5**» 1 UnterSattungtfleitage. 1926. (S) Metoria Sie•efSiSte einer SieBe tonn Mnnt Samfan. S«pvn>aftt vv filtert Sanaen. München. Sie trat ihm einen Schritt entgegen, sie breitet« di« Arm« au- und sah ihn strahlend an. Tann hielt sie inne, letz die Arm« sinken und Mtwortet«: Nein, es ist mir nicht- zugestohen; ich ft:ea ab und lieh di« Stute vorausgeben... Johannes, S« sollen mich nicht so ansehen. Sie standen beim Leich und sahen mich an. Was wollen Sie? Er stammelte: Was ich will? Ich versteh« nicht... Sie sind da so brelt, sagte st« und legre plöhlch ihre Hand auf die sein«. Si« sind da so breit, am Handgelenk. Und dann sind Si» ganz braun von der Sonne, nutzbraun Er bewegte sich, er wollte ihre Hand nehmen. Da raffte st« ihr Kleid zusammen und sagte: Rein, e- ist mir also nicht- zugestohen. Ach wollte nur gern zu Futz herrirgehen. Gute Nacht. 8. Johannes reist« wieder zur Stadt. Und Jahre und Tage vergingen,«in« lange, be. lvegt« Zeit mit Arbeit und Träumen, Studium und Berftn; er hatte gute Fortschritte gcnracht, es war ihr« geglückt,«in Gemchl zu A-reiben über Esther,„ein Judenmädchen, das Königin in Persien wurde", ein« Arbeit die gedruckt und sogar bezahlt wurde. Ei« anderes Gedicht, ,/Der Jrrgang der Liebe", -aS iu den Mund des Mönche- Beadt gelegt war, machte seinen Namen bekannt. Ja. lvas tvar die Liebe? Ein Wind, der in den Rosen rauscht, nein, ein gelbe» Irrlicht im Blute. Die Liebe war eine Hollen, beiße Musik, die selbst di« Herzen der Greise tanken macht. S'e tvar tvi« die Marguerite, die sich dem Kommen der Nacht weit öffnet, und sie tvar wie die Anemone, die sich vor einem Atembauch verschlietzt und bei Berüb- rung stirbt. So war die Liebe. S« konnte einen Mann zugrunde richten, ihn wieder aufrichlen und ihn wieder brandmarken; sie konnte heute mich lieben, morgen dich und morgen nacht ihn, so unbeständig war sie. Aber sie konnte auch ftstbal- len wie ein unzerbrechliches Siegel und bis zur Stunde de- Tode- gleich unauslöschlich K immen, denn so ewig war sie. Wie war nn die Liebe? Oh, die Lieb« ist wir eine Sommernacht mit Sternen am Himmel und mit Duft aus der Erde. Aber we-halb lägt sie den Jüngling verborgene Wege gehen, und weshalb läßt sie den Greis in seiner einsamen Kammer auf den Fußspitzen stehe«? Ach, die Liebe macht des Menschen Herz zu einem Pilzgarten, einem üppigen und unverschämten Garte», in dem geheimnisvolle und freche Pilze stehen. Läßt sie nicht den Mönch in verschlossene Gärten schleichen und in der Rächt de« Blick in di« Fenster der Schlafenden werfen? Und wachte sie nicht di« Rönne toll und verdunkelt den Berstand der Prinzessin? Sie wirst den jkopf des König- auf de« Weg. daß sein Haar den Staub der Stratz« fegt, und Iaht ihn dabei schamlose Worte vor sich hinflüstern und lacheu und die Zunge berau-- strecken. So tvar die Lieb«. Rein, nein, si« tvar doch wieder gauz anders, und sie tvar wie nicht- sonst in der ganze» Well. In einer Frühliugsnacht, als ein Jüngling zwei Augen, zwei Augen sah, kam sie auf die Erde. Er starrt« und sah. Er küßt« einen Mund, da war e-, als träfe» sich ztvei Lichter in seinem Herzen, ein« Sonne, di« einem Stern«ntgegenbsitzl«. Er fiel in «inen Schatz, da hörte und sah er nickt- mehr auf der ganzen Welt. Di« Liebe ist Gotte- erst«- Wort, der erste Gedanke, der durch sein Gehirn glitt. Als er sagte: Es tverde Licht! tvard es Liebe. Und alles, tvar er geschafft« halte, war fthr aut, und er tvollte nicht- davon wftder ungeschehen machen. Und die Lebe ward der Ursprung der Welt und die Beherrscherin der Welt; aber alle ihre Wege sind voll von Blume» und Blut, Blunien und Blut Ein Seplembertag. Dieft abgelegene Stratz« tvar ftin Spazierweg, er ging in ihr w'« in seiner Stube, denn- er traf hier niemals jemand. Zu