Ur. 105. Kbmmtmenls• Drdkngunzea: Abonnements-Preli pränumerando! vierteljährl. ZLV Mb, monatl. I.tOMt-, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Tonntags- Siummer mit illuftrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mari, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. t4. Jahrg. Dir Infiertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltsne Kolonel- »etle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungi-Anzeigen, sowie ArbeitSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werde». Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Erschein! täglich a Ilster W anlag«. Devlinev Volksblalk. Zrrnsp recher: Sini I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „SaiialdemoKral Lerliu". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Hiedaktion: 8V. 19. Meulh-Straße 2. ß-rpedttion: 8V. 19. Mettth-Straße 3. Abentenerlittze NuswÄndevrv- polikik. Bei dem Gesetzentwurf über das Auswandernngswesen, in dessen zweite Berathnng nach Beendigung der Kommissions- arbeit der Reichstag eingetreten ist, handelt es sich nicht nur um den Erlaß von Vorschriften zum Schutze der Allswandcrer ans den Schiffen, die von deutschen Häfen ans die Bcfördc- rung europamüdcr Proletarier nach überseeischen Ländern be- sorge», nicht nur um die Rcgelilng des Agentenivesens im In- lande und den Hafenorten. Das alles, so dringend es der gesetzlichen Regelung bedarf, liegt der Rcichsregierung nicht sonderlich am Herzen. Sonst würde sie nicht trotz wiederholter Anregnngen aus der Mitte des Reichstages ein Vierteljahrhundert haben verstreichen lassen, ehe sie einen ernstlichen Schritt zum Erlaß eines Aus- Wanderungsgesetzes gethan. Es sind sogenannte weltpolitische Erwägungen, die den Anstoß zur Einbringung des Gesetzentwurfes gegeben haben, Erwägungen, die, nur schwer erkennbar, sich in den Motiven zu dem Gesetzentwurf verbergen, die aber im Laufe der Er- örterungen von den„Weltpolitikern" des Reichstages deutlicher und immer deutlicher, am ungeuirtesten von dem oukant terrible der Bismarck-Fronde,dem wildkonservativen Herrn Diedrich Hahn, in die Welt hinausgekräht wurden. Unsere Kolonialphantasten träumen davon, auf indirektem Wege ein deutsches Siedelnngs- gebiet jenseits des Meeres zu begründen durch Hinlenknng der Ans- wanderer aus dem Deutschen Reiche nach den dazu geeigneten Gegenden. Dagegen wäre ja an sich nichts einzuwenden, wenn es noch irgendwo auf dem Erdenrunde Gebiete gäbe, die völlig geeignet für deutsche Kolonisten und noch nicht von irgend welchen anderen Staaten in Besitz genommen wären. Aber das ist nun einmal nicht der Fall. Länder, die durch klimatische und Bodenverhältnisse Mittel- Europa ähneln, sind in Amerika, Asien, Australien und selbst in Afrika in festen Händen. Deutsche, die dort Unter- knnft suchen wollen, haben sich einem Staatswesen fremder Nationalität anzubequemen. Sie haben das auch stets gethan, so lange Deutsche jenseits des Meeres eine neue Heimath gesucht haben. Die stärkste Anziehnngskrast übten von je auf sie die Bereinigten Staaten von Amerika aus, wo Klima und Bodenbeschaffenheit den mitteleuropäischen ähneln und wo freie Staatseinrichtungen den unter Polizeibevormundung, Steuerdruck und Militarismus dahinsiechenden deutschen Staatsbürgern es ermöglichten, freier aufzuathmen, als in der alten Heimath. Zum theil haben diese Einwanderer sich ihre deutsche Sprache erhalten,'selbst die Nachkommen der Deutsch- Pennsylvanier, deren Vor- fahren im 17. und 18. Jahrhundert dort eintrafen, sprechen heute noch einen deutschen, allerdings stark mit englischen Ausdrücken versetzten Dialekt. In Gegenden, wo die deutschen Ansiedler weniger dicht zusammen- saßen, sind sie allerdings zum großen Theil in der zweiten Generation bereits in der Masse der englisch sprechenden Einwohner aufgegangen. Wenn im allgemeinen diese deutschen Einwanderer wenig nationales Selbstgefühl bewiesen haben, so liegt das hauptsächlich darau, daß sie iu der alten Heimath derart unter polizeilicher, bureaukratischer und militaristischer Bevormundung am Gängelbande gehalten wurden, daß ihnen die Gewohnheit der Selbstregierung, die eng mit dem wirklichen Nationalgesühl zusammenhängt, niemals in Fleisch und Blut übergehen konnte, wie den eingeborenen Amerikanern oder den Einwanderern aus England. Da trieben es die Deutschen zunächst in Amerika, wie sie es in ihrer Heimath unter der obrigkeitlichen Fuchtel gewohnt worden waren. Sie kümmerten sich nicht um die staatlichen Angelegenheiten— die überließen sie anderen Leuten, wie in der deutschen Heimath den Bureaukraten, so in der neuen den Eingeborenen. Im übrigen sorgten sie für ihre materiellen Interessen. Charakteristisch ist, daß ein Bruck mit dieser deutschen Politik des beschränkten Unterthanenverstandes erst durch die Flüchtlinge aus der achtundvierziger Zeit bewirkt wurde, die durch die hereinbrechende Reaktion aus Deutsch- laud vertrieben wurden. Sie verschafften in der Politik der Vereinigten Staaten dem deutschen Element eine angesehene Stellung und wirkten gleichzeitig auf die Er- Haltung der deutschen Sprache hin. Wären unsere sogenannten Patrioten überhaupt der Belehrung zugänglich, so müßten sie daraus die Ueberzeugung schöpfen, daß die Herstellung freier, staatlicher Einrichtungen in Deutschland selbst das beste Mittel ist, um auch die deutschen Auswanderer mit so viel Selbst- gesühl zu erfüllen, daß sie jenseits des Meeres, wohin ihre Lebensbahn sie auch lenken mag, bei voller werkthätiger An- theilnahme an den politischen Geschicken der neuen Heimath sich doch ihre Muttersprache beivahren. Aber die Vertreter des offiziellen Patriotismus in Deutsch- land sind ja gerade diejenigen Leute, die den wirthschaftlich von ihnen abhängigen Arbeitern in Stadt und Land jedwedes Selbstgefühl auszutreiben suchen, damit sie im wirthschaft- lichen und politischen Leben an ihnen stets willfährige Sklaven haben. Gerade diese Pseudopatrioten vom Schlage des industrieellen Stumm und der agrarischen Kanitz und Arnim sind es nun aber, die ein Dentschland jenseits des Ozeans auf künstlichem Wege ins Leben zu rufen suchen, indem sie nach anderen Ge- bieten, in erster Reihe nach Südamerika die Auswanderung zn lenken denken, denn die Stimme aus der politischen Kinder- stnbe, in den Sandwüsten von Südwest-Afrika ein zweites Deutschland entstehen zu lassen, hat vorlänsig noch keinen Wiederhall gefunden. Damit ist das Bismarck-Hähncheu allein geblieben. Für die Kolonisirung von Süd-Brasilien und Argentinien haben die Pseudopatrioten aber bereits einen Resonanzboden in der Bureaukratie gefunden, in deren Händen die Leitmig der politischen Angelegenheiten des Deutschen Reiches ruht. Woraus diese Pläne hinaus wollen, das hat vor Jahren bereits der christlich-soziale, jetzt jawohl„auf christlicher Grund- läge national-soziale" Professor Adolf Wagner ausgeplaudert. Wir haben danials die Abenteurerpolitik des vielschreibendeu Professors an dieser Stelle festgenagelt. Er wünsche so neben- bei, daß das Deutsche Reich einmal daran gehen könne, jene Gebiete zu erobern. Wer da geglaubt hätte, nur ein deutscher Professor könne den aberwitzigen Gedanken hegen. Deutsch- land in eine kriegerische Abenteurerpolitik zu verstricken, die ihm schließlich die Feindschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zuziehen und ein schlinuneres Mexiko als das Napoleons des Kleinen bereiten muß, wird durch die neueste Entwickelung der weltpolitischen Pläne eines besseren belehrt sein. Auch den Ungläubigsten wird es klar sein: heute ist alles möglich. Und die schlimmste Seite des neuen Auswanderungsgesctzcs ist, daß es der abenteuerlichsten Welt- Politik die Wege ebnet. Man denke sich nur einmal, ein Reichskanzler, der eingeschworen ist auf die Eroberungspläne, die in den Köpfen unserer Pseudopatrioten herumspnken, würde den Versuch niacheu, die deutscheÄlnswanderuug nach Südamerika zu lenken, um dann, wie Bebel es angedeutet hat, die Machenschaften eines deutschen Jameson zum Vorwande kriegerischer Einmischungen zu nehmen. Sollte es gelingen, etwa mit Hilfe einer Flotten-Wahlparole einen Aegir verehrenden Reichstag zusammen zu trompeten, so wäre eine weitere Etappe auf dem Wege zu dieser abentenerlichen Weltpolitik gewonnen. So drängt auch diese Perspektive zu dem Schluß, daß es die höchste Zeit ist, in Deutschland Einrichtungen zu schaffen, die einer Abenteuerpolitik nach napoleonischem Muster ein für alle Mal einen Riegel vorschieben. Die SMachk bei DhÄrfeUos�VelePtinol. Am Dienstag und Mittwoch haben größere Kämpfe auf der ganzen Linie Pbarslalos-Velestino stattgefunden. Nach den vorliegenden Nachrichten haben die Griechen dem türkischen Angriff tapferen Widerstand geleistet, mußten sich aber nach zweitägigem Kampfe schließlich doch zurückziehen. Wir verzeichnen die bemerkensiverthcsten Depeschen: Athen, S. Mai. Ans Velestino(d. i. der rechte Flügel der guechische» Stellung) wird gemeldet: Ungefähr lOOCK) Mann lürkischer Jnfanterie und Kavallerie griffen um 11 Uhr vormittags die Stellungen des Oberst Smolen�ki an, wurden aber nach fünfstündigem harten Kampfe zurückgeschlagen. Gleich. zeitig griff eine Truppenabtheilnng, welche die Hauptmacht Edhem Pascha's zu sein scheint, die griechischen Vorposten bei P h a r s a l a an. Um 2 Uhr nachmittags rttcklen die Türken vor, und ein heftiger Kampf entwickelte sich, in welchem die Türken er- folgreich zurückgeschlagen wurden. Kronprinz Konstantin kommandirte die griechische Jnfanterie bei dem Angriffe der türkischen Jnfanterie-Kolonne». Um 7>/z Uhr abends wurde das Gefecht abgebrochen; beide Armee» haben' starke Verluste erlitten und sind in ihren alt e n Stellungen geblieben. Athen, 5. Mai. lieber die Einzelheiten des gestrigen Kampfes bei P h a r s a l a(Zentrum der griechischen Stellung) wird ge- meldet, daß eine türkische Kolonne in der Stärke von zwei- tausend Mann mit Artillerie und Kavallerie eine unter dem Befehl des Kronprinzen stehende schwächere griechische Abtheilnng angriff, deren vorgeschobene Posten sich zunächst auf das Gros zurückzogen. Dieses schlug den Angriff ab und dem Obersten M a k r i s, der den linken Flügel befehligte, auf welchen sich der Hauptstoß des Feindes richteie, gelang es, die Türken zum Rückzug z» zwingen. Prinz Nikolaus, der eine Batterie kominan- dirte. rief durch die Mittheilung des Sieges des Oberste» Smolenski bei Velestino allgemeinen Jubel bei den Truppen hervor. Türkische Granaten zerstörten de» Bahnhof von Pharsala; die Eisenbahn- Verbindung zwischen Pharsala»nd Bolo ist unterbrochen. Die Türken bereiten eine Erneuerung des Angriffes mit überlegenen Kräften für den heutige» Tag vor. Larissa, ö. Mai. Zwei Ganbitzen- Batterien sind heute Abend nach einem schwierigen Marsche über den Mel»»a-Paß hier (im türkischen Hauptquartier) eingetroffen. Die türkischen Truppen vor Velestino sind um 14 Bataillone, 4 Schwadronen»nd 4 Batterien verstärkt worden. Larissa, 5. Mai, 2 Uhr Nachm.(Meldung der„AgenceHavas".) Die letzten Konzentrationsbewegnngen der türkischen Armeewerden heute ausgeführt. Edhem Pascha verläßt Larissa, um persönlich die Leitung zu übernehmen. Voraussichtlich wird die türkische Armee noch heute Nachmittag Fühlung mit dem Feinde gewinnen. Larissa, 5. Mai, b Uhr 30 Mi», nachm.(Meldung der „Agence Havas".) Sechs Divisionen der thessalischen Armee sind auf dem Marsche gegen Pharsala. Es geht das Gerücht, Griechen- land fordere einen Waffenstillstand. Edhem Pascha habe Vollmacht erhalten, hierüber zn entscheiden. Athen, 6. Mai. Von amtlicher Seite wird über die g e st r i g e» Kämpfe folgendes niitgetheilt: Vor Velestino be< gann der Kamps morgens 11 Uhr und endete erst um 4 Uhr nachmittags. Die Türken griffen die Stellungen des Oberst Smolenski mit überlegenen Streitkräfte» an, wurden aber durch das 7. Infanterieregiment, durch drei Kompagnien des I. Jnfanterie- Regiments, zwei Bergbatterien und eine zu Fuß kämpfende Kavallerie- Schivadron mit einem heftigen Gegenstoß zurückgeschlagen. Die Verluste d e s F e i n d e s an Menschenleben und Pferden sind e n o r m. Mehr als 10 000 Türken nahmen am Kampf Theil. Oberst Smolenski, welcher die dritte Brigade kommandirte, telegraphirte, daß er sür heute bestimmt eine Erneuerung des Kampfes erwarte. Vor Pharsala begann der Kampf um 2 Uhr mittags»nd wurde erst nach Sonnenuntergang beendet. Die Türken griffen die griechischen Vorposten an, welche der Uebermacht nachgebend, sich an der Front des rechten Flügels der griechischen Armee plazirten. Der aus weiterer Entfernung geführte Artillerie- kämpf dauerte nur kurze Zeit. Die feindliche Jnfanterie rückte vor und gewann an drei Punkte» Terrain, wurde aber durch die Griechen bald ausgehalten. Trotz der Ueberlegenheit der feindlichen Artillerie, trotz der zahlreichen Jnfanterie- und Kavallerie-Patrouillen der Türken haben die Griechen ihre Stellungen behauptet und den Türken empfindliche Verluste zu- gefügt. Als der Kampf beendet war, brachten die griechische» Soldaten dem Kronprinzen lebhafte Ovationen dar. 2l»ch bei Pharsala wird die Fortsetzung des Kampfes heute erivartet. Trotz dieser Erfolge vom Mittwoch brachte der heutige Donnerstag den Rückzug der Griechen aus ihrer ganzen Stellung. Ob heute Vormittag noch starke Kämpfe stattgefunden haben, durch deren Ausgang der Rückzug nöthig wurde, oder ob die Griechen infolge bedeutender Verstärkungen aus lürkischer Seite es vorgezogen haben, ohne neuen Kampf zurückzuweichen, geht aus den vorliegenden Depeschen noch nicht hervor. Die Mittheilung über den Rückzug ist jeden- falls als richtig anzusehen, denn sie kommt aus Athen selbst: Athen, 3. Mai. Die Armee des Kronprinzen zog sich in v o l l st ä» d i g e r Ordnung ans D o m o k o S zurück.— Von 11 Uhr vormittags wird gemeldet: Pharsala ist aus- g e g e b e». Die telegraphischen Verbindungen mit Athen sind unterbrochen. Athen, 6. Mai, nachm. 2 Uhr. Nach den neuesten Nach- richten wird auch die Brigade Smolenski eine Nückzugsbewegung antreten. Dem Obersten Smolenski ist überlassen worden, seinen Rückzugspnnkt selbst zu wählen. Smolenski wird sich entweder auf Volo, wo er sich unter dem Schutze des Panzergeschwaders befinden würde, oder in der Richtung auf Almyro zurückziehen, um sich wieder mit dem Gros der Armee zu vereinigen. Damit ist also Thessalien fast gänzlich in türkischer Macht. Andererseits haben die Griechen, wenn auch nicht die Scharte von Larissa ausgewetzt, so doch gezeigt, daß sie noch Kraft besitzen. Sie wären wohl im stände, im gebirgigen Mittelgriechenland noch erheblichen Wiederstand zu leisten. Mehr aber auch nicht. Und deshalb ist offenbar der geeignetste Moment für F r i e d e n s u n t e r h a n d l u n g e n gekommen. Die Neigung hierzu scheint auch auf beiden betheiligten Seilen vor- Händen zu sein. Und zwar ist esFetzt Rußland, welches ein Eingreifen bei den Mächken angeregt hat. Die Mächte sollen den russischen Vor- schlüge» günstig gestimmt sein. Ueber die Art dieser Vorschläge ver- lautet noch nichts. In Athen scheint man sich allerdings noch nicht sicher zn sei» über das, was man thnn soll. Der König sei, so verlautet, ein- verstanden mit einer Jiianspruchnahme der Mächte, aber iu der Regierung giebt es starke Gegenströmungen. Dabei befürchtet man. daß, wenn die Mächte nicht bald zu gunsten Griechenlands ein- treten, die a n t i d y n a st i s ch e Strömung in Athen stark an- wachsen und gefahrdrohende Formen annehmen kvnnte. Sämmtliche Mächte seien jedoch fest entschlossen, eine Entthronung des Königs Georg selbst auf die Gefahr hin, Truppen in Athen landen und militärisch einschreiten zu müssen, zu verhindern. politische Mebeefichk. Berlin, 6. Mai. A«s dem Reichstage. In fünfstündiger Sitzung er- ledigte heute der Reichstag die 48 Paragraphen, welche vom Auswandernngs-Gesetz noch übrig geblieben waren. Es lagen zu demselben noch eine Reihe von Abändernngs-An- trägen, darunter auch solche von unseren Vertretern in der Koni- Mission, Metzger n. Gerisch vor. Angenommen wurden indeß nur untergeordnete Abänderungen, während die prinzipiellen An- träge welche besonders zu dem§ 6 gestellt waren und den Zweck verfolgten, das Recht des Reichskanzlers, die Ans- Wanderung nach bestimniten Ländern von deutschen Häsen aus zu beschränken oder ganz zu verbieten, gegen eine starke Minorität, welche sich aus de» Linken, ohne die National-' liberalen, und einem Theil des Zentrums zusammensetzte, ab- gelehnt wurden. Der grundsätzliche Standpunkt unserer Partei wurde eingangs der Verhandlungen vom Genossen Bebel in einer längeren Ausführung noch einmal dargelegt. Unser Rotier machte besonders ans die im Gesetze nicht offen ausgesprochenen Absichten, welche mit demselben verfolgt werden, aufmerksam, ivelche er dahin charakterisirte, daß die offizielle Regelung der Auswanderung dazu dienen soll d i e nebelhaftenWeltpolitikplänezii unterstützen. Diese Absicht und die offenkundig hervortretende Tendenz, die Aus- Wanderung zu gunsten der Ostelbier zu beschränken, erdrücken die guten Bestimmungen der Vorlage und deshalb warnte der Redner dringend vor deren Annahme. Die Regierunas« Vertreter, Geh. Rath Richter und Direktor R e i ch a r d l, bemühten sich zwar, die Befürchtungen Bebel's als unbegründet darzulegen, aber Glanben fanden sie mit ihren Ansführnnge» auf keiner Seite. Vom Grasen Kanitz lag ein Antrag vor, wonach die Verleitung von weiblichen Personen zur Auswanderung zum Zwecke der Prostitntion mit Zuchthaus bis zn 10 Jahren bestrast werden soll. Ein Amendement Bebel's dazu ver- langte, daß die V o r s ch u b l e i st u n g der gleichen Strafe unterstellt werde. Antrag und Amendement wurden, obwohl der Regicrnngsvertreter widersprach, mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität angenommen und war damit die ziveite Lesung beendet. Morgen SchweriMag. Beginn der Sitznng mittags 2 Uhr. Margarinevorlage nnd Antrag anf Aushebung des Atajeftätsbeleidigungs�Paragraphen.