9. November 9 November Blätter zum Reichstags-Wahlkampf— z««. M iollt OM»es lies! Frauen. Ihr sollt gedenken des Tages, der Euch in daS politische Leben rief! Nach langen Todesnächten ein Tag deS Lebens... für Euch, für die Menschheit... durch Euch Frauen... Grau drängen sich die Schatten des Alltag», Sorgen umS tägliche Brot, zwischen Euch und dem Glanz jeneS Tages, den wir mit dem N. November festlich begehen! Ihr sollt gedenken in Eurem Leid der Schuldigen am Weltkrieg, dem die Revolution ein Ende machte. Ihr sollt gedenken der Schuldigen auS dem Äause Äohenzollern. Einwandfrei festgestellt ist die Schuld Kaiser Wilhelms». Neueste Veröffentlichungen des ehemaligen Staatssekretärs und Vizekanzlers, Äans von Delbrück in seinem Buch„Die wirtschaftliche Mobilisierung Deutsch- lands" besagen: Im Oktober haben»vegen seiner Schuld am bevorstehenden Zusammenbruch die Deutsch» nationale« Wilhelm II. davonjage» wollen. Ihr sollt gedenken der anderen Schuldigen, die spielten, wie Ludendorff spielte mit Eurem Schicksal. Zu seiner Schuld stellt Äans von Delbrück in dem oben erwähnten Buche fest: daß, als Ludendorff Ende Oktober sofortigen Waffenstillstand unter Augebot eines Friedens ohne Sieg und Eroberungen forderte, diese Fordening einer Kapitulation(Aebergebung an den Feind auf Gnade oder Ungnade) gleichkam. Das ist Beweis für Ludendorffs Schuld am Friedens» vertrag von Versailles. Daran sollt Ihr denken, wenn Ihr den Fortgang der Revolution beurteilt. Ihr sollt gedenken der Tapfere« des Proletariats, der Sozialdemokraten. Nach dem Zusammenbruch, aus dem Wilhelm ll. und Ludendorff davonliefen, war es die Sozial- d e m o k r a t i e, die als einzigste Partei den Mut hatte, an aufbauende Arbeit zu gehen. Die Sozialdemokratie wird in ihrer ans- bauenden Arbeit seit der Revolution gestört durch die Schuldigen au Not und Elend aus verlorenem Krieg. Ihr sollt gedenken des Tages, der Euch in das polt» tische Leben rief mit dem Entschluß: Das Frauenwahlrecht soll der Weg zu Bölkerverständignng und Frieden und damit zu Arbeit und Brot für alle fein! Durch Völkerverständigung zum Frieden! Da» ist die Parole der internationalen Sozialdemokratie. Getreu dieser Parole haben englische, französische, schwedische, dänisch« Sozialdemokraten, zu Einfluß gelangt, die ersten Schritte zur Verständigung im Völkerbund angebahnt. Eine starke deutsche Sozialdemokratie ist Borausfetznng für Fortentwicklung des Verstäudigungsgedankens unter den Völkern. Dessen sollt Zhr gedenken im Wahlkampf: Frauen. Snrr Partei ist die Sozialdemokratie Zum 9. November! Eine Welt versank am S. November 1918: eine neue erstand. Aber noch immer, auch nach K Iahren, sehen wir nur ihre Umrisse, und manchmal will es uns scheinen, als seien diese Umrisse, die einst klar aus Blut, Tod und Verwüstung sich zeigten, verschwommen geworden. Als sei das Ganze fast nur noch ein Gebilde unserer Hoffnung. Aber es scheint nur so. Denn eins steht klar in diesem nebelhaften Weltbild: die Deutsche Republik! Daß es schwer ist, eine Revolution durchzuführen, hat uns die Geschichte der großen französischen Revolution von 1797 und der deutschen Volkserhebung von 1848 gelehrt. Wie schwer es ist, mußten wir selbst erfahren. Als vor 6 Jahren die Monarchie in Deutschland zersplitterte wie faules Holz, als es den durch 4)4 Kriegsjahre seelisch und wirtschaftlich in den Zusammenbruch getriebenen