Mutter und Kinö. Nichts Lieberes auf der Welt gibt es. als ein Kind; kein höheres und reineres Glück als Mutter fein; keine heiligere Aufgabe, als die Erziehung des unbewußten Kindes zum verantwortlichen Menschen: kein« größere Freude als das Gedeihen eines jungen Menschen an Leib und Seele. Wenn jede Frau ganz Mutter sein könnte, wenn all ihr inneres Glück unbeschattet von Sorgen und Not zurückfluten könnte in die Familie über Mann und Kinder wie Sonnenschein, welch neues Geschlecht müßte heranwachsen, wie vollkom» men müßte die Welt mit fol- chen neuen Menschen werden. Aber diese Volltom- menheit de» Glückes von Mutter und Kind wird ein fchönerTraum bleiben, bis die wirt» schalt lichen und sozio- le n Verhältnisse vollkommen umgestaltet sind. Solange Kinder in dumpfen Stuben lichtloser Höfe geboren werden, solange sie ohne genügende Pflege und Nahrung, auf dem Stra- ßendamm und an Müllkästen spielend aufwachsen müssen, solange die eben erwachenden Sinne bei dem Wohnen von einem halben Dutzend oder einem Lutzend Menschen in einem Raum alles Häßliche und Harte, oft sogar Gemein- heit und Roheit, wahrneh- men müssen, solange kann da» Geschlecht nicht heranwachsen, da» gut und frei und stark zum Lebenskampf ist. Wer ernstlich an einer Aufwärtsentwicklung der Menschheit mitarbeiten will, muß darum zuerst für die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse kämpfen, muß dafür sorgen, daß die bretten, leidenden und schaffenden Massen des Volkes mehr Ein- fluß auf die Gesetzgebung, auf die Gestaltung des politischen Lebens bekommen. Hat da» jede von euch getan? Oder habt ihr euch daraus be- schränkt, zu schelten und zu jammern über das schwere Leben? Rur unzufrieden sein, nur Sehnsucht nach besseren Zuständen empfinden bringt uns keinen Schritt vorwärts. Wir müssen die natürlichen Zusammenhänge der Ursachen und Wirtun- gen im Staats- und Wirtschaftsleben erkennen und dann müssen wir uns mit klarem Willen in die Reihen derer stellen, die sür eine Umgestaltung und Besserung der gegen- wärtigen Verhältnisse arbeiten. Das sind die Sozial- demotraten. Gerade jetzt, kurz vor den Wahlen, kommen alle poli- tischen Parteien und sagen den Frauen, Müttern und Mädchen, was sie alles für sie getan hätten. Da ist es notwendig, genau zu prüfen, damit am 7. Dezember ein Wahlresultat zu st and« kommt, welche» in den kommenden 4 Jahre» dem arbeitenden Volte und seinen Kindern nützt. Wir dürfen wählen, unser Schicksal mitbestimmen, weil uns die sozialdemokratischen Männer von 1g18 da» Wahl- recht gegeben haben. Die anderen Parteien hatten es uns bis dahin, trotz aller Lasten, die die Frauen im Kriege ge* tragen haben, verweigert. Wollen wir unser vor« nehm st es Staatsbür« gerrecht nun aus- nützen, um unseren Gegnern zu dienen? Da sind zuerst die Deutschvöl- tischen, die nur Frauenstim- men haben wollen, aber au» Grundsatz keine Frau zum Reichstag oder zum Landtag aufstellen: die die Frauen- erwerbsarbeit mit allen Mit- teln bekämpfen. In de« Reihen dieser Partei sitzt auch Herr Ludendorff, nach' dessen Willen der Weltkrieg solange geführt wurde, bis für Deutsch- land alles verloren war; der dann nach Schweden aus- rückte und nun gegen die deutsche Republik für neue Putsche, für neuen Krieg und für die Wiederkehr des Kai- fers Stimmung macht, damit er, Ludendorff, wieder