Sh. 51. UnterOaltuns06ei!oae. 1920. Win Freund, der Äkorder von Loni« eonolet. Ich letnte chk nicht in üeur fast hermetisch abaeschloslene« Hospital kennen, wo man kaum Bekanntschaften ,nacht. Nein: unter der weißen Glut deS unbegrenzten afrikanischen Himmels tauchte er vgr mir auf. Er tronctr gemächlich seine- Weaes, wie das harmloseste der Wesen. Ich Hane eben Bandiagara, die alte Eingeborenenstadt de» Rigertales erreicht. Der Aimrimstrator de- Kreiser war «nir eutgsgenge kommen; vier oder fünf, in zerlumMe Leinewand gekleidete Schwarze, die me n Gepäck tragen sollten, begleiteten ihn. Während wir im Schatte» riesiger Wollbäume dabinzoge», sagte er- auf einen der Treiber zeigend: ,.Sehen Sie diesen große.. Schlingel, der" mit Ihrer Konservenkste auf dem Schädel, leise singend, ausschreitet? Nun, das ist ei« zum Tode Berurteilter." Obgleich ich wußte, daß im Weste» Afrikas Paradoxe Formen im Strafwesen«uae- wertdet werde»», konnte ich doch nicht nuchu», einigermaßen überrascht zu sei«. Ich betrachtete den Man« mit eiuer«wissen Neugierde. Sei» tmtrnschwarze» Gesicht stwchlte vor gutmütigem Grinse«. Die halbgeschloffenen Augen schienen in Wohlbehagen versunken während von den wulstigen Lippen,«m die ei« Zug von Verschlagenheit spielte, Falsetiäne eines nicht endenden Singsanges kamen. Mei« Begleiter führ fort: Jta, er hat sein« Fra« unter ganz gräßlichen Umstände««tö tet, indem«r sie««ter einem Steindl« zermalmte. Bor de» Schwurgericht hat man nicht» zu seiner Ber- teidiguug anfühve« können; er««twortetr auf alle Frage« mit seinem ruhigen Lächeln — dem eine» braven Kindes— wie Sie e« bei ihm sehe»». Diese» Lächeln erlitt auch bei der Verkündigung des Todesurteile» keine Unterbrechung. Ueber ein Jahr hat er warten müssen, bis der Gerichtshof von Saint-Louis d'e Strafe bestätigte. Und setzt sehen wir seit 8 Monaten dem'Bescheid auf sein Gnadengesuch entgegen. Das Verbrechen datiert so weit zurück, daß niemand«ehr daran denkt:«r weniger al» scher andere." „Uud de« lasse« Sie so herunrlaufen?" „UM fehlen die Gefängnisse moderueu Typs. Ich verwende iHv zu allen möglichen Arbeite»», die er ganz ausgezeichnet verrichtet. Ein sehr tüchtiger, äußerst zuverlässiger Mann..." „Wirklich? Aeußerst zuverlässig, übertreiben Sie nicht?" sticht im entfernlcsteu. Und ich möchte während Ihre» Aufenthaltes in Bandiagara Ihnen diesen Mann-al» Diener beigeben." Das Angebot entbehrte so wenig des Reize», daß ich es schleunigst annahm. Verdammt, es wird einem nicht an jeder Weg- kreuzuug zum Tode Berurteilter al» Page offeriert. Ei« Lamm hätte-» an Sanftmut nicht mit ihm aufnehuren können-, ei« Neufundländer nicht an Treue. Da er mein Interesse für die Waffe« de» Landes bemerkte, bemöbt« er sich, mich h. die Kenntnisse derselbe.. einzuweihen. Es wirkte wie«ine lustige Iran«, wenn dieser Mörder i«»nein« Hütte kam uud ein« Lanze oder Streitaxt schwang. Ma« war versucht, p» glaube«, er wolle st« gegen jene kehren, die der Vollziehung des harten