleisturg der Frau ist gualitatw und guantitaiiv hinler d-n Envarlunz-n zurückzei lieben, genau wie in den andern Ländern. Die von der V rnfslätigkeit von der Familie emawipierle Frau zeitigte oder noch weitere Schattenseiten. Die allgemeine liloro! sank zusehends. und D rgnilgungs- und G nußsnchi blühte, die Mode wurde immer ex ranaganter, beroussocdernder, und wer iu jener Zeil abends durch die Großstädte ging, konnte deu Ekel vor dein Volk, besonders den Iuden und den Weibern bekommen." So urleilt einer der während des Krieges bedeutendsten Offiziere im deutschen Eeneralstab über die Leistung der Frauen und Mädchen. Reben der großen Sorge um die An- gehörigen in, Felde wurden die Frauen nunmehr noch mit IL Nach öer Wahl: »Wir brauchen Soldaten, um den Sozialismus niederzuzwingen. Velber haben in der Politik nichts zu suchen. Scheren Sie sich an den Kochtopf! hinaus mit Ihnen!" (bjott und Hohn belegt, geradezu aufreizend und beleidigend inuß aber das Urteil des Obersten Bauer für die Frauen fein, wenn er an anderer Stelle(Seite 156) im Abschnitt seines Buches sagt: ..So kehrten viele Ehemänner vom Urlaub gcjchlechtskrank zurück, die eigene» Aroucn waren die Schuldigen. Lei den traver- heirakeien Männern war es noch ärger. Der Mangel an Männern einerseits, die infolge der Berufsiüligrcit gröhere persönliche Areiheit der Frauen anderseits, nnd die geringe Aufsicht durch Gatten und Väter, trieben gerade dos Weib zuni„Sich-Ansleben". Die verführt?» Männer— sie waren es talsächlich— muhten dos Geld schaffen, und so stieg wieder dos Schieber- und Wucher- »vesen, ein wahrer circr.ms vitiostis."(Fehlerhafter Kreislauf.) Das ist das Urteil eines Offiziers über die Frauen, der neben Generai Uudendorü in der zweiten Hälfte des Welt- krieges die verantwortliche militärische Leitung auf deutscher Seite hatte., Die Frauen und Mädchen des Proletariats, die wäh- rend des Krieges bei inangslhaster Ernährung in den gefähr- lichen Waffen- und Munitionsfabriken Arbeit nahmen, um für die Familie das bißchen Geld für Kriegsbrot und Kohl- ruben zu verdienen, werden von einem Offizier beschimpft, Welcher bald nach dem Zusammenbruch ins Ausland flüchtete und mit Hitler und oll den anderen Hachverrätern gegen die Republik und Arbeiterschaft konspirierte. Frauen und Mädchen des ProletariatsI Denkt ain Wahl- tag an die Beschimpfungen Eurer Ehre durch diesen völkischen Rohling. Laßt Euch durch keine Versprechungen ein- fangen. Wählt nur die Sozialdemokratische Partei, die stets für Eure politische Gleichberechtigung eingetreten ist und nach wie vor Eure Rechte verteidigt! Die„gute aste Zeitl� Zu diesem Thema schreibt Genosse Pfarrer Franke: Mitte Februar geleitete ich aui den Friedrich-Werder- Kirchhof einen 7yjährigen Maitik zu Grabe. Er war seines Zeichens Steindrucker gewesen. In diesem Beruf, der mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden ist, Hai. er 57 Jahre ununterbrochen im Dienst ein und derselben Firma gestanden, einer größeren Steindruckerei in Neukölln. Ais der Krieg begann, wurde er entlassen, ohne jede Pension oder sonstige Vergütung. Anspruchslos und bescheiden, wie er war, nahm er es ohne Murren hin. obwohl er zu Haus« eine seit 11 