oben- auf kommt. Will eine Fraunocheinmalalle» durchmachen, was Lu- dendorff und seines- gleichen über da» deutsche Volk gebracht haben? Nein! Darum darf keine Frau um Ihrer selbst und um ihrer Kinder willen deutschvölkisch wählen. Aber ebenso wenig darf sie ihre Stimme für die Deutschnationale Voltspart ei oder für die Deutsche Voltspartei abgeben, denn politisch wollen diese genau dasselbe: sie bekämpfen die Republik, sie wollen den Kaiser wieder haben. Denselben Kaiser, der nicht auf dem Schlachtfelde starb, wie Millionen deutscherMännerundJüngltnge, sondernder vorzog, nach Hollandzudersertteren. Der nicht sein Vermögen aus dem Altar des Vaterlandes opferte, sondern es dem. verarinten Deutschland nahm und nun von Preußen immer mehr verlangt. lind wenn die Sozialdemokraten es nicht bisher verhütet hätten, dann wären ihm die Riesensummen zugestanden worden, obwohl Massen deutscher Kinder hungern, unterernährt sind, körperlich ul»d seelisch zugrundegehen. Die Deutsch nationalen und die Deutsche Volks- pa»te i w o k l e n neue lle auf alle Lebensmittel. Jeder Bissen Brot, j, des Häppchen Fleisch soll ver- teuert werden und gerade die größten Familien würde diese neue Teuerung am meisten treffen. Die Sozialdemo- traten haben diese L e b e n s m i tte l zo l l e im letzten Reichstag verhindert; nun sollen die Frauen am 7. Dezember selb st darüber ent» fch e l d e n. Wählen sie deutschnational oder deutschvolks- parteilich, dann kommen die Zölle auf Lebensmittel. Und nicht nur diese, auch Zölle aus Jndustrieprodukte drohen. Dabei wollen Deutschnationale und Volksparteiler nicht etwa, daß die Löhne steigen. Im Gegenteil, die Löhne sollen sinken, die Arbeitszeit verlängert werden; die Erwerbslosenfürsorge soll abgebaut werden, wenn darüber auch einige tausend Menschen zugrunde gehen, wie der deutschnationale Abgeordnete Dr. Ouaatz im Hanshaltsausschnß des Reichstags sagte. Die Woh- nungsbewirtschaftung soll aufgehoben werden, damit die Mieten steigen, das Wohnelend noch gröger wird, und die Lolksseuchen, Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten, noch mehr steigen. Die Sozialdemokraten haben die Mietsteuer bekämpft, sie haben durch eine vernünftige Siedlungspolitik der Wohnungs- not abzuhelfen versucht; durch Schaffung fortwährender Er- Weiterung der W o ch e n h i l f e haben sie den notwendigsten gesetzlichen Schutz für Mutter und Kind geschaffen. Dem letzten Reichstag lag ein Gesetzentwurs aus dem Washingtoner Abkommen vor, der diese Hilfe weiterausbauen will. Bon denWahlenam 7. Dezember hängtesab, obder kommende Reichstag für die Rot von Mutter und Kind Verständnis hat; bei den Wählerinnen liegt die Entscheidung. Die Gesundheitsfürsorge muß ausgebaut werden; Deutschnationale und Volksparteiler werden keine Besitzsteuern für diese Zweck« bewilligen. Für das Recht der unehelichen Mutter und ihres Kindes ist bisher nur die Sozialdemo- t a t i e e i n g e t r e t e n; für die Abänderung der Abtreibungsparagraphen des Strafgesetzbuches haben praktisch und mit Erfolg nur die Sozialdemokraten gekämpft. Die K o m m u- n i st e n behaupten es anders, aber kann eine ernste Frau diese Partei überhaupt noch ernst nehmen? Wohl kaum, denn tatsächliche Arbeit haben die Kommunisten im letzten Reichstag überhaupt nicht geleistet. Sie haben