Urteil», das ihm droht«, beiwohnen würden. Täglich rückt« der Termin naher. Man bannte den unerschütterlichen Friede« seiner Seel« erkennen, wenn man sah, wie er nach getaner Arbeit, ohne Sorge um den kommenden Tag, au» seiner kleine« Pfeif«, di« einen Kofck au» Eisen hatte, Rauchwolken blies. Ich wagte nicht, diest vollkommen« Ruhe mit«i«er Frage«ach seiner««seligen Vergangenheit zu störe»». Und tat e»«ine» Tage» doch. „Warum hast du deine Fr« getötet, Samba Cado?" „Weil n«i«e Fra« wo« sehr böse. Muß- jöh. Sehr recht getan." So absolviert« er sich. Konnte man sich darüber wundern? Fand er nicht mehr 8hm» pachte als Verachtung bei der Bevölkerung, unter der er lebte, be» diesen-roße«, schwarze« Kinder«, di« sich so Wenig die Mühe nehmen, über ihresgleichen zu richten und ine «in so kurze» Gedächtnis haben? Er hatte «her diesen weiße« Herren zürnen könne«, die ihn zum Tode verurteilt hatten, und jene«, die ihn so grausam seit mehr als 18 Monate»: auf de« Tod warien ließen. Aber»rein, er hegte weder gegen diese, noch gegen je,« die geringste Bitterkeit. Da kam eines Tage» von Pari» die bru-, täte, unerbittlich:- Antwort: da» Gnadengesuch des Sambo Codo war abschlägig beschiede« »vorder«. Er sollte uach Banrako eiugeschiffk und dort hingerichtet werden. Diese Nach richt regle ihr» durchaus nicht auf und mit den gewohnten heiteren Miene bat er mich um Entschuldigung, daß er seinen Dienst ber mir aufgeben wöge..- „Du weißr, MuUöh; er ist'nicht Fehler von Sambo Cado" Ich»var im Bvgviff da» Land zu ver« lasfeir. Der Zufall wollte es, daß ich auf demselben Wachschiff de« Fluß hinüberfuhr, dev meinen ungewöhnlichen Diener an den Ork seiner Hinrichtung brachte. Man hatte ihn einem eingeborenen Soldat«« anvertraut, dev ihn kau« schärfer iiberwachte als die Poltzet von Bandiagara. Er bewegte sich frei auf dem schmalen Deck des kleinen Schiffe», tvav immer wie«in, treuer Hund in der Nähe meiner Kabine, nutzte jede Gelegenheit, um sich ach meinem Lager ju schaffen zu mache»» oder»«ine Stiefel zu putzen. Und ich ettvacht« jeden Morgen mit aequältevem Herzen, tti» dcm ich de»««vermeidlichen Todes dachte, der sich ihm mit so rasch«« Schritten naht«. Der Iustinkr meiner Gefühi« siegte über meine Prinzipiell. Ich entfernte mich wider Wille»» von dem frostigen Gerechtigkeitsideal, das sich in meins« Gewissen meldete, um zugunsten Samba Cados, ich weiß nicht war fi,r eine Vorsehung braver Mörder anzumstu, di« genau zu bezeichnen ich nicht in dec Lage geinelen wäre. Darf ich sagen, daß sie existierte und nach erhörte? Eiae» Nacht» erhob sich«i« furcht« barer Torncwo. Bei entscffeltem Organ, »»«derstürzende i Regen bei einem Gewitter, wo der Himmel in Flammen stand, mußte unfc Schiff am Ufer verankert werden. E» scheiterte beinahe. I« der dämmernden Frühe de» Morgens, al» die Ruhe wiedcrkehrte und alle zur Besinnang kamen, nrerkre inan, dch Samba Eado das Frei gesilcht hatte. Ungeachtet seitier Sorglosigkeit und Ergebung war ihm di« Gelegenheit