Ar. 108. AbmnumM«-Kedingunze«: Abonnement»-Preti pränumerando: Alirteljährl. SL0 Ml., monatl. l.iaMl., wöchentlich 28 Plg. sret in» Hau». Einzelne Nummer S Plg. Sonntag». Nummer mit tllustrirter Sonntag». Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung». Preisliste für 1897 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die sechSgefpaltene»olonel- zelte oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und BersammlungS-Anzeigen, sowie«rbettsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werden. Tie Erpedilion ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Srschelnl täglich»uffer Wonlag«. Devlinev Volksblatk. Fernsprecher: Smk I, Hr. 1308. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Striin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Bed.lktion: 8V. 19, Ueuly-Straße 2. Dienstag, den II. Mai 1897. Kicpedltion: SW. 19, Mettty-Struße S. Guittung. Im Monat April sind bei dein Unterzeichneten folgende Pcutribeituige eingcgaiige»: Atlgsbllrg, U. 20,—. Achim, von den Genossen 30.—. Arn» ftadt, d. d. Kreisvertr. 20,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. Kr. 50,—. 2. Kr. 800,—. 3. Kr. 1330,—(darunter R. K.. Alexandrinenslr. 25,—, P. Ltfn. n. Rest 15,—). 4. Kr., Süd oft 1000,—(darunter Sorgenfrei 5,—, Ueberschnß Kranzspende Beer- uian» 40,70, Vergolder Muskauerstraße 6,—, Filiale III Berlin 3,—, Ecke S.-O. 200,—). 6. Kreis Moabit 200,—(darunter Sangesbrnder Moabit 30,—). 6. Kreis Rosenlhnler Vorstadl itnd Gesundbrunnen 500,—. 6. Kreis Schönhauser Voritadl 550,—(darnnler Fußparlie„Vorwärts", Auktion einer Kornblume 14.—, Werkstatt iltoscnfeld, Kastanien-Allee, 1. Mai 9,80, Kapelle Benfeld ges. 1. Mai 9,—). ö. Kreis Wedding und Oranienburger Vorstadt 750,—(darunter von G. Eichler 6,—). Berlin, diverse Beiträge: M. B. 75,—. I B. 25,-. M. W. 3.-. L. u. H. B. 5.-. Die rolhe» Buchbinder Grünstraße 5,—. Dr. L. A. 150,—. Von den Mitgl. d. Bnchdrncker-Verbandes i.„Vorwärts" 300,—. Saxon 3,— W. M., Bergstr. 10 und der kl. Uhrmacher 3.—. Gesammelt bei K. Birken str. 50 2,50. Trauerklöße, welche am 1. Mai arbeiten mußten, 12,20. Gcsainnielt Köpnickersilaße 5,50. Mitgl. der U.- Dr. 5,45. Bamberg, Jücklein Nohrbach 5,—. Bischofswerda und Otiendorf. ges. bei"der Maifeier durch P. S. 3,50. Crefeld 10,—. Crefeld. Geburtstag 2,21. Cotlbns S. 10,—. Charloilenbnrg, Uebersch. der Kranzspende am 18. März v. d. Arbeitern d. Firma Siemens u. Halske 03,70. Charlottenbnrg, N W. L. S. u. H. 2,05 Döbeln, Noinanus 15,30. Döbeln, Dr.? 60,—. Düsseldorf, d. d. Vertranensmann 100,—. Erfurt 200,—. Eisdors-Häßlicht, mehrere Genossen 1,70. Fürsten- ivalde a. Spree, von d. Genossen 25.—. Falkenberg(Oberschl.) 2,-. Freiburg i. B., zurückgezogener Genosse 2,—. Frankenhausen am Kysfh., von den Genossen 25,—. Greiz und Umgegend 50,—. Gera(Reuß), letzier Wille 100.—. Gießen E. K. 5,—. Grabow a. O. 10,—. Genf, Deutscher 70,—. Hamburg, 2. Kr. C. Tin. 10,—. tastedt b. Bremen 10,—. Hamburg, H. F. 50,—. Hamburg, . K. 50,—. Hamburg, N. N. 50,—. Leipzig, alte Garde, Morgen- röthe Westviertel 20,—. Leipzig, rolhe Oster- Kindtause 1,—. Leipzig-Liudenau, Maler v. Heidelmann's Bau Schleußig. d. N. K u. 21. St. 4,—. Lengenfeld i. V., von de» Genossen am 1. Mai ge- sammelt 0,—. München, Waldläufer 5,—. Marburg a. L., ein Einsamer 20,—. Mülheim a. R., Pest- Besessene 7,30. München, von den Genossen des Gärtner- Platz- Viertels 40,—. Meerane 10,—. Nürnberg, von 3 bayerischen Rekruten, anstatt verzecht, gesammelt für Freiheit und Recht 4,—. Nürnberg 300,—. Nordische Wasserkante 20 000,—, Nordhansen, durch den Vertreter 5,—. Nürnberg, fürs Recht gesammelt 5.—. Osthavelland. Wahlkreis 100,—. Obcrlangenbielnu, von den 2lrbeilertt ans dem Eulengebirge 100,—. Offenblirg i. B. „Volksfrennd" 8,—. Ober-Oerlinghansen, von den Genossen 20.—. Pfälzer, zwei, Augen links? 4—, Plaue» i. V. 20,—. Penig i. S. 10,—. Quedlinburg, durch 21. Tr. 25,—. Regensburg, von den Parteigenossen 10,—. R-mscheid, ein Rother 1,10. Remscheid, ein vaterlandsloser Geselle 1,—. Rawitsch 20.—. Stuttgart, Ullrich 10,—. Schweidnitz, von den Genossen 10,—. Suhl i. Th., durch O. H. 30,—. Tegel, Partie am Charfreitag, gesammelt bei Benler 3,05.„Vorwärts" 1. Quartal 1897 8021,10. Württemberg 50,—. Westsalen 300,—. H a in b u r g- E i m s b ü t t e l, den 8. Mai 1897. Für den geschäflsführenden Ausschuß: 21. G e r i sch, Eichenstr. 4. Aus Eniglunv. (Die Haftpflichtgfsetz-Vorlage der konservaliven Regierung. 2lblehnllng des Achlstundengesetzes für die Bergarbeiter.) London, den 6. Mai. Endlich hat die konservativ-unionistische Regierung, nachdem sie für Landlord und Pfarrer das Scbäschen ins Trockene gebracht hat, ein Stück der vor den 1895« Wahlen versprochenen sozialpolitischen Reformen zur Welt gefördert. Vorigen Montag brachte der Staats- sekrelär des Innern, Sir Matthew White Ridley, die Vorlage zu einem neuen Haftpflichtgesetz ein, das mit den Mängeln des beliehen- den Hailpflichlgesetzes gründlich ailfräume» soll. Es ist die Ausführung eines Versprechens, das namentlich Herr Chamberlain bei den ver> schiedeuilichste» Gelegenheiten beton! bat, und der letztgenannte ist auch als der geistige Vater der Vorlage zu betrachten. I» der Debatte übernahm er ihre Vertheidignng mit all der Vehemenz und Schärfe, für die er bekannt ist. Daß die Vorlage ein« Verbesserung gegen da? bestehende Haft« pflichl-Gesetz ist, ist von vornherein zuzugeben. Ueber dessen Reform- bedürfligkeil herrscht in ganz England nur eine Stiinme. Seit mehr als zehn Jahre» wird im Parlament darüber debattirt, ohne daß bisher eine Einigung erzielt worden wäre. Das vorletzte Ministerium Salisbury brachte 1388 eine Vnbesserungsbill«in, zog sie aber wieder zurück, als die Gewerkschaftssührer im Parlament sie für unannehuibar erklärten. 1393 brachte die liberale Regierung ihrerseits eine Bill ein, die den Beifall der Gewerkschaftler halte, ja, in Wirklichkeit nur die gesetzgeberische Formulirung der aus den Gewerkschaflskongresse» ausgestellte» Forderungen war; da aber das Haus der Lords sich weigerte, seine Zustimmung zu geben, wenn es de» Unternehmern nicht gestattet würde, sich durch Separat- Kontrakte mit ihren 2lrbeilern außerhalb des Gesetzes zu stelle», ward im Eiiiverständniß mit den Geweilschafts- vertretern auch diese Vorlage zurückgezogen. Welches das schließliche Schicksal der jetzigen Borlage sein wird, muß »och abgewartet werde»; da auch sie die Separatkontrakte unter gewissen Bedingniige» erlaubt, wird sie von feiten der 2Irbeiter- Vertreter voraussichtlich starke Opposition erfahren. Wozu übrigens auch andere ihrer Bestimmungen 2lnlaß geben. Ihr Vorzug desteht darin, daß sie dem 2lrbeiter für alle Unfälle, die ihm bei der Arbeit für einen Unternehmer zustoße», das Recht auf Entschädigung znerkennt, dieses Recht von allen Prozessire. reie» über Schuld oder Nichtschuld unabhängig macht, 2lber— und nun komiiit der erste Mangel— sie gilt nicht für alle ge, verblich thälige» Arbeiter, sondern nur für 2lrbeiler in Fabriken, Bergwerken, Steinbrüche», Eisenbahnbetrieben nnd sonstigen, mitHilfe von Maschinen betriebenen Unternehmungeu. Die Landardeiter, die Bauarbeiter, die 2lrbeiter iu Kleinbetriebe» sind ausgenomnie», sie müssen sehe», >vie sie auf grnnd der bestehenden Gesetze und der Gnade ihrer Prinzipale zu ihrem Recht konunen.(Für die Seeleute, die auch ausgenommen sind, ist«in Extra-Gesetz in Aussicht gestellt.) Zweitens setzt die Vorlage eine viel zu niedrige Grenze für die Entschädigungsansprüche fest. Sechstausend Mark soll das Maxi»»»» nnd dreilausend Mark das Mininnnn der Summe sein, die an die Hinterbliebenen eines durch Unfall »n Betrieb ums Leben gekonunenen 2lrbeiters zu zahlen ist. Und hiervon sollen noch die etwa vor dem Eintritt des Todes in Form von wöchentlichen Unfallrenteu be- zahlten Beträge abgezogen werden dürfen! Innerhalb der so ge- steckte» Grenzen soll das 2Icqiiivnle»t für drei Jahre des znletzl erhaltenen Lohnes die den Hinterbliebenen zu zahlende Entschädigiing bilden. Für Unfälle, die zu vorübergehender oder dauernder 2Irbeils Unfähigkeit führen, soll während der Daner der Unfähigkeit eine Rente gezahlt werden, die 50 pCt. des zuletzt gezahlten Lohnes oder 1 Pslind pro Woche nicht übersteigt, ebensalls ein viel zu niedrig gestecktes Maximum. Die so normirte Haftpflicht ist i n d i v i d u e l l, sie ruht beim Einzelunternehmer, resp. der einzelnen Unternehnierfirnia. Ob diese sich versichern, ist ihre eigene Sache. 2llif diese Weise wird mancher entschädigiingsberechligte Arbeiter in die Lage kommen, eines Tages seine Unfallrente auf dem Mond zu suchen. Für den Fall von Meinungsverschiedenheiten zwischen Unter- nehmer und 2lrbeiter, resp. dessen Erben, über die Höhe der Eni- schädigtuig ist ein Schlichtungsverfahren vorgesehen, das ziemlich einfach ist und dessen Kosten, soweit der Schiedsrichter in betrachl kommt, der Staat übernimmt, bei dem aber, ivenn der Unternehmer es will, die endgiltige Entscheidung einem der besitzenden Klasse an- gehörenden Richter oder Vertreter desselben zufällt. Die Entschndigungsberechtigung lrilt erst nach einer Wartefrist ein, die aber sehr viel kürzer ist, als die detitsche, nämlich zwei Wochen. Nach alledem wird man gestehen müssen, daß Herr Chamberlain sich eine Hyperbel erlaubte, wenn er die den Arbeitern durch die Vorlage gebotenen Zngeftändnisse als„nahezu übertrieben freigebig" bezeichnete. Ebenso trifft es nur zum theil zu, daß sie im Gegensatz zur 2lsq>iith'schen Bill die kostspielige Prozessirerei vor den Gerichten niinölhig macht. Wo Schuld oder schuldbare Vernachlässiguiig des Unternehmers oder dessen Perlreleis im Betrieb vorliegt, bleiben die Hasransprüche in kraft, die das bestehende Gesetz den Ver- »»gluckten in diesem Falle zuerkennt, und da diese höher sind, hätte der 2trbcilir gegebenenfalls sich gerichtlich das Recht auf sie zu erkämpfe». Bestenjalts kann man von der Vorlage sagen, daß sie innerhalb der von ihr gezogenen Grenzen einen Schrill in der rechten Richtung darstellt. Diese» Schritt aber sollen die 2lrbtiter um de» Preis der Sanktionirnng der Separatverlräge erkausen. Die Vorlage erlaubt allerdings nur solche Verträge, die den 2lrbeiler» mindestens die gleichen Vortheile bieten wie die in ihr vorbedungenen, aber damit trifft sie nur einen der Punkte. wegen deren die organisirten 2lrbeiter dieselben bekämpfen. Die Separatverträge, um die es sich hier handelt, sind stets mit dem Beitritt z» Betriebskassen verbunden, welche die 2lrbeiter von den Gewerkt chasten fernhalten sollen nnd gewöhnlich auch fernhalten. Wäre dies nicht der Fall, so würden die Gewerk- sctiafteii schiverlich 1893 lieber aus das damals eingebrachte Haft- pflichlgesetz verzichtet haben, als es mit der von den Lords eingefügten Klausel anzunehmen, die ebenfalls nur bestinimte Nebenkontrnkte anerkenne» wollte. Sie stehen al'o jetzt vor der Wahl, entweder ein Gesetz abzulehnen, das einen bestimmten Fortschritt markirt, oder aber eine Bedingnng mit iu de» Kauf z» nehmen, der sie bisher den schärssteii Widerstand entgegengesetzt habe». Bisher haben sich»och wenige Geweikschaslsführer und Sozialisten über das Gesetz geäußert,»nd die wenigen, die es gethan, haben sich nur über einzelne Punkte ausgelassen, aber nicht gesagt, welches ihre Hallung zum Gesetz als Ganzes sein ivird. Daß sie versuchen iverde», es in der Berathmig zu verbessern, ist selbstverständlich, fraglich dagegen, ob sie gegenüber der starken lliegieruugsmehrheit viel durchsetzen weide». Bejeichnend für die Sitnation im Parlament ist die 21b- stinnnung vom Mittwoch über de» 2lntrag ans Einführnng d es gesetzlichen Slchtstundentages für Bergarbeiter. Im vorigen Parlament, wo die Liberalen die Mehrheit hatten, er- hielt er bei zwei 2lbsli>i»»ti»gen die Mehrheit, znletzl 281 gegen 193 Slintinen, wurde aber, nachdem in der Spezial- berathnng ein Autendrmeut angenommen worden war, das die Haltung des Gesetzes für die verschiedene» Berg- revier« von der Urabstimmung der betreffenden Arbeiter ab- hängig machte(die sogenannte„Locol Option"), von den Antrag- stellern zurückgezogen. Diesmal wurde schon die einfache zweite Lesung mit 227 gegen 136 Stimmen abgelehnt. Im übrigen zeigte die Debatte über den Antrag dasselbe Bild wie die früheren. John Wilson, Vertreter der Bergarbeiter von Durhain, sprach gegen die Bill, Woods und Pickard, die Berti eter der Förderatiousdistrtkte, für dieselbe. Haupt- 2l»lragsteller war diesmal ein liberaler Fabrikant, W. Allen, der auf seinen Werken de» Achtstnudentag eingeführt hat. Da die Gegner des 2lchtstiuidengesetzes in der Debatte immer wieder auf de» Weg der freie» Llklion als den einzig richtigen Weg zur Erlangung deS 2lchlstti»dentages verwiesen habe», gehen die Führer der Bergarbeiterföderation mit dem Gedanken um, den guten Rath zu befolgen und einen Feldzug zur Erlangung des 2tchtstr»ide»tages durch Geweikschaftsaktto» einzuleiten. So wenigstens habe» sie sich nach erfolgter 2lbstinim>l»g geäußert. Ob es Ernst ist oder nur ein Schreckschuß— denn diese Aktion würde kaum ohne großen Streik abgehen— wird die Zukuust zeigen. Vev Mvieig. Die griechische 2lrmee befestigt sich auf den Höhen von Domoko bis Almyro. Die Türke» drangen von Pharsala nnd Volo ans weiter vor gegen die griechische Stellung. Ihre Vortrnppe» sind bereits vor Domoko angelangt. Wen» nicht der slbschltiß eines Waffenstillstandes zuvor kommt, dürsten die Türke» n ä ch st e r T age schon zum erneuten Angriff vorgehen. Einem An- griff aber würde» die Grieche» kamn lauge widerstehe» können, sondern sie würde» sich in die Othrysberge znrückzieheu müssen. Oberst S in o l e n S k i steht noch in 2Ili»yro; wie verlanlet, i» voll- ständiger Ziampsbereitschaft. Ueber den Einzug der türkischen Truppen in Volo, welche am Sonnabend Vormittag flattsand, berichtet eine amtliche Kund- machung in Konstantinopel: Oberst Enver zog in Volo ein und machte im Regiernngs- gebäude kund, daß die Stadt unter türkische Verwaltung gestellt sei. Die Sicherheit der Bevölkerimg sei gewährleistet, aber Feindselig- leiten gegen türkische Truppen würden streng bestraft werde». Dies ivnrde durch die Notabeln zur Kenntniß der Bevölkerung gebracht. Die türkischen Truppen habe» den Sicherheitsdienst übernomnieii. Erbeutet ivnrde» 2250 Kisten Jnfanterie-Munilion, 22 Mituitions- wagen, 6 leere Festungsgeschütz-Lafetle», 7 Trainwagen, 1 Mörser, 445 Kiste» Geschützintmition, 70 Kiste» Geschützgeschosse und 1465 Hartgeschosse. Edbem Pascha ersucht, unverzüglich Zollbeamte »ach Volo zu schicken, um den Handelsverkehr aufrecht zu er- halten. 2lus dem e p i r o t i s ch e n Kriegsschauplätze haben die Türke» ihre Truppen durch eine dritte Division unter dem Oberbesehl Saret-Eddin Paschas verstärkt und wollen wieder zur Offensive vor- gehe». Von griechischer Seite wird ihnen bald Oberst V a s s o L entgegentreten, der über 2lthen nach Arta nnterwegs ist. Von weit größerer Wichtigkeit als diese kriegerischen Vorgänge ist gegenwärtig die Entwickelung der diploni»tische» Ver- handliingen behufs Friedensschlttß oder weiiigstens Waffcn- stillstand. Einen Waffenstillstand zu geivähren, dürfte die Türkei kaum geneigt sein, ivenn nicht zuvor schon die Grnnd- bediugungen des Friedens festgelegt sind, lieber den Grad des Entgegenkoinnieus Griechenlands gegenüber den Bedingiiiigen der enropäische» Mächte, besteht noch immer keinerlei Klarheit. Eine Meldung der„2lgence Havas" besagt, die griechische Regie- rnng habe die Mächte ersucht, ihre Geschwader-Chess anzuweisen, daß sie de» griechischen Kriegsschiffen gestalten, die v o n Kreta abberufenen Truppen an Bord zu nehmen. Ist diese Meldung richtig, so hätte Griechenland bereits in der schwierigste» Frage klein beigegebe». Die Begründung, daß die Truppen zur Verlheidignng Thessaliens sofort ltöthig wäre», wäre dabei gleichgiltig. 2i»derseils soll der Minister des 2leußern Skutudis sich dahin ausgesprocheu haben, er glaube vorauszusehen, daß sich die Friedens- Verhandlungen sehr schwierig gestalten ivürden. Nach einer Wiener Meldung des Herold- Bureaus fei innn in 2llhe» immer noch nicht zum Fri'edeiisschlitß geneigt. Man schiebt Deutschland die Schuld dafür zu, daß die Mächte Griechenland zu harte Bedingungen für einen eventuellen Friedensschluß vorgeschrieben. Zwischen dem König und den Gesandten der Mächt« findet ei» lebhafter Verkehr statt. Die Mächte sollen angeblich verlangen, daß Griechenland sein Schicksal ihnen vollständig anvertraut. 2liich in Konstantinopel habe» nunmehr die Botschafter der Mächte Vermittlniigsversuche eingeleitet. Jrgendwelch« näheren Umstände über diese Verhandlungen sind jedoch bisher nicht bekannt geworden.