Jahren gelähmte Frau liegen halte. Er hat dann noch während des Krieges als Steindrucker bei anderen Firmen Arbeit gesucht und gesunde», bis es nicht mehr ging. Die Liebe und Anhänglichkeit seiner Kinder bewahrte ihn vor Not und Entbehrung und hat es zuwege gebracht. daß dieser Mann bis zu seinem 80. Lebensjahre unverbittert blieb. Dabei hat er während seiner 57jährigcn Tätigkeit bei der einen Firma nicht einmal Urlaub gehart; er ist nie krank gewesen! Und wenn er aus Anlaß der Konfirmation feiner Kinder je einmal einen Tag von der Arbeit wegblieb. hat er sich müssen einen Lohnabzug dafür gefallen lassen. Arbciterschicksal in der wilhelminischen Aera!' Daß eine neue Weit erstehen folt. Es mar zum erstenmal, daß ich ein Gefängnis betrat, letzten Wcihnachtsheiiigabend mittags, in strenger, hoffnungslos nüchterner, klarer kälte. Wir hatten Geld gesammelt und eingekausl, Wäsche,' warme kleituugsstücke. Büchsenmilch. Aiit ihnen sollte den TtläU lern, die sich mit ihren kleinen Kindern im Gesängnis befanden, eine Wcihnachtsfreude bereitet werden. Das Entgegenkommen der Oberin ermöglichte eine sreundliche Anordnung der Gaben aus dem langen Ti'ch eines gulausgestattcken Konferenzzimmers, in dem dann die Mütter mit ihren Kindern erschienen, vielleicht war dies« kurze Spanne Zeil, in der sie von dem warmen Behagen eines ge. fälligen Raumes umfangen waren, die einzige in den Feiertagen, die eine weihnachtliche Siinimung minutenlang in ihnen aufkommen ließ. Und vielleicht waren die Tränen, die sie hatten, gar nicht nur der Ausdruck einer Rührung, daß man ihrer kleinen Kinder gedacht, daß man sie und in ihnen die Mütter beschenkt hatte, vielleicht ivaren sie weil mehr noch der Ausdruck einer nicht bewußt ge� wordenen� aber im tiefsten leidenden Traurigkeit, ausgestiegen au» dem Verlust des früheren Paradieses, das einmal im Ansang Zeder Mensch ha.te, und aus der Lcbensangsl. die keinen hellen Weg vor sich sah. Es gibt nichts, daß mehr erschüttern und trostloser wirken könnte, als das stumme Weinen dieser jungen, unehelichen Mütter. Denn das waren sie ausnahmslos, und durchweg, wie ich erkundete, wegen Eigenlumsvcrgehcn verurteilt. Eine halte einer Kollegin ein Kleid entwendet, die andere ihrer Arbcilgeberin Wäsche weg. genommen, um die notwendigen Sachen für das erwartete Kind daraus zu machen, eine dritte halte sich Geld angeeignet, denn ihr Kind befand sich bei der Großmutter in Pfleg? und sie nv-stt« zahlen.— Es ist ein Abgrund von Trauer. Gerade die letzten Jahr« ♦nK der jchreckl'chen Geldeulweriuug. die besonders die Löhne der Hausangestevien in ihrer Kaufkraft fast gänzlich vernichleie, muhten dt« iu einzelnen Zöllen hier gezeichnete Not onerhörl steigern. Wer ist nun schuld? Doch nicht die armen jungen, hilflosen, schwachen Opfer, sondern der Irrsinn einer Wirtschofts- und Gesellschaflsform. die diese unglücklichen Opfer schafft. Hätten diese jungen Mädchen genug verdient, hätten sie verständigen Rat. menschliche Teilnahme gesunden, sie wären nicht Bemakelte, Gefangene geworden. Und dieses eine Bild aus einer unendlichen Reihe, dieser kleine Ausschnitt aus einer Welt menschlichen Leide», tiefsten Elends, zertretener Menschenwürde sollte schon