3lr. LS.«nterhattnnssvettage. 1926. Auf der Warze in Aegypten. ES ist«in angenehmes Laufen int Schatten dieser großen alten Bcbbachbäume. Links neben der Straße saust die Pyramiden-Elek- trische auf ihrem Bahnkörper dahin, auf der Straße selbst herrscht ein buntes, reges Leben. Equipagen mit wundervollen arabischen Pferden bespannt, rollen vorüber, hochbeladene Kamele schunkeln in ihrem gemütlichen Paßgang dahin, auf kleinen Esel« reiten Fellah- bauern, vor sich einen Korb mit Feldfrüch. teil, hinter sich oftmals noch einen Jungen Alles trägt der Graue, und findet trotz der Last noch Mut zu allerhand Kapriolen. Dann die Frauen der ganz Armen, einen Korb mit Eiern oder Butter auf dem Kopfe, einen Sprößling im Brusttuch« oder rittlings auf der Achsel, einen anderen an der Hand. Diese Aermsten der Arnren machen keine Kapriolen; harte Arbeit, schmal« Kost und die im Islam wurzelnde schlechte Behandlung von feiten ihrer Männer beugen die zierlichen, schlanken Gestalten vorzeitig und machen den Blick ihrer großen duicklen Arlgen in den sanften Gesichtern stumpf und matt.„Die Fellahsrau trägt auf beiden Schultern das Elend, und auf der einen noch ein Kind", sagt das ava- hische Sprichwort und hat sehr recht. Hinter mir lag Kairo, Masr-el-5kahira, „die Siegreiche", wie sie die Araber nennen. Funkeln«! Sonnenschein lag auf den weißen Häusermassen, die Kuppeln der Moscheen blitzten und hoch über der Stadt schimmerten die Mauern der Zitadelle in goldenem Bronzeton. Weiter ging's, ich Passierte an der Straße ein Schloß des Bizekönigs, etwas weiter hinauf lag das Grabmal eines Marabuts, eines mohammedanischen Heiligen. Im Grün versteckt lag es einsam träumend. Seine tveißen Manern und die rote Kuppel leuchteten zwi- schc» Palmen und Sykomoren hervor,-vier muß cs sich gut schlafen, nach langer, heißer Erdentvandernng. Bon hier ab ging die Straße schnurgerade aus und dahinten am Rande der lang:» dunkelgrüne» Baumallce standen die Pyra- nriden. Roch hing der bläuliche Schimmer der Ferne um ihr« riesigen Formen, über, der Spitz.' der großen Cheopspyramide stand die Sonne und vergoldete ihren Gipfel. Es tvar noch tveit und nicht mehr lange Tag. So schritt ich dem« noch rascher aus, unbe- kümmett um das fremdartige Leben auf der Von 2Mnr Heye. Straße, den Blick gerichtet auf die riesigen Dreiecke am Horizont und zur sinkenden Sonne hin. So greifbar näh« rückten die Kolosse mit jeder Bürtelstunde, und doch erreicht« ich si« nicht. Da winselte plötzlich eine Stimme aus dein Graben rechts an der Straße. Oben stand ein Araber mit einem Esel und lacht« hinunter. Ich wollte vorüber, aber plötzlich verstand ich einige Worte, die mich doch fest- y.cltcn.„Awwer nee, goddverdinimich, das iS doch ä bißchen schdark. Ich gunime wahrhaftig»ich Widder hoch. Ach, fchbrcchen Sie vielleicht peitsch, bester Herr?" Da»Men krabbelte ein Männchen auf allen Bieren herum. Er trug eine Staubbrille und hatte eine unbedeckte Glatze und benrühte sich vergebens, wieder auf die Beine zu kommen.„Was ift los?"„Sprichst du englisch? Warum hilsst du dem Herrn nicht?" schnauzte ich den Esel- jungen an.