IS. November 16. November Blätter zum Wahlkampf Religion muß sein! „Die Soziatosuwkraten wollen die Religion abschaffen, Religion «ber muß sein und darum können wir kein« Sozialdemokraten sein." Mit dieser Begründung sperren sich immer noch viele Frauen gegen uns, so überzeugend sich ihnen vieles ausdrängt, was sie von uns hören. Aus dieser vorgefaßten Meinung hat«in großer Teil der gegnerischen Parteien bisher Vorteil gezogen, er setzt auch dieses Mal seine lzoffnung aus sie. Die Erhaltung des„christlichen Staates" ist angeblich das Ziel der Deutschnationalsn. „Brich' dem tiuugrigen dein Brot" ist ein alter christlicher Grundsatz. Mau sollt« also voraussetzen, daß Parteien, die einen christliche?! Staat anstreben, noch die'em Grundsatz für das Brot dcs armen Mannes besorgt sein miiß:kn Wie aber sieht es in Wirklichkeit aus? Die Sozialdemo- traten mußten kurz vor Auslösung des Reichstages verh'!!» d e r n. daß. ei» von diesen Parteien verlangtes Gesetz dasBrot des armen Mannes verteuere. Dies« Parteien handelten nach dein Grundsatz:„Brich' dem Hungrigen sein Brot!" Zölle auf Getreide und ander« Lebensmittel sollten den Zweck höben, der Landwirtschaft hohe Preise zu sichern. Hoher Brotpreis— kl' in« Portionen— wäre das Ergebnis für den Huugr'gen. „Der Mensch lebl nicht von Brot allein." Er bedarf der seelischen Erhebung, bedarf eineQ sittlicl�n Grund- lag«. Diese kann ihm nach der Vorstellung' vieler nur die Religion geben. Darum glauben sie, die Relig'vn ihren Kindern erhalten zu müssen. Religion als Inbegriff eines übernatürlichen Gottesgiaulums hat ihre Quell- in der Hilflosigkeit des menschlichen Geistes gegen- über den erhabenen Erscheinungen im Weltall. Da. wo ihn das Erkennungsvermögen verließ, schuf sich der Meusch den Gottes- begriff. Mit der Entwicklung der Menschheit erfuhr dieser Goti-s- begriff mamiigsach« Wandlimoe». Der Mensch schuf sich Gott noch seinem Bilde und paßte ihn seiner Entwicklung au Unser« Urahnen beteten zu Götzenb ldern: Göttern des Guten und Bösen. Produkte ihrer primitiven' Kunst. Der moderne Mensch bedarf dieser grob- sinnlichen Veranschaulichuiig nicht mehr. Seine Seele ist auf die Kunst Ubersinnlicher Vorstellung eingestellt. Wir empfinde» das als eine Höherentwicklung des Gottesbegriffes. War daniit eine„mora- lilche Höherentwicklung" verbunden? Iin letzte» Krieg« haben urr alle Brutalität der Urzeit in soundso vielfacher Wiederholung erlebt. Sie trat in der Urzeit grob und zügellos auf. Heute ist sie technisch vervollkommiict und wohlorganisiert. Das ist der Unter. schied. Die Religion blieb sittliche Vorstellung. Man gUm.bte. auch in den Geschehnissen, die durch Staat und menschlich« Gesellschaft bedingt sind, göttlichen Willen ehrfurchtsvoll anerkeimen zu müssen. Bon diesem verhängnievollen Irrtum befreit der Sozialismus. Öciilje hat einmal'gesagt:„Dos schönste Glück des denkenden Wen- schen ist, das Ersorschliche erforscht- zu haben und das Utiecsorfch' liche ruhig zu verehren." Der Saziatismus erachtet d e ruhige Ber- ehrung des Unerforschlichen für ebenso religiös wie die Gläubigkeit an die Schöpfung durch Gott. In diesem Sin« anerkennt er da» religiös« Recht des einzelnen und erklärt: „Religion ist Privatsache." Der Sozialismus hat dem Menschen die Glücksmöglichkeit, das Er- forschlich- zu erforschen, erschlossen. Er zeigt die Zustände im Leben der Staalen und Völker auf als das, was sie find: Folgen wirtschaftlicher Zusammenhänge. Cr deckt auf, daß die Ausbeutung des wirtschaftlich Schwachen durch den wirtschaftlich Starken nicht unabänderlicher Wille Gottes