45. rinteryaltuussveilage. 1926« Die Gestvefteigung des Ancohuma. In das Wunderland Südamerikas führt uns das soeben im Verlage Strecker _ nird Schröder in Stuttgart unter dem Titel dunkel st en Bolivien" erschienene, reich bebilderte Buch von Rudolf D i e n st(Preis 8 Mark). Wir sin- den den Verfasser im geheimnisvollen Düster der tropischen Urwälder, wandern mit ihm über die 4000 Meter hoch gelegene Pampa und begleiten ihn mit noch drei deutschen Bergsteigern ans vorher nie'bestiegene Kordillcrengipfel, die bss zu 6808 Meter über dem Meere liegen und alpine Höchstleistungen erfordern, die denen der englischen MouNt-Everest-Expedition keineswegs nachstehen. Die dabei zu iiber- wipdcnden Schwierigkeiten gibt ein kurzer Ausschnitt ans dem Buche anschaulich wieder. Nur zu schnell verging der Tag. Die Nacht kam unS> mit ihr der Most. Ans dem nackten Boden ausgestreckt versuchten wir noch ein Weilchen zu schlafen, aber bald trieb uns der eisige Wind hoch. Still und gedrückt trafen wir die letzten Vorbereitungen. Ganz anders als heute früh bei klarem Sonnenschein nahm sich setzt unser Vorhaben aus. Es war doch ein eigen Ding, in der Dunkelheit, bei dem starken Wind und der Kälte, zu zweit nur den Gang über die ungeheuren Gletscher anzutreten. Die Zleisch- konserven waren uns gar nicht gut bekommen, beide fühlten wir Magenbeschwerben. Schauernd unter den Windstößen legen wir das Seil an, klettern den Fels hinab auf bett Gletscher. Die langsame, gemessene Bewegung auswärts, immer aufwärts, bringt Besserung, lieber uns steht der Mond, erleuchtet mit' seinem silbernen Licht di« weißen Holden der Berge, die unnahbar in kaltem Srolz das Tal einschließcn. Unzählige Dia- manten glitzer» int Schnee.—? Welch unsinniger Gedanke, abeuds um siebe» Uhr, im Juni, deni kältesten Monat, zur Besteigung des höchsten Berges in Bolivien auf'.ubrechen! Das Schweigen des Todes bedrückt niir die Brust. Ist es ein Traunr oder ist es Wirklichkeit? Bin ich cs, der hier die-müden Glieder den Gletscher hinanfschleppt, oder ist es eine zu ewiger Unrast verdammte Seele, die mit unruhigen« Migelschlag die schneeigen Hänge umflattert? Wie oft lag mir in dieser ersten unendlich langen Stunde der nächtlichen Wanderung der Rrrf auf den Lippen:«Lehren wir um! Wozu das alles? Unmöglich wird es sein, der Kälte oben zu widerstehens" Aber im letzten Augenblick erstirbt mir immer das Wort auf der Zunge. Was gewännen wir auch, wenn wir uns jech abtvärts wendeten? Nichts! Wir haben unsere Schiffe verbrannt. Die Träger nähme» die ivärmenden Decken mit ins Tal, die Lebensmittel sind zu Ende. Eine Flasche mit Kakao, etivas Schokolade, Keks und Coca ist alles, ivas wir mit uns führen. Auf jeden s^all gäbe es eilte schlechte Nacht. Besser also versuchen, den Gipfel zu erreichen! Bortvärts, in Betvegung bleiben! Sonst bringt der kalte Wind di« Glieder zum Erstarren.— Und. dann erstirbt all das Drängen und fragen in der Eintönigkeit der Wanderung. Mit langsam abgemessenem Schritt, mechanisch heben sich die Beine aus dem Schnee. Mechanisch steigen wir in die Höhe, immer in der Mitte, des Gletschers. Später schwenken wir hinüber auf die linke Talseile. Der Wind wird immer stärker. Er seufzt und stöhnt— unheimlich in langgezogcnen Tönen, auf- und absteigend, doch immer lauter und wilder singt er uns sein nächtlich Lied. Wie ein Bann legt sich die Unendlichkeit der Eiswüste. die Einsamkeit auf uns.