M 2S. UnterOaltmig^&eilage. 1926. Begegnung in 2tal|ia. Es war. der letzte Abeckd vor meiner endgültigen Abreise von Brasilien. Mein Schiff, ei» deutscher Frachtdampfer,-auf dem ich einziger Passagier, hatte für drei Tage in Bahia, der typisch brasilianischen Stadt, zehn Breitegrade des Acqnators gelegen, Aufenthalt genommen, nm Häute und Rohtabak zu laden. Ich benutzte die Gelegenheit, zumal ich den Hasengerärlschen und-gerüchen gerne entfloh, die Stadt von Grund auf kennenzulernen und so zum letzten Male brasilianisches Leben und Treiben in mich ansznneh- men.—— Der Tag— es war im Dezember der Tropen— war drückend heiß ge- . Wesen, ich hat-e mich in der Negervorstädt Rio' Berinelho nmhergctrieben und kehrte nun in dem rasch hcreingebrochenen Abend zurück. Den herrlichen Ausblick von der Oberstadt, die sich Wohl gute. zweihundert Meter über den Hafen und der Unterstadt erhebt, doppelt genießend, ging ich zu Fuß. Schließlich am Aufzug angekommen, der beide Stadtteile rasch verbindet, entschloß ich mich für den abschüssigen Serpcntinenweg, der in langen Windungen zur Unterstadt xführt.—— Hier ist das Freudenviertcl Bahras, hohe, düstere, halbzerfallene Häuser bilden schmutzige Gassen, halbgeschlossene Fensterläden und rotes Ampellicht— hie und da läßt sich ein Grammophon kreischend hören— überall leichtverhüllte Gestalten, Frauen aller Raffe», di« die flüchtige, käufliche Liebe in lockenden Rufen verheißen. „Benca, bonito, venca..fo klingt es dem Fremden, dem Matrosen betörend in das Ohr Ich schritt jetzt durch dies« engen Gaffen, wo in den Häuserlücken die schwarze- Fläche der Allerheiligenbai Unter tausend Lichtern glänzte; der dunkle breite Strich dort hinten ist Jtaparica, die liebreiche Insel, weit draußen aber jener mächtige, zuckende Feuerschein: der Lenchtturni von Cap San Antonio. Tief unten im Lichtkreis der Bogenlampen die Schiffe, emlig aus den Leichtern Ladung-fressend... Maultiere, Reiter und Lasten Tragende begegneten mir, wohlig klangen ihre Glöckchen in die Dunkelheit. Das Straßenpflaster gab daiupfen-d die aufgesogene Wärme in die nächtliche Luft. Ich hatte Kragen und Henid gelöst und die- Mütze in der Hand schritt ich zu, unr mein Schiff zu erreichen; «on Ernst HandfeyueH. denn ich wollte gleich meine Koje auffncheu, da das Schiff in der Frühe des Morgens anslief... Schmeichelnd baten die Stimmen, rief es in süßen Lockungen, doch ich achtete ihrer nicht. Plötzlich schlug es in reinem Deutsch an mein Ohr. Klagend, flehend, eine tiefe Altstimme:„Landsmann ,. ä’. Blonder, Blonder..." tvcrs alles in der Stimme mitklang: Schmerz, Sehnsucht, Heimweh?— Ich blieb stehe»— sollte ich mich in nieiner Abschiedsstimmung täuschen? Ja oder Nein? Da klang es nochmals an mein Ohr:„Bitte, bitte..." rind dieses schlichte deutsche Wort in dieser fremden Stadt überwältigte mich. Ich wandte mich um und trat durch die zweiflügelige Tür, schlug den Vorhang zurück, der nach der Landessitte dort angebracht ist und befand mich in einem hohen, lveißgetünchten Zimmer» erschreckend leer. Ein Bett, von einem Moskitonetz überspannt, ein eisernes Waschgestell, ein Rohrsessel, eine alte Kommode, ein wackeliges Schrank bildeten die ganze Einrichtung. Die Wände lvaren kahl, bis auf die, an der das Bett stand. Dort hing eine größere Photographie, zwei Mädchen im zarten Kindesalter darstellend, Oleander umwunden. Im Rohrsessel saß eine große, kräftige Frau.mit aufgelösten, blonden Haaren, im weißen, losen Gewände, die nackten Beine übereinandergeschlagen, saß sie, mir das überschattete Gesicht im Profil zeigend und blickte auf-ie Bettdecke, mit der ihre Hände spielten. Sie schien meinen Eintritt nicht zu beachten. Ich blieb betroffen. stehen und stand so eine. kleineZcit. in der nichts geschah.