1 Die verhexte Stadt, «tue teuere epit»uOengrf«i«tt bon Copyrygbi Dy üeorg Müller VcrUt AzU München. I t I '1 atrf r snK Last äX* ÄUU <*» - 30* (UF Weder Funke noch feig« Beamten fanden das geringste Auffällige darin. Unter leb- dastem Protest der Pensionsinhaberin wurde das Zimmer versiegelt, um es lags darauf durch einen Spezialbeamten nach Fingerabdrücken durchsuchen zu lassen. Die Dienstboten wurden einzeln verkommen.- Auch st« wußten nichts besonderes, außer M Warkenberg ein entzückender Mensch sei. .Das Zimmermädchen berichtete, er habe sie rmmal in die Wange gekniffen und geküßt. . Was sie dazu gesagt habe? Nichts. Das käme öfters vor. Wie zu erwarten war, lief aus Ham. ourg auf telegraphische Anfrage die Antwort km: Schriftsteller von Wartenberg hierorts Unbekannt. Der Dienstmann, der das Gepäck zum ^ahnhof gebracht hatte, hatte sich trotz öffeni- sicher Aufforderung und Aussetzung einer Belohnung nicht gemeldet. Wahrscheinlch war gar kein echter Dienstmann, sondern ein derklcideter Gehilfe des Verbrechers gewesen. . Wartenberg selbst hatte sich nach feinem ^Heiden aus dem Fremdenheim Sanitas in Errckendorf nicht wieder polizeilich gemeldet, ^iolleicht war er tatsächlich abgereist? ~»Was ist das für ein sonderbarer Mensch?" grübelte Funke, den Kopf in die Hand stützend.„Nach den Zärtlichkeitsbezeu- stungen gegen das Dienstmädchen scheint mir Ar Beweis erbracht, daß er männlichen Achlechts ist. Entweder also haben sich die »chreihsachverständ'.gxn getäuscht, was ich i'Men ohne weiters zutraue, oder aber Meier uj’H ist nur eines der Werkzeuge IN der Hand überaus raffinierten Rädelsführerin, > iin der wir' überhaupt noch keine Spur Dann hätte m>ch also gar nicht der »i«^üdo-Rechtsanwalt, sondern diese Änfüh- Ab der Bande in die verfluchte Telephon- äriHe eingesperrt; denn das Briefchen wies die bekannte Handschrift auf. Oder aber Ij" Mar doch Meier HI. und das Brieschen J ur schon zu Hguse vorbereitet? Aher dasSatausweib konnte doch gar laicht wissen daß ich telephonieren würde! ~m So viele Möglichkeiten, so viele Abers!.. Wori ettltnaer. Das Einfachste scheint mir noch immer die Annahme, daß Meier III das Haupt der Bande ist, und daß er sich aus kluger Berechnung eine Damenhandfchr.fi angewöhnt hat oder daß er seine Schriftzüge ebenso virtuos zu verstellen weiß wie seine Stimm«... ... Daß er ehemaliger Artist ist, steht »für mich fest. Ebenso fest steht aber auch, daß 'er den gebildeten Kreisen entstammen muß. Sein Rechtsanwalt-Briefwechsel mit Bohn- kraut ist tadellos,— ein ungebildeter Mensch hätte diese Fäischungen niemals auf die Dauer so überzeugend durchführen können; das Anwaltsdeutsch ist geradezu überivältr- gend naturecht... ... Ebenso spricht für einen höheren Bildungsgrad, daß er sich in dem vornehmen Fremdenheim wiederholt in ersten Kreisen zu bewegen verstand, ohne je aus der Roll« des wohlerzogenen Mannes zu sirsten... ... Schließlich bewiesen auch seine Aeu« tzerungen am Telephon und vor der Zelle jene glatt« ironische Ausdrucksgewandtheit, die nur in der besseren Gesellschaft heimisch ... Wie kam so ein Mensch auf die Bahn des Verbrechens? Und weshalb tut er sich mit ganz gewöhnlichen Taschendieben zusammen?... ... Ob nicht doch ein Weib dahinter steckt? Vielleicht das Urbild des Frauenporträts, das er mit sich führt?