ist, sondern gefcllschoftlichcr Zustand, der durch menschlichen Willen, durch den Willen der proletarischen Klasse geändert werbe n kann und muß. Er entrückt also die Religion dem. Mißbrauch zur Rechlfertigung des Schlechten. So wird der Sozialismus sitt- lickje Erscheinung. Er auferlegt dein denkenden Menschen die Pflicht zur Verantwortlichkeit vor den Menschen, gibt dem Menschen den Glauben an den Menschen, der sein Handeln auf das gmeinkmi« Wohl einstellen will. Diesem Willen gibt er die veraniworltiche Airknugsmöglichkeit im Gcmeinfchastsieben. Als Träger des Sozialismus beriefen die Soz'aldemvtrateii auch die Frauen durch das Mahlrocht zur MitarbcU am Gemeinschasts» leleu.-- Der Sozialismus entzieht Ans kein« sittlichen Grundlage», son- der» gibt uiis neue� in uns selbst liegende, in. dj« Menschheit hin- ausragende sitiiich« Werte. Ist es nicht für jede Frau und befon- d-rs für jede Mutter etwas Großes, an einer Menschheiisgemkin- schast mitziiwirken, in der Ehrfurcht vor dem Leben die große sittliche Grundlag« ist, aus der sich die Arbeit aller siir oll« aufbaut? Muß es nicht ihr Ziel sein, in dieser Ehrfurcht auch ihr Kind zu erziehen? Sollte man nicht auf der Natürlichkeit der kind- lichtn Seele ousbaüen. aus der Liebe zu den Eltttn gleichzeitig die Liebe zum Gute» Herandilde» können? Gebe» Mütter ihren Kindern nur Fleisch und Blut, geben sie ihnen nicht auch ihren' inneren Menschen mit? Je mehr sich dieser innere Mensch frei macht van Widerspruchs- vollen ikeberiieferungen und Vorstellungen, desto mehr wird es ihm gelinge», den- Sozialismus als sittliche Erscheinung zu erfassen und zu erleben. Daß diesem Erleben schon die Kindes- siele erschlossen werde, das ist für die Höherentwicklung unseres Gcmeinschasislcbeiis Voraussetzung. Darum muß schon in unseren Schulen im Geiste sozialer Kemeinschast.das Denk- und Gefühlsleben d.'s Kindes geleilet werden. Hütet eure Kinder vor denen, die ihren Geist nur nietet Helten; um ihnen das Brot brechen zu können- Durch euch kann die Schute die A u s g a n g s st ä l t e der Menschen werden, die das Glück kennen, Uuersorschiiches ruhig zu verehren und Erkorichliches zu erforschen, um es zu gestalte», d. h. auf unsere Lebensverhältnisse angewandt, aus den Erfa Höingen der Vergangenheit Zukunft zu gestalten! Die Zukunsi gehört dem Sozialismus, darum muß ihn, die Schule der Geg nwarl gehören! Dura,, denkt am 7. Dezember! vgyTtt-«onr nryjnomc i�. �~Cr �"Mrblock iit die Zn'ammenfasslckg aller Vesitzoirden gegen die A Utiii Wv Ter M'-gerbkock will die gesiv.nteu Laste» auS dein Londouer Ab- U»m'Om lKlPlOfr« fclnnicR b(.U ftarfinr Schultern der Vesitzeiideil abwälze,: und den fchivacheu Schulter'.: der Aibcitenden nn'erlegen. WZz* itirtsi heu Vüt ttevlsl ort � icfcl'r il,bc»,n" m,? � » llia.il fciiis �IU ♦ weil i St igen Volle, jeder Arbeiter. Nuaesiellte,' Beamte. Handwerker, Kleinbauer iisiv. am 7. Dezembrr seine Stimme der Tvzialdeinvkratie gibt! CrwerbslosenunterftutzAng öer Zrauen. Seit Inhren führte die Sozivwcmokratie einen Kampf um Gleich- stellar g der Erwerbslosenunterstützung für Männer u>»d Frauen. Sm Luli hat der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages endlich unserem Antrag zugestimmt. Die Regierung wurde ersucht, die Unterstützungssätze für männliche und weibliche Erwerbslose in gleicher Höhe festzusetzen. Was tat das Reichsarbeitsmini st erium? Am 9. August erließ es eine Verordrnmg, nach der weibliche Erwerbslose über 21 Jahre mir dann die gldchen Unterstützungssätze wie die Männer bekommen, wenn fle nachweisen könneil, daß sie