„Was will dies« Frau?" dachte ich. Sie war hübsch, ihre Züge trugen nicht die Spuren ihres scheinbaren Berufes, ohwohl sic in ihrer Härte die dreißiger Jahre nicht verbargen. Ihr Blick, müde und abgeschlossen; ruhte Verhalten auf ihren Händen, er sprach wie von einer Buße, die still und ergebe» ertragen wird....Endlich sprach sie, wobei sie mir voll ins Gesicht sah lind mit der- Hand eine entladende Bewegung zum Bette hin tat.„Du bist Matrose, Blonder? —— Ich setzte mich auf das Bett.„Nein —— ich war hierzulande, drunten in Parana, bin fieberkrank und leide auch an diesem Lande so fahre ich denn zurück in.di« Heimat, um»sich von alledem, was mich hier betroffen, zu befreien. UebrigenS entschuldige meinen Anzug, aber..." tdj’ band unr rasch den Kragen um.„Also ent-' schuldige...." Wir schwiegen von neuem. Sie! lächelte ein wenig.„Du bist nicht wie die j anderen, Blonder, oder was ist mit dir??| •»„Ja", sagte ich,„niag sein, aber ixt deutsche Frarr, deine Stimme, deine Stimme, ... ich habe zwei Jahre unter Brasilianer» gelebt—,— diese fremde, heiße Stadt... 1 Frau, du bist mir ein Stück heimatliche, mütterliche Erde..." und ich nahm ihre Hände, Sie blickt mich an- ihre Augen wurden feucht, doch sie weinte nicht-„Du darfst! heiückehren," sagte sie auf einmal,„du Glnck- icher... ja, dar wirst mich nicht gebrauchen.. s du wirst mir so das Geldstück geben, mich verachten, da ich Deutsche... Könntest du meine Geschichte hören?" Ich nickte und nach einer Weile begann sie... „Ich bin in Mecklenburg geboren. Lernte vor nunmehr neun Jahren— ein- undzwanzig Jahre alt— bei einer Hamburger Tante— die Schwester meiner Mutter— einen Holländer kennen, der im Bahianer Hinterlande, dem Reconcavo, große Ländereien besitzt und damals zur Erholung in -Deutschland weilte. Bir verliebten uns bald und so sehr, daß wir kurz entschlossen heiratete». Wenige Wochen nachher schifften wir uns nach. Bahia ein. Unsere Ehe ivar zn Beginn sehr glücklich, mir gefiel die neue Heimat, zumal ich unumschränkte Herrscherin auf der Facienda und mir alles ergeben und untertan war. Im 2. Jahre wurde ich guter Hoffnung, kam mit einem Mädchen nieder und unser Glück gipfelte... Einige Monate später sichr ich dann zurück— ans das Drängen meines Mannes hin—, nm mich ui der Heimat zu erholen. Mein Unglück begann. Wie in die Arme einer gntcn Mutter znLiick- g'kchrt empfand ich die Heimat, genoß die wiedergewonnene Landschaft, die seeleichafken Menschen, vergaß mit meinem Kindchen den Gatten und blieb so lange über dje ausgemachte Zeit. Erst energische Telegramme meines Mannes konnten mich zum zweiten Abschied zwingen. Krank bestieg ich das Schiff, krank kam ich hier an, krank an diesem Laude—-— voller Sehnsucht nach daheim. Was half mir aller Reichtum, die Ueppigkeit, das sorgenfreie, bequeme Lebert — 2— der weihen Herrin? Ich litt, und da-mein Mann alles aufbot an Liebe, alles tat, um mir den Aufenthalt leicht zu machen, litt ich noch mehr... Sie schwieg eine kleine Weile: draußen brüllte ein betrunkener Neger finstere Sina-Sangs..." Ich kam dann zum zweiten Male nieder, gebar*'n Mädchen, gebar den Bruch zwischen meinem Gatten und