Nr. 107. Abomumtnts-Kediilgungtii: Abonnements- Preis pränuinerando: «icrteljährl. 3L0 Mb, monall. 1,10 SJtt., Ivöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer 5 Pf«. TonntagS- Siummer mit illustrirter TonnIagS- Beilag«.Die Neue Welt" lO Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Uugarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheink lüglich auger Lloulag». Vevliner VolksblÄkt. 14. Jalfrs. Die Insertions-Kebühr beträgt für die fechSgefpallene Kolonel- zeils oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzsigen, fowie ArbettSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Srpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« ä Uhr »vrmillag« geöffnet. Zernfprecher:»ml I, Nr. ISOS. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Serlin". Zentvalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19, Mettty-Straße 2. Expedition: 8V. 19. Meuth-Strnße S. Die Forde ruugrn füv die Kietilleeie. 44 Millionen und 372 742 Mark werden im Nach- tragsetat für die Verwaltimg des Reichsheeres gefordert die Verwaltung des unter dem Titel: Zur Schaffung einer Re s e r v e an A r t i l l c r i e in a t e r i a l. Die Begründung, welche die Regierung für ihre Forderung giebt, ist überaus bündig:„Das Material der Feldartillcrie ist seit 1874 im Gc- brauch; es war für die Verwendung von Schivarzpulver ton- strnirt und hat sich hierfür vorzüglich bewährt. Seit der Ein führnng des rauchschivachcn Pulvers ist der Verbrauch des Materials erheblich gestiegen, so daß ein erhöhter Ersatz nolh- wendig wird." Natürlich sind jene 44 Millionen nicht die Gesammtsuuune, welche die Erneuerung des Artilleriematcrials kosten wird. Sie bilden nur die erste Rate, die das steuerzahlende Volk ailf dem„Altar des Vaterlandes" niederlegen soll. Kolossale Summen müssen in den nächsten Jahren folgen. Die Regierung wird um dieser Forderungen willen keine Schwierigkeiten mit dem Reichstag haben. Während sonst militärische Forderungen auch bei einigen der bürgerlichen Parteirichtungen auf Widerwillen stoßen und von Jahr zu Jahr mühsamer durchgesetzt werden können, ist fast der ganze Reichstag darin einig, diese Ansprüche für die Artillerie gut »»heißen. Da muß man fragen: Unterscheidet s i ch denn diese Militärsorderung von anderen Militärsorder n n ge»? Seit dem 1870/71 er Kriege hat die Infanterie mehr inals Neubewaffnungen erlebt. Das Geschützsystem ist seit Anfang der 70er Jahre bis heute dasselbe geblieben. Nicht als ob die Waffentechnik auf diesem Gebiete nicht ebenso wie auf jenem fortwährende Fortschritte gemacht hätte. Die Feindschaft zwischen den Staaten nährt hunderte von Artillerietechnikern, welche ihres Geistes Kraft unablässig auf die Konstruktion neuerer,„besserer", d. h. mörderischerer Geschütze und verderblicherer Geschosse richten müssen. Aber einestheils ist eine völlige Erneuerung der Artillerie überaus kostspielig, so daß jeder Staat sich so lange zu beHelsen sucht, als er irgend kann. Audereir theils giebt es kaum eine Sicherheit, daß nicht in dem Moment, wo ein Staat seine neue Artillerie fertiggestellt hat, der„böse Nachbar" ein noch„vollkommeneres" System in An- griff nimmt. Diese Umstände führten dahin, daß die Stimmen derjenigen militärischen„Sachverständigen", welche schon seil langem eine völlige Neugestaltung der Artillerie verlangten, nicht durchdrangen, daß man sich mit Adaptirungeu begnügte. Jetzt jedoch soll es so nicht mehr weiter gehen. Jetzt „muß endlich was ordentliches geschehen"! Zwar spricht die Begründung zum Etat nur von dem gestiegenen Material verbrauch durch das rauchlose Pulver. Ader es ist ein offenes Geheimjiiß, daß in verschiedenen staatlichen und privaten Waffenfabriken Geschütze fertiggestellt worden sind, welche die bisherigen bedeutend übertreffen, und daß eben dieser Umstai es ist, der diesseits wie jenseits der Vogesen zu eifersüchtig Beobachtung geführt hat: Wer wird anfangen? Gewiß, vom technischen Standpunkte mögen die deutschen Kanonen„nicht mehr auf der Höhe der Zeit" stehen. Aber das ist nicht blos mit den deutschen der Fall, sondern ebenso mit den französischen, den österreichischen, den russischen. Seit eineni Jahrzehnt hat man in den Artilleriewerk- stätten probirt, in den militärischen Zeitschriften diskutirt, wie das„Znkunftsfeldgeschntz" beschaffen sein. soll. Das Schlagwort lautete: Es soll ein Schnellfeuer- g c s ch ü tz sein. Mau dachte dabei wohl au eine Geschnykonstruktion, welche sich zum bisherigen Geschütz ver- hallen würde wie das Magazingewehr zum Einlader. Welche„herrliche Idee" wäre es doch, wenn nian den Feind mit Dutzenden und Hunderten von Schüssen ans einem Kanonenschlunde überschütten könnte. Das waren allerdings sehr phantastische Vorstellungen. Die Schwierig- keitcn für den Techniker, um die Schußzahl auch nur um Ge- ringcs zu erhöhen, waren außerordentlich groß. Ein schnell feuerndes Geschütz konnte keine wirkungskrästigen des Geschützes, also um so langsamer das Feuer. Dazu kam, daß bei Verwendung von Geschossen geringeren Gewichts der Einschlageort schwierig zu bestimmen ist, so daß das Ein- schießen erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wird. So kühlte sich die ansänglicheBegeisterung für klcinkalibrige, möglichst schnellseucrndc Geschütze allmälig wieder ab und die Techniker suchten die verschiedenen Momente: Schwere und Geschwindig- kcit des Geschosses, Wirkungskraft, Feuergeschwindigkeit, so gegen einander ausgleichen, daß ein Vorsprung gegenüber dem bisherigen Stande dieser Dinge gewonnen wurde. Be- sonders handelte es sich dabei um die Konstruktion der Vor- richtungen an der Lafette, durch welche der Rücklauf mög- lichst vermindert werden sollte. Unendlich viel Scharssinn— wahrlich besserer Gegenstän/de würdig!— ist ans diese Dinge verwendet worden. Jeder keit angeblich auf 10 Schuß in der Minute gesteigert werden kann. Diese Geschütze sowie die artilleristischen Neuerungen Rußlands werden jetzt von den„Patrioten" als Wauwau hingestellt, ans daß der deutsche Niichel alles ge- dnldig und gern bewillige, was eine fürsorgliche Regierung von ihm verlaugt. Und so komnit es denn auch, daß alle bürgerlichen Parteien bereit sind, diese Forde- rnngeu zu bewilligen. Das ausschlaggebende Wort ist: Wir dürfen uns nicht überholen lassen! Wir dürfen unsere Soldaten nicht mit miuderwerthigem Geschütz- Material in den Krieg schicken! Erst nachdem es sicher wurde, daß die Vorlage im deutschen Reichstage erscheinen würde, hat sich der sranzösischc Ober- krirgsrath ebenfalls für die Neugestaltung des Materials der französischen Feldartillerie ausgesprochen. Und was Ruß- land betrifft, so übertreibt man seine Pläne außerordentlich,- es denkt nicht an eine Neugestaltung der Artillerie, es will lediglich Veränderungen am Rohr und an der Lafette vor- nehmen, die, wie von autoritativer Seite dargestellt wird, nur geringe 5tosten verursachen. Gehen aber Deutschland und Frankreich auf dieser Bahn voran, so werden andere Staaten alsbald nachfolgen müssen. In O e st e r r e i ch haben die artilleristischen Anstalten schon seit Jahren wirkungsfähigere Geschütze konstruirt, aber man dachte nicht daran, sie wirklich einzuführen. Jetzt„ist die öffentliche Meinung einig", daß man nicht hinter den Nach- baren„zurückstehen" darf. In Ländern, deren arbeitende Massen darben und halb verhungern, werde» Schnell- feucrgeschütze gebaut und Shrapnells hergestellt werden! Und wenn die neuen Geschütze fertig sind— was ist dann erreicht? Kann dann„lieb Vaterland ruhig sein?" Weit gefehlt. Nachdem das große Werk vollbracht, nachdem das Volt wiederum ungeheure Summen aufgebracht,— dann sind wir noch genau aus demselben Punkt wie zuvor! Keinen Schritt sind wir„den Feinden" zuvor ge- kommen. Es ist alles beim alten. Die Techniker beginnen ihre Sisyphusarbeit von frischem, sie konstruiren noch mörderischere Kriegsmaschinen, die nicht blos Kompagnien, nein ganze Bataillone, viele hunderte von Menschenleben in einer Minute dahinmähen. Der vcrhängnißvolle, furchtbare Wettstreit zwischen den„zivilisirten Nationen" beginnt von neuem. Läßt sich etwas Groteskeres, etwas mehr Wahnsinniges ausdenken? Und diejenigen, welche diesen sWahnsinn betreiben, rühmen sich, daß sie praktische Politiker seien, welche vernünftig mit- den gegebenen Verhältnissen rechnen; wer aber diese„Praxis", diese„Vernunft" in ihrer Unsinnigkcit begreift und von sich weist, den heißen sie bald einen„Phantasten", bald einen„Reichsfeind". Welche blöde Verkehrung aller Begriffe, aller natürlichen Verhältnisse! sonders viel ist von den französischen Ca»e t- Geschützen gesprochen worden, deren Feuergeschwindig- Mutzland uud die englisichen Madikaleu. Die Nedakiion des„Vorwärts" hat der Benierluna in meinem letzten Brief, daß die griechensreimdliche» englischen Liberalen der sogenannte» Vorwärtsbewegung Rußlands Jntriguenspiel z» be- kämpfen suchen, ein„dickes Fragezeichen" angesägt. Sie wird mir daher wohl erlauben, sür meine Behauptung de» Wahrheitsbeweis anzutreten. Zunächst sei, um jedes Mißverständniß ausjuschlieben, aus- drncktich hervorgehoben, daß ich hinsichtlich der Vekämpsung Ruß- lands speziell von de»„Forivard"- Leuten gesprochen habe. Dieselben gehören ihrer großen Mehrheit»ach dem radikaleren Flägel der englischen Liberalen an Sie sind allerdings nicht die einzigen Griechensreunde in England,«ntcrscheidcn sich aber von andere»— liberalen und konservativen— Griechensreunde» eben durch ihre entschiedene Gegnerschaft gegen die Abhängigkeit der Orienlpolitik Englands von der Politik der Ostmächte. Von dem Moment an, da sie sahen, daß Rußland die Fäden des Konzerts der Mächte in der Hand hat, habe» sie es an Angriffen gegen das Zarenreich in nichts fehlen lassen. Der alte Gladslvne ist ihnen dabei mit gutem Beispiel vorangegangen. Er hat in ver- schieden«» offenen Briese» den Zaren und dessen Politik in den sastigste» Ausdrücken attakirt. So spricht er i» seinem Briefe vom lg. März an den Herzog von Westminster von Nikolaus II. als von einem jungen Menschen ohne Kenutnisje und Erfahrung, dessen Re- gierung„ein reiner und vollendeter Despotis- m u s" sei. Für einen„Russenschwärmer" eine eigene Aus- drucksiveise. Lassen wir aber Gladslvne und hören wir Mr. Henry Norman, den Vertreter des„Daily Chronicle" und der englichen Vvrwärls- Bewegung in Athen. Unter dem 21. März schreibt er an das ge- nannte Blatt: „Um sich zu vergegenwärtigen, welch unglaublicher Hinterlist Griechenland zuui Opfer gefallen ist. muß man die folgende» Thal- fachen kennen, deren Genauigkeit ich absolut verbürge» kann. „Hier die Thatsachen. Der Siiltan ließ vor einigen Tagen durch seine» auswärtigen Minister dem griechischen Gesandten in Koniian- tinopel seinen ernsten Wunsch kundgebe», die kretische Frage durch ein freundschastliches Abkommen direkt mit König Georg zu schlichten. Der griechische Gesandle telegrapbirte dies sofort nach Athen. Ter König antwortet in freundschaftlicher Weise, giebt dem gleichen Wunsch Ausdruck und schlägt vor, der Sultan möge einen ent- sprechenden Vorschlag machen, den er freundschaftlich zu beantworten verspricht. Der Sultan, der dies nicht wagt, bittet Herr» v. Nelidoff, dem Zaren sein(desEulta»s)Gesuchzuunlerbreitcn,daßder Zar zwischen ihm und dem König als Vermiiller agire» möge. Darauf telegraphirt Gras Mnrawieff sofort, er werde diesen Vorschlag, den er als perfid bezeichnet, niemals unterstützen. Und nun erfolgte Rußlands Druck auf den Sultan, feindselige Maßregeln zu ergreifen. Ich telegrapdirtc darüber letzten Freitag, halte aber damals die obige außerordentliche Erklärung noch nicht erfahren. „Wenn diese Thalsachen, die überzeugend beweisen, daß Ruß- land ei» freundschastliches Abkommen zwischen den beide» streitenden Parteien absolut verhindert hat, die andern Mächte und Völker nicht bewegen, Griechenland in seiner versöhnlichen Haltung und seinem höchst bescheidenen Verlangen zu unterstützen, dann giebt es i» Europa nicht nur keine Ehre, sondern auch nicht einmal gc- wöhnliches Austandsgefühl mehr." Zwei Tage vor Absendung des Telegramnis, dem diese Sätze entnominen sind, telegraphirte Mr. Norman bereits: „Seil ich mein letztes Telegrannn abgeschickt habe, habe ich von hervorragender Seite meine Anssührnngen betreffs Rußlands und der Türkei bestätigt erhalten. Es kann kaum noch zweifelhaft sein, daß R u ß l a n d s R a ch s u ch t d e n S u l t a n zum A n g r i s j drängt. Ich würde daher nicht überrascht sein, wenn die Situation durch eine Kriegserklärung von feiten der Türkei plötzlich eine überraschende W e Ii d n n g e r h i e l t e." So zu lesen im„Daily Chronicle" vom 22. März. In gleichem Ton lauten noch viele Telegramme des Herrn Norman, der bekanntlich wiederholt von König Georg einpsange« wurde. Unausgesetzt warnt er vor russischen Jntriguen und telegraphirt noch am 7. April, daß wenn es zum Krieg kommt, R u ß l a ii d allein die Früchte ernten w e r d e. Von den Londoner Tageblättern sind das„Daily Chronicle" und das Abendblatt„Star" die Organe der„Vorwärts-Bewegung". Unterm 80. März schreibt das erster« redaktionell: „Man wirst uns vor, daß wir unsere, Politik Rn�and gegcnübr geändert habe». Wir können nicht einsehen, daß der Vorwurf zu- trifft, denn der Kern unserer Politik mit bezng auf Armenien war die Forderung, daß dieses Land(England) zu selbständiger und charaktervoller Aktion schreiten solle. Aber es ist wahr, daß wir zu herzlicher Korporation mit Rußland bereit waren, als eines der Mittel zu dem von uns erstrebten Ziele. Aber, nachdem wir gemerkt haben, daß Rußland die Grundpriiizipien der Politik von 1876 uud 1377 ganz und gar aufgegeben hat, daß das Leben der christlichen Unterthanen der Psone nur Staub ist in der Wage gegenüber seinem Bestreben, Auge und Ohr und flüsternder Rathgeber des Mörders(d. h. des Sultans) zu sein, bis dessen Erbe sür Rußlands Ernte reis ist, und nachdem all unser Verdacht durch seine unversöhnliche Feindschaft gegenüber Griechenland bestätigt worden ist, haben wir ein Recht dazu gehabt, nach anderen Mitteln zu suchen, um Europa zu einer Stätte zu machen, wo anständige Leute leidlich existiren können. „Madame Olga Novikow hat die Gute, ihre geniale Geschichte von Rußland als der großen„Europäischen" Macht frisch auszn- putzen. Wir fürchten, sie wird ihre Waare auf«inen anderen Markt bringen müffen. Man ist in England der russischen Politik sehr ge- dnldig gefolgt und hat nichts davon verspürt, daß Rußland irgend ein anderes Ziel verfolgt hat als das. die Türkei sür Rußlands Erbschaftsanlrilt intakt zu erhalten." Mit Artikeln dieser Art könnte nian ganze Bände füllen, denn in Nummer für Nummer ist das„Chronicle" auf die hier ent» wickelte Theorie zurückgekommen. So schreibt es noch gestern morgen unter dem frischen Eindruck der Niederlage der Grieche» bei Tyrnavos: „Das europäische Konzert, das den Schacht aushöhlt, den Eng- land hilflos herabrollt, bewegt sich nicht im Interesse Enropa'S, sondern Asiens. Die beiden stärksten asiatischen Raffen, Rußland und die Türkei, sind nicht nur virtuell, sondern faktisch und positiv im Bündniß miteinander. Den deutschen Kaiser versteht Niemand — seine eigenen Unterlhanen am wenigsten. Er kann nicht alle Prinzipien seiner so hochgehaltenen Religion und seines kriegerischen Hauses beiseite setzen, blos um den Grmid eines russischen Bündnisses zu legen— was zwar das anscheinende Motiv ist— und dem Tadel Bismarck's zu entgehen. Es muß ein anderer, vielleicht persönlicher Grund vorliegen, den die Welt noch nicht kennt. Wir haben daher nach Rußland zu schauen. Es ist Rüß- land— und wir schreiben diesen Satz mit positiver Gewißheit nieder— das den Sultan, der den Krieg nicht wollte, gegen den König von Griechenland, der den Krieg ebenfalls nicht wollte, vor- geschickt hat. Es ist Rußland, das gelobt hat, das ottomanische Reich nicht antasten zu lassen. Es ist Rußland, daß solchermaßen den Einfluß der griechischen Kirche,�) die seinem Vorrücken im Wege steht, in Makedonien und Kleiiiasien zu untergraben sucht. Es ist Rußland, das den christlichen Enthnsiasmus der Serben uno Bulgaren niederhält, die sonst in Erinnerung der unter dem Huf von Pascha und Bey erduldeten Leiden sich er- hoben hätten, ihren Brüdern zu helfen. Es ist Rußland, das schließlich der Sieger sei» wird, gleichviel ob das Schwert oder der Kruniinsäbel in der Schlacht gewinnt. Das heißt, eS ist der Asiat, und zwar der Asiat gegen den Europäer, Tartar und Moslem gegen den Westen. Wir alle wissen, was Rußland wie verschieden leider von dem Rußland von lS77• heule i» sozialer. politischer und religiöser Hinsicht ist: Des- potismus und schlimmste religiöse Jnloleranz oben, und unten im Volke Unwiffcnheit, die tief ist wie der Ozean, aber doch nicht so verderblich wie die diplomatische Niedertracht, die seit der Herr- schaft Lobnnow's die auswärtige Politik des Reiches diktirt. Das ist die Macht, die mit Hilfe türkischer Säbel und türkischer Truppen, beten Hände noch von dem Blute armenischer Männer, Frauen und Kinder triefen, Europa in Bann hält." Im gleichen Ton. nur derber, haben unzählige Redner von der Tribüne herab gesprochen und haben Volksblüticr, wie der radikale „Star" geschrieben. In diesen Kreisen ist es auch unverhohlen aus« gesprochen worden, welches das Gcheimniß der gegenwärtigen Schwäche Englands in der griechischen Frage ist, daß Griechenland, wie der„Star" sich vor Wochen ausdrückte, in Südafrika„verknust" wird.„Warum hat Lord Salisbury", schreibt dieses Blatt am 24. April in einem„Salisburikoss" über- schriebeuen Ariikel.„Rußlands Spiel gespielt"? Die Antwort lauter: Schaut nach der Delago» Bay, wo unsere Flotte den Transvaal be» droht. Hört vie kriegerischen Reden im Kap-Parlament. Beachtet die offenkniidigen Vorbereitungen zum Krieg mit den Buren. Und dann blickt nach Egypten und dem Süden. Bemerkt schließlich daS m erkwürdige Schweigen der deulschen Press« und die ruhige An» ♦) Die orthodoxe russische Kirche, die oft auch griechisch gsnamck wird, steht aus anderem Fuß, wie die Kirche in Gricchenlaiid miff Anneiiieiu Wesenheit Lord Snlisbury's. die anzlizeigcn scheint, daß alles im voraus abgemacht ist und daß Großbritannien sein Velo im Orient für das ßiechl der freien Hand in Afrika verkauft hat,... �Jst es nicht»nertniglich, daß Vritannien die Rolle des Vasalle» Rußlands sbi?lc». ihm e. laichen soll, das Konzert zu beherrschen? Wo soll unser Scrvilismus enden?" Genug, Ich habe es hier nicht mit der Richtigkeit der vor- geführten Ansichten zu thun. Sie mögen falsch oder übertrieben, der Ausfluß oberflächlicher Betrachtung der Dinge ober was man ftrnft will sein. Aber sie sind da, und sie werden von ihren Aer- tretern mit einer Kraft der Sprache geltend gemacht, die— ich rann mir nicht Helsen— sehr wohlthätig absticht von dir blasirtcn Art, mit der ein Theil der sozialistischen presse die Din�ze im Onent behandelt. Der Appell an die Freiheils- llcbe im englischen Volke und seinen Haß gegen de» russischen Despotismus mag im Moment nicht ohne Bedenken sein, aber ihn „JiugoismuS" nnd„Blutgier" zu taufen, wie es z. B.„Justice" flkthan, das scheint mir nicht gerade Aufgabe eines sozialdcmokrati- schen Blattes zu sein. Jndeß wir werden ja hören, was Mr. Hynd- uian in seiner zweiten Epistel zu sagen hat. Was ich in meiner Korrespondenz ausgeführt, wird er schwerlich widerlegen. *« Soweit hatte ich geschrieben,* als mir der Artikel Hyndman's «Tie Orientsrage und das Makedonien Europas" znging. Da der- selbe z» einem großen Theil gegen mich gerichtet ist, ist es wohl »öthig, daß ich einiges darauf erwidere. Fn einer Polemik mit Hyndman über die Orientfrage sehe ich wich nicht veranlaßt. Ich glaube, ich kann es denjenig-'n, die meine Artikel in der„Reuen Zeil" gelesen babeu, überlassen,' e. ruber zu urtbeile», inwieweit Hyndman's Bemerkungen über nieincu dort entwickelten Standpiuikl zutreffe». Es ist wohl auch nicht unbillig, wenn ich de» Maßstab, der sich ans dein Vergleich dieser Älrtikel und der Art ergiebt, wie Hyndmau sie interpretirt, für die Behanp- tniigen Hyndman's über angebliche Umtriebe nieinerseils anzuivenden bitte, über die gedruckte Unterlage» überhaupt nicht vorliege». Was soll ich z. B. zu der Behauptung sagen, daß ich den Kameraden Hyndman's„hänsig" Vorhalle über die Agitation der Föderation gegen die englische Verwaltung Indiens gemacht hätte? Außer einem ganz flüchligen Gespräch»lit dem Sekretär einer Seklion der Föderalion, die mich»m eine» Vortrag ersucht hatte, liegt ihr absolut»ichls Thatsächliches zu gründe. Was ich in jenem Gespräch bemerkte, war meine Privatansicht, von deren Unrichtigkeit ich auch heute noch nicht überzeugt bin; war doch dem betreffenden, a» Intelligenz sicher über dem Durchschnitt stehenden Mitglied der Föderation sogar die Thalsache unbekannt, daß die sog. Mansioii House-Sainni- tunaen für die indische» Nothleidendc» nur für subsidäre(ergänzende) Hilstleistiing bestimmt sind, während die Kosten der uniiiitlelbareii Bekänipfuiig des Nolhstandes— z. B. für die Nothstandsarbeile», an denen zeitweise über drei Millionen Menschen beschäftigt wurden— ans dem indische» Claalsbndget gedeckt werden. Im übrigen berufe ich mich auf den Bericht, den ich feinerzeit dem„Vorwärts" über die Prolestversammlnng in St. James' Hall geschickt. Mau ivird ihm wenig davon angemerkt haben, daß der Schreiber i» der Beurtheilung des indische» Problems verschiedentlich von Hyndman nnd Genossen abweicht. Und dies bringt mich auf den immer wieder von Hyndnian er- hobene» Borwiirf, daß ich vo» der Bewegung in England„kein richtiges Bild" gebe. Ich kann«alürlich die Bewegung»ur so schildern, wie ich sie sehe, und daß ich anders sehe wie Hyndman, ist am Ende nur natürlich. Ich stehe mit keiner Sektion der sozialistische» und Arbeiterbeivegling Englands als spezieller Parteigänger in Beziehnng, sondern verhalte mich ihnen gegenüber als objektiver Beobachter, der jedem ehrliche» Wirken für die Emanzipation der Arbeiterkkasie die gleiche Sympathie cutgegenbringt. I» dieser Hinsicht darf Hyiidinan überzeugt sein, daß ich stets ihn und die anderen Genosse» von der sozialdemo- kratischen Föderation„so nehmen werde, wie sie sind". Aber mein objektives Urtheil muß ich mir vorbehalten. Anders könnte ich bei dem Umstände, daß die Bewegung in England sehr viel difserenzirler ist»vie in Deutschland,, neiner Auigabe überhaupt nicht gerecht werde» Meine Berichte sind sicher unvolllomine», daß sie aber falsch seien, muß mir noch erst bewiesen werden. Wo ein solcher Beiveis versucht wurde, hat er jedesmal zur Zurückziehung der Anklage geführt. So hat sich, als vor einigen Jahren der Exekutivralh der Sozialdemo- kratischen Föderation sich im„Vorwärts" über ineine Besprechung des gerade abgehallenen Kongresses der Föderation beschwerte, bei Prüfung der Sache durch sprachkundige Mitglieder nnd Freunde der Föderalion herausgestellt, daß die Beschwerde durch eine gröblich falsche Uebersetzung meines Artikels verursacht worden war. Ich habe die Sache damals laufe» lassen und ivürde sicherlich Nicht auf sie zurückkomme», wen» mich nicht der obige Voiwurf dazu nölhigte. Jetzt aber glaube ich es dcnjeiiige», für die ich schreibe, schuldig zu sein, den wahre» Sachverbalt festziisiellen. Aus einer Eiitschuldigung des»»günstige» Kassenberichis der Föderalio» hat mau damals eine Verdächtigung der Uiiterfchlagung herausgelesen. Wie ich gern annehmen will— ich verzichte darauf, de» Urheber der falschen Uebersetziing zu nennen— in»nabsichtlichn» Jrrthnm Eine ähnlich« Verwechslung liegt der Behauptung zu gründe, ich hätte jemals verlangt, Hyndnian solle das cnglischc Volk aus- rütteln, daß es Krieg für Griechenland fordere. Weder mündlich noch schriftlich habe ich auch nur ein Wort geäußert, das so gedeutet werden kann. Jndeß habe ich i» dieser Angelegenheit Schicksals- genossen. Wenn Hyndman z. B. von dem„heuchlerische», schein- demokratischen Geschrei von Griechenland und Kreta" und das «heilige Rußland" spricht, welches daS„Daily Chronicle" und die Ronkonsormisten angeblich führen, so muß ich doch frage», wie damit der i» der„Justice" vom 3. April erhobene Vorwurf überein- stimmt, daß dieselben Leute„an daS aiilirusfische Gefühl im englische» Volke appelliren". Dies nur einer der Wideifpruche i» dem merkwürdigen Feldzug des vermeinllichen Rnssenfeindes gegen die einzige Nation, die mit Rußland eines Tages ui» den Besitz von Koustantinopel rivalisiren könnte, und deshalb vo» Rußland mit allen Mitteln der Diplomatie medergebalten wird. Hyiidma» betrachtet den Mißerfolg der griechenfrenndlicheii Agitation der Nonkonsormisten mit dem Gesicht des Triumphes. Ich glaube, daß die Nonkonformiste» das richtigere Gesühl halten, denn daß sie wissentlich zum Kriege gehetzt hätten, ist mir total enlgangen. Sie verlangten»ichls anderes, als was die Jndependent Labour Party in ihrer auf detn soeben abgehaltene» Kongreß beschlossenen Re- solution verlanat: Anerckennung des Rechts der Kreter, selbst zu bestimmen, welchem Staatswesen ihre Insel angeschlossen werde» soll. Hyndman gefällt sich darin, nach dem Beispiel von Bax mich als„liberal- fabianisch" zu bezeichnen. So>r«it dies mir gegenüber berechtigt sein kann, muß eS sich gegen mein Bestreben richte», bei der Betrachtung der Dinge mir eine gewisse, vo» dogmatischer Eng- Herzigkeit freie Weite des Blicks zu wahre» oder zu erwerbe». I» diesem Sinne bin ich»un in der That„liberal"— wenn es darnnf aiikoiumt, sogar nonkonformistisch, maS ja mohl das schlimniste ist. Und waS den Fabianismus anbetrifft, so erblicke ich in demselben das nalurgeinäße Gegenstück gegen den Hyndmanismiis, ivenn das Wort erlaubt ist. Er ivar die»othwendige Reaktion gegen die damals ziemlich starke Tendenz, aus der Marx'schen Lehre ein Sektendogma zu machen. Er hat dnrchans seine» Antheil an der Ausbreitung der sozialistischen Bewegung i» England, wie er sehr viel dazu beigetragen hat, sie auf einen realistischen Bode» z» stelle». In der deutschen Sozialdemokratie sind beide Momenle— der sozialpolitische Realismus u N d die Theorie— vertreten, und so könnte mich die Be- zeichniing„fabiauisch" a» sich so wenig verletze», wie der Titel „Mitglied der sozialdemokratischen Föderation". Aber da ich kein Mitglied des Fabianischen Vereins bin und keinerlei Be- Ziehungen zur liberalen Partei Hab«, so wird es doch wohl angemessener sein, wen» Hyndman bei einer künsligen Gelegenheit sich das Vergnügen versagt, mir ein Beiwort anzuhäiigen, das uuter den entwickelte» Umständen nur als eine beabsichtigte Herabsetzung mlsgeiaßl werden kann. Aus der„Justice" weiß man ja zur genüg� was es in seinem Wörterbuch bedeutet. L o n d o», 27. April. Ed.