— preußische AbgeorduetenhanS setzte auch heute noch die DebiUte über de» ttultuseiat fort. Trotz der gestern seitens des Präsideuten erfolgten Ankündigung von Abendsitzmigen. hielten die Herren es doch für angebracht, ihre Zeit mit allerlei lokalen Be- schwerden ohne jegliches Interesse todtzuschlagen. so daß die Be- rathung noch langsamer von statten ging als an den letzte» Tagen. Von Wichtigkeit ist nur die bei dem Titel„Elementar- schnlwesen" vorgebrachte Beschwerde des Abg. Rickert(frs. Vg) über die Bestimmung, daß den Volksschullehrern die Gewährung von Alterszulagen versagt werden kann, ohne daß sie selbst vernommen oder daß ihnen die Grunde mitgetheilt werden. Unter Anführung eines Spezialfalles gab Redner der gewiß nicht unbegründeten Befürchtung Ausdruck, daß diese Bestimmung zu politischen Maßregelungen seitens der Lokalinstanzen miß- braucht werden könne. Der Regierungsvertreter begnügte sich, die sonderbare Bestimmung mit dein Hinweis darauf zu begründen, daß auch andere Staatsbeamte in ähnlichen Fällen nicht selbst ge- hört werden; er vergaß leider, daß die Lehrer in anderer Be- ziehung keineswegs den Staatsbeamten gleichgestellt sind. Daß bei den AusführungS- Bestimmungen zum Lehrerbesoldungs- Gesetz die Konservativen wiederum ihre bekannten Klage» über die Be- nachtheiligung des platten Landes vorbrachten, das die große» Volksschullasten kaum mehr tragen könne und deshalb größerer Staalsziischllsse bedürfe, ist selbstverständlich, da unsere nothleidenden Agrarier bekanntlich keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um sich aus Kosten der übrigen Steuerzahler zu bereichern. Die weitere Berathung findet heute Abend statt.-» Zur fchleichcnbcn KrisiS bringen fast alle Zeitungen lang- athnnge Bemerkungen, denen aber nichts neues Thatsächliches zu entnehmen ist. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" demenlirl alles, was über die Krisis gemeldet wird. Die Anwesenheit des Grafen Walderse« in Berlin wird auf einen harmlosen privaten Anlaß zurückgeführt. Also wieder acht Tage Schonzeit für Hohenlohe!— Die Fesselung Steigerts. Nach sonderbar langem Schiveigen giebt die sächsische Behörde endlich Auskunft über die unerhörte Behandlung, welche unserem Parteigenossen Steiger bei seiner Einlieferung in das Gefängniß widerfahren ist. Die Regierungsorgane„Dresdner Journal" nnd „Lei p z i ger Zeitung" schreiben: „Wir find zu der Erklärung erinächtigt, daß die Fesselung E t e i g e r' s lediglich anf ein ungeschicktes und der allgeu, einenJnstruktionzuwiderlaufendesVer- halten des Transporteurs zurückzuführen ist. Die Etrafoollstreckungsbehörde trägt, wie die angestellten Erörternugcu ergeben haben, an dem Vorkommnisse keine Schuld. Sie hatte die Fesselung nicht angeordnet und von ihr keine Kenntniß; sie halte vielmehr, zumal da sich Steiger bisher auf freiem Fuße befunden und sich zur Strafverbüßung selbst gestellt hatte, und da sonach jeder Fluchtverdacht ausgeschlossen war, als selbstverständlich vorausgesetzt, daß Steiger ungefesselt nach dem Bahnhose ge- bracht werden würde." Es wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn die sächsische Behörde das gegen Steiger verübte Verfahren etwa hätte nicht Nlißbilligen wollen. Die Sache ist aber hier« mit noch nicht völlig erledigt. Es erhebt sich die Frage, wie es denn kommen mag, daß ein Gefangenen Transporteur sich wider Instruktion solche Dinge heraus- nehmen konnte. Wir meinen, daß dies offenbar nur geschehen konnte infolge der systematischen Aufreizung, welche in Sachsen gegen die Sozialdemokraten von oben her be- trieben wird, und im besonderen infolge der Bchandlungs- art, wie sie von den sächsischen Strasvottstreckungs-Behörden gegenüber Sozialdemokraten, welche internirt sind, geübt wird. Der Untcrbeamte, der derartige Dinge mit ansieht, wird, wenn eine Strebernatur in ihm steckt, leicht glauben— und vielleicht mit Recht— daß er sich durch besondere Härte gegen Sozialdemokraten bei seinem Vorgesetzten Liebkind machen kann. Das elende politische System, das in Sachsen herrscht, trägt die Schuld daran, daß schließlich Dinge passiren, welche so allgemeinen Unwillen erregen, daß selbst sächsische Behörden sie nicht mehr beschönigen können.— Ducllchrouik. Nach einem erfolglosen Sühneversuch des Ehren- gerichts fand in der unweit von Flensburg gelegenen Handevitler Hölzimg zwischen dem Gerichlsassessor Ziemssen als Beleidigten und dem Dr. med. Biß als Beleidiger ein Pistolenduell unter schweren Bedingungen statt. Hierbei wurde Dr. Biß durch einen Schuß in die Schulter nicht unerheblich verletzt, so daß er sofort in die Diakonissenanstalt zu Flensburg überführt werden mußte. Als Sekun- danten fuugirten zwei Osfiziere, während ein Flensburger Rechts- anwalt das Amt eines Unparteiischen versah. Die Ursache zu dem Zweikampf soll in einem Wortwechsel zu suchen sein, der sich nach einem Abschiedseffen zwischen den Duellanten abgespielt halte.— Chronik der MajestätsbeleidignttgS-Prozeffe. Die Straf. kammer von Essen verurtheilte den Schreiner Braun wegen Majestätsbeleidigung zu v Monaten Gefängniß. Der Angeklagte soll bei einer in der Berpflegungsstation zu Borbcck veranstalteten kleinen Zenteuarfeier Aenßerungen gegen de» Kaiser ausgestoßen haben. AuS Kiel schreibt unser Korrespondent: Von der Strafkammer des Landgerichts wurde am 4. d. M. wegen Majestätsbeleidigung ein Dienstmädchen zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Beim Durchblättern eines Kalenders soll sie beim Betrachten deS Bildes des deutschen Kaisers ein« Beleidigung ausgesprochen haben. Vom Knechte ihrer Herrschaft war sie denunzirt worden. Seit Mitte März in Untersnchungshaft fand gestern die Verhandlung statt. Die Vernehmung der Angeklagten war infolge ihrer hochgradigen Aufregung kaum möglich. Sie behauptete, nicht gewußt zu haben, daß ihre Aeußerung eine Beleidigung enthielte. Dcr-�Liatsamvalt beantragte vier Monate Gefängniß; das Gericht erkannte aus 2 Monate, wovon I Monat als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurde.— Deutsches Reich. — Zur Bäckerei-Berordnung hat der Gefammt- vorstand deS Bäckereiverbandes Germania in einer Sitzung aber» mals Stellung genommen, Obermeister Bernard von der Bäcker- innung wurde beauftragt, mit dem Geh. Ober-Rcgierungsrath Dr. Wilhelmi wegen einiger Abänderungsvorschläge in der Bundes- raths-Berordnuug in Unterhandlungen zu treten. Ferner wurde, wir folgen dem Berichte der„Zeit", beschlossen, es mit der Be- kämpfung der Verordnung auf verwaltungsrecht- l t ch e m Wege zu versuchen. Die Bäckermeister, welche auf dem Handwerkertage eine Resolution durchzudrücken wußten, in der von der Regierung klipp und klar die Anf- Hebung der qu. Bundesraths- Verordnung verlangt wurde, müssen sich, meint die„Germania", doch wohl von der AuSsichts- losigkeit der aufgestellten Forderung überzeugt haben, daß sie nun auf einmal sich mit Abänderungsvorschlägen an die Regierung wenden wollen. Der Wunsch der Bäckermeister geht dahin, einen sogenannten Wochenturnus zu verlange», der Ks Stunden betragen soll. Diese 34 Stunden Arbeitszeit wollen dann die Bäckermeister je nach Bedarf auf die einzelnen Tage in der Woche vertheilen. Nach der neuesten Desavouirung der Reichskommissto» für Arbeiterstatistik ist allen solchen Slrebungen mehr Bedeutung bei- zumessen, als dies sonst in einem geordneten Staatswesen uölhig wäre.— — Bennigsen, der alte Führer der Nationalliberalen, macht den jungen Agrarierfreimden in seiner Partei Platz. Nim bestätigt auch die„National- Zeitung", die früher die Nachricht zu bezweifeln gewagt hatte, daß Herr-von Bennigsen seinen Entschluß, aus dem Amte als Oberpräsident von Hannover auszuscheiden, erklärt hat, und zwar für Ende dieses Jahres.— — I-ex A r o n s. Ueber die Grnndzüge des von dem Kultus- minister angekündigten Gesetzentwurfes über die disziplinarischen Verhältnisse der Privatdozente» erfährt die„Kreuz- Ztg.", daß danach die Disziplinargewalt in erster Instanz den Faknlläien zustehen soll. 9lls zweite Instanz soll der Disziplinarhof für nicht-richterliche Beamten fungiren. Die Geschäste der Staatsanwaltschaft würden den Universitätsrichtern zufallen.— — Das schwere Unglück in Paris, bei dem zahlreiche Per- sonen, meist der Aristokratie angehörig, nms Leben kamen, bat zahlreiche Beileidstelegramme auch von feiten verschiedener Staats- Häupter hervorgerufen. Wir erinnern uns aber nicht, daß man bei jenen Katastrophen, wo hunderte von Arbeiieru in Bergwerken oder bei anderen Arbeitsvorrichtnngen umkamen, Beileidsbezeugungen für nöthig befunden hätte.— — Die„Alldeutschen Blätter" geben so recht ein Muster des kolouialpolitischen Größenwahnes, der Heuer in gewissen Kreisen umgeht. Dieselben beschäftigen sich jetzt beispielsweise mit der Frage, ivarum es Eugland so eilig habe, die Boerenrepublik i» seine Macht zu bekommen, da diese ihm ja doch über kurz oder lang zufallen müsse. Der Grund hierfür liege darin, daß maii in Eugland fürchte, es werde im Lause der nächsten Jahrzehute Delltsch-Südwcst- nsrika sich z» einer blühenden volkreichen Kolonie entwickelt haben und die denlsche Floll« werde so gewachsen sein, daß England dann mit Dci>tsd>land die Erbschaft iheilen müßte, während es sie jetzt allein verspeisen könne. Der hochgemuthe Arlikelschreiber giebt des- halb folgende» Ralhschlag: „Ich meine nun, Deutschland sollte sofort eine andere Insel in der Telagoabucht besetze»,„zum Schutze der deutsche» Interessen" und den Engländern z» verstehe» geben, daß wir Miterben der Porlu- gieseu sind. Gleick, zeilig sollte man aber mit Volldampf Eisenbahn«» in Deuisch-Südwestafrika bauen und dorthin so viele verheirathete Deutsche senden, als man nur irgend verantworten kann." Man sieht, diesen Kolonialfexen käme es garnickst darauf an, an allen Ecken lind Enden der Welt Konflikte nnd Krieg hervorzuruse», wobei Deutschland de» schiversten Gefahre» entgegengehen würde. ohne auch nur geringe Vortheile in Aussicht zu haben. Hätte» wir die vielersehnte große Offensivflotte, so könnten sich auch„niaß- gebende" Personen finden, die ähnliche Pfad« einzuschlagen Lust hätien, wie die ,?lUd. Bl." vorschlage». Wen» die Herren„All- deutschen" übrigens so sehr für die„Sendung" recht vieler ver- heirathetcr Deutschen»ach Sndwcstafrika schwärme», so gestehen wir, garnichts dmvider zu habe», daß diese Herren selbst mit Weib und Kind nach Lllderitzland auswaiidern.— Dresden, 6, Mal. Der Landtagsabgeordiiete Dr. Minkwitz ist gester» plötzlich verstorben. Derselbe gehörte der söge», kammer- sorlschriitiiche» Gruppe a». Wenn er auch im allgemeiuen mit seiner Fraktion, welche vielleicht die traurigste deS ganzen Landtags war, ging, so hat er doch bei verschiedenen Fragen eine vernünftige und anständige Haltniig eingenommen. So hat er auch, wohl der einzige von seiner Fraktion, gegen das Dreillaffen- Wahlsystem gestimmt.— Oesterreich. Wien, 6. Mai. Das Abgeordnetenhaus begann die erste Lesung der Anträge, die. Minister, welche die belannten Sprachenverordnuiigen nnlerzeichnete», in den Anklageznstand zu versetzen. Der Ministerpräsident Graf Badeni verwies auf den Vor- gang unter früheren Regierungen, welche Sprachenverordnunge» erließen, insbesondere auf die Sprachenverorbnuug Herbst's nnd Giskra's, sodann auf diejenigen des Grase» Taaffe und Stremayer's; das Parlament habe anerkannt, daß diese Sprachenverordnungen den Slaatsgruiidgesetzen nicht widersprechen.— Die Verordiillligen fänden nicht mir in ihrer Zweckmäßigkeit. sondern auch in der Erwägung ihre Nechtsertigung, daß bei einem Widerstreite zwischen den Jiiteresseii der Bevölkerung und jenen der Beamtenschaft die Regierung sich für ver- pflichtet hält, den erster«» zum Siege zu verhelfen.(Beifall.) Die Regierung glanbe also, den Boden des Gesetzes nicht verlassen zu haben. Sie sehe in diesem Bewußtsein dem Beschlüsse des Hauses in voller Ruhe enigege». Nach der Rede des ersten Antragstellers Kaiser spricht der zweite Antragsteller Wolff, welcher unter anderem die Czechen, Slovene» und andere als tief minderwerlhige Nationen bszeichnet.(Dieses Wort ruft große» Lärm nnd stürmische Zwischenruse hervor.) Der Vize- Präsident suspendirt die Sitzung. Nach der Wiedereröffnung bittet der Vizepräsident das Hans um Ruhe, da sonst die Verha»dliing unmöglich sei und erlheilt dein Abg Wolff den Ordiiungsruf. Wolfs bezeichnet cS als kulturhistorische Eeibstverstäudlichkeit, daß nicht alle Nationen kulturell gleichartig sein können.(Unterbrechung seitens der Jungczechen.) Nach weiteren heftigen Ausfälle» Wolff's entzieht ihm der Vizepräsident das Wort.(Beifall und Händeklatsche» rechts, stürmischer Widerspruch links.) Ab- geordneter Wolff appellirt an das Haus und beantragt »aineiitliche Abstimmung, ob er weiter sprechen darf. Der Vize- Präsident erklärt, in diesem Fall sei eine Appellation an daS Haus unmöglich.(Beifall, neuerlicher stürmischer Lärm.) Ter Vize- Präsident giebt wiederholt das Mockenzeichen und da es unmöglich ist, die R»he herzustellen, suspendirt er neuerdings die Sitzung. Nach Wiederaufnahme derselben ertheilt der Präsident daS Wort dem Abg. Funle.(Widerspruch links.) Abg. Dr. Groß beanlragt den Schluß der Sitzung, welcher in»amenllicher Abstimmung mit 205 gegen 76 Stimmen abgelehnt wird.— Ungar«. Budapest, 6. Mai. Die ungarische Quotendeputation hielt heute ihre Schlußsitzung ab. Der Ministerprästdent Baron Banffy erklärte, er billige den Standpunkt der ungarische» Deputation unbedingt. Es werde nunniehr Sache der Re- gierung sein, eine befriedigende Lösung der Onolenfrage herbeizuführen; es sei möglich, daß dies nicht ganz ohne Opfer von feiten Ungarns bewerkstelligt werden könne, die Regierung iverde tS jedoch für eine Gewissenspflichc halte», dafür zu sorgen, daß dem Lande kein ungerechtes Opfer ans- erlegt werde, und keines, das über die Grenzeu der äußersten Nothwendigkeit hinausgeht. Auf der Grundlage dieser An- schauungen werde nun ein« möglichst rasche Lösung angestrebt werden. Die österreichische Quotendeputation legte als Schlüssel zur Be- rechnung die Bevölkerungszahl in Berbiildung mit den Staats- einnahmen vor und gelangte auf diese Weise zu einer Quote von 56,34 pCr. für Oesterreich und von 43,16 pCl. für Ungarn. Die ungarischen Vertreter haben die jetzige Quote von 31,4 pCt. wieder augeboten.— Frankreich. Paris, 5. Mai.(Eig. Ber.) Die Leitung der„Petit« Röpublique" geht, wie ich bereits telegraphisch gemeldet habe, wieder in die Hände de? alten Redaktionsstabcs über. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei hat es nicht vermocht, die auf dem Blatte von früheren Zeilen her liegende Schiildenlast zu beseitige». Die anderen Richtungen(Blanquiste», keiner Organisation angehörelid« Sozialisten, hauptsächlich Abgeordnete, und Possibiliste») werden fortan, wie früher, einen ansschlaggebenden Eiuflnß in der Leitung des Blattes ausübe». Doch stellt sich die neue Redaktion in ihrer heutigen Erklärung prinzipiell»ach wie vor auf den allen Richtungen gemeinsamen Bode». Zum Chefredakteur ist dem Vernehmen nach Genosse Görault- Richard bestimint worden.— England. — Verstärkungen»ach Südafrika. Englische Blätter melde», eine Million Gewehrpatronen werden nach Süd- afrika abgesandt, auch eine große Ladnng Geschützmunition solle dorlhin abgehen. Ferner verlautet, daß den drei Ballerien Artillerie, welche bereits Befehl erhielte», nach Endasrika zu gehe», weitere Artillerlebrlgaden folgen würden. In militärischen Kreisen wird erzählt, in den nächsten Monaten würden 35 000 Mann Truppen in Südafrika konzentrirt werden.— Spanien. — Auf Manila haben die Spanier, nach Meldungen ans Madrid, Judaiiy, das letzte Fort der Aiifständische», eingenommen und gehe» nach dem Süden der Provinz Cavite vor.— Ninerika. Washinflton, 5. Mai. Die international« Postkonferenz wurde heute hier eröffnet. Die Sitzungen werden geheim sein. — Der Schiedsgerichts-Vertrag zwischen Eugland und den Vereinigten Staalen kommt nicht zu stand«. Der Senat hat in geheimer Sitzung über diesen vielbesprochenen und von der Friedensliga laut gepriesenen Vertrag berathen. Da 43 Stiinineii für und 26 Stimmen gegen den Verlrag stimmten, ist derselbe ge- fallen, weil die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde. Von mancher Seite wird behauptet, daß dieses Resultat durch russische Einflüsse verursacht worden sei, indem Rußland eine nähere Verbindung der beiden großen englisch redenden Staats- wese» sehr»nger» sehen würde.— Ueber die Frage, ob die zukünftige Tarifbill rück- wirkende Kraft haben soll, ist ein Konflikt zwischen dem Senat einerseits nnd dem Repräsentantenhaus und Schatzaint andererseits entstanden. Dem„Renter'schen Bureau" geht darüber aus Washington folgendes Telcgiauuii zu: Obwohl der Finanz- Ausschuß des Senats die Klausel über die rück- wirkende Kraft der Dingley-Bill gestrichen hat, die' das Repräseillantenhaiis angenommen hatte, wird das Schatzamt seine Anordnllng betreffend das Inkrafttreten dieser Klausel nicht wieder aufheben, bis die Bill endgiltig angenoinmen ist; die Be- amten sind der Ansicht, sie hätten keinen Beiveis darüber, daß der Senat selbst gegen die Klausel sei, und glaube», daß, weini die Klausel vom Senat verivorfe» iverde» sollte, das i>!epräse»taiitenha»s wahrscheinlich aus ihrer Beibehaliung bestehe» werde. Neichsksg. 