Familien- ongehörige zu ernähren haben. Können sie das nicht, dann er- halten sie 19 Prozent weniger wie die Männer. Hier in Berlin bekommen zun, Beispiel: Frauen über LI Jahr« 5,49 M., Männer 6,— M. Frauen unter 21 Jahre 3,39 M., Männer 3,60 M. Daß man bei so niedrigen Unterstützungssätzen, die nach dem Antrag der Sozialdemokratie verdoppelt werden sollten, es auch noch wagte, die Frauen schlechter zu stellen wie die Mäner, ist ein« grabe Ungerechtigkeit. Man scheint zu glauben, daß ihnen das Hungern besser bekoimnt. Es ist aber auch ein« Verhöhnung des klaren und eindeutigen Reichstagsbeschlusses, der endlich mit einem alten Unrecht gegen die Frauen ausgeräumt hatte. Im Oktober befaßte sich der sozial- politische Ausschuß dcs Reichstages erneut mit der Frage und beschloß: 1. Der sozialpolitische Ausschuß drückt sein h ö ch st e s B e° fremden darüber aus. daß das Reichsarbeitsinimsterium den vom Reichstag einstimmig gefaßten Beschluß auf Gleichstellung der weiblichen mit den mäm,lichen Erwerbslosen nicht durchgeführt hat. 2. Der Ausschuß wiederholt nachdrücklich den Beschluß vom Juli 1924:„die Reichsregierung zu ersuchen, daß die Spanne zwischen weiblichen und männlichen Erwerbslosen ausgehoben wird" und ersucht das Reichsarbeitsministerium, umgehend die Anordnung über die Höchstsätze in der Erwerbsloscnfiirsorgc vom 9. August 1924 entsprechend zu ändern. Es wird von der Zusammensetzung des nächsten Reichstags ab- hängen, ob die Regierung imd die verschiedenen Verwaltungsorgane weiter wagen dürfe»«ntgegea den Beschlüssen des Parlaments zu verhandeln. Jede einzelne Arbeiterin hat es in der Hand, mitzu- helfen, daß die Sozialdemokratie so stark wird, daß bine Regierung sich mehr erkühnen darf, ihren Frauensorderungen entgegenzutreten. Wählt Liste 1! Much ein heiö. Stilles Duldertum eines Proletarierjungen. Er war ein aufgeweckter, lebhafter Junge, emer, an dem die Arbeit des Lehrers zu einer Freud« wird, aber er hatte einen Fehler. Fast jeden Tag kam er zu spät in die Schul«! Erhitzt vom schnellen Laufen stürzte er einige Minuten»ach dem Läuten in die Klasse, murmelte etuxis von.Zeitoerschafen", Heß verlegen die Straf red: des Lehrers über sich ergchen, faß dann noch einige Zeit mit schuldbewußter Miene da und— kam am nächsten Tag« wieder zu spätl Nachdenktich betrvcht.'te ihn oft der Lehrer. Was mochte wohl der Grund der Unpünktlichkcit sein? Steins der Kinder äußerte je Entriisiurcg über diesen Fall, obgleich sonst Schadenfreude leider— sehr oft in die Erscheinung tritt. Im Gegenteil„Bubi", so nannten sie dcn„Sünder", wurde mit Teilnahme bnrachtet, und eines Tages gab ein blonder Junge, dem das Mitleid aus den Augen blickte, dem Lehrer die nötige Aufklärung,„Bubi" war einer jener kleinen Dulder, an dem das groß« Verbrechen der Gesellschaft— der Weltkrieg— sich besonders stark In seinen Folgen auswirkt. Sei» Bater war im Kriege biiich geschcilen worden. Aber er war stark gebsieben, er wollte arbeiten. Und so stand er Abend für Abend aus den Fernbahnhpfen, um hcn an- kommenden glücklicheren Reisenden das Gepäck zu tragen. Und da- Augenlicht ersetzte Ihm dabei sein IZjähriger Sohn, unser „Bubi", Unermüdlich trug er mit dem Bat.'r die schweren Lasten vnd war noch gtiicklich, wenn er welche zu tragen bekam. Wie oft traf ih?i mir«in mitleidiger Blick, und der Reisende wendete sich schnell von dem unerwünschien Anblick ab, den fremdes Unglück tnetet. Aber Arbeit gab es nicht,— Und wenn er dann rnit-en in der Raclst mit den: Vater durch die dunklen Straßen heimging, dann plagte ihn»eben dem Ge- danken:„Woher kriegen