----_ politische Mebevfichk. Berlin, 10. Mai. Das pmistische Abgeordnetenhaus trat heute in die dritte Lesung des StaatsHausHalts-Etats. Bezeichnend für die hohe Wichtigkeit, welche die Abgeordneten selbst ihrem Amte beizulegen scheinen, ist die Thatsache, daß sich die Hcrreil in der Generaldebatte über ganz nebensächliche Fragen unterhielten, daß aber n jemand von ihnen den M u t h fand, die Regierung ernstlich über die wichtigste Frage, die augenblicklich das Volk bewegt, über den Stand der Verei nsgesetzgebting, zu interpclliren. Und dabei hatte das Hans doch Zeit genug, Wochen hindurch leeres Stroh zu dreschen! In bezug auf die B e a m t e n b e s o l d u n g e n gaben die Vertreter der einzelnen Parteien ähnliche Erklärungen ab, wie bei der ziveiteil Lesung; ein Antrag V i r ch o w(frs. 33p.), die Frage der Regelung der Honorarbezüge der Professoren vorläitfig aus dem Besoldungsplan ausznscheidetl und in der nächsten Sessioil ans grnnd sorgfältiger statistischer Angaben zu erledigen, wurde mit großer Mehrheit a b- gelehnt. Von Wichtigkeit ist die beim Etat des Handelsministeriums abgegebene Erklärung des Ministers Brefeld, daß der Bnndesrath sich mit der Fage der Abänderung der Bäckerei-Verordnung besch ästige nnd darüber Beschluß fassen werde; die Sache sei aber noch zu jung, unt heute schon ein abschließendes Urlheil fällen zu können. Beim Justiz etat erklärte Minister Schönstedt, daß dem Ministerium ein Gesetzentwurf betreffend den Schutz der B anhand« >v e r k e r vorliege; die reichsgesetzliche Regelung sei mit der Modifikation beabsichtigt. gewisse praktische Fragen der landesgesetzlichen Verordnung zu überlassen. Dies würde vor allem sür große VerkehrSzcntren, z. B. für Berlin, gelten. Morgen beabsichtigt Abg. R i ck e r t beim Etat de» Ministeriums des Innern das gesetzwidrige Verbot von V c r s a m m l n n g e n des Batterttvercttts„Nordost" durch den Landrath v. Pntlkamcr zur Sprache zu bringen. Außerdem steht die Seknudärbahn-Vorlage auf der Tages- ordnung. Die prenstische Vercinsgesctz-Novelle beschäftigt noch immer die Presse in hohem Maße. Die„Köln. Volkszeihmg", eines der maßgebenden Organe der Zentrnmspartei, schreibt: Was zunächst das Verbot der Theilnahine von Minderjährigen und Frauen a» politischen Versaniiulungen betrifft, so ließe sich das- selbe, wenn es vom Landlage ausgesprochen würde, nur schwer durch- führt«. Frauen betheiligen sich meist nur an solchen politischen Ver- saninilttngen, i» welchen gewerbliche Fragen verhandelt iverden, und es wird ivohl außer der„Krenz-Zeitniig" niemandem eiufallen, Franen von diesen Versainmlunge», in denen ihre eigene» 21>igelegeiit>eilen besprochen iverde», anszuschließen, niuii würde jn sonst das Versammlungsrecht für Arbeiterin!, ei ganz und gar illusorisch machen. Man wird einwenden. daß zwischen politischen und gewerbliche»Versammlungen unterschieden werden könne; eine solche Unterscheidung rst ober heutzutage, wo politische, Lohn- und gesundheitliche Fragen ineinander greise», k a n m m e h r möglich. Judessen die Frauen ließen sich noch eher ferne halten, als die erwachsenen männlichen Zlrbeiter, sofern dieselben noch minderjährig sind; jene erlennt die Polizei an der Kleidung, diesen aber kann man es nicht immer mit Sicherheit an- sehen, ob sie noch in der Minderjährigkeit stehen. Zweckmäßiger- weise müßte also eine Kontuolleversammlnug vorausgehe», wobei jeder seinen Geburtsschein und zugleich eine persönliche Le- g i t i m a t i o n vorzuweisen hätte; für eine Stadt wie Berlin müßte man dann einige tausend Schutzleute neu anstellen, um diese Kontrolle wirksam zu handhaben. Und wenn das alles aufs trefflichste gelänge, was wäre erreicht? Nichts. Man müßte den jungen Leuten auch das Zeitunglesen verbieten, denn was sie in den Versammlungen nicht hören sollten, können sie gedruckt bald nachher lesen. Ver- sammlnugen von„Umstnrzparteien" von vornherein verbieten oder die Auflösnngsbefugniß für die Polizei erweitern, ist ein Vorschlag, mit dem selbst ein konservativer Mann heutzutage nicht herausrücken sollte. Im Sinne der untergeordneten Organe, denen die Ueberwachung der Versammlungen obliegt, sind außer den Sozialdemokraten auch schon andere politische Rieh. t u u g e n zun, Umsturz gerechnet worden, und wenn einmal ein liberales Ministerium ans Ruder kommt, könnte dasselbe Schicksal dem Bund der Landwirt he und den Antisemiten blühen. Die„National- Zeitung" erinnert mit Recht an die Maßregelungen, denen der liberale Bauern verein N o r d o st in dem Lande der Puttkamer, in Pommern, in jüngster Zeit ausgesetzt war. Der Reichstag wird aus dem ganzen Vorgang die Lehre ziehen, der einzelstaatlichen Ge- fetzgebung in Zukunft nichts mehr zu überlassen, was er ohne besondere Mühe selbst besorgen kann und wir glauben auch, daß der Reichskanzler derartige Versprechungen nicht mehr machen ivird, so lange die Konservativen im Abgeordnetenhause das große Wort führen. �öffentlich wird vor allem die Zentrumspartei, deren schwächlichen Haltung bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches wir den ganzen Segen verdanken, die entsprechende Lehre aus diese» Vorgängen ziehen. Die„Köln. Ztg." schreibt: „Das Zentrum und die Linke verlangen die einfache Aushebung des Paragraphen, der den Vereinen die Verbindung untereinander untersagt. Unter den gemäßigten Liberalen aber wird es nur Männer geben, die sich der V o r st e l l u n g hingeben, man könne ini Lande dos gleichen Wahlrechts mit kleinen polizeilichen Chikanen etwas gegen die Sozial- demokratie ausrichte n." Ueber die Einseitigkeit einer Regelung des Versammlungs- wesens in Preußen allein im Geiste der entschlafenen Umsturz- vorläge wird der„Vokks-Ztg." geschrieben: „Hat man denn wirklich in Preußen gar kein Bedürfniß mehr, ans die nicht preußischen Staaten im Deutschen Reiche Rücksicht zu nehmen, und wenn ja, wie glaubt man wohl, daß derartige Be- strebungen in diesen Staaten aufgenommen werden? Von Sachsen sehen wir dabei ab." Die„Vossische Zeitung" weist auf die Kantschuk-Eigen- schaft des Begriffes„ Staatsgefährlich" hin und erinnert, daß erst in diesen Tagen Herr v. Gerlach, der frühere Redakteur des Stöcker'schen„Volkes" und gegenwärtig Re- daktenr der Naumann'schen„Zeit", von der„Kons. Korr." anarchistischer Grundsätze bezichtigt wurde. Da wir nun schon Preßstimmen über das Vereinsgesetz registriren, sei auch einer Information des„Reichsboten" über die Einbringuug der Vorlage Erwähnung gethan. Das Blatt läßt sich schreiben: Sicherem Vernehmen nach wird die Militär-Strafprozeßordnung «un Ende dieser Woche an den Reichstag gelangen, nachdem sie am Donnerstag vom Bundesrath endgiltig angenommen sein wird. Die Novelle zum Veroinsgcsetz wird aus alle Fälle noch in dieser Tagung dem Landtage zugehen. Schon die gewundene Erklärung des Finanzministers ließ durchblicken, daß diese Absicht besteht, aber nicht sofort bejaht werden konnte. Wie wir bestimmt wissen. wird sie übrigens nur die Bestimmung der Aufhebung des§ 8 ( Verbot für das Jnverbiudungtreten politischer Vereine) ent- halten. Die österreichische Sozialdemokratie und die Nationalitätenfrage. Die sozialdemokratischen Abgeordneten des österreichischen Abgeordnetenhauses, die durch den Debatte- schluß verhindert waren, zu dcni Antrage auf Versetzung des Ministeriums Badem i» den Anklagezustand Stellung zu nehmen, erlassen in der Wiener„Arbeiter- Zeitung" eine Erklärung, der wir die folgenden Stellen entnehmen: Gemäß unserem Programm stehen wir in jeder Beziehung aus dem Boden vollster Gerechtigkeit, somit sind wir auch in nationaler Beziehimg für vollkommene Gleichberechtigung. Wir erblicken in dem nationalen Streite, wie er schon seit Jahren besonders i» Böhmen tobt und von den Herrschenden immer wieder von neuem angefacht wird, nur ein von der Regierung ab- sichtlich angewendetes Mittel, um desto leichter über die Köpfe aller Volksstämme Oesterreichs hinweg regieren zu können. Wie die Führer der prononzirt oder nur nationalen Gruppen sich politisch nur durch die nationale Hetze am Leben zu erhalten vermögen, da sie auf die eigentlichen Lebensfragen der arbeitenden Bevölkerung aus purem Klasseninteresse weder eingehen wollen noch können, ebenso, ja noch weit mehr, haben noch immer die jeweiligen Ministerien in Oesterreich ihre Uebermacht gegenüber dem Parla- meut aus dem nationalen Streite gezogen. In Oesterreich hat die Regierung stets in derart ungenirter Weise, doch immer gestützt auf das Beispiel einiger Vorgänger im Amte,„verordnet", wie es diesmal geschehen ist; was die Regierung auf dem Wege der Gesetzgebung nicht durchsetzen zu können be- fürchtete, das wurde einfach verfügt, als ob gar kein Parlament be- standen hätte. Heute wurde im Interesse und zu gunsten dieser, und morgen zu gunsten jener Partei der Verordnungsapparat in Funktion gesetzt. Nicht um die Lebensinteressen der in Oesterreich lebenden Völker zu wahren, wurde der Verordnungsweg zu einer echt österreichischen Institution, nein, vorzüglich diente der Verordnungsapparat dazu, um, wenn nothwendig, für die jeweilige Regierung die erforderliche Majorität einzuhandeln. Auch die Sprachenverordnungen für Böhmen und Mähren haben vor allem den Zweck, die Jungczechen für die Majorität und damit auch für den ungarischen Ausgleich einzufangen. Es ist ein Handel, bei welchem allerdings die Deutschen dies- mal die Hauptkosten tragen sollen, während bei früheren, derartig hinter den Koulissen abgeschlossenen Abmachungen die Czcchen und auch andere die Kosten zu decken hatten. Wir stehen, gestützt auf die Thalsache, daß die herrschenden Parteien bisher vornehmlich nur ihr eigenes Klasseninteresse im Auge halten und zu wahren verstanden, nicht an, es ganz offen auszusprechen, daß der wegen der erlassenen Sprachenverordnungen entbrannte Streit hüben wie drüben weit mehr ein Streit um die vom Staate zu vergebende» Stellen und Acinter für die Söhne der Bourgeoisie als em Streit für das eigentliche Recht des Volkes ist. Nichisdefio- weniger haben wir für die Anträge auf Versetzung des Ministeriums Bndeni in Anklagezustand, beziehungsweise gegen den von der Majorität gestellten Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung über diese Angelegenheit gestimmt. Wir haben so gestimmt, weil wir daS dem Parlament zu- stehend« Recht der Gesetzgebung nicht von der Regierung schmälern lassen können; wir haben so gestimmt, weil wir einesibeils keiner wie immer gearteten Regierung das Recht einräumen dürfen, auf dem Verordnungswege so tiefeinschneidende Veränderungen zu schaffen, und weil anderntheils die Erfahrung lehrt, daß Verordnungen keinen bleibenden Werth haben, weil dieselben, wie sie gegeben wurden, ebenso zurückgenommen werden können. Wir erkennen ohne weiteres die Thatsache an, daß weite Be- völkerungsschichten dadurch bedrückt und benachtheiligt werden, daß die Gerichts- und Verwaltungsbehörden nicht in ihre Mutter- spräche mit ihnen verkehren, aber die Abhilfe läßt sich hier nicht einfach vom Ministertisch aus dekretiren, sondern sie kann einzig und allein nur das Resultat einer Verständigung zwischen den Völkern selbst sein. Schließlich müssen wir auch noch dagegen Verwahrung einlegen, daß von den Abgeordneten deutscher Zunge aus Böhmen im Parla- ment immer im Namen der gesammten deutschen Bevölkerung Böhmens gesprochen wird. Die deutsche Bevölkerung Böhmens hat in der Kurie de? allgemeinen Wahlrechts fast durchgehends sozial- demokratisch gewählt, somit steht die große Mehrzahl der Bewohner dieser deutschen Gaue Böhmens auf unserem iuteruationalen, gewiß aber nicht ans chauvinistisch-nntionalem Staudpunkte.— Chronik der MajcstätSbelcidigungs-Prozeffe. Ein Dienst- niädchen, das beim Hosbesitzer Henmngsen in Leert bei Sommerstedt dient, wurde wegen angeblicher Majestätsbeleidigung verhaftet und nach Hadersleben ins Gesängniß abgeführt. Ein Knecht, der mit dem Mädchen zusammendient, soll der Angeber sein.— »» Deutsches Reich. — S o wird's gemacht. Es wird versichert, daß die n enen Geschütze, für welche der Reichstag die Mittel erst bewilligen soll, bereits fertig sind und zur Einführung bereit stehen. Sobald der Reichstag seine Zustimmung gegeben, sollen sämmtliche Artillerie-Regimenter im Besitz der neuen Geschütze sein. Natürlich treibt man in anderen Ländern dasselbe Spiel. Einen Vortheil dürfte also die deutsche Armee weder svon den neuen Geschützen überhaupt noch auch von der heimlichen Fertigstellung derselbe» vor Bewilligung der Mittel durch das Parlament haben.— — N e b e r die Hintertreppen-Politik, die mit der Wiederbelebung der Strafgesetz-Novelle getriebeu wird, versichert die „Freisinnige Zeitung",„daß weder die Zenlrumspartei noch die sozial- demokratische Fraktion noch die freisinnige Volkspartci irgendwie Stellung zur Sache genommen haben". Wenn die„Freisinnige Zeitung" meint, daß wir sie mit diesem wohlgelungenen Stückchen offiziöser Dementiruugs- Kunst davon kommen lassen, so irrt sie sich. Daß die Parteien Stellung zur Sache genommen haben, hatte niemand behauptet. Gerade darin bestand ja die Ent- hüllnng, daß einzelne Abgeordnete unter Umgehung ihrer anders- denkenden Fraktionsgenossen im geheimen eine Verständigung mit der Regierung zu staube bringen wollten, während offen vor der Welt der Entivurf als gescheitert galt. Daß sozialdemokratische Abgeordnete au diesen Konventikeln nicht betheiligt waren, ist selbst- verständlich. Wenn die„Freisinnige Zeitung" von ihrer und der Zentrumspartei dasselbe sagen kann, so mag sie es thun; kann sie es nicht, so muß die sozialdemokratische Partei es sich verbittcii, mit jenen beiden Parteien in einem Alhemzuge genannt zu werden, blos weil sie in ihren Fraktionssitzungeu noch nicht„Stellung zur Sache genomnien haben", llebrigens werden in deni Organ Eugen Richters die freisinnige Vereinigung und die süddeutsche Volkspartei gar nicht erwähnt. Ist bei diesen etwa das Ent- gegenkommen schon so weit gegangen, daß sie auch schon von Partei wegen Stellung genommen haben? Die Abgeordneten Pachnicke von der freisinnigen Vereinigung und Hausmann von der süd- deutschen Volkspartei werden neben dem freisinnigen Volksparteiler Lenz mann und dem Zentrumsmann Rint eleu so allgemein als das vierblälterige Kleeblatt der Kompromißfreunde bezeichnet, daß sie alle Ursache hätten, sich darüber auszusprechen, ob sie an der Koulisseuschieberei betheiligt waren, die einen bei offener Szene begrabenen Gesetzentwurf heimlich aus der Versenkung herausholen wollte. — A n e r k e n n e n s w e r t h e G e p f l o g e n h e i t e n in der Handhabung des Vereinsgesetzes zeigte kürzlich der Polizei- Präsident von Hannover. Allerdings nicht etwa gegen Sozialdemokraten. Wie unser Hannoversches Bruderblatt mitlheilt, wurde im Bürgerverein„Zentrum" bekannt gegeben: „daß der Polizeipräsident, unter Bezugnahme auf die Verhandlungen in der voraufgegangenen Sitzung, den Verein daraus aufnrerksam gemacht habe, daß politische Ange- l e g e n h e i t e u nicht erörtert werden dürfen". Arbeitervereinen gegenüber hat bisher die Hannover'sche Polizeibehörde ein ganz anderes Verfahren beobachtet. Da ist man mit Auslösungen und Bestrafungen sofort bei der Hand. — Ueber die Druckerei des Kriegs mini st eri ums geht durch die Presse die folgende Mittheilung: Wie seinerzeit gemeldet, war für das Kriegsministerinm die Einrichtung einer umfangreicheren Druckerei in Aussicht genommen, die im stände sein sollte, nicht nur die Drucksachen des Kriegs- ministeriunis selbst, sondern auch die des Generalstabes und der Admiralität und event. auch das Militär-Verordmmgsblatt herzustellen. Diese Absicht ist, wie aus der geringen Forderung von 40 ovo M., die hierfür im diesjährigen Etat aufgeführt ist, und aus den Kommissionsberathungen hervorgeht, aufgegeben worden. Wie die„Post" vernimmt, wird die jetzt bereits bestehende Druckerei des Kriegsministeriums nach wie vor nur für den Bedarf des Kriegs- Ministeriums arbeiten. Die Einrichtungen sollen aber durch Ersetzen der alten Maschinen durch moderne, durch Aufstellen eines kleinen Motors und durch Vermehrung des Personals um zwei Köpfe soweit vervollkommnet werden, daß die Vervielfältigungen der Handschristen die bisher zum theil noch außer dem Haus« angefertigt werden mußten, jetzt fämmtlich in der eigenen Druckerei hergestellt werden können. Das Armee-Vcrordiinngsblatt wird auch in Zukunft in der Reichsdruckerei gedruckt werden. — Die Maul- und Klauenseuche herrschte im König- reich Preußen am Schlüsse des Monats April in 180 Kreisen und in 297 Gemeinden und Gutsbezirken, während am Schlüsse des MonatS März noch 4L9 Gemeinden und 179 Kreise verseucht waren. Seuchenfrei waren die Regierungsbezirke Königsberg, KöSlin, Straffund und Aurich. In je einer Gemeinde herrschte die Seuche in den Regierungsbezirken Gnmbinnen, Danzig, Schleswig, Stade und Sigmaringen; je zwei verseuchte Gemeinden hatten die Re- gierungsbezirke Stettin, Oppeln und Münster, je drei die Regiernngs- bezirke Frankfurt, Osnabrück, Wiesbaden und Koblenz; sieben Re- gierungsbezirke hatten vier bis zehn, fünf Regierungsbezirke zehn bis zwanzig und sieben Regierungsbezirke zwanzig und nicbr verseuchte Gemeinden. Am stärksten war der Regierungsbezirk Kassel verseucht, in welchem die Maul- und Klauenseuche in 29 Gemeinden herrschte, die sich auf neun Kreise vertheilteu.— — Der„ P o st" dauert es zu lange, bis das neue Disziplinar- gesetz für die Privatdozeuten fertig gestellt wird. Sie möchte am liebsten die philosophische Fakultät noch einmal gegen Arons mobil machen. Sie schreibt, nachdem sie das hohe Staatsinteresse an der Erledigung des Falles betont hat: „Aber auch die philosophische Fakultät Hierselbst sieht sich vor die Frage gestellt, ob sie sich gefallen lassen will, daß ihre Ver- warnung gänzlich unbeachtet bleibt, ja diese Nichtachtung demon- strativ bekundet wird. Um die sozialdemokratische Gesinnung, welche von der Fakultät nicht als Anlaß zur Entziehung der venia legendi erachtet worden ist, handelt es sich nicht mehr, sondern darum, ob Dr. Arons unter völliger Miß- achtung der ihm von der Fakultät crthcitteu Verwarnung ungestraft und ungestört weiter als sozialdemokratischer Agitator auftreten darf. Man darf daher gespannt sein, was die Fakultät bei dieser Lage der Sache thun wird." Wieder ein Mißverständniß, das der Herr Kultusminister durch die allzu feine Diplomatie seiner Auslassung verschuldet hat. Er sagte, wohl um die Slnmm'schen Heißsporne für den Augenblick zu beschwichtigen:„Nach jener Verwarnung ist Herr Dr. Stroits agi- tatorisch in keiner Weise mehr hervorgetreten." Nach seinem eigenen Zitat hat die Fakultät aber garnicht daran gedacht, dem Dr. Arons die Agitation zu verwehren. Audererseils möchten wir aber bei dieser Gelegenheit gegen das allzu reichliche Lob protestiren, das namentlich die„Vossische Zeitung" der Fakultät spendet. Als richtige Männer hätten die Herren Professoren dem Minister auch mit der Verwarnung des Dr. Arons keine Verbeugung machen dürfen. Jetzt hat ihnen der Minister in seiner Zurückweisung der Echmieding'schcn Anzapfungen gegen Wagner gezeigt, wie sie sich zu verhalten gehabt hätten. Ja, wir gehen weiter und behaupte», daß es so gut wie ausgeschloffen ist. daß Genosse Arons„mißverständliche" Aeußerungen gethan hat. Hätte er etwas mißzuverstehen gegeben, so hätte gerade in seinen, Fall unziveifelhast ein strebsamer Staatsanwalt ihn „mißverstanden"!— — Eine Entdeckung der„Deutschen Tages- eitung". Das durch seine Wahrheitsliebe ausgezeichnete auptorgan des Bundes der Landivirthe leistet sich folgende Be- hauptuiig: Die sozialdemokratische Presse hat gegen nichts einen so höllischen Haß, wie gegen die Bündler und uns. Hier(in der Sozialdemokratie) wie dort(im Zentrum) ist es die gleiche Empfindung, die die Stellung gegen den Bund erzeugt. Die Empfindung nämlich, daß der Bund der Landwirthe fest und ehrlich die Interesse» des Volkes vertritt. Wenn die Tintenkuli der Großgrundbesitzer wirklich das glauben, was sie da niedergeschrieben habe», so reicht ihre Phantasie an die besten orientalischen Vorbilder heran.— — Die Kandidaten frage in Königsberg i. P r. scheint den bürgerlichen Parteien arge Kopffchmerzen zu bereiten. Der Glasermeister Störmcr iveiß noch immer nicht, ob er als Kandidat der Antisemiten durchfallen soll, die freisinnige Vereinigung hat die Kandidatur Brömel fallen gelassen.— — Noch eine Begnadigung zur Hundertjahr- f e i e r wird nachträglich bekannt» und abermals handelt es sich um eine Strafe wegen Zweikampfes. Der Begnadigle ist der Studircnde der Landwirthschaftlichcn Hochschule Heinrich Mooshake, Mitglied des Korps Borussia, der eine» Gutsuachbar seines Vaters aus der Gegend von Magdeburg wegen Beleidigung gefordert und in dem Zweikampfe einen Schuß in die Lunge erhalte» hatte. Mooshake hatte aus der Festung Magdeburg drei Monate Haft zu verbüßen. Sein Gegner, der unverivundet blieb und mit vier Monaten Festungs- hast bestraft wurde, soll ebenfalls begnadigt sein.