2tr. 4. tMerHttMtttettMe. 192«. Die«Schuld der 2mm Dede. Vom ftalman. Mikszath Kalman ist der berühmte Ro- uiancier Jung-llngarnS. Er stammt ans dem Komitat, wo die meisten seiner Erzählungen spielen. Er loar ursprünglich Komi- tatsbeamter. später Journalist, dann Ab- geordnerer. Am berühmtesten sind sein« „slowakischen Dorfgeschichten" Lein literarisch«; Schaffen umfaßt mehr als 40 Bände. Die Richter faßen alle beifainuien. Draußen ließ sich der Nebcl schwer auf das unförmige Gebäude herunter und drückte scheinbar die Mauern zusammen, setzte sich aufs Fenster und verdunkelte die Eisblumen. Im Saale lvar eine schwere, dunrpfe Luft. Die Richter lehnten sich müde in ihren Scsicln zurück, der eine schloß die Augen und seine Hande fielen wie entkräftet herunter, dabei hörte er zu, wie die Feder des Gerichrs- sebrcibcrS knirschte. Der andere Richter gähme trommelte mit seinem Bleistifte auf dem grünen Tische, während der Borsitzende seine Brille auf die Aasenspitze hcninterfthob und sich den Schweiß vrm der Stirne wischte. Seine kalten-rauen Augen blickten prüfend nur EingangS'ürc.„Ist noch jcnmnd draußen", fragte er gedehnt, mit mürrischer Stimme den Gerichlsdicner. „Ein Mädchen",-ab der Diener zur Antwort. „Das Mädchen soll hercinkonunen!" Die Türe tm»rde geöffnet ruid ein Mädchen trat ein. Ein niedliches Geschöpf. Eine schlanke, wohlproportionierte Gestalt, auf welcher eine büuncngcstickie Jacke so zierlich saß. als ob sie auf eine Slawe gesessen iväre. Sic senkte bescheiden ihre schwarzen Armen zu Boden, und ihre Stirne verdüsterte sich. „Das ist mi! dir. Kind?" fragte der Bor- sitzercke gleichgültig. Das Mädchen richtete ihr lchwarzes Tuch auf deut Kopfe zurecht, ruid mit einem Seufzer antwortet» sie: „Ich habe ein schweres, schivercs Leid." Ihre toeichc, traurige S'imme drang bis ins Herz, wie eine Musik die bereits ver- stunmit ist, deren Töne aber noch ditvch die Lust schtvingen. Sie veränderte alles u>ck> jeden, der sie vernäht». DaS Gesicht des Richters blickte nicht mehr so mürrisch drein, das Bild des Obersten Gerichtspräsidenten winkte freundlich von der smmure» Wand herunter, daß sie nur von ihrem großen Leid zu sprechen beginnen solle. „Dort ist das Schriftstück, darans werden Sic olles ersehen." „Ein Urteilsspruch!" brummte der Bor- sitzendc, nachdem feine stechenden Augen das Schriftstück überflogen hatten.— Bede Anna wird ausgefordert, ihre halbjährige Kerkerstrafe mit heutigem Tage auzutreten. Das Mädchen nickre traurig mit dem Köpfchen, Und als sie das Haupt herabsinftn ließ, rllijchie ihr rückwärts das Kopftuch herunter, und ihr volles schrvarzcs Haar siel ihr in einem dich'«» Zopfe ins Gesicht. Es war gut, daß cs jetzt ihr Antlitz bedeckte, tveil cs oaS früher tociß wie eine Lilie war, jetzt von schamhafter Purpurröte übergossen schien. „$eute vor einer Woche habe» wir die Schrift bekouuueu", sto'terte sie heraus.„Der Herr Dorsvorstrbcr hat sic uns selber gebracht, den Inhalt bat er uns auch erklärt, meine anne, gute Mutter sag'« dann zu mir: „Geh, Mädchen, Geletz ist Gesetz, damit ist nicht zu scherzen!" So bi» ich also hergckom- uien, uni die Straft auzutreten. Ter Borsitzende wischte sich sogar setz' schon ztoeioial seine Brille und ein böser, giftiger Blick ftichte das Gesicht ftiner Kollegen. das Fenster den Fußboden, den großen Eiftnoftn, durch dessen gelochtes Türchen stückelnde Fenerangen herausstarrten und ga>iz unfreiwillig briunmte er:„Gesetz ist Gesetz." Dann las er aufs neue den Beschluß des Urteils durch, starrte auf die Schnörftl und Kratzsiiße des weißen Schriftstückes, aber tvahrhaftig, da stand«S immer wieder schwarz auf weißzu lesen: daß Ine Anna Bede wegen Hehlerei ein halbes Jahr Kerker abfitze» müsse. Der Benlilaiionöblechring des FensterS begann sich»vahnsinnig rasch zu drehen. Wahrscheinlich ging der Wir» so stark drau- ßcn, wie er so an die Fensterscheiben rüttelte, als ob eine nach Häuft kehrende Seele draußen stehen würde, cS entstand ein kalter Lustzug, der durch die Spal'en herenckam und vor sich hin pfiff:„Gefttz ist Gefttz." 