wir morgen zu csisn?" auch sicher noch das andere:„Wenn ich bloß rechtzeitig i»cch werde, danut ich nicht wieder zu spät konnnel" Die Opfer, die unser tapferer Junge klaglos während femes letzte» Schuljahrs b mäste, waren nur«in Vorspiel zu rri größerem Eleick». Der Vater war schließlich müde geworden»es täglichen Kampfes um das kärglich-« Stückchen- Brot, er legt« sich aus» Vetteln, Und wieder wandert der setzt Merzehrjährlo« mit ihm durch die nächtliiiien Siraßen von Kneipe zu Kneipe, wo der schlechtbezahi-e Arbeiter sitzt, und der seinem noch elenderen K'aü-n- genossen ein A'mvsen zukommen läßt,„denn Armut aibt der Armut gern". Aber sie glauben ihm auch den Trost des Vergessens geben zu müssen, den sie selbst leider oft genug in ihrem eigenen Elend suchen. Ueberall schenkt man ihm ein. und so wird in kurzer Zeit aus dem kräftigen Mann« ein zermürbtes, gebeugt-s Opier des Alkohols. Zum Rachhaufogehen ist er erst zu bewegen, wenn er sinnlos betrunken tft. Und immer neben>hm wie ei» Schauen fein Junge; er wartet draußen, er sitzt ixben ihm In der Kn-lre. Er Harrt auf den Augenblick, wo der Vater nichts mehr von Tick» weiß. Dann räumt«r dem sinnlos B trunkene» dl« Taschen aus. Denn zu Haufe wartet die Mutter mit den hungrigen Geschwfsteln, für sie nimmt er dem Vater das Grid ab das sonst nie in die 5;Lnöe d-w Mutter kommen würde. Für sich behält er auch nicht einen Pfennig zurück, er hat früh«rzchten gelernt. Bor einem Monat starb der Vater, Ht muß man sagen, zun» Glück für den Jungen. Und dock?— was für Opfer bringt er' nun roeiter! Ans leinen Schultern ruht jetzt die L'auvtlorae für die Familie. Selbst noch ein Kind muß er schwere Fabrikarbeit leisten, um feine Geschwister zu ernähren. Wie wahnsinnig der Gedanke, daß es ein« Grscllfch'stsordnunq gibt, dl« Tod und Elend Im Uebermaß über die Menschen bringt, und dann kaltblütig ihr« Opfer sich telbst überläßt, um schließlich über ihr« Leichen htnwea zu neuen Wahnsinnstat«!, n-'uem Bö kcr» morden zu schreiten. Frauen und Mütter, wollt ihr' esen Zu- ständen ein Ende machen, so steht nicht länaer tatenlos beiseite. In euren Händen rühr die Entfäieidung über die Zukunft unteres Volkes, entscheidet euch am 7 Dezember für eine kriedi'ch« Zu- knnft eurer Kinder, wählt die Partei, die euch den Frieden bringt: die Sozialdemokratie! Lisbeth Riedger. Sonnige Kindheit. ..Die vordÄinaunq«Iner«dlcn Mentchlielt lg«inc wabrdatt«lückttch« Nindlicit," Wo glücklichen Kindern«in sonniges Heim oergönnt Ist, wo die eigene Mutter ihre Kinder anzuleiten und zu beschäftigen versteht (und die Zeit hierzu hat), da bedarf es nicht imbedingt einer Er- gänzuna der Erzhhun-i vor der Schulpflicht. In wie viele» Haus- holten sind cber die Wohnungsverlrälmiss« so beengt, daß lediglich der Kindergarten für die Kleinen ein b'ßche» Kindheitspoesie reiten kann. Kindergarten kl Man denkt unwillkürlich an Licht und Leben, an den Jungbrunnen alter Märchen, aus dem man schöpfen möchte. um die eigene Jugend sich zu bewahren. Und für viele wiederum, die als„Einzige" im Eiternhaus übermäßig verwöhnt und verhätschelt werden, bringt der Kindergarten den Segen der Gemein- schaftserziehung, das Anpassungsvermögen und die Rücksicht auf andere. Die Kinder empfinde» ja auch bei gemrinschastlichcr Be- schästigung mit Arbeit und Spiel erst das wahre Gefühl des Glücks. Die Säzaffung von Kindergäncn verdanken wir Fröbel, Fröbel ging davon aus, daß das Kind in seiner Weise sich bemüht, die Welt zu erfassen. Bei ßder Ihm neuen Erscheinung fragt es: Warum? Wieso? Weshalb? Im Kindergarten läßt man den jungen Geist