9lr. 24. ClnterQaltungdbeilage. 1926. Mu- der Walze ln Aegypten. An einen« Tage von 45 Grad Hitze saß ich iin Hose des Philanlropie Society Homes in der Sharia Tawaivinc in Kairo und besah meine Schuhe. Mich reizte die Frage, ob sie einen Marsch nach der Küste aushieltcn. Das Oberleder tvar gut, aber auf ein Klopfen ant- . tvorteie nicht der kräftige Ton einer ehrlichen Ledersohle, sondern es klang recht verdächtig weich und pappig. Ich stellte sie behutsinn neben niich und begann eine längere Denkübung. Daß ich gerade noch 7 Piaster in der Tasche hatte, wußte ich, ohne erst nachzuzählen. ferner tvar gewiß, daß rin längeres Arbeitsuche» nur ein frevles Spiel mit meinen Pappsohle» bedeutete. Bor vier Togen war ich im afrikanischen Paris ang.kommcn und von früh bis abends in jedes Geschäft hineingestürzt, das einen halbwegs europä- »'chen Anstrich hatte.„Maifisch"— es ist nichts, gibt nichts— sogen die Araber. Ich sagte cs auch. Kairo lebt von der Frcindeinndustric. Das Material zum Bearbeiten war aber jetzt, gegen Ende Scptcniber, noch nicht da, tveils noch zu heiß tvar. Folglich mußt« ich, wie schon in einigen anderen Ländern, wieder mal die Flucht zur Küste und zur rettenden christlichen Seefahrt antreten. Ich wischte mir den strömenden Schweiß aus dem Gesicht, und starrte trübselig auf ein« Gruppe schlafender Araber und Ltahen, mit denen sich ein Schwarm Fliegen beschäftigte. Das tvar ein Sinnbild ganz Kairos um diese Zeit. Die Söhne des Propheten rauchten, tranken Kaffee und schliefen und ließen als gute Moslemin Allah tvalten. Der schickte die Fremden, wenn er wollte. Bis dahin tvarcn nur dir Fliegen und die infernalische Hitze tvach, und das sehr. Also denn, morgen früh los! Aber vorher tvar noch eins zu tun, das, was mich hcrgctricbru hatte. Tort draußen ain Rande der Wüste standen die Pyramiden und die Sphinx, die mußte ich erst sehen. Es sind ztvei Wegstunden bis dahin, aber Wenns auch ztvanzig gewesen wären, ich wäre hingelaufen. Di« Sehnsucht dahin tvar achtzehn Jahr« alt. Sic entstand im Schulzimmer der dritte» Klasse, als der Lehrer zur ägyptische» Geschichte das große bunte Bild der Pyra- iniden hereinbrachte. Einmal dorthin kom- Doti 2Mur Heye. men, wo die stummetl Zeugen einer großartigen Vergangenheit standen! Wo die träu- mcnden Augen der Sphinx in die gelbe, bren- ilcude Wüste starrten, über die tvciße Winde hohe Sandsäulen trieben. Wo Palmenkronen sich wiegten, und die Welle»*<3 heiligen Nils silbern blitzten. Wie wenigen meiner Kameraden, die diese Sehnsucht teilten, wird cs vergönnt gewesen sein, sie zu erfüllen? Di« grauen Wand« der Fabriken hatten längst ihre Fcrnensehnsucht erstickt, die Sklavenkette des Kapitalismus sie an die Maschinen geschmiedet. Mich hatte die Sehnsucht nicht losgelassen, sie k-attc mich begleitet über die Ozeane, durch die Steppen, Prärien und Fclstngobirge. Jetzt tvars am Erfüllen! Ich tvollte hin, trotz Pappsohlen und 7 Piastern. Zehn Minuten später hatte ich bei einem englisch radebrechende» arabische» Polizisten di« Pyramiden-Tramway erfragt, und stiefelt los.„Geradeaus, rechts, daim links über den | Platz, rechts, daun links ustv." Nach ungefähr siinf Minuten hatte ich den Kurs verlor«» und nach einer halben Stunde hatte ich die Elektrische noch nicht gefunden. Da kam ein Herr mit krummen Beinen und einer ebensolchen Nase, aus-er ein Klemmer balancierte. Auf dem Kopfe ein Zylinder.„Spatz, ob iach spreche daitsch!"—„Bitte, wo ist die Pyramiden-Tramlvay?"— ,Mie haitzt Py- ramiden-Tramwah? Wenn Sie nix gehen herunter von de G'lcise, werden Se tverden totgefahren von ihr. Ta koninit sc!"—„O, ich danke schön!"