— — AbgelehntesGnadengesuch. Wege» Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse war, wie seinerzeit mitgetheilt, der Schutz- mann Haupt von der Strafkammer in Hannover zu acht Mo- naten Gesängniß verurtheilt worden. Bei der letzten Anwesenheit des Kaisers in Hannover hatten nun einige„angesehene"(? Red.) Bürger daselbst dem stellvertretenden Chef des Zivilkabinets, Geh. Rath Scheller, ein Gnadengesuch für den Berurtheilten über- reicht. Nunmehr ist den Betheiligten aus dem Zivilkabiuet die Nachricht zngcgange», daß das Gesuch vom Kaiser abschlägig b e s ch i e d e n worden sei.— — Im Prozeß Tausch, der bekanntlich am 24. d. M. vor dem Schwurgericht beginnt, ist auch Bebel als Zeuge geladen.— — D i e Hundepeitsche desWandsbecker Polizei- ch e f s. Wie kürzlich berichtet wurde, hat der S t a d t r a t h, P o l i z e i ch e f, A n> t s a n w a l t und Lieutenant der Reserve Schow in Wandsbeck den 23 jäh vi gen Post- unterbeamten Bollstedt wegen eines von diesem in der Trunkenheit begangenen Vergehens wider die öffentliche Ordnung nach feiner Privatwohnung bestellt und ihm dort mit einer mehrriem igen sogenannten Hundepeitsche sieben wuchtige Hiebe ans den entblößten Körper ver- a b s o l g t. Infolge dieses Aufsehen erregenden Vorkommnisses be- gaben sich mehrere Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums zu dem Oberbürgermeister Rauch, um denselben zu veranlassen, zwecks E n t f e r n n» g resp. Suspendirnng des schneidigen Polizei- chefs vom Amte sofort die geeigneten Schritte einzuleiten. Da jedoch der Magistrat nicht die vorgesetzte Behörde des Prügelfreundes ist, so konnte das Stadtoberhaupt einstweilen in der Sache nichts unter- nehmen. Dagegen hat der Vorgesetzte deS Polizeichefs, Landrath v. Bonin, sofort den Regierungspräsidenten von Schleswig von dem Vorfalle in Kenntniß gesetzt, so daß die Suspendiruiig bald erfolgen dürste. Im übrigen tauchen jetzt in der Bürgerschaft Wandsbecks immer neue Gerüchte auf von Mißhandlungen, die sich Schow an- geblich hat zu schulde» kommen lassen. Auch soll sich derselbe Be« kannten gegenüber dahin ausgesprochen haben, daß er die Praxis des M e ii s ch e» p r ü g e l n s bereits seit längeren Jahren betreibe; er besitze sogar dreizehn„Dankschreiben" von Elter» resp. Vormündern. Sollte sich die letztere Aeußerung bestätigen, dann könnte man dieses gewissermaßen als Zngeständnih und leicht auch dahin auslegen, daß Ihatsächlich 13 Kinder bezw. Mündel mit seiner Lederpeitsche Be- kanntschaft gemacht habe». In wieviel Fällen aber solche„Dank- schreiben" nicht eingegangen sind, darüber hat er sich freilich nicht ausgelassen. Tie Angelegenheit des geprügelten Postunterbeamten wird übrigens noch ein Nachspiel vor Gericht haben, da, wie bereits gemeldet, die von dem unerhörten Vorfalle in Kenntniß gesetzte zu- ständige Oberpostdirektion Strafanzeige erstattet hat.— Inzwischen ist, wie uns nachträglich noch mitgetheilt wird, der schneidige Polizeichef einstweilen auf vier Wochen beurlaubt worden. Ob er nach Ablauf dieses„Urlaubs" wieder in sein Amt eintreten wird, sollte nach dem vorstehenden mindestens zweifelhaft sein.— — Die Dresdener Protestversammlung der öfter- reichischen deutsch-nationalen Schöuerer'schen Richtung wurde poli- zeilich aufgelöst. Den österreichischen Reichsraths- Abgeordneten Jro, Schönerer:c. wurde das Sprechen in dieser Versammlung untersagt.—_ — Die deutfcheKolonialg es ellschaft zählt auch nach ihrem Jahresbericht für 1896 nur 13 909 Mitglieder in drei Gau- verbänden, dem niederrheinisch- westfälischen, dem uiederschlcsisch- posenfchen und dem sächsisch- anhaltinischen. Die Mitglieder zer- fplitterten sich in 248 Abtheilungen. Die größten sind Berlin. Hamburg, Leipzig, Dresden, Berlin- Charlottenburg, Köln, Karls- ruhe, Hannover, Essen, Magdeburg. Daneben bestehen noch 144 Ortsgruppen. Die Einnahnien der Gesellschaft betrugen 115 720 M. Ilövoo M.— das ist. wie die„Freis. Ztg." richtig bemerkt, noch nicht 1 pCt. der Summe, welche das Deutsche Reich für die deutschen Schutzgebiete zuschießen muß.— Ungarn. Budapest, 10. Mai. Wie ans zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird, erfolgt die Einberufung der Delegationen Ende September nach Wien.— Schweiz. Zürich, 8. Mai.(Eig. Ber.) Genosse Wullschleger, welcher der nationalrälhlichcn Kommission zur Berathung des B e- foldungsgesetzes betreffend die eidgenössischen Beamten und Angestellten angehört, veröffentlicht darüber einen Artikel im„Grütlianer". Aus demselben ist zu entnehmen, daß bei der Postverwaltniig rund 3400, bei der Telegraphen- und Telephouverwaltung über 3000, bei der Zollverwaltung ca. 800.Per- fönen als Beamte und Angestellte bedienstet sind und überdies cm 750 Mann starkes Grenzjäger-Bataillon unterhalten wird. Der Ge- setzentwurf hatte für die unterste der sieben Besoldnngsklnsfen nur eine Maximalbesoldung von 2500 Fr. pro Jahr vorgeschlagen, aber keinerlei Minimalansatz. Auf Antrag Wullfchleger's wurde nun ein Miuimalansatz von 1200 Fr. sestgesetzt für volljährige und im ausschließlichen Dienste der Eidgenossenschaft stehende Angestellte. Gegenüber dem jetzigen Zustande bedeutet das Besoldung?- gesetz, wie es au? den Berathungen der Kommission hervorgegangen, einen wesentlichen Fortschritt. Die Summe der beschlossenen Er- höhnngen beträgt 800 000 bis 900 000 Fr, und das Gesetz soll mit I. Januar 1893 in kraft gesetzt werden. Nicht einbegriffen sind die Grenzivächter, deren Befolduugsverhältuisse aus Anregung Wullfchleger's ebenfalls gebessert haben sollen. Dasselbe soll geschehen bezüglich der im Dienste der Bundesverwaltung(Telephondienst. Militärwerkstätten jc.) stehenden Arbeiter. Wullschleger regt« ferner a». allen uniformirten Beamten und Angestellte» die Uniform unentgeltlich zu liefern, was Bnndesrath Hauser für die Grenz. Wächter in Aussicht stellte. Gar keine Gnade fand bei der Kommission der Gedanke Wnllschleger's betreffs Schaffung einer Berwaltnngs« g erichtsbarkeit(eine Art gewerblicher Schiedsgerichte) zur Erledigung von Konflikten zwischen den Beamten und Angestellte» des BundeZ und ihren Vorgesetzten.— Dänemark. — Die dänische MinisterkrisiS ist nun soweit vorgeschritten, daß Reedtz-Thott wohl wird zurücktreten muffen, da man sich zur Auslösung des Landsthings nicht scheint entschließen zu können. Die Situation ist übrigens noch eine gar nicht dagewesene: der L a n d e s t h i n g verlangt die Herabsetzung der Militär- bewilligungen um 40 000 Kronens, die der F o l k e t h i n g b e- willigen will. Das Merkwürdige dabei ist. daß Reedtz-Tbott im März erklärte, ohne 200 000 Kronen nicht durchkommen zu können, daß er sich später aber doch mit 75 000 Kronen begnügen wollte, die Rechte aber hielt die Bewilligung der 200 000 Kronen für absolut nothwendig. Und nun will der rechte Flügel des Landesthings gar nur 35 000 Kronen bewilligen! Jeder der beiden Things bleibt fest auf seinem Standpunkt, sodaß Reedtz-Thott also seinen Abschied wird nehmen niüffen. Das ist es aber, was die Rechte will, der die kleinen Reformgesetze der jetzigen Regierung nicht passen. — Das sogenannte Prügelgesetz stand im L a n d e s- t h i n g zur Berathung. Der Ausschuß des Landeslhiug hatte natürlich einige Aenderungsanträge gestellt. Es soll eine Ver> urtheiliuig zu Zwangsarbeit stattfinden können, wenn jemand früher wegen Gewalt mit höherer Strafe, als Buße bestraft ist. Der sozial- demokratische Vertreter sprach sich entschieden gegen diese Aus- dehnung aus und auch gegen das Gesetz als Ganzes. Indessen wurden die Aendernngsänträge mit allen Stimmen gegen die der Linken und Sozialdemokraten angenommen. Gegen das Gesetz als Ganzes stimmten nur die Sozialdemokraten. Das Gesetz ging als- dann in dieser veränderten Gestalt wieder dem Folkethmg zu, der aber die Verschärfungen des Landesthing wieder beseitigte uud so i» der früheren Form annahm. Es ist nun ein gemeinsamer Aus- schuß beider Things eingesetzt, um über dieses Gesetz eine Einigung herbeizuführen. Welch' ein« merkwürdige Mühe sich die Mehrzahl des Folkething um dieses Ver- schlechtcrungsgesetz macht, während die Reformgesetze(Arbeiter- vm sichcruug, Achtstundin- Arbeitstag und Arbeitszeit in den Bäckereien) saust in den Kommissionen schlummern. Als die Sozial- demokratie 500 000 Kr. für Verbesserung der Löhne der Staats- arbeiter verlangte, hieß es,„die Sache sei nicht vorbereitet"; aber über die Forderung der Agrarier von 300 000 Kr. für Fleischexport und Schweinezucht leinigte man sich in einigen Stunden. So sieht die Arbeiterfreundlichkeit der Parlamente aus!— Spanien. Madrid, 9. Mai. Die Wahlen zu den Munizipalräthen ver- Ursachen mehrfach Richestörungen. In Bilbao kam es gestern zu größeren Unruhen; es wurden Schüsse abgegeben und mehrere Per- sonen verletzt. In Linares wurde ein liberaler Wähler getödtet.— Rtihfond. — Die Aufhebung der ungerechten Paßsteuer ist von der Regierung angeordnet worden. Ausgenommen von dieser Maßregel bleiben jedoch die Bewohner Polens. Das Paßwesen be- steht in Rußland feit dem zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahr- Hunderts. Die Püffe sollten, wie eine Korrespondenz der„Franks. Ztg." bemerkt, anfangs nur als Legitimation dienen, seit der zweiten Hälfte des vorige» Jahrhunderts wurden sie aber zur Vermehrung der Staatseinnahmen beinitzt. Ihre größte Höhe erreichte die Paß- steuer zu Anfang dieseS Jahrhunderts: für Kleinbürger und Bauern bis zu 6 Rubel, ein Paß auf 3 Jahre bis zu 30 und ein solcher bis zu 5 Jahren bis zu 70 Rubel Banko. Fortan werden nur noch 50 Kopeken für die Herstellung des Paßbüchleius erhoben. Damit wird die Freizügigkeit erheblich gefördert, was wohl auch der treibende Grund der Maßnahme ist. Die Steuer für Auslands- p ä s s e(10 Rubel für ein halbes Jahr) bleibt bestehen. Die Ein- nahmen aus der Paßsteuer haben in den letzte» fünf Jahren zwischen 2 600 000 und 4 200 000 Rubel geschwankt.- Amerika. New-B»r?, 8. Mai. Senator Wolcott, Charles I. Paine und Adlai Stevenson, die gemäß der Bill zur Förderung einer iuter- nationalen bimetallistischen Konferenz zu Sonderbevollmächtigte, i für die Hauptstaaten Europas ernannt wurden, sind heute»ach Europa abgereist. Dieselben beatssichtigen zunächst nach Paris, dann »ach London und später nach Berlin und Wien zu gehen.— VarlAmenkttviMes. ReichStagsschlnst. In den letzten Tagen hat zwischen«e tretern der Regierung und der größeren Parteien ein Meinungs- anstausch über den Schluß der Reichstagssesston stattgefunden. Wie es heißt, soll die Session noch in der Woche vor dem HimmelfahrtS- feste geschlossen werde«. Eine endgiltige Vereinbarung ist jedoch noch nicht getroffen, da die Besprechung darüber, welche Vorlage» noch zur Verabschiedung gebracht werden sollen, bisher«in Resultat nicht erzielt hat. Neber die Eidesleistungen vor Gericht haben die Kon- s e r v a t i v e n v. S»lisch und Genossen einen Grsetzentwurf ein- gebracht, der Abänderung der bezügliche» Beftiimnuiigen der Straf- Prozeßordnung»uid der Zivil-Prozeßordnnng bezweckt. Der V o r e i d soll nach diesem Antrage durch den N a ch e i d ersetzt werden.— Die Neu- Guinea- Vorlage enthält nur geringfügige Ver- änderunge» gegenüber der im vorigen Jahre im Reichstage ab- gelehnten Vorlage. Die 4 Millionen Mark Entschädigung für die Neu-Guinea-Kompag»ie sollen nicht aus einmal ausgezahlt, sonder» auf 10 Jahre vertheilt werden. Auch soll sich die Kompagnie ver- pflichle», die erhaltenen Summen zu gunsten des Schutzgebietes zu verwenden. BndgetkommissiouS'-Sitznng. Weiterberathnng des Entwurfs über die Servis- uud Klasseneiutheilung. Auf Antrag des Abg. v. K a r- d o r f f beschließt die Kommission, Burg von der drilten in die zweite Servisklasse zu setzen. Abg. Lieber beantragt das Städtchen Hadamar aus der fünften in die vierte Klasse zu versetzen und wird demgemäß beschlossen. Petitionen der Städte Halder i. W. und Hayna» i. Schl.* bleiben unberücksichtigt. Der Antrag des Abg. Müller- Fulda, Heddersdorf bei Ncuivied in die 3. Klasse zußversetzen, ivird abgelehnt, dagegen wird Hilden auf grrnid einer Petition in die 3. Klasse genommen. Der Antrag des Abg. L i n g e» s, Hirschberg i. Schl. von der 3. in die 2. Klasse zu setzen, findet Zustimmung. Der von den Abgg. Hamm acher, Dr. Hahn und Lieber befürwortete Vorschlag, Hildesheim in die' I. Klasse zu versetzen, wird von den Vertretern der Regierung und den Abgg. v. Kardorff und v. Leipziger bekämpft nud dementsprechend auch von der Kommission abgelehnt. Eine Petition von Königsberg, die verlangt, daß Königsberg von der I. Klasse in die Klasse A gesetzt werde, wird abgelehnt. Das gleiche Schicksal trifft eine Petition aus Königswusterhausen auf Antrag des Abg. P a ch n i ck e. Kreuznach petitionirt um eine höhere Klasse »ndebefchließt die Mehrheit demgemäß. Der Antrag des Abg. Hug: Konstanz in die 1. Klasse zu versetzen, wird abgelehnt. Langenberg bei Elberfeld wird aus Antrag des Abg. Ha»nn>acher in die 3. Klasse versetzt. Eine Petitson der Stadt Liebau um Erhöhung der Eerms klaff« wird abgelehnt, das gleich« passirt Leobschütz. Lüdinghausen wird auf Antrag des Abg. Prinzen v. Arenberg in die 4. Klasse er- hoben; dagegen wird der Antrag des Abg. Hahn, Lehe in diel. Klasse zu setze», abgelehnt. Abg. v.Arenberg befürwortet, Malmedy in die 8. Klasse zu versetzen und wird so beschlossen. Ein für Mülheim am Rhein gestellter Antrag des Abg. Lingens um Erhöhung in der Servisklasse wird abgelehnt, dasselbe wird bezügfich Mühlheim an der Ruhr beschlossen, für das der Abg. Hammacher«intrat; den dritten im Bunde bildet Mannheim, dessen Petition ebenfalls kein Gehör fand; auch Mörs theilt das Schicksal seiner Vor- gänger und mit ihm Elmshorn. Riederlahnfiein wird auf Antrag de? Abgeordneten Lieber Oberlahnstei» gleich gestellt. d. h. eS wird in die 3. Klasse verfetzt. Für Oets befürwortet der Abg. v. Kardorff eine Erhöhung in der Servisklasse, er hat aber damit kein Glück. Eine Petition von Ohligs bleibt ebenfalls»n- berücksichtigt. Für Pfaffendorf bei Koblenz befürwortet Abg. Prinz v. Arenberg, es bei der Regierungsvorlage zu belassen, was geschieht. Eine Petition aus Pleß bleibt unberücksichtigt, der Referent Abg. v. Kardorff beantragt die Ablehnung; das gleiche Schicksal theilt eine Petition der Stadt Poppelsdorf, für die der Abg. Lingens den gleichen Antrag stellte. Pr.- Friedland wird aus Antrag des Abg. v. Leipziger in die 4. Klasse versetzt. Für Natingen befürwortet Abg. Hammacher Versetzung in die 3. Klasse, und wird so beschloffen. Aus Rüdesheim wird um Einsetzung in die I. Klasse — bisher 3.— petitionirt. Der Referent Abg. Lieber befürwortet Einsetzung in die 2. Klasse. Nach längerer Debatte, bei der sich die Abgg. Prinz v. Arenberg, Lieber, Hammacher, Singer, Bebel, Lingens>md die Regiernngskommissare betheiligen, wird der Antrag abgelehnt. Abg. Müll er- Fulda befürwortet auf grund einer Petition die Erhebung Rheine's in die dritte Klasse, was nach kurzer Debatte angenommen wird. Abg. H a in mache r beantragt, Solingen in zweite Klaffe zu versetzen und wird demgemäß beschlossen. Stentschewo will eine höhere Servisklasse, der Abgeordnete Müller- Fulda beantragt Ablehnung und wird dem An- trage zugestimmt. Bei Erörterung von Petitionen aus Hechingen und Sigmaringen kommt zur Sprache, daß die kleinen würtlembcraischen Städte einen Servistarif haben, der erheblich über ihre Bedeutung gehe. Es wird dies seitens des württem- bergischen Kommissars zu rechtfertigen versucht mit der Thatsache, daß große Bezirke Württembergs infolge des Weinbaues keine Qnartirungslast zu tragen hätten, andere dafür doppelt. Der Antrag Müller- Fulda: Hechingen und Sigmaringen in die dritte Servisklasse zu setzen, wird einstimmig angenommen. Aus Steglitz wird um eine höhere Klasse für Wohnungs- geld- Zuschuß petitionirt; da diese Frage aus den Erörterungen der Kommission infolge früherer Beschlüsse ausscheidet, beantragt Referent Abg. Singer Uebergang zur Tagesordnung. Aus dem gleiche» Grunde beantragt der Abg. Bebel die Nichtberücksichtigung einer Petition aus Stadtsulza. Die Kommission beschließt in beiden Fällen den Anträgen gemäß. Für Uerdingen, Regierungsbezirk Düsseldorf, beantragt> Abg. Prinz v. Arenberg Aufnahme in die dritte Klasse und wird dem zugestimmt. Für Vilbel beantragt Referent Abgeordneter Bebel Berücksichtigung einer Petition um Erhebung in die dritte Klasse; der Autrag wird nach längerer Debatte, in der die Regierung den Antrag bekämpft, einstimmig angenommen. lieber eine Petition aus WandZbeck referirt der Abgeordnete Graf Bernstorff; derselbe befürwortet dieselbe und wird dem Antrage zugestimmt. Eine Petition aus Zehlendorf. über die der Abgeordnete Hammacher referirt, die er aber nicht glaubt befürworten zu können, wird im Sinne des Referenten ablehnend beschieden. Für eine Petition aus Ziegenhals nimmt der Abg. v. K a r d o r f f das Wort; sein Antrag auf Berücksichtigung wird abgelehnt. Zum Schluß referirt Abg. Dr. H a h n über eine Petition ans Buxtehude und befürwortet dieselbe, aber sein Antrag wird ebenfalls abgelehnt. Nach Abschluß der Berathnngen nimmt der Staatssekretär von Posado wsky das Wort, um nachdrücklich gegen die Aufrecht- erhaltung deS früher gefaßten Beschlusses über die Trennung der Quartierleistung vom Wohnungsgeld-Zuschuß zu polemisire», indem er den Antrag Hammacher befürwortet, der Belassung des jetzt gellenden Znstnndes, aber Erhebungen uud Ernägungeu der Regierungen fordert. Abg. Lieber beantragt Vertagung. Schluß 3/i6 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch Vormittag 10 Uhr. Dem Landtage steht noch ein Nachtrag zun» Staatshaus- halts-Etat für 1897/98 in Aussicht. Derselbe betrifft das Ressort der Eisenbahnverwaltung und soll insbesondere auch die ersten Raten für einige der große» Bahnhofsbanten enthalten, welche bei der Berathung des Schuldentilgungsgesetzes Gegenstand der Erörterung waren, und über deren Dringlichkeit Uebcreinstimmung im Abgeord- netenhanse herrschte.