genügen, die Frauen, Mütter und Schwestern zu verantwortungsbewußten, unermüdlichen Arbeite- rinnen kür eine freie, schSae, neue Welt für alle zu machen. Wilson über öie Zrauen. Awei Aussprüche aus der Zeil der Waffenstivstands- Verhandlungen. ..Die Mitarbeit der Frauen an der Lösung der großen Probleme der Nachkr-egszoit ist geradezu brennend nötig. Ick) glaube, daß unsere gegenwärtig so stürmische Loge und ein besseres Berständnis für die oesellschoftlichen Aufgaben der Zukunft von d.'r direkten Mitarbeit der Frauen in unseren Rats- Versammlungen abhängt. Wir bedürfen ihres starken sitt- ll i ch e n Gefühls zur Wahrung dessen, was gut. schön und würdig in unserer gegenwärtigen Lebensform ist. Wir brauchen es aber auch, um zu e: tdecton. was zu säubern und zu verbessern ist. Ohne ihre Ratschläge wären wir nur halb weise/ „Der aufrichtige demokratische Wiederaufbau der Welt, für den wir kämpfen und den wir um jeden Preis zu vollenden ent- schlössen sind, wird nie ganz und gesund geschaffen werden können, bis nicht den Frauen das St'mmrecht erteilt worden ist. Erst durch dies« Reform w-rden nach meiner Meinung die Dölku der Welt für ihre kommenden Generationen di« moralische Macht der öffentlichen Meinung und die Stoßkraft der »dien menschlichen Fähigkeiten zur Auswirkung bringen können." Lies und Senke! Arbeike an deiner Aufklärung und Wellerbildung. Entschuldige dich nicht mit dem Mangel an Zeit. Wenn die klassenbewußte Arbeiterschaft mit ihrer Aufklärungsarbeit hätte warten wollen, bis sie„Zeit" dazu hat, so würde sie niemals aus dem Elend der Gegenwart herauskommen. Wohl ist es nicht leicht, der kapitalistischen Ausbeutung das bißchen an Zeit abzustehlen, das nötig ist, um zu einem brauchbaren Kämpfer im Befreiungskämpfe der Arbeiter zu werden Aber diese Zeit muß erübrigt werden. Und auch du mußt bei all deiner Arbeit und Plage nacb soviel Zeit frei- machen können, um dich nach deinen besten Kräften in die Gedanken- weit und die Anschauungsweise des kämpfenden Proletariats hinein- zuarbeiten. Das ist nötig nicht nur für dich als die vom Kapitalis- Mus doppelt ausgebeutete Lohnstlaoin, dos ist auch nötig für deine wichtig« Ausgabe als Mutter, als Erzieherin deiner Kinder. Du kannst in deinen Kindern nicht die Gedanken, Anschauungen und Gesinnungen erwecken und pflegen, die einem zukünftigen brauch- baren Kämpfer geziemen, wenn du nicht selbst von der hinreißenden Gewalt, von der Richtigkeit und Unübertrefflichkeit dieser Gedanken und Gesinnungen durchdrungen bist. Wohl brauchst du nicht un- bedingt eine gründliche Kennerin des wissenschaftlichen Sozialismus in allen seinen Einz?lheiten zu lein, obwohl es sehr wünschenswert wäre: aber bedingungslos« Hingabe an die Weltanschauung des Pro- letariats, Liebe und Verständnis für die hohen Ideal« des Soziolis- mus sind notwendig, wenn du ein« gute proletarisch« Mutter sein willst. Darum bekümmere dich um das politische Leben, sprich mit deinem Mann« darüber, lies täglich das Arbeiterblatt, lies auf- klärende Bücher, besuche Borträge, durch die du dein Wissen ver- mehren kannst. Dann wird sich dein Gesichtskreis von Tag zu Tag erweitern, und du wirst auch von Tag zu Tag eine bessere Mutter