bei- den Seite» der Gehsteige waren Gärte», in denen Bäunie mit rotem und gelbem Laub standen. We-halb geht Bietoria hier? Wie kau« ihr Weg si« hier vorbeifühven? Er irrte sich nicht, sie war e-, und vielleicht war sie es auch gewesen, die gestern abend hier vorbeiging. al» er au» seinem Fenster sah. Sein Herz klopfte stark. Er wußte, daß Victoria in der Stadt tvar, da- hatte er gehört; aber sie verkehrte in Kreisen, in die der Sohn de» Müller- nicht kam. Auch mit Ditlef hatte er keine Verbindung. Er nahni sich zusammen und ging der Dame entgegen. Kannte sie nicht? Ernst und gedankenvoll ging sie ihren Weg und trug den Kopf stolz auf ihrem schlanken Hal-» Er grüßte. Gute« Tag, antwortete sie ganz leise. Si« macht« keine Miene, stehen zu bleiben, und er ging stumm vorbei. E» zuckte in ftinen Beinen. Am Ende der kleine« Stratz« fthrte er um, wie eS ftine Gewohnheit war. Ich wende meinen Blick nicht vom Bode« und fthe nicht auf, dacht« er. Erst nach einigen Schritten sah er auf. Sie tvar vor einem Fenster stehen geblieben. Sollte er sich wegschleichen, in die nächste Stratz«? Weshalb stand sie da? Das Fenster war ärmlich, e- tvar ein kleines Ladenftn- ster. in dem einige übereinandergeleate Stangen rote» Seift zu sehen waren, Grütze i« einem Gla» und einige gebrauchte Briefmarke» zum Verkauf. Vielleicht ging er noch«in paar Schritt« weiter und kehrte dann um. Da sich sie ihn an, und plötzlich kommt sie ibm vo« neuem entgegen. Sie ging rasch, als habe si« sich ein Herz gefaßt, und al» sie sprach, hotte si« Mühe. Atem zu bolcn. Sie lächelt« nervös. Guten Tag. Wie nett, daß ich Sie treffe. Mein Golt, wie ftin Herz känipfle; es schlug nicht, eS bebte Er wollt« etwas sagen, es gelang nicht, nur ftine Lippen bewegte« lick. Ihr Kleid strömte einen Duft au-, ihr gelbes Kleid, oder vielleicht war es ihr Mund. Er hatte in dies.m Augenblick keine« Eindruck von ihrem Gesicht, aber er erkauute ihre ftinen Schustern wieder und sah ihre lange schmale Hand auf dem Griff de» Schirme». E» war ihre rechte Hand. Die Hand trug einen Ring. In den ersten Sekunden dacht« er nicht darüber nach und hatte kein Gefühl von einem Unglück. Aber ihre Hand war wunderbar hübsch. Ich bin ein« ganze Woche in der Stadt gewesen, fuhr sie fort, aber ich habe Sie nicht gesehen. Doch, ich habe Sie einmal auf der Strotze gesehen; irgend jemand sagte, daß Sie es seien. Sie sind so groß geworden. Er murmütc: Ich wußte daß Sie in der Stadt seien. Werden Sie lange hierbleiben? Einig« Tage. Nein, nicht lange. Ich muh wieder nach Hause. Ich danke Ihnen dafür, daß ich Sie begrüßen durste, iagie er Pause. Ja, ich habe mich übrigens hier wohl verirrt, sagte sic wieder. Ich wohne im HauS des Kammerherrn: welchen Weg muß ich da gehen? Ich werde Sie begleiten, wenn ich darf. Sie gingen. Ist Otto daheim? fragte er, um etwa» zu sagen. Ja, er ist daheiui, antwoner« sie kurz. Aus einem Tor kamen ein paar Man- ner, sie trugen ein Klavier und versperrten den Gehsteig. Victoria wich nach links aus, sie lehnte sich ganz an ihren Begleiter. Johannes sah sie an. Verzeihung, sagt« sie. Ein Gefühl der Wollust durchfuhr ihn bei dieser Berührung, einen Augenblick lang log ihr Atem auf seiner Dange. Ich sehe, Sie tragen einen Ring, sag'.