® ernste iAi polikische Ttebccfichk. Berlin, 8. Mai. Nils dem Reichstage. Tie Verhandlungen haben heute eine» Ajpsaang genommen, der lebhaft an das Hornberger Schießen erinnert. In der Voraussetzung, daß die Herren von der Rechten wenigstens zwei Tage hinter einander ihre Pflicht erfüllen und den Verhandlungen beiwohnen werden, wurden für die heutige Sitzung, mit Uebergehung der Bestimmnugcn der Geschäftsordnung, die dritten Lesungen für das Ans- wanderungs- und das Margarinegefetz auf die Tagesordnung gesetzt. Man hat sich aber in bczug aus die parlamcn- tarische Gewissenhaftigkeit der Junker getäuscht. Selbst in eitler Sache, die nur bestimmt ist, ihren Interessen zu dienen, wie die Margnrinevorlage, erachten sie es nicht einmal der Mühe werth, zwei Sitzungen hinter einander anwesend zu sein. So kam es, daß das Hans heute wieder nicht beschlußfähig war. Tasselbe trat zunächst in die dritte Lesung der Ansivanderungsvorlage ein und erledigte dieselbe, unter Ab- lehnung einiger Anträge unserer Genossen, welche bezweckten, daß Dorschriflen für den Seeverkehr, welche bereits im Handels- gcsetzbuch Aufnahine gefunden haben, in das Auswanderuugsgesetz ebenfalls eingefügt werden sollen. Der neue§ 48», welcher sich mit dem Mädchenhandel be- faßt, wurde von Dr. Bachem in neuer Redaktion und herab- gesetztem Strafmaximum, fünf statt zehn Jahre Zuchthaus, vorgelegt nnd angenommen. Als nun die Gesammtabstimmung vorgenommen werden sollte, bezweifelte Freiherr v. H o d e n b e r g die Beschluß- fähigkeit des Hauses, welchen Zweifel das Präsidium theilte und demnach die Sitzung schloß und eine neue Sitzung auf eine halbe Stunde später(3 Uhr) mit der Margarinevorlage als Tagesordnung anberaumte. Leider theilte diese Sitzung das Schicksal ihrer Vor- gängerin. Tie Opposition gegen dieses Chikanegesetz, denn weiter ist es in seiner jetzigen Gestaltung nichts, ist besonders auch in nationalliberaleii Kreisen eine so erbitterte, daß Vrofessor C u n y ankündigte, er werde mit allen geschäftsoronnngsmäßigen Mittehl das Zustandekommen zu verhindern suchen. Da außerdem ein Antrag auf namentliche Abstimmung vorlag, das Hans aber mittlerweile noch beschlußunfähiger gcivorden war, so wurde, nachdem die Verhandlungen nach und nach einen Charakter angenommen hatten, daß sich vor Wirrwarr niemand mehr auskannte, die Sitzung geschlossen, ohne die Schlußabstimmung vorzunehmen. Die Herreu Junker werden sich also schon noch einmal nach dem Reichstage bemühen müssen. Nächste Sitzung Dienstag, den 11. ds., mittags 1 Uhr (kleine Vorlagen). Tos preußische Abgeordneteuhnns beendete heute endlich die ziveite Beralhung des Kulius4ats. Noch zu guterletzt brache» die Ko»servali»>eii, die sich bisher im Gegensatz zu de» National- liberalen nnd dem Zeiitn»» wenig a» de» Tebalten betheiligt Halle», die Gelegenheit vom Znu», um sich für die neulich im Reichstage bei der Zoll- Interpellation erlittene Nieoerlage zu räche», und gleichzeitig dem ihnen so verhaßlen Staatssekretär Frhr. v. Marschall eine» Hieb zu versetzen. Ihre Hofstlung, daß sie im Landtage einen Hesseren Resounancbode» für ihre verschrobenen An- sichle» über die äußere Politik der Reichsregierimg fänden, ließ sie aber diesmal im Stich. Die Gelegenheit zu einer kleinen Demonstration war allerdings auch zu ungünstig. Im Exira-Ordinariuin des Kultusetats findet sich nämlich die Forderung einer ersten Rate von b00 000 M. zur Erweiterung der Kunslmuseen auf der Museumsnisel. Die Konservativen ließen nun durch den Abg. v. Kröcker erklären, daß sie dieser Forderung nicht ohne Bedenken gegenüberständen, zu einer Zeit, wo die ameri- kanische Konkurrenz sich daran mache, den Agrariern das letzte bische» Fell, das sie»och bäite», über die Ohren zuziehe». Trotzdc», wolle er im Interesse der Sache sein Bedenken zurückdränge». Dieser völlig nnmotiviite versteckte Angriff aus den Frhr». v. Marschall, der die Hcrren im Reichstage so gut abgeführt hat, daß sie schließlich nichts niehr z» sagen wußten, wurde von den Abgg. Rickert (frs. Vg.). I ni w a l l e(Z.), Möller(natl.) und dem Finanz- »livister Dr. v. Miquel mit Entschiedenheit znrückgeiviese»; nur Abg. Frhr. v. Zedlitz gab dem Abg. v. Kröcher, ivenn auch ver- blüuii. Recht. Um die Niederlage zu einer voUftändigeii zu machen, kam Graf zu L i i» b u r g- S t i r u n>(k.) seinem bedrängte» Freunde zu Hilfe; er wies darauf hin, daß das Verhalte» der Reichs- regierung gegenüber Amerika auch im Lande Unznsrieden- heil mit der Regierung erzengt habe. Im übrigen liege es den Konservativen fern, Herrn v. Marschall anzngreise», ihre Kritik richte sich gegen die Sieichsregierung, für deren Politik einzig und allein der Reichskanzler verantwortlich sei, der Slaalssekretär des Auswärtigen vertrete nur die Politik des jeweiligen Kanzlers; bei seiner dialektischen Geschicklichkeit würde es Herr» v. Marschall nicht schwer, auch eine» entgegcngesetzien Standpunkt zu vertheidigen. Diese unanständige und feige Beschuldigung eines abwesenden Ministers veranlaßte den Finaiizminister, seinen Kollege» energisch in Schutz zu nehmen. Es mag Herrn v. Miquel schwer genug geworden sein, einmal gegen sein« Freunde aufzutreten, aber die Thatsacbe, daß seine Worte ans der Linken mit großem Beifall aufgenommen wurden— was im Abgeordnetenhaus lange nicht vorgekommen ist — bleibt bestehen. Freilich trat der Finanzminister sofort einen ver> schämten Rückzug a», nachdem Gras Limburg erklärt batle, es habe ihm fern gelegen, den Staatssekretär der Charakterlosigkeit z» zeihen. Thalsächlich aber waren seine Worte garnicht anders ans- zufassen. Z»i» Ueberfluß hob Abg. v. K r ö ch e r noch hervor, daß er keine Gelegenheit vorübergehe» lasse» werde, um gegen die die Landwirtbschnst schwer schädigende Handelsvertrags-Politik sein „cotonmi censeo" zu erheben. Damit war der Zivischenfall erlcdigt. Das Haus bewilligte nicht mir den Titel, sonder» erklärte sich sogar aus freien Stücke» bereit, dle Kosten für das Denkmal, das der Kaiser seinem Bater auf der MusenmS- Halbinsel ans eigener Tasche errichten will, auf den Staat zu übernehmen, um dem Reichstage in» Punkte der Loyalität nicht nachzustehen. Eine längere Debatte entspann sich noch bei der Bestimmung des Etatsgesetzes, wonach die bis zur Fertigstellung des Etats geinachien Ausgaben nachträglich gutgeheißen iverden. Alle Redner erkannlen an, daß der jetzige Zu stand ein verfasfungs- widriger sei; die Schuld daran suchte jede Partei der anderen oder der Staalsregiernng zuzuschieben. Trotz des von allen Seite» ausgesprochenen Gelöbnisses, im nächsten Jahre den Etat zum ver- fasiiiiigsmüßig«» Termin festzustellen, wird wohl bei der Redelust der Mitglieder des Abgeordnetenhauses alles beim alten bleiben und die Regierung wird es, da sie ihre Leute kennt, auch dann wieder für überflüssig halte», wenigstens ein Nothgefetz ein- zubringen. Zlnf eine bei dieser Gelegenheit gestellte Anfrage des Abg. Rickert betr. das Vereinsgesetz gab der Fi nanzniiti ister Dr. Miquel folgende nichtssagende Erklärung ab: Die Vorlage kann kommen, sie kann auch nicht kommen, je nachdem.(Heiterkeit.) Ob sie noch in dieser Session kommt oder nicht. das kann und will ich dem Abg. Rickert nicht sage».(Große Heiterkeil.) Aber aus seiner Aeußeriing, die Session möge nicht über Pfingsten hinaus dauern, schließe ich, daß auch er den Wunsch hat, daß die Vorlage nicht mehr eingebracht wird." Und mit dieser Antwort gab sich das Hans zufrieden. Ob ein Minister wodl einem ander» Parlament derarliges zu bieten wagen dürste?— Am Montag beginnt die dritte Lesung des Etats. Tie Annahme des elsaft-lothringischen Antrages auf Einführnng des Reichstags-Wahlgesetzes für die Wahlen zum L a n d e s a u s s ch u ß der Reichslande war, o bjekliv betrachtet, eine schwere Niederlage der Reichsrcgierung. Obgleich sie sich mit Ausgebot aller Kraft dem Antrag widersetzte, nahm der Reichstag ihn auch in dritter Lesung mit erdrückender Mehrheit an. In jedem echt konstitutionellen Staat ivürde diese Niederlage in einer Frage höchster politischer Bedeutung — eine Niederlage, die noch dadnrch erschwert ward, daß sie mit dem denkbar schärfsten Tadel der Regierung verbunden war— den sofortigen Rücktritt der Regierung oder die Ans- lösung des Parlaments zur Folge gehabt haben. In De»tschla>id lächelt die Regierung zu dieser Niederlage, sie schüttelt sich nicht einmal, sie hat überhaupt gar nicht das GejüHl einer erlittenen Niederlage— ebensowenig wie Kreolinnen ein Gesühl der Scham haben, ivenn ein Sklave im Zimmer ist, während sie sich eut- kleiden. Der Sklave existirt für die Kreolin nicht als Mensch und folglich auch nicht als Mami, und der deutsche Reichstag existirt nicht für die Reichsregierung als ausschlaggebender Regiernngsfaktor. Und— die Reichsregierung hat leider recht. Denn so wenig der Sklave ein Mann ist, so wenig ist der deutsche Reichstag ein ausschlaggebender politischer Machtfaktor, wie das englische Parlament, die französische Kammer und sogar die Parlamente Oesterreichs, Italiens und Spaniens es sind. Das ist das Charakteristische an der politischen Lage in Deutschland. Und das ist ihre Gefahr. Es fehlt der feste Kern unseres politischen Lebens; er muß erst geschaffen werden.— Z» den vertraulichen Verhandlungen über das Vereinsgesetz führt jetzt die„Nat.-Lib. Korr." ans: So sehr wir die Indiskretion der„Kreuz-Ztg." bedauern, wir müsse» bestätigen, daß es sich so verhält(wie das Blatt und wir gestern»ach ihm die Absichten der Regierung dargestellt habe»), und daß außerdem auch gesagt»vurde, daß für einen solche» Entwurf überhaupt keine Mehrheit im Abgeordnetenhanse zu finden sein werde. Wir sind gewiß, daß diese Haltung der nalionalliberalen Theilnehmer der Besprechung um so mehr aus allgemeine Zustimnmng zn rechnen hat, als man ton- servativerfelts wünschte, der Staatsgewalt auch noch die kaulschukartige Möglichkeit zu geben, „ V e r s a in m l n» g e n, die dem Kampfe gegen die be st ehe»de Staats- und Gesellschafts- ordnnng diene li, unter gewisse» Bediiigunge» von vornherein zu verbiete n". Auf die von nationalliberaler Seite geäußerten Bedenken hi» hat die Regierung davon abgestanden, dieses heiße Eisen, das ihr von den Konservativen hingereicht wnrde, anzufassen. Es ist sicher, daß kaiiin ein ziveiler Bundesstaat von Bedeutung diesem Beispiele gefolgt wäre. Und hierin schon liegt die Unmöglichkeit, um eine andere Bezeichnung nicht zu gebrauchen, klar zu Tage, dein„Um- stürz" ans diese Weise beiznlonime». Eine geradezu unabsehbare Verwirrung würde die unvermeidliche Folge sein, wollt« Preuße» allein auf diesem Wege für sich vorgehe». Ninimt man die oben angeführte Bemerkung Miqncl's im preußischen Abgeordnetenhause dazu, so hat man alles er- wähnenswerthe über die Geburtswehen des Gesetzeirtwurss mit- getheilt, so weit hierüber etwas aus den Zeitungen zu er- sehen ist.— Zum Fall Arons. Durch die Sitzung des Abgeordneteu- Hauses von» 4. Mai hat der Fall Arans eine hübsche Zuspitzung erhalten. Nach Mittheilungen, die der„Vossischen Zeitung" ans Universitätskreisen zugegangen, hat die philo- sophische Fakultät der Berliner Universität ausdrücklich er- klärt, daß sie aus der Zugehörigkeit eimS Privat- dozentcu zur sozialdemokratischen Partei keinen Anlaß zum Einschreiten nehme, ja, daß sie grundsätzlich die politische Gesinnung der Privatdozenten nicht prüfe. Dagegen erklärte Minister Bosse— und ihm stimmten mit Ausnahme Vuchow's sämmtliche Redner zu—, daß er nur die Verleihung der Disziplinargewalt über die Privat- dezenten abwarte, um dann sofort den Dr. Arons zu remv- vircn, einzig und allein aus dm Grunde, weil er der sozial- demokratischeii Partei angehöre. Freilich hat selbst der energischste Rufer im Streit, Herr Jrmer, es vermieden, das mit nackten Worten auszusprechen; er sagt:„Ein Privat- dozcnt, der an der sozialdemokratischen Agi- t a t i o n b e t h e i l i g t ist, gehört nicht auf den Lehrstuhl der Universität." Wie es aber gemeint ist, sieht man aus der Behandlung des Falles Wagner in der nämlichen Sitzung. Von der Bochumer Rede Adolf Wagner's sagte sein „Kollege und persönlicher Freund", der Abg. Paasche:„Aber die Thatsache... ist doch unbestreitbar, daß man in weiten Kreisen von Rheinland und Westfalen, gerade da, wo die Arbeiterbewegung eine akute und aktuelle war, die Empfindung gehabt hat: da ist ein hochgeachteter Gc- lehrtcr hergekommen, der in einer Weise Anschauungen ausspricht. die nicht dazu beitragen werden, den sozialen Frieden zu fördern, sondern die an und für sich geeignet waren, einen Streik, einen Kampf um die Arbeits bcdingungen zu fördern, vielleicht zu diesem Kampf aus« zureizen." Und was erklärt der Minister?„Allerdings ist diese Rede auch in Arbelterkreisen vielfach mißverstanden worden.... Aber, meine Herren, die Grenze seines amtlichen Pflichtkreises hatte er*) nicht überschritten. Er ist nicht politischer Beamter, ja, er ist nicht einmal Verwaltungsbeamter. Es lag nach dem Wortlaut der Rede für die Regierung absolut kein Grund vor... eine Disziplinar« Untersuchung gegen ihn zu eröffnen... mir steht al? Kultus« minister nur dann zu, einzuschreiten, wenn«in Beamter seine amtlichen Pflichten verletzt hat." Vergleicht man hiermit das Auftreten gegenüber Arons, so leuchtet ein, daß man dem zahmen„National-Sozialen ans christlicher Grundlage" ruhig hingehen läßt, was dem Sozial- demokraten, eben und nur weil er ein solcher ist, da? Genick bricht. Ter Gegensatz tritt um so schärfer hervor, wenn ma« bedenkt, daß der Prvfessor vom König ernannt wird, Gehalt erhält und den Beamteneid ablegt, während ein Privatdvze.it an der Berliner Universität einfach von der Fakultät zu. Habilitation zugelassen wird, die nach erfolgter Zulassung dem Ministerium von dieser Thatsache Anzeige macht. � Tnellchronik. Nach einem erfolglosen Eühneversuch des Ebren- gericdts bat, wie den„Jtzeh. Nachr." mityetheilt wird, in der Haube- ivitter Hölzung«in Pistolenduell zivischen dem Gerichtsassessoe Zieniße» als Beleidigten und dem Arzt Dr. Biß als Beleidiger staltgefunden, bei welchem, wie verlautet. Dr. Biß schwer verwundet worden ist. Zwei Offiziere fungirten als Sekunda, iten.— Chronik der Majestiits- BeleidigmigS- Prozesse. Majestätsbeleidigung, Verächtlichmachung kirch» licher Einrichtungen und Widerstand gegen die Staatsgewalt wurden dem Arbeiter Eduard Platze! vor der *) Nämlich Wagner,»ichh etwa AronS. A,»n. d. Red. VII. Strafkammer des Landaerichls I zur Last gelegt. Am Abend des 13. März ging der Angeklagte laut schimpfend durch die Lausttzerstraße und»vurde von einem Schutzmann des 19. Polizei- Reviers zur Rnhe vermiesen. Die Folge war, daß es zu einer Schlägerei kam, wobei der Schutzmann hinstürzte und dem- selben der Schooß des Unisormrockes abgerissen wurde. Der Beamte war schon ermattet, als endlich andere Kollegen zur Hilfe kamen. Auf der Polizemmche verweigerte Platzet die Angabe der Personalien und begann zu toben, als er in die Cistirzelle befördert wurde. Von dort ans stieß er die gröbsten Be- keidigungen gegen den Kaiser, sowie die Kaiserin, ferner die katholische Kirche und die Jungfrau Maria aus. Räch der Aussage des Telcgraphisten vom Polizetburean machte der Angeklagte einen konfusen Eindruck, als er auf einen Punkt vor sich hinstierte und bei den Schimpsreden niit den Zähnen knirschte. Andere Zeugen bekundeten, daß Platze! gewöhnlich in«in solches Stadium ver- falle, wenn üch Krämpfe einstelle», und er nachträglich nicht mehr iviss«, was sich vorher zugetragen habe. Der als Sachverständiger vernommene Charitee-Arzt Professor Dr. Köppen begutachtete, daß er sechs Wochen lang den Angeklagten beobachtet, aber nichts Be- sonderes an ihm entdeckt habe. Nach den Zeugenaussagen sei aber erwiesen, daß der Angeklagte an der Epilepsie leide und zur Zeit der That seine freie Willensmeinnng ausgeschlossen war. Ans diesem Grunde erkannte der Gerichtshof, da Z 61 St-G.-B. vorlag, auf Freisprechung. Wegen Majestätsbeleidigimg wurde am 6. d. M. vom Stettiner Landgericht der Kürschner Ernst Schäfer aus Swinemünde zu der gesetzlich niedrigsten Strafe von zwei Monaten Gefängniß ver- nrtheilt. Die That ivar in der Trunkenheil begangen worden. Während der Verhandlung wurde wie innner bei derartigen Sache» die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.— Ans Braunschweig wird uns geschrieben: Wege» Beleidigung des Prinzregente» von Brannschiveig wurde am Freitag vor der 1. Straf- kannncr des Landgerichts unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Buchheisier wider den Kaufmann Paul R i e m a n n von hier ver- handelt. Zu dieser Verhandlung waren L3 Zeugen geladen. Die Oeffentlichkeit wurde ausgeschlossen. Das nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit verkündete Urtheil lautete ans zwei Jahre Gefängniß. Es handelt sich um dieselbe Angelegenheit, wegen deren vor zwei Jahren der herzogliche Hosbereiter Hanke zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt worden ist.— Der Glasmacher Anton Christensen zu Osternburg, geb. am 22. März 1853 zu Nörtranders bei Aalborg in Dänemark, war vor dem Landgericht zu Oldenburg angeklagt, am LI. März d. I. zu Osternbnrg den deutschen Kaiser durch Stedensarten, welche sich der Wiedergabe entziehen, beleidigt zu haben. Bei der Verhandlung , vurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Das Urtheil lautete ans ein Jahr Gefängniß. »» « DsittscheS Reich. „E i n st und I c tz l" ist die Tabelle überschrieben, welche ver Korrcspondenzsckrelär des Kaisers den Magistraten der Städte übersandt hat und welche jetzt im Kuppelraum der Wandelhalle de» Reichstags unter Glas und Rahmen auf einer Staffelei aufgestellt ist, wie dies auch bei den früheren vor den Verhandlungen über de» Marine-Etat dem Reichstag übersandten Tabellen der Fall ivar. Die neu« Tabelle ist mit den dazu gehörigen Bemerkungen signirt W. L E,(Wilhelm Im- peralor Rex) und.für die Bibliothek des Reichstags" bestimmt. Der Korrespondenzsckrctär schreibt, daß die neue Tabelle eine„vergleichende Marinetabell«" sei, welche die Flotten- Verhältnisse des Deutscheu Reiches von einst und jetzt, von 1386 und 1836 veranschaulichte. Die Tabelle vergleicht aber nicht die gesammte Marine von 1886 und 1336. sondern bezieht sich, obwohl dies auch in den beigefügte» Bemerkungen nicht ausdrücktich hervorgehoben worden ist, nur aus die Kreuzerflotte. Bekanntlich hat aber in der Zeit von 1836 bis 1896 die Vanzerflotte eine ganz außerordent- liche Verstärkung erfahre» durch 4 große neue Panzerschiffe 1. Klasse, neben denen»och 3 Panzerschiffe I. Klasse sich im Bau befinden, und außerdem durch 8 Panzerschiffe 4. Klasse. Im ganze» sind i» dieser Zeit für den Neubau von Panzerschiffen nicht weniger als 164 Millionen Mark engagirt worden. Dazu komint die außerordentliche Verstärkung der Torpedoflotle. Wort für Wort widerlegt die �Freisinnige Zeitung" diese Aus- sührilngen. Sie schließt dieselben mit der folgenden Bemerkung: „Schließlich sei bemerkt, daß seit 1388 für 33 692 060 Mark neu« Kreuzer gebaut sind oder im Bau begriffen sind, nämlich 1 Kreuzer 1. Klasse, 7 geschützte Kreuzer 2. Klasse und 8 Kreuzer 4. Klasse. Was aber die Marine im ganzen anbetrifft im Verhältuiß von„Einst und Jetzt", so beliefcn sich nach dem Etat von 1886/87 die sorldanernden Ausgaben der Marine auf 37 333 323 M., während sie in dem Etat für 1397/98 auf 68 026 277 M. veranschlagt sind. Die einmaligen Kosten für die Marin« beliefen sich nach dem Etat für 1886/87 aus 11 073 300 M.. während die einmalige» Ausgaben für 1837/33 auch nach den Absetzungen im Reichstage sich auf 68 043 963 M., also auf mehr als das fünffache belaufen."— — Der Staatssekretär des Reichs-Marine« A in t s, Admiral H o l l m a n n, welcher zur Zeit in Castellainmare weilt, wird nach Ablauf seines Urlaubs, wie der„Post" uütgelheilt wird, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Er hat sein Abschiedsgesuch eingereicht und wird sich in das Privatlebe» zurück- ziehen, weshalb er auch mehrere ihm von feiten einiger Groß- industrieller gemachte Anerbteten abgelehnt hat.— — Hintertreppen- Politik. Die plötzliche Wieder- aufnähme der schon einmal begrabene» Etrasprozeß-Novelle ist das Werk eines heimlichen Treibens von Zentrums- und frei- sinnigen Abgeordneten. Di«„Freisinnige Zeitung" tvill zwar eine Belhciligung„der Mehrheitsparteien, welche bei diesem Gesetz in Frage kommen", in Abrede stellen; das Hauptgewicht ihres Dementirungsversuches liegt aber auf dem Ein- geständniß, daß unverbindliche Besprechungen„zwischen ein- zelnen Abgeordneten und RegiernngsvertreM«" stattgefunden haben. Das ist genau das heimliche Treiben. das wir in unseren gestrigen Ausführungen verurtheilt haben. Offen vor aller Welt wird die Berathnng in einer Weise abgebrochen, daß man den Ent- wnrf für endgiltig gescheitert hält. Unter Umgehung anders- denkender Fraktionsgeuossen suchen dann die kompromißsüchligen Freunde des Gesetzentwurfs im geheimen eine Verständigung z» stände zu bringe». Höchst charakteristisch ist das Verhalten der „Germania", welche sich den Anschein giebt, über die Vorgiiuge nichts zu wissen, als was die freisinnigen Blätter in etwas zu früher Red. seligkeit verrathen haben. Die„Franksurter Ztg", soviel wir sehen das einzige bürgerliche Blatt, das gegen dieses Treibe» entschiede» Stellung nimmt, schreibt mit vollem Recht: „Wenn man bedenkt, daß der Staatssekretär Dr. Nieberding der Richtung des Zeutrmns persönlich sehr nahe steht, daß der Reichstags-Präsident v. Buol dem Zentrum angehört, und daß ein sehr einflußreiches Mitglied des Zeulrums, der Abg. Dr. Rintelen, einer der reaktionärsten Juristen im ganzen Reichstag, / noch in der letzten Sitzung mit bewegten Worten um das Zusiandebringen der Vorlage gefleht hatte, so liegt des Räthsels Lösung nicht fern. Der Liberalismus wird alle Ursache haben, vor einem Geschenk auf der Hut zu sein, daß ihm von solcher Seite und in solcher Art geboten wird." Zu diesem auf der Hut sein hat der Liberalismus allerdings um so mehr Veranlassung, alS bei den bisherigen Berachungen die verhängnißvollsten Freunde des reaktionären Gesetzentwurfes in feinen eigenen Reihen saßen. Die einzige Partei, welche diesen Gesetzentwurf trotz aller scheinbaren Zugeständnisse in seinem reaktionären Charakter vollständig durchschaut und niit ausnahms- loser Geschlossenheit bekämpft hat, war die Sozialdemokratie.— — Die Gewährung von Diäten an die Reichstags- Abgeordneten unter gewiffen Einschränkungen soll, wie einige Blätter melden, in Regierungskreisen mit Rücksicht auf die schlechte Präsenz— erwogen werden. Am ruhigsten wartet die sozialdemokratische Fraktion die Ent- Wickelung dieser Frage ab.— — Noch ein erledigter Reichstagssitz? Den, „Kurqer Poznanski" wird gemeldet, daß der Zentrumsabgeordnele Rechlsanwalt Radivanski(welcher im vorigen Jahre im Wahlkreise Pleß-Rybnik mit bedeutender Stimmenmehrheit gegen den offiziellen Zentruinskaudidaten Freiherrn v. Huene gewählt wurde), sein Mandat niederzulegen gedenke. Vor einigen Tagen ist Herr R. von dem Disziplinargericht zu einer Geldstrafe von 3000 M. verurtheilt worden. Der„Kuryer" erblickt darin den Grund zu Herrn R.'s Entschluß.