9lr. 15 rrnterhattunasvettage. 192«. ('Zeit: 5 Uhr nachmittags. Ort: di« äußere Ringstraße, wo jetzt vor den Geschäftsläden die großen elektrischen Lainpcn nacheinander anfslammcii. Personen: zn>ei ganz kleine Buben. Ter eine ist reich, der andere arm. Der reiche Knabe trägt eine Sealskinmütze und gestrickte Handschuhe, der arme Knabe hat ein Tuch um den Hals gebunden und zerrissene alte Schuhes Ter reiche Knabe: Ich habe dich deshalb ange'proche», weil ich sehe, daß du arm bist. Ter Arme: Und was willst du von mir? Der Reiche: Ich habe ein gutes Herz, und ich tvill dir helfe», denn mein Pater sagt immer, mau müsse den Armen helfen. Ich weiß aber nicht, tvas den Armen fohlt. Wenn ich wüßte, tvas ihnen fehlt, könnte ich ihnen leichter helfen. Ter Arme: Ja, ich bin ein sehr armer Bub. Ich bin der ärmste Bltb der Müllncr- gaffe. Ter Reiche: Laß mal sehen. Du hast kein Geld? Ter Arme: O, doch. Soeben habe ich die letzte Zeitung verkanst, und ich habe sechzig Heller. Ter Reiche: Ich habe bloß vier Heller, denn so viel bekomme ich, wenn ich von zu Hanse sortgche, damit ich Geld bei mir habe, tvenn ich einen Bettler treffe. Ter Arme: Ich habe sechzig Heller, und ich branche davon gar nichts-em Bettler zu geben. Wenn ich einem Bettler etwas gäbe, würde mich mein Pater ohrfeigen. Der Reiche: Bisher hat noch jedes arme .Kind, das ich getroffen habe, mehr Geld gebäht als ich. Tann liegt alfo nicht darin die Armut. Ich werde fragen, rind du wirst mir antworten. Gut? Ter Arme: Gut. Ter Reiche: Hast du vielleicht eine böse Stiefnuitter? Ter Arme: Rein. Ich habe aber zwei Mütter. Die eine ist meine wirkliche Mutter, die andere gehört bloß zum gemeinsamen Haushalt. Man verspottet auch immer meinen Baier, daß er mit zwei Frauen lebt. Aber auch die andere ist eine Bertvandie von uns. Der Reiche: Sie sorgen also für dich? Der Arme: Ja. Ter Reiche: Ich werde jetzt weiter fragen: Bekommen die armen Kinder nichts zu essen? Armut. Von Kranz INoknar. Der Arme: Und ob, nur daß sie kein roavmes Fleisch essen und auch kein Gemüse, sondern nur Brot und Speck. Der Reiche: Was? Du brauchst kein Fleisch zu essen? Du brauchst kein Gcmüst zu essen? Wie gut du cs hast! Und du darfst Speck essen? Wetten wir, du hast auch irtzt ein Stück Speck bei dir.(Er blickt verlangend auf die Tasche des aruren Knabe».) Der Arme: Das will ich meinen! Ich geb dir aber nichts davon. Ter Reiche: Wie gut du cS hast! Ich muß von allem den Armen geben. Mein Gott, Ivie gut ihr es habt. (Sie gehen still nebeneinander her.) Der Reiche: Ich werde dich wieder fragen. Man sagt, daß die Armen Kälte leiden» daß ssc frieren und zitier«. Frierst du nicht? Der Arme: Ich friere nicht, weil ich das Tuch meiner Großmutter nm den Hals gebunden habe. Der Reiche: Ich habe einen Kragen, und der Wind bläst mir immer in die Kehle. Ter Arnie: Wie bläst er dir denn in die Kehle? Der Reiche: Er bläst von oben hinein. Tas müßtest du wissen, du hast doch eine Kehle. Weißt du nicht, was die Kehle ist? Tas ist der Stein, den der Mensch im Halse hat, hier vorne. Wenn du an deinen Hals greisst, wirst du fühle», daß sich in ihn» dorne ein Stein befindet. Oder ein Stück Eisen. Oder ich weiß nicht, was... kurz, irgcnd- ctivas-Hartes. Das ist die Kehle. Und in die bläst der Wind hinein. Und das ist unangenehm, aber nur siir mich ist cs unangenehm, weil ich einen solchen Kragen trage. Für dich ist cs nicht unangenehm, tvcil du ein Tuch hast. Und jetzt sehe ich schon, daß ihr es gar nicht, so schlecht habt. Wir Reichen haben es viel schlechter. Der Arnie: Gar nicht schlechter. Der Reiche: Biel fchlechier. Der Arme: Rein. Der Reiche: Ja. (Sie schlendern weiter. Der Reiche denkt