M LefevuG Ser GrdgefGtGte. S«»;rt zu»/- Grün Cuno« t« cNlrjzona,— Ein in Sie„EingeweiSe" See Erbe. Mas erste WettisunSer.— Was MNMonen Jahre frhufen.— Mie WunSerstavt See Tempel und Vasoden.— Mer snenfM berftummi... Bon dem großen Crosiostal des Colorado im nordamerikanischen Staat Arizona Hai jemand gesagt, daß cs nicht das achte, sondern das erste Weltwunder sei. Mit Rocht! . Denn der Gran Canon ist das riesenhafteste Lesebuch der Erdgeschichte, das lückenlos Jahrmillionen nmspannt. Nirgeirds kann man die nncrmeßlichc Schöpfungskraft der Ratnr besser beobachten als am Gran Canon, wo der Colorado einen 1500 Meter tiefen, fast senkrechten Einschnitt in die Erdrinde gegraben hat, wo man sozusageit einen Blick in die Eingeweide des ErdplancKn tun kann. Die klassische Darstellung der geologischen Geschichte des Gran Canon verdankt die Wissenschaft vor allem Now'brrrh, Powell, Gilbert, Tutton und Holmes, deren Werke bei der Lösung geologischer Probleme, wie Vertver- fuiigcn und andere Veränderungen der Erdkruste, Denudationen und rieseichaft« Erosionen, zu Rate gezogen worden Md.. Ehe der Gran Canon im Pliozän, dem letzten Abschnitt der Tertiärzeit, durch Erosion zu entstehen begann, wurden die Ablagerungen fünf geologischer Perioden, der Pern»-, Trias-, Jura-, Kreide- und Eozän- jormation, von der Hochebene abgetragen. Ucberall am Süd- und Nordrand des Canon wandert man somit auf dem Kamm der beinahe horizontal gelagerten Steinkohlensorma- tivn. Nicht weniger als 3000 Meter mächtige jüngere Formationen, di« einst über den Steinkohlenschichten lagen, fehlen also. Ihre Abtragungen hat man die„große Denudation" genannt. Sechs geologische Perioden sind noch da und liegen überall in den Canonwänden zutage, wenn auch zrvei von ihnen nur bruchstückweise vorhanden sind. Die jüngste noch vorhandene Schicht ist der der Ercinkohlenformation angehörei'.de sogenannte Kaibab Kalkstein. Unterhalb des charakteristischen senkrechten roten Fclsbandes des Redwall, das in so hohem Grad zur Schönheit der Taltiefe beiträgt und der Steinkohlenformation angehört, fehlen drei geologische Perioden: Devon, Silur und Ordovi- cium. Vom Devon finden sich jedoch verstreute Bruchstücke. Der Rrdtvall ruht auf kambrischrm Kalkstein, der sogenannten Ton- togruppe. Die sed.mentäre» Ablagerungen, die I durch diesen gewaltigen Einschnitt in die Erdkruste freigelcgt worden sind, besitzen eine fast wagrechte, ungestörte Loge. Die riesige Erosionsrinne hat sich durch die Schichten der Steinkohlrnformationen geschnitten, und dann sind durch fortgesetzt« Erosion alle älteren Ablagerungen frei geworden bis zum Granit hinab, in dem der Colorado jetzt dahinbraust. Da die tvagrechtcn Schichten ungestört sind, kann man daraus den Schluß richcn, daß die Erosion dir einzige Kraft ist, die diesen ungeheneren Eingriff in die Erdkruste auszuführen vermocht hat. Aber der Erosionskraft sind auch gewisse andere Faktoren zu Hilfe gekommen. So ist das Gefälle des Fluges recht groß, da der Höhenunterschied auf einer Strecke von 340 Kilometer, von der Mündung des kleinen Colorado Rs rum Grand Wash, 500 Dieter beträgt. An der Mündung des Hermit Creek soll der Fluß eine Stromgeschwindigkeit von 32 Kilonreter in der Stunde haben. Bei einer solchen Geschwindigkeit vermag«ine kompakte, gesom- melte Wassermasse nicht nur Sand und Geröll in ihren, Bette mit sich sichren, sondern auch Steinblöcke vorwärts zu bÄvegen. Der Colorado verfilzt daher über ein sehr wirksames Schlcifmaterial, das das Granitbett des Flusses feilt, reibt, aushöhlt, mit einem Wort: erodiert. Wenn eine solche Anshöh- lungsarbest durch Millionen von Jähren angedauert hat. Tag und Nacht, Sommer und Winter, ohne eine Sekunde Unterbrechung, dann ist es nicht schwer zu verstehen, daß das Ergebnis überwältigend und staunrner- regend sein mußte, daß der Mensch erschüttert und seiner Kleinheit bewußt vor die em Wunder der Natur steht, dessen Pracht und Herrlichkeit zu schildern keine menschlich: Sprache vermag. Um den Graben zu erziele», und nm durch sehr harte Gesteine eine Rinne auszumeißeln, die 349 Kilometer lang, 21 Kilometer breit und 1.6 Kilometer tief ist, hat der Colorado die Zeitspanne gebraucht, die zwischen Pliozän und der Gegenwart liegt, init anderen Worten viele Millionen Jahre umfaßt. Und diese Millionen