216. Sitzung vom 6. Mai. 1 Uhr. Am Tische deS Bundesraths: v. B ö t t i ch e r. Die zweite Berathung des A u s w a» d e r n n g S- G e s e tz e s wird fortgesetzt bei der vereinigten Diskiisstoii über die KZ 3(Er- theilnng der Erlaubniß»ur an Inländer),§ 6(Spozialisirung der Erlaubniß) und Z II(Widerruf der Erlaubniß) nebst de» dazu gestelllen Anträge» des Zentrums zu s 3 wegen Mit- ivirkiilig des Bniidesralhs bei der Erlaubiiißertheilung und zu ß 6 wegen der Spezialisiriing der Erlaubniß»ur für die Ei»schiff»»gS- Häfen, nicht für bestiunnle Länder. Abg. v. Hodcuberg(Welse) empfiehlt seinen Antrag zu§ 6, der mit dem des Ze»lru»>s gleichlautend ist; es könne nicht die ganze Vollmacht in die Hände des Reichskanzlers gelegt werden, sonder» nur so viele Befugnisse, wie sie zur Beaussichtigung in den Einschiffungstiäfe»»othwendig sind. Abg. Bebel(Eoz.): Einem Auswanderungsgesetz widerstreben wir an sich nicht; es kommt nur auf die Tendenz desselben an. Handelt es sich darum, die Auswanderer vor Schäden und Ueber- vortheilunzen der Agenten und Schiffsgesellschaften zu bewahren, bau» sind wir vollständig damit einverstanden. Wir als Vertreter der Arbeiterklasse sind an den Schutzgesetzen um so mehr iuteresstrt, als die Mehrzahl der Answanderer aus Prole- iarier», auS Arbeitern besteht; die wohlhabenden Klassen be- dürfen in dieser Beziehung des Schutzes nicht. Ein solcher Schutz ist aber in dem vorliegenden Entwurf nicht in ausreichendem Maße z» finde». Die volle Tragweite des Gesetzes ivird vom Zentrum nnd den Konservative» garuicht übersehen; man giebt sich über die Wirkung desselben z» großen Illusionen hin. Die Vorlage will die Auswanderung»ach Möglichkeit erschiveren; wenn sie nicht verhindert werde» kau», soll sie im nationale» Interesse gelenkt werden, und es soll eine Kolonisationspolitik«ingerichtet werden, sodaß»imi die Schaaren der Ausivan derer nach gewissen Distrikten niöglichst ziisammensassend leiten kann zur Durchführung von Spcknlalione» von Kapitalisten, die in überseeischen Bezirken Land- ankäufe gemacht haben. Wie es dabei zugehen wird, davon bietet unsere südwrstafrikanische Kolonie ein Bild. Man will auch dafür sorgen, daß die Deutschen im Auslände der deuischen Industrie und Landwirthschaft nicht Konkurrenz machen. Was sollen die Deullchen denn in Argentinien oder Eüdbrasilien machen? Mir scheint, diejenigen, die die Motive zu diesem Gesetz gemacht habe», namentlich zu tz 6, die haben einige Stunden geträumt.(Heiterkeit.) Sie könne» doch höchstens Getreide baue», welches man nicht vom Weltmarkt fernhalte» kann. Ebenso steht es i»it der Industrie. Das Mißbehage» gegenüber Nord- amerila ist ja daraus«»tstanden, daß die deutschen Auswanderer der amerikanischen Industrie die Konkurrenz mit der europäischen ermöglicht haben. Diejenigen, die den§ 6 enlworfen haben. trännien ja von einen, Gegenwartsstaat, der weit hinausgeht über da«, was der sozialistische Zukunflsstaat jemals bringen kann. Man sagt, in erster Linie stände die Rücksicht anf das Baterland. Die Aliswanderer gehen aber zumeist aus materiellen Gründe» auS der Heimalh. um ein besseres Dasein zu finden; sie werden zum theil ihrem Heinialhlaude ein freundliches Andenke» bewahren und manches sogar in der Ferne in einem schönere» Lichte sehen, alS es sich in der Nähe ausnahm. Aber die»leisten werden nur mit Widerwillen an die Heimath denken; denn ein Theil der Auswanderer verläßt aus politischen Gründe» die Heimaih, und nicht freiwillig, sondern gezwungen. Die Regierung hat»ns in den Motiven ihre wahren Absichten ver- rathen. Hätte sie es nicht getha», so würden wir sie gezwungen habe». Farbe zu bekennen. Die Begründung der Vorlage will Katastrophen verhindern, denen die Auswanderer anheilnfallen könnten. Ich habe vor der Weisheit der Regierung allen Respekt, aber so etivas geht iveit über ihre Kräfte nnd Fähigkeiten hinaus! Die Borschrisle» des Gesetzes schweben also vollständig in der Luft. Ich»iöchle die Herren vom Zentrum auf die politische» Konsequenzen des Gesetzes ansmerk- sam machen. Wenn die Auswaiideriing so gelenkt wird, daß die jetzigen Auswanderungs- Unternehinungen nicht mehr aufrecht erhallen werde» können, dann wird die Haudelsmariiie und damit auch die Kriegsmarine geschädigt. Di« Kolonisatioiispolitik, welche inaugurirt werden soll. ist ein Stück der allgeuieiueu Wellmnchts- Politik und Weltpolilik. Das scheinen die Herren vom Zentruni garuicht erkannt zu haben, daß sie hier in eine Falle tappe», ans der sie nicht wieder herauskonnnen. Denn die Kolonisationspolitik richtet sich nicht gegen Länder, welche noch herrenlos oder in deutschem Besitz sind, wie Ostafrika, Kamerun und Eüdivestasrika. ES bleibt nur übrig Argentinien und Brasilien, die»ns sozusagen vor der Nase liege» und gut organisirte Staaten sind. Wenn die Deutschen sich dort massenhaft ansiedeln, weini wir sie mit unserem Regierungsapparat unterstützen, dann muß die fremde Regierung stutzig werden und ei muß sich dort ei» neueS aber deutsches Trans- vaal konftituiren; und wie das afrikanische Transvaal seinen Jameson und Cecil Rhodes gefunden hat, so wird dort einmal ein deutscher Jameso», vielleicht der Abg. Hasse, dazu bereit sein. Ob er die Fähigkeil hat. weiß ich nicht,(Heiterkeit) und ma» wird mit Nothwendigkeit dahin gelang»», daß auch das Zenlri»» nicht nur die abgelehnte» Kreuzer, sonder,, noch«ine Reihe anderer bewillige» muß, um die deutschen Interessen in Argentinien u. f. w. zu schützen. Bei der weiten Verbreitung und Beachtung. welche die Monroedoklrin in Amerika, im Norden wie im Süden. gefunden hat, würde jede Einmischung Deutschlaiids wahrscheinlich zum Fiasko führen. Mir warnen Sie in letzter Etuiide vor der Annahme des ganzes Gesetzes, dessen Tragweite ich erst nach genauerem Elndium erkannt habe. Lehne» Sie»lindestens die §§ 3, 6 und 11, insbesondere aber den Z 6 ab.(Ziistimmnng links) Teheimrath Richter: Ich habe die Begründung nicht ver- leugnet, sonderi, nur gebeten, davon abzusehen und den Wortlaut des Gesetzes allein zu betrachten.§ 6 entspricht lediglich den Be- stinimungen, welche in Preußen bereits gelten, und ich Hube auZ- gesprochen, dnß dieselben ausgesührt werden unter Rücksichtnahme auf alle vorhandene» Interessen. Direktor im Auswärtigen Amt Reichardt: Ich möchte Herrn Bebel bitten, mir den Paragraphen anzugeben, welcher das Auswandern erschweren oder verhindern will. Die Begründung beschäftigt sich gerade damit, daß die Spekulation von Ansiedelungsgesellschasten verhindert werden soll, und von einem agrarischen Egoismus ist auch keine Rede in dem ganzen Gesetze. Der Antrag, ein gewisses Recht aus Konzessionserlheilung zu schaffen, paßt nicht in den Nahmen des Gesetzes hinein. Die Gewerbe- Ordnung hat die Konzessionsertheilung für Auswanderungsunter- nehmer von ihrem Geltungsbereich ausgeschlossen, weil sie annahm, daß die verwaltungsrechtlichen Klagen, die sonst für den Gewerbebetrieb in betracht kommen. dabei nicht angewendet werden könne». Die Auswanderung ist eine so hoch- nationale Sache, daß dabei die englische Gesetzgebung nur schätzbares Material darstellt. In England ertheilt der Friedens- richter die Konzession nach freiem Ermessen. Die Rheder sind Sach- verständige, aber in eigener Sache kommen sie in die Gefahr, die Konsequenzen zu überschätzen. Wir werden nicht mehr von Amerika allgemein sprechen, sondern von de» Vereinigten Staaten oder von Südbrasilien, und wenn deutsche Ansiedelungen in Südbrasilien enl- stehen sollte», dann werden wir vorschreiben, daß nicht mehr als eine bestimmte Anzahl von Köpfen hinübergeschafft iverden darf. Das sind die Katastrophen, vor denen wir die Auswanderer be- wahren wolle». Durch solche Maßregeln wird der deutsche Schiffsbau, die deutsche Handelsmarine nicht gefährdet. Abg. Barth(frs. Vg.): Bald höre» wir, daß die Vorlage eine große nationale Bedeutting hat, bald heißt es wieder, daß§ 6 eigentlich gar nichts Neues bringt und dann soll das ganze Gesetz wieder eine ganz neue Aera bringen. Wenn die Hamburger allein die Spezialisirnng vornehme» sollen, dann bin ich beruhigt, aber wenn die Spezialisirung gehandhabt werde» soll von einer Behörde mit vorgefaßter Meinung, dann kann sie gefährlich werden. Wenn der Grundsatz der Spezialisirung auch für das Inland bestände, dann könnte man den Eisenbahnverkehr nach der Schiveiz verbieten, weil die Leute ja den Sommer t» Perleberg zubringe» könnten! Es ist nur gut, daß die Regierung die Spezialisirung gar nicht durchführe» kann, denn der menschliche Verkehr läßt sich heute von keiner Regierung mehr seine Bahne» vorschreiben. Wie will der Reichskanzler prüfen, ob in solchen Fälle» das be- treffende Land sich für die Auswanderung eignet? Man sollte die Auswanderer dorthin gehen lassen, wo sie ihre Rechnung zu finde» hoffe» und man sollte sie während der Uebersahrt schütze». Daß bei der Auswanderung zuerst das Vaterland kommt, ist eine leere Redensart. Abg. Lieber(Z): Ich weiß nicht. waS Herrn Bebel veranlaßt hat, meine» politischen Freunden seine ausgiebige Belehrung angedeihen zu laffen. Unsere Herzensmeinung habe» wir noch nicht offenbart, aber die Anträge des Zentrums ergeben schon, daß wir nicht der Belehrung des Herrn Bebel bednrst habe», um uns die Wichtigkeit der Vorlage zu vergegenwärtigen. Die Mehrheit des Zentrums meinte, daß die Mitwirkung des Bundesraths bei der Erlanbniß- ertheilung ausreichend sei. Ich bin dieser Meinung nicht, ich halte es für richtig, daß daS Spezialisirmiaspriuzip nur bezüglich der Einschiffungshäfen eingeführt wird. Wir hoffen auf eine ruhige Handhabung des Gesetzes seitens der gegenwärtige» Reichsrcgieruug. Aber wir mache» das Gesetz nicht für den gegenwärtigen Reichs- kanzler und seinen Ministerialdirektor, anchnichtfurdennochsehrjugend- lichen Herr» GeheimraihRichter, sondern auch fürdieZeit überih» hinaus. Alles Vertrauen zu Personen in Ehre, wir machen ein Gesetz nach sachliche» Gründen! WaS Herr Bebel übertreibend gesagt hat, ist die Folge von Aeußerungen von der rechten Seite. Wen» gesagt wird, das Auswanderungsmaterial solle als nationales Machtmittel betrachtet iverden, dann kann man sich nicht wundern, daß Herr Bebel diesen beschworenen Teufel an die Wand malt. Wenn nnsere Anträge zu§§ 6 und 11 angenommen werden, dann ist der Antrag Frese überflüssig. Ich erkläre aber, daß ich nicht im Name» aller meiner politischen Freunde gesprochen habe. Abg. Graf Arnim(Rp.): Ich begreife nicht, wie Herr Barth die Sache in die Hand Hamburgs legen will, aber nicht in die Hand des Bundesraths u»k> des Reichskanzlers. Herr Barth be- zeichnete das Gesetz als unwirksam und wenige Minuten danach als schädlich. Eines kann doch nur richtig sein; wir hoffe», daß der Reichskanzler das Ersetz ruhig und bedächtig ausführen wird. Wir betrachte» das Gesetz nicht als Agrarier, sondern vom nationale» Standpunkt; den» daß in Argentinien und Brasilien auch Getreide gebaut werde» wird, haben wir niemals bezweifelt. Unsere Aus- Wanderung entsteht hauptsächlich dadurch, daß wir den Schutz der nationalen Arbeit nicht ausgiebig genug haben fördern können. Wenn Herr Bebel für die Arbeiter etwas thun wollte, dann hätte er bei der Interpellation, die wir neulich verhandelt haben, unsere Ansichten unterstützen sollen.(Sehr richtig! rechts.) I» England und Irland, wo der Schutz der nationale» Arbeit am geringsten ist, ist die Auswanderung noch größer als in Deutschland. Der Antrag zu 8 6 würde die Regiernuy in eine unangenehme Lage bringe». Das Spezialisirungsverfahren lst nichts Neues, es besteht in den hamburgischen Gesetzen. Die Erlanbniß nur auf bestimmte Einschiffungshäsen zu beschränke», ist eine so untergeordnete Be- pimmung. daß sie gar keinen Zweck hat. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Deutschen im Auslande ihre Beziehungen zur Heimalh aufrecht erhalten. Daß es aber einen Bnndesralh oder Reichskanzler geben sollte, welcher den großen bestehenden Aus- wanderungslinien Schwierigkeiten bereiten würde, kann ich nicht annehmen. Abg. Spahtt(Z.) wendet sich gegen die Ausführungen seines Freundes Lieber; denn wenn§ 6 geändert werde, würden alle preußischen und hamburgischen Bestimmunge», welche zum Schutz der Auswanderer erlaffe» sind, aufgehoben werden. Das würde niemand wollen. England hat in seinem Auswandcrungsamt eine Behörde, welche die Auswanderung nach den engliscken Kolonie» lenkt. Die Ansivanderung wird durch staatlichen Einfluß nicht ab- gelenkt. Die Auswanderer, welche nicht in die Länder gehen wollen. für die die Konzession ertheilt ist, finden andere Gelegenheiten. Aber die Auswanderung ganz und gar der freien Unternehmung preisgebe», das ist nicht möglich. Deshalb muß§ 6 angenommen werden. Geheimrath Richter: Die Hamburger Rheder bezeichne» es als unerträglich, daß Konzessionen für eine jede Auswanderungs- richtung nachgesucht werden müssen. Es wird aber nicht mehr von ihnen verlangt, als jetzt schon. Der Lloyd und die Hamburg- Amerikanische Packetfahrt- Gefellschast würden nach meiner Ansicht alle Konzessionen bekommen, welche sie bisher hatten. Mit Annahme des Antrages Nadbyl würde» wir erheblich zurückgehen gegenüber der preußischen und hamburgischen Gesetzgebung. 'Abg. Leuznia»»(frs. Vp.) polemisirt zunächst gegen den Abg. Hahn; dieser sei ihm nicht der geeignete Lehrmeister in Sachen des Taktes. Die bedenklichste Vorschrift des ganzen Gesetzes ist die Konzessionirung. Allerdings haben wir i» Preußen und den Einzel- staaten die Konzessionirung. Aber wenn sie sich nicht bewährt hat, dann müssen wir sie bei einem Reichsgesctze beseitigen, und wenn es jetzt nicht möglich ist, die richtige Form dafür z» finden, dann müssen wir die Vorlage an die Komnnssio» zurückverweisen, um eine besondere Konzessionirnngsbehörde zu schaffen. Wenn das nicht möglich sein sollte, dann müßte wenigstens die Berufung vom Reichskanzler an den Bundesrath oder an den zu schaffende» Beirath eingeführt werden. Denn sonst könnt« die Aus- Wanderung verhindert werden durch Verweigerung der Konzession. Die Leute könnte» dann nicht auswandern, sondern müßten bei Jbnen i» Ostelbien Sklaven werde».(Widerspruch rechts.) Das wollen wir verhindern und deshalb womöglich Normativ- bestimmungin in daS Gesetz hineinbringen. Ich schlag« deshalb vor, das nnreise Gesetz a» die Koinmission zurückznveriveisen. Alle übrigen schlechten Gesetze werden wir wieder los. Nehmen Sie morgen das Margarinegesctz a», nach zehn Jahren ivird es wieder verschwnnden sei». Aber Polizeigesetze werden wir nie- ,ialS wieder los; das sehen wir an dem Jesuitengesetz, an dem Diktaturparagraphen n. s. w. Alle diejenigen, die Sinn für Freiheit haben, mögen sich hüten, dieses Gesetz anzunehmen. Ein Schlußantrag wird gegen die Stimmen der Konservativen und einiger Zentrumsmitglieder und Welsen abgelehnt. Nach emigen Bemerkungen der Abgg. v. Cuutz(natl.), Förster(Reform-P.) und Hahu(b. k. Fr.) schließt die Debatte. Die 88 3 und 6 werden unter Ablehnung aller Anträge nach den Beschlüssen der Kommission angenommen;§ ll wird nach einem Antrag Bachem- Schädler in folgender Form angenommen: „Die de» Unternehmern ertheilte Erlaubniß kann unter Zustimmung des Bundesraths vom Reichskanzler jederzeit beschränkt oder wider- rufe» werden. Die Genehmigung der Vestellung eines Stellvertreters kann vom Reichskanzler jederzeit widerrufen werden." Zu§ 5. welcher bestimmt, daß der die Erlaubniß Nachsuchende 1. eine Sicherheit im Mindestbelrage von SO 000 M. stelle» und 2. den Nachweis führen muß, daß er über geeignete eigene Schiffe verfügt, beantragt Abg. Bachem(Z.) 1. eine Sicherheit bis zu SO 000 M. und 2. den Nachweis, daß er Rheder ist, zu verlangen im Interesse der- jenigen Personen, welche sich zum Zwecke der Auswandererbeförderung ein Schiff chartern. Direktor Reichardt vertritt die Regierungsvorlage; der von dem Vorredner angeführte Fall komme für§ S nicht in betracht. 8 6 wird mit dem zweiten Antrage des Abg. Bachem an- genommen. In 8? wird die Bestimmung, welche in Ausnahmefällen die Mitwirkung des Bundesraths zulassen will, gestrichen, da der Bundesrath allgemein mitzuwirken bat. Zu 8 l4, welcher die Agenten betrifft, beantragen die Sozial- demokrate»„entgegen dem Wortlaut der Vorlage", die bestimmt, in welchen Fällen die Erlaubniß ertheilt werden darf, zu bestimmen, daß sie nicht verweigert werden darf, wenn nicht Thatsachen vor- liegen, welche die Unzuverlässigkeit des Nachsuchenden in Beziehung aus den beabsichtigten Geschäftsbetrieb darlhu». Ferner soll keine Beschränkung der Zahl der Agenten eintreten und die ertheilte Erlaubniß nur dann zurückgenommen werden könne», wenn den gesetzlichen Erfordernissen nicht mehr genügt wird. Nachdem Abg. Mctzger-Hambnrg(Soz.) de» Autrag empfohlen, wird derselbe abgelehnt' und 8 14 sowie die übrigen Bestimmungen über die Agenten unverändert angenommen. Zu 8 23 hat die Kommission eine» Zusatz beschlossen, wonach den Auswanderern nicht die Verpflichtung auferlegt werden darf, de» Besörderungspreis oder einen Theil desselben oder ihnen geleistete Vorschüsse»ach ihrer Ankunft am Bestimmungsorte zurück- zuzahlen oder durch Arbeit abzuverdienen, ebensowenig darf die Wahl des Aufenthaltsortes oder der Beschäftigung beschränkt werden. Abg. v. Hodenberg beantragt, daß solche Verträge vom Reichskanzler genehmigt werden müsse», darin liege eine Erleich- teruug für die Auswanderer, die ihre Uebersahrt nicht voll bezahlen könne». Abg. Förster-Neustettin ist mit diesem Antrage einverstanden, während Abg. Barth solche Verträge ausschließen will. Abg. Bachem(Z) schließt sich den Aussührunae» des Letzteren an. Abg. Gerisch(Soz.) hält den Antrag ebenfalls für eine Ver- schlechteruug, da der Reichskanzler nicht in der Lage sei, den Miß- brauch mit solchen Verträgen zu prüfen. § 23 wird unverändert angenommen. Nach 8 24 ist verboten die Beförderung von Personen, deren Verhaftung oder Festnahme von einer Gerichts- oder Polizeibehörde angeordnet ist. Die Sozialdemokraten G e r i s ch und Genossen beantragen zu sagen: Von Personen, deren Verhaftung oder Festnahme wegen eiues strafbaren Vergehens oder Verbrechens von einer Gerichtsbehörde an- geordnet ist. Geheimrath von Tischcndorff spricht gegen den Antrag, der abgelehnt wird. Nach 8 37 soll der Bnndesrath Vorschriften erlassen über die Beschaffenheit, Einrichtung. Ausrüstung und Vcrproviantirung der itluswandererschiffe ec. Abg. Metzger(Soz.) empfiehlt de» sozialdemokratischen Antrag, daß diese Vorschriften im Reichsgesctzblatte zu veröffeutlichen und dem Reichstage bei seine»! nächsten Zusammensein zur Kenutnißnahme vorgelegt werden müssen. Nachdem Direktor Reichardt erklärt, daß er gegen den Antrag nichts einzuwenden hat, wird derselbe angenommen. Stach 8 29 soll ein sachverständiger Beirath gebildet werden zur Mitwirkung bei Ausübung der dem Reichskanzler zustehenden Befugnisse; derselbe soll aus einem Vorsitzenden und mindestens 14 Mitgliedern bestehen, welche letzteren vom Bundesrathe gewählt werden, während der Kaiser den Vorsitzenden ernennt. Abg. Bachem will die Hälfte der Mitglieder vom Reichstage wählen lassen