— Dies« Vermutung hat jedenfalls einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich!... ... Wo mag die Band« nur ihren Raub versteckt haben? Das Abbruchsmaterial der Billa Sonnenschein wurde durch den blonden Herrn an de hiesig? Firma Münzer& Co. verkauft; aber wo lind die Möbel hingekom- men? Wohin de neuen Beutestücke, d e Mäntel, Düte Schirme. Stöcke. Gummi- schuhe, Schafs? Wohin die Brieftasche, Halsketten. Ohrringe, Uhren, Armbänder, Krawattennadcln, Zigarrenetuis, Geldbörsen, Ringe?... . Es ist zum Auf d-e-Bäuure-klcttern! Assessor Funke drückt« auf den Knopf r elektrischen Klingel, der sich auf der Schreibtischplatte befand. Ein Amtsdiener trat ein. „Lassen Sie den Man» aus Zell« 20 vorführen! Und ein Protokollant soll an- schwirren mit dem Akt Meier III." „Sofort, Herr Assessor." Wenige Minuten später saß an dem an der Seitenwand stehenden Schreibtisch der Protokollführer Franz Gerstle vor dem bereits munter angeschwollenen Akt Meier III, und nach einigen Minuten brachte ein stämmiger Schutzmann den Häftling aus Zell«"0. „Ich möcht' wissen, wann ich endlich rausgelaffen werd'!" sagt« der Gefangene. „Das dürfte voraussichtlich noch ziemlich lange dauern!" erklärte Funke kurz und abgehackt. Er halt« sich für diese dienstlichen I Angelegenheiten diesen scharfen, schneidigen ! Ton angcwöhnt, den er für wirkungsvoll hielt.„Jedenfalls wird Ihr« hartnäckige Verstocktheit kaum zur Abkürzung Ihres hiesigen unfreiwilligen Aufenthaltes beitragen!" Der Borgeführte war ein Mann in t n vierziger Jahren, kärglich, aber nicht ausgesprochen zerlumpt gekleidet. Sein Gesicht wußte von den Tagen des Hungers, der Not zu erschien. doch fehlte das Kainszeichen des Lasters. Ein Menschenkenner würde in seinen Mundwinkeln das bittere Lächeln jenes Galgenhumors entdeckt haben, der sich mit den leiblichen Nöten eines armstligen Lebens abgefunden hat, und der mit resigne.ter Ironie die Ungerechtigkeiten einer Weltordnung über sich ergehen läßt, an der er sich unschuldig weiß. Der Mann gab stine Antworten und stellte seine Fragen mit drollig-spöttischer Patzigkeit, die sag?» zu wollen schien:„Macht >vas ihr wollt, cs kann mir im Gefängnis auch nicht v:-.l schlechter gehen, als in der Freiheit!" Zugleich schien ihn die Neugier zu belustigen:.„Ich. bin gespannt, wie die Geschichte ansgeüt?" Wenn er der gesuchten Verbrecherbande angehörre, so konnte er jedenfalls nur em canz rnitergeiLdnetes Mitglied sein. Immerhin mochte er manches wissen, was zu erfahren>ür die Polizei von Wichtigkeit war. Aber der Kerl verriet ja nichts. — s— < ,.Jch hab' gefragt, wie lang ich noch üerinsihen s. ll? Zwei Tage brumm' ich ictzi schon!" „Und i ch habe Ihnen gesagt, daß Sie noch viel länger brummen werden, wenn Sie sich nicht endlich entschließen, ein offenes Geständnis abzulegen! W i r haben Zeit, niein Lieber!" „Uh auch. Uh versäum' nix draußen." „Wir können Ihnen aber den Aufenthalt hier etwas unbehaglicher gestalten, indem wir Ihnen die Verpflegung beschneiden. Das wisien Sie doch?" .„Puddings- habe ich sowieso keine gekriegt.".. „Andererseits können Sie sich' einen schönen Brocken Geld verdienen. Ich kann bis zu fünftausend Mark Belohnung für wichtige Auskünfte auszahlen." Der Häftling lachte vergnügt. „Geld allein macht nicht glücklich, Herr Assesior. Und ich will die Polizei nicht berauben." Funke biß sich auf die Lippen. ^,Mit anderen Worten: Sie bleiben genau so halsstarrig, wie gestern und vorgestern?". „Unsereins hat auch seine Amtsgeheimnisse, Herr Assessor!" Der Protokollant Gerstle feixte. Ihm machte das Verhör Spaß. „Sie