„Well, Sir, ihm sehr viel besoffen und fallen zehn Male herunter, nicht von mein Esel, jondern von anderes Boys eins, was ist fort nun. Ihm besser schlafen«in bißchen, bei besoffen, nix reiten. Ich komme wieder nach kleine Zeit" Der Kerl sprang wirklich auf seinen Esel und galoppierte fort und unten winselte mein unglückseliger Lands- n>ann. Er«nachte ganz merkwürdige Bewe- gungen, ungefähr wie eine Schildkröte, die auf den Rucken gefallen ist. Ich stieg hinunter und half ihm auf. ,Ich du grien« Reine, iS das a Jammer, wonn m'r nischt verdragen kann! Ich hawwe sa ohm im Männehause änne Bull« Wein godrunken un nu hamm'r de Bescherung. Ich tvar so end- zickt von den Biramiden— mei Eseljunge, das Schindludcr is mir ooch fortgcloofcn, jetzt mutz ich Se als Landsmann schon» bitten, daß Se mir Widder in de Schdadd'nein Helsen. Sc sind doch so freundlich, nich?" Die ganze komische Figur, die weinerliche Stimme und mein lange nicht gehörter heimatlicher Dialekt hier im ägyptischen Straßengraben, das alles auf einmal war fast zu viel, um den Ernst bewahren zu können. Aber ich wollte das Männchen N'cht kränken und verbß mir das Lachen. Er stand kaum, als er auch schon wieder zusammensank. Oben standen mehrere Araber und sahen lachend uns beiden zu. Schließlich bracht« ich ihn aber doch hinauf, stülpte ihm (1. Fortsetzung.) den verlorenen Korkhelm aus, wandt« sein Angesicht gen Kairo und setzte ihn durch einen gelinden Schubs in Bewegung, ungefähr, wie man einen Motor erst ankurbeln muß, eh« er läuft. Und siehe da, einmal in Bewegung, ging das Laufen ganz leidlich. Er steuert« in einer sanften Schlangenlinie der Stadt zu. Hoffentlich ist er in«inen Nilkanal gefallen. Weiter rannte ich, denn die Sonne sank rasch, schon flammte der Wüstenstreifen am Horizont in rotbraunem Feuer, durch die Gewässer zogen Pupurbahnen und vor mir türmten sich die gewaltigen Bauwerke, glühend in einem liefen, blauvioletten Lichte, wie von innen heraus erleuchtet» geheimnisvoll und zauberhaft, wie magische Zeichen, von Riesenfäusten der Borzeit an den Horizont geschrieben. Da begann ich einen Wettlauf mit der Sonn«. In langen Sätzen saust« ich unter den Bäumen dahln. Hinauf, ehe die Sonne sank! Denn morgen mutzte ich fort und kam nie wieder! Mit gesenktem Kopfe fegte ich an den Merkchen und Tieren vorüber, unbekümmert um alles. Wollte denn die endlose Banmveihe nie aufhören? Da war die Straße plötzlich zu Ende. An dem schon hell erleuchteten Menahouse-Hotel vorbei stürmte ich di« steil ansteigende Rampe hinauf. Als ich den Fuß auf das Felsplateau setzte, rückte die ungeheure rotglühende Scheibe unter den Horizont, ein purpurglühendes Leuchten fiog um den verwitterten Gipfel der Cheopspyramide, taucht« ihn in Blut wild Feuer, klomm blitzschnell hoch am letzten Steine und verflog in dein dunkler und dunkler werdenden tiefen Blau des Himmels. Boni Osten kroch di« Nacht herauf und warf neidisch ihren dunklen Mantel über die Riesen. Ich stand und schaute, stumm und starr, überwältig: von der ungeheuren. wuchtig ernster! Größe die'er Bauten und der Schönheit dieser Farben. Eine Minute nur batte ich sie gesehen, aber dafür im Prunkgewandc des Sonnenunterganges. Ein uralter, gehcimnisvcller Hauch»vvhte mir den! ersten Raunen des Abendwindes von ihren dunkeltürmcnden Massen herüber. Dann zündete der Himmel hund-erttausend tveitze, blitzende Lampen an. Ihr Licht glitt an den stummen Kolossen hernieder, weht« nm das verstümmelt« Haupt der Sphinx