OTr. 26. umer&attutioöBetlage. 1927. ii uw sich sperr -atz- r ulk'iji in bictem Raume feien “reirfite- in bet Hütte; nur e in der Ecke. Das Mäd- or/Tauu plötzlich Körper, stöhnend Die Stimme des Srakeiü. Von Vaui crrvt. Spruch murmelnd, und tauchte dann die Hände in die Flüssigkeit des Beckens. Auch ich,tat dies, gespannt, was nun kommen würde. Kaum aber hatte ich di« Kaiva berührt, da fühlte ich ein eigenartiges Prickeln in den Fingerspitzen. Und erstaunt sah ich, wie die Katva zu brodeln begann. Die Fidschianer sangen eine düstere Me lodie, betvegten ihre Körper im Takte hin und her, und das Feuer malt« gar seltsame Schatten an die Wand. Immer stärker wurde das Brodeln, immer höher quoll di« Flüssigkeit. Schaum bildete sich an der Oberfläche, da——— stockte mein Atem, erstarrte das Blut in mei nen Adern, denn Schlangen!... eklige Schlangen schwammen Plötzlich in der Kawa. Ihre Leiber schillerten grünlichblau, sie um- j schlangen meine Hände, krochen darüber hin- tveg, kalt und schleimig. Eisig lief es über meinen Rücken; denn das war das Entsetzlichste: Ich konnte meine Hände nicht tveguehmeu; die Arme waren wie gelähmt. Daß auch die Fidschianer dasselbe sahen und fühlten, wurde mir zur Gewißheit, als ich wahrnahm, wie geänstigt sie nach der Kawa blickten und mit den Händen zuckten. Ich schloß die Augen, denn ich konnte den grausigen Anblick nicht länger ertragen. Die Beivegungett der Schlangen fühlte ich aber dennoch, und jedesmal führ ich zttsam- men, wenn sich eine feucht urid klebrig um mein Handgelenk wand. Stellung sitzen. Seine Augen weiteten sich und schienen in der Ferne irgend etwas zu sehen. Die Muskeln seines Körpers straffte» sich, der Atem ward schwächer und schwächer, und langsam erstarrte der ganze Leib/ Das Pochen des Herzens tvar auf seiner nackte» Brust nicht mehr wahrnehmbar; ich hatte den bestimmten Eindruck, daß dieser Mensch mit seiner Seele nicht mehr auf Erden weile.— Darauf fnig er mit sonderbar hohler Stimm« nach seinem verstorbenen Vater und Großvater.— Das Orakel gab auf jede Frage mit entstellter Stimme eine.deutliche Antwort. So sprach nun jeder der im Kreise an- toesenden Männer durch das Mädchen mit seinen Ahnen. Der Häuptling sprach mit seinem Bater über Staatsgeschäfte, wie er sich in dieser und jener Lage zu Verhalten habe, und erhielt auf jede, oft sehr verwickelt« Frage, eine wohldurchdachte Antwort. Zum Schlüsse bat Solomon! die Geister mit be- tvegten Worten, auch seinem weißen Freunde (damit meinte er mich) einen Fingerzeig zu geben. Einen Augenblick schien das Orakel überrascht. zuckte unruhig, dann kqm es stoßtveise. aus ihrem Munde:„Ich sehe deinen Stern.. er leuchtet hell... die erste Nacht... de jtoeitc Nacht... die dritte Na... es wird dunkel... eine schwarze Wolke... ich kann nichts mehr sehen..." Ihre Lippen betvegten sich fieberhaft, und Plötzlich schrie sie gellend:„Es droht dir Ge- . fabr... hüte dich vor Latoo.. Ich zuckte zusammen; grausig gellte dieser Schrei in meinen Ohren und verhallte in der still.'» Nacht. Wieder Ivar es totenstille. Ein bläulicher Rauch bildete wunderliche Gestalten, und ei» süßlicher Geruch verbreitete sich in der Hütte. Die Fidschianer saßen am Boden, starr und stumm, und stierten-ins Leere; ihre Augen waren seltsam glasig. Auch ich war wie gebannt und.sah alles im Traume..Tie Rauchschwaden formten zu durchsichtigen Geisrergestatten; die-gestisch auf- und abivogteu. Und ich konnte Gefühl,»ich; loswerden, daß wir nicht —::r. s:!rn, daß ich hier einen Blick in eine fremde Welt tun durfte, die uns Eiiropäern verlorengegangen ist. Langsam kam wieder Ausdruck und Lebe» Die nachstehende spannende Geschichte ist dem im Verlag von Strecker und Schröder in Stuttgart erschienenen Buche: Paul Abt,„I m Banne des Zauberers"(Leinenband 5 Mk.) entnommen. Der Verfasser erzählt in " feinen Geschichten Erlebnisse aus der Südsee, die ganz unglaublich klingen. d Eines Nachts kam Solomi ganz ausge- Wgt in meine Hütte gelaufen und erzählte Nir eine verworrene Geschichte von einem Mädchen, das vom Teufel besessen sei. f Er führte mich zu einer Hütt« am Ende des Dorfes. Schon von weitem vernehm ch «in eigenartiges Summen, das oft von schrillen Schreien unterbrochen wurde, und als ich den engen Roum betrat, blieb ich erstaunt siehe», denn seltsam war der Anblick, der sich Mr bot: Da lag am Boden, splitternackt, ein junges Mädchen auf dem Rücken. Arme und Beine tvaren weit ansgestreckt und wurden den je einem Fidschianer am Boden festge- halien. Die Brust der jungen Schönen loogte, der ganze Körper zuckte wie im Krampf, i«mhend kam der Atem aus den Lungen, und oft rang sich ein heiserer Schrei aus ihrer Kehle. Die Augen waren vollständig nach innen gekehrt, der Muird halb geöffnet, und «Hf beit schön geschwungenen Lippen stand tin feiner, weißer Schaum. M In der Ecke der Hütte brannte ein großes Muer, welches gespenstische Lichter auf die Mnzenden, dunklen Körper warf. Die Richten des Dorfes saßen in einem Kreise "ahe dem Mädchen am Boden. Solomon! forderte mich auf, an seiner ^ei'e Platz zu nehmen. Dann brachten auf Wen Wink des Häuptlings einige Fidschianer M riesiges Katvabccken,-das sie mitten in »nstren Kreis stellten. MAlitd nun erschien Meemea, die Bortän- tzrin des Dorfes, mit einer großen Kalva- ^s>rzel. Bor dem Häuptling' niederknietld, Fflfe sie den Mund und ihre Zähne, u ??weis, daß sie rein und gesund seien.' Auf , Zeichen fing sie au die Wurzel zu kauen, Mckte den Brei in das Kawabecken rkitd Mste'e eiwäs Wasser dazu: die Kawa war ■--■;■- I^i»e alle KokoSriußschale; durch den-vie- Gebrauch- poliert, wurde herumgereicht. Wlk nahm erneu Schluck, dabei irgend«inen Wie lange dies, dauerte, tveiß ich nicht; aber nach einiger Zeit fühlte ich, wie die Bewegungen langsamer wurden, und als ich die Augen aufschlug, bemerkte ich, daß die Kawa nur noch ganz schwach in Betvegung war. Der Gesang verstummte, und alles ivar wie- der wie zuvor. Schnell zog ich de Hände au-? der Kawa. Sie waren eiskalt, trotz der Hitze, und das schleimig-klebrige stlesiih! der Berührung mit den Schlangen eulpfänd ich noch stundenlang. - Totenstille, h das Feuer knister cheu am Bode» lag wie t! durchztrckie ein Krampf dein kam der Atem aus-der Brust...' Und uuii geschah das Sellfamer Ein Fid- fchttrüer berührw-mlk"femsr' Stirn-' dreimal de» Boden und blieb daun-in l>alb.'rhobeuer — 2— in die starren Gesichter, und wie aus tiefstem Schlafe erwachend, erhoben sich die Männer. Das Mädchen atn Boden keuchte nicht mehr. Die Spannung in den Muskeln hatte sich gelöst; der Mund klappte mit einem hörbaren Geräusch zu, und die Zähne Preßten sich knirschend aufeinander. Vver der Fidschianer bewegte sich über-en leblosen Körper, preßte mit seinem Messer die^Zühne ein wenig auseinander und goß dem Mädchen ein Paar Tropfen eines rötlichen Saftes in den Mund. Dieses krümmte sich zusammen, ruhig atmend, wie in tiefem Schlafe... Und während der Häuptling mich zu meiner Hütte begleitete, erzählte«r, wie