und zwar nicht ans zwei Jahre, wie die Vorlage will, sondern für die Legislaturperiode des Reichstags, weil sonst leicht nur Bureaukralen in den Beirnth hineinkommen könnten. Direktor Reichardt hält dieses Bedenken für nicht maßgebend; die Dauer einer Legislaturperiode sei eine viel zu lange sür die Wahl zum sachverständigen Beirath. Abg. v. Cuutz(natl.) widerspricht dem Antrage Bachems. Die im Bundesrathe vertretenen Eiuzelregierungen verfügten über eine viel größere Persoualkenutniß als der Reichstag. Abg. Barth(frs. Vg.) hält es für unmöglich, daß der Reichs- tag Personen in den Bcirath wählt, die ihm uicht selber angehören. Abg. Graf Arnim empfiehlt ebenfalls die Ablehnung des Antrages. Abg. Singer erklärt sich namens der Sozialdemokraten für den Antrag. Der Antrag Bachem wird abgelehnt. Hinter 8 43 beantragt Abg. Gras Kanitz(k.) einen besonderen Paragraphen einzuschalten:„Wer weibliche Personen zum Zwecke der Prostitution unter Vcrbergung dieses Zweckes zur Auswanderung verleitet, wird mit Zuchthaus bis zu 10 Jahre» bestraft." Abg. Förster-Neustettin(Resorm-P.) beantragt hinzuzufügen: „Außerdem kau» auf Verlangen der verleiteten Personen neben der Strafe auf eine an dieselben zu erlegende Buße bis zum Betrage von 6009 M. erkannt werden. Abg. Bebel will auch diejenigen Personen bestrafen, welche dabei Vorschub leisten. Abg. Graf Kanitz venveist auf den stark grasflrenven Mädchen- Handel, der von einer' Gaunerbande betrieben werde. Ein solches schamloses Gewerbe kann nicht hart genug bestraft werden. Geheimrath v. Tischendorff bittet, den Antrag in dieses Gesetz nicht anfzuuehmen. da die Sache mit dem Gesetze nur in sehr losem Zusammenhange stehe. Auf diese Thätigkeit finde die Bestimmung des Strafgesetzes über die 5iuppelei Anwendung. Schon die Ein- bringnng der beiden Ergänzungsanträge beweist, daß die Sache noch nicht ganz spruchreif ist. Abg. Bebel(Soz.): Allerdings gehört die Materie eigent- lich in das Strafgesetzbuch; aber wir haben kerne Aussicht, jetzt solche einzelnen Aenderungen zu erreichen; die Regierung würde eine Aenderung des ganzen Strafgesetzbuches verlangen, die vielleicht dein» Reichstage keine Zustimmung findet. Oesterreich- Ungarn ansgenomme». werden ans keinem Lande der Welt so viele junge Mädchen zu Prostitutionszweckcn nach dem Ans- lande gebracht wie aus Denischland. Die strengere Bestrafung der Hilfspersonen muß nalürlich auch herbeigeführl iverden. Der Gedanke, daß eine Buße und vielleicht auch ein Schadensersatz der ge- schädigten Franensperso» zngebillrgt werden kann, ist durchaus de- rechtigi. Direktor Reichardt: Der Antrag begegnet der vollen Sympathie der Reichsregierung, die ihre Vertreter im Auslände mit der striklesten Weisung versehen hat, sich solcher armen Mädchen anzunehmen. Aber es empfiehlt sich nicht, diese Bestiuimnng in dieses Gesetz ans- zunehmen. Nachdem noch die Abgg. Förster. Bachem und Viel- haben gesprochen, wird der Antrag Kanitz mit dein Antrag Bebel einstimmig angenommen. Damit ist die zweite Lesung der B o r l a g e erledigt. Die von der Kommission und von dem Abg. Förster- Nellstettin beantragten Resolntionen und die Petition werden in dritter Lesung verhandelt iverden. Schluß nach 6'/« Uhr. Nächste Sitznng Freitag 2 Uhr. (Antrag Colbus, betreffend die Wahlen zum Landesausschuß Elsaß- Lothringen, Margariue-Antrag, Antrag Auer wegen Aufhebung der Majestätsbeleidigungs» Paragraphen, Antrag des Zentrums, sogen. tox-Heinze.)_ VsvlamvnkavifitzVS. Dem Abgeordnetenhaus ist ein Gesetzentwurf, betreffend das V e r w a l t u n g s st r a f v e r f a h r e n bei Zuwiderhandlungen gegen die Zollgesctze und sonstigen Vorschriften über indirekte Reichs- und Laudesabgabeu sowie gegen die Bestiminungen über die S ch l a ch t- und Wildpretsteuer, zugegangen.— Religionsunterricht der Kinder von Dissidenten. Die Abgg. R i ck e r t(frs. Vg.) und Träger(frs. Äp.) haben beim Abgeordneten Hause folgeuden Gesetzentwurf beantragt: Einziger Paragraph: Kinder, welche nicht einer vom Staate an- erkannten Religionsgesellschast angehören, nehmen an dem Religions- Unterricht der Schule theil, sofern nicht die Eller» oder deren Stell- Vertreter das Gegeutheil verlangen.— Berichte über die Maifeier liegen uns noch vor aus E s ch w e g e(zahlreiche Betheiligung), Kaiserslautern(beim Au-flug nach den Erzhütten am Sonntag 600 Theilnehmer; ans II Ortschaften hatten sich die Bauern eingefunden), Triberg im badischen Schwarzwald(am Sonntag gemeinsames Fest der Genossen aus dem 2. Reichstags-Wahlkreis), Mylau i. V.(wegen Mangels eines größeren Lokals Versammlung und Konzerl im benachbarten Netzschkau; trotz strömenden Regens 2S0 Theilnehmer), Kreis M e t t m a n n in Rheinland(Ref. Pens, zahlreiche Betheiligung), Kreis Rinteln in Hessen-Nnssau(imposante Feier in Hessisch Oldendorf; Zug mit Musik durch die Stadt), Wernigerode am tarz(abends viel stärkere Betheiligung als im vorigen Jahr), a ch e n(Ausflug am 1. Mai 100 Theilnehmer, Abendversammlung über S00; am 2. Mai Gewerkschafts-Maifest, überfnlltcs Lokal, viele fanden keinen Zutritt mehr), O b e r st e i n iin Fürstenthum Birkenfeld (gute Betheiligung). In Rückingen im Wahlkreis Hanau er- klärten am 2. Mai nach einem Vortrag der Frau S t e i n b a ch aus Hamburg S4 Personen ihren Beitritt theils zu den Geiverl- schafleu, theils zum Wahlverein des Kreises. Ueber eine besonders interessante Maifeier wird uns aus D r i e s e n a. d. Netze in» Wahlkreise Friedeberg- Arn s- walde berichtet: Mit vieler Mühe war es uns gelungen, in einem abgelegenen Dorfe ca. 6 Kilometer von Driesen ein Lokal zur Ver- sammlung zu bekommen. Als Referent hierzu erschien Genosse Dreher aus Berlin. Trotz strömenden Regens hatten sich am 2. Mai Nachmittag über 100 Personen, zum größten Theil Bauern und Forstarbeiter, eingefunden. die mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten lauschten. An der Diskussion betheiligten sich unter anderen der älteste Bauer des Ortes und ein Forstarbeiter. Ersterer meinte, daß die Bauern des Kreises, nachdem sie bei der vorigen Reichstagswahl gehörig„betümpelt" worden, jetzt sich die einzelnen Parteien wohl genauer ansehen und bei der nächsten Wahl voraus- sichtlich für den Sozialdemokraten stimmen würden. Die Bauern hätte» es satt, ihr Getreide nur für das kgl. preußische Wild zu bauen, das ganze Wildschadengesetz sei für die Katz, da es bei Klagen doch immer darauf hinauskomme, daß der arme Bauer zum Schluß nichts erhalte. So habe er persönlich einmal nach vielen Lausereien endlich ganze 3 Mark Wildschaden- Ersatz bekommen, obwohl die Hälfte seiner ganzen Ernte zum Teufel gewesen sei. Aus diesen und vielen anderen Gründen müsse der Land- arbeiter, der Kleinbauer und der Jndustrie-Arbeiter zusammen gehen. Eine Resolution im Sinne des Referats ivurde mit Begeisterung an- genommen. Der gut verlaufenen Versammlung folgte eine ge- müihliche Feier, an der auch die Ortsbewohner— nur Bauern— bis in die späte Nacht theilnahme». Das große Demo» st rationsfest in Kopenhagen. Die Betheiligung am Festzuge mit allen seinen Fahnen und Musikchören war in diesem Jahre noch größer als im vorigen. Draußen aus dem riesenhaften Festplatze erhoben sich zwei Redner- tribünen, um die sich wohl an z w a u z i g t a u s e n d Menschen versammelten. Von der ersten sprach zunächst der Landesthiugs- Abgeordnete P. K n u d s e n, der darauf hinwies, daß die Arbeiter nun seit acht Jahren für den Achtstunden-Arbeitstag demonstriren, eine Forderung, für die sich immer weitere Kreise erklären. Er schloß mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Dann sprach Martin Olsen über die Bedeutung des Älcht- stnndeu-Arbeilstages für die geistige und allgemeine Entwickelung der Arbeiter. Er schloß mit einem Hoch ans den Normalarbeitstag. Ihm schloß sich I. Jensen mit einer Rede über das Wesen der Sozialdemokratie, über ihren Internationalismus, ihr Verhältniß zur Verfassung, von der Stellung der kapitn- listischen Gesellschaft zum Sozialismus an, er brachte ein Hoch auf die Sozialdemokratie aus. AlLdan» wurde folgende Resolution eiustiinmig angenommen: In Uebereinstimmung mit dem Programm der Sozialdemokratie und den Beschlüssen der internationalen Kongresse fordert die Ver- sammlung. daß die erhöhte Produktivität wie die menschliche Arbeit, jetzt im Verhältniß gegen früher mehr den Arbeitern durch einen gesetzlich bestimmte» MaximalarbeitStag zu gute kommen soll. Zur Begründung dieser Forderung spricht die Versammlung folgendes aus: Die gegenwärtige längere Arbeitszeit bewirkt in einer großen Menge von Fächern, daß die Arbeiter überanstrengt, ihre Gesundheit vernichtet und ihre Lebensdauer verkürzt wird. Sie erhöht die Menge der Arbeitslosen und beivirkt, daß der Arbeitslohn infolge des er- höhten Angebotes freier Arbeitskraft vermindert wird. Im Gegensatz hierzu bringt der Achtstunden- Arbeitstag- folgende Vortheile: er vermindert die Arbeitslosigkeit und schafft durch die erhöhte Nachfrage nach Arbeitskrästen die Bedingungen für eine Erhöhung des Arbeitslohnes, er erhöht die Kaufkraft der Arbeiter und ruft dadurch erhöhte Produktion und Umsatz hervor, er schafft den Arbeitern die nolhwendige Zeit zur Ruhe und Erholung, sowie zur Entwickelung ihres Familienlebens; er schützt die Gesundheit der Arbeiter und fördert ihre Arbeits- tüchtigkeit und geistig« Enlivickelung. Die Versaininlung hält den Achtstunden-Arbeitstag auS folgenden Gründen für durchführbar: In mehreren Staaten und Kommunen ist er bereits durch- geführt, theils bei allen Staats- und Gemeinde-Arbeiten, theils als allgemeine Regel für die betreffenden Landesgebiete. Er ist ferner bei Privatunternehinen in verschiedenen Fach- gebieten im Auslande durchgeführt. DaS Prinzip einer Begrenzung der Arbeitszeit ans bestimmte Stunden täglich ist in fast allen Ländern und in den meisten Arbeitsfächern durchgeführt, und die Erfahrung hat gezeigt, daß diejenigen Fächer, ivelche niit der kürzesten Arbeitszeit durchkommen, in der Regel den Arbeitern die günstigsten ökonomischen Verhältnisse bieten. Endlich ist die Forderung eine internationale. Sie wird von den Arbeitern in allen ökonomisch vorgeschrittenen Ländern gestellt und ivird daher der Konkurrenztüchligkeit deS einzelnen Landes nicht hindernd in den Weg treten. In Rücksicht auf diese angeführten Gründe schließt die Ver- sammlung sich dem von den sozialdemokratischen Abgeordneten vor- gelegten Gesetzentwurf an und richtet an die Regierung eine energische Aufforderung, diesen Entwurf baldmöglichst durchzuführen. Abends saudcu au fünf Siellen große Volksfeste statt, wobei ebenfalls noch weitere Reden über die Bedentung des Tages und die Bestrebungen der Sozialdemokraten gehalten wurde» und die mit lustige» Tnnznnterhalluttgen schlössen. flud) die Berichte über die Mmscicr in den übrigen däni» schc» Städten bekunden zahlreiche Belheiligung. Der dritte Parteitag der polnische» Sozialdemokratie wird am ersten und zweiten Pfingstfeiertag in Posen abgehalten. Die vorläufige Tagesordnung lautet: I. Agitations- und Rechen- schastSbcricht des Vorstandes; 2. Bericht der Delegirten über die Vgitatio» in ihren Kreisen; 3. Beschlußfassung über die in Zukunft zu führende Agitation; 4. Parleipresse und Parleiliteratur; ö. Stellung zur Frage der Kandidaten für die nächsten Reichstags- wählen; 6. Wahl des Vorstandes. I» Frankfurt a. M. hat das V e r h a l t e n d e r P o l i z e' bei der Beerdigung der Frau Trompeter zu einem Briefwechsel zwischen Magistrat und Polizeipräsidium geführt. Der Briefwechsel lag den Stadtverordneten vor. Der Magistrat erhielt ans seine Vorstellungen nebe» dem Ausdrucke des Bedauerns über die Vorkommnisse von» Polizeipräsidenten die Antlvort, daß ein Unterschied zivischen„g c>v ö h» li ch en" und „a u ß e r g e>v ö h n l i ch e n" Begräbnissen gemacht»verde» müsse. Bei jene» sei das Niederlegen von Kränzen»nit rothen Schleife» und das Halten kurzer Ansprachen statthast; außergeivohnliche Begräbnisse aber bedürften nach einem Kaniiiiergerichts-Urlheil von 1830 besonderer polizeilicher Maßregel». Tarauf hat der Magistrat in einem vom Oberbürgermeister»inter- zeichneten Schreiben erklärt:„Das Schreiben läßt die Auffassung zu. als ob bei„geivöhnlichen Begräbnissen" nur kurze Widmungen gestattet»vären. Es»viirde alsdann die Gefahr entstehen, daß»ach einer geivisse» Dauer der Ansprache eine Unterbrechung seitens des Polizeibeamten erfolge» könnte. Derartige Unterbrechungen sind aber geradezu das,»vas die Weihe des Kirchhofs in allerhöchstem Maße stört. Wir gebe» nns daher der zuversichtlichen Hoffnung hi», daß durch geeignete Anweisungen Sorge getragen »vird, daß solche Unterbrechnnge» auch bei längerer Dauer der Widmungen nicht erfolgen. Im übrige» geben»vir dem dringenden Ersuche», Ausdruck, auch„außergeivöhnlichen Be- gräbnissen" gegenüber die Polizei-Organe mit solche» Weisungen zu versehen, daß ein etiva erforderliches Einschreiten nicht auf dem Friedhofe, sonder» so zeitig erfolgt, daß Störungen des Leichen- begängnifles vermieden»verde»." Auf dieses Schreiben des Magistrats hat der Polizeipräsident nicht geantwortet. Die„KönigSberger BolkStribiine", die bisher einmal wöchentlich erschien, wird seit l. Mai dreimal die Woche heraus- gegeben. Todtcnliste der Partei. In München ist der Parteigenosse Ferdinand Prob st l, ein Mann, der lange Jahre in den vordersten Reihen der Kämpfer für die Ideale der Sozialdemokratie stand, vergangenen Sonntag zu Grabe getragen»vorden. Die „Münchener Post"»vidmet ihm folgenden Nachruf: Pröbstl, Ende der sechziger Jahre in der Au als Sattlergehilfe thätig, betheiligte sich bald eifrigst am politischen und gewerkschaftlichen Kanipfe. Die Bnchdruckeraussperrung des Jahres 1873 führte zu einem engere» Zu- sainmeilschlnß der Ge»verIschafle» und zur Gründung des erste» Arbeiter- organs für München, des„Zeitgeists". Auch Pröbstl belheiligte sich eifrigst an dem Unter» ehinen, die damals gegründete Partei-Bnch- Handlung trug de» Namen„Pröbstl u. Ko.", auch führte er de» Vorsitz in der betreffenden Komniission. Natürlich blieben auch ihm zahlreiche Verfolgungen nicht erspart. Das Amtsgerichts-Gefängniß. die Frohnfeste»vie das Zellengefängniß in Nürnberg öffneten ihm wiederHoll ihre ungastlichen Thüren,»vas ihn nicht hinderte, mit größtem Eifer»veiter zu arbeiten. Pröbstl stand lange Jahre an der Spitze der Partei an» Orte nnd kandidirle für sie auch zum Reichs- tage. Krank und müde überließ er zu Anfang dieses Jahrzehnts den ferneren Kampf dem jüngeren Geschlecht. Ehre seinen. An- denken! Polizeiliches, Gerichtliche»«. — Der Parteigenosse Jurtz, kurz hinter einander dreimal »regen Beleidigung w. angeklagt,»vnrde von der ersten Instanz in M u s k a u stets verurtheilt, von der ziveiten Instanz, den» Land- gericht in Görlitz, aber stets freigesprochen. GenterKsrfzafkliches. Berlin nnd Ningebnng. Der Verband deutscher Zimincrlente(Zahlstelle Berlin) hält am Sonntag den 9. Mai 1837, vormittags lOVz Uhr, eine Versammlung in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20, mit folgender Tagesordnung ab: 1. Die Lohnbeivegungen innerhalb unseres Berufes. 2. Bericht von der 12. Generalversan»»- lung zu Halberstadt.- 3. Nemvahl der Agitationskominissio». 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht. Der Vorstand. Die Stuckatenre Kopenhagens stehen seit l. Mai im Streik. Sie bitten deshalb die Kollegen allerorts, de» Zuzug bis a»>f weiteres zu unterlassen. DieLohnkommission der Stuckaleure Berlins. Für die Silberpolirerinnen nnd Polirer ist am Dienstag. de» 11. Mai, abends 8 Uhr, in den Arminhallen eine öffent- liche Versammlung anberaumt. Es solle» dort eingehend die Er- werbsverhältnisse, namentlich die der Heimarbeiterinnen, erörtert»verde», diese»verde», daher besonders auf die Versammlung aufmerksam gemacht. TentscheS Reich. Gegen de« Beschluß des Leipziger Gewerkschaftskartells in Sachen der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker »vendet sich das„C o r r e s p o n d e n z b l a t t der General- kominission der Geiverkschaften Deutschlands" in einem Artikel u. a. wie folgt: „Nach der Stellung, welche die örtlichen Geiverkschaftskartelle in der Gesammtorganisation einnehmen sollen, hat kein Kartell das Recht, sich in die innere» Angelegenheiten einer ein- zelnen'Organisation zu mischen. Tie örtlichen Geiverkschasts- karlell« sollen die Angelegenheiten erledigen, welche für die am Orte organisirten Arbeiter ei» gemeinsames Jnieresse haben. Ten Kartellen kann aber kein Recht zustehe», über die Or- ganisation und die Taktik der einzelnen Zenlralverbände zu ent- scheide», da sie nur als Bindegeld zivischen diese», niemals aber als eine selbständige Organisation gelten können. Wo die Vereinsgesetze ein Hinderniß nicht bieten, sollen die örilichen Geiverkschaftskartelle eine Verbindung der orgaiiisirten Arbeiter darstellen. Gesetzt de» Fall, diese Organisatioiisform bestände für Leipzig, so wäre das Kartell unter allen Umständen genöthigt, die Delegirten der Buchdrnckerorganisation anzuerkennen,»iemals aber könnte es eine Delegation aufiiehmen,»velche von Personen kommt,»velche außerhalb der Organisation stehe» und die Einheit derselbe» durchbrochen haben. Die Vertretung der dentsche» Buch- drucker ist der Verband und nur dessen Mitglieder können i» Körper- schaften,»velche in der Gesammtorganisation stehen»volle», als voll- berechtigte Vertreter anerkannt»verde». Die Delegirten des Leipziger Geiverkschastskartells mögen»vohl bedenken, daß sie mit ihre»» Be- schlnß etwas als richtig und gut anerkannt haben,»vas sonst in den geiverkschaftlichen Organisationen als ein Vergehen gegen die ge- meinsame Sache angesehen»vird. Das Kartell giebt seine Zustimmung dazu, daß Mitglieder einer Organisation, denen die jeweilige Leitung und Taktik derselben nicht paßt, das Recht haben, Nebenorganisationen zu gründen, die bestehende Organisation mit allen Mitteln zu bekämpfen, den Widerstand der organisirten Arbeiter zu schivächen und den, Unternehinerthum eine größere Macht zu sichern. Bon diesen Gesichtspunkten aus kann niemand, der den Wunsch hegt, den Organisationen eine größere Widerstandskraft zu sicher», den Beschluß des Leipziger Kartells gut- heißen. Dieser läßt sich»veder taktisch, noch prinzipiell rechtferligen. am we>»igsten aber steht dem Kartell das Recht zu, solche Beschlüsse zn fassen. Es mag so Handel», ,vie es das von de»»„Vorrvärts" verlangt und sich der parteiischen Einniischnng in die inneren An- gelegenheiten de? Organisationen enthalte»." Ueber den Maurerftreik in Brandenburg theilt unser dortiges Parteiorgan»nit: Der Streik könnte beendigt sein, wenn nicht ei» Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den I äußerst unangenehmer Umstand zur Verlängerung beigetragen hätte. Wir berichtete» von den» ablehnenden Bescheid der Maurermeister auf die Magistratsvorschläge. Dieser Bericht entspricht, allerdings nicht durch unsere Schuld, nicht den Thatsachen. Die Unternehmer haben schon am Sonnabend sämmt- liche Vorschläge des Herrn Bauraths angenommen. Von diesem Beschlüsse ist durch irgend ein nicht ausgeklärtes Versehen vom Rathhans aus den Streikenden keine Mittheilung gemacht»vorden. Mit den von den Streikenden i» der Mo»tagversamn»lllng auf- gestellten»veiteren Forderungen beschäftigte sich eine Versammluiig der Arbeitgeber an» Montag. Die Beschlüsse ans dieser Versamm- lung»vurden den Streikende» mitgetheilt. In dem Schreiben wurde selbstverständlich auf die übrigen Forderungen, da dieselbe» beivilligt»varen, nicht mehr Bezug genommen. So käme» denn die Streikende» zu der Annahme, daß die Vorschläge des Stadt- banraths abgelehnt seien. Nachdem jetzt durch den Herrn Baurath das Mißverständniß aufgeklärt ist,»vnrde der S t r e i k für b e- endet erklärt. In Kottbns dauert der T i s ch l e r st r e i k bei der Firma H. Mittag,»vie uns die Kommission schreibt, unverändert fort, da der Inhaber der Firnia auf den Versuch zu»nterhandeln nur auslveichende Antivort gegebe» hat. Der Vers>»ch»var von» Streik- komilee und von einem Vertreter des Hauplvorstandes des Holz- arbeitcr-Verbandes gemacht worden. Da in verschiedenen bürger- liche» Zeitungen mitgetheilt worden ist, der Streik fei beendet, und da durch Annoncen Tischler für die Miltag'sche Fabrik gesucht werden, sö bittet die Kommission die Fachgenvffen, den Zuzug auch ferner streng fernznhallen. Bon den Metallarbeiter« Forsts in der Lausitz stehen noch 93 im Streik, darunter 38 verheiralhete. Bis auf einen gehören die Streikenden sämmtlich der Gewerkschaft a». S5 Metallarbeiter haben die Fordernngen beivilligt bekomme».