J»r. S. OnterOoMnngtfbeiiage. t92S. Taifun des Ledens. In Halifax, einer östlichen Hafenstadt Kanadas, wo ich im Victoria-Hospital an Malaria darniederlag, schloß ich Freundschaft ni i einem 35 Jahre al en, bereits ergrauten Kanadier, der mir die erschütternde Tragik seines Lebens anvenrauie. H:er seine Erzählung: „Das Schicksal trieb ein grausames Spiel mit ntir. ES schlenderte mich von der Tiefe nach der goldenen Höhe des Lebens, ließ mich das Glück gleich einem schönen Traum genießen und warf mich nur zu bald wieder m.r unheimlicher Gcwal' in das leere Nichts zurück. Sie wissen. mit welchem Fanatismus der Inder an seinen durch die Jahrtausende gcheitig'en religiösen Sitten und Gebräuchen hängt, wie ibm seine Tempel und Pagoden der Inbegriff höchster religiöser Anschauun- gcu sind und die dort anfgestell en Götter ein geheimnisvolles Fluidum auf alle Gläubigen ausströmcn. Webe den frevlcrischen Händen, die verfttchen würden, die Heiligkeit solcher Pagoden zu verletzen, es_ wird sich, früher oder später, furchtbar rächen. Ein Tempclraub an einer der heiligsten und größten Buddhapagoden in Burma woran ich beteiligt war, wurde mein Verhängnis und zerbrach auf die grausamste Weise mein Leben. Einige Monate schon befand ich mich als dri: er Offizier an Bord der„Eagle", einer Luxusjacht, die einem Millionär Mr. Cnltb ans Los Angeles gehörte. Mr. Smith war Bankier und besaß großen Landbesitz in Kalifornien. Er befand sich auf einer Reise nach Indien. Auch einen neuesten Renmoagen batten wir an Bord. Dir lagen in Rangoon, in einer Stadt, wo indische und chinesische Knlur Zusammentreffen. Das jttnge Ehepaar machte mit einigen Protmnenlen Amerikanern ans Rangoon eine Autofahrt nach Mandalay, das ungefähr 800 Kilometer tut Innern Burmas liegt, wo die größten und interessan cstetl Pagoden Indiens sieben. Nach einigen Tagen kanten sie zurück. Mr. Smith ließ mich in seinen Salon rufen und m! geheimnisvoller Miene sagte er mir, seine Frau wünsche die Augen des Buddha von Mandalav zu besitzen, zivei selten schivarze Tiamanten. Er versprach mir eine Belohnung von 100.008 Dollar fiir die Ucberbringnng dieser Diamanten: Sein Auw, zwei seiner Matrosen und seinen in» Don draus Dntoni. di scheu Diener Sandu, der von Beruf Artist und Mohammedaner war. stellte er mir zur Verfügung. Ich schlug in oas gewagte Ge. schäft ein; nicht als Endzweck nur als Mittel zum Zweck wollte ich das gleisnerische Gold— das mir versprochen— um das Ideal meiner Träume, meine Jugendgefpie- l,n Vera, heimführen zu können Leichter, als ich geglaubt, kamen wir zum Ziel. Denn Sandn besaß eine ungeheure Suggestionskraf', mit der er die Tempeld'ener hypnotisierte, währenddem'ch die beiden Steine aus der Buddhafigur an mich nahm. Ilebeb-'ll f kamen wir w cder an Borö der Jacht zurück, wo wir mit großer Freude von Mr. Smith empfangen wurden. Mit Nonchalance übergab er mir di« versprochene Summe per Scheck, die anderen Teilnehmer entlohnte er auch entsprechend. Wir stachen sofort in See mit Kurs auf Los Angeles. Die Stimmung an Bord war vorzüglich und das Wetter schön. Eine frische Brise wehte. Jedoch nach zehn Tagen änderte sich das Wet'er,«in heftiger Sturm brach los. Die Jacht schaukelte wie eine Nußschale und kam nur wenig vorwärts. Am dritten Tage morgens kam der Meßboy schreckensbleich die Brücke beraufgerannt und rief:„Mrs. Smith ist to!" Im Salon fanden wir Mrs. Sm th mit einer stark blutenden Kopfwunde rot ant Boden liegen. Di« Untersuchung ergab daß die Unglückliche durch die schwankenden Be- wegnngeit des Schiffes auf eine eiserne Kante gefallen war, was sofort ihren Tod herbei- gcführt haben muß«. Mr. Smith hatte durch den so überraschenden Verlust seiner geliebten Frau fast den Verstand