Rr 22.«nteryastungsvettage. 1S2S. Kesyelem! Kegvekem! Paul Keri ist ein ungarischer Genosse, der im Horlhyland drei Jahre unschuldig rm Kerker schmachtet«. Jetzt lebt er in dürftigen Verhältnissen in Wien, krank an Lungentuberkulose,«in« Folge der Haft. Es war im August 1918. Ich stieg auf -ie Elektrische, um zur Franz-Josefs-Kaserne Ku fahre». Dort sollte wieder eine Soldatenhinrichtung stattfinden. Nach vorsichtiger Schatzung muhten sich damals an 40.000 Deserteure und ander« Soldaten, denen dazu die Berechtigung fehlt«, in Budapest herum- jtreibrn. Unablässig wurde man auf der Straße angesprochen und zur Legitimierung verhalten,»ob di« Enthebungs- oder Urlaubspapiere in Ordnurrg wären. Es war wenige Wochen her, daß General Lukachich entsandt worden war,'ein Exempel zu statuieren; über die Soldatenhinrichtungen berichteten die'Zeitungen wie der tägliche Höfer über die Erfolge auf dem Kriegsschauplätze. Und die Rachtmahlgäste des Restaurants Wampetich im Stadtwäldchen konnten mit ansehen, wie Auditoren mit goldenen Kragen'die Akten zu Lukachich hinausbrachten und wie er, zwischen zwei Bisten di« Gabel nie verlegend und ruhig tveiterplaudernd, die Todesurteile Unterschreibend. ... Di« Elektrisch« rüttelte ihr schlveiß- gedünstetes, abgerissenes, schlechtgelauntes, erbittertes, pöbelhaftes Füllsel. Auf der hin- teren Plattform preßte die Menge zwei Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett an das itanzende Geländer; mit ihnen einen Zigeu- mer, den sie in der Mitt« hatten. Der Zigeuner regte sich nicht, bloß seine Augen wanderten umher. Plötzlich erhaschte er ein Luftloch; schon tvar er draußen und lief. Der Wagen wurde arge halten, die beiden armen apathischen Landstürmleute kletterten Mit ihren Bajonetten vom Wagnr, und wir sichren weiter... Im Tor der Franz-Josefs-Kaserir« lungert eine Menge Volk umher; davor lauert eine Schar Zivilisten, gafft und spricht zum Tor hinein. Wi« komme ich da hinein? Aber ein Gähnen bleibt plötzlich in der Mitte stecken, und der eben noch anderlvertig beschäftigte Mund spricht mich an. . Ich erkenne den Mann; so ein« knall- Don Fiert. rote, kriegerisch weite Husarenhose hat es in der Armee nur ein« gegeben. Er tvar Husarenoberleutnant im Kriegspressequartier, jetzt ist er Rittmeister in der Franz-Josefs- Kaserne. Damit spaziere ich auch schon durch das Tor, ohne auch nur den Posten g.'sehen zu haben. Uebrigcns ist der riesige Garten der Kaserne voll von Zivilisten. Bäuerinnen aus der Umgebung in wetten Röcken, Kinder, Marktweiber, di« gekochten Kukuruz und Melonen feilbieten. Die ganze Kaserne knabbert Kukuruz. Der Hof ist gesteckt voll. Abge- ristene, schäbige Soldaten stehen mit stumpfen Mienen herum, langweilen sich und stoßen mit dem Fuß nach den hevumliegenden Kukuruzkolben." An einer der Zaunwände liegt hochgehäuft Brennholz. Dort hinauf hilft man den über den Zaun kletternden, kreischenden, barfüßige» Frauen, die alle klein« Körbe iin den Händen halten. Der Korb ist wohl nur ein Vorwand, nm in die Stadt zu gehen. Meistens ist Kukuruz darin. D«r ganze Kasernenhof ist voll Kukuruz, voll abgenagter Kolben, voll knabbernder Soldaten. In der Mitte des Kasernengartens aber, wo die Menge der Soldaten und Bäuerinnen immer dichter wird, schlägt mir ein unerwartetes Bild entgegen. So wenig steht diese Erscheinung mit dem übrigen kukuruzessenden Kasernenhof im Einklang, daß ich sie zuerst für«in« böse Poss« ansehe: dort oben, auf einer Art Damm, liegt hingestreckt eine lange, niedrige Scheune, wohl irgendeine Winterreitschule, und daneben stehen in weitem Kreise Soldaten. Sie sind ebenso heruntergekommen und zerfttzt wie di« drunten, ebenso müde, abgestumpft, grau im Gesicht. Rur halten sie ein Gelvehr über der Schulter. Und in der Mitte des Kreises,, als wär«,: sie neben dem Ausrufer einer Schaubude ausgestellt, auf der Höhe des Dammcs, ein paar Gestalten. Zunächst erblick« ich einen weißen Ordensgeistlichen. lieber der weißen Kutte hängt vorn und hinten das braune Skapu. larium bis zu den Füßen herunter. Daneben auch em kleiner, schlvarzer Geistlicher in Sutane... llnd wirklich, als spräche ein Ausrufer, tönt cs mit guter, klarer Stimme vom Hügel herab! ...Denn das ist keine Gerechtigkeit!..'