2— Der gefühllose Kopf nickte sein Einvcr- päntmis Viesen scheinbar anS dem Jenseits kommendeii Stimmen zu, die große, schwane Hand packte die Mocke«nd läutete dem Gc- richlÄiener: „Fuhren Sie die Brde Anna zum Gc- fängnisauffeher." Der Diener nahm das Schriftstück in Empfang, das Mädchen dreh'« sich stumm um. ober ihre Leine» toten Lippen bewegten sich als wie im Krampfe, als ob sie nach Worten suchen würde: »Milkst du vielleicht noch ctivas hinzufügen?" „Nichts, nichts, mir daß ich die Else bin, die Wie Bede. Meine ältere Schwester, belieben Sie zu wisse», das ist die Anna. Aber heu'« vor einer Woche haben wir die Arme begraben." „Dann bist du doch nicht verurteilt?" „Oh, du lieber Gott, weshalb sollte ich auch verurteilt sein? Ach tue nicht einmal einer Fliege etwas zu leide." „Weshalb bist du allo hierher gekommen, du dummes Mädel?" „Also bitte sehr, das ist so. Während nämlich ihre„Sache" zur Bcrnftuig an die zweite Instanz ging, ist sic gestorben. Als sie dann starr, mit Blumen geschmückt, in der Kammer lag. da kam gerade der Befehl, daß sie ein halbes Jahr doch absitzen müsse. Oh, wie sie auf die Entscheidung gewartet hatte: lind wie gut, daß sie es nicht erleben mußte. Sie bat das nicht erwartet...." Dem Mädchen rannen di« Tränen bei der Erinnerung über die Wangen, und sie- konn'e kaum fortsahren: „Wie" sic dort gelegen ist, bewegungslos, mit geschloffenen Augen, stumm für alle Ewigkeit und taub, da haben wir mit der Mutter gelobt, daß wir alles gutmachen werden, wenn sie auch nicht schuldig Ivar. Oh, wirklich, sie war nicht schnKng- Ta haben wir uns also gedacht... „Was demi Kind?" „Daß. damit sie Vollständige Ruhe nn Grabe habe niemand ihr nachsagen soll, daß sie etwas schuldig geblieben ist. Die gute Mutter bezablt den Schade» und ich tverde an ihrer Stelle beim Kvmi'ak das halbe Jahr absitzcn." Die Richter sahen einander lächelnd an: Das mr ein naives einfältiges Mädchen.' Das Gesicht deS Vorsitzenden war schon nicht mehr so kühl. Er wischte sich mit seinem gelbe» Tuch nicht einmal mehr die Stirne ab, sonder»«i-vas tiefer.... „Es ist gut, Mädchen", sagte er leise und sanft»„aber warte, jetzt fällt mir eilvas ein...." Er stützte seine» Handrücken auf die Stirn und'at so, als ob er nachdenk-n würde. „Fa. ja. ein großer Irrtum ist in dieser Sache geschehen. Wir haben da eine fehlerhafte Schrift zu euch gesandt." Das Mädchen starrte mit ihren großen, träumerischen Auge» auf den Men und warf rasch daztvischcn ein: „Sehen Sie, sehen Sie!" Es Ivar ein derart schmerzlicher Borwurf in ihrer Stinmie. daß der Vorsitzende wieder nach seinem Tuche griff. Ter barte Mensch war ganz faffmrgslos. Er trat zu dem Mädchen bcrunter und streichelte ihm seine kchlvarzen Haare. „Dor! oben ist eine andere Wabrbeit bekannt. Geb heim, Mädchen, ich lasse deine Muter grüßen, und ihr bestellen, daß deine Schweller Anna unschu8>:g war." „Wir haben«8 uns ia gedacht" flüsterie die.Äcine und drückte ihre Hand an ihr Herz. Deutsch von I. Reisman». Die Stachelschweine. (Nach Schopenhauer.) . Bon Max Hayek. Bon Stachelschweinen eine Schar Beschloß am Wintertag, da's rauh und frostig war. Einander hctfcnd nahzurückcn Und so, im Ancinaiwerdrücken. Die Körperwärme klüglich auszunützen Und vor dem Froste sich zu schützen. Allein, die Sache ging nicht rech:: Denn Stachelschweine sind ein stachliges Gc» schlecht! Sie fanden Wärme, aber stachen sich Zugleich an ihren Häuten fürchterlich. So daß sie eilends wieder seitab rückten Und sich nicht länger aneinanderdrückren! Doch trieb des rauhen Frostes grimmer Schmer; Sic immer wieder stachelschwcinewärts. Und immer wieder riet ein scharfer Stich Den« Wärmesucher auch: Entferne dich!