verloren er lachte und weinte, die beiden Diamanten in der Hand, wie ich sah. Am Abend darauf erlebten wir das Furchtbare— Der Millionär hatte sich erschossen. Ein Grauen beschlich mich, als ich die Tragik«rkann'e. d:c den Tod der beiden Gatten forderte und darin die erste Auswirkung eines Fluches des T'aman- tenraubes sehen mußte. Jedoch bald vergaß ich den schreckliche:: Abschluß dieser Reise. In Los Angeles angelaugt, erhielten wir unsere Entlassung von der„Eagl«" und die Ber- tvandten des Mr. Smich teilten seinen reichen Nachlaß. Sandu engagierte ich als Diener; ich Halle kein« Ahnung, daß dieser di« beiden Diamanten au sich genommen und heimlich hei sich verborgen hatte. Ich fuhr in meine> Heimat nach Vancouver, wo ich mir eine a« der See gelegene Villa kmst« und bald meine schöne Jugendfreundin Vera helra'ete. Es folgten Monate stillen Glückes. Einen Teil meines Vermögens legte ich in einer Kau- fthukvlantage auf der Halbinsel Malakka in der Nähe KelmkanS an. Meine Frau und mein Diener Sandu begleiteten mich dorthin. Hundert« javanische und chinesisch« Kulis nannte ich meine Arbeiter, reiche englische Plantagenbesitzer und eingeborene Radjas meine Freunde. Nach vierjähriger Tätigkeit floß goldener Gewinn aus Tausenden von Kautschukbäu- men, mein Bermögen vermehrte sich zusehends. Nur noch kurze Zeit gedachte ich dort zu verweilen, meinen Besitz in die Hände eines fähigen Mannes zu legen und mit meiner Fran eine Weltreise anzutreten, di« ich. beschützt durch meinen treuen Diener Sandu, nach Vancotwer zurücksendete, wo sie mich in einem halben Jahr erwar en sollte. Ich Uttglücklicher ahnte nicht, daß ich Vera nicht mehr sehen sollte, und daß«in furchtbares Verhängnis über uns schwebte, das sich schnell an uns vollzog. Nach ungefähr drei Monaten traf aus Vancouver von Sandu ein Telegramm ein, daß mein« Frau ermordet— mein« Villa verbrannt sei. Es läßt sich nicht ausdrücken, wie mich diese Hiobspost nicderwarf. Sb, war noch nicht olles, was an diesem Tage znsammentraf. Ich hatte die Absicht, am nächsten Tage abzureisen, um baldigst nach Vancouver zu kommen. Das sich in der folgenden Nacht ereignete, ließ mich glauben, die ganze Hölle wäre auf mich losgelassen. Zwei meiner weißen Aufseher stürzten aufgeregt in mein Zintmer und schrien die Kulis vernichteu die Pflanzungen, sic wäre« in offener Empörung, sie sprechen von der Entheiliguitg einer Pagode in Burma durch mich. Sofort erkannte ich. daß die Rächer von Mandalay mir auf der Spur seien. Ein sofortiges Verlassen der Plantage in der. R ch- iung nach Kelantan. einem Keinen Haken, konnte noch unsere Rettung sein. Ein gelktt- des Schreien aus den Kehlen von 600 Kulis, das immer näher kam, drang an unser Ohr. Mein Bargeld schnell einsteckend, bestiegen wir dann mein Auto und sausten nach Kelantan. In rasendem Tempo dort eingetrossen, — 2— suchte ich meinen Freund,«inen reichen Kaufmann, auf, der mir riet, sofort Indien zu verlassen, um der Rache der Buddhisten zu eutgryen. Seine Seaelpuht bracht« mich nach Singapore, wo ich mich sofort nach Bancouver einschifft«. Meine Plantage gab ich für verloren. Ein Vermögen von 800.000 Dollar besaß ich auf einer Bank in San Francisco. Einige Tage auf See, warf mich Malariafieber nieder, Kvei Wochen big ich bewußtlos. In Bancouver angelangt, stürzte ich sofort meinem Heim zu und fand zu meinem Entsetzen nur die kahlen Ueberrrste unserer einstigen Billa. Mein« liebe Dera tot. dies konnte ich nicht fasten und fiel, von Schmerz überwältigt, aus deut Platze nieder. Das Meer rauschte irmner noch sei» altes Lied, dasselbe Meer— dieselbe Sonne, die unser Glück vor fünf Jahren beschien. Alles vorbei. Mes dabin. Sandu tauchte auf stand vor niir wie aus der Erde gewachsen und