arbeitenden Massen gelang, dennoch aus dem Trümmer- Haufen den neuen Staat, die Deutsche Republik, zu errich- ten, da ging ein Ahnen von einer Kraft durch die Welt, wie die Menschheit sie noch nicht erlebt hatte. Mit einer Ruhe und Selbstverständlich- keit, die etwas Ueberwältigen- des hatte, bot ein zertretenes Volk am Rande des Abgrun- des der herrschenden Willkür Halt. Trotz der Stürme, die das neue Reich von außen um- brausten und innen erschütter- ten, wutde es durch eine Ver- fassung gefestigt und verankert. Das Gebäude stand und stehtl Aber die es fertig- bauten, waren nicht mehr die- selben wie die Grundstein- leger. So könnte es nicht in der großen freien Linie des Grundrisses aufwärts geführt werden. Der Innenausbau unserer Republik litt unter der Notwendigkeit, den Schutz der Staatsform gegen rechts und links in den Vordergrund stellen zu müssen.— Unge- Erwachtl Ihr Völker! Strebt empor zum Lichte! Der freien Menfchheit freie Bahn! Die(chwarze Binde reißt vom Angeflehte, Z e r m a l m t die Lüge und den Wahn! Verlacht, Was ihr im Stumpffinn lang bewundert; Die morfch geword'ne Form zerbrecht 1 Errichtet für das kommende Jahrhundert Ein Heiligtum dem Menfchenrecht! In reinen Flammen(chmiedet Den Gedanken, Zu hohem Werk des Hammers Stahl, Und auf den Tempeln, Die in Schutt verfanken, Baut Throne neuem Jdeall heure Lasten waren aus den, Kriege erwachsen. Die Wirtschaft war die ganzen Jahre voll- kommen auf den Kriegsbedarf eingestellt und dadurch ausge- höhlt worden: die große Masse des Volkes, alle Arbeitenden unterernährt, verelendet. Fast eine Million Menschen, die bis 1914 als werteschaffende im Wirtschaftsleben standen, müssen jetzt als Opfer des Krieges vom Staat erhalten, Millionen Witwen und Waisen, die den Ernährer verloren, müssen ver- sorgt, die aus der Heimat Vertriebenen entschädigt werden. Dazu kommen die Verpflichtungen aus dem harten Friedens- vertrag des verlorenen Krieges, die erfüllt werden müssen bis an die Grenze des Möglichen, obwohl durch denselben Friedensvertrag reiche Gebiete deutschen Landes verloren- gingen. Es ist notwendig, sich das alles wieder vor Augen zu halten, wenn wir gerecht bleiben wollen in der Beurteilung dessen, was durch die Revolution erreicht und nicht erreicht worden ist. Denn wenn es trotz dieser schweren Belastungen möglich war, die soziale Gesetzgebung auszubauen und damit die Arbeitenden, aber auch die Schwachen anders zu schützen, als es das kaiserliche Deutschland tat, so ist das ein Fortschritt. der nur möglich wurde, weil die Sozialdemokraten durch die Revolution zu einem anderen Einfluß im Staate gelangt sind. Vor dem Kriege und bis zur Revolution gab es kein ge- setzliches Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im Betriebe, gab es keine Crwerbslosenfürsorge, keine allgemeine Iugendwohl- fahrt, keine allgemeine gesetzlich« Wöchnerinnenhilfe- und -fürsorge. In Kulturfragen hatte die große Masse des Volkes gar nicht mitzureden: erst in der Republik ist den Eltern ein wesentlicherer Einfluß auf die Schule und damit auf die Er» Ziehung ihrer Kinder durch die Schule eingeräumt worden. Das alles ist viel und wenig zugleich. Hätte das deutsche Volk bei den Wahlen zu den bisherigen Reichstagen den So- zialdemokraten eine größere Machtfülle gegeben, ihre Stellung im Staate und in der Gesetzgebung gestärkt, dann wären wir heute weiter auf dem Wege zur