Jlr. 47.«nterhattungüveilage. 1927. Der Wolkenkratzer. L Juni erstenmal las Petrusia von Wol- keukratzern in einer ruflischen Zeitung, als er noch ein kleiner Junge war. Damals lebte sein Baier noch, der Schneider Michails fsygan. Sie lebten in einem kleinen Sädt- cbcii des Gouvernements ik. und fürchteten sich vor allem: vor dem Prisiav von der Polizei, vor der Cholera, vor dem S'e»erein- nebmer, vor der Bolkszählung und vor dem netirn Jngenienr. Und sie litte» oft argen Hunger. Petrilsias Schwester Mariuschka starb jung, noch nicht zwanzig Jahre alt. Der .Kreisarzt Zitrowitsch, ein lieber, gu'er, aber sehr zerfahrener Mensch, behauptete, an der Schwindsucht. Seitdem ging Michails Zygan noch geduckter tiniher, und die Mutter seufzte noch mehr als früher. Doch muß mail sagen, für die zweite Schwester, Olnschka wär es ein Borkcil: sie batte jetzt mehr Platz beim Schlascn.... Peirnsia tvuchs auf und träum'« von Amerika. Tenn im Städtchen wurde es immer enger. Tie Leute erstickten fast. Sie konntcii einfach nicht mehr leben. Es gab eine solche Unzahl von Schneidern, daß sie sämtlich in zerrissenen.Hose» herumliefen. Schuster, Weber, Krämer nahmen sich gegenseitig den Berdienst weg inid aßen nur einmal im Monat Fleisch. Peirnsia dachte inmier wieder au die Wolkenkratzer in dem freien, reichen Amerika. Das Bild eines dreißigstöckigen Hauses hatte sich fest in sein kindliches Hirn einge- grabelt. Allmählich kam er so lveit, daß er sich cinbildelc, er habe dieses riesige Hans wirklich gesehen, er habe sogar mal in ihm gewohnt— er kouii'e sich nur nicht entsin- nen, tvann eigentlich. Die gesamte Bevölkerung seines Heimatstädichens hätte bequem in den Zittmierii dieses Hauses untergebrach; j Zverden können, dachte der junge Petnisia, »nid es wären inmier noch ein paar Woh- nniiacn in den oberen Stockwerken freige- bliebcik. Der Baler starb. Doktor Zitrowitsch sag'c nicht, woran. Er wußte es tatsächlich nicht, obwohl er doch auf der Universität studiert hatte. An was ei« Mensch stirbt, der Frau und Kinder hat und einen Hunger« Don Dssip Dymokv. beruf und den Kopf voll Sorgen, an tvas iu unzähligen Flecken und Sädtchen solch armer Schlucker stirbt, das*kann eben kein Mensch sagen. Es ist so, als wäre er eigentlich gar nicht krank, mau operiert ihn nicht, man zieht keine Professoren zu Rate, aber mit einem Male, hast du nicht gesehen, stirbt cr doch weg. Er war ein guter Mensch, der Michails Zygan," sagte der Krämer auf dem Heimwege von der Beerdigung. „Ja, wirklich cr war ei» guter Mensch," bestätigte der Schuster. „Ja, ja. ein richtiger guter Mensch," pflich'cte ein anderer Schuster bei. Petrusia, der Sohn dieses guten Men- schcii, überlegte sich seine Lage ein paar Tage lang, dann entschied er: er müsse nach Slme- rika gehen, dahin, wo die Wolkenkratzer sind. Einen Monat später besuchte Peirnsia den Dok'or Zitrowitsch, der nicht wußte, woran arme Schlucker sterben, obwohl er auf der Universiät studiert hatte. Er legte einen Silberrubel auf den Tisch und sagte: „Tas ist für den Ba:er. Entschuldigen Cie schon! Ich fahre nämlich jetzt nach Amerika!" „Tas ist doch aber zuviel," meinte Doktor Zitrowitsch und wollte Petrusia auf seinen Silbcrrube! etwas herausgeben. „Tas ist gar nicht zuviel," en'gcgnete Petrusia,„es soll auch siir die Schwester sein." „Was für eine