« er. Und er lächelte und sah gleichgültig aus. Darf ich vielleicht Glück wünschen. WaS würde sie antworten? Er sah sie nicht an, aber er verhielt den Atem. Und Sie? antwortete Victoria, haben Sic keinen R>ng? Nein, nicht? Irgend jemand erzählt... Man hört jetzt so viel von Ihnen in diesen Togen, cs sicht in der Zeitung. Ich habe«in paar Gedichte geschrieben, antwortete er. Aber Sie haben sie wohl nicht gesehen. Dar es nicht em ganzes Buch? Mne ist so... Doch, eL war ein kleines Buch. Sie kamen an einen Platz, sie Halle krine Eile, obwohl sie zu der Familie d«S Kammerherrn sollte, sie setzte sich auf«ine Bank. Er blieb vor ihr sichen. Da reichte sie ihm plötzlich die Hand und stgte. Setzen Sie sich auch. Und erst, als er sich gefetzt hatte, ließ sie seine Hand los. Jetzt oder niemals! dachte er. Wieder versuchl« er, einen schcrchaften und gleichgültigen Ton anzuschlagen, er lächelte, sah geradeaus in die Luft. Gut. Soso, Sie sind verlobt und wolle» cs mir nicht einmal sagen. Mir, der daheim Ihr Nachbar ist. Sie überlegte. Das war es nicht gerade, worüber ich heute mit Ihnen spreckien wollte, antwortete sie. Er wurde auf einmal ernst und sagte leise: Ja, ja, ich begreife es trotzdem gut. Paust. Er fing wieder an: lFortsttzung folgt.) Das Neujahr spricht vergeßt ihn nicht, den tiefe» Sang, Den jede eurer Stunden spricht: Euch warb der Tag zu hartem Zwang, Vergeblich mahnt doS Sonnenlicht. Wie ist di« Nacht«och bleiernschwer Und wird von Sterne» doch erhellt. WaS träamt ihr dumpf,«in Riesenhmr» Steht ans, erobert euch die Welt! Denn jede Stand«, di« verrinnt, War«inst den Vätern zugewandt. Und was ihr heut« nicht beginnt. Ist morgen unbebautes Land. Vergeßt ihn nicht, den tiefen Saug: Der säumt, ist nm fein Glück genarrt. Wer nicht mit seinen Tag«» rong. Dem bleibt ste tot, dir Gegenwart. Bruno Schönlank. Don hundert Frauen. Legende von Henni Lehmann. Der l-ebe Gon hatte einen Nachmittagsschlaf gehaltert. Man konnte ihm das nicht ver» denken, denn er hatte viel»«girrt, und das macht sogar den lieben Gott müde, und etwas bei Jahren ist er ohnehin auch schon. Als er erwacht«, schickte er sich an, in den Paradies» garten zu gehen, um einmal nachzuschauen, ob die Biumcn während seines SchlafcS auch tüchtig weiter gewachsen wären, denn wenn der liebe Gott schläft, dann werden Blumen, Tier« und andrr« nicht selten nachlässig und faul und tun allerlei Dinge, die sie eigentlich nicht tun dürfen, und unterlassen andcr«, die sie tun müßt«». Aber er hatte noch nicht die große, schwere Gartentür auigemachl— eS ist di«, durch welche Adam und Eva damals hinauS- f.rjagt wurden und nicht wieder hineinkonntrn — als von unten, von der Erde her,«in großes Rufen, Lärmen, Schelten, Knallen, Schreien, Stöhnen und Janrmern an s.'in Lhr drang. /„Das ist denn da los?" sagte ärgerlich der liebe Gott.„Man kann auch nicht einmal rin wenig die Augen zuwn, ohne daß sie gleich Dummheiten machen!" „Die Menschen spielen wieder einmal Krieg, lieber Gott," sagte der Erzengel Michael, der auf die Erd« hinabgeschaut hatte. „So, so, natürlich! Und welch Volk ist denn dabei?" „Diesmal sind rS viele, lieber Golt. ES ist, als seien sie all« toll geworden. Di« von Osten und Westen find dabei, die Schwarzen und die Gelben. Sie sagen, sie nnißten notwendig einen Krieg haben, und jcdcS Boll sagt, es selbst sei unschnidlg daran, daß der Krieg gekommen sei, und die anderen trügen dir Schuld. Aber der Krieg müsir sein auf Erden. Ohne diesen ging« cs nicht." „Denn sie darüber einig find, daß sie chn haben müssen, warum ist denn pigleich solch rin Schreien und Jammern?" fragt« der liebe Gott.„Tann sollten sie zufrieden sein, daß sie haben, waS sie wollen und für notwendig erachten." „Ach, eS siich nur di« Frauen, di« den Lärm mache», lieber Gott," sagte der Er^ngel, denn Michael tvar«in Frauenverächtcr, um die Wahrheit zu sagen.„Und Frauen sind auch nie untcrrinander einig," setzte er hinzu. Die Jnngjrau Maria, dir herangrtrelen war. schüttelte mit einem leisen Lächeln den Kopf., „Betrage die Frauen einmal über den Krieg, lieber Gott," sagte sie»„und wenn sie einig sind, so mag ihre Meinung Geltung haben." Dann sandte der lieb« Gott hundert seiner Engel herab auf di« Erd« zu hundrrt Völkern, zu denen, die Kriege fichrten» und zu den anderen, und er hieß dir Engel hundert Frauen heraufbringen in den Himmel.