dort! zu lockend erschiene». Das gab au Bord und. spater in der Kolonie «ine gehörige Aufrvguug. Ich gestehe: ich stieß einen liefen Seufzer der Erleichterung au». Mau mag über«wirre Moral nach Belieben urteilen: ich' bekenne, ich finde«ach heute eine wahre Befriedig««- in de« Gedanke«, daß mei» Freund, der zum Tode Ver- bl« Masse Hai sie auSgesondert, wir haben fi« von der Masse. Originell« Ideen? Wo willst du sie finden? Alle Ihren dir es gibt, sind schon da— treiben im Meer der Ideen. Ich, eine Auster, nehm« einige davon in mir auf und bezeichne sie a S di« Pfeif« mit-em Eiftn- „.> Gesicht noch zu feinem hrmtey, gutmütigen Lachen verzieht, das lein Borwnrf des Gewissens beumnhigt. urteilte, eine Zuflucht im Herze«» des Urwal-1 steckend wie Masern oder die Pocken. Uns«« Be- deS, der seine Mutter war, gefunden, daß er grisse^von Kunst, Literatur, Politik, Moral— friedlich seine kleine Pfeife mit dem Eftei topf raucht und sein Gesicht noch zu feine Lrucificus. Bon Theodor Storm. Am Kreuz hing sein gequält Gebein«, mit Blut^besudelt und geschmäht; dann hat di« stets jungfräulich rein« Natur das Schreckensbiid verweht. Doch die sich seine Jünger nannten, die formten«S in Erz und Stein und stellten's in des TempelS Düster und in dir lichte Mur hinein. So, jedem reinen Äug' ein Schauder, ragt«s herein in unsere Zeil verewigend but alten Frevel, «!n Bild der Unverfihnlichkeit, Menschheit. Bon Frank Crane, New Bork. Worin besteht meine gerühmt« Unabhängig' kvit? Ich bin von allem und jedem abhängig, Von Menschen und Dingen. Ich gehe mit der Menge. Ich bin in der Menschenpresse ftstge- klemmt. Alle meine Vorfahren haben mir etwas hinterlassen. Nicht Geld noch Gut, aber- tiefer« Kräfte und Fähigkeiten. WaS ich meinen Charakter oder mein« Natur nenne, besteht auS unendlich vielen Teilchen und Anlagen jener, deren Blut in rneinen Adern kreist. Ein kleiner Saure Trägheit stammt von diesem Großvater, ein Körnchen Verschwendungssucht von jenem. Jrgeiwein« entfernte Großmutter Hai mich viel, ie'cht mit der Furcht vor Pferden oder mit der Liebe zu Hunden begabt. Es kann in mir ei» Stück Gesetzlosigkeit stecken, das von einem Bor- fachren stammt, der«in Seeränber, und«in brachen Frömmigkeit von einem anderen, der ein Heiliger war. Ä Und so geht auch alles von mirr«in Tropfen in einem fließeltden Strom,«in Molekül in«in«m Berge, «in« Zelle in einem großen Baum. Die Worte, in denen ich denke, find nicht die «einen. Sie gehören der Menschheit an. Mil- Aonen von Menschen haben sie geschaffen^ «prägt, sie siitd geworden wie rin Korallenriff, si» dar meine Gedanken hineinkriechen. Mein« Gesten, die Art, wie ich. mich gebe, wein« Umgangsformen, meine sogenannten Eigenheiten— ich habe sie alle geborgt. Religion ist nicht so sehr«in« persönlich« als «ine Sache der Gemeinschaft. Du bist Jude weil du als Jude geboren wurdest. Aus dem gleichen Grunde bist du Katholik, Presbyterianer, Mohammedaner, Buddhist oder Mormone. Wenn wir ins Leben