haben hier gar nichts zu grinsen, An meinen Sohn. Du bist, mein Sohn, der unverzagte Speer, An dem ich meinen Haß und meine Lieb« schärfe, Den ich mit Wollust in die Zukunft werfe, Mein liebes Kind, du Waffe und du Wöhr. Was sollt ich nicht, wenn alles mich verläßt. Und ich vereinsamt bin im Lieben und im Hassen Mich ganz auf dich, mein schönes Kind, ver- flassen? Noch halt! ich dich in strengen Händen fest. Bald fliegst du hoch im glanzerfüllten Bogen. Ins helle Licht und findest rot ein Herz. Bon seinem Blutstrom mächtig angezogen.' Bald springt ein Jauchzen himmelwärts. Bald wird im Blut ein neues Kind geboren. Wer Söhn« hat, ist nimmermehr verloren. Max Barthel. Dle Linien im Gesicht. Im zweiten Aprilheft der Weltbühne(S. Jacobsohn, Charlottenburg) gibt Käthe v. Luck- witz den deutschen Bergarbeitern— und allen Bergarbeitern der Welt— einige überaus beherzigenswert«. Anregungen, für deren weiteste Verbreitung wir Sorge tragen möchten. Kohlenarbeiter fahren in di« Gruben ein, täglich, stündlich. Während ich dies schreibe, ist schon wieder ein grauer Heerwurm auf dem Wege. Di« Grube ftißt ihn in sich hinein. Hat «r Glück, speit sie Ihn wieder aus. Nämlich lebendig. Hier und da hat sie Verdauungsstörungen: dann gibt sie nur Leichen von sich. Der Arbeiter kennt das Risiko, geht freiwillig in die Grube und wird immer wieder darüber belehrt, wie er sich zn verhalten hat. Cs geschieht„Alles". Die meisten Unglück« verschuldet di« Unvorsichtigkeit der Arbeiter— außer denjenigen, di« auf andere Ursachen zu-1 rückzufikhren sind. Was wollt Ihr— in der| Grube sollen schließlich Kohlen gefördert und Nicht Unfallschutzbedingungen studiert werden. Dieses Wort fiel mulich, als die Nerven Gerstle!" ereiferte sich Funke.„Das verbitte :ch mir!" „Ich mir auch!" sagte der Eingekochte pathetisch. ,^Jch stehe hier im Namen des Gesetzes." „Gut für Sie, wenn Sie das einsehen, eh« Sie die ganze Schärfe des Gesetzes kennenlernen!" wo, Herr Assessor! Ich krieg' meine drei Wochen, verbüßt durch die Untersuchungshaft, und dann: Adschö, alte Hütte!" „Wenn Sie sich nur da nicht täuschen! — Keimen S'e den Rechtsanwalt Meier HI?" „Hs das ein guter Verteidiger? Können Sie'n empfehlen? Nein, den kenn' ich nicht. Ich hab' noch nie was mit d«m Gericht zu tun gehabt." »Lügen Sie nicht so frech! Sie sind doch schon dreimal vorbestraft. Sie wissen doch, warum?" „Weil sie mich erwischt haben." „Beim Betteln. Schämen Sie sich nicht?" ,,£» doch— vor meinen Kollegen, daß ich nicht schneller'lausen konnte." „Ehrgefühl haben Sie keines?" „Ehrgefühl is was für Rothschilds." „Diesmal haben Sie gestohlen?" „Gestohlen nicht, bloß geklaut." „Geben Sie keine so unverschämten Ant-« Worten, sonst lasse ich Sie abführen!" einiger Herren vom Auffichtsrat mit Recht agaf- fiert waren von dem Feez nm die hundert pnd etlichen Arbeiter, die mal wieder einer internen Störung zum Opfer gefallen waren. Die Oeft fentlichkeit muß lernen, dies« Dinge ruhiger zu nehmen— deshalb wies der Herr vom Aussichtsrat sie mit väterlichen Worten auf den eigentlichen Zweck der Kohlenzechen hin. Unfälle lassen sich nicht ganz vermeiden— zum Glück war gerade in Amerika auch ein nettes Unglück grschehen, kcins von den bessern,' tinige fünfzig Arbeiter, nicht viel für Amerika, aber man muß Gott für alles danken: es war zur rechten Zeit gekommen. Wie wärs, wenn man den grauen Männern mit den kleinen Lampen ein« Bettiebsneuerung vorschlüge, für deren