— — Nach dem„A r b e i t e r t r u tz", der 1891 vom Reichstage abgelehnt wmde, rufen heute wieder einmal die„Hamb. Nachr." in einem„Schutz der Arbeitswilligen" überschriebe»«! Leitartikel. So weit sind wir aber doch noch nicht! — S e l b st e r k e n n t n i ß. Das„Volk" schreibt in einem konfusen Leitartikel über„Lehrfreiheil":„Aber in der Volks- vcrsainmlnng tritt an die Stelle der Aufforderung zum Denken. die Aufforderung zum Handel n." Wir verstehen die Gegenüber- stellung nicht. Bei uns dienen die Volksversammlungen in aller erster Linie der Aufforderung zum Denken. Hat das„Volk" viel- leicht die konservativen, zum theil von Pastoren abgehaltenen Ver- sammlungeu im Auge, in denen Bauern zum Handeln, sogar zum ungesetzlichen Handeln, nämlich der Niederknüppelung gegnerischer Redner aufgefordert werden,»>»» sich das Denken zu ersparen?— Wandöbeck, 7. Mai.(Eig. Ber.) Bezüglich der Affäre des prügelnden Stadtralhs und Polizeichefs S ch o w wird mitgetheilt, daß der verprügelte Postbeamte VoUstedt, der sich übrigens in der Angst zur Ewpfangnahuie der Prügelstrafe bereit erklärt und sein Gesäß entblößt hatte, außer bei seiner vorgesetzten Behörde auch bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Altona Anzeige erstattet hat. Die Angelegenheit wird für den prügelsertigen Herrn nun zweifelsohne noch ein gerichtliches Nachspiel haben, zumal der Herr Polizeiches bei seiner Vernehmung durch den Oberbürgermeister un- umwunden zugegeben hat, daß er die Prügelstrafe schon in mehreren Fällen angewandt habe.— Königsberg(Pr.).(Eig. Ber.) Zur W a h l b e w e g u n g. Die Kandtdatenffage»lacht den bürgerlichen Parteien hier ganz außerordentliche Schwierigkeiten. Die freisinnige Volkspartei glanbie schon den rechten Mann zu haben, da starb er und sie mußte wieder auf ihren alten Kandidaten, einen Agrarier zurückgreisen. Die Anlisemiten glaubten schon im Glasermeister Störiner etwas nach ihrem Herzen gesunde» zu haben, da kommt Herr Lieberniann von Sounenberg hierher und bald sind die Frennde uneins, Herr Slörnwr zieht sich zurück. Die Nationalliberalen, die bisher immer niit den Konservative» Waffenbriiderschaft geschlossen halten, sind augenscheinlich am ärgste» in der Klenime. Allein können sie nicht vorgehen, da sie sich sonst in ihrer ganzen Bedeutmigs- lofigkeit zeigen würde». und eine Einignna mit den Konservativen will diesmal trotz aller Bemichnngen nicht zu stände kommen. Das ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß jetzt im Lager der Konservative» ein scharf bündlerischer Wind weht; das Organ derselben, die„Ostpreußische Ztg.", stößt, seitdem Herr Bley aus Berlin den Ehefredaktenr- Sessel eingenommen hat, kräftig ins Horn des Herrn von Plötz, keine Ge- meinschast mit der freihändlerischen Kanaille. Wie ganz anders ist da das Bild, welches uns die Sozialdemokratie bietet. Fest geschlossen, in sich gekräsligt, geht sie ruhig und plan- mäßig vor, die Verwirrung der Gegner erregt nur ihr Mitleid. Jedoch laffen sich die Genoffen durch ihre Siegeszuversicht durchaus nicht zur Unthätigkeit verleilen, denn sie wissen sehr ivohl, daß sie nur durch unermüdliche, aufopsernde Thätigkeit ihren Kandidaten Genossen Haas« durchbringen können. Uelzen, 8. Mai. Bei der heutigen Landtagsersatz wähl im 4. Wahlkreise des Regierungsbezirks Lüneburg wurde nach amt- licher Feststellung Ober-Regier»ngsrath v. Tzschoppe(frei- konservativ) mit den abgegebenen 147 Stimmen wieder- gewählt. — Noch ein vstelbisches Gesindeordnuugs- Idyll. Der Administrator des Gutes Boltenhagen in Pommern hatte einen„Knecht" Namens Karl Lüder gemiethet. Dem Manne siel die ihm obliegend« Arbeit zu schwer, und er verUeß darum nach etwa acht Tagen heinilich seinen Dienst. Das war un- zweffelhast ein rechtswidriges Beginnen. Für jeden Staatsbürger gilt nun der Satz, daß er sür die Schäden die aus der Nicht- ersüllung eines von ihn» abgeschlossenen Vertrages seinem Milkontrahenten erwachse», diesem hastbar ist. Zu einer Ersülluug seiner vertragsmäßigen Verpflichtungen, sofern diese in einem Thun bestehen, kau» er aber nicht gezwungen werde». Dies gilt, sagt die„Volks- Zeitnng", der»vir die Mittheilung entnehmen, richtig sür jeden Staatsbürger— mit Aus- »ahme aller derjenigen, die durch die Gesinde-Ordnung von 1810, jenes Uebcrbleibsel aus der Zeit der finstersten Leibeigeuschast, von der bürgerlichen Rechtsordnung ausgeschloffen werden. Hör«» wir nun, wie es dem Lüder erging: Nachdem er etwa vierzehn Tage bei einen» anderen Arbeit- geber beschäftigt gewesen war, erhielt er eine Aufforderung, sofort »ach Boltenhagen zurückzukehren bei Vermeifcnng von Strafe. Lüder folgte der Aufforderung, verließ aber alsbald wieder de» Dienst, weil der Herr Administrator ihn schlage» wollte. Nunmehr begann sür Lüder eine ununterbrochene Kette von Ver- folguugen und Bestrafungen. Zunächst wurde er zu 30 Mark Geld- strafe verurltzeilt unter gleichzeitiger Androhung einer erneute» Geld- strafe von 30 Mark sür den Fall, daß er nicht sofort nach Botten- Hage» zurückkehre. Lüder kehrte aber nicht zurück, und da er natürlich als„Knecht" leine 60 Mark zahlen konnte, mußte er „sitzen". Er saß im März siebzehn Tage lang. Ende des Monats wurde er ans der Haft entlaffe». Nach wenigen Tagen sollte er aber wieder verhaftet werden, um einige weitere Strafmandate im Gefängniß„abzumachen". Da er sich weigerte mitzugehen, erschien der Gendarm, schloß mit einer Kette dem Lüder die Hände über den, Rücken, band ihn an eine Leine und führte ihn ins Gefängniß ab. Dort blieb er eine Woche, so daß er jetzt im ganzen 36 Tage Hast verbüßt hat. Drei Tage nach seiner Entlassung erhielt er«in niues Strafmandat, und da Lüder erklärt hat:„Ick gah'»ich mit, leiwer häng ick mi up!" so wird sich das erbauliche Schauspiel der Fesselung wohl iviederhole». Und dos alles, weil Lüder nicht bei ei»«» Manne arbeiten will, von dem er fürchten muß. geschlagen z» werden. Sticht wahr? Es ist ein herrliches Gesetz, unsere Gesinde-Ordnung!— — Fromme E i s e n b a h n p o l i t i k. Die großherzoglich mecklenburgische Eisenbahndirektion hat betreffs der sogenannten Sonntags- Fahrkarten eine Abänderung getroffen, die, wie selbst die fromme„Germania" hervorhebt, fast überall Schütteln des Kopfes hervorruft. In früheren Jahren galten diese Sonntagsfahrkarten, die für Hin- und Herreise nur den einfachen Fahrpreis kosteten, den ganzen Sonntag; jetzt sollen ste nur mehr sür die Sonntag-Nachunttage nach beendigtem Haupt- gottesdienste verausgab» werden. Praktisch heißt das nicht viel anderes, als daß sie abgeschafft sind, weil die wenigsten Sonntags- fahrer mit dem Bruchstück von Sonntag»ach 4 Uhr Nach- mittags etwas anfangen können. Der Grund für diese Aende- rnng»vird allgemein im Oberkirchenrath gesucht, der die leeren protestantischen Kirchen etwas mehr füllen möchte. Ob dieses Mittel aber daS richtige ist, wird überall bezweifelt— wir glauben ganz entschieden, daß deshalb auch nicht ein Protestant mehr zur Kirche gehen wird. Den Katboliken, die über das Land zerstreut leben und nur a» vier Orten ständigen katholischen Gottesdienst haben, wird durch diese fromme Tarispolilik der Besuch des Gottesdienstes fast un- möglich gemacht. Deshalb auch der Widerspruch der„Germania V- — Der klagende Mohr scheint doch noch nicht ausgeklagt zu habe». Di«„Franks. Ztg." schreibt nämlich: In der bekannt«» Klagesache des Margarinefabrikanten I. H. Mohr in Altona« Bahrenfeld gegen die„Franks. Ztg." war in der Berufungsinstanz Verhandlung auf Donnerstag, den 13. Mai, anberaumt worden. Die Verhandlung, in der interessantes neues Material über den ver- flossenen nationalliberalen Landtags-Abgeordnelen mitgetheilt werden soll, ist jedoch verschoben worden. Dreödc«, 7. Mai.(Eig. Ber) Di« Aussichten der Umsatzsteuer für Konsumvereine. Dieses für die unteren Volksschichten ganz Sachsens wichtige Thema hat offiziell bis heute die Stadtbehörden von Dresden noch nicht bejchästigt. Infolge einer Eingabe der Konsumvereine„Vorwärts" und„Vorstadt Striesen" an Rath und Stadtverordneten mußten sich die Kollegien endlich mit dieser Frage beschäftigen. Die genannten Vereine er- suche» die Stadtverwaltung, dem vom Stadlsteueramt A ausgearbeiteten Entwurf für eine Gewerbesteuer-Ordnnug die Geneh- »itgmig zu versagen. Sie weisen hauptsächlich darauf hi», daß die Vereine vortheilhaft für eine große Zahl kleiner Leute seien, die mit einem AntHeil von nur 20 M. vollberechtigte Mitglieder sind- Ferncr wird bemerkt, daß der Konstunverein„Vorwärts".in den letzten 9 Monaten an»»direkter Reichsstener 181 126,20 M. und an indirekter städtischer Steuer 13 333,10 M. zahlt«. Die Eingabe rief bei den Stadtvertretern lebhafte Entrüstung hervor. Die Stadtverordneten Ahleinann und Stein forderte» im Interesse der geschädigten kleinen Geschäftsleute vom Rath« dringend, daß dieser s ch l e u n i g st die Umsatzstenervorlage bringen möchte. Ja, Stadtv. Stein machte dem Rathe sogar den Vorwurf, dieser habe der Vernichtung der kleine» Geschäftsleute durch die Konsumvereine mit verschränkten Annen zugesehen und bringe der Sache nicht das rechte Wohlwolle» entgegen. Bürger- meister Nake erklärte hierauf, daß sich allerdings ein engerer KreiL von Rathsnntgliedern mit dieser viel rechtliche Schwierigkeiten machenden Frage beschäftigte und in den nächsten Tagen eine Vorlage bringen werde. Das Minifterim» des Innern müßte aber erst entscheiden und dies würde in kürze st er Zeit geschehen.— Man kann neugierig sein, wie sich die„hellen Sachsen" ays dieser Sache herausziehen werden.— — Vom Niedergang der antisemitische«„ R e- formpartei". Die„Deutsche Wacht" in Dresden, das Hauptorgan der sich dentsch-soziale Refornipartei nennenden Anti- seniitcn, wurde vor einigen Jahren mit den größten Hoffnungen begründet. Dieses Blatt sollte das große Werk der Befreiung des deutschen Volkes von de» Juden anführen. Jetzt steht ans der Tagesordnung der nächsten Generalversaminlung daS Aktien- Unternehmens„Deutsche Wacht": L i q u ib a t i o» oder Weiter.' führung. Die„Wacht" bringt»un folgende Notiz unter Hin- weis auf die Versammlung:„Wir können die Mittheilung machen, daß in letzter Zeit neue Zeichnungen von Aktie» ziemlich zahlreich eingegangen sind. Wenn mit gleichem Erfolg forlgearbeitet wird, so dürste die Zukunst des Unternehmens in der bisherigen Gestalt gesichert sein." Nun, bis zur nächsten ReichstagS-Wahl wird daS ehrenwerkhe Organ vielleicht noch fortwursteln. Aber ewig pumpen die deutschen Mitlelstaiidsmänner dem Herrn Zimmermann auch nicht.— Oesterreich. Wien, 8. Mai. Abgeordnetenhaus. Abg. Funke erhebt Beschwerde darüber, daß die Jungczechen die Deutschen gewalt- sam verhindert hätten, die Rede des Jnstizininisters zu höre». Dies sei ein umvürdiges Beuehmen. Der Präsident erklärt, die gestrigen Vorgänge sei«» nicht geeignet, das Ansehe» des Parlaments z» beben. Die Abgeordneten müßten selbst das Gefühl haben, wie weit sie innerhalb der Gr«izen des Erlaubten gehen könilte».(Beifall rechts.) Räch Wiederausnahme der Debatte über den Antrag betreffend die Versetzung der Minister in den Aiiklagezustand erklärte Abg. Groß, die Deutschen erblickten m der Sprachenverordnung den ersten Schritt zur Errichtung eines Wenzel-Reiches und bekämpften die- selbe aus das entschiedenste. Graf Dnbsky beantragte unter dem Beifall des liberalen Großgrundbesitzes, und mit dem Ausdruck der Nichtbilligung des Vorgehens der Regiermig, über die gestrige Anklage als eine zu weitgehende Maßregel zur Tagesordnung über- zugehen.— I» der Debatte über die Anträge betreffend die Versetzung»er Minister in den Anklagezustand sprachen noch Menger, Schufter- schitsch und Scheicher, worauf die Berachung geschlossen»vurde. Räch den Schlußausführungen der beiden Generalredner Graf Falkenhayu und Kinderiaann sowie einer Reihe thatsächlicher Be- richtigungen wurde der Antrag Kaiz.l, über die Anklage-* Anträge zur Tagesordnung überzugehen, mit 203 geg«, 163 Stimmen angenommen.— Schweiz. Zürich, 6. Mai.(Eig. Ber.) Die eidgenössische Seefchlange der Unfall- und Krankenversicherung erfährt ein eigenes Schicksal. Seit langen Jahren fordern ste die Arbeiter und ihnen nahestehende Sozkalpolitiker, aber je länger es währt, je mehr verliert sich die Freude daran. Im„Et. Galler Stadt- Anzeiger" bezeichnet der auch im Auslande sozialpolitisch bekannte Pfarrer Dr. Hojfmann in Stettfurt(Thurgau) die Forrer'schen Entwürfe als untaugliche Zangengeburten und empfiehlt, vorläufig die Unfall- Versicherung einzusühren, da sie den Vorzug leichterer Durchführbar- keit und größerer Populnrtlät besitzt. Die Krankenversicherung sollte dmni später im Anschluß an die unentgeltliche Krankenpflege organisirt werden. Dieses Symptom der Volksstimmimg»vird zwar der freisinnigen Mehrheit in der BundeSver/aininlung wenig imponiren und sie wird die Einführung beider Versicherungeii nach ihrem Gutdünken beschließen, aber es verdient registrirt zu werden im Hinblick auf die spätere Volksabstimmung. Ein Initiativkomitee von vtelen Politiker» und wenigen Bauern ladet die bäuerliche» Vereine, Bünde und Genossenschasten ein zur Beschickung einer aus Sonntag, den 7. Juni, nach Bern einberufenen Delegirten- Versammlung zur Gründung eines allgemeinen schweizerischen Baüernbundes und Bauern- sekretariats nach deni Muster des schweizenschen Arbeite-- bundeS und Arbeiterselretariats. Die Bauern werden vom Bunde «iue Jahreesubvention von 26 000 Fr. verlangen. In der an» 1. Mai von den B a s I e r Genossen der Regierung gemachten Eingabe wird gefordert: Arbeitslosen-Bersicheruiig, AuS- dehmmg des Arbeiterinnenschutz- Gesetzes, kantonaleS Fabrik» inspektorat, gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Staatsarbeiter, Wohnungsresorm, Volkshäuser, proportionales Wahlverfahr«» und Vertretung der Arbeiter in allen Behörden.— Frankreich. — AuS dem Reiche de» französischen König!? Stumm. Wer noch daran zweifeln kann, daß die ökonomisch« Abhängigkeit der Urgrund der politischen Knechtschaft ist und selbst durch die freieften Staatsformen nicht beseitigt werden kann, der braucht jetzt nur hinüberzngehcn in die bürgerliche Musterrepublik! Frankreich und dort in daS Reich des Mustcr-Bourgeois Ressoguier: C a r m a n x. In Carmanx wollten die Arbeiter den 1. Mai seieri, — sie durste» es nicht: die Gesetze der Republik erlaubten es, abei! Herr Refföguier verbot es. Die Wähler von Earmaux wollten an. 1. Mai den Rechenschaftsbericht ihres Abgeordneten Jaurös anhör-n. Die Gesetze der Republik verbürgen ihnen das Bersaminlungsrec-.l. all«» Herr Refföguier verbot die Verfäinniluug; und da Janrss du» Verbot des Herrn Ressöguier mißachtete, so wurde auf Beseht de» Herrn Reffsguier die Versammlung auseinandergesprengt und»nu der hohen republikanischen Polize» ein jeder verhastet, der die Ge. setze der Republik höher stellte als die Ukase des Herrn Reffeguivo. Und es ist dies nicht das erste Mal, daß Genosse Jauräs«er- bindert word«» ist, seine» Wählern Rechenschaft abzulegen,«rei frühere Versammlungen sind ihm in gleicher Weise von Herr« Ressöguier verboten worden, dessen.Knute auch bis in dir Nachbarftädte reicht, so daß auch Versuche, in der Umgegend von Carmanx Versammlungen abzuhalten, an der Diktatur des Herr» Ressöguier's, Paschas von Earmaux, scheitern. Bebel, der von den reaktionär- monarchischen Behörden Deutschlands dara» verhindert wird, seinen deutsch. n Dahlem clr.in p.nsamentaiischen Rechelischastsberickt zu geben, b»! in JanrüZ, der unter republikamschrn Gesetzen rmen repubukani scheu Wnbltreis der Republik Fraulreich uerintt, einen Sclziclsalsgrnosicn gesunden; und zwar einen, nifm- �""ch schlimmer ergeht. Die reaklionär-monarchifche» Behörden Deutschlands sind nämlich nock; liberaler als der republü tainsche Herrscher von Cärmaux. denn Bebel kann wenigstens vnvatiiu mit seinen Wählern verkehren, während Herr Resseguier dem Genossen Jaurös den Ausenthalt in Carinaux und Umgegend einfach untersagt hat. Der Kapitalismus ist ein strengerer Despot als der despotischste PolUische Despot.— Belgien. I» Brüssel findet am Sonntag den 16. Mai eine große Manifestation von Bergleuten statt. Die Demonsiration gilt der Erlangung eines Gesetzes betreffend die Pensionirnng alter arbeilsunsähiger Bergleute.— Italien. — Ein Soziali st eu prozeß spielt sich in diesen Tagen vor den Gerichten in Genua ab. Angeklagt sind 25 Personen; 10 davon sind Mitglieder eines sozialistischen Klubs. Die 15 an deren sind Mitglieder der A r b e i t s k a m m e r, einer rein wirlh schaftlichen Institution. Die Angeklagten sollen gegen das Gesetz verstoßen haben, weil sie eine Bekanntmachung veröffentlichten, in der vor einen Kapitän Bruzza gewarnt wird, der italienische Arbeiter für einen Bahnbau in Argentinien anzuwerben suchte. Geladen find 40 Zeugen, für den Prozeß sind 4 Tage angesetzt.— — D i e s o z i a l i st i s d) e K a m m e r f r a k t i o n hat den Minister interpellirl über die Verhaftung des Romeo Fr ezzi und über dessen im Kerker erfolgten Tod. F r e z z i ivar unter dem Verdacht, an dem Attentat aus de» König betheiligt zu sei», ins Gefängniß gebracht morde», Ivo er nach zwei Tage» verstorben ist. Man nimmt an, daß er von den Gendarmen zu Tode mißhandelt worden ist.— Nuftlaud. — Zur R n ss ifizi ru u g der deutschen Schulen. �i» dem Erlaß des Unterrichtsministeriums, der die Einsnhruug der russischen Vortragssprache in allen von den deutsche» Kolonisten er- halteucn Elementarschulen versagt, wird bestimmt, daß im Unter- richte der Religiouslehre und der Muttersprache die deutsche Sprache auch weiterhin als Vortragssprachc zn verwenden und der Unter- richt in diesen beiden Lehrgegcnständen aufs sorgfälligste zn sifiegen sei.— Afrika. — I in H i n t e r l a n d e der Goldküste scheinen für England erhebliche Schwierigkeiten zu entstehen. Es kommt die Nachricht, daß die Expedition des Lieutenant Henderson durch Unterthaue» des Sultans S a in o r y niedergemetzelt seien. Mit diesem mächtigen Bianne, dessen Bereich sich bis zn den Quellen des Niger erstreckt, halten die Franzosen früher schon Kämpfe zn bestehen, die keinen Erfolg für die letzteren hatte». Mit England war Samory bisher befreundet. „Daily Chrouiklc" erzählt von ihm folgendes: „Er ist ein merkwürdiger Manu. In den letzten fünf- undzwanzig Jnbren hat er eine große Rolle in Westafrika gespielt. Er soll sich vom untersten Stande hinaufgeschwungen haben. Er machte die Leute glauben, daß er von Gott gesandt wäre, um ein großes mohauiedanisches Königreich in Westafrika zu gründe». Von kleinen Anfängen beginnend, baute er sein Reich auf. Er behauptet, 150 kleine afrikanische Staaten nnterjochl zu haben. In den letzten Jahren ist ihm der fränzöfische Einfluß in nördlichen und westliche» Theilen seiner Besitzungen entgegengetreten. 1882 befand er sich aus der Höhe seiner Macht. Damals reichte sein Reich von den Kongo> Bergen westlich bis zum Ursprung deS Niger und über de» Fluß hinaus weiter bis zum Senegal Seine Fußtrnppen waren mit modernen Gewehren bewaffnet. Der mit den Franzosen 1886 abgeschlossene Friede dauerte nirr 2 Jahre. Südlich vom Niger kam es zuerst zu Feindseligkeiten. 1889 trat ein Waffenstillstand ein, 1891 aber brach der Krieg aufs neue aus. In Tutu-Kcrn eroberten die Franzose» eines der großen Arsenale Dort waren 170 OVO Patronen für Magazingewehre Im Winter des Jahres 1892 eroberte» die Bissandugu, die westliche Hauptstadt des Sultans. 1894 wurden die Heere Samory's allmälig oft- kritische Grenze gedrängt. Die Franzosen ! nicht, die Hauptmacht Samory's zu ver Samory's. aufgehäuft. Franzosen 1893 und wärts gegen die aber erreichten c lassen wird, ist unmöglich abzusehen. Dem Berichterstatter Aldrich wird nachgerühmt, daß er ein tüchtiger Geschäftsredner ist, der die Anträge des Ausschusses zu vertreten ini stände ist. Eigentlich ist niemand so recht zufrieden mit der Leistung des Ausschusses, auch die Mitglieder des letzteren nicht. Der Tarifentwnrf in seiner jetzigen Gestalt, sagt der New-Dorker Berichterstatter der„Times". ist ein Bündel von Kompromisjen. Der Präsident folgt der Ent Wickelung der Dinge in aller Stille, aber mit dem größten Interesse. da von dem Ausgang das Glück seiner Berivaltnng und vielleicht seiner Partei abhängt. Die öffentliche Meinung hat gar keine Ursache, die Entwickelnng der Dinge mit Befriedigung zu verfolgen, denn das Geschäftsleben stockt, die Frühjahrsabschlüsse sind geringer als sonst gewesen, und man weiß nicht einmal, ob man unter der Herrschaft des neuen Tarifs schon im Herbste Geschäfte machen kann._ VttvlÄMvnkÄrilÄze-s. Die Bndgetkommisfion, die in der diesjährigen Session be sonders stark mit Arbeiten in Anspruch genommen ist und noch eine Menge Arbeiten zn erledigen hat, setzte in ihrer gestrigen Sitzung die Beralhung der Vorlage fort betreffend den Servistarif und die Klasseneintheilung der Orte in bezug au die Gewährung von Wohnnngsgcld. Die Menge der Petitionen, die eine Versetzung zahlreicher Orte in andere Klassen als die Regierungsvorlage sie vorschlägt, verlangten, und die Thal fache, daß durch die wirthschastliche Entwickelnng einer ungemein großen Zahl von Orten und namentlich durch die Veränderungen auf dem Gebiete der Wohnnngsmiethen die bisher maß- gebenden Grundsätze sich als vielfach nicht mehr zutreffend erweisen, veranlaßle» die Kommission zu einem wichtigen Beschluß: Sie beschloß in ihrer Sitzung am Freilag, daß der Servistarif und Aenderungen an den Servisklassen sich nirr auf die Qnartierleistuugen beziehen, aber die Klasseneintheilung für das Wohnuugsgeld nicht berühren sollten. In bezug auf letzteres solle vorläufig alles dein« alten bleiben, dagegen solle die Regierung veranlaßt werden, einen Gesetzentwurf einzubringen, der eine neue Veranlagung in der Höhe des Wohnungsgeldes vorschlage. Nimmt der Reichstag einen ähnlichen Beschluß an. so steht es bei der Regierung, ob und wann sie diesem Verlaugen Rechnung tragen will, vorläufig haben die anwesenden Kommissare gegenüber dem Beschluß sich in Schweigen gehüllt. Vom Standpunkt dieses Beschlusses der Kommission sind die Beschlüffe zn beurlheilen, die in der gestrigen Sitznng derselben gefaßt wurden. I» bezug auf Leipzig beantragte Herr v. Leipziger die Erhebung von Klasse 1 in Klasse A. Dieser Antrag wurde von den Abgg. Bebel und Lieber lebhast befürwortet, wohingegen die Re- gierungskommiffare und die Abgg. Dr. Hain mach er und v. Kardorff de» Antrag ebenso lebhast bekämpslen. Der Autrag Leipziger wurde mit II gegen 10 Stimmen abgelehnt. Für Gcesteiuünde-Lehe ergriff der als Vertreter einer von dort ausgehenden Petition anwesende Dr. Hahn das Wort, um die Versetzung Geestemünde's in die 1. Klasse statt in die 2. zu befürworten. Den Antrag unterstützten die Abgg. Lieber und Hainmacher, dagegen ivnrde er voi» der Regierung bekämpft. Der Antrag des Abg. Lieber, das Städtchen Hachenburg auf dem Westerivald von der 5. in die 4. Klasse zu versetzen, wurde abgelehnt, dagegen fand der Antrag des Grafen Holstein, die Stadt Oldesloe von der 4. in die 3. Klasse zu versetzen, Annahme. Ebenso ivnrde der An trag des Abg. v. Hertling, Neu-Ulin gleich Ulm in die erste statt in die zweite Klasse zu versetzen, einstimmig angenommen. Der Bundeskoinmissar für Bayer» gab an, daß die bayerische Regierung mit dem gleiche» Antrag im BuudcSralh unterlegen fei. Stach zivei- stündiger Dauer würde die Sitzung wegen Beginnes der Plenarsitzung abgebrochen. Nächste Sitzung Montag Vormittag 11 Uhr. Nichte».. In der letzte» Zeit scheinen sie stillschweigenden Frieden mit ihrem inächligen Gegner abgeschlossen zu habe». Als Samory auf der Höhe seiner Macht stand, hatte er 60 000 Krieger. Außer dem bilden 5000 Reiler seine Leibwache. Samory ist ein gläubiger Mohamedaner und hat in allen seine» Dörfern Moscheen gebaut. Mit puritanischem Eifer steuert er der Trunkenheil n»d dem Tabnks- genuß. Er selbst soll freilich i» dieser Beziehung nicht so strenge gegen sich verfahre». Er ist natürlich ein Sklavenbesitzer u»d war früher auch ein großer Sklavenhändler." Die Engländer hoffe», daß der Untergang der Henderson'schen Expedition nicht durch böse» Willen des Sultans, sondern durch zufällige Komplikationen geschehen sei und daß sich ein Feldzug werde vermeide» lassen. Anderenfalls dürste England vor dem bedeutendsten Kolonialkriege stehen, de» es je in Westafrika durch- zufuhren hatte.— Amerik«. Nelv-Vobk, Ende April.