LSanderkomSdianten. Von einer CpieSzeii In Gßidrnüyren. Nach einer langen Eifenbaheffahrt durch Schlesien und Böhmen, auf Holzbauten schlv- jfend, essend, rauchend, zerschunden von Kanten, zitternd, erfrischt vom eiskalten Wasser der Bahnhofsbvunmen und zum Säubern viel zu müde, torkelten wir durch Znaim, das uns mit grauen Straßenreihen und überschwemmtem Katzerckopwflaster ebenso unfreundlich ansah wie der böhmische Januarhimniel und die tschechischen Beamten. Dazu waren wir ohne Geld und aus der deutschen Inflation geflüchtet. Bei einem Wurstessen dos Deutschen Bereins, wo wir Mysterienspieler wenig Dank für Lönslieder und Balladen und die Kalauervorträge eines Znaimers lebhaften Applaus ernteten, bekam unsere Begeisterung, durch die physische Schwächung der Reisetage angegriffen, den ersten Stoß. Immerhin konnten wir nun wenigstens die Paar Kronen für die GepäcksausWsung aufbringen. Anderntags, auf einem Leiterwagen durch die verschneiten Felder Mährens holpernd, bespritzt von Schmeewasser und Kot, umpfiffen von Winden, die durch die Mulden .und über die Schwellungen des Flachlandes .schlugen, kam Frische und Mut uns wieder. "Die Vagabondage lachte aus uns zwei Ko- ,mödiantmn»n und vier Komödianten, die auf Versprechungen des Deutschen Kulturverban- des nach Mahren gezogen waren. Wir waren Mehr noch erfüllt von eigener Abenteuerlichkeit,rd kann sie partout nicht- leiden. Und di« Zeitungen der Regierung? Sie sind schier begeistert. Sic enthalt«», mir Ex- kiamationen, die um so langweiliger wirken, als sie nicht«inem Regime im Jensil'S gelten, sondern einer Aera im Tiesseiis. Ma» kann jeden Tag die Exklamatioucn mit de» Realität vergleichen! ...... Ucbrigens sagt« mir ei» skeptischer Italiener, daß das einzig Gute des sascistischen Regimes das sein wird, daß die Leute nachher nicht mehr glauben werden, was sie lesen. Daß/ sagte er mir, wie man beim Margarinceinkauf skeptisch ist, man beim Einkatif seines Leiborgans ebenso skeptisch werde» wird. Ich a>U- wortete dem Zweifler, daß er keiner sei. Ich erinnerte ihn an die Aera des Krieges und Römische Notizen. Gtaatseehaltenbe Wandervögel.-„Gute" und„böse" Zeitungen. Don B. M. Huber. — 4 bemerk«, daß keine Presiezentral«-er Magna» ten nach dem Kriege Abonnenten verloren hat". Nicht einmal der Papst verlor Abonnenten. Warum jetzt auf einmal? WaS soll man machen? Die Zeitungstendre schreien: ich gehe und kaufe mir«in RegierungS- blatt. Da erfahr« ich im Grunde genommen folgende-: es ist eine Niederträchtigkeit,«ine unaussprechliche Gemeinheit, nicht daran zu glauben, daß Italien Kolonien braucht. Es ist «in Idiotismus zu meinen,-ah das ,Mave nostrum"(Unser Meer: das Mittelländische) irgend jemand anderem gehört. ES ist unglaublich zu bezweifeln, dah Abessinien so zu Italien gehört wie Cäsar zum Kapitol oder wie di« Butter zur Stulle. Aber«S ist fernerhin ein Berrrat und«ine Mißdeutung, im geringsten daran zu zweifeln, dah die Politik des Duce absolut friedlich ist und nur den Frieden will. Kleine Schwanke. Der Mensch ist gut. ES war während der Inflationszeit, spät nachts, als Leonhard Frank die letzte an diesem Tage von Wien nach Hietzing abgehende Tram bestieg. Ms einziger Fahrgast im Anhängewagen begann sich Frank zu langweilen, und so verwickelte er den Schaffner in ein Gespräch, fragt« den Mann in gewohnter Leutseligkeit nach Wohin und Woher, und der Schaffner begann über die schlechten Zeiten zu klagen: „DaS Geld ist nichts wert und wird von Tag zu Tag weniger wert, der Sohn lernt nichts, di« Tochter