. Ich bin nur durchgegangen, habe gar nichts Schlimmes getan... nicht gestohlen, nicht geraubt... es ist nicht wahr, man hat es nicht bewiesen... man sagte es nur... beschuldigt mich... das ist ganz ungerecht... man kann mich nicht zum Tode verurteilen... das ist keine Gerechtigkeit... Leut«, laßt mich nicht im Stich!...";'' Dieser Ausrufer dort oben auf dem Hügel ist der zum Tode Verurteilte. Neben ihm stand noch einer. Es sind zwei, aber der andere fällt gar nicht auf. Ihr« beiden Hände sind aneinandergekettet, aneinandergefcsselt durch das letzt«, Wort eines gemeinsamen Schicksals. Und dabei sind es zwei garrz verschiedenartige Menschen. Der ein«, der deklamiert, ist ein langer, hagerer, glattrasierter, großäugiger Mann mit breitem, vollem Gesicht;«r mag fünfundzwanzig, dreißig Jahre alt sein. Der richtige Sohn des Großstädters; er spielt den Plattenbruder. Der andere neben ihm ist kleiner, älter und so unbedeutend, daß mir nicht einmal sein Gesicht in Erinnerung haften gebli«ben ist. Gleichmütig, stuinpf, müde, nahezu betäubt steht er da; das ist der richtige Soldat, der Soldat des Weltkrieges. Sein Gefährte zerrt ihn beim Deklamieren, jedesinal, wenn er sich anschickt, feine Rede mit Gesten zu begleiten, an der gefesselten Hand mit sich. In seiner Aufregung tritt der Deklamierende hin und her und reißt den anderen nach. Der folgt ihm schlechtgelaunt und wartet nur, daß alles schon zu Ende wäre. i Die beiden zum Tode Verurteilten sind in Zivil, so tvie sie erwischt wurden. Di« beiden Geistlichen sollen ihnen seelischen Beistand leisten, aber offenbar genügt als Beistand ihre bloße Anwesenheit, denn sie öffnen den Mund nicht, beten nicht einmal. Der kleine, schwarz«, tritt verlegen von einem Fuß aus den anderen, der weiße Ordensgeistliche aber hat sich an den Rand des.Kreises gestellt und verhält sich unbetveglich. Ein« prachtvolle Gestalt. Sein wohlgenährtes, rasiertes, römisches Antlitz^st das einer Statue« Augerffcheinlich hat er hier, vor so vielen Zuschauern, das Bewußtsein, ein« wichtige Person zu sein. Der verurteilt« Plattenbruder, mit dem s «s zu Ende geht, hält noch immer mit lauter Stimm« Dortrog... Als die ersten öffentlichen Soldatenhinrichtungen, deren detaillierte Schilderung in den Zeitungen fick Lukachich selbst angelegen sein ließ," statt Zustimmung und Abschreckung, wie die Herren«K sich vorgestellt hatten, nur Grauen und Ekel beim Publiktm erzeugten, wurde ein« beruhigende Erklärung veröffentlicht, wonach nur jene Hin- Gerichtet würden, di« schon mehrere Male desertiert wären und wahrend der Flucht irgendein Verbrechen begangen hätten. Daran klammerte sich der Unglücklich«. ... Da8 ist kein« Gerechtigkeit!... Mich kann man nicht zum Tode verurteilen!... Nichts ist bewÄen!... Ich habe nichts getan ... Ungerechtigkeit!... Ich suhle etwas Imposantes in der Zähigkeit, ,n dein erbittert««, willen Lebensdrang dieses Mannes, der, nachdem jede Hoff- I nung geschwunden ist, den Kampf nicht aufgibt, der nicht an seinen Tod glauben will. In diesem unbeugsamen LebenSmstinki st ebensoviel Schönheit wie in der Todesbcrcir- schast des Stoikers. Ein Mensch, der so an dem Lehen hängt, daß er sich noch mit der Kugel, die nach seiner Stirn gerichtet ist. in Debatten einläßt, kann nicht»ver immer sein, in dem muh schon ejlvas Besonderes stecken. (Schluß folgt.) Löwe und Wolf. Es hat einmal, so wird gesagt, der Löwe mit dem Wolf gejagt. Da haben sie vereint erlegt «in Wildschwein, stark nnd gut gepflegt. Doch als es ans Verteilen ging, dünkt das dem Wolf ein mißlich Ding. Der Löwe sprach: Was grübelst du? Glaubst du, es gcht nicht redlich zu? Dort kommt der Fuchs, der mag entscheiden., was jedem zukommt von uns beiden. Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund als Richter gar nicht übel scheint. Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich: Herr Doktor, das ist was für euch. Hier dieses jüugst erlegte Schwein, bedenkt«8 wohl, ist mein uitt> sein. Ich faßt es vorn, er griff es hinten; jetzt teilt es uns, doch ohne Finten. Der Fuchs war ein Jurist vom Fach. Gehr einfach, spricht er, liegt di« Sach. Das Vorderteil, ob viel, ob wenig, erhält mit Fug und Recht der König. Dir aber, Vetter Jsegrimm, gebührt das Hinterteil. Da nimm! Bei diesem Wort trennt er genau das Schwänzlein hinten won der Sau. Indes der Wolf verschmäht die Beut«, verneigt sich kurz und geht beiseite. ,Zuchs", sprach der Löwe,„bleib bei mir! Bon heut an seid ihr Großvezttr." Wilhelm Busch. HexenprozeH. Ei«« alte Geschichte. Bor dem HauS des Peter Purckhardt sammelt sich daS Volk. Ein Raunen«ich Wispern und dumpfes Murren gcht durch di« Menge. Di« Gesichter find durchfurcht, mager und kantig. Man sieht, daß die Mägen, die zu den Gesichtern gehören, schon seit Generationen hungern und nicht weniger di« Gehirn«, die hinter den dumpfen Stirnen lagern. M«irs Kuh hat vorgestern verkalbt. Die Menge erzählt sich mit unheimlich glitzernden Augen und ekstatischen Gebärden, daß Meir gesehen hab«, wie die Nacht zuvor di« Stalltür aufgeflogen sei, als ob ein Sturm daran gerüttelt habe, und daß, wie er in den Stall gekommen sei und Weihwasser gesprengt habe, der Kuh die Haar« zu Berge gestanden feien. Dem Vater Holch ist sein« einzige Ziege gestern verreckt. Und nachts hat man gelbe Schwefelslammen durch das Dorf tanzen sehen. Und die Kri«gsfuri« ist wieder durchs Land geritten. Si« hat diesmal auch den kleinen ver- fteckten Marktflecken- nicht verschont. Dar Elend ist groß. Der Feldhauptmann hat der Gemeinde «me schwere Kontribution auserlegt. Di« Dörfler brechen unter der Last schier zusamm«m Dazu W M>Ernte jchlecht.^^' • Der Beil-Jörg,«in langer hünenhafter Kerl mit einem zerbeulten Bulldoggengesicht unter niedriger Stirn, hat heut« alle znsammengc- trommelt. Der Psarrir härt' ihn geschickt. Der Peter Purckhardt sei ein Ketzer, flüstert er den Leuten zu, und dos T«ufelsworl fliegt wi« Feuer über di« Menge weg. U«b«r dem Dach des Purckhardt sei ein roter Teufel in der Nacht geschtvcbt und durch den Kamin ins Haus verschwunden. Nnd bei Melber Bremb habe man ihn auch gesehen, den roten Teufel. Die Weiber unb Männer hekreuzigwn sich, wie der Belt-Jörg das sagt; die Weiber kriegen lveiße Gesichter und fangen an, hysterisch zu schluchzen. Der Veit-Jörg aber reißt fein breites Maul noch weiter auf und sagt, die Weiber sollen sich nicht wundern, wenn ihr« Kuh nächstens auch verkalben würde wie dem Meir senre. Und es würde vielleicht noch mehr verrecken, als nur dem Vater Holch feine Ziege. U«berhaupt s«i niemand mehr seines Lebens sicher. Und«s sei kein Zufall, das mit der Kriegsfurie, der Kontribution und der Mißernte. Der Herr wiss« genau, was er tu«, wenn man dem Teuf«! Herberg gäbe in«inem christkatholisch«» Dorf. Di« Männer sind kopflos und wüten; die Weiber heulen n:id zetern. Si« st«hen in Gruppen beisammen und starren scheu nach Purck- hardts Haus. Alle sagen