(Eig. Bei-.) Aus den kürzlich i» diversen Slaaten stattgehabte» Lokalivahlen ist»och ein interessantes Boikommniß zu vermelde». In Wausaü, Wisconsi», wo zwar keine Seklion unserer Partei besteht, aber die Genossen dennvch selbst ständig a» der Wahl iheiliiohme», erzielte» dieselben in einein der Stadtrathsbezirke die»«lative Majorität für ihren Kandidaten Da das System der Stich, vahlen dort ebeiiso wenig in Gebrauch ist, wie in andern Slaate», so war der belrefiende Genosse gewählt. Im Staate New-Jersey war das Nesullat sür uns ein verschieden geartetes. In Paterson(deffen Stadtrath schon seit mehreren Jahren u»ser Genosse Maguire angehört) bleiben wir ans dem alten Stand. I» Jersey Cily erhielten wir weniger Stimmen, als bei der Herbfiwahl, welches Schicksal indessen die übrigen Parteien mit uns lheilte», indem überhaupt nur 60 pEt. der damaligen Wählerzahl stimmten. In Elizabeth, Union Hill und Newark haben ivir um etwas zugenommen. Die stets slranirn schütz» zöllnerisch gewesene» Arbeiter in der„Hntsladt" Orange, welche sich bisher als unzngängllch für die sozialistischen Ideen zeigte, haben sich für das Ausbleiben der von der republikanischen Partei ver» sprochenen„Prosperität"- dadurch gerächt, daß sie ihren Götzen prügelten, d. h. gegen die repnblikanischen für die demokratischen Kandidaten stimmten; nicht ein einziges Stadtrachsmitglied erstem Konleur wurde gewählt. — Der Tarifentwnrf hat im Finanzansschuß des Senats eine ganz andere Gestaltung erhalten als diejenige, die der Abgeordnete Dingley ihm gegeben hatte. Die„Köln. Ztg." giebt folgende instruktive Zilsammenftellung: Es ist eine allgemeine Herab- seyniig der von letztere», vorgeschlagenen Zollsätze«ingetrete», und auch die finanzpolitischen Grundsätze, die diesen Abgeordneten leiteten, sind nicht länger maßgebend gebliebe», indei» man im Ausschuß den Gedanke» aufgegeben hat, durch die hohe» Schutzzölle der Bundes- lasse 70 bis 100 Millionen Dollar jährlich zuführen zu können. Man hat vielmehr die Nothwendigkeit eingesehen. Reihe von Fiuanzzöllen zu diesem Zwecke vorzuschlage», darunter eine» solchen auf Thee im Betrage von 10 Cent ras Pfund; ferner soll die inländische Abgabe auf Bier statt 1 Dollar für das Barrel 1,44 Dollar betragen. Dies« beiden in- direkten Steuer» sollen blos bis 1900 erhoben werden. Die bereits gemeldete» Vorschläge für die Wollzölle mit der Erhöhung für die dritte Tarifklasse sind vom Senator Jones im Ausschuß durchgesetzt worden, der durch die Erhöhung für diese Klasse den Herdenbesitzern seines Heimathstaates Nevada gefällig sein wollte. Außer den ge- meldete» Aendermige» der Sätze für Zucker werden wichtige Aende« rungen für Tabak. Steinkohle, Wein, Blei-Erze. Metalle und Nutz- holz beantragt. In ivelcher Gestalt nun der Tarif den Senat ver- D e v V v i e Z. Die Situation ans dem Kriegsschauplatze hat keine erhebliche Veräuderniig erfahre». Eine Depesche Edhem Pascha's an den Ikriegsniinister schildert die Kämpse, welche am Mittwoch und Donnerstag bei Velestino staltgefunde» habe», als sehr blulige; die Truppen der Brigade Eniolenskj waren offen- bar der beste Theil der griechischen Armee. Die Türken haben .am Freitag und Sonnabend den Marsch auf Volo sortgesetzt und '/ diese bedenlende Position, wie aus Larissa berichtet wird, bereits e i n g e n o m in e». Auch der rechte Flügel der türkische» Armee ist im Vormarsch befindlich von Pharsala ans längs der Bahnlinie. In K o n st a n t i n o p e l herrscht eitel Jubel. Die dortigen Blätter feiern mit großer Begeistenmg die unerwartete Einnahme von Pharsala. Das Blatt„Sabah" feiert den Sultan und de» Löwcniiiuth der türkischen Soldaten, welche wahre osmanische Helden seien. Bezüglich der F r i e d e n s b e d i n g u n g e u ist in de» Kreisen des Utldiz- Kiosk der Neberzengung Ausdruck ge- geben worden, daß die Türkei nicht in der Lage sein werde, das okkupirte Feindesland ohne Bezahl ilng einer entsprechen- den Kriegsentschädigung durch Griechenland zu räumen. Ob die Meldung, daß weitere 40 000 Mann nach der Grenze abgehen solle», auf Wahrheit beruht, erscheint doch sehr zweifelhaft, da ein« Nothwendigkeit dazu kaum vorliegt. In Athen scheint der Gegensatz zwischen dem König und dem Ministerium Ralli noch sortzudauer». Ralli möchte einen Volkskrieg entfachen und bis zum äußersten fortsetze». Der König, der für seinen Thron zittert, mag nicht Frieden schließen. Es kau» leicht zu einer Minister- krifis kommen. In der Stadt sieht es noch iinmer sehr bedrohlich aus, es soll völlige Unordiiung herrschen. D i e B e r m i t t e l n n g der Mächte hat noch keine srucht- bare» Erfolge gehabt. Wie verlantet, hat Deutschland sich jetzt auch bereit erklärt, an den Verhandlungen weiter theilzunehmen. Die schwierigste Frage dürste die sein, was mit Kreta werde» soll. Oberst V a s s o s ist nach eiiier Meldung der„Köln. Zlg" aus Kanea i» der Nacht zum Freilag mit 5 Offizieren auf einem italienischen Torpedoboot abgereist. Doch soll von griechischer Seite erklärt worden sein, daß Griechenland, falls die Mächte auf der Znrückbernsung der griechischen Trnppcn von der Jnscl Krela als einer Bedingung sür die Vermittelung »wischen der Türkei und Griechenland bestehen sollten, den Krieg d i s zur Vernichtung, vorziehen würde. So weil wird es aber sicherlich nicht kounnen. I» zwei Parlamenten ist die F r i e d e n s f r a g e, sei es be- handelt, sei es angeregt worden. Im ungarische n Abgeordneten- Haus begründete am Sonnabend Franz K o s s u t h«ine Jnterpellalio» an den Miuisterpräsidenicn folgenden Inhalts: „Dem Aeruehme» nach habe» die Verlreler der Groß- mächt« am 7. Mai der griechische» Regierung eine Note überreicht, i» welcher sie Einstellung der Feindseligkeiten und Abschluß eines Waffenstillstandes empfehle»; angeblich werden die Vertreter der Großmächt« eine Note desselben Inhaltes in Konstan- tinvpel überreichen. Der Interpellant fragt de» Ministerpräsidenten, ob dies« Nachricht der Wahrheit entspricht; ivenn nicht, ob Oester- reich-Uiigarn die Absicht hat, nach dieser Richtung hin die Initiative zn ergreisen, damit eine Fortsetzung des niitzlosen Blutvergießens, wenn möglich, verhindert werde." Ferner kam die Kretafrage am Freitag im englischen Unter- Hause zur Sprache. Bei der Berathirng des Etats des Auswärtigen Amts beantragte R o b s o n die Streichung von 500 Pfund bei dem Gehalt des Ministers des Auswärtigen und sprach eine MißbMigmig gegen die Politik betreffend Kreta aus. Curzon erwiderte, der Einfluß Englands sei zu gmisten des Friedens, der Bersöhumig und Mäßigung bezüglich Kreta'? aufgeboten worden und werde auch in Zukunst dahin streben. Obwohl die Beuvirklichnng des englischen Planes durch übereilte Rathschläge anderwärts verzögert worden sei,, verde die Politik der Regierung nicht ausgegeben werden; die Regierung hoffe dieselbe zu einem erfolgreichen Ausgange zu führen. Es sei unwahr, daß einige Mächte den von England ge- wünschten Rückzug der Türken verhinderten. Di« enropäischms Truppen allein könnten nicht die Städte mtb die«nselmanischei? Flüchtlinge beschützen. Würden die türkischen Truppen znrück- gezogen, so seien Metzeleien zu gewärtigen, im Vergleich mit denen die anlienischen unbedeutend gewesen feien. Es sei keine Hoffnung für Kreta, ehe den mohamedanrschen Bauern die friedliche Rückkehr in die Dörfer gestattet werde, was unmöglich sei. so- lange griechische Truppen auf Kreta seien. Er hoffe, daß die Abberufung des Obersten VassoS auf den Rückzug der griechischen Trnppen von Kreta hinweise. Dann wäre eine Venninderimg der türkischen Garnison und die Herstellung der Ruhe auf Kreta mög- lich. Das europäische Konzert sei für den türkisch-griechischen Krieg nicht verantwortlich, sondenr die Herausforderungen von feiten Griechen- lands. Die Mächte seien zur Vermittlung bereit gewesen und seien es auch noch, sie hätten ihre Bereitwilligkeit zur Vermittelung ausgedrückt, falls Griechenland gewillt sei, dieselbe anzunehmen. Die Opposilion handele unweise, wenn sie das europäische Konzert angreise; für Armenien, Kreta und die andere» Unterthaue» der Türkei könne nichts, wenn nicht in Uebereinstimmung mit den anderen Mächten, geschehen. Hierauf wurde der Antrag Robson mit 169 gegen 63 Stimmen abgelehnt.— Wir lassen die in der Nacht eingetroffenen Depeschen folgen: K o n st a n t i n o p e l, 8. Mai.(Meldung des Wiener Telegr. Korresp.-Bnreaus) Eine Depesche des Blattes„Sabah" vom 7. d. M. meldet, nachdem die Divisionen Hamdi und Memdnh nach hartnäckigem Kampse die Pharsala dominirenden Positionen besetzt hatten, nahmen am nächsten Tag die Brigade Hassan der Division Hamdi Pharsala ein. Die ganze Bagage des Krouprinzeii Constanti», 6 Gebirgsgeschütze und viel Kriegsmaterial wurden erbeutet. Ferner wird die Einnahme aller Befestiguiigen bei Pilas-Tepe und die panikartige Flucht der griechischen Trnppen gemeldet. Von Velestino flüchteten die griechischen Truppen theils nach Hermios, theils nach Kanali. 1500 Mann flüchteten von Kapurna, 250 Mann von fterasia nach Volo, 100 Einwohnen in Jenidsche legten die Waffen nieder und unterwarfen sich.— Eine Depesche des Blattes„Jkdam" vom 7. d. M. aus Gerli meldet: Infolge des gestrigen Sieges der 5. Division vor den Thoren von Velestino wurden von seiteil der griechischen Truppen bei Karadaghi mit großen Kräften lind der äußersten Energie von allen Seiten Gegen- angriffe gemacht, sie konnten jedoch den türkischen Trnppen nicht Sland halten und flohen mit großen Verlusten. Velestino, 8. Mai.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus".) Die Griechen haben Volo verlassen. Kriegsschiffe Englands, Ruß- lands, Frankreichs und Oeslerreich-Uiigarus landeleu Mannschaften, um die von Truppen entblößte Stadt zn schützen. Die Konsul» sind hier eingetroffen, um mit Edhem Pascha zn verhandeln. Türkische Truppen rücken in die Stadt ein, um dieselbe in Besitz zu nehme». Die Griechen sind nach Almyro geflohen-, um sich init der Armee in Doinokos zu vereinigen._ Tie Sozialdemokratie der Provinzen Schlesien nnd Posen hält ihren diesjährigen Parteitag am 6. Juni von Vor- mittag 11 Uhr an in O b e r l a n g e n b i e l a u im Gasthof zum Deutschen Kaiser ab. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Di« nächsten Reichskagsmahleu, 2. Agitations- und Organisationssragen, 3. Unsere Presse, 4. Verschiedenes. Alle Antrüge müssen sich bis spätestens 27. Mai in Händen des Parteigenossen Josef Giesmann (Breslau, Gräbschener Straße 40, I) befinden, wenn sie in die den Delegirten zuzustellende» Drucksachen aufgenoiiimen werden sollen. Diejenigen Kreise, welche bisher die Aufstellung des Kandidaten zur Reichstagswahl noch nicht bewirkt haben, werden aufgefordert, dies »lliimehr schleunigst zn thun oder, falls sie eine Erledigung dieser Frage durch de» Parteitag wollen, ihre Wünsche dem ebengenamiten Genoffen mitzutheilen. Po» der Agitation. Im Bezirk Münden des XII. h a n- noverschen Wahlkreises haben die Genossen die Agitation für die nächstjährige Reichstagswahl bereits eingeleitet. Der Kandidat des Kreises, Heinrich Schulz aus Berlin, dielt in fünf Dörfern der Umgegend Versammlungen ab, wo er das Thema:„Nieder mit der Sozialdemokratie!" behandelte. Die Versammlungen waren gut, lheilweise vorzüglich besucht, so in Lutterberg von nahezu 50, in Lippoldshausen von etwa 60 Personen. Die Elimmuiig der Anwesenden war ebenfalls ansgezeichiiet, ohne jede Störung ver- folgten sie den Vortrag mit größter Anfmerksamkeit. I» sämmtlichen Ortschaften wird Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen er- wartet und in einzelnen sogar Verdoppelung der Stiinuienzahl. Tobteulistc der Partei. In New-York ist der Partei- genösse Engelbert B r ü ck m a n» aus Hamburg-Altona ge« siorben. An der imposanten Bestatliingsfeierlichkeit betheiligten sich auch viele der in den benachbarten Orten und Staaten lebenden alten Genosse» ans Hamburg-Altona, mit denen Brückmann seiner- zeit zusammen in der Bewegung stand und die mit ihm nach Ver- hänguug des Belagerungszustandes von dort ausgewiesen und folge- dessen ausgewandert waren. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Die Parteigenossen R e i m a n n nnd Barenthin in Berlin halten, wie seinerzeit im„Vorwärts" mitgelheilt worden ist, wegen angeblich öffentlicher Verbreitung des„Märkischen Volksboten" in Königsberg in der Neumark einen Slrafbefehl in Höhe von 20 M. Geld- oder sechs Tagen Haflstrase erhalten, waren !edoch vom Schöffengericht freigesprochen worden. Gegen dieses llrtheil legte der Vertreler der SlaalSbehörde Bernsung ein, das Landgericht in Küstrin erkannte jedoch ebensalls ans Freisprechung, und zwar weil nicht bewiesen werden konnte, daß die Schrislen öffentlich verbreitet worden sind. — I» der Expedilion der„S o n n t a g s- Z e i t u n g" in Halberstadt wurde die Restauflage(zirka 100 Exemplare) der Nummer vom 2. Mai wegen einer Noliz ans Wernigerode beschiag- nahmt. In der Noliz soll ein Beamter beleidigt sein. und letzte Mttcheichten. Wie», 8. Mai.(W. T. B.) Wie hiesige Blätter melden, fand infolge eines in der vorgestrige» Sitzung des Abgeordnetenhauses von dem Juiigczechen Horica gegen den Schönerer- Anhänger- Wolf ausgestoßenen beleidigenden Zurufes heute ein Säbelduell statt, bei dem beide Abgeordnete Verletzungen an der Hand, und zwar Hoeie i schwerere nnd Wolf leichtere, davontrugen. Beide erschiene» spätcr in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses. Athen, 8. Aiai.(B. H.) Ans Volo wird gemeldet, daß die Türken«inen von Velestino nach Volo abgelasseuen Eiseubahnzug mit Verwundeten in die Luft gesprengt haben. Athen, 8. Mai.(B. H.) Pharsala ist von den Türken zum größten Theil»iedergebrannt. Athen, 8. Mai.(B. H.) DaS Gerücht, wonach Domoko von den Türken genommen sei, ist unbegründet. Der Kronprinz tele» graphirte, daß er die Truppe» inspizirt und die Höhen von Domoko habe besestigen lassen. Nene Verstärkungen griechischer Trnppen sind in Domoko eingelroffeii. Ebenso landcien Ikriegsschiffe griechische Truppen in Volo, welches von den Griechen, unterstützt durch die Flotte, vertheidigt werden wird. � Athen, 8. Mai.(B. H) Der sranzösische und der englische Gesandte verständigten den König, daß ihre Regierungen zur Ber» mitleluiig geneigt seien, Deulscblaiid jedoch nach wie vor auf vor- herige vollständige Räumung Kreta's bestehe. Der König erklärte, hierauf nicht eingehen zu können, weil er sich damit eine» werthvolle» Gegengewichts bei den Friedensverhaiidlunsen begeben würde. Seinen guten Willen habe er schon dadurch bewiesen, dag er den größleu Theil der Osfiziere nnd emen Theil der Truppen von Kreta abberufen habe. Tanger, 8. Mai.(Meldung der„Agence Havas".) Der panische Renegat, der den deutschen Bankier Hähner- ermordet ho:. wurde heute nach Spanien übergeführt, wo ihm der Prozeß gemache werde» soll. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratcntheil veranlwortlich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Pading in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. Ilnterhattimgsbl.ittT' 1». 107. Ii. laitpj. i. Keilllge des Dmillts" Kerlmer WIKsdlM.». m Neirhsksig. 218. Sitzung vom 8. Mai. 12 U h r. Am Tische des Bundesraths: vu» Bollicher, Nieder- d i u g. Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathung des Aus- w a n d e r u» g s g e s e tz e s. Zur Generaldiskussion bemerkt Abg. Metzger(Soz.): Wir haben Widerspruch gegen den ersten Thcil der Vorlage erhoben, weil die Experimente, die ma» inachen will, den Answandererstroi» zu hemmen oder zu lenken, schließlich den Steuerzahlern zur Last fallen. Sonst hätten wir keine Ursache. irgend eine Regierung zu verhindern, sich bei solchen Versuchen zu blamiren. Der zweit« Theil der Vorlage ist uns durchaus sym- pathisch. Desivegen haben wir daran mitgearbeitet und Ver- befserungen versucht. Aber etwas ist in der Vorlage ganz vergessen. Die Answandererschiffe solle» geprüft werden in beziig auf die Einrichtung. Ausrüstung, Verproviantirnng u. s. w.. aber von der Mannschaft ist keine Rede, trotzdem diese aiich� nach dem Handels- Gesetzbuch zu einem richtig aus- gerüsteten Schiffe gehört. Wir haben deshalb im Interesse der deutschen Seeleute einen Antrag gestellt, der für die gehörige Be- mannung der Schiff« sorgen will. Bei früherer Gelegenheit hat der Staatssekretär v. Bölticher einmal erklärt, daß es begreiflich sei, wenn der Answanderungs- Kommissar feine Revisionen vor- her anzeige, damit die Mannschaft an ihrem Platze sei» könne. Der Kommissar in Hamburg habe«ine andere Ans- faffung davon gehabt und revidire ohne vorherige Anzeige, wieder- hole auch die Prüfung des Schiffes, wenn es auslaufe. Damit schließt die Generaldisknssion. Bei Z 2 führt Abg. Hainuiacher(natl.) aus, daß die in zweiter Lesung be schlösse»« Zustimmung des Bundesraths zur Erlaubniß für die Answandernngsiiiiternehmer eine Verschlechterung enthalte, insofern als der Reichskanzler in eine Zwangslage komme, wenn er die Ge- uehmigung versagen wolle, während der Bundesrath gegeutheiliger Meinung sei. Der Reichskanzler, der allein verantwortlich sei, komme dann in die Lage, gegen seinen Willen eine Konzession z» erlheilen. Abg. Graf Arnim(Rp.): Ich glaube, der Reichs kanzler wird sich über solche Dinge mit dem Bundes- rathe auseinandersetze». Die Nachgiebigkeit eines Abthcilungschefs in der Kolonialverwaltnug hat gezeigt, zu welche» Folgen man kommt; ohne diese Nachgiebigkeit wäre» die unseligen Verträge mit den englischen Gesellschaften in Südwestafrika wohl nicht abge schloffen worden. § 2 wird nach weiterer durchaus unerheblicher Debatte un- verändert aiigeNvmnieu, ebenso die ZZ 8—23. Z»§ 24, wonach verboten ist die Beförderung von Personen, deren Verhaftung oder Festiiahme von einer Gerichts- oder Polizei- bebörde angeordnet ist, liegt ein Antrag der Sozialdemokraten vor, daß das Verbot nur gelten soll, wen» ein Vergehen oder Verbreche» vorliegt. Nachdem Abg. Stadthagcn(Soz.) diesen Antrag vertheidigt, Abg. Spahn(Z.) gegen denselben Widerspruch erhoben hat, wird derselbe abgelehnt und ß 24 unverändert genehmigt. Nach§ 34 hat der Unternehmer dafür zu sorgen, daß das Schiff seetüchtig, zweckmäßig eingerichtet, ausgerüstet und ver- proviantirt ist. Die Sozialdemokraten beantragen, daß das Schiff auch gehörig beinauut sein soll. Nnterstaatssekretär Rothe: Der Bundesrath wäre vor eine un lösbare Aufgabe gestellt, wen» er bis zum 1. April 1893, zu welchem Zeitpunkte das Gesetz in kraft treten soll, dies« Frage löse» sollte, die alle seefahrende» Nationen noch nicht haben löse» können. Vielleicht entschließt sich der Antragsteller, den Weg der Resolution einzuschlagen. Erwogen wird die Frage jedenfalls werden. Abg. Spahn(Z.) spricht sich ebenfalls für Ablehnung des An träges aus. iveil die bez. Vorschrift des Handelsgesetzbuches ausreiche. Abg. Jcbsen(nall.) schließt sich diesen Ausführungen an. Abg. Stadttzagc»(Soz.): Nach dem Handelsgesetzbuch haftet nur der Schiffer; was nützt diese Haftung, wenn der Rheder die nöthigcn Mittel nicht bewilligt. Die Haftung muß dem Unternehmer auferlegt werden, und ihre Vernachlässigung muß strafbar gemacht werden. Wenn der Schiffer für die gehörige Bemannung haftbar gemacht werde» soll, warum soll dies dem Rheder gegenüber un- möglich sein? Redner empsiehlt zugleich einen Zusatz zu§ 3S, der von der Besichtigung des Schiffes handelt, dahin, daß der Besichliger biS zur Abstellung seiner Erinnerungen gegen Seetüchtigkeit. Be- mannung nnd Verproviantirnng das Auslausen der Schiffe ver- hindern kann, wozu ihm nach der Vorlage kein Recht zusteht. Abg. Jebsc»(natl.) weist darauf hin, daß selbst in England solche Bestimmung»»cht besteht.(Znrnf: Im Unfallgesetz steht es auch!) Dann kommt es doch auch hierfür in betracht. Abg. p. Cuuy(»all.) fflilt es für selbstverständlich, daß bei eiheblichen Mängeln die zuständige Behörde das Auslaufen vev hindern wird. Der Antrag ist also überflüssig. Abg. Bebel(Soz.): Es ist vorgekommen, daß ein Schiff für den gewöhnliche» Dienst genügend bemannt ist, während die Mamv schasl nicht ausreicht, um die Rcttilngsboote vollständig zu besetzen Es kann doch kein Bedenken vorliegen, eine Bestimmung, die im Unsallgcsetz steht, auch in dieses Gesetz aufzunehmen. Die Anträge werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Für de» vorgestern angenommenen§ 48a, betreffend den Mädchenhandel, liegt heute eiue vom Zentrum vorgeschlagene neue Faffung vor, welche folgenden Wortlaut hat: .Wer eine Frauensperson zu dem Zwecke, sie der gewerbs- mäßigen Unzucht zuzuführe», mittels arglistiger Verschweigung dieses Zweckes zur Auswanderung verleitet, wird mit Zuchthaus bis zu S Jahren bestraft. Neben der Zuchthausstrafe ist der Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte auszusprechen; auch kann zugleich aus Geldstrafe von IfK) bis zu 6000 M. erkannt werden sowie ans Zu- lässigkeit von Polizei-Aussicht. Dieselben Strafvorschristen finden auf denjenigen Nnwendung, welcher mit Kenntniß des von: Thäter i» solcher Weise verfolgten Zweckes die Auswanderung der Frauensperson vorsätzlich be- sördert; sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefangniß- strafe nicht unter drei Monaten ein." Abg. Bachem(Z.) empfiehlt die Annahme de? Antrage?, der sich der Sprache und Technik des Strafgesetzbuches, namentlich in dezng auf da? Strafmaß, anschließt. Die dem Verbrechen der Ver- leitung zur Prostitution gleichstehenden Verbrechen sind höchstens mit 5> Jahren Zuchthaus bedacht. Abg. p. Buchka(dk.) empfiehlt zum zweiten Absätze einen Zusatzantrag, der dahin geht, daß»eben der Geiängnißstrase auch auf Geldstrafe von ISO— 6000 M. erkannt werde» kann. Der Antrag Bachem wird mit diesen» Zusätze angenommen. Zu§ k>0 erklärt Abg. v. Hohenberg(Welse), daß durch die Aufnahme des s 6 in die Borlage dieselbe für diejenigen nicht mehr annehmbar sei, die für die Auswanderer etwas thnn wollte», aber nichts zur Enveilerung der Befugnisse der Behörden. Redner be- zweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses. Das Bnr-eau schließt sich diesem Ziveifel an; die Sitzung wird daher um 2V, Uhr abgebrochen. Vizepräsident Schuiidt setzt»ine neue Sitzung zur dritten Be- rathung des Margarine-Gesetzes a»f 3 Uhr an. Abg. p. Cuuy(natl.) erhebt Widerspruch gegen die Berathung des Margarine-Gesetzes. weil die Geschäftsordnung eine zweitägige Frist zwischen zweiter und dritter Lesung vorschreibt. Vizepräsident Schmidt erklärt einen solchen Widerspruch bei der Beschlußnnsnhlgkeit des HauseS für nicht zulässig. 219. Sitzung. 3 U h r. Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher. Aus der Tagesordnung steht die dritte B e r a t h u n g des Gesetzentwurfs betreffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz nnd deren Ersatzmitteln. In der Generaldisknssion erklärt Abg. Fnsaugel(Z.). daß er nicht für die Vorlage stimmen könne. Abg. Herbert(Soz.) bekämpft ebenfalls die Vorlage, welche nur dazu diene» werde, den arbeitende» Klasse» ein billiges Nahrungsmittel zu verthenern, die auch den Miltelstand schädige» werde durch die Bestimmung über die getrennte» Verkaufsräume wodurch gerade die kleine» Händler besonders betroffen würde». Abg. Richter(frs. Vp.): Auch wir wollen den Ollitrag in jeder Weise bekämpfen, aber wir wollen nicht den Verkauf eines in weiten Kreise» verwendeten Nahrungsmittels verhindern oder erschweren. Namentlich erheben wir Widerspruch gegen die getrennten Verkaufs- räume. Auch die Strafbestimmunge» geben uns zu erheblichen Be- denken Veranlassung. Abg. Benoit(frs. Vgg.) erklärt sich ebenfalls gegen die Vor- läge. Abg. Rettich(k.): Die Vorlage liegt gerade im Juteresse der Arbeiter; je mehr die betrügerischen Manipulationen mit der Misch- buller verhindert werden, desto billiger muß die Margarine werden. (Widerspruch links.) Gerade bei de» Händler» kommen viele Fälschungen vor. das ist durch die polizeilichen Untersuchungen fest- gestellt. Bei den Landwirthen sind aber solche Fälschungen nicht vorgekommen. Abg. v. Grand-Ry(Z): Ich will nur Protest erheben dagegen, daß die Vorlage gegen die sämmUichen Händler gerichtet ist, sie richtet sich nur gegen die betrügerischen Händler. Abg. Kruse(natl.) wiederholt namens des größten Theils seiner Freunde seine Erklärung aus der zweiten Lesung, daß die- selbe» gegen das ganze Gesetz stimmen würde», wenn die Trennung der Verkaufsräume aufrechterhalten würde. Die übrige» Be- stiinmnngen des Gesetzes reichen aus, jede Täuschung zu verhindern. Abg. Schnlzc-Henne(natl.) erklärt sich für das Gesetz. Nachdem nochmals Abg. Herbert gegen die Vorlage gesprochen, wird die Generaldisknssion geschlossen. Zu§ 4(getrennte Verkaufsräume) liege» zwei Anträge vor: l. von den Sozialdemokraten, die Bestinnnuug über die getrennten LerkanfSräume zu streichen; 2. von den Abgg. v. Grand-Ry». Gen., welche besondere Btstiinnluugen treffen wollen für die Ortschaften, welche iveniger als öOOO Einwohner habe», aber in baulichem Zusanimenhange mit Ortschaften über SOOO Einwohner» stehen. Abg. Rettich(k.) vertritt diesen letztere» Autrag. Abg. Wurm(Soz.): Wir wollen de» letzten Versuch mache», den Konimijsiousbeschluß wieder herzustellen, werden aber schließlich gegen das ganze Gesetz stimmen. § 4 wird nach dein Antrag von Grand-Ry angenommen. Zn§ 7 haben die Sozialdemokraten ihren Antrag wiederholt, daß auch die Butlerproduzenle» von ihrem Betriebe Anzeige machen solle». Abg. v. Plötz(k.): Wir können für den Antrag nicht stimnien, weil er die kleinen Butterproduzenten nicht freiläßt. Abg. Barth(frs. Vg.): Wenn Sie die kleinen Butter- Produzenten nicht uliter das Gesetz fallen lasse» wollen, dann lassen Sie doch auch die kleinen Händler heraus. Redner beantragt des- halb, die Worte„oder vertreiben will" zu streichen, sodaß nur die Margarineproduzenten ihre Betriebe anzeigen müssen. § 7 wird mit dem Antrage Barth angenommen. Bei ff 8 konstatirt Abg. Barth, daß»ach den z» ff 4 gefaßte» Beschlüffen Butler nnd Margarine nicht i» denselben Räumen feilgeboten werde» könne»; ebenso wenig Bntterkäse nnd Margarine- käse; aber es ist nicht ansgeschlosse», daß die Butter und der Mar- garuiekäse oder die Margarine und der Bulterläse in denselben Räumen verkauft werden.