— Bis sie zuletzt— was ward da ausgestandcn!— Ten wohlgenicss'nen, richt'gen Abstand fanden, Dabei, zur Rot, sie mochten sich ertragen An Winter- und wohl auch an Sommertagcn! Und diesen Abstand nennt der Mensch noch heut Die feine Sitte und die Höflichkeit Blutgierige Fische. Ein dreißig oder vierzig Meter breiter Wasserspiegel rat sich vor den beiden Reitern aus. hie und da durchtvucheri von Röhricht; der hoch in den Himmel hinoufgesegeltc Mond spiegelte sich als weiße Scheibe in der schwärzlichen Flut. Ein paar rundliche Weilchen, die mit silbernen Reflexen über das ruhige Wasser dahm- liefen und sich in weitem Kreise über die Oberfläche verbreiteten, zeigten an, daß kurz zuvor beim Geräusch der Tritte der Maultiere etwas nmergetaucht sein mußte. Die Reiter zogen die Zügel an. Omiste beugte sich im Sattel vor und sPHtc vom Steil- rand des Ufers auf das Wasser hinab. Er stieß «inen Fluch aus. Das Kanu lag am anderen Ufer des Flusses. ,Mie es herüberholen?" ^Jch schwimme hinüber", meinte Greyb- rokc, doch Omiste wehrte, plötzlich energisch werdend. ab „No. scnnor. Sie kennen nicht alle die:öd- lichen Gefahren, die da unter dem ruhigen Wasserspiegel verborgen lauern." „Sind Ihnen die kleinen Wcllchcn im Wasser nicht aufgefollcn, als wir am Flußufer ankamen? Ein Alligaror ruhte da mit ausgebrei- tcten Schwimmpioten im Wasser, ließ sich auf den Grund sinken, als er uns hörte. Sehen Sie. sehen Sie. die Menge kleiner Blasen, die da auflteigen Eben ließ er Luft Er war aber ein bißÄen gar zu eilig und hat sich darum verraten. Manchmal lasse» sich die Bestien so langsam sinken, daß nicht die geringste Bewegung an der Oberfläche des WasscrS sie verrät. Rehmen Sic die Büchie in Anschlag. Scnnor Greybrlcke. Sie haben eine ruhige Hand und rin gutes Auge. Ihnen wird der Schuß gelingen. Gleich bringe ich den Alligator an die Ober- fläche." Gespannt hob William die Büchse. Teufelskerl der Omiste. Tie Erfahrung, die der Mann besaß Der hätte das gedacht. Mit einem einzigen Schlag des schweren Messers trennte Omiste einen starken Stab ab und ging, den Boden vor sich hcranstochernd, bis zu den Knien ins Wasser hinein—, wo er mit den Füßen strampelnd stehe» blieb. Zwei drei Sekunden. Plötzlich war ein knorriges Stück Treibholz mit unheimlicher Stille ans der Oberfläche der schwarzen Flut erschienen und schoß aus den im Wasser stehenden Mann;u. Doch schon hatte Greybroke beim Aaren Schein des Mondes das Ziel deutlich ersaht. Peng! Knacks! Ein fünf Meter langer, dunkler Körper schnellte halb aus dem Wasser und verschwand in den Fluten, die sich lautlos über ihm schlossen. Mit Windeseile rannte Omiste ans dem Wasser heraus zu den Maultieren, die mit hängenden Köpfen oben am Steilufer des Flusses standen In den Sattel:aschrn kramte er, schien etwas zusanruienzusetzcn, kam die Anhöhe herabgerannt. „Rasch ein Streichholz, Scnnor Greybroke." Das Fragen hatte sich Greybroke in dem Lande schon abgewohnt. Er nahm die in cincr I Metallhülse vor dem Körperschwciß geschützte Schachtel heraus, rieb ein Wachshölzchen an und reichte es Omiste. Sprühende Funken entstiegen der wasserdichten Zündschnur. Bon Omiste geschleudert, flog der Tvnamitbolzeu in das Wasser, auf die Stelle zu, wo der Alligator versunken war. „Ta balgen sich setzt die Palometas nm das ausströmende Blut" Omiste lächelte, als ob er die Szene vor sich sähe. „Palometas?" „Fa, blutgierige Fische, so lang wie meine HaNd nur, die auch den Menschen int Wasser angrcisen." „Brumms!" Die Erde zuckte unter ihren Füßen. Schämnend stieg ein Masserberg ans. Omiste zog