— Da diese nun oben waren, so führte die Jungfrau Maria eine jede von ihnen in eines der hundert goldenen HimmclSzimmer uNd gab einer jeden einen silbernen Stift und ein großes Bialt einer weiß«« Himmt-lSiili«. und hieß sic. auf dies Blatt niederzuschreiben, was sie vom Kriege dächten, und ob er notwendig sei auf Erden. Danach schloß sie hinter jeder die Tür zu und wußte keine, was di« ander« schrieb Am nächsten Tage aber jamnicilr dir Jungfrau Maria die Lilienb, ter«in, auf denen«ine Schrift mit dem Silberstist geschrieben stand, und brachte sie dem lieben Gott. Di« Engel jedoch führten die hundert Fraucn wieder auf dir Erde hinab. Und der liebe Gort laS, was auf denz ersten Lilienblatt geschrieben stand, daS waren die Worte: ,Hcin Krieg darf sein in der-Weli. Der Krieg ist Sünde von Anbeginn. Ich trug Leben in meinem Schoße, daS soll wiederum Leben geben, aber nicht Tod." Danach nahm der liebe Gott daS zweite Blatt und fand darauf geschrieben: „Kein Krieg darf sein in der Weir. Der Krieg ist Sünde von Anbeginn. Ich trug Leben in meinem Schoße, das soll wiederum Leben geben, aber nicht Tod." Und er daS dritte anfah, siehe, da stand eben dasselbe darauf, und also auch auf dem vierten Blatte, und zeigten all« die hundert Lilienblätter die gleichen Worte geschrieben mit dem Silberstist: „Ätin Krieg darf ft in in der Welt. Ter Krieg ist Sünde von Anbeginn..." und so fort— und hallen alle Frauen das gfeich« geschrieben, und wußte doch kein«, was die andere schrieb. Da sprach der liebe Golt mit starker Stimme zu seinen Engeln: „So geht hin und verkündet es den Menschen, denn daS ist dir Wcchrheit." Und die Engel taten also, doch dir Menschen hörten nicht auf sie, und die Frauen auf Erden lveinlen wicdennn. ! Linst werden die Menschen zu Brüdern werden. In Sicheln schmieden sie Schwert oad Speer. And Wahrheit, kein liebliche» Märchen mehr, Ist die Botschaft:„Friede ans Erden! Paul Mochmoan. 3m sibirischen Zuchthaus habt. Heul« ist der Jahrestag des Todes mein«! Bruder!. Wer weiß, vielleicht war«S meine eigene Hand, die chn getötet hat?* Krokodil und Hund- Dir Flußläufe der Insel Madagaskar i wimmeln seit jeher von Krokodilen. Zahlreich I ist auch das Geschlecht der Hunde auf der Ins«! i vertreten. Der Hund ist aber für das Krokodil I der größt« Leckerbissen und«S wendet daher alle IList an, um sich sein« LieblingSfpeise zu ver- ! schaffen. Doch nicht minder listig sind im Verlauf dieses beständigen Kampfes dir Hnnde von I Madagaskar geworden. Wenn beispstSweife ein Hund den Muß durchschwimmen will, so beginnt er damit, an irgendeiner Stell« des FlusseS wütend zu dellen, um dadurch die Krokodile anzu locken. Dann läuft er, so rasch«v kann, flußabwärts und durchschwimmt erst«in beträchtliches Stück unterhalb den Fluß, da er weiß, daß di« Krokodile oben versammelt sind, um ihn abzufangen. Oft aber ist auch diese List vergrbenS. Tas Krokodil läßt sich nicht täuschen, sondern schwiunnr, wenn«S flußaufwärts da! Gebell hört, rasch flußabwärts, um den Hund hier zu erwarten. Es frißt chn aber nie sofort, sondern nur in fauligem Zustand. ES schleppt daher den toten Hund zunächst in sein Verstecks wo es den Beginn deS BrrwrsunxsprozrsstS abwartet. Diesem Verfahren verdankte kürzlich^ wie der„Cotrim* berichtet,«in Eingeborener seine Rettung vom Tode. Er Wau von einem Krokodil« erfaßt worden und hatte die Geistesgegenwart, sich tot zu stellen. DaS Krokodil ergriff den vermeintlichen Toten, schleppt« chn in sein Versteck und bewachte chn hier, wobei eS nicht verfehlte, alle Augenblicke heranzu- Der Pole Ossendowsky hat im Fernen Osten den russisch-japanischen Krieg und die russische Revolution von 1905/06 milgemacht