Jahr« machen wiederum nur einen kleinen Teil der geologischen Annaken und der Erdgeschichte aus, eine Zeitspanne, die s' kurz ist, daß sich ivährend ihrer Dauer die Meeresmollusken nur unbedeutend verändert haben, und daß die cingetretenen Veränderungen kaum die Hälfte der Arten betroffen haben. Kein Geringerer als Sven Hedin faßt den Eindruck dieses bewältigenden Naturschauspieles in die Worte zusammen: Angesichts solcher Perspektiven wird der Mensch still und demütig. Als ich das erstemal an den Rand des Gran Canon trat, hielt ich, unbewußt und unbedacht, den Hut in der Hand wie beim Betreten eines von Menschen- händrn erbauten Tempels. Der schwedische Forscher har drei Wochen am Gran Canon gciveilt und legt in dem soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen, mit eigenen Illustrationen reich ausgestattetcn Buch „Gran Canon, Mein Besuch im amerikanischen Wunderland", den Ertrag, feiner Studienreise vor. Hedin bekennt, daß es ihm an Worten gebricht, um der Einzigartigkeit dieses Anblicks auch nur entfernt beizukommcn. Bei El Tovar tat er den ersten Blick in die Wunderwelt.„Wenn man aus dem sicheren Halbdunkel des Waldes aus ein offenes Kap am Rande des Canons hinauskommt, hat man das Gefühl, auf einem spitz zulaufenden Sprungbrett in die Leer« des Weltenraumes hinauszutreten. An der äußersten Spitze tut sich der leere Raum bis zu einer Tiefe von 1500 Metern ans. Man sieht die senkrechten Seiten des Vorgebirges nicht, auf dem man sich befindet; es sei denn, daß man sich niederlegt und den Blick über den Rand hinlveg senkrecht an den Wänden hinuntergleitcn läßt. Gan; unten gewahrt man die dunkle Rinne, in der der Colorado fließt, aber der Strom selbst hat sich so tief in den Granit eingc- schniltrn, daß er nicht zu sehen ist. Gegenüber, in einer Entfernung von etwa 13 Kilometer. verläuft der Nordrand, noch unregelmäßiger und stärker cingekerbt als der Südrand;' vor seiner Front erhebt sich die gewaltige, von einer Meisterhand geformte Mär- chenstadt von Pyramiden, Tempeln, Pagoden, Türmen und Mauern, die auf der Erde nicht ihresgleichen hat. Es sind Blöcke der feste» Erdrinde, die die mechanischen Kräfte der Ausnagung und Verwitterung, das fließende 2— ✓ und aus de» Wolken strömende Wasser, die Winde, die Hagelschauer, die sengende Sonnenglut und der sprengende Frost im Lauf von Millionen von Jahren zu so vollkommener plastischer Schönheit ausgcmcißclt haben, wie sie diese Riesenskulptur in Kalkstein, Sandstein und Granit im gegenwärtigen geologischen Zciialter zeigt. Mau kann sich nicht denke», daß diese herrlichen Meisterwerke je einen höheren Grad von Schönheit erreichen lverden. Nach neun Millionen von Jahren müssen sie vielmehr an Höhe abnehmen und zu Ruinen werden. Zwar gräbt und sägt sich auch der Colorado tiefer in den Granit hinein, und der Fluß befindet sich hier 760 Meter über dem Meer, aber er strömt in seiner tiefen, engen Granitrinnc, und die Höhe der Tempel und Pagoden- über dem tiefsten Teil des Canons wird davon nicht berührt. Die Sonne nähert sich dem Horizont. Unter den roten, gelben und grauen, braunen und violetten Tonen bekommen die roten immer mehr die Oberhaird. Die Abendröte beginnt ihr Spiel. Aber jetzt werden auch die Schatten dichter rind länger, die Vorbote» der Nacht. Die ganze Skulptur dieser wunderbaren Welt tritt.daher mit außerordentlicher Schärfe hervor. Die Märchenschlösser und Burgen, die javanischen Tempel und indischen Padogen, tausendmal größer als alle menschlicher» Bauwerke, stehen immer schärfer gezeichnet neben-«nd hintereinander in ihrer stummen Rätselhaftigkeit und. der unergründlichen Mystik ihrer Erschaffung l und Vernichtung. Man spricht nicht mit seine» Begleitern, nmn faßt sich an die Stirrr und fragt sich, ob es Wirklichkeit ist oder Traun«. Vergebens sucht man die Ausmaße zu begreifen. Es ist ganz schön, wenn man erfährt, daß es 13 Kilometer bis zum Nordrand sind, und daß der Colorado 1500 Meter unter uns liegt. Aber das hilft einen« nichts. Alle Maße und Entfernungen wirken ganz ungeheuer. Wenn nian an den Rand des Gran Canon tritt, glaubt man, ein unermeßliches Stück Erdkruste n«üsse fehlen. Es ist, als habe der Schöpfer, da er das feste Land auf Erden zujamnienfügte, vergessen, in sein Znsammensetzspicl das letzte Stück cin- znsctzn«, an