3*r. 13.? Anteryattu«s«ivettL»se 19M. ‘ Die verftexie Stadt. MSnchen. Cint „Dar ift meine Sache, war ich frage!" „Und meine, was ich antwort'!" Der Protokollant feixte wieder. Aber diesmas übersah es Funke; er»var viel zu wütend. Wenn er nur einen Trick gewußt hätte, den Kerl- zum Reden zu bringen! „Wieviel haben Sie für das Stehlen des Hundes bekommen?" ■„Zehn Mark!" »Das ist nicht vielt" „Ich werd' das nächste Mal mehr verlangen. Werd' mich auf Ihr Urteil berufen." „Und wem sollten Sie den Hund ab- llesern?" Ein freundliches Lächeln begleitete die Anttvort:'„Das möchten Sie wohl gerne wissen. Herr Asfeffor?" „Ich weiß es bereits! Ganz genau weiß ich es. Es war ein Herr— „Stimmt, Herr Assessor!" ,Zn einem hellen Sommeranzug!" „Der muß gerade in der Wäsche gewesen sein." -„Mit einem blonden Schmrrrbart!" „Ach nein, Herr Assessor,- Schnurrbart hat er keinen gehabt." „Sondern?" „Ich dachte, das wissen Sie, Her Assessor?" Funke sprang auf und rannt« im Zimmer umher. .Handfesseln sollte man dem Burschen anlegen!" schrie er.»Handfesseln und zum Henker, was wollen denn Sie schon wieder hier? Sie haben mir gerade gefehlt!" „Morning, Assessor!" sagte Bohnkraut gemütlich.-Gi war eingetreten, nachdem sein zweimaliges Klopfen überhört worden war. „Wieso schonwieder? Halt« doch zwei gan^e Tage lang nicht das Vergnügen?" „Und daß Sie mich vor einer Viertelstunt* antelephoniert haben, das halten Sie Wohl für keine Störung?" „Ich Sic-«»telephoniert? Ist mir nicht im Traum Eingefallen!". „Alle neunmalhunderttausend Teufel nnd die Urgroßmutter dazu, jetzt fangen auch Sie noch an. zu lügen!,Haben Sie vielleicht A'cht angerufen, ob wir die neue Adresse des Halunken immer noch nicht hätten?" eiter««V,tzvuveng»k«HteH ftorl Cttlinger. „Dou are foolish! Habe nichts sernspre- chert!" „Dann war es der Spitzbube selber!" entsetzte sich Funke.„Und ich Esel habe ihm auch noch in aller Gemütsruhe erzählt, wir hätten nicht das Geringste herausgebracht! — Aber es war doch Ihre Stimme!" ,LnS Bauchrednerische übersetzt, wahr- scheinlsch!" Erschöpft ließ sich Funke wieder in seinen Skühl fallen.„Also ist der Kerl doch noch in Breckendorf!" Der Häftling verzog das Gesicht zu einem breiten Lachen.' „Die Polizei weiß alles!" sagt« er ironisch.„Und noch'n« ganz« Menge dazu!" Funke trommelte nervös Mit den Fingern anf die Schreibtischplatte. „Tarärabumdieh, was Sie da trommeln,'— iS'nt it?" fragte Bohnkraut und stopft« sich die Pfeife neu.„Habe«h erst gestern fingen hören im Orpheum. Von Adele Cantelli. Totschickes Weib. Sollten Sie sich mal ansehen, Herr Assessor! Ra, mein Geschmack iS es nicht." „Fahren Sie zum Henker mit Ihren Weibe^rgeschichtenl" zischte ihn der Assessor an.„Sind Sie hergekommen, um mir Mikoschwitze zu erzählen?" „Wh weiß auch einen!" sagte der Häftling. „Sie halten das Maul!" donnerte Funke „Da? ist ja der reinst« Affenstall hier! Aher 'ch werde schon anfräumen! Mit eisernem Besen werde ich auskehren! Darauf kann sich Breckendorf verlassen!" „Well", paffte Bohnkraut.„Dann kehren Sie mir zunächst wieder mein Hans zusammen!" „Soll ich den Mann jetzt wieder in die Zefie znrnckfnhren?" fragte der Schutzmann. Er harte während des gan'rn Verhörs wie eine Statue daacstanden. Anf das Frage- und Anttvortspiel hatte er gar nicht hingehört, sondern angestrengt über die Gehaltsordnung nachgedacht, mit der er ebenso wenig zufrieden war, wie ändere Beamte. „Nein, Sie sollen gar nichts! Das werde ich Ihnen schon selbst sagen, wenn Sie den Mann abführen können!