Einführung sie sich ein- setzen sollten? Es fährt kein Förderkorb mehr ein und aus, worin nicht ein Mitglied des Aussichtsrats Platz genommen Hot— es geschieht kein Ham- merschlag mehr auf einer Sohle, ohne daß in einem bestimmten Bereich ein Herr vom Aufsichtsrat anwesend fft, unter der Erde, da, wv die Kohlen gefördert werden, was, wie der Herr so richtig sagt«, der eigentliche Zweck der Zechen ist, und nicht da, wo di« Dividend«» bezahlt werden, waS nicht weniger ihr eigentlicher Zweck ist. Die Herren sollen nicht arbeiten, o nein, sie dürfen es sich bequem machen, sie dürfen sich auch öfters ablösen, denn ihre Konstitution ist zart, und man kann nicht erwarten, daß sie erst wieder ausfahren, wenn Schichtwechsel ist. Nur muß in einem bestimmten Umkreis immer einer von ihnen persönlich daran interessiert sein, daß das Menschenmöglich« geschieht, um Unfälle zu verhüten. Geiseln also? Ja, Geiseln. Aber nicht irgendein armer, bezahlter Kuli, der unbedenklich geopfert würde, so«ine Art„Sitzredakteur": nein,'sie selbst— sie selbst! Das ist nicht zu machen. Es würde eines gewissen Druckes bedürfen. N Kol. überrage Loch in »acht w knllspcril man dal kffen un schmecken .Und gerne!" Und J kuchen, t Sie geben aber zu, den Hund gestohW Jahres. das. Habcks rs erwart«!/" haben den Hund im Auftrag » AoftflUrimP wenn Sich Eines gewissen Druckes, in der Tat. Da^ wird es gehen.. ... In euer» Gesichtern, graue Männer, M dir' harten Linien derer, die täglich ihr L«b4 in di« Hand nehmen— so konstatierte jüW cin Journalist, der euch den Puls fühlen' kommen war, nach einer inneren Störung>1» eurer zweckvollen Zeche. Er schien zu finden daß es euch stand. Wollt Ihr den Herren AussichtSräten NW m Gelegenheit geben, sich diese Linien zu erwerbest. Bon SafeddemWeisen. 2’**’ in tfi Nun ist es mein« Gewohnheit, in der alten Sommerszeit wegzureisen und mich ein>4»j«egko Zeit neben einem klein«» See auszuruhen. p di« Tochter der Tochter Keturahs faß dort mir und erzählte mir von der Arche Noah"" toi« die Taube um d«n ganzen See flog. jener See ist für sie groß genug, um alles da^^Uitä was von einer Sintflut verlangt werde« la»D,^and zu beftiedigen. Ja, und er ist auch für mich^Veaz^^ groß genug.' Und es sprach einer zu mir und „Wozu brauchst du überhaupt einen Urla»">^.8 do Siehe, ich habe feit Zwanzig Jahren keinen laub gehabt!" Lf‘»«m Und ich sagt«:„DaS ist eS, waS dir l Und er sagte:„Warum sollte ein 6 nicht das ganze Jahr hindurch arbeiten?" J&W Und ich sagte:„Wenn Gott einmal ver«K,z z, .'aßt, daß daS Gras und di« Bäum« das Jahr hindurch nicht ruhen und wenn er einN>Mx,^':, den Unterschied der Jahreszeiten aufhebt, wird es auch für die Menschen gut sein,.WH? ö* immerfort zu rackern und niemals zu rüheMMM, Und ich sagte:„Ich bin ein Freund W& Eierkuchen!" i® 1’ Und er sagte:„Ich erkenn« nicht den F fc?® sammenhang!" 1 Und ich sagte:„Einst buken die FravenWihz, Eierkuchen ohne das Loch in der Mitt« und w war auch«in Eierkuchen. Aber ein« Fran M nu s-r bes bet des sich Fr, rur En ein die kett die wes Rai wus jede wa ist, spri aus, des fanc ■«eje Wir(i Im? rftttiijöf- ^vandt« Das Loch im SierkuchenL""^ „Können Sie machen, Herr Assessor! Ich hab' Sie nicht um die Unterredung g«' beten." Der Assessor wurde von Frage zu Fr« erregter. Was sollte man mit dem Burschen anfangen? Weder Drohungen noch Verlo» kungen machten Eindruck. „Das mittelalterliche System des F<^ terns hatte doch entschieden seine Vorzüge« dachte Funke. zu haben?".