treten, finden wir dies« Z«lken im Bienenkörbe der Menschheit schon vor und kriechen heinei». Der junge Liebhaber bildet sich«in, kein Mensch vor ihm hätte sein Pein und sein Entzücken gefühlt— und doch wiederholt Vst Natur tn ihm nur di« Empfindungen, di« sie schon in Myritüten anderer Menschen erzeuge hat. Nach dem Wort Burkes besteht die Gesellschaft aus jenen, die leben, aus jene«, dir tot sind und ans jenen, die noch geboren werden. Was ich meine Meinung nenne— wstvsti davon ist nichts als Echo? Meinnugen find anmeinen. Ja, selbst bst Worte des Vaterunser wurden ans talmudische Quellen Pirückgeführt. „Der Tautropfen schlüpft inS leuchtend« Meer!* Der Strom der. Menschheit hat seinen Ursprung im Unendlichen und strömt ins Unendliche zurück. Wie wir uns, im Borübergehen, ift einem seltsamen Egoismus gefallen! Wir brüsstn uns, gestikulieren und reden von uns und dem unserigen— um zuletzt doch den Katarakt hinunter zu müssen, der, unaufhörlich wst der Niagara, im Unbekannten mündet. Streichhölzer. Skizze von K. JasiukaitiS. Aus dem'Litauischen von G. B.■ Die elektrische Bahn blieb an der Brück« stehen und wartete, bis der entgegenkommende Wagen di« Brück« überquert hatte. Ich saß am offenen Fenster. Der kalt« Herbstwind weht« herein, der Regen riefelt« in kleinen Tropfen. Da wurde» meine Gedanken plötzlich von einer schwachen, zittrigen Stimme unterbrochen: .^kaufen Sie Streichhölzer!" Ich griff in meine Tasche, stellte. ab:r fest,» daß meine Streichholzschachtel fast voll tvar. „Ich brauche keine", sagte ich und schüttelt« dabei den Kopf. Ein zerlumptes, k eines Judenmädchen stand vor mir. Ihr Gesicht war ganz zerfurcht von lauter kleinen Runzeln, di« tiefliegenden, braunen Augen waren wst leblos, nur Rot und Kält« spiegelten sie; der Wind wehte jeden Augenblick das löcherige Kopftuch, hoch und zeigte wirre Büschel schtvarzer Haare. „Kausen Sst Streichhölzer!" sagte sst noch einmal, und ibre erschrockenen Augen sahen mich stehend an.„Wenn ich doch noch welche habe— —".Fassen Sir mich etwas verdienen-.'.. ich möchte so gerne etwas essen..." sagt« sst und sah vor Scham zu Boden.„Kaufen Sie doch wenigstens«ine Schachtel!" Sie reicht« mir mit ihrer kältezitternden, mageren, nnfonberen Hand ein paar Päckchen zu. „BeMenst du viel am Tag?" fragt« ich sie. „Wenn ich den ganzen Tag Hern miaust,«in Pfund Schwarzbrot. ost nicht einmal so vstl... der«ine Herr ist fvöh! gut und kauft, über der ander« ruft nur: Scher' dich zum Satan!" „And wo wohnst dn?" ,Mo ich wohne?" fragte sst erstaunt zurück.