— Und Sie, jetzt te too«3 frage ich Si« zum letztenmal: wollen Sie jetzt gutwillig sagen, wer Sie mit dem Hundeste h- >«n beauftragt hat?" Ja oder nein?" Der Verhörte schwieg und lächelte. „Nun, so sag's doch, mein Junge!" ermunterte ihn Bohnkraut. Da hob der Häftling seinen rechten Arm, deutete auf den behaglich schmunzelnden Bohnkraut und sagt«:„Der Herr da!" „Stimmt!" bestättgte Bohnkraut.„Ich habe dich beauftragt. Hast aber deine Sache miserabel gemacht." Funke fuhr auf, wie von einem Floh .gestochen. lTaranteln gibt- in Breckendorf nicht.)„Führen Si« den Häftling ab! Mrd heute abend entlassen. Und Sie, Bohnkraut,' Unglücksmensch, sind Si« denn ganz von Golt verlassen!! Sind Sie total verrückt geworden?" Eduard Bohnkraut wartete gemächlich bis der Schutzmann, der Arrestant und der Schreiber das Zimmer verlassen hatten.| „Total verrückt nicht," sagte er dann behäbig,„aber«in bißchen'n Klapps haben wir! ja all«. Erbteil von Mistreß Eva her.—• Stimmt, habe Hunde sangen lassen. Hat mich dreihundert Mark gekostet, täglich zehn Mann je zehn Mark. Hätte ich in Amerika sicher billiger bekommen." „Und ich dacht«, Meier III steckte dahinter." ,L)h no, der hat Besseres zu tun. Hat m'ch erst gestern ongeklingelt; verlangt, ich soll mich nicht weiter an seiner Verfolgung beteiligen, sonst könnt« ich mich auf allerlei Unannehmlichkeiten gefaßt machen. Frecher, Bursche, tvas?" .„Und was haben Sie geantwortet?" „Daß ich mich»licht im geringsten fürchte, te. Hatte stets einen Browning bei mir und s'hnte mich lebhaft danach, seinen Anzug als Zielscheibe zn benützen." »„Aber!vas haben Sie um Gottes willen mit der sinnlosen Hundefängerei beabsichtigt?" „War gar nicht sinnlos, Sir! Müssen nicht alles für sinnlos halten, was über Ihren werten Horizont geht! Sagte mir: wenn du den Hund des Rechtsanwalts sängst, legst du ihn an die Lein« und läßt dich von ihm führen wie«in Blinder. Vieh wird na- türlich Heimlaufen wollen, und auf diese einfache Weise erfährt Mister Bohnkraut, wo der Hundepapa und Oberspitzbube seinen Wigwam aufgeschlagen hat. Feiner Plan, nicht"" „Der Ihnen natürlicherweife mißglückt ist?« “„Nicht natürlicherweise, fondern nur durch ein kleines Mißgeschick. Hatte berc'ts siebzig Hunde gefangen, hübsch« Kerle dabei. Pensionsmutter wollte mich schon wegen ihres Gesangs rausschmeißen, konnte aber. Nicht feststellen, ob der Advokatenhund dar-' unter war. Hatte nämlich vergessen, wie der Köter heißt. Wüßte nur noch, daß er ein Held aus dem Trojanischen Krieg war. Rief also in die Hundeversammlung der Reihe nach: Odhs- Eus!, Priamus!, Paris!, Diomedes!, Achil- s!, Agamemnon!, Menelaus!, Patroklus!, Restor!, Jdomeneus!, Philoktet!,— aber die Bestie meldete sich nicht!« „Hätte ich auch nicht getan, wenn ich Ajax hieße!« Eduard Bohnkraut schlug sich mit der geballten Faust dröhnend vor die Stirn. „Oh, ich Strohkopf, ich Nilpferd, ich Mammut! Ich Ichthyosaurus, Trampeltier, Elefantenkuh! Hat die Welt schon so einen Riesenbüffel gesehen! Natürlich, Ajax hieß das Vieh! A;ax, der Lämmermörder. Ajax mit dem Gehirnschwund. Tbunderstorm, w e ich nur so was verschwitzen konnte!« .„Nun, Sie könnens ja jetzt einmal m>» Ajax-Rufen versuchen?