Nr. 2. OnterOaltungdörilage. 1927. der Wnl. C-tne^ergarbeiter-Tlobene von£utgt HSieondello. Die Grubenleute wollte» mit der Arbeit aufhören, obwohl sie noch nicht all die Schwefelbarren herausgeholt hatten, die am nächsten Morgen für"den Brennofen nötig waren. Lacciagalliua, der Vorsteher, trat ihnen«>n Ausgang des Werls wütend entgegen, um zu verhindern, daß sic es verliessen. „Himmel, Donner, Salräluent!> Zurück alle, alle Mann wieder herunter>n die Schächte, und Blut geschwitzt bis zum Morgengrauen, oder ich mache Feuer!" „Bum", gab einer hinten im Stollen von sich. „Bum", wiederholten mehrere andre, und unter Gelächter, Fluchen und Hohnge- tfiüll stürmten sie davon. Der gab einen Stoß mit dem Ellenbogen, der mit der Schulter, und alle kamen durch bis auf einen. Wer war das? Zirkel Srarda, der oriue Einärrgigc, vi-r den» Lacciagallina leicht den großen Murn spielen konnte. Er stürzte sich auf ihn, wilder als ein Löwe, packte ihn an der Brust, schüttelte ihn voller Wut, so, als habe er die gan^e Gesellschaft zwischen den Fingern, und brüllte ihm ins Gesicht:„Zurück all«, sage ich, Gesindel! Allesamt in die Grube» herunter, oder ich richte, ein Gemetzel an!" Onkel Scarda ließ sich ruhig schütteln. Der arme Biedermann „rußte ja fein« Wut auslassen, und cs tvar nur natürlich, daß er sich an ihn hielt, da er alt war und keinen Widerstand zu leisten ver- «rochte. Im übrigen hatte er seinerseits wieder einen Schwächeren unter sich, an dem er sich rächen konnte. TaS war Liaula, sein Ge- Hilfe. Die übrigen, ja die entfernten sich schon auf der schmalen Straße, die nach Lominini führt. Sie lachten und riese«' „So ists recht, ja! Halt ihn nur fest, Lac- ciagallina! Er wird dir schon den Brennofen für morgen füllen."—„Junge Leute!" seufzt« Onkel Scarda mit trübseligem, nachsichtigen Lächeln, zn Lacciagallina gewandt. Und, obschon immer noch an ter Brust festzchalieir, legte, er dcn Kopf auf die eine Seite, verzog die llntcrlippe nach der anderen und blieb eine Weile so stehen,, als tvart« er auf etwas. War daS eine Grimasse, die Lacciagallina galt, oder spottete er der Jnaend seiner Ge- fäbrtcu'ch'■* -Diese Artsgcklassenhe.it, diese Antvandlnrrg jugendlichen Ueberninks wär wirklich ein Mißtrüi in dem trancigen Bild dieser Gegend. Die harten, durch das grausame Dunkel der unterirdischen Schächte gleichsam auSgelösch- ten Gesichter, die infolge der täglichen Anstrengung«ingesallencn Körper, di« zerrissene Kleidurrg: das alles entsprach bester der bleichen Armseligkeit des Landes, arrf dem- kein Grashalm wuchs, und auf denr die Schwefel- ülinen mit ihreir Bohrungen wie lauter riesige Ameisenhaufen saßen. Nein. Onkel Scarda, der in'seine merkwürdig-.' Haltung vertieft war, spottet« ihrer nicht uird schnitt auch Lac- cioqallina kirre Grinrasic. ES war vielmehr die gewohnt« Art nnd Weise, niit der er, nicht ohn« Mühe, ganz langsam di« dicke Träne, die ihm von Zeit zu Zeit aus dem andern, denr gesunden Auge, lies, im Mund auffiug. Er hatte an denr bißchen Salzgeschmack Gefallen gefunden und ließ sich auch nicht eine einzige entgehen. Es tvar ja wenig, nur hin und wieder ein Tropfen. Aber wo er von früh bis spät in die Tiefe gebannt war, zweihundert Meter unter der Erd«, mit der Hack« in der Hand, die bei jeden» Schlag« ei» wütendes Knurre« in ihm auslöste, hatte Onkel Scarda immer einen brennenden Mund, urrd diese Träne tvar für seinen Mund das, was für die Rase«in« Prise Schnupftabak getvescn wäre. Es schnreckte und bedeutete zugleich eine Rrrhepanfc. Wenn er rnerkte, daß sein Aua« gefüllt war, stellte er für kurze Zeit di« Hacke ab, betrachtete das rote qualrnende Wämmchen der am Felsen angebrachten Laterne, das fein Licht durch hi« Finsternis des HöllenkestelS hier auf einen Schtvefelfplitter, dort auf oen Stahl erner Stütz« oder der Hacke warf, legt« den Kopf auf die Seite, verzog die Unterlippe und wartete, bis di« Träne mngsam in der von den Vorgängerinnen gegrabenen Furche hcruntcrlief. Von den andern hatte der das Laster des Rauchens, jener das des Trinkens. Er hatte das Laster seiner Träne. , Diese Zähre rührte von eirier kranken Tränendrüse und»richt vonr Weinen l>er. Aber Onkel Scarda hatte auch solche gekostet, und zwar vor vier Jahren, als sein einziger Sohn