Schwester?" wunderte sich der Toktor. Für die Mariuschka! Tie vor vier Jahren gestorben ist." erklärte Petrusia. „Ach, habe ich die auch behandelt?" fragte der Dok'or. ,ILer sonst? Natürlich Sie.. Der Doktor gab ihm recht, daß für zwei von ihm kurierte Menschen— Baier und Tochter— ein Rubel nicht zuviel sei und!at das Geld fori. „Ich fahre jetzt mit meiner anderen Schwester, der Olnschka, nach Amerika. Tenn hierzubleiben, entschuldigen Sie schon, ist ganz ausgeschlossen. Tas Leben ist zu übel hier. Ta drüben kann man«in richtiger Mensch werden. Ta gibt es Wolkenkratzer." „Was gibt's da?" fragte der Dok.or er- staunt. „Woüenkratzer. Ja. Ganz hohe-Häuser. Dreißig Slockwerke! Sogar noch höher!" er« läuterte Petrusia ganz begeistert.„Ich hcchk in der Zei'nng davon gelesen und habe sogar ein Bild gesehen." „Na, na," brummelte der Dokior und schüttelte den.Kopf,„wieviel Stockwerke sagst du?" „Dreißig!" wiederholte Petrusia wie verzückt. „Uch— ist das aber hoch!" kl. Drei Mona'e später waren Petrusia und Olnschka schon in New Aork und wieder einen Monat später merkten sie, daß es doch nicht ganz so leicht war, ein richtiger Mensch zu werden in Amerika. O, was sie alles zu ! ertragen hatten! Und vor allem— immer | müß en sie den Mund kalten, die Zähne zu« - sammenbeißen, ein kaltes Gesicht machen und schweigen. Früh aufsiehen, von ein-'in Ende der Stadt nach dem andern rennen, immer .wieder Absagen anbören— und still sem dazu! Tie Woltei' naher von zrvanzig und dreißig Stockwerken waren zwar ganz nahe, sogar gleich nebenan, aber trotzdem so fern, wie sie ihm in Rußland gewesen waren. Als ob eine eiserne Wand das Bienet der Armen von der Gegend trennte, wo clcgan'e Automobile heulten, wo schöne Flauen sorgenfrei und mibe kümmert lebten und sauber rasiert« Herren mit kalten, egoistischen Augen. Es wollte sich immer noch keine rech'« Arbeit jindcn. Mit Sorge und Mitleid schanle Piotr ans seine'Schwester Olla. Ei» böses Leuchten glomm in ihren schöne» Ange». Sein-Herz krampfte sich schmerzhaft, tvcnn er ihr har'es Lachen hörte. „Worüber lachst du. Olnschka?" fragt« er. „Ob das noch lange so weitergehen soll» möchte ich wisien! Du hast doch heute wieder nichts gegessen." „Ich habe ja Kaffee getrunken." „Ich bin achtzehn Jahr« alt. Mir tut der Rücken Weh, weil, ich den ganzen Tag krumm sitze und nähe. Nächst'« Dienstag verliere ich meine Stelle. WaS soll ich denn anfangen? Ich bin jung, ich will leben!" Sie lacht« böse und zuckte die Achseln. Es wurde Herbst, es wurde kalt. Piotr lief immer noch in seinem dünnen Paletot — 2— von i *) Verlag’nr Literatur und Potirit. Wien Kör- obcn kielt ungeheure Bolt über- der Ratur- unverderb- zu werden. Der Xrtunwfi 6er‘Mröeit Pc rusia erkanmc sic nicht wieder. Manchmal ging er spät abends noch in vornehmen Straßen inmitten der ge ile lernte tanken, gewöhnte eine" herausfordernde, dreiste Redeweise herum, den er aus dem fernen Rußland mit- gobracht hatte. Hin und wieder fand sick eine Mlechchezahlte Gelegenheitsarbeit. Dann aber kamen wieder freudlose, kalte, einsame Tage und Woche», Öluschta war dem Bruder gram und Pirach kein Wort mit ihm. als sei er schuld daran, daß Amerika sie so unfreundlich aufnahm. Einmal kehrte sie nicht Heini zur Rächt und blieb zwei volle Tage verschwunden. Als sie daun wieder erschien, erklärte