— Jetzt schleuderte ich mein« langen Beine wie ein Reitkamel auf den Geleisen d.chin. Fahrgeld hatte ich ja nicht. Die Sonne meinte es außerordentlich gut, ich schwitzte wie im Kohlenbunker. Aber trotzdem gings im Geschwindenlarfch durch die vonr bunten, lärmenden Leben des Orients erfüllten Straßen und Gäßchen, immer der Elektrischen nach. Ich tvand niich.zwischen emsig trippelnden, glöckchcnklingclirden Eselchen hindurch, die einen würdigen Efstndi im roten Tar- busch oder einen bckorkhelmstn Fremden trugen, wich Kanielen aus, die mit förmlichen Schobern von Klee und Zuckerrohr bepackt durch die gefährlich engen Gäßchen schwankten, wie Schisst bei schtvcrem Seegang. Sie brauche» den Kahrdamm fast fiir sich allein und doch hat alles andere auch noch Platz. Trambahn, Wage», Autos, Esel, Ochsen, Schafe, Radfahrer und Fußgänger und noch alle die Handwerker die auf der Straße arbeiten, Schuster, Schneider, Schmiede usw., dazu ncunzig Prozent der übrigen Einwohner, die beim Nichtstun an den unzähligen Tischen der Cafös auf dem Damm sitzen. Wo eS noch einen zollbreiten Schatten gibt, liegt ein Schlafender oder hockt ein Dstnstmann in beschaulicher Ruhe. Bunt, seltsam fremd ist dieses Straßenleben. In fünf Mimiten kann man zehn Sprachen sprechen hören mW zwanzig Nationalitäten in ihren eigenartigen Trachten sehen. Araber, Berber, Nubier, Sudan ncger, Kopten, Türken, Hindus, Perser, Griechen, Jtalstner urw Spaniels Deutsche, Engländer und Französin. Die halbe Welt gibt sich hier ein Stelldichein. Ich tvand mich durch, wehrt« die Schwärme von Frucht-, Zigaretten-, Ansichtskarten- und Zeitungshändlern, Efeljungen, Droschkenkutschern und Fremdenführern ah, die all« von meinen sieben Piastern wußten, und erreichte schließlich die große Kasr-el-Nil-Brücke. Unten gurgelt« der Strom; nicht silbern zwar zog er dahin, sondern schmutzig-gelb, aber es war doch der alte, heilige Nil mit siinen Segelbooten, den hochragenden Palmen,- freundlichen Billen und weißschimmernden Moscheen an siinen Ustrn. Aber tveiter rannte ich, ich hatte achtzehn Jahre gewartet, jetzt wurden mir zwei Stunden zu lang. Auf der Brück« hatte ich Todesangst um meine Pappsohlen. Dst flammeirde Sonne hatte den Asphalt in einen klebrigen Teig verwandelt. Am Brückenkopsi überzeugte ich mich vom Rochvorhandeirscin meiner Schmerzenskinder und marschierte in die Borstadt tz-ckireh hinein. Hier ist's ganz arabisch. Ruinenhafte Häuser, dazwischen einmal ein Schutthaufen, Bretterhürteu, Höhlen und Löcher, in, auf und vor denen halbnackte Kinder und schmutzige Weiber in friedlicher Eintracht niit Hunden, Katzen, Hühnern, Esiln und Schafen wimmeln. Es ist schmutzig und stinkt schauderhaft in diesen Vierteln. Daun ging's wieder über eine Brücke, dst mich belehrte, daß Gczireh eine Jnsil ist und ich stand vor der großen Pyramidenstraße. Hier hatte ich noch einen harten Strauß mit einige» Droschkenkutscher» und Eseljun- o gen auszufechten, denen es ein Greuel war, daß ein gut gekleideter„Effendi" den weiten Weg zu Fuß machen wollte. Einer begleitete mich wohl eine Viertelstunde weit und sang eine wahre Hymne auf sein Grautier. Es war ein. Versuch am uugeeigr-wn Objekt. Vor mir leuchtete das tiefe ptte Grün der Felder. Das Wasser der unzähligen Kanäle blitzte im Sonnenschein, Mais- und Zucker- rohrfclder rauschten im Winde, aus anderen n>it Wasser bedeckten Flächen sah der Reis mit grüne» Spitzchen hervor. Vereinzelte Palmen in der weiten, lachenden Ebene, aus Nilschlamni geklitschte, braune Fellachcndörser und hohe, hölzerne Schöpfräder, Modell 4000 v. Ehr., gaben der Landschaft ihr typisch ägyptisches Gepräge. In de» Kanälen standen Kühe und Büffel, unbeweglich wie Klötze, und freuten sich über ihr« neue Schlammkruste, die sse vor den Fliegen schützte. Enten und Gänse, behütet von nackten Fellahkindern, machten Tauchübungen. Kamcw und Esel, auch einmal Kamel und Fcllahfrau, zogen den urzeitlichen hölzernen Pflugs über de» schwarzen, unerschöpflich reichen Boden. Sie ritzen ihn gerade ein wenig,«is Wasser des' heiligen Stronies und Mays Sonne werden das lveitere besorgen. Ueber dem ganzen freundlichen Bilde lachte ein prächtiger, tiefblauer Himmel, und ich, ich lachte mit und schritt mutig aus, dem Ziele meiner Sehnsucht zu. (Fortsetzung folgt.) Beug dich nicht! Vsn Cruek Ostravick*). Beuge dich zur Erde nicht. Folg mir, Bruder uirin, Denn das Herz von deinem Herrn Ist aus