bei der Explosion einer'Mine ums Leben gekommen war, so daß cd nun die sieben kleinen Waisen und die Schwiegertochter zu unterhalten hatte. Manchmal kam eine Träne, die fähiger war als die andcrn. Er erkanutr sie sofort, schüttelt« den Kopf und murmelte «inen Namen: /,Lalicchio" In Anbetracht des mngekonrnrenen La- licchio und des bei der Explosion der gleichen Mine verlorenen Arrges ließ man ihn noch tveiterarbeiten. Er leistet« nrehr und Besseres als ein Junger, nnd jeden SamStag tvurde ihm der Loh« ausgrzahlt. Aber, um die Wah» heit zu sagen, so nahm er ihn hin, als gäbe man ihm ein Almosen. Jedesmals, tvcnn er ihn ernsteckte, flüstert« er, als schäme er sich: „Gott lohne es Ihnen!" Denn es aali als Regel, daß einer in feinem Alter nicht mehr gut arbeiten konnte. * Als er endlich losgelassen wurde, darmt er hinter den andern Herläufe und jemanden dazu bringe, mit ihin Nachtschicht zu machen, bat er Lacciagallina, wenigstens einen von' den Zurücktehrenden in fern Haus zu schicken und sagen zu lasten, si« möchten ihn nicht erwarten und sich ucht um ihn sorgen. Darrst drehte«r sich um nnd rief seinen Gehilfen, der, seinem abgezehrten Aussehen nach, älteck als Dreißig war, jedoch Sieben als auch Sie», benzig sein konnte. Er rief ihn arrf die Art, wie man gezähmt« Krähen lockt: ,^komm, komn«, komm, komm!" . Liaula tvar eben dabei, sich wieder anzuziehen, um in das Dorf zurückzukehren. Sich wieder anzuzieyen, bedeutete für Liaula vor allem das Hemd abstrcifen oder das/ was einmal vielleicht ein Hemd gewesen war: das einzige Kleidungsstück, das ihn tväh- i rend der Arbeit bedeckte. Wenn er dieses ab- > gestreift hatte, zog er über den nackterr Brustkorb, dessen Rippen einzeln zu zählen waren, «im schöne, weite und larrge Weste, die er als milde Gabe bekommen hatte und die einmar äußerst Prächtig und vornehm gewesen sei» mußte. Jetzt tvar sie durch Schmutz so stein- hart geworden, daß sie aufrecht stehen blieb, tvcnn man sie auf den Boden setzte. Mit höchster Sorgfalt hakte er die sechs Knöpfe ein, von denen drei hernnter baumelten, und bestaunte alsdann das Kleidunasstück an seinem Körper, indem er mit den Händcn darüberstrich: denn er fand inimer noch, daß es besser sei als er verdiente, daß es ein richtiger Putz sei. Und seine armen nackten und'krummen Beine, die blau vor Kälte waren, überlief ejne Gänsehaut während dieses Bewunderns. Wenn einer von den Gefährten ihm einen Rippenstoß oder einen Fußtritt versetzte Und ihn» zuvief: Wfe schön dn-bist! riß er den — 2— zahnlosen, Mund zu einem Lächeln der Befriedigung auf, stieg dann in sein« Hosen, bei denen mehr als ein Fenster nach den Hinterbacken sowohl wie nach den Knien zu offen taub, hüllte sich in einen' über und über gelickten Mantel auS grober Wolle und trollte' ich barfuß zur Ortschaft, nün-m er bei jedem Schritt tvnnderbar das Krächzen der Krähe nachähmte— kräh, kräh!—, weshalb man ihm auch den Beinamen Liaul gegeben hatte. Mit„kräh, kräh" antwortete er auch an dem Abend auf den Ruf seines Herrn. Dann präsentiert« er sich ihm nackt oder vielmehr nur mit dem Glanzstück der ordnungsgemäß zugeknöpften Weste d-chaftet. ,/Äeh, geh und zieh dich wieder aus!" sagte Onkel Scarda zu ihm.„Tu dein Hemd wieder über. Für uns läßt es der Herr heute nicht Nacht werden." Liaula gab keinen Hauch von sich. Er stand eine Weile da und sah Scarda mit offenem Mund und den Augen eines Schwach, finnigen an. Dann stemmte er die Arme in die Hüsten, verzog vor Schreck die Nase, reckt« sich und sagte: „Es ist gut." Und er ging, um die Weste auszuziehen. Wären- rücht die Müdigkeit und das Schlafbedürfnis gewesen, so hatte auch das Arbeiten bei Nacht nichts ausgemacht, denn da unten war es. ohnehin stets finster. Aber so dachte nnr Onkel Scarda. Nicht so Lianla. Liaula, der ein Oelläinpchen an der Stirn trug, ging mit tiefgebeugtem Nacken die schliipfrige, steile, unterirdische Treppe mit den abgetretenen Stufen auf und ab, und oben, ja oben, mochte auch sein Atem bei jeder Stufe schwächer werden und sein Krächzen schließlich wie das Seufzen eines Erhängten fein, da sah er doch bei jedem Aufstieg das' Licht wieder. Anfangs war er immer geblendet. Wenn er aber die'Last abgeworfen hatte und frei atniete, dann grüßten ihn ringsum die