sie. sie fei bei einer Freundin gewesen. Dann blieb sie häufiger aus. sich'' an. Gesicht zu frühen. Da stürzte er hinab in das englische Gärtchen... In wenigen Sekunden durchmaß er die ganze Höhe des WolkenkraHers, nur nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten. Als er unten anlangte, war er schon tot, erstickt in der Lust. Die reichen Leute, die»n Restaurant des Hotels an kleinen Tischchen saßen, bemerkten daß etwas Schwarzes am Fenster vorbeiflog. Tann hörten sie ein lautes Anf- schlagc», fast einen Knall wie von einer in der Ferne abgefeuertcn Kanone; Petrusia. der immer von Wolkenkratzern geträumt batte, war eben auf den» Erdboden ausgc- schlagen. Rasch wnrdcil Wandschirme in den Hof „Zement". Roma» Ein aus dem Leben hcrausgerissenes Stück, scheinbar formlos und absichtslos wie das Leben selbst. Revolution und Konterrevolution in bunten Bildern dargestellt, En>setzen, Widerwillen und Bewunderung erregend Mau erfährt aus dieser Dichtung mehr über die Zustände in Rußland von 1918 bis 1922. als man aus einem tausend Seiten langen Berichi lernen könnte. Und trotz der gewollt rauhen und scheinbar kunstlosen Form steckt viel Kunst und Psychologie in der Schilderung wirrer Vorgänge, in denen man sich beim ersten Lesen nur mit Niühc zurcchlzufindcn vermag. Nicht der erbittertste Feind des Bolschewismus konnle die Grausamkeit und Uugcrechtig- keit, welche im Gefolge dieser Revolulion ein- hergehen, die Korruption, die sich in der neuen Bureaukratic geltend macht und den entsetzlichen Zustand, in tvelchem sich die Bolksinasscn befinden, kraßer schildern, als dieses Buch, aus dem in Hellen Flammen die Begeisterung eines Bolfchelvisten lodert. Er schildert und erzählt und versagt sich jedes Worr des Tadels oder Lobes. Aber aus dem gewaltigen Schwung seiner Darstellung fühlt man den heißen Enthusiasmus, der ihn beseelt. Wenn man es versuchen darf, dem leitende» Gedanken, den der Autor nicht ansspricht, Worte zu verleihen, so uiüßten sie etwa lamen: Krieg, Revolution und Konterrevolution haben all.- Kuliurbindnngen gelöst, nicht endenwollendes, unerhörtes Leiden hat die Mehrzahl der Menschen entmenscht und die bösartigsten Triebe in ihnen hochgezüchtet. Wirtschaftliches und sittliches Chaos sind entstanden. Aber aus diesem Chaos will sich ein Neues gebären, größer als Natnr und Menschengeist cs je hcrvorgcbracht. Und nicht nur Leben und Schicksal, Geist und Seele des einzelnen, sondern die ungezählter Masten gelten lvenig in diesem gewaltigen Entwicklungsprozeß der Menschheit. Man mag cs billig bezweifeln, ob einzelnen Menschen oder selbst der ganzen Führerschaft einer Ricsenpar- tci das Recht zustehe, die Masten derart auszuopfern, um rascher zum Ziel zu gelangen, aber das meint Gladkow wohl auch nicht. Er schein: vielmehr die Revolution als eine Raiurgewalt anzuschen, welche ein rennt, nm schließlich von einem Teil gowalt selbst, dem gesunden und baren Kern des Volkes gemesttert Ein am Meer gelegenes gewaltiges Zementwerk ist von den Weißen zerstört worden und im Verkauf der nächsten drei Jahre immer mehr der Verwesung aicheimgefallen. Ter Zerstörung durch die Konterrevolution olgt die ! hinausgeschafft, um deck zerschmct'erten per den Bl-cken zu entziehen. Die süße» Klänge eines Walxrc Chopin brachen deswegen nicht ab... Zehn Minuten später stand