vielmehr immer wieder gesagt, daß sie mit allen Anträgen, die sie stellen, nur Stim- inung machen wollen für die Weltrevolution. Das ist ihre Sache, aber Sache der wählenden Frauen und Mädchen am 7. Dezember ist es, dafür zu sorgen, daß die gegenwärtigen Lebensverhältnisse besser werden und daß die blutige Ver- gangenheit nicht wiederkommen kann. Sache der wählenden Frau am 7. Dezember lst es, eineZukunft schaffen zu helfen, in der einreinesMutter-undKinderglückerblühen kann. Um dieser Zukunft willen muß sie die ListederSozialdemnkratiefürdenReichstag vnd fürden Landtag wählen. Clara Bohm-Schuch. Junge Sünöer vor Gericht. Bon Stadtrat Walter Friedländer, Berlin. Wer kann diese blassen Gesichter mit angstverdunkelten Augen vergessen, di« vor dem düsteren Ernst des Gerichtssaals, dem forschen- den Blick des Richters im schwarzen Tolar und des ebenso feierlich verhüllten Staatsanwalts ganz in sich hinein verkriechen? Bielen von ihnen tritt hier die Autorität des Staates zum erstenmale voll in» Bewußtsein, mit ihrer Gewalt, die den Jungen oder das Mädel chre Hilsslosigkeit fühlen läßt. � Bis zum vorigen Jahre kamen Kinder und Jugendlich« vom zwölften Lebenssahre ab. die gegen ein Strafgesetz verstoßen hatten, vor die allgemeinen Strafgerichte, das Schöffengericht, die Strafkammer oder das Schwurgericht, 12- und IZjährige Kinder standen oft wegen geringfügiger Straftaten zwischen gefährlichen Berbrechern vor dem Gericht, hörten beim Warten auf den Korridoren von den gewohnheitsmäßigen Besuchern dieser Stätten böse Dinge. Nicht wenige von chnen fühlten sich dann vor den Richtern als Helden eines Theaterstückes, wenn mit einem heimlichen Blick auf ihre Freunde und Bekannten, die dichtgedrängt im Zuschauerraum saßen, dem Richter eine freche Lüge weiszumachen versuchten. Gelang es ihnen, freigesprochen zu werden, weil die Tat ihnen nicht nachge- wiesen werden konnte, oder kamen sie mit einem Verweis davon. well bei ihrer Straftat ein besonders leichter Fall vorgelegen hatte, so meinten sie oft genug, in dem Verfahren einen Triumph" errungen zu haben. Sonst aber mußte das Gericht auf die gleichen Straf-n erkennen, wie gegen Erwachsene. Erforderlich war nur, daß der Jugendliche bei der Begehung der Straftat die zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderliche Einficht befaß. Diese frühere gesetzliche Regelung wurde feit langer Zeit als unhaltbar angesehen, und feit dem Jahr« 1907 lagen Borschläge zur Abänderung dieses traurigen Zustandes vor. Allein erst der Eni- Wicklung nach der Revolution, und zwar zum wesentlichen Teil den Anregungen des Genossen Prof. Dr. R a d b r u ch als Reichsjustiz- minister und der Unterstützung der sozialistischen Reichstagsmitglieder blieb es vorbehalten, m jahrelangen Kämpfen das Jugendgc- richtsgefetz zu schaffen, das feit dem 1. Juli 1923 in Kraft ge- treten ist. Schulkinder kommen jetzt nicht mehr auf die Anklagebank. Die Strafbarkeit eines Jugendlichen beginnt nun erst mit dem 14. Lebensjahr. Die sozialdemokratische Fraktion hatte darüber hin- aus beantragt, Strafmündigkeit erst mit dem 1ö. Jahre eintreten zu x lassen, war aber hiermit nicht durchgedrungen. Ein Junge oder ein Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren dürfen nur bestraft werden, wenn sie zur Zeit der Tat nach dem Grade ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung fähig sind, das Ungesetzliche ihrer Tal einzusehen und ihren Willen dieser Einsicht gemäß zu bs- stimmen. Das Gericht muß also die persönlichen Eigenschaften des Jugendlichen, feine Intelligenz, feinen Charakter, feine Entwicklung und feine Umgebung sorgfältig prüfen, ehe es zu einer Verurtc rng kommen darf. Es hat nicht in erster Linie zu fragen: wie muß der Jugendliche bestraft werden, fondern: wie kann der Jugendliche vor weiteren Straftaten bewahrt, auf den rechten Weg zurück- gebracht werden? Trotz mancher Mängel liegt hierin der große Fort- schritt des Jugendgerichtsgefetzes: der Erziehungsgedanke hat gegenüber dem reinen Strafgedanken gesiegt. Steht jetzt ein Jugendlicher vor dem Richter, so muß dieser zuerst prüfen, ob Erztehungsmaßregeln erforderlich sind; sind diese Maßregeln aus« reichend, so hat der Richter von Strafe überhaupt abzusehen. An Erziehungsmaßregeln stehen ihm zu Gebote: Verwarnung, Ueber- werfung in die Zucht der Eltern oder der Schule, Auferlegung be- fonderer VerpfNchtungen, z. B. Verbot des Rauchens, des Besuchs von Kinos, Varietes, Tanzlokalen, die Unterbringung in eine Pflegeftell« oder Anstalt, Schutzausficht oder Fürsorgeerziehung. Alle Straftaten Jugendlicher werden jetzt von dnn Jugendgericht abgeurteilt. Es bestcht ans einem auf diesem Gebiete er- sohrenen Richter als Vorsitzenden und zwei Jugendschöffen, die aus einer vom Jugendamt eingereichten Vorschlagsliste ernannt find. Einig« besonders schwere Straftaten werden vom großen Jugend- gericht entschieden, das aus zwei Richtern und drei Jugendschöffen ge« bildet wird. Das Verfahren lst im Gegensatz zum gewöhnlichen Strafprozeß nicht öffentlich. Hierin ist vom pädagogischen Standpunkt aus ein wichtiger Gewinn zu erblicken. In der Ver» Handlung werden gar oft Dinge ans Licht gezogen, die das Scham- gefühl des Mädchens oder des Jungen tief berühren, die als Schuldige oder als Zeugen in das Verfahren verwickelt find. Jetzt können nicht mehr alle Bekannte und Nachbarn mit gespannten Öhren auf den Bänken des Saales sitzen und sich an der Verlegenheit der armen jungen Menschen weiden. Es fällt auch jenes Gegenteil fort, daß sich kecker geartet« Jugendliche durch den Zuhörerkreis in eine Helden- rolle gedrängt fühlen. Was führt unsere jungen Sünder vor die Schranken des Ge- richts? In der Zeit der Inflation und der raschen Geldentwertung waren neun Zehntel aller Straftaten von Jugendlichen Eigentums- oergehen, Diebstahl und Unterschlagung. Besonders häufig war In dieser Zeit der Metalldtebstahl, zu dem auch die zahlreichen Aufkauf- stellen die Jugendlichen stark anregten. Damals hoben sich an folchen Metalldiebftählen gerade die jüngeren 12- bis 13jährigen Jungen be« teiligt. Jetzt find diese Straftaten seltener geworden und auch die Cigentumsvergehen find zurückgegangen. Hingegen wird oft genug der Junge oder dos Mädel vor das Gericht gezogen, weil sie gegen einen ihnen ungerecht erscheinende Polizeistraf« Einspruch erhoben haben. Hier handelt es sich zumeist um geringfügige Vergehen; besonders häufig stehen hier die Anklagen wogen des Berfäumens der Fortbildungsschule zur Verhandlung. Die kurzfristige Freiheitsstrafe, die ftüher häufig verhängt und vollstreckt wurde, wird heute von den meisten Jugendgerichten nur selten