sich aus, ging in den Fluß hinein, tauchte unter uiä> schwamm in ruhigen Schlägen dem anderen Ufer zu. Pudelwohl schien er sich im Wasser zn sichle», vor dem er eben noch so gctvarnt hatte, rollte und strampelte darin herum. „Denn Sie sich erfrischen wollen, Scnnor Greybroke, kommen Sic nur. Der Dynamitschnß hat den Palometas die Schwimmblase zerrissen. Alles wt." Greybroke dankte. Er zog denn doch vor, hier am Ufer mit dein Gewehr in der Hand auf- znpasscu, ob nicht noch so ein Stück Treiböl; ans deut Röhricht heraus zum Vorschein käme. Ouliste, der immer noch hernmstrampelte, schleuderte chni einen der an die Oberfläche ge- konuncncn toten Fische zu. In der Tai. Hand- lang nur, aber doppelt so breit und kräftig wie ein Barsch gebaut, wies das Maul der Palomcta zwei Reihen haarscharfer Tolchzähue auf. Wenn sich ein Schtvarm solcher Tierlci». auf den Schwimmer stürzte, war es schon möglich, daß der durch den Blutverlust Geschwächte nicht mehr das Land erreichte.— Omiste kam mit dem Kanu hcrübcrgepobdelt.„Sie hätten ruhig in das Wasser gehen sollen, Scnnor Greybroke. Tas Dynamit wird auch die elektrischen Aale, den Candirn und die Stechrochen verscheucht haben.„Wa, was?" machte William.„Habi Ihr noch mehr solch Teufelszeug in diesen Geioch- sern? Ich dächte, das gäbe es nur in den großen Flüssen?"„O, Scnnor, au Unge ziefer mangelt es nirgends!" s Die Maultiere wurden avgesatielt und durch das Wasser getrieben Sättel und Sattel- taschcn im Kanu verstaut. „Mukas und das Rindvieh greift der Alligator im Wasser nicht an", nrcinte Omiste während der llebcrsahrt.„Ter Bison ist ihm wohl Das„ Huuiorcskc von Karl Großmama harte Geburtstag und ich mußte ihr etwas schenken. Tonst schenke ich Tarnen immer ein Fläschchen Parfüm, aber Groß- mama parfümiert sich schon lange nicht mehr, ja. ich glaube, sie hat sich nie parsüunert In ihrer Jugend galt gut riechen noch ais unmoralisch Was schenkt man einer Oma? Einen Lehnstuhl har sie schon und ans mein. Lichtbild legt sie keinen Wert. Ich bin nämlich keineswegs ihr Lieblingseirkcl: ihr Lieblingsenkel ist Leiter Gustav, unser Familieniroricl. Halt, ich schenke ihr ein Radro! Mittags, währeich Großmama ihr Nickerchen hielt(meine Stenotypistin hatte nämlich „Riggerchen" geschrieben, aber ich konnte es noch verbessern), legte ich in der guten T'»be die Leitung und abends erschien ich mit Em- pfangsgerät und Lautsprecher. „Grüß Gort. liebste Oma, ich wünsche dir zum Geburtstag alles Gute, und hier habe ich dir auch etwas ichöncs mitgebrachl." „Ich danke dir, lieber Karl!— O wie bübsch!— To ein schwarz lackiertes Nähkästchen habe ich mir schon immer getvü.vcht!" „Tas ist kein Nähkästchen, liebe Onra. das ist ein Radio Etwas Hochfeines! Damit kannst du Berlin. London. Basel. Prag. Paris. Moskau. Mailand bören!" '„Wie entsetzlich!" sröhnre Großmama. „Wesbalb tust du mir Greisin das an!" „Wieso entsetzlich?" staun ie ich„Tn hörst damit die wunderschönste Musik. Borträge. Opern! Hier, durch diesen Lautsprecher!" „Ach so", ineinte Großmama uachsicht-g, während ich die Leitung auschloß,„srüher nannte mau das ein Granunophou!" „Nein, liebste Oma, dies bier ist etwas gan; anderes, eine ganz neue Ersindung!" „O Gotr!— Es ist sehr, sehr lieb von dir! — Aber weißt du, Karl, ich will mir neuen Ersindungcu nichts;n tu» haben. Meistens cxplosicren sie!— Ta hatten wir cinnial eine niechanischc Petroleumlampe, dein verstorbener Outzl Oskar hatte sie mir geschenkt, du warst danials noch mcht geboren, und auf einmal bums explodierte sic!" „Das ist hier vollkouuuen ausgeschlossen, Onia! Diese Ersindung beruht auf elektrischer Grundlage ilnd—" „Und auf einmal kriegt mau einen elektrischen Tchlag oder cs gibt Kurzschluß! Mein Gott, weshalb bringt du mir diese Höllen- maschine in mein friedliches Heim?" Ich biß mir auf die Lippen und versuchte, das Radio auf«ine Lendesration einzustellen. Aus dem Lautsprecher drangen einige abscheuliche Töne: ksss— tütutükitütü— rchchchch— iiiii— gägägä— „Was machst du mit dem Knüüü.. KssS 3.. tütiirii... rchchch... iiii... gägägä, „Es ist wunderschön", bestätigte O>na mit ergebener Leidensmiene.