— Im Abgeordnetenhanse haben die Abgg. E u l e r(Z.) und Genossen eine» Antrag eingebracht, durch den die Regierung ans- gefordert wird, Maßnahmen zu treffen und vom nächsten Etatsjahr ab Mittel bereit zu stellen zur größereu Förderung des Fachschulwesens der Innungen, insbesondere zur Errichtung und Unterhaltung von Anstalten, in welchen praktisch vorgebildete Handwerker als Fachlehrer sich ausbilden. £ sttdesvevvathspvozetz Mlvinrcke. Vor dem vereinigten II. und III. Strafsenat des Reichsgerichts hatte sich am Montag der am 1. April 1844 geborene pensionirte Depot- seldwebel Karl Wikhelm Ferdinand M ei» e ck e wegen Landesverraths und Unterschlagung zu verantworten. Meiuecke, der verheirathet ist »nd früher beim Brandenburgischen Festnngsartillerie-Regiment Nr. 3 diente, wurde 1871 nach Metz kommandirt, wo er bis 1894 auf dem Fort Prinz Friedrich August von Württem- berg erst als Zeug-Feldwebel, später als Depot-Feldwebel thätig war. Nach der Anklage soll Meinecke in Metz bis zum März 1894 der französischen Regierung durch die Frau des französischen Polizei- kommissars Jsmert einen Granatzündcr von der Kanal-Batterie des Forts Prinz Georg von Württemberg, sowie Material ans dem Artillerie-Arsenal auf dem Theodaldsplatz in Metz übermittelt haben und dem Mililärfiekus einen Heberiemen der Krupp'schen21Zenti»ieter- Schnelllade- Kanone, sechs Bohlen und Unterlagen unterschlagen haben. Den Vorsitz führte Senatspräsident Exzellenz v. W o l f s, die Anklage vertrat Reichsanwalt Schumann, die Bertheidigung führte Justizrath Dr. F e l s. Als Zeugen waren der frühere Kohlen- Händler Andr. Hanne aus dem Zuchthaus zu Halle, Polizeikommissar Bauer aus Metz, Schutzmann Best aus Metz. Polizeirath Zahn aus Straßburg i. E.. Zuschläger Joseph Schmidt auS Monliguy. »nd Slrasaustalts-Direktor Steg Nitz ans Halle; als Sachverständige Major v. E b e r h a r d t. Hauptmann Sieger, als Dolmetscher Oberlehrer Professor Dönervaud geladen. Meinecke hatte dem Kohlenhändler Hanne, der für die Forts Kohlen lieferte, uud die Abfuhren von den Forts besorgte, kennen gelernt. Er bemerkt, daß er, als er einmal ein Schwein habe kaufe» wollen, er von Hanne eingeladen worden sei, nach Pannies, einem französtschen Grenzort, zu gehen, weil dort die Schweine billiger seien. Trotzdem ihm verboten sei. die Grenze zu passiren, sei er mit H. nach Pannies gefahren. Hier habe ihn H. zur Wohnung eines angeblichen Bauern geführt, wie er später erfahre», sei es die Wohnung des Jsmert gewesen, H. habe mit dem Bauer französisch gesprochen, dasernicht ver- standen, und man habe ihm Wein angeboten. Hier wie bei späteren Zusammenkünften sei von militärischen Dingen gesprochen worden, doch habe er es abgelehnt, darauf einzugchen, weil er den Bauer für einen französischen Spion gehalten habe. Bei einer Gelegenheit sei das Gespräch auch auf den 1869er Granatzünder, ebenso auf die Kanaldatterie vom Fort Montigny gebracht worden. Den Heberiemen habe er Hanne gegeben. Er habe verlangt, daß H. der Zutritt zum Fort untersagt werde. Zeuge Hanne, der 1805 wegen Verraths mililärffcher Ge- Heimnisse zu vier Jahren Zuchtbaus verurtheilt worden ist, hat am 20. November v. I. an seine Frau einen Brief geschrieben, in dem es unter anderem heißt:„Der in Et. Privat wohnende Depot- seldwebel Meinecke hat in Metz nichts Nachtheiliges über mich aus- gesagt, in Leipzig hat er aber so schwer ausgesagt, daß ich eine so hohe Strafe erhalten habe. Ich habe ihn frei gemacht. sonst hätte er seine Pension von 120 M. nicht erhalten." Saune bekundet, daß er nicht aus eigener Veranlassung leinecke mit Jsmert zusammengeführt hat, fondern ans Verlangen M's. Er sei mit Jsmert»nd Meiuecke in Paunies, in einer Wirthschaft in Arueville, im Arsenal am Theobaldspkatz. im Schuppen der Kanal-Batterie, in dem 15 Zenti« meter-Kanonen standen, im Geschütz- und Pnlverschnppen vor dem Fort Prinz Mirttemberg gewesen. Außerdem habe er mit ihm über Granaten und Aluimniuwflaschrn gesprochen. Meinecke gab zu, daß es ein Fehler gewesen sei. daß er sie in den Schuppen der Kanal-Batterie gelassen habe, bestritt aber alle anderen Angaben H.'s und behauptete, daß H. die im Schuppen vor dem Fort Württemberg stehenden Pnlverkästen durch die Fenster des Schuppens von außen gesehen habe. Hanne bemerkte, daß die Fenster weiß angestrichen seien, er also nicht hineinsehen konnte. Er sei in zwei Schuppen vorm Fort Württenberg gewesen, dort haben Geschütze und Geschosse, Werkzeug und Seile gestanden. Jsmert habe ihn gefragt, ob er nicht einen Unteroffizier wisse, der ihm Mit- theilungen machen könnte, worauf er ihn erklärt:„er wolle sehen". Er habe Jsmert gefragt, ob er sich denn alles merken könne, was er in den Schuppen gesehen. Meinecke gab zu, Jsmert in einem Fort eine 1869er Granate gezeigt zu haben. Daß die Fenster im Schuppen geblendet, gab Meinecke auch zu. Meinecke gab gleichfalls zu, daß er die Bohlen und Unterlagehölzer entwendet und in feiner Wohnung verfeuert hat. Zuschläger Schmidt weiß, daß ihm ein Arbeiter B. erzählte, daß Meinecke zwei Personen, Hanne und Jsmert. in eine Batterie hineingeführt habe. Den Lederrieinen habe er vermißt; derselbe war neu. ?rau Hanne, Frl. Loinse Hanne und Eleonore Hanne onnnissarisch vernommen worden. Frau Hanne hat bekundet, daß nach der Verhaftung ihres Mannes ein Dienstmädchen M.'s, Franziska, bei ihr gewesen sei und erklärt habe, wenn sie alles sage, würde Meinecke hineinkommen. Er sei im Sommer drei Wochen bei seinen Eltern gewesen und dort habe er 2— 3000 Marl vertheilt. Der Restauratenr B o i l l i e r und andere kommissarisch ver- nommene Zeugen bekunden, daß Jsmert, Hanne und Meiuecke mehrere Male in der Restauration gezecht, Jsmert habe durch Hanne die Zeche bezahlen lassen. Meinecke redete Jsmert mit dem Namen an. Strafmistalts-Direktor R e g n i tz schildert Hanne als einen zu- verlässigen Menschen. Schutzmann Best hat den von Hanne an seine Frau ge- schriebenen Brief und den Riemen bei der Frau Hanne ermittelt. Polizeikommissar Bauer und Polizeirath Zahn haben die Ermittelungen gegen Meiuecke geführt und die Angabe» Hanne's bestätigt gefunden. Während der weiteren Vernehnmng des Polizei- raths Zahn und der militärischen Sachverständige» wurde die Oeffentlichkeit ansgeschlossen.— Telegraphisch wird über den Schluß der Verhandlung mit- getheilt: Der Reichsauwalt beantragte in seinem Plaidoyer 6 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrenrechtsverknst. Der Vertheidiger führte ans, daß er den Nachweis des Bewußtseins der Strafbarreit vermisse. Der Augeklagte wird zu 6 Jahxxn 3 Monaten Zuchthaus wegen Landesverraths nnd Diebstahls in 2 Fälle», zu 10 Jahreii�' Ehrverluft nnd Tragung der Kosten verurtheilt. Der Sozialdemokratische Verein in Halle a. S. veranstaltet eine Statistik darüber, wieviel die Parteigenossen, deren Kinder die Volksschule besuchen, jährlich für die B e s ch a f f u n g der Schulbücher ze. zu bezahlen haben. Das Ergebniß dieser Statistik soll bei der Propaganda für die unentgeltliche Lieferung der Lehrmittel durch Staat oder Gemeinde benutzt werden. In Dresden hielt am Sonnabend Liebknecht im Triauon die Rede zum 17. Stiftungsfest des Vereins für Volksbildung, den er, nach svzialistcngesetzlicher Zerstörung des alten Arbeiterbildnngs- Vereins, hat gründe» helfe». Am Sonntag Vormittag sprach Liebknecht vor einer sehr zahlreichen Versammlung in der „Güldenen Aue" über die Orienlfrage. Der längere, über zwei Slnuden dauernde Vortrag halte zum Zweck, die Geschichte und das Wesen der Oricntfrage von dem mythologischen Beiwerk zu befreien nnd den Nachweis z» liesern, daß von dem heutigen Europa eine andere, als volks- und freiheitsfeindlichc Lösung nicht zu erwarte», also aus Unigestaltuug der heutigen Ver- Hältnisse Europas hinzuwirken ist"). Alls Münch«« wird uns telegraphisch mitgetheilt, daß am Sonntag die Maidemonstration in H o l z a p s e I k r e n t von zirka 30000 Personen besucht war. Die Feier wnrde uui 4 Uhr nachmittags zwar dnrch eintretenden Rege» gestört, was aber dem imposanten Verlauf des Festes keine» Eintrag thun konnte. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Aus Breslau wiro berichtet: Die weiblichen Vertrauens- Personen der hiesigen sozialdeinokratischell Partei, Fran Alice Geiser und Frau Ida Kaiser, die der Fortsetzung eines 1892 gerichtlich geschlossene» Vereins, der Aufnahme von Frauen in den- selben und der Verbindung mit dem Männerverein angeklagt waren, wurden zu je 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Zugleich wurde die Auflösung des Franenvereins verfügt. — In H a l l e a. S. wnrde der Parteigenosse Karl Brandt. früherer verantwortlicher Redakteur des„Bolksblatts für Halle", vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Pfarrers Habermaun in Theißen zu 60 Mark Geld- oder 12 Tagen Gesängnißstrafe verurtheilt. — Der Parteigenosse S o ch e in Harburg hatte nach Ver- büßung einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe über verschiedene Miß- stände im Allonaer Gefängniß Beschwerde geführt. Von der Ober- slaatsanwaltschast in Kiel ist ihm jetzt mitgetheilt worden, daß das Erforderliche zur Beseitigung der Mißstände veranlaßt sei. — Dem im Gefängniß lveilende» Redakteur der„Niederrheinischen Volkstribüne" in Düsseldorf, Genossen Wessel, ist seit den» I. Mai erlaubt, ein zweites Blatt zu halten, und zwar die„Köln. Zeitung". Auch darf er sich jetzt selbst beschäfttgen. Die andere Zeitung ist vermnthlich der„Rcichs-Anzciger" oder ein anderes Amtsblatt.— In Plötze nsee, dessen Direktor Wirth unseres Wissens ans de» Kongressen der Gefäugnißbeamten einst als H n m a n i tä t s p r ed i g e r eine große Rolle spielte, ist der politische Gefangene auf die völlig unzureichende Lektüre des „Reichs-Anzeiger" angewiesen, eine andere Zeittmg darf er über- Haupt nicht halten, ja selbst die Lektüre periodischer wissenschastlicher Revuen ist ihm versagt. — In einer Polemik gegen die„Bolkszeitung", die behauptet hatte, daß es in Sachsen mit der Behandlung politischer Gefangener noch nicht so schlimm bestellt ist wie i» Preuße». schreibt die„Sächs. Arb.-Ztg.":„Auch in Sachsen müsse» Preß- sünder in den Landes-Strafanstalten Gefängnißklcidung tragen, »lüsscil sich scheeren lassen und müsse», wen» sie schon Gefängniß- strafe erlitten haben, längere oder kürzere Zeit Filzpautosseln machen, Filet stricken. Wolle zupfen oder ähnliche angenehme Be- schäftigungeo treibe». Zirka ein Tutzend Redaktcure der „Sächsischen Arbeiter-Zeitung" und ebenso eine ganze An- zahl llledakteure anderer sächsischer Parteiblätter, unter ihnen ans allerjüngster Zeit den Reich stags-Abgeordneten Horn, könnten wir nennen, die diese Kur durchgemacht haben. In dem einen oder anderen Falle wird zwar manchmal die eine oder andere Ausnahme gemacht und die eine oder andere Erleichte- ru»g gewährt; der eine darf mal seinen Bart stehen lassen, der andere dars'mal eigene Wäsche trage», einer bekomint wohl'mal die Eelbstbeschäftignng schon nach einigen Tagen, ans ärztliche Ver» ordnung werden auch wohl'mal einige Erleichterungen der Kost ge- stattet durch Gewährung von etwas Butter und Milch; *) Zu diese» Vorträgen in Dresden hatte ich»»ich schon vor Monate» verpflichtet. Zahlreiche Einladnnge» von anderen Orten mußte ich ablehnen; und ich benutze die Gelegenheit, um mit» zutheilen, daß ich b i S zur Erledigung meines B r e s. lauer Prozesses, der nach Schluß der ReichStagssessio» beim Reichsgericht zur Verhandlung kommen wird, keine Einladung zu Versammlungen außerhalb Berlins a» u r h»» c n kann. W. L i e b k n e ch l. }rt wir kenne» einen Fall, wo vollständige Selbstnerpslcgung gewährt ivurde. In» allgculeinen hat aber jeder der lo�ialdemokralische» Preßsünder alle Schönheiten unserer Straf. Anstalten durchzukosten, und wir wissen Fälle, wo Redakteuren nicht die geringste» Er- leichterungen gewährt wurden. Dazu kommen noch verschiedene„Kleinigkeiten". Zum Beispiel werden hier in Dresden bei der Einlieferung die für Strafanstalten bcstinuntcn Gefangenen in eine Badewanne gestellt und darin von einem Slräfling mit Scheuerbürste und Schmierseise behandelt wie ein Sliick Holz. Dieser Prozedur wurden auch unsere Redakteure unterworfen. Bon den Anfsehern der Strafanstalt wird man dann beim Elnpialige mit alle» anderen über einen Kamm geschoren, mit„Ihr" angeredet und einem für die Vorstellung bei der Direktion der„militärische Gruß" beigebracht. Bei der Direktion heißt es dann statt:„Wie heißen Sie", „wer ist das". Beim vorigen Arzte in Zwickau hieß es entweder „Er", oder man wurde gar nicht angeredet. Es wurde dann nur geschrien:„Nähertreten!"„Ruindrehen!" u. f. w. Als Ehren- erweisung mußte man vor dem Herrn die Brille abnehme». Dan» beim täglichen„Spaziergange" mit allen anderen dreiviertel Stunden im Kreise herumrennen, vor dem Herren Aufseher stramm stehen; Zelle scheuern, Fenster putzen, gelegentlich an' dem Hofe den Kübel ausscheuern: daS alles sind Dinge, die unsere Redakteure über sich ergehen lassen mußten. Es kann danach keine Rede davon sein, daß es„mit der Behandlung politischer Gefangener in Sachsen nicht so schlimm bestellt ist". Wir hatten schon damals, als Genosse Auer in» Reichslage die unseres Erachtens viel zu rosige Schilderung der politischen Gefangenen in Sachse» gab, die Absicht, diese nach unsere» eigenen Erfahrungen ausführlich darzustellen. Im Drange der Geschäfte unterblieb es damals. Jetzt sei dem»venigsteus durch diese kurzen Bemerkungen genüge gelhan." Go Me vk MMstl irszvS. Deutsches Reich. Nu die Arbeiterschaft Deutschlands wenden sich die Neu- I s e n b u r g e r W ä s ch e r e i- A r b e i t e r i n n e u um tbatkrästige Unterstützung. Der Streik dauert bereits vier Wochen und noch ist keine Aussicht auf baldige Beendigung. Neu-Isenburg ist das Köpenick für Frankfurt a. M. Die Hauswäsche der be> mittelteren Familien Frankfurts ivird fast ausschließlich in Isenburg gewasche». Die Streikenden haben sich deshalb auch durch ein Flugblatt au die Bürgerschaft Frankfurts geivandt,»vorin darauf hingewiesen ist, daß die Behandlung der Wäsche seitens der Streikbrecherinnen nicht den berechtigten Anforderungen der Kundschaft entspreche. Vielfach gäben die Wäschereibesitzer jetzt, da sie nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung hätten, die Wäsche in die Dampfwäschereien in Frankfurt. Unter den 180 Wäscherinneu, ivelche die Arbeit niederlegte», hat sich noch keine Streikbrecherin gesunde»; sie sind auch all« organisirt. 50 Arbeiterinnen arbeiten bereits zi» den neuen Be- dinglnigen. Die minimalen Forderungen: 10 Stunden Arbeitszeit, Tagelöhne von 1 M., 1,40 M. und 1,50 M. scheine» es weniger zu sein, ivelche den Widerstand der Wäscherei- besitzer herausfordern, sondern ihnen scheint es vielmehr auf die Unterdrückung der Organisation anzukommen. Daß das aber ver- hindert werden wird, hoffen die Streikenden beslimnit und ersuchen deshalb nin die materielle Unterstützung der Arbeiter Deutsch- l a» d s. Gelder sind zu senden a» Frau K l a r a Z e t k i n, Stuttgart, Furthbachstr. 12, Frau Wenzels. Berlin 0., Fruchlstr. 80, an G n st a v Freitag, Neu-Isenburg, Lndwigstr. 54.— Arbeiter- freundliche Blätter»verde» dringend un» Abdruck gebeten. Tie Tischler i« Breslau beschlossen, überall da die Arbeit einzustellen, Ivo folgende Forderungen nicbt beivilligl»verde»: 54 Stunden wöchentliche Arbeitszeit; 35 Pfennig Stundenlohn; bei Akkordarbeit ist ein Abschlag in Höhe des Stundenlohns zu zahlen; Lohnzahlung am Zahltage vor 6 Uhr abends und zwar soll der fertiggestellte Akkord, smvie der fällige Loh»» nach Abzug der Versichernngsbeilräge unverkürzt zur Auszahlung gelangen; Abzüge für Maschinenarbeit sind unzulässig; Akkordarbeit soll»ach einem zu vereinbarende» Toris bezahlt»verde»; für Ueberstuuden und Sonnlagsarbeit sollen 50 pCt. Zuschlag, für Stadimontage 10 Pf. Zuschlag pro Stunde gezahlt»verde»; den Arbeitern ist das nothlvendige Werkzeug zu stellen oder für Be- »ntzung eigenen Werkzeugs 50 Pf. Entschädigung pro Woche zu ver- güteu. Der Beschlaß zu streiken ivnrd« gefaßt,»veil die Freie Ver- einigung der Möbelfabrikante» die Forderungen rundweg abgelehnt und die erste Tischler-Junung nicht einmal geantivortet hat,»vährend die zweite Tischler-Jnnung zwar verhandelte, jedoch angeblich»vege» ihrer Schwäche zu keinem Resultat kam. Der Streik sollte am Montag beginne»; er wird möglicher- »veise sehr großen Umfang annehmen. Zuzug ist streng fern- zuhalten. Vom Versammlungsrecht in Preiisici». Der Amtsvorsteher in A l t- P i l l a u verbot die Abhaltung einer Hafenarbeiter- Versammlung,»veil das geinielhete Lokal„höchstens hundert Personen bequem aufnehmen kann,»vährend die Zahl der in der Stadt Pillau oder Dorf Alt-Pillai» wohnende» Hafenarbeiter 250 bis 300 beträgt". Außerdem könne er„auch mit Rücksicht auf die im hiesigen Orte sehr z»» Exzesse» geneigte Arbeiterbevölkerung eine größere Ansammlung von Menschen in einem Lokale nicht dulden". Nachträglich hat der AmtSvorsteher die Versainnilnng zwar noch gnädigst gestattet, aber das Verbot zeigt doch,»velche Seltsanikeile» man sich heutzutage gegen die Arbeiter erlauben z>» dürfen glaubt. Die Maurer in Königsberg i. Pr., die wegen ihrer Forde- rungen: 50 Pf. Stundenlohn und zehnstündige Arbeitszeit, init den Unternehmern in» Kampfe liegen, haben das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen. Ans Glbina berichtet die„KönigSberger Volkslribüne": Eine hiesige Zigarrensabrik baut noch eine» Arbeitssaal,, velche»«in Berliner Unternehmer ausführt. Der Bau soll zu Pfingsten fertig sein und sind auch daran mehrere Berliner Maurer beschäftigt. Dieser Tage stellten die Elbinger Maurer die Arbeit ei»,»veil ihnen nicht der verlangte Loh» beivilligl wurde, und die Berliner Kollege». trotzdem diese einen höheren Lohn erhielten und solveit»vir unter- richtet sind, keinen Lohnausschlag verlangt haben, wurden, wie der Unternehmer selbst sagte, krank, und konnte» auch nicht»veiter arbeiten. Der Bau ruht jetzt. Es war auch die höchste Zeit, daß einmal Berliner Maurer nach Elbing kamen. In Danzig stehen Maurer und Zimmerer in einer Lohnbeivegung. Die Maurer verlangen 45 Pf. Stundenlohn für jeden, die Zimmerer 40 Pf.»nit entsprechenden Abstufungen für jüngere Arbeiter. Außerdem verlangen beide Fachkategorien Auf- schlüge für Ueberzeitarbeit. Wie die„Königsberger Volkslribüne" hört, ist Aussicht vorhanden, daß die Forderungen ohne Kampf durch- gesetzt iverde». Das Gewerkschaftskartell in Bremen erhielt von einer öffentlichen Ge>verkschaslsve»sa,n»ll»l»g den Auftrag, Milte! und Wege ausfindig zu mache», wie die Errichtung eines A u s k u>» f t s» b u r e a u s zu beiverkslelligen ist. I« Magdeburg»vollten die st r e i k e n d e» H a f e>» a r b e i t e r die Arbeit»vieder aufnehme»; da der Direktor aber erklärte,»»»r solche»vieder einzustellen, die der Hafeuarbeiler-Organisatio» nicht angehören, so beschloß eine Versammlung der Streikenden, den Kampf fortzusetzen, bis der Direktor eine andere Antivort erlheilt hat. Ans Rvusdorf»vird der Elberfelder„Freie», Presse" ge- schriebe»:„Die Agitation für Verkürzung d e r A r b e i t s- zeit zieht»innier»veitere Kreise n»d hat ihren mächtige» Rückhalt in der M a i d e m o n st r a t i o n. So vermehrt sich auch hier die Zahl der Fabriken zusehends, ivelche de» 10 stündigen Arbeitstag ein- geführt haben,»vährend man vor ivenigen Jahren kaum eine einzige auftreibe» konnte. Vielleicht sehen die Unternehmer und Fabrikaiile» Verantwortlicher Redaltenr: Robert Schmidt in Berlin. Für den In ihre» Vortheil dabei ein und geben dann auch ihre Ge»leigtheit kund, den Achtstundentag einzusühren." Neber den Zimmererstreik i»» Erfurt wird der„Thüringer Tribüne"»nilgelheilt: Der Borsitzende des Arbeitgeber-Verbaubes hat an die Lohnkommissio» ei» Schreibe» gerichtet,»vorin die Meister unsere Forderungen, bis auf die Nachtarbeit und die Lohnzahlung am Freitag, ablehne». Die Herren schreiben ausdrücklich, daß»vir sie nicht mit weiteren Schreiben belästigen solle»». In der Stuhlfabrik vo» Georg Damin in Burgstädt (Sachsen)»st gestern Vormittag infolge Maßregelung»vegen der Betheilignng an der Maifeier ei» Streik ansgebrochen. Beiheiligt sind 18 Stuhlbauer. Zuzug ist streng fernzuhalten. Tie Töpfer Münchens haben,»vie uns ein Privattelegramm meldet, am Montag den partiellen Streik begonnen. Sie bitten uü» Vermeidung des Zuzugs. I» Schwabach i» Mittelfranken stehen die Maurer, S t e»» h a u e r und Zimmerer i» einer Lohabewegnng. Sie fordern 32- 34 Pf. Stundenlohi» und dcsinilive Einjührung des Zehnstundentages. Ter Ausstand der Banschlosscr Mannheims hat nach l4tägiger Daner mit den» Siege der Arbeiter geendet. Die Meister beivilligte» folgende Forderuiigen: lOstündige Arbeitszeit, 28 Pf. Mindestlohn die Stunde, 25 pCt. Aufschlag für Ueberstunden, 50 pCt. Aufschlag für Sonn- und Feiertagsarbeit; aus- »värtige Arbeiten werden mit 1 Mark, wenn Uebernachten nölhig, mir 2,50 Mark Zulage bezahlt: der Lohn ist»vöchent- lich nach Schluß der Arbeiiswit auszuzahlen; längeres als viertel- stündiges Warten wird als Ueberstundc betrachtet; Abschaffung der Akkordarbeit. Die Tnpezirer Mannheims, die zur Erringung des Neun- stinidentages im Streik stehen, ersuchen die Fachgenossen dringend um Vermeidung des Z»lzugs, da die Meister ausivärts Ersatzkräfte suche». Ausland. AnS Ostran wird tekegraphirt: In dem Jgnazschacht bei Ellgolts ist ein partieller Streik ausgebrochen. 