und flog hinaus m die unelldüchen, schweigenden — 2— Emödeir der Wüste. Schinnnernd, sternen- glanzübcrwoben streckte» sich die verdursteten, m Todesruhe erstarrten Fläche» unter dem strichelnde» Himincl. Ich war allein hier oben und war froh darüb«. Die Tagcstourister» waren längst heim und für Mondscheinbosttcher warS noch pr früh. So setzte ich mich auf einen d« Blöcke, die verfluchte Hände von der Verkleidung des Cheops riesen herabgerissen habe», «nd träumte«ne knappe Weile. Bon anreisengleich winimclndcu Sklavenscharcn, die Steine schleppten und türmten, harten, finstern Auf- schern mir NilpserdPeitschen, hiroglypherr- vrützigcn Jsispriestorn in Weißen, lvallenden Vewändern und dem in steinern« Ruhe lächelnden, kupserrötlichen Gesicht des Pha- «ar8 Chefren mit der goidenrrr Königsschlange «m die Srirn und dem heilige» Skarabäus «uf d« Brüste En Traum, der, viertausend Zah« Kl rück, einmal Wirklichkeit tvar. Da stapften Schritte im Sande. Ein Araber Ruh, blieb vov- mir stehen und brannte sich eine Zigarette an. Beim Schein des Zündholzes sah« mich an.„Good everüng! Do you spoak English, Sir? Brarr- che» Sie einen Führer? Ich bin konzeffio- wert. Hier meine Numm«, siribermndvierzig. Ich stelle Sie zufrieden, und mache es billig!" ,M«ll, mein Junge," sagte ich ruhig,„ich gebe dir den guten Rat, deine Zeit nicht mit mir zu vnkererr. Ich bin kein Tourist, sondern ein arnrer Teufel und besitze genau sieben Piaster. Die brauche ich morgen, um Brot zu kaufen. ES ist also durchaus kein Geschäft mit mir zrr»rochen."—„Sie, ich führe Ge für drei Schilling. iSe sollen alles sehen. Ich werde—"„Swpp, ich sagte dir schon, daß ich keine drei Schilling habe. Die Sache ist für nrich erledigt Letzt geh', bitte," sagte ich kurz und wandte mich ab. Aber er ließ sich nicht so leicht abschütteln.„Sir, hier oben gibts allerlei Gesindel. Alan wird Sie belästige»; ich wäre arrch mit zwei Schilling zufrieden!"»Letzt sage ich dir mein letztes Wort," antwortete ich ärgerlich,„ich habe hier einen französischen Frank, den sollst du habe», keinen Millicm mehr. Bist du einverstanden. Aber keine lange Rede, sondern ja oder nein*„Es ist Jein Geschäft," brummte«, ,x>ber ja. Lome on!" Jetzt begann im Finstern eine Sand- waterei und Stvinkletterri, die durcharrs nicht angenehm war. Er erklärte nur die Bauarr der Pyramiden, ihr Alt« und ihre Erbauer, zeigte nrir den arrs dem Sande gegrabene» Sphinxtenrpel, allerdings nur von oben, und führte mich an die Sphinx. Meinen eigene» Gedanken nachzuhängen, blieb mir bei fernem Wortschwall nicht Zeit. Manches, was er mir sagte, tvar nrir doch noch unbekannt; einen Frank war es immerhin wert. Schließlich waren wir ringsherum gelaufen, aber ich hatte nicht viel gesehen, dafür sorgte die Dunkelheit. Da ftagtc er rrnvermitteti:„Sind Sie Amerikaner, Sir?"„Nein, Deutscher." —„O, das freut mich sehr. Ich habe vor drei Jahren einen Deutschen gesuhlt; er hat sehr gut bezahlt und schickt nur jedes Jahr ein Geschenk und schreibt oft. Er heißt Hain- tis."„Wie?" fragte ich.—„Haiiltis."