dcsseir Stelle nun der leere Rann» I gähnt." Ich WM... Ich will nicht-nur den Hammer schwingen Und Tag um Tag in Frondienst stehn Und abends träumen, bis die Schwingen Des Schlummers auf mich niedcrwebn— Auch ich will Feierstunden haben. Wo ich vom Joch der Fron befreit. Mein Teil mir nehme von den Gabe», Die höchster Geist der Menschheit beut. Ich will nicht«iur den Hammer schwingen! Das Lob der Herren mag ich nicht! Nach Feierabend will ich singen Und kämpfen geh»— Empor-um Licht! Otto Lien icke. Bestattung aus See. Von Leo Matthias. Er kam mit jenen an Boid, die nicht aufhören zu hoffen und die Kapitän« und Zahlmeister aller Schiffe der Welt mit Fluch und mit Flehen beschwören. Erbarme» zu haben mit einem Dreimalgeschlagencn. Ihr« Geschichte ist immer die gleiche. Sie habe» in Europa jahrelang ihr« Haut verkauft, um das Unmöglich«, den Preis für dir Uebcr- fahrt zu erschwinge««— und cs ist ihnen schließlich geglückt; aber das Mögliche, in San Domingo, in Havanna, in Sanios, Frau und Wurm vor der Straße zu retten, blieb unerreichbar. Bon der Hitze zerfressen^ Zeugen jeder Verzweiflung, liege» sie am Rande des Ozeans, wir Deportierte und stieren. Jeder wäre bereit, mit seiner Zunge das Teck zu säubern, wenn er die Möglichkeit härt«, das Rest seiner Geburt noch einmal zu sehen. Tag und Nacht wechseln für sie mit-der Einfahrt'und Ausfahrt der Dampfer. Es waren etwa dreißig Mann, die, wie immer, abgcwiesen wurden. Kapitän, Zahlmeister, Offizier« jagten wie Spinnen über das Deck, um zu verhindern, daß sich einer versteckte. Ein blinder Passagier verursacht endlose Schreibereien; unter Umständen- ist die Gesellschaft verpflichtet, ihn wieder zurückzubringen— nach San Domingo, nach Havanna, nach Sanios... Daß inan ihn schon am ersten Reisetage fand, war ein Zufall. Er fiel während des Essens vom Stuhl. Im Lazarett stellte inan fest, daß sein Name in den Liste» fehlte.— Am zehnten Reisetage war er tot. Seine Hinterlassenschaft bestand in fünfzehn Pesos und einen« Brief nach Barcelona an seine Frau. In der zioeiten Nacht wurde er versenkt. Der Versuch, durch eine Sammlung die Kosten für«inen Zinnsarg aufzubringcn, um die Leiche in Spanien zu bestatten, blieb erfolglos. Der Versuch, durch Funkentelegramm di« Erlaubnis 1» erhalten, in Vigo einen Holzsarg«inzuliefern. Heiterte an der Hartnäckigkeit ixt spanischen Behörde». In der zwcitet« Nacht, Punkt halb zwölf, sing die Maschine an, langsanicr z«« hämmern. In der Mitte des Ozcans, von cinem halbe» Dutzend fröstelnder Menschen umgeben, gingen zwei Amerikaner zum Heck, stellten sich an die Ende«« des Sarges unS lasen stumm einige Gebet«. Punkt zwölf kam das Kommando„Stop". Seit zehn Tagen stand die Maschine zu»« ersten Mal still. Es war, als ob das Firmament aufhört«, sich zu drehen. Lautlos und schwankend, zerschnitten von den Schatten der Maste, lag die ungcheuere Schiffsmasse im Sternenlicht. Wie ein Rettungsboot wurde der Sarg vom oberen Teck heruntergclassen. Rucklveise, auf leises Kotmnando, sank er bis zur unteren Reeling. Ein Seil fiel-ans der Roll«. Vor unseren Angen schlug eine viereckige schwarze Kiste aus ungehobelten Brettern, schief wie eine zerrissene Schaukel, hin nick) her. Durch die Wosserköcher des Deckels sah man die Umrisse des Leichnams. Einige spanisch« Bauern hatten den Mur, zuzugreifen. Sic zogen den- Sarg an den Seilen zu sich heran— so daß es aussah, als ob sie jemanden aus der Folter binden wollten— warft» einigc Münze«« durch die Löcher und drückten dann das Ganze über Bord. Wie ein Forrlleukasten trieb der Sarg quer durch das MoMicht— dann warf ihn ein« Weil« in das Dunkel, n««d er fing langsam an zu sinken. Die Konlmaildos wurden wieder laut gegeben. Tausend Passagiere setzlen ihr« Resse fort. Llrweltmärchen. Bon Alfred Brust.*). Als noch die Steine weich Warr,« und wuchsen, da haben auch die Tiere noch reden können. Und auch die Vögel sangen noch richtige Li«dcr, und wenn der Vogel Roch gar dirigierte, auf einem Bein und mit seinem langen Schnabel, dann kam«in unerhörtes Konzert zustande, so daß all« Blumen, Gräser und andere Pflanze» richtige Träne«« weinten— so beispiellos beglückt waren sie davon. Der Mensch aber war damals noch wie das Tier: so gut und harmlos und zufrieden mit sich ititö allen anderen Dingen. Er durchlebte damals das, tvas wir heute Freiheit nennen, nnd seine Sonderstellung unter alle«« lebendigen Mesen äußerte sich nicht deutlicher, als diejenige der Birnen und Ameiftn unter den Insekten. DaS Dort Freiheit gab cs damals noch nicht, vielleicht weil man das Gegenstück dazu noch nicht kannte, oder dieser Begriff übcrhaup« *) Aus dem soeben erschienenen Rovellenbuch des eigenartigen jungen ostprcutzischen Dichters .Himelslraßen-. tstürt Wolfs, Ädnchrn.