Der Direktor räkelte sich in seinein Fauteuil, flammte sich eine Zigarette an, räusperte sich einigemal« und sprach: „Ich kann mich also auf Euch verlassen?.'" Umderio Bianchini, der nächst Reinhardt größt« Regisseur des Kontinents, rückte das Taburrtt naher, sah sich vorsichtig um, ob auch nieniand lauschte, und sagte: „Alles in Ordnung!" Rach einer kurzen Atempause nahm der Diktator deu Dialog wieder aus. „Informieren Sie mich, lieber Freund, über das Arrangeuient." Umberto Bianchini schloß die Aktentasche auf, die vor ihm auf den« Sekretär lag, kramte darin herum und präsentierte schließlich den mit„Arbeitsprogramm" überschriebenen Akt. Bianchini ließ lein tenorales Organ hören: „Die Divoklioit des Theaters wird punkt 6 Uhr verständigt, daß der Ministerpräsident die Absicht habe, der heutige» Galavorstellung anzuwohnen... „An Ordnung!" ergänzte der Diktator. Der große Regisieur nahm die Lektüre wieder auf. „Die Direktion des Theaters wird au- gcwiejcil, die notwendigen Sichcrheitsmaß- nahnicn vorzukehrcn, um den Ministerpräsidenten vor allfälligen Anschlägen zu bewahren. Die Direktion garantiert den Schutz der geheiligten Person des Ministerpräsidenten." Der Diktator nickte hohcitsvoll. Punkt 7 Uhr fährt das Auto vor, um deu Ministerpräsidenten ins Theater abzuholen..." Der Diktator nickte abermals. Bianchini lächelte devot. ..Längs der Hauptstraße wird Polizei und Militär postiert, denen die Ausgabe obliegt, den Weg vom Palast des Ministerpräsidenten bis zum Thcatergebäude von verdächtigen Elemente» zu säubern..." Der Diktator tat sichtlich gclangweit, während Bianchini sein Programm entwickelte. „Während das Auto durch die Hauptstraße rollt, tritt ein junger Mann aus der dickirgedränglen Menge hervor, ruft:„Nieder die Tyrannen!", und feuert drei Schiissegcgcn das Auto des Ministerpräsidenten ah, um sonach in der dichtgedrängten Menge wieder Das Attentat. Son£>enry umcrzulanchcn. Die aufgebotene Polizei wird trotz eifriger Recherchen des Attentäters nicht habhaft. Der Ministerpräsident dankt hierauf Gott! dein Allmächtigen, kniet auf offener Straße nieder, umrouscht von frenetischen Ovationen und spricht mit innerer Ergriffenheit:„Zum drittenmal mißlingt ein Anschlag, der mich aus dem Leben schaffen, in Wahrheit aber mein Bolt und mein Vaterland, die ich mit flammendem Herzen siebe und immer lieben will, inniger, größer und opferwilliger als mich selbst.(Bcistill.) Gott der Allmächtige, der über uns allen thront, weiß, daß ich einer heiligen Miffion Kämpfer und Diener bin.(Erneuter Beifall.) Abm danke ich diese wunderbare Rettung!"(Nicht endenwollender Beifall.) Der Diktator winkte ab. Umbeno Bianchini, der große Regisseur sah auf. „Ich wünsche, daß, während ich diese Worte sage, das Bolk auf die Knie sinkt und auf offener Straße ein tiefempfundenes Tankgebct spricht. Ich glaube, das wäre— dramaturgisch gesprochen— äußerst effektvoll und gäbe dem ganzen Arrangement einen unsagbar tveihevollen Anblick, nicht rvahr?" Umberto Bianchini lächelte wieder devot. „Verzeihung— aber diese Nuance habe ich ohnehin in meine Dispositionen ausgenommen. Ich glaube bloß, daß sie beim nächsten Satz, der sozusagen historische Bedeutung in sich trägt und insbesondere in den Extras der heutigen Abendblätter, die Punkt 8 Uhr erscheinen werden,' plastisch herausgearbeitet sein wird, angebrachter wäre: ich meine nämlich folgende Worte:„Indem der Anschlag auf mich mißlang, mißlang auch der Anschlag auf mein teures Volk, auf mein teures Vaterland.(Bivatrufe.) Indem Gott mich vor eincnr schmachvollen Untergang bewahrte, bewahrte der Allmächtige auch mein teures Volk, mein teures Vaterland vor einem schmachvollen Untergang! Vivat!