und schließlich auch den bolschewistischen Umsturz. Sein vom Fernen Osten handelnder Buch über Tiere, Menschen und Götter hat.außerordentlich« Verbreitung erlangt, HedinS kritische Einwendungen scheinen Ossendowst- nicht geschadet zu haben. Jetzt ist, wieder im Verlag der Frankfurter CocicläkS Truckerei in Frankfurt a. M., die deutsche Uebertragung eines Ossendowsky- BucheS unter dem Titel„Im sibirischen Zuchthaus* erschienen. Eine» der Bücher, Ml denen man sich am Morgen eines RrgensonntagS setzt, die Lesrpouse der Tischzeit empfindet man alS Störung: gleich wieder an di«»ektüre und in einem fort bis zum Echlirß gelesen! Ojsendow- sty kehrt sich schroff gegen jede Diktatur, die der Bolschewisten ist ihm zuwider wie die des Zaren. Im Krieg diente Ossendowsky der Regierung getreu alS Chemiker und Organisator für Beschaffung von Hreresbedarf, er machte die natür- lichen Reichtümer deS Landes nutzbar nnd erwarb sich dadurch Ansehen. So siel ihm nach den Niederlagen der Armeen von selbst die Aufgabe pi. der unfähigen und angefaulren Militär- bnreaukratst den HeimtranSport der Truppen auS der Haftd zu nchmen und überhaupt der Anarchie zu wehren. Der Zarismus stattete feinen Tank ab mir einem Gerichtsverfahren, in dem OlstndonHky ohne Beweiserhebung und ohne Verhör zum Tode v'-»—trilt wird: daS Urteil bleibt unvolhogeiz, in eine' wirklichen Gerichtsverhandlung wird dann airi 18 Monate Festungshaft erkannt. OfsendowstyS Widersacher brinaen es fertig, daß die Derbiißrmg der Straf« im ZuchthanS erfolgt, und hier lernt Osstndow- fky den„russischen Menschen* recht kennen, alS ein Ergebnis bei RegieningSsystemS, daS viel« Jahrhundert« auf dem Rirfenreich lastete und in den Beherrschten eine Sklavengesinnung großzoa. Wie dennoch in solchen Menschen daS Gute sich regt, mag der folgende kleine Ausschnitt zeigen. In dem gleichen Gefängnis hatte ich noch einen anderen Bekannten, den alten Sträfling Maxim Euworoff. Er war immer schweigsam. Ich weiß heut« noch nicht, weshalb er eigentlich eines TageS an den Gitterzaun kam und mit mir eine Unterhaltung suchte. Seine Redeweise und seine Stimm« hatten etwas sonderbar Bestrickendes, das zum Herzen drang und auf <-n starkes inneres Bedürfnis nach Aussprache fchlstßen ließ. .Heute, Herr, ist«in schrecklicher Tag für mich, der Jahrestag meines B«rbr«chrnS. ES ist«in« alt« Geschichte; denn ich bin nun schon zwölf Jahre im Gefängnis. Zwölf Jahre! Eine lange Zeit, nicht wahr?* Ich schwieg, um chn nicht von seinen Gc- dunkengängen abzulenken. Rach einem Augenblick fuhr er fort: „Sie sind jung, Herr, und können sich sicher nicht an die Zeiten erinnern, wo lange Schlittenkarawanen, mit Tee und Seide beladen, langsam über die weiten sibirischen Schneefelder da- hinzogcn. Wir führten sie von Kiachta nach Irkutsk, wo da! Hauptzollaml und die Sammel- dcpors der großen Firmen waren. Jeder Fuhrmann oder Jamstschik hatte zwei Schönen unter seiner Obhut. Ich hab« manchmal Karawanen von fünchundert solcher Echlftien gesehen, di« von zweihundertundfünfzig Mann begleitet waren. Tas Leben war hart, denn wir waren Tag nnd Rocht unterwegs. Dir schliestn auf den Schlitten und stören bis aufs Mark bei • den entsetzlich kalten Schneestürmen und den tobenden Rordweslwinden. Bon Zeit zu Zeit machten wir Halt, um die Pferde ousruhen zu lassen und sie zu fiittern Wir lösten un! dann in der Bewachung der Karawanen ob, denn wir hatten ein« wertvolle Fracht und wußten, I ganz in der Sphäre überlststrier«utorftä» daß an der Straße immer Banden lauerstn, I«acht und kämpferischen Ueberlegenheftsdraa- die den Wert nnstrrr Ladung nicht weniger hoch l g«z i e bt, erwacht in den Reihen der Proletarier, schätzten al! wir. I zugend die Bereitschaft und seelische Disposition Dir Bauern