600 Heuer und Schlepper befinden sich in» Ausstand. In Rarba stehen,»vie der„Köln. Ztg." aus St. Petersburg tekegraphirt»vird, die Arbeiter der dortige»(Kränholm'schen) A k t i e n- B a u m>v o l l s p i n n e r e i im Streik. Sozmses. Fiir de» Nchtnhr-Ladcnschlnst erklärt sich die Handels- k a»» in er»n B a r in e n in ihren» l3S6er Jahresbericht. Sie sagt ». a.:„Die Ausarbeitnngei» der Reichskommission für Arbeiter- statistik, so weit sie die Vorschläge zur gesetzlichen Regelung der Arbeitsverhältnisse der Angestellten in offenen Verkaus-stellen i» materieller, geiundheillicher und sittlicher Beziehung betreffen. haben in de» hiesigen betheiligte» Kreise» sehr angesprochen. Insbesondere»vnrde das Bestreben, de» Angestellte» eine be- stimmte Ruhezeit zu sicher», unter Anerkennung der vielfach vorhandene»» Mißstände, in vollem Maße gebilligt und fast allgemein dem gesetzlichen Achtuhr- Ladenschluß Beifall ge- zollt... Die Bedenken, die jenen Vorschlägen, besonders auch»in Abgeordnetenhanse entgegengehalten»vnrde», sind nach der Ansicht hiesiger Interessenten keineswegs durchschlagender Art. Naineiitlich »vird enlschiedeii bestritten, daß durch den Zivang z»m gleichzeitigen Schluß aller Läden zn bestimmter Abendstunde der Absatz nnd somit die Erzeugung beeinträchtigt»verde, und daß dies zur Entlastung zahlreicher Angesulller führen müsse. Jeder Geive» betreibende freut sich heute der Sonntagsrnhe; ebenso»venig»vie die bei Einführung dieser Maßregel laut gewordenen gleiche» Befürchtmige» eingetroffen sind, dürste» jene Bedenken sich beivahrheiten." Ten mitteleuropäische» Znckerfabrikantcn droht auf dem Weltmarkt ein»euer Konkurrent, nämlich Egypten. Der dortige Rohrzucker soll gehallreicher sein als der europäische Rübenzucker und ist, schon»vege» der niedrigen Arbeitslöhne, billiger als dieser. In Ober-Egypte» besonders und in den»viedergeivonncne» suda- »csischen Provinze»»vird der Anbau des Zuckerrohrs, dem daS dortige Klima besonders günstig ist, gegenivärtig sehr lebhast be- triebe», so daß i» kurzer Zeit ei» bedeutender Anfschwnng des cgyplischcn Zuckergeschäfts erwartet»vird. Bon den bestehende» Znckersadrike» Egyptens gehören z>vei Drittel dem Khedive; bei den übrigen ist sranzösisches und englisches Kapital betheiligt. Gevidjts Rettung. Einer von den zahlreichen Beleidignngs-Prozessen»»velche gegen de» bekannte» Buchdruckereibesitzer Oswald K n o r r, den Verleger der„Charlottenburger Nachrichten" schivebeii, gelangte gestern vor der vierten Slraikammer am Landgericht zur Verhandlung. Knorr ist im Februar d. I. vom Ckarlottenburger Schöffengericht »vege» öffentlicher Beleidigung des Landrichters, früherei» Amts- richters Dr. Hirsch zu sechs Monate» Gefängniß vernrtbeilt worden. Er hat gegen dieses Urtheil Benifinig eingelegt, weil er sich zu»»»reckt verurtheilt wähnte; andererseits halte die Staalsarivallschast Benisnng eingelegt,»veil die erste Instanz nickt,»nie beantragt ivorden»var, aus ein Jahr Gefängniß erkannt halte. Gegen Knorr schivebte im Jahre 18S5 ein auf Antrag des Blichdruckereibesitzers Schmücke»- eiugeleiieles Verfahren»vege» Betruges. Knorr sollte den Schmttcker durch die falsche Vorspiegelung, daß er eine Staatsanilellung zu erwarten habe, -nr Kreditgewährung bestimmt haben. I» der ersten Instanz, dem Charlottenburger Schöffengericht unter dem Vorsitz des'Amtsrichters Dr. Hirsch, wurde Knorr verurtbeilt, in der Berufnngsinslaiiz erfolgte jedoch seine Freisprechung,»veil das Beruiungsgerichl den Zusammen hang zwischen der falsche» Vorspiegelung und der Vermögensbeschädigimg nicht für genügend nachgennefe» hielt. Darauf ließ Knorr ain I.Febr.189K in seinem Blatte eiiien„Offene» Brief a» Se.Exzellenz den Jnstizminister Schönstedt erscheinen, der diverse Beleidigungen des Dr. Hirsch ent- hielt. Es»vnrde demselben znu» Borwurf gemacht, daß er daS Recht gebeugt, daß er einem Belastungszeugen eine falsche Aussage suggerirt bezw. in den Mund gelegl habe. Da Zeugen nicht geladen»varen. so beantragte der Slaais- ai»valt ei» Jahr Gefängniß. der Angeklagte verlangte jedoch Beiveiserhebimg darüber, daß Dr. Hirsch lhalsächlick die Wahrheit verschleiert habe, und beantragte die Beruehinuug deS Musikdirektors Hainuiacher und des RechisaiuvaltS Ballien II. Der Gerichtshof gab diesem Antrage statt, ging aber»och weiter und beschloß, zu einen» neuen Termine a»tch de» Landrichter Dr. Hirsch, die beiden Schöffe» und den Anitsanivalt, die in jener Schöffensitzimg amtlich fungirt haben, als Zeugen zu laden, um die Wahrheit voll und ganz zu ermitteln. „Unlauterer Wettbewerb." Für weitere kaufmännische Kreise von hervorragendem Interesse ist eine»vnnd-rliche Klage ivegeu un- lauteren Wettbewerbes, die das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Privatkläger»var der Fabrikant künstlicher Bluuie» Constaul Blniron hierselbst, Beklagter der Kanfmann A. I a n d o r s. in Firma Hamburger EngroS-Lager A. Jaudors u. Ko. hierselbst. Die Klage gründete sich auf folgende»», vom Rechtsanwalt Dr. Seligsohn l behaupteten, vom Bellagte»»ur i» umvesenllichc» Punkten bestrittenen Thatbeltaud: Der Angeklagte Halle in denEchaiifenstern seinesGeschäfts am Spiltelmarkt fast einen Monat hindurch Plakate angebracht, ans ivelchcii mit große» Buchstaben angezeigt»var. daß ein Dutzend Veilchen e i n e» P s e n» i g loste. Nu» kostet die Herstellung künstlicher Veilchen schon 2 Pf. pro Dutzend, Jandorf selbst hat für die Veilchen seinem Lieferanten auch diesen Preis bezahlen müssen. Der Angeklagte behauptete nun zivar ,»it rcchr, daß ihm niemand venvehre» könne, seine Waaren zur Hälfte des Einkaufspreises zu verkaufen, der Privatkläger behauptet« aber, und trat dafür den Beiveis an, daß der Angeklagte in diesem Falle gar nicht die Absicht hatte,»virklich zu diesem Preise zu verkaufen, sonder» die billige Preisaiikündigung nur als Mittel benutzen»vollte, um Käufer für andere Sachen anzulocken. Der er- watentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnict nnd Verlag von staunlich billigt Preis der Veilchen zog denn auch viele Kausinstige heran. Der Angeklagte soll nun aber höchstens 12 Dutzend, d. h.«in Groß zn dem angezeigten Preise von 12 Pf. ver- kauft haben; verlangte dagegen jemand 15 Dutzend, so wurde die Waare nicht zn dem angezeigten Preise, sondern zn dem Preise von 25 Pf. abgelassen. Ebenso solle» Leute, die vormittags 1 Groß für 12 Pf. gekauft hatte», zurückgewiesen »Vörden sein, wenn sie am Nachmittage»vieder 1 Groß für denselben Preis verlangten. Auf grund der Beweisaufnahme und des Gut- achtens des gerichtlichen Sachverständigen. Blumenfabrikantcn F. Lonis,»velcher bekundete, daß der dem reellen Blnmenverkäufer zugefügte Schaden ein sehr bedeutender ist und der Privatklnger zu den am meisten Geschädigten gehört, erachtete der Gerichtshof den Beschuldigten des Vergehens gegen§ 4 des Gesetzes zur Bekäinpfnng des unlauteren Wettbewerbes schuldig und verurlheilte ihn zn eluer Geldstrafe von 100 M. Wegen versuchter Berleitnug zn>n Meineide stand gestern die Sprachlehreri», Wiltive Anna G r i g or i a n vor der I. Straf- kammer des Landgerichts I. Die Angeklagte wohnte im Dezember 1895 bei den Agent Körner'schen Eheleuten. Sie»vnrde von ihre» Wirthsleuten beschuldigt, ihnen«inen Geldbetrag von? M. a»s einer Tasche gestohlen zu haben, die in einen» Spinde hing. Das Schöffengericht hielt die Angeklagt« trotz ihres Lengnens für überfnbrt und verurtheilte sie zu drei Wochen Gefängniß. Die Angeklagte legte Berufung ein und beantragte die Ladung der Tischlers-Ebefran Letto, welche bekunde»,»vürde, daß ihre gcnieinsanie Bekannte, die Ehefrau Körner, ihr gegenüber ein- geräumt habe, daß sie die Angeklagte gar nicht bei dem Spinde betroffen habe. Frau Letto ivurde in der Berusiingsinstanz vernommen, erklärte aber, daß ihr alles, was unter ihre Wissenschaft gestellt sei, völlig fremd sei. Frau Körner habe nie eine der- urlige Aeußerung zu ihr gethan, dagegen sei die Angeklagte drei Tage vor dem Termine bei ihr gewesen u»d habe sie gebeten, durch die eidliche Abgabe eines Zeugniffes im Sinne der Angeklagien ihre Ehre zn retten. Der Zeugt» sei dafür eine fürstliche Belohnung in Aussicht gestellt»vordc». Die Folge dieser Aussage war, daß gegen die Wiltive Grigorian das obige Strafverfahren eingeleitet ivurde. In» gestrigen Termine behauptete die Angeklagte, daß sie lediglich das Opfer der Rachsucht ihrer Feindinnen»verde» sollte; die Zeugin machte aber einen so glaubhaften Eindruck, daß der Gerichtshof die Ueberzengung von der Schuld der Angeklagten geivann und sie zum niedrigsten Strafmaß. ein Jahr Zuchthaus, verurtheilte. Die An- geklagte»vnrde sofort in Haft genommen. DepeMen und letzte Muchvntzten. Hamburg, 10. Mai.(Privat-Depesche des„Vorwärts".) Süd- »vestlich Helgolands hat eine Kollision zivische» dem»orivegischen Schiff„Bndvar" und dem holländischen Dampfer„Virginia" statt- gefunden. Beide Fahrze»lge sind gesunken. Die Mannschaft„Budvar's" ist gerettet. Neu» Mai», vom Dampfer„Virginia" sind ertrunken, außerdem wird ein Boot mit 3 Manu vermißt. Hamburg, 10. Mai.(W. T. B.) Die„Hamburgische Börsen- halle" meldet: Die Hamburg-Amerika-Linie hat heute ihren Zivische»»- deckspreis nach Montreal»md denjenigen der Linie Stettin— New- Jork ans 130 M. erhöht. Frankfurt a. M.» 10. Mai.(W. T. B.) In Anwesenheit von Vertretern der Staats- und städtischen Behörden, vnrde heute die Verhandliingen der Z e n t r a l st e ll e sür A r b e i t e r- W o h l- f a h r t s- E i n r i ch t n n g e» durch de» Vorsitzende» Staats- sekretär a. D. Herzog eröffnet. Etwa 80 Theilnehmer»varen erschienen. Stadtrath Dr. Flesch-Frankfurt a. M. hielt einen Vortrag über koinnnlnale Wohlfahrtspflege, an»velchen» sich eine längere Diskussion anschloß. Die Verhandlungen»verde» morgen fortgesetzt. Koustantinopel» 10. Mai.(W. T. B.) Offizielle Depesche. Der Kommandant des Truppenkorps von Epirus meldet ans grund eines Telegramms Hnsni- Paschas, des Konnnandante» der I. Brigade: Ei» griechisches, auS Regulären und Freiwilligen bestehendes Detachenient, das sich auf den Höhen nächst Knmarina, einem Dorfe 25 Kilometer nördlich von Prevefa, festgesetzt hatte, wurde vo» drei Bataillonen türkischer Truppen mit Geschützen angegriffen. Nach einige» Kanonenschüssen wurde Kamarina vo» de» Türken erstürmt. Die Griechen zogen sich i» die dnbinter liegende Kirche zurück, ivelche gleichfalls von de» Türken erstürmt»vnrde. Die Griechen,»velche große Verluste erlitten, zogen sich nunmehr über Claro Tcpe in das Thal bis zur Brücke des heiligen Georgios zurück,»vo sie eine» verziveifelten Angriff unternähme», der jedoch von den türki- scheu Truppen zurückgeiviesen ivurde. Die Griechen sind in»vilder Fliicht davon geeilt.— Der Bali von Ueskneb mcldet, daß 300 Frei- , villige vo» Jpek abgegangen sind,»velche einen Eid geleistet haben, sich streng nach dem Befehl des Sulla,»s zn verhalten. Konstantinopel, 10. Mai.(N. Fr. Pr.) Die türkischen Be- dingungen sür de» Friedensschluß»verde» gege,uvärlig in de», den, Zjildiz Kiosk nahestehenden Kreisen wie folgt an- gegeben: I. eine Kriegsentschädigung von drei Millionen türkischen Pfund; 2. Grenzreguliiung bei Prevesa, Metzovo, Grania, Damassi oder bei Meluna nnd Analypsis. Bezüglich Prevesa's»vird die Ziirückgabe der gegenüber gelegene» Land- zunge mit dem Fort Pnnt.ckale und die Analypsis gegenüber ge- legene» Anhöhe» gefordert. Einige Stimme» plaidire» dafür, die Ostgrenzeu bis zun» XeriaSflusse und zun» Tempethal auszudehnen; 3. Annullirung der z», gunsten der griechischen Unlerthaneu abgeschlossene» SpezialVerträge, Zlnslieserung der Panzerschiffe und Regelung der Krelafrage durch Beschränkung der versprochenen Autonomie zu gunsten der Pforte. Wen» auch nicht alle Be- dingnngen erfüllt»verde», so rechnet»»an doch auf ein ent- sprechendes Aeqnivalent für die Kriegskosten. Mit Rücksicht auf die Stimmung der Mohamedaner kann das okkupirt« griechische Gebiet nicht verlassen und die Armee demoralisirt»verde». Anderer- seits erivarlet man auch im Dildiz-Kiosk sehnsüchtig dte Jnterveilliou der Mächte, da man sich von einen» weiteren Vormarsch keinen größeren Gewinn verspricht. Athen, 10. Mai.(B. H.) Die antidynastischen Kundgebungen nehme» zu. Seiiens einige» Blätter»vird Anklage gegen das Mi- »islerinm erhoben,»veil dasselbe zur Räumung Nrela's seine Ein- »villigung gab. Athen. 10. Mai.(B H.) Seit einigen Tagen beschäftigt sich das Blatt„Ephäuieris" mit skandalösen Enthüllungen über die Ver- waltnng der Gelder der Nationalgescllschaft. Es wird angedeutet, daß die in Griechenland gesanunellen Gelder nicht ehrlich verivaltet »vurden. Die geheime» Leiter»verden ausgefordert, Rechenschaft ab- zulegen und die noch vorhandenen Summen an die Staatskasse ab- zuliefer»». Larifsck, 10. Mai.(W. T. B.) Nach den» Nnslanfen des griechischen Geschwaders sind das französische, das italienische und daS englische Stalionsschiff im Hasen von Volo ver- bliebe». In der Stadt, die i»ililär>sch besetzt ist, herrscht Ruhe. Die Türke» haben ans den Volo umgebende» Höhen Stellung genommen: die türkische Hauptmacht ivurde»ndeß von Volo zurückgezogen und marschirt»ach einem anderen Punkte. In Volo»vnrde» viel Waffen nnd Schießbedarf, auch Pulver und Lazarethmalerial gefunden. Das türkische Hauptquartier, ivelckes die Nacht über in Vclestino»var, kehrt beute»ach Larissa zurück; wahrscheinlich wird dasselbe den Vormarsch fortsetzen und nach Pharsala weiter rücke». Alle Pharsala beherrschenden Berge sind von den Türken besetzt. In Larissa ist eine neue Division mit Manser-Gewehren be- »vaffneter Nizams eingetroffen, die von hier alsbald weitergeht. Laniia, 10. Mai.(Franks. Ztg."). Auch hier befinden sich Flüchtlinge aus dem Inner» Thessaliens. Dieselben kanipiren auf Straßen und auf offenem Felde. Die Türken stehe» bereits z»völf Kilometer vor Domoko. Larissa, 10. Mai.(W.T.B.) Die Einwohner von Volo bleiben im Orte; sie begrüßen die Türken respektvoll nnd heiße» sie»vill- kommen. Die Türken, obivohl ermüdet, rückten i» guter Ordnung in die Stadt ein. Rax Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Nnterhaltnugsblatt. it. 108, 14. IahtMg. ■ KilM dts„Pmiitls" Ktlim NslksdlR DieOs. 11. Uli 1807. Erlrvnilfe Auf rinev K>olizeitUAche bildeten de» interessanten Gegenstand einer Verhandlung, die am 10. Mai vor dem Schöffengericht des Zlmtsgerichts II gegen den Tischler Otto geführt wurde. Wir berichteten in Nr. 183 vom 13. August 1836 über diesen Fall. Seitdem schwebte eine Unter- snchung, in der eine Menge von Zeugen vernommen wurde, und die, wie das so zu sein pflegt, damit endete, daß Anklage gegen Otto erhoben wurde, während die Staatsan wallschaft die von Otto gegen zwei Beamte gestellten Straf- antrage ablehnte. Die Verhandlung vom 1». Mai dürste der Sache wohl noch eine neue Wendung geben. Der Tischler Otto kam am Abend des 10. August 1836 etwas angetrunken ans die Polizeiivache in der Nollendorfstr. 