mir. Ich wollte, wie nach der ersten Ge- bnrt Europa aufsuchen(wovon ich wohl nimnier zurückackehrt wäre), indessen mein Mann ahnte dies; es kam zum offenen, bitteren Streit. Ich entfloh, verließ die Fa- ricnda mit den beiden Kindern, floh hierher, um mich nach Deutschland einzuschiffe» doch alles wurde anders. Mein Gatte benachrichtigte Polizei und Schiff, ein holländischer Pasiagievdampfer war es, der Kapitän bat muh, ihm keine Schwierigkeiten zu bereiten und"— ihre Stimme verschleierte sich, fast daß sie die Tränen gebrochen hätten —„und in Pernambuco nähm man die Mädchen von mir. Gleichzeitig ließ mir mein Mann und Weib. Altdeutsche Weisheiten. Freien ist so süße, wie grbrat'n« Länrmer- süß«. Die Liebe ist eine Zikade, die leicht aus dem Herzen auf die Zunge hüpft. Eine Haushaltung ohne Weib ist eine Laterne ohne Licht. Ein ausgezwungener Kuß ist wie ein Hühueraüg' am Fuß. Der Mann das Haupt, die Frau die Kron«. Ei» Frauenhaar zieht stärker als ein Glok- kenseil. Man mutz sein« Frau an«mein Sonnabend und nicht an einem Sonntag wählen. Eine Frau ist keine Geige, di« man wieder an di« Wand hängen kann, nachdem matt darauf gespielt. Der Ehestand ist ein« Prozession, wo immer das Kreuz vorangeht. Wen» die Elt«rn Wolken sammeln, so kommt das Gewitter über die Kinder. (Aus einer von W. Oschilewski ausgewählten und eingeleiteten Sammlung „Deutsche Sprichwörter", die bei Eugen Diederichs in Jena erschienen ist.) Bestattung auf See. Bon Leo Matthias. Er kam mit jenen an Bord, die nicht auf- hören zu hoffen und di« Kapitäne und Zahlmeister aller Schiffe der Welt mit Fluch und mit Flehen beschwören, Erbarmen zu haben mit einen: Dreimalgeschlagenen. Ihre Geschichte ist immer die gleiche. Sie haben in Europa jahrelang ihre Haut verkauft, um das Unmögliche, den Preis für die Ueber- sahrt zu erschwingen— und es ist ihnen schließ- kkch geglückt; aber da» Mögliche, in San Domingo, in Havanna, in Santos Frau und Wurm vor der Straße zu retten, blieb unerreichbar. Bon der Hitze zerfreßen, Zeugen jeder Verzweiflung, liegen sie am Rande des Ozeans wie Deportierte und stieren. Jeder wäre bereit, mit seiner Zunge das Deck zu säubern, wenn er die Möglichkeit hätte, das Nest seiner Geburt noch einmal zu sehen. Tag und Nacht wechseln für sie mit der Einfahrt und Ausfahrt der Dampfer. Es waren etwa dreißig Mann, die, wie imnier, abgewiesen wurden. Kapitän, Zahlmeister, Offiziere jagten wie Spinnen über das Deck, mn zu verhindern, daß sich einer versteckte. Manu mitteilen, daß ich, da ich ihm weggc- laufen sei, nach brasilianische«! Recht keinerlei Ansprüche auf ihn und sein Heim niehr hätte. In nieiner Verzweiflung fuhr ich weiter bis nach Lissabon, aber dort zwang mich mein Herz, umznkehren: die Kinder... Ich kam in dieses unselige Land zurück, fand hier in der Stadt Stellung, doch als mein Gemahl davon Mitteilung erhielt, bot er seinen ganzen Einfluß auf, um mich unmöglich zum achen, was ihm durch die Prüderie der besseren brasilianischen Kreise leicht genug gelang. Mir selber stellte er eine hohe Geld-' summe zur Verfügung, so ich das Land für immer verließe... Aber ich blieb, verzieh ihm in meiner« Herzen und wurde zu der, als die ich dich vorhin gerufen... Deutscher..." Sie deutete in die öde Stube. „Schwere Jahre.für mich, doch ich wurde belohnt.;. Habe ich es anders verdient?