sozialen Republik. Am 7. Dezember wird das mündige Volk nun wieder zu r M i te n t s ch e i d u n g an seinem Schicksal aufgerufen. Es soll bestimmen, ob der Weg der Verständigung mit unseren ehe- maligen Kriegsgegnern weitergegangen werden soll, auf dem durch die Annahme des Dawes-Gutach- tens nach dem Willen der Sozialdemokra- tie der erste Schritt vorwärts getan ist: ob durch diese Politik die Lasten des Friedens- vertrage? endlich erleichtert werden sollen, oderobDeutfch- land die Erfüllung und Verständigung verweigern und die Gefahr neuer Be- setzung deutschen Lan- des, neuer Inflation und schließlich eines neuen Krieges herauf- beschwören soll.— So stehen die Dinge. Das ist keine Uebertreibung. Vor- wärts geht es nur, wenn die Masse der Wählerschaft, wenn vor allem die Frauen am 7. Dezember sich entschlossen zur Republik durch die Stimmabgabe für die sozialdemokrati- sche'Liste stellen.- Werden die nationalistischen Parteien: die Deutsche Volks» Partei, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutschvölkische Freiheitspartei oder die Kommunisten durch den Ausfall der Wahlen zu größerem Einfluß gebracht, dann wäre das Schicksal der Masse des Volkes besiegelt. Die„gepanzerte Faust", die unsere Rechte niederhielt, die uns das 4)4jährige Elend des Krieges brachte, würde von neuem regieren. Schaudernd sehen wir den Weg zurück. So darf es nicht wieder kommen! Verhindert es am 7. Dezember. Das ist die ernste Mahnung des Gedenktages der Revolution. Clara Bohm-Schuch. Revolution. Wie eine Brauk am Hochzeitstage, so ist ein Volk, das sich erkennt: wie rosenrot vom heißen Schlage vom Liebespuls Ihr Antlitz brennt! Zum erstenmal wird sie es inne, wie schön sie sei und fühlt es ganz: So stehet in der Areiheilsminne ein Volk mit seinem Siegeskranz. G ottfried Keller. Heimarbeiterinnen an die Iront! Wo bl«b«n die Fachausschüsse für Heimarbeit, die in den Orten und Bezirken und für die Berufe, in denen unzulängliche Löhn« «zahlt lverden, günsiigene Löhne festsetzen und Über die Arbeitgeber Bußen verhängen können, die sich nicht danach richten? Bielen ach nur allzuvielen Heimarbeiterinnen weichen unzu- längliche Löhne gezahlt: Löhn«, die ihnen trotz langer und harter Arbeit kaum das trockene Brot geben. Wo bleiben die Fachaus- schüsse, die da h eisen soll«,, daß besser« Löhne gezahlt werden? Es find doch seit d«m Tage, wo der einstimmig vom Reichstage gefaßte Beschuß in Kraft getreten ist(1. Juli 1923), bereite mehr als l�i Jahre oergangen Als Antwort aus di« Frag« diene solgcndes: Seit über einem Jahre streiten sich die R«ichsr«gierung und die Regierungen der Länder darum, wer die Kosten sür d!« Fach- ausschüsse aufbringt. Es handelt fich um einen nur geringen Betrag und es ist auch nicht die Höhe der Summe, um die der Streit geht. Dieser geh« einzig und allein um den Grundsatz: wer trägt die Kosten, das Reich oder die Länder oder beide. Der Streit geht also um Staatshoheitsrechte. Die Notlage so unendlich vieler Heim- arbeiterinnen, denen di« Fachausschüsse Hilfe bringen sollen, spielt für diejenigen, di« über Staatshoheitsrechte streiten, keine Rolle. Dabei handelt es sich doch um einen einstimmig gefaßten Reichs- togsbeschluh. Die Instanzen, die zur Ausführung von Parlmnentsbeschlüsien berufen sind, wurden sich mehr darum bemühen, den Reichstags- befchtuß vom 1k. Juni v. I. auszuführen, wenn sie wüßten, die