« «ine ander« Bedeutung hatte. Bewegungen kann !rn nicht durch Gedanken oder Handlungen irgendwelcher Lebewesen eingeschränkt werden. Es gab kein Alter. Di« Natur hatte dem Wachstum kein Ziel gesetzt. Ta geschah einmal in der Harmonie dieser Erdtveftn eine außergewöhnliche Cache. Tie Vögel hatten sich im Walde auf tausend Zlveige verteilt, wetzten ihre Schnäbci und probierten ihre Stimmen in Erwartung eines ganz besonders angenehmen Konzertes. Da kam der Vogel Roch mit lauten Schwingen die Eonue verdunkelnd durch die Lisst geflogen, hielt mit« sternd Umschau nnd ließ sich mit donnerndem Rufe im Tale nieder. Weit über die Bäume konnte er hinwcaschen, und seine gewaltige» Augen blitzten sehr kühn. Rings um den Wald,'' auf d«n zahl-losen Hügeln, saßen die vorsinfflut- lichen Tiere verteilt, ließen di« Sonne auf ihre Köpfe brennet« und rieft» einander betrachtsaure Dinge zn. Die Swine aber wuchsen mit verdoppeler Kraft, denn es Hail«-in dieftr Nacht sehr kräftig gewittert. Ta kam mit lautem Schreier«-n-nd schwankenden Schritten der Mensch über bas Land, heb«in Gefäß von Holz empor und tat daraus zuweilen ritten gewaltigen Zug. Er harr« Saft aus Reben gepreßt... Das Konzert hatte begonnen. Aber der Mensch schickt« sein brüllendes Rülpsen dazwischen. Und als der Eber, von Ekel gepackt, ihm mit den Hauern das widerliche Gefäß«««stieß, ergriff ihn der Mensch»nd schleuderte ihn weit» in den Wald hinein, tvo der hinfchlagende Körper zehn Sänger tötete und dos Tier sich zu ix» Füßen des Bogels Roch augenblicks. verblutete. Und der Mensch stieß einen stoßtvciftn Schalk ans, tvelchon er„Lachen" nannte. Kein Tier hat. solches getan bis a««s den heutigen Tag. Denn wo der Dkensch lacht, hat der Nachbar Unglück. Da wurden die Steine starr vor Schreck nnd di« Tiere vor Erstaunen stimmt. Und die Steine sind nicht mehr gewachsen, nnd die Tiere haben nie mehr ein Wort gesprochen. Selbst dft Vögel singen nur noch abgebro chene Meiddien, und zu einem Konzert kommt eS mir noch, wen» kein Mensch es mit seinem Ohre stört. Du und der andere. Sie scheitet« einander Egoisten; will jeder doch nur fein Leben friste». Wenn der und der ein Egoist, so denke, daß du es selber bist. T«e willst nach deiner Art bestehn: Mußt selbst auf deinen Nutzen sehn! Dann werdet ihr dos Gcheimnis besitzen, euch sämtlich untereinander zu nützen; doch de«« laßt nicht zu euch herein, der andern schadet, um etwas zu fein! Goethe.■ Das andre Venedig. Bon Gina Kans. Auf dem MarkuSplatz hatte ich immer das Gefühl, in einer Tvaumstadt zu fein oder zu- nrindest zwischen Kiüissen. ES gibt keine Häuser hinter solchen Fassaden. Und fast ist«S wahr. Me rückwärttgc Wand des Palazzo Reale, von der Lagune aus gesehen, ist wirklich so kahl, grau, so glatt wie die unbemalle Seite eines Theaterprospektes. Solche graue Prospektrücken tragen meist große schwarze Chiffren, die der Ordnung dienen— und auch das ist fast wahr. Auf der kahlen grauen Wand steht: „Evviva il N. F. P.!*‘, das heißt:„Es lebe die nationale fascistische Partei!" Die großen Palazzi am Canale Grande, besonders wenn einige von ihnen erleuchtet sind (jene nämlich, die Antiquitätenhändlern gehören) scheinen Kulissen und werden von Hochzeitsreisenden, die mit schlanken Gondeln zu den Klängen der„Sercnata" an ihnen entlang gleiten, als solche denüht„-fiir jenen Akt, der zur Perspektive jedes Lustspiels und zur Exposition der meisten Tragödien gehört. Feinschmecker besuchen lieber die kleinen Rios und Calles hinter dem Kanal, die unten von zart geschwungenen kleinen Brücken, oben aber von bunter znm Trocknen ansgctzäng- ter Wäsche überspannt siitd; da kann man von hinten, in die Paläste hineinsehen und erfahren, daß in manchen zu Hundert taufenden aus Bronze kleine Abbildungen jener schlanke» Gondeln her- geftclit werden, die vorn vorübergleiien, und man kann sieauch als Tintenfaß benützen. Diese ganze Stadt mit dem Lchheln j:hi«s Feiertages, in der noch di« feucht« Wäsche über den Straßen wie festliches Gcflagge wirkt— wo ist hinter denr Lächeln ihr Herz? Wenn»kan von der Tanipjcrstaiion Bra- .,ora hinein in der Richtung nach Castello geht, so sind es noch dieselben kleinen Gäßchen nnd Kanäle wie auf der ganzen Riva degli Schiavoni, dieselben zerfressenen sterbenden knlissen- hasten Hinöerwände, aber sie warten auf ein anderes Stück, d«nn sie tragen andere Chiffren: „Evviva la Terza Internationale!