— Ein merkwürdiger Name für einen Deutschen. (Fortsetzung folgt.) Dem Arbeiter. Du sollst stolzer durch die Straßen gehen, denn aus deines Ledens tiefstem Sinn wird die Erde einstens auferstehen, Feuer werden in die Sterne wehe» wie Gericht, wie Tod und Urhegnrn. Deine Hände, die den Hauimer schwingen, werden kälter, härter noch als Stahl in die götterlojen Himmel dringen «nd das Gold von seinem Throne zwinge», daß es jäh orbleicht vor deiner Qual... Deine Hände, das sind Marmorstusen, die uns aufwärts aus dem kleinen Traum dieser Menschen, die sich Götter schufen, ihnen ihre Schwäche zuzurufen, aufwärts tragen in den Weltenraum... Mit den schweren, dunklen Arbeit-Händen und d« Seele, die wie Feuer brennt, schreibst du zwischen beide Himmelsenden, daß es leucht« wie von Sternenbränden: »Freiheit"...„Freiheit" in das Firmament... Edmund Finke. Das Mabchenhaar und das Massengrab. Bon Rax Barthel. Der Grenadier Karl Haas voür Regiment 121 fuhr an einem Frühiingsabend aus dem Urlaub in die Front zurück. Zehn Tage lang hatte er dH. Freiheit schöner Tage und Nächte «lebt/:zehn Tage lang waren dir kleinen Wolke» am Himmel unschuldig und nicht Gewölk zer- platzender Schroppnrlls, zehn lange Tage konnte man aufrecht durch die Straßen gehen, kein Granaten überfall donnerte in den Frieden, dir Manschen lebten menschlich in wohlgeordnete» Zimmern mit Stühlen, Betten, Tischen, Bildern, Schränken und D:ppichen. Es gab kaltes Wasser, halbe Fensterscheiben, wehende Gardinen, schöne Musik, Blumen, lachende Mädchen, ernste Frauen und spielende Kinder. Wie goldene Äugeln tanzten diese zehn Tage vorüber. Auch die Nächte waren voller Süße. Am letzten Urlaubsiage hatte d« Soldat, als«r am Flusse spazierte, ein Begräbnis erlebt. Der Friedhof lag nahe am Wasser, und Karl stieg, als die Glocken läuteten, nach den Gräbern, schloß sich unbewußt dem kleinen Zuge der Männer und Frauen an, die nach dem Grabe wandelte«. Karl kannte den Toten nichts er kannte nur den Tod, den Cchiitzengrabentvd, den Schlachtentod und konnte es zuerst gar nicht fassen, daß eines einzigen Menschen wegen soviel Trauer sei, soviel Glocken geläutet»nd soviel Kränze gebunden wurden. Noch ehe die Männ« und Frauen ihren Toten begraben harten, verließ der Soldat die Trauergcmeinde, lief wieder planlos nach dem Flusse zurück und dacht« an das Leben, dachte an seine Geliebte. Tas Mädchen, das ihn sehr liebte, war noch jung und hieß Elsa. Als nun der Abend kam und die letzte Umarmung und den allerletzten Seufzer, als die bittere Abschirds- stuude schlug, da weinte das Mädchen. „Ach," Nagte sie,„wann kommst du wieder? Könnte ich dich festhalt«»! Könnte ich dich unlösbar mit dem Lebe» verbmden!" Karl hatte, als das Mädchen so klagte, di« Hand in ihrem Haar. Und als er die große Trauer der Geliebten sah und ihr« Re!« hörte, da zuckt« sein Mund, da zuckt« seine Hand und riß einige Haar« aus der vollen Krone. Elsa schrie leis« auf, aber Karl lachte. „Du kannst es", sagt« er,„int kannst mich an das Leben binden. Mit deinem Haar bindest du mich fest, bis ich wiedcrkomme! Und ich komm« wieder zu dir. Ich komme." „Du kommst wieder", sagte das Mädchen ganz befreit,„ja, und mit meinem Haar binde ich dich fest. An mich. An das Leben."— An all das dachte der Grenadier, den der Zug durch di« linde Nacht an di« Front bracht«. Am nächsten Tage war«r in Frankreich. Die ersten zerschossenen Häuser und Dörfer tauchten auf, armselige Trümmerhaufen, verwüstete Felder. Und an den Wage» und an den Dörfern lagen Vie!