jetzt, sie hätten dem Purckhardt immer schon angesehen, daß«s nicht geheuer bei ihm sei, dem scheuen Mann, dem aus Welschland oder weiß Gott woher Zugewanderten. Einer, der nicht'in di« Kirche gehe, und d«n Bauern unverständliches Zeug rede, der müsse«8 ja mit dem Teufel halten. Jetzt fängt die Glocke an zu läuten. Wahrscheinlich hat der Glöckner wieder«inen Sol- datentrnpp gesehen, der auss Dorf zu reitet. Schon wollen di« Leut« nach allen Seiten auseinanderstreben— da hört di« Glocke auf zu tönen, plötzlich und unvermittelt nach ein paar Anschlägen. Die dauern bl«iben stehen und starren, und da kommt schon von der Kirche her dem Bett-Jörg sein Bub und schreit:„Der Teufel, d« Teufel! 4' Wie er bei den Bauern ankommt, erzählt er: Wie der Mesner di« Glocke läuten wollte, da hat sie gar nicht wollen, und wie er stärker zog, da hat sie dreimal angeschlagen und dann hat«8«inen Krach gegeben und der Klöppel ist durchs Dach gekommen und hat den Mesner totgeschlagen. Die ganze Brust hat es ihm eingedrückt, und der Buh ist noch ganz weiß vor Schreck, wie er di« Geschichte erzählt. Eine Weil« steht das Bolt wie erstarrt. Aber dann heult es los. Am meisten schreit der B«it-Jörg. Er stößt di« andern beifette und rennt auf Purckhardts Haustür zu. In dem Augenblick geht di« Tür auf und der Purckhardt steht auf der Schwelle. Er ist«in mittelgroßer Mann mit einem Gesicht, das nicht unter di« Bauern paßt. Er ist Geigenbauer und erst vor wenigen Jahren aus Italien gekommen, wo er beim Meister Amati die Kunst erlernt«. Wie er jetzt den Veit-Jörg vor dem tobenden Haufen ficht, weiß er, was di« Glocke geschlagen einem Jahr hat er dem Beit-Jörg, dem verkommenen Kumpan, Geld verweigert, das jener geliehen haben wollte. Und später einmal hat er ihn verscheucht, als jener im Wald ein Bauernweib ans dem Grinzdorfe bedrängt«. Seit damals hat der Beit-Jörg den Purckhardt gehaßt und ihm eins aus,zrwischl, wo u>td wann er nur konnte. Im Pfarrer, dem der Ketzer ans Welschland schon lang« ein Dorn im Auge war, hat der Veit-Jürg einen guten Bundesgenossen gesunden. Und jetzt ist der Tag der Abrechnung gekommen. Die Bauern sind außer Rand und Band und nun, da der Glocken-Klöppel, den der Veit-Jörg angcjeilr hat, herabgestürzt ist nnd den Mesner erschlagen hat. zu allem fähig. Tenn Gott hat ihüen ein Zeichen gegeben. Mit fanatisch glitzernden Augen und hysterischen« Geschrei dringen sie auf den Puckhardr em. Sie schleppen ihn aus den Schindanger, binden ihn fest, häufen Holz u«n ihn und Reisig und zünden es an. Sie brauchen keinen Inquisitor und keinen Richter:'Gott hat gesprochen und der« Hexenmeister verurteilt. Am anderen Tag« zieht der Beit-Jörg in des Purckhardts Haus. Er hat dem Dorfältesten ein Pergament vorgezeigt und ihm bedeutet, das s«'r«iir Schuldschein vom Purckhardt. Der Dorfälteste kann nicht lese«« und sagj, wenn dem so fei, dann soll««r das Haus des Ketzers nehmen. Aber der Pfarrer müsse das Hrxen- meisterhaus vorher reinigen. Und der Pfarrer ist dann gekonnnen n««d hat das Haus mit Weihwasser, Weihrauch und Psal««««n«ingcw«iht, damit es ei>« Gott wohl- gefällig«8 werde. Nach einer alten Chronik von Heinz Eisgrub.rr. Der Naturbeobachttr. Der Wasierschlauch ist rin« Blütenpflanze, die Tiere frißt. Sie jagt ihnen nicht mit Bewegungen nach, aber sie stellt ihnen Fallen- Die Fallen haben zugleich di« Bedeutung von! Magensäcken, in denen di« Beute verdaut wird. Das find Wunder über Wunder in unseren Angen. Oder haben wir uirser Urteil nicht! längst mit der milden Borstrllung ausgeföhnt,'! die Pflanze näh« sich von Erde, Wass«r und! Luft, sei friedlicher alk«in Lanrm und kenn«! keine der Leidenschaften, die Ti«re und Men»! schen aus Selbsterhaltungsgründen zu Jägern,' Räubern und Mördern machen?