Heimarbeiterinnen, di« er in der Hauptsach« angeht, kummern sich darum, wi« von den Regierungen wichtige Arbeiterinteressen ge- wertet werden. Der Reichstagsboschluß vom 16. Juni 1923 ist sicher beeinflußt worden von der Rücksicht aus di« mit kheimarbeit ihren Lebens- unterhalt erwerbenden Wählerinnen. Im Jahre 1911, als es noch kein Frauenwohlrecht gab, stimmten mit Ausnahme von drei bürger- lichen Abgeordneten sämtlich« bürgerliche Parteien des Reichstages geschlossen gegen den Antrag der Sozialdemokraten, Fachausschüsse mit dem Rechte der Lohnfestsetzung für Heimarbeiter zu schassen. Im vergangenen Jahre durften sie sich das nicht mehr«rlmiben. Sie hätten sonst den Sozialdemokraten Wählerinnen zugeführt. Seit dem Juni 1923 aber haben wir die große Not der In- slationszeit erlebt. Sie hat die Menschen, und namentlich die Frauen der besitzlosen Beoölkerungsfchicht, zur Berzweiflung ge» bracht. Di« Zeit der großen Not ist von den Bevölkerungsschichten und politischen Parteien, d!« früher die Macht in Händen litten. dazu ausgenutzt worden, die Bevölkerung g«gen die neue Staats, form und gegen die Sozialdemokratie aufzubringen mit der Absicht, ihre seit dem November 1918 eingeschränkt« Macht wieder zurück» zuerobern. Das ist ihnen zum Teck gelungen. Auch viele Frauen haben durch ihr Berhalten dazu beigetragen, daß der Einfluß der Sozialdemokraten in den Parlamenten und in den Verwaltungen von Reich und Ländern geringer geworden ist. Auch viel« Heim» arbeiterinnen haben bei der Reichstagswahl am 4. Mai d. I. ihre Stimme abgegeben für deutschvölkisch«, deutschrationale oder andere reckstsstehende Parteivertreter oder für Kommunisten. Jetzt haben diejenigen Parteien wieder den ausschlaggebenden Einfluß, die sich niemals um Arbeiterinteresien ernsthaft bemüht haben, und es ist kein Wunder, daß bis heut« der Reichstagsbeschluß vom 16. Juni 1923 noch nicht ausgeführt worden ist. Jetzt aber stehen wieder Wahlen vor der Tür«, und auch die Heimarbeiterinnen können am 7. Dezember mithelfen, daß das Reichsparlament und die Landesparlamente, di« dann gewählt werden, in Zukunft imstande sind, die Regierungen zu veranlassen, daß sie sich auch um das Wohl der wirtschaftlich schlechtgestelltea Bevölkerungsschicht bemühen. Wenn die Heimarbeiterinnen wollen, daß es auch in der Zu- kunft so bleiben soll, daß die wirtschaftlich schlechtgestellte Bevölke- rungsschicht nur als Masse gewertel wird, wenn es gilt, Lasten auf sie abzuwälzen, die unser Land und Volk tragen hat durch Schuld der Machthaber in dem früheren, kaiserlichen Deutschland. dann müssen sie diese wieder zu Macht und Einfluß dadurch bringen, daß sie am 7. Dezember Vertreter der Rechtsparteien oder Kommunisten wählen. Wollen die Heimarbeilerinnen dies nickst, wollen st« erreichen, daß Reichs- und Landesparlamente und auch die Regierungen den Lebensbedingungen der auf Enverbsarbeit angewiesene«, Bevölkerungsschicht mehr Beachtung schenkt und mehr Verständnis entgegenbringt, als dies z. B. in der Frage der Fach- ausschüsse für Heimarbeit geschehen ist, dann, Heimarbeit«- rinnen, wählt am 7. Dezember die Liste der Sozialdemokratischen Partei! Gertrud Hanna. berliner Revolutions-Erinnerungen. Der vergongen« Polizeipräsident von Berlin, Herr von Jogow, ließ, als die Berliner Arbeiterschaft für das gleich«, allgemein«, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen demonstrieren wollte, durch