das Orakel ohne den geheimnisvollen roten Soft, dessen Zusammensetzung nur der älteste Mann des Dorfes kenne, noch ,n derselben Nacht sterben würde. Immer vor wichtigen Ereig- niffcn werde eine Jungftau von den Göttern zum Orakel auserlvählt, und dadurch fei es möglich, den Rat der Vorfahren einzuholen. Kein wichtiger Entscheid werde ohne diesen Rat gefällt. Als ich allein in meiner Hütte saß, klang mir immer und immer wieder die Warnung des Orakels in den Ohren:„Hüte dich vor Latoo!" Wie konnte dieses Mädchen wiffen, daß ich einen Träger dieses Namens hatte, da ich ja erst seit einer Stunde im Torfe tvar und nnine Träger erst gegen Mitternacht eintreffen konnten? „Zufall!" sagte ich mir, aber gleich daneben war eine andere Stimme:„Zufall?" Denn wahrlich, wenn mir jemand Übelsinnen konnte, so war es Latoo, den ich einst erwischte, wie er meinem Papagei, fröhlich grinsend, eine Schwanzfeder ausriß. Dies hatte mich derart in Wut gebracht, daß ich ihnr eine schallend« Ohrfeige verabreichte und ihn mit einem Fußtritt zur Hütte hinausbeförderte. Ob er mir nun dies nachtrug und sich auf irgendeine Art rächen wollte? Latoo>var kein Fidschianer, sondern ein Eingeborener der Salomo-Inseln, viel dunkler als die Fidschianer und im Gesicht ein richtiger Menschenfresser. Sein Ausdruck hatte mir nie gefallen, aber sein Körper war so stark gebaut, daß er mir als Träger will- kommen war. Die Fidschianer hakten ihn gleich von Anfang an nicht leiden mögen, und niein Diener sagte mir am ersten Abend:„lle no good; bay eye, l no like bim." . Schritte weckten mich aus diesen Gedanken, und als ich mich umdrehte, staijh hinter mir— Latoo. Grinsend zeigte er seine scharfen Menschenfrefferzähne; in seinen grünlich schillernden Augen lauerte ettvas Hinterlistiges, Barbarisches.— Zwei Tage waren vergangen, und die dritte Nacht kam heran, schwül und unheil- schivanger. Je duimer es ward, desto bedenklicher schien mir, ivas ich soeben gesehen: Von einem Spaziergange zurückkehrend, war mir ein eigenartiges Geräusch aufgefallen, das aus einem dichten Gebüsch zu kommen schien. Leise näher tretend, sah ich— Latoo, am Boden kauernd und sorgsam an ciklem Stein sein Messer wetzend. Von Zeit zu Zeit fuhr er prüfend mit dem Daumen über die Schneide und nickte befriedigend mit dem Kopfe. Um seine wulstigen Lippen zuckle ein barbarisches Lachen, urch seine scharfen Raub- lierzähue leuchteten kreiß aus dem schwarzen Gesichte. Mir graute vor diesem Menschen, und Unheil ahnend, schritt ich eiligst meimr Hütte zu. Doch kaum hatte ich diese berreieu, da fuhr ich erschreckt zusammen, denn eindringlich und kvarnend tönte von neuem der Schrei des Orakels in meinen Ohren: ,ellten und die Bewegung Triebkraft und Macht gewann. Fede begann auf ein K!nd und Wucher zu ihrer vollen Macht hi"' an. lind über jede wurde einmal vcrrhtlich gefragt:„Was soll sie'/" Tic Mchlige Bewegung von heute war die schwache Bewegung von gestern, die auf dem Recht begründet war. ' Aller Wahrscheinlichkeit nach wird von der Londoner Demonstration nur ein fHr kleiner, unmittelbarer Erfolg sichtbar werden. Aber Mars mag seiner Sache nicht zu sicher sein: di« Geste ist nicht ganz ohne Kraft und Wert. Frauen, die demonstrieren— mag ihr« Demonstration auch unnütz scheinen— zeigen der Welt di« Gegenwart eines Kindes an, das von Jahr z« Jahr wachst. Die Scheiterhaufen singen. Bon Kassak. (Eine epische Darstellung der ungarischen Revolution.) sich in ihrer hat jetzt seine Barr euch wie ■ Warum?