« Gräber. Solüatengräber, deutsche und französische. Das Regiment 181 lag in den Argonnen. Einen Tag, bevor Karl Haas in di« Stellung kam, hatte das Bataillon gestürmt, der Kampf ging um die„Tote Tochter", einem verdorrten Höhenzug im Meurijsontal. Nun lag der kahle Höhenzug grausig im grellen Licht, die Gräben waren eingeebnet, dir Gräber für di« Gefallene» waren schon geschaufelt. Karl Haas kam gerade noch zur rechten Zeit, um aus den zerschossenen Unterständen und Sappen mit anderen Kameraden die Toten zu bergen und in Zeltbahnen in das Tal zu schleppen. Zwciundstebzig Soldaten vom Bataillon wurden an dem einen Tage begraben. Karl mutzte^ als er die Toten schleppt«, an das Begräbnis in d«r Hcimai denken, an die hilflos« Trau« der kleinen Gemeinde, an die Glok- ken, an den schönen, friedlichen Tag, an die Kränze und an die vielen Blumen. Unbegreiflich schien ihm jetzt jenes Begräbnis, das so feierlich war wie das letzte Kapitel eines gelebten Roman«-. Dann sah er das Massengrab und die zlvei« undsiebzig Toten vor sich, die vou den Maschinen des Ärirges^graufam zu gerichtet und nur noch blutiges Fleisch, zerstückelt« Glieder und eine einzige Metzelei waren. Für die zweimidsiebzig Manu vom 121. Re- gimon-t wurde ein einziges Grab geschaufelt. Ein Massengrab. Da lagen sie nun, einer neben dem ander«, blusig verkrampft oder puppenhaft starr,«ine wohlausgerichtete Reihe, damit der himmlische Feldtvebel beim letzte» Appell sein« Freud« habe. Die Soldaten aber, die ihre Brüder begruben, hatten kein« Freude daran. Auch an diesem Grabe wurde gesungen. ES läuteten aber keine anderen Glocken als die einer fernen Schlacht bei Berdnn. Karl Haas, vonr schönen Leben in der Heimat an den Abgrund des Todes gestellt, wollte verzweifeln. Da erinnerte er sich, als die ersten Schollen dumpf aus die Toten fielen, daß er mit dem Leben unlösbar durch daS Haar seiner Liebsten verbunden war. Und da jammerten ihn die Gefallenen, deren Mädchen umsonst auf Frieden und Heimkehr hofften. Damit aber die Toten ein letzter Gruß des Lebens berühre, die unzerreißbar« Kette an die Quell» allen Daseins, an die Geliebten und die Frauen, ihren kalten Leib streife, darum nahm der Grenadier Karl Haas das zart« Papier, zwischen dem das seidene Haar seiner Freundin ruhte und ließ es in das Dlossengrab fallen, einige Strähne Licktes vom ewigen Feuer der Welt. Aussprüche bürgerlicher Denker über Religion, Christentum und Kirche. Knrchenzwang kann keinen Menschen bilden. F. Th. Bischer. * Ueber des Menschen sittliche Würde entscheidet nicht, was er glaubt. H.* Trrilschke. * Die Geistlichkeit war von je«ine Stütze der Macht und mußte eS sein. Ihre gÄdene Zeit siel immer in di« Gefangenschaft des menschL- chen Geistes. Friedrich v. Schiller, j 8 Ich packe den Galgen an der Gurgel. Bon Paul K«ri. Paul Köri, einer der glänzendsten ungarischen Journalisten, hat sich in der Revolutionszeit zum überzeugten Svzickldenuckratcn ruü> opsrrmutigen Revolutionär entwickelt. Er mußte seine Wandlung zum Höheren entsetzlich büßen: ohne de» Schatten eines Beweises wurde er wegen angeblicher Teillnahnl« mi der Ernwrdung Stephan Tiszas zum Tode durch den Strang verurteilt. Drei Jahre saß er, in Ketten geschlagen, im Angesicht des Todes, in Horthys Gcsängnis, von wo ihn die Anstauschaktion-er Sowjetregierung errettete. Diese düstere Zeit steigt in der erschütternden Skizze, mit künstlerischer Kraft gestaltet, empor. So im Frühjahr tvurüen wir schon zeitlich bei Tagesanbrckch hinausgetrieben für je eine Halde Stunde.