“(„Es lebe die Tritte Internationale!") Zwischen diesen Stoßgebete» der äußersten Linken und der äußersten Rechten gibt es kleine Höfe, die wie der Friede selbst sind, wo für ewig alles schmerzvoll anfbegchrrnde Ungenügcn zu einem innerlichen Sclbstgenügen geschlichtet scheint. Wo auf warmen Steinplatten, zwischen denen Gras und Strandhafer wächst, schlafende ! Katzen liegen, gelbe und graue, und an den offenen Fenstern Holzgeräte hängen, die auS- ; sehen wie gestielte Tamboumn« und auf denen am Abend die Polenta zu Tisch getragen wird. .Ein einziger Feigenbaum lehnt an der halberfallenen Mauer und nur in einem besonders schön geschwungenen Fenster blüht«ine rosa Pelargonie. Niemand außer den Katzen ist in diesem schönen warmen Hofe, aber gleich nebenan in dem dunklen kühlen Haustor, wo es nach Jahrhunderte altem Moder, nach Schwcsel- wasserstoff und Abtritt riecht, spielen die blassen, mageren italienischen Kinder zu Nudeln um die Füße alter Weiber, die Glasperlen fassen. Andre Träitme als die Fata Morgana der Markusschönheil werden hier lebendig. Tie kaum metrrbreit«, dunkle Gaste ist zu Ende und du findest nicht zurück. Ein dunkler Torbogen läßt dich noch«iirmai«ittwischen. Aber der leere Platz, auf den du kommst, ist allseitig versperrt. Tann schleicht ein schmaler Fußpfad zwischen zwei fensterlosen Manern. Wird er je ins Freie führen? Das Vorst adwicrtel von Venedig ist ein Angsttraum. Der Pfad mündet in einen Steg, der die Mauer der Arsenale entlang führt, denn diese Mauer fällt in die Lagune, die große, breite Lagune, di« Venedig vom Festland trennt.' Hier ist der Blick weit, man sieht die Friedhossinsel Can Michele, wo Zypressen die weißen gotischen Spitzbogen der Umfriedung dunkelfarben wiederholen, die Glasins«! Murano, die Spiheninscl Torcello und blau zwischen helleren Wolken die Umrisse des Karst. Don, wo der graue Hangar von Mestre steht wie ein« hingeworfene Zigarrenschachtel, wird einmal, vielleicht bald, die große, moderne Hafenstadt sein, die, wi« es «inst Venedig tat, den Orient mit Italien verbinden wird. Hier also endet das alte Venedig. Diese eirdlose Maner, hiitter der die Massen, di« Maschinengewehr« und Kanonen einer übermütigen Militärmacht starren, ist sein Rücken, der letz!« mächtigste Prospekt. Auch diese Mauer ist einige hundert Jahre alt. Aus ihren Ritzen und Spalten wachsen kleine Gräser, wenn man näher zusicht, zwanzig verschieden« Arten von Grünem, solches mit dreieckigen, behaarten Blättchen, solches mit rhombischen, die rückwärts rot sind... unscheinbare, primitive Gewächse, die beginnen, das alte Gemäuer zu bearbeiten, wie ihresgleichen vor Jahrmillionen das Urgestein zu bearbeiten begann, ein junges Dasein, das mutig von vorn beginnt, wo das alte endet. Auf der Lagune stehen ungefüge schwarze Boot«, die nianikshoch beladen sind mit Mist, in-« Kohlsttünken, Papierfetzen, zerschlagenem Geschirr. All das wird hier versenkt in dieses tote stille Wasser, weithin ist der Boden bedeckt von diesen ausgedienten Resten täglichen Labens, man kann sie deutlich sehen, denn die Lagune ist hier sehr seicht. Ich habe selten Lebendigeres gesehen als dieses Leichcnseld schon bei Lebzeiten toter Dinge; aus alten Töpfen hervor, uittcr Kraulköpfen hervor, aus dem verwesenden Schlamm, von allen Seiten krieche» Krabben, große, rötlichweiße, wohlgenährte, achtfüßige .Krabben, kriechen, wie Krabben tun, nach der Seite, ans einander zu, packen eins das andere, mit den kräftigen hornigen Scheren— ist es ein Kamps, ist es Liebe? Unheimlich ist das Treiben dieser Tiere, die lange vor den Mensche» waren und die sich int Abfall menschlichen Lebens behaupten, die so kräftig und entschlossen über das Verwesende weg zur Seste gehen. „Sie müssen untkehrri^" sagt ein alter Italiener, der einen