— 1 — Meine Mädchen schickte, da sie Ater wurden, der Vater hier in die Stadt zu den englischen Schwestern in Erziehung, die Obe rin, durch mein Schicksal gerührt, gibt mir» obwohl es mein Gatte streng verholen, die Erlaubnis, sie von Zvis zu Zeit sehen zu dürfen: das ist mein ganzes, großes Glück" Sie lächelte inbrünstig, ver klärt wie jene Madonna Murillos, der die Empfängnis Jesu verkündet wird... Ich blieb stumm; konnte nur ihre Hände ergreifen, sie Wied« und wieder küssend, dann barg ich meinen Kopf in ihren Schoß und weinte... wie ich den Weg zu der holländischen Kneipe fand, weiß ich nimnier; dort betäubte ich rneine Schinerzen wüst mit Cachas, jenem benehmenden Schnaps von! Zuckerrohr; trank bis zur Be- wnßtlüsigkeit. Da war der gute Kapitän, der mich von seinen Leuten suchen ließ, die trugen mich auf das Schiss— als ich zu Sinnen kam, spät am anderen Tage, lag zwischen ihr und mir das große, weite Wasser... nur mein Herz schlagt mitunter gedenkend hinüber. Ein blinder Passagier verursacht endlose Schreibereien; unter Umständen ist die Gesellschaft verpflichtet, ihn wieder zurückzubringen— nach San Domingo, nach Havanna, nach Santos... Daß man ihn schon am ersten Reisetage fand, war ein Zufall. Er fiel während des Essens vom Stuhl. Im Lazarett stellte man fest, daß sein Ram« in den Listen fehlt«. Ain zehnte» Reisetag«>var er tot. Seine Hint«rlassenschaft bestand in 15 Pesos und einem Brief an seine Frau. In der zweiten Nacht wurde er versenkt. Der Versuch, durch eine Sammlung die Koste» für einen Zinnsarg anfzubringen, um die Leiche in Spanien zu'bestatten, blieb erfolglos. Der Versuch, durch Funkentelegramm die Erlaubnis zu erhalten, in Vigo einen Holzsarg«inzuliefern, scheiterte an der Hartnäckigkeit der spanischen Behörden. In der zweiten Nacht, Punkt halb zwölf sing dir Maschine an, langsam zu hämmern. In der Mitte des Ozeans, von einem halben Dutzend fröstelnder Menschen umgeben, gingen zwei Amerikaner zum Heck, stellten sich an die Enden des Sarges und lasen stumm einige Gebete. Punkt zwölf kam das Kommando„Stop". Seit zehn Tagen stand die Maschine zum ersten Male still. Es war, als ob das Firmament aufhörte, sich zu drehen. Lautlos und schwankend, zerschnitten den Schatten der Maste, lag die ungeheure Schisfsmassr im Sternenlicht. Wie ein Rettungsboot wurde der Sarg vom oberen Deck heruntergelassen. Ruckweise, auf leises Kommando, sank«r bis zur unteren Reeling. Ein Seil fiel aus der Rolle. Bor unfern Augen schlug ein« viereckige schwarze Kiste aus ungehobelten Brettern, schief wie eine zerrissene Schaukel, hin und her. Durch di« Wasserlöcher des Deckels sah man die Umrisse des Leichnams. Einige spanische Bauern hatten den Muk, zuzugreifen. Sie zogen den Sarg an den Seilen zu sich heran— so daß cs ausscch, als ob sie jemanden aus der Folter binden wollten—, warfen einige Münzen durch die Löcher und drückten dann das Ganze über Bord. Wie ein Forellenkasten trieb der Sarg quer durch das Mondlicht— dann warf ihn«ine Welle in das Dunkel, und er fing langsam an zu sinken. Die KomniandoS wurden wieder laut ge- ! geben. Tauseich Passagier« setzten ihre Reise fort. Eigenschaften. Bon Alfred Hein(Königsberg). Was ist Tapferkeit'? Er hatte den Pour le mHride: dreißig Flieger«^geschossen. Wer ihn kannte, sprach von ihm als«m. „Ich soll auf ihr Platz nehmen?" fragte ich mit einer gewissen Besorgnis. „Ganz getrost!" sprach er mir ermunternd zu und er nahm auch schon auf dem Sitz Platz. Seine Ruhe beruhigte auch mich und ich setzte mich wortlos neben ihn. Er ergriff das Steuer, drehte einmal am