mich vom Boden aufziebend sprach er:.Herr, ein surch'bares Unglück verfolgt dich durch meine Schuld. Laß eg dir erzählen vom Anfang bis zum Ende." Wir setzte« unS auf die Klippen der Küste. Er sprach:„Deine Iran und ich kamen nach Bancouver. Einige Wochen darauf feierte ste ihren 25. Geburtstag. Ich erinnerte mich der beiden indischen Diamanten aus der Pagode Mandalays, die ich nach dem Selbstntord Mr. Smiths an mich nahm, heimlich bei mir trug und deiner Gattin als Geschenk überreichte. Sie freute stch unbändig über diese Steine und auf ihre Frage nach der Herkunft erzählte ich chr eine abenteuerliche Geschichte. Jedoch mahnte ich sie, diese Diamanten nie in der>Oeffentlichkei» ut zeigen, da sie aus einer heiligen Pagode Indiens stammen. Mein« Warnung schlug ste in den Wind, ließ stch von den beiden Diamanten eine Halskette herstellen. Ihre Freundinnen und mehrere Juweliere wur. den auf das ungew^nliche Schmuckstück aufmerksam. Die„Bancourver-RewS" brachten ein Photo der Halskette und ergingen sich in Vermutungen über die Herkunft dieser Seltenheit. Sie glaubten, du hättest die Diaman- len unten in Malakka von einem Radja erhalten. Meine Ahnung trog nicht. Buddhisten mußten auf die Diamanten aufmerklani geworden sein. DlS Unheil kam— die Rächer erschienen. Deine Frau erhielt eines Ta»:s ein Telegramm, das ste an einen bestimmten Platz bestellte. Sie fuhr mit dem Auto weg, meine Begleitung lehnte sie ob. kam aber nicht prrück. Am nächsten Tage fand man deine Fran, von un^bligen Dolchstichen durchbohrt, tot im Auto an der Küste. Di« Halskette war und blieb verschwunden. Raches darauf stand deine Billa in Flammen, wir konnten unS nur das nackte Leben reiten. Gehetz! halte ich mich in der Umgebung auf, immer die Ankunst der Schiffe aus Indien erwartend und nach dir ousspäheud. Endlich bist du zurück und findest uur dl« Trümmer wieder. Ich weiß, daß ich durch das Geschenk der Augen Buddhas an deine Frau ungewollt euer Unglück herbeiführ:«." In meiner Verzweiflung warf ich San- du, der stch nicht wehrte, in die Brandung hinab. Rian hatte eifrig nach den Tätern geforscht, die anscheinend so geheimnisvoll verschwanden, wie ste gekommen waren. Die Verbrecher und Urheber des Mordes uitd der Brandstiftung Rieben unentdeckt. Ich fuhr nach San Francisco, um einen Teil meines Kapitals mitzunehmen, da ich mich auf Reisen begeben wollte. Zn ineinem Schrecken cr- fichr ich von dem Zusammenbruch der Bank, ein Umstand, der urich vollends zum Bettler machte. Einige hundert Dollars, das Bargeld das ich vor der Flucht von i.,ciner Plantage cinstcckre. lvar mein ganzer Besitz. Vollständig gebrochen, raste ich nrit der Ca- nadian-Pacific quer durch Eanada fünf Tage nach Halifax. Vo ich schtver krank in daS Hospital eingeliefert wurde. Und ich fühle«n diesem Augenblick nur zu sehr, daß mein Ende naht." Tief bewegt hörte ich diese Lebensbcichte eines vom Glück versuchten und zu leicht befundenen, von seinem Schicksal in die Höhe getrageiieu und gleich wie durch die Macht eines Taifuns in die Tiefe gerissenen Men- schenfindes, das Walten eines unerbittlichen Geschickes und die höhere Gerechtigkeit alles Geschehens daraus erkennend. <£in genfer. Bon Maxim Gorki. Der Chef der Nishegoroder Politischen Po lizei, Greschncr, dichtete gelegentlich und s-ine Verse wurden auch in koufewatweu Zeitschriften, ich glaube in der„Riwa" und der„Rodina", abgedruckt. Ein paar Zeilen find mir im Gedächtn:S geblieben. Hinten» Ofen hervor schleicht der Jammer, Schleicht durch Fenster und Türen hinein. Ach, der preßt mir die Seele zusammen— Und doch könnt' ich nicht ohne ihn sein! Ohne ihn bin ich völlig vereinsamt. Die dir Welt ohne Menschen und Tier... Einer Dame schrieb er ein erotisches Gedicht