— Aus dem Innern des Wasierschlauchs tönt ein« erregt«!« Weise, und ausgesogen« Leichenrest« liegen am Weg seines Treibens wi« am Weg eines Wolfshs — Mit sechs Arten, di« der wurzellosen Schwebeflora stehender Gewässer, der Torfsümpfe und moorigen Gründe angehören, ist die vorwiegend tropische Gattung zerstreuterweise auch in unserer Heimat vertreten. Nur drei von ihnen: der genrein« Wafserschlauch, der vernachlässigte und der kleine Wasierschlauch" kominen in Mitteleuropa häufiger vor. Da jede Bodenverankerung fehlt, besteht der Körper aus einem vielarmigen, inrmer wieder sich gabeln- ^n und verzipfelnden Stern ausläuferartiger Süengek, die sich in strahliger Anordnung durch 8 mit großartiger Handbewr stürzten sich auf Wright. Di« Lauskäser jene anfsälligen, glänzend metallisch gefärbten Käser, die durch chre Behendigkeit und Schnelligkeit im Lausen sehr bekannt sind, find sehr nützlich. Sie ernähren sich mit einer einzigen Ausnahme samt ihren Larven von tierischer Kost und räumen unter -en Jnsektenschädlingen, soweit sie sie bewältigen können, gewaltig auf. Jungens," sagt« der große über meine Pläne besser die fetten Spesen, di« er haben sollt«, wenn der Anschlag auf di« Bohrtürme vereitelt würde. In Santa Rosa waren plötzlich die Oeiquellen versiegt, di« Eastern OA-Compagni« wollt« sie schon anfgtben, als der gut überwacht« Walker ins Petroleumgrbiet reist«. Santa Rosa lag nur rin« Stunde Bahnfahrt von Santo Paolo entfernt. „Mzine Herren," schloß der Bischof seine Rede,„und ich sage dennoch: eS sind unser« Brüder. Dreihundert Zimmer hat Carlington, aber vergeßt nicht, daß dort drüben im Gefängnis dreihundert Männer in dumpfen Zellen leben. Wer wirft den ersten St«in aus sie?" »Ich." sagt« Walker und reckte sich auf,„ich werfe den ersten Stein. Ich will genau so theoretisch über das Gefängnis reden, wie unser hochverehrter Bischof. Dreihundert in Carlington und dreihundert in Jronhome, Bischof, all- right, die Zahl stimmt, aber sonst nichts. Wir bauen auf, hi« anderen dreihundert reißen nieder. Wir stützen di« Gesellschaft, di« anderen erschüttern ihre Grundlage. Wir sind Bürger der Staaten, di« anderen»Dieb«, Straßenräuber, Mädchenschänder, Tramps. Sind schon am rechten Platz, di« dreihundert hier und dort, Bischof." Die Herren im Rauchsalon lachten. Wright, der Oberspitzel, rieb sich die Hände. Ja, das lvar der große Walker. Er weiß, hunderttausend Dollar stehen auf dem Spiel, aber er spricht mit dem verrückten Bischof über Gott und Teufel und denkt doch irur an die neuen Quellen und daran, wie Wright von der Eastern Oil überlistet werden kann. Der Bischof Hors« hatte den ganzen Tag im Gefängnis verbracht. Das-Elend der Gefangenen hatte ihn so erschüttert, daß er am Abend, als er di« kühle Pracht im Carlington und die Nerogesichter der sicheren Bürger und Geldleut« sah, nicht schweigen konnte. Wilde Wut überkam sein Herz. Walker kannte er von Chicago. Walker war im Kirchenrat der Sekt«. An ihn wandte er sich also und brachte das Gespräch auf die Gefangenen. Darauf bekam er diese Antwort. Sein tapse«» Herz ergab sich nicht. „Ich weiß nicht," sagt« der Bischof und ließ di« Tieraugen ftmkeln,„ich weiß nicht, Mister Walker, wer am meisten die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft erschüttert, die drei- hundert in Carlington oder im„Jronhome.. Wir machen au» der Welt ein« große Maschine deS Geliwerdienen»,«ine Profitkarre mit krachenden Eisenkiefern und malmenden Backen, und wer sich Carlington nicht beugt, der wird ausgestoßen, eingesperrt, wenn«r Dieb oder Straßenräuber für unsere Schuld geworden ist." „Bisch," antwortet« Mister Hall, ein bekannter Weizenmakler