(Erneute Bivatrufe. Das Bolk sinkt auf die Knie und spricht ein lautes Dankgebet)..." „Auch gut!" sagte der Diktator und flammte sich eine neue Zigarette an.„Also Punkt 8 Uhr erscheinen die Extras der Abendblätter mit spaltenlangen Berichten über das mißlungene Attentat?" Bianchini nickte. „Aber wie ist das mit dem Attentäter? Der flieht also? Ist der Mann verläßlich?" „Absolut verläßlich. Ein Jugendfreuich meiner Frau, dem sein Vaterland teuer iffc' Ich habe ihm einen Scheck auf 5000 Pfund Sterling garantiert. Voraussetzung ist natür-. sich, daß alles klappt..." t „3000 Pfund Sterling? Ein teurer Pa-, trist! Ihre Arrangements kommen im Jahr, auf zirka 60.000 Pfund Sterling. Glaube»! Sie nicht, daß das ein bißchen viel ist, lieber' Freund?" .„60.000 Pfund Sterling, das»«acht allerdings 5000 Pfund pro Attentat, ein Dut- zend als Basis angenommen. Aber die nach'! solchen Anschlägen sturmflutähnlich anwach-» sende Popularität, dieser Begeisterung»««»»-! inet, dieser ganze Klamauk, der darauf folgt,! ist mit Geld nicht aufzutviegen. Und das,' glaube ich, gibt den Ausschlag.. „Sie mögen recht haben. Aber ivas profitieren Sie«:». diesem Geschäft, lieber! Freunll?" „Gott soll inich strafen..." „Sic wiffen ganz genau, daß Gott nicht' straft, wenn nian nicht will..." „Ich hab' bloß die Sorge um das Ge- lingeu— und die ganze Verantwortung, glaube» Sie mir!" „Sic sind also ein hundertprozentiger Patriot. Man wird Ihre Hingabe höhere» Ortes lohnen..." „Aber damit ich Sie inforrniere: Die Menge, in der der Attentäter sofort nach dem Anschlag untertaucht und die sozusagen die vorgcräuschte Flucht möglich machen soll, rekrutiert sich aus der Edelkonrparsrrie der „Ikarus-Film-Co.". „Das kostet also wieder Geld!" Garantiert aber die Unauffättigkeit«nei- nes Arrangements. Die Leute haben diese Szene bis ins Detail probiert. Ausgezeichnet das Chaos, das sie nach dem Anschlag heraufbeschwören, um das Entkommen des Attentäters unauffällig zu machen. Die an diesem Punkte konzentrierte Polizei ist angewiesen, alles aufzubietcn, um die Verwirrung zu vergrößern." „Jetzt noch eines. Was ist's mit de» Leitartikeln? Sind die fertig?" Bianchini lachte. „Fertig?" Die sind längst im Satz. Hier die Bürstenabzüge. Die„Abendpost" bringt einen Dreispaucr. Der Titel ist:„Gott ist mit uns!" Journal" zitiert den Wortlaut — s— Ihrer Ansprache auf offener Straße. Sie muffen sich also strikt an das Manuskript halten, damit kein Widerspruch zwischen dem Wortlaut Ihrer Ansprache und dem des Berichtes wahrgenoinmcu wird..." „Ach weiß! Indem der Anschlag auf mich mißlang, mißlang auch der Anschlag auf mein teures Volk... Und so weiter..." „Sie sind ein ganz ausgezeichneter Mnemotechniker...".„Telegraph" bringt«ine aufschlußreiche Betrachtung über die innerpolitische Situation, die das Attentat heraufbeschworen hat. Mit einem Wort, die Preffe ist informiert." „Schön! Aber jetzt das wichtigste! Was soll ich heule abends anziehen?" „Ein alles Sprichwort sagt: Man soll in Schönheit sterben! Ich rate also, die Paradeuniform. Erstens paßt Sie Ah reu ausgezeichnet, zweitens ist die Wirkung größer uiü> faszinierender, tvenn der Anschlag, sozusagen dem Mann im Dienste des Staates gilt, und-drittens macht sich der Dankgottes- dienst auf offener Straße effektvoller, wenn der wie durch ein Wunder dun Tode entronnene Staatsmann in der Paradeuniform inmitten seines Volkes auf die Knie Nicdcr- sinkt..." „Sic haben recht, lieber Freund! Ich svill die Paradeuniform anziehen..." Damit war Umberto Bianchini, der große Regisseur, entlasse». Punk; sieben Uhr fuhr das Auto vor. Aber der Diktator lag völlig apathisch auf seiner Ottomane und röchelte: .Lieber Bianchini, Sic müssen die ganze Geschichte obdisponieren. Ich kann nicht. Mir ist^ hundsmiserabel!" „Was ist denn passiert?" fragte der besorgte