und ungern angewandt. Sie befürchten, daß ein Jugendlicher, der auf einige Tage ins Gefängnis gesteckt wird, dort schlecht beein- fiußl wird. Erziehlich ist es gewiß nicht, daß diese Jungen und Mädchen auf ein paar Tage im Gefängnis bleiben. Schwere Ver» brechen sind bei Jugendlichen in letzter Zeit nicht so häufig gewesen. In der Mehrzahl der Fälle kann das Jugendgericht deshalb im Urteil die Bollstreckung der Freiheitsstrafe ausfetzen. Der Jugend- liche soll sich dann in einer Probezeit von zwei bis fünf Jahren Straf- erlaß verdienen; bewährt er sich in dieser Frist, so wird ihm die Strafe erlassen. Bei der Beurteilung der Straftat kann das Jugend» gericht stärker als ftüher die soziale Lage der Jugendlichen und seiner Familie berücksichtigen und damit auf die wahren Ursachen des Ver- brechens zurückgreifen, die oft genug nicht in der verbrecherischen Neigung des jungen Menschen, sondern in dem harten Zwang der Not zu finden find. Zwei Welten. Mutker?.Der Hund hat's bester als meine Kinder." Die Damen:»Aber, liebe Frau, wir beneiden Sie so um Ihre lieben Sinder." Mo t t e r:»Ich lausch auch gar nicht mit euch, Ihr seid mit eurer Liebe aus den Hund getommen— aber dost meine Kinder aus den Hund kommen, weil'» eure Hunde zu gut haben— das ist eine Schandei" Gassenjunge. Seh' ich im Staub der Gasten ihn spazieren, So schmutzig und so schön. Mi» Kleidern, die aus Flicken nur bestehn, Zerrist'nen Schuh'n und pfiffigen Manieren, Seh' Ich ihn mitten auf dem Slrahenpflosier Mi« Lumpen«n den Leinen, Wie er die armen Hunde wirft mit Steinen, Schon frech und fchon vertraut mit jedem Laster. Seh' ich ihn springen, hör' ibn lachen helle, Das arme Dornenreis. Da» seine Mutter in der Werkstatt weih, Die Hütte leer, den Vater in der Zelle, Dann greift die Angst um Ihn mir an die Seele, „Wie findst du." frag' ich mich. .So ausgestoßen und so schutzlos dich Zurecht in dieser Welt voll Schuld und Fehle?... Was wirft du wohl, du muntrer Hungerleider In zwanzig Zahren fein? Ein Gauner und Betrüger schlau und sein. Ein fleih'ger Arbeitsmonn— ein Veutelschneider? Trägst du dereinst des Handwerks Ehrcnkittel,— Des Sträflings rauhes Kleid? Tress Ich dich bei gefunder Tätigkeit.— verdammt zum Kerker, oder gar im Spittel?.. ... Ach sieh, ich möcht' zu ihm heruntersteigen And ziehn ihn an mein herz: Zch möchte, ihn umarmend, meinen Schmerz, Mein Mitleid, meine Traurigkeit ihm zeigen. And warme Küste möchte ich ihm drücken Auf Stirn und Wangen gleich, Und flüstern ihm, an Viuderliebe reich. Die heil'gen Worte zu, die mich ersticken: .Auch mir ist stets das lwgiück treu geblieben, Ein Dornenreis bin ich gleich dir, Die Mutter schafft auch in der Werkstatt mir. Ich kenne jedes Leid... ich muh dich lieben." Ada)kegri. Der Stimmzettel entscheidet. Bon Gertrud Hanna. „Nur Arbeit kann uns retten!" So ruft das Unter. nehmertum, und es sperrt Tausend« von Arbeitnehmern aus, wenn sie sich Unteniehmerwünscheu nicht willenlos fügen. „Zurück zur Einfachheit ueid Sparsamkeit!" So rufen die Besitzenden, und sie überbieten sich gegenseitig im Zurschau» stellen von Luxus und Verschwendung verlangen aber Beschränkung des Einkommens der Lohn- und Gehaltsempfänger. Diese Schlagwort«, die auch im Wahlkampse eine Rolle spielen, sollen dazu dienen, die Gründe für die Notlage unseres Volkes und unseres Landes zu verschleiern, sie sollen Helsen, Wah'stimmen zu sangen, damit in Zukunft die Durchführung arbeiterfeindlicher Ab» sichten gesichert ist. Arbeiterinnen, seid auf Eurer Hut! Das Unternehmertum ist energisch bemüht um die Zusammen» setzung der Parlamente nach ihrer Richtung, die eine Garantie bietet für arbeiterfeindliche Politik. Es unterstützt die Parteien mit großen Geldmitteln, d?