Motor, drehte an dem Propeller, das Gestell begann zu brummen, der Motor begann zu arbeiten, der Propeller begann sich zu drehen, alles knatterte und rumorte. Es war em erhabener Moment. Aber die Maschine rührt« sich nicht vom Fleck. Da ließ Mazurka das Steuer' los und kreuzte die Arme auf der Brust. „Nun?" fragte er triumphierend. „Was nun?" fragte ich dumm zurück. „Mso, was sagen Sie dazu," „Was soll rch dazu sagen? Sie fliegt ja nicht!" Mazurka lächelte überlegen. „Natürlich fliegt sie nicht! Das ist ja eben das Großartige an ihr! Nach langer Mühe ist es mir gelungen, eine Flugmaschine zu erfinden, mit der man nicht fliegen kann. Damit ist das Problem des Nichtfliegens gelöst." „Ich verstehe Sie nicht." „Sie verstehen nicht? Und die Sache ist doch so einfach. Wohin setzen Sie sich, wenn Sie fliegen wollen?" „In eine Flugmaschine." „Also sehen Sie. Wenn Sie aber nicht fliegen wollen? Wohin setzen Sie sich dann?" Darauf konnte ich nicht antworten. Mazurka rieb sich zufrieden die Hände. „Nicht wahr, Sie können nicht antworten! Darauf kann niemand antworten. Besser gesagt: niemand konnte es bis gestern, solange das Problem nicht gelöst war. Morgen wird schon ein jeder antworten:.Wenn ich nicht fliegen will, setze ich mich in Mano Mazurkas Nicht- flirgemaschine." „Sie hat'doch aber keinen praktischen Wert." „Was, Wa—s? Sie hat keinen praktischen Wert? Pardon, wieviele Menschen fliegen oder wollen fliegen? Sagen wir sehr viele, sagen wir zehntausend. Demgegenüber: wieviele Menscher» wollen nicht fliegen? Sagen wir sehr wenig, sagen wir tausend Millionen. Auf eine Flug-1 maschine entfallen also hunderttausend Richt- f flugmaschinen. Wenn das kein Geschäft sei» soll, dann weiß ich wirklich nicht, was ja?" Geschlagen, betäubt lauschte ich dieser Erklärung, während Mazurka die teure und bedeutungsvolle Maschine in den Schuppen zurückschob. Eigentlich verstand ich die Sache auch jetzt noch nicht; darum kümmerte sich aber Mazurka nicht. Und als er mich wieder in die Stadt zurückbegleitete, sagte er stolz: „Und dann hat die Maschine noch einen großen Vorteil: sie fliegt nicht einmal dann, wenn sie ruiniert ist."/ Der Vkatz im Paradiese. Bon Peter Panter. Aus der Bretagne, d«m Pfaffenwinkel Frankreichs, erzählt Peter Panter der Weltbühn folgende lustig« und lehrreiche Geschichte: In Plauäzec wohnt ein Kerl, der tvar einmal Leuchtturmwächter in Algerien gewesen, il a fait l«s oolonies, ist also ein weitgereiste« Mann. Weil er denselben dicken Kopf wie di« umwohnende Landbevölkerung hatte, ihren harten Geiz, ihre Geschäftstüchtigkeit, aber flinker war als sie, schneller dachte, gerissener(schrien sie ihn nicht als Inden aus, fondern) bracht« er es bald zu viel Geld. Dieser Bursche nun erzählte neulich«ine absonderliche Geschichte. Die Bretagne trinkt Cider. Cider macht betrunken. Aber in vino veritas, in der Lüge« auch. Der Leuchtturmwächter a. D. hatte einen Bgjter, der war Priester. Zu dem kam eines Tages«in gutes altes Frauchen und ließ so in der geistlichen Unterhaltung nebeubei fallen: „Ja, ja... Die Zeiten sind schwer... Jung bin ich auch nicht mehr; ich möchte mir gern einen Platz im Paradiese sichern; aber ich höre, das ist sehr teuer. Sehr teuer soll das ja fein." Der Priester spitzt« die Ohren. Meint« sie daS symbolisch? Ein« Seelenmesse? Geistliche Tröstung? Rein, nein, sie meinte es ganz wörtlich. S:« wollt« wirklich und wahrhaftig einen Platz ivl Paradiese. Das siel dem Priester ans. Es