der Dörfer, an denen uns Izur Verwirklichung urältrpen menschlichen Ge- unstr Weg vorübrrführtc, gingen im Wint«r I mrinschafrSbedürfuiffes, zur Realisierung der «inem Gewerbe nach. daS sie mit einem Harm- I unerschütterlichen Logik mitmenschlichen Sein!, losen»uSdruck,„daS weiß«* nannten. Sanz in! Mitarbeit und Mitmensch— in diesen Weiß gekleidet logen birst Kerl« im Schnee, so I Angeln dreht sich di« Tür. dir jnr nächsten ge- daß sie völlig unsichtbar waren, wenn dann I schichilichen Zukunft fGrr. Richt Helden und Uebermenschen, Könige und Götter werden di« Baumeister der soziali- fti>chen Welt stin- sie waren auch nicht die ! Erbauer der Welt von heute und gestern, so s sehr sie sich als solche gebärdeten, und nftstre Ehrfurcht dafür zu gewinnen suchten. DaS lebendige Berbundensein gleichgesinn ter, gleichstrrbendrr, gleichfchaffender Menschen, die schöne Harmonie und Solidarität williger, fähiger, vollwertiger Mitspieler und Mitarbei- nachts rin« Karawane Rast machte, krochen sie heran und durchschnitten die Riemen, mit denen der Tee und die Seide auf den Schlitten fest gebunden waren. Schläfrig und nichtSichnenb, wai mit chrer Ladung vorgegangen war, bra chen die Fuhrleute wieder auf und trieben chre Gespanne weiter, bis einer der Hintermänner entdeckt«, daß emer der Schlitten vor ihm«ine reiche Ernte für die Wegelagerer auLsäte.* Suworoff zündet« sich eine Zigarette an und sah ein« Weil« in Gedanken verloren da. I»er,"dir entwickelt« GemeinschastSsähigkeit und Dann fuhr er in stiner Erzöhlung^fort: I der aktive GrmrinschaftSwilke der Generationen, „Ich muß auf noch stühere Zeiten zurück-1 dst auf unseren Schultern sichen Werin«— sie gehen. Außer mir halten meine Ellern noch! bauen der neuen Menschheft das neu« HauS. einen zweiten Schn, Gregory, der zu den Sol-1 Otto Rühle, daten ging, aber nach Beendigung stiner Dienst-1^, feinem neuen Buche: Jrte Seele Ms prost, zeit nicht in dir Heimat zurückkehrte. Dir er-1«arischen Kinde»*.) ühren später, daß er sich verheiratet hatte und I n Transbaikalien lebte. Ans einer meinrr Fahrten bildet« ich di«| Nachhut der Karawane. Da die Nacht sthr fin ster war, sah ich mich sortgesttzt nach rückwärts um, denn ich fürchtet« einen Ueberfall durch Räuber. Plötzlich hörte ich ein verdächtiges Geräusch. AlS ich umherspäht«, sah ich einen Weißen Schatten hinter meimm letzten Schlitten auftanchen und sofon wieder verschwinden, kbrf meinen Hilferuf eilten meine Gefährten herbei, unterstichlen den Schlitten und fanden, daß ein Riemen durchschnitten worden war und eiij Ballen Seide fehlte. Da wir gerade eine Stunde vorher durch ein großes Dorf gekommen waren, könnten wir mit ziemlicher Sicherheit an nehmen, daß di« dortigen Bauern unk auf gelauert hatten. Dir bofchlofstn daher, sie zu bestrafen.. Mit unstrer Streitmacht von fast zweihundert kräftigen und wohlerfahrenen Leu ten führten wir unser« Absicht kn einer so gründlichen Deist auS, daß das Dorf Wohl noch lange daran gedacht hat. AlS wir daraufhin von der Polizei ver haftet und in Untersuchung genommen wurden erfuhren wir, daß bei onstrem Rachezug«ff Bauern getötet worden waren, darunter auch ein gewisser Gregory Suworoff. Ich bat, die Leiche dieser Mann«! sehen zu dürfen und er kannt« in ihm meinen eigenen Bruder. An stnem Tage beschloß ick>, einen großen Teil meine- noch übrigen Lebens im GekängniS zu verbringen zur Buße für mein Verbrechen und um von Gott Vergebung pi erlangen. Obgleich uns das Gericht nur zu«inem Jahr Kerkerhaft I kriechen und den Körper deS Unglücklichen zu verurteilte— da wir ja durch die fortgesetzten! beschnuppern. In diestr kritischen Lage hatte räuberischen Uebersäll« in«ine gewiss« Zwangs- ler das Glück, daß di« Höhle, m der er sich läge versetzt worden waren— brachte