erwartet«in Kind, die Frau hat Krampfadern." Der Dichter ist von soviel Elend ganz er- schüttert und sagt, gewillt dem Schaffner irgendwie zu helfe«:„Wissen Sie was— geben Sie mir«och einen-Fahrschein!" Dl« Lügner. Patrick O'Flaherty, einziger irischer Soldat in einem sonst vollkommen englischen Regiment, kommt zum Obersten der Truppe, dem einzigen irischen Offizier, um Urlaub. „Herr Oberst, ich bitt« um zwei Woche« Urlaub. Meine Frau ist krank, meine beide« Kinder ohne Aussicht, ich muh-i« Wirtschaft i« Ordnung halten." „Pat," sagt der Oberst, der nicht gern Urlaub gibt,„ich möchte dir gern Urlaub geben/ aber gerade heut« hab« ich von deiner Frau «inen Brief bekommen in dem sie mich flehentlich bittet, dich nicht nach Hause zu schicken, weil du eine derartige Verwirrung anrichtest, dah dein« Fra« immer«in halbes Jahr braucht, die Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen." „Da kann man nicht- machen," erwiderte tvanrig Patrick,„ich möchte Ihnen ja noch etwa- sagen, Herr Obersh aber Sie werden böse sein." „Rein, Pat, sag'- ruhig." „Herr Oberst, Sie werden wütend sein." „Mein Sohn, ich werde dir bestimmt nicht- Übelnehmen." Paus«. Pat:„Herr Oberst, in diesem Zimmer stehen die beiden ärgsten Lügner Großbritan» ni«ns." „Wie denn, Pat?" . ,-Herr Oberst, d«r«ine von den. beiden bm ich." „Aber wieso denn?" „Herr Oberst, ich bin gar nicht verheiratet." Debatte. Coolidge, U/S. A.-Präsid«nt, fft kaum red- selig zu nennen. Sonntag mittags kommt er nach Haus«. Fragt die Frau:„Wo tvarft du?"- „In der Kirche/ „Was war los?" „Predigt." „Was hat denn der Pfarrer gepredigt?" „Ueber Sünde." „WaS hat er den« gesagt?" „Er war dagegen." (Nacherzählit von"Joseph Kalmer.) — derlei. Japan vom Hungev bedroht.— Die gefährliche /Bevölkerung-Vermehrung. Der Unter- ftaatSfÄretär im japanischen Landwirtschaftsministerium, Kohama, hat di« Oeffentlichkeit in einem alarmierenden Aufrufe über die Gefahr aufgeklärt, di« Japan in«gehbarer Zeit mit Hungersnot bedroht. Der Unterstaatssekretär weist darauf hin, daß die Bevölkerung der japanischen Inseln jährlich um«in« Million zunehme, ohne daß die Produktion der Nah- rungsmittel auch durch die intensivste Wirtschaft gesteigert werden könnte. Schon heute herrscht ein solches Mißverhältnis zwischen Bevölkerung und NahrungSfpielraum, daß die Landwirtschaft di« einheimische Bevölkerung nicht mehr zu ernähren vermag, und groß« Mengen der erfor- derlichen Lebensmittel durch Import beschafft werden mässen. 775.000 Automobilopfer. DaS ist die Kehr- seit« des AuiomobkliSmuS: im Laufe bei Jahres 1WS sind nach der Statistik deS„Rational Sa- sety Council" in Amerika 26.000 Personen durch Automobilünfälle getötet, 760.000 Personen mehr oder weniger schwer verletzt worden. Unter den Todesopfern befinden sich nicht weniger als 6000 Kinder unter 15 Jahren. Schlußbilanz de- Kriege-. Auf dem Kongreß der amerikanischen Roten-Kreuz-Gesell- schaften in Washington wurde«in« Statistik verlesen, di« eine Art Schlußbilanz des großen Kriege- darstellt. Nach dieser Statistik schützt das Rote Kreuz den Verlust an Menschenleben, die mit dem großen Kriege zusammenhängen, auf insgesamt 03 Millionen. Davon verloren 9 Milkonen ihr Leben direkt im Kriege, 6 Millionen in den darauf folgenden Bürgerkriegen, 40 Millionen gingen zugrunde an Epidemien, 6 MMionen starben Hunger- und 8 MMionen gingen in Naturereignissen zugrunde, die mehr oder weniger als Auswirkung des Krieges anzusehen sind. Da- Abendkleid.„Harry, schenk mir doch eine neu« Abendwileite!"