begannen nun durchaus ernste Berhand- lüpgen; der Priester bedang sich einige Tage Zeit aus, um sich mit den zuständigen St«llen in Verbindung zu setzen, und kam nach einer Woche mit, dem Bescheid an:«in Platz kost« 60.000(fechzigtausend) Franken. Die Fran setzt« sich schweratmend auf«inen Stuhl. Zur größten Ueberraschung des Priesters, der ja allerhand gewöhnt war, dergleichen aber denn doch noch nicht erlebt hatte, rückte sie nach ein paar Wochen an, hatte Geld flüssig gemacht und händigt« dem frommen Mann Gottes 60.000 Franken rin. Für«inen Platz im Paradiese, Die Sache schien in Ordnung zu gehen. Der Priester aber konnte nicht mehr schlafen. Es waren weniger Gewissensbisse, di« ihn plagten, als der tödliche Zweifel: Habe ich auch genug gefordert? Solch«in Lamm hätte doch ganz anders geschoren werden können? Warum— bei Gott in der Höhe— warum habe ich nicht 80.000 gesagt? Achtzigtausend..« Und da brachte ihm der frische Meerwind ein« Idee, einen Gedanken, unmittelbar von seiner himmlischen Behörde inspiriert. Er ging hi»' — das tvar im Jahre 1924— er ging wirklich hin, stellte die Frau und sprach: „Liebe Frau, Ihr Platz im Paradiese ist Ihnen sicher. Für 60.000 Franken, Betrag dan-' kend erhalten. Aber— damit Sie sich keine« Illusionen hingeben und mir etwa im Jenseits Borwürfe machen: es ist ein Stehplatz!" Die Frau fetzte-sich abermals. Was.., was man denn da tun könne? Ja, sagte achsek- zmknd der Priester, man könne ja vielleichtl — 4— eilten Sitzplatz kaust»— obgleich die sehr, sehr gesucht seien. Es sei säst ausveickaust.'Aber er habe Beziehungen... Uebrigen» koste ein Sitz-. platz 80.000 Franken. Und da beschloß die Frau, auch noch die 20.000 fluffig zu machen, und sie begründete das auch.' Cider macht trunken— aber keine Dichter, Diese Antwort kann nicht erfunden sein. Sie sagte: „Ich werde, Ihne» auch noch die 20.000 geben. Denn ich möchte einen Sitzplatz, paree que e'est pour t'viernit«!"— weil es doch für die Ewigkeit ist... Run aber griff der. liebe Gott ein, seines Zeichens bekanntlich langsam, aber sicher mahlender Miihlenbesitzer. Die gute Frau halte Verwandte, denen die Wirtschaft in den Renten- »nd Aktienbestäirden ihrer Tante, Großmutter »nd Schwester nicht unbekannt blieb; sie forsch- tzen nach; die Sache-wurde ruchbar; es gab einen »ächiigen, aber lautlosen Skandal-— und der Priester wurde exkommuniziert. Nile frommen Verleit durften anfatmen. Aber nicht lange. * Der verjagte Priester gab das Geld nicht Her.«Er begründete vielmehr damit— wer wollte es ihm verübeln?— eine Milchwirtschaft und reiste, übrigens immer noch in der Soutane,' weil das mehr zieht, im Lande umher, hatte die modernsten Milchmaschinen und verdiente in kürzester Zeit einen gehörigen Haufen .Geld. Da-saß er nun. Seinen Votier, den Leuchtturmwächter, sah er oft; beide waren gewaltige Fresser und San-, -ftr, mud sie setzte» sich häufig um eine mächtige, .Seezunge uud die. erforderlichen Bouteille» Wein.es. Bei einer solchen Zusammenkunft nun geschah es, daß dem Priester der Kragen zu eng wurde, die Augen quollen ihm heraus, ein kleiner Echlagansall meldete sich, er begann zu röchehi... Dor Vetter fiihtte sein« Stunde gekommen. Und er sprach zu dem Sünder:„Das ist die Straft-Gottes! Da hast du es!" Deut Expriostcr wurde müimig um die Brust.-Er begann uachteuklich umhorzugoheu, sonderbares Zoug vor sich her z» murmeln, und eines Tages kam cr recht klein zu seinem Cousin: »b fhm der nicht zum Wiedereintritt in die Alleiitstiigmachei.d.