ich es Imit dem Krokodil befand, unter dem Gewicht durch häufige Fluchwersuche aus dem Gefängnis teiner darüber schreitenden Rinderherde teilweise und durch offene Rebellio gegen di» Beamten leinstürzft. Dabei kam«in Fuß einer versinken, fertig, meine Straft auf zwölf Jahre auSzu-lden Kuh ihm so nahe, daß er ihn packe» dehnen. Drei weiter« Jahre habe ich noch vor! konnte. Rasch klammerte er sich an ihn nnd mir, bis die fünfzehn Jahr« um find, dst ich Iwurde von dem Tstr, das sich mühselig Wieder mir alS Strafe für mein Verbrechen auferlegt'herausarbeitet,, mit herausgezogem Dst V»m Das neue Heim der neuen MenschdeN. Während da! Proletariat von hem« noch — 4— auNvorrung für di« Dahrhen dieser Geschichte, die sich liest, wie eia« gewagte Münchyauseniade, müsseck wir dem italienischen Blatt überlasse»!, das sic erzählt. „ftultur." Boa Josef Maria Frank. Sie kamen in durchaus gehobener Stimmung von einem den löten der Zeit gewidmeten Vorträge. Sie waren in Pelze und Ge» scllschastsrotletten; sie hatten in Ethik und Menschlichkeitsphrafei» geschwelgt und dazu Tee getrunken und Keks geknabbert. Sie fühlten sich innerlich und äußerlich— sie empfanden sich alS ein Plus gegenüber dem MinnS der Masse. Sir— das tvaren die Einbernsrr einer Fünfuhrre«-Gesellschaft, di« bis vor einer halben Stunde dem Vortrag eines moderne«, gütigen MesiiaS gelonfcht hatten, der über das grauenhafte Elend und den»veihen Tod, den Hunger, gesprochen«nid?ir Atchilsc und Linderung unter dem Beifall der Versammelten aujgesordcrt holte. Sir waren jetzt auf dem Heimwege. Der BeobachtungSieustl Verfiihrt« mich, ihnen zu folgen. Ihre Unterhaltung reizt« mich: sie erzählten sich gegenseitig, wie wahr doch alle« sei. was sic gehört und wie schade eS sei, daß die, die es angche. zu derartigen Vorträgen nicht heran gebrach: werden könnten, und wie gut cs dann ober doch wieder sei, das immer und immer wieder öffentlich zu sagen. Dann sprachen sie über Spinoza/ kamen von dort rück» Warrs zu Christ«? und Bltddho und vonvärts zu Kant und seinem kategorischen Imperativ, in dessen Befolgung sie das Allheilmittel der Zeit ersahen. Sie redeten darüber- etums überlegen ai.j großzügig mehr kritisch aL begeistert, so als sei ihnen das alles jo doch selbstverständlich. Da lenkte sie an der Ecke«in kleiner Menschenauflauf ab—»nau eilte natürlich dorthin. Ich folgte, drängte rnich vor und sah in einem Tür» e'ngang einen arme«, zu einem Skelett abge- magerten verkrüppelten Menschen liegen, zu» saumeengebrochen, in Krämpfen sich windend. Schaum vor dem Munde, und in den schwarzen. tiefen AugenHhlen grell aufschreieNdeS Weiß. Eine Frage, und ich erfuhr:«in Arbeits- keser, ehemaliger Kriegsteilnehmer, der an Hunger zusarniueugsbrochen, von Krämpfen überfallen war. Wortlos bcinühle sich«in Arzt und andere gut« Merrschen um ihn. Rings hockte wie«In hungriger Geier die bleckude Reugier. Erschüttert zog ich mich zurück, zu»»einen salbungsvollen Echckern und Kulturmenschen, den Phra- seureu von der Menischlichleit in Seal und Nerz. Und ich hörte aus den Mündern, die sich eben noch so verständnisinnig über Buddhr. Christus. Spincga und Km»t geäußert hatten: „Tja! Eine Schande, daS! Kulturschande, diese — eh' besoffenen Schwe!»»«! Verzeihen Sie den Ausdruck, Gnädigste, aber'—"—.„Oh. ich bitte Sie. lieber Freund, der einzig mögliche Ausdruck für solche— ob. ich möchte sie„ Viehmenschen"»rennen!"—„Sehr richtig, guLdlge Fra»», diese Versumpfung des Pöbels grenzt säst ans Tierische—"„0 nein, lieber Doktor, ich bitte Sie, ist schon tierffch, ja, ist es! Kommen Sie! Rehmen wir rin Auto! DaS ist ja unäskheiisch! O pffii doch! Kommen Siri Sie bleibe« doch den Abe»ch bei uns?— Ich habe noch einen glänx»che»r Hunnner und ta-del— lo—sen Gänsebraten!"