durch eiaene Erfahrungen die Zusammenhänge finden. In den Fröbkllckien Beschäftiaunqsmitteln haben wir ein billiges und trefflches Material, den Geist anzuregen und zu entwickeln, Der Kreis der Kinder im Kindergarten«rmöalliht erst die Aus- führung von Reigen und anderen Spielen mit Gesang, Und wie strahlen die Augen, wenn die Kleinen im Kreise beisammensitzen und schöne Geschichten erzählt werden. Zweiselloz hänch von der Persönlichkeit der Kindergärtnerin, ihrer Ausbildung. Berufserfahnmq und ihrer Liebe zu den Kindern es wesentlich ab. ab die vielen Keime und Anlagen der Kinder auch erkannt und gefördert werden. Di« Arbeiterwohlfnhrt und die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- freunde haben überall Ausschüsse, die in Kinderhorten, Kinderarup- pen und Kindergärten arixiten im Geiste der Gemein schastserziehung. Während die Arbciterwah'fahrt sich fürsorgerisch betätigt, übernimmt die Gemeinschaft der Kind-rfreunde die erzieherische» Ausgaben: beide Organisationen ergänzen sich natürlich. „Sonnige Kindheit." das ist das Ziel unserer Beweg ingl Jede Mutter, seder Kinderireund muß uns helfen! Mütter, Kinderfreunde, schließt euch den Kinderireundeu und der Arbeite rwohlfahrt an.(SW. 68. Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr.j Mein Kinö Ich hält« Ihm das Leben geschenkt, Sagen die Leute. Doch meine Seele, die heute Räch solchem Erleben, solchem Ertragen Tiefe? ins Aug' de? Allewigen schouk, Will es anders sagen. Sie weiß, wo unendlich ihr himnrcl biaut! So sprech ich, zu tiefstem Dekennen gedrängt: Mein Kind hat mir das Leben geschenkt.. Olga Stückrath-Stawitz. Heimarbeiterinnen, r Ain IK.IimI 1923 ist im Reichstags das cheimarbeiterlohngoietz einstimmig cmgemwnmen worden. Es passiert nicht oft, daß Geseße «instiimnig zur Annahme gelangen. Es handelte sich hier aber um ein Gesetz, das nach seinem Wortlaut und nach den Absichten der Urheber den durch Heimarbeit ihr Brot suchenden Menschen Belegen» heit geben sollte, die In der Heimarbeit häufig so überaus niedrigen Löhne mit Hilfe von Fachausschüssen zu verbesiern. Schon bei der Beratung des hausarbeitsgesetzee im Jahre 1911 hatten die Sozialdemokraten im Reichstagr veantnagt, den vorgesshenen Fachcmsschüsien das Recht zu geben, Löhne fest» zusetzen. Sie blieben damals allein mit ihrer Forderung. Nur drei bürgerliche Abgeordnete stimmten mit ihnen. Damals glaubten sämtliche bürgerlichen Parteien noch, keine Rücksicht nehmen zn brauchen aus die Rotlage weiter Schichten d?r Bevölkerung, nament-- tich der aus Erwerbstätigkeit angewiesenen Frauen. Es gab sa 1911 noch kein Frauenwahlrecht. Man brauchte also die Frarien» stimmen aus der befitzlesen Schicht der Bevölkerung nicht zu fürchten und man glaubte danrals mich noch, den Forderungen der Sozial- demokraten nicht allzuviel Beachtung schenken zu brauchen. Die Sozialdemokraten waren sa in der Minderheit', sie wurden zu Posten in der Verwalümg nicht zugelassen, hatten also dort keinen Einfluß. Der Staat verließ sich damals auch noch auf die ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel zur Unterdrückung der Sozialdemokratie. Mit dein Hausarbeitsgesetz vorn Jahre 1911 konnte deshalb für die Berbesserung der Löhne der heimaibeiterinncn so gut wie nichts getan werden. Bei der Beratung des Heimarbeiterlohngesetzes lm vergangenen Jahre zeigte sich schon der gegenüber der Vorkriegszeit größere Ein» flliß der Sozialdemokraten und auch die Wirkung des Frauennxchl» rechts. Diesmal wurden die schon 1911 von den Sozialdemokraten geinachten Vorschläge Gesetz. Arn I.Juli 1923 ist das