„Wo es sich gerade tviffl.... manchmal komme ich in irgend einem Hof unter, manchmal nimmt mich ein mitleidiger Jbrde in seiner Stube auf, oft gehe ich in den Park, aber da verjagen einen dst Wächter und drohen mit der Polizei." „Hast du denn.kein« Eltern?" Sst sah mich verwundert an, als. hätte sst das Wort zum ersten Mal« gehört. Tann flüsterst sie:„Wer weiß? Vielleicht hatte ich auch einmal Eltern..?" Ich nahm«ine Schachtel und gab ihr«in größeres Geldstück. Ihr« Angen glanzten, ihr Gesicht leuchtete, als hätte sst unermeßliche Schätze bekomnten, als wären Hunger und Kälte nun für immer vorbei.. Ihr war ganz froh und leicht zumute, daß sie ihr« Streichhölzer so gut verkauft halst. Fest hielt sst das Geld in der Hand und wartete, ob nicht»roch jemand ihr« Streichhölzer kaufen und ihr daftir so sehr vstl Geld geben würde. Ader die Menschen müsse» ja Tag nnd Nacht nachsinnetr, wst sst Geld, viel Geld verdienen können. Sie müssen ja dem Schwächeren noch den letzten Bissen fortreiß«» nnd nennen es den Kampf ums Dasein. Ein heimatloses Kind lassen sie auf dem Pflaster umkommen, ohne daß jemand danach ftagt... Di« kleine Verkäuferin wurde nichts mehr los. Sst wollt« weitergehen und weistr ausrufen: „Kaufen Sst Streichhölzer!", als plötzlich zwei abgerissene Burschen auftauchstrr und auf das Mädchen losgingen.„Schlag zu!" rstf der«in«, und der andere schlug mi. voller Wucht auf di« ausgestreckte Hand des Mädchens. Di« Münze fiel k i irgend auf das Pflaster, und di« Streichholzschachteln flogen umher. Blitzschnell hatten di« Jungen das Geld genommen und lstfen lachend davon. Das Mädchen stand wst angttvurzelt. Ihr« Hand hing schlaft herab und schmerzst. Sie bc. gann ganz leise ztr weinen, von tief innen heraus, ihr Gesicht verzog sich vor Trauer und seelischem Schmerz. Sst lwömte, als hätten ihr dst Straßenjungen mit dem Geldstück das Herz geraubt, als hätte sie di««inzige Freude, den besstn Trost ihres Lebens unwiederbringlich verloren. Eben»och hatst sie sich reich und glücklich gefühlt-, jetzt war sst so unsagbar«lend. Sst weinte, und der Herbftwirw klagte mit ihr.... Ich hör« noch ihr„Wenn ich den ganze» Tag hmrmlanft, ein Pftrnd Schwarzbrot".., Der Äahlenwahn in der Weltgeschichte. Rur schwer vermag di« Wissenschaft in de» dicken Wall volkstümlicher, wenn auch törichter Vorstellungen Bresche zu schießen. Seil Jahr und Tag hat kein Geringerer als Hans Delbrück, vornehmlich durch seine vielbändig«„Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte", sich bemüht, die Legend« von den Riesenheeren des Altertums und Mittelalters‘ zu zerstören, und sein« ei»leuchtendeu Thesen sind von seinem Schüler Emil Dämels in den sieben Göschen- Bändchen der„Geschichte des Kriegswesens" glücklich popularisiert worden. Auf Grund lückenloser Schlüffe haben beide dargetan, daß Xerxes nicht! mit vier Millionen, wst Herödot behauptet, sondern mit zwanzigtausend Krstgern gegen Griechenland zog, daß bei Marathon vier- die sechstausend Perser gegen«in« klein« Urbermacht von Athenern fochten, daß die ins römische Weltreich «inbrechenden Ostgostn etwa fünftausend Streistr zählten, daß. die.Vandalen Aftika mit acht- biS zehntausend Mann eroberst», daß Otw I. auf dem Lechfelde dst Ungarn mit sieben- bis. achttausend Kämpfern.schlug, daß dst Streitmacht der Kreuzfahrer wenige Tausend nicht überstieg und daß di« al» unübersehbare Massen geschilderten Hussit««Heer« rnnd fünftausend