mit milder Stimme,^vergessen Sie, bitte, nicht, Carlington ist keine Kirche. Predigen können Sie am Sonntag in der Kathedrale. Ich komm« auch, Bischof. Heute lösen wir di« soziale Frage nicht mehr." Der Bischof Horse antwortete nicht. Er saß da, zerfallen und plötzlich übermüdet. So war Di« Lichter ins Carlingtonhotels leuchteten in d:« nahe Nacht. Die Sonne war in purpurnen und scharlachroten Bränden im Meer versunken. Palinen wiegten sich im Abendwind. Letzt« Segl«r kamen zurück und trieften vom Licht. An dem weißen Strand saßen noch Som- mergäste, sahen in-as Farbenspiel des Wassers, in di« grellen und sanften Silberfarben und lauschten der fernen Riggeruiusik, den aufreizenden Melodien aus Urtvaldbrust und tierischer Kraft. Die Somm«rgäst« waren reiche Leute aus der Union und verbrachten hier in Santo Paolo licht- und lufterfülltr Wochen. Aber ihre Sommerhäuser und der Strand waren nicht nur zur Lust da, zur Börfenstund« saßen die großen Macher der Getreide-, Oel- und Kupferpreis« in ihren Arbeitszimmern, hörten die drahtlosen Meldungen ab und standen mit den Hanptplähen des Landes in fuukentel«graphi- scher Verbindung. Mit dem letzten Abendznge kam auch Morton Walker, rin bekannter Macher für Petroleum aus Chicago, in die kleine Stadt. Walker besaß hier dicht am Strand, am Ende der großen Palmenallee, ein Sommerhaus. Aber er kam nicht allein. Dicht auf seinen Fersen saß William Wright, der Spitzel von der Eastern Oil- Eompagni«. Als sich die Reporter am Bahnhof auf Mister Waik«r stürzte», auch Santo Paolo hielt auf«in« gute Presse, wehrt« dieser lächelnd ab und verwies sie gnng an Wright. „Geht zu ihm, Walker.„Er weiß Bescheid als ich." Di« Reporter., Walker aber bestieg lächelnd das wartend« Auto und fuhr, um seine Spur zu verwischen, nach Carlington. Als Wri^t endlich di« Reporter abgeschüttelt halt«, saust« er mft seinem Wagen nach dem Strand hinunter. „Mister Walker ist nicht zu Haufe, Mister Walker ist sehr beschäftigt, Mister Walker kommt erst mit dem Morgenzuge," sagt« der Sekretär -Joe Green, der von Carlington längst schon Unterrichtet war, und fttzte dabei«ine so eiskalte Miene auf, daß auch Wright eine Maske vor sein sowieso schon undurchdringliches Gesicht legt«,„schon gut, old dich," sagt« und dem Diener zehn Dollar in die Hand drückte. Dann lehnt««r sich verdrossen in seinen Wagen zurück, hatte keinen Blick für daS verdunkelt«, keise donnernde Meer übrig und fuhr nach dem Carling- tonhotrl. Er kam gerade zur rechten Zeit, um im Rauchsalon den Schluß der R«d« des Bischofs Horse anzuhören. Horse war em gesunder und bekeibter Mann in den besten Jahren, er untere schied sich durchaus nicht von einem glücklichen .Geschäftsmann. Nur sein« Augen leuchteten sa- matisch und verrieten in der verfetteten Brust ein löwenhastes Herz. Bor dem Bischof saß tauch der große Walker, und der Spitzel freute sich, daß er ihn in der Falle hatte. Währender Bischof feine Rede beschloß, berechnete Wright di« obersten Wasscrschichien verteil«» und nrit nadelsörmigc» oder haarfein zerspaltenen Blätt- ckxn den Raum allseitig durchpflügen. Wie d«r „Kosmos" berichtet, har es sich immer wieder gezeigt, daß klein« Masscrtier« der verschicdenflen Art de« Pflanzen zum Opfer fallen. Wasser- fiöhe, Hüpferlinge, Riisselkrebschcn, Mückenlarven, Fadenwürmcr und Rädertierchen wurden in den Schläuchen gesunden. Die Erde bebt. Bon Max Barthel. die Erde, ja. rind darum war er für-en t Himmel, für den großen Ausgleich, di« groß« Klarheit des Lichte» und der Gerechtigkeit. Dann dacht« er an den Gefangenen Schilling,-en er heute besucht hatte, und der wegen Morde» angeklagt. Warum war er wegen Morde» ange» klagi? Hart« er einen Menschen getötet? Rein,i