in ihr Album: Ein kleiner Bube steht und flennt Bor eines Bürgerhauses Tor. Was kommt er so bekannt nur vor? Ich bin's ja selbst, potzsackerment! Und dann folgten allerlei Vergleiche und Anspielungen, die man unmöglich wiederholen Sann. Grejchncr wurde von dem neunzehnjährigen Alexander Nikiforw«rschosten, einem Srchn des seinerzeit in weiteren Kreisen bekannten Tol- stojaurrS Lew Nikiforow, dessen vier Söhne ein tragisches Geschick einen nach dem anderen g>n- wrgraffte. Der Aelteste war Sozialdemokrat, er brach unter den Qualen der Kerkerhaft und Be-. bannong zusammen und starb an einem Herz- leiden. Einer nahm stch das Leben durch Be-- brrnnen, indem er stch mir Petroleum Lbergiß, das er dann anzündete; der dritte vergiftete stch, Der Jüngste war Sascha, der als Mörder GrefchnerS gehenkt wurde. Er tötete ihn am hrklichtrn Tage mitten auf der Swahe, rin paar Schritt« vom Portal des Gebäude- der Politischen Polizei. Greschnrr ging, eine Dame am Ann führend, Re Straße entlang. Sascha kam hinter ihm her nnd rief laut: ^Hallich, Gendarm!" Grcschner wandte stch ans den Ruf hin um, und Nikiforows Kugeln trafen ihn ins Gesicht und in die Brust. Sascha wurde sofort ergriffen und zum Tode durch den Strang verurteil', aber keiner der im Rishegoroder Gefängnis fitzenden Schwerverbrecher war für die Uebernahme des ekebhaften Amtes eines Henkers zu haben Schließlich gelang rS dem Polizeioffizier Poiree(früher Koch beim Gouverneur Baranow, ein Schwätzer und Säufer, der stch für einen Bruder des bekannten Karikaturisten Caran d'Ach: ausgab), den Boeglfänger Grischka Merkulow zu bewegen, gegen ein Entgelt von fünfundzwanzig Rubel Sascha zn henken. Grischka war auch ein Trunkenbold. Er war, fünfunddreißig Jahre alt, lang, hager, sehnig; auf seinen Pferdekiefcrn wucherte ein Gestrüpp von dunkler Wolle, nnier stacheligen Brauen schauten träumerisch schläfrige Augen hervor. AlS er Nikiforow gehenkt hatte, kaufte er sich einen roten Schal, wickelt- sich den um seinen langen Hals mit dem großen Adamsapfel, gab da? Schnapstrinken auf und nahur die Gewohnheit an, innner besonders gefetzt und laur zu husten Seine Freunde fragten ch» wohl: „WrShalb machst dn dich eigcittlich so wichtig, Grischka?" Er erläuterte: „Man hat mir ein geheimes Amt zum Wohle des Staate» übertragen." Als er stch aber einmal verplauderte, daß er einen Menschen gehenkt hatte, zogen sich feine Freund« von chm zurück und Grischka bekam so. gar Prügel. Darauf wandte er stch an den Pri- ftaw Ketodin von der Politischen Polizei mit der Bitte um die Erlaubnis, cincn roten Kastau nnd Hosen mit roten Biesen»ragen zn dürfen. „Damit die dnmmcn Zivilpersonen sehen, wer ich bin, und eS nicht wieder wage», mich mit ihren dreckigen Psolen anzurühren, weil ich ein AuSrvtter dcS Hebels bin. Kewdin heuerte ihn noch an einigen weiteren Morden. Grischka mußte nach Moskau fahren, um da jemand zu henken, und das bestärkt« ihn endgültig in der Ueberzeugung von seiner eigenen Wichtigkeft. Rach Rishnij zurückgekehrt, erschien er aber bei Dr. Smirnow, dem bekannten Augenarzt und„Tchwarzhundertler" und klagte ihm, er, Grischka, habe in der Brust unter der Haut eilte Luftblase, die ihn in die Höhe zöge. „Sie zieht so stark nach oben, daß ich mich nur noch mir Mühe auf der Erde halte und mich innner irgendwo festhalten muß, um nicht in die Höhe zu sausen und mich lächerlich zu machen. Ich habe das, seit ich einen Ucbeltä'er aufae- hängt habe; ich bekam Jucken in der Bnrst und dann ging die Blake auf. Jetzt ist eS aber’• ich schon nicht mehr schlafen kann: es zieht mich m der Rächt dauernd hoch;»>-^ecke: ich kann uichtS dagegen tun. Ich bepacke mich mit allen meine» Kleidern, ich stopfe sogar Ziegelsteine in die Aermel und