« spottete der Assessor. ,Fann ich eben nicht mehr! Haoe den ganzen Zoologischen Garten vor einer Stunde laufen lassen. Alle auf einmal. War zum wälzen, Assessor! Straßenpublikum hr.ie riesige Freude. Sieht man nicht alle Tage so was.« Der Assessor erhob sich langsam, setzte seine, gestrengste Amtsmiene auf, zupfte die Weste zurecht und erklärte beton:. „Ich will Ihnen einmal etwas sagen, Mister Bohnkraut! Wenn Sie sich noch ein einziges Mal unterstehen, sich in die Aufgaben der Kriminalpolizei zu mischen, lasse ich Sie erbarmungslos hinter Schloß und Riegel setzen. Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder sind Sie ein Spießgeselle der Spitzbuben— und dies kann und will ich bis auf weiteres nicht annehmen— oder aber Sie sind ein Narr, der unschädlich gemacht gehört. Dieser letzteren Ansicht ist bereits die halbe Stadt. Ich bin nicht gewohnt, zu spaßen, und deshalb schreiben Sie sich's hinter die Ohren: ich verbiete Ihnen ein für allemal, sich an der Verfolgung des Rechtsanwalts irgendwie zu beteiligen! Das'st unsere Sache!" Jetzt wurde auch der kleine Bohnkraut wild. „Sie verbieten mir was?" schri« er. „Sie? Hätten Sie lieber den Gaunern verboten, mir mein Haus zu stehlen!! Ich fange doch wenigstens Hunde,— aber Sie fangen gar nichts! Ich bin ein freier Amerikaner und pfeife auf Ihr« Verbote! Verhaften©( mich doch, wenn Sie die Courage habe«!! Wäre nicht Ihr erster Fehlgriff. Nur immA zu! Aber daun haben Sie den letzten amem kanifchen Kurgast in Breckendorf gesehnt Dafür verbürge ich mich. Dann könnt ihl eueren miserablen Stickstoff selbst einatm«« Es gibt noch amerikanische Konsuls,— Gott sei Dank! Und daß Sie es wissen: jetzt vtfl' folge ich den Rechtsanwalt erst recht! Nu«' gerade! Jetzt fange ich erst richtig an! Und -ch wette mit Ihnen, um was Sie wollen! ich werde ihn kriegen, verehrter Feind, ich? Eduard Bohnkraut; Sie aber fangen ihn- nicht, Sie nicht mit Ihrem ganzen Dilet« tantenstab! Dazu gehört nämlich Intelligenzia Höchstens fängt er Sie,— wenn auch nut« in einer Telephonzelle. Womit ich die Ehrt« habe, das Kriegsbeil zwischen uns auszugrai den und mich Ihnen zu empfehlen! Good by!« Eduard Bohnkraut verließ daS Zimmets und warf die Tür hinter sich zu. Der Assessor hatte, als er den kleinem dicken Mann so toben sah, unwillkürlich Ienz.'! NU* graq öootzf itnd| inem I. 1 rde*! an» i Barcelona. Don Lola Landau. Auf den ersten Mick zeigt« diese Stadt das Gepräge einer internationalen Großstadt ohne spanische Färbung, mit breiten, korsoartigen Geschäftsstraßen, Bankhäusern, prunkvollen Kauf, laden, mit ihren Hotelpa.asten, Markthallen, Automobilen und aufgerissenen Bauplätzen für die neue Untergrundbahn. Zu jeder Stunde des Tages füllen rastlos« Menschenwogen das steinern« Flußbett der Straße, der Rambla, mit unaufhörlichem Lärm, Leben und Geschäftigkeit. (Rambla, die mit hohen Platanen bepflanzt« Prachtstraß«, der Hauptstrom d«S Berk«hr«s, heißt aus dem Arabischen übertragen Flußbett.) Äste diese Menschen werden von dem übermächtigen Impuls der Arbeit vorwärts gestoßen, die meisten gehen schnell, sie schlendern nicht, Mi« man in einer südlichen Stadt zu sehen gewohnt ist. Vor dem ewigen Traum des blauen Mittelmeeres erheben sich di« kahlen Stämme der Schiffsmasten, ragen die Schlot« der Fabriken, aus denen Rauch, Weihrauch unseres Zeit- alters, in die klare Lust steigt. Am Ende einer Allee von Palmen, die hier nicht tropische Ueppig- leit, sondern in ihrem säulenhasten Wuchs ernst« Feierlichkeit