6, um sich polizeiliche Hilfe gegen einige Flnrnachbarn zu erbitten, die nn- befngterineise einen Rani» seiner Wohnung benutzten. Kurz vorher hatten schon andere Hausbewohner in derselbe» Streitigkeit zur Polizei geschickt, so daß man dort über die Sache schon einigernaßen oricntirt war. Im Flur der Polizeiivache traf Otto niit dem Amtsdiener S ch u m a n n zusammen. Dieser behauptet nun. nachdem er es abgelehnt habe, in diese Privalslreitigkeit einzugreisen, habe ihn Otto mit Schimpf- ivorlen überhäuft und thätlich augegriffe», sodaß er genölhigt , Vörden sei, zusammen mit dem Amisdieuer Rolle de» Olto an Händen und Füßen zu fesseln und ihn nach dem Amtsgesängniß in -chöneberg z» schaffen. Otto dagegen will, kaum daß er seinen Namen genannt hatte. von Schumann mit den Worten:„Aus Sie Schweinehund habe» wir schon gewartet" ins Gesicht geschlagen und zu Bode» geworfen worden fein. Er piebt an, daß ihn Schumann und Rolle demnächst an. den Händen, dann auch an den Füße» gefesselt, ihn mit Säbelhieben und Fußtritten ge mißhandelt, ihn die Treppe hinabgeschleift und in eine Droschke geworfen hätten. Die Mißbandlnngen seien in der Droschke und endlich auch in der Zelle des Polizeigefängmsses fortgesetzt worden. Dort habe man ihr ohne jede Pflege gefesselt liegen lassen, obgleich er stark blutete, und erst Millen in der Nacht seien ihm die Fesseln wenigstens an den Füßen abgenommen worden. Jedenfalls befand sich Otto am nächsten Morgen, alS er dem Stellvertreter des Amtsvorstehers vorgeführt wurde, i» einem solchen Körperzustnnde, daß dieser Herr nicht glauben zu könne»«leinte, daß Otto diese Verletzungen nicht schon mit in den Polizeigeivahrsam gebracht bätte. Otto wurde sofort entlassen und mußte sich 4 Woche» taug im Krankenhaufe beHandel» lassen. Der Arzt stellte damals folgendes fest: Der Mann befindet sich körperlich im Zustande fast völliger Erschöpfung. Sein Körper weist frische Zeichen der entsetzlichsten Verletzungen auf, und zwar: Augen: Konjunktualblutungen, starke Schwellungen und dunkel- blaue Verfärbung der unteren und oberen Augenlider beiderseits. Im Gesicht: Reichliche kleinere und größere Schrammen und gelbe Flecke, geschwollene Lippe». Arme: Linker Oberarm weist auf der Streckseste eine stark« Quetschung der gesammten Muskelmasse, Schwellung, sowie gelbe und dunkelblaue Verfärbung auf. Desgleichen linker Ellenbogen. Linker Handrücken hochgradig geschwollen, schmerzhast. Linke Schulter- blattgegend bltttnnterlaufen, geschwollen, grüngelb verfärbt. Rücken: In der Milte der Wirbelsäule und von da nach rechts in der Ausdehnung von der Größe einer Handfläche ähnliche Effekte von Quetschung. Denselben Effekt weist die Kreuzbeingegend auf. Beine: Das ganze linke Bein einschließlich des Gesäßes stellt eine große Fläche rolher, grüner, gelber, bluiunlerlaufener Striemen dar. In der Gegend des Hüftgelenks eine tiefe, drei Zentimeter lange stichartige Wunde, die unter sichtbarer Dnrchtrennung der Muskeln in die Tiefe dringt. Im Verlaufe des Beins befinden sich noch zwei oberflächliche Wunden. Rechtes Bein weist bedeutend weniger Verletzungen auf. Daß Otto diese Verletzungen erhalten hatte, als er sich unter der Obhut der Polizei befand, darüber war kein Zweifel. Auf die Art, wie sie ihm beigebracht worden waren, warfen die Zeugen- aussagen einiges Licht. Der Drechsler Müller wohnte im Hause, wo die Polizei- ivache ist, parterre auf der anderen Seite des Hausflurs. Er hörte ei» schreckliches Hilfcgefchrei, trat hinaus, und da Schumann die Flurlhür der Wache etwas aufgelassen halt«, konnte er sehen, wie der am Boden liegende AugeNagte von einem Polizeibeamten mit einem biegsamen Gegenstaude. anscheinend einer Säbelscheide geschlagen wurde. Nach dem Zu- geftänduiß des Schumann war der Angeklagte damals schon an den Händen gefesselt, trotzdem behauptet Schumann, daß die Schläge zur Abwehr gegen Olto, der mit den Füßen nicht ruhig gelegen hätte, nöthig gewesen wären. Ein gewisser Hahn ewald sah nachher noch durch daS Guckloch der Thür, daß die Beamten de» O>to auch mit dem blanken Säbel schlugen. Anch dies giebt Schumann zu, zur Abwehr gethan zu haben. Frl. Müller sah diese Mißhandlunge» auch. Sie hörte dann, wie eine Droschke vorfuhr und wie einer der Beamten sagte:„Wenn ich nur wüßte, wie ich de» Kerl runterbrächt-". Dann sah sie. wie Otto an die Treppe geschleift wurde und hörte, wie fei» Körper auf einer Stufe nach der anderen aufschlug; dem Klange nach muß Otto mit dem Kopfe aufgeschlagen sein, was auch seinen eigenen Angaben und den Verletzmigen entspricht, die er nachher aufwies. S ch u m a n n erklärt es nicht für unmöglich, daß er Otto aus diese Weise die Treppe hinabbesördert habe. Fräulein Müller sah auch, wie Otto über die Straße bis an die Droschke geschleift wurde. Der Droschkenkutscher R ö s e n e r, in dessen Wagen Otto ein- geladen wurde, fand Otlo schon so blutig, daß er sich iveigerte, seine Decke herzugeben, womit die Beamten Olto's Kops umwickeln wollten, damit er nicht schrie. Der Tövfer Graf schilderte die Art, wie Otto, der sich in seiner Fesselnug nicht rühren tonnte, verlade» wurde. Die Beamten warfen ihn quer auf den Fußboden der Droschke, so daß der Kops auf der einen, die Füße auf der andern Seite heraushiugen. Dann wollten sie ihn„zusammenknicken", damit er nicht länger wäre als die Droschke breit war, und dabei schlugen sie fort- während auf ihn ein. Zudem kriegte Olto in der Droschke auch noch von Rolle einen Fußtritt. So ging es zum Amtsgesängniß. Otto bat den Droschken- kutscher um seinen Namen, weil er sich aus sein Zeugniß berufen wollte, und will dafür von Schumann unter den Worten„Was, Du Lump willst auch noch Zeugen haben?" mit Püffen traktirt worden sei». Der Kmscher Rösener faßte an und hals den Olto tragen, weil er es nicht inil ansehen mochte, daß die Beamten ihn wieder über die Straße schleiften. Nachdem sich die Zellemhür hinter Olto geschlossen hatte, gab es natürlich keine Zeugen für das. was dann »och folgte. Ter tiefe, bis dicht an das Hüstgelenk sühreude Säbel- stich, den Otto am nächsten Tage auswies, bestätigte aber seine Angabe, daß erauch dortnoch gestochen worden sei. Vorher kann er diese Wunde nicht empfangen haben, denn den Zeugen wäre schwerlich der starke Bluterguß entgangen, den sie zur Folge hatte. Scbumann bestreitet übrigens nicht, daß er und Rolle den Otto gefesselt in der Zell« liegen ließen, ohne sich um seine Wunden zu kümmern. Charakteristisch ist noch, daß mehrere Zeugen, die über dre nn- erhörten Mißhandlungen Otto's bei der Polizei Beschwerde führten, von verschiedenen Beamten die Antwort erhielten: „Wissen Sie, was der Mann gemacht hat? Der hat seine Frau so geschlagen, daß sie ganz in G'ps liegt." Das sollte wohl eine Entschuldigung für Schumann und Rolle sein, wenn auch nicht klar ist, wieso es diese zu ihren Gewalt- legen. icheir, Jr 8 * s thätigkeiten berechtigt haben würde. Außerdem ergab die Ver- nehmung der Frau Otto und ihres Arztes, daß kein Wort daran wahr war. und daß die Frau den Gipsverband eines organischen Leidens wegen trug. Der Zeuge Müller erzählte, er habe, nachdem ihm auf der Polizei eine solche Antwort gegeben worden sei, seine Wahrnehmungen im„Vorwärts" veröffentlicht. Der Staatsanwalt v. Unruh hob bei Beginn seines Plaidoyers hervor, es könnte keinem Zweifel unterliegen, daß der Angeklagte äußerst roh behandelt worden sei, und er glaube dem Schumann nicht, daß eine solche Behandlung geboten gewesen wäre, selbst wenn Otlo einen noch so heftigen Widerstand geleistet bätte. Namentlich schiene ihm die Behandlung, die Otto in der Zelle erduldet habe, nicht nolhwendig zu sein. Es werde allerdings geprüft werden müssen, ob sich die Beamten damit nicht eines Amtsvergehens schuldig gemacht hätten. Immerhin seien einige Schimpfworte des Olto erwiesen, und dem Schumann sei auch zu glauben, daß zuerst Ot'o ihn an- gegriffen habe, nicht umgekehrt. Deshalb sei Otto wegen Be- leidigung und Widerstandes zu verurtheilen, er beantrage jedoch für jedes die geringste zulässige Strafe von 3, zusammen 6 M. Der Veriheidiger Rechtsanwalt Heine beleuchtete vor allem die Glaubwürdigkeit Schumann's. Er stellte aus den Akten fest, daß dieser in seinem dienstlichen Bericht über die Festnahme Olto's völlig über den Gebrauch der Säbel ge- schwiegen babe, obgleich über jeden Fall des Waffengebrauchs besonders berichtet werden müsse. Das deute, schon allein auf ein schlechtes Gewissen hin. Der Verlheidiger wies ferner nach, daß Schumann bei seinen ersten Vernehmungen jeden Gebrauch der Waffe geleugnet und behauptet hatte, er hätte gar keinen Säbel umgeschnallt gehabt, während er nachher zugeben mußte, mit dem eigenen und mit Rolle's Säbel gehauen zu haben. Einem solchen Zeuge» sei kein Glauben zu schenken, um so mehr, als er stark daran intercssirt sei, sich selber zu entschuldigen, indem er den Angeklagten belastete. Deshalb müßte dem Augeklagten geglaubt ivorden. daß er der angegriffene Theil gewesen sei. Die wörtlichen Beleidigungen, die Otlo ausgestoßen habe, seien mit denen der Beamten auszurechnen. Rechisanwalt Heine wies noch darauf hin, eine wie charakteristische Illustration dieser Fall zu der oft von Behörden aufgestellten Forderung gebe, man solle sich mit Beschwerden über Beamte nicht an die Presse sondern an die vorgesetzten Behörden wenden. Hier hätte der Zeuge Müller einmal diesen Rath befolgt, und erst die Beschönigung, die das Borgehen der Beamten gefunden hätte, wäre für ihn die Veranlassung gewesen, sich an de»„Vorwärts" zu wenden. Das Schöffengericht rechnete nach dem Antrage des Ver- theidigers die wörtlichen Beleidigungen gegen die der Be- ainten ans und erklärte soweit den Angeklagten für straslos. Was den Widerstand betraf, so pflichtete der Vorsitzende dem Veriheidiger bei, daß erhebliche Bedenken gegen Schumann's Glaubwürdigkeit vorlägen, indessen habe das Gericht sich doch nicht entschließe» können, anzunehmen, daß er einen Meineid geleistet habe, und deshalb müsse es davon ausgehen, daß Olto zunächst der Angreifer gewesen sei. Deshalb müsse Olto zwar wegen thätlichen Augriffs gegen einen Beamten verurlheilt werden, aber zu der geringsten gesetzliche� Strafe von drei Mark._ Uoksles« Wieder i» Haft genommen wurde Genosse Erbe gestern Abend 6 Uhr. Erbe war auf das Polizeibureau beschiede», von wo er nach dem Gesängniß abgeführt wurde. Das Verfahren aeßen Wilhelm Buchholz, das mit gewal- tigem Ausgebote von Krrminalbeamten eingeleitet wurde, ist nun eingestellt worden.— Zwei Garnifonkirche» sind am Sonnabend in der Hasenhaide eingeweiht worden. Wir haben in der letzten Nummer nnseres Blattes diesen Borgaug kurz registrirt. Nachzutragen ist zu der Meldung noch, daß der Kaiser, welcher persöulich den Feierlich- leiten beigewohnt hat, den evangelischen Kirchen Altarbivelu mit eigenhändigen Widmnuge» geschenkt hat. In die eine dieser Bibeln hat der Kaiser folgende Worte geschrieben: Joh. lö, 5.„Ich bin derWein stock, ihr seid die Reben, wer in mir bleibet, und ich i» ihm, der bringet viele Frucht, denn ohne niich könnt i h r nichts ihn n." Und in die andere: I e r e in. 7, 22.„Gehorchet meinem Wort, so will ich euer Gott sein und ihr sollt mein B o l k s e i n." Städtische Parkanlagen. Bei der augenblicklich hinsichtlich der Erhaltung des Botanischen Gartens zwischen dem Fiskus uud der Stadtgemeinde Berlin schwebenden Berhand- lnngen dürfte eine Zusamiuensteünng der städtischen Park- anlagen nicht nninteressant sein. Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß Berlin an Parkanlagen ziemlich arm ist. Theils im Besitz des Fiskus, theils in dem der Krone befinden sich der II3/« Hektar große Botanische Garten, der königliche Thier garten(250 Hektar) und der Jnvalidenpark(3 Hektar). Der Stadt ielbst gehöre» eigenthümlich nur der Friedrichshain(53 Hell.), der Humboldtdain(35 Hell.), der kleine Thiergarten(6.25 Hekt.), derViltoria- Park(5 Heki) uud der außerhalb des Weichbildes Berlins befindliche Treptower Park(30 Hektar). Zu diesen Parkaulagen treten noch 76 Schmuckplätze von 40 Hektar Fläche, darunter der Lustgarten, der Platz vor dem Opernhause und der Königsplatz. Diese drei zu- letzt genannten Plätze stehen unter königlicher Verwaltung. Zu der Anlegnug der städtischen Parks gab der Umstand Anlaß, daß der kreuz und quer von Promenaden-, Reit- und Fahrwegen, wie von Schienenstraßen für den Pferdeeisenbahnverkehr durchzogene Thier- garten den Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mehr genügen konnte. So schritt die Stadt zunächst dazu, im Jahre 1840 zur Erinnerung an die 100jährige Wiederkehr der Thronbesteigung Friedrichs des Großen den Friedrichshain zu schaffe». Im Jahre 1864 erfolgte die Au- legung des Treptower Parks, 1365 die des Humboldthains, 1876 die des kleineu Thiergartens und 1332 die des Viktoriaparke. Die An» leguug eines Parkes in der Poiedamer-Vorstadt unterblieb, da die Stadt um so weniger voraussehen konnte, baß jemals an eine Verlegung des Botanischen Gartens gedacht werde» würde, weil erst im Jahre 1873 auf seinem Terrain ein Botanisches Museum er- richtet worden ivar, und seit diesem Jahre große Veränderungen des Garleus stattfanden, die von dem Bestreben der Direktion geleitet wurden, den Garten noch umfassender uud bequemer zu einem Bildungsmittel des Publikums zu mache». Militärmißhaudlnng. Eine kriegsgerichtliche Untersuchung schwebt zur Zeit gegen einen P r e m i e r l i e u t e n a n t v. Bohlen aus Braunschweig, der dem dortige» Husarenrcgiment angehört uud hierher zur Kriegsakademie abkommandirt ist. Der in der Lüneburgerstr. 22 wohnhafte Offizier stebt unter der An schuldignug, den Husaren Fricke, der als Bursche bei ihm in Stellung geivesen, derart verletzt zu haben, daß der Soldat er- krankte und inS Lazareth gebracht werden mußte. Die Miß- Handlungen sind geschehen in dem Pferdestall des Lieutenants, Spenerstraße 23; neben dem Stalle befindet sich ein Hof sowie eine Klempnerwerkstatt, von wo ans die Behandlung, deren der Soldat ausgesetzt war, genau beobachtet werden konnten. Die Zeugen der Vorgänge sind in den letzten Tagen von einer Abiheilung des Kriegsgerichts in der Lindenstraße ver- nommen worden und haben unter ihrem Eide ein genaues Bild derselben gegeben. In der letzten Delegirtenversammlung des Verbandes der Gast- und Schankwirthe wurde nntgelheilt, daß sämmtliche Wirlhe, w'-lche gelegentlich der Weihnachtsseiertage wegen Verstoßes cjegen die Verfrommungsverordnung denunzirt worden sind, vom Schöffen- geriet freigesprochen wurden. Trotzdem ist gegen die Gastwirthe, d>e am Charfreitag geschlossene Gesellschaften tanzen ließen, der Polizei.�,„pf von neuem eröffnet worden. Auch wurde allgemein bebauen, daß die Polizeistunde schärfer denn je beobachtet wird. Elendsstatistik. Im Männerasyl des Berliner Asylvereins für Obdachig� nächtigten während des Monats April 20 681 Per- sonen, im �raueuasyl 2113 Personen. Arbeitsnachweis wird er- beten für l-Ränner Wiesenstraße 55-53, für Frauen Füsilier- straße 5. Im städtischen Obdach blieben am l. d. M. noch 11 Familie» mit 30 Personen-„rück. Die Zahl der Obdachlosen, welche daselbst im Monat April>, ächtigten, betrug 21465; davon wurden 73 Per- sonen in Krankenhä.ssem untergebracht und 284 Personen der Polizei zugeführt. Die Gartenbau- A„sstessnng hat den Taschendieben wieder Gelegenheit zur erfolg�jcheii Ausübung ihres Handwerks gegeben. In der vorigen Woche sr„d im Treptower Park acht Mitglieder der Zunft verhaftet worden, uiiter denen sich anch der bereits vierzehn Mal vorbestrafte Kellner tsjzj�rich befand. Zwei der Verhafteten waren jugendliche Personen, die sich noch nicht im strasmündigen Alter befinden. Die Briefbefördernng durch die Berliner Berkehrsanstalt spottet zur Zeit jeder Beschreib»,,� Von einem Leser erhielten wir gestern den Umschlag eines ihm n»i 7. d. M. zugestellten Briefes übersaudt, der laut Stempel bermZ nm 1. Mai aufgegeben war. Fälle von ähnlicher Nachlässigkeit fi„d neuerdings mehrfach vor- gekommen. Die Unterschlagungen, welche. i-,ie bereits gemeldet, in einem hiesigen Verein vorgekommen, betreffe,, den„Verein selbst« ständiger H a n d>v e r k e r", SBebetsi vasje 17. Innerhalb dieses Vereins bestand eine besondere Darlehnskasse� welcher von de» 306 Mit- gliedern sich 226 angeschloffen hatten. Die. Darlehnskaffe leiht nun gegen Wechsel denjenigen Mitgliedern, wel'chg Sparguthabe» von einer gewissen Höhe haben. So betrug o,az Guthaben- Konto 24 317,26 M., während das Ausleihe-Konto 34322 M. betrug. Letzterer Betrag war nun i» Wechseln mehrfach ein- und aus- gegangen, sodaß die Ausleihungen nebst bi,m Wechselbestand 108 211,46 M. betrugen, wovon 73 283,46 M. wrxder zurückgezahlt wurde». Bei diesem komplizirten Geschäslsgaug»vor«in Manko durch beliebige Vermehrung der verwahrten laufende!., Wechsel leicht zu verdecken. Dw Revisoren hatte» Jahre lang alle.-? j„ Ordnung befnuden, da sie«a>iemais ans den Inhalt der Wechsel eingegangen waren, sondern sich mit der Feststellung der Gesammtzahl un.h Gesammt- summe der Wechsel begnügt hatten.'Als nun kürzlich eine Revision statt- finden sollte(was vorschriftsmäßig dem Ren Tanten acht Tage vorher mitgetheilt wurde), begab sich unl-rwartet und ausnahmsweise auch der Borsitzende Herr Lenz dahi».,„„h begann die einzelnen Wechsel mit seinein Privatbuche bahr,, z>, konlrolliren, ob er sie auch alle augewiesen. Nun begann bxx Rendant Herr W. auffälliger Weise seine Wechf'el zu d e z i in i r e n, indem er eine ganze Menge heraus-, nahm und bei Seite brachte. Es stellte sich ein Mankc-x von 7- 8000 M. heraus, welches bisher durch die„Stellvertretungs- Wechsel" des Herrn W. verdeckt worden war. Der Rendant wurde sofort seines Amtes entsetzt. Ob die Summe der Unterschlagungen noch einen größeren Betrag erreichen wirb, läßt sich erst nach genauer Revision der komplizirten und umfang- reichen Buchführung sagen. Proletariers Jugend. Am Sonnabend gegen Abend wurde in der Adalberlstraße die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden durch einen kleinen Jungen erregt, der weinend unier der Last eines etwa 50 Pfund schweren Sackes dahi»ke»chte, denselben oft absetzte, um immer wieder aufs neue mit seiner Bürde weiter zu schleppen. Der schwächliche Junge machte den Eindruck eines acht- jährigen Knaben, er ist aber, wie er erzählte, bereits der Schule entwachsen und den ganzen Tag bei einem Kaufmann als Laufbursche beschäftigt, wofür er die Woche 6 M. erhält; den Sack mit Waare» sollte der arme Junge zu einem Kunden nach Rixdorf tragen. Ei» vorübergehender Arbeiter bethätigte sein Mit- leiv mit dem Knaben, indem er dessen Last aus die eigene» Schultern nahm und weitertrug, dabei seinen Unwillen äußernd über die un- verschämte Zumulhmig, die der Arbeilgeber des Jungen an dessen schwache Kraft stellte. Der Knabe war aber nicht zu bewege», den Namen seines Ausbeuters zu nenne», weil er fürchtete, er könne dadurch seine Stellung verlieren. Straßeusperrnugeu. Die Neue Hochstraße von der Liesen- straße bis zur Schulzendorferstraße inkl. Kreuzdamm wird behufs Aspbaltirnng vom II. d. Mls. ab bis ans weiteres für Fuhrwerke und gleiter gesperrt, desgleichen der Krenzdamin der Neue» Wilhelm- und Doroihecustraße wegen Umbau der Weichen- und Kurvenanlage der Berlin-Charlottenbiirger Straßenbahn. Eine Anzahl„hoher" Orden ist einer Mittheilnng deS Polizcipiäsidinius zufolge in der Jorkstraße gestohlen worden. Der Geldeswerth dieser Schmucksachen dürfte nicht unbedeutend sein. Andauernde Krankheit Haider 62 Jahre alten Frau Christine des Kohleiibändters Fels ans der Weißenburgerstr. 66 das Leben verleidet. Als ihr Mann gestern, Sonntag abends um 7 Uhr von einem Ausgange heimkehrte, fand er sie in der Küche erhängt auf. Ihre Leiche war bereits erkaltet. Frau FelS litt an einem Bein« schaden. Einbrecher und Brandstifter haben am Sonntag Abend im Hause Georgeukirchür. 14 gehaust. Dort betreibt die Wiitwe Vogler ein Obst- und Gemüsegesctiäsl. Frau V. hatte sich nachmittags nach Rixdorf begehen uud ihre Wohiinng unbeaufsichiigl gelassen. Während dieser Zeil dränge» Diebe in die Behausnng ein, erbrachen säinmt» liche Schränke und Spinden, ohne jedoch werthvolle Gegenstände vorzufinden. Aus Wuth hierüber begossen die Verbrecher das Meublement mit Petroleum uud sieckien die Wohnung in Brand. Das Feuer, welches kurz nach 7 Uhr entzündet sein muß, wurde bald eindeckt, sodaß eine größere Ausdehuuug durch die Feuerwehr verhindert werden konnte. Von den Brandstiftern fehlt bisher jede Spur. Ei» blutiger Znsammenstoß zwischen Schutzleuten und einem gewalnhätigen Menseden ist am Sonntag in der Deinniinerstrahe vorgekommen. Im Keller des Hauses Nr. 3 wohnte seit vier- zehn Tagen der 35jährige Tischler Karl Mahrlow, der den Behörden und Kraiikenhausverwnltuugen schon viel zu schaffen gemacht hat. Vorgestern belästigte er ein in dem Hause wohnendes Ehepaar Thiele, das schließlich die Hilfe der Polizei in Anspruch nahm. Fünf Schutzmänner wurden abgeschickt, nm den gefährlichen Menschen fest- zunehmen. Mahrlow, der das augenscheinlich erwartete, hatte sich mit einem Hainnier zur Abwehr der Beamten versehen. AlS zwei Schutzniäiiner die Wohnung betraten, während die andere. 