—... „Muß ich wohl, Herr Assessor. Aber W bitte um mildernde Umstände: es war n»4 'n ganz kleiner." „Ein Foxterrier. Das wissen wir. DG Hund gehörte der Privatiere BergmaM Warum haben Sie gerade diesen HMi gestohlen?" „Weil kein anderer da war." „Und warum stehlen Sie überhaM Hunde?"_ „Uh bin Tierfreund, Herr Assessor." j »Jetzt lügen Sie schon wieder, frechl Mensch!" „Selbstverständlich tu' ich Siels anders erwartet?" »Sie I emes Herrn gestohlen!" .„Weshalb fragen Sie, I wissen, Herr Assessor?" (Fortsetzung folgt.) !l! p I f <« öl' e!*| le»' überragendem Genie entdeckte, daß, wenn ein Loch in der Milte eines solchen Kuchens gewacht würde, es einen Eierkuchen gäbe, der^rne knusperige Kruste rundherum hätte, und daß man dur gesund erklärt und wieder. zur Arbeit herangezogen. Im Februar 1922 wurde ich Schreiber in der Verwaltungskanzlei der Farm der Brises. Meine mangelhaft« französische Orrho- gpaphie war mir durchaus nicht hinderlich, da diq meisten Aufleher selbst schlechr französisch lesen und schreiben können. AIS im Frühling darauf d^r heiße Sirokko über das Land heulte, erkrankt« ich wieder, diesmal an Ruhr und Fieber. Kaum war ich genesen, warf mich em Leber» und Milzleiden aufs Krankenbett zurück. Ich glich einem Skelett, doch„tourbe ich, ob- wohl ich zu kraftlos war, mich zu bewegen, ja selbst zu sprechen, ohne jede Hilfe mir selbst überlassen. Am 18. August erklärt« der Arzt meinen Zustand für hoflnungslos und gab m meinem Beisein den. Auftrag, für mich di« Totenbescheinigung auszustellen, mein« Leiden würden höchstens noch zwei bis drei Stunden dauern. Unauslöschlich haben sich diese rohen Wort« des Franzosen in meiy Gedächtnis geschrieben, ich vernahm sie bei vollem Bewußtsein, war aber zu schwach, mich irgendwie zu äußern. Und dennoch überwand, kaum glaublich, mein Körper eine viertägige Krisis, und langsam wurde mir besser. Zu jeder anderen Arbeit zu schwach, erhielt ich einen sogenannten besseren Posten im Zellengebäude. Ich mußt« die Wärter bei ihren Verrichtungen, unterstützen. Meine Feder iträubt sich, zu schildern, was ich dort bei Vornahme von Korrektionsstrafen an den Gefangenen mit ansehen mußte. Diejenigen z. B., die einen Fluchtversuch unternommen hatten, wurden zu 90 Tagen Einzelhaft verurteilt. Beim Antritt dieser Strafe wurden' sie von den Wärtern mit Peitschen und Gummischläuchen derartig bearbeitet, daß sie stunden- lang regungslos liegen blieben. Nur jeden vierten Tag erhielten sie Nahrung. Nachts wurden sie zur Vermehrung ihrer Leiden jede Stunde aus dem Schlafe geweckt. Mißliebigen Häftlingen gegenüber wenden die Aufseher eine raffiniert-grausame Methode an, um sich ihrer zn entledigen. Sie laflen alle Abende vor dem Abschließen vier oder fünf Eimer kaltes Wasser rn die Zelle schütten, um den Gefangenen daS Liegen während der Nacht zu verleiden. Nach einigen Wochen dieser grausamen Behandlung 'sind die Glieder dieser Armen fast gelähmt, und — 4— nun vollenden Prügel und Fußtritte das grausame Werk. Man scheut selbst davor nicht zurück, dem Gefangenen«ine starke Dosis Wismut oder Bittersalz unter das Essen zu mischen, um ihn krank zu machen und zu schwächen. Neunzig Tage Zell« bedeutet für jeden Zweiten ,o« viel wie Tod. Nur wenige, sehr kräftige und gesunde Naturen halten durch, und diese werden halb stech aus der Zelle entlassen, um sofort wieder di« schwere Arbeit in den Weinbergen aufzunehmen, der sie binnen