—„Ja, wo ist den« > dein gut«- Kleid hin?"—„Das hat«ine Mott« gefressen." Di« Hauptsache.„Zwei Dinge hindern Sie daran,«in guter Tänzer zu sein," sagte der Tanzlehrer.—„Und da- wäre?"—„Ihr« Füße." Verdächtig« Empfehlung. Alter Herr engagiert einen Chauffeur:„Ich kann mich wohl« bei Ihrem bisherigen Dienstherr» über Führung un- Charakter erkundigen?"—„Leider nicht, gnädiger Herr, meine früheren Herr» sind alle während meiner Dienstzeit gestorben." Wohnungssuche. Ein junger Herr besichtigt «in Zimmer. Es gefällt ihm sehr, nur findet er, die Tapeten sähen so tot aus...— „Marten Sie nur bis zur Nacht," sagte der bisherige Mieter, der mit dem Koffer eben das Zimmer verläßt,„dann werden sie lebendig.". Sein Ausweg. Der alte Verbrecher, der schon so ost vor Gericht gestanden hatte, wollt« sich wieder einmal auf alle mögliche Weise herau-reden. Aber der Richter unterbrach ihn: „Ihnen glaube ich nicht mehr, un- wenn sie auf «in Dutzend Bibeln schwören," sagt««r streng, „was Sie auch imm«r sagen. Ich werde stets davon überzeugt sein, daß das Gegenteil wahr fft."—.Hoher Gerichtshof," sagte darauf der Angeklagte,„dann bekenn« ich mich schuldig". Di« Finanzlage des Schriftstellers F. ähnelt stark der europäischen, es herrscht auch bei ihm laufender Mangel an Bargeld. Es ist daher nicht verwunderlich, daß ein ewiger Antrieb von Gläubiger» an feiner Wohuungstür stattfindet. Um diese dauernden lästigen Störungen zu vermeiden, bracht« er eines Tages einen Zettel an mit der Aufschrift:„Auszahlungen finden nur am Fünfzehnten-ei Monats statt." Als di« Gläubiger am Fünfzchnten an seine Tür kamcn^ fanden sie einen neuen Zettel:„.Heut« Wege» Auszahlung geschlossen." Schmuck im Kinderzimmer.„Mama," frag- die fünfjährige Käthe,„warum haft du denn di« Bilder da an die Wand gemacht?"—„Damit du dir sie onfiehst, mein Kind."—„Nun schön," erwidert Käthe.„Dann kannst du sie wieder runter nehmen, ich habe sie gesehen." Bureau.„Die Sache fft wichtig," dringt ei» Mann jn da- Polizeibureau,„ich hab« gestern den Diebstahl meiner Uhr angezeigt. Es war «in Irrtum. Di« Uhr hat sich gefunden."—« Wedau re," blättert der Beamte in den Akten, „d-x Dieb fft bereit- verhaftet." Silbenrätsel. AuS nachstehenden 39 Silben sind 14 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstabe» von oben nach unten gelesen«in Zitat aus„Don Carlas" ergeben,(ch gilt als«in Buchstabe.) al bo da di e e«n ger Hard i i ka lisch le K ma nach nar ne Ni ny o ob on ot ra ra ri ri rin sa ft- so» stro t« us van wa zo. Di« Wörter haben folgend« Bedeutung: 1. Sibirffcher Fluß. 2. Reisegesellschaft. 3. Stern. 4. Schiller« fche Dramengcstalt. 6. Byzantinischer Feldherr. 6. Geisteskranker. 7. Männlicher Vorname. 8. Fluß in Italien. 9. Berühmt«! Dirigent. 10. Perferkönig. 11. Jahresschrift. 12. Gestalt aus der„Zauberftöte". 13. Küstenstrich a« Mittelmeer. 14. Rachegöttinnen. * Vokalwechsel. Ist der Saft-er—e— gut geraten, Wird gesungen mit Frohsinn und Scherz. Eine neu«—o— für den Sommer Erfreut jedes weibliche Herz. Die krächzenden schwarzen Gesellen Mit—a— zieh» durch Wald und durch Feld. Mit—ü— hat der fleißige Landmann Für sein Bich den Acker bestellt. Auflösungen der Raffel aus der vorletzten Nummer: Magisches Quadrat. Senkrecht und wagrecht: Ithaka, Thomas, Hoheit, Ameise, Kaiser, Astern. * Silbenrätsel: 1. Erasmus; 8. Salomo; 3. Israel; 4. Razzia; 5. Ranzen; 6. Tannenberg; 7. Domäne; 8. Erker; 9. Rachitis; 10. Murat; 11. Eimer; 12. Narkose; 13. Sahib; 14. Chronist. —„E- irrt der Mensch, so lang er strebt."