(Heiterkeit.) ff 8 nnd der Rest des Gesetzes werden unverändert angenommen. Präsident V. Buol will die namentliche Abstimmung über das Gesetz im ganzen vornehmen lassen; Abg. v. Lcvctzow macht >edoch darauf ansnierksain, daß bei der Annahme mehrerer Anträge erst eine Zusammenstellung der Beschlüsse erfolge» müsse. Die Abstimmung wird darauf auf eine spätere Sitzung ver- schöbe». Schluß 4Vs Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr(Acndc- rung des Reliltengesetzes, zweiter Nachtragselat und Petitionen). VtftmmmsleS. Die Anstellung eineö städtische» Hydrologen wird vom Magistrat beabsichtigt. Demselben sollen folgende Geschäfte über- tragen werden: 1. Vierzehntägigc bakteriologische Untersuchungen (wie sie jetzt durch das Hygienische Jnstitni ausgeführt werden). 2 Vierzehntägiae chemische Untersuchungen mit Berichterstattung und graphischen Zttsaininenstellungen der Resultate unter Berücksichtigung der durch Fitlration erreichten Erfolge. 3. Forllausende— evcnt. tägliche— bakteriologische Untersuchungen der Wasser auS den einzelne» Werken nach besonderer Anweisung der Direktion. 4. Versolgung aller Fortschritte, welche auf dem Gebiete der Waffergcwinnnng gemacht werden und, wenn verlangt, kritische Bourtheilnng derselbe». 5. Selbständiges experiinenlelles Studium der Probleme, welche ans dem Gebiete der Hydrologie mid der damit verwandte» Fächer noch zu lösen sind, und Bericht- erstattung hierüber an die Depniation der städtische» Wasser« werke. 6. Beanssichtigung der Bohrnnge» bei Brunnen- anlagen, Registrirnng aller bei Tiesbohrnnge» über die Beschaffenheit des Untergrundes und des Grundwassers ge> wonneneu Ansschlüsse bczw. Aufstellung der Entwürfe siir Brunnenanlagen. 7. Bearbeitung nnd Beaufsichtigung der besondere» kleinen Wasserwerks- Anlagen innerhalb»nd außerhalb der Stadt. 3. Prüfung der Abwasser von Fabriken i» die öffentlichen Gewässer, welche einer Aussicht seitens der Stadt im Interesse ihrer eigenen Wasserwerke unterliegen nmssen. Für diese Stelle ist der Betrieb»- Ingenieur Pieske. welcher nach Einstellung des Betriebes aus den Werke» vor dem Stralauer Thore disponibel geworden ist, in Aus- ficht genomme». Tic Stadt- Bauiiespcktio« Nr. IV für Hochbauten(Herr Stadt- Baninspeltor Frobenius) ist am 8. Mai d. I. aus dem Berlinischen Rathhanse nach Slralauerstr. 3/6— Seitenflügel links III. Stock— verlegt worden. Eben dahin zieht am 10. Mai d. I. auch die Hochban-Jttspektion Nr. III»(Herr Stadt-Bauinspeltor Weber) aus dem Berlinische» Ralhhause um. Lokales. Zun» Falle Ziethen. Die„Berk. Ztg." ist i» der Lage, das Protololl zn verössenllichcn, in welchem sich August Wilhelm, der ehemalige Lehrling seines im Zuchlhanse befindlichen Meister?. als Mörder der Frau Ziethen bekennt. Dieses vom Unlersuchungs- richter Marx am 20. Juni 1337 in Elberfeld anffteiioimnene Protokoll lautet in feinem wichtigeren Theil, der mit dein Ge- ständniß beginnt, das Wilhelm vor seinem Prinzipal, den, hiesigen Bärbier Piesker abgelegt ha«, wie folgt: Am Frohnleichnamstage fragte mich Piesker, warum ich denn eigentlich weg wollte und was ich für einen Grund habe Ich ent- geguete:„Ich habe eigentlich keinen Grund, ich will einmal wieder weggehen." Piesker sagte:„Ich will es Ihnen denn sagen, Sie sind es, der die Fra» Ziethen erschlagen hat." Ich bestritt dies »nd sagte:„Wenn jeniand zugegen, würde ich sie gerichtlich belangen." Piesker wußte nun mir vorznhallc»,„ivelch' rührende Briese Ziethen aus dem Znchthause schreibe nnd daß ich mir einen Gotleslohn ver- dienle, wenn ich die Wahrheit sagte." Ich habe dem PieSker dann geantwortet:„Ja, ich bin es geivesen, ich habe die That jedoch ganz unüberlegt begangen, da ich angetrunken ivar. Aus Furcht vor Strafe habe ich den Z i e t h e il beschuldigt." Auch heute vermag ich kein anderes Motiv für die That an- zugeben, als daß eine momentane Aufwallung, vielleicht hervor- gerufen durch den genossene» Branntivei», die Lust nach Blut in mir geweckt und mich zu der That getrieben hat. Ueber die Ausführung derselbe», wie ich zu dem Hammer gekommen bin und dergleichen vermag ich nichts mehr anzugeben, als daß ich blind auf die an der Gasuhr beschäftigte Frau Ziethen losgeschlagen habe. Genau entsinne ich mich aber, daß ich nach der That meine Hände an der Pumpe ge- waschen, an dem auf dem Flur hängenden Handluch getrocknet, de» Hammer in einem Waschbecken gewaschen, mit einem 5tsü ch e n- messer das Blut am Stiel abgeschabt und mich dann leise zn Bell begebe» habe. Das Abspänen habe ich in dem Flur nebe» dem Wasch« knbel vorgenommen. Als ich aber nach oben gehen wollte, horte ich jemand an der Thür»nd nahm an, daß dies der von Köln lommende Ziethen sei. Ich war an dem Abend in dem Hause meiner Ge- liebten Auguste Kestiug gewesen und hatte hier Branntwein getrunken. Als ich zurückkehrte, war der Lehrling Volberg bereits zu Bette. AlS ich am Tage nach der That ins A r r e st h a» s eingeliefert wurde, wurde mir meine Hose, iv e I ch e m i t B l u t b e f l e ck t war. abgenommen. K u r, vor der Verhandlung erhielt ich dieselbe zurück und habe ich die Blutflecken mit W a s s e r nnd Bürste, die ich im Arrest hause erhielt, ans- gemacht. Wenn mir vorgehalten wird, die Ehefrau Ziethen habe wiederholt ihren Ehemann als de» Thäter bezeichnet, so erkläre ich inir dies dahin, daß Frau Ziethen dies um deswillen angenommen hat, weil ihr Eheinann die erste Person war, ivelebe nach vollbrachter That mit ihr gesprochen hat. Die Ehefrau Ziethen hat mich nämlich nicht gesehen, als ich s i e erschlug. Ich kam leise von Hinte», während sie sich nuch vorn zn der Gasuhr gebeugt Halle. Ich bin fest überzeugt, daß dieselbe nickt gewußt hat, daß ich sie mit dein Hammer geschlagen habe. Mein Bestrebe» i st dahin gerichtet, den u n- schnldig verurth eilten Ziethen, s o bald als in ö g l i ch i n Freiheit zu bringen. Mein Gewissen a l l e i n b e st i m m t mich hierzu. Andere als die g e- nannten Eheleute Piesker nnd der Maurer Berget haben ans mich nicht eingewirkt. Albert Ziethen sitzt trotz diesem Geständniß noch heute, nachdem zehn Jahre verflossen sind, im Zuchthause! Tie Große Berliner Pferdebahn- Gesellschaft läßt»och nicht locker 1 Die Siibkominission der städtischen Verkehrs- d e p ii t a t i o n hatte unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirsch»« eine Besprechung mit den Vertretern der Pferdebahn- Gesellschaste» über den Belriebsuniwandlungs- Vertrag. Abgesehen von einigen geringfügigen, zum theil nur in der Fassung liegenden Differenzen erklärten die Berlreler der Gesellschaften die Vestiniiiiiingen des Vertrages Über die Gewiiinbetheiligung und die Mitbenntzung in der von den Stadlverordiieten angenoiulnenen Fassung für unannehmbar. Die Gesellschaften wollen eine Ge- winiibelheiligung zur Halste, wie sie der Vertragsentiviirf fordert, nur dann einräumen, wenn, abgesehen von 6 pCl. des neu zu iiivestirenden Kapitals lö pCt. des alten Aktienkapitals vorweg von dem Reinertage des Unternehmers zu guiislen der Aktionäre. in Abzug gebracht werden. Sollen nur 12 pCt., wie der Ber- tragsenlwurf fordert, frei bleiben, soll die Stadtgemeinde nur mit 33>/» pCt. betheiligt werden. Hinsichtlich der Mitbenutzung erklärten die Gesellschastsvertreter, sei das von de» Stadtverordneten geforderte Maß von 650 Meter durchaus unannehmbar. Sie wollen 400 Meter und die voinMagistral verlangten Aiisnahmestreckeii zurMit-. benntzung sreigeben unter der Voraussetzung, daß jede für eine» fremden Unternehmer in Anspruch genoiiimene Strecke auch nur einer einzige» fremden Linie zur Milbenutzniig freigestellt werde.' Die Verkehrsdepntation wird sich in ihrer Mitte nächster Woche staltfindeiidkn Sitzung Über diese Abänderungsvorschläge schlüssig mache». Es muß sich dann ja herausstelle», ob die Verkehrs- depniation und mit ihr die städtische» Körperfchasten gewillt sind, die Pferdebahii-Gesellschaft verdientermaßen die Konsequenzen ihrer Hartnäckigkeit tragen zu lassen. Heilstätte fiir Lungenkranke. AuS dein Rathhanse wird be- richtet: Die Frage der Errichtung von Heilstätten f ü r l n n g e n- kranke Arbeiter, welche auf der diesjährigen Konferenz der Zentralstelle für Ardeiter-Wohlfahrtseiiirichtungen zur Verhandlung kommt, ist für die I n v a I i d i t ä t s- und A l t e r S v e r s i ch e- rungS-Ansta ltew von größter Bedeutung. Es haben sich deshalb der Vorsitzende der Versicherungsanstalt Berlin Dr. Frennd und das Mitglied des Vorstandes der Versicherungsanstalt Branden- d»rg Landralh Meyer zur Theilnahrne an dieser Konserenz nach Frankfurt a. M. begeben. In der„Germania" veröffentlicht ein katholischer Geistlicher Dr. Stephan einen Aufruf, in welchem er vom Publikum Gaben für einen Kirchenbau in Weißensee«bellet. Wir nehme» an, daß der Herr mit seiner Kollekte mehr Glück hat, als derschiedene nnserer Parteigenosse» und einige human denkende Prosessoren, die vor einiger Zeil bekanntlich mit Strafmandaten belegt wurden, weil sie zu Geldsanimlunge» für die Opfer der Hamburger Kapitalisten- Brutalität ausgefordert hatten. Berliner Berkehrsstatiftik. Am 31. März 1397 waren nach amtlicher Mittheiluiig an öffentlichen Fuhrwerken in Berlin vor- Händen: 4.) Droschken l. Klasse 5262, davon 3671 mit Fahrpreis- anzeiger, 2. Klaffe 2253, davon 8 mit Fahrpreisanzeiger, Gepäck- droschke» 159, zusammen 7674. B) Omnibusse 462. C) Tdor- wagen 289 D) Pferdebahn-, elektrische Straßenbahiiwagen 1547. Summa 9972 öffentliche Gefährte. Dir dem Berliner Aquarium über Slralsmid von Helgoland und durch die Admstntivn Rvvigno in diesen Tage» zugegangenen Sendungen von Bewohnern der nördliche» Meere nnd des MtttetliieereS brachten eiiw Anzahl seltener und inerlwürdiger Weichthier-Arten. Die eine derselbe» niiiimc imvtge einer biologischen Eigenheit eine ganz besondere Slellinig unter ihren Klassengenosseii ein. Während nämlich die unö bekannten ein- heimischen Muschel» nnd Wasserschnecken um Grunde des Wassers im schlammigen und sandigen Boden, an Steiiien u. s. w. sich aushalten, bohren sich die neuen Gäste des Aquariiiiils in Korallenstücke und Felsen ein und jehen sich darin fest. Die Frage, wie diese mit langen, zu einem Rüssel Verivachsenen Athemröhren ausgerüsteten und von länglich-eisörmigen Schalen gedeckten Bohrmuscheln(l'doias) derartige, für ein Weichthier un- inöglich scheinende Leistungen zu vollslthrm im stände sind, ist noch nicht endgiltig gelöst. Arrgerlich für Antisemiten. Ein Schalk unter unseren Lesern schreibt uns: Zur hundertjährigen Jubelfeier des Friedrich Wilhelms«, Gynuiasiums wurde gestern eine Sc-'üleraufführung der„Antigone" (Musik von Mendels oh n) veranstaltet. Vorgestern wurde bei dem zur Jubelfei« abgehaltenen Kommers ein Prolog von Lubliner vorgetragen, und eine Aufführung von Racine's„Athalie"(Musik von M e n d« l s o b n) soll folgen. Der Reichstags-Abgeordnete Professor Förster ist Oberlehrer an genanntem Institut und wird doch diesen Veranstaltungen beiwohnen? Wa3 sagt er dazu? Den Inhaber» sämmtlicher größeren Restaurants in Berlin ist vom Polizeipräsidium die Aufforderung zugegangen, baldigst mitzulheile», an welchem Tage im Jahre eine ariindUehe Reiiiigiiiig aller zum Anfeiilhalt sür das Publikum bestimmten Räume statlfinden wird. Den Gastivirlhen wird es gleichzeitig zur Pflicht gemacht, eine derartige Anmeldung alljährlich'und spätestens tig zum 1. April bei dem zuständigen Polizeirevier erfolgen zu laffen. Wenn wir niclst irren, haben die Lokalinhaber kürzlich be- schloffen, derartige behördliche Aufforderungen nicht zu beantworten. Der Präsident der Akademie der Künste, Geheime Regierungs- tath Professor Hermann Ende, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Lehramt an der Technischen Hochschule in Berlin niedergelegt. Ilmschrcibung von Fahrkarten. Es ist bekanntlich zulässig, daß Fahi karten, welche auf eine bestimmle Strecke lauten, auf eine kürzere Strecke umgeschrieben werde». Jetzt sind nun die Stations- beain ten seitens der Eifenbahnverwaltuug augewiesen worden, das Publikum bei Zugverspätungen und daraus folgender Bersäumuiß des Anschlüsse s an fahrplanmäßige Züge darauf aufmerksam zu inachen, daß in solchen Fällen auch eine Umschreibung auf eine längere Route erfolgen kau». DaS gerichtliche Verfahren gegen den Anarchisten Rodrian, welcher be|chuldigt war, durch ein in der Märznummer des«Sozialist" eulhaltenes Gedicht„Revolution" betitelt, zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert zu haben, ist eingestellt worden. Gleichzeitig ist auch die beschlagnahmte Märznummer des„Sozialist" wieder freigegeben. Die Vorarbeiten zum Bau der elektrischen Hochbahn sind nunmehr auch auf der zwischen dem Koltbuser und dem Schlesischen Thore gelegenen Slrecke, mit Ausnahme des Lausitzer Platzes, in Angriff genommen werden. Bon, Koltbuser Thor bis zur Mariannenstraße sind die aus Mauersteinen auf- geführten Unterbauten schon fertig, während auf den» anderen Theil der Strecke mit dem Ausschachten der ziemlich tiefen Gruben begonnen worden ist, auf deren Boden der Unterbau aufgemauerl wird. Auf der zwischen dem Halleschen und dem Koltbuser Thor gelegenen Strecke, auf welcher die Vorarbeiten bereits mit Abschluß der vorigen Bauperiode beendet waren, werden jetzt in die großen Granitsockelsteine, welche die Oberfläche des Unterbaues bedecken und auf denen sich später die eisernen Träger erheben werden, von den Steinmetzen tiefe Einschnitte gemeißelt, welche die Form eines wreuzes habe» und in denen der Fuß der Eisenträger befestigt wird. Die Eröffnung des elektrischen Betriebes auf der Slrecke C h a r l o t t e n b u r g— K ups e r g r a b e» der Charlolteuburger Pferdebahn-Gesellschaft wird zum theil bereits zu Pfingsten dieses Jahres erfolgen. Zu diesem Zeitpunkte werden 7 Akkumulatoren- wagen eingestellt werden. Einen knriose» Entlassungsschein hat vor einigen Tagen ein Arbeiter von dem Maschinenfabrikanten Karl Rüttger, Melchior- straße 23, ckusgeftellt erhalten. Auf dem Schriftstück war zu lesen: „Der Dreher X hat vom... bis heute bei mir in Arbeit gestanden und hat angeblich wegen schönen Wetters ausgehört." Be- werkt sei, daß der Dreher, der seine Arbeit aufgegeben hatte, weil er sich verbessern konnte, die vom Meister hingeworfene Frage, erwache wohl wegen des schönen Wetters Feierabend, scherzweise bezaht hatte. Wege» einer neuen Haltestelle am Sndring zwischen Tempelhof und Rixdorf schweben Unterhandlungen mit den Jnter- essenten. Das wäre also»ach Saviguyplatz, Ebersstraße, Puttbuser- straße die vierte neue Station in kurzer Zeit. In dem Bau»euer Stationen ist die Bahnverwaltung noch nicht an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen, weil der Fünsstationen-Taris durch jede neue Station für die Bahn einträglicher wird. Ter Rendant der Darlehnskasse eines hiesigen großen bürger- liche» Vereins ist, wie berichtet wird, dieser Tage vom Amte fuspendirt worden, weil er 7600 M. vom Kassenvermögen veruntreut hat. B»n dem Kriminalkommiffar Hoche ist jetzt der Mann fest- gestellt worden, der am 10. v. M. 4 nachmittags in der Possage Unter de» Linden den Reichsglöckner Herrn Joachim Gehlsen hinterrücks überfiel. Es ist Herr Agathon Reimann, Bank- taxator und Rauzeichner der Jmmobilien-Verkehrsbank in der Französischenstr. 11)12, der sich, von Zeugen wieder erkannt, auch zur Thäterschaft bekannte. Aus Ersuchen Gehlsens war aber frei- willig auch Dr. Frhr. v. Langen erschienen, der durch bestimmte Umstände verdächtig erschien, bei dem Ueberfall belheiligt gewesen zu sein, von dem jedoch nunmehr jeder Verdacht irgend welcher Theilnahme genommen ist. Der Ueberfall scheint mit Veröffent- lichungen Gehlsen's im Februarheft seiner Charlottenburger„Sladt- laterne" zusauunenzuhängen. Der frühere Stationsvorsteher Arndt ist wiederum wegen Diebstahls verhastcl worden. A. wurde seinerzeit seines Postens enthoben, weil er im Verdacht stand, sich an dem Vermöge» der Slationskasse vergriffen zu haben. Er verrichtete später Bureau- dienste in Privatuuternehmimgen, hatte jedoch hierbei wenig Glück, da er gezwungen»vqp, häufig die Stellen zu wechseln. Er sank im in er tiefer, bis er sich schließlich obdachlos aus der Slraße umher- trieb. Schon seit längerer Zeil gehörte er den Elementen an, welche sich am Prenzlauer- und Königslhor umhertreibcn. Vor etwa Jahressrist wurde A. wegen Diebstahls verhaftet; ein früherer Freund hatte den vollständig Verwahrlosten auf der Ctraße getroffen und um ihn aus dem Sumpf wieder heraus- zuziehen, gab er dem ehemaligen Bekannte» eine Stellung in seinem Geschäft. Bereits am zweiten Tage verschwand der frühere Eisen- bahnbeamte. nachdem er den mitleidigen Freund bestohle». Er wurde wegen dieses Aertrauensbrnches mit vier Wochen Gefängniß bestraft. Nachdem A vor vierzehn Tagen aus der Hast entlassen, wurde er vorgestern schon wieder bei einem Diebstahl abgefaßt und ist bereits dem Untersuchungsgefängniß zugeführt worden. Verkehrsstockungen gab es gestern Mittag längere Zeit hindurch in der Gegend des Halle'schen Thorrs. In der Hasenhaide waren zwei Militärkirchen auf einmal„eingeweiht" worden. Als die hierbei verwendeten Soldaten znrückkehrle», wurde der Pferde- bahn- und Droschkenverkehr wiederholt unterbunden. In« Zeichen des Verkehrs. Slraßenzüge, welche von Mit- gliedern des königlichen Hauses benutzt werde», dürfen von zwei Radfahrer» zu derselben Zeil nicht befahren werden. Diese Er- fahrung machten Stadfahrer, welche gestern Vormittag die Wikhsffn- straße passiren wollten. Von den dort postirten Schutzleuten wurde das Fahren auf den Stahlrossen verboten und zwar, weil wie die Polizei annimmt, ein Radfahrer sein Gefährt nicht sofort zum Stehen bringen kann, wenn ein Schutzmann durch Hochheben der Hand ein Haltesignal giebt. Falsche Fiinfmarkstiicke sind, wie uns berichtet wird, gegen- wärtig wieder stark im Umlauf. Die Falschstücke tragen die Jahres- zahl 1876 und das Bild des Königs Johann von Sachsen. Dieser Herr hat aber schon 1373 das Zeilliche gesegnet. Selbstmord oder Unfall? In der Nähe des Bahnhofes Bellevue fand man in der vergangenen Nacht auf dem Stadtbahn- geleise die Leiche eines Mannes liegen, der Übersahren und i» Stücke zerschnitten war. Der Kops war vollständig zerquetscht. Wie bereits ermittelt wurde, handelt es sich um den 29 Jahre alten Brauer Bnlla aus der Fichtestraße Nr. 22, der heute Morgen eine Stellung als Kirchendiener an der heute eingeweihten neuen evangelischen Garnisonkirche antreten sollte. Wie er in die Gegend des Bahn- Hofes Bellevue gekomme» ist, weiß man nicht; niemand hat auch gc- sehen, wie der Mann unter den Zug gerathen ist. Bulla war feil September v. I. verheirathet und lebte in glücklicher Ehe und ge- ordneten Verhältnissen. Gestorbe» ist am Freitag um 7 Uhr der Hausdiener Emil Nicolay aus der Franzstrabe 8, der sich im Verfolgungswahnsinn am Dounerstag auf der Haustreppe Schnitte in den Hals und den linken Unterarm und zwei Messerstiche in den Bauch beibrachte. Die Leiche ist von der Kranken Hausverwaltung zur»veiteren Bor- sügung der Staatsanwaltschaft gestellt worden. Mit großer Heftigkeit trat ein am Freitag Abend V»10 Uhr ! gemeldeter Brand Großbeerenstr. 27 u. Ecke Hornstraße, auf. der einen Herd in dem unter dem Laden belegenen Lagerkeller des Mertin'schen Kolouialwaarengeschäftes hatte. Die Entstehungsursache ist angeblich daraus zurückzuführen, daß der Hausdiener Spiritus von einem etwa 60 Liter haltenden Faß abzog und hierbei offenes Licht benutzte. Die Folge war, daß die frei werdenden Spiritusdämpfe an dem Lichte zur Entflannnung gebracht wurden, welche sich der Leckage«nitheilte und diese ebenfalls im Feuer auf- gehen ließ; in wenigen Minuten waren auch das Faß, Kisten und Regale mit Waarenvorrälhen vom Feuer ergriffen, so daß der Haus- diencr schleunigst die Flucht durch die allein den Zugang vom Laden aus vermittelnde Falllbür ergreifen mußte. Die Feuerwehr griff mit zwei Rohren an, deren ausgiebige Strahlen die Flammen rasch zum Erliegen brachte». Der Laden ist vom Feuer gänzlich verschont geblieben. Ueber ein furchtbares Bild uienschlicheu JamuierS meldet der Polizeibericht: In den Anlagen au> Friedrichshain an der Langenbeckstraße wurde niorgens die 24jährige, unverehelichte Wilhelmine K. mit Schnittwunden an beide» Händen, die sie sich selbst beigebracht hatte, aufgefunden und mit ihrem neben ihr liegenden, sechs Wochen alten Kinde nach dem nahen Krankenhause gebracht, wo ihr ein Verband angelegt wurde. Eine brave That. Gester» Nachmittag wurde das Pferd des Fuhrherrn August Reuschke, als er es zum Beschlagen führen wollte, in der Pallisabenstraße plötzlich scheu, riß sich los und lief die Slraße hinab nach dem Büschingplatze zu. Vor dem Hause Pallisadenstr. 27 wurde es von dem Schornsteinfeger. Gesellen Gustav Müller ausgehalten, dabei kam dieser zu Fall und zog sich Ver- letzungen an der Stirn, Nase und der linken Hand zu. Tödtlicher Absturz von einen« Balkon. Vorgestern Abend war der Bursche des Hauptmanns Waler von der Eisenbahnbrigade, Wilhelm Götzmann, i» der Elßholzstr. 2 auf dem Balkon des vierten Sluckwerks mit der Befestigung einer Marquis« beschäftigt. Um eine Schraube anzuziehen, bestieg er einen Stuhl und das Geländer, wo- bei er das Gleichgewicht verlor, in die Tiefe stürzte und sich auf dem Pflaster des Slraßendammes den Hinterkopf zerschmetterte. Ei» herbeigerufener Militärarzt konnte nur de» sofort erfolgten Tod des Ossiziersburschen feststellen und die Ueberführung der Leiche nach dem Garnisonlazareth zu Tempelhof anordnen. Ein Schlosscrgcselle Klemcnz aus Berlin, der in Hamburg in der Uniform eines Aiarine- Offiziers verschiedene Schwindeleien verübt hat, ist dort verhaftet worden. Er war erst vor kurzen, aus dem Zuchthause entlasse» worden. AnS Verzweiflung über die gegen ihn angeordnete Bcrhastung ist gestern Abend der 18 Jahre alte Arbeiter Ollo aus dem vierte» Stock zn», Fenster hinansgesprungen. Ter junge Mann war bis zum 4. d. M. in Hoverslädt bei Linden in Hannover beschäftigt, halte sich dort eines Diebstahls schuldig gemacht und hielt sich seitdem bei seiner Mutter in deren Wohnung im vierten Stock des Hosgebäudes Zionskirckfflraße 12 auf. Auf grund eines Haftbefehls erschien dort gestern Abend ein Kriminalschutzmann, um ihn festzu- nehmen. Der Berhaflung entzog sich Otto durch einen Sprung aus dem Fenster. Er trug dabei schwere innere Verletzungen davon. St»T,ßciispmu„g. Tie Münchebergerstraße von der Koppen- straße bis zur Frilchlftraße wird behufs Asphaltirung vom 10. d. M. ab bis auf weileres für Fuhrwcrk und Reiter gesperrt. Von cinrn, Ueberfall in der Thiergartenstraße giebt der Polizeibericht folgende Dmstellung: Im Thiergarten entriß gestern Mittag der 30 Jahre alte Arbeiter Adam Pesch der ihm entgegen- kommende» Rentuerin Ernestine Schütze ihre etwa 100 M. enthaltende Geldtasche, die sie i» der Hand trug und ergriff damit die Flucht. Eine», Polizeilieuteuant gelang es in Gemeinschaft mit drei andere» Männern, den Fliehenden in der Nähe des Denkmals der Königin Luise einzuholen und festzunehmen. Der Berauble» wurde die Geld- lasche«Nil vollen» Inhalt wieder zugestellt. Aus deu Nachbarorte«. Steglitz. Der bisher von der Behörde mit so besonderer Auf- nierksamkeit behandelte Gefangverein„Zaget nicht" feiert am Sonn- abend, den 16. Mai, inw Schwarzen Adler(Inhaber W. Ticke), Sieglitz, Albrechlstr. 126, fei» Stiftungsfest. Die Sangesbiüder vom Arbeiler-Sängerbund sowie alle Freunde und Gönner des Vereins werden ersucht, daran theilzunchmen. Theater. Freie Volksbühne. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in, B e l l e- A l l i a» c e- T h e a t e r- V 0 r st e l l» n g d e r I. Abtheil» ng u n d der Mitglieder der III. ül b- t h e i l n n g(welche in den Zahlstellen von Winkelman», Böhlert, Scholz, Vaake, Kaßler und Böttger eingeschrieben sind). Zur Ans- führung gelangt das Schauspiel in 4 Akte» von G. Huschseld: „Die Mütter" unter Mitwirkung folgender Gäste: Frau Cala; Ludwig Hartau; Frl. Zachau; Alex Brähm(Deuisches Thealer-Müncheu); Frl. Milli Krause(Kgl. Schauspielhaus); Frau Elise Hüftel. T>>»>»trr- Woch«„chr»»ik. Opernhaus. Sonntag, 9.:„Nndine". Montag, 10.:„Lohengrw". Lohengrin: Herr Emil Götze, kgl. Kanunersänger als Gast. Anfang 7 Uhr. Dienstag, lt.:„Ter Evangetimann".