« sich verpflichten, gegen Arbeiter. schütz und Sozialpolitik zu wirken. Pro Kops der beschäftigten Frauen und Männer sollen 2 bis 4 M. für den Wahlkampf von der Industrie aufgebracht werden. Dafür ist Geld vorhanden Wenn die niedrigen Löhne oufgebeffert werden sollen, heißt es: Die Wirtschaft leidet Not und kann«ine größere Belastung nicht tragen. Mit der gleichen Begründung wird der Achtstundentag abgelehnt. Daß durch Verlängerung des Arbeitstages die Zahl der Erwerbslosen um Tausende vermehrt wird, spielt keine Rolle. Ebenso wenig wird danach gefragt, was aus den verheirateten und unverheirateten Frauen wird, die heute mehr als zuvor nach Feier- abend und ehe sie zur Arbeit gehen, Hausarbeit verrichten müssen. heute reicht das, ums weibliche Arbeitnehmer in Industrie- und töandelsbetrieben verdienen, noch viel weniger als früher aus zur Deckung des Lebensbedarss. Da heißt es denn für unendlich viele, neben der Crwerbslirbcit selber waschen, nähen, flicken, stopfen usw., für sich selber und für den Mann und die Kinder und auch in der Winfchaft alles selber besorgen Arbeiterinnen! Ein langer Arbeitstag, wie Ihn das Unter- nehmertum wünscht, würde Euch geradezu zu Lasttie>e» machen. Er würde Euch die ohnehin schon knappe freie Zeil noch mehr be« schränken und damit auch das bischen Freude am Leben. Mit der Verlängerung de, Arbeitszeit steigt die Zahl der Cr» werbslosen. Damit erhöht sich die Unsicherheit Eurer Existenz. Es steigt damit aber für die Unternehmer die Aussicht auf Ver- schlechterung Eurer Löhne und anderer Arbeitsbedingungen mit Hilfe der arbeitslosen Reservearmee. Dies« Aussicht ist schon ein Opfer wert. Die 2 bis 4 M. Wahlgelder pro Kopf der beschäftigten Arbeitnehmer kommen wieder heraus, wenn dadmch arbeiterfeindliche Politik gesichert ist. Arbeiteriimen! Das dürft Ihr nicht ruhig hinnehmen. Da- gegen müßt Ihr Euch wehren am 7. Dezember durch Abgabe Eurer Stimme für die sozialdemokratische Partei. Tut Ihr es nicht, müßt Ihr und müssen all« aus Eiwerbsarbeit ange» wicsenen Volksgenossen es büßen durch Verschlechterung Eurer Lebensbedingungen. Schon In den letzten Monaten war es der bürgerlichen Mehrheit möglich, zu erreichen, daß Reichs- und Staatsmittel für die Unter- stützung Erweibsloser so gut wie gar nicht mehr hergegeben werden. Die Mittel hierfür müssen jetzt durch Beiträg« von den Arbeitnehmern selber aufgebracht werden. Trotzdem haben sie keinen Rechtsanspruch auf Unterstützung. Nur wer als bedürftig betrachtet wird, erhält Unterstützung. Die Wirtschaft kann sich den Luxus einer Erwerbsloscnunter- stützung mit Rechtsanspruch nichl leiste», erklären die Unternehmer. Und damit sie sicher gehen, daß eine solche Einlichtung nicht doch getroffen wird, geben die Unternehmer große Mittel her für Unter- stützung der Rechtsparteien. Für die auf Erwerbsarbeit angewiesenen weiblichen Arbeit» nehmer ist dies von ganz besonderer Bedeutung. Bei