— fragt ihr.- arum?— lind ich grüße euch ehrfurchls- lragcnde Frauen und fragende Manner, ist euer erstes freier Tag! Richi mick jolll ' 1. Mai 1919. f Und aus dem Zimmer im ersten Stock trat bei Mann mit dem Bart' auf die Straße. Das Mädchen lachte vor Glück. Die Täler breiteten ihren Schoß unter sie und die Hügel hoben sie sieghaft empor wie blühende Bäume. Auf den Tribünen in der Helle der riesen- hafien Gipsbüsten flammten schon die Redner. -Tic Sonne wärmte mit ihren goldenem Garden die Herzen. Und die Erde wogt« wie das Meer unter ihrer Last. r Die Fabriksirenen beugten Eradlinigkeit. Der runde Platz ballte sich zusammen. Ter Mann mit dem Stimme ausgebreitet: F„Brüder!" ■’ Wie wenn brausendes Wasser vor Dürstenden aufsprönge. Die hilflosen Leute schlugen be- glücki die Augen auf. Und er sprach von der Erlösung der Welt. "„Voll ist das Maß! Der Mensch ist zur Verwirklichung der Güte geboren, und die bisher zu euch kamen, waren alle von ihrer ZnnisL Abende Pfaffen. Die Kinder der Entsagung und ns Leidens. Oder es waren die Ritter der Po- siitik, in deren Kopf sich der Wind droht. Ich aber -derkimdc nichr mich, den zufälligen einzelnen, ändern ich verkünde euch zusammen und einlein! Das Fundament der neuen Welt, schrankenlosen Willen und unerschöpfliche Kraft. Ich derkünde die Frau und den Mann zusammen viit der ganzen sie umgebenden Welt. '■ Ihr sucht den Brunnen des Glücks, und ich läge euch, daß die Quelle jedes Glücks in der Kraft ist. Und wenn ihr fragt, wer öffnet die Tore? So sage ich euch, nur ihr allein könnt Ec Tove öffnen! Wer könnte ein wahrer V^ie- her der Erlösung sein, wenn nicht ihtz^die Sklaven der Arbeit, Frauen und Männer! Ihr seid schtvanger mir der Unendlichkeit der Zeit, N«d das einzige Gesetz der Güte wird sich an «uch erfüllen. Ich breite keine Orden, keine Wmulette und Talismane um euren Hals. Nein, '4 bin nicht der euch schmeichelnde Pfaffe, ich 'kge nur einfach eure Hände ineinander, daß Mch der Sturm nicht umveißt." 7 Die Massen haben sich noch dichter zusam- Zengedrängt auf dem Platz. Alte Leute drücken ihr« Mützen unter den Arm. Manche Wien ihre Freude, sich selbst vergessend, 'Maus. k„Zeig uns unser Leben! Unser Leben!" M- Und der Mann mit dem Bart schwenkt« h«ine Stimme. K„Aus den Laboratorien, Fabriken, Büros, (Werkstätten und allen Nestern des Elends l"»mit ihr auf den Pfad der Gewißheit. Ter WffWnoraen taute»och Hoffnungslosigkeit in WryAuge«, und ihr seid doch gekomnien, und ' Ws erster freier Tag ist da. Die Sonne brächte MD über euch auf den Ringstraßen/ Ans eurer knieten die hohen Häuser und die allläg- I Ptaruin flohen von euch wie zahnlose kMitdc~ br ihr fragen. Was iinmer euch fehle, fraget nur euch selbst. Denn jeder Fragende kamt sich die Antwort geben. In euch ist das wunderbare Wort, das niemand besser ausfprechen kann als ihr, fragende Frauen und fragende Männer. Das Augenverdrehen der Pfaffen, die Charakterlosigkeit der Advokaten, die verantwortungslose Zunge der Schauspieler reicht nicht bis zu eurem einfachen Verstand, der euch sagt:„Alle Speicher müssen für di« offen stehen, die das Korn zufammentrugen." Ich hole euch nicht den Himmel herunter und schiebe nicht die Berge unter eure Füße. Ich weiß, ihr seid unter dem Bleihimmel des Hungers und der Hoffnungslosigkeit hergekommsn und ich kann euch nur -sagen. Ihr seid stark und gesund. Fegt die Thronenden von den Thronen, kratzt den Hoff- nungslosen die Hoffnungslosigkeit aus und zeigt