„Pvaniasten im Bremer Stathskeller". MiUivoch. ,9.:„Haschisch".„Hansel und(Bretel". Donnerstag, 13.:„Undine".»retlag, 14.:„DaS Heimchen am Herd". Sonn- abend,>b..- Neu etnstudtrt:„Alda". Sonnlag, 10.:„Undine". Montag, r?.: „Benvenuto Cellini".— Schauspielhaus. Sonntag, g. Mai:„Blei Lärm um nichts". Montag, 10.:„Coriolan". Dienstag, Ii.:„Lctzie Liebe". Mittwoch, 12.:„Wilhelm Dell". Donnerstag, 13.: Zum 100. Mal:„Biel Lärm um nichls". Freitag, it.:„Coriolan". Sonnabend, ib.: Neu einstudirt:„Der zer- brochene Krug".„Die gelehrten FraneN". Sonnlag, 10.:„Maria Smart". Montag, 17.:„Ter Verschwender".— Neues königliches Operntheatcr (Sroll). Sonntag, 8. Mai:„Narzib". Sonnlaa, 10.:„Der Bibiroihelar".— Der Epielplan des Deutschen Theaters tocisi sür diese Woche folgende Vor- flellungen ans: Am heutigen Sonntag Abend„Einsame Menschen, morgen, Montag,„Die versunlene Glocke", Dienstag„Morilurt", Mittwoch„Die ver- snnkene Glocke", Tonncrstag„Tie Weber", Freitag„Tie«ersuntene Glocke", Sonnabend„Freiwild", nächstsolgenden Sonnlag Abend„Die versunkene Glocke": Nachmluars-Boistellungen: Ani heutigen Sonnlag„Tie Weber", nächstsolgenden Sonnlag„Hnnilei".— Das Berliner Theater verösseulilcht folgenden Wochenspieipla»:„illenalfsance" wird diesen Sonntag, Donnerstag, Sonnabend und nächsten Sonntag gegeben. Montag Igelanat„Der Psarrer von Kirchfeld" mit Otto SommerStorff, Max Pohl, Arthur Wehrlin und Terestna Gestncr zur Aufsührung. Wrtdendruch's Doppeldrama„Heinrich und Heinrichs Eeschlechi" wird an zwei ausrtnandersolgenden Abenden und zwar Dienstag „König Heinrich" und Mittwoch„Kaiser Hrtnrich" ausgeführt. Freitag geht als Lb. Abvnnemems-Vorstcllung„Krieg im Frieden" neu einstudirt in Szene. Nach. mittags-Borslellungen: diesen Sonntag ÜS Uhr:.Kinder der Bühne", nächsten Tonnlag jjg Uhr:„Deborah".— Der Erfolg von„Geisha" Hai sich im Lessing- Theater bei alle» Wiederholungen des Werkes vor nahezu ausverlauficn Häusern als ein so ttitenstver und ungewöhnlicher erwiesen, bah Herr Direlior Frreiiczh sich dadurch veranlaßt gesehen hat, alle andere» Aufführungsverttäge. die er sür die Operelten-Staglone abgeschlossen hatte, im Wege de» gütlichen Ueberewlommens wieder zu lösen. Soeben ist nun auch Mli Carl Millöcker eine Vereinbarung getroffen worden, nach welcher da»„Nordttchl" aus dem Spielplan für diese Saison ausscheiden soll, und somit wlrd„Geisha" ausschließlich das Rcpcrtoir bis zum«. August beherrschen.— Im Neuen Thealer unierbleibi diesen Eonnlag infolge der von der Dramatischen Geiellschast arrangirten Matinee die Nachmittags- Vorstellung. Abend» 7% Uhr wird zum s«. Male„Trilby" gegeben, welches Siück den«ochenspiclplan beherrscht.— In der Eonnlag«- Austührung der„Schönen Helena" im Thalia- Theater(Gastspiel Julie KopaScy- Karczag) stngl den Paris Herr Adolf Perlusz, eister Tonor vom töntglichen teuischen Landes- Theater lii Prag. ES wird serner»liigeiheiit, daß Herr Hans Junkermann durch festen Kontralt vis 1000 an das Thalia-Theater gebunden ist.— Theater des Westens. Ter neue Wochenspielpla» ist folgendermaßen festgestelll: Am heulige» Sani lag Abend wird August Junkermann den„Onlei Bräsig" spiele». Dieselbe Worstrllung findet zum letzten Maie am morgigen Montag stnit. Gleichsalls zum letzten Male wird das Lustspiel„Zwei glückliche Tage" mit Gustav Kadeiburg als Gast am Diennag gegeben. Am Mittwoch wird August Junlermann in de>� drei Einaktern„Hanne SlüteS Abschied",„Möller Voß" und„Jochen Pasel" aHirelen, und diese drei Stücke werden am Donners- lag und Freitag wiederholt. Am Sonnabend und Eonnlag Abend geht das Bolksstuck„Unser Doktor" von Treptow und Herrutann tn Szene und wird am nächsten Sonntag Abend wiederholt. Am heullgen Sonntag Nachmittag wlrd „Wtthelm Tell" gegeben.— Im S ch i I l e r- T h e a t e r wirb heule Nachmittag Shaleipeare's Lustspiel„Der Widerspenstigen Zähmung", abends s Uhr„Der Willionenbauer", Volkiftück in vier Aufzügen von Mar Kretzer, gegeben. Montag und Mittwoch finden Wiederholungen des Bauernslücke«„Der G'wissenswurm" von Anzengruber statt. Dienstag geht„Bauernehre" in Verbindung mit Moitöre-s Lusispiel„Der eingebildete Kranke" in Szene. Für- Donnerstag ist die erste Ausführung von„Madame Bonivard", Schwank in drei Alten von Bisson und Mars, angesetzt: Freilag wird diese Vorstellung zum ersten Male wiederholt. Sonnabend wird Moser'» Schwank„Das Sttsinngs- lest" noch einmal gegeben.— Im Ostend-Dheater beginnt die heutige Abendvorstellung von Schiller'?„Stäuber" um 71, Uhr. Die Nachmittags. Vorstellung von»netsel's Schwank„Eine Nacht im Orpheum" beginnt um 2 Uhr: die Spezialitätcnvorftellung im«arlen tiimmi um 4 Uhr ihren Anfang. Da» Reperiotre sür die kommende Woche ist folgoiidermaßen: Montag:„Die Räuber". Anfang 7% Uhr. Dienstag;„Berlin, wie es weinl und lachl". Mi«- wach: Zum 12«. Male:„Der deutsche Michel". Donnerstag, Freitag und Sonn. abend:„Zu hoch hinaus». Sonnlag: Zum 1. Male:„Der Hasenfuß".— Di« Sonntag im Friedrich Wikhelmstädttschen Theater stallsindende einmalige Aufführung der„Räuber" geht zu Abonnementspreisen in Szene. Heute Nachmittag wird„Triidh" ebenfalls zu kleinen Preisen ausgeführt.— Für den heutigen Sonntag ist im N p 0 l i 0- T h e a t e r eine Elile-Borftelluiig des neuen Programms zusammengestellt. Tie beiden Komiker Bender und Sletdi, die Soubrette» Dare u. Tornah und Lieban und Frau werden sich zu einem lustige» Emtemble vereinigen. Auch die große Reihe von Spezialtiälen-Künstlern werden in ihren Eltte-Nummern auflreien. Am Mittwoch tritt durch die Einfügung der neuen Operelle„Venns auf Erden" eine Aenderung des Programms ein. GewevkMxsftliches. Berlin und Umgebung. Achtung, Holzarbeiter! Die S t e t t i n e r Tifchler-Jnnung sucht durch Annonce im„Lokal- Anzeiger" 300 Tischler. Da der Streik i» Stettin jedoch unverändert fortdauert,»verde» die Berliner Kollegen ersucht, das Vorhaben der Stettiner Meister zu vereiteln und ihnen zn überlasse», ihre Arbeit allein fertig zu stellen. Zivischen den streikenden Schuhmachern und den Finne,, Reiß, T a'e r n e b 0 u r g und Stolzenderg haben am 6. Mai Verhandlungen stattgesuttden, die zn einer Einigung geführt habe». Die Lohnsätze werden den Wünschen der Arbeiter entsprechend erhöht. Maßregelungen dürfen nicht erfolge». Die betheiligten Arbeiter sind vertreten durch vier der Ihrigen, die Arbeitgeber durch zwei, von den beiderseitigen Organifalione» sind zwei Vertreter ap- wesend. Für die Arbeiter findet am Montag eine Versammlung stalt. Fiir die Nen-Jsenbnrger Wäscherinnen sind ferner ei»- gegangen: Von den Plätterinnen Berlins ans einer amerikanischen 'Auktion bei der Maifeier 6,90. Bon Erfurter Genossinnen 7,- A>if Listen 22 n»d 24 12,26. Quittirt 307,86 M. Summa 333.- M. Weitere Beträge werden dankend entgegen genonnne». Frau Wengels, Fruchlstr. 30. Tentsches Reich. Von der Generalkommissio» der Gewerkschaften Deutschlands werden feit vorigem Jahr Flugblätter allgemeinen Inhalts zur Agitation für alle Gewerkschaften heransgegebe». Die jetzt zur Ausgabe gelangende Nuimner 3 der Flugblätter behandelt die Frage, ob Streiks noth wendig sind. Die beiden ersten Nummern, die den Nutzen der Gewerk- schafte» nnd die Berkürzung der Arbeitszeit behandelten, wurden in zirka 600 000 Exeniplaren verbreitet. DaS jetzt er- scheinende Flugblatt enthält eine Schilderung davon, wie die Slreiks unter den gegenwärtigen ivirthschajllichen Verhältnissen nothivendig sind und fortgesetzt geführt»verde» muffe», so lange die Unternehmer die Organisationen der Arbeiter nicht als gleichberechligt anerkennen, über die Festsetzung der Arbeits- bedingiliigen inil zu entscheiden. Es wird ferner darauf hin- gewiesen, daß alle Vorsichtsmaßregeln angewandt werden inüsfe», »ni die Streiks zu gunsten der Arbeiter zu entscheide». Das Flug- �»latt dürfte in derselben Auflage erscheinen, wie die vorherige». Getvcrkschnfts- Abrechnuugen. Verband der Por- zellan- und verwandten Arbeiter. I.Quartal 1897. Eiiinahine der Verbandskasse: 17 246,94 M.; Ausgabe: 16 326,83 M. Bon deu Ausgabe» kamen auf de» Zuschuß a» die Zahlstelleu: 8390,73 M.(von den Zahlstellen waren eingegangen: 16 682,52 M.) Die Drnckkvsten der„Ameise"«vurde» m>t 1366,76 M. aus der „Orgaukasse" bestritleu.— Freiwillige UnUrstützunge» wurden aufgebracht: 4146,36 Mark. Das Gesanimtvermögen der ver- schiedenen Verbands- Hauptkassen betrug: 100 496,13 Mark.— Verband der Schneider«c. Deutschlands. Jahres- abrechmmg 1896. Einnahme: 90 272,83 M, Ausgabe: 70 796,66 M. Davon kanicn auf Reise-Unlerslützung 12 131,99 M.; Elreikunler- stütznng 14 660 M.; Fachzeilung 13 639,40 M.; Agitation 1064,94 M.; Gehälter 2344.20 M.; Verbandstage 3332,69 M.; an die General- kommissioi, 871 M.— Mitglieder waren am Schlüsse des vierte» Quartals 1896 in 206 Orten 7666 männliche und 531 weibliche, am Schlüsse des 4. Qunrials 1896 8009 männliche und 1176 weibliche vorhandeu. Zahlstellen giebt es 212. Der christliche Geiverkvereiu der Bergleute soll nach Angabe seines Vorstandes jetzt 13 136 Mitglieder und einen Kassen- bestand von 6836,24 M.Haben. Das Elalut des Vereins sollanck�in polnischer Sprache herausgegeben werden. Der Töpferstreik in Breslau dauert fort, da«ine Töpfer- Versammlung den Beschluß faßte, der Lohnkommission keine Voll- inachl zu ertheilen, mit den Unternehmer» bindende Abmachungen zn treffen, während anderleits die Unternehiner nur dann mit der Lohnlominissio» verhandeln wollen,»venu diese das Recht hat, end- giltige Beschlüffe zu fassen. In Leipzig ist der Streik in der Pianoforte- in e ch a n i k- F a b r, k von Morgenstern u. Kotrade zn gunsten der Arbeiter beendet. §>, Waldheim i. S. wurden am 7. Mai in zwei Fabriken ch u h m n ch e r wegen der Maifeier gekündigt. Di« Ge> kündigten legten sofort die Arbeit nieder und wollen dieselbe nicht eher wieder aufnehine», bis die neunstündige Arbeitszeit und die unentgelllichc Lieferung der Fournitnren bewilligt ist. Tie Maurer in Mylau im sächsischen Vogtland« haben bis auf 10 die Arbeit sämmtlich eingestellt, weil die Unternehmer nicht den Zehnstundentag und 36 Pf. Mindest- Stundenlohn bewilligen wollen. Die Zahl der Streikenden beträgt 63. Am Mittwoch be- schloß eine Mmirerversanliiilung, den Unlernebmer,» de», Vorschlag einer Einigung vor den, Gewerbegericht zu machen. Die Maurer in Rudolstadt i. Th. stehen seit 3. Mai im Streik. Sie fordern zehnstündig« Arbeitszeit und 32 Pf. Minimal» Stundenlohn. AiiSlaud. AnS Komotau in Böhmen>mrd uns gemeldet:„Wegen der Maifeier sind auf dem K a r l s s ch a ch t, der dem deulsch- öfter- reichischen Mannes, naun'schen Röhrenwerke gehört, fünf Berg- leute sofort eullaffen und 84 gekündigt worden. Die Ver- waltung versucht, von auswärts Leute heranzuziehen, obwohl die hiesigen Zustände miserabel sind. Zuzug ist daher strengstens sern» zuhalte»! AuS Trieft berichtet das Wolff'sche Telegraphenbureau: Die Mehrznhl der Werftarbeiter in Sa» Iii o c c o hat die'Arbeit nach achtzebntägigeu, Ausstande wieder aufgenomine». Die Werst- direktion hat hieraus eine einstündige Herabini,, derung der Arbeitszeit bewilligt. Die iienc Bahuorduuug für die Werkstätten der Schweizer N o r d o st b g.h n, die von der Direklion den Arbeitern vorgelegt wurde, bestimmt: Di« Anstellung geschieht im Slnndenlohn, dic Arbeitszeil ist lOstündig. Für Ueberzeiiarbeit wird 26 pCt. Znichlag gewährt. Auf Arbeiter unter 21 und über 60 Jahre, deren geistig,! und körperliche Fähigkeilen nicht in ersorderlichei» Maße vorhaudei, sind, findet diese Bahnordnnng keine Anwendung.(Die Be- greiizung mit 60 nach oben wird von den Arbeitern beanstandet.) Die Löhnung- der Arbeiter erfolgt nach folgenden Normen? a) Arbeiter 1. Kategorie(Handwerker): Mitiimum 44 Centimes, Maximum 70 Centimes; Arbeiter 2. Kategorie(Handwerksgehilsen nnd Arbeiter an Maschinen): Minimum 40 Ceutimes, Maximum 62 Centimes; Arbeiter 3. Kategorie(Handlanger): Minimnm 38 Cenlimes, Maximum 44 Centimes. Die normalen Ailsbeffeiuugcn erfolgen jeweile»»ach zwei Jahren auf den Ansang eines Kalender- jaht es und sind wie folg, festgesetzt: 1. Kategorie 4 Centimes bis zur Erreichung eines Stundenlohnes von 60 Centimes; 2. Kategorie 2 Centimes bis zur Erreichung eines Stundenlohnes von 48 Cts.. 3. Kategorie I Cenljme bis zur Erreichung eines Stundenlohnes von 42 Centimes. Das Regulativ tritt am 1. Juli d. I. in kraft. In dem Grubeeibezirke von Bilbao in Spanien brach diese Woche ein Bergarbeiler-Streik aus, an dem im ganzen ca. 3000 Mau» theilnahme». Gefordert wurde eine Verkürzuiig der Arbeitszeit. Nach der letzten Nachricht sollen die Grubenbesitzer nachgegeben haben. Das Einigungsperfahren bei Streiks in Frankreich 18V«. Die betreffenden Miltheilungei, des französischen ArbeitSamieS lassen Zweierlei erkennen: die Abneigung des Unternehmerthums gegen eine friedliche Beilegung von Konflikten und die damit zusammenhängende geringfügige Bedeutung des Einiglingsgesetzes von 1892. Auf die 476 im Jahre 1896 staltgefundenen Streiks kommen blos 164 Einigungsversuche auf grund jenes Gesetzes, macht 21,86 gegenüber 26,74 pCt. im Jahre 1395. Das Einiglingsgesetz wurde angerufen 57»lal von den Arbeiter», 4mal von beiden Par- teien zugleich und nur 4»>al von den Unternehmern allein. In den übrigen 39 Fällen ging die Initiative vom Friedensrichter aus. Dagegen wurden Einigungsversuche von den Unternehmern in 43 Fällen abgelehnt, von den Arbeitern blos in 3 Fälle», darunter einmal von Arbeiterinnen, die die uninittelbare Einsetzung eines Schiedsgerichts verlangte», ohne die erste Instanz eines Einigungsansschusses zu verursachen, weil sie bezeichnender- tveisc die Maßregelung ihrer in den Ausschuß zu wählenden Ver- treterinnen befürchteten. Bleiben somit 53 Konflikte, in denen das Einigungsgesetz wirklich zur Anwendung kam. Davon wurde aber nur in 22 Konflikten eine Einigung herbeigeführt, darunter 21 Mal durch einen Einigungsausschuß und einmal erst durch ein Schiedsgericht. Die Ergebnisse waren in diesen 22 Einigungssällen für die Arbeiter: 6 Erfolge, 15 Ausgleiche und 1 Mißerfolg. In den übrigen 31 Konflikten, in denen sowohl Einigimgs- wie Schicdsrichterversnche scheiterten, waren die Er- gebmsse der durchgekämpften Streiks siir die Arbeiter: 5 Erfolge, 11 Ausgleiche und 15 Mißerfolge. I» de» 51 Konflikte», wo mit drei Ausnahmen der Einigungs- versuch von vornherein von den Unternehmern abgelehnt wurde, waren die Ergebnisse für die Arbeiter viel ungünstiger als in der Gruppe der 53 Konflikte, wo das Einigungsverfahren an- gewendet wurde: 5 Erfolge, 11 Ausgleiche und 35 Mißerfolge gegenüber 11 Erfolgen, 26 Ausgleichen und 16 Mißerfolgen. Ein Beweis dafür, daß die Unternehmer auch in bezug aus Streiks gute Rechner sind. Sie lümmern sich den Teufel um de»„sozialen Frieden" jedes Mal, wenn die meisten Chancen des Kampfes auf ihrer Seite sind. Erheblich ivirksamer als das Einigungs- und Schiedsrlchter-Gesetz hat sich das direkte Uuterhandlungsverfahren zwischen Gewerkschaften und Uuteruchmer» erwiesen. Ans diesem Wege wurden 27 Streiks beigelegt. Daneben wurde eine nicht angegebene Zahl von Konflikten aus dem gleiche» Wege ohne Niederlegung der Arbeil geschlichtet, darunter von der starken Buchdrucker-Föderation allein 19 Konflikte in 16 Städten. Schließlich wurden 12 Streiks durch Einmischung der Bürgermeister und 6 durch Einmischung der Präfelten beendet. Gevirtjts-Äettung. Ei« grober Bcrtranensbrnch führte den Pferdebahnschaffner Wieske vor die I. Straskammer am Landgericht II. Der An- geklagte fuhr im vorigen Jahre auf der Linie Berlin-Weißeusee. Am'Abend des I. Dezember hatte er auf der Strecke bis zur Rölkc- straße die 11jährige Gertrud L. als einzige» Passagier im Wagen. Er setzte sich zu dem Kinde in den Wagen und belästigte dasselbe durch Liebkosungen, die unter tz 176,3 des Strafgesetzbuches fallen und unter Umständen mit Zuchthaus bestrast werden. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffenllichkeil statt. Das Urlheil lautete ans ein Jahr Gesängniß, indessen wurde trotz der hohen Strafe der Antrag des Slaatsanivalts auf sofortige Verhaftung ab- gelehnt. Eine seit vier Tage» vor dem Schwurgericht des Landgc- richts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hoppe sich ab- spielende Verhandlung gegen den früheren Mitdireklor der famosen „Bank sür H y p o t h e k e»-'u. G r n» d st ü cks- V e r k eb r". Bruno Müller ist gestern zu Ende geführt worden. Ter Auge- klagte ist wegen seiner Schwindeleien von einem früheren Schivur- gericht i» derselben Sache zu 3 Jahre» Zuchthaus verurtheilt worden; das Urtheil wurde jedoch vom Reichsgericht ausgehoben. Müller bemühte sich, de» überwiegenden Theil der Schuld aus seinen früheren MUdheklor Harting abzuwälzen, der sich der Verbiißuug der über ihn verhängten achtjährigen Zuchthatlsstrafe durch Selbstmord entzogen har. Der Spruch der Geschworenen lautete sür de» Angeklagte» ungünstig in alleil Fälle». Derselbe wurde schuldig gesprochen des betrügerische» Bankrotts und der gewohnheitsmäßigen Hehlerei, ferner der Unterschlagung in einem Falle und des Betrugs in zehn Fällen. Mildernde Umstände wurden ihm durchweg versagt. Ter Staatsanwall beantragte ivie in der früheren Verhandlung eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und Illjährige» Ehrverlust. Der Vertheidiger beantragte mir Rücksicht darauf, daß der Angeklagte zweifellos unter dem Ein- flusse des verstorbenen, weil gefährlicheren Mitangeklagten Härting gestanden, ein niedrigeres Strafmaß unter Anrechnung der Unter- suchuugshaft. Das Urtheil lautete auf fünf Jahre Zucht- Hans und 10jährigen Ehrverlust. Ei» Jahr wurde durch die er- litteue Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Dnellpritgclei. Eine sensationelle Anklagesache wegen Heraus- forderung zum Ziveikamps bezw. Kartellträgerei wird am IL. d. M. zum zweiten Male das Gericht beschäftigen. Arn 23. Februar v. I. waren der frühere Hauptmann Rasch ilnd der Rechtsanwalt Mara- graff von der siebenten Straskammer des Landgerichts I verurtheilt ivorden, ersterer z» vier Monaten Gesängniß, weil er seinen früheren Chef, den jetzigen General v. Gaudy zum Zweikampf gefordert, letzterer zu drei Tagen Gesängniß,»veil.er die Forderung überbracht hatte. Das Reichsgericht hat auf die vom Vertheidiger, Rechtsanwalt Leo Kempucr eingelegte Revision das erste Urtheil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die erste Strafkammer des Landgerichts I veriviesen. General von Gaudy, der als Neben- klüger auftritt, ist i» Neapel, wo er sich seit längerer Zeit aushält, vom deutschen Konsnl in Gegenwart des Angeklagten Rasch und seines Verlheidigers komniissarisch vernommen worden, im Termine wird er durch Rechtsanwall Dr. Sello vertreten-werden. Den Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Gartz führen, der Angeklagte Marggraff wird vom Justizrath Kleinholz vertheidigt. Gegen das Gesetz betreffend de»««ulautere» Wettbewerb sollte der Kaufmann Moritz rüg er vcrstvßeil haben, tvelcher gestern dieserhalb vor dem Schöffengericht stand. In der vor- jährigen Gewerbe-Ausstellung hatte auch der Angeklagte seine Er- zeugnisse, Leinöl, Leinkuchen und Leinsamenmehl vor Augen geführt. Er ließ dabei Geschäflskarteu verlheilen, auf denen er sich als „Fabrikant" ausgab. Einer seiner Konkurrenten, der Kaufmann Schmohl, erstattete gegen Krüger Anzeige wegen obigen Vergehens, indem er behauptete, daß derselbe nur Händler sei und durch die Bezeichnung„Fabrikant" im Pnbliknni den Glauben erwecken wolle, daß er ein besonders günstiges Angebot machen könne. Der Beschuldigte legte Linen Bertrag vor, wonach er eine» Theil der bei Kotlbus gelegenen„Kutzenburger Mühle" von dem Besitzer für jährlich 2066 M. gepachtet hatte. Hier wurde das Oel geschlagen und nach einer von dem Angeschuldigte« erfundenen Methode geklärt. Der Staatsanwalt beantragte hierauf die Freisprechung des Augeklagten, der sich wohl sür berechtigt halle» konnte, sich„Fabrikant" zu nennen. Der Bcr- theidiger, Rechtsanwalt Neu m a» n, wies darauf hin, daß der vorliegende Fall beweise, wie sehr die bei der Beralhung über das Gesetz ausgesprochene Beflirchtnng. es werde dadurch der Konkurrenz zu Denunziationen willkommener Anlaß geboten, gerechtfertigt war. Der Angeklagte beantragte, die Kosten dem Denunzianten aufzu- erlegen. Hierzu fand der Gerichtshof sich nicht veranlaßt, svndern begnügte sich mit einer einfachen Freisprechung. Tie angebliche Bcamtcn-Eigcuschaft der Plarkthallen-Anf- scher unterlag gestern der Prüfung der 6. Strafkammer des Land- gerichts 1. Der Kutscher einer Fischhändleriu, der nach dem Schluß einer Markthalle Zutritt zu derselben verlangte, war mit den, Aufseher in Konflikt gcralheu und hatte sich thätlich an ihn vergriffen. Das Schöffengericht halte ihn nicht nur wegen Körperverletzung, sondern auch wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt ver- urtheilt. Bei der gestrige» Verhandlung vor der Berufuugsiuslaiiz führte R.-A. Schwind t aus, daß die Ausseher i» de» Markthallen zwar auf Grund einer vom Polizeiprästdium genehmigten Markthallen-. ordnung vom Magistrat angestellt seien, daß sie aber einer ganz kurzen Kündigungsfrist unterworfen find, woraus schon hervorgehe, daß sie nicht städtische Beamte sind,»och viel weniger aber Exekutiv- beamte im Sinne des Z 113, die die Exekutivgewalt des Staates direkt auszuüben haben. Die Straskammer schloß sich dieser Ansicht an und hob das erste Urtheil insoweit auf, als es den Angeklagten des Widerstandes gegen die Staatsgewalt sür schuldig erachlet hatte. £ Tie Lohnbcwegnngc» auf dem Treptower A«sstelluugs- tTerraiu, die den hochgespannten Hoffnungen der Unternehmer ans großen Gewinn ab und zu recht störend in den Weg traten, werfen noch immer ihre Schlagschatten in die Gerichlssäle. So stand gestern wieder der Maurer Hermann F r c i w a l d vor der dritten Straf- kanimer am Landgericht II, der vom Schöffengericht am Amtsgericht II wegen Vergehens gegen die Z 152, 153 der Gewerbe-Orduung (Nöihigung zur Theilnahme in den Bestrebungen aus Erstrebung besserer Arbeitsbedingungen) zu fünf Tagen Gesängniß verurtheilt worden war und hiergegen Bernsung eingelegt hatte. Der Angeklagte hatte im April v. I. mit vielen anderen Maurer» und Putzern am „Alpen- Panorama" gearbeitet. Der Bau sollte unter allen Umständen bis zur Eröffnung am l. Mai fertig werde», dazu waren ober Ueberstunden erforderlich und diese zu machen weigerten sich die Arbeiter, außerdem machten sie am 23. April um 4 Uhr nachmittags Feierabend. Der Baumeister ließ am 29. April eine kleine Kolonne Arbeiter von feinen sonstigen Bauten in der Stadt antreten und diese Leute waren auch bereit, Ueberstunden zu machen. Als aber die gewöhnliche Feierabendstunde heran gerückt ivar, und die neuen Leute weiter arbeiten wollten, da wurde dem Maurer Barthel ein Breit vor die Augen geHallen und dem Putzer Dietrich eine„Tuppe"(ein durchlöchertes Faß) über den Kops gestülpt, so daß er nicht sehen konnte und in seiner Hilflosigkeit von der ganzen Arbeiterschaar ausgelacht wurde. Der Baumeister erstattet« Anzeige, und die Maurer Roh de, P a l l u s ch k e und F r e i w a I d wurden angeklagt. Erstere beide wurde» vom Schöffengericht freigesprochen, in Freiwald wurde jedoch derjenige erblickt, welcher dem Dietrich die Tuppe über den Kopf gestülpt hatte, weshalb dessen Verurtheilung erfolgte. Für die heutige Berufungsverhaiidlung hatte der Vertheidiger, Rechts- anwalt H e r z fe l d, einen umfangreichen Entlastuugsbeweis vor- bereitet; es bedurfte desselben jedoch nicht, denn der Gerichtshof kam schon nach Venrehmung der drei Belastungszeugen zu der Ueber- zeugung, daß die Schuld des Angeklagten nicht nachgewiesen sei, wechalb derselbe s r e i g e s p r o ch e» wurde. Am 20. April 1396 wollten die mit 75 Pf. Stundenlohn be- zahlien Z i in m e r e r des Haupl-Ansstellungsgebändes die Konjunktur weiter ansnutzen und deshalb hielte» sie streng darauf, daß jeder dort Arbeitende sich eine sog.