kurzem gewöhnlich erliegen. * Am 28. Oktober 1924 starb mein lieber Freund und Leidensbruder A. M. auS Netzschkau bei Plauen. Bor seinem Tode bat er mich, an sein« Eltern zü schreiben. Nach vielen Bilten bewilligte man mir die-, doch wurde der Brief nicht abgeschickt, weil ich darin seinen Eitern geraten hatte, bei der Anstaltsdir«ktion vorstellig zu werden, damit das Grab ihre- Sohnes nicht so geschändet werde, wie dies hier üblich fei. Nun droht« man auch mir mit Einzelhaft, doch stand man hiervon ab, weil in wenigen Kochen ment« Strafzeit vorüber sein sollt« md man Enthüllungen von meiner Seit« befürchlele. Ich hatte doch al- AnstaltSschreiber so vi«l Eln» ' blicke in Verhältnisse gewonnen, di« auch die f'anzösische Oeffentlichkeit, und nicht zugunsten der AnstaltSdirrktion, interessieren dürften. Man suchte mich auch durch verschiedene Vergünstigungen zu gewinnen, doch wie- ich alle- zurück und erwartete geduldig da- Ende meiner Lei- denSzrit. Am 88. Oktober bettete ich meinen Freund in di« heiße Erde des kleinen Fried- Hoss. Am 9. Januar 1928 waren mein« 69 Monate Zuchthaus verflossen, di« Gruft, in irr ich mich lebend begraben gewähnt, tat sich anf. Run mutzt« ich aber, da ich inzwischen auS Frankreich auSgewiesen worden war, hznnen LI Tagen auf eigene Kosten den französischen Boden verlassen. So will«s das Gesetz. Di« Präfektur in Algier, an die ich mich wegen meiner Ueberführung an die Grenze wandt«, sp-'fte mich mit der Verlesung deS diesbezüglichen Ge- setze-paragraphen ab, fügt« aber hinzu, datz ich, um weit«r zu komm«n, ja in di« Fremdenlezwn eintreten könne. Ich verzichtete, und auch ohne französisch: Hilfe gelang es mir endlich, deutschen Heimatsboden zu erreichen. OMerleL In der Redaktion eine- Riesendampfers. Die großen Passagierdampfer sind öfters schwim- mende Städte genannt worden, weil sich in ihnen ein so mannigfaltige- und wimmelnde- Leben vollzieht wie in einer Stadt. Ein solches Gemeinwesen kann natürlich nicht ohne Zeitung bleiben, und so werden den auf vielen großen Dampfern täglich Zeitungen herausgebracht, di« «in stattliche- Stück Arbeit darstellen. Hervor- ragend« Jounalisten wirken hier als Chefredakteure, denen ein Stab von Mitarbeitern zur Seite steht. In ein solches Redaktionsbureau«ineS Riesendampfers führt uns die Schilderung eine- Schifisredakteurs:„Die tiefe Nacht ist he reingeb roch: n; alles außer der Mannschaft scheint auf dem Passagierdampfer zu ruhen. Aber in den Tiefen des Ungeheuers, da.fini^n wir einige Räume, in denen fieberhafte Tätigkeit herrscht. Hier wird die Zeitung für den nächsten Morgen hergestellt. Di« Redakteure, die fich soeben noch rm Smoking unter den Passagieren der ersten Klaffe bewegten, haben ihre Arbeitskittel angelegt und redigieren nun den Stofi für da- Mor- genblatt. Der„lokale Teil" ist von ihnen während des Tages gesammelt worden und verhältnismäßig schnell zusammengestellt. Aber dir Hauptnachrichten bringt der drahtlose Telegraph, hauptsächlich aus London; nähert sich der Dampfer der amerikanischen Küste, dann wird auch der New Korker Dienst benutzt. Manche Schwierigkeiten stellen sich dem- Schiffsredakteur in den Weg. Atmosphärische und ander« Bedingungen schneiden ihm die drahtlosen Nachricht«« ab; bei schwerer See läßt sich schlecht schreiben und noch schlecht«! setzen. Di« drahtlosen Nachrichten sind während des Tage- zugeströmt, aber erst deS Abends finden die Telegraphisten die Zeit, sie