Säutenonschlag verkünden:„Die Straß« gehört dem Verkehr, Ich warn« Neugierige!" Und die Berliner Arbeiter schlugen ihm ein Schnippchen und demonstrierten doch, nur nicht da, wo die Truppen des Herrn von Jagow Neugierig« sucht«n. Herr von Linsmgen, weiland Oberster Befehlshaber in den Marken, verkündete den Berlinern am 7. November 1918:„Ich verbiete"(die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten— die Revolution—). Er spottet seiner selbst und weiß nicht wie. Indem er verbietet, kündigt er an. wogegen sich sein« Seele vergeblich wehrt. Gutmütig duldet? der Berliner mit der Selbstsicherheit dessen, der weiß, was er will. Damals, zu Herrn von Jagows Zeiten, hat Berlin gelacht und mit den Zähnen geknirscht zugleich. Dieses Mol Berlin erlebst du etwas ganz Großes, Unvergeß- liches! Ueber den Asphalt jagt es im Auto, eiligen Schritts geht's über den Bürgersleiq. Auf sehnigen Armen tragen Matrosen die Freiheit durch die Straßen. In zwei Tagen werden sie fallen, die preußischen Zwing-Uris. Am 9. November beschließt die Berliner Arbeiterschaft den Generalstreik. Um 9 Uhr morgens formieren sich die ersten Arbeiter- daiaillon«, Männer und Frauen, auf dem Aleranderplatz. Zunächst geht's, voran das Banner der Freih«it, di« rot« Fahne, noch der Kaserne des 1. Alexander-Gorde-Regiments. Ein Offizier schießt auf die Meng«— ein Todesopfer. Die Mannschaften schließen sich der revolutionären Arbeiterschaft an. Nun geht's von Kasern« zu Kaserne, überall glatt« Uebergabe der Truppen. Um 1 Uhr mittags verkünden Anschlag« an den Säulen die Abdankung Wilhelms II. Von Jagow— Linstngen— Monorchie— preußisches Panoptikum— Revolution! Nachmiitags gegen 2 Uhr ruft Philipp Scheidemann vom Balkon des Lesezimmers im Reichstagsgebäud« d« Republik aus. In kurzen, markigen Sätzen verkündet er der zu Tausenden zählend«» Menge, daß das deutsche Volk auf der ganzen Linie gesiegt hat, der Militarismus erledigt ist, die Hohen- zollern abgedankt haben, Ebert zum Reichskanzler ausgerufen und zur Bildung einer neuen Regierung, der alle sozialistischen Parteien angehören werden, beauftragt ist. „Es lebe die Republitl" braust's über de» Königsplatz, den Gespenstern der Siegesallee die Posaun« des jüngsten Gerichts, uns aber die Stimm« der Auferstehung. Nachmittags stehen die Straßenbahnen still. Mich duldet's nicht zwischen den Wänden. Ich muß hinein in den Sturm, der alle Höhen und Tiefen der menschlichen Seele auspeitscht. Es ist ö Uhr nachmittags. Mit der Stach bahn bin ich bis zum Alexanderplatz gelangt. Durch die Könlqftrahe und die folgenden Slraßenzüge wandle ich unter unzähligen Menschen hinunter bis zum Schloß. Hier stoßen wir auf neue Menlchenmengen. Karl Liebknecht hat von einem der Balkons herob geiprochen. U eberall Hochstimmung ohne Ueberschwang. Im Zirkus Busch soll etre Versammlung sein. Ich schließe mich ein-m Zua? dorthin an. Bei der Schloßbrücke begegnen wir einem aus der Stadt kommenden Zug. Wir begrüßen uns mit einem„Hock, auf di« Revublik!" Unter dem Geläut« der Domglocken, die den Sonntag einläuten sollen, voran die roten Fahnen, marschieren wir feierlich dahin. Mein« S,:le deklamiert:„Aus der Äirckre heiliger Nacht werden sie all« ans L'cht gebracht." Da— niein Herz fetzt aus um«inen Schlag. War da nicht ein Ton unter dem Geläut wie der Knall aus dem Lauf eines Gewehrs. Niemand außer mir scheint ihn.gehört zu haben. So