— Die Maurer hatten folgende Forderunge» gestellt: zehnstündige Arbeitszeit von 6 bis 6 Uhr, 1 Stunde Mittag und Ve Stunde Frühstück und Vesper; 35 Pf. Mininial-Slundenlohi». von 6—8 Uhr abends 5 Pst, von 8—10 Uhr 10 Pf. Zuschlag, für Sonntags- und Nachtarbeit 15 Pf. Zuschlag pro Stunde; Baubuden,»velche alle» An- forderunge» entspreche»; der Lohntarif gilt bis 1. April 1898 und muß vierteljährlich gekündigt»verde»; die Arbeitszeit dauert Sonnabends bis 5 Uhr nnd an Feilsonnabende» bis 4 Uhr. Die Antivort der Unternehmer ging dahin, daß sie 30 Pf. Minimalloh» beivilligen, über die übrigen Forderungen aber mit ihre» Arbeitern allein»»nterhandeln»vollte». Darauf beschloff«» die Maurer in einer Versauimlung, den Meistern»och 14 Tage bis 3 Wochen Frist zu geben, in der Z, vischenzeit aber alle Vorbereitungen zu treffe», um»uter Umständen durch Arbeitsniederlegung die Forderunge» durchsetzen zu können. Zuin Töpfcrstreik in Mnskan wird uns geschrieben: An» 3. d. M. fand nach achttägigem Streik die erste Verhandlung zivischen der Lohnkonimissio» und den Meistern statt,»velche folgendes Er- gebniß hatte: Den Töpfern für Braungeschirr, vnrde ihre Lohn- sorderung zur Hälfte beivilligt, daneben einheitliches Maaß»md gleicher Tarif in allen Fabriken. Die Lohnerhöhung beträgt 10 bis 15 pCt. Die Töpfer dieser Branche nahmen am 5. Mai i» allen Fabriken die Arbeit»vieder auf. Bei S t e i n g e s ch i r r wurde keine Einigung erreicht; infolgedessen sind»wch 33 Mann im Ausstände; diese find entschlossen auszn- harren, bis die Forderungen voll bewilligt sind. Die Haltung der Streikenden ist vorzüglich, sie haben noch keinen Streikbrecher auf- zinveisen. Die Meister haben zuin theil schon bewilligt, jedoch scheiterte die Verhandlung am Tarif(Stückzahl). Ein Theil der Streikenden hat auf Baute»:c. Arbeit gesunde». Die größere Hälfte jedoch muß feiern und ist unterstützungsbedürftig. Unter den 33 Töpfern sind 27 Verheirathete mit 56 Kinder». Wir bitten daher die Kollegen, allerorts für die Streikende» zu sammeln, damit sie nicht gez>vln»gen sind, zu kapiluliren. Die Streikenden. habe» sich sämintlich dein Töpferverband angeschioffen. Kollegen, thitt Eure Pflicht,»vir»verde» es Tuch»nieder vergelten! Briefe nnd Geldsendungen sind zu richten a» Töpfer P. Meier, Schmelz- straße. In Stendal hat der Streik der Steinsetzer des Unter- nehmers C h a p p i u s mit der unterschristlichen Bewilligung sämmt- licher Forderungen der Arbeiter geendet. Au die Ciscnbahn-Tirektiou Altona hatten die»vegen Be- theiligung am Eisenbahn er-Verband geinaßregelte» Eisen- bahn-Bediensteten in Hainbnrg an» 27. März eine Beschiverde gerichtet, worin sie gegen ihre Entlassung linter Hiniveis ans das in § 152 der Reichs- Gewerbe- Ordnung ausgesprochene Recht der Arbeiter auf Koalitionsfreiheit protestiren. Die Beschiverde ist untern, 25. April mit der Begründung abgewiesen»vorden, daß die Eisenbahnbetriebe der Geiverbe- Ordnung laut H 6 nicht unterstellt sind; jedoch sei die Entlassung der Beschwerdeführer nicht als Strafe für die Uebertretn>»g eines Verbots der Bahnverivaltung (betr. de» Bestich der von» Verbände veranlaßten Eisenbahner- Bersan»nl»»ig) ausgesprochen worden. Man habe ihnen einfach innerhalb der Verlragssrist gekündigt, und das Recht der Kündigung sei an das Vorhandensein besonderer Gründe»>icht gebunden; es besteh« auch'keine Verpflichtung, Gründe für Entlaffnngen an- zugebe». Die Altonaer Eifenbahnverivaltung unigeht mit dieser Erklärung den Kern der Sache. Aber auch so»oisse» die Eisenbahn- Bediensteten,»veffe» sie sich unter dein Ministeril»»» Thielen zu versehen habe», wenn sie zur Erörteri»ng von Berufsangelegenheiten »virklich selbständige Organisationen bilden wollen. Der gegen- »värtige Staat duldet nur solche Orga>iisatioi,cii seiner Beaniten und Arbeiter, die'de» Interessen der herrschenden Klassen Vorschub leisten. Ju Bielefeld waren von 400 Maurern, die am 1. Mai gefeiert hatlen, über die Hälfte ausgesperrt»vorden. Darauf be- schloß eine Maurerversanimlung, daß die Arbeit eingestellt»nid nicht eher»vieder aufgenvminen werden solle, bis die ll'/eftündige Arbeits- zeit und ein Mininial-Stnndenlohn von 40 Pf. für Junggeselle» nnd von 45 Pf. für die übrige» Arbeiter beivilligt sei. Vo» 680 i» Bielefeld beschäftigten Maurern haben sich nachweislich 653 der Be- »veguug angeschlossen; davon arbeiten 55 zu den bewilligte» Forde- rungen und 378 sind abgereist. Tie Zimmerer legten ebenfalls die Arbeit nieder; sie stellen dieselben Forderlingen wie die Maurer. Das Stadtverordiieten-Kollegiuni in Leipzig beschloß auf eme Eingabe der Maurer nnd Steinmetzen»vegen An- ordniing von Schutzmaßregeln für Bauarbeiter, den Rath zu ersuche», die Baurevisorei» zu beauftrage», soivcil dies nicht der Fall ist, bei Kontrolle der Baute»» auf die Eiuhaltmig der bestehenden Unfall- verhiilungs-Vorschriftc» niit zu sehen. Auf eine Eingabe der Maler, die Vergebung städtischer Arbeiten im Wege der Submission be- treffend, beschloß das Kollegium, den» Rath der Stadt zu empfehle»», einem frühere»» Antrage des Kollegin»», s entsprechend den aus- führende» Unternehuier» städtischer Arbeiten vertragsmäßig aufzngebe», daß die von den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarten Löhne gezahlt»verden. AnS Zwickau i. �»vird uns geschrieben: Zahlreiche Maß. regelungen infolge der M a i s e i e r»verde»» jetzt bekannt. Be- sonders die„Bürgergeiverkschaft",„Vertrauensschächte"»nd„Hilfe- yottesfchächle" haben eine Anzahl Enllassniige» von Bergleuten ver- fügt, die am I. Mai ohne Erlaubniß die Schicht versänint haben. Das sächsische Grubenkapital, von jeher durch RückfichtslosigkeU ausgezeichnet, kann dem Wachsthum der„rothen Rotte" nicht iinthälig zilsehei».— Genosse Louis E ck st e i n aus Zwickau, der sich auf einer geiverkschasiliche» Agitationstour in» westlichen Dentschland befindet und in Hagen i» Westiale» als Referent bei der Maifeier auflrat,»vnrde dort»vege» Widerstandes gegen die Slaatsgeivnll verhaftet. Selbst im„hellen Sachsen" ist der genannte als„aus- reizender" oder„gemeingefährlicher" Mensch nicht bekannt. Ueber den Maurerstreik in Altenburg berichtet die„Leipz. Volkszlg.": Vo» den Unternehmeri»»var der Bürgerineister vo» Altenburg zur Bermittelung angerufen»vorden, der aus Montag de» 3. Mai eine Verhandlung aiiberanmte. Dort wurde den Gesellen der Vorschlag gemacht, der Höchftlohn solle 36 Pf. pro Stunde und lseratentheil veraliUvorUich: Ty. Glocke in Berli». Drink und Verlag vo» die Arbeitszeit Kst/e Stunden betragen. In einer Manrerverfamm« lung am 4. Mai wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Die Versammlung beharrte auf der Einführung der 10ftündigen Arbeitszeit und eines Mindestlohnes von 35 Pf. pro Stunde. Utebev vie NAkaikroptze in Patte liegen heute noch folgende Meldungen vor: Die offiziell« Todieit« liste umfaßte»im Mitternacht 117 Namen. In» Jndustrie-Palast liegen noch 19 Leichen, darunter z>vei männliche, welche noch nicht agnoszirt»verde» konnten. Die Gesammtziffer der Verinißlen, die bei der Polizeipräfektur seit Ausbruch der Katastrophe aiige- meldet»vurde», beträgt 146. Indessen ist bisher nicht festgestellt, ob alle diese auch thatsächlich zu den Opfern des Brandes gehöre». Vier Verunglückte»verde» heute, zwölf iliorge» bestattet. Am Son»»- abend, au»velche»» Tage die von der Regierung angeordnete L/ichen- feier stattfindet, bleiben die staatlich konzessionirten Theater ge- schlöffe». Die Zahl der auf der Unglücksstätte altfgelesenen Gegenstände beträgt an 90 000; darunter befinden sich Börsen, Schmuck- fache», Lorgnetten und Bücher. Auch der Säbel eines Infanterie- Offiziers»vnrde a»>s dem Schutt ausgegraben. Die liieiste» Fnndstiicke gehören jedoch zu den Artikel», welche im Bazar zum Verkauf stände». Unter den Verniigliickte» befinde» sich auch mehrere Pfleglinge des Bli»de»-J»stiti>ts, welche Erzeugniffe ihrer An- statt feilgeboten hatten. Endlich soll nun auch die Herzogin v o» A l e n? o n agnoszirt worden sei». Der Präsident Faure theilte im Ministerrath die Telegramme mit,»velche ihm von de» fremden Staatsoberhäuplern zu- gegangen sind. Alle fremden Botschafter haben dem Minister des Aeußern die tiefe Theiluahmes ihrer Regierungen übermittelt. Fast alle Minister haben der Unglücksstätte einen Besuch abgestattet. In den Wohnhäuser»» der bei de». Brande ums Lebe» gekommenen tragen sich die Freunde der Familien in die ausliegenden Listen ei». Der Ministerrath beschloß, daß au» Sonnabend in der Nolre- Dame-Kirche ein Trauergottesdieiist für die nicht rekognoszirten Personen sowie für diqeiiigen bei dem Brande mngekommenen Personen stattfinden solle, deren Familien den Wunsch aussprechen »vürde», an dem Gottesdienste theilzunehinen. Präsident Faure»vird dem Trauergottesdieiiste beiivohue». Auf dem Platze vor der Kirche »vird im Namen der Regierung eine Rede gehalten werde». Die Leichenfeier soll so großartig»vis möglich gestaltet werden; auch spricht»»an davon, den Opfern ein Denkmal zu setze». Das Mitleid mit den bedauernsiverthen Opfern dieser gräßlichen Ka! trophe ist allgemein, wir sind die letzten, die sich von der Trauer um de» Verlust irgend eines Menschenlebens aiisschließei» möchten. Aber»vir können-doch nicht umhin, einen Vergleich anzustellen zivischen de»n Gebahren der Staats- bebörden, überhaupt der oberen Zehntausend, bei diesem sUnglück und solchen,,»vo Proletarier die Opfer bilden. Ist es nicht»veit über das Ziel hinausgeschossen,»venu,»vie der „G a u l o i s" es thul, von den Daine»,»velche im Bazar»»itivirkie», gesprochen wird als vo» Heldinnen, die als Blutzeugen der Pflicht auf dem Felde der Ehre gefallen seien? Müssen derartige Arrangements nicht vielmehr häufig genug»ur dazu diene», einige Abivechselung für die gelaiigiveiUen Damen der großen Welt zu bringe» und ihre Populariläl anfzufrischen? Mit Recht erinnert,»»»ser Bruderorgail?„La Petite Republigue" daran, daß der Man» der Arbeit sich täglich in die Gefahr begiebt. Nicht scllcn sind schoi» hunderte von Bergleute»» durch schlagende Weller unis Leben gekonunen, ohne daß sich der herrschenden Klaffe eine solche Erregung beniächtigte. Und—»v«»» auch ein Menschen- leben gleich hoch steht und gleich zu bedauern ist, so ist das Geschick der arme>» Wiltive doch ungleich bitterer, de»»» zu dem seelischen Schmerz um den Verlorenen gesellt sich hier die Roth und das Elend. In später Nachtstunde treffen über die Katastrophe noch folgende Depesche» ein: Paris, 6. Mai.(B. H.) Bon heut« früh bis nachmittags 3 Uhr sind»vettere 13 Leichen erkannt»vorden. 16 Leichen find iloch nicht agnoszirt. Der General Mmiier ist heute Mittag seinen Brandwunden erlegen. Er hat ein Alter von 69 Jahren erreicht. Depefichen nnv letzke Mschvirfjten. Berlin, 6. Mai..(„Berl. Corr.") Der vom Bimdesrath i» seiner heutigen Sitzung genehmigte ziveite Nachtrag zun, Reichs- hanshalts-Etat belälfft sich auf 171210 M. und zwar ans 71 210 M. an fortdauernden»nd auf 100 000 M. an eininaligen Ausgaben des ordentlichen Etats. Die fortdauernden Ausgaben in Höhe von 71 210 Mark entfallen auf das Reichsamt des Innern und sollen dazu diene», das Personal des Reichs- Bersicherungs- amls zu veriiiehre», das zur Beivältigung der noch in fortgcsetzler Zunahme bcsindlichen Arbeiten nicht»»ehr ausreicht. Der Gesetzeiitmnrf steht daher die Schaffung von Stelle» für fünf ständige Mitglieder. neun Bnreaiibeamle, drei Kanzleisekretäre und zivei Kanzleidiener vor. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats in Höhe von 100 000 M. sollen in Ergänzung des bereits in de» Reichs-Hans- Haltsetat für 1897/93 eingestellte», Betrages von 50 000 M zur Durchsrührnng der schivebenden Borarbeiie» für die Betheiligung des Reiches an der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 dienen. Jnsgesammt wird zur Deckung der dadurch erwachsende» Kosten iiach den vorgenommenen Schätzung ein Betrag von fünf Millionen Mark erforderlich sei». Hamburg, 6. Mai.(B. H.) Heilte Nacht hat der Altonaer Stadtlhcaier-Rcquisiteur Quaritsch seine Geliebte, namens Carstens «»>d deren siebeiizehnjährigen Sohn durch Hammerschläge und Revolverschüsse zu cruiorden versucht. Beide»vurden lödtlich ver- letzt. Der Mörder ist verhastet, verweigert aber, den Grund zu der That«»zugeben. DreSde«, 5 Mai.(W. T. B.) Für nächsten Sonntag»var von der hiesigen Reformparlei eine große Versauimlung ein- berufe», in»vclcher eine Kundgebung gegen die i» Oesterreich erlassenen Sprachcnverordnungen erfolge» sollte. Zahlreiche öfter- reichische Abgeordnete und Politiker sollle» daran theilnehme». Die hiesige Polizeidirektion hat„»in verboten, daß österreichische Vertreter in der Bersammlung das Wort ergreifen. Wien, 6. Ma».(B. H.) Bei der heutigen Debatte im Ab- geordnetenhanse über die Anträge auf Versetzung niehrerer Minister in Anklagezustand»vegen des Erlasses der Sprachenverordnung enl- stand ein»»»geheurer Skandal, besonders als der deiitsch-nationale Abgeordnete Wolff in seiner Rede sagle, die andere» Nalionen seien minderiverthiger als die deutsche, und verschiedene Redner der Opposilion die Regierung heftig angriffen. Die im Hause amveseu- den Minister mußte» schließlich»nter Abzngsrusen der liberale»» Grnppen das Haus verlassen und die Sitzung, ohne daß die Debatte z» Ende geführt werden konnte, geschlossen»verde,». Basel, 6. Mai.(„Franks. Ztg.") Der große Rath hat die erste Berathung des Versicherungsgesetzes gegen die Arbeitslofeuzeit mit univesentlichen Aenderungei» erledigt. London, 6. Mai.(W. T. B.) Lord Salisbnry hielt heute in einer Versamiuliing der Primrose-Lengue i» der illlberi-Hall eine Rede, in»velcher er sagte,»venn für England in Südafrika Schivierigkeiten bestehen. sei dies deshalb der Fall,»veil es darauf bestehe, daß die vorhandenen Verträge beobachtet »verde». Englands Absicht gehe dahin, die Verträge seinersetts zil beobachten, sowie daß andere dieselbe» nicht zm» Nachtheile Englands brechen solle». Salisbnry sagte ferner, er glaube, daß alle Be- sürchlungen betreffend die Folgen des griechisch- türkische»» Krieges endgiltig zerstreut sind und daß der Friede Europa's im großen Ganze», von lediglich örtlichen Streitigkeiten abgesehei», auf eine bessere Grundlage gestellt sei, nnd daß bessere Hoffnung für dessen Zukunft bestehe, als jemals innerhalb der jüngsten Zeil. Rom, 6. Mai.(B. H) Cypriani, der an der Spitze von Frei- »villigen sich seiner Zeit»ach Griechenland begab,»vnrde heule in Aihei» verhaftet(!),»veil er im Verdacht steht, Unruhen hervor, zurufe». Larissa» 6. Mai.(Meldung der„Agence Havas".) Pharfala ist heute vo» den Türken genommen»vorden. Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Uuterhaltungsblatt. Hr. 105. 14. ßtilnjt hü Jotwitlü" Mim ItMlolt. Itfilag, 7. Mai 1897. Buu Mrfovm dvv Vonfektionsavbvik. Neber dieses Thema handelt ein von Dr. Alfred Weber in Bcllm verfaßter Artikel, der soeben im„Archiv für soziale Gesetz pemuig und Statistik" erschiene» ist. Der Verfasser prüft an der Hand des gcsammten von der Kommissto» für Arbeiterstatistik über die Zustände in der Konfektion veröffentlichten Materials die Frage, wie sich eine Erhöhung der Lebenslage, namentlich riue Lohnerhöhung, für die Arbeiterinnen der Konfektion erreichen ließe, die zum großen Theil nur ein tief unter dem Existenzminimum liegendes Einkommen beziehen. Er kommt dabei zu Ergebnisse» und Vorschläge», die den bisherige» Ansichten aus richtiger Sozialpolitiker nicht überall entsprechen.