„Arbeilsbercchtigungs-Karte" löse. Die Zimmerer Zerbe, Selchow und G ä b l e r arbeiteten im Kaiserpavillon für die Firma Simon n. Co., während die Zimmerer M u s ch e und Große dicht daneben für eine andere Firma ar- bcUelen. Schon im Lause des 26. April wurden letztere beiden wieder- holt, besonders von Gabler, nach der Berechlignngskartr gefragt, beide lehnte» es ab, sich eine solche zu löse», da sie angeblich in der Aus- stellung nur 1'/z Tage zu lhun hätten. Als es abends Feier- abend war, sähen sich Mnsche und Große plötzlich von einer große» Menge Zimmerer umringt, Mnsche erhielt Prügel. Infolge dieses Vorfalles sind die Zimmerer Zerbe, Selchow und Gabler angeklagt worden. Das Schöffengericht sprach Zerbe frei, vcrnrtheilte aber Selchow und Gabler zu je zwei Monate» Gesängniß. Gabler allein legte Bernsung ein und be- stritt vor der vierten Strafkammer am Landgericht 1l mit voller Bcslrnnniheit, bei der Rauferei zugegen gewesen zu sein. Er habe sich sein Handwerkszeug znsanunengcsucht und nach der Werzeng- kammer gebracht; als er zurückgekommen sei, märe die Geschichte vorbei gewesen. Rechtsanwalt H c r z f e l d plädirte mit Wärme für Freisprechung, der Gerichtshof hielt aber Gäbler der That siir über� führt und verwarf die Bernsung. jß Unter dem dringenden Verdachte des Meineides wurde der'Arbeiter Albert Meyer vor dem Schöffengerichte am Amts- gericht II. vom Fleck weg verhastet. Wenn der von dem Verhaftete» geleistete Zeugeneid wirklich falsch ist, wie gcrichlsseitig angenommen wurde, so zählt derselbe zu jenen Falscheide», die einer Bagatelle wegen geleistet werden. Der Sattlermeister Chust aus Schöne- berg mar angeklagt, den Kohlenhändler Wichert körperlich mißhandelt zu haben. Die Zeugen beschworen," daß sie die Mißhandlung gesehe» hätten, der Entlastnngszenge Meyer setzte sich aber mit den Belastnnzszeugen in einen un- lösbaren Widerspruch; er behauptete, ganz genau gesehen zu haben, daß Chust nicht geschlagen habe. Dem letzleren hat diese Aussage nichts gefruchtet, denn er wurde zu 106 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Entlastungszeuge aber wanderte in die Untersuchungshaft. Der Student Burustciu, der, wie wir vorgestern meldeten, zu 40 M. Geldstrafe vernrtheill wurde, weil er eine junge Arbeiterin durch beleidigende Zuinuthungcu belästigt hatte, tbeill uns zu seiner Etttschuldignug mit, daß das Mädchen nicht 14, sondern 15 Jahre alt ist»ud daß er es nicht zweimal, sonder» nur einmal angeredet habe. Bedeutend milder ist das Vergehen dieses Herrn nach unserer Meinung auch jetzt noch nicht zu beurtheilcn. Auf die AuSlefluug der 88 9 n»d IS der Gesinde- Orduuug kam es in einem Strafverfahren an, das gegen die länd- liche Besitzerin Eunulat eingeleitet worden war. Außerdem stand die Rechtsgilligkeit ei,»er Regierungs-Polizeiverot-dnnng für de» Bezirk Gumbiunen i» Frage.§ 9 der Gesinde-Ordnung bestimmt, daß Dienstbote», die schon vermiethet waren, beim Antritt eines neue» Dienstes die rechtmäßige Entlassnng der vorige» Herrschaft nachweisen müffen. Und nach§ 12 verfällt in eine Geldstrafe, wer eiu Gesinde an- »imint, ohne sich jenen Nachweis(durch Borzeignng eines Scheines ec.) erbringe» zu lasse». In der Verordnung des Regierungspräsidenten von Gunibi»»«» heißt es dann:„Arbeitgeber, die die im§ 2 des Gesetzes vom 24. April 1854 dem Gesinde gleichgestellten Personen olpie die im tz 9 der Gesinde-Ordnung bezeichnete Legitimation in Arbeit nehmen, verfallen in eine Geldstrafe." Wegen Verletzung der angeführten Bestimmungen hatte sich Frau Ennulat vor dem Strasrichter zu verantworten. Sie hatte den Dienstkuecht Wilhelm als T a g e l ö h n e r angenonune», ohne sich den Schein über die Entlaffmig aus seinem Gesindedienstverhältniß vorzeigen zu lassen. Die Angeklagle wnrde in den erste» Instanzen auch verurtheilt, das Kammergericht hob jedoch gestern die Vorentscheidung auf und sprach die Fra» unter folgender Begründung frei: Die ZZ 9 und 12 der Gesinde-Ordnung ließen sich nur auf das Gesinde anwende», wenn es in die neue Stellung wieder als Gesinde ein- trete. Der Knecht Wilhelm sei aber von der Frau E. nicht wieder als Knecht, sonder» als Tagelöhner an- genoinm«» worden. Nun dehne allerdings die erwähnte Regierungs-Polizei-Verorduung die Vorschriften der§§ 9 und 12 der Gefiiide-Ordnung auch auf die ländliche» Arbeiter im Sinne des Gesetzes vom 24. April 1854 aus. Solche stiegierungsverordnunge» habe der Strafsenat auch bisher als recktsgillig anerkannt. Ein Einwand der Revision habe diesmal de» Senat zedoch zu der Nachprüfung ihrer Rechtsgilligkeit veranlaßt, und daS Gericht fei zu der Ueberzengung gelaugt, daß die Verordnung Ihatsächlich der Rechtsgilligkeit entbehre. Die Bezirksregiernngen seien nur befugt, über die Gegenstände P o l i z e i- V e r o r d n u» g e» zu erlasse», die der§ 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung als Gegenstände ortspolizei» licher Vorschriften ausführe. Zu diesen Gegenständen gehöre aber nicht die in der fraglichen Verordnung behandelte Materie. Tie Revision des Fabrikbesitzers Emil de la Croix, welcher wegen Bestechung zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt worden ist, ist vom Reichsgericht verworfen worden. Das Urtheil in«. Habererprozeß. In dem Prozesse wegen des Haberfeldtreibens zu Miesbach in der Nacht von» 7. bis 3. Ok- tober 1393 wurden 94 Angeklagte zu Gesängnißstrasen verurlheilt und zwar einer zu 4 Jahren, einer zu 3 Jahre», drei zu 2 Jahren und 3 Monate», zwei zu 2 Jahre»,»eu» zu l Jahr und 6 Monate», vier zu l Jahr und 3 Monate», 69 zu l Jahr»nd fünf zu 9 bis 1 Monat. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. VerfÄtttmluttgen. Die Buchbinder stimmten in ihrer letzten Versammlung einem Antrag des Kollegen Brückner, Vornahme einer Ur- abstimmnng betr. die Herabsetzung der Beiträge, zu.— Hierauf giebt die Rechtsschntz-Kommission ihren Bericht; sie wird das vorhandene Material demnächst im Fachorgan veröffentlichen. Nach dem Bericht des Arbeitsnachweises haben sich arbeitslos gemeldet: 512 männliche und 227 weibliche Arbeiter; davon waren Nicht», ilglieder 15 männliche n»d 33, verbliche. Verlangt wurden 162 männliche und 212 weibliche Arbeiter; ferner zur Aushilfe bis zu 1 Tag 259 männliche, bis zu 3 Tagen 13 männliche, 20 weibliche Arbeiter. Eingestellt wurden 33 männliche und 122»veiblichc Arbeiter; außerdem ein- gestellt bis zu 1 Tag 259 männliche, bis zu 3 Tage», 9 männliche, bis zu 3 Tage» 5 weibliche. Eingelaufene Stellen von außerhalb (Provinz) 23 Stellen«nd 2 Stellen aus den» Auslrmd, Australien und Dänemark(Kopenhagen). Hier anknüpfend, forderte Kollege Bergmann auf, darauf hinzuwirken, daß der Arbeitsnachweis i» Zukunft besser respektirt werbe. Nach dc», Bericht der BibliothelS- kommissio» hatte dieselbe eine Einnahme von 47,25 M. zu verzeichnen, die Ausgabe betrug 31,20 M., an die Lokalkaffe zurück 16,05 M. Ausgeliehen wurden 630 Bücher, davon 280 a» weibliche Mitglieder. Bücherbestand am 1. April 1397: 434. Ein Autrag, der Bibliothek- kommissio,, 75 M. für Anschaffung neuer Bücher zu bewillig«», wurde angenonune».— Nachdem erfolgte di« Wahl eines Revisors und eines Hilfskassirers; als ersterer wurde Kollege Hahn und al? Hilsskassirer Kollege S ch», i e d e k u e ch t gewählt. Ein Antrag Wilhelm, den Hilsskassirer» eine Entschädigung zu gewähren, wurde abgelehnt. Rixdorf. Am 5. d. M. wurde die erste Versammlung des»eu- gegründeten Frauen» und Mädchen- Bild ungsveroins i»> Lokale von Hoffmann, Bergstraße 151, unter sehr starker Be- theiligung seitens der Frauen abgehalten. Herr Dr. Hey in a n» sprach über„Wie ist für die Kinder des Volkes gesorgt?" Der Redner erntete sür ferne interessante» Ausführungen reiche» Beifall. In der Disknssio» sprachen mehrere Männer und Frauen im Sinne des Referats. In den Vorstand wurde» gewählt: Frau Joetze als Vorsitzende, Frau Harnisch als Knssirerin und Frau Pause als Schrislführen». Als Beisitzerinnen wurden die Frauen Ostermanu und Schulz gewählt. Zu Revisoren ernannte man die Frauen Rönsch, Wröusch und Felix. Zitm Schluß forderte die Vorsitzende »och zur rege» Agitation sür den Verein auf. A»b»>t«r-Ki>dl>»»»schute. Die Btbltothet tn der Nordschule, Brunnens, r. 2», ist für die Mitglieder an folgenden Tage» geöstne!: Sonn- tags, vorniiliags von ,o— is, D.I e nst ag s und F r ei, a gs, abends U bis ,0„Hr. ivlttgltedsbotlräge werden a» diesen Tage» in der Nordschule entgegen- genoinmen, ebenso t» soigende» Zahlstellen: ipotisr. Schul». Admtralftr.«cm: Schöning.»Öpnlclcrsic. 88; Stent, Barniinstr.«s; Babtel, Nosenlhalerstr. 67! Wletnert, Müllersir. 7a! Burghause, Putbuserstr.»2: Blanlcnfeld, Stephaustr. 29: Werner. Bütowstrasje 69;«ruhe, Mariendorserstraße 6; liabler, Junlerstraßi i; H. Köntgs. Diesfcndachstr. so. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Paul M ü ck e jr„ SO. Mc»i- leuslelstr. l,o, Geldsendungen an den ttasstrer H.« i ii i g 8, S. Diessenbachstr. so, zu sende». K»-beil»>.'-P!>ne,»-t>»»d Berti»»»nd Nnigigend. Vorsitzender Ad. Neumann, Schwedensir. IS, v. i Tr. Alle Aenderunge» in, Bercittskalender sind zu richte» an Friedrich Nor tum, Manie, istelftr.«0, v. 2 Tr. Kund der geseltitzen Aedeiteevereine Oerli«»«nd hlmaeaend. All- Zuschriften, den Bund betreffend, sind ju richte» an H. B e n d t r, Alerandrinen- straße lov. Ardelser.;!»nch»rd»»d Kertin» und zliugegend.«enderungen im Bereinsraleitder fl»d ,» richte» a» Hermann Brau»schweig, Dresdener- straße so, 2. Hos.« Tr. Lamoriterßurs»» für Arbeiter>,»d Arbeiterinn», Montag, den »o. Mai, abends sx Uhr, in Eohn's Festsälen, Beuthilraße 20: Bortrag de» Herrn Dr. Chrtfieller über Zweck und Ztele des Samariter-Kursu« und Anatomie und Physiologie des menschliche» Körpe.s, BereinZangelegenhetten. prirat-Shenter-veselifchaft„«riba--. Montag, abends 8 Uhr, fSitzung und Probe im Restaurant Nowack, Manteuffelstr. 9. Uerrin drnischir Schuhmacher. Montag, de» lo. d. MlZ., abends 8� Uhr Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. II: Zahlstelle 2 bei Lange, Dragonerftr. Zahlstelle« bei Roll. Adalbertstraße 2»; Zahlstelle FrtedrtchSberg bei Fuchs, Frankfurter Allee«». Koomoo. hierein für volkothümlich« Wissenschaft. Die nächste Sitzung findet Dienstag bei Hensel, Brunnenstr. 172, statt. Verein für Körper, und Uatur-K»iU>»»d». Montag, Bersammkung bei Niest, Webcrstr. 17. Medizin»,-Kerrin für Per, in«nd Umgegend. BortragS-Abend. Sonntag, den o. Mai,»achmiltags 6 Uhr, im Lokale des Herrn Gold, Große Frankfurter- straße ISS. Tagesordnung: Vortrag des Herrn P. Hundt über HypnotiSmuS. 2. Verschiedenes.— Der Berel» gewährt Familien im ErlrankungSfalle freien Arzt und Medizin. Beitrag monatlich: Grwachsene«o Ps., Kinder«o Pf. Lrirdricho-Verein, bestehend aus chsrnaUgen Zöglinge» des Waisenhauses der Stadt Berlin zu Rummelsburg, tagt jeden Momag tn seinem Vereinslokal Dresdener«arten, DreSdenerstr.«i. Ziselenr». Am Dienstag, abend« esj Uhr, im Englischen Hof, ßlolstt. t, Versammlung. Tagesordnung: Miß bände sin Ziseleurgewerbe. Allgrmct»» Famiiien-Sterbekass». Heute Zahltag, Ackerstr. ,2« bei Diele. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Ktrftei». Das Eisenbahnunglück in Steglitz, bei dem 39 Personen getodtet wurden, war ain 2. September 1333. H. v.. Pallisadenftraszc. Besten Dank für Ihre Stufmertsauckeit. Solche Druckfehler, die bei der schnellen Herstellung der Zeitungen unver- weidllch sind, korriairen sich die Leser selbst. Nur wenn der Druckfehler- teufcl gar zu boshaft wird, zieht uia» ihn im Blatte selbst zur Rechcuschast. St. 43. 91. X. 33. A. K. I«l». Nein.- F.? ist Lohnbeschlagnahme auch wegen der Alimente für uneheliche Kinder zulässig.—<£. Neuninu». Es liegt keine giltige Schenkung vor. Sic haben aber, falls die Vaterschaft durch Urtheil oder in öffentlicher Urkunde anerkannt ist, einen Anspruch aus ein Sechstel des Nachlaffes.— R. 5. Die Steuer ist zu recht erhoben.— Alter 91von,ient. 1—3. Nein. 2Z. M. V. Leider würde er zur Zahlung der vollen Summe verurtheilt werden.— F P. 80. Nein. Briefkasten der Expedition. Schulz, WJemelerstraße. Ihren durch die VeckehrSanstalt bestelltest Brief erhielten wir gestern Nachmittag 4 Uhr. LvitteriinstSübersichJ vom 8. Mai 1897. Wctier-Prostuvse für SomitKg, de» 9. Mai 1897. EtivaS wärmer, vielfach heiler, zeitweise wolkig, bei schwachen füt stlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Welterbureau. ZSMldemokraMer Wahlvereitt im L Bert. Reichstags-Wahlkreis Meu). in«K-"HAU am Dienstag, de» II. Mai, abendS 8 Uhr, bei IIa««(KöittgAbank), Graste Krankfurterstrastc Nr. 117. Tageä-Ordilliilg-. 242/20 1. Vortrag dcö RcichötagsiZll'gcordttetcii Genossen 2. DiS- kussioin 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt.— Vene Mitglieder werden aukgcnounncu. _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht Ter Barstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dcmici-Ntug/, den 13. Mai 1807. übende S'/a Uhr; NM° Vei�sammfiung bei Baske, Grenadicrftrastc 33. TagcS-Ordii u ng: 1. Vortrag deo Genossen Glocke. 2. Diolnssion. 3. Vereiuö- An- gelegeicheiten und Verschiedenes. 245/9 _ Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. SspldnnMmljschkr UWverei« des ßHerl. Rnchstass-MaiMmsks. Dlenstax, den 11. Mai. akds. S'/z Diie, im Qiisliner Met', vitslinee-�teasse 8: Uereins-Uerfammlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Lcdcbour. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 240/1 Der Barstand. Achtung! Rixdorf! Achtung! SgzjMmKr. Ukrein.Fomärts". Dienstag, de« II. Mai, abends 8>,'2 Uhr, im Deutsche» Svirthshans, Bergstraste 137: IVBsiNkiieÄes'.RSnssnHnvZunN. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über die Propaganda für die Sozialdemokratie auf dein Lande. Referent: SteichStags�Abgevrdncter P c n S. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheitcn und Verschiedenes. Gäste willloininen. 232/10___ I>cr Voi-Btand. Aldtiltt-Siiiißtt-Kililii Berlius tutb ltmgcge«id. Montag, den 17. Mai, abends prüxiHe 8 Uhr, Im„Englischen Oarten", Alexander- Strasse 37c: Ansselmss-Sitzimg. 1G/17 T a g c s- O r d n u n g: 1. Ausnahme von Vereine». 2. Stellungnahme zum Sängcrsest. 3. Vorschläge zum Bundesdirigenten eventuell Wahl desselben. 4. Wahl der Revisoren mib Kontrolleure. 5. Verschiedenes. Sämuitliche Vereine müssen vertreten sein.— Vcrcius-Bnndcs-Mitgliedö- karte legitimirt. Her Vorstand. NB. Mit Beiträgen restircnde Vereine weiden aufgefordert, ihren Ver- vsiichtungen nachzukoimiien.—' In»biger Sitzung'Ausgabe eines neneii Liedes:„Sängermarsch".— Tie Adresse des 1. Vorsitzenden ist: Adolf ilteumann. Schwedensir. 13(Gesundbrunnen).__ B). O. Achtung, Maurer! In einem in dieser Woche verbreiteten Handzettel an die Berliner Maurer, unterzeichnet von Arth Kater, werden alle Kollegen, welche Gegner der lokalen Organisation sind, eingeladen, in einer vom Ztzachderei» der Berliner Maurer zuni heutigen Vormittag, lO1/, Uhr, in dem Lokal Alexanderstr. 27e, arrnngirten Versammlung zu erscheinen. Wir fordern nun die Kollegen vom„Zentral.Vcrband deutscher Maurer (Filiale Berlin II)" auf, dieser Bersaminlung aus folgenden Gründen fern zu bleiben: 130/20 1. Eö ist eine Mitglieder-Verfammlung vom„Fachverein", also können unsere Mitglieder, unr die. es sich hier nur handeln laun(Grund, die Einladung), schon wegen dieser Einseitigkeit nicht erscheinen. 2. Ist genanntes Lokal viel zu klein, um alle Kollegen, welche Gegner der lokalen Organisationsform sind, sollen sie sich alle bctheiligen, zufassen. Tie Lotalverivaltuiig. I.A.:\V. Frltzwch. Barbarossastr. 79. AMM Putzer. Am Montag, den 10. Mai, abends pünktlich8/00; Gerstenkoru, Grüner Weg 104; Hartmann, Langestr. 11; Schmidt, Fruchtstr. 29; Stein, Grosse Frankstirterstr. 80; Baunigarteu u. Sohne. Grosse Franlsurterstr. 29. ZUdosttN. bei Mantenbcrg, Orauieustr. 186. Vortrag des Reichstags-Abg. H. Pens über:„Die Gleichberechtigung der Arbeiter". Diskussion. Verbandsangelcgenheiten. Westen und Südwesten: im Lokale des Herr» lirubeil. Liudcustraste Nr. 106. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein über:„Die Lungenschwindsucht und die Holzarbeiter". Diskussion. WerkstattangelegenHeiten. N$00blt. im Lokale Beusselstr. 0 bei Efccher. Vortrag des Gen. Grempe über:„Kultnrbringendc Helden in Afrika". Dislnssto». Vcrbandsangelegeuhciten. Aiedrichsselde. bei Herr» SchnD:, Prinzen-AIlee 6. Vortrag des Kollegen Gugmanu. Verbandsangelegeiiheiten. In allen Bersaimnlnngen habe» Gäste Zutritt.- Neue Mitglieder werden ausgenommen. Biwlie der Parketbedenlepr. Diciistdg, bc« II. Mai, abenbs 8 llhr, bei Zubeil, Linbeiistraffe KM»: Vevfnttltttlttns. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen H.Maast. 2. Disktission. 3. Sind die Kollege» gewillt, aus eine Lohnreduktion einzugehen? Sämmtliche Kollegen sind hiermit etngelade». 105/10_ Die Ortsverwaltang. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 10. Mai, abends 8»/- Uhr, Twineuiünderstraste 33: MU"" Ter.Sammlung-."HW T a g e s» O r d ir u n g: 1. Vortrag des Genossen Dr. W e y l über: Lungenkrankheiten. 2. DiS- kufsson. 3. Berbnudöangelegenheiten. Die Herrenpartie findet am 10. Mai nach Strausberg statt. Abfahrt früh 7 Uhr vom Schlrsischen Bahnhof. Nachzügler iverden in Strausberg bis mittags 12 Uhr, Wilhelmstr. 85, erwartet. 147/4_ Der Vorstand. Weser. Dienstag den II. Mai, abends 8l/z Uhr, bei Schöning, Käpnickerstr. 08: Mltgliecler- V er Sammlung der Filiale 1 Berlin. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 125/12 Der Vorstand. Rohrleger««) Gehilfen. Sonntag, den 9. Mai, mittags II1/. Ehr, Gr. öffentliche Versammlnng Tagesordnung: I. Vortrag des.Kollegen Massatsch über:„Bourgeoisie und Proletariat". 2. Diskussion. 3. Rechenschaftsbericht des Vertrauensmamies und Neuwahl desselben. 4. Ausgabe eines Flugblattes. 5. Verschiedenes. Die Kollegen folgender Firmen sind ganz besonders eingeladen: Sichiiffer tfc Walker, Kietschel& Mcnneberg, Angrick, David Urovc, Meaniche, Slemund, Ptinniii& Ocrlach, Mahrun dt POtsch, Titel dk Wolde, Thorwest, BOrncr, Pohley.— Es ist Pflicht der Kollegen, dass sämmtliche Wertstätten Berlins uud Umgegend vertreten sind. UV Die Versammlung wird pünktlich eröffnet."TRss 107/5_ Der Bertrauensman». Kistenmacher 1 Montag, den 10. Mai, abends 81/, Uhr, bei Jottl, Andreasstrasse 21; öeueral- Versammlung- Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1897. 2. Wahl des gesaniniten Vor- ftandes. 3. Verschiedenes. 94/13_ Der Vorstand. I. A.: Krist Marten. Farmer iiiid Gießerei-Arlieiter. Dienstag, de» 11. Mai 1807, abends 8-/. Uhr: Oeff entliehe Versammlung in Menke s Salon. Naunyiistrasir 87. T a g e s- O r d ii u n g: 1. Die Aussperrung der Former Leipzig» uud Berlins. 2 Dis- lussion. 3. Wahl einer Agltations-Kommission und eines Vertrauensmannes. 4. Verschiedenes. 107/0_ S. Stobsack.__ Verein deutscher Schahmacher. VertÄininlnitsen am Montag, den 10. d. Mts., abends SVi Ehr. Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. 11: Vortrag des Herrn Dr. Wollbelni. Zahlstelle II bei l ange, Dragonerstt. 15. Zahlstelle IV bei Kolf,«dalbertstr. 21. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fachs, Frankfurter Allee 49. Um zahlreichen Besuch bitten 285/1_ Die Bevollmächtigten. Schnhmachör. Montag, den 10. d. Mts., abends 8>„ Uhr, Kommandantenftr. 73: Grosse öMiche Versammlung. TageS-Ordnnng: I. Vortrag. Referentin: Frau Genossin Rohrlack. 2. Diskttlsion. 3. Bericht über die Verhandlungen der Einigungskommisstou i» der Streik- angelegenheit Stolücnherg dt Mcls. 188/4 Nvlieitev und Avbeikevinnen5 Montag, den 10. Mal, abends 8 Ihr. im Lokale von Henke, JVaunj nstr. 87: GroHe öffentliche Berfamnilttng. T a g e s- O r d n u ng: 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneteu F. Bneb. 2. Diskussion. 3. Der am 17. Mai in Halle stattfindende Kongrest der lokal- organiffrten Gewerkschafte» uud Wahl eines Delegirten. 4. Verschiedenes. Pflicht aller Arbeiter und Arbeiterinnen ist es, in dieser Versammlnng zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellerfammlung statt. 18/9 Der Vertrauensmann der Allg. Arbeiter u. Arbeiterinnen. O. Schüler.___ Bildungsverein„Mehr Licht" im (früher Gthische Gefellschaft). Sonntag, den 0. Mai, abends 7 llhr, Englischen Garten", Alexanderftrasse Nr. 37c: Vortrag des Genossen W. W a ch über:„Kunst und Arbeiter." Dis- lussion.— Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz.— Gäste stets willkommen. 50/15 Kranken- Unterstntznngsbnnd der Schneider (Filiale Berlin). Dienstag, den 11. Mai 1807, abends 8',, Uhr, in de« Arminhallen, Rominandantenstr. 30(oberer Saal): ür Bersammlimg. ira Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Statutenberathung und Stellung hon Zlnträgen zu der am 20. Juli dieses Jahres stattfindenden General- Versammlung. 3. Verschiedenes. 100/9 Die Qrtsberwaltnng. Verband d. in d. Kürschner- Brauche besch. Arbeiter uud Arbeiterinnen Berlins n. U. Montag, 10. Mai, abends 8 Uhr, tut Restaurant Feindt, Weinstr. 11: Mitgliedtr-Persdiilmliing Tagesordnung: 1. Vortrag über Geschichtsforschung und geschichtliche Wahrheit. 2. Dis- lussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet 93/10 Der Borstand. zeiltrlll-Krliuktii- n. Tterbe- küsse der Tifchler und anderer gewerblich. Arbeiter. Berwoltnug Berlin II. Montag, d. 10. Mai, abds. Punkt 8 Uhr im Lokale des Herrn Tolksdorf, Görlitzerstr. 58: Mitglietier- Vtrsgmmlmig. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal 1897. 2. Verschiedene wichtige Kassen-Zln- gelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 184/17 Die Ortsperloattung. Arbettsnachweis für Bügler, Strpper. Zu- fchneider befindet sich Fehrdelliner- straffe 31 pari, bei Voigt. Jeden Sonntag daselbst Morgenfprache. Ebendaselbst jeden Dienstag abends Nm 9 Uhr Sitzung. 2002b Achtung k Achtung! Sclmlimaclier! Ersuche die Kollege», bis Sonn- abend den 15. Mai mit de» Billets abzurechnen, widrigenfalls dieselben verössentlicht werden. 188/5 I. A.: G. 8chral, Gr. Frantfurtör- Strasse Nr. 42. Allg.Krüilktil-UlliiZtttbtkasse der Drechsler md BerBg. (E. H. 80 Hamburg, Berlin II.) Am 7. Mai starb uliser Mitglied NicoiaysXaczmarek. Die Beerdigung findet am 10. Mai nachmittags 4 Uhr von der Halle deS Katholischen Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 1990b I.A.: A. Holefleisch, Bevollmächtigter. Unserem Freund und Genosse», dem Restaurateur Georg Renfer zum 43. Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, dass die ganze Beuffelstrasse wackelt. 1978b Die ganz Geheimen. Schorsch, gescht nei, die Schopps fliege in die Eck' i foang oa, LauSbnb zu saufe. Bcerdlgnngsverein Berliner'Klmmerlente. Am 7. d. M. verstarb nach langen, schweren Leiden unser Kamerad, der Zimmermann Herr Adolxh Ncschmaini. Seit Gründung des Vereins gehörte der Verstorbene unserem Verein als Mitglied an und war viel« Jahre in Bcrtranensstellnng. 1980b Die Beerdigung findet Dienstag, den 11. Mai. nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle des Stadt. Krankenhauses Am FriedrichShain aus nach dem Bartholomäus-Kirchhofe in Weihensee statt._ Ter Borstand. Danksngnng. Für die liebevolle Theitnahme bei der Beerdigung uwines Mannes Ernst Pinscher sage ich hiermit Verwandten n. 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Wie aus der in dem Bericht enthaltenen Tabelle über die Art der Krankheilen,.hervorgeht, litten von männlichen Kasseumitgliedcrn an Kraulheilen der Athmungsorgane 296, an Rheuma 249, Ver- letznnge» 246, Magenleiden 146 und Syphilis 165. Weiter kamen Hantlcide», Halsleide», Nervenleiden, Nieren- und Blasen- leiden häufig vor. Bon den weiblichen Kasseninitgliedern litten an Nnterleibekrankheite» 424, Rheuma 303, Magenleiden 294, an Krankheiten der Athmungsorgane 276, Bleichsucht 136, Verlehungen 125, Unterschenkel-Geschivüre» 123, Syphilis 113 u. s. f. Bon 74 im Berichtsjahre verstorbenen Mitgliedein war bei 32 Schwindsucht die Todesursache, also über 43 Prozent aller Todesfälle.(Im Jahre 1895: 45 pCt., 1894: 42 pCl. An Kranken- gcld wurden 83 166 M. gezahlt. Jür Kur- und Verpslegungskosten an Krankenhäuser,.. Fürsorge für Rekonvaleszenten, Ersatzleistungen an dritte für gewährte Kraukenunterstützung wurde» 113 869 M. ausgegeben. Für Arznei und sonstige Heilmittel wurden 28 363 M., für ärztliche Behandlung 23 427 M. bezahlt. Die Berwalinngskoste» betrugen insgesammt 44 288 M. Als nicht oder nachlässig meldende Arbeitgeber wurden 319 erniiliclt, die zusammen 61ß3 M. Beiträge nachzahle» sollten. Das Bcrmögen der Kasse hat sich trotz der mit dem 1. April 1896 eingetretene» Beitragsherabsctzung im Berichtsjahre»IN 26 547 M. erhöht, so dal> der Reservefonds 43 464 M. mehr aufweist, als gesetzlich vorgeschrieben. Diese Summe soll bei normal bleibenden Verhältnissen ebenso wie der fortlaufende jährliche Ueberschup zur Erhöhung der Kassenleistungen verwendet werden. Das Normalbleiben der Kassen- Verhältnisse ivird jedoch beziveifelt, da durch die Neugründung der „Hilfskasse dcs Vereins der Berliner Gasthosbcsitzer" die Orts- Krankenkasse»m rund 266Y Mitglieder geschwächt wurde, was eine» Einnahme-Nusfall von ungefähr 4 6666 Mark jährlich verursacht, die Verivallungskosteu aber auch in Zukunft dieselbe» bleiben werde». In dem Bericht wird ans die Nachthcile Hingewiese», die durch die Gründung der Innung-- Krankenkassen»nd die der Gaslhossbesitzer der Orts- Krankenkass« erstanden sind, und schließlich erklärt, daß die Orts- Krankenlasse der Gastwirthe von sämmtlichcn Orts- Krankenkasse» Berlins die relativ geringsten Beiträge nehme und die höchsten Unterstützungen zahle, mithin durchaus kein Grund zur Errichtung von Konkurrenzkasse» vorhanden wäre. Bom LicgeSzug der Maschine. Die Zahl der Hand- weder hat sich in den Kreise» R e i ch e» b a ch, Schweidnitz, S t r i c g a n und Waldenburg i./Schl. im Jahre 1896 um 541 vermindert, dagegen stieg. die Zahl der Feinspindeln in den Spiunercie» von 36 666 auf 34 666 und die Zahl der mechanischen Webestühle von 7667 auf 8181. Statistik der französischen Gewerkschaften»nd Unter nrhnier-Organisationcn. Das neueste Jahrbuch der Berufs- syndikate, heransgegcbe» vom Handelsministerium, zäblt bis zum 1. Juli 1896 insgesammt 5419 gewerbliche Fachorganijationen mit 1 618 479 Btitgliedern, um 273 Organisationen und 33 286 Mitglieder mehr als bis zum 1. Juli 1895. Die Stärke der einzelnen Organisalionsgruppen an den beiden Zeitpunkten zeigt folgende Tabelle: Am 1. Juli 1396: Am 1. Juli 1895: 2 243 Gewerkschaften und. 422 777 Mitgl. 