deiner Kinder. lA», Heinrich Schulz,„Di« Mutt«r al» Erzi«h«rt»",) Liebe und Dogma. In Oesterreich ist der 8 144 des Strafrechts das. was in unserem deutschen Strafgesetzbuch die 88 218 und 2IS bedeuten. Auch dort spielt die Unterbrechung der Schwangerschaft ein« soziale Rolle. Das sozialdemokratische Blatt„Die Frau", Wien, schreibt zu diesem Kapitel: „In den Gefängnissen fitzen Hebammen im Kerker, weil st« Frauen durch verbotene Eingriffe vor der Mutterschaft bewahrt haben. Andere Frauen, denen es nicht gelungen ist, jemand zu sin- den. der ihnen den verbotenen Eingriff macht, werden zu Mörde- rinnen an ihren neugeborenen Kindern, weil sie vor der Tatsache stehen, daß sie mit dein Kind am Arm keine Arbeit finden, das Kind aber nirgends untergebracht werden kann, ohne enffprechende Be- zahlung Di« Väter der Kinder entziel>en sich noch immer nur allzu oft der Verantwortung, die sie den Müttern tragen helfen müßten. Immer wieder wiederholt sich das Drama nicht nur der unehelichen, sondern auch der ehelichen Mütter, die weder Nahrung noch Linnen, noch Obdach für das arme Wesen haben, das so ungewünscht und ungelegen in dies« grausame Wett kommt. Der Generalstaotsanwalt macht Aerzten und Anstalten zur Pflicht, jeden Fall von Schwangerschaftsunterbrechung zur Anzeige zu bringen wenn auch nur ein entfernter Verdacht besteht. Im Franz-Josefs-Spital aber hat es sich ereignet, daß geistliche Schwestern sich geweigert haben, den Aerzten Hilfe zu leisten bei der Operation an einer Frau, deren Leben nur so gerettet werden tonnt«. Die be- treffenden Nonnen hatten den Austrag von ihrer klösterlichen Vor- gesetzten, die Hilfe zu verweigern, wenn es sich um eine Schwanger- schaftsunterbrechung handelt. Das bedeutet nichts weniger, als daß man die Mutter bewußt dem Tode ausliefsrn will, um das Dogma zu retten...." Soziales Denken! Leben heißt kämpfen mit Sorgen und Not Leben beißt Schaffen ums tägliche Brot. Leben heißt Bingen fürs Menschentum Lear uns verachten äußeren Buhm. Sind die Zeiten auch hart und schwer Jeder gebe sein Bestes her! Barum soll einer den andern stützen— Keiner soll fremde Kräfte nützen! Alle gemeinsam durch Sorge und Not— Bann winkt der Zukunft Morgenrot! Zda vratke. Die Joröerung öes Tages ist: Allle Frauen wählen am 4. Mai die Lifte der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei! Alle Frauen schließen sich der Vereinigten Sozialdemokratische», Partei an! Alle Frauen abonnieren den„Vorwärts". Beitrittserklärung. Hiermit erkläre ich meinen Eintritt in die Vereinigte Sozialdemokratische Partei(Bezirk Berlin, Abtlg--) An Beiträgen cniricbte ich: Eintrittsgeld 1 Wochenbeiirag Wochenbeiträge männl. 20, iveibl. 10 Pf, Sa._ M. den_ 1924 Vor- und Zuname: geb. am__ Staatsangehörigkeit: Wohnung: ü" /VVVVVVVXVVVVV Ich abonniere den„Vorwärts" mtt der Illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltung»- beilage„Heimwelt" und der Beilage„Frauenstimme" in Groß Berlin täglich zweimal srei ins Hau». Name-- Wohnung: -Straße Nr. .(©ei 6;c Ausnahme P lehr eewlln'cht, dag anker dem E>n'rin-><>e!d ;•~ die'Bea.äge für einen Monat[4 fflixfim] gcrahv werde! •�wvv mindestens u) vorn- Ho!— Ouergeb.— Seil nsi.— Tr. links— rechts bei