— aber der offen. bar guten Absichten halber, ans denen sie hervorgegangen sind, de» vollen Anspruch auf Beachtung und ernsthafte Prüfung haben. Das mindeste. Irvas eine Arbeiterin zur Fristnng des Lebens braucht, das sogenannte„Existenzminimum", ninimt der Verfasser s»r eine auf sich selbst gestellte Berliner Arbeiterin auf 9 M. die Woche oder 450—470 M. im Jahre an.„Eine Arbeiterin mit diesem Verdienst behält, menn sie 6 M. möchentlich für ihre Er- uährung»nd 7—0 M. monatlich für Miethe verbraucht, nur clma 20 M. im Jahre für ihre sämmtlichen übrigen Bedürsniffe übrig. Sie muß schon Kunststücke vollbringen, ivenn sie sich mit diesen Beträgen glatt durchschlagen will." Nach den auf grund des vorhandene» Materials aufgestellten Berechnungen des Verfassers verdienten jedoch von den Berliner Konfeklionsarbeiterinnen unter 420 Mark jährlich: in der Wäschekonfeklion 63. in der Herren- und Knabenkonfektion 84 und in der Damenkonfektion 81 von je 100. Für die genannten drei Branchen solle» sogar 22, 28 und 17 pCt. ucniger als 220 M. jährlich verdienen, obwohl dieselben, um dies aber überhaupt verdienen zu können, die volle Arbeitskrast einsetzen müssen. Diese niedrigsten Verdienstsätze, die sich„auf dem Niveau einer A r m c n» n t e r st ü tz n n g bewegen", würden jedoch nur in der eigentlichen Heimarbeit erreicht, während die in den Werk- stätten der Zwischenmeister beschästigtcn Arbeiterinnen die höheren Löhne, die zum theil über das Existenzminimum hinausragen, ver- dienten. Was nun die Einkommen der Z w i s ch e n m e i st e r betrifft, so widerspricht der Verfasser der von der Kommission für Arbeiter- stalistik geäußerten Ansicht, daß der Verdienst des Zwischenmeisters in der Regel ans eigener Arbeit beruhe. Einkommen von 6000 und 7000 M. jährlich, wie sie ermittelt wurden, seien nur zu etwa 2000 M. Arbeitsverdienst, das übrige Unternehmergewinn. Diese hohen„parasitären Gewinne" der Zwischenmeister seien jedoch nicht die Ursache der niedrigen Löhne der Arbeiterinnen. Sie seien nur der Preis, den der Fabrikant für die Bequemlichkeit be zahle, die ihm das Vorhandensein und die Thätigkeit des Zwischenmeistcrs verschaffe. Die niedrigen Löhne seien die Folge des Ueberangebols weiblicher Arbeitskräste in den östlichen Theilen Deutschlands. Man habe nicht die mindeste Veranlassung, an- zunehmen, beim Fehlen der Zwischenmeister würden die Arbeilerinnen mehr verdienen. Hier ist ein Punkt, in dem wir widersprechen müssen. In Fabnkcn können die Arbeiterinnen nicht in dem Maße chikanirt, g« drückt, bewuchert und betrogen werden, wie es notorisch von der Mehrzahl der Zwischenmeister geschieht. Auch könne» wir nicht zu geben, daß die von der Kommission für Arbeilerstatistik aufgestellten Reformvorschläge, so unzureichend sie sein mögen, mit einer Ver- befferuup der Arbeitslöhne„so gut wie keine Berührung" haben. Diese Vorschläge gehen bekanntlich dahin, bei Stücklohn- arbeit zur Ausstellung und Jnnehaltnng fester Tarife gesetzlich zu zwingen; die Arbeiter- Versicherungs- Gesetze, mit Heranziehnng der Fabrikanten zu den Kosten, auch auf die Heimarbeiter auszudehnen; endlich die Vorschriften der Gewerbe Ordnung über Frauen- und Kinderarbeit, betr. Maximal-Arbeitstag, Verbot der Nachtarbeit, Minimalalter ec. auf die Hansindustrie aus- zudehnen. Eventuell soll den Zwischenmeistern verboten werden, den Werkftellenarbeitern Arbeiten mit nach Hause zu geben. Diese Dinge würden den betheiligteu Arbeiterinnen immerhin manche Vortheile und Verbesserungen verschaffen.— andererseits den Uebergang der Konsektion zur fabrikartigen Produktion, nach der die Arbeiter verlangen, den Konfektionsfirmen nahelegen und eventuell vortheilhast erscheinen lassen. Freilich wisse» auch dies« Vorschläge der Kommission, die durch den neuerdings veröffentlichten Entwurf zu einer Bundesrathsverordnnng ja noch mehr verwässert worden sind, zur Heilung der eigenllichen Heimarbeit so gut wie nichts anzuführen. Dem Autor ist zuzugeben, daß daS llcberangebot solcher Frauen, die durch allerlei Pflichten an das Hans gefesselt sind und zu jedem Preis Arbeit nehmen, die Haupt- Ursache des Lohndrucks ist. Diesen Lohndruck will der Verfasser durch gesetzliches Verbot der eigentlichen Heimarbeit beseitigen. Er sieht der dann folgenden Entwicklung ins Auge und erkennt an. daß«ine Schicht von Personen, wie Wittwen mit kleinen Kindern, der Armenunterstützung anheimfallen würden; daß für manche Arbeiterkreise niit der Erschwerung des MiterwerbS der Frau auch die Eheschließung erschwert würde; daß eine Anzahl von Frauen von ihren Kindern fort in die Wcrkstellen gedrängt würden. Uebrigens könnte man die gegenwärtig in der Heimarbeit thältgen Personen schonen, indem man die Heimarbeit zwar im allgemeinen verbieten, ihnen persönlich aber durch Ausstellung von Karten die fernere Heimarbeit gestalten könne. Die oben erwähnten Konsequenzen wären aber nach Meinung des Verfassers kein Uebel, sondern würden gesundere Verhältnisse und Klarheit schaffen. Bei der Armen- Unterstützung würde die Wittwe ziemlich ebensoviel einnehmen, körperlich aber nicht in dem Maße zerrieben werden. Auch würde dies Vorgehe» vielleicht«ine Verbesserung der Armenpflege und die Einführung der Wittwen- und Waisen- Versicherung herbeiführen. Was das Hineintreiben der Frauen in die Fabriken betrifft, so seien die Familien, wo starke Erwerbs- thätigkeit der Frau vorhanden ist, schon jetzt verrottet und innerlich aufgelöst. Für die betreffenden Kinder wäre das Eintreten einer öffentlichen Fürsorge durch Kindergärten und dergleichen besser. als die heutigen Zustände. Die Interesse» der Vollarbeiter müßten den Interessen der Nebenerwerb suchenden Kreise vorgeben. Das alles sind Gedanken, die gewiß ernfthasle Prüfung ver» diene».— Der Schreiber dieser Zeilen würde jedoch den ange- deuteten Weg nicht beschreiten. Er würde alles thun, was der Konsektion den Uebergang zur fabrikmäßigen Produktion erleichtern könnte. Ob dies durcb Aukdehnnng der Arbeiterschutzgesetze, Regelung der Zwischenmeister-Wirthschaft(z. B. nach dem Vorschlag des Dr. Wörishofer, daß die Zwischennieister nur in ihren Werkstätten dürfen arbeiten lassen, während etwaige Heim- arbeiter nur im Verhältniß zu den Fabrikanten selbst stehen dürfen). oder ob es durch Maßnahmen der betheiligteu Arbeiterorganisationen geschehen soll, ist eine Frage näherer Prüsung.— Wenn die tech- nischen Bedingungen gegeben sind, die der Konsektion de» Uebergang zur Fabrikinduslrie vortheilhast erscheinen lassen, wird diese Betriebs- form ohne weiteres an die Stelle der heutigen treten, und die Heim- arbeit wird dadurch von selbst aufgesogen oder abgestoßen werden. Für weite?lrbeiterschichtcn aber die Erwerbsgelcgenheit durch gesetz- geberische Maßregeln direkt abschneiden, scheint dem Schreiber dieses zu gewallthälig und in seine» Folgen unübersehbar. Auch von Johannes T i m m' der in der Schneiderorganisation in vorderer Reihe steht und durch langjährig« Beschäftigung mit de» sozialen Zuständen der Konfektion ei» guter Kenner dieses Gebietes ist. liegt eine neue Broschüre vor.(Die Konfektions-Jnduslrie und ihre Arbeiter. Darlegung und Kritik der Erhebungen der Reichskommission für Arbeiterstatistik'und der Gesetzgebung. Flensburg 1897. Preis 30 Pf.) Timm hat sich seine Hauptaufgabe dahin gesetzt, eine ausführliche Darlegung der Resultate zu geben, zu denen die Enquete der genannten Kommission geführt hat. Er hat das ganze Material herangezogen und giebt auf grund dieses eine recht gute, nach Materien geordnete Schilderung derZnstände in der Kon- feklionsindustrie. Im Rahmen dieser Schilderung dehandelt er beispiels- weise die Absatzgebiete, die Arbeiterzahl in der Konfektionsindustrie, Fabrik-«nd Hausindustrie, Lehrlingsverhältnisse, Gefängnißarbcit, Saisonarbeit, Arbeitslohn, Gesnndheitsverhältnisse, sittliche Zustände und vieles andere. Die Aufzählung dieser Kapitel zeigt, nach wie verschiedenen Gesichtspunkten hin Timm fein Gebiet durchforscht hat. Auf die Einzelheiten dieser Darstellung einzugehen, müssen wir uns versagen, da die auf die Konfekion bezüglichen Erhebungen der Kommission für Arbeiterstalistik bereits früher im„Vorwärts" dar- gestellt worden sind. Timm giebt dann auf verhältnißmäßig kleinerem Raum eine sehr klare und übersichtliche Zusammenstellung der ausländischen, namentlich amerikanischen Gesetzgebung, welche letztere auch im eben erschienene» Heft von Conrad's Jahrbüchern zum Gegenstand der Darstellung gemacht ist. Man kann diese amerikanische Gesetzgebung als eine Kampfgesctzgebung gegen das Zwischenmeistersystem be- zeichnen und muß ihr nachrühmen, daß sie nicht zimperlich ist»nd den als Uebel erkannten Zuständen mit ganz energischen Maßregeln zu Leibe geht. Dem werden die so schwächlichen Vorschläge der Kommission für Arbeilerstatistik zur gesetzlichen Regelung des Gegenstandes in Teutschland gegenübergestellt und die aus dem Eisenacher Schneiderkongreß beschlossenen, bedeutend weitergehenden, in manchen Einzelheiten der amerikanischen Gesetzgebung entlehnten Forderungen der deutschen Konsektionsarbeiter an die GesetzgcMng mitgetheilt. Selbstverständlich wird auch die Unerläßlichkeit der Organisirung der betheiligten Arbeiterschichten hervorgehoben.— Das Buch ist namentlich als Materialiensammlung und Uebersicht über die in der Konfeltiou wirklich herrschenden Zustände brauchbar und bestens zu empfehle»._ M. Pf. Das Ende dcS Prozesses Auer u. Ge«. hat der Polizei. neben dem thatsächlichen Mißerfolg, auch insofern noch«ine recht unliebe Schererei gemacht, als dieselbe jetzt, nachdem das frei sprechende Erkenntniß rechtskräftig geworden ist. die seinerzeit konfiszirten Skripturen, Briese. Bücher rc. wieder an die Eigen- lhümer zurückstellen mußte. Am Mittwoch erfolgte diese Rückgabe und es mag dabei konstatirt werden, daß die Herren Beamten, welche diese Aufgabe zu erfüllen hatten, sich einer ausgesuchten töflichkeit befleißigten. Bei der Beschlagnahme war von dieser igenschaft weniger zu spüren. Zur Lokallistc. Die Mitglieder der Lokalkommissioncn werden ausgesordert, die Lokalliste ihrer Orte bis zum Montag, den 10. d. M. an mich einzusenden. Ich weife ausdrücklich darauf hin. daß nur diejenigen Orte bekannt gegeben werden können, ans denen mir rechtzeitig die Listen zugesandt worden sind. Da von jetzt ab allmonatlich eine Lokallifte herausgegeben wird, so werden in der Zwischenzeit Neuanmeldungen von Lokalen nicht veröffentlicht. Ferner mache ich noch im Anschluß an die kürzlich an dieser Stelle erfolgte Bekanntmachung daraus aufmerksam, daß alle die Lokallifte betreffenden Veröffentlichungen an meine nach stehend aufgeführte Adresse gerichtet sein müssen; Zuschriften an die Redaktion werden nicht veröffentlicht. Im Austrage der Lokal- kommisfion:'Oskar Mahle, Berlin, Priuzenstr. 8, Seitenfl. 1 Tr. Zur StellungSlosigkeit unter den HandlnngSgehilfiunen Von dem Stellennachweis des hiesigen„ K a u f in ä n n i scheu und gewerblichen Hilfsvereins für weib- l i ch e Angestellte" wird ans dem Jahre 1896 zum ersten Male das Ergebniß von Ermittelungen über die Dauer der Stell nngslosigkeit der Bewerberinnen veröffentlicht. Leider beschränken sich die Angaben nur auf wenig mehr als die Hälfte der Bewerberinnen, nämlich auf die schließlich Untergebrachten und auch nur ans die Berliner Bewerberinnen unter diesen. Das Bild, das sich aus dem mitgetheilten Zahlenmaterial ergiebt, dürste daher nicht ganz richtig — vermuthlich»och zu günstig— sein. Immerhin ist es auch so schon lehrreich genug. Von 1363 untergebrachten Berliner Bewerberinnen waren bei Antritt der neuen Stillung beschästigungslos gewesen: keinen Tag 212, bis 7 Tage 63, zwischen 1 und 2 Wochen 101, zwischen 2 und 4 Wochen 167, zwischen 1 und 3 Monaten 312, zwischen 3 und 6 Monaten 132, zwischen 6 und 9 Monaten 22, zwischen 9 und 12 Monaten 17, über 1 Jahr 9 Bewerberinnen. Der Vereiusderichl bemerkt dazu— augenscheinlich in der Absicht, den Eindruck dieser Zahlen abznschwächen,— bei den mehr als 6 Monate Stellungslosen habe es sich meist um längere Krankheit oder Verwendung im Haushalt und nur in verhältnißmäßig wenigen Fällen(Zahlen werden nicht angegeben) um Mangel an Beschäftigung gehandelt. Tagegen seien die 3-6 Monate Stellungslose», von de» Krankheitsfällen abgesehen(Zahlen fehlen auch hier), Saison- Angestellte gewesen, die eben immer eine Zeit lang ohne Beschäf- tigung seien, weil sie, mechanisch und einseitig gebildet, nach der Saison in anderen Branchen nicht unterkommen könnten. Ueber die weniger als 3 Monate Stellungslosen— zusammen 643, also fast die Hälfte aller, die in betracht kommen— schweigt der Bericht; hier wird darauf verzichtet, die Thatsache zu beschönigen, daß auch der Hilssverein die Haudlnngsgehilfinnen nicht vor zeitweiliger Stellungs- losigkeit zu schützen vermag. Es ist übrigens klar, daß schon ein Gehalts- ausfall von einem einzigen, ja von einem halben Monat sich für die meisten Handlnngsgchilssnnen bei ihrer ohnedies erbärmlichen Ent- lohnung— die Stellen, die der Verein verschaff», machen in dieser Beziehung keine Ansnahme— empfindlich fühlbar machen muß. Es dürfte auch für die davon Betrossene» schwerlich ein Trost sein, wenn sie ihre zeitweilig« StellungSlosigkeit nur der Einseitigkeit ihrer Vorbildung zu verdanken haben oder längerer Krankheit oder der Nothwendigkeit, in der HauSwirthschaft thätig zu sein(z. B. bei längerer Krankheit der Mutter) und deshalb ihre Berussthäligkeil zeitweilig einzustellen. Mit Bibelsprüchen, frommen Ermahnungen und etwas Polizei- zwang will eine hiesige Vereinigung von Bonrgeoisdamen. die sich „Berliner Frauenbund" nennt, die öffentliche Unsitllichkeit banne». Daß dies ein vergebliches Unterfangen ist, iveiß jedermann. Der wenig ermuthigende Erfolg des Vereins straft denn auch seine» Zweck Lügen und seine vor kurzem abgehaltene General- Versammlung verdiente wenig Beachtung, wenn nicht einige dort vorgebrachte statistische Angaben Juteresse erweckten. Der Verein, der 300 Mitglieder zählt, hat sich vor allem der Mädchen und Frauen anzunehmen gesucht, welche sittenpolizeilich „verwarnt" sind. Es waren dies im letzten Jahre 1221, davon waren 248 in Berlin geboren, unehelicher Herkunft waren 194. noch ledig 917. Innerhalb 30 Jahren./.habe sich die Be- völkerung Berlins verdreifacht, die Zahl der Dirnen versiebenfacht. Erschreckend wirken die Angaben der Station des städtischen Obdachs, wo die erkrankten Mädchen behandelt werden. Ein an Syphilis leidendes Kind war erst 12 Jahre alt. In« Alter von 13 Jahren standen drei erkrankte Dirnen. Sieben zählten erst 14 Jahre, 17 gehörten zum folgenden Jahrgang. 16 bez. 17. 18 bez. 19 Jqhre alt waren 23 bez. 44. bez. 72. bez. 62 solcher Mädchen, während die Zahl der zwischen 2V und 30 Jahren stehenden 181 be- trug. Die älteste dieser Dirnen war 63 Jahre alt. Die Gesammt- zahl betrug 420. Von diesen zeigten sich 224 unzugänglich, 71 wurden der Heimnth oder den Eltern zugeführt, 39 in Anstalten untergebracht. 6 waren verheirathet, 10 Wittwe». 10 eheverlassen, 4 geschieden, 176 kamen aus geordneten Verhältnissen. Dem früheren Beruf nach waren 118 Dienstmädchen, 77 Näherinnen:c. 68 Kellnerinnen, 67 Arbeiterinnen. Die übrigen nannten sich Ver- käuserinnen, Künstlerinnen u. s. w. In einiger Selbsterkenntniß wurde schließlich angeregt, die anwesenden Damen möchten ihre Söhne für die Keuschheitsbestrebungen des Vereins interesstren. Eine Mahnung, die bei der goldenen Jugend wohl noch weniger Gegenliebe findet als in den unteren Schichten der Bevölkerung. Die Urania in der J»t»alide>, straffe hat, wie wir schon mit- theilteu, für den Sommer ihr wissenschaftliches Theater für Experimental- und Projektionsvorträge geschlossen; dagegen sind ihre Räume von 2—10 Uhr Abends gegen ein Eintrittsgeld von 20 Pf. geöffnet. Im Gegensah zu den Sälen des neuen Instituts in der Taubenftraße, in denen eine große Anzahl astronomischer, physikalischer, chemischer, biologischer, technologischer Apparate und Erscheinungen zu besichtigen sind, werden in der Jnvalidcnstraße nur einige wenige, aber größer angelegte Veranstaltungen gezeigt und durch eine sachkundige Führung erläutert. Im Theatersaal werden ethnographische und zoologische Szenen in lebenden Photographieen vorgeführt; in einem besonderen Kabinet werden sehr kräftige X-Strahlen erzeugt, die selbst zur Durchleuchtung des Schädels und Brustkorbes eines Menschen ausreichen. Der einstige Pyysiksaal ist in einen Theil der Mondoberfläche verwandelt. und zwar in das Innere eines Kraters; wir beobachten von diesem Standpunkt aus die Sonne in einem Augenblicke, in welchem sie durch die vorüberziehende Erde verdunkelt wird, also ein Ercigniß, das dadurch veranlaßt wird, daß der Schatten der Erde über die Ober- fläche des Mondes hinzieht; auf der Erde sehen wir dann den Mond verdunkelt, haben also eine Mondfinsterniß. Weiter ist das schöne Panorama, welches die Gotthardbahn bei dem Dörfchen Wasen darstellt, wo sie eine Höhe von 140 Metern zu überwinde» hat, ausgestellt. Die Sternwarte ist ebenfalls geöffnet. und werden die verschiedenen Apparate und ihre Anwendung in liebenswürdiger Weise erläutert. Der große zwölfzöllige Refraktor gehört zwar nicht gerade zu den Riesen-Jnstrumenten, jedoch immer schon zu den größeren; wenn wir nicht irren, rangirt er an der 19. Stelle unter den großen Fernrohren der Welt. Seine maschinelle Einrichtung, die mit der des Lick-Fernrohres im wesent- lichen übereinstimmt, gestattet die schwere Masse— die zu be- wegenden Theile wiegen etwa 60 Zentner— durch einen einfachen Druck der Hand zu bewegen. Man sieht, daß das Institut, das im Winter die Wissenschaft- lichen Vorträge wieder aufnehnien wird, auch im Sommer mancherlei Anregung bietet und einen Besuch wohl verlohnt. „Der sozialistische Student" erfreut sich des besonderen Wohlwollens der Polizei. Der Kolporteur, der das genannte Blatt vor der Universität vertheilt, hat zur Zeit das Vergnügen, alle Augenblicke von Schutzleuten nach seiner Legitimation gefragt zu werden. So waren es gestern nicht weniger als vier Beamte, drei- Schutzleute und ein Kriminalbeamter, die sich um die Feststellung seiner Persönlichkeit bemühten. Diese Aufmerksamkeit ist um so anerkennenswerlher, als sie sich immer zur Zeit des größten An- drangs der Studenten regt. Natürlich wird dadurch dem Kolporteur durchaus nicht die Lust am weiteren Vertrieb genommen. Tie nene Polizeibcrordnnng über den Verkehr mit Milch liegt jetzt im Entwurf vor. Durch dieselbe soll die Polizeiverord- ming vom 6. Juli 1887 abgeändert und ergänzt werden und zwar. wie aus den Motiven ersichtlich, weil die Milchkontrolle durch ver- schiedene Entscheidungen des Kammergerichts erhebliche Ein- schränkungen erfahren hat nnv eine schärfere Ueberwachung des Verkehrs mit sterilisirter und sogen. Kindernülch dringend geboten erscheint. Bemerkenswerth ist, daß der neue Entwurf im Ein- vernehmen mit den Laudräthen der Kreise Niederbarnim und Teltow sestgcfetzt worden ist, so daß die Verordnung auch für die Vororte Geltung erlangen wird. Besondere Aufmerksamkeit ist mit Rücksicht auf die immer noch große Kiudersterblichkeit der Säugliugsmilch und der Behandlung der zu ihrer Erzeugung benutzte» Kühe zugewandt worden. Die ersten Paragraphen hau- deln von den Pflichten der Milch- Protmzenten und -Händler bezüglich der Einsührung, Aufbewahrung und Bezeichnung der Milch; in letzter Beziehung schreibt Z 3 am Schlüsse vor:„ÄllZ Kinder« oder Säuglingsmilch darf nur Vollmilch bezeichnet werden. welche nicht älter ist als zwölf Stunden und von Milchkühen in Berlin oder in einem Umkreise von höchstens 40 Kilometern vom Mittelpunkt der Stadt genommen ist, die hinsichtlich ihres Gesund- heitszustandes und ihrer Pflege den Anforderungen des§ 10 genügen. Dieser Paragraph enthält erheblich verschärfte Vorschriften für diejenigen Milchwirthschasten, welche sürder die Bezeichnung „Sanitäts-Molkereieu" führen wollen; es werden an die Stallungen sowohl, wie an die Kontrolle der Kühe und Milchgefäße ganz besondere Anforderungen in sanitärem Interesse gestellt. Sterilistrte Milch muß spätestens zwölf Stunden nach dem Melken gereinigt und in entsprechenden, vom Polizeipräsidium als„leistungs- fähig" anerkannten Sterilisir-Apparaten ordnungsmäßig be, handelt und mit luftdichtem Verschluß versehen werden, welcher erst vom Konsumenten gelöst wird. Die ZZ 2 und 6 handeln von den„künstlichen Milchpräparaten" bezw. von der vom Verkehr auszuschließenden Milch; in letzter Hinsicht werden als Gründe des Ausschlusses ausgeführt: verdächtige Färbung der Milch, Krankheit der Kühe, Beimischung von Wasser, Eis oder sogenannten Konservirungsmitteln, Bodensatz in den Milchgefäßen k.