leeren Karren vor sich her- schiabt,„dort ist kein Ausgang," und geht weiter. Das ist die Stinnne aus deut Augsttraum. Etwas muß doch„dort" sein, wenn man einen so lairgcn, langen Steg di« Arsenalmauer entlang gebaut hat. Aber was'? Einen halben Kilometer wett— nichts als Mauer, Steg und Wasser. Tann tritt die Mauer zurück und schief an sie gefügt springen Betonplatten vor mit kleinen Oeffnungen, die wohl erst vor kurzem gebaut wilrden. lind da sind auch Baracken, eine ganze kleine Stadt primitiver, wie hstlgebauter Vier-Wände-mit-Tach. Tas sind die Kasematten, die man im Kriege gebaut hatte, als Unterstände für die Soldaten, wenn oben die österreichischen Kriegsschiffe kreuzten, und in di« man nach dem Kriege die Acrmsten der Stadt einquartiert har. Im Sommer glüht die Sonne auf diese Steinwüste und im Winter — den» Venedig hat einen Winter— gibt sie wenig Schutz gegen die Kälte. Und hier gibt I cs wirklich keinen Ausgang mehr. Diese Leut«! können zttr übrigen Welt nur über die«nvkvse Brück«. Diese Quartiere sind nicht einmal billig — achtzig Lire im Monat für di« Familie—- aber di« Wohnungsnot ist groß und kein Gesetz erlaubt dem Staat» die großen, leerstehenden Paläste an Obdachlose abzugeben. Und da firck wieder die alten Weiber, di«, unzählige Perlen auffaffen. Die Pcrlenfasserin-! nen sitzen auf ganz niedrigen Stühlen, fast auf der Erde,«in« große Holztasse mit einem Haufen• winziger Glasperlen liegt auf ihren Knien und in der Rechten hakten sie ein Dutzend langer, dünner Drähte, die jeder in einen Zwirnsfaden übergehen. Die Drähte tauchen sie in di« Perlen-, hausen und mit der Linken schieben sie die aus^ gespießten Perlen auf die Fäden. Bon dieser Arbeit haben fast alle entzündete Augen. Zwischen ihnen auf den Steinen spielen Kinder. Sie siitd blaß nnd mager, und es sind auffallend viele Berwachsen« unter ihnen. Ätzer sie sind frech, mutig; sie haben Sonn« und salzige Lust vom Meer«, und es sind ihrer so viel« wie Gräser an der Platter nnd Krabben in der Lagune. Bettler. Bon Marie Harder. Es sind ihrer immer dreißig oder vierzig.; Manchmal auch zehn weniger oder zwanzig, mehr. Hinter den starken Gittertüren des von! huitdcrt Jahren erbauten Untersuchungsgefäng-i nksses löffeln sie ihre dünne Suppe, die sic sonst! stehend in einem Hausflur oder sitzend auf einem" Treppenabsatz, selten auf einem Küchenstuhl, niesi an einem gedeckten Tisch, zu.essen gewohnt stnd.j Einige von ihnen mögen zwanzig Jahre gst sein, j mehr dreißig oder vierzig, nicht wenige sechzig! oder siebzig. Als ich sie das erst« Alal sah, fragt« ichz den Auffchrr, obc^eich ich es hätte selber wissen: müssen:„Was sollen die vielen Untersnchnngs-i gefangenen hier?" „Das sind Bettler, die gleich dem Amts-! richier vorgcführt werden," wußte mir der Mannt zu antworten. Und dann sah ich sie, immer;, zwei und zwei, die gewundene Treppe aus dem Kellergeschoß emporsteigen. Zerrissen und vcr-. hungert, in keinem Gesicht ein lebensfroher Zug,! fett vierundzwanzig oder achtundvierfig Stunden:! schon im Polizeigewahrsam. Manchmal auch be-i rcits«inen Tag länger. Und da di« Strafens in verschiedener Höhe verhängt werden, viel« sief schon durch di« erwähnte Dorhast verbüßt haben,! di«„Rückfälligen" aber ost«in paar Wochen iw. Haft bleiben müssen, so teilen sich ihre Wege», wen» sie die Wendeltreppe wieder abwärts stet»! gen. Die einen kötmen gleich in die„Freiheit"! wandent und finden vielleicht noch Zeit» sich fiiri die Nacht«in Lager oder ein Sttick Brot zu er»! betteln. Die anderen aber stcuen sich, weitn ihr, .Hemd einmal gewaschen wird und sie sich itt- einem Bett ausstrecken können, fei es auch härter als das bei„Mutter Grün". Nach der Haft schickt man sie wieder heim», ohne daß sie ein Heim besitzen. Die Alten, di«! sich lange schon Ruhe wünschen, und die Jungen, die gesunde Arm« haben,' für die es kein«, Arbeit gibt. Tausendfach ist ihre Zahl. In alle», Gefängnisse» löffeln sie ihre dünne Suppe und geben den Richtern Antwort und Auskunft über, dell Grund ihrer Betteleien. Nie werden sie-, wie, vor dein Kriege, einmal gefragt:„Und weshalb» haben Sie nicht gearbeitet?"