ausstrahlen, erhebt sich unmittelbar wir dem Hafen auf freiem Platz di« Säule drS Kolumbus, dessen riesenhafte Hand über das Meer in das neue Land weist, wie«in Symbol Kataloniens. Barcelona ist«in« moderne Arbeiterstadl. Ihr amerikanischer Auftrieb im Geschäftsleben, ihre dahinstürmende Neuerungslust, ihr geistiges Gtreben drängt immer mehr zu einer Autono- wi« des Landes, das sich von den rückständigen Mächten Spaniens bedroht sieht. Am Morgen werden wir gewöhnlich durch bas Geläut« der Pferdeschellen geweckt— die Pferde tragen hier Glocken an den Geschirren—, s° bringen di« zweirädrigen Karren, immer von diesem lustigen Glockenspiel begleitet» ihre Daren zum Markt, wo auf Tischen, sauber wie »um Anrichten, die Gemüse strotzen. Oliven wie schwarze Perlen, junge Tomaten, Blumenkohl, frofe wie Kinderköpse, grüne Sträuße von Arti- 'holen und Salat. Dürftig aber ist dieser Markt Kgen die Pracht des FischmarkteS in der hohen Kühlen Hall«. Da leuchten Rfifinlachse mit pur- Wlrnem Fleisch. AuS lebenden Hügeln von Rie- uiüangusten strecken sich schnappend und gierig Scheren dieser Seeungeheuer in die Luft, "eben. Körben, ungefüllt mit rosa Krevetten, iisgen schleimig die taschenförmigen Tintenfische, wie Blutstropfen glänzen die seltsamen Punkt» ® tt 9en der Schollen auf den platten Fischleib-.m. sind ganze Fässer mft gleißenden Si'.ber l?>ver Fische strahlenförmig auigel«gt. Welchen Achtum wirft täglich daS Meer an die,-. Stadt Als! Barcelona ist nicht nur auf d«m Meere ein Fischer gewesen. In den letzten Jahrzehn-' M begünstigt durch die Neutralität während A Weltkrieges, hat Barcelona in seinen Netzen Reichtum eingefangen. Jedoch strömt ein M dieses Wohlstandes großzügig und sinnvoll Verschönerung der Stadt und in den Bau Wr wissenschaftlicher Institut« und Erzie- ! M^änstalten. Nur aus privaten Mitteln wur- katalanische Institut mit seiner ausge- !Anet«n Bibliothek geschaffen, ebenso ein« um- skRende Erziehungsanstalt für Frauen gegrün- WkEi« mit seinen hellen Studiensälen, dem ^Mungsvoll«« Leseraum, der blitzenden Küche, ^behaglichen Wohnzimmern einem amerika- üä* n College ähnlich ist. Nach sozialen Ge- -2?i>unkten geleitet, nimmt die Schul« ohn« Lnierschied des Standes auf, um di« Steuer des Schulgeldes je nach dem Einkommen der Eltern abzumessen, so daß viel« Mädchen umsonst di« Wohltat dieser Erziehung genießen. 2000 Schülerinnen saßt das prächtig« Haus,«in summender Bienenkorb von Jugend und Arbeitsfreude. Und dennoch, in jedem Katalonier ist der Spanier verborgen, dessen stolze Würde, starr« Tradition in Familien- und religiösem Leben und romantische Entzündlichkeit wir in der gleichen Blutmischung bei ihm wiederfinden. Da ist die gleich«, sorglose Freude an schönen Blumen, für die er gerne sein Geld hinausstreut. Wäre denn sonst auf der Rambla von Barcelona «in besonderer Mumenmarkt, daß es unter den großen Sonnenschirmen der Verkäuferinnen wie bunte Garten aufflammt, ein Wunder von roten, schneeweißen und glasrofa Kamelien, von gelben Rosen, gefleckten Tulpen und Anemonen, Schwertlilien und Veilchen, Blumen des Frühlings und reisen Sommers durcheinander gemischt. Ein paar Schritt« weiter lärmt der Vogelmarkt. In kleinen Käfigen schreien Papageien und winzige Vögel in schillernden Farben, werfen das Gefirnkel ihrer Heimat, Südamerikas und der kanarischen Inseln, auf daS steinerne Pflaster. Blumen und Bögel! Vögel