Regisseur. „Eine Magenindisposilion. Gan; fürchterlich! Sagen Sie alles ab! Die Ausfahrt, das Theater, den Anschlag— und natürlich den Dankgottesdienst. Vielleicht kann die Sache morgen statlsindcn. Vorauegesetz! natürlich, daß schönes Weiter ist... Adieu, lieber Freund, und grüßen Sie mir die char- niantc Eva Eras!" Bianchini wankte gebrochen hinaus und sagte alles ab. Purikt 8 Uhr rasten die Kolporteur« durch die S raßen und heulten mit ibrer ganzen Lungenkrast: „Mißlungener Anschlag auf den Diktator!" „Extraausgabe! Extraausgabe! Extraausgabe!" „Dar Dankgottesdienst auf der Straße!" „Extraausgabe! Ex'raausgabe! Extraausgabe!" „Zum drlltcnmal mißlingt«in Anschlag auf den Ministerpräsidenten! Der Attentäter entkommen!" Und auf den drnckfeuch'en Blättern prangte in balkengroßcn Lettern: „...Zum drittenmal mißlingt ein Anschlag, der mich aus dem Leben schaffen, in Wahrheit aber mein Volk und mein Vaterland vernichten soll... Indem der Anschlag auf mich mißlang... Indem Gott mich vor einem schmachvollen Untergang bewahrte.. Bivat!" Dieweil sich der Diktator in Bauch- kränlpscn wand. Der FNmUebhaber. Von Jeann« Bailhache. Gestern habe ich zum erstenmal im Kino einen amüsanten— statt einem heroischen— Liebhaber gesehen. Es handelt sich nicht um einen Liebhaber, der amüsiert, weil er lächerlich ist, sondern um einen Liebhaber, der amüsiert, well er amüsant ist! D as ist eine Seltenheit im Leben und im I Film absolut neu. Für mich ist der traditionelle Film-Lieb- haber etwas Gräßliches: dieser wohlpomadisierte Hübschling, dem man eine Stellung als männ- licher Mannequin anbieten möchte. Was kann man von einem Mann halten, der keine andere Sorge im Leben kennt als sein Aeußercs, der vor allem versucht, seine Körperlichkeit zur Geltung zu bringen, der stets darauf bedacht ist, sich in vorteilhaften Posen zureigen. Nun gar der romantische Liebhaber, der die Augen zum Himmel aufschlägt und tiefe Seufzer ausstößt: er wirkt auf mich wie ein Schlafmittel! Ein Mann muß sehr intelligent sein, um sich erlauben zu können, verliebt zu sein, er muß sehr enge intellektuelle Beziehungen und die gleichen geistigen Interessen mit der Dame seiner Wahl haben! lind er muß noch viele andere Qualitäten besitzen! Aber wenn er amüsant ist: Tas genügt! Richt nur, damit man ihn ertragen kann, son- dcrn sogar, bannt man seinem Besuch mit großen, Vergnügen entgcgensieht! Man muß wirklich schon sehr geistreich sein, um amüsant sein;n können, wenn man ver- licbt ist! Um rin amüsanter Liebhaber zu sein, muß man nicht nur Phantasie, Einbildungskraft, gute Laune haben, sondern es bedarf dazu noch tansend anderer Talente, man muß verstehen, Dummheiten mit Intelligenz vorzubringen, man muß über seine eigenen Enttäuschungen lachen können,- man muß durch ein Bonmot einen Eindruck zu verwischen wissen, der dem befriedigenden Verlauf der Ereignisse schaden könnte, man muß es verstehen, ernsthaft zu sein... ohne eS zu sein... während man es doch ist... Ist eS möglich, einen so charmanten Mann schlecht zu behandeln? Ist eS möglich, ihm etwas übel zu nehmen, selbst wenn er einmal den Rahmen des Höflichkeitskodex rin wenig überschreiten sollte! Wir Frauen lieben nun einmal die amüsanten Liebhaber! Aber wie wenig verstehen uns die Filmregisseure, die uns immer den lächerlich Heroischen aufdrängcn wollen. Das Variier Verbrecher museum. Wie die Pariser Polizei einen Frauenmörder entlarvte. Tas Kriuiinalmuseuui, das dir Polizri- präsektur von Paris angelegt hat, nimm: eine ganz besondere Stellung unter den Kriminal- sammlungen der Welt ein, es übertrifft sogar Londons berühmtes Schwarzes Museum von Scotland Pard. Wer Gelegenheit gehabt hat, einen Vergleich zwischen den Kriminalmujeen von Paris, London und New Aork zu