Schilling führt« den Streik der Oelarbeitrr. Ein! s Polizist fiel durch«in« Spitzelbombe. Darauf s hin wurde gegen Schilling die Anklage wegen, Mordes erhoben. Walker erhob sich«us seinem weichen Sessel! j und ging langsam nach der glasgedeckten Be- i randa. Das Meer schimmert« durch das helle Glas. Wright folgt«. Di« anderen Herren saßen. noch mit dem verstummten Bischof zusammen.! Wright nähert« sich dem großen Walker mik- leichten Sohlen. In der folgenden Viertelstunde. wurde sehr leise gesprochen und viel gerechnet,. Zwei Männer, der Spitzel und der Bespitzelt«,! saßen eng beieinander, do* der Bespitzelt« blieb Sieger und kaufte für zehntausend Dollar-en» Oberspitzel Wright von der Eastern Oil Compagnie. Di« neuen Petrolrmnquellrn waren hunderttausend Dollar wert... 'In derselben Nacht verständigten sich im Gefängnis von Santo Paolo Karl Schilling, ein Deutschamerikaner, und Manuel Ravarri, (ihr« Zellen lagen nebeneinander)-über ihren AuSbruch am nächsten Morgen. Novarri hatte noch sieben Jahre wegen Straßenraub abzu- sitzen. Schilling war unschuldig, aber er spürte jetzt schon den elektrischen Schlag-cs Todes. Morgen früh, während der Hofslunde, sollte die Flucht versucht werden. Di« Stadt schlief noch. Im Gefängnis rissen, die Sträfling« die eisernen Bettstellen hoch. Im, Waschraum nickten sich Schilling und Navarrl! gerade zu, als-er erste Stoß des großen Etd-s bebens sich durch«in fernes Donnern ankündigte.! Di« kleinen Gitterfenster des Gefängnisse» klirr-! ten. Di« Wächter griffen noch ihren Pistolen.^ Da brüllt«» hundertausend Maschinengewehr« aus. Die Erde bebt« im ersten Stoß. DaS Gesängnis barst. Schilling und Navarri wurden!' im Strom der schreienden Flüchtlinge mitgcrisftn.! Ztveihundertfiebenundachtzig Gefangenen machte! der«ine Stoß den Weg frei. Dieser Stoß war der furchtbarst«. Carlington stürzt« krachend znsammen. Bischof Horse,' der Spitzel Wright, Mister Hall und nennund- zwanzig Bürger der Union fanden den Tod. Walker floh, nur mit einem schleppenden Hemd! bekleidet, nach dem Strand. Aber es gab keinen! Strand mehr. Die Palmenallee war geknickt,i di« weihen Sommerhäuftr geborsten, und daS! Wasser des MerreS stürzt« sich heulend nach der! krachenden Stadt. Walker fühlte den Erdboden- wie eine Welle unter seinen Füßen wandern.! Dann explodierten die^Benzintanks. Die elek-- trische Kraftstation und das Wasserwerk wurden! mft einem Schlag vernichtet. Die Krankenhäuser- fielen wi« leichte Kartenblätter zusammen. Dann- stammten die OeltankS der Eastern Oil Com-s pagnie auf, wahnsinnige Scheiterhauftn übers heulendem Entsetzen. Lilian Stuart,-i« bekannt«^ und sehr beliebte Opernsängerin der Metropoli-.! tan Oper in New Aork lief schreiend und so,! wi« sie cm3 ihrer Mutt«r Leib kam, durch di«! donnernden Straßen. In der rechten Hand trug! sie einen vergoldeten Käfig, in dem mitten intzs Riedcrsturz der Welt ein bunter Bogel zu singen begann. i Der große Walker war sehr klein geworden! und lag jetzt mit vielen anderen Flüchtlingen! zwischen den Trümmern der Kathedrale. Das- Meer kochte und tobte noch immer. Die Feuer' der großen Explosionen fraßen den Himmel an.' | Rauch, tierhafte» Gebrüll und wnnmerwd« Klage, Idee Frauen und Kinder vereinigt« sich zu eiaer — 4— grausig«» Sinfonie irdischer Klage>nn di« Ber- gänglichkeit der Welk. Neber ein« Stunde bebt« di« Erde in blitzschnellen und ganz auSgeruht«» Stötze», aber den zivischen den Trümmern Hernmirvcndcn war«s «in« ganze Ewigkeit. Nach einer Stunde schon setzt« di««rst«"Hilfe rin. Farmer kamen auS umliegenden Dörfern. Polini rückt« an. Auch Militär kam keuchend- Die zweihuiwersiebennndachtzig Sträflinge waren unversehrt durch das Erdbeben gelaufen. Au den