vertrauten Dinge. Er betrachtete sie. eine Weile, imrner noch keuchend, und ohne zu wissen warum,' fühlte er sich durch sie gestärkt. lSchluß folgt.) Der zerstreute Professor. Es war einmal ein Professor, Der War so unendlich zerstreut, , Die allerwichttgfien Sachen' Vergaß er von gestern auf heut. Und als eines schönen TageS ! Der gut« Professor beschloß, I In den Stand der Ehe zu treten, ‘ Weil ihn das Alleinsein verdroß,. Geschah«, daß am anderen Morgen i Der unglückselige Mann : Auf seinen erst gestern gefaßten Entschluß sich vergeblich besann. > Ihm war von der ganzen Geschichte Erinnerlich nur noch das:' Er wollte in etwas treten; Doch wußte er nicht mehr in was Otto Sommerstorff. Die ungelösten Rätsel des Mars. Die diesjährige Opposition des Mars hat die Phantasie astronomischer Spekulanten wieder Außerordentlich befruchtet. Haben doch englische und amerikanische Radioenthusiasten sogar den Versuch gemacht, den Mars Mit Raoiotele- grammen zu erreichen, und sie haben Wohl gar auf Antwort gehofft. Dieses Beginnen ist um fo törichter, als aller Wahrscheinlichkeit nach die elektrischen Wellen, die wir zu erzeugen vermögen, gar nicht die Erde verlasien, sondern von Ihren höchsten Schichten wieder zurückgeworfen werden. Gewiß ist es möglich, daß der Mars „bewohnt" ist, ja, ist nach unserer Kenntnis der Dinge fast sicher, daß irgendeine Form von Leben aus ihm existiert, aber die physikalischen Verhältnisse auf dem Mars find doch von denen auf der Erde fo grundverschieden, daß kaum anzunehmen ist, das Leben werde sich dort in denselben Formen äbfpielen wie ans unserem Dtutterplaneten. Solange es nicht möglich ist, unvergleichlich mächtiger« Instrumente zu bauen, als es jetzt geschieht, wird auch jedes Suchen nach Einzel« arganiSmen auf dem Mars aussichtslos fein. Können wir doch selbst mit unseren mächtigsten Fernrohren nur Gegenstände auf dem Mars unterscheiden, die mindestens drei Kilometer im Durchmesser haben. Günstigenfalls können wir also nur größere Degetationsflächen wahrnehmen und sie. an der Farbänderung erkennen, die sie im Wechsel der Jahreszeiten durchmächen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Beobachtungen während der letzten Opposition werden erst in etwa einem Jahr bekannt Dc-rd-n, wenn die Taufende von Ausnahmen bearbeitet, die spektroskopischen und anderen Beobachtungen ausgewertet und miteinander verglichen worden sind. Gerade jetzt erst hat der amerikanische Astronom Pickering«urige Ergebnisse seiner Beobachtungen gelegentlich der Opposition von 1924 bekannt gemacht. Danach steht es nunmehr fest, daß der Mars«in« Atmosphäre ähnlich der irdischen hat, also von einer Hülle von Sauerstoff und Wasserdampf umgeben ist. Das hat man außer ans spektroskopischen Beobachtungen aus sinnreich erdachten photographischen Ersuchen geschlossen. Man photographierte den' Mars durch Gläser verschiedener Farbe, und es erwies sich, daß violett« Gläser ein größeres Bild gaben— bk Scheibe des Planeten erschien unter sonst gleichen Berhältnisien größer—, als wenn man durch rote Filter photographiert«. Das lag daran, daß auf den mit violetten Filtern gemachten Ausnahmen die Atmösphär« deS Planeten mit erschien, di« blaue und grüne Strahlen stark reflektiert, rote und gelbe aber in größerem Maße durchläßt. Diese Marsatmosphäre ist aber außerordentlich viel dünner als die irdische. Ihr Gehalt an Sauerstoff ist noch um etwa ein Drittel kleiner als der Sauerstoffgehalt der Luft auf den höchsten- Spitzen des Himalaja. Außer den Photographischen Untersuchungen hat man- auch genaue Temperaturmessungen angestellt. Dabei zeigte es sich, daß die dunklen Flecken' der MarSoberfläche die wärmsten sind. Ihr« Temperatur betragt manchmal über 20 Grad Celsius, während das Thermometer an den Marspolen bis auf 70 Grad Celsius unter Null sinkt. Die- DurchschinttstrmPeratUr der MarSoberfläche beträgt nur etwa 9 bis 10 Grad Celsius. Die weißglänzenden Polkappen, dir je nach der Jahreszeit wachsen und verschwinden,' sind nach der Meinung Pickerings keine Schnee» -und Eisfelder, die'die Oberfläch- bedecken, sondern f'veischwebende Wolken oder Nebel. Und nun die ,^danäle", die seit Schiapa« rellis Entdeckung zu so vielen mehr oder weniger geistreichen Spekulationen Anlaß