ziehen, Wird zweifellos das Parsser Museum als das bemerkenswerteste bezeichnen. In einer langen Reihe von Zimmern sind unzählige Vitrinen mit unheimlichen Erinnerungen an berühmte Verbrecher untergebracht. Hinter einer Glaswand sieht man unter anderem ein kleines Buch, das einen schwarz:» Einband besitzt. Es ist das berühmte Notizbuch des Fraucnmörders Landru, in dem er alle seine Liebschakteu eingetragen und genau die Beträge ausgezeichnet hat; auch über seine Einkünfte hat der Mörder Buch geführt. Auf einem Blatt kann man z. B. lesen:„Marie Maching, Witwe, 32 Jahre alt. Nahm sie ins Odeon Theater mit. Eine Lage 50 Franken. Mittagessen im Cafe Dreher 35 Franken. Hal ein Beruiögen von 15.000 Frauken." Auf der anderen Buchseit« fleht ein schwarzes Krenz. In einer anderen Vitrine liegt eine große Mauserpiswlc, deren Griff noch Blutflecke oufweist. Die Waffe hat einmal dem berühmten Auwmobilbanditen Bonnot gehört, der von einem riesigen Polizeiaufgebot in seinem Haüsr, Wo er sich verbarrikadiert halte, belagert wurde. Er wurde tödlich verwundet in Haft genommen. In einem Glasschrank hängt-ine gewöhnliche Lederjacke, die mit kleinen Nägeln versehen ist. Diese Jacke wurde von dem berüchtigten Apachen Lacombe getragen. Es war unmöglich, den Apachen mit den Händen anzufassen, da die kleinen Nägel dieser eigenartigen Rüstung die Haut verletzte» In einem großen Spiritusglas kann nian eine verstümmelte Frauenhand sehen. Sie gehörte einst der schönsten Lebedame von Paris, Madame de Martini. Eines Tages fand die Polizei im Bois de Bou- logne eine zerstückelte Frauenlriche. Ter des Mordes verdächtig« Mann wurde verhaftet und mit der Leiche seines Opfers konfrontiert. Er wollte seine Schuld nicht gestehen. Die Polizei griff nnn zu einem anderen Mittel. Um Mitternacht öffnete man die Tür seiner Zelle und warf dem Verhafteten die abgrhauene Hand seines Opfers ins Gesicht. Diese grausige lieber» raschung beraubte den Verbrecher seiner Widerstandskraft; er brach zusammen und legte ein vollständiges Geständnis ab. Ter Besucher des Museums kann auch eine Kollektion von langen und krummen Messern betrachten, mit denen eine Madame Dumolard die Leichen ihrer Dienstmädchen zerstückelte, bevor sie ihre Opfer beraubte. Man sieht ferner einen vergüteten Dolch, mit dem eine der berüchtigsten Apachenstarren von Paris, wegen ihres goidroten Haares„Goldhelm" genannt, ihre Rivalinnen tötete. Ein Druck auf einen Knopf im Griff genügte, um einen Tropfen augenblicklich tötendes Gift dem Opfer einzuimpsen. In einem besonderen Eckzimmer findet man die unheimliche Kollektion von mehreren hunderten abgehackten Beinen. Diese Sammlung wurde in dem Keiler eines Hauses, das einer Mädchenhändlerin gehörte, gefunden. Nachdem ihre Opfer ihr kein Geld mehr einbringcn konnten, ermordcre sie die Mädchen, brannie das Fleisch mir Salpetersäure von den Knochen und zerstückelte die Gebeine. Sie starb zwei Tag: vor dem Beginn'hrcS Prozesses Sin gerissener Kapitalist. „Ach, Herr Direktor", sagte Herr Meier. „Sie könnten mir doch eine kleine Gehaltserhöhung geben." „Arbeiten Sir soviel, Herr Meier?" »Ach! Ja, ich arbeite wie ein Pferd." »Lassen Sie sehen! Das vorige Jahr hatte 368 Tage, nicht wahr?" „Ja, gewiß." „9hin, Sie schlafen acht Stunden aui Tage, nicht wahr?" »Ja." „Das ist ein Drittel des Jahres, also 122 Tage. Bleiben 244 Tage." — 8— „Stimmt." „Acht Stunden sind Sie täglich frei, macht nochmals 122 Tage. Bleiben also 122 Tage." „Sehr richtig!" „Sonntags arbeiten Sie gar nicht; macht 52 Tage. Bleiben also 70." „Hm... ja." sonnabends arbeiten Die nur den halben Tag, gehen 26 Tage ab und 44 bleiben übrig." „Ja, ja, ja, gewiß." „Vierzehn Tage Ferien hatten Die, nicht wahr?" „Qa, die hatte ich!" .Meiben also 30 Tage; dann