— Trotzdem wir unausgesetzt weiterschreiten, fühlen wir, wie langsam die Glieder erstarren: der Most hat uns bis zum Mark dttrchkältet. Aber immer vorwärts, iuuner hinauf! Aufs neue ist in unS der Wunsch erwacht, zu siegen, die Spitze zu erreichen— als Erste— den Punkt, den nie vorher ein menschliches Wesen betrat. Mr kurze Minuten setzen wir uns im Schutz eines großen Eisblocks nieder. Aber dann treibt uns die Kälte weiter, der fürchterliche Wind, der die Gedanken im Hirn erstarren läßt, bis nur noch ein Ziel wie in Stein gemeißelt bleibt: Hinauf! Allmählich erklimmt der'Mond seinen höchsten Punkt und neigt sich aus seiner Bahn gen Westen. Soll diese.nqchll'che Wanderung nie ein Ende nehmen? Sind wir verurteilt: hier oben in der Einöde vor Kälte zu ,sterben? ?tur antoinatenhafj noch setzt sich ein' Inß vor den anderen. . Tic llhr zeigt beinahe eins. Wir sind am Paß. Zu unseren Mißen wieder die weite Schneesläche, die unsicher im Mondschein und Steruengefankel glitzernden unzähligen Gipfel — gen Süden schwarz, unheimlich dunkel die Puna. Kein Lichtlein durchdringt mit tröstlichem Strahl die feindliche Nacht, zu stärken die zwei einsamen Wanderer, die. abgetrennt von aller Verbindung mit dem Menschengeschlecht, da oben stehen.—■ Mit unheimlicher Wut fällt üns dcr Wind an. Unbezwinglich« Müdigkeit übermannt mich. Ausstrecke« möchte ick mich und schlafen, träumen von grünen, lachenden Landschaften zmd den Schnee vergessen, die Kälte, bett Sturm, der hohnlachend nns bedrängt, dein Abgrund znstößt.• Höchste Zeit ist es, einen Ort zu finden, wo wir uns vor dem Wind schützen, ein paar Stunden ausruhen können! Ein großer Schrnnd zur Linken zieht unsere Aufmerksamkeit an. Wir kri uzen hinüber und dringen nach einigen vergeblichen Versuchen durch ein« Art Tunnel ins Innere des Gletschers ein. Eine kleine Höhle tut sich auf, ein Vorsprung lädt zum Sitzen ein. Die steigeisenbetvehrten Mße an die gegenüber- liegende Wand, den Rücken an das Todeskälte ausströmende blaue Eis gestemmt, sitzen wir da— zu unseren Lüsten schwarz gähnend den halb schneeüberdeckten, Schrund. Im ersten Augenblick fühlen wir uns beinahe behaglich. Vollkommen vor dein Wind geschützt, hören wir mit, einem,kleinen Lcheln der Zufriedenheit zu. wie es draußen stöhnt und klagt, wie die Windstöße heranbrausen, in ohnmächtigem Zorn an unserem Asyl zerschellen.;• Dann sinkt der Kopf achf die Brust. So müde sind wir, daß wir trotz der Unsicherheit der Lage für kurze Augenblicke ent« schlummern. um mit einem Ruck wieder auf- znfahren, selbst erstaunt,'daß wir-während des Schlafes nicht vom luftigen Titz fielen. Die Uhr zeigt fünf, ciif Viertel. Noch eine. Stunde,, und die Sonne wird kommen, das Licht, die Wärme. Allein'die Käke wird immer stärker. durchdringender.■ Von der Eiswand, an die gelehnt wir dasitz.'N, geht ein so tödlich erstarrender Möst aus. daß cs nicht'knöglich ist, n ubciveglich In blei hei!. Wir schlagen uns gegenseitigdech.Rückem mit den Händen, klopfen die Schenk«, die,.Miße mit den Jausten, dem Pickel. Es HM nichts^ Langsam kriech, die Kälte von, den Beinen in die Höhe. Bor kurzen Monden erst stieg ich ans der dampfenden Treibhausatmosphär« der bolivianischen Tiefebenen wieder nach La Sku hinauf. Zu qroß ist der Unterschied! — Wir zählen die Minuten.— Wird diese Nacht nie ein Ende nehmen...? Endlich erscheint draußen ein schwaches «raues Licht, drinat in die Dohle herein, erleuchtet die grlmmiaeu blauen EiAvände.