gegeben haben. Pickering meint, daß diese ,^danäle" die Bahnen der Winde bezeichnen. Wegen seiner enormen Temperaturunterschied« muß Mars«in« äußerst windige Welt sein- Nach Pickering folgen die Winde fast gradlinigen Bahnen. Wenn der Wind f«nM ist, so zeichnet sich sein Weg durch Vegetation ab«nd wird dadurch für die irdischen Astronomen sichtbar. Auch di« Anschannng hat freilich nur den Wert einer Hypothese. Reue Entdeckungen ln der Wüste. In der Libyschen Wüste hat neuerdings der ägyptische Forschungsreisende Hassanein Bey wertvolle Entdeckungen gemacht, über di« er in einem soeben erschienenen Buch(„Rätsel der Wüste", Verlag F. A. Blockhaus, Leipzig) berichtet. In einem Gebiet, das noch nie von Europäern betreten wurde und von sehr räuberischen, fanatischen Beduinenhorden durchzogen wird, hat er zwei Oasen, Arkenu und Nennt, entdeckt, von deren Vorhandensein bisher nnr dunkle Gerüchte meldeten. Rur der Umstand, daß Hassane! n Bey selbst Mohammedaner ist und seine geographischen Ortsbestimmungen in größter Heimlichkeit vornahm, ermöglicht« es ihm dorthin vorzudringen. Die neuentdcckten Oasen sind nicht, wie alle anderen Oasen Westägyptens, Senken mit Grnndwasserversorgnng. sondern befinden sich am Fnß hoher Gebirge, wo sich aatoasser ansammelt. Sie liegen etwa 650 äeter westlich des Ril» nahe der ägyptisch- tripölitan-ischen Grenze. Von anderen Oasen wie Äufra und Sighen hat Hasianein Bey festgestrllt, daß sie 40 bzw. 100 Kilometer von dem Ort entserpt liegen, den ihnen die besten bisherigen Karten zu weisen. Eine der, loertvollsten Entdeckungen der Reise sind aber auf Sandsteinfrlsen einge- meißelt« FelSzeichnungen bei Uentat, die Löwen,' Giraffen, Strauße und Gazellen darstcllen. Bemerkenswert ist, daß keine Kamele abgebildet sind, ohne di« man heut« gar nicht zu diesen inmitten gänzlich wasserloser Gegeitden gelegenen Oasen gelangen kann. Erstaunlich ist dagegen die Darstellung von Giraffen, di« es.heute dort nicht mehr gibt und hie in solchen Wüsten nicht' leben können. Ans diesen beiden Umständen läßt sich schließen, daß die Felsbilder aus der sogenannten„Pluvialzeit" stannnen mrd mindestens zweieinhalb Jahrtausend alt sind.' Däm als herrschte in Nordafrika ein feuchtes Klima, das in dem heutigen Wüstengcbiet grüne Buschsteppen ermöglichte und damit auch der Giraffe Lebensmöglichkciten bot. Das Kamel ist erst um 500 v. Ehr. ans Asien nach Afrika eingeführt worden. Wir müsien daher, die merkwürdigen Felsbilder, deren naturalistische, von der gleich- Ätrigen ägyptischen Kunst völlig verschiedene Darstellungsweise auffallende Aehnlichkeit mit den bekannten südafrikanischen Buschmannzeich- yungen anfweist, vorgeschichtlichen primitiven Jägerstämmen zuschreiben, die vor der Mitt« des ersten vorchristlichen Jahrtausends diese* heutige Wüstengebiet bewohnten. Die Krabbe. Sie ist ganz klein und grün. Mit plattem Körper und weit von sich gestreckten Beinen liegt sie unter einem Stein in einem Tümpel Wasserp den ihr das rückwärts flutende Meer gelassen. Neugierig verläßt sie manchmal ihren Schlupsort und huscht zwischen dem grünlichen Grau des BlasentangeS hindurch. Sie ist nicht schön, die kleine Krabbe- Doch mir ist sie lieb. Geduldig wartet sie, im Sande eingegräben, auf das Meer, das fern von ihr braust und tost. Sie weiß daß es wiederkommt, daß es sie in seine gewaltigen Arme nimmt und in di« Ferne führt. Sie weiß es so sicher, daß sie wartet, stundenlang— tvahrend der Blasentang gluckst und vertrocknet. Mario Walter. — 8— Als ich Sekretär eines Senators war. Bon Mark Twain. Ich bin nicht m«hr Sekretär eines Senators. Ich habe das Amt zwei Monate lang Wohl versehen, aber es ging nicht mehr, als sich di« Folgen meiner Tätigkeit fühlbar machten. Und da dachte ich mir denn, eS wär« besser, um mein« Entlassung anzufuchen. Di« Sache trug sich folgendermaßen zu: mein Vorgesetzter berief mich eines Morgens zu sehr früher Stund« zu sich. Als ich damit fertig war, heimlich einige gute Witze in seine große Bndgetrede einzuslechten, erschien ich bei ihm. Sein« Krawatte war nicht gebunden, sein Haar in Unordnung: er schien mit Mühe«in« starke innere Erregung zu verbergen. In seiner Hand hielt er«inen Stoß Brief«, so daß ich überzeugt war, di« Pazifikpvst sei angekommen. „Ich glaubt«, Sie wären vertrauenswürdig", sagte er zu mir. „Ich bi» ganz Ihrer Meinung." „Ich habe Ihnen einen Brirf von einigen »reiner Wähler im Staat« Nevada übergeben, in dem die Errichtung eines Postamtes in Bald- Wins Ranch verlangt wurde. Ich hab« Sie gebeten, so geschickt als möglich zu antworten, um di« Leut« zu überzeugen, daß dieses Postamt nicht unumgänglich notwendig sei." Ich fühlte mich schon behaglicher und antwortete: i„Und das habe ich getan." s„Ah?... Und wie gut getan! Ich lverde Ihnen Ihr« Antwort vorlesen: Washington, am 24. 