... Sollte«iw Richter sich einmal in der Zeit irren mtd hem« diese Frage tun, es würde«in«inziger Schrei, der Entrüstung durch di« Gesängnisgitter sich brechrn. Arbeit?? Arbeit?!?!!... Sie ist gesucht wie Brot und Dach. fetteres vir ziehen. »ütfel-m i>ie Lange. Dienerin :l ^Derlei. Wörter gebildet zu ergänzendem Bokal und N'i« diese des- natürliche * Die Anwälte des HimmelS haben nur so- lang: Geltung, jo lange die Erde für die große Mehrzahl der Menschen ein Jammertal ist, und so laug« es gewiss« Herren für gut finden, aus der Dlmmheit der Massen Nutzen sür sich selbst zu Religion und Sitte verdienen ihren Namen nur insofern, als sie bei jedem Einzelnen ne» aus der inneren Gesinnung geboren werden, von Sybel. So kam cs, daß ein siÄberbärtigcr Beiler ganz kürzlich bei seiner Entlassung aus viertägiger Haft mit weinerlicher Stimme«inen Gesangnisinspelltor fragte:„Darf ich denn lvirk- lich nicht im GefängnissS bleiben, lieber Herr?" Der fehlende Vokal. bi be dor ge kre la Itz le log nwlz ui nie mer nist pard pi sot the vi zi. Aus vorstehenden Silben sollen dreisilbige tverden mit gleichlarrtenden^ Mikftlvokal. Wie heißt der heißen die Wörter? Aller Fortschritt ist trotz der Kirche vor sich gegangen und hat überall im umgekehrten Verhältnis zn ihrer Macht gestanden. Tb. B. Maeanlay. Aussprüche bürgerlicher Denker über Religion, Christentum und Kirche. Religionen sind Kinder der Unwissenheit, ihre Mutter nicht lange überleben. A. Schopenhauer. Man darf sicher sein, daß die Losung„Man muß Gott mehr gehorchen ,ais den Menschen" laut wurde und wird, wo es gilt,„von Glaubens wegen" einen Blödsinn oder eine Abscheulichkeit zu begehen.- Joh. Scherr. * Visitkartrn-Rätsel. Ludwig Büchner. * Das Christentum ist gepredigt worden, als Religion der Armen und Eleiüre», aber durch eine merkwürdige Dialektik der Geschichte ist es Zugleich ein« Lieblingsreligion derjenigen gewor- den, welche Armut und Elend für ein« ewige Ordnung Gottes halten und welchen halb so tvrhl gefüllt, weil sie di« Basis ihrer bevorzugten Stellung ist. Friedrich Albert * Dieft Religion, die offenbar ein« der Selbstsucht war, soll allerdings nrit der alten Zeit zugleich Grabe getragen werden.— Im geivöhniichen Leben und in einer tvohlge- ordneten Gesellschaft bedarf es der Religion durchaus nicht, um das Leben zu bilden, sondern es reich: für diesen Zweck die wahre Sittlichkeit vollkommen hin. I. G. Fichte. Durch Umstellen der Buchstaben ist der Beruf des Herrn zn crraieir. „Wunde Punkte" am menschlichen Körper. Welchrs ist die verwundbarste Stelle unseres Körpers, sozusagen unser« Achillesferse? Die Wijftnschast hat diese gefährliche Stelle natürlich längst festgeftellr, aber es ist verhääeuismäßig wenig an der Oberfläche bekannt. Das Jiu-Jitsu, die bekannte japanische Methode der Körperstählung und Kampffertigleit im Angriff.rud in der Verteidigung, ha: sich diese Kenntnis längst zunutze und zur Grundlage des Systems ge wacht. Danach ist eine der empfindlichsten Stel len de- menschlichen Körpers der Adamsapfel ! Sevanken-Splltter Sparsamkeit.„Hier schicke ich euch ein Bi.d unserer Zwillinge! Ich habe nur den einen pH»' logrophieren lasten; der andere sieht gerade so aus." Praktisch. Prinzipal(zum Lehrling, dem er acht Tage Urlaub gegeben hat):„So, dein Datei ist Landwirt? Na, toeim du wiederkommst, bring mir ein paar Gänsekiele fürs Büro mit. Aber ausrupfcn kann ich die selbst. Musik wird oft nicht schönempsundrn— weil meist sie mit Geräusch verbunden...„Was für ein JustrnmcM wünschen Die für Ihr« Tochter? Einen Flüge! oder ein Klavier?"—„Dos ist mir ganz gleich. Hanptsachc ist, daß man es zuschließen kamt." Der Zug lief in di« Station ein. Die nette junge Dame stand auf. Plötzlich hält der Zug nut eitlem Ruck.— Die nette junge Dame wird auf den jungen Mann geschleudert.—„Verzeihung!" stammelt sie.„Heißen Tank," strahlt er zurück. Widerspruch. Wenn eine Zeitung viel gehalten wird, dann geht sie. Gespräch in der Eh«.„Was hast du gestern abends in deinem Verein getan, Eduard?"— „Eine kluge Frau fragt niemals ihren Mann, was er gemacht hat."—„Aber ein kluger Mann fragt, wenn seine Frau—"—„O, meine Liebe, ein kluger Mann hat niemals eine Frau—" Ein Praktikus.„Wenn dn weißt, toer dein Auw gestohlen hat, ivanlm holst du cs dir nicht zurück?"— Di« Reisen waren schon recht sch'.echt und da toarte ich-loder, bis er neue gekauft hat." Wenn der Vater mit dem Sohne... Ein treubesorgtcr Vater führt seinen Sprößiing in den Klub und spendiert ein opulentes Mahl mit erlesenen Weinen. Nachdem man gegesten und getrunken hat, hält es der Herr Papa sür angebracht, einige pädagogische Weisheiten zum Nachtisch zu servieren.