euch einander unverhülli und ohne Spekulationen. O, wie ich euch bewundere, meine Brüder! Wo könnte man die Freude des Lebens finden, wenn nicht in den tiefen Brunnen eurer Augen? Weiter, nur weiter auf dem beschrittenen Weg, und ich sage euch, o Brüder, es öffnen sich vor euch die Tore der siegreichen Wahrheit!" . Die Welle der Freude verbreitete sich wie ein aus Frühling gewebtes Gewand. Der Mann mit dem Bart trat in den trunken gewordenen Wald. Unbekannte umarmten sich göttlich. Und in«mein einzigen Orgel klang fangen Zehntausende ihren beglückenden Glauben: Steht auf, Verdammte dieser Erde, Ihr Sklaven/die der Hunger zwingt, Der Erdball bebt in seinen Fugen Und dröhnend seine Fesseln sprengt. Arbeitsleistungen. Der Faden des Schneiders hat eine Länge von 2340 Kilometer.— Der Faden der Heimarbeiterin verbindet beide Erd pole.— Ein Maurer belegt in 1V Jahren Arbeit 112.500 Quadratmeter oder 43 preußische Morgen.— Der Paketträger der Post trägt 750 Güterwagen aus.— Der Briefträger ersteigt in einer Woche den Mount Everest mit mehr als 8000 Meter.— Ein Landbriefträger läuft 225.000 Kilometer. Ueber die ungeheur« Arbeits.uass« der Arbeiter und Beamten macht man sich im allgemeinen nur sehr geringe Vorstellungen. Einige Beispiele werden zeigen, wie viel auch der kleinst« Mann in seinem Leben schafft. Schneider und Heimarbeiterin. In der'Bekleidungsindustrie, speziell bei den Schneidern, wo der Tarif bereits 800 Einzelpositionen ausweist, erscheint es saft unmöglich, das Werk des Einzelarbciters zu messen, wenn es, wie es häufig geschieht, in der Werkstatt oft durch zwanzig Hände geht. Und doch findet sich in diesem Gciverbe oft ein interessanter Anhaltspunkt, der auszeigt, welche Tä- tigkeitsjumme die Hand mit der Nadel oder mit der Maschine verrichtet Nach den Richtlinien für den Verbrauch von Nähzutaren, die dem Reichstarif beigegebeu sind, werden genau die Zwirnmeter angegeben, mit denen der Arbeiter zur Herstellung eines Anzuges auszukommen hat. An Garn, Heftgarn und Maschinenseide, ohne den Zwirn für Knopfannähen, werden für das Jackett 225 Meter verrechnet, für den Sommerpaletot 266 Meter, für den Winterpaletot 270 Meter, für den Ulster 398 Meter, für di« Hose 100 Meter und für die Weste 70 Meter. Ein Jackettmacher, der in der Woche acht Stück liefert, hätte demnach in der Woche einen Faden von 1800 Metern verarbeitet, im Jahre einen solchen, von 93.600 Metern und in 25 Jahren einen Faden von 2340 Kilometern. Dieser Faden würde in seiner Länge einer Entfernung von Berlin bis nach Cadiz tu Spanien gleichkommen, dem äußersten Punkt Europas in südwestlicher Richtung. Der Hosenschneider mit 20 Stück in der Woche und-1040 im Jahr, verarbeitet in 25 Jahren einen Faden von 1600 Kilometern Länge, er würde ungefähr nur bis Madrid gelangen. Im Tarif der Mantelnäherinnen, und allgemein bei den Heimarbeiterinnen, wo man beim Nähen von glatten Nähten schon von einem Nähmctertaris spricht, wird das Steppen einer Naht auf der Maschine, der Meter mit einer Minute gerechnet, welche Zeit um vieles je nach der Arbeit und der Geschicklichkeit der Näherin geschlagen wird. Den Faden, den eine Heimarbeiterin in 14- bis 16stündiger Arbeitszeit abrollt, würde gewiß beide Erdpole verbinden, wenn ihr nicht bei ihrer karg entlohnten Arbett der Lebensfaden allzu schnell reißen würde, denn mail rechnet bei der hohen Sterblichkeit der Heimarbeiierinnen nur mit einer durchschnittlichen Berufstätigkeit von 6 bis 8 Jahren Der Maurer. Die