11. "An die Herren Smith, Jones., usw. Meine Herren! I Mas, zum Teufel, wollep Sie mit einem Postamt in Baldwins Ranch? Wozu soll das gut sein? Wenn dort unten Brief« ankommcn, daun könnt Ihr sie nicht lesen; übechies würden Geld- briefe, die bei Euch pafsierem keine Aussicht haben, ihren Bestimmungsort fju erreichen. Nick» wir hätten nur«ine Menge Unannedmlichkeiten davon! Es hat gar keinen Witz, fich rin Postamt in den Kopf zu setzen. Ich bin überzeugt, daß es Irrsinn wär«. Wißt Ihr, was Ihr braucht? Ein gutes Gefängnis, groß und sicher, und eine Volksschule. Davon könnt Ihr alle profitieren, das fehlt Euch zu Eurem Glück. Ich werde im Senat einen entsprechenden Antrag einbvingcn. Ergebenst Eu«r Mark Twain, für Senator James W. N. . Das war Ihre Antwort!... Di« Leute schreiben mir, daß sie mich hängen werden, wenn sch meinen Fuß noch einmal in ihr Territorium setze. Und ich bin überzeugt, daß sie es tun möchten," „Meiner Treu, Herr Senator, ich habe an so etwas nie gedacht. Ich wollte di« Leut« nur überzeugen." „Sie haben Sie ja auch überzeugt, wahrhaftig! Und jetzt«in andr«S Beispiel. Ich hab« Ihnen«in Gesuch Von verschiedenen Leuten übergeben, die verlangten, ich möge die Methodistensekte von Zlevada unter die stattlich anerkannten Religionen einreihen lassen. Ich habe Sie gebeten, zu antworten, daß ein derartiger Vorschlag darauf hinauslausen würde, die Staatsgrundgesetze aufzuheben... Und was haben Sie geschrieben? Washington, 24. 11. Herren Reverend Halifax und Genossen! Meine Herren! Wenden Sie sich mit Ihrer Spekulation an den Staatsrat. Der Kongreß interessiert sich nicht für Religionssachen. Aber Ihr braucht Euch nicht zu beeildn. Euer Entwurf' ist lächerlich. Eure geistlichen Schäslein find zu arm im Geiste. Lassen Sie Ihren Vorschlag fallen. Sie werden kein Glück damit haben. Das ist meiir« Ansicht. Ihr schließt Euer Gesuch mit den Worten:„Wir werden ewig beten". Meiner Ansicht nach habt Ihr das auch sehr notwendig. - Ergebenst Euer Mark Twain. Dieser geistvoll« Brief wird mich in den Augen meiner denkenden Wähler vollkommen umbringen. Aber um mein« politische Ermordung vollständig zu machen, hat es mein Unglück gewollt, daß ich Ihnen auch dieses Memorandum der Gemeinderät« von San Franzisko überantworte. Sie haben verlangt ,daß der Kongreß die Rechte der Stadt auf das Gelände am Meevufer anerkenne. Ich habe Sie gebeten, ihnen einen doppelsinnigen Brief zu schreiben, einen Brief, der jode Anspielung auf das in Frage kommend« Gelände vermeidet. Hören Sie Ihr«-Antwort: Washington, 27. 11. Plein« Herren! George Washington, der verehrungswürdige Vater unseres Volkes, ist tot. Sein« fabelhafte Laufbahn ist für immer zu Ende. Er ist am 14. Dezember 1799 verschieden. Und da kommen Sie jetzt mit dem Ustrgelände? Was ist der Ruhm? Eine Zufallssach«... Sir Isaac Newton sah einen Apfel fallen. Die Entdeckung an sich war banal, aber seine Eltern, die ausgezeichnete Verbindungen hatten, machten ein Geschrei damit, und Isaac Newton war, im Augenblick fast, ein berühmter Mann. Erinnern Sie sich daran! Berehrungswürdige Fossilien!.