„Wirklich hübsch! Aber nun tue mir den einzigen Gefallen und lass« Anna das Radrio hinaustragen!" Mir kam die Galle hoch.„Aber du hast ja noch gar nicht richtig gehört!" bockte ich und drehte an dem Kondensator herum. zu groß, oder der Lärm verscheucht ihn, wenn eine gaidze Herde das Wasser durchschwimmt" (Mit besonderer Erlaubnis des Berlages Ttrecker Le Schröder. Stuttgart, dem Buche„Die Wildnis ruft", von Rudolf Dienst entnommen.) Ettliuger, München. „Und auf einmal explodiert cs!" wehklagte Oma. ..Jetzt habe ich eine Sensation!" Run hör mal! Ganz deutlich und lautrein!" Und das Radio verkündet:. Wenden wir uns nun der Zoologie dieses Landes zu. Tas bekannteste Tier dieser Gegend ist das Stinktier. Obwohl klein und unscheinbar, sprint es aus einer Drüse eine Flüssigkeit aus, welche den Menschen bis aus vier Wochen unerträglich verpestet!" „Schöne Sache» machst du!" sagte Groß mama. In einem Tone, als ob ich der Erfinder des Stinktieres wäre. Verbissen hantierte ich an dem„Radio" um da- Stinktier aus der Leitung zu kriegen. Und jetzt meldete sich eine andere Stimme: ..„zu den schwierigsten Buchstaben des englischen Alphabetes, dem th. Ich mache es Ihnen einmal vor: Mzsz! Roch einmal- Uzszsz' Legen Sie die Zunge vorn an die Zähne und dann mit leicht geöffnetem Mund: szszszsz! Bitte, verehrte Hörerinnen und Hörer, nochmals: sjszszd'. Roch einmal szszszsz!" „Mein Golt, jctz soll ich auch noch szszszsz machen! wimmerte Oma.„Bitte, lieber Karl, tue das Radrio hinaus, ehe es explodiert! Ta- maks die Petroleumlarnpe, die machte auch szszszsz, und dann auf einmal, bums, explodierte sie. Du warst damals noch nicht geboren—" Meine Wre stand auf dem Spiel, ich mußte Oma zum Rundfunk bekehren! Jetzt gerade! Und wenn tausend Petroleumlampen vor mei- .ner Geburt explodiert sind! Mich mühsam beherrschend, schraubte ich an sämtlichen Knöpfen des Empfangsgeräts— Musik kam näher—, ah, jetzt hab' ich was anacfanaen! Großmarua- chcu, nun spitz uial die Ohren!" Eine scheußliche Frauenstimme quakte: „WaS machst du mit dem Knie, lieber Hans, mit dem Knü lüber Hans, bemn Tanz" „Es ist aus„Traviata"! log ich„Caruso singt!" „Wenn cs aber doch explodiert?" beharrte Großmutter weinerlich. Mit einem Ruck stellte ich das Radio ab. Ich hatte eine Wut in mir eine Wut auf Oma, auf das«nglische th, auf das Stinktier, auf mich, auf den Hans, auf das Knü. auf die„Traviata", auf die ganze Schöpfung! Ich beneidete die Petroleumlampe um ihr Borrecht, zu explodieren. Oma schien Mitleid mit mir zu haben.»Komm setz dich ein bißchen zu mir, Karl!" sagt« sie sanft„Wirklich, cs ist wunderschön, das Radrio! Es macht mir sehr viel Freude! Aber du solltest nicht so viel Geld für mich ausgeben! Wirklich allerliebst, das Radrio! Weißt du. wenn ich jetzt abends so allein bin, dann letze ich mich vor das Radrio uiü> köre ein bißchen szizszsz. oder Caruso,— wirklich, ich bin dir sehr dankbar! Ich bin froh, daß ich das Radrio habe!" Und dann nach einer Pause: ,Hn welchem Geschäft hast du bas Radrio eigentlich gekauft? Ich möchte es nämlich um eine Wärmeflasche Umtauschen!" „Worum wir so find!" Bekenntnisse eines modernen Mädchens. Eine junge Dame der Londoner Gesellschaft äußert sich in einem Blatt höchst freimütig über die Vorwürfe, die die Eltern gegen die moderne Jugend richten und die besonders Las» Asauith kürzlich sebr scharf ausgesprochen hat.„DaS moderne Mädchen von heute bat es schlecht", schreibt sie.