— Jetzt muh doch die Sonne kommen, das Leben! Aber das Licht draußen bleibt grau, der Tag erhellt sich nicht. Dichter Rebel be- deckt die galten, der Berge— aus vollen Lurigen bläst der Wind, dicke Wolken stau- sirgeu Schnees hüllen alles in ihre Schleier Wir halten die Kälte'nicht mehr aus! Wir müssen uns bewegen. sonst bleiben wir für immer erstarrt in dieser Eishöhle! Hinaus! Nichts'm sehen» Gleich einer Wand erhebt sich das einförmige Grau des Nebels vor uns, hüllt alles in unsicheres Licht. An einem Auaenblick läßt'uns der Wind'derart erstarren, daß wir froh sind, von neuem, in der Höhl« unterkriechen, zu können. Frostschauernd warten wir eine Mertelstunde. Dann wieder hinaus e mit demselben Eraebnis. Wieder müssen wir uns'N d>e Höhle flüchten, llnmoalich ist es, denk Wind m trotzen. Beim dritten Ausfall aus unserem Zufluchtsort hat sich der Nebel ein wenig gehoben. Die. Umrisse der nächsten Berge werden schattenhaft sichtbar. Also vorwärts! Den Kamm, der sich vom Paß nach Norden hinanzieht, versuche.ch, in unseren alten, noch teilweise sichtbaren Fußspuren hinauszusteigen, doch der Sturm stößt mich beinahe in den Abgrund. Bei dem Wind kommen wir nicht hinauf", sage sch zu Schulze. Doch er ist anderer Meinung. Am Haug versucht er in die Höhe zu kommen, wo die Gefahr, lsinabaeschleuder» zu werdill. geringer ist. Gegen den Wind gestemmt erheben wir «ns, drehen um eine Ecke des Berges, stehen auf der Osts'ite. Hier erreicht uns der Sturm nicht. Die Sonne hat die winterlichen Früh- nebel besiegt, empfängt uns mit wärmenden Strahlen. Schneller pulst das Blut wieder durch die Adern. Mit der Wärme kehrt die Unternehmungslust zurück: als erster steige ich die Wand zum Haukana hinan. Ammer mehr flaut der Wind ab, und schon stehen wir zum zweitenmal auf dem Gipfel des Haukana,— kaum Hundertfünfzia Meter tiefer als der Ancohuma. Zu dem Einschnitt hinab! Meinen Rucksack nehme ich auf, und anstatt den zweiten Borbuckel des Ancohuma anzugehen, schwenken wir in die Ebene des großen Plateaus auf der Westseite des Berges hinaus. Aeußerst weich ist der Schnee. Wahrend drei unendlich mühsamer Stunden bricht Schulze Bahn durch das trügerische weiß« Element, um Mittag find wir endlich am Fuß des Ancohuma. Auf eine Stunde berechnen wir den Rest der Besteigung, lassen Rucksäcke und alles Ueberflüssige im Schnee, nehmen nur den Kodak, Aneroid, Kompaß usw. mit. Die Neigung des Westhangcs des Ancohuma dürste kaum dreißig Grad überschreiten, aber trotzdem erheben wir uns sehr langsam- Die durch die Höhe,»die verdünnte Luft, die starke Sonnenbestrahlung hervorgerufen? MüdiÄeit macht sich wieder fühlbar. Die Stunden vergehen, schneckengleich nur näher»: wir uns dem Gipfel. Schulzes Augen sind der ungeheuren Blendung der weiten Schneeflächen nicht mehr gewachsen— er fühlt sich unwohl: von der Stelle ab, wo wir die Rucksacke zurückgelassen haben, ist die Reihe an mir, vorzuaehen. Weitaus unterschätzt haberi wir den Höhenunterschied, der unS vom Gipfel trennt. Stur Schritt fiir Schritt kämpfen wir dem Berg die Neigung ab.— Zum erstenmal auf allen unseren Touren sehe ich Schulze matt in den Schnee sinken..^Kommen wir hinauf?" fragte er airgswoll.