Tagesleistung eines Maurers wurde vor dem Kriege im Akkord bis zu 1000 Steinen gewertet, dies« Leistung soll durch den Druck der Berhältnifle heute uni vieles Hinaufgetriebe« worden sein. Rehmen wir nun die Durchschnittsleistung von 1000 Steinen, so ergibt sich folgendes Bild: Ein Mauerstein hat zirka 25 Zentiureter Länge, 12 Zentimeter Breite und 6 Zentimeter Höhe. Diese Steine in ihrer Länge aneinandergelegt, würden demnach 250 Meter Länge als Tagesleistung ergeben, ohne die Fugen, di« der Arbeiter mit Mörtel füllt- Nimmt man für die Saison im Höchstfall nur 250 vollbeschäftigte Tage an, so ergibt das Längenmaß bereits 62 Kilometer. Da bekanntlich ein guter Großstadtmaurer höchstens 15 Jahre auf^dem Bau vollwertig zu konkurrieren vermag und schon vor seinem 40. Lebensjahre aus dem Akkord ausscheidet, so hätte er auf einer Strecke von 930 Kilmnetern Steine gelegt, was etwa dem Bahnweg von Hamburg-Altona nach Basel entspricht. Rechnet man noch die übrig« Zeit seiner Arbeitsjahre hinzu, in der er ja auch nicht untätig ist, so darf man ruhig annehmen, daß er bis nach Venedig gelangen würde. 1000 Mauersteine breit auseis^ergelegt bedecken die Fläche von 30 Quadratmeter, was im Jahre 7500 Quadratmeter ausmachen würde und in 15 Jahren 142.500 Quadratmeter, gleich 43 preußische Morgen. Paketträger— Briefträger— Landbriesträger. Bei einem Paketträgrr nimmt die Post an, daß er täglich 300 Pakete austrägt. Jedes Paket, nach dem alten Fünfkilogrammgewichi gerechnet, würde ergeben 1500 Kilogramm am Tage, im Jahre 450.000 Kilogramm, und in einem Dienstalter von 25 Jahren die Last von 11.250 Tonnen. Tiefes Gewicht macht ungefähr die Ladung von 750 Güterwagen aus, Ein Briefträger hat in Berlin in seinem Revier zirka 50 Aufgänge zu bedienen, die ihn heute meist bis in das fünfte Stockwerk hinaufführen. Rechnet mau nur vier Stockwerke mit — 4— 80 Stufen, so hat er bereits auf einem Reviergang 4000 Stufen erstiegen, gleich eine: Höhe von 800 Meter. Er würbe demnach bei 18 Bestellgängen in der Woche den Mount Leerest mit 8000 Meter fast fünfmal überschritten haben. Ein Landbriefträger begeht durchschnittlich täglich 28 Kilometer. Das entspricht einer Jahresleistung von zirka 9000 Kilometern und eine: Lebensleiftung in 25 Jahren von 225 000 Kilo- Metern. Er hätte demnach auf seinen Bestellgängen fünf und ein halbes Mal d'e Aequätor- lini« um die Erde umkreist, zu welch sportlicher Leistung ihm loeder derPostminister noch sonst «in Meuich gratuliert hat. Wo ledt man am längsten? Eil«« europäische Lebensalter-Statistik, die vor «iniger Zeit ausgemacht wurde, ergab, daß auf j« 1000 EinNwhner der Länder Personen im Alter von 60 Jahre» und darüber entfielen: in Frankreich 126 Italien...... 102 Belgien 94 Schweiz...... 88 England 80 Deutschland..... 79 Das überwiegend agrarische Frankreich hat also die längste, di« am meisten industrialisierten Staaten, England und Deutschland, die kürzeste Lebensdauer unter den Eintvohnern aufzuioeiscn. Was mancher nicht weiß. Wundärzte in der Tierwelt sind die Maden- aaäer und Knhreiber. Die beiden Tierarten halten sich inmitten der amerikanischen Büffel-, Antilopen- und anderen Großviehherden auf und ziehen den Tieren Wnndegel, Maden der Beest- fliegc und andere Schmarotzer unter der Haut vor. Ot^leich sie dabei die ganze Haut nm das Schnlarötzergeschtmir herum airfhacken, werden sie von dem geplagten Bich doch gern grduldet. Bürgermeister Metzer, der auf dem bekannten Bilde voir Hans