hartem Stein! Achtet deine Rechte nicht. Höret nicht dein Flchn; Beuge dich nicht jklavenhaft, Bruder, laß das gehn! Beug dich nicht, nach vorwärts schreit' .Deine eig'ne Bahn, Und wo Bruderhand dir winkt, Dorten schließ dich an! Eh' beim Herrn lakaienhaft Du dich speichelst ein. Lieber stirv— dein Name wird Dann gesegnet sein! Ueberfttzi von I. Reismann. *) C. D„ geboren 1869 in Friedek, gestorben 1912 in Cleveland in Amerika. Gelernter Schmied, zuletzt Redakteur der„Americke Tel- nicke Lisch" in Eleveloub. Fünf Fabeln. Bon Robert Louis Stevenson. Der Tenfel und der Schankwirt. Einstmals hielt sich der Teufel in einer schenke auf, wo ihn keiner kannte; denn dort verkehrten nur Leute, deren Erziehung vernachlässigt worden war. Er führte Böses im Schilde mid hatte«ine Zeitlang jeden bei den Ohren. Aber schließlich beobachtete der Wirt den Teufel Verstohlen und ertappte ihn auf frischer Tat. Und der Wirt holte«in Touevde. „Run werde ich dich dreschen!" rief der ' Wirt. „Du hast keinen Grund, über mich aufgebracht zu sein," entgegnete der T«nfek,„es liegt in meiner Ratnr, Böses zu tun." *„Stimmt das?" ftagte der Wlrt. „Tatsache, ich versichere cs dir," erwiderte der Teufel. „Du kannst cs wirklich nicht lassen, Böses zu tun?" fragte der Wirt nun. „Richt im mindesten," antwortete der Teufel.„Es würde«ine unnötige Grausamkeit sein, ein Wesen wie mich zu verdreschen." „Das würde es," sagt« der Wirt. Und«r machte«ine Schlinge und knüpfte den Teuscl auf. „So," sag!« der Wirt. Die Kaulquappe und der sl'rosch. „Schäm' dich," sagte der Frosch.„Damals, als ich eine Kaulquappe war, haikd ich keinen Schwanz." „Das dachte ich mir!" rief die Kaulquappe. „Du bist auch nie ein« Kaulquappe gewesen." Der Bürger und der Ressende. „Sehen Sie sich um," sagte der Bürger. „Das sst der größte Marktplatz der Welt." „O, keineswegs," versicherte der Reisende. „Run, vielleicht nicht der größte," sagte der Bürger,„aber bei weitem der beste." „Da haben Sie sicher Unrecht," entgegnete der Reisende.„Ich kann Ihnen sagen..." Und des Abends, in der Dämmerung, trugen sie den Fremden zu Grabe. Dio vier Reformer. Bier Reformer begegneten einander unter einem Dornbusch. Alle waren einig, daß die Welt geäickcrt werden müsse. „Wir müssen daS Eigentum abschaffen," sagte einer. „Wir müssen die Ehe abschassen, sagte der zweite. „Wir müssen Gott äbschaffen," sagte der dritte. „Ich wünschte, wkr könnten die Arbeit ab- fchassen," sagte der vierte. „Wir wollen doch nicht über die praktisch« Politik hinausgehen," sagte der erste. Zuerst müssen die Menschen auf rin gemein- sames Niveau gebracht werden. „Zuerst," sagt« der zweite,„muß den Geschlechtern die Freiheit gegeben werden." „Zuerst," sagt« der dritte,„müssen wir hcr- auskriegen, wie«s zu machen ist." „Zuerst," sagt« der erste,„muß die Bibel abgcschafft werden." „Zuerst," sagt« der zlveit«,„müssen dir Gesche abgeschafst werden." „Jurist," sagte der dritte,'„muß die ganze Menschheit abgcschafft werden." Buße. Ein Mann traf einen>vcinenden Knaben. „Warum weinst du?" ftagte er ihn. „Ich weine über meinr Sünden," sagte der Knabe. „Tu scheinst tvenig zu tun zu haben," entgegnete der Mann. Am folgenden Tage begegneten sie rmandrr wieder. Und wieder weinte der Knabe. „Warum weinst du jetzt?" ftagte der Mann. „Ich wein«, weil ich nichts zu essen habe," sagt« der Knabe. „Ich dach!« mir, daß es daPn kommen würde," erwiderte der Mann. Die Tänzerin. Bon H. W. Limmer. Beifallsbrüllen, Jubrljöhlen verständnisloser Massen. Nochmals erhebt sich der Vorhang, noch zweimal, dreimal... Ein Impresario schmunzelt geldgrsättigt und erkeimt sein Talent zum Kaufmann. Ein Direktor schreibt eifrig an seinvm Prolongationsvertrag und seufjt, daß ihm dicftr unerwartete Erfolg einige blaue Lappen mehr kostet. Die Bühn« ist ein lebender Blumengarten. Und drinnen steht, umdustct und strahlend wie eine leibhaftige Blütcnfre— die Tänzerin. Sie lacht und dankt, sie dankt und lacht... Keiner hat es bemerkt, wie sie schmerze» füllt rin« Eeknndenspanne lang an