Mann stark waren! Unter der Lupe historischer Kritik schrumpft» auch die Heer«, bi« bei. Mohacs auseiuandcr- ststßrn, beträchtlich zusammen. Setzte sich di« türkische Macht aus Reitern und Fußvolk zusammen, so waren die Reistr Ritter, Spahis genannt, deren jeder mit einem Stück des eroberten Landes belehnt wurde. Rach der Natur der• Dinge sind solche Lehrnsritterschaften nie besonders zahlreich, und vom Paschalik Belgrad oder Serbien wissen wir überdies, daß erst auf je 40 Hnadratkilö- meler e-in belehnter Spahi kam. Di« Stärk« der Osmonen aber lag im Fußvolk der Jaftftscharen, einer gut diszip irckerstn, kasernstrten Truppe von Berufssoldaten, die einem lockeren Feudalaufge- bot ohne weiteres überlegen tvaren. Diese Jnsan-- icrie war im Anfang nicht stärker als fünftausend Mann; im fünfzehnten Jahrhundert vermehrst | Mohammed der Zweit.- sie ans acht- bis'^twls- 8— lausend, und gerat« Soli man der Prächtige, der Sieger von MohacS, bracht« sie unter rücksichtsloser Anziehung der Steuerschraube auf sechzehn- tausend Mann. Danach läßt sich leicht errechn«», daß da-„Piesenheer" der Türlien»m 29. August 1WÜ die Stärke von fünfundzwanzig, dir drei« Zigtausend Mann schwerlich überschritten hat. Auch da finden sich in der neueren Geschichte Beispiel« von Lhnkich übertriebenen Ziffern. Statt der vierzigtausend Franzosen, denen auch nach wissenschastkichen Darstellungen di« „Du.,.!• ,Zfauoo!" Urscht!" „Hm?* „Wos ischt dös«psia, a so a Sozi? Woaßb dn dös?* „Jauoo, dös... dös lvoaß f!" „Alschdann?" „A Sozi, dös ischt oana, der wo koa Kchrischt nöt ischt!" Zwei Knaben hört« ich Vox meinem Fenster dieses Gespräch führen. Damals wohnte ich in «inem Dorf«, das kaum LOO Einwohner zählt«. War das rot« Gespenst schon so weit vorgednni- gen, daß man selbst hier seinen Namen kannte! Ganz unbegreif.ich war di« Sache freilich nicht, Das Laiw besaß eben schon einige Eisenbahnen und Fabriken..Diese bedeuten stets den Anfang des Verfalls. Denn der Sozialdemokrat folgt, ihnen niejst sehr bald auf dem Fuße. Ab«r in dem Dörfchen gab es weder«in« Eisenbahn noch Fabriken. Durch vorsichtiges Umfragen erfuhr ich da- schlver Glaubliche: auch hier lebte einer— ein Sozi. Alle sprachen von ihm! Es war damals gerade die Zeit der Fronleichnahmsprozessionen, die in Tirol acht Sonntage hindurch wiederholt werden. Er, der Sozi, hatte an keiner teilgenommen. Das«rweckte in jedem Fahre neue Erbitterung. Man erzählt« mir, daß er in eine zwei Stunden entfernte Zementsabrik m Arbeit ging, und zeigte mir auch sein Haus. Eine elende Hütte war«S, die weit von den andern Häusern unter einem finsteren, bedrohlich überhängenden Felscurieseu stand. Ein Fußpfad führt« daran vorbei. Ich be- rnerkte bald, daß die meisten Dorfbewohner diesen Pfad mieden. Manchmal sah ich, daß sich Werber bekreuzigte», wenn sie an der Hütt« vorbeigingcn. Da» geschah wohl wegen deS Überhänge ndrn FelscnS. Einmal ging«ne Mutter mit ihrem Kind« vor mir. DaS Kind lief«inem Bogel nach und kmn dadurch in di« Nähe des SozihauseS. Mit kreischender Stimme rief oi« Alte sofort:„Daß V herkch.'mst! Durt dvinnat wohnt der Tuifi!" T.r„Tuifi", der bald danach aus der Hütte trat, halt«'aber wenig TeufelmähigeS. ES war «in« ziemlich mühe Gestalt, mit lang ein, schon stark ergrautem Bart«. Als mich-einmal-«in starker Rege.» in der Näh: seineS.