bock an Petrusias S'clle ein andrer Mensch sich mi' einer Hand am Fensterrahmen und putzte mit der anderen das von Pe'rusia begonnene Fenster weiter. In dem Z'mmer des 21 Stock- wurden die Vorhänge berunterg-laffen. Das junge Mädchen in diesem Z'mmer weiß nock n-cki, was draußen vorgefallen ist. Sie wird c<- erst s-äter erfabren— wenn sie nach Hause komm'. Wenn sie überhaupt jemals nach Hause kehrt... i achtzchnzahriges Ding? beugte sich weit vor, um ihr ins| und Berlin. von F. Gladkow?» Ausraubung und Berluderung durch die an- söstigen Arbeiter, die in ihren Wcrtwohnungrn ein unendlich elendes Dasein fristen Maden auf einem Leichnam. Daneben die lcerlausende Maschine eines äußerlich überstraffcn, innerlich verfaulten Biircaukratismus. der noch um io viel despotischer und abstoßender ist, als einst der Bureankratismus des Zarenregimcs. weil er durch keine Tradition gehemmt ist und seine Greueltaien im Namen des Sozialismus verübt Dem Kommistär eines Kosakendorfes wird von dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees unter Androhung der Todesstrafe aufgeiragen, von den Bauern seines Distrikts eine schwere Kontribution an Feldsrüchten und Vieh ein-n- hcben. Ter Kosak westt vergeblich aus die ftirchtbare Armut der Dorfbewohner hin und erklärt, daß so schwere Besteuerung diese nnwi. derstehlich den weißen Räuberbanden zuführen nlüßte, welche die Umgebung des Zementwerkes stetig beunruhigen. Der Vorsitzende des Exekutivkomitees bleibt unerbittlich, schickt aber den Cha der Bezirksmiliz in das Kosakendorf, um die örtliche Behörde mit Waffengewalt bei der Durchführung der strengen Befehle zu unterstützen. Ter Chef der Miliz geht mit all der Härte vor, die ihm aufgetragen wurde, und die beraubten Kosaken geraten in einen Zuftaud wilder Verzweiflung. Nun aber begibt sich der Vorsitzende des Exekutivkomitees selbst in das Torf und wird unrcrtvegs von Kosakenbanden überfallen. Diesen entkommen und an seinem Ziel angelangt, läßt er den Chef der Miliz verhaften und hält an die Kosaken eine Anrede, in welcher er alle anbefohlenen Maßregeln zurücknimmt.„Bürger. Kosaken! Für feine ge» sctzeSwidrigen Handlungen habe ich den Chef der Bezirksmiliz verhaftet Die Ergänzungsnorm der Zwangsumlage wird au, gehoben. Tie Befchaffungspflicht von Nahrungsmitteln wird aufgehoben, Pc wird nicht mehr existieren, ihr werdet nichts mehr von ihr hören"— Ein Aufstand ist vermieden, der Chef der Miliz wird vor das Revolutionstribunal gestellt In den Arbeiterfamilien mW in den Kinderheime» welken die Kleinen aus Mangel an Nahrung dahin. Die Bevölkerung wird in den öffentlichen Küchen elend gespeist oder lebt bloß von schwarzem Brot. Kinder vagieren auf der Landstraße, stets auf der Flucht vor den Kinderheimen Man läßt sie unbehelligt. Ist man denn sicher, ihr armes Lebensflämmck>en im Heim erhalten zu können? Aber in den Zimmern der Bolkslommisfäre Werden nächtliche Freß- und Saufgelage abgehalten, die gelegentlich einer der hohen Funktionäre dadurch würdig abschließt, daß er sich in tierischer Begierde beit... räuschvoll zufriedenen Menge spazieren. Wieviel Rcichtunl lag hier überall zur Schau! Hunderte von Laden zogen sich in langer Reihe dahin, mit riesigen Schaufenstern, breit wie die Mauern. Elegante Automobile sausten vorbei; riesige bewegliche Lichtreklamen blendeten