—„Mit v-elen» Dank akzeptiert. GnädikLte!" Da drehte ich mich uuz, sich diese crflklas- stgen„KnKur"»nenschen. dies« so äscherischen Zcitgenojsrn an lind— mußte auSspucken. Pfui Teufel! Ich fagrc es ziemlich laut— und ging. Aber— sie besitzen„Kultur"! Sie wären empört, würde man e? bezweifeln?-Sie nehmen alle Kultur für sich in Anspruch! Sie bestehen nur aus Kultur", aus einer arroganten, schic i- uigen, perversen, ekelhaften Kultur! Und sie «»erden mich,»venn sie an dies« Szene denken, «inen impertinenten, kulturlosen Flegel nennen ... O! Sie sind mit rabmdranatischcn Bazillen geladen.^ Holzsthle, Scherben, HauSrat ustv. Die bisherige Untersuchung ergab einwarchfrei, daß dort ein aller Dorsplatz unter der jungen Marsch begraben liegt. ES»st noch nicht^rmittrlt, um»velches unlergegongen« Dorf«S sich hier handel. Wahrscheinlich hat»n der Gegend der Ort WiSke gelegen, der in den Urkunden deS 14. Jahrhundert- genannt wird. Vielleicht fft das Dorf von der Autonieflut deS Jahres 1511 überschwennnt worden und untergegangen. Daß di« Siedlung bis in diese Zeit bestanden htchcn kann, bezeugen di« großen Ziegelsteine, di« bei einer Grabausschachtung zutage gefördert wurden. Der Geologe Schütt« schließt aus der Ticseiüage der allen Wohnstätten, die 8.1V Meter unter der heutigen und el»va 1.6V Meter uuter Normal Rull liegen, daß sich die Küste in den letzten Jahrhunderten beträchtlich gesenkt hat. fettere*.- P Die falsche Liste. Mein Amtsbruder in X. bezieht sein Einkommen zinu größten Teil aus dem Pochtbertrag einer Pfründe. Die Bauern bezahlen aber so schlecht, daß der Pfarrer sehen muß, wie er zu seinem Gelde kommt. In X. ist eS üblich, daß beim Silvestergotirsdienst di« Romen der»m vergangene« Jahre Berstorbe- t,«n von der Kanzel verlese» lvcrden. Belm letztenmal stauutou nun die Fromme»» vo>» X. nicht»oenig, al« der Pfarrer nur Namen von Sbenden«ich noch dazu in der Kirche An- tvefendc» Verla». Der Jrrtirm wurde inbesien g gleich aufgeklärt, denn der Pfarrer fuhr fort: .Halt, liebe Gemeinde, mir ist eine falsche Line untergekommen. Dlr verlesene Liste enthält nicht die Namen der Verstorbenen, sondern derjenigen Glieder der Gemeinde, die mir noch den Pachtzin? schuldig sind." Mein AmrSbruder versichert. daß drei Tage später alles bezahlt mar. „Der Freund. Lehrer:.^kannst du nur et« anderes Wort für Freund sagen?" Der Schiller schweigt. Lehrer:„Rirn,»vaS ist einer, der alle« für einen anderen tut, ohne Dank pl verlangen? Ein Kam". Schüler: Ein Kamel!" ftmubortrfflffL jl nrn>> i<,,>> Wag recht: 1. Ein Reujahrswunfch an unsere Leser. 10. Französische Stadl. 11. Fluß Ostasiens. 12. Fluß in Polen. 14. UnbestimmteS Fürwort. 16. Sängerslimme. 17. Farbe. IS. Bestaiwrett des Wagens. 80. Zahlwort. LI. Was man gern« hört. 2V. Tschechisch: Ja. 24. Riederorganisierte Pflanz«. 86. Körperteil. 27. Jroiic- nische Stadt. LS. Hochland in Asien. 81. Wchruf. 82. Anruf. 83. Wie 12. 84. Großer Raubvogel. 36. Aggregatzustand. 37. Weltgegend. 38. Nebenfluß der Donau in Bayern. 4V. Umstandswort« 41. Nachlaß. 48. Stadt an der Thaya. 45. Berühmter italienischer Opernkomponist. 46. Weltanschauung,— Sonkrecht: 2. Kurze Erholung. 8. Südfrucht, t. Umstandswort. 5. Persönliches Fürwort. 6. EnvvicklungSstadiuiu eines bekannten ÄSferS. 7. Jiffel der Großen Antillen. 8. Start i« Italien, 9. Mrderwagen» >8. Gebrauch. l5. Margarine. 18. Kampkaediet in Marokko. 22. Gebirgswiese. 23. Nordische Müirp». 24. Berg in Kleinasien. 25. Schickka's fronen. 36. Türkischer Name. 28. Pöbel. 3V. Wbhruf. 84. Amerikanischer Milliardär. 35. Fischotter. 39. Adler. 43. Männlicher Vorname. 48. Weiblicher Vorname. 44. Weiblicher Vorname. Auflösungen der Rätsel aus der vorigen Nummer: Magisches Quadrat: 1. Bart, L. Aloe, Robe, 4. Teer.