„Und wenn'S Mitternacht wird", antworte ich. ^An einer Hand den Pickel, in der andere»» den leichte»» Banrbusstaib, den wir von u»»ten heraufgebracht, und der als Fahnenstange dienen soll, ziehe und schiebe ich mich inehr mit Arnckrakt als mit der Arbeit der-Beiumuskeln hinauf.(Das Gehe»» mit zwei Stäben wurde in der Schweiz auch bei Sommertouren schon in früheren Jahren des öfteren empfohlen, da beide Arme hierdurch von» Körper entfernt bleiben, und Weder Lunge. noch Herz durch die- nieder- hängcnden Arme beschwert werden.) Um drei Uhr sind wir endlich in der Schart«, südlich«»tterhalü des Gipfels, der sich gleich einem rundlichen Dom übet uns erhebt— rechts zu unseren Füßen der steil ansteigende Grat, au dessen Freß wir»vor zwei Tage»» kehrtmachten. Eine kleine Borspitze gen Oster», zu der e'u» haarfeiner Grat hin- auMhrt, zieht ihrer Luftigkeit kvegen unsere Aufmerksamkeit für einen Augerchlick an. Dann streben wir unter möglichster Ausnutzung der vom Wind gehärteten Schnee- fchilder dem Gipfel zu. Der Schnee ist an nianchen Stellen weich und pulverig, allein Die Nähterin. Bon Svatopluk Lech. Svatopluk Lech, geboren 1846, gestorben 1908, einer der bedeutendsten Dichter des tschechischen Volkes mit stark sozialer Tendenz. Seine gesammelten Werke zählen über 30 Bände. Letzter Sonne Prangen Dringt durchs Fenster ein, Webt um Mädchens Wangen Gold'nen Heil'genschein. Draußen liegt der Abend Mit dem Tag im Streit, 'Sir näht, acht nicht habend, Einer Braut das Kleid. Näht mit Fingern wunden, Und gesenktem Blick Lichtlos trübe Stunden Für ein fremdes Glück. Schwälbchen zwitschern heiter Draußen im Gefild, Sie horcht aus— nähr weiter, Ta« chr Äug' erfüllt. Die Ameise aus Höhe 60. Bon G. Beyer. Die reizende Engländerin steigt aus- dem Auto der Blue-Queen-Gefellschaft.„O John," sagt sie mit schmelzendem Blicke. Der Bräutigam reicht ihr die Hand. Sie zeigt die feinsten Seidenstrilmpfe an den Beinen, die Schuhe sind aus schwarz- und weißüberkreuzten Ledrr- rienien geflochten. Dann springt sie herab und schmiegt sich a»» ihn. Das Auto hält an einem elende»» Hänschen. .^Wirtschaft zur Höhe 60". Es ist ganz neu, mit einem grellen roten Dach wie seine wenigen Rachbarn, die zusammen das neuausgebaute Dorf Zillebeke in Westflandern bilden. Rings- »rncher hat die geschändete Erde, ans der jahre- I lang Minen»md Granaten tanzten und zerplatzten, wieder eine« schmalen grünen Kamin die Schneeschilder helfen uns weiter, sonst hätten wir vielleicht noch an vieler Stelle den Kampf aufgeben müssen. Am 11. Juni 1919, um drei Viertel vier Uhr nachmittags, stehen wir endlich auf dem Gipfel des höchsten Berges vor» Bolivien, an dem lo viele andere in ihren Besteigungsversuchen geeitert waren. Rasender'Sturm empfängt uns. Noch verteidigt sich der Ancohuma, will die Eindringlinge in den Abgrund werfen. Ein Wind von unglaublicher Stärke fällt uns an. Mit frosterstarrten.Härlden Pflanze»» wir den Fahnenstock auf, binden unsere kleine Fahne an. Eine Bildaufnahn« nach Norde»» zu, wo der vielzaaig^ laugifestreckte Jllampu sich erhebt, und eine nach Süden auf den Gipfel des Haukaua..Mit peinlicher Aufmerksamkeit lesen wir Barometer uiiV Therrno- »neter ab. Einige Peilungen, ein Blick auf die rundliche Kuppe des Gipfels,.die gänzlich verschiede»» von dem scharfen Grat des Jllimani, der feinen Schneide des Caca-Aca Ät. Den Kaum», der in alln»ählicher Ver- e»»qerung nach Sorata hinabführt, schweift das Mge entlang, doch dann müssen wir uns sofort an den Abstieg machen. Wir sind schon ganz