die Augen. Aus den Portalen der Theater traten mit kostbaren Steinen beladen, in Pel; und Seide gekleidet, schöne Frauen heraus— es war, als harre jeder einzelnen von ihnen ein Königreich.... Aber am meisten und nachhaltigsten imponierten dem armen russischen Auswanderer doch die gigantischen Hausbauten von zwanzig. dreißig Stockwerken, diese fabelhaften Wolkenkratzer, von denen er schon als Kind geträumt hatte. Nnn stand er nur wenige Schritte von ihnen entfernt, konnte den Kops hoben und versuchen, ihre Höhe mit dem Blick zu ermessen. Jetzt, da das Hevbstdunkel sic einhüllte, wirkten sie besonders hoch. Zwei Woche,l später geschah es, daß der bleiche, halbverhungerte russifthe Ausivan- derer, der schon als Kind von Wolkenkratzern phantasiert hatte, zum erstenmal einen von ihnen betreten durste. Es war ein 24stöckiges Hotel, in dem fast unaufhörlich die Musik hielte. Tie weichen Klänge der Weisen Chopins und Schumanns halfen den Leuten, die üppige Nahrung verdauen, die acht Köche tief unten unter der Erde str sie znbcrciteten. Doch von dieser Mtlsik horte Petrusia ilichts. Man führte ihn durch dcu Hintereingang hinauf in das 21. Stockwerk und befahl chm, die Fenster von außen und innen zu putzen. Zuerst war es ihni ängstlich, in einer Höhe von 21 Stockwerken zu stehen, mit einer Hand sich am Fcnftcrrahnten haltend und niit der anderen arbeitend. Aber er fand sich rasch in seine Lage und gab sich Mühe, nicht nach unten zu sehen, auf den Hof. wo ein kleiner Garten in englischem Geschmack angelcgi war, mit einem Springbrunnen in der Mitte. Er dachte an keine Schwester Dlla, während er arbeitete. Sic war so seltsant letzthin. Für ganze Tage verschtvand sie und hatte so eigentümliche Bekanntschaften gemacht. Wie leicht kann ein junges Mädchen zu Schaden kommen. Der verfluchte Hunger, die verfluchte Arbeitslosigkeit morden ihre Jugend. Plötzlich kam es ihm vor, als erblickte er durch ein Fenster seine Schwester. Was tut sie hier, in einem Zimmer dieses teuren Hotels? Neben ihr sitzt ein Herr mit dichten Augenibrauncn und lacht vergnügt. Pctrusias Herz setzte aus, er biß die Zähne zusammen in mitcrem Argwohn. Oluschka stand halb abgcwendet; er konnte sie nicht genau sehen. Ist sie es wirklich, oder ist es ein anderes wtchHnnigcs achtzehnjähriges Ding? Piotr be auf eine ihm benachbart wohnende Parlcige- nossi» stürzt Mit Staunen und Empörung sehen es die halbverhungerten und zerlumpten Volksmassen mir an. wie das private Kapital lururiöie Ka-- fcchänser mir Nachtmusik nrrd Wareichäuser errichtet, vollgestopft mit kostbaren Geweben und Gebrauchsarrikeln. und wie sich gutgenährte und kostbar gekleidete Männer und Frauen immer dreister hervorwagen Die in Berclcrchung Schmachtenden vermögen nicht, ohne weiteres die Weisheit und Unvermeidlichkeit der Llep- Politik zu erfassen. „Wozu," ruft eine Arbeiterin,„waren die Berge von Leichen notwendig? Doch nicht dazu, um die Arbeiterhürten. das Elend, das Aussterben noch schrecklicher zu gestalten? Doch nicht dazu, damit Verbrecher und Gewürni wieder alle Wohltaten des Lebens genießen, fressen, plündern und heben? Tas kann ich nicht aner- kenncn und ich kann nicht so leben Wir haben gekämpft, gelitten, sind gestorben, um uns schmählich kreuzigen zu lassen. Wozu?" Und neben den Anzeichen des sich wieder onrrichrcnden Kapitalismus bieler sich den Blik. ken der Arbeiter ein noch viel entmutigcuderes Lckauspiel dar. Auf armseligen Bauernwagen, denen balbverreckte Pferde voraeipannr sind. Kranke und Halbtote, bis zum Skelett abgema- gcrte Gestalten.