und Blumen! Jauchzend« schreiende Farben, tropisches Vogelgelächter mitten auf der Straße der Arbeit! Und dicht daneben wirbelt dir Drehtür eines Bankpalastes uns in den Raum nüchterner Zahlen. Das ist Barcelona! Und noch ein« Wendung hinein in die alten, engen Nebenstraßen, und wir sehen in altertümlicher Tracht, auf eine Ritterlanze gestützt, d« Nachtwächter vor ein«r Haustür. Auch das ist Barcelona. Ein Stück Mittelalter, das mitten im modernen Leben stehengeblieben ist, ebenso unerschütterlich wie di« herrliche Kathedrale, deren mystisches Dunkel«ns nun auffaugt. Kaum unterscheiden wir ' die mächtigen Pfeiler dieser düsteren Gotik. Das klare Sonnenlicht, in den schmälen Kirchenjen- ' stern zitternd, zerschmilzt hier in großen violetten Schatten. Frauen, di« schwarzen Spitzenschleier auf den Köpfen, knieen versunken im Gebet. Musik, aus einer fernen Wölbung tropfend, löst Körper und Stein und hüllt mit dem Weihrauch- alle, die hier weilen, in die füße Dämmerung des Geistes. Hier ist noch di« religiös« Inbrunst des Mittelalters, mitten in der modernsten Stadt, hier ist Spanien, das Katalonien überwuchert. Die Sonne schmerzt" fast, als wir hinaus- lreten; aber hie blaue durchsichtige Lust hebt uns wie«ine leichte Hand mit der Zahnradbahn in die Höhe und trägt uns auf die Spitze d«S Tkbidaja, des strahlenden Hügels über der Stadt. Der Bffck von dieser Erhebung ist ein Triumph der Schöpfung. Gegen das geschliffene Email des Himmels zittert in unsagbarem enzianblauen Glanz das Meer. Davor liegt breit und besonnt di« Stadt Barcelona, aus der das mächtige Getös« des Leben? zu uns hinaufdringt. An der anderen Seit« des Plateaus aber steigen Gebirgsketten auf, wuchtet ein zerklüfteter Berg, der Montserrat, di« sagenhafte Burg des heiligen Gral. Allmählich schmilzt wie in der Kathedrale das Tageslicht. Die Abenddämmerung mischt stille gelbe Farben mit dem Schwarzblau der Schatten über den Bergen. Daun wird Himmel und Erde still und ergraut; nur aus dem abendlichen Barcelona tönt unverändert da? Getümmel der Stimmen, ine großartige Musik des starken heiteren Lebens, das diese Stadt in die Zukunft hinemträgt. Kinder-Erziehung. Du sollst Geduld haben! Dein Kind ist unartig und unfolgsam. Scho« hundertmal hast du ihm etwas verboten, und«s tut daS Unrechte doch immer wieder. ES soll nicht im Wasser herumpanschen. Wie ost hast du deinem" Töchterchen das eingeschärft. Vor. einer Stunde noch. Und nun siehst du es draußen* in der frischen Pfütze munter herumpatschen., Das Master spritzt hoch auf, Strümpfe und Kleider sind durchnäßt. Das siehst du mit 1 Schrecken, und dir steigt das Blut zu Kopfe. Jn/j deinem bitterbösen Zorne siehst du gar nicht, wie^j deinem Kinde die höchste Lust aus den Auaentz leuchtet. Du siehst nur di« nassen Strümpfe und^ Schuhe und das unartige, ungehorsam« Kindes Und der Zorn und der Schmerz überwältigens dich, und du schreist dein Kind an und strafft es 1 schwer:„Wie oft habe ich dir das verboten, dckl' bist ein schlechtes Kind, ich mag dich gar nickt! mehr leiden. WaS soll einmal auS dir werden!