erstarrt. Nur wenige Minuten duldet uns der Ancohuma auf seinem^Scheitel. Zu schnell müssen wir den Wipfel verlassen, dessen Bezwingung uns so viele Opfer, so viele Mühe gekostet. bekommen. Kem Baum,, soweit der Blick reicht bis hinüber nach Npern. Die zerschossen« Tuchhalle ragt wie ein Zahn a»»s dem zerfallenen Mund einer alten. Frau in den Sommertag. Ein paar Kartoffeläcker, einige Ziegen mit scheuen Augen am Straßenrand. Die ganze Gesellschaft steigt mit dem Führer einen schmalen Weg hinan zu einer zerwühlten, zerhackten Bodenwelle, die iy den Heeresberichten auf beiden Seiten unzählige»»»»! „Höhe 60" genannt würde»» ist. Meine Lady balanciert mit ihrem John, fröhlich lächelnd, wenn sie strauchelt, auf den schmalen Graten zwischen den Ungeheuern Trichtern, die Minen »md schwere Geschütze in die Erde gerissen haben. Ein gekrümmtes, kilometerbreites Siebt In einem Äch« liegt eine mit gelbem Sand umkrustete Bombe, Wetter drüben ein Stachcl- drahtbündel. Die Damen heben sich Souvenirs in Gestalt von kräftigen Granatsplittern vom Boden ans und'stecken sie in die Handtasche. Nachher stehen sie mit kummervollem Gesicht vor den beiden englischen Soldatendenkmälern aus weißem Sandstein, die von Opsrrn bei den Kämpfen um die Höhe berichten. Drüben, jenseits des Bahndamms liegt ein kleiner Teichs ganz tief im Boden, rund und träumerisch, Der blaue Himmel spiegeft sich im Wasser. Dar Werk einer Mine! Mit Hunderten von Kubikmetern Erde sind Hunderte von Menschenleibern in die Lust geslogen. Der Führer erzählt Kriegsgeschichten: an dieser Stelle hätten eine englische Bäckerei und ein Hospital gestanden, und 300 Verwundete seien bei der nächtlichen Explosion ums Leben gekommen.. .O John," haucht es hinter mir. Aber das ist nicht das Furchtbarste dieses Nachmittags; ich sehe, daß überall tief in de»» Lochen» dieses graueiwollen Siebes Ameiftn- Menscheu stecken und emsig arbetten. Was, int» 4en sie hier, jeden Tag, jede Stunde? Soldaten- Helme»nit preußischen Adlern»md Inschriften „Mit Gott für König und Vaterland" aus den ersten Kriegsjahren. Offiziersdegen. Seitengewehre, Patronen, halb»»nd ganz zerplatzte Granaten, Taschenmesser, Uniformkiwpfe, Geldmünzen mit edler Patina. Sir graben in klcr- — 8— 1811 Aus dem Drama„Napoleon". Bon Wilhelm Speyer. Spätnachmittag im Herbst. Straße in der^.deinen und. deinesgleichen Soldaienschuh', Häm« nen Gesellschaften, anscheinend in ganz exakter Arbeitsteilung, und die Beute legen sie in Hausen an die Trichterränder. Mit Holzkreuzen markieren si» sich den Weg der Spaten. Sie stoßen auf Knochen, vermoderte Uniformteile. Junge Burschen rauchen schwitzend Zigaretten, wahrend sie den vom Blut zusammengebackenen Sand zerteilen. Diese Menschen leben von den metallisches Absüllen des Mordens. Aus dem Wege von der Höhe zum Dorse hinunter sitzen sie, proletarische, vergrämte Männer, Frauen und Kinder. Auf der Erde oder auf Holzbänken stellen sie das rostende, zerfallende Gerümpel zum Berkaus. Angeblich deutsche OffizierS- helme sind Prunkstücke. Sie stehen hoch im Preise. Jeden Tag kommen Dutzende von engli- schen Autos aus Brüssel, Antwerpen, Brügge, Ostende, Blankenberghe mit hochgeladener Menschenfracht über die einstige Nsrrfront hierher. Andenken an die„Battle-siekdS"— für di« Vitrine oder über den Diwan. Der Boden ist ergiebig, denn diese ganz« breite Höhe 60 steckt noch für viele Jahre voll von metallischen