§ 7 verbietet die Verwendung von Gefäßen aus Kupfer, Messing, Zink, Eisen:c., während der folgende Paragraph sich mit den Aus- bewahrungsorlen der Milch(Milchkammern zc.) beschäftigt.§ 11 endlich bedroht alle wissentlichen oder fahrlässigen Zuwiderhaud« lnngen mit Geldstrafen von 3 bis 30 M. oder entsprechenden Hast- strafen, vorausgesetzt, daß nach den Strafgesetzen nicht höhere Strafen platzgreisen. Die neue Polizeiverordnuug soll nun demnächst dem Magistrat zur Zustimmung unterbreitet und derart be- schleunigt werden, daß sie event. schon am 1. Juli d. I. in traft treten kann. Ter Samariter- Kursus für Arbeiter und Arbeiterinncu beginnt seinen diesjährige» Sommer-Kursus am Montag den IV.Mai, abends 83/i Uhr, im oberen Saal von Cohn's Festsälen, Benthstr. 20, mit einer einleitenden Versammlung, in der alle weiteren Be- sprechungen stattfinden. Der Besuch dieser Versammlung oder einer anderen Sitzung des Samariter-Kursus steht jedermann, ohne irgend welche Verpflichtung, als Gast frei. Der Zweck des Samariter- Kursus ist nach§ 1 des Statuts:„Die Arbeiter und Arbeiterinnen zu unterrichten durch Vorträge und praktische Uebungen: a) in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, b) in der ersten Hilfeleistung bei plötzlichen und gefahrdrohenden Erkrankungsfällen, o) in den Grundzügen der Kraukenpflege." Das Eintrittsgeld zum EamariterkursnS beträgt 40 Pf., der monatliche Beitraq 22 Vf. Mit dem Sommerkursus werden gleichzeitig Turn- und Jugendspiele eingerichtet, die unter Leitung von Aerzten und zahlreichen Ordnern auf freien Plätzen in der Umgegend Berlins abgehallen werden. Um den Kindern der Mitglieder bes Samariter» kursus Gelegenheit zur Theilnahme an diese» gesundheitlich so wichtigen Spielen zu geben, wird auch eine Jugend-Spielabtheilung eingerichtet. Tic Roffstraffen-Brücke wird behufs Erneuerung des Klappen- bclages, die Schilligsbrücke behnss Umpflasterung vom 7. d. M. ad bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiler, diese auch in der Richtung von Süden nach Norden, gesperrt. Die Regnlirung des Treptower Parkes soll sich, wie berichtet wird, noch den ganzen Sommer hinziehen, so daß das Gelände erst im nächsten Jahre wieder völlig feinem Zwecke nutzbar sein wird. Braves Publikum. Die aus Anlaß der Gartenbau- Aus- stellung im Trcptoroer Park errichtete Polizeiwache hat bis zum heutigen Tage nicht ein einziges Mal in Thätigkeit zu treten brauchen. So viele Menschen auch täglich die Ausstellung besuchen, hat sie bisher nicht eine einzige Sistiruug, keine Ncimensseststellung vor» zunehmen gehabt, noch war bisher Veranlassung zur Absendung eines Strafmandats geboten. Ja noch mehr, die überwachende Gendarmerie fand noch nicht ein einziges Mal Gelegenheit, bei etwaigen Streitigkeiten begütigend einzuschreiten resp. zigarrem rauchende Personen aus den Ausstellungshallen hinauszuweisen. Proletarierkinder ohne Aufsicht. Das gefährliche Auf« hängespiel hat am Mittivoch den Tod eines Arbeiterkindes herbeigeführt. Das Opfer ist der V'/sjähnge Sohn Georg des Arbeiters P a n l W i l k e aus der Prinzen- Allee Nr. 14. Wille und Fr» 1,75 M. geschädigt haben soll. Der An- geklagte erklärle, daß er gerade am Tage vor dem Termin im Dampfsägeiverk Hennigsdorf zur ÄIrbeit angenommen nwrden sei und zivar als Maurer; über die Höhe des zu zahlenden Stundenlohnes sei nichts vereinbart»vorde»; da er am ersten Tage II— 12 Stunden gearbeitet habe, so habe er angenommen, daß er 5 M. täglich verdienen»viird«; einen solchen Tagclohn habe er z. B. früher in Spandan bei kürzerer Arbeitsdauer erhalten. Der Beamte Pflüger des Dainpfsägeiverkes bestätigte die Angaben des Angeklaglen vollständig; er(Pflügcr) nimmt die Leute an, ohne über den Geld- pnnkt mit ihnen zn sprechen, je nach Arbeit oder Leistung bestimni« er dann, wie viel der betreffende Arbeiter. Maurer zc. zn erhalten habe; der Angeklagte sei als Maurer angenommen worden, da gerade Maurerarbeiten zu inachcn waren, habe aber am ersten Tage nicht als solcher sondern als Platzarbeiler gearbeitet; der Stunden- loh» betrug je nachdein 10—35 Pf., Maurern habe er aber im vorige», Herbst auch 45 Pf. pro Stunde gezahlt. Da thalfächlich 11—12 Stunden gearbeitet»vurde, konnte nach Ansicdt des Zeuge» der Angeklagte der Meinung sein, daß er auf 5 Mark den Tag kommen»vürde. Bei diesem Ergebnis erkannte der Gerichtshof nach dem Antrage des Staatsanwalls anf Freisprechung. Wege» Beleidigung einer 44 jährige» Arbeiterin hatte sich gestern der russische Student Abraham B u r n st e i n vor der 120. Abtheilung des Amisgerichls I zn vcraiilivorUn. Der Angeklagte begegnete dem recht kräftig entwickelte» Mädchen anf der Straße, sprach es an und gebrauchte dabei eine Redeivendung,»velche eine unstltliche Znniuthung bedeutete/ Das Mädchen verbat sich die Be- t mit -# ' M - Fort »klage keidigung; da eS durch den Angeklagten noch einmal qngeredet»vurde, ließ eS seine Personalien durch einen Schutzmann feststellen. Ter Staatsanivall beantragte 100 M. Geldstrafe. Das Urtheil lautete auf 40 Mark Geldstrafe,»vobei der Vorsitzende dem An- geklagten den Rath mit auf de» Weg gab, in Zukunft lieber nicht mit so jungen Mädchen anzufangen, da er sonst hier in Deutschland mit einen» gefährlicheren Paragraphen des Strafgesetzbuches in Be- uiig koinmen könnte. Der Mnsikrefcrent deS„Lokal-RnzeigerS". Gestern gelangte der 148. Abtheilnng des Schöffeiigenchls eine Privat-Beleidignngs- lage zur Verhandlung,»velche der Musikreferent Hermann G e u ß gegen den Pianisten Moritz Meyer-Mahr angestrengt hatte. Der Klage lag folgender Sachverhalt zu gründe: Am 1. Januar d. I. »vnrde der Kläger Mustkrefmnt für den„Lolal-Anzeiger". Am 3. Januar fand in der Singakademie ein Konzert stall, in »velche»» Frau Joachim als Sängerin, Florian Zajic als Geiger und der Beklagte als Pianist australen. Zwei Tage später erschien im„Lolal-Anzeiger" über diese Musikanfsührung eine Kritik, ivori» den beiden erstgenannten Milivirkenden Anerkennung gezollt, die Leistung des Beklagten dagegen in höchst ab- fälliger Weise beuriheill»vurde. An» 12. Januar erschien der Pianist Meyer-Mahr in» Redaktionszinuner des„Lokal- Anzeiger" und erklärte dem aniveseuden Redakteur Langenbruch, daß die betrcffcnde Kritik nicht sachlich gehalten, sondern von den persönlichen gehässigen Gesinnungen diklirt fei, die der Verfasscr. Prof. G e n b, gegen ihn hege. Er»mindere sich, daß ein solcher Mann, der in Musikerkreisen eine„komische Figur" spiele, zun, Musikreferente» für de»„Lokal-Anzeiger" habe angenommen»verde»» könne». Bei einem späteren Besuche befand sich in Begleitnng des Beklagte» noch dessen Rechlsbeistand,»velcher dem Redakteur Lange»- bruch ein Schriftstück vorlegte,»voraus dieser ersehen sollte, daßPrvfessor Genß sich vor Jahren einer unreellen Handlung schuldig gemacht habe. Wegen dieser Behauptungen strengte Proi.Genß die Klage an. Im gestrige» Teiniine erklärle Rechtsanivalt Danziger. als Rechlsbeistand des Beklagte», daß»vege», ziveier Punkte die Widerklage erhoben »verdei» solle. Erstens sei die von den» Kläger verfaßte Kritik beleidigend»nd ziveitens habe der Kläger zu dem Musik- referenten der„Krenz-Zeitung", Herrn v. K l o ß. eine Aeußcrnng gctha»,»vonach er den Beklagten der Zcngenbeeinflussiing beschuldigte. Ueber alle diese Punkle»vurde der Wahrheitsbeivcis angetreten und zunächst Redakteur Langenbruch vernoinmen. Er be- stäligte den angeführte» Inhalt des Gesprächs und halte den Eindruck, daß der Kläger in seinen Angen herabgesetzt »verde»» sollte. Der Beklagte habe sogar gesagt,»venn Professor Genß nicht entlassen»verde, so würden i» andere» Zeitungen soivohl gegen ihn»vie gegen de»„Lokal-9I»zeiger" Artikel erscheine». Aus dem»hin vorgelegten Schriftstück fei allerdings zu ersehen ge- ivesen, daß Prof. Genß sich in einer Weise benommen habe, die ihn, de» Zeugen, zu der Aeußerung veranlaßt habe:„Wenn dicS ivahr ist, denn grenzt eS ja an Betrug." Ter Kläger gab hierzu folgende Erklärung:„Im Jahre 1893 habe er das Musik- iiistitut des Professors Klindivorth gekauft. nachdem er sich vorher der Theilhaberschaft der Herren Emil Schar- »venia und Dr. Goldschmidt versichert hatte. Der Kaufpreis betrug 25 000 M..»vovon 10 000 M. am Tage der Uebernahme in baar, 15 000 M. in Wechseln gezahlt»verden sollten. Zivischen ihm und dem Professor Klindivorth sei«in Separatvertrag abgeschlossen worden, wouach das Institut»vieder in die Vorbesitzcrs zurückfallen sollte,»venn einer nicht pünktlich eingelöst würde. Bon diefein habe er seinen beiden Mitkontrahenten Schar- Dr. Goldschmidt allerdings nichts gesagt und Gegner, um»hin den Vorivurf des Der Beklagte behauptete, daß die Hände des der Wechsel Abkommen ivenka und dies benutzten seine Belrngis zu machen 10 000 M. Anzahlung von Dr. Goldschmidt hergegeben»vorbei, feien; dieser würde sich wohl gehütet haben, dies zu lhu»,»venn er von einem Separalabkommen Kcnntniß gehabt hätte. Da Dr. Goldschmidt durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, so wurde über diese» Punkt der Zeuge Echarivenka vernoinmen. Er bekundete, daß er sowohl»vie Dr. Goldschmidt der Meinung geivesen seien, der Kläger habe die 15 000 M. in baar gezahlt und erst nach Jahren hätten sie von dem Separatabkommen ersahren. Schon im Jahre 1894 sei Professor Genß»vieder ausgeschieden, derselbe habe eine Abstands- sumine vo» 3000 M. erhalten. Zeuge Professor K l i n d w o r t h bestätigt die Angaben des Klägers. In betreff des beleidigenden Ausdrucks, der Kläger sei«ine komische Figur",»vurde nur der Mustkreferent Otto L e ß in a n„ vernommen. Er»vußte»nr zu erzählen, daß der Kläger eiiimal drei Tage vor einen» vo» ihm veranstalleten Konzert an den Anschlagsäulen verkündet habe, daß die Eintrittskarten bereits verkauft seien. In Künstlerkreise» könne man diese Reklame- sucht nicht billigen.— Der Vorsitzende erklärte, däß man über de» Ausdruck„komische Figur" eine», Wahrheilsbeiveis überhaupt nicht antretc» könne und schnitt in Betreff dieses Punktes jede weitere Beiveisaufnahme ab. Zur Erledigung der Widerklage»vurde zunächst der Musikrefneiil v. Kloß vernommen, ivelchcr erzählte, daß er vor einiger Zeit»nit dem Kläger gelegentlich eines Konzerts zusammengetroffen sei. Derselbe habe ihm erzählt, daß er vom Musikreferenten Wilhelm Tappert erfahren habe, daß der Wider- klüger M»yer.Mahr an ihn, Tappert, 50 M. geschickt habe, um sie zu »vohlthäligen Zivecke» zu verivenden; angesichts dieses damals noch schwebende» Prozesses könne eine solche Zmveudung doch leicht als Zengenbeeinflilssuvg anfgefaßt»verden. Der folgende Zeuge, Herr Wilhelm Tappert, sprach sein Bedauern darüber aus, daß das Verhalte» des Herrn Meyer-Mahr solchen Mißdeutungen hatte aus- gesetzt»verden könne»». Er habe gelegentlich einer llnlerhaltuug mit dein Widerkläger hervorgehoben, mit»velcher Nothlage berufsunfähig geivordene Künstler doch zu kämpfen hätten und daß es ihm bisiveile» schiver falle, die an ihn ergehende» Bitten m» Unterstützung zn erfülle». Einige Zeit darauf habe der Widerkläger ihm einen liebenswürdigen Brief„ebst 50 M. geschickt und ihn, anknüpfend an das erivähnte Gespräch und mit Rücksicht darauf, daß er gerade ein erfolgreiches Konzert gegeben, gebeten, über den Betrag nach freiem Erinessen zur Uiiteistützmig»othleidender Musiker zn verfüge». Bon einem Prozeß sei damals noch keine Rede ge- ivesen und von einer Beeinflussung in seiner Slellnng als Äriliker lönne auch kein« Rede sein, denn er habe daS bereits einige Tage zuvor stattgehabte Konzert des Widerklägers garnicht besucht u»d konnte demzufolge auch nichts darüber schreiben. Hiermit»vurde die Beiveisaufnahme geschlossen. Der Gerichtshof hielt nicht für eriviesen, daß der Beklagte den Kläger des Betrugs bezichtigt habe. Dieser Fall»lüsse ausscheiden und eS bleibe nur der Ausdruck„komische Figur" übrig, der ziveifel- los beleidigend und daher mit einer Geld st ras« vo» 20 Mark geahndet worden sei. In betreff der Widerklage könne eine Verurlheilung wegen der Kritik nicht ersolgen, da diese sich„ichl gegen die Person, sondern nur gegen die künstlerische Befähigung richte. Anders sei es dagegen mit dem Vorivurf der Zeugenbeeinflussung, der völlig unberechligt und um so schiverer zn beurtheile» sei, da der Widerbeklagte den Sachverhalt doch vom engen Tappert erfahre» Halle. Wegen dieser Beleidigung fei �er siederbeklagle mit einer Geldstrafe von 100 M. belegt»vorden� Der„KInetograph", der jetzt in so vielen Variatioiiei» die Schaulust befriedigt, hat dieser Tage auch die 9. Havdelskaniincr Hierselbst beschäftigt. Die bekannte Firma Eduard Meßter, hier, vertreten durch Rechtsanivalt Dr. Flata», klagte gegen die Handlung H. O. Försterling u. Ko., hier. Die letztere, vurde von der Handels- kawmer verurtheilt: zur Vermeiduiig einer fiskalischen Strafe von 100 M. für den Uebertretiingsfall die Bezeichnung der Firma H. O. Försterling u. Ko. zu Berlin als„Kinelographen-Fabrik" und als„Erfinder der ersten deulsche» Präzisions-Kinetographeu" zu unterlassen. Tic Milchhändler im Kreise Teltow leiden seit geraumer Zeit unter der Thalsache, daß der gerichtliche Ebemiker des Kreises, zerr Loh mann, i» wiederholte» Fällen Milch als verfälscht. beziehnugsiveis« geivässert bezeichnet hat, die»ach ihrer besten Ueber» zeugung durchnuS unverfälschte Vollmilch war. Man war in den Kreisen der Milch-Jnteressenten schon längst der Ueberzeugung, daß die Untersnchungsmethode des Herr» Lohmann zu Schöne- berg den Widerspruch herausfordern und diese Ansicht wurde durch eine kürzlich vor dem Amtsgericht II. verhandette Anllage wegen Nahrungsmittelverfälschung als nicht unbegründet dargelhari. In dem Milchgeschäft von Lulay zu Schöneberg waren Milchproben amt« lieh entnommen worden, die von dem Chemiker Lohmann als ge- wässert beanstandet wurden. Die Angeklagte halte sich aber von dem Beamten gleichzeitig versiegelte Gegenproben ans- händige» und diese von dem gerichtlichen Sachverständige» für Milch und Milchprodnkie Edgar Reich und dem Gerichts- chemiker Dr. B i s ch o f f untersuchen lassen. Beide haben im Gegensatz zu der Lohmann'schen Analyse bei der amtlich versiegelten Gegenprobe eine tadellose, normale, ungewässerte und unentrahmte Vollmilch sestgeftellt. Zum Beweise dafür, daß die Loh- manu'lche Analyse falsch sein mußte, hatte Rechtsanwalt Dr. F l a t a u zu dem Termine vor dem Schöffengericht die Sachverständigen Dr. Bischoff und Edgar Reich laden lassen. Ans den wissenschaftlichen Erörterungen ging folgendes hervor: Die Lohmann'sche Milchanalyse widersprach sich geradezu in ihren einzelnen Ziffer». Es besteht nämlich nach wissenschaftlichen Grundsätzen zwischen den einzelnen Ziffern einer Milchanalyse ei» ganz bestimmtes ziffermäßiges Berhältniß. Diese Relation zwischen de» einzelnen Werthen wird durch die den Chemikern allgemein bekannte sogenannte Fleischmann'sche Formel fixirt. In der Lohmann- schen Analyse waren diese Verhältnisse vollkommen ignorirt. Rechts- anivalt Dr. Flatau behauptete, daß dies erstaunliche Versehen nicht blos auf einem vereinzelien Fehler des Chemikers Lohmann beruhe, sondern in einer ganzen Reihe von Analyse» desselben vorkomme.