„Zunr Spaziergang!" schnarrt« und dröhnt« durch-i« vcrschlosseire Stille die wichtigtuerische, dnmmvcrruch!« Stimme und Schlüssel rasselten und der Reihe nach sprangen die Türen ans. Fünf Uhr morgens im Frühjahr. Beißend frisch strahlte die schräge Sonne. Wie im richtige» Stallvieh oder in den Kellergcwächjen steigen bei Berührung des Frühlingsmorgcns in uns Kräfte, Säfte und Gelüste ans, rin objektloses, überflüssiges Leben. Wind und Sonne wuschen mrf einmal ans unseren Zinsen den Geruch des erwachende» Kerkers, des soeben verrichteten„Kübelns", den Gestank der 9iot- dnrftkübel, mit denen wir, etwa hundert» der Reihe nach zu demselben scheußlichen Trog traten, nur sie zu entleeren. Wie durch ein Wunder siel plötzlich von uns dieser gewohnte Gestank ab, der, wie alles im Kerker, mit einem fäucrlichcn Ekel behaftet ist, und wir atmeten den berauschenden Frühliugsmorgen. Aber das Stallvich wirb zumindest geschlachtet und darum hinausgetrieben; wir.dagcgeir werden das strotzende Leben nach einer halbe» Stunde in die Hoffnungslosigkeit zuriicktragen, in di« schlaffe Oed« der grausamweißen vier Wände der Zellengruft, die das Leben nur zum Hohn besucht... Wir kreisen ans dem Weg um eine grasbewachsene Runde, einzeln, im Gänsemarsch. Wir beeilen nnS, als hätten wir etwas zu tun, «in Ziel, das wir erreichen müsse». Die Kranken selten es nicht aus, sie stellen sich mit Er- kanbnis beiseite... Neber uns ziehen krei- schende Krähen und ihr Flug verdüstert de» Himmel. Eine Legion Krähen, vielleicht mehrer« Tausend. Jeden Morgen, genau um diese Zeit, machen sie sich von den Bäumen des benachbarten Friedhofs auf, wo sic nfften, und fahren hinein in die Stadt, zum Tagewerk. Bei Son- ueminiergang, immer genait um dieselbe Zeit, kehren sie aus der Stadt von der Arbeit zurück, mir wolkenverfcheuchendem Flügelschlag, mit abscheulich keifendem Kreischen helfen sie der Sonne untergehen... Auch der Zeisig ist da auf der kahlen Tamariske; ürcht den Kopf gleichmütig rechts und links, als säße er nur aus Langeweile dort; glaubt er alle Feinde gründlich getäuscht zu haben, so hüpft er plötzlich um einige Zweige herab und verschwindet in einem Loch. Im Schnabel hat er einen Flaum, schon wird das verborgene Rest gebaut. Aber Mieze, meine Freundin, die in unvorsichtiger Dummheit auch jetzt unter meinem Fenster heult, weil ich ihr im geheimen oft Essen gab, kauert schon und rekbt sich am Busch, wartet gespannt, wann das t«r kleinen Stad». Da er sehr schwer einschläft, genehmigt er vor dem Zubettgehen einige Grogs- die auch die gewünschte Wirkung habe». Kaum hat er ober eine Viertelstunde geschlafen als«S heftig an die Tür klopft. Erschrocken fährt Wohlgemut auf.„Was ist los?" —„Ihr Gepäck ist gekomnien. Soll ich's rauf bringen?"—„Nein, lassen Sie es nur bis uwrgen früh unten stehen."— Nach einer Stunde schläft Wohlgemut«Mich wieder ein, aber Göhlich donnert es aufs neu« an der Tür.„Was ist beim jetzt wieder los, zum Donnerwetter?"