- verhelfen könne... Selbstverständlich. Der Beiter ging ans Werk.. Zunächst niachre er einen Besuch bei dem zuständigen Erzbischof. Der flammt auf. Nie! Niemals! Als sich das geistliche Gewitter ans getöbt hatte,, zog der Bolter ganz leise und vor- fichtig seinen Trumpf auS dem Hosensack.. Der Expriester besäße eine halbe Million... Dumpf grollto es noch einmal aus dem Bischof— daun dachte auch er nach. Und sprach, um sich ganz zu vergewissern, die geflügelten Worte:„Ist der Kerb auch ganz und gar auf dem Sterbeetat?" Dafür könne er garantieren, sagt« der Beiter eifrig. Sieg auf der. ganzen Linie. Und zehn Prozent für den Leuchllurm- wächter— für freundliche Vermittlung. Der Priester durfte sich demütig der Kirche naben; er wurde in ei» Kloster sür reuige Mönche gesteckt, in eine strenge und härene Sache. Uud da bereut er nun noch. * ch* Es, ist aber zu elktvage«, ob das Mütterchen auS Plonözee nicht Zeit ihres Lebens glück- llicher gewesen- wäre, lveun sie einen Platz im Parcdeft ihr elften geglaubt hätten Einen Sitzplatz, versteht sich, einen Sitzplatz. Es wird immer zum«Hute» Ton dieser guten'Gesellschaft gehören, auf die herabzusohen, di« sich natürlich k!eide»/-weit Has unschicklich fti. Selbst aber wird mau sich jeder Mode uuftr- cherjen, und mag sie auch noch so unsinnig fein. Amerikanische Bosheiten. Wenn die Menschenfreunde in ihren Ber- mächbnissen das Geld nur an dieselben Leute zu- rückgebeu würden, von denen sie es genommen halben.„Roanche News." Mit abgeschlossener Einwanderung wind es wohl wieder nötig werden, unsere eigenen Kinder zur Hülfe im Hause anzuhalten. „Port Artur News." Wenn der Geist von Locarno in Versailles regiert- hätte, wäre kein Locarno notwendig ge, wesen.„Wooster Record." . Amerika.hat wenige, für d.« Oper geeignete StimiueN hervorgebracht, bis das Geschrei über die Steuern allgemein' lvurde.- „Al-ioona Tribüne." » Nicht alle Menschen sind froh, daß der europäische Friede endgültig beschlossen wurde. Noch ein paar dieser Konferenzen, und verschiedene offizielle Photographen könnten sich zur Ruhe sitzen.„Punch.": Wie würden die Frauen jammern, tvenn Armut sie zwingen würde, so wenig anzuziehem, „Syrac. Stand." Wir haben humane Kriegführung. Warum können wir keinen humanen Frieden haben? „Oil City Derrick." „Ein Mjähriger nimmt Autounterricht."— Wir hatte» keine Ahnung, daß Fußgänger so länge, leben..„Jnqnirer." Lord Robert Ceoil hat-er Liga der Rationen 1000 Pfund gestiftet für einen Golf-.uud Tennis-, platz. Amerika wird nunmehr dem Bölkerbund beitöeten.„Wichuba Eagle." Die französische Sprache scheint die schwerste zu sein, in der man sich über Schulden unter- .halten kann.„W. Salem Journ." Was Amerika vor Revolution schützt, ist dl« Tatsache, daß eine aufregende Sportsaison immer der ander» folgt.„lN>g. Star." Eines hat dieser Weltkrieg vermutlich für Amerika getan: er hat alle spätere» Kriege zu einem stillen Bargeschäft gemacht. „N. P. Evg. World." George Washington hat nie ge,ogen. Da- njais gab es auch keilte Einkommensteuer.. „Chic. Tribüne." Ehlneflfche Anekdoten. In dem soeben erschienenen Sommerhest des„Inselschiffs" liest man folgende von Franz Kühn übertragenen hübschen chinesischen Geschichten: Das Porträt. Mißmutig saß Herr Li, ein junger Porträtmaler, mit seiner Fran vor brr leeren Staffelei. Kein Kunde wollt« komm«» und einen Auftrag ert.llen. Und Herr Li klagte sein Leid Herrn Ki, seinem Nachbarn. !Der riet ihm, zunächst einmal sich selbst an der Seit« seiner hübschen Gattin zu porträtieren und das Bild draußen an der Tür-als Re- kam« aufzuhängen. Dann würden schon die Kunden konimen. Herr Li befolgte dieftn Rat. Da kam eines Tages jein Schwiegervater vorüber. Er begrüßte den Schwiegersohn und fragt«:„Wer ist denn das Frauenzimmer, defftn Bild draußen vor-der Tür hängt?"