— Auf gruud der Gutachten der Herren Dr. Bischoff und Reich er- folgte die Freisprechung der Angeklagten. Rechtsanwalt Dr. Flatau beantragte, die Kosten des Verfahrens Herr» Lohmann aufzuerlegen. Der Gerichtshof meinte jedoch, diesem Antrage nicht entsprechen zu können, da nicht Herr Lohmann, sondern die Polizei die Anklage veranlaßt und ersterer nur der Polizei ein Gutachten erstattet habe. DaS unentgeltliche Vertheilc» von Druckschriften betriff! eine Entscheidung des Kainmergerichts vom 6. Mai. Eine Anzahl Parteigen offen waren am 8. November 1898 arrelirt worden, weil sie ans der Hauptstraße in Langenberg an die Vassanten Exem- plare des„Rheinischen Volksfrenndes", eines Kalenders, und einer Broschüre„Der achlstündige Arbeitstag" vertheilten, ohne im Besitz einer polizeilichen Erlaubniß zu sein. Sie wurden dann später vom Schöffengericht und vom Landgericht zu je IS M. vernrtheilt. Die Slrafkainmer führte aus: Die ZZ 10 und 41 des preußische» Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 seien verletzt worden. Sie seien noch rechtsgiltig, da nach Z 30 des Reichs-Strafgesetzes durch dieses das Recht der Landesgesetzgebung, Vorschriften über die öffentliche unentgeltliche Vertheilung von Aufrufen zu erlassen, berührt»verde. Eine solche Vertheilung von Aufrufen liege aber hier vor. Unter einem„Aufruf" sei jede an die Oeffentlichkeit gerichtete Aufforderung zu verstehen und derartige Aufforderungen enthielten die beiden ver> heilten Druckschriften. So fordere der Kalender u.a. auf: Zur freundlichen Aufnahme des Kalenders(!), z»r Mitivirkung daran, daß es bald mit den staatliche» Einrichtungen besser werde, zum Anschluß an die Sozialdemokratie und zur Wahl sozialdemokratischer Kandidaten. Im„achtstündigen Arbeitstag" werde zum Anschluß an die Gewerlschaftsbewegiing aufgefordert. Und alle diese Ans- rufe richteten sich an jedermann, dem die Schriften zu Gesicht kämen. Das Kammergericht wies gestern die Revision der Angeklagten init der Begründung ab, daß§ 10 des preußische» Preß- gesetzes insoweit aufrechterhalten werde, als er sich mit der öffentlichen unentgeltlichen Vertheilung von Bekanntmachungen, Plakaten und Aufrufe» beschäftige.— Das sonderbarste an dem Urtheil ist, daß ß 10 des preußischen Preßgesetzes mit keiner Silbe vom Bertheilen von Aufrufen spricht. Er nennt nur Druck- schrifte», andere Schriften und Bildwerke. Und 8 41 enthält nur nackte Strafbestimmungeu, indem er sich aus mehrere Paragraphen des alten Gesetzes, das von Zeit zu Zeit hypnotisirt ivird, bezieht. Das Reichsgericht hat gestern die Revision verworfen. welche der Redakteur der„Fränkischen T a g e s p o st", Genosse Georg Gärtner gegen seine Verurtheilung zu 2 Monaten Gc- sängniß eingelegt hatte. Er sollte einen Förster beleidigt haben und dafür hatte das Schwurgericht Nürnberg auf die angegebene hohe Strafe erkannt. In München wurde am Mittwoch und Donnerstag abermals ein Habererprozeß verhandelt. Der Staatsanwalt beantragte einem uns zugegangenen Telegramm zufolge Strafen von drei Monaten bis zu 4/', Jahren, inSgesamnit gegen 96 Angeklagte 1241/8 Jahre Gefängniß. Einzig in seiner Art dürfte ein Ausspruch sein, den der Staatsanwalt im Plaidoyer fallen ließ. Der Herr hielt es für angebracht, sich gegen den in der Presse erhobenen Vorivurf zu verwahren, daß durch die Habererverfolgung Sozialdemokraten gezüchtet würden. Dies sei, so meinte der öffentliche Ankläger, schon aus dem Grunde nicht der Fall, weil die Haberer ohnehin schon Sozialdemokraten seien. Eine etwas bessere Kennt- niß der sozialen Zustände seines Landes wäre dem Staatsanwalt schon zu wünschen._ VevsLtmmIuttgrn. Der Verband der Graveure, Ziseleure Filiale Berlin, hielt am Dienstag, den 4. Mai, eine Versammlung ab, welche sich mit der Maßregelung wegen der Maifeier bei der Firma Atlas, W a s s e r t h o r st r. 51 und mit Anträgen znr Generalversammlung beschäftigte. Aus den Ausführungen Brückner's geht hervor, daß die dort beschäftigten Kollegen mit Ausnahme von zwei be- schloffen hatte», den 1. Mai zu feiern, letztere sich aber im Falle einer Maßregelung mit den anderen solidarisch erklärten. Als den» Prinzipal die Mitlhcilung von diesem Beschluß gemacht »vurde, entließ er de», betreffende» Kollegen. Alle legten hierauf die Arbeit nieder,»nit Ausnahme der beiden letzt- genannten, die ihr gegebenes Wort brachen. Ein Einigungs- versuch, de» Redner mit dem Prinzipal anstellte und als Bedingung die Wiedcreinstellung des Gemaßregelten forderte, scheiterte a» der Weigerung des Prinzipals. Infolge dessen ist diese Werkstatt bis auf»veiteres zu meide». Ebenso ist dem Vorstande sofort Mittheilung zu machen,»veu» andersivo Arbeit für die Firma Atlas augefertigt»vird. Eine lebhafte Debatte entspanu sich Hiera» und endete mit der Annahme folgender Resolution: Die heutige Filialversan»mlung der Graveure, Ziseleure rc. erkennt das taktvolle Verhalten derjenigen Kollegen, die die Maßregelung des Vertrauens- inannes durch Herrn Atlas, Wasserthor st raße 61, zur gemeinsamen Sache machten, vollständig an. Die Versammlung erklärt für die Pflicht jedes Kollegen dahin zu»virken, daß der Streik bei der Firma Atlas für die Gemaßregelte» siegreich beendet»vird. Als Unterstützung empfiehlt die Versammlung, den verheiratheten Kollegen 2,50 M., den ledigen 2 M. für jeden Tag unfreiivilliger Arbeilsruhe aus der Liquidalionskasse zu zahle». Die Versammlung erklärt ferner, daß, falls die noch bei Herrn Atlas Arbeitenden sich nachträglich niit den Geniahregelte» solidarisch erklären, diesen Kollegen alsdann dieselbe Unterstützllng zu theil»vird. Diejenigen, »vclche nicht innerhalb drei Tagen mit de» Ausgesperrten gemeinsame Sache machen, sind vom Verband als ausgeschlossen zu belrachle». Zur Generalversamiulung sind mehrere Anträge gestellt. In erster Linie solle» den Filialen statt 10 pCt. 20pCt. der Einnahmen verbleiben. Auf grund der ersten Vierteljahresrechnung»vird dieser Antrag seitens des Vorstandes begründet. I» längerer Ausführung bekämpft S i e»v e r t denselben, indem er 16�/z pCt. für genügend erachtet. S ch a a l und B e r g n e r»veisen auf grund der Statistik der Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands nach, daß der größte Theil der Geiverkschasten ihren Filialen mehr als 30 pCt. der Einnahme» beläßt. Nach läirgerer Debatte, an der sich Grill und S i e w e r t im ablehnenden Sinne betheiligen, gelangt der An- trag auf 20 pCt. Ueberweisnng aus den Einnahmen zur Annahme. Die übrigen Anträge, sowie die Delegirtenwahl, mußten der vor- gerückten Zeit wegen vertagt»verde»». Krb»»»r-Kildun s»«,«!«. Die Bibliothek in der Nord schule, Brun n e n st r. 25, ist für die Mitglieder an folgenden Tagen geöfsnet: Sonntags, norniitiagS von»o-is, Dste nst ag s und Fre it a aS, abends U 618 10 Uhr. MltgliedSbetlrüge werden a» diesen Tagen in der Nordschul' entgegen- gcnoinnien, ebenso in folgende» Zahlstellen: Sottfr. Schulz. Admtrakslr. um; Schöning, Köpnielerstr. 68; Reut, Barntnistr. 42; Babiel, Rosenthalerftr. 57! Gleinert, Müllerstr. 7a Burghause, Putbuserstr. 32; Blanrenseld, Slephanstr. 29; Werner, Bülowstrade 59; Grube, Martendorferstraße 6; Kaßler, Junlerslraße 1 1 H. König«, Dieffenbachstr. 30. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Paul M ü tl e jr., sc». Man- teuffelstr. 119, Geldsendungen an den Kasfirer H. König«, L. Dtessenbachstr. so, zu senden. Arlieiter-Kiinsertn,»» Berlin« und Nnigegend. Borsttzender Ad. Slenman», Schwedeustr.>3, v. l Tr. Alle Aenderungen t», Veretnikalender find zurichte» an Friedrich Kor tun». Mauteusselilr. 49, v. 2 Tr. K>»>d der grirUigen Arlieitrrverei»» Derlin»>>nd Umgegend. All- Zufchrtflen, den Bund betreffend, stnd zu richten an H. Ben dir, Alexandrine»- straße 100. Arbeiter• Unochet'tmnd Kerlin»>»>d Umgegend. Aenderungen tu» BeretnSlnlender sind zu richten au Herinann Bra u» sch>v etg, Dresdener- straße 30, 2. Hof, 4 Tr. U-rein der Kiindser n»d Kändterinnen. Heute Abend 3 Uhr bei Hoppe, Alkerstr. 145: Mstglteder-Bersainmlung. Briefkasten der Redaktion. Ein Neberzieher gefunden worden! Adresse hier zu 23. Schröder erfahren. ®., Franseckistraste Wenn Sic den„Vereinskalender" nachgesehen hätten, so würden Sie eben so gut»vie mir gefunden haben, daß er jeden Mittwoch nach dem 1. und 1ö. Bcusselstr. 0 tagt. A. Sch., Frankfurt a. O. Bericht nicht eingegangen. Missstände, Kottbnscr Damm. legener Zeit. Besuchen Sic uns bitte zu ge WlttrrittigSIivcrsicht vom 6. Mai I8V7. und mäßigen nordwestlichen Winde». Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung._ Tlientev. Freitag, den 7. Mai. Opernhans. Undine. Tchanipielhaus. Viel Lärmen um Nichts. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Deborah. Lessing. Die Geisha. Schiller. Der G'wtssenswurm. Neues. Triwh. Westen. Onkel Brnfig. Linden. Der Wunderknave. Thalia. Die schöne Helena. Friedrich- Wilhelmstädtische». Ultimo. Belle-Alliance. Trilby. Viesidenz. Eine Reisebekanntschaft. — Vaterfreudcn. Alexauderplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Ostend. Aus der Millionenstadt. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Sanwa. Apollo. Spezialitäten. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Gastspiel von Frau Julie»opaczy-Karczag. Die schöne Helen«. Operette in 3 Akten v. I. Offeniach. Morgen und folgende Tage: Gast- spiel von Frau Kopaczy- Karczag. Die schöne Helena._ Fee„-Pal»st,„Ä Direktion Winkler* FrObel. Heute und folgende Tage: lZl'088e Extra-Vorsteliunt). Durchweg neues Programm. Zkeii! Eine Ifen! Sihiller�Dhrcitkev (Wallner-Theater). Freitag, ab. 8 Uhr: Der«'»vissens- wurni. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der G'wissrnswurm. Ostend-Theater. Gr. Franksnrterstr. 132. Dir.(5. Weift Benefiz für die Orchestermitglieder. Zlns der Millionenftadt. Anfang 8 Uhr. Sonnabend, zum letzten Male: Ans der Millionenftadt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, zu halbe» Preisen: Eine Nacht im Orphcum oder: Der liebe Onkel. Abends 7»/z UHt: Die Räuber. Im Garten 4 Uhr: Spezialitäten ersten Ranges. Theater- Vorstellung. Urania, Tauben-Strasse 48—49. Naturknudliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr von», ab. Eintritt 50 Pf. Wiflenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Jnvalidenstr. 57/62(Lehrter Stadt- Bahnhof): Täglich von B Uhr nachmittags ab bis 10 Uhr abends Stern- »varte und Mondpanorama. Eintritt 50 Pf. Näheres die Tagesanschläge. sissAge Panoptiem Borlehtc "'sa'" Mädchen ans Samoa. Ostbahn-Park Rnbersdorferftr. 71. Am Küstriner Plah. Theater- u. Spezialitäten-Vorstellg. Garten- Konzert von der 84 Man» starken Hanskapelle unter Leitung des Mtlstkdirettors Hrn. Ott« GUrner. Kafleekiiche 3—5 Uhr.— Entree 15 Pf., wofür 1 Glas Bier gratis.! Bolksbelnftignngen jeder Art. 4 Kegelbahnen zur Beringung. Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Sonntags Entree 20 Pf., Kinder 10 Pf. Iß. JltlbS. Kontrollmarke (nur aus der Genosscnschafts- Hutfabrik bezogen) verkauft im einzelnen zu Engrospreisen billiger als jede Konkurrenz Oscar Arnold, Hnt-Engtros-Cleschart, 116 AMnerftr. 116 am°TS**' Hauptrollen: R. Wtnkler und Wilh. Fröbel Apollo- Theater und Konzert-Garten. €rustaT,GnstaT, ärgere Dieb nicht! der neueste Schlager von Robert Steidl. Ferner Auftreten des allbeliebte« Henry Bender. Das ausgezeichn. Duettiftenpaar Lieban und Frau u. s. w. u. s. w. u. f. w. KassenerSffiltmg OV- Uhr. Anfang des KonzertS 7 Uhr. Ans. der Vorstellung 8 Uhr. In Borbereitung: Venus auf Erden. Burlesk-phantastisch« Operette in 1 Akt von Bolten-Bäckers. Musik von Paul Linke. Vasfan's■■ Panopticum. .Pjgmaen die kleinsten Menschen der Welt! Die beide» indischen Goncordia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Strasse Theater- und Stzteslalltilten-Torstellung. Groftartiges April- Programm! Ren! Orand Attraktion. Gebr. Forre. Instrnmentaltst. Reu! Hertha lr>nltt»it>> II Ulli-, dv»«!«e X«. I«: GemevKfämfklichev VovkvKg. Fach», der Musikinstrumenten-Arbeiter. Sonnabend, den 8. Mai, abends S'/j Uhr. In» Lokal des Eierrn Jnl. Henke, Xannynstrasse 87; Mitglieder-Nerjammlnng. Tages-Ordnung: 1. Der Stongrcf? der lokalorganisirtcn Gewerkschaften. Referent: Varl Illaurock. 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten. S*- In anbetracht der wichtigen Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, zahlreich zu erscheinen. i�/13__ Der Torstand. Achkung! Nchkunq: Verband der Sattler u.Tapezirer. Berlin I. Sonnabend, den 8. Mai. abends 9 Uhr, im«Englische» Garten«, Alexanderstrasie Nr. 87 e: VevsÄmmlung."VlZ Tagesordnung: . l Vortrag des Genossen R o h r l a ck über: Arbeitslohn und Kapital- emkomnien. 2. Diskussion. 3. Abrechnung pro l. Quartal. 4. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um zahlreiches, pünktliches Erscheinen ersucht ts>7/19 Die Ortsvcrwaltung. Achtung! Nnher. Achtung! Jim Montag, den 10. Mai. abends pünktlich 0 Uhr, in Eohn's grosiem Saal. Benthstrafte Nr. 81: Kresse öifentliciie Versammlung der Putzer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission und Stellungnahnie dazu. 2. Bericht der Delegirtcn von der Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg. ..®® Psticht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. -M/IO_ Die Kommission. Nolj- und KohlenpMen. Vtrisaltultg I. S o n n t n g. den 9. Mai. abends«V' Uhr, bei Hlnt,:& Comp., Alte Jakobstrafte Nr. 83:_ Versammlung."WU .m. � Tages-Ordnung: v. Ii®or'faB'= Referent: Genosse P«rseh. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des BerwalwngS-Borsttzenden. 4. Verschiedenes. Die Verwaltung. 4-/L3__ I.- V.: 0047 85 149 244 308«87 8?» 944 76 1 1>011 129 649«78 712 980 1>-4023 109 286 345 502[500] 604 856 1 1-1088 101 1300] 280 431 34 527 44 94 709 23 874 968 114122 346 430 597 812 113086 184 214 367 585 688 733 5001 926 79 110154 219 52 327 58 435 507 21[3001 780[300] 992 117117 255 353 558 612 50 746 836 47 [300] 64[300] 926[1500] 1 18122 27 1 341 412[80001 67 73 636 716 825 1500] 58 97 955 119115 60 67 336 85 518 683 805[300] 120121 29 201 33 391 414 28 93 72590 908 121068 164 83 692 813 987 122043 162 373 401 69 87 634 94 725 853 919 75 123049 113 224 27 344 520 91 600 [1500] l 98 784(500) 847 63[1500] 909 14 49 1 24066 334 515 695 852 926 79 91 125030 51 56 69 162 82 263 804 420 532 636(500) 895(3000) 949 81 120062 203 389 468 88 93 633 1500) 56 841 127024[500] 64 150 [3000] 221[160 OOOl 31 41 446 582 676 128063[3000] 86 384 425 82 510 624 978 1 29007 439[300] 541 672 738 66 808 l»O205 74 570 653 80 778 922[1500] 131007 51 273 576[1500] 78 80[5001 766 825 932 76 82 132014 156 233 72 594 691 775 866 1»:I120 29 284 88 455 706 46 825 I»4056 III[1500] 23 11500)228 946 l»53b7 443 736 130134 57 340 52 479 94 529 628 48 712 14 45 [1500] 64[IOOOO] 137276 82 88 341 73 83[500] 97 493 784 826 82 89942 49 85 1 38033 47 176 304 724 1 89072 346 595 99 671 858 930 I4O072 86 135 220 470 501(36 635[30001 856 88 141174[1500] 210 49 363 450 569 626(1500) 47 81 808 904 142009 38 224 71 366[1500] 81 469 511 30 656 63 74 763 836 1 43136 204 760 647[3000] 955 60 144180 255 321 96 460(3000) 547 646 714 1 4 5079 134 265 518 614 42 49 748.[3000] 923 1 4«! 18 332 61 70 409(5001 75 617 47 737 54 147471 633 940 1 48072 213 26 302 28 83 439[209 099] 577 653 80 87 906 140074 91 15» 89 464 604 58 805 933 150385 484 534 745 820 69 900 78 82 IS 1066 569 837 66 152016 105 90 303 26 400 79 619 638 823 949 (500) 153077 525 690 897 1 54052 221 32 379 82 437 75 88 94 623[300] 801 4 958 1 56041 306 401 10 84 [3000] 89 614 35 786 818 920 150017 73 125 48 514 719 35 891 970 1 57129 300 96 645 1 58022 225 95 97 439 49 75 505 619 864 976 1 59133[1500] 200 11 22 441 [500] 92 562 86 602 85 704[300] 15 11500] 59 870 160139 58 62 339 495 500 94 600 23 85 161115 248 71 316 54 64 619 27[500] 709 30 956 59 1 620O1 4 156 292 498 510 86 1500] 88 632 47 916 1 03021 28 150 628 836 62 1«4114 79[300] 365 93 493 604 86 910 13000] ia5l39 77 226 348 429 652 53 643 914 60 1«ff 002 102 20 50 546 664 73 723[40 090] 94 802 97 936 1 07037 104 419 60 540 99 732 815 45 54 983[1600] 108000 27 74 131 50 810 38 537 73 641 714 824 52 [500] 914 109039 204 99 352 784 864 170363 77 475[300] 518 630»8 751 952 90 1 7 1250 [1500] 62[300] 433[3000] 65 80 572 651 793 886 172074 227[300] 481 682»5 847 908 54 61 17S005 140 71 213[500] 310 434 58 98 648 822 95 925 174433 566 705 73 808 93 175062 246 88 97 414 536 621 25 734 857 950 17045» 519 62 63 854 1 77034 200 47 413 [30001 570 89 613 14 736 810 17«o51 88 203 812 31 [1500] 943 170187 244 320 573 604 14 765 908 180152 381 443[500] 96 515 18 13001 622 807 97 181122 24 203 778 803 21 44 1 8-4143 65 216 527 59 [3000] 602 70 933 I8»003 125 487 534868,71 953 184121 27 96 228 40 831 985 1 83041 83 202.54 838 588 618 11500] 733 900 1 80024 04 351 96 420 512 49 58 833 187154 232(3000) 81 826 410 14 552 743 835 1 88213 479 514 80 633 999 180046 289 303 481 554 639 857 [500] 940 190014 27 81 128 356 434 47 73[1500] 584 631 38 51 68 973 1 91171[500] 343 445 795 1 9-.4281 347 1 9»085[500] 195 339 486 526 652 717 883 944 53 194033 88 153 85 218 26 465 773 899 913 1 95046(300) 54 350 75 98 436 822 915 190079 212 1500] 30[1500] 623 89 732 852 88 988(3000) 197013 18 196 592 796 198065 85 235 302 591 715 21 51[1500] 828 972 199053 115 458 98 518 28 662 784 821 22 930 54 •209131 43 420[3000] 509 19 625 31 910 16 891035 [3000] 67 224 65 340 545 726 842 941 46 77 95 892004 32[500] 100 60 11500] 229 65 554 644[300] 79 752[500] 85 905 61 208068[500] 246[500] 93 387 93 527 63 [15001 201024 669 94 747 78 811 52 945 8 05Ü34[3000] 283 343 455 628 64 926 8 00057 250[3000] 97 353 534 89 726 809 92 807171 211 52 431 649 731 57 889 808013 81 133 63 70 204 442 81 501 24 30 91 675 713 13000] 28 802 19 8 00004 203 31 34 379 431(500) 33 602 617 50 52 86 843 8 10058 81(30001 115 303 56 570 84 811124 66 84 245 311 537 608 8>8034 76 165 579 732 924 8>»231 93 310 28 42024 95 533 86 779 823«14132 42 44 239 585 [5001 616 754 943 815017 30 78 240 413 24 523 82 776 831 81«061 67 303 42 420 42 517 604 13 93 759 810 68 995 21 7201 30 368 93 500 849 72 983 2IS028 67 138 412 670 920 63 85 2 1 9071 127 48 64 55 91 226 386 437 [300] 609 61 753 929 73 220041 77 101 3 203 390 97[500] 467 839 821 109 210 32 580 84 620 90 787 898 955 77 222010[500] 18 253 68 812 82»421 40 43 2 24296 365 431 68 687 (3001 663 748 813 8 25055 103[300] 278 412 30 653 600[IOOOO] 1l.ZiehlUlgd.4.Klllsse 196. Kgl. Preuh. Lotterie. Zleiuna vom s. Mai 1897, Rachmiltag». ei»! tU ffitreinnt über 210 Mark sind den blireffende» Nummern III Parenthese beigesSgt. (Ohne Bewähr.) 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Trucl und Verlag von Max Vadtug in Berlin.