1 drei draußen blieben, ergriff er den Hammer und versetzte beiden Beamten einen Schlag auf den Kopf, dem einen mit der stachen, dem zweiten mit der spitzen Seite. Dann entlief er und flüchtete in eine benachbarte Schankwirlhschast. Der Hieb mit der scharfen Seite des Hammers drang durch den Helm und verletzte de» Beamten so schiver, daß er großen Blutverlust erlitt und es schien, als ob die Schädeldecke zertrümmert wäre; der andere Beamte wurde nur nubedeulend verwundet. Mahrlow hatte das Scba ik- lokal kaum betreten, als ihm auch schon die drei Schutzmänner folgten. Als er sich seiner Festnahme widersehte, wurde er mit Gewali kampfunfähig gemacht. Zwei Säbelhiebe übrr den Kopf machten ihn wehrlos, so daß er aus die W-'ch« gebracht und geknebelt werden konnte.— Ein anderer Auftritt, bei dem ein Schutzmann von einem Arbeiter thätlich an- Gegriffen wurde, ereignete sich Sonntag Nacht a» der Ecke der Linien- und Alten SchSuhauserstraße. Der Schutzmann zog blank und brachte dem Angreiser nicht unerhebliche Verletzungen am linken Unterarm dei. Erst dann gelang es, ihn festzunehme». Er wurde, nachdem lhn> ln der nächsten Unfallstalion ein Nothverband angelegt worde" mar, als Polizeigefangeuer in die Charitee gebracht. Ztt cinein bcdanerlichcn Exzcsi kam es am Sonnabend-S�r- «nttag in der Wikhelmstraße, als durch diese das neue Garde-G�ua- dier-Regiment Nr. 5 marschirte. Ein jüngerer gutgekleideter©ctr wollte unmittelbar vor dem Regiment den Straßendamn' über- schreite», wurde jedoch hieran von einem der an de� Spitze marschire» den Unteroffiziere gehindert und zurückgestoßen. Der Herr erhob sich sofort, eilte dem betreffenden Unteroffizier"«ch und schlug ihm in seiner Erregung mit dem Spazierstock der'®eIm uom Kopfe. Auf Veraiilasfung von Offizieren wurde der.Unvorsichtige, der eine empfindliche Strafe zu gewärtigen hat, de� Polizei übergeben. «et einigen wegen Diebstahls zur Haft gebrachten Personen sind unter anderem eine große hölzerne braungestr' ��� eisernen Reifen versehene Waschwanne und eine kleinere n-'Srstrichene hölzerne Badewanne, welche ebenfalls mit zwei eiserne-' Reifen versehen ist und zwei hölzerne Handgriffe hat. belchl"g»ahmt worden. Rekognoszenten wollen sich in den Vormit''0gsstunden von 9 bis l Uhr im Polizei. Präsidialgebäude Zimme c 3lG, 2. Stock, melden. Zu einer Schlägerei, die viel Aufsehen erregte. kam es am Sonntag Nachmittag gegen 3 Uhr in de'- Reuen Königstraße in der Nähe des Alexanderplatzes zwischen eine'" Reger und einem anständig gekleideten Herrn. Der Neger griff oh-'e jede Veranlassung eme des Weges kommende Dame au und schlu g s'° wiederholt mit der Faust ins Gesicht. Ein vorübergehender.«verr nahm sich der Dame an, woraus nun der Neger auf diese» Herrn losging. Der Neger wurde von einzelnen Zuschauer» am Schlagen gehindert. Der Herr begab sich i» ein in der Nähe befindliches Restaurant, der wuthschnaubende Neger stürorte ihm nach, wurde aber von dem Besitzer des Lokals zurückgewiesen. Er postirte ficht vor dem Restaurant, zitterte vor Wuth und weinte, daß er den Herrn nicht erreiche» konnte. Erst ein Schutzmann komtte dem Auftritt ein Ende machen. Zßns«eit Nachbarorte«. Der der Ermordung der Wittwe Johanna Wolf in Weißensee, Sedanstr. verdächtige Bäckergeselle Adolf Fischer ist in einem Schanklokal-e der Choriuerstraße ergriffen und der königlichen Staatsanwab-schaft beim Landgericht II auf deren Wunsch vorgeführt worden- Durch die bisherigen Erhebungen und durch die stattgefuudend Obduktion ist zwar noch kein Beweis für die Annahme erbracht- daß Fischer Schuld an dem Tode seiner gegen 20 Jahre ältere" Geliebten trägt, doch verdächtigt ihn der Umstand, daß er behauptet, noch am Tage seines Berschwindens, am Mittwoch, den 6. Mai,>">t der Wolf gesprochen, und de«» Wohnung verlassen z» hö'den, als sie noch lebte. Diese AngMn sind unrichtig, da an dew-selben Tage die Leiche in stark verwestem Zustande aus- gefunden'vorden ist. zl�.gewöhnliche Mastnahmen haben in der Geschütz- gieße, r ei in Spandau stattgefunden. Die Direktion hat nämlich eine Ntersonenstands« Aufnahme sämmtlicher in der Geschntzgießerei be- schäf-cigten Arbeiter veranlaßt; es wurden bei dieser Gelegenheit aurM Nachforschungen über das Vorleben, etwaige Vorstrasen und anderes angestellt. Die Veranlassung zu dieser Maßnahme, welche j.n den Kreisen der Betheiligten einiges Aufsehen erregt hat, soll ein Arbeiter gegeben haben. Der Sünder hat sich, wie es heißt, von der Direktion 14 Tage Urlaub erbeten und erhalten. Diesen Ur- laub habe er benutzt, um eine über ihn verhängte Gesängnißprafe abzusitzen. Die Urlaubsverwendung blieb der Direktion aber nicht verborgen und der Arbeiter ist daraufhin entlaflen worden. Der Mann hat sodann über seine Entlassung höheren Ortes Beschwerde geführt mit dem Hinweise daranf, daß eine ganze Anzahl bestrafter Arbeiter in der Geschützgießerei beschäftigt seien. Man vermuthet nun, daß die vorgedachte Maßncchme den Zweck hatte, der Direktion hierüber Gewißheit zu verschaffen. Wie per- lautet, hat die Personeustands-Anfnahme bis jetzt noch keine weiteren Folgen gehabt.— Bestrafte Arbeiter gehöre» bei de» heutige» Klassenkämpfe» nicht zu den Seltenheiten. Wenn diese» Opfern der heutigen Strafrechtspflege auch noch die Arbeitsgelegenheit genommen werden sollte, so wäre das ein merkwürdiger Kulturzustand. Mit dem Messer angefallen wurde am Sonnabend Abend gegen 10 Uhr die Frau des Gastwirths Hubisch aus der Dorfstr. 3 zu Stralau, eines bekannten Mitgliedes des Gastwirthsvereins Mährend ihr Mann von einem gemeinsamen Besuche in Berlin mit t cm Fahrrade nach Hause zurückkehrte, benutzte Frau Hubisch die Stadt- und Ringbahn, um dann vom Bahnhof Etralau-Rummelsbnrg aus zu Fuß zu gehen. Auf der Bahnbrücke trat plötzlich ein ihr un- bekannter Mann an sie heran und versetzte ihr ohne weiteres einen Messerstich in die Brust, um damt davon zu laufen. Die Verletzung ist glücklicherweise nicht gefährlich, da der in die Gegend der Lunge geführte Stich die Lunge selbst nicht getroffen hat. Der Thäter ist entkommen und noch nicht ermittelt. Da man sonst für den Ueber- fall keine Erklärung hat, so muß man annehmen, daß Frau Hubisch das Opfer einer Verwechselung geworden ist. Ein Z«sammenftost eines SchlestpdampferS mit einem Odcukahn erfolgte am Spätabend des Sonnabend auf der Ober- Spree bei Köpenick. Gegen U Uhr lies der Schlepper, welcher fich vorschriftsmäßig aus der rechten Seite des Wasserlaufes hielt, aus den beladenen Oderkahn, welcher der anderen Userseite zustrebte, auf, so daß die Backbordseite völlig zertrümmert wurde. Es gelang, den Kahn soweit nach dem User hinüberzuziehen, daß ein Sinken verhindert werden konnte. Von der Besatzung wurde niemand verletzt. Nachdem das Kind in den Brunnen gefallen. Der Wiese»- graben, iu dem kürzlich der Droschkenkutscher Lorenz mit seinem Pferde ertrunken ist, hat nunmehr eine Ufereuifriedigung erhalten. Diese besteht aus etwa einen Meter hohen, 26 bis 30 Zentimeter von einander entfernt stehenden starken Pfählen und macht eine Wiederholung eines solchen Unfalles unmögltch. Ein Ranbanfall ist auf den Droschkenkutscher Gustav Kaiser verübt worden. SUn Sonnabend Abend wurde er auf dem Anhalter Bahnhof zu einer Fahrt nach Glienicke bei Köpenick gedungen. In der Nähe von Adlershof überfielen ihn plötzlich die drei Fahrgäste und suchten ihm die Geldtasche zu entreißen. In verzweifelter Gegenwehr wußte Kaiser zwar diese Absicht zu verhindern, doch mußte er während des Kampfes mit einem der Gesellen sehen, wie ein anderer sich ans den Kutschbock schwang und davon jagte. In» zwischen war ein anderer der Räuber entflohen. Der Droschken- kutscher ging nun nach Adlershof, um von dem Ueberfall Anzeige zu erstatten; einer der Angreifer, der von Kaiser kampfunfähig gemacht worden war, wurde später von Gendarmen auf der Landstraße aufgefunden und festgenommen. Pferd und Droschke fand man am Sonntag arg zugerichtet nahe bei Grünau wieder. Gerichts Teilung. Ein Monstre-Prozest Vor der VII. Strafkammer des hiesigen Landgerichts I begann gestern die Verhandlung einer Riesen- Anklage wegen schweren und einfachen Diebstahls, Banden- diebstahls, Urkundenfälschung, Betruges, gewerbs- und gewohnheits- mäßiger Hehlerei:e. Die Anklage richtet sich gegen 37 Personen. die Strafsache führt die Bezeichnung„Schmiedecke und Genossen", weil zufällig der bisher unbestrafte Arbeiter Hermann Schmiedecke an die Spitze gestellt ist. Sonst befinden sich in dem Kranze der Angeklagten viele oftmals vor- bestrafte Diebe. Als Hehler werden außer S ch m i e d e ck e auch noch ein Schlächter Rudolf Abraham, der Tapezierer Karl Richard M a r g g r a f nebst Ehefrau Marie geb. Gülkestein, der Nähmaschinenhändler Karl Jnnocenz Conti, die Zimmer« verinietherin Marie I a c o b i geb. Bockfleifch, die verehel. Arbeiter Bertha Mein Hardt geb. Riebe, die Verinietherin Antonie Neu- g ,j f f geb. Reinicke, die Schneiderin verehel. Nanni N e u m a n n »eb. Jacobi, der Kaffenbote Carl N e u m a n n, die verehel. Marie S t e i n e r t geb. Kisten in Anspruch genommen und zwar lautet die Anklage gegen sie auf gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei. Frau Louise R u s e l a ck geb. Gricks, Arbeiter August Schubert und unverehel. Emma W e g e n er sind der ein- fachen Hehlerei beschuldigt.— Es handelt sich um folgenden That bestand: Die Polizei wurde im Sommer 1890 darauf aufmerksam gemacht, daß sich bei der in der Ackerstraße 104 wohnenden, bereits vorbestraften Wittwe Antonie Neuhoff ein Absteigequartier befinde, in dem wohnungslose Einbrecher Unterkunft fänden. Diese brächten auch gestohlene Gegenstände dorthin und Frau Neuhoff besorge dann de» Weitervertrieb der gestohlenen Sachen. Die Wohnung der Neuhoff wurde darauf polizeilich beobachtet und der angeregte Verdacht vollauf bestätigt. Als am 21. August vorigen Jahres die Polizei zur Vornahme einer Durchsuchung der Neuhoff'schen Wohnung schritt, fand sie zahlreiche gestohlene Sachen vor und Frau Neuhoff bequemte sich»ach anfänglichem Leugnen bald zu einem vollen Geständniß. Es ist seftgesteUt worden, daß eine große Anzahl Verbrecher ihr regelmäßig die durch Diebstahl und andere Strasthaten erlangten Sachen in ihre Wohnung gebracht haben. Sie nahm alles, was ihr gebracht wurde, ab, bezahlte sehr geringe Preise und hatte die als Hehler angeklagten Personen zur Hand, die ihr die gestohlenen Sachen immer gleich in ganzen Posten abzunehmen pflegten. Die große Reihe der an- geklagten Diebe brachten zu ihr, was immer sie auf ihren Diebes- fahrten erbeuteten, insbesondere Wäschestücke aller Art, Kleidungs stücke, Küchensachen, Gold- und Schmucksachen, Uhren, Fahrräder, Fleisch, Wurstwaaren und dergleichen mehr. Die Frauen Jacobi, Steinert, Meinhardt, Röll, das Ehepaar Neumann und der Nähmaschinenhändler Conti sollen ihre Haupt abnehmet gewesen sein. Die in ihren Wohnungen vorgenommenen Durchsuchungen haben ganz beträchtliche Posten gestohlener Waaren zum Vorschein gebracht; die Angeklagten wollen aber Glauben machen, daß sie den unredlichen Erwerb der Sachen nicht gekannt hätten. Auch Schmiedecke hat seinen Diebesgenoffen gestattet, ihre Beute vorläufig in seiner Wohnung unterzubringen, bis der weitere Vertrieb der Sachen ihnen gelang. Im ganzen stehen b9 Strasthaten unter Anklage, die ein besonderes Interesse nicht beanspruchen können. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaale statt. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Voigt, die Anklage vertritt Staatsanwalt B ö t t g e r, die Vertheidignng führen die Rechts anwälte Dr. H a a s e, Dr. S ch w i n d t, Dr. I v e r s, Werth««er. Becker und Moses. Für die Verhandlung sind 3 bis 4 Tage in Aussicht genommen. Nach ihrer Beendigung werden wir das Ergebniß mittheilen. Wiedernm ein prügelnder Polizeibeaniter. Wegen Miß Handlung eines Arrestanten hatte sich der Amtssergeant Karl Koller aus Scharley vor der Strafkammer in Beuthen O.-Schl. zu verant- worten. Der der Anklage zu gründe liegende Thatbestand ist fol- gender. Der Arbeiter Bonk verübte nach dem Verlassen einer Gast- wirthschast auf der Straße ruhestörenden Lärm. Der Angeklagte verwies ihm dies, zog ohne weiteres blank, hieb aus den anscheinend Angetrunkenen ein und verletzte denselben mit der blanken Klinge an verschiedenen Körpertheilen, obgleich derselbe dem an ihn ergangenen Be� fehle willig Folge leistete. Koller nahm darauf die Verhaftung des B. vor und trat denselben während des Transports zum Polizei- gewahrfam wiederholt mit dem Fuße. Da die Miß- Handlungen durch mehrere einwandssreie Zeugen bewiesen wurden, verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Wochen G e f ä n g n i ß. Zur Kennzeichnung der agrarischen Zustände im Staate der Sozialreforni. Aus Weiße nsels wird dem„Volksblatt für Halle" berichtet: Auf dem Gute des Stadtraths Singer herrschen Zustände, über welche eine Gerichts- Verhandlung vor der Strafkammer in Naumburg ein bezeichnendes Licht warf. Der Inspektor des Gutes nimmt die Arbeiter und Arbeiterinnen an, einläßt sie nach Gutdünken und setzt auch ihre Löhne fest. Nicht nur die Männer müssen sich in seinem Dienste abrackern, sondern auch die Frauen, die läglich 90 Pf. bekomme». Die Wohnung ist ihnen derart eingeräumt, daß sie fünf Tage nach ihrer Enttassung die Wohnung räumen und den guls- herrlichen Grund und Boden zu verlassen habe». Unter Eid sagte nun der Inspektor aus, er habe, um einen Aufseher zu ersparen, und um die Faulheit der Arbeiterinnen zu beseitigen, die Frauen zum Kor»dresche n herangezogen. Die Frauen erhielten als Be- zahlung den achten Zentner oder Scheffel, später nur den 3>/2. Das bedeutet eine» Tagesverdienst von 90 bis 100 Pf. Später sollte» die Fraueu Pf erde b ohne n dreschen mit dem 14. Scheffel als Arbeitslohn. Sie standen sich dabei um etwa 10 Pf. besser, aber die Arbeit war noch viel schwerer. Dabei war die Be- Handlung derart, daß die Frauen nichts zu sagen und zu frage» sich getrauten. Im Januar verabredete» n»n die Frauen Jany, Vogel und Spieß, die als bedauernswerthe Gestalten auf der An- klagebank saßen und ein Bild von fast russischer Unter- würfigkeit und erlittene» Drangsalen boten, nicht mehr Pferdebohnen im Akkord zu dreschen, sondern nur im Tagelohn. Sollte ersteres wieder von ihnen verlangt werden, so wollten sie nach Haufe gehen. Das thate» sie den* auch eines Montag? im Januar. Der Inspektor entließ nun nicht nur sofort den Ehemann der Jany, sondern klagte die drei Frauen auch des Vergehens gegen Z IS3 der Gewerbe- Ordnung an. Und der Staats« niv alt nahm wirklich die Anklage au f. Frau Jany sollte die„ R ä d e l s f ü h r e r i n" sein; die beiden andern Frauen sind noch heute auf dem Gute des Herrn Singer beschäftigt. Der Gerichtshof sprach die drei Frauen von Strafe und Kosten frei mit der Begründung, die Frauen unterstehen mit ihren Männern der Gesinde-Orduung, und das Gesetz vom 24. April 1334 besage ausdrücklich, wer sich gegen Wohnung verdingt hat u. f. w.. müsse Tagelohn erhalten, die Frauen hatten keine Verpflichtung, im Akkord zu arbeilen. Von einem landwirthschnftlichen Streik könne hier keine Rede sei», und nach tz 152 der Gewerbe- Ordnung hätten die Arbeiterinnen das gute Recht ge- habt, bessere Lohnbedingungen zu erstreben. Auch die Jany habe sich nicht gegen das Gesetz vergangen. So selbst- verständlich uns die Freisprechung der Angeklagten erscheint, so ist es uns doch rein unbegreiflich, wie bei so klarer Sachlage die Staatsanwaltschaft überhaupt die Klage erheben konnte. Wer entschädigt die armen Frauen für die durchlebte Angst? Wer ersetzt ihnen den verloren gegangenen Verdienst? Wahrlich, wenn der Arbeiter von bitterem Grimm erfaßt wird, wenn er steht, wie man manches Mal gegen ihn die Gesetze anznivenden�sucht,! so ist das kein Wunder._ VevfrttMttltt ngen. Eine Metallarbeiter- Versammlung, die am Sonntag im Kolberger Salon tagte, beschäftigte sich mit den Mißständen i» der Fabrik von Sentker. Nach den Ausführungen L i t f i n' s beträgt die regelmäßige Arbeitszeit bei Sentker 10 Stunden, die jedoch durch Ueberstunden meist ans 12—14 Stunden verlängert werde. Es komme nicht selten vor, daß abends bis 10 oder 12 Uhr, ja manchmal sogar bis 3 Uhr nachts gearbeitet werde. Bei diesem System habe ein Arbeiter in einer Woche 104 Stunden gearbeitet. Das sei allerdings nur eine Aus- »ahme, 80 bis 90 Stunden pro Woche wären dagegen die Regel. Dabei gebe es für Ueberstunden keine Mehrbezahlung, auch werde es den Arbeitern verboten, während der Abend- und Nacht- arbeit einen Trunk Bier oder eine sonstige Stärkung zu sich zu nehmen. Die Zahl der von der Firma Sentker gehaltenen Lehrlinge sei eine verhältnißmäßig sehr große. Diese jungen Leute bekämen im ersten Jahre ihrer Lehrzeit keinerlei Bezahlung, im zweiten Jahre drei, im dritten sechs und im vierten neun Mark pro Woche. Einzig dürste es in Berlin dastehen. daß den Lehrlingen wöchentlich 00 Pf. einbehallen werden, um das Geld für sie zu sparen. Der Ueberfchuß beim Kolonnenakkord solle angeblich auch für die Lehrlinge verwandt werden. doch wisse niemand etwas von einer derartigen Verwendung. Wie die Aus- bildung der zahlreichen Lehrlinge beschaffen sei, könne man sich denken. Was mit den Strafgeldern geschehe, die für Zuspättommen und andere Verstöße gegen die Fabrikordnung zn entrichten sind, sei gänzlich unbekannt. Ein Arbeiter- Ausschuß, der sich um diese Ding« kümmern könnte, existire in der Sentker'schen Fabrik nicht, obgleich die Gewerbe- Ordnung ausdrücklich vorschreibe, daß ein solcher in Betrieben mit mehr als 20 Arbeitern gebildet werden muß. Anläßlich der Zentenarseier hätten die Arbeiter der Fabrik feiern müssen, ohne die Zeit bezahlt zu erhalten. Dafür habe aber die Firma großmiithig 10 000 M. zu einem Fonds gestiftet, aus dem Arbeiter, die länger als 25 Jahre in der Fabrik beschäftigt sind, in Nothfällen unterstützt werden können. Die hygienischen Einrichtungen in der Fabrik ließen auch viel zu wünschen Übrig. Für etwa 300 Personen wären nur 12 Kloscts vorhanden, die, was die Sauberkeit anbetrifft, in keinem guten Zustande wären. Es fehle fast gänzlich an Umkleideräumen und Kleiderschränken für die Arbeiter, was namentlich in der Glüherei ein großer Uebelstaud sei. Waschvorrichtungen wären mangelhaft, Trinkwasser gar nicht vor- Händen. Ueber die Behandlung seitens der Meister werde sehr geklagt, namentlich wurde ein Tischler- und ein Schloffermeister genannt, welche die Arbeiter als Ochsen, Esel und dergleichen bezeichneten, und gelegentlich drohten, jemand die Treppe hinunter zn werfen, oder ins Genick zu schlagen. Die den Arbeitern gezahlten Löhne wären zum theil recht ungenügend. In der Glüherei gebe es 32 Pf. Stundenlohn. manche Schlossergesellen erhielten einen Stundenlohn von 25 Pf. Wochenlöhne von 15 bis 20 Mark seien nicht selten. In der Fabrik bestehe auch das oft kritisirte Kolonnensystem, wobei der Kolonnenführer den Löwenantheil am gemeinsamen Ver- dienst einheimse, während