Taschen, damit ste schwerer sind— eS hilft aber alles nichts! Einen Tisch habe ich mir uial auf Brust und Bauch gelegt, die Füße au» Bett angebundcn— eS bleibt immer dasselbe, cs zieht mich eben nach oben. Ich bitte ergebenst, mir die Ham aufzuschneiden und die Lust herauszulassen, denn sonst kann ich bald überhaupt nicht mehr gehen auf der Erde." Der Dokwr ritt ihm, in die piuchiatniry? Klinik zu gehen, aber daS lehnte Grischka.zornig ab. „Es sitzt doch in der Brust und nicht in» Kopf.." Bald danach erlitt er durch einen Sturz von» Dach Verletzung«» der Wirbelsäure und d«S Schädels. Sterbend fragte er Dr. Rifont Tolga- polow: „Wird man mich mit Musik zu Grabe»rage»!?" Wenige Augenblicke vor seinem Hinichcideil murmelte er seufzend: „Da, jetzt schwebe ich in die Höhe.. — 8— Ard der Bergarbeiter. Tief unter der Erd« dröhnt das Gestein Bon»nferen Picken und Hacken. Staub schluckt der Kumpel, den Grabe»wein, Tod sitzt ihm lm schweißigen Racken. Wir schaufeln in Rächt unserer Kinder Brot— Trüb glitschrig versickert das Grubenlicht— Die Hacken stöhnen daS Lied der Rot. Die aus den knirschenden Steinen bricht.' Das Leben verströmt— in üviger Schicht, Uns ist die Sonne rin weher Tranm; Wir leben zwar, aber wir fühlen es nicht. Die Adern welken— das Herz schlägt kaum.— Die Hacken grollen—, wir hungern, ihr Hern»! Die Picken warnen— Schlagwetter droh'n, Am Boden hättet chr uns so gern. Roch spannen die Fäuste: Fluch eurer Fron!— Kurt Kaiser-Blüt h. Die Varobel von den reuten, die in unserer Stadt wohnen. Bon Safed dem Weisen. Ans dem Amerikanischen von Max Hayek. Da waren zwei Männer, die kürzlich in die Stadt kamen, in der ich wchue. Und es geschah, daß mich beide am Tage ihrer Ankunft besuchten. Denn der eine wünschte, daß ich ihm einen Schraubenzieher borge, und der andere erflebte von mir, daß ich ihm erlaube» möge, mein Telephon z» benützen. Denn er wollte dir Gasae- sellschaft und die Elektrizitätsgesellschaft und den Fleischer und den Bäcker und den Wach-riehcr anrnfen. Und die neuen Ankönimlinge erkundiaien sich beide bei mir und fragten: „Welche Art Menschen lebt in dieser Stadt und von welcher Sone sind meine Nachbarn?" Und ich fragte jeden von beiden und sagte: „Welche Arr Rachbarn hast du hinter dir gelassen? Und von welcher Sorte tvaren die Menschen deiner alten Heimatftadt?" Und der erste von ihnen antwortete und sagte' „Tic Stadl, aus der ich ka>n, ist arm. Und die Leute besitze» kaum ein Pferd. Aber sie fahren mit Bieren. Und sie gebe» mehr Geld ans als sie verdienen, und sie ünd schlechte Nachbarn uich unangcnehm. Und es gibt dort so viele Skandale, daß wir uns abseits hiek'cn wie Lot in Sodom. Denn unsere rechtschaffenen Seelen waren unruhig in uns. Und wir schüttelte» den Traub von nnseren Füßen und flohen jenes Nest und sahen nicht zurück!" Und ich sagte zu ihm:„Du wirst diese Stadt der deinigen sehr ähnlich sind:«!" Und währeich er sprach, kam der andere. Und er stellte die gleiche Frage an mich. Und ich forschte auch ihn über die Leute in seiner alten Heimatstadt aus. Und er sagte: „O, dort waren feine Leute! Und gute Nachbarn! Und es fiel»ns schwer, sie zu verlassen! Aber der Beruf rief uns her! Und io mußten wir uns von nnseren alten, liebe» Freunden trennen!" Nitd ich sagte:„Du wirst auch in dirser Stadt seine und Wie Leute finden. Es ist in Reser Trabt wie in der deinen!" ünd der erste Mann hörte«S und war entsetzt. Und er jagte: .Wahrlich, du bist ein alter Lügner' Denn du sagtest mir, daß die Leute in Reser Siadr rin Lumpenpack und eine Gaunerbande feien!" Und ich sagt« zu den beiden: .Höret mich uud bedenket, was ich sage! Denn ich habe euch beiden die Wahrheit gesagt! Es tsibt in jeder Stadl zwei Sorten von Leuten. Und es gibt in