„man hält uns für unverschämt, -schamlos und lasterhaft, und besonders die Eltern klagen, daß es eine so ichlimnke Jugend und besonders weibliche Jugend noch nie gegeben Hobe Aber wer ist an allem schuld? Doch nur die Eltern selbst. Mau hat uns aelebrt. daß wir an uns selbst denken müssen, daß wir auf eigenen Füßen stehen und unsere Individualität entwickeln sollen, und dann macht man uns Borwürsc, daß wir so„schlimm" sind. Wir kragen nach nichts mehr als nach unseren eigenen Ansichten, wir schlagen alle guten Winke in den Wind Je klüger wir sind und je ernster wir das Leben nehmen, desto angriffslustiger sind wir. Manche bewahren noch oberflächlich den guten Ton im Verkehr mit älteren Leuten. Aber di« Achtung vor dem Alter schein» verschwunden zu kein Ich frage mich manchmal, ob eine solche Achtung je bestanden har ob nicht „das Ei immer klüger war als die Henne" ob nicht der Gegensatz zwischen Alter und Jugend leit Jahrhunderten besteht Wenn wir unS nicht vorstclleu können was cs bedeutet, alt zu kein, so scheinen merkwürdigerweffe auch die alten Leute unfähig, sich an die Zeit zu erinnern, da sie jung waren. Um es gerade heraus zu sagen: das Mädchen von einst betrog seine Eltern, das modern.? Mädchen trotzt ihnen. In den alückl-ch- sten Fällen wird diese Haltung durch Humor beschönigt Wie man ein Mittel dagegen rinden soll, erscheint mir schwer. Die Erklärung und vielleicht sogar die Enffchuldigung für unfern Egoisuius finde ich aber bei den Eitern Man treibt jetzt einen Kult mit der Jugend, wie niemals vorher Im letz'«» Jahrzehnr haben die Dichter und Dramatiker, die Philosophen und Meltweiscn die Jugend verherrlicht Tas ist die unausbleibliche Folge des Krieges Wenn wir von allen Seiten hören, wie wundervoll Jugend ist. wenn wir selbst die Großeltern bemüh: sehen, es uns in der Schönheitspflege oder ank dem Tanzboden gleichzutnn, dann müssen wir doch zu der Ueberzeugung gelangen, daß wir im Recht sind und daß sich alles nach un» richten muß. Durch diese Anbetung der Jngcnd verliert sie ihre Unschuld und ihre Frische, ihre Moral und ihren Respekt Und unsere Eltern die ko für die Jugend schwärmen, tun nrchts. als uns deswegen anzukkagen. Wenn sie so viel erfahrener. besser und ktüger sind als wir, wie sie unS erzählen, warum machen sie dann so große Anstrengungen, es uns gleichzntun?" Lebten Menschen auf dem Rorbvo^? Woher wissen wir so genau, daß auf dem Nordpol nie Menschen gelebt habe», der Rord- vol unbewohnt war, mir Eis und Schnee kannte? Wir habe» noch lange nicht di« gewalkt»:» Revolutionen der Natur der Erde umersucht. darüber eingrhende Forschungsresultate erbalrcn, wissen nicht, wie einst der Nordpol, vor 100.000 Jahren etwa, beschaffen war. Langsam will es auch da Licht tverden. Natürlich wird man allen Forschungen und Unter- luchungsrestiktaten mißtrauisch gegenüberstehen. Zuviel der Hypothesen! Zu wenig Tatsachen! Warum sollten aber die neuesten Ergebnisse einer Nordpolerpedition, geführt von dem kkan- dinavischcn Gelehrten Dr. Rörlund, der schon■ — 4— vor Jahren, in das arktische Gebiet drang, uu-l wahrscheinlich sein? Wird doch nur behauptet,' daß man Spuren von Nordbewohnern gcfu-r- den hat, die in schwedischen, gar germanisch anmutenden Trachten begraben waren, so, als sollte« die Trachten Särge darstellen Es wurden nur noch zu wenige Funde gemacht, auf die man weiter« Schlußfolgerungen anfbaucn könnte Deshalb machte sich dir Expedition nochmals auf den Weg zum hohen Norden, um noch mckhr Material über die etwaigen Rordbewoh- ner zu sammeln. Würde es dem Gelehrten gelingen, reiche? Material;u sammeln, so daß er einwandfrei wissenschaftlich Nachweisen könnte, daß vor Hunderten und Tausenden vou Jahren im hohen Norden, vielleicht nicht in EiS und