die Helfer sich mit recht niedrigen Löhnen begnügen müßten. Man werde— so schloß der Referent— diese Mißstände, deren Besprechung sich noch weiter ausdehnen ließe, Eo lange öffentlich erörtern, bis sie abgestellt würden. Pflicht der elressenden Arbeiter sei es aber, sich der Organisation anzuschließen, um mit Hilfe derselben wirksam für Verbesserung ihrer Lage ein- treten zu können. Mehrere Diskussionsredner bestätigten und er- gänzten die Darlegung des Referenten und die Versammlung»ahm zum Schluß eine dementsprechende Resolution an. Die i» der Schirmbranche beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen waren am Sonntag Abend bei Buske in der Grenadierstraße versammelt, um Stellung zu nehmen zu der A u s- dehn un g derKrankenversicherung aus die Hausindustrie. Das einleitende Referat hielt M i l l a r g unter lebhaftem Beifall der Versammlung. In der Diskussion wurden ver- schiedene Mißstände, die die Hausindustrie in dieser Branche zeiligt, zu tage gefördert. Hauptsächlich waren es ungenügende Arbeits- räume, meistentheils, wenn nicht durchweg, werde die Küche als Arbeits- räum benutzt; der Verdienst sei ein durchaus unzureichender; ein Theil desselben gehe dann noch für Auslagen darauf. Dieses Elend in der Schirmbranche hatte längst schon in den be- treffenden Arbeiterkreisen den dringenden Wunsch nach einer zu- ständigen Krankenkasse laut werden lassen; bisher seien einzelne hier, einzelne da ganz auf eigene Kosten krankenversichert: dem» von zehn bekannten Engros-Gefchästen seien nur zwei, die in eigenen Werk- stätten arbeiten ließen. Nach dem Schlußwort des Referenten nahmen die Versammelten folgende Resolution einstimmig an:„Die öffentliche Versammlung der in der Schirm- brauche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hat von dem Entwurf der Gewerbedeputation des Magistrats, die Kranken Versicherung auf die Hausindustriellen(Heimarbeiter) auszudehnen Kenntniß genommen, und erklärt es als eine unbedingte Roth wendigkeit, daß endlich die Hausindustriellen(Heimarbeiter) dem Krankenversicherungs- Gesetz unterstellt würden. Die Versammlung verurtheilt nicht nur auf das entschiedenste die„Gegenpetitionen der „Wäschefabrikanten", Damenmäntel-Konfettionäre d«r„Kaufmännifchen Bereine und Industriellen" gegen diesen Entwurf, indem sie in diesem Gebühren nur daS reinste Geschäftsinteresse des Unter- nehmerlhums erblickt, durch welches es sich der praktisch«« Aus- führung der sozialpolitischen Gesetzgebung entziehen will; die Versammlung ersucht vielmehr den Magistrat, den Gegenpetitionen kein Gehör zu schenken, mit der Begründung, daß durch Zustimmung zu den Gegenpetitionen das Armenbudget der Stadt Berlin nur noch stärker belastet werde, und den Herren Arbeitgebern(Petenten) gegenüber dem gesammten übrigen Unternehmerthum eine Ausnahme- stellung eingeräumt sein würde." Hiernach wurde an stelle de? ver- storbenen Delegirten zur Gewerkschaftskommission P i tz k e r gewählt und zu dessen Stellvertreter Schwarz ernannt. Zum Schluß wurde aufgefordert, recht rege für Abonnenten des Fachorgans„Der Schirmmacher" zu agitiren. und dieses selbst durch Zusendung von gewissenhaftem Material aus der Branche zu unterstützen. Tic HanSdicuer, Packer nnd Kclleret-Arbetter hatten am 4. Mai eine Sektionsverfammlung, die nur ganz schwach besucht war. In Zukunft sollen die Versammlungen des Sonntags ab- gehalten werden; außerdem sollen alle bekannten Kollegen Hand- zettel zur Verbreitung zugestellt erhalten. Der Sektionsleitung wurde aufgegeben. Material zu sammeln über die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Kollegen. Arb»iter-B«»»»g«sch,,l». Dt« vtbltothet tn»er fror» schule, Brunnen st r i6, ist für die Mttalteder an folgenden Tagen geöffnet t Sonn- tags, vormNiaas von 10— 12, 3) l e n st a g S und F r e U a g s, abends Zfs bis 10 Uhr. MttaltedSbeUrSg« werden an diesen Tagen tn der Nordschule entgegengenommen, ebenso tn folgende» Zahlstellen: SoUfr. Schulz,«dmtralftr. 40»! Schöning,«öpntckerstr. SS: Reul, Barntmstr.«2: Babiel, Rofenthalerfir.«7: Steinert, Müllerstr. 7»: Burghaufe, Pulbuferstr. 32; Blanfenseld, Stephanstr. 2»; Werner, Bülowftrnge 69; Stube, Mariendorfer flraße 6 1»astler, Junlerstraste 1 1 H. Königs. Dteffenbachstr. 89. Alle Zufchrtflen sind an den Borststenden Paul Müll« fr., SO, Man- teuffelstr. ns, Seldfendungen an den«afstrer H. Königs, S. Dieffenbachstr. 30, zu senden. A»t>«!t»e Könserbnud Berlin« und Umgegend. Vorststender Ad. Aeninan», Cchwcdenslr. 13, v. 1 Tr. Alle Aendernnge» im BereinSkalender stttd zurichten an Friedrich fioriunt, Manleuffelstr. 49, v. 2 Tr. Ztebeitor» P»»ch»>b„»d Perlt»«»»d A»>g»g»»b. Aenderiingen im BeretnSfalender stnd zu richten an Hermann Braun schweig, Dresdener- straste«o, 2. Hof, 4 Tr. Ooomos, verein für volkotstünilich» Wistentchaft. Heut« findet leine Sitzung statt. Nächste Sitzung am 13. d. M. bei Henfel. privat- Shoatergofrilschast«»»rordia. Abend«» Uhr bei Scholz, «lisabethstr. so. Zentraiverrin d»r Kildhauer.«X Uhr: Bibliothelabend, Vorlesung de» Kollegen Sasel. Wustkvrrein Zillegretto. Blücherstr. 39, Bremer. «rsr-«nd pi-kuttr'"-" bei Ewald. |»r*- und Piskuttrülnb Siidrn. Dienstag, abend« sff Uhr,«chönletnsir.« WitternugSlibersicht vom 10. Mai 1897. Stationen. Swinemünde tambnrg. erlin., Wiesbaden. München. Wie»... aparanda. etersbnrg. ork... Aberdce»., Paris... S a eis- L.L L i iefs »js-d « s 3 «■ x> 3 «, C1 "m"i1 2> -3 3 S S 8 leitet Sa?» «£% Söll sfa dt 759 762 762 766 766 763 756 758 768 761 768 WSW NW WNW NW NW NW SO OSO NW WNW S wolkig bedeckt bedeckt halb bedeckt bedeckt bedeckt wolkig heiter bedeckt wolkig Dunst 6 4 6 7 5 7 10 14 12 7 v «etter-Prognofe fär Dienstag, de» U. Mai 1897. Ei» weilig wärmer. vielfach heiter, jedoch»och unbeständig, mit einzelnen Regenschauern und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Eingelanfeue Druckschriften. .Archiv für svjinle Vrseizgrtuvg und Statistik".%aS neueste Heft dieser nunmehr im zehnte» Jahrgang erscheinenden von Dr. Heinrich Braun heraus- aeaebenen Zettschrift(Berlin, Karl Heymann'S Verlag) hat folgenden Inhalt, Abhandlungen: Das Tweatingsysiem in der Konfettton und die Bor- schlüge der Kommission für Arbetterflalistil, Vo» Dr, Alfred Weber in Berlin, — Der Eniwurf zur Abänderung der deutschen Gewerbe-Ordnung, Von Pros, Dr. illamor Neuburg in Erlangen.— Das österreichische Heimathrecht und seine Reform. Bon Dr. Joses Redlich in Wien.—»esetzgebung: Australien: Die Fabrikgesetzgebung tn Btktoria, Etngeletter von Dr, Benno Karpeles in London.— Wortlaut des Fabrik- und Ladengesetzes vom Jahr lsso (Nr, liss).— Deutsches Reich: Wortlaut des EntwursS ctneS Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbe-Ordnung,— Oesterreich: Wortlaut des Gesetzes vom s. Tezimber is»», wodurch einige Bestimmungen des Gesetzes vom Dezember ISSSLtchterseld«, ,!aul de, l.« Truie Unionlsmo«n Angleieire. Besprochen von in London. Da» Recht der Kren»«ach dem KSrgerlicheu vefehduch, Frauen. Von Hermann Jastrow, AmtSgertchtSrath zu Berlin. Berlag von Otto Ltebmaun. Ki- Kandelabilan,. Eine vollswirthschastlichs Untersuchung. W. Ruland, Mit einem Vorworte von Dr. H, von Scheel. Regterunasrath und Direltor des kaiserlich Statistischen Amtes Berlin, Verlag von Otto Liebmann. Istoustert, W. Gallon llt sür die erltn 1397. Von Dr. Geh, Ober- zu Berlin. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und S o n n a b e n d s, abends von 7—8 Uhr statt. D. Z. Selbstverständlich eine ganz grobe. Vermischt?�. Durch de» Brand des Pariser Berjars würden eine Reihe Wohllhäligkeitsanstalten, denen alljährlich Äie erheblichen Ueberschüsse ztlgewiesen wurden, dieses Mal dieser fmmme verlustig gegangen fein. Um das zu vermeiden, hat die Mr�ionärin Baronin Hirsch dein Komitee des Bazars 837 438 Fmn 5», überwiesen.' Die vom .Figaro" zu demselben Zwecke cings testete Sammln,, g ist mit 582 000 Fr. abgeschlossen worden, Tie noch einlaiifenden Gelder werden den Theilnehmern an dem Rett>,a:gswerk zugewendet.— Die schnelle Aufbringling so erheblicher Sit, innen legt die Frage nahe. warum— wenn mau»u» schon in'Li 0 h I t h ä t i g l e i t machen will— dann überhaupt die Veranstalte), ig des Bazar-Klimbims erst nothwendig ist. Für den Inhalt der Inserate «berniuimt die Nedaktion dem PtiblUniu gegenüber keinerlei Beraiitwortn» TheAkev. Dienstag, den 10. Mai. Lpernhans. Der Evangelimann. Phantasten im Bremer Raths- kcller. Schauspielhaus. Letzte Liebe. Deutsches. Moritnri: l, Teia. 2. Fritzchen. 3. Das Ewig- Männliche. Berliner. König Heinrich. Lcsjing. Die Geisha. Schiffe-. Bauernehre. Der ein- gebildete Kranke. Rencs. Trilby. Bieste». Zwei glückliche Tage. Thalia. Die schöne Helena. Linden. Der Vogelhändler. Friedrich- SüilhclnistädtischeS. Der Berghauptmann. BeUe-Slffiance. Trilby. Residenz. Eine Reisebelanntschaft. — BaterEeude». kllexauderplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeh, Ofteiid. Berlin, tvie es weint und lacht. Passage-Paiioptiknm. 32 Mädchen ans Sanwa. Apollo. Spezialitäten. S�billrv'-TkzeslteV Dienstag, abends 8 Uhr: Banern- ehre. Der eingebildete Kranke. Mittwoch, abends 3 Uhr: Der G'tvisscnstvurrn. Ostettd-Theater. Er. Franksnrterstr.lZ2, Dir.«.Weist. Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 8 Uhr. Morgen, zum 125. Male: Ter deutsche Michel. Ermäßigte Preise: Parouct 1 M. Im Garten: Frei-Konzert. Äctien-Braflerei Friedrichsliam. HeHte Dienstag: Gr. Militär- Frei-Konzert. Programm unentgeltlich. Schweizer-Barten Am Königsthor. Am FriedrichShain. selten Sonntsg, LxlrA-Vorslelluvg uvä lisrtev-Xolliert. IM- Im Saale:»»II."ML Ansang 4,/, Uhr. Entrce 30 Pf. An Wochentagen im Mai ist Garten und Saal zu Privatfesten zu vergeben._ 1555fl* Thalia-Theater. (vormals Adolph«ruft-Theater). Gastspiel von FranJnlie K 0 p aczy-K ar cz ag, Die schöne Helena. Operette tn 3 Atten v. I. Offenbach. Morgen und folgende Tage: Die schöne Helena. � Castan's Panopticom. Die beiden indischen_ die kieinsten Menschen der Welt! Fvipäen )ic kleinsten Dame» Wettschwimme». Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4». Jnh. H. Pierry. Das beste Programm.' Abwechslungsreich! Humorvoll! Für Familien! Xenü Xenü Angstniann<& Hanftieben. Harte zu Hanse. Borzügliche Spezialitäten. Ans. d. Konzerts 7 Uhr, d, Vorst. 8 Uhr. MB Entree 30 Pf. B Passe-partouts haben Wochentags Giltigkeit. Diese Borstellungen finden jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag statt. Feen-Palast, Direktion Wlnkler A FrUbel. Am 17. Mai; Letzte Vorstellung. Theater und Hpezlalltilten Künstler ersten Ranges. Durchweg neues Programm, F" Kolossaler Lacherfolg, Vy V- Uhr Eine 8'/, Uhr gr-|- Hauptrollen: R, Winkler und Wilh, Fröbel. Anfang T/s Uhr, Sonntags 7 Uhr. ckntree 30 Pf. Ehren- und Freikarten sind noch bis 17. Mai giltig. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Täglich Auftreten von: Steidl, Bender, Lieban u.Frau. Kaiseneröffnung 61/» Uhr. Konzert 7 Uhr, Vorstellung 8 Uhr. Mittwoch, den 12. Mai 1897: Zum 1. Male, mit vollständig neuer Ausstattung: Venus auf Erden. Burlesk- pH antastisch e Operette in 1 Akt von Bolten-Bäckers. Musik von Paul Linke. In Szene gesetzt vom Dir. I. Glück. Kresse allgemeine Gartenbau-Ausstellung im Treptower Park. Die Ausstellung wird bis zum HHttwoch, den lÄ. Hai, verlängert. Eintrittspreis 50 Pfennige. Kinder die Hälfte. Schulen klassenweise pro Kind 20 Pfennige._ Ostbahn-Park Rüdcrsdorferftr. 71. Am Küstriner Plaü. Theater- n. Speziatitäten-Vorstellg. Garte»- Konzert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors Hrn. Ott« t»Orncr. Kaffecküche 3—5 Uhr.— Entree 13 Pf., wofür 1 Glas Bier gratis. 4 Kegelbahnen zur Berfügung.| Gute Biere. ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. 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Verschiedenes.— Der wichtigen Tagesordnung wegen ersucht mm zahlreiches und pünktliches Ericheinen Die Elfer-Kommission. Musikinstrumenten-Arbeiter. Mittwoch, 12. Mai, abends SV» Uhr, bei I. Heike, Nattuyustraße 27: Geftenkl. VerkammlHng. Tages-Ordnllng: 1. Wie stellen wir uns zum Kongreß der lokal-organisirten Gewerkschaften? Referent: C. Blaurock. 2. Verschiedenes. 142/14__ Der Bertranensman». -Hs.e Mitglieder der ZVM-KrNkeil-«. Zterbe- fafc kt Zimmerer (Zahlstelle Moabit) lo-.-rdcn ersucht, ihre Quittungsbücher Mim Kassirer abzugeben. 2(59/11___ Der Borstaud. Für die rege Thcilnahme bei der IBcerdigung unseres unvergeßlichen 'Schwagers u. Onkels, des Buchbinders Theodor HUller, sagen wir allen, besonders den Herren Chefs und d. Kollegen von der Firma Sliefenstahl, Zmnpe u. Ko. unseren herz licksten Dank. Die trauernden 2010b Anverwandte». Llftatt Kranzbinderei .». Blumenhandl»»«. 6. Landsbergerstr. 6, Ecke Höchstepr., (früher Königsbergerstraße) empf. Widmungsträiize mit Schleifen, Guirlandeu, Bouauets k. Allg. Deutscher Tapezirer-Verein. Filisle 0jj||• Mittwoch, J)en 12, Mal, bei Zubell, Linden str. 106. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Hr. Lilttgenan. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheitcn. Donnerstag, den 13. Mas, bei Hahlel, Rosenthaler- straße 57. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten. 177/7 Die Ortsverwaltungen. ! Schuhmacher. Mittwoch, den 12. Mai 1897, abends 9 Uhr, in Kvnlgshank, Große Fraukfurterstr. 117; Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordiitlilg: 1. Bericht der Revisoren. 2. Ergänzungswahl zur Agitationskommisston. 3. Verschiedenes. 188/6 Um zahlreichen Besuch ersucht Die Kommission. FachTerein der Stellmacher Berlins nnd Umgegend. Donnerstag. 13. Mai, abends 8>/� Uhr, bei HerrnBahlel, Rosenthalerstr. 57: Versammlung.'"WM 1. Bortrag des Herrn W i tz über: Streit- Tagesordnung: 1, Vortrag des Herrn Witz Religion, 2, Gewerkschaftliches nnd Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der züge in die 159/14 o r st a n d. Vereili zur Mahnng der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend. Donnerstag, 13. Mai, im Lofal des Kollegen Henke, Naun ynstr. 27: 8. Stiftuugsfeft. nachmittags 4 Uhr. In den Zw Anfang des Konzerts nachmittags 4 Uhr. In den Zwischenpausen Auftreten der Theatergesellschast Str zelewicz. Nochher Tanz und Kinderpolonaise. Zu zahlreichem Besuch ladet die Mitglieder ein 69/10 Der Borstand. I. A.: F. E w a l d. Krauzbindcrel n. Blnnien- handlnng von 1643C* llobert Meyer, Äbo. 8. iKarlannenstr. X«. 8. WiduiungS-Kränze, Guirlandeu, Ball- sträiißchen, Bougnets ic. werden sehr geschninckvall und preiöloerth geliefert. Wlnmenhandlung Kränze, Bouauets, Topfgewächse, Onlrlanden etc. Billigste(Markthallen-) Preise bei geschmackvoller Ausführnng. Ehrenerklärung. Die von mir gegen Frau Radle ansgcstoßene Beleidigung und Ehren- Verletzung nehme ich hiermit zurück, da dieselbe auf Unwahrheit beruht, Ich kann sie nur als ehrenhafte Frau betrachten, s2007bs Heinr, Bogler. 44' er Stoff hat, fertige Anzug, feinste Futtersachen, für 20 Mark an, 2011V _ Hehmann. Chausscestr. 26. Zimmer f. Vereine u, Saal z» Fest- lichkeitenz, vergebe» Lichtenbergcrstr,21, 1972b Schulz' Hall-Salon. EinMehl-.Vorkost-uGrünkram- Geschäft zu verlaufen, 2001! b __ Hoppe, Gräsestr, 78, Ein Wachstuch mit Krankenkassenbücheru und Be- lägen am 16, bis 17, April Linden- straße 52 verloren. Abzugeben bei A. Gmse, Barnimstr, 41a, oder C. OntthelU, Bensselstr, 68, Lanoünseife! macht die Haut zart u, geschmeidig, 1 Stück Lonolinseise und ein reines " andtnch liefere ich f, 10Ps, p, Woche, andtnch!Verleih-Jnst, L. Aigner. ° Rene Königstr. 17. Ferntpreib-Aint VII, Nr, 2087, Im Erscheinen begriffe» ist: Gefchtchke der DMW SMMMM von Isrttn; Mlehving. 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Da die Einleitung der diesjährigen Lohnbewegung von der Stellungnahme der gedachten Bersammlung abhängig sein wird, forder« wir alle Maurer Berlins und der Umgegend ans, diese Bcrsammlnng z» besuchen. 280/11 Mit kollegialischem Gruß Hie I-ohnkonunisslon, trthtrtih Modell 97, erstklassig, lUJlllM reelle Gar., Verl, sehr lig Karl Schnitze, Aimenstr, 26 II. für m MM liefere feinen Anzug n ,Ma aß. Für 30 M. ff. Souimer-Polewt nach Maatz. Für 8—12 M. feiiffte Hosen nach Maas). Gebentendes Stofflager.* Krairsenstr 14, 1, kein laden. i Seide Brautkleidern. Piilvennacher. Scydelftr. 88. ÜlrieitMorft. Nchknng! Holzarbeiter! Die Stettiner Tischler Jnnung sucht durch Annonce in verschied, Berliner Zeitungen Tischler nach Stettin, Der Tischlermeister Ochs, Reichen- bergersttaße 47, wirbt Kollegen für Stettin an. Zuzug muff ferngehalten werden. Die Ortsverwaltniig. Wklsttt Wchl. 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(Ohne Bewahr.) g 60 127 460 588 689 740 1120 272 305 58g 760 «54 130001 92»»167 130001 215 40g 84 874»4 907 61 »007 90 231 312 453 927 4087 192 307 521 863 5003 207 305 35 89 471 814 6055 126 288 94 326 45 470 507 24 726 836 7152 2o2 343 82 437 46 55 5'J7 668 85 709 811 26 8080 317 67 500 615 734»32»116 78 30» 489 613 97 777 817 43 10392 438 57 841[300] 4« 71 1 1070 119 458 652 982 12017 170 394 610 30 721 824 978 1 9109 228 29 566 13000] 681 710 40 54 62 73 93 827 991 14123 430 (300) 582 632 989 152)8 473 781«085 108 24 64 68 99 274 98(300] 428 58 551 63 606 889 17013 43 91 1300] 292 448 505 20 682 69 18004 21 136 2»9 313 481[300] 715 56 828 83 914 32 1»001 11 123 97 249 383 790 11500] 882 74 »0011 202[1600] 24 881 1500] 519 660 72« 71 827 921»1456 533 62(5001 626 798 813»»079 196 276 435 687(500) 829»«009 88 235 666 24191 250 715 72 616 730 25074 139 326 34(SOWOl 444 523[5«(M») 627 76 706 931»0095 142 50 320 45 731 901»7101 348 51 86 535 68 830 944»8141 325 414 547 682 742 11600] 60 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Mai 1897, Rackiniittagd. Rur die Bewinne über»IS Marl sind den delreffendev Rnmmern in Parenibese beigefügt. [Ohne Bewähr.) 30 79 107 206 438 526 31(6001 605 743 808 1007 285 91[1500] 318 SO 451 542 783 803 70 79 928 2024 22� 8-2 902 8061 64 73 85 99 123 241 315 735 60 72 4221 360 65 434 601 805 25 939 93 5082 465 765[300] 875 999 0079 2o2 51 636 747 815 s5<0) 911 7002 41 110 26 240 44 499 581 686(300] 89 920 98(5001 8183 86 404 40 649 701 16 74 86 846 970«059 157 71 256 (3000) 72 447 610 24 45(300] 753 953 1(1083 102 312 52 57(1500) 928 1500] 11190 93 864 12077 1500) 629 770 936 85 1 302-238 464 534 89 1 4006 98 187 281 394 469 751 60 15144 297 340 97 462 547 48 640 786 846 922 130001 86 1300] 1B004 66 88 110 285 831 81 638 907 17043 313 77 425 714 39 1 8018 80 147 H7 211 15 323 414 27 75 716 27 83 898 972 19135 91 3»«0588 802712t 212 307 26 77 484(3000) 91«10 17 [500] 766 92*1287 400 7 22 548 730 68 830 939 13000) 22036(15001 129 622 28 52 75 730 82 86 841»»291 867 572 677 866*4321 78 615 34 50 95 130001 747 802 923»5041 145 351 452 56 97(500) 663 745 988*0258 833 90 451 578 635 807 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Redakteur: stivbert Schmidt in Berlin. 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