^ Schreibet mir bald wieder. Nichts ist der Gesundheit zuträglicher als eine- freundschaftliche Korrespondenz. Wir werden■ immer glücklich sein, Euer Zwitschern anzuhören. Ergebenst Euer- Mark Twain. „Ihr Brief ist verhängnisvoll!" ,Derr Senator, ich bcdaure sehr, aber mir scheint der Brief dieser verdammten Geländefrage geschickt auszuweichen." „Schauen Sie, daß Sie hinauskommen. Meine Geduld ist zu Ende. Diese Unglücklichen werden mir das nie verzeihen. Schauen Sie, daß Sie hinauskommen! Und daß ich Sie nie wieder- sehe!.. Ich betrachtete diese Worte als eine vetfteckt« Anspiegelung darauf, daß er meine Dienst« nicht mehr notwendig habe. Ich dränge mich niemand auf. Ich bat um meine Entlastung. Ich werde ni« wieder Sekretär eine# Senators werden. Man kann es diesen Leuten nie recht machen. Sie verstehen nichts und wissen di« Arbeit, die man mir ihnen hat, nicht zu würdigen. (Berechtigt« U«berfetzung von Joseph Kalman). Sehnsucht. Ich fitz« wenige Meter über dem tiefblauen Meer auf einem sandigen Fleck der Erd«, der von zähem Schnialgras überwachsen ist. Zwischen den steifen gelbgrünen Halmen und buntkarbigen Labiaten blüht verschämt gelber saftiger Hornklee. Rur wenig heben die Blumen ihre Köpflein empor. Der scharfe Seewind läßt sie nicht größer werden. Frisch streicht er über das Land und über das Meer. Am Strande brechen sich die mächtigen Wcllen. Es ist die Zeit der Flut. Langsam und groß kommen fie angesahren, mit weißem Schaum auf dem langen Kamm. Sie werden noch größer, sie überschlagen fich und verflachen am Ufer. Der Gischt hat fich aufgelöst in Hundert« von kleinen«weißkn Tropfen, di« auf dem nun ruhigen Wasser glänzen Endlos weit ist der Bogen, wo der Hiornrel inS Meer versinkt- Verträumt lächelt er seinem in tiefes Blau getauchten Spiegelbild« zu. Schwarz ragen kleine felsige Inseln au8 dem Wasser empor. Klar heben sich die Umriss« des Fort national vom Hintergrund« ab. ES wird von einem schmalen violetten. Streifen Wassers umsäumt. Silbern glänzt das Sonnenlicht auf dem Meere. ES beschenkt di« vielen kleinen Welle» mit einem leuchtenden Kleide, das mitten auS dem Blau aufblltzt. Ich sinne und lausche der Stimme des Meeres, die da so weich und oft so gewaltig ist« In mir ist ein Sehnen nach Weit« und Freiheit,, nach jenem Bogen, wo Himmel und Meer fich küssen. Ob auch mein« Seele ihren Flug i» weitem Bogen nehmen kann Maria Walter« RockefeNers neuestes Lebens- Rezept. Der alte John D. Rockefeller, deut höchstens Ford den Namen des reichsten Manne« der Welt streitig machen kann, ist jetzt 87 Jahre alt und erfreut fich noch guter Gesundheit. Man möchte glauben, daß ein Mann mit so unbegrenzten Mitteln sich von den berühmteste» Aerzten der Welt die neuesten MittÄ der Ä- bensverlängernng verordnen lassen könnte. Aber der schlaue„John D." gibt nicht sehr viel auf/ Aerzte, sondern begnügt sich mit einer Leben«- regel, die er seit langem befolgt. Wie er kürzlich- mitteilt«, sind die hygienischen Gebote, denen er sich unterwirft, die folgenden: Aergere dich nicht; nimm nicht zu; trinke täglich drei Liter Wasser; mache regelmäßig körperliche Hebungen und sorge beim Schlafen für frische Lust. Der Wert dieser Lebensregeln wird übrigens vön Hervorvagenden Medizinern anerkannt, den» man glaubt, daß die Zuführung von Wasser die Gewebe des Körper« veinigt, daß frische Lust daS Wichtigste für die Lungen ist und nichts di»< Tätigkeit der Muskeln so anrogt, wie körper-- liche Uäbungen. Aber ob wohl zu einem lange», und gesunden Leben nicht doch etwas gehört, wovon et'va die ArbettÄosen was z»l sagens /wüßten? Der Weg zur Vollkommenheit und zu jodem Fortschritt ist fortwährende Selbstkritik. Böcklin. * Was gemein ist in der menschlichrn Nature bringt der AlkoholismuS-zur vollen Entwicklung, dar Edle in ihr zerstört er. Keir Hardie. $ Glanbt ihr, man könne kosten vom Gemeinen?—»' Man muß es hassen oder ihm fich einen! Grillparzer, i Wer keinen Fußtritt spüren will im Rücken, muß sich nicht bücken. Hevse. * j Lüg«, mag siegen, aber die Triumphe der Lüge find bloß die Triumphe eines Tages.> Macanlay- J Menschen,menschlich! Dieses ist eure erste Verpflichtung. Rousseau./ QIHerlet. cuttertet Hausrezepte ö Heiteres Kren.woririiljei. j. suche, eine Narkose ohne Anwendung von chemischen Mitteln durch den elektrischen Strom herbeizuführen. Man verwendet hiezu einen Strom mit ungeheuer raschen Wechselzahlen (Laduescher Strom), welcher, ins Gehirn geleitet, eine schnelle Narkose ergibt Wahrscheinlich leidet durch diesen elektrischen Vorgang auch die Sauerstoffversorgung oder eS wird möglicherweise der ganze elektrische Apparat deS GchirnS mit feinen schwachen Strömen durch diesen vibrierenden Wechselstrom gestört ''s'> Juyaltreich. Sveruigerobe, Tunichtgut,Lastwageu,Wasser-- mann, Irma, Sargdeckel, Blumeudufte, Durst, Ntetnagel, Lichter.