ihnen wird bekanntlich. besonders streng verfahren bei der Beurteilung der Frage, ob Bedürftigkeit vorliegt. In manchen Orten werden arbeits- lose Frauen bis zu 21 Jahren überhaupt nicht unterstützt, obg'eich auch diesen Beiträge für die Erwerbslolensürsorge vom Lohne ab- gezogen werden. Jetzt sollen die weiblichen thausange» stellten gänzlich aus der Erwerbslolenfürsorg« herausgenommen werden. Solche Maßnahmen tresfen die aus Erwerbsarbeit ange- wiesenen Frauen hart, und sie erhöhen die Gelegenheit, die Löhne niedrig zu halten und auch die sonstigen Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Eine Aenderung zum Bessern kann nur eintreten, wenn der Einfluß der Rechtsparteien gebrochen wird. Da» geschieht durch Stärkung des Emflusscs der Sozlaldemo. traten. Hierzu beizutragen durch Abgabe eines Stimmzettels für die Sozialdemokratische Partei ist deshalb Pflicht einer jeden Arbeiterin. Die Abgabe des Stimmzettels ain 7. Dezember entscheidet über da» Schicksal des deutschen Volkes. Arbeiterinnen, gebt am Wahltage Eure Stimme der Sozialdemokratischen Partei t Zrauen und Kommunisten. „Was versteht ihr Frauen von Polititi Auf den dümmsten Schwinde! unserer Gegner fallt ihr herein!* Welch« Arbeiterin, die Tag für Tag im Betrieb neben männlichen Arbeitern steht, hat nicht schon diese Antwort bekommen, wenn sie zu irgendeiner politischen oder auch nur Betriebs frage ihre Meinung sagte. Mit dieser Antwort haben die männlichen Arbeiter aber sehr unrecht. Wohl kümmern sich leider viele Frauen nicht so viet um Politik, wie es in ihrem eigenen Interesse wie im Interesse ihrer ganzen Klasse zu wünschen wäre. Abe� man kann der Arbei- terln im Betrieb gewiß nicht nachsagen, daß sie besonder» leicht auf Agitationsschwindel hereinfiele. Im Gegenteil! Die Zahl der Männer, die auf die Mätzchen der Kommunisten hereinfallen, ist im Verhältnis viel größer wie die der Frauen. Die Zahl der Kommu- nistinnen ist in allen Betrieben verschwindend klein. Allerdings ist auch die Zahl der kommunistischen Arbeiter sehr zurückgegangen. und die Wahl am 7. Dezember wird zu einer gewaltigen Niederlage der Kommunisten werden. Heute lassen sich denkende Arbeiter und Arbeiterinnen nicht mehr von den Kraftmeiereien der Kommunisten einsangen. Sie haben aus den Erfahrungen der letzten Jahre geiernt! Ganz besonder» der letzte Reichstag, der nun glücklicherweise aufgelöst ist, hat den Arbeitern gezeigt, was sie von den Kommunisten zu erwarten haben. Mit Kindertrompeten haben die kommunistischen Abgeordneten dort viel Lärm gemacht. Das war die Hauptsadjd Bei allen wichtigen Abstimmungen standen sie an der Seit« der Völkischen und der Deutsch nationalen. Die wichtigste Abstimmung des letzten Reichstags betraf die deutsche Außenpolitik Die Arbeiterschaft braucht die friedliche Verständigung mit England und Frankreich. Das ist der ein- zig« Weg. der uns den Wiederaufbau unserer Wirtschaft ermöglicht Es ist zugleich der einzige Weg. um dem Riesenheer der Arbeits- losen wieder Arbeit zu verschaffen. Sind die Arbeitslosen erst ein- mal wieder in den Betrieben und haben die Werke genügend Auf- träge, dann wird«s auch den Arbeitern und Arbsiterinnen wieder möglich sein, ihre sozialpolitischen Forderungen durch» zusetzen, den Achtstundentag zurückzuerobern und höhere Löhne zu erkämpfen. Daran haben die Kommunisten kein Interesse. Sie stellen ihr« Forderungen, wie Achtstundentag, Lohnerhöhungen usw.. nicht ans. um sie den Arbeitern wirklich zu erkämpfen. Sie benutzet! diese Forderungen nur als Agitotionsmittel. Als es das ist öer Stimmzettel: Neichstagswahl 1NS4. 