di« Brisst gegrssfcn... Und wenn es einer gesehen, dann hat«r verächtlich di« Schultern gezuckt und von Künstlerinncnpose gesprochen... Warum ich tanze, warum ich lache? Weil ich muß... Wenn ich es hcnie nicht tue, dann schwemmt morgen der kalte Fluß eine Lcich« an sein Ufer... Wenn ich heute nicht Selt trink« und Männersinne verwirre, dmm denke ich... Denke ich nicht? Ist mein ganzer wirbelnder Tanz nicht ein einziger Schrei nach ihm, dem Treulosen,-em ui« zu vergessenden Gc- liebten? Leb« ich noch oder rase ich nur? Im Weinfalon wird der Künstlertifch gedeckt... Ma« trinkt, brüllt, johl«, lacht. Und Wünsche werden wach, abrr nur bei den anderen... Und am nächsten Abend wieder... Biellvicht wieder«in Stich, der so schmerzt wie der Giftpfeil eines Indianers Wenn er nur tötet«! Aber er brennt nur, brennt... Als die Rot starb. Bon Hans Wintert. Eie Ivar schon recht alt und gebrechlich, die liebe Rot, und ftit die Menschen immer freier und glücklicher wurden, begann sie auch griesgrämig zu werden.„DaS waren noch Zeiten," dachte sie, wenn sie über schöne Plätze und durch grüne Gärten humpelt^„alS hier noch di« grauen, baufälligen Häuser standen, in deren Ecken alte Weiblein bettelnd kauerten." Wenn sie über Brücken wankte, schmerzte sie die Leer« bei den Pfeilern, denn hier lagen und standen einst junge, verkrüppelte Menschen, die di«! Stümpfe ihrer Arme bittend nach den Borüber- gchcndcn ausftrcckten. Selbst die Breit« der Straßen tat dem grauen Weibe weh. Sie dachte an die engen, dumpfen Gassen, durch die Menschen mit Rassem Angesicht gingen und sehnsüchtig auf zum Himmel sahen, der wie rin schmales, blaues Band über der Enge hing. Ja, damals war die Rot Herrscherin. Ucberall sah mau ihre Wahrzeichen. Reckte sich wo«in Prachtbau in die blaueir Lüste und schallte ftöhcS Lachen aus ihm, so stand gleich daneben«in graueS Haus, in dessen Gängen modrige Lust lag und aus dem man nur Seufzer und verhaltenes Murren vernahm. Die Notl war ein« Riesin, deren Odem schloer auf de» Städten lastete, dir Ebenen und Täler füllte und selbst bis auf di« Berge stieg. Sir war nicht bösartig, di« liebe Not. Sie kam zn jedem, ohne Wahl, ja, sie liebte die Menschen ehrlich, aus chre Art. Daß diese di« 8 Liebe peinigen- empfanden, war nicht-ihre Schuld. Sic herrsch!« neben Kaisern und Königen, mächtiger und ausdauernder als diese. Als längst die goldenen Throne unter den Sturmwogen der Zeit begraben lagen, stand ihr grauer noch aufrecht und sic saß darauf, unbeugsam und unerbittlich... Da kam ein lauer Hauch über die Berge, strich über Städte und Heiden und sang leise Von Dingen, die noch in blauen Fernen lagen. Die Not hörte den Gesang mit arideren Gefühlen als die Menschen. Hoffnungsvoll hoben diese ihr Angesicht, ihr« Augen blitzten und ihre Hände regten sich freier als vor dem bei ihren Werken. Es lag in der Luft, als müsse nun ewiger Frühling kommen. Für di« Not aber war der Gesang giftiger Hauch, der ihre Lungen beklemmte. Die Menschen begannen Häuser zn baue», licht und hoch für alle gleich, und ein graner Ries« vrrschwaird nach dem andern in dem Licht. So oft«in grünes Bäumchen hoch von einem Webel grüßte, war es der Rot, als schwinde rin Stück von ihrem Leib. Sie schrumpf!« zusammen, immer mehr und mehr, je größer die lichten Oasen in den weiten Hänserwüsten wurden. So war die Not ein'altes, schwaches Weiblein geworden, das sich kaum noch mrf den Beinen halten' konnte, und doch trieb sie die Sehnsucht nach den Menschen immer wieder nach. Stätten, wo sie«inst geherrscht. Jeder Gang war ein Kreuzweg für sie. Fremd war sie den Menschen geworden. Alle sahen das verhutzelt« Wciblein erstaunt an, nur die Allerältesten konnte ir sich erinnern, daß es einmal viel« solcher Mütterchen gegeben habe. So kam es, daß die Welt die Not nimm«r freute mid sie sich zum Sterben hinlrgt«. Es war ein schöner Tag. Schwalben sangen in den blauen Lüften und durch die breiten Straßen wogten frohe Menschen. Sie feierten den fünfzigsten Jahrestag der Erfüllung aller Dinge, die«inst in