heimarbeiterlohngesctz in Kraft getreten. Es können jetzt Fachausschüsse errichtet werdm. die das Recht haben, Löhne festzusetzen, die für verbindlich erklärt werden können. Die Fachausschüsse können auch Bußen und Strafen ver- hängen über diejenigen Ardeitgeber, die dies« Löhne nicht zahlen. In der Praxis ist ober trotzdem mit dem BesÄuß so gut wie nichts erreicht worden. Es kommt nämlich in der Regel nicht zur Bildung von Fachmisschüssen. Es fehlt dazu an den notwendigen Aussührungz- bestimmrmgen, die nicht Zustandekommen, weil die Reichsregierimg sich mit den Regierungen der Länder nicht einigen kann über die Frage: wer trägt die Kosten für die Fachausschüsse. Die Kosten werden auf zirka 199 999 Mark jährlich geschätzt. Es ist möglich, daß diese Summe noch nicht einmal nötig ist. Auf jeden Fall ist sie so gering, daß darüber weder das Reich, noch die Länder zugrundegehen. Um die höhe der Sunime, also um das Geld, geht auch der Streit nicht. Er geht vielmehr um den Grundsatz, wer die Kosten ausbringt, das Reich, die Länder oder beide. Um Eurer Kinöer willen dürft ihr nicht dcutschnattonal wählen am 7. Dezember. Die Deutschnationaie Volkspartei will durch Zölle uns Brot. Flsilch, Milch, Butter. Fett, Eier. Obst und ander« Lebensmittel noch mehr verteuern. Die Großlandwirtschaft will sich von neuem«n 5)unzer des Volkes bereichern. Die Kinder leiden ani meisten an Gesundheit und Entwicklung durch die Unterernährung. Im letzten VIertclsahr 1923 starben an Tuberkulose von 1999 Kindern: in London 67; in München 117: in Berlin 124; in Mainz 148. In einem Berliner Vorort waren Kn herbst 1922 von 190 ichui» entlassenen Mädchen 39, von 199 schulentlassenen Knaben sogar 31 zn schwach für irgendeinen Beruf. Bei einem io'chen Gesundheits- zustand der deutschen Kinder will die Deutschnationale Bolkspartei die wichtigsten Nahrungsnnttel weiter verteuern und die Deutsche Volkspartei will bereitwilligst dabei helfen. Die Delrfschvölkischen haben nichts dagegen und außerdem möchten sie einen neuen Krieg: die Kommunisten schwärmen von einer blutigen Wcltrevolution und so könnte nach dem Willen all dieser Parteien das furchtbare Elend immer von neuem beginnen. Nur die Sozialdemokratische Partei hat den wirtschaftlichen Niedergang und die Aushungerung der breiten Mafien bekämpft: nur sie hat für Bölkerverftändigung und friedlich« Entwicklung ge- arbeitet. Nur durch die Politik der Sozialdemokratie können endlich die harten Folgen des Krieges verschwinden. Nur die sozialdemo» kratische Politik kann die Gegenwart erleichtern und unseren Kindern eine bessere Zukunft schassen. Am eurer Kindel willen wählt am 7. Dezember die Liste der Sozialdemokratischen Partei Dentschtands. »je müßt Ihr wählen? Reich und Länder streiten sich also um Staotshoheitsrechte Unit verhindern dadurch, daß Menschen geholfen wird, die dringend der Hilfe bedürfen, heute verdienen zahlreiche Frauen durch heim» arbeit, selbst bei längerer als achtstündiger Arbeitszeit, weniger, d» die ErwerbSlosemmterstützung auemacht. Es wäre wirklich an der Zeit, daß Fachausfchüfie noch dem ein» stimmigen Beschluß des Reichstages vrm 16. Juni 1323 gebildet werden könnten, die den Echandlöhnen vieler Heimarbeiterinnen ein Ende machen. Die Regierungen aber hoben es nicht so eilig damit. Das Interesse für die Heimarbeiterinnen Ist eben stark ge» schwenden, weil inzwischen die Sozialdemokratie an Einfluß ver» loren hat. Daran ober sind viele Heimarbeiterinnen selber schied. Rur allziwiele Heimarbeiterinnen schenkten während der Zeit der großen Not, In der Zeit der rasenden