Holbein„Madonna des Bürgermisters M." porträtiert ist, wurde vor« feinen Mitbiirgern deshalb gchenkl. Das Schachspiel ivar in Indien schon längst vor unserer Zeitrechnung bekannt. Es wurde dort zuerst auch vou vier Spielern gespielt. Bon Indien gelangte es über China nach Persien, vou dort nach Griechenland, später durch die Sarazenen und Mauren nach Italien und Spanien. In Deutschland wurde es erst durch'die Kreuzfahrer bekannt. Die theoretische Literatur über das Schachspiel entwickelt« sich in Spanien mn 1500/ in Italien im 17. und 18. Jahrhundert: Mart Twain, der bekannte'amerikanische Hutnorist,. heißt eigentlich Samuel Clemens. Seinen Dichternamen hat er im Gedenken an seine Arbeit aus den MissiWpi-Dampfern gewählt. Dort wurde beim Loten der Wassertiefr von den Matrosen gezählt: nur re one, marc twainichv..(Marke 1, Marke 2 ufw.). Störe sind im Verhältnis zu ihrer Größe sehr schwache Fische, sie fallen daher kleineren Raubfischen oft znm Opfer. Der im Bau befindliche Äiistentana! in Oldenburg soll eine■ verbindende Wasserstraße -wischen den« Ruhrgebiet-und den Nordfeehäsrn he strllen. Das. erste Leihamt wurde in P'erusia(Italien)■ durch einige gutgesinnt« Bürger errichtet. Papst Pins eröffnete das zweite Lcthantt in Savonna im Jahre 1479. Das Juchtenlrder ist nichts anderes als Rind- oder Kalbsleder, das mit Birkenrinde gegerbt wurde. Diese Rinde, bzw. das darin enthaltene Teeröl, erzeugt--»u. bekannten angenehmen Geruch. Allerlei. Das Gewicht des Regeuwassrrs. London hat in den letzten Wochen eine seiner bekannte» Regenperioden, und zwar in ungewöhnlicher Ausdehnung, durchgemacht. Ein Londoner Statistiker hat sich aus diesem Anlaß der Mühe unterzogen, das Gewicht des Regenwassers aus- zurcchnen, das seit 19. Feber über dem Gebiet der Stadt niedcrgegangcn ist. Er kam dabei zu der respaktablen Ziffer von 130 Millionen Tons. Di« wirtschaftliche Bedeutung der Krähen. In. manchen Gegenden Deutschlands ist in den letzten Jahren ein solcher Vernichtungskrieg gegen die Krähen geführt worden, daß man jetzt vielfach das starke Auftreten schädlicher Insekten aus das Fehlen dieser ihrer natürlichen Feinde zurückführt. Um die Frage zn«entscheiden, ob der Nutzen oder der Schaden der Krähen größer sei, hat Rosig den Mageninhalt von nicht weniger ai 3259 Raben- und Nebelkrähen, und von 7523 Saatkrähen untersucht. Dabei ist er zu dem Ergebnis gekommen, daß jede Krähe der Landwirtschaft des Gebiets, in dem sie sich aufhält, einen größeren Gewinn als Verlust bringt. Außerdem hat Schleh nachgcwiesen, daß für die Fütterung der Nestkrähen in der Hauptsache tierische Nahrung in Betracht kommt, und zwar vorwiegend Insekten, unter denen die schädlichen, wie Drahtwürmer und Engerlinge, einen hohen Prozentsatz ausmachen. Deshalb ist es verkehrt, den Krähen besonders zur Brut- und Anfzuchtzeit nachzustellen. Zn einer Einschränkung der Krähenzahl sollte man also nnr in solchen Gegenden schreiten, wo sie wirklich im Uebermaß auftretrn. Zwei Jahrtausend« alter Puder. In der im Nordosten von Korea li«genden Stadt Phen- gyang wurde kürzlich eine Grabstätte freigelegl, die aus dem zweiten Jahrhundert v. Ehr. stammen dürfte. Unter den zahlreiche» Beigaben, die vertreten, daß das Grab die Ueberrest« einer vornehmen Dame, barg, befand sich auch ein« ziemlich große and hübsch gearbeitete Metallbüchse, die mit einer ganzen Anzahl kleinerer Büchsen und Döschen angefüllt war. Bon den Büchsen, die wohl einst alle mögliche» kostbaren kosmetischen Mittel enthalten hatten, waren die meisten leer, doch in einer kleinen und zierlich getriebenen Dose befand sich noch ein Rest des feinsten weißen Puders. Daß sich die Damcn- welt auch vor zweitausend Jahren puderte, wußte man allerdings längst, aber daß sich solcher Puder zwei Jahrtausende lang hielt urrd sogar sein« weiße Farbe nicht einbüßte, ist jedenfalls ziemlich einzig dastehend. tibeftanfen*6i>Ntter. patriotische Worte. Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen nmn öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden. Lichtenberg. Alle Staaten stehen gegeneinander: sie fetzen die schlechte Gesinnuirg des Nachbars und die gute Gesinnung bei sich voraus. Diese Vorans- ietzuna ist aber inhuvwn und ebenso schlimm m3 noch schlimmer als der Krieg. Nietzsche, o. Es ist leichter, Krieg zn fuhren, als Frieden zu halten, weil-man für den Krieg^nurdie Leidenschaften anfznpeitscheu braucht, während i der Friede eine zurückhaltende Person ist nnds mek» Anforderungen an die Geduld mw den- Verstand stellt; als an• Gefühl und- Leidenschaft' Brian d. Unter Freundinnen.„Papa schenkt mir j“ jedem Geburtstag«in Buch."—„Ra, da mußt D du aber schon eine stattliche Bibliothek haben.*M Das Schlimmirr.„Es muß schrecklich seich s wenn ein Sänger merkt, daß er nicht mehr sin-| gen kann."—„Ja, aber noch schreMcher ist es, j wenn er es nicht merkt." Der Ahnungslose.„Und nun werde ich dir gs noch eine weiße Binde an den kranken Arm 8 machen," sagt der Doktor zu dem kleinen Pa- H tienten,„damit-ich die Jungens in der Schul« 1 nicht daran stoßen."—„Tann machen Sie doch-- bitte die Binde um den anderen Arm. Sie len- W neu die Jungens in unserer Schule nicht." Naturgeschichte.„Mammi, woran merkt der a Hahn, tvann er ein Trinkei legt?" Leicht« Arbeit.„Ich sehe jetzt Ihren Manu..‘J immer im Hinterhof, Frau Müller, wie er Pa« 3 pi«re verbrennt. Wozu macht«r denn.das?"— I „Aber er ist doch jetzt als. Zettelverteilcr an» i gestellt." Uutrrschird. Auf der Polizeiwache kommt i ein Betrunkener und beschwert sich:„Man hat 1 mich aus dem Wartesaal 4. Klasse heraus» I geschmissen, weil ich einen Rausch hab und int J Wartesaal 2. Klasse sitzt auch einer, der voll 1 ist."— Darauf erklärte der Wachtmeister:„In u der 2. Klasse ist man unwohl und kann blei- W ben, in der 4. Klaffe ist man besoffen und wird J rausgeschmissen!" Mutterjorgen. Der Student war in Geld» 7 Verlegenheit, und er beschloß, seinen Frackanzugck zu», versetzen. Aw er aber in den Ferien nach Hanse fuhr, kratzte er alles zusammen, löste dr,W Anzug wieder ein,' packt« ihn schnell in denÄ Koffer und fuhr zu Muttern. Diese packt: mitH bekannter Güte die Sacken aus. Plötzlich aber fragt sie ihn:„Junge, was ist denn das für ei« Zettel hier an deinem Frackurantel?"„Ich war. noch gestern abend bei einem Tanz," stotterte:r verlegen,„und da ist die Gardcrobemarke dra«... geblieben." Sie packt«»eiter aus. Plötzlich aber. l macht sie ganz große verwundert« Augen, als sie di« Beinkleider herausnimmt. Auch da steckt ei«•. Zettel dran..Heinrich," sagt sie besorgt,„,oas war das bloß sür ein Tanz?" Jnhaltrrich. Werfeustein, klebe rlingeu, Vergangenheit: Ewigkeit, Barkasse, Gabardine, Gedicht, Innen» verkehr, Haderslebetr, Santander, Waiidnischr, Machtdünkel, Zuversicht, Annelies«, Fahrtdouir, Unterhose, Kantsthaika, Lernen, Enzian, Kuvert, Berlin, Manieren. Aus vorstehenden Wörter» entnehme man je drei aufeinanderfolgende Büch' staben, von t7 Rolland. 2 Krauich/ -8 Pud, 9 Hof.-