blauen Fernen lagen. In ihrer kleinen Stube, auf hartem Lager, lag die Not. Sonnensäden rieselten durch das Fenster und spielten mit den Runzeln der Alten. Draußen schritt ein Arbeiter, einer vom denen, die di« Not«inst am meisten geliebt hmtr, mit Weib und Kindern zum Feste der Erfüllung. Als sie hell aufjubelt«», schloß die Rot für immer die Angen. In de» Lüften lag ewiger Frühling. Lesebuchstücke. Aus dem Spanischen des Gomez BaSro h Cordova. Di« Rechnung ohne Gott. Jacinto Baladola war«in eiftiger Diener Gottes. Zn jeder Tagesstunde gedachte er seines Wohltäters und schickte tiefempfunden« Dankgebet« zum Himmel. Denn sein Autorsen trug reiche Frücht«. Und um die Erntezeit tat er viel« klingende Pesetas in feinen rnnsänglichen Beutel. Pcdro Eftaftnada, Jacinto BaladoiaS Nachbar, war rin Unchrfft. Er lebte in den Tag hinein, ohne Gott für sein« Wohltaten zn danken. Trotzdem trug auch sein nach vielen Joch zAssendcs Besitztum reiche Frücht«. Und um die Erntezeit, wenn die Handelsleute ins Land kamen, tat rr viele klingende Pesetas in seine Truhe. Eines Tages bekommt Pcdro Estasenada den Besuch seines frommen Nachbarn. Jacinto Baladola. Als sie sich zn Tische setzt«», fragt der Gast Pedro Estasenada, den U-nheiligen, ob er dir Ursache wisse, warum di« Felder mit jedem Jahr« reicher« Früchte trügen. Pedro Estasenada denkt eine Weile nach, weiß aber keine Antwort auf di« sonderbare Frage feines Nachbarn. „Ich werde rS dir sagen,-, beginnt der eifrige Diener Gottes, Jacinto Baladola. ,Hch bet« unermüdlich zn Gott, daß er meine mühevolle Arbeit lohne. Und Gott erhört m«ine Gebete. Und weil ich zu jeder Tagesstunde für seine Wohltaten danke, erweist sich Gott, der Allbarmhrrzige auch seinerseits zn jeder Tagesstunde dankbar. Und darum traget» die Felder nrft jedem Jahr« reichere Früchte." Pedro Estasenada, der Heide, kraut sich das spärliche Haar. Daim ftagt er: „Sag' mir, Jacinto Baladola, wie konmtt es, daß auch meine Felder mir jedem Jahr« reicher« Früchte tragen— und ich bete nie...!" Aber Jacinto Baladola, der fromme Diener Gottes, wird nicht verlegen u-nd antwortet ohne zu zaudern: „Pcdro Estasenada, deine Felder tragen deshalb reiche Früchte, weil ich dich in meine Gc- bete cinschlirße. Tenn ks«nügt, wenn einer Gott gefällig ist...* Das verstand Pedro Estasenada. TaS nächste Jähr bracht« eine arge Mißernte. Diesmal kam Pedro Estasenada zn Jacinto Baladola und fragt«: „Warum, glaubst du, Jacinto Baladola, Diener Gottes, wurde uns heuer«in« solche Mißernte beschirden? Hast du nicht gebetet?" „Das werde rch dir gleich sagen!" gab dieser wütend zur Antwort.„Gott hat>ms heuer eine solche Mißeritt« beschert, weil dn nicht betest, weil dn em Heide bist..." „Aber," meinte Pedro Estasenada,„sagtest du nicht, daß es genügt, wenn einer Gott gc- füllig fft?«' x „Ja, das sagte ich, Pcdro Estajerrada. Aber ich vergab dir zu sagen, daß sich der Alkbarmherzige sür deine Gottlosigkeit eines Tages au mir rächen wird— denn es genügt, wenn einer seiner Wohltat«» vergißt! Und wie kounne gerade ich dazu, für deine Schuld zu büßen...?,!" Der unsterbliche Dichter. In Barcelona lebte rin großer Dichter. Was er schrieb, war Erlebnis. Und er erlebt« viel, denn er war imurer hungrig und durstig. Als er eines Tages wieder seine letzten Erlebnisse in poetischer Gewandung zum besten gab, meinte einer aus der hettepxn Tischrundr: „Tu mußt«Mich etwas Außerordentliches schaffen, damit drin Name unsterblich wird!" Der Dichter, gewohnt, feine Schöpfungen zu erleben, beschloß, das Außerordentliche zu schassen, das ihn unsterblich mache» sollte. Und ging hin und starb. „Oh, wie schlau!" sagten die Wissenden. Der Unbestechliche. Am Tajo lebte«in Pater, der allen Recht sprach, die ihn als Richter anriefcn. Den» er war weise und gerecht wie keiner. Und anßcr- dcur wurde er immer älter und älter. Was bekanntlich weiser und weiser macht. Eines Tagls«nrbramtt« zwischen zur«! Bauern ein heftiger Streit darüber, wer die umgelcgte Umfriedung, die zwischen di« beiden Besitztümer einen deutlichen Trennungsstrich zog, wieder instand zu setzen hätte. Als die Streitfrage trotz unermüdlicher Beweisführung beiderseits k«nr Entscheidung erfuhr, beschlossen ( die beiden Parteien, den wessen Pater als Richter anzurufen. Der Pater erttschied zugunsten desjenigen, . der ihm ein Bündel buntbemalter Scheine in die Hand gedrückt hatte. Auf dem Heimweg meinte der Geschlagene:- „Der Pater sst«in SchwiMer! Ich habe es deutlich gesehen, wie du ihm Geld zugesteckt hast. Darum entschied er zu deinen Gunsten!" „Dn irrst!" sagte der andere.