Schnee, Menschen gelebt hatten, daun bekämen wir ganz neu« Aufschlüsse über die Erdentwicklung und die Entwicklung der nordischen Böller. Warten wir auf die neueren wissenkchast- licheu Ergebnisse der Expedition, di« wahrscheinlich neues Material zusammeutragen wird! WMm Sie schon? daß verschiedene Insekten ihr Gehör in ihren »». Füßen haben, Ot daß in verschuedencu Wiener Stroßcubahn- wagen fetzt Erfrischungen wie Kaffee. Bier. Wein und GcLäck zu haben sind, * daß die italienische Regierung die Absicht hat, allen Familienvorstehcrn eine Radiosteuer au^uerlegen, gleichviel ob sie eine Radiocinrich- tnng besitzen oder nicht, daß bei den amerikanischen Filmkünstlerin- uen das Tragen eines Schleiers, wie er in der Türkei abgcschafft wurde, die neueste Mode bildet, * daß Gummi als Grundstoff benütz! wird für die Herstellung von mehr als 80.000 verschiedenen Artikeln, * daß als Borbeugungsmirtel gegen Erkältun- gen die Arbeiter und Arbeiterinnen auf den japanischen Reisfeldern aus Menschcnhaar verfertigte Strümpfe tragen, * daß einem Bienensachvcistäudigen zufolge die Drohne etwa 13L00 Augen die Arbeitsbiene deren C100 und die Bienenkönigin nur 4900 besitzen, * daß der läugstlcbcude Mensch der neueren Zeit der Engländer TbomaS Corn war, der dem Kirchenregister der Stadt London zufolge im Jahre 1568 geboren wurde und 1795 iw Alter Von 207 Jahren starb, «. daß da? beim Papier gebrauchte Wort „Ries" von dem arabischen„Razme" sim Italic- nischen„Risma". im Svanischen^Resma"> her- kouont. und„Bündel", das ist hier eine bestimmte Anzahl Bogen Papier, bedeutet, und daß ein Ries gleich 24 Bogen Schreibpapier oder 25 Bogen Druckpapier find, * daß au§ Ctcinkohlcutccr ungefähr ficbzig Verschiedene Prodickte hergesicllt werten, * daß nicht CröfilS der reichste Mann des Altertuuik gewesen ist, sondern der Kaiser Augustus, der, nach deutschem Gelde acrccknet. über ei» Vermögen von über LOO Milliarden Mark verfugte. einerlei. 6e&onten"6pUtter. 2796 lebend« Sprachen. Die Sprachenverwirrung ans dem Erdenrund. Wciß man, wieviel Sprachen zur Zeit auf dem Erdenrund gesprochen werden? Die Statistik liefert zu lne- scr Frage Zahlen, die nach den geographischen und cchiwgraphischcn Kenntnissen der CtatistUer schwanken und vor allem von der Bedeutung ckbhängen, die nmn bei der allgemeine» Einordnung den einzelnen Idiomen brimißt. Rach den Bcrcchiiimocn. dir als znverläffia gelten dürfen, gibt es 2796 lebende Svrachcn, die diese Bezeichnung verdienen. Dir 860 baupt-ächlichstcn Sprachen verteilen sich folpendcnnatzcn: Europa 48. Asien 153, Afrika 118. Nord- und Südamerika zusammen 424. Ozeanien 117. Bier vor 5000 Jahren. Die alten Babylonier waren Meister de? Bierbraucns, sic erzeug tcn 16 verschiedene Sorten, daruutc» spezielle Getränke für priesterliche Zturcke und Festlichkeiten. In aufprfundenen alten Schriften sanden sich Wirtschaftsbücher der Bierbrauereien die uus zeigen, daß cs schon damals eine hoch eniwickelre Branindnstrie gab Zu dicker Zeit war das Bier übrigens schon Bolksgetränk, die Gehalts- und Lohnempfänger bckauicn sogar als Deputat täglich eine Maß Bier. Spezialarbeitcr, an die besonders hohe Anforderungen gestellt wurden, 2 Maß, und Beamte sowie„akademisch Gebildete" 8—5 Maß Man sicht, die„Studierten" soffen zur Zcir der biblischen Wrlt- lchöpfung bereits viel, wenn auch noch nicht so viel wie heute. Da?„Panschen" des BicreS galt bei den Babyloniern als schweres Verbrechen und wurde mit dem Tode bestraft! Weisheit der Wiikt«. Der englische Schriftsteller Edgar Wallace, dcffen Cenlatiousromone auch bei un? setzt eifrige Leser fiitbcn. hat die Stoffe für seine Abevtenreroeickichten aus wci- rcn Reisen gesauiuielt und dabei so manche lustige Geschichte erlebt So erzählt er, daß er einmal bei einem Ritt in eineui Dorf am Saunt der Sahara vom Pferde fiel. Das Unglück pa'- sierte ibm gerade vor einem Schuhmacherladen, desien Inhaber, ein würdiger Araber, tröstend zu ihm bcrantrat.