nehme ich zunächst ein« Sinnestäuschung an. Langsam schieben wir uns in den Zirkus hinein. Eine so feierliche Meng« saß noch»ie vor der Arena. Und die Glocken läuten noch immer— und nun hören wir es deutlich: dazwischen fallen Schusi«. Ich hatte mich also rlcht geirrt. Ekel steigt in mir auf. namenloser Ekel— im Schutz« der Dunkelheit, im schalldämpfenden Sck'ube der Glockenschläqe, die st« heilig gepriesen, schießen reaktionäre Offizier« aus das unbewasf- »ede Volk. Ein Mann tritt in die Arena und fordert wofsensähige Männer auf, sich zur Durchsuchung der Sckstoßgegend zur Verfügung zu stellen Sofort ist eine stattliche Formation zur Stelle. Kaum ist sie abgezogen, tritt aufs neu« ein Mann auf und bittet die Ber« sammlunq a use i nande rz uge hs n, um den Reaktionären keine Gelegen- heit zur Arrichwnq eines Blutbades zu aeben. Der Abzug vollzieht sich in vollster Ruhe und Ordnung. Der Geist des Dichters Zerfaß:„Unseres Tages wollen wir uns freuen und steaen". waltet über der Meng« Am nächsten Tao« schon werden die reaktionären Offiziere und Anhänger der Jvoendwehr unschädlich gewacht— nicht ganz ohne Opfer auf der Seite des revolutionären Volkes. 17 Menschen, dar- unter eine junge Frau, fallen. Am 20. November bestatten wir si« auf dem Friedhof der Märzgefallenen. Die Arbeiterschaft ehrt die Toten der November-Revolutlon durch ein Geleit, wie«z Berlin noch nie sah. OsM>Msames£dd- Die Sozlai->-u.ot.atilche Park« känipst für die Hebung der Lebenshaltung der breiten Massen des Boikes. Darunter find nicht nur Ernährung Kleidung v, b sonstiger äußerer Tedorf zu verstehen. Dieser äuszere Betark be- inslußt unsere Lebensführung sehr star?. Seine Bef'iedi'ung zwingt unsere Gedanken in ganz bestimmt« Bohnen und hält sie für einen erheblichen Teil unseres Libens in diesen gefangen W>e viele Gedanken einer Mutter ztcischsn Abend und Morgen und umgekehrt drehen fich allein um das leibliche Wohl der Familie. Je geringer die Mitte' einer Hausfrau sind, desto mehr mnere Kraft beanspruchen die äußeren Dinge des Leben». Dasselbe erfährt die olleinstehende Frau im Daseinskampf. Trotzdem erf''öpft sich in diesen Dingen unstre innere Kraft nickst. Sie strebt über uns. über den Alltag hinaus, strebt nach har- mvnsicher Dollendunq. Im Leid dunkelster Tage sucht und findet dieses Streben immer noch feinen ganz prriönlichen Ausdruck bei jechem einzelnen. Es vergreift sich oft im Ausdruck und tritt dann als ein Zerrbild feines Se'bst in die Erscheinuni. Wie manche Frau greift im. Hunger ibrer Seele nach billigen Rom.anheften, die ihr durch die Kolporteure zuxe hen. Sie erföh't dabei wohl eine Ab- �nkung vom Alllao durch Ihre Phantasie Sie'chöpft aber daraus Kine Kraft, des Alltags graues Leid zu bekämpfen. Ihrer Seele höchste» Streben oer'ieri sich in uniruchtbare Träumerei. Ich konnte eine Frau die ihren K ndern Namen gab nach den Helden solcher von ihr gelegenen Hintertreppenromane Später mußte sie erfahren, daß sie ihnen darübar hinaus für des Lebens wonnigfachen Bedarf an feelifcher Kraf« nicht ausreichend zu geben vermocht hotte. Priester kleideten das Streben des Manschen nach Dollendung In Gebete. Dichter in Märchen, Philosophen lmeise Denker) in Gedanken. In Tat und Gedanken wirkt es sich aus im Sozialismus. Eine Partei, deren Grundlage der Sozialismus ist. ist nicht allein ein« Kampfpartei, fordern sie ist mehr Sie ist eine Leben», und