-Hauses überraschte,- Erschloß ich, die Ge egercheit buSzunutzen. Anf.dieseWeis« war, es mir schon östir gelungen, iizdaß Innere tlro/cri- scher Bauten- riüziidrntgen. Auch mußte der ,'j,Tuifi* zu Haufe.sein, da Sonntag war? Bei .nwine n Eintritt-kam mir«in Franeuzimnmr Mit ansdruäSiricn Ange««ntgegen. s„Grüaß. Go.:!" lagt« ich. märkischen Landwehren in. Treffen bei Hagels berg 1818 den Schädel«^»schlugen, waren es nur «twa dreißig, und di« Zehntausende von Russen, denen noch heut« vielfach geglaubt wird, daß sie 1914 nach der Schlacht bei Tannenberg in den masurischen Seen ertranken, reduzieren sich auf kaum ein Dutzend! Romantischer" als di« Wcrklichkoit und für Jubiläumsfeiern geeigneter ist freilich di« Vorstellung von Riefenhrerev und Rirstuleicheirfel- dern. Sie«ntgegnete nichts, sondern lächelt« blödsinnig vor sich hin. Aus dem Hintergrund kam «in„Guat'n Toch!" Der Mann, der„Tuifi" selbst, trat hervor und schob das Weib hinaus, wobei dieses einige lallende Laute von sich gab. Sadann stellte er mir tvortlos einen Sessel hin. „Danke!" sagte ich.„Sie erlaub««, daß ich hier untersteh'? Bis zum Dorfe sein doch noch zehn M'mud'n und der R«gen ischt org...* „Hot nix zur Soch', Warten S', bis's aufhert." Eine Paus«. Ich suhlt«,Wie er mich von Mitten beirachteic. Endlich begann er wieder: -„Der Herr ischt wohl a Fremd«, i mein' so- ganz a Fremda?" „Allerdings. Sie merlen'S an meiner Sprache und weil ich keinen Gamschbart trag'; f." „Das wär's weNigschte. Owa daß S' zo mir einakchema san!" „Sie find wähl d«r Sozialist, von dem olle ttd'n?" „Soo, sagen s' Sozi zu mir?"Er bemühte sich zu lächeln. Es wurde aber ein unbei-miichek Gesicht-. „Sozi? Ah jooo! Roo, wissen S', t hob' dös armselige Hcis'l do von mein' Bcü>an g'erbt, und iwa da Ar, do war imnia a Kreiz, dös hom s' ma runtrrg'viss'n und Hom g'sogt, dös darf« Heid nöt Hom, und iwa da Tir, da tvorn die Buchstab'n vo die heiligen drei Kenuich. Ma s' mit der Zeit vergang'n san, hob i s' söllva nachg'molen mit oana rot'n Färb', und do san s' kchema und Hom ma den Tirbolken frei rang'rifi'n, toeil so woS ebenfalls fir an Deid'n nöt paßt. Ra alschdann hob i koa Kreiz mehr naufgcheickcht und koane Buchstab'n mehr hina- 'molt—»a alschdann bin i« Sozi!" Darauf wär schwer zu antworten. Ich begnügte mich, den Kopf zu schüttelü. Er folgt« meinem Blick«. „Sie schaugn auf die Büacha dort hin? Zo, das ischt auch was Heidnische» und Sozialistisches. Ich ko auch les«» und schreiben, sicher... weil i nämlich oamal a Bolksschullehrer war..." :,Wi'*■• Run mar„es" anders geworden. Gespräche von Kungsutfe. tM» bis' 478 o. CH.)