Dokumenten, daß hier gekämpft und gestorben wurde— zur ruhmvollen Erinnerung für die lebenden Käufer, die, einen guterhaltenen Degen schon für lumpige fünfundzwanzig Jnflationsfranken erhandeln können. Der Führer mahnt zur Rückfahrt. Doch zunächst bringt er die ganze Gesellschaft Im Eiliempo zur Wirtschaft„Zur Höhe 60" zurück. Er hat uns«ine besondere Sehenswürdigkeit bis zuletzt aufgespart. Er geht in den kleinen Garten am Hause, in dem ein paar armselige Blumen im Winde stehen. Nun hebt er ein Holzbrettchen von einer Grube, wir blicken hinein: eine Sammlung von Menschenknochen, die von den Aeckern und Wegen ringsherum stammen. Rein, die Eisenstücke von Zillebeke genügen nicht! Ein. Eckchen des grinsenden Todes muß die letzte Gegenleistung sein sür achtzig Franken, die die Blue-Queen-Gesellschaft von jedem Fahrgast bekommen hat. -* Das Auto saust durch das einstige Kampfgebiet. Die neuen Gespensterhäuser stehen im kahlen Lande. Dort ein zersprengter Unterstand, dort zerkrümelnde Mauerreste. Man rast durch Langemark, wo die jungen deutschen Freiwilligen zu Tausenden starben. Mit dem Gesang„Deutschland, Deutschland über alles", wie es damals im Heeresbericht hieß. Soldatenfriedhöfe mit soldatisch geordneten weißen Steinen und Kreuzen leuchten hinter spärlichen Büschen auf. In Poelkapelle das Denkmal des berühmten französischen Fliegers Guynemer und ein riesiger Tanl mitten ans der Straße. Cfteftmiten-Gptttter. Schwer ist di« Zeit und wird jeden Tag schwerer. Ich meine nur für das Leben, für das gewöhnliche Erdenleben, daß ein Mann ehrlich sein tägliches Brot gewinne und esse. Ehrlich ist ein hohes Wort und bedeutet sehr viel, viel mehr, als die meisten gewöhnlich da hineinlcgen. Es bedeutet nicht bloß, daß einer nicht stehle noch lüge;"mein, es bedeutet die schwere Tugend, daß er für ims Bedürfnis und die Not des Lebens nie die Erstgeburt des geistigen Adels umrtschlcudert«m Oft hörte ich schon das Prasseln und Knistern, das Schreien und Weinen, als sei es so weit... und mein.Herz ivar voll Freude. Aber einmal scholl in meine Feuertränme eine Stimme anders— leiser und doch lauter als die übrigen, dir mich ergötzten, ängstlich und hilflos... die Stimme eines Kindes. Es wckr nur seine Stimme, bis dann das große Wunder geschah, und ich es sah! Da mußte ich es trösten, bis es nicht mehr weinte. Dann ist der Feuertraum nie wiedergekommen. Aber immer sah ich von da an ein Kind. Es nahm meine Hand und führte mich. Es lehrte mich sehen und war der einzige Mensch, mit dem ich sprach. Hundert verschiedene Gestalten hatte es. Dann kamen Hände und faßten dir meinen, ich, fühlte Holz, Stein und Eisen. Das eine war warm, das andere kalt oder es war weich und hart oder spitz und rund. Und dann.lernte ich auch mit Menschen wieder reden. Wenn ich nun manchmal stehen bleibe und an rin Haus mich lehne, merke ich, daß viele mich ansehrn; sie wissen alle nicht, daß ich auf eine Frau warte, die mir ein Kind sKeulen soll, Ich höre auch im lauten Lärm der Straße ihren leichten, leisen Schritt. Man lernt nie aus. Der Fluß Jangtsckiang wird off in einer Nacht um zehn Meter breiter. Die Insel Hiddensee verliert fast jährlich einen Landstreifen von über-einen Meter. Um ein Kilo Rosenöl herzustellen, sind, in Persien 6000 Kilo Nasenbluten erforderlich. » Die japanische Sprache hat keine Schimpfwörter. * Die Otavianbahu in Südwestafrika hat eine