„Der Pater ist«in weiser und gerechter Mann. Er urteilt ohne Wischen der Persönlichkeit.... Das waren« keine Banknoten— das war ein Bündel Heiligenbilder!" Das brachte den Zweifler zum Schweigen, denn er erkannte, daß d:r Pater ein wahrhaft gerechter und unbestechlicher Mann fei. Und es hätte nicht viel gefehlt, daß der Pater hekliggesprochen worden wäre. Denn keiner wußte, daß der Wesse Gottesdiener ein bißchen schwach auf den Augen war. Der Kläger als Richter. G In der Provinz Salamanca lebte ein armer Handwerker. Sein Rachbar war eint reicher Gutsbesitzer, der im Zeitalter des Faustrechts zu leben^aubte. Darum ohrfeigte er eines Tages den ahnungslosen Handwerker, als dieser für geforderte Arbeit den ausbedungrnent Lohn verlangt«. Der Handwerker verklagte denl Gutsbesitzer. Der Richter war aber ein Freund! des Reichen und verurteilte den Angeklagten zur ratenweisen Zahlung einer Summe, die gegen-' über dem vereinbarten Preis auf die HAfktz reduziert wurde. Di« Tilgung der Schuld erstreckte-er Richter auf vierunlqwanzig Monate. Der Handwerker hörte das Urteil! und sagtet „Wozu diese Umstände? So lange kann ich nicht warten!" Und gab dem Gutsbesitzer dagleiche Quantum Ohrfeigen zurück.„Ist das nicht einfacher«ttö bequemer... Jetzt kann er das Geld behalten— und wir find»ns Handelseins!" Der Feigling. Ein Kätzchen war auf der Nucht Vor ein««! Hundcmeute in die Mtten des Guadalquivir gestürzt und ertrank. „Wie mutig von dem armen Tierchen!" sagten die Umstehenden teilnahmsvoll und waren gerührt. Einige Zeit später stürzt« sich«ine verhärmte Gestalt auf der Flucht vor-em Hunger in die Fluten dcS Guadalquivir. Und ertrank. ,MAch ein Feigling!" sagten die Um- stehenden, und lehrten der Unfallstelle den Rücken. Mare Aurel: Ich hab« in meinem langen Loben unter wechselvollen Schicksalen die ganze Nichtigkeit des Irdischen. und di« Nichtswürdigkeit der Menschen erkannt, aber nie darüber vergessen^ in der Menschheit selbst«inen göttlichen Funken, ein erhabenes Etwas anzustaunen und zu verehren. Larochesoucauld: Es ist schtvcr zu sagen, was Liebe sst. Rur dies weiß man von ihr: in der Seele sst sie Leideisschaft zn herrschen, im Beistände Sym-i palhic, im Körper ein versteckter, geheimnisvoller! Drang, Al besitz/>, was man liebt. Karl Gutzkow: Der gebildetste Mensch ist derjenige, der«u der Schule des Lebens die meist« GelegenheA geftlndcn hat, sich selbst zu überwinde». A „Wieviel Konsuln hatte die römische Republik?" examiniert« di« Magistreusc. Em reizender Backfisch,-er die Frage bc- antivorten soll, ist so verwirrt, das; ihm selbst das nicht rinsallen will. Das hübsche Mädel- chcn wird röter und röter. Schon zuck« es weinerlich um den Mund. Der al« Geheimrat, -er selbst Töchter hat, bekommt Miflcidsrcguii- gen und greift freundlich lächelnd ei». „W-tnn ich Sie, liebes Kind, einmal väterlich in jede Ihrer runden Backe» kneifen würde, dann wär« Ihnen die Zahl fühlbar geworden! Also wieviel Konsuln hatte die altrömische Ber- saffung?" „Bier!" antwortete strahlend die freudig Erlös«. * Ach war durch einen Freund bei einer distingiiicrlrn Soiree des Berliner Westes ringeführt. Es hatte an Herren gemangelt nir die zahlreichen, meist älteren Jahrgänge lix- rarisch.'r Damen. Die Dame des Hauses dankte mir a>lfs liebenswürdigste für mein Einspringen. »Haben Sie einen besonderen Wunsch bei Tisch?" fragte sie mich mit gewinnendstem Charme. Ich tvar sehr gerührt und macht« als Gourmand keine Mördergrube aus