dieser Stadt so viele Arten von Menschen, wie es sie in Ojtzkofh oder in Kala- mazro oder in Pedurah oder in Benares oder Hongkong gibt. Ihr könnt hier jede Sorte finden" Mer was ich sagte, ist noch wahrer! Denn jeder Mensch wird in der Stadt Menschen von der gleichen Sone finden, der er selbst»ugehört! Möge mich der Himmel davor bewahren, eine» Nachbar zu haben, der aus emer Stadt kommt, von der er schlecht spricht! Denn daun würde sich daS Dort d-S Propheten erfüllen, der da jagt: „Und ich werde keine Gnade Wen", spricht der Herr,„sondern werde jeden in die Hand seines Rac^arn geben!" Und ich sagte zu den beiden: ,M«nn du in einer guten Stadt leben willst, sei selber gut! So wird-eine eigene Stadt zm» Teil gur sein, und du wirst das Gute darin sei» und helfen, sie besser;u machen. Die DerjUngungSkur. «rfelor mtt 99caoL Gustav Gibim, unser wissenschaftlicher Mitarbeiter für Derjüngun- gungen, schreibt uns: Herr Lader Muckerhuber. I. Tag vor der ' Operation. Unglaublich, aber wahr find die Erfolge, die ein innger Wiener Gelehrter mit einer neuen Berjün- gungSkur erzielt hat. Die Drüse wird operativ geöffnet; eine bestimmte Arterie und ein bestimmter Nerv werden bloßgelegt, mtt Phenol bepinselt nnd die Wunde wieder zugenäht. Diese Operation ist das einfachste von der Welt. Rach wenige» Tagen ist alle» wieder all right. Ja... um vieles besser! Unser nach Wien entsandter Zeichner gibt in nachstehenden zwei Zeichnungen den überzeugenden Beweis für eine wohkgrlungene Operation an Herrn Taver Muckerhuber, Bor- fitzender der christlichsozialen Gruppe im VI. Wiener Bezirk. Mchrfacher Hausbesitzer, 80 Jahre alt, verheiratet, kätholisch, nicht vorbestraft. Man beachte die Kummer- und Sorgensalten, hervorgerufen durch den Schmerz über die sozialdrmokra- tsschen Wahlersolzr, die Richlaushe- bung des Mieterschutzes usw. Man beachte ferner den Kahlkopf, das Fehlen jeglichen Haarwuchses. Man beachte das strahlende lachende Gefickt. Freude am„neuen Leben" leuchtet uns entgegen. Man beachte vor allem die Fülle kraßer Locken. Diskreterweise hat unser Zeichner die maßgebliche Stelle im Wasser unter„Deckweiß" unr angedeutet. Steinach, Boronoff find geschlagen. Ochsenhoden und Affendrüsen find seit der neuesten Derjüngungsme» thode rapid im Weltmarktpreis gefallen, werden überhaupt„nicht mehr ge» ftagt". Am meisten erfreut über die neue Kur find die österreichischen und andersstaatlichen Ochsen. Die Affen im afrikanisch: n Urwald habe» de» Entdecker der neueste» Bersüngungskur bereits einstimmig und»»ter Heller Begeisterung zum Doetor honoris eanfa ernannt. Herr Lwer«mkertzuber, 3»ach»er PhmmEur. Was mancher nicht Weitz. Sisyphusarbeit nennt man eine vergeblich« Mühe. Sffyphoi, nach der griechischen Sag« der Sohn Aiolos und Erbauer Korinths, war ein so verschlagener Mensch, daß er nach seinem Tode wegen sein«'' Schlechtigkeiten in der"n- trrwelt zur Strafe einen schweren Felsblock ans den Gipfel eines steil«n Berge« wälzen muhte, von dem dieser aber iimner wieder herabrollte. Der groß« Tasche ukrebs, dessen Fleisch sehr wohlschmeckend ist, wird häufig auf felstgen Gründen der Nordsee ongetroffen. Sein Gewicht beträgt oft sieben Kilogramm, seine Breite zirka dreißig Zentimeter. Japan wird von jeher durch Erdbeben heimgesucht. So hat man mit Hilfe von bis 1500 Jahre zurückreichenden Quellenschriften über 1900 Erdbeben in dieser Zeit festgcstellt, wovon 222 Beben furchtbar« Katastrophen zur Folge hatten. Kinderlose Frauen könne» umgetauscht wetten— bei den Baniu-Rcgcrn. Dort kann «in Ehemann seine kinderlose Fran gegen die Schtvelter umtauschen. Basrliu wird auS Destillationsrückständen d«S amerikanischen Petroleums herarstcllt. Lanolin, gewinnt man au« Wollt ckweiß der