^ Beruhige dich, aufgeregte Mutter! Dem-! Kind ist nicht schlichter alS die anderen Kinder.! Es trägt freilich das Gesetzbuch nicht fortwährend>1 im Kopf«. Und di« Gesundheitsregeln noch viel j weniger. Glücklicherweise nicht! ES wär« sonst s schkffnm um daS Kind bestellt. Was für«in n«f<4 j weises Streberchen wäre es, wenn«3 bei jedenk, j Schritt und bei jedem Handschlag erst immer)' vorher an die hundert und tausend Vorhaltungen 1. denken würde, die Vater oder Mutter chm seit r! Jahren— selten in Ruhe, zumeist im Zorn«—*' gepredigt habe». Frage dich, Mutter, ob du beil: allem, was du tust, auch jedesmal vorher reiflich^ prüfst, ob du eS tun darfst oder nicht. Was würde, ein Erzieher zu tun haben, der dir jedesmal zu« rufen wollt«: Das darfft du nicht, wie ost habak ich dir gesagt, daß es unrecht und falsch ist! Sollst du nun dein Kind ruhig im Wasfiüt patschen lasten? Gewiß nicht! Du sollst es he-t rausholen, du sollst ihm auch Dorhaltungenß; machen, aber nur in kurzen, bestimmten Wortes,i und ohne viel moralische Entrüstung. Das Kindp- s darf es und soll es fühlen, wenn es den Elter«; Kummer bereitet hat. DaS Kind soll auch ge-s horchen lernen und sich daran gewöhnen, dass Schlechte, das Falsche, daS Ungehörige, das G" fahrliche zu meiden. Aber du mußt daS nichts durch erregte, in der Aufregung herausgeschleu-i beit« Verbote und G-bote erreichen wollen!. Durch ruhige Gewöhnung, durch kurze Bestimmtheit erreichst du mehr al? durch lautes Scheitelt- Und leidenschaftliche Verwünschungen und Aus^ rufe. Ein« Mutter muß Geduld haben. Durchs ungeduldiges Zerren und Reißen bringst du di» Knospe nicht zur Blüte, sondern du zerstörst sie« Wenn dein Kind, di« zarte Menschenknospe, lcköw erblühen soll, so zerre und reiße nicht daran, sondern übe dich in Geduld! H«i n r. Schulz. Wie die allen Völker rechneten. Di« älteste Nachricht darüber, wie die Völker des Altertums rechneten, haben wir von dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot. „Di« Aegypter schreiben Schriftzüge", so berichtet Herodoi,„und rechnen mit Steinen, indem sie die Hand von rechts nach links bringen, während die Hellenen sic von links nach recht? führen." Hiernach>ft anzunehmen, daß di« Aegypter wahrscheinlich bereits im Jahre 460 v. Ehr. ein Rechenbrett mit Steinen benutzt haben. Sicher erwiesen ist dies von den Griechen. Aus den Angaben HerodotS ist zu schließen, daß die Aegypter Rechenbretter mit finkrechten Nnfin verwendet und damit bereits daß Dezimalsystem«ingesührt habe». Jede Kolumne 4— stellte dabei die nächsthöhere Einheit gegenüber der neben ihr liegenden Kolumne dar. Bei den Griechen wurde dies Rechenbrett Abax, bei den Römern später AbakuS genannt. Die Römer habe« das Rechne« von den Grieche» gelernt. Di« römischen Kinder muhten auf ihre Rechentafel, den Abakus, mit einem Holz- oder Steingriffel Striche ziehen und in die so entstehenden Kolumnen di« Steinchen (calculi) hineinlegen und auf diese Weise di« einfachste« Rechenaufgaben lösen. Daher rührt das heut« noch gebräuchliche Wort kalkulieren. Daneben wurde auch noch«ine andere Tafel mit Einschnitten benutzt, in der sich verschiedene Knöpfchen befanden und mit der sich Additions- und Subtraktionsausgaben leicht anssühren liehen. Erft im alten Bagdad hat sich in nachchristlicher Zeit jen« wissenschaftlich« Auffassung van der Zahl ausgebildet, di« die ganz« spätere Entwicklung beherrscht hat. Im Jahre 773 kam hierher«ine Gesandtschaft ans Indien, di« nicht nur die Kenntnis der indischen Rechenkunst, sondern auch astronomische Tabellen mitbrochte. Bon hier aus verbreitet« sich dann diese Rechenkunst durch di« ganz« Welt, nachdem zurrst dl« Araber sie erl«rnt hatten. Besonders werwoll war diese