Spurbreite von 60 Zentimeter. Bei einer Länge von 578'Kilometer ist sie die längste Tchnmlspurbahn der Welt. 4- Drei- bis viermal so viel Aren leben in Amerika wie in Irlmrd. -* , Wit Hilfe der rund 3000 über die ganze Erde verstreuten Wetterstationen der maeoro- logischen Beobachtnngsberichte der Ozeanschiffer hat man zetzt jcstgcstellt, daß im Durck- schüitt aus der ganzen Erve täglich ruyd lt.000 Gewitter stattfindrii. Tie Mehrzahl findet cns hoher"?See statt. Die meisten Gewitt?r, inst täglich eins, Hal-Mittelamcrika, Aethiopien hat 2">0 in Jahr, Italien 18 bis 50, Paris nu: 27. * -Tas Haupinahrungsmittcl der Tibetaner ist Butter, deren Beliebtheit mit dem Alter wächst. Die größte Delikatesse ist 4V Jahre alte Butter. einerlei. Ein Kraftwerk aus Ebbe und Flut.'Die Flutmühle war schon im Jahre 1436 bekannt eine Ausnützung von Ebbe und Flut im großen aber ist erst durch die Entwicklung der elektrischen Arbeitsübertragung möglich geworden. Auf diesem Gebiet, auf dem auch deutsch; Gelehrte, wie zum Beispiel Geheimrat Rasch in Heidelberg, sich mit Erfolg betätigten, hat man nun in Fraukreich einen praktischen Versuch gemacht, über den die Wiener Geographische Gesellschaft in ihren.Mitteilungen berichtet. Dir Soeictc finanriere ponr i'industrie hat, dabei die natürliche Beschaffenheit der Küste in der Bretagne und in der Normandie benutzt, die mit ihren zahlreichen Einschnitten die Schaffung von Staubecken und Staudämmen sehr erleichtert, wie sie zur Regulierung der durch die Gezeiten hcrvorgerusenen Riveauschwan- kungen notwendig sind. Zunächst hat man nördlich von Brest im Mündungstrichter eines kleinen, sich ins Meer ergießenden Wasserlaufs ein solches Werk angelegt. Die mögliche mittlere Kraftcrzeugung wird auf nwnatlich 1300 Pferdestärken. im Sommer, 2100 Pferdestärken im Winter geschchl. Ein Flugzeug für Ilch Personen. Die Jnu- kerswerke sind zurzeit mit dem Bau eines Riesenflugzeuges beschäftigt Das Flugzeug soll eine Länge von 128 Metern erhalten, von vier Motoren augetrieben werden und aus einer cinzigep Flügelfläche bestehen. Hinten in dem Flügel sind Räume für dir Post, Fracht, Bor- rate und für dienstfreie Mannschaften angeordnet. Im vorderen Teil befinden sich die v-zngartigen Kabinen mit Oberlicht, Fenstern und elektrischcni Licht für 100 Fluggäste. Die als Höhenstcuer dienenden Flächen des Flugzeuges enthalten Speise- und Aufenthalts-, räume. Der neue Typ soll namentlich für Flüge über den Ozean dienen. Die Zahl der Briefmarken. Manche Leute haben das Briefmarkensammeln ausgegeben, weil seit dem Weltkrieg die Zahl der neu ausge- gebcneu Briefmarken so groß ist, daß sie an der Erreichung einer Vollständigkeit verzweifelten. Andererseits sind viele neue Sammler hinzu-, gekommen-, Iveil es jetzt verhältnismäßig leicht ist, auch eine größere Zahl Marken zusammen M bringen. Von der Einführung der Briefmarken.(1840) bis zum Weltkrieg waren rund 30.000 verschiedene Briefmarken erschienen; vom Weltkrieg bis jetzt rund 20.000. Früher entfielen ajso auf ein Jahr 400 neue Marken, seit dem Weltkrieg aber auf jedes Jahr 1666. Wenn es in diesem Tempo weitergehen sollte, wird allerdings kein Sammler mehr nachkommen ! können. Deshalb haben schon jetzt viele sich auf -einzeln« Länder oder Gebiete spezialisiert. — Heiteres. Das Wunderkind. In einer Gesellschaft ist von einer Dame die Rede, deren Schönheit ebenso unleugbar ist wie ihre geistige Harmlosigkeit. Plötzlich sagte einer ihrer Jugendfreunde zur allgemeinen llcberraschuug:„Wissen Sie denn nicht, daß Frau Lu als ein Wunderkind begonnen hat?"