..' Der Cole ist vollkommen uns nicht«ng- - herzig. Der Gemein« ist engherzig und nicht !,vplltoi««ey.- Sieh, was«»er wirkt, jchau, wovon«r be» stimme wird, forsche, wo er Befriedigung findet. Ich hab« noch niemand gesehen.- der dia Wahrhest so lieht wie rin hübsches Gesicht. Lernen nrrd üicht^deicke» ist nichts-?-"■ Der Sozi. Tkrokcr Skizze von Karl Techet. Wen» der W-lle auf die SiMWeit gerichtet «ft, so gibt e» fern Bojes. Der E»'.e lieb« de* ntwere« Wert, der 6t* m«tm litbt bat Irdisch«: der Ed!« liebt das Gesetz, der Gemein« sucht die Gunst. Der Edle iebt den dtneve« Wert, der Gt- mein« ist bewandert im Ge-vimt. Der Edle liebt es, langsam im Wort und rasch im Tun pi sei«. Gewöhnliche Speise eure Nahrung, Wasser all Trant und den gebogenen Arm al» Kiffen: auch dabei kann man fröhlich sei«; oder»noerech der Reichtum und Ehren sitck> fite mich nur tlüch tige Wolken. ; Wer sich selbst nicht regieren kann, wat geht z he« da» Regieren von ändern an? Der Edie ist friedfertig, aber niacht s«b nicht gemein. Der Unedle mach: sich gemein, aber er ist nicht friedfertig. Der Edle schämt sich davor, daß seine Worte sein« Taten Äbert reffen. Wer«echt da» Ferne bedemk, dein ist Be- trftbntü nahe. Einen Fehler machen«ich sich nicht bessern, da» erst heißt fehlen. Rur die höchststehendeu Weifen und die tiefst' stehenden Rar«« sind unveränderlich. Glatt« Worte und einschmeichelnd« Mieiren sind ketten vereint mit Sittlichfett. Ernst ich frage« und vom Rahm» 9 9 » ■ r ■F 9 » 14 ■ 9 ti M| 9 ■■ rf t« ü 9 9 jj n 9 4 9 23 M i 1 r 9 rr 2« 9!" W 9 Ju 1 9 sr !9 9 W 32 i» r ■ r X ■> 9 9 H 9 9 1 9 « 41 1 <2 9 c I -r ■KJ 1 99" i Semkrechl: 1. Stadt i« Thüringen, 2. BibWche Gestalt, 3. Wohlgeruch, 4. Deutscher Strom, ß. Pechänibche» Fürwort, 6. Meerrrixe» 8. Merkbuch, 8. tzlä- chetmwß, Ick. Baum, 14. Weiblicher Bor- u-ame, 16. Sakrament, 18. Tierischer Körperteil, 1». Teil de» Baume», 21. Schornstein, 21. Deutscher Dichter, LV. Spiet« kam«, 27. Deutscher Dichte^ 28. Berhetlte Wunjd«, 88. Großer Ramm, 88. wie 8, 36. Bortvagsraum, 87. Borsteher eine» Kloster», 4V. Löchertest, 4L Wchlaut, 48. Fragewort. Wag er echt: S. Will- kücherchcher, 7. Spanische Kriegsflotte, 1V. Schweizer Kanton, 12. Waffe, 13. Mehrzahl von 40, 16. Gewässer, 17. Be- färdrr>mgSn»ittat, 20. Muß iu Sibirien, 22. Männlicher Vorname, 23. Nordische» Epos, 26 Nordischer Gott, 27. Himmelskörper, 29. Kadaver, 38. Weiblicher Vorname, 31. Uferstraße, 33. Persönliches Fürwort, 31. Auftrag, 86. VerhAtniAnort, 38. Rckbrn- ftuß des AiheinS, 89. Tierwohmmg, 41. Iridis scher Goth 4L Wem«» Dorf, 44. Bodengeftal- tuug, 46. wie 32, 46. Achenwielst. Auflösungen der Rätsel au» her vorige« Rümmer: Silbenrätsel: 1. Granit; 2. Ulme; 3. Trag- doch; 4. Erker; v. Sahara: 6. Wunde; 7. Lin- tanfschch ckvrnckfchteris; 8. Rudel:». Korea; 18. Zürich; M. Estfann; 12. u rau ns: 13. Garte bolldi.—.Gute» Werltzeug ist halb« Arbeit." Zichsttmälftl: 1. Altenburg; 3. Lager; 6. Tannenberg; 4. Ech«; 5 Reger: 9 v-ere: 7.U«t«; 8. Armen; g. Grad«.