Rechenmethode durch die Einführung der Null. Aber auch di« Chinesen verwendeten bereits eine Rechentafel, den Suan-pan. mit dem sie mit einer so grasten Geschwindigkeit, arbeiteten, dast Reisende aus dem Westen erklärt haben, di« Chinesen seien mit Hilf« ihre? Suan-pan viel schneller mit den ihnen gestellten Rechenaufgaben fertig geworden, als di« Reisenden selbst. Schon Kinder lernten sich deS Suan« panS binnen zwei Monaten mit der größten Geschwindigkeit bedienen. Ja Europa, findet sich das Rechenbrett sogar noch im 12. und 13. Jahrhundert. Schließlich ist man aber dazu übergegangen, an^Stelle der Rechentafel nur ein Liniensystem auf einer Holztafel einzuführen, auf der di« Rechenaufgaben vorgenommen wurden. Auch in den Klosterschulen ist di« Rechentafel lange benutzt worden. Unter den Rechenbüchern für die Praxis sind di« bekanntesten die von Adam Ries«(geboren 1482, gestorben 1569). Und heute noch pflegt man, wenn man die Genauigkeit einer Rechnung bezeichnen will, zu sagen, das sek so und so„nach Adam Riese". Dr. M. @eönnfrn<6pUtter. Aus Restrotz. Käme daS Euch nicht lächerlich vor, wenn einer«inen Besenstiel über quer hielte und zu einer Arme« sagt:„Bis hieher und nicht Weiler?" Und weit lächerlicher ist eS noch, wenn einer mit morschen Ansichten sich der Zeit ent- gcgcnstemmt, dieser gewaltigsten Macht, die unaufhaltsam vorwärts schreitet und stch von dem Gefolge zahlloser Veränderungen auf ihrem Triunkphzng durch di« Welt begleiten läßt. * Der Fortschritt d:r Menschheit besteht darin, alles zu beseitigen, was einen Menschen von dem anderen, eine Klasse von der ander««, ein Geschlecht von dem andere« in Abhängigkeit oder LLsreiheit erhält.■ *. Welcher Umgang dich kräftig, dich zur Fortsetzung der Lebensarbeit tüchtiger macht, den such«; welcher in dir eine Leer« und Schtväche zurückläßt, den fliehe. Feuchtersleben. Heiteres. Abgeblitzt. Der Reisende nahm di« Speisekarte,-als sein Blick auf die auffallend hübsch« Kellnerin fiel, di« sie ihm reicht«.—„Recht warm heute, nicht wahr?" bemerkt« er liebenswürdig.—„Ja, wirklich", antwortet« sie kühl, „und gestern war es auch so warm, und ich Heist« Mizzi und ich weiß, ich bin hübsch und habe schöne blau« Augen- und ich bin schon «in« ganze Wei!« hier, und mir gcfällt di« Stellung, und ich meine nicht, daß ich zu hübsch bin, um im Restaurant zu arbeiten. Ich weih nicht, wo heute abend hier in der Stadt rtwas los ist, und wenn ichs wüßte, würde ich nicht mit Lthnen Angehen. Mein Bruder ist hier im Restaurant Koch, und er wiegt 180 Pfund und ist sehr jähzornig.. Was wünschen Sie, mein Herr?" Der Reisende sann vor sich hin: -,zJch habe keinen großen Hunger", sagte er. „Eine Tasse Kaffee und ein Butterbrötchen ge- «rügt." Eine Frage.„Welches Tier kommt dem Menschen' am nächsten?"—„Der Flöh, Herr Lehrer." Ein bekannter Professor in Berlin verbrach, le eitlen Abend im Hause seines„Freundes. Als er aufbrechen wollt«, regnete es stark. Die Frau des FreunheS überredete ihn, die Nacht in ihrem Hause zu verbringen, da der Regen voraussichtlich nicht so bald Nachlassen würde. Der Professor nahm di« Einladung an. Plötzlich war der Gast verschwunden, ohne daß man wußte, wohin. Schon wollt« man zu Bett gehen, als der Professor wieder ins Zimm«r trat, ganz durchnäßt. —„Aber, MenschenSkind", fragte sein Freund, „wo warst du denn?^ch dachte doch, du wolltest, di« Nacht hier bleibe^um nicht naß. zu werde»?"