—„Eure Tochter, edler Schwiegervater."—>,So? Ja, wie kommt denn deine Fran dazu, sich so Sei!« an Seite neben einem fremden jungen Mann male» zu lasten? Das läßt du dir gefallen? Der rücksichtsvolle Schuldner. Herr Li war von Gläubigern arg bedrängt. Eines Tages saß sein ganzes'Haus voll von Gläubigern, die alle auf die. Bezahlung ihrer Forderung. warteten. I Kein Stuhl, keine-Bank ivar unbesetzt. Zuletzt jkam noch«in Gläubiger, und der mußte, stehen. Da raunt« ihm der Schuldner leist ins Ohr, er möchte doch am nächsten Tage wiederkommen,- aber recht früh. Der Gläubiger glaubte sich vor den andern bevorzugt und zog hochersrent ab. Am nächsten Tage bei Morgengrauen stellt« er sich wieder ein und wollt« sein Geld haben. Aber der Schuldner entgegnet« sanft-„Geld habe ich nicht, aber es tat mir so Weh, wie ich dich gestern stehen sah. Deshalb bat ich dich für heute zeitig her, damit du«inen Stuhl bekommst. Sonst mußt du heut« wieder stehen." Der gerechte Richte«. Ein bestechlicher Richter pflegte immer ein paar. Tage vor einem Prozlßtermin mit jeder der beiden beteiligten Parteien„Rücksprache" zu nehmen. Wieder sollt« ein- Prozeß'stattsindep,-und der Richter hati« zuvor Wit dem Kläger„Rücksprache" genom- meu. Sie bestand darin, daß ihm dieser siiufzig Silbcrtaels überreicht«. Als der Beklagte dies hört«, schickte er dem Richter hundert Silber- ' taels. Beim Termin schritt der Richter sogleich I zur Urteilsverkündigung, und zwar erklärte er den Kläger für schuldig. Erschrocken hielt dieser dem Richter seine Hand mit gespreizten süuf Fingern entgegen.und ries:„Ich habe recht!" Aber der Richter hob seinerseits beide Hände mit gesprelzien Fingern in di« Höhe und schrie: „Schweig, elender Schurke, der andere hat doppelt.recht!" Die ungleichen Schuhe. Ein Man» besaß zwei Paar Schuhs, die einen hatten dicke Sohlen, die ander» dünne. Als«r eines Tages untcr- inegs tvar,- merkte er, daß er hinkt«. Erst dachte er, es läge an der Unebenheit des Weges, van» machte» ihn Vorübergehende aufmerksam, daß er ungleich« Schuhe anhabe'. Der ein« Schuh hatte«in« dicke Sohle, der andere eine dünne. Da sagte der Mann zu seinem Knecht, der ihn begleitet«:„8a»f schnell»ach Hause nn- hol mir das andere Paar." Der Knecht kam mit leeren Händen zurück und sprach:„Herr, eS hat keinen Zweck, daß Ihr di« Schuhe wechselt, das andere Paar hat ja auch un.leiche Sohlen." * Ein Geschäft.„Du, August, ich hab' die Maseru! Schenk' mir deinen. Apftl, dann steck' ich dich an und du brauchst auch nicht zur Schule.". Magisches Quadrat. a a a a b e e s k k n r r r r st Wagrecht und senkrecht: 1. Schiffstyp; 2. Blume; 3. Pommerscher Küstenflnß; 4. Hebewerkzeug. • Umstellungsausgabe. Eberhard,. Helena, Tolstoi, Wilhelm, Pregek, Seife, Schalmei, Kempten. Vorstehende Wörter sollen unteKinander- gestellt und derartig geordnet werdest, daß die Diagonale von liirks oben nach rechts unten eine Oper von Engen d'Albcrt nennt.'>•. Auslösungen der Rätsel aus der vorigen Rummel:;•; Tprichworträtsel: Wer nicht rastet und ruht, tut i» die Läng« nicht gut.'