Geldentwertung, denen Glauben, die die verzweifelte Stimmung unseres Volkes ausnutzten, um verlorene Macht dadurch zurückzugewinnen, daß sie der neuen Staatsform und der Sozialdemokratie die Schuld an dieser Not auf» halsten, die sie selber verursacht hotten. Dadurch ist der Einfluß der Soziakdemokraten erheblich geschwächt worden. Nach den Wahlen am 4. Mai d. I. trat dies besonders in Erscheinung durch die Zu» sammensetzung des Reichstages, ver geschwächte Einfluß der Sozial» demokraten zeigte sich aber auch In den Parlamenten, wo keine Neu» wohlan stattgefunden hatten, und er zeigte sich(freilich in der Oefsent» stchkeit nicht so sichtbor) in dem Verhalten der Regierungen und der Venoaltungen des Reichs und der Länder zu den Fragen, die das Arbeiterinterefie berühren. Bei einer anderen Zusammensetzung des Reichstages, als es im letzten halben Jahre der Fall war, wo 196 Dsutschnationa!«, 82 Deutschoölkische und 62 Kommunisten mit anderen bürgerlichen Parteivertretern bemüht waren, den Einfluß der Sozialdemokraten auszuschalten, wäre es nicht möglich gewesen, wegen eines für Reich und Länder gleich unwesentlichen Geldbetrages die Durchführung eines wichtigen, einstimmig gefaßten Beschlusses zu verhindern, der den Heimarbeiterinnen günstigere Arbeitsbedingungen schaffen könnte. Heimarbelterinnen! Wollt ihr weiter arbeiten zu Bedingungen, die euch trotz harter und langer Arbeit kaum das trockene Brot geben, dann wählt am 7. Dezember deutsch,, ölkist,«, deutlchnationale oder kommunistische Vertreter. Wollt Ihr aber Gelegenheit schassen, eure Arbeltsbedingungen zu verbessern, dann wählt die List« der Sozialdemokratischen Partei, die seit Jahrzehnten bemüht ist, die Lebensbedingungen der auf Erwerbsarbeit angewiesenen Bevölkerung zu verbessern, und die wegen dieser Bemühungen von den Vertretern von Wohlstand und Staatsgewalt geschmäht, verleumdet und verfolgt worden ist. Es darf aber für die heimarbeikerinnen am 7. Dezember! keine andere Wahl geben als die Liste der Sozialdemo- s kratischcn Partei.! Gertrud Hanna. /wfruf. ltlir können! 6laubt|hr dem Worte nicht? 6laubt ihr nicht Herr eurer leibst zu lein? Raitct ihr euch für kleiner als klein? Nein! Wir können! Sturm ist stärker als Neilevmacht! Nlevschengetst größer als t'öilennacbt! Geist fordert frethestsstark fern und nah: 7a!- Wir müssen! Eo'gt ihr dem Diange nicht? lähm ihr nur alles für Crug und Schern? Oder wollt ihr gar feige''•in?— Nein!— W r müssen! TTiüssen die fesseln zerbrechen! Alle pafern des Rem s Sprechen, Gedenken fic dessen, w�s bisher oelchah: 7a! W.r wollen! Folgt ihr dem stufe mebt? Könnt ihr nur murren über das Sein? Nein!— Wir wollen! Cat(oll die Cofung fein! Gequält von wild-tyrannilcher stein, Ist für uns nur ein fluftchrci da: 7a!— Cdmund Filcher. Weltfrieüen? Ist«in Weltfrieden überhaupt rnogli-.j, wo borf) in sedein Volt >,:d Land die verschiedensten" Strömungen gegen den Frieden arbeiten? Diese Frage ist jetzt mehr denn je berechtigt, und)ede Frau, nicht nur jeder Mann muß setzt bekennen, ob sie für oder gegen de!t Krieg ist. Denn die Reichstagsmuhl am 7. Dezember ist letzten Ende-> nichts anderes als Frage und Bekenntnis, ob wir für«ine Gewalt- Politik stimmen oder' für eins Politik des Rechts und der Fieiheit eintreten. Wenn man mit offenen Ohren im Vöckeiladen steht oder in der Eisenbahn fährt oder sonstwo zwischen einfach denkenden Menschen ' steht, immer und immer wieder hört man dann das Bekenntnis: �„Ach, wir Frauen können ja an allem rnchts ändern und müssen alles. was mit Politik zusaminer.hängt. den Männern überlassen." Daß