„Cie sind nur beruntergesal- len. weil Cie einen schlechten Catrel haben" sagte er.„Ich werde Ihnen einen Sattel machen, von dem Sic niemals hkluntersallen können." Auf dicke Zusicherung bin bestellte Wallace bei ibm-inen solchen Wunderiarrel und wartete mst Spannung auf seine Ankunft. Aber als er erschien, waren es— ein Paar Schuhe. UKerlei ftantfmepte Um zerrissene« Baumwollstoff unsichtbar cuszubessern schneidet man einen Crreisen vom gleichen Material, taucht diesen in warme Stärke und preßt»hu mir einem heißen E-sen auf die beschädigte Stelle. Beim Wasche« von Seide lüge man dem Waffer ciwaS Salz bei Dadurch wird die Farbe erhalten und die Seide bleibt weich. Der Zwiebelgeruch vo« Händen wird beseitigt, indem man auf dicken ein Stückchen Cel» lerie verreibt. Das Trock««werd«« von Käs« verhütet man indem»mu die frische Echnittffäche unt etwas Butter bestreicht Linoleumpslege. Linoleum darf nicht zu of» gewaschen werden. Eine Taffe voll Paraffin in dos Woslhwoffer getan, hilft da§ Linoleum erhalten und gibt ibm Glanz, cchnc cs durch Glätte gefährlich zu machen. „Wi- tief liegt unter mir die Welt! Kaum sch ich noch di« Menschlein unten toallcn! Wie trägt mich meine Kunst, die höchste unter allen, so nahe au des Himmels Zelt!" So ruft von seine- Turmes Dache der Schieferdecker, so der kleine große Mann, HanS MetaphisikuS. in feinem Schrcibgcmoche. Sag' an. du kleiner großer Mann. der Turm, von dem dein Blick so vornehm nirdcrschauet, toovon ist er— worauf ist er erbauet? Wie kamst dn selbst hinauf— und keine kahlen Höhn. wozu sind sie dir nütz, als in das Tal zu kehn? fettere*. Kenntnis.„Ihr Mädels von heut wißt »»ich» mal, wozu eine Radel dient."—„Doch— zum Grammophon." Eifersucht.„Spricht Ihr Mann aus dem Schlaf?"—„Rein Der Schuft lächelt bloß!" „Da geht der alt« Schult, der mich am dreiuialhunderttausend Mark gebracht hat."— „Nanu? Wie ist denn dos zuaeaonacn?"—„Er hat mir seine Tochter nicht gegeben." Wir waren bei fteruei-f'-rrn, Himmel in dem kleinen»hüringischen Winterkurort ange» kommen. Ein Stern bliufte besonders hell: Wir stritten unS: Ist eS der Jupiter oder die Benns? Der Hausdiener des kleinen Hotels lchob eine Karre mit unserem Handgepäck vor unS her. Einer von uns fragte ihn:„Sogen Sie mol, der helle Stern da. ist das eigentlich die Benus?" —„Tut mir leid, Herr, daS kann ich Ihnen nicht sagen. Ich bin erst sei» drei Tagen hier in der Keaend." Aut». Meine Frau fuhr heute mit dem Auto gegen den Zaun— sie hat die ganze Farbe abgestoßen."— Bom Zaun ober vom Auw?" —„Bon sich." ——-1 Silbenrätsel. bank brr bien bro de de e er gr grl ger glau he hör i ih kler lohn nen nier reichs nt { e sen ler lon spon stein stein ran«e tripp un wen Win Aus den vorslchenden Silben bilde man 15 Wörter folgender Bedeutung: 1. Teil eines Photoaw'arates, 2. Fluß in Svan-eu. L. Alchimist des Mittelalters 4 männlicher Borname 5 norwegricher Dichter. 6 Sportart. 7. marokkan-'kchc Hakcustadt. 8 staatliches Finanz, lmterucbmen. 9 Uhrteil. 10 e-n durch se-nrn Wein bedeutender Dors in Rheinheffen. 11. mciuchlichcr Sinn. 12 Stadt im rheinisch-weft- -ölnchen Industriegebiet 13 von der Jugend ft-stl'ck» beaonpener astronomischer Zeitpunkt, 14 berübniter Aussichtsvunft des Tbürinaer Waldes 15 Unkraut Tie Ansanpsbuchsia^ir dielcr Wörter von oben nach unten und die dritten Buchstaben in uwarkebrtcr Rcihcnsolgr gelesen nennen ein Goethe-Zitat. SfaflHfaiiftCN der Raffel aus der vorige» Nummer: Zahl««rafftl: Alexander Puschkin. Landauer. Eisenach.-kenn» Andersen. Rcapel. Da- niel, Radieschen. P nscher. Uralff, Spanien, Chiesr, Kardinal- Rix«.