2163 und 419 781 1 731 Unlernchmerorgan. und 141 877, 1 622„ 131 631 170 gemischte Org.»nd. L0ZZ3„ 173„ 31 126 1 275 landwirthschafll. Org. n. 423 492„ 1188„ 403 261 Die stärksten und zahlreichsten Arbcilcrgewerkschaflen zählte man im Seine- Departement, Paris(461 Organisationen mit 266 443 Mitgliedern), i» Pas-de-Calais(34 696 Mitglieder), in> Nord- Teparlemcnl(94 Organisationen mil 21 214 Mitgliedern), in Bonches- du-Rdo»e, Marseille(116 Organisationen mil 17256 Mitgliedern), im Rhone-Tepartcmcnt, Lyon(124 Organisationen mit 14 499 Mit- gliedern) u. s. f. Ungefähr die gleiche örtliche Vertheilung zeigen die gemischten und die Unlernehmer-Organisatianen. Von letzteren entfallen auf das Seine-Teparlement 466 mil 76 412 Mitgliedern, von ersteren 1 1 559 Mitglieder. Die Zahl der O r g a» i s a t i o n s- V e r b ä» d e ist seit dem 1. Juli 1895 insgesammt von 143 auf 156 gestiegen, die Zahl der in den Bcrbände» vereinigten Organisationen von 2719 aus 2886. Darunter die G e>v e r k s ch a f t s- V e r b ä n d e der Arbeiter von 79 a»f 86 mit 1243 Gewerkschaften(gegenüber 1191) und 336 491 Mitglieder»(gegenüber 334 824), die 11 n t e r» e h»i e r- B e r b ä n d e von 38 auf 43 mit 736 Organisationen(gegenüber 672) und 84 677 Mitgliedern(gegenüber 80 261). An verschiedenen Einrichtungen der Organisationen zählte man insgesammt 2823 gegenüber 2817 im Vorjahre, daritnler 1534 gcwerkschasiliche, 579 unternehmerliche, 149 geinischte und 566 land- wirthschastliche; 44 entfallen auf Gcwerkschafls-Berbände, 9 aus Uuternchmer-Verbände, 6 ans gemischte und 22 auf landwirthschast- liche Verbände. Die Einriäitnngcn der Gewerkschaften und Gewerkschafls- verbände galten folgende» Zwecken: Zieisc-Unterstützung 162, gegen- seitige Unterstützungt-kassen 289 und— bei den Verbänden— 4, Kranken- und Sparkassen 43 und 2, Arbeitslosen- und Streikkassen 163 und 2, gegenseitige Leihkassen 8, Zitters- Versorgungskassen 36 und 1, Wohlthätigkcilskasseu 1 nur in einem Geuicrfschaslsverband, gegenseitige Versicherung gegen Unfälle 6, Konsum- bezw. Ankaufsgenossenschasten 42 und 1, Prodnktionsgenossen- schasten 21 und 1, Gewerbeschulen 6, Fachkurse und Fachvorlräge 126 und 5, gewerbliche Prüfungen 1, Lehrling-kurse 1, Waiscnver- sorgung 1, Ausstellungen 1, eigene Werkstätten 21, Bibliotheken 899 und 11, Arbeitsnachweis 299 und 9, Nachrichtendienst 4, lliechts- beistand 3, schiedsrichterliche Rälhe 4, ärztlicher Beistand 4 und 1, periodische Preßorganc 41 und 6, Kleider und Geschenke an Kinderl, Asyl für alleinstehende Mädchen 1. Ter englische Arbeitsmarkt hat nach den Meldungen, die das Arbeitsamt in der„Labour Gazette" veröffentlicht, auch rm Monat März seine steigende Tendenz beibehalte». Der Prozentsatz der von den Tradcs- Unions als arbeitslos gemeldeten Mitglieder war geringer, als jemals seit dem Herbst des Jahres 1896. Wie gewöhnlich im Frühjahr, so wurden auch heuer viele Streiks ge- meldet, die aber alle nur von geringem Umfange waren. Eine große Zahl Arbeiter erlangten eine Erhöhung des Lohnes, hauptsächlich im Bergbau und in der Metallindustrie, und in fast allen Fällen ohne Streik. Die Zahl der Arbeitslose» betrug bei den 114 Gewcrk« schafte». die im März Berichte an das Arbeitsamt einsandten und die über eine Mitgliederzahl von zusammen 453 863 verfügten, 11 169 oder 2 5 pCt. gegen 3 pCt. im Monat Februar d. I. und 3.5 pCt. im März 1896. Im Marz 1896 waren 163 Gewerkschaften mit 415 731 Mitgliedern an den Erhebungen betheiligt. Neue Konflikte zwischen Kapital und Arbeit wurden ge- meldet 96 mit 29 582 betheiligten Arbeitern gegen 77 Konflikte mit 24 231 Arbeitern im vorhergehenden Monat dieses JahrjeS und 95 mit 22 666 im Marz 1896.— Von 96 al c» und neuen Differenzen mit 18 375 Arbeitern, die i» dem Berichtsmonat als beigelegt gemeldet würden, endete» 32 mit 4636 Zlrbcitern erfolgreich für diese, 36 mit 6631 Personen erfolglos; 28 Differenzen, bei denen 7768 Personen betheiligt waren, endete» durch Vergleich. An den Veränderungen der Lohnhöhe'waren 172 066 Personen betheiligt; davon hatten nur 2566 einen Rückgang dcs Lohnes zu erleiden. Die durchschnittliche Erhöhung des Lohnes beträgt pro Kopf und Woche 8 Pen«(65 Pf).— Den Berufen nach waren u. a. betheiligt: 114 766 Bergleute, ca. 11 666 Bauarbeiter, 15 066 Eisen- und Stahlarbeiter.— 2666 Arbeiter mußte» die Lohn- erhöhnng durch Streik erzwingen, 115 666 erlangten sie auf grund der gleitenden Lohnskala, 55 606 durch Unterhandlung, Einigungs- amt u. f. iv. Pauperismus. An einem bestimmten Tage der zweiten Woche dcs Monat März erhielten in 35 ausgewählten Gemeinde- bezirken 335 768 Personen A r m e n n n t e r st ü tz u n g. Das macht 214 auf je 16 066 Einwohner oder 7 weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. I» der australischen Kolonie Viktoria mit der Hauptstadt Melbourne, besteht seit kurzem ein neues Fabrik- und Werk- st ä t t e n g e s e tz, welches zu gleichen Thcilen gemischte„Kom- Missionen" von Arbeitgebern und Arbeiter»— die Mitglieder nach allgemeinem und geheimem Wahlrecht gewählt, ins Leben gerufen hat, die über alle das Arbeitsverhällniß betreffenden Fragen zu be- rathen und zu beschließen habe», u. a. auch über die Lohnhöhe. Die Kon Missionen— oder Arbeitsämter—, die für die verschiedenen Industriezweige eingerichtet sind, haben bereits sür verschiedene ZIrbeilszweige einen M i n i m a l l o h n festgesetzt— für Tischler z. B. von 45 Mark(Shillings) die Woche. Uhrelt-Zolwaareil-Vechnh. Baar Verkauf u. Theilzahlung. 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Alle Damen, welche im vorigen Jahre bei der Aufführung mitgewirkt haben, find ganz besonders eingeladen. 199Sb Grosse allgemeine Gartenban-Änsstellnng im Treptower Park. Die Ausstellung wird bis zum Hittwoch, den 13. Hai, reilängert. Eintrittspreis am Sonntag, den 9. Mai: 1 Mark, an den folgenden Tagen; 50 Pfennige, Kinder die Hälfte. Schulen Klassen- weise pro Kind 20 Pfennige.__ Ostbahn-Park RüderSdorfcrstr. 71. Am Küstriner Platz. I'hsstkr- u. Spezialitäten-Vorstellg. Garte»- Konzert von der S4 Man» starke» HauSkaPelle nntcr Leitung des Muuldirektors Hrn. Otto Görner. 1 Kaffeeküche 3—5 Uhr.— Gntrec 15 Pf., wofür 1 Glas Bier gratis. ] BolkSbelnstiguilgeit jeder Art. 4 Kegelbahnen zur Verfügung. Gute Viere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Sonntags Entree 20 Pf., Kinder 10 Pf. H. Jmbs. «n«1 Spetsehans, Gr. Frankfurtcrstr. 73. Fra»tke�s an der Kaiserstraße. Villiger Mittags-»nd Abendtisch. 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Potsdam, Alexandroivta S, an heftiger Ischias gelitten; nachdem sich Badereisen nach verschiedenen bekannten Kurorte» als ganz zwecklos gezeigt hatten, ist genannter Herr nach Benutzung von 16 meiner Loh- Dannin- Bäder vollständig von seinen Leiden genesen. Fräulein Marie Schneider. Berlin, Sophienstr. 14, welche lange Zeit an Lähmung, Blutarmnth und Bleichsucht gelitten, wurde, nachdem dieselbe mehrere Aerzte vergeblich konsulttrt hatte, durch den Gebrauch meiner Loh-Danuin-Bäder in kürzester Zeit von ihrem Leiden vollständig geheilt. Herr H. Kästen. Rendaut der Eharlottenb. Wasserwerke. Berlin, welcher 2 Jahre an Blaseukatarrh. sowie Magenleide« litt, wurde nach Gebrauch von 12 meiner Loh-Danuin-Bäder voll- ständig wieder geheilt. Jsrau Bastian, Berlin, Augsbtlrgerstr. 72, litt enmarkoleide«. Sie konnte nicht allein mehr gehen, zirka bO nieiner Loh-Daunin-Bäder war verschwunden. Infolge von zurückgetriebener Geschlechtskrankheit bekain ich nach Verlauf von 6 Monaten eine Drüsenanschwellung am Halse und bald darauf kleine Geschwüre an Lippen und Gaumen. Alle dagegen angewandten ärztlichen Gegengifte halfen nicht, sondern die Krank- heit kam immer wieder zum Vorschein. Ich versuchte es endlich mit den Münsel'schei, Loh-Dannin-Bndcrii und kann wahrheitsgcmäh bestätigen, daß nach 20 Bädern die Krankheit ans dem Blute heraus war. P. II. in Königs-Wusterhausen. (Genaue Adresse liegt in der Anstalt des Herrn G. Münsel.) Herr G. Neumann. Postbeamter a. D.. Stettin, hatte eine furchtbare Ncrvenlähmniig, so daß er sich nicht allein an- und ausziehen tonnte, ihm muhte das Essen und Trinken gereicht werden. Nach zirka 60 meiner Loh-Danuin-Bäder war das Leiden voll- ständig verschtvunden. 19621) B Monate an Nach das Leiden vollständig Kmderwagen-Bazar„Baby", beste und billigste Bezugsquelle durch enormen Umsatz. Kinderwagen, hochmoderne, 10,—, 16,—, 20,— bis allcrfeinstc. 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Die Verliucr Gcwcrkschaftökommission setz!« am Freitag in tmci öffentlichen Delegirlenversaiiimlung die Berathung über die sernere Taktik der Berliner Gewelkschasiskonnnission mit besonderer BeriiZlichligung der vorliegende» Resolution fort> Der erste Redner, Millarg, fiihrte aus, daß sich der geschäflssühreude Ausschusi und die Verfasser der drei ursprünglich eingebrachten Resolutionen inzwischen ans die in Nr, 91 des„Vorwärts" abgedruckte Reso- inliou geiuigl hätten und diese den Vertretern der Berliner Gewerk- schaften aufs Wärmste zur Annahme empsehle». Tie jetzt vor- liegende Resolution enthalte viel klarere Bestimmungen über die Zusanmiensetzung der Kommission, wie über daS Thätigkeits- gebiet derselben, desglei6)eu präzisirt sie die Stellung und Aufgabe des Ausschusses, des Gewerkschastsbnreans und schafft Einheitlichkeit und bessere Regelung der Geldsamnilnngen bei Lohn- beivegnnge», welche die Hilfe der Berliner Arbeiterschasl erfordern, Tie Gewerkschaften habe» zum größte» Theil eine in den ivesent- ltchslcn Punkten dieser Resolution zustimmende Haltung eingenommen, nachdem in ihren Bcrsammluuge» die Frage der Taktik eingehend erörtert wurde. Die in einzelne» Gewerkschaftsblältern ans- gesprochenen Befürchtungen, daß den einzelnen Berufen die Bewegungsfreiheit genommen»verde, sei unbegründet, soweit die Taktik des in Frage kommenden Berufes keine die G e s a in in t i u t e r e s s e n der Berliner'Arbeiter s ch ädigende sei. Dem'Ausschuß werde in dem Entwurf keine führende Stellung angewiesen, wohl aber werden ihm besonders bei Angriffsstreiks größere Rechte und Pflichten gegeben. Auch die, größeren Angriffsstreiks vorangehende Verständigung der gesannnten Jndnstriegruppe sei eine schätzbare Neuerung, Die Anstellung eines ziocite» Beamten im Gewerkschaftsburcan erscheine bei den vermehrte»'Arbeiten des Bureaus längst erforderlich, da die Ge- werkschaften aber nicht durchgängig die zur Erhaltung des Vnreaus erforderlichen Mittel ausbringen, glaube der Ausschuß vorläufig noch von diesem Plan abrathcn zu müssen und vorkommenden- falls Hilsskräste heranzuziehen. Die Versammlung be- schließt von einer Generaldiskussion abstand zu nehmen und dcbaltirt die einzelnen Absähe der Resolutio», Beim ersten Abschnitt. Zusammensetzung der Kommission, wünscht Massini eine bessere Aertheilnng der Zahl der Delegirten nach der Zahl der organiffrten Arbeiter im Berus berechnet, vorgenommen, etwa ans bis lvvo einen Delegirten nnd darüber bis drei. Die Bcr fammlung nimmt, obwohl sie mit dieser Vertheilnng ein- verstanden, davon Abstand, dies besonders festzulegen. Der Abschnitt 1 gelangt unverändert zur Annahme. Zum zweiten Abschurlt:„Der Ausschuß" bringt Frau Rohr- lack in Vorschlag, für alle Stadtbezirke Berlins 4 männ- liche nnd 4 weibliche Personen zu bestimmen, ivelche alle in das Gebiet der Gewerbe- und Fabrik-Jnspektton gehörigen Be- schwerdcn seitens der Berliner Arbeiter entgegenzimehmen nnd ge- sichtet dem Ausschuß Iber Gewerkschastskommission zur Weiter- besörderuug an die Jnspektionsdeamten zu übeizgeben haben. Zur besseren Wahrung der Rechte der Arbeiterinnen ans diesem Gebiete sei die Wahl von weiblichen Personen erforderlich. Nachdem K ö r ft c n darauf hingeiviesen, daß schon in der Resolution diese Evenlnalilät vorgesehen ist, überläßt es die Versammlung dem Ausschuß, geeignete Personen zn bestimmen. Abschnitt 2 wird darauf gleichfalls angenommen, desgleichen vom Abschnitt 3 die Absätze 1—9. Die Absätze 2 und 4 rufen den Widerspruch der Delegirten der Stellmacher(Fischer), Brauer(Prenß), Bilderrahmenmacher (Brande s), Branerei-Hilfsarbcitcr(Böttcher) und Granit- arbeiter(G e r st e n b e r g e r) hervor, welche in der Verpflichtung der Verständigung mit der Bernfsgrnppe eine Entrechtung und einen Nachlheil der kleineren Gewerkschaften sehen. Hintze wendet sich gegen die Bestimmung im Absatz ö, daß bei Streiks zwei Drittel der Delegirten in namentlicher'Abstimmung entscheiden. Winkler hält die Verständigung mit der Jndnstriegruppe soweit ivie möglich für durchaus erforderlich. Es sei dies für die Gewerkschaften keine bureanlratische, sondern eine Schntzmaßregel. Verlange man zur Erzielnng von Vortheilen für sich moralische nnd materielle Hilfe, so sei man auch verpflichtet, denen, die Helsen sollen und häufig auch selbst in Mitleideuschast gezogen werden bei Streiks, Einblick in die einschlägigen Verhältnisse zn gestatten nnd rechtzeitig ihre Zn- stimmung herbeizuführen. Sind diese Vorbedingungen erfüllt, so beginne ein Angriffsslrcik unter viel günstigeren ülnspizien, wie bisher ein großer Theil der Streiks der letzten Jahre, Im ähnlichen Sinne äußert sich M a s s i n i zn dem AbstiinmungS- niodns der"Zweidritlel-Majorität und namentlicher Abstimmung, Die Versammlung stimmt schließlich mit LS Stimmen gegen den Antrag Hintze's, welcher als Abstimmnngsmodns bei Streiks einfache Majorität mit namentlicher Abstimmung als genügend erachtet, und nimmt dann den in der Resolution vor- geschlagenen Abslimmungsmodus an. Gleichsalls wird der auf Boykotts bezügliche Passus in der vorgeschlagenen Form gegen vier Stimmen angenommen, nachdem Börner entgegensben Anschauungen Preuß's, welcher völlige Freiheit bei Verhängnng von Boykotts ge- wahrt wissen will, energisch dafür eintrat, daß alle Boykotts nur nach genauester Prüfung und Verständigung mit den maßgebende» Fakloren, nicht nur der Gciverkschasten verhängt werden dürfen. Im Absatz 19 wird eine Abänderung ans Vorschlag Massini's vorgenommen, ivelche dahin geht, daß der Ausschuß bei aussichtslos gewordenen Streiks ans die Beendigung derselben zn wirken und event. die weitere Unterstützung zu versagen hat, Ter Absah 19 des Reglements, welcher lestlegt, daß über die Taktik der Lohn- biwegniigen und austaucheuden Fragen innerhalb eines Ge- werbes nur die betreff ende Gewerkschaft selbst ent- scheidet, wird gleichsalls einstimmig angenommen. Bei dieser Gelegenheit giebt M a s s i n k(Buchdrucker) seiner Meinung dahin Ausdruck, daß er diesen Beschluß begrüße, da, obwohl die Berliner Gewerkschastskommission immer derartig verfahren habe, sich nicht in die inneren Angelegenheiten einer Geiverkschast einzumischen, sie dies hier in der Resolution für alle Fälle beschlossen hat. Es sei dies die treffendste Antwort ans die Stellungnahme des Leipziger Gewerkschnftskarlells' nnd erledigen sich damit die Sachen für die hiesigen Buchdrucker, Tie Abschnitte 3 und 4 der Resolution werden unverändert, die Gesammtresolntion gegen 4 Stimmen angenommen, Der Berliner Arbeitervertretrr-Berei» hielt am 4, d, M, eine regelmäßige Versammlung ab. Bevor in die Tagesordnung, seingetrcten wurde, macht der Vorsitzende, Herr S i m a n o v s k i die Schiedsgerichls-Beisitzer si>r die neue Flesicherej-Beriissgenvssen- schast für Berlin bekannt. Außerdem macht der Vorsitzende auf die Mängel des Berichts vom„Voriväris" von der Versammlung vom 6, v. M. ausmerksam. Es handelte sich i» der betreffenden Verlamrn- luug um die Besetzung der Subaltern- nnd Unterbeamten in de» Jnvaliditäts- nnd'Allersversorgniigs-Üliistalle». Die Verfügung, welche im Einverständniß mit dein Bnndesralh die Hälfte der Stelle» mit Militäranwärtern zu besetzen hat, tritt mit dem I. Januar 1897 in kraft. Da die Kosten vo» Nnteruehmcrii nnd Arbeitern zu gleichen Theilen getragen werden, müßte diese» auch das Recht eingeräumt werden, die Verwaltungsstellen zn besetzen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Stellungnahme zn den Wahlen in das Reichs-Versichernngs- amt. Der Vorstand wurde von der Versammlung ermächtigt, mit den Kollegen' in der Provinz in Verbindung zu treten und die Wahlen in die richtige Bahn zu leilcn, da sich bei der letzten Wahl arge Mißstände herausgestellt haben. Punkt 2 mußte von der Tagesordnung abgesetzt nnd auf eine andere Versammlung vertagt werden, da das nölhige Material nicht herbeigeschafft werden konnte. Im 3. Punkt brachte Herr Tamm eine Entscheidung des Reicks-Versichernngsarnts zur Verlesung, wo es sich um Entziehung der Rente handelt, iveil der Verletzte sich einer neuen Operalion nach bccndiglcm Heilversahren nicht unterzog. Es entspann sich hieran eine lebhaste Diskussion an, welcher sich unter anderen auch Herr Dr, F r i e d e b e r g betheiligte und wurde hervorgehoben, daß rs gut wäre, wenn man wenigstens das Erkenntniß des Schied?- gcrichts haben könnte, um die Gründe der Ablehruing zu hören. Herr Dr. Friedeberg empfiehlt noch die Schrift aus Leipzig über Symptome der Schivindsucht und die Verhütung derselben rind will dafür sorgen, daß dem Verein bis zur nächsten Versammlung eine größere Anzahl übermitlelt werde. In Verschiedenem wird von den Anwesende» beschlossen, daß die Versammlung am 8. Juni wegen der Psingstfeiertage ausfüllt und werden die Mitglieder be- sonders darauf ausmerksam gemacht. Dieselbe» werden zu der nächste» Versammlung, außer dem Inserat»och per Karte eingeladen. Fachberciu der Tapezircv. Generalversammlung am 27, April. Nachdem vom Vorsitzenden und Kassirer Bericht erstattet und letztere»! Tcchnrge ertheilt ivurde, erhielt Kollege Frauke das Wort zum zweilen Punkt der Tagesordnung. Er legte die Vorschläge der frei- willig sich gebildeten Einigungskonimission vor. Dieselbe» seien den Anschauungen und Hanplgesichtspnnkten der Vertreter der lokalen Richtung entgegenkommend, so daß einer Verschmelznng ans dieser neuen Grundlage nichts Wesentliches im Wege liege. Nach kurzer Debatte gab die Versammlung den Borschlägen ihre Zustimmung. Kollege Franke theilte dann ferner mit, daß die vorgeschlagenen Gesichtspunkte durch die Fachpresse den sämmllichen Kollegen Deulsch- lnnds uiiigelheilt würden, damit überall hierzu Stellung genommen werden könne. Sollten dieselben wider Erwarten nicht angenoinmcn iverden,»»üsse» für Berlin trotzdem Mittel und Wege zur Einigung gesunde»»verde». Kollege Markyl gab noch Keniitniß von den bei der Firma Gerson sich abspielende» Vorgänge», ivelche durch die Anerkennnng der berechtigte» Wünsche der Kollege» einen günstigen Erfolg gezeitigt. Zun» Schluß ivurde noch dem Vorschlag, in der nächsten Bcrsauunlnng einen DelorationSvortrag stallfinde» zu lassen, zugestimmt. Iii der letzten Generalversammlung des Fachvereins der Mnsikliistrunicntc»- Arbeiter ivurde svlgeude Abrechnung von» ersten Quartal gegeben: Einnahine 799,49 M., Ausgabe 624,23 M. Ter Ikebcrschnß vom vierten Quartal 1896 beträgt 973,97 M, Hinzu kommt der Streikfonds»nit i645,4d M., sodaß ein Eesamuit- vermöge» von 2785.36 M. vorhanden ist. Warnung! Bei Beginn der Frühjahrs-Saison ist�eS wiederum niithig, dm- geehrte Publirum darauf anfinerksan» zu iiiachen, sich nicht durch marktschreierische Reklame dekamitcr Herren- und Knaden-Garderoben-Geschäste irre führen zu lassen. Troh des..GesttzeS wider»c» unlautere» Wettbeiverb" liest»nan doch in allen Stadtgegciidcu, besonders aber iiu„Südosten" nach wie vor Antündiguliaeu von„Ausverkäuseu", die den Airschetn criveaen sollen, als würde die Waarc saß verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, daß diese Anzeigen der „ sogenannten„M assen-Ausverkäufe>v c g e n Aufgabe des Geschäftes rc." nur auf T ä u s ch u n g d c s Publikums berechnet sind uno lediglich den Zivcck ver- folgen,„unter alle» llinstäuden" Käufer anziilocken. Und leider flnden sich auch immer»viedcr— Leute, die auf derartige schwiiidelhafte Anpreisungen hineinfalle», um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu mache», daß sie die nur aus Rainschwaare bestehenden Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zn t Heuer bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten»oill und auf wirtlich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Reklame- nnd Aus verkaus-Gcsch äste und besorge seine Einkäufe bei soliden Finnen; die Preise sind auch hierin» eigenen Interesse so billig»vie nur irgend möglich gestellt. Gestützt ans den langjährige» guten Ruf meines HanscS— eine Folge der geiviffenhaste» Bedienung meiner iveitvcrbreitelen Kundschaft—, darf auch ich getrost mein Geschäft zu den besirenoulmirteswn der Herren- und Knaben-Garderoben-Branche am hiesigen Platze zählen. Die Besicht igmig meines r e i ch f v r t i r t e n Lagers in fertigen Anzügen, Paletots, Mänteln?c. ist ailch Nichtläufern gern gestattet nnd besonders jetzt»ach Eingang der Neuheiten für d i e Fr ü h j a h r ö- u n d S o»i»n ers a i s o n sehr zn empfehlen. Einige der recht geschmackvolle» Muster sind in meinen ö großen Schaufenster» ausgestellt. Die Preise s in d st r e n g fest, an j c d e m Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzügliche»! Qualität der Stoffe und bessere u A n s s ü h r u n g billiger alö wie sie die svgcuamiten Reklamegeschäfte zu bieten im stanbc sind, Anfertigungen nach M a a ß werden in eigener Werkstatt u n d in kürzester Zeit, wenn nöthig schon innerhalb 12 Stunden ansgefiihrt; für t a d e l- tv'cn Sitz der Kleidungsstücke leiste ich Garantie, Zwecks ungenirter Anprobe sind Ankleide-Kabinets vorhanden. Ich habe das Bcwnßtseiij, auch den verwöhntesten Ansprüchen in jeder Weise genügen zu lvimeii nnd richte daher an das geehrte Publikum daS Ersuchen, bevor es seine» Bedarf anderweitig deckt, sich von der Walirheit meiner Offerte zu überzeugen. Carl Zobel, Mm»- llllü UlllltN-Möt». so-' KLpÄ«Äse 1(3212*] TeleHou. SOOL-, \KUIE-, ICHWEfü-, \ FICHTEHNAJEL- CAPEK, Gegen Erkältung, Gicht nnd RheninatisinuS. Hclsstrockenluft- und IdanipfkaHtenbädci- mit Verpackung, ülnftKngc.[16091;* Ritter-Bad! Bad Frankfurt, 18 Rittrrftr. 18(Ecke Priiizeustr.) 136 Gr. Fraiikfurterstr. 136. Bäderlirserung für sämmtliche Krankenkassen Berlins und llmgcgeut.. Oentral-Leihliaus, Jägerstr. 72, zwisclieii Kanouiar- uiick Mtnerätrasse. Institut für tielegentaeit»künfe. Im ticu umgebauten Geschäftshaus.[10828 �v-nln-dernen'� Svtttmer- Paletots ffild Sommer- Anzüge», Mode 1897, ue» und»venia getragen- in besten Stoffen und»eueften Mustern von!v, 13, IS. 39-39 Mark iPracht-Gremplare). Knaben- und Jünglings. Anzüge. 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Zi(hu»g vom 8. Mai 1397, Nachmittags. Nur die Gewinne über»1« Marl sind den detreffeudeo Nummern in Parenibese beigefügt. (Ohne Bewähr.) 19 22 42 162 272 467 552816 044 67 1 361 488(1500] ,'87 91« 95 2011 37 309 51 472 731 812 937 11082 190 3« 466 701 4021 34 37 98 107 218 49 489 5016 530 81 634 80 726 886 0390 545 624 77 732 78 907 25[500] 98 7013 260 99 426 603 925 42 56 71 8033 39 1-8 370 431 604 90 813 949 75»026 289[3001 646 773 839 69 82 942 l«130 206 52 682 709 47 78(1600) 81 892 1 1008 104 39 256 60 8'3 55 95 690 739 90 025 ,2160 212 741 845 60 i:tOI6 93 224 66 389 571 731 05 822 73 007 1 4007 122 388 418 19 47 550[300] 52 678 709 893 94 1500) 910 68 1 5180 40(1 23 616 71 80 704 890 978 1*219 [3001 381 412 739 812[5001 922 46 1 7118 76 228 301 57 541 42 I SOOO 2 152 303 47 404 675 741 807 22 32 «36 10367 447 6»! 737 74 978[300] 2,8(05 189 502 630 945»1005 87 338 624 780 912 23»2160 224 463 640[300] 744 78 853 922 69 77 82 93«8064 97 425 643 704 843 24009 252 431 635 25124 63»5 261[500] 717 51»0240 412 27 90[3000] 59ci 642 794 869 85 907 53[50«»]»7284 654 57 761 74[15001 034 28022 86 100 217 308 72 401 752 885»»346 716 43 808 925 81)129 31 75 209 322 588 61(3001 623 774 971 75 81139 240 91 92 829 1300] 80 89 527 614 762 64 896 952 70 32234 38 427 96 88159 87 214 357 684 90 702 811 087 34050[1500] 52 120[500| 353 88 41.3 99 528 602 801 35109 248 568 840 60 8« 126[30001 104 268[500] 364 570 603 21 707 12 864 74 76 938 41 1603] 37100 219 so 88042 98 107 227[500] 82 311 77 429 523 62 92 658[3(0] 94 735 800»9413 14 78 746 817 4«066 116001 119 362 67 72 479 602 80 867 903 4 1028 40 87 139 96 225 78 380 411 CO(500) 834 943 67 4»067 248 307 426 541 672 711 24 35 950 43004 40 174 342 05 407 506 627 904 44 44184 272 74[1500] 817 491 588 632 910[1500 58 75>521:! 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Druck und Verlag von wtax«adiug in Berlin.