„Mache cs niemals diesem Herrn da hinten in der Ecke nach."— „Warum denn, Papa?"—„Weil er betrunken ist. Man tvciß in diesem Zustande nie, was man tut. Du schwankst, oekommst Ohrensausen, deine Hände zittern. Und statt der zwei Flaschen, die auf dem Tisch des Herrn da stehen, siehst du gleich deren vier..."—„Aber, Papa, ich sehe dort nur ein- Flasche stehen." Kind mit Blumen. Von Fritz Kaiser-Ilmenau. »Kaufen Sie Veilchen?" Halb zaghaft, halb bettelnd, flatterte das dünn« Stinnltchcn zn mir ans. Beinahe hätte ich es überhört im lärmenden Straßenverkehr. Mn schonte ich oin-schmales, blastes Kindergesicht, in dem di« Augen groß und leidend standen. Aus solchen Angen blickt« der Hunger, di« Rot, bittere?ioi. Es durchfuhr mich wie ein kalter Schauer. Die Angst saß in den Zügen des Kindes, die Angst, daß cs wieder abgewiejon werden könnte. Wie jo viel« Mal« vorher schon. Es b:e>ann bereits zu dunkeln in de» Straßen, und das Körbchen war fast noch voll und zn Haus« lauerte man jo sehr auf di« paar Groschen. „Natürlich kaufe ich Veilchen, mein Kind." „Es quoll mir aus dem zusamrueiigcschnür- ten Herzen in tiefem Mitgefühl. „Was koste« das Sträußchen?" Die bleichen Lippen stanmielten einen iä chcrlich niedrigen Preis. Ich stand beschämt. Darum batte ich gefragt?! Ats ob ich mit dem Pfennig rechnete oder handeln tvollre. Mo es mir wirklich nicht darauf ankam! Nur um des armen Kindes ivil- len. Und hätte das Sträußchen eine ganze Mark gekostet! Ich griff nach der Geldtasche. Ein Schimmer husch:« über die todernsten Züge des Kindes. „Eins oder zwei?" klang di« Stimme etwas holl«r. Ein Gedanke schoß mir durchs Hirn. Hier war«m gutes W«rk angebracht. „Wieviel Sträußchen hast du im ganzen?" Der Blick des Kindes zähle«, schätzte. Der Veilchenünff sti«g zu mir auf. „Dreißig." „Das wären drei Mark mein Kiick>." Ich sah in die Tasche. Ich han« nichts Einzelnes. „Hier, hast du fünf Mark!" Die großen Augen leuch:et«n mich an. In den todernsten Zügen stand jetzt di« Freude, und auf den bleichen Lippen zittert« ein leiser, fast schluchzender Dank. Ich nahmm eilten Hui vom Koos. Das Kind tat dir Sträußchen hinein rknd schied mff einem stammelnden, ehrsnrchtsvo len Gruß. Ich trug meine Veilchen im Arme wie ein Kleinod. Und wenn mein Blick daraus siel, da war es mir, blauten mich di« Augen des armen< Kindes an. Wie di« letztem Tauperlrn auf den Äfften, so hau« ihre Freude geglitzert. Ich habe sie nie vergcsten, diese Kindrraugen — diese glückliche Stund« in meinem Leben!. ein Druck mit beiden Dannirn an diese Stellen verursacht unerträgliche Schmerzen, und ein Schlag kann hier so verhängnisvoll jein, daß er dauernd die Sprechfähigkeit behindert und die Atmung und da- Kauen erschwert. Ein Dnick auf die schmalen Höhlen hinter di« Ohren und dm Hinteren Backenknochen ist ebenfalls außerordentlich schmerzhaft, da dieftr Druck aus be- stimulte Nervenstränge tvirkt. Ein Schlag mit dem Handrücken gegen di« Schläft oder gegen die Ohren kann sogar einen Cchädelbruch oder eine Gehirnerschütterung hcrbeisschren. Ruch Schläge mls den Nackenwirbel oder die Kinnspitze vermögen den Ted hcrbeizusühren durch die Zcrirüm- merung der oberen Rückenwirbel. Auch die Basis der Raft und insbcso»L:re das„Sepmin", der Vcrbittdungsteil zwischen den Nasenlöchern, gehört zu d:n„wuirdcn Punkten" des Körpers. Ein fester Druck ans das Bein, etwa eine Haud- brevr über dem Knie,«der an dem Unterarm in gleicher Entsernnng vom Ellbogen ist sehr schtncrzhasl, lveil dadurch ein Nervmstrang gegen die Knochen gedrückt wird. Das gleiche gilt von einem Schlag auf den Ellbogen, den sogenannten Musikanlenknochcu. Auch hier wird ein Sierv in Mitleidenschaft gezogen, Der den Unterarm kontrolliert und dcffeu Druck neben großen Schmerzen völlige Hilflosigkeit hcrbcifnhrl. Auflösungen der Rätsel aus der vorigen Nummer: Silbenrätsel: 1. Sambesi; 2. Oberon; 3. Bariton; 4. Advent; 5. Lorbeerbaum; 6. Diana; 7. Muselman; 8. Albatros; 9. Notizbuch; 10. Sara stro; 11. Persien; 12. Relativsatz; 13. Ilmenau; 14. Cherubim; 15. Troubadour; 16. Bürger; 17. Engenic; 18. Galizien.—„Sobald man spricht, beginnt man schon zu irren."