gibt rS S Feiertage im Jahre, so daß bloß 21 Tage übrig bleiben." „Ah, hm, hm, ja... a... aa." „Fünf Tage waren Die trank. Bleiben 16 Tage, nicht wahr?" „Ja... aaa." „Dann haben Sir jeden Tag eine Stunde Mittagspause, zusammen 15 Tage. Also bleibt rin Tag, und das war der-1. Mai, wo Sie frei waren. Sie haben Glück, Herr Meier, daß das vorige Jahr ein Schaltjahr war, sonst hätte Ihnen noch rin Tag gefehlt!" Die friedliche Revolution. Von Max Hayek, Herr Fürchtegott Betpult war Waffenfabri- kant und erzeugte als solcher das tadellos schießende Gewehr«... na, sagen wir halt, sehr billig. Und das erklärt auch, warum Herr Betpult durch den Grwehrvcrkauf rin unermeßlich reicher Mann wurde. Mchtsdestowenigcr war Herr Betpult nicht glücklich. Denn im Raeyoar- lande lebte Herr Fridolin Lrlzweig, gleichfalls Waffenfabrikant, der das tadellos schießende Gewehr ü. na, sagen wir, noch billiger erzeugte und solcherart auf dem besten Wege war. noch unermeßlicher reich zu werden als Herr Fürcy:c- gott Bctpult. Diese niwerschämte Ikon klirren;, die sozusagen den Lebensnerv des Herrn Bcr- pult benagte, mußte bedingt oder unbedingt aus der Welt geschafft werden, die ja einst einzig und allein für Herrn Fürchtegott Betpult geschaffen worden war. Und da Herr Oelzweig die Bedingungen des Herrn Bctpult als„fre.hc Herausforderung" nicht annahm, erklärte ihm dieser telegraphisch den Krieg und bewaffnete seine 10.000 Arbeiter mit ebenso vielen tadellos schießenden Gewehren aus der eigenen Fabrik. Und nun marschierte die Armee des Herrn Fürchtegott Betpult im Stechschritt— trapp- trapp— gegen die Leute des Herrn Fridolin Oelzweig. Dieser aber, der Hcrausgeforderte, hatte seinerzeit gleichfalls 10.000 Arbeiter mit ebenso vielen tadellos schießenden Gewehren aus der eigenen Fabrik wohlbotvasfnct. Und während nun Herr Betpult den lieben Gott, der ihn so reich hatte werden lassen, um die gütige Andauer der väterlichen Gunst und einen"echt tüchtigen Segen für seine Waffen aiiflehte, tat Herr Fridolin Oelzweig ganz das gleiche, wozu er noch seine cngclreine Unschuld beteuerte, sich als den angegriffenen Teil als besan.vcer Gnade würdig empfand und im übrigen daraus hinwics, daß ja schon sein Nanic allein jede aggressive Absicht ausschloß. Die Armeen der Herren Fürchtegott Betpult»nd Fridolin Oelzweig zogen also unwiderstehlich gegenrinaitder, und während Herr Bet- piilt bei Gelegenheit eines Fcstschmauses ein Glas Sekt, Marke„Gcwaltsieg" Hochschwanz und tiefbewegt ausrief:„O, ich kenne meine braven Jungens, sie werden alles für mich tun, sie werden sich auch totschießen lassen, wenn es fein muß", sprach Herr Oelzweig im Nachbarland« bei der gleichen Gelegenheit, indem er ein Glas Sekt, Mark«„Rechtsswg", hochschwang: „O, ich kenne meine braven Jungens, wenn ich angegriffen werde, dann tun sie alles für mich dann werden sie sich auch totschießen lassen, wenn es sein muß!" Als sich nun aber die beiden wohlbewaff- neie>i Armeen stramm gcgcnüberstanden und die Schlacht programmäßig hätte stattfindrn sollen, traten di« zwei gescheitesten Arbeiter aus den beiden Fronten entschlossen hervor und sagten:.Kameraden, wozu schießen? Wozu uns totschießen? Hätten wir nicht weit mehr ein Recht, Herrn Fürchtegott Betpult, beziehungs- tveffe Herrn Fridolin Oelstvcig totzuschießcn? Zumal, wenn wir bedenken, daß cs dann in unseren Ländern gar keine Gcwehrfabrikanten mehr gäbe?" Zwanzigtausendfaches Bravo Ein Antrag wird zum Beschluß erhoben. Die wohlbewasf- netcn Armeen machen ein großartiges ,^kehrl euch!" und zwei Tage später sind Herrn Fridolin Oelztvcig. beziehungsweise Herrn Fürchtegott Bctpult seitens besagter Armeen die— Ge werbcschcine entzogen. Doch da cs gerade Winter war und Hoiz allcrdringendst gebraucht