Schafe. Dieter Rohstoff wird beim Waschen in den Wr.il» Wäschereien erkalten Der kletternde Fisch. Bommi genannt, ist «in amerikanischer Fisch Diele Art Fische kann infolge ihrer eigentümlichen Aftnungsorganc stundenlang außerhalb des Wassers leben. Er verläßt oft sein nasieS Element, um sich auf Bäumen Insekten zu fangen. Japanische Mädchen find während des Wachstums im allgemeinen größer als gleich, altrige Knaben. Mantrn-6|>mter. Aus Mark Twains Büchern. „Oft scheint«S jammerschade, daß Noah und feine Gesellschaft die Arche nicht verfehlt haben." '„Trainieren ist etwas. Die Aprikose war einmal eine bittre Mandel; Blumrnkoh! ist nichts als Kohl mit Universirätsbildung." „Gut sein, ist«del, aber andern zu zeigen, wie man gut ist, ist edler und«ich, anstrengend." „Der Mensch ist daS einzige Tier, das errötet oder doch erröten sollte." „Gründe haben keine Aussicht versteinerter Gewohnheit gegenüber; sie gleiten daran ab wie Wellen an einem Felsen." „Sei unordentlich in deiner Kleidung, wenn's nicht anders geht, aber bewahre eine reine Seele." ,^Wir haben ein Geschorenensystem bei Gericht, das jedem in der Welt überlegen ist; sein« Wirksamkeit wird nur durch die Schwierigkeit gehemmt, jeden Tag 12 Männer zu finden, die nichts wissen und nicht lesen können." „Wenn du in feiner Gesellschaft bist oder bei einem Begräbnis oder zu schlafen versuchst, wenn du nicht einschlafen kannst— wenn du irgendwo bist, wo du dich nicht kratzen darfst, dann wird eS dich überall an tausend Stellen jucken" „Sobald der literarische Deutsche in eine schöne Phrase«intaucht, dann ist dar daS Letzte, wnö du von ihm sehen wirst, bis er an der an- deren Seite de» Atlantik mit feine» Wo« in feine» Mnndck austaucht." einerlei Karrsrezepte I ftleine Ratfchlöge. Bon Erna Bach. Hühnerangen erweicht man am besten in folgender Weise: Man macht ein Stückchen Weißbrot in Essig weich und legt cs ans daS Hühnerauge darüber einen Verband aus einfachem Berbandsstoff oder Scide Man läßt den Umschlag zwölf Stunden und kann dann>as erweichte Hühnerauge ziemlich leicht entfernen. Ein glänzender Rockkragen wird von dem Fettglan; am besten durch«inen in Essig getauchten Lappen gereinigt. Schwedische Handschuhe reinigt man durch Abreiben mit einem in Weizenmehl gctauryrcn Flanelltuch. Man läßt das Mehl einige Minu len auf den Handschuhen una entfernt cs dann mit einer reinen, weichen Bürste. Dir Hand schuhe muß man bei der Reinigung anziehen. Samt reinigt man mit eincul Tuch, daS in Magnesiumpulvcr getaucht wird. Um Eisenroftsleckeu auS Zeug zu entfernen, löst man einen Teelöffel einfaches Salz in einem Eßlöffel Zitronensaft auf. Tann streckt man daS Tuch über ein Becken mit kochendem Waffer ins. so daß es dauernd von den Waffe:dämpfen getroffen wird, und reibt mit der Äsung den betreffenden Rostfleck bis er verschwindet. «BerleL Der älteste Wage» in Mesopotamien. Die Ausgrabungen zu Kisch in Mesopotamien, di« von einer Expedition der Universitär Oxford durchgeführi werden, sind bis jetzt zu einer Tiefe von 43 Fuß unter dem Gipfel des Ruinenhügcls geführt worden, und der inl«r«ffanleste Gegenstand, den man bei diesen Grabungen entdeckt«, waren zwei Wagenräder, die mit Gefäßen aus Kupfer. Stein und Ton dir Beigabe« eines Grabes bildeten. Die Räder, die auS der Zeit um 3200 v. Ehr. stammen, sind die ersten dieser An. die man in Mesopotamien gefunden har; es sind hölzerne Scheiben von zwei Fuß Durchmesser. die mit zwei Zoll starken Bändern umgeben und mit kupfernen Rägcln besrymgen sind. Die Weite zwischen den Rädern war vier Fuß und sechs Zoll Die Entdeckung, die viele wissenschaftliche Fragen aufwirft, hat seine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit unserer Kenntnis der sumerffchen Kultur. Ein