niedcrzuschreiben, und dann werden sie sofort in di« Redaktion gebracht, wo sie für di« Zeitung verarbeitet werden. Dann kommt das Manuskript sofort zum. Setzer. So geht der Nachrichten, dienst durch viel« Stunden, bi- di« letzte Meldung eingelaufen ist und der Redaktionsichluß erfolgt. Di« Drucker müssen sich beeilen, denn die Zeitung mutz vor dem Frühstück fertig sein. Unterdessen stehen bereit- di« Schiffsjungen in langer Reihe vor den Redaktionsräumen und warten auf di« fertigen Exemplar«, um sie au-» zulragen. Binnen einer halben Stund« sin Hundert« von Stücken de- sechsseitigen Blatte-, das mit den Anzeigen 15.999 Worte umfaßt, unter die Passagier« verteilt. Mit einem Seufzer der Erleichterung zieht sich der Chefredakteur in sein« Kabine zurück. Er blickt noch durch das Guckloch und sieht, di« Morgenröte in goldigem Glanze dem weiten Meer entsteigen. Aber die- Bild bietet für ihn kein« Reize; gähnend sinkt er in- Beit.. Wie laug« noch habe« wir Petroleum? I» den ersten 69 Jahren der Petroleum-Industri« (1857—1917) wurden insgesamt auf der ganzen Erde über«in« Billion Liter= 1 Kubikkilometer Erdöl gewonnen. Das sind 1999 Milliarden Liter, di« einen Würfel von 1 Kilometer Kant«nlänge darstellen. Da die Zukunft noch eine Steigerung des jährlichen Verbrauchs bringen wird, so steht die Erschöpfung der Erdöllager vielleicht in gar nicht so weitem Felde. Nimmt man den Jahresverbrauch von 1922 al- Grundlage der Berechnung, so ergibt sich nach dem-„Kosmos", datz der Weltvorrat vielleicht noch 59 Jahr« ausreicht, wobei allerdings die in China, Japan, Rußland, Kanada, sowie auch di« in Südamerika vorhandenen Mengen nicht mit in Rechnung gesetzt sind. Berücksichtigt man den jährlich zunehmenden Verbrauch, so verringert sich di« Zahl von 59 Jahren bedeutend. Andererseit- ist zu bedenken, daß mtt mit dem Knapperwerden der Vorräte aller Voraussicht nach sich die Gewinnungsverfahren verfeinern werden, und daß der Raubbau, der bisher, zumal in Amerika, in unverantwortlicher Weis« mit diesem wertvollen Stoff getrieben wurde, vernünftigerer Ausbeute Platz machen wird, Dann dürfte.schließlich die Zahl von 50 Jahren einigermaßen zutreffend sein. @eftanfeii"6plitter. Politische Akrobat«». Sie beschwören Stürme und verlassen sich auf ihre Beweglichkeit— sie vergessen, daß ihnen ihre Beweglichkeit nichts Helsen wird, wenn einmal der Sturmwind den Turm stürzt, worauf sie stehen? Heine. -» Es geht bei uns alles dahin, die Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und all« Wildheit auszntreiben, so daß am Ende nichts übrig bleibt al- der Philister."oethe. Auf der Hochzeitsreise. ,Hast du einen Platz, Liebchen?" fragt« der junge Man« ik Eisenbahnzug.—„Ja."— ,Lst dein RM kiffen auch recht weich?"— ,Lsa."—„Und zM nicht da, wo du sitzt?"—„Rein," Geliebt« erwidert« di« jung« Frau gerührt, daß en besorgt um sie war; aber sie stürzt« aus«8 Himmeln ihrer Illusion, al- er gemächlich sest „So— dann laß uns mal den Platz ivechst! („Tit-MisH Schulz« XXIV. ist wegen Fälschung M scher Fabrikate angeklagt. Er wendet sich ans Richter:„Verzeihen Sie, verstehen Sie cöf von Chemie?"—„Nein," antwortet der Ri« „dafür fit der Sachverständige da."— SN XXIV.„Verzeihen Sie, verstehen Sir e« vom Strafgesetz?"—„Rein," antwortet! Sachverständig«,„dafür fit doch der Richter W —„Sie verstehe» nicht- vom Strafgesetz,! Richter nicht- von Chemie, und von mir arA Schulze verlange« Sie, ich soll beide- wissen-H « 3>tätfei~