meinem Magen. „Aber, gnädige Frau, tvenn ich so frei sein darf, bitte nur junges Gemüse! Meine Lcib- speif« ist Kalbfleisch mit Gänsebrust!" Ich werde nie den empörten Mick dieser Tain« vergessen>md ihr brüskes Atdrehen. Ich erhielt zwei fünsnndsicbzigjährige pensionierle Gehcimratswittven als Tischnachbarinnen. Heiteres amerlei OtfitfeKtfe. Schalter wieder und enifernt sich. Die bewacht von mißen ihren Fnnfmark- Eudlich erscheint der Beamt« wieder und water dem Arm— sein Sitzkissen. Wor- An einer höheren Töchterschule hielt der Herr Obcrschulrat Visitation. Es wird Bcr- saffnuaAgejchicht« geprüft. ge krr— kcr— lie— me es nun gelungen, auch bei den Landps.anzen diese Fähigkeit Werden d'e Rährsalze in dünnen die Blattrberjlächr gespritzt oder werden sie allmählich aüfgesaugt Pflanze genau so verwertet, als tvenn sic von ter Wurzel aufgenommen wären. Daß in diesem Falle die Blätter öas Geschäft der Wurzeln übernehmen, zeigt ein Versuch ganz eindeutig. Kultiviert man ztvei Kürbispflanzrn in stick- stoffrciern Beden und bestreicht man die Blätter ter. einen Pflanze regelmäßig mit der Lösung t«Ki geeigneten Stickftoffsalzcs, so wächst dir Auflösungen der Rätsel aus der vorigen Nummer: Msitkartenrätsel; Klavierbauer. * Der fehlende Vokal: o. Kreosot, Leonie, Biomalz, Leopard, Theodor, Niobe, Geolog, Zionist« Biela, Pionier, y Rahrungsausnahme durch Blätter. Seit langem ist cs bekannt, daß die Wasserpflanzen mir Hilfe ihrer Blattobcrfläche Nahrungsstoffe aus drin Basser oufnchmen. Neuerdings ist Blättern der nachznweiscii. Lösungen auf gepinselt, so und von der Lieber Amplicissimus. Im Hauptpostamt Frankfurt am Main steht eine kleine Dame an einem Schalter mit ciirer Zählkarte. Es hängt das Schild„Geschlafen" daran, aber die Mittagspause war um,»ich es mußte bal- geöffnet werden. Tatsächlich dauerte es auch nicht lange, es erschcint der Beamte, legt Federhalter, Stempel und sonstiges Handwerkszeug in die anscheinend von der Dicnstordnrmg vorgeschriebene Lage, öffnet seinen Schalter, erkundigt sich nach dem Begehren der Dame und nimmt Zählkarte und Geld an sich. Doch funktioniert der Apparat noch nicht. Er sagt:„Entschuldigen Sic einen Augenblick, ich muß noch etwas holen," schließt seinen Dame schein. bringt auf dsc amtliche Funktion begann. Silbenrätsel. Aus den Silben: an— big— druck— din dus—«l— er— fal— ga— galt— — gcl— ho— ho— in— innS— ke— mö— na— nach o— o— o— pack— reiz— sand— fe — se— stein— Icl— Ihie— ti— tri bilde man 16 Wörter folgender Bedeutung: 1. Ucbcr- nachtungsstätte; 2. Allgermanische Gottheit; 3. Heilmethode; 4. Teil eines Hauses; 5. Pilzart; 0. Gestcinsart; 7. Fluß in Indien; 8. Teil des Kopfes; 9. Singvogel; 10. Chemiker; 11. Stadt in Tirol; 12. Weiblicher Vorname; 13, Kahenartiges Raubtier; 14. Schlaginstrument; 15. Bekannte Uhrenmarke; 16. Raubvogel.— Die Anfangs- und dritten Buchstaben dieser Wörter, nacheinander von oben nach unten gelesen, nennen uns ein beachtenswertes Zitat, (ch gilt dabei als ein Buchstabe.) * Abftrichrätfri. Weide, Sage, Geist, Derby, Grund, Wohlan, Gelehrter, Dürer, Saal, Luke, Dinar, Gage, Fa;, Baum, Asbest, Egon, Kehle, Kurt.— An jedem dieser Wörter sind zwei aurcinandcrfol.- g.'nd Buchstaben zu streichen. Die Wortrest« ergeben, in derselben Reihenfolge gelesen, ein Sprichwort. so behandelte Pflanze kräftig Hera», währenü di« ander« natürlich vollständig verkümmert. In der fr«ien Natur hat allerdings diese Fähigkit der Blätter, gelöste Stoffe aufzunrhmen, nur geringe Bedeutmig— etwa Aufnahme der im Rcgenwasser gelösten Stoffe. Aber im Pflanzenbau könnte sie doch noch Bedeutung erhalten, so vielleicht bei der Behandlmrg er- krankter Pflanzen. Der gewaltigste Brückenbau der Welt. Der stark anwachsendc Verkehr vmr der Manhattan- Insel über den Hudson hat die Pläne über den gewaltigsten Brückenbau der Weit reisen lassen, der wahrhaft gigantische Ausnioß« Vorsicht. Scho» bisher bat NewPort ungeheure Brücken, besonders die Hängebrücke über den East River, di« sogenannte Brvoklynbrücke, di« die größte