wurde, zerschlugen die Armceit die tadellos schießenden Gewehre und heizten mir Schäften und Kolben tadellos ein. Sie brannten ganz vortrefflich und wärmten ihnen die Stuben. Sie waren zu etwas nütze. Und was machten denn die Armeen aus den Eiscntcilcn? Ei, sie schmolzen sie tadellos ein und erzeugten vortreffliche Pflugscharen, die bekam dann jeder umsonst, der sie gebrauchen wollte. Tenn im nächsten Frühjahr sollte der freie Boden damit durchpflügt werden, damit er Samen aufnehmen und Brot wachsen könne, gutes, kraftvolles Weizenbrot für alle, um satt daran ztt werden. Massenmord der Augvögel. Seit tausenden von Jahren verlassen uns die Zugvögel:m Herbst und kehren pünktlich im Frühling wieder. Bei uns haben sie ihre Nester gebaut und haben unsere Herzen mit ihrem Gesang in d-n Gärten der Stadl, in Jeid und Wald sroh gestimmt. In al’ct Zeit gingen und käme:: dir Zugvögel, ohne daß die Menschen ihre Rene stör- tcn. Aber je kultivierter di« Menschheit wird, desto gransaincr wurden auch die Gedanken. Schon seit Jahrzehnten hat sich in den Randländern des Mittelmecrcs und vor allem in Italien eine systematisch mit raffiniertesten Mittel, wie Netzen, Bogclleim, Lockvögel usw. betriebene Jagd auf Zugvögel entwickelt. Ganz besonders sind es die kleinen Vögel, darunter Schwalben, Fliegenschnäpper, die für uns heute ihr rastloses Jnsektcnfangcn so überaus nützlich sind, denen dort der Fang gilt, und die zu Tausenden in den Garküchen der Italiener und anderen Mittelmeermenschen verschwinden. Die Berufsjäger haben gemerkt, daß sich die ermüdeten Tier« oft in großen Scharen auf Masten und Taulverk der im Mittelmeer fahrenden Schiffe niederlassen. Man hat nun Spc- zialschiffe konstruiert, deren Masten dttrch viele elektrische Leitungsdrähtc miteinander verbunden sind. Sobald sich genügend viel Vögel auf dem Drahtwerk niedergelassen haben, wird ein. elektrischer Strom hindurchgeschickt und di« kleinen Sänger fallen entseelt auf Deck nieder. Das geschieht viele Mal« am Tage und in der Nacht. So läßt sich ermessen, welch nngeheuere, wahrhaft sündhafte Vernichtung all diese Fallen zu Lande und zu Wasser unter unserer Bogelwelt anrichtcn. Tatsache fft, daß vor allem während der letzten Jahr« ein starkes Abnehmen unter dem Bogelbrstande beobachtet wurde. Fast alle diese keinen Wandervögel sind ffeißige Insektenfresser. Ein Paar vertilgt Wohl an die Million Insekten während seines Sommeraufenthaltes bei uns. Jeden Herbst und jeden Frühling wird dieser gemeine Bcrnichtungskan-pf iik den Ländern des Mitrelmeeres gegen diese Singvögel mit brutaler Rücksichtslosigkeit betrieben. Herr Mussolini versagt offenbar. Hier fft ein Problem, mit fern sich der Völkerbund befassen sollte, denn er tut damit den Menschen und Tieren, ja der gesamten Natur, einen unschätzbaren Dienst., Phoenix.- Die Varabei von dem Manne, der sage», es fei zum Derzweifein. Bon Rax Hayek. Run trat ich eines Tages in die Handlung eines vornehmen Kaufmannes, der mich zu seinen Freunden zählt. Und er saß hoch oben in seinem Kontor, und ich bat seinen Diener, ihm mitzuteilen, daß ich, sein Freund, gekommen sei, um mich nach seiner Gesundheit und dem Geschäftsgang zu erkundigen. Denn ich hatte meinen Freuitd sehr lange Zeit nicht gesehen. Und der Kaufmann kam eiligen Schrittes die Treppe herab und war sehr erfteut, mich wiederzusehen. Und er bot mir einen Sessel an, und wir setzten uns nieder, und ich ftagte ihn* nach seiner Gesundheit und nach dem Geschäftsgang. Und er begann zu klagen und sagte, daß' es ihm schlecht gehe, nnd daß das Geschäft noch schlechter gehe. Ja, und er sagte, daß sich alles, Stadt und Land, gegen ihn verschworen habe, nm ihn zugrunde zu richten. Und daß cs schon schlechte Zeiten gegeben habe, aber niemals, seit