„Hunger? Hunger! Hunger! kling; ihr eintöniger, entsetzlicher Gesang. Das sind Bauern ans dem Wolaagebiet Wer vermöchte ihnen Hilfe zu leisten? Eine Parteireinigung wird vorgenommen und es gäbe da wahrhaftig mehr als genug zu reinigen. Aber es sind kaltherzige Schurken, die über anständige Merrschen zn Gericht sitzen und sie aus der Partei ausschließen. Ans dem brodelnden Sumpf voir Elend und Gemeinheit lösen sich erst die Bilder einzelner Menschen, die nicht der Verderbnis anheimge- fallen sind, allmählich ober auch das Bild des arbeitshungrigen, nicht zu verwüstenden Volkes. Rich: etwa Jdealgestalten, sondern auch sie belastet» und verwirrt durch die schweren Probleme ihrer Zeit und ihres Landes, aber doch im Kern gesund. Mit sparsamen Strichen sind lebensvolle Menschen dargestellt. Zahlreiche Cchickialsbahnen berühren sich, um wieder aus- eioandrrznaehen, kreuzen und verschlingen sich und zerreißen aneinander lind all dieses Geschehen trägt den Stenipel des Unabwendbaren, Naturgewaltigen Da ist die schrankenlos begeisterte junge revolutionäre Kämpferin, deren Bahn ins Sanatorium irr Nervenkranke führt, der stille Gelehrte, der mit unerunidlichem Eifer an der Balksaufklärung arbeitet und gerade durch seine Reinheit den Haß der korrumpierten Gewalthaber erweckt, da sind Tyven aus dem Proletariat, deren sittliche Persönlichkeit mit der Arbeit steht und fällt. Und im Mittelpunkt des bunten Geschehens zwei prächtige Gestalten, die mit psychologischer Kleinmalerei dargestellt sind und denen doch zugleich symbolische Bedeutung zukommt, der Schlosser und Rotarmsst Glejt, Tschumakow und seine Frau Dascha. Im heldenmütigen Kanrpf gegen die Konterrevolution auseinandergerissen, haben sie drei Jahre lang Verfolgung und Mißhandlung ertragen. Kampf und Rot haben das Wesen der beiden jungen Menschen geformt und in jedem von ihnen vorher nicht geahnte Kräfte zur Emfaltung gebracht. Aber diese Entwicklung. die sie nicht gemeinsam erlebt haben, zerstört die frühere Harmonie. Glejb kehrt heim, nachdem er drei Jahre in der Roten Armee verbracht har Bon den Weißen halb tot geprügelt und fiir tot liegen aelaffcn. har er sich unter unsäglichen Mühen und Gefahren durch die„Weiß-Grünen" zu den„Rot-Grünen" und l von da zur Roten Armee geschlagen und hat I an deren Feldzügen teilgenommen Run hofft er, Arbeit, Weib und Kind und ein trauliches Heim wiederzu inden. Aber, das Werk ist zerstört. die Kameraden sind ans Richistur. gewöhnt und entmutigt, sein Hause gegangen bist? Sie: Ich bitte: keine Ironie! Ich weiß nicht, wer vo>r uns beiden nrehr Grund hat, ironisch zu werden! Ich lasse keinesfalls ei« Verhör mit mir anstelle«(mit ticfftrr Brrach» lung in der Stimme), Detektiv! Er: Ich habe»ich: die Absicht, dich zu verhören, mein Liebling. Aber gehört besondere Detektivbegabung dazu, anzunchmcn. daß du nicht allein im Auto warst? Sie: Großartig! Ich bin nicht allein tat Anto gewesen! Selbstverständlich nicht. Ich — 4— sehe nicht cm, waruni ich das verheimlichen sollte. Er: Ich auch nicht, mein Li-Hling. Das ist es ja gerade, was ich nicht einsehe. Sie: Ich habe Edwin unterwegs getroffen, er bat mich, mich noch Hont, bringen zu dürcn. Ich verstehe dich nicht, wirklich nicht... Du warst doch sonst nicht so(Sir führt das Taschentuch an die Augen t Kann es crwas harmloseres geben, als fich nach Hause bringen zu lassen, wenn'man einen Bekannten trifft, einen guten Freund? Kann cs einen Grund geben, das zu verheimlichen? Er: Gewiß- nicht, wenn eS Edwin gewesen 'st... Sie: Ich verbiete mir reden Zweifel. Er: Warum? Weil du von vornherein di: Wahrheit gesagt hast? Sic: Dn bist damisch. Du sichst doch, daß ich nun uicht mehr lüge? Er: Du kaunst ganz ruhig sein. Ich habe in das Innere des Autos nicht hineingesehen. Ich könme- höchstens jetzt Edwin anklingeln.. Sic: Das wirst du nicht tun(sie ist auf- gcstandcu). Das verbiete ich dir. Er: Warum verbiewst dn es mir? Sic:.- Ich will vechindcrn, daß du dich lächerlich machst Nichts ist lächerlicher als Effcrsucht. Er: Du brauchst das nicht zu fürLteu. Das Gespräch mit Edwin fft schon überflüssig. Sie: Das fft wirklich klng. Ich wußte ja.. wirklich, ich weiß, daß du klug bist, viel, viel klüger als ich, aber weißt du. cs mach: mir Spaß, deine Älncchcit auf die Probe zu stellen, so mit kleinen harmlosen Lügen. Aber du bist mir noch immer dehnitcrgckonnnen. Ich bin so pol-, aus dich! Du, weißt du, was die Modefarbe wird, die ausgesprochene Modefarbe: Blau! Was sagst dn dazu? Leber bas Atter der Erbe und der Gestirne. Nachdem cs neuerdings gelungen ist, Helium ans Wafferstofi'ynthctisch darzustellcn, wurde zum ersten Male auch das Alter eines Mcrcorgesrcins bestimmt, in dem sich Helium ringeschlosien vorsand. Es ergab sich für diesen Fiudliug aus dem Welrcnranme ein Alter von mindestens 600 Millionen Jahren. Neuere gco» vhysikalischc Forschungen lassen cs ferner ziemlich sicher erscheinen, daß unsere Erde mindestens 1700 Millionen Jahre alt sein muß. Wie winzig kirr; erscheint daher nn-cre sogenannte „Weltgeschichte" mit ihren etwa 5000 Jahren Jahren int Vergleich zu jenen beinahe 2000 Millionen Jahren der aeologrchen Erdgeschichte. Mit noch viel größeren Zahlen muß man aber schließlich rechnen, wenn man die Entwicklung und auch die Lebensdauer unserer Sonn: sowie dcr anderen Firstrrrffounen im Weltenraum auf Grund neuester Forschungen betrachtet. Dabei soll man jedoch nicht vergessen, daß es auch im Universum ein Werden und Vergehen gibt- Allerdings vollzieht sich dieser auf- und absteigende Vorgang im Kosuws in un» endlich viel größeren Zeiträumen, als dies am Völkerlebeu und im Menscheitdascin geschieht. So fft alles vergänglich und im Weltcnraume sind cs nur die unendlich großen Zeiträume, die uns eine scheinbare U»Vergänglichkeit tröstend vorrämchcu. Pro. Dr. Adolf Marcuse. Im Sozialismus allein kann sich der edelste Trieb im Menschen, die Liebe, voll und ganz entfalten; alle falschen Rücksicht», all« Hemmnisse fallen weg, Mann und Frau stehen sich vollständig gleich gegenüber, ihre Neigung allein Entscheidet ihr Zusammenleben, ihre Ehe.... August Bebel. Was mancher nicht weist. I« Sorgassomerr(ztvffchen den Kanarischen und den Westindischen Inseln) schwimmt eine Unmenge von Seetang, die an Fläche etwa 400 000 Quadratkilometer einnimmt und Seegräser anfwcist, di^stärker sind als die dicksten Bäume, während ihre Länge etwcr 400 Fuß beträgt I» Golf do« Neapel