die meisten Frauen von der Politik nichts verstehen, rst "leider eine Tatsache. Doch mit dem Wahlrecht lmben wir auch dre Wahlpflicht erhalten. Und wenn man ein Recht und eine Wicht erhalten hat, dann muß man beide auch ersülle». Da hilft keine Unkenntnis über Politik und kein Jammer über Rot und Elend in der Familie, da heißt es klar und deut'ich Autwort geben aui die Fragen:..Willst du absrmols Kriegselend an dir und deinen Kindern erleben? Willst du»och größere wirtscha'lliche Rot und noch teureres Brot haben? Fast du die furchtbare Kriegszeit, die Äugst riiid Qual um Maiin und Sohn, die Hungersnot in der Fmimie ichon wieder vergessen?" Und wenn diese Fragen lebendig werden, dann schreit jedes FiGüeuherz. das die vier Blutjahre m i t d u r ch I i t t e n i>at(es gibt natürlich auch viele, die in den vier- Kriegsjahren sich köstlich amüsiert und gut genährt haben)— nein, ctciu. nein! Und dieses Rein ist doch das' klare Bekenntnis gegen die Gc- waltvolitii der Kriegshetzer und für die Politik des Rechts u*' der Freiheit. Was nützt? uns denn alle deutsche Tapferkeit bei einem neuen Krieg? Wo doch zukünftig GUle. Gase und Bazillen, die mittels Lustslotten über Heer und Land aiisgestmit weiden, die Kampfmittel sind? Und wozu denn das Bölkermorden? Wo toh ein Völkerbund über Recht n b Freiheit der einzelnen Völker emscheiden kann. Diese Frage» der Politik kann doch jede Frau mit durchdenken, denn sie hat doch die letzten zehn Jahre bewußt durchlebt und durch- litten. Und darum Hilst uns auch keine Entfchuldigling von Uiikennt- Iiis d) W"igl>»> Ster»e"»a>a«!� leil' die Rachl'chereii». 3. Rezitailaile» Ära» Marie Boilchaidl(Thealer des Westens)., 4 Rii«sra»e: Das Rech! auf Freude 5, Lieder �ur Laute: Llsa Abrecht— gieririid Rar-N. 0. Neigeutiinze der Saroeriimpne»Pr«u, Inner Berip": a) Ich geh durch eine» guiogriine» Wald. 1«) Don unter der Linde c) Ws ei» Nlein's Hitüle steht. «) öoppn, kieilsa. e) Der!ti>e>ut und der Ptedemlu. 7. Sejitaliouen; Frau Marie Borchardt(Theater de? Westen?). 2. �benöfeier ZNiltwoch, den 26. Rovember 1924. abends 7 Uhr. in der.Reuen TveltF hnsenheidc. Sna'ossnung 6 Uhr. Programm w rd i»» der nächst� Nu'.nmcr der„Wählerin" veröffentlicht. A. Nachmittagsfele? NUllwoch, den Z. Dez-mber 1924, nachmittags 4 Uhr, im 5aalbau Friedrichshosn. Saatöfsnuug 3 Uhr. Prograluni roird iu der nitchste» Rümmer der„Wählerin" betaiuilAetteben. EInlrittsknrten zum Preise von 30 Pf. für jede Veranstaltr.ng sind zu haben: Lindensir. 3, 2. Hos II links, Zimmer 1. All M M m WZ. iil! sn l WM« Sie me m StzislSkMllgZie! Seitrc'ttserklärung. Hiermit erkltlrc tch nie inen Eintritt tu die Sozi>il< dcniokrälische Partei lBe.zKl Berlin. Abt-ikttitg-------_) • A» Beiträgen enirichle ich: Ein!ril!k«zeld«ill Pleunig. _ Aochenbenräge mämil 20, iveibl. 10 Bf.?a. M. ___ den__ 1024. Vor- und Fuiiauic:. geb. am__ , zu Z laittSangeiwrigkeil 2.____;----— Sfand:_.— Wehuung: �-__ 1_________ 1_„. �-—- Bei der?ia ntdme Iii letn eri!-:(!>»l>i.«est auher-.deli: Stnurnvzeld lUlNdtcheit» dl» Beitrage tlii eaieii Monat 14 Woche. lj tse.ahlt m tbeul Ich abonniere den..Borwärls" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Boll und Zeit", der Nnterballungs- beilage„L)eimwel»" nnd der Beitag«-„Frauen stimme" in Groh-Beriin lägiich zweima! trei ins Haus. (Monatlich lt.— Goldinark. Ivo t«'.stich 70 Goidstsentlig.) Nalne � Wohnung: i Straße Rr vorn--- 5)oi— Ouergeb.— Seit nsl.— Tr. liii''s— rechts bd Huautwoittich Tlm.tfl Tcbmlmici.— Druck. Bsrlrö??uck,drnckcre! und VerlagsaultaU Paul Cinser n Co. Trrüu SA tA. ÜAxbti&csfa 3.