der Erschaffung der Dell, so ganz furchtbar schlechte Zeiten wie diese, und daß der weise Akiba, wenn er heute lebte, nicht mehr de» Mut hätte, zu sagen:„Alles schon dagcwcsen!" Ja, ilnd mein Freund sagte mir, d-ß der Leviatan, der Bolschewismus, vor den Toren des Landes warte, um es-in Besitz zu nchnien, und daß die Anarchie in der Stadl in de» Kulissen stehe, um, wenn ihr siichworr fällt, mit alles vernichtender Gewalt aufzutrcten. Und daß es znm Verzweifeln sei. Und daß die Republik an allem schuld sei. Aber während mein Freund die ganze Fuhre seiner Wehklage vor mir ausschüttetr, trat ein feingekleideter Kunde mit einer Dame in das Geschäft und sah sich verschiedene Dinge an, die in Vitrinen standen. Denn mein Freund erzeugt die feinsten Glaswarcn Europas. Und ich unterbrach meinen Freund und sagte ihm: „Siehe,-ort ist ein Knude und er will etwas kaufen! Gehe hin und bediene ihn!" Aber mein Freund sagte:„Dazu habe ich meine Leute!" Und er rief eine seiner Verkäuferinnen an. Aber diese saß an einem Pult und sprach angelegentlich mit einem Diener des Hauses, so daß sie den Ruf meines Freundes nicht hörte. Und ich sah, wie der Fremde dem Ausgang deS Ladens zustrebte, gleich als ob er fortgehen Wollte, weil sich niemand um ihn bekümmerte. Und ich ermahnte meinen Freund zum zweiten Male und sagte ihm: „Siehe, dieser Mann will fortgehen, weil sich kein Mensch in dem Laden nm ihn bekümmert!" Aber indem ich dies sagt«, halt« der Kunde das Geschäft schon verlassen und die Türe hinter sich zugemacht. Und es schmerzt« mich, daß er sortgegange» — 4— war, weil ich meinem Freund c>. gutes Geschäft gewünscht hätte. Und vielleicht war dieser Kunde der Sekretär Mr. Rockesellrrs aus New Aork und vielleicht hatte er den Auftrag, in de: altbekannten Glashandlung meines Freundes die Aussteuer an Glasschätzen für Miß Rocke- fellcr zu kaufen. Als mein Freund sah, daß der Kunde verschwunden war, rügte er die Berkäuseriu, di« seinen Ruf nicht gHört hatte, und sagte dann zu mir: „Ta siehst du, wie es ist! Es ist zum Ber- zwäscln!"> Und ich drückte meinem Freunde voll Ber- ständnis die Hand. Ten» es war zum verzweifeln. Und ich verließ meinen Freuud und erwog im Geiste, was ich soeben erfahren hatte. Und der Mann, der gesagt hatte, es sei zum Brr- zweifeln, wurde mir zum Gleichnis aller Menschen, die sich müßiger Klage ergebe», anstatt die nächste Pflicht zu tun. Denn es ist klüger und nützlicher, eine Stecknadel vom Boden aufzuhcbcn und aufznbcwah- ren als die Zeit für die eigene Unsähigteil verantwortlich;n machen. Was mancher nicht Weitz. Till Enlensplrgel hat seinen Nauien nicht, wie vielfach angcnouremn wird, von einer Eule und einem Spiegel.„Eule" hieß früher— und heißt in einigen Gegenden Nordwestdeutschlands noch heute— ein kleiner Handbesen, und Spiegel wird(zum Beispiel beim Wild) der Hintere und unter« Teil des Rückens genannt.„Eulen- * spiegel brdentct also wörtlich„Feg' mir den Rücken" oder noch deutlicher, wie das viekzitiertr Dort aus„Götz von Berlichingen". Das Rirsen-Kängernh kann aus dem Stand einen zehn Meter weilet« Sprung machen. Kranen atmen schneller als Männer und alte teilte schneller als sunge. Der erste gedruckt« Aalender wurde 1439 durch Professor Johann de Gamundia verfaßt. Las Kriegsumseu« in Paris enthält 110.000 Bücher, die vom Krieg« handeln. I» Alaska wurden 190» 1200 Remitiere «»geführt: diese Tie« haben sich inzwischen ans etwa 350.000 Stück vermrhrr. Die Bewahurrzahl der Erd« verdoppelt sich in NO Jahren, wen» man den derzeitig sich ergebenden Bevölkernngsznwachs zugrunde legt. ToS Brnhrreholz, aus dem dir Pfeifen gedreht werden, stammt von einem Heidekraut, das srhr viel in den Pyrenäen wächst. Las Leningrader Musen«.