„Wie?"„Nun. sie war mit fünf Jahren schon, genau so klug wie mit sieben undzwanzig." Der Landarzt B. karamboliert in einer engen Kurve mit seinem Auto mit dem Wagen des Bürgermeisters vou C..Der Landarzt: „Oh, Entschuldigung, Entschuldigung.. Aber ich muß nämlich grad zux einer Enthznduug, imd da hatt« ich es schrecklich eilig." Der Bürgermeister:„Na ja» aber wie wär's, wenn inan auch ein wenig derer gedächte, die schon auf der Welt sind?" Freundnachbarlich. Ein Bauer stand vor Gericht, weil er seinen Nachbar schtver beleidigt und verleumdet hatte,„Haben Sie den Kläger einen Schurken und Lügner genannt?" fragt« der Richter den armen Sünder.—„Jawohl." —„Haben Sie ihn auch einen Dieb geheißen?" forschte der- Kadi weiter.—„Nein, Herr Richter, das habe ich leider vergessen." Di« Tante. Willichens Tante ist zu Besuch. ,Willi hat Gelegenheit, abends die-Tante beim Zubettgehen zu'belauschen. Tante, hängt ihr« Zöpfe an di« Wand. Als sic am andern-Morgen wieder nn volle» Schmuck ihrer Skalp«, locken erscheint, frag! Willichcn:„Nicht wahr, Tante, du trägst nur nachts Bubikopf?" Frage und Antwort.„Haben Sic Milt hübsches Frauchen schon gesehen?"—„Nein. Haben Sic denn>zwei?" Freigebig. Sie(in Tränen):„Du hast, daß Versprechen gebrochen, das du mir gegeben hast!"— Er:„Weine nicht, Schatz! Ich gebe dir ein anderes!" Beim Zahnarzt.„Warum schreien Sie denn sc, Mann? Ich habe ja den Zahn noch gar nicht- angerührt!"— Nein, Herr Doktor, aber Sie stehen auf meinem Hühnerauge." Pech. Mein Freund Wilhelm ist etwas schüchtern und verlobt.- Seine Braut, Privatsekretärin von Beruf, steht sich gut mit der Familie ihres Chefs und fährt in freien Stnn» den gern dessen Baby in den englischen Garten. Wilhelm begleitet sie. Einer Mittags sitzen sie gerade auf einer Bank: da kommt Wilhelms alter Religionslehrer daher und steuert geradewegs auf ihn zu:„Du bist ja schon verheiratet, mein Sohn," beginnt er leutselig strahlend,„das' ist wohl Hein« Frau?"—„Rein," stottert Wilhelm u'nd fühlt die Röt« in den Wangen auf»' steigen,„das ist meine Brmit"— und als sich HochwüMns Miene-plötzlich verdüstert, fügt er schnell hinzu:„Das Kind ist aber von ihrem Chef."— Wilhelm kann sich heut« noch nicht erklären, warum der Herr grußlos und mit em- pörteni Blick von dannen ging. —« 9tätfel-<£cfe.— Silbenrätsel. Aus nachstehenden 35 Silben sind 11 Wör. ter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Buchstaben von oben nach unten gelesen«in Zitat aus„Torquato Tasso" ergeben. a an be chri de di« hör i las l« man on os ot pa peil r> ro sal scheid se sie sten tem ten ti tr to tum ur Vogt wat zi zi. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Selbständigkeit; 2. Blum«; 3. Sozialist; 4. italienischer Dichter; 5. ältestes Christentum; 6. öffentliches Orgam; 7. venezianischer Maler; 8. Geistesschwacher; 9. deutscher Maler; 10- Heiliges Gebäudes 11. westfälische Stadt. Auslösungen der Rätsel aus der vorige» Nummer: Geheimschrifträtsel. 1. Ganges; 2, Eider; 3. Njemen; 4. Euphrat; 5 Zitier; 6 Altmühl; 7. Regen; 8 Elster; 9. Tessin;. 10 Havel.—’ Gcnezareth.* --*: Anagramm. Helm— Auipel— Bast— Selma— Odem— Name— Nelke Elise— Insel— Minka— Hosenbein— Erich— Regal, Ziehmrg— Emil— Rager„Hab Sonne im Herzen!"