Arbeitsgemeintchali eine Gemeinfchost tiesinne eli-�en Strebenz nach Dollendunq. Aus diesem Streben heraus Hai die Sozialdemokratische Parte» sich leit der Revolulwn besonders bemühtz den Kindern des arbei- teriden Volkes neue Wege der Erziehung und Bi'�ung zu ersch'ießeu. Sie hätte die schönsten Erfolge erzielen könne» mit Hilfe der Mütter! Leider aber haben diese sich oon Wahl zu Wahl kür die Gegner des Ausstiegs der vr>'le>ar!'ch?n Klasse entschieden. Es ist kein Zü'a!!. wenn die Partei eigenes geistiges Leben zu gestalten irachiei Die l csanderen Aitxiisorgnn» der Partetz Bezirks- btldungsaussch'.'ß Ansl uß für Arbeitermohllghrt Arbeitsgemcin- schaft der Kinderlrennde sind Ausgangspunkte sozlatisti'cher Gemein- schüfisarbeit des geisiig erwachenden Proletariats So ergänzt, ist die Sozia'd?mokie.ne rncht nur Kampfparte' sondern auch geistige Bewegung des arheu-.nden Volkes. Zu dem gemeuilainen Leid— die gewcmiame Freud! Proiela- rische» Leid und l.uie'seberwinduug wird gcii'igrs Erlebnis im Streben nach Erkeingnis tntiächliches Er'� den im Gestalten neuer Lebensformen. Düell regster Lebensfreude auch im ttesinnersten Leid - gemeinsame Ireuö! Wo immer sozialistische Gemeinschaft gepflegt wird, sei es auf Frauenabenden durch Belehrung oder durch Unterhaltung, immer- ist's der eine große Wille:„Aufwärts". Ich»eh durch einen grasgrllnen Waid. d> Dort unter der Lind«. cj Wo ein Klein'» SllUI« lieh, r) Doppa. Seiffa. e> Der Kuchuk und der Prednoitt. 7. Rezitationen: Frau Maria Borchardt s Theater de» Wegen»). 2. �benüfeier Alittwoch, den 20. Aavember 1924, abend» 7 Ahr. in der.3keuea Welk". Hasenheide. Saa öfsnung 6 Uhr. Programm wird in der nüchllen Nummer der„Wählerin" veräffentlicht. A. Nachmittagsfeier Alittwoch, den 3. Dezember>924. nachmittag» 4 Uhr, im Saalbau Friedrichshala. Saalöffnung 3 Ahr. Programm wird in der näästen Nummer der„Wäh.rrin" dekannigegeben. Eine flammend« Riesin, schreitet'ne Zeit ruhig weiter, un» bekümmert um da» Gekläff« bissiger Pfaffen und Junterlein da unten. Wie heulen sie jedesmal, wenn sie sich die Schnauz« verbrannt an dem Fuß« jener Riesin, oder wemi diese ihnen mal unversehens auf die Köpf« trat, daß das obskure Gift herauefpritztel Ihr Grimm wendet srrd dann um so tückischer gegen einzeln« Kinder der Zeit, '.~>v otinrnörbi*» neqen die Mass«, suchen sie 0" Individuen ihr feiges Müichen zu kühlen. Heinrich Heine. Der-Sief, des Lozialisnins t, deutet de» Sieg der t») e m ei n s ch a ft s i d c e über na«kte Prost�kn.-!'„"d kapitali'ti«k,..Habgier. Wer das arbeitende Volt von seinen Z?esselu beirei.nt nnd eine neue desserr<4)esellschastsordnu»st ausrichte» will, der mnft der Sozial» de»» v? r a ti i ch en Partei beitreten nnd für die Verbreitung ihrer Ideen sorgen. £r.tt Werk'äruna. Hiermu: ine«t nieinen EiNir>i: n die Sozial» demolrai>>cbe Pniei Bez r! Bertin Äoieilnng-;—) An Be iiäacn en riwie ich Euiü in- D öi) Pfennig. _ Wochenbe'iräge n ännt K». weibl. Ii' V' Sa- M. ___ den_ 1924. Bor» und■iiiiTame: geb. an:___ Sianisana Wohniinv i' OilfJ.HIN' an t 4 �np-' iuiö nnndetteND weifienl Ich abonniere den„Vorwärie" mtl der illullrierten Sonniagsbeiloge.Volt und Zeit" der llnterhaltuugs» beilaoe.5ie>mwe>i" und der Teilaoc„Frauenstimme" in Groß>B«r!in täglich zweimal>rei ins Haus. lMonatlich 3.— Goidinart, wöckienilich 7v Goldpfrunig.) 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