—„Gewiß, lieber Freund", erwiderte der Professor,„ich bin nur rasch nach Haus« gegangen, um mein Nachthemd zu holen." einerlei.— Entdeckung deS Masern-Erregers. Den Masern, von denen besonders die Kinder besallen werden, obschon sie auch zuweilen bei Erwachsenen Vorkommen, liegt ein Kraukheitsgift zu- Grunde, das unmittelbar oder mittelbar durch Masernkranke übertragen wird, dessen Raiur aber bisher unbekannt geblieben ist.Run wurde kürzlich gleichzeitig von zwei Stellen gemeldet, daß es gelungen sei, den Erreger der Masern zu finden. Als der erste Entdecker wurde«in Schüler Robert Kochs, der Japan«! Dr. Kujon» vom Institut üitafakos in Tokio, der heut«' als der erste Bakteriologe Japans gilt, genannt. Um dieselbe Zeit wurde aber auch au** Rom gr- meldet, daß er den Professoren Caronia und Christina gelungen sei,«in dem Scharlacherreger ähnliches Bakterium als Maseruerreger festzustellen. Wenn dies« Meldungen sich bewahrhqi- len, so wäre damit endlich«in wesentlicher Schritt zur Bekämpfung und zur Verhütung dieser ansteckenden Krankheit getan. Pflanzen als Gartrnwächtrr. Di« Sonnen- bluinen, di« in so vielen Gärten mit ihren riesten Blüten prangen, dienen durchaus nicht nur zum Schmuck und geben auch nicht nur in ihren Körnern ein gute» Hllhncrfutter, sonder» sie gelten auch als ein treffliches Mittel gegen di« Kartoffelkrankheit. So gibt«S manche Pflanzen, die im Garten zum Schutz und zur Wacht gleichsam angestellt werden Ist«in-Garten oder ein Feld sehr von Distmo^plagt, die Jahr ■ n—... m,——-A für Jahr als Wucherpslanzen di« ErlrägG verringern, dann soll man Raps säen, der« Disteln vernichtet. Hanf ist gut gegen alle stös y von Resseln, di« als Unkraut aufschießen.* sogenannte Castorbohn« wird in England k W* gepflanzt, weil kein Tier sie anzurikhren und auf dies« Weise Maulwürfe von den Be^ I serngehalten werden.‘ A Kreuzwort-Rätsel. Bon Salamon-Jul. Rümmer: Scherzrätsek: Zweibrücken.— bau: Rock, Rocke», Brocken.— Di« lende Mi tt elsllb«: Kieselstein, wein, Faselhans, Geselle, Kreiselspiel, feto, Haselnuß, Weichselzopf, Wechfekbalg,^tz^tax Hauk, Amselsall, Jnselberg. Silbe sel. M'*ot o wwy. ö. JXHVIUU. O. VU/NlUU. H«.’ Artikel. 5. Franz. Insel, auch ilal.®btfiMj(^«,» 9 Europ. Hauptstadt. 10. Shakespeare-DruI^ vor 11. Polit. Brief. 12. Fisch, Stadt in OesterrtlAtz^ 13. Der Anfang jedes Glanzes 1s. Griech. Siv^tef stab«. 15. Nahrungsmittel. 1C. Franz. Ade'M^ Jg dikat. 17. Pers. Fürwort. 18. Pers. Für«Mrag 19. Fluß in Vorarlberg. 20. Ehem. türk« n.»ich. Soldat. II. Senkrecht: 1. mit 32. Wichtigesih>Meh zialistische Tagung. 7. Stimmlage. 8. W Vorname. 16. Artikel. 21. Gruß. 22. AV. stg 23. Tierlaut. 24.„Nein"(Dialekt). 25. Tits hr tzg des„Jungen-Deutschland". 26. Hier. 27. Ffl>^l Artikel. 28, Gewässer. 29. toi« IS. 30. Ras Ex Produkt. 81. Wasserpflanze.«ßMhe * Schiebe-RAsek. Jedermann Odenwald Ahnung Sch« Anwärter* Innenminister Niederwald® iw* nähme Aetna Kaolin Ringstechen 1?|it Diese Wörter sind untereinander zu sm und solange seitlich zu verschieben, daß je s dr senkrecht« Reihe den Namen eines Tages j^..do ein Fest, das an diesem Tage gefeiert$ nennen. Die erst« Reihe ist von oben’ unten, die zweit« von unten nach oben zu lei -_-• Auslösungen der Rätsel aus der vorige» WWW S- sich bringt. 2. Metall. 3. Schmuck. 4. 6 Herrschersignum. 7. Vorwort. 8. Spi«lk^h,^s 1 11. Polit. Brief. 12. Fisch, Stadt in Oesterrß