— Jedem dieser Wörter entnehme man drei anfeinanderfolgende Buchstaben, Richtig gefmrden und aneinander gereiht, ergehen diese ein Sprichwor'.'.^(ch gilt a"s ei« Buchstabe.) Bei Erkältungen Hot sich folgendes Hausmittel bewährt: den Saft eines schwarzen Rettichs, mit Kandiszucker gemischt und löffelweise eingenommen. Möbelbezüge reinigt mau auf folgende Weise: Zunächst werden die Möbel gründlich geklopft und"gebürstet, danach strichweise mit einer Bürste bearbeitet, die man in warmes Seiseu- jvasfer,' dem etwas Salmiakgeist beigemischt ist, taucht: zuletzt tverdru sie mit einem trockenen, sanbereu Tuche gründtich trocken-geriebene•- i Beim Gemüsekochen füge man das Salz erst hinzn, wenn das Gemüse fast gar ist, da es sonst die wertvollen im Gemüse enthaltenen Salze unwirksam macht. Rostflecke lasten sich entkernen, indem man einen Teelöffel Mchsalz in einem Löffel Ziiro neu saft auslöst: das schütter man in ein Wasserglas voll kochendes Wasser und reibt mit dieser Mischung den Fleck, bis'er verschwindet.' Rilchkrüge und Milchkannen sollten wenigstens einmal die Woche mit Salz ausgescheuert inerten. Ei« gutes Desinfektionsmittel ist brennender Kampfer. Weinslecke aus Tischtüchenr lassen sich entser- -reu, indem man beit Meck in kochende Milch Auslösungen der Rätsel aus der vorigen Rümmer: Magisches Kreuzworträtsel: Heia, Base, Leim,- Säge, Esei. Wagrecht.:.1. Haussier; 6. selten; 7. Fluß in Asien;- t>. Anruf; 10. Merkzeichen; 12. Bau-' werk; 15. englische An- •efec; 17. Flächenmaß; 19. italienische Note; 20. Brr- ueinimg; 22.' Frauenname.— Senkrecht: 2. Anssterbende Rinderart; 3i nicht tveil; 1. Zahl; 8. Stadt in Italien; 8. Erfrischung; 1l. Schicksal; 18. russische Dorf yemeinschaft; 14. Teil des des Waldes; 18. Stadt in Geheimnisse. Sir:„Sie erzählte mir, daß dn ihr-das Geheimnis verraten hast, das dn ihr nicht erzählen solltest," Er: ,,Unerhört. Ich sage ihr, sie'sollte es dir. Nicht sage», daß ich es ihr gesagt habe." Sie: ,Jch versprach ihr, ich würde es dir nicht sagen, daß sie es mir gesagt hat. Ach, bitte, sage ihr nicht, d,-ß ich.es dir doch gejagt habe." Ach so! A.: Neulich traf ich einen 40 Jahre alte» Engländer, der feit seiner Geburt in England war und kein Wort englisch sprechen tonnte."..— B:„Nauu, nicht möglich!"— A.: „Doch, er war taubstumm." Schottische Schwänke. Ein Arzt. hat dielGe- wohnhelt, für die erste Koujulalion fünf und jur die. zweite. drei Schillings zu nehmen.. Infolgedessen begibt sich Bill zu dem Arzt und sagt: ,/Dä bin ich wieder."'.„Aber ich chgb: Sie -doch, glaube ich, noch gar mcht gesehen?^-— .Doch, ich wgr vorige Woche da.".'..." Nmr. wird Bill vom Arzt unierjuchr, der natürlich ' gemerkt hat, daß Bill bloß zwei Schillings sparen' will.—„Fahren Sie mit der tu der vorigen Woche angegebenen Behandlung fort.", sag!- Arzt.„Drei Schilling, bitte." Gallischer Humor.„Gestern habe ich meiner Frau geplaudert, und da habe ich nur ein Wort gesagt, das sie verstimmt hat— und, denken Sie, den ganzen Tag hat sie feine Silbe mit mir gesprochett!"„O, lieber Freund, ich beschwöre Sie, rasch, rasch! Sage» Sie mir dieses Wort!" Orientalische Höjlichkeit. Ter Bizrröuig von Indien hatte einmal den Bestech eines Herrn erhalten, dessen Jagdleidenschaft im umgekehrten Verhältnis zu seiner- Tvefssicherheit stand. Alder Gast auf die Bogeljagd ging, vertraute'hu der Lizekönig einem getreuen Diener an- Ruch der Rückkehr fragte er den Diener:„Run, wie gings?" Worauf dieser mit dem ernstesten. Gesicht der Welt erwiderte: gezeichneter Schübe, der armen Bögelchen. Kurtchen erzählt den Elker» die- neuesten Kenntnisse aus der Religionsstunde, tvi<, JonaS vom Walfisch verschluckt und nach. einiger Zelt wieder ausgespien wurde und glücklich heimge, langte. Papa ist nach dieser Erzählung sehr nachdenklich geworden, so daß Mama nach der; Ursache fragt..„Ja, weißt du, ich kann nur gar nicht beulen, wie er seiner Frau dir Geschichte hat glaubhaft machen können, als sie gefragt haben wird, wo er so.lange war." Tröstung. Städler auf denk Lande(schreit „Au!"— ein Sperling ließ ihm ivas ins Augfallen).— Wirtin(lächelnd):„Was täten Sie, wenn die Kühe Flügel hätten?" Der siebenjährige kleine Walter erklärt seiner Mutccr hei a:en wollte er wcu>!, aber aus keinen Fall Kinder bekommen.