Trümmern d«S Carlington sammelten sie sich, um nach der St«ppe vorzustoßen und sich in di«'nahen Berg« zu retten. Als der Marsch beginnen sollt«, kam da? Militär und rirgelkb die Stadt äh. Die Sträflinge verlief«» sich. Navarri,.Schilling und Jim Grahani, ein Pferdedieb, blieben beisammen, und Jini wär es, der sich zuerst di« GefängniSklcidcr voni Leibe ritz und sich mit den Kleidern der Toten versorgte. Schilling fand die Kleider von Hall mit guten Papieren und noch bessere»: Geld. Der Straßenraub«! Navarri verwandelte sich i» den Bischof Hors«. Graham aber nannte sich von diesem Augenblick an William Wright und verfügte über gut« zehntausrnd Dollar. Diese drei Sträflinge waren mit nnter den erstrn, die sich in das Rettnngswerk stürzten, als die Erd« ausgebebt hatte. Schilling stieß auf die Sängerin Lilian Stuart, hüllte sie in einen weiten Mant«l, den«r untrr rauchenden Triimniern fand und fuhr mit dem verstörten Mädchen in den ersten Waggons nach dem fernen Westen in die Freiheit de? Lebens und seinem größt«« Abenteuer entgegen. Der Straßenräuber Navarri wurde von '«iner fallenden Mauer begraben, als er eine alt« Dam« retten wollt«. Jim Graham kam glücklich durch di« Postenkette der Soldaten, schlug sich nach LoS Angeles durch und verspielt« sein Geld in der ersten besten Spielhölle. Der große Walker aber tvar wahnsinnig geworden. ■„Die Sträflinge," keucht« er mit haßerfüllter Stimm«, als er gerettet tvar,„die Sträflinge sind schuld. Si« haben die Grunblagrir der Gesellschaft«rschüttert. Soldaten, sperrt die Sträflinge ein!" Jetzt erst, der Wahnsinnige mutzt« sie daran erinnern, dachten di« Soldaten auch an bi« Flüchtlinge. Die Erde hatte sich beruhigt. Di« zweihnudertvrerundachtzig Manu« versuchten jetzt «och einmal den Borstotz nach den Bergen. Sie stießen überall auf die Mauer der Soldaten. In der ersten Stunde hätten sie ruhig und sicher durch dies« Ma>vr gehen können. Kein Mensch dachte an das Zuchthaus, all« Gedanken kreisten «m Rettung, Aufopferung, Liebe, Menschlichkeit, Das war,-als di« Erde bebt«. Jetzt bebt« di« Erde nicht mehr. Zweihundert Soldaten rückten in das Trümmerfeld vor. Di« Erde tvar still, aber zweihunderlvierundachtzig Herzen bebten. Ein n«uer Stotz kam, und als ztveihundertvierund- achtzig Mann schm: di« Hände erholen und sich ergeben wollten: da b«bt« die Erde zum letztenmal und begrub unter sich die Sträflinge und di« Soldaten. Woher stammen die Indianer? Di« indische Auswanderung im Jahr« 3000 v. Ehr. Englische und amerikanische Gelahrte haben vor einiger Zeit, auf Anca tau archäologische Fmrdk geborgen, di««inen tiefen Einblick in das Wesen der alten Maya Kultur gestatteten. Ma» fand Trümmer uralter Städte, d'e von einer hohen.Stuf« zivilisatorischen Fortschritts zeugte«. Das heut« fast öde zu nennende Land war damals, von einer zahlreichen Bevölkerung be wohnt, deren Ursprung bisher in Dunkel gehüllt I ist Ein« Lesart nimmt auf daS berühmt« in-1 disch« Ramayan-Gedicht Bezug, das davon erzählt, wie um daS Jahr 3000 v. Ehr. ein großes Heer in Indien geblldet worden sei mit der Ausgabe, qner durch Asien zu marschieren, über di« Bchringstraße zu setzen nnd Amerika zu gewinnen. Di« jungen Inder, die als Pioniere in ein frenldcs Land zogen, erhielten den Br srhl, nicht mehr in ihre Heimat zurückzukehren, sond.rn in der unbekannten Wel, ei»^neues Reich zu gründen und ihr« Zivilisation zu verbreiten. Zahlreiche indisch« Gelehrte, daruntir der berühmte Professor Mitra, nehmen an, daß diese indischen Auswanderer die Ahnen der Rothäute gewesen seien. Diese These würbe die in den Funden von Lubaanrum, Coba nnd Chichrn- Jtza zutage getreten« hohe Kulturstufe der Ver- i sunkenen Kultur hinlänglich erklären. -E-»