— „Ich wollt« bloß sagen, daß cs gar nicht Ihr Gepäck gewesen ist!" Kurt kommt zu spät jur Schule und der Lehrer fragt nach dem Grunde der Verspätung. „Da hatte rin Herr'ne Mark fallen lassen, und beim Suchen kamen so'n« Atenge Menschen, daß rin ganz großer Auflauf um uns rum war, und krit'-er wollte weitergehen, eh die Mark wieder da war."—„Na, und was ging dich das an?"—„Ich stand ja auf der Mark." Die Flieg«. Wenn ein« Fliege in ein Bierglas fällt: Der Engländer gießt das Bier weg. der Deutsche entfernt die Fliege und trinkt das Bier, ü.r Russe trinkt Fliege und Bier zusammen, der Chinese ißt zurrst di« Flieg« und trinkt dann das Bier. I eine, daß sein Freund sich in ein weibliches Kostüm hüllte.„WaS machen Sie denn?" ~ fragte er verwundert.„ES ist ein Sturni im Anzug," entgegnete der andere,„und wenn»vir da Schiffbruch erleiden, werden Frauen und Kinder zuerst gerettet." Ein alt» Einbrecher erhält nach erfolgter Verurteilung eine dreijährige Bewährungsfrist. Zu seinen Komplizen zurückgekehrt und auf deren Befragen, ob er sich bei einer neuen Sache beteiligen möchte, erklärt er: Minder, es geht beim besten Willen nicht, ich lebe jetzt unter Ge- schästsausiicht." Hygiene. In Wien gab cS eine Hygiene- Ausstellung. Alle Trams, die das Ansstellungr- gclände passieren, haben innen Plakate:„Hy- giene-Ausstellung". In einem Wagen, der au» „die entern Gründ" kommt, sitzen zwei Frauen und betrachten der Reihe nach die Ankündigungen, mit denen die Fenster eines Wiener Tramwagen fast ganz verklebt sind.„Was ist denn dös— Hygiene?" fragt schließlich die eine gedankenvoll.—„No, waaßt net... wann mer in die Tram spuckt!" Auf dem Ausfichtsturm. Führer:„Sehe» Sie einmal dort ganz scharf hin! Erkenne» Sie da einen feinen Weißen Punkt am Himmel?".— Tourist:„Nein."— Führer:„Das ist der Monte Rosa!" »ötfel-etfe.— Kreuzworträtsel. Wag recht: 1. Angehöriger einer politischen Partei. 7. Dichtungsart. 8. Englischer Untertan. 9. Mädchenname. 11. Fabriksstadt in Deutschland. 12. Italienischer Notenname. 13. Flöchcu- maß. 14. Stadt in Tirol. 17. Gut« Eigenschaft. 20. Fascistischer Gruß. 21. Mädchenname. 22. Werktätiger Mensch.— Senkrecht: 1. Frauen« gestalt aus einem Epos Goethes. 2. Knaben- naure. 3. Hoiriggetränk. 4. Mädchenname. 5. Körperteil. 6. Stadt in Neurumänirn. 10. See in Asien. II. Eigenschaft mancher Wein«. 15. Musikstück von Häudci. 16. Ferment zur Käsebereitung. 18. BerotungSkörperfchaft. IS. Ab» schirdsgruß. Auflösungen der Rätsel aus der vorigen Rümmer: Silbenrätsel. 1. Hotel: 2. Tdin; 3. Homöe- paihi«: 4. Erker; 5 Reizker; 6. Sandstein; 7. Indus: 8. Rase; 9. Nachtigall; 10. Lieb- big; II. Innsbruck; 12. Else; 13. Gepard: 11. Triangel: 15. Omega; 16. Falke.—„Hoher Sinn liegt ost im kind'scheu Spiel." * Abstrichrätsel. Wcildes, Ssagse, tG.)ist, Dcrlby),(Gesund, Wohbsau), Gelehrter), D(ür)er,(Sa)al, L(nk)e, Din(ar), G(ag)e, (Fe)>(Ba)um,(As-best, E(go)n, Keh(le), (Ku)rt.—„Weis« ist der und wohlgelehrt, dec alle Ding« zum Besten kchrt." Gipftl liegen nur wemge Hunde« Meter unter dem Wasser/ laufend Kilometer südwestlich von .den Kanarischen Insekt. Was befindet sich auf tat siebentausend Kilometer breiten Streift» Erziehung. Tante:„Hier hast du rin Stück Kuchen. Karlchen. Nun, was muß nian da sagen?"— Karl:„Ich mochte, bitte, noch eins haben!" Der vorsichtige Passagier. Zwei Kaufleute, die zusammen über den Ozean fuhren, hatten gemeinsam eine Kabine. Am Abend sah der