„Ami," beruhigte ihn die Muter,„wenn du kcstw haben willst, wirst du auch keine bekommen." Walter macht ein sehr skeptisches Gesicht und sagt schließlich noch längerem Urterlegen:„Ra, und wenn stc .dann heimlich brütet?" Silbenrätsel: 1. Virchow, 2. Ilmenau, 3. Emden, 4. Liebeslied,- 5. Ehe, 6. Wunder, 7. Urlaub, 8. Rausitaa, 9. Donner, 10. Emilio, 11. Römer, 12. Fettfleck, 14. Uebevsee, 11. Lorelei, iä. Lninpenman», 16. Esse, 17. Raxe», 18. Diana, 19 Mel, 20. Nuntius 81. Ede wild. Rechenfolge, 28. Daimler, 24. Krim»kram, Lil. Rebe, 26. Eden, 27. Ines, 28. Sandwich- Biele Wunder füllen den Erdenkreis; Wunderbarer keines als der Mensch. Das Jahr 1927 ist ein Gemein fahr mit 865 Tagen. ES entspricht dem Jahr 6640 der Julianischen Periode, dem Jahr 7185—74L8 der Byzantinischen Aera, dem Jahr 1345—1346 der Mohammedaner und dem Jahr 5687—5688 der Juden. Nach bürgerlichen Begriffen beginnt das neue Jahr in der Silvesternacht um 12 Uhr. Die Tageszeiten der.verschiedenen Länder weichen freilich-bo.neinanver ganz' bedeutend- ob.--Ins: Deutschland rechnet man nach MktLleurtpäischer> Zeit. Ebenso in Oesterreich, in der Schweiz, in' Dänemark,'"Noru>egeu; Schweden, Luxmaburg,> Italien, Jngoslatvien, Ungarn und Pofen. Da. Westeuropäische Zeit aber geht eine Stunde nach gegen unsere Zeit. Sie gilt in Belgien^ Frankreich, Großbritannien und Irland, Porta- i gal, Spanien, Gibraltar, Algerien. Andere; Länder rechnen wieder noch anderen Zeiten, di« ost um mehrer« Stunden vonL'.nauaer ab-- weichen. Wir ersehen hieraus, daß die Ankunft 'des neuen Iahte» keineswegs ans dem ganze» Erdball zu gleicher Zeit gefeiert wirt. Die bürgerliche Festsetzung de» Jahresbeginnes ist begreiflicherweise für astronomische Zwecke nicht brauchbar. In der Astrononrfe legt uran nach ; Nessels. Borschlag den Jahresanfang auf den Moment, in dem die Sonne in ihrer scheiubareu. Bohn die Länge WO Grad erreicht hat. Dieser Augenblick ist natürlich der nämliche für die ganze Erde. Das astronomische Jahr 1927. beginnt ungefähr am 1. Januar vormittags 10, Uhr. Da» Jahr 1927 chringt uns drei Sonnen-. fiuflernisse und zwei Möndfinfternisse': Die' ringsörnrige.Sonnenfinsternis am 8. Januar,' die fast nur auf der Südhalbkugel zu sehen ist; Hie totale Moudfuisternis am 15. Juni(bei uns nicht sichtbar); dse totale Sonnenfinsternis am 29. Juni, bei uns als partielle Finsternis sicht-' bar, die totale Mondfinsternis am 8. Dezember und die auf einem Teil der Sudhalbkügel zu sehende partielleSmmenfinsternis am 24. Dezember.--7 Am 10. November erfolgt ein M:r- kurturchgang vor der Sonnenscheibe, der bei uns teilweise sichtbar ist. Wir schlafe« zu wenig. Der englische Arzt Sir Robert Armstrong erklärte in einem Bortrag in der Londoner Medizinischen Gesellschaft, daß die Menschen sich angewöhnt haben, zu wenig zu schlafen. Er knüpfte an die alte Regel an:„Acht Stunden für einen Mann, neun, für eine Frau, zehn für einen Verrückten"; selbst hiefe Regel, die heute fast von niema-ch mehr ekngehalteu würde, sei noch ungenügend. Rach tstiue» Untersuchungen seien selbst für einen er-' wechselten Mann zehn Stunde» Schlaf weitaus das Gesündeste. Das Geheimnis der Narkose. Warum wirken där narkotischen Mittel betäubend? Diese Frage Hst schon alle möglichen Deutungen erfahren. Es scheint nunmehr festzustehen, daß die utrrko- ttsierenden Swffe, wie Chloroform, Aether njw. eine größere chemische Verwandtschaft zu den Gehirnzellen haben al» der Sauerstoff, der das Lebensrlement der Zellen des Körpers bildet. Diese Rarkotika halten, da sie sich selbst mit der Substanz der Zellen verbinden, den Sauerstoff vo» denselben ab und ersticke» also in gewissem Sinne die. Gchirnzellen. Ohne Sauerstoff ist keine«osiiere Arbeit res Gehirnapparates möglich, deshalb die schnelle Betäubung«rach Einatmung des Rartotikunts. Damit erklärt sich auch die Tatsache, daß nach einer Narkose die Zufuhr reines« Sauerstoffes die Ersthetnungeu gewöhnlich schnell beseitigt, weil die erwachenden Zellen gierig das belebende Element an sich reißen und fstmn chre Funktionen wieder aufnehmen. In h« letzte« Zeit häufen sich übrigens die Brr- Zimnurs; 16. Tier Südamerika; 21. Fürwort „Der Herr ist einaus aber Gott erbrrmle iich "1" A' ■ u 1 " M "■i’ 5 «O .7| 18 U 2°| “ I! - ü