dreiängigeS BorwelluugrHeuer. DaS Skelett eines dreiäugigen Plesiosaurus, eines vorgeschichtlichen Ungeheuers, das vor einer oder zwei Millionen Jahren lebte, rst vor kur» zem in einem Steinbrnch zu Harbnry in England gefunden worden. Das Tkelcit. daS jetzt im Londoner Raturgeschichtlichrn Museum ausgestellt wird, ist von Prof. W E. Swinton wiffewchaftlich untersucht worden. Die besondere Seltenheit dieses FoffilS liegt darin, daß der Kopf noch erhalten ist Der Kopf ist dreieckig und hat an der Spitze des Schädels ein drittes Auge. Alle Zähne sind noch in den Kiefern. Die Läng« des Skeletts beträgt 16 Fuß. T«r Plesiosaurus gehört zu der Echienfamilie und lebte wie ein Fisch; er batte einen langen Hals, kurzen Schwanz und vier Floffen. Tas Foffil muß zu einer Zeit gelebt haben, als England noch vom Meer überflutet war oder vielleicht sein Mittelpunkt eine Küste bildete, auf die das Reptil binauskroch, um zu sterben. Friedhöfe von Tiere« der Urzeit. An der Küste von Elgin wurde unlängst der Kopf mW der Rückenwirbel einer UrwrlNiereS angespült. daS man bisher noch nicht hat identifizieren können. Dieser Borgang lenkt di« Aufmerksamkeit auf einen wenig bekannten Fundort' der« artiger Ueberrcste. Es sind die als Silver Pi:S bekannten Höhlen und Unterwaffcrkanäle, di« sich fünfzehn Meilen östlich Grimsby hinzich.n. Diese Höhlen sind voll von derartigen lieber» rcsten von Höhlenbären, Bffons, Elchen. Rhino» zerossen und Mammuths, die oftmals von den Fischern bei ihrer Tätigkeit mit beraufgczog-m oder angespült werden. Diese Foffilien-Funde sind so häufig, daß sie die Fischer dazu verwenden. nm sich chre Fel'engärten damit zu rcrzir- ren. Das Borkominen von derariige» Ucber» rcsten in so großen Mengen'n diesen Höhl->r wird damit erklärt, daß dort früher die Landverbindung Englands mit dem Kontinent ne» stand, die dann später durch elementare Ercig- niffc unterbrochen wurde Bei der Richtfeirr eines Hauses haft der Maurerpolier folgende Ansprache an die versammelten Arbeiter:„Schn Se, meine Herren, bei so eenem jroßen Bau sind dreierlei Sorten Menschen beschäftigt! Da iS zuerst eener, der versteht et. aber er kann et nich— bet ts der Herr Baumeister; dann sind eene janzr Menge, die können et, aber sie verstehen er nick der seid ihr. die Arbeeter; un schiftßlich jib: er noch eenen, der versteht et und kann et ooch— det bin ick der Herr Maurerpolier. * Di« Uhr.„Ich möchte nur wiffen, waS mit meiner Uhr los ist", sagte der Barer ärgerlich. „Ich glaube, sie muß xcreinixr werden."— „Rein, Papa", anrworiere sein kleiner Sohn, „sie ist ganz rein. Ich habe sie gestern mir in die Badewanne genommen und hab sie gewaschen." * Zweifel.„Du willst die Mary rariächlich heiraten?"—„Warum nicht? In der Großstadt ausgewachsen, ist ibre Tugend trotzdem we g wie Schnee.."—„Hasten dir schon mal den Schnee in der Großstadt angesehen?" * Beim Arzt.„Sie harren gestern abend Fieber. Haben Sic mit den Zähnen geklappert?"— „Ich weiß nicht... mein Gebiß lag im Doffer!" Verständnisinnig.„Sie muffen wiffen, daß ich rin Mann von wenigen Worten bin," sag:« der Herr im Frisrnrladen, um den Wortschwall des Figaro abzuwenden. Ich verstehe, mein Herr," antwortete dieser höflich:„Ick bin auch verheiratet." * Beim Antritt. Anton, ich werde Sie Jean nennen.„Schön, gnä' Herr! Aber wie'oll ich den Herrn nennen?"—„Idio:!"— Gut, gnä' Herr. 1 —•-—| Zahlenrätsel. 1284546789741 10 Gewerkschaftsforderung. 2 1 7 7 9 5 Badeort, 3 6 7 8 EÜngc» tier, 4 1 7 4 9 Verwandte. 5 1 3 7 9 Milchprodukt. 4 1 6 7 6 5 Deutsches Gebftgc, 6 113 Amerikanischer Staat. 7 1 2 3 4 Tageszeit, 8 9 10 9 7 Waffe. 9 5 16 Biblischer Name, 7 1 7 5 9 7 NordPolfabrer, 1 1 7 7 9 Baum, 12 3 14 Halbedelstein, 10 1 4 4 9 Level»» geführte.