Hängebrücke der Welt ist, eine Länge von 1850 Meter hat und eine Höhe von% 41 Meter über dem Wasserspiegel. Achnlich wic diese Brooklynbrücke soll auch di« neu« Forthlcebrücke werden. Nach Mitteilungen der New Porter Hafcnbc- hördc werden di« großen Pfeiler eine Höhe von ungefähr 24V Meter aufweisen, sic werd«« also die größten Steinbauten der Welt darstellen, die bisher die Brückenpfeiler der sogenannten Washingwnbrück« über den Hudson waren und eine Höhe von 73 Meter haben. Wem« man im Vergleich dazu die Riescnwolkenkratzcr New Ports nennt, wie B. das Woorworthgebäude mit eincr Höhe von 250 Meter oder den Mctro- polwolkeickratzer mit einer Höhe von 230 Meter, so sieht man, daß die Brückenpfeiler der neuen Brück« ungefähr in glcichcr Höhe mit diesen beiden gewaltigen Gebäuden sein dürsten. Die Spannweite zwischen-en beiden Hauptpfcilern Wird allein 1200 Meter betragen, also bereits größer sein, als ein großer Teil der größten Brücken der Welt. Di« Höhe der Brücke ist gleichfalls den andern Maßen entsprechend. Man hat darauf Wert gelegt, schon in den Plänen eine solche Höhe festzustellen, daß sie geeignet sind, di« größten Schiffe der Welt paffieren zu lassen. Bisher hatte die Manhattanbrücke von allen amerikanischen Brücken die größt« Breite mit 122 Fuß. Di« neue Brücke wird doppelt so breit sein. Wenn man dazu den BerkchrS- raum der elektrischen Züge rechnet, so wird sic eine Breit« von 282 Fuß haben. Di« Baukosten dieses ungeheuerlichen Ingenienttoerkes sind aus 50 Millionen Dollar berechnet. Die kleine Feldmaus. Anmitten der verregneten Felder lernte der l»nge Mensch sie femtcn, die klein« Feldmaus. Grau verhangen war der Himmel, di« Luft schwerer Waffeckunst, der als Wand« von feuchten Schleiern stand. Die Fußw<;qe waren «ufgeweicht vom Regen. In drei«» Wagenspuren rann schmutziges Wager so fliak unbehende, als ob es sich um tausendmal verkleinerte Flußläufe handle mit ihrem Wcgzicl »ach dem Meer«. Sie trug«in WcizenAre in der Schnauze, die k!«ine Feldmaus. Ans dem Felde jenseits der Wagenspur crtvartcten sie ihre Kinder. Aber wie soll« sie zu ihnen gelangen, Aengstlich rannt« sie hin und her, nm «ine schmal« Stell« zur Ueberqucrung ausfindig zu machen. Doch die Wagenräder waren von runder Gleichheit gewesen, hatten das Erdreich lies «ingedrückt und in der Spur rann das Wasser Die Maus sah keinen Ausweg, aber sie halt« »in Ziel, darum sprang sie in das Wäger, um »s zu durchschwimmen. Mit bebenden Flanken erreicht« sie einen Erdklumpen, eine Lehminsel, «in Eiland der Errettung für die klein« Mause- muklcr. Dbivohl Angst die Augen weitete, stand ihr Blick unverwandt nach dem Feld, jenseits der ztvciten Radspur. Ais das Zittern kaum aus dem Körper war, stürzte sie sich in die ztveite Waffcrrinne. Ein Erdklumpen, auf dem sie landen wollte, trieb ab, sie geriet in einen Strudel, gab aber die Weizenähr« nicht preis. Ein Raubtier, das in Lebensgefahr gerät, wirft di« Beut« von sich, di« kleine Fc.üniaus jedoch seht« sich mtt ihrem Leben für Vic Paar Körner dcr Weizenähre«in Da kam in den jungen Menschen das Verstehen. Er sah den Kampf und fühlte die Bc- drohuug, die auch sein Leben stündlich uui- laucrle. Ihm kamen die Gedanken an die Stadt, diesen Behälter der schalen Lust für geldbeuielstraffe Menschen, dieses zermalmende Ungeheuer für die gehetzten Menschen,-ie sich nur ihr Stückchen täglich Brot sorgen. Er, selbst solche unsichere Existenz, fühlte ettvas Wesens- verwandtes mit dem kämpfenden Tier. Behutsam erfaßt« er die Maus und setzt« sie auf das Feldstück, das Ziel ihrer Sehnsucht. Husch, war die Fei-maus verschwunden. Glück in den Augen, die Weixnähre in der Schnauze, kam sic zu ihren Kinder». Die, stets ans dem Ausguck, ganz lauggezogen von Hunger «nd Envartung, waren überglücklich. Gierig fielen sic Lb:r die Weizenähr« her, hell horchten sic auf die Erzähiun-er Mutter. Und da beging die kleine Feldmaus den größten Fehler ihres Lebens, denn sie schloß ihren Fahrienbericht mit den Worten:„Alle Menschen sind gut." Erna Büsing.