vermutet man das alte versunken« PäläopoliS, eine einstige gric> chnchc Niederlassung, die etwa 300 Jahre vor Christi von den Römern belagert wurde und die durch Bodcnveränderunaen des Küstengebietes allmählich in den Fluten verschwand Länder, die ar» a« Steinsalz sind, benutzen das Mcerwaffcr zur Gewinnung des Kochsalzes. zu welchem Zwecke man sogenannte Mecrsalinen oder Salzgärten anlrat. Bei vielen Meersalinen wird das Meerwasser zunächst in besonder« Zisterne» geleitet und durch ein eigenes Verfahren auf Brour. Jod und Calcium verarbeitet, mit so auf diese Weise die wertvollen Beimischungen zu gewinnen. | einerlei ftattömepte| Trockene und mehlige Kortossel« weiden erzielt, wenn man das Salz den Kartofelu erst dann beifügt, wenn das Wasser fast kochend ist. Um den Kartoffeln— besonders alten— em schöneres Aussehen zu geben, setzt mau dem Wasser kur; vor dem Sieden einen Teelöffel Ess'g zu- Suppe läßt ma« nie stark koche«, sondern nur ganz langsam wallen. Das meiste von der Flüssigkeit kocht ein und der beste Geschmack geht verloren, wenn die Suppe stark kocht oder zu schnell erhitzt wird. Versengte Stelle« aus Kleider« könne» duvb Zitronensaft, wenn sofort angewandt, beseitigt werden. Dbstslecke von Häudeo beseitigt mau durch Reiben mir einer mit Essig angefenchteteu Brotrinde, auch kann man die Hände mit Speck einsetten und dann mit Seife und kaltem Wasser waschen. Zum Eulieruen der Flecke von Silber nehme man Wasser, in dem Karioseln gekocht worden sind. Eine Expedition nach neuen Blume«. Der bekannte englische Pflanzenjäger, Kapitän Kingdo« Ward, unternimmt setzt eine Expedition nach den Gebirgen von Assam, die achtzehn Monate dauern soll. Er will hier im Anträge eines Syndikats englischer Privatgärtner, an dessen Spitze Lionel von Rothschild sicht, nach neuen Pflanzen und seltenen Blumen suchen. Die Gebirge von Assam sind nach seinen .Angaben der reichste gärtnerische Jagdgrund, den es in der Welt gibt, ein wahres Paradies für Blumen und überhaupt noch nicht erforscht. Kingdon Ward hat in den letzten 28 Jahren von seinen Weltreffen gegen 400 erstklassige Pflanzen mitgebracht, die sich alle i« England vortrefflich eingebürgert haben, darunter einen hintmelblaucn Mohn und einen orangefarbenen Rhododendron aus Tibet. Wieviü Anzüge„braucht" jeder Herr? Vor kurzem wurde in Chicago die Jahrestagung des amerikanischen Schneidervereins abgehalten. Dabei wurde auch da-„Problem" erörtert, wieviel Anzüge sich der Herr der Schöpfung jährlich anschaffen müsse, um„einigermaßen" gut angezogen zu sein. Rach einer lebhaften Diskussion einja« ma» sich auf folgende« Kleidung«» W a g r e ch r: I türkischer Titel, 2. Sohn Jakobs, 3. Lcbensbund, 4. Nicht alt. 8. Viehweide, 6. italienische Rote, 7. Europäer, 8. Kirgisisches Dorf, 9. engl. Männername, 10. Brotaufstrich, 11. Verhältniswort, 12. französischer Artikel, 13. Erfrischung, 14. Gewässer, 15. Glied eines Ganzen. 16. geographischer Begriff. 17. Teil des Hauses, 18. Glicht, 19. Nebenfluß der Donau.— Senkrecht: 1. Afrikaner. 12 altes Maß, 20. griechischer Buchstabe, 21 gleichbedeutend mir 11, 15. Fürwort, 22. Gefäß, 2. Tonart, 23 japanischer Staatsmann, 24. deutscher Muß, 25. Ausruf, 26. Fanggerät, 3. Vogel, 27. hoher Priester, 23. norwegischer Dichter, 29. Nahrungsmittel, 30. Verhältniswort. „Minimum": 6 gewöbn>-