„Tic Eremitage", besitzt unter anderen unschätzdarcn Kunst- schätze» 42 Grmäldr von Rembrandt, dem be- rühuncn holländischen' Maler und Radierer. Manftn-eplitter. —„Tie Dell ist ein großer Bich- . stall, der nicht io leicht wie der des Augias ge- . reinigt werdcn kann, weil, während gefegt wird, "die Ochsen stets drin bleiben und immer neuen Mist anhäufcn." Aus Heinrich Heine„Gedanken und Einfälle". ♦ Es ist kein Glück denkbar, wenn wir es nicht in dem solidarischen Glück der ewigen gemeinsamen Arbeit suchen. Und daher möchte ich, daß endlich die Religion der Arbeit zur Mensche»«ligion werde, daß wir Hosianna fingen der erlöseudcn Arbeit, der einzigen Wahrheit, der höchsten Glückseligkeit, der Gesundheit, dem Frieden! Emile Zola. | allerlei HauSrszsMte Rohrstühle, deren geflochten« Sitze sich scu- krn, braucht man nicht sofort neu flechten zu lassen. Man ivafche die Sitze mit einer auf-kal- tcm Wege hergestrllten Stärke lösung, der man eine Handvoll Soda beifügt und laffe sie in der Sonne oder am Ofen trocknen. Oelsarbentzeruch aus. eineui Lchraul oder sonstigen Behälter beseitigt man durch Aufstellung einer flachen Schalk mit Salz. Tas Salz zieht den Geruch arr und ist danach weg;» schütten: Eiweiß läßt sich viel tcichlcr zu Sch»-" schlagen, wenn mau ihm eine geling« Pris: Salz b.-igibl. Weitz lackierte Möbel dürfen nie mit Lange abgcwafchcu werden. Ein lauwarmes Seifen wasser erfüllt seinen den Briesen an da» WohnuH't.t.nl Ich bin seit fünf Jahren verheiratet, und mein« Frau ist i» oudcrcn Umstäudeil, iw frage hiermit das Wohnnugsom:: muß das io fein'? Ter Abori in diesem Hause ist baufällig, wenn ich mir auf ihn fetze, bin ich mit Lrbeus- gcfahr vcldiiudcn. Taransbin habe:ch mein Zimmrr nmge- kramt, da es alle Augenblicke durch die andern zwei lies. Ich habe ciue Tochter und juwi Söhne. Wir alle sind jo beschränkt, daß wir nnr zwei Bette» aufjlellen können In dem einen schlafen die beiden Jungen, in dem anderen ich mit meiner Tochter, was allein schon gegen das Zuchthaus i>t. Ich bin Nachtwächter und verS:cne 15 Mark am Tape. ll»«r Freundinnen.„Tein Berloblrr gefällt mir abfokul nicht. Er mach» zwischen dir und sich nicht den geringsten Unterschied."— „Glaubst du? Aber dein Bräutigam niacht zwischen dir und mir keinen Unterschied." N»hygienisch.„Es ist unhygirnisch, ein Schwein in einem Solzverfchlag aufzuziehe», der in Ihrem Zimmrr stehl.—„Lächerlich. Herr Doktor, feit Jahren ist mir noch keines der Tiere kraick geworden." Ohne Nachricht«». Der Eisendahudamm war uriierspükt, der Zug ging nicht weiter, die Passagiere mußten bei einer kleinen Station auSsteigen. Einer ging zu einrni einsamen Gasthof auf einer Höhe. Bon dem Regen durchnäßt, schüttelt« er sich und sagt« zu dem Kellner:„Tas ist ja die reine Sintflut."—„Sintflut, was ist das?"—„Na, haben Sie denn noch nichts von der Sintflut gehört, von Noah und seiner Arche?"—„Nein, wir haben hier schon drei Tage keine Zeitung bokommeu." Treffende- Kritik. Kunstlehrer zur Malschülerin:„Ja es ist schon so. Ihr Mädels könnt bester malen, wenn ihr vor einem Spie- gel steht, als vor einem Stück Leinwand" Merkwürdige Strümpfe.„Tu hast ja uicrk- würdigc Strüuipfe an."—„Hast du sie noch niemals bemerkt?"—„Rein."—„Dabei trage ich sie schon ununterbrochen seit drei Monaten." Wie glücklich!„Als ich in deinem Alter rvar". sagte der zee rige Pater zu feinem sechsjährigen Sohne,„war ich froh, wenn>h trok- kenrs Brot zu effcn hatte."—„Ta freust du dich wohl sehr", erwiderte der Junge,„daß du jetzt bei untz leben darfst?" Bisitenkartcnrätsel. Aus nebenstehender Karle ist durch Umstellen der einzelnen Buchstaben der Geburtsort des Herrn zu erraten. Auflösungen der Rats«! aus der vorigen Nummer: Kapseirätsel: Dem Glücklichen schlägt keine ^Stunde. Hans Heiman Schaffner