3 03 uf». Unsere Liste führt in jedem Wahlkreis dl« U u m m er 1. Zede Wähleria muß iabemSrei» neben der Ein» ein kreuz oder einen Strich machen t galt, im Reichstag für«ine friedliche Berständigungspolftit zu kämpfen, da stimmten die Kommunisten Seite an Seit« mit de» Völkischen und einer Hälfte der Deutfchnationalen gegen die ent- sprechenden Abkommen mit den Siegerstaaten. Von den Völkischen und Deudschnationalen, die den Rochekrieg gegen Frankreich pre» digen, war nichts anderes zu erwarten. Sie vertreten die Interessen der früheren Offiziere und Kriegsgewinnler. Daß aber die Kom- munisten einen solchen Verrat an den Interessen der Arbeiter und Arbeiteriniren begehen konnten, das begreift nur der Arbeiter, der dedenkt daß die KPD. von den Russen bezahlt wird, und daß die russische Regi?rung ein Interesse an einem rechten Durcheinander in Europa hat. Für dos wohlgsfüllte rassische Portemonnaie haben die Kommunisten die Interessen der devtschea Arbeiter verkaoft. Sie spielen mit dem Frieden. Sie beschwören die Gefahr eines neuen Krieges herauf, in dem das waffenlose Deutschland, und vor allem sein Proletariat, ungeheure Opfer zu bringen hätte. Der 7. Dezember wird ein Tag der Abrechnung sein mit der gewiifernoten Politik der Kommunisten. Jede Arbeiterin, die am Wahltag kommunistisch stimmen würde, fetzt« damit thren Mann, ihren Sohn, sich selbst den Gesochren und dem maßlosen Leid eines neuen Krieges mts. Zugleich würde sie damit in ihrem Betrieb den Einstuß derjenigen stärken, die wohl am lautesten schreien können, die aber versagen, wenn wirtlich etwas für die Arbeiterschaft, speziell für die Arbelterinnen herauszuholen ist. Wer den Frieden will und den Achtstundentag. wer die Partei fördern will, die noch am ehesten Lohnerhöhungen durchsetzen kann und die immer gekämpft Hot für die Gleichberechtigung der Frauen, wer zu der Partei gehören will, die am 7. Dezember siegt, der wählt sozialdemokratisch. Anna Geyer. Aller Frauen Wahlparole ist die Sozialdemokratie! Wählt Liste 1, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands! Tretet der Partei bei! Werbt Leser für den„Vorwärts"! Seitrittserklarung. Hiermit erkläre ich meinen Eintritt in die Sozial- demokratische Partei lBeztek Berlin. Abteilung- An Beiträgen entrichte ich: Eintrittegelb 50 Pfennig, _ Wochenbeiträge ntärntl. 20, weibl. 10 Pf.. Sa-- M. , den_ 1924. Vor- und Zuname:. geb. am_ Staatsangehörigkeit� Wohnung:_ zu- .Stand: 'Bei der Aumahme itt W>r erwiinicht. dag außer dem EinlrMsgeld mwdcltene die Beilriia»(fit einen Monat 14 Woidenl aexiIM werden» Ich abonniere den.Vorwärts' mit der illustrierten Sonntagsbeilage»Volt und Zeit*, der Unterhaltung»- beilage.Heimwelt* und der Beilage»Frauenstimme* in Graß-Berlin täglich zweimal frei ins Hans. (Monatlich 8.— Goldmark, wöchentlich 7V Goldpfennig.) Name: Wohnung: -Straße Nr- vorn- Hof— Ouergeb.— Seilenfl-- Tr. links— rechts bei—-——- «rrantworliichi Minna Todlnhageu.— Druck: Vorwittts-Buchdruckrtti und Vcrlagsanfialt Paul Sing« u. To.. Perlin TW GS, Lindeustrahe 8.