angestrengt nach.) Der Reiche(für sich): Vielleicht liegt es an der Religion. Der Anne: Was sagst du? Der Reiche: Hast du eine Religion? Der Arme: Ja, Dienstag und Freitag von drei bis vier. Der Reiche: Auch ich habe zu dieser Zeit Religion. Dan» hast du ja dieselbe Konfes. sion wie ich. Denn hättest du ein« andere Konfession, r mindest du Mitttvoch von vi«r bis fünf Religion haben. Der Arme: Ich habe aber Dienstag von drei bis vier. Der Reiche: Das ist die römisch, katholische Religion. Der Arn«: Ja. Der Reiche: Dann ist also auch das aan» gleich. (Sie gehen tveitcr.) Der Reiche: Jetzt weiß ich aber schon wirklich nicht. Wenn du krank bist, mußt du da im Bott bleiben? Der Arine: Nein. Der Reiche: Warum nicht? Ter Arme: Weil ich gar kein Bett habe. Ter Reiche: Wo schläfst du denn? Ter Arme: Im Winkel liegt eine Decke, auf der liegen noch ein paar Decken, dann einige Fetzen, dann ein Polster und noch eine Tecke. Das ist kein Bett, sondern«in Lager. Ter Reiche: Ein Lager! Was für einen schönen Namen es hat. Lager! Lager! Lager! Der Arme: Jawohl, ein Lager. Der Reiche: Und du darfst darauf schlafen. Ich habe mir cinnial ein solches mit meinem Bruder zusammcngcstellt, und wir haben sehr lange gebeten, Mama möge uns ertauben, darauf zu schlafen, sie hat es aber nicht erlaubt. Und einmal dann, als Papa und Mama im Thea'er waren, baden wir uns so cm Lager aus Plaids und Decken gemacht und haben dort bis zehn Uhr geschla- jen, dann kamen sie aber nach Hause, wir wurden bestraft und ins Bcii gejagt. Wie gut tvar das aber. Der Arme: Man hat euch bestraft, geschlagen? Ter Reiche: Nein. Bei»ns wird man nicht geschlagen. Ter Arme: Was wird denn gemacht? Ter Reich«: Ich mußte hundertmal den Satz niederschreiben: ,/einder haben de» Nachts im Bett zu sein." Der Arme: Und das ist doch gar nicht wahr. Der Reiche: Wirst du denn nicht mich so bestraft? Der Arm«: Nem. Ich bekomm« vom Barer eine Ohrfeige, dann kann ich spielen gehen. Der Reiche: O, mein Papa ist viel grausamer. Ich muß immer solche Strafarbeiten schreiben. Der Arm«: Dar mutz ja schrecklich sein. (Ne schlendern dahin.) Der Reiche: Nun, ich gehe jetzt nach Hause. Ich habe dich ganz umsonst angesprochen, beim ich habe von dir gar nichts erfahren. Wie soll ich dir hellen, wenn ich eß viel schlechter habe als du. Du hast«8 Vie! besser als ich. Ich würde alles tafüt hingeben, um arm Hl sein.(Seine Augen wuchten auf.) Das mutz ja herrlich stin! Der Arme(stoh): O ja! O ja! Der Reiche(betrachtet ihn neidisch): Wohin gehst du jetzt? Der Arme: Herumstreichen. Der Reiche(säst weinerlich): Ach... ach... wie Mit... Der Anne: Also, auf Wiederschn! Der Reiche: Auf Wiedersehn! Der Arme che^ht ihm eins auf den Rücken und sagt):«Per! (Sie stürmen dahin. Der Arm««nnt schnurstracks in den grötzten Kot hinein. Der Reiche, der ihn fast schon eingeholt hat, bleibt am Rande der Lache stehen. Der Anne steht inmitten der Lache RS an die Knöchel im schwarzen Schlamm und grinst ihm von dort zu.) Der Reiche: Sogar in den Dreck darf er hinein... und die grötzten Schweinereien darf er sagen... uns...(In bitterliche« Weinen auSbrcchend, geht er langsam nach Harkst.) aiii mit einem stchsläuftzen Revolver, mit dem ich zogen bei lag Illld runde hatte sich die Lage verändert! Krvuzpurckt der zu. Als sie nach Peking zurückkehrten, war das letzte Band, das uns mit der Autzentvelt verknüpfte, ans viele Rionate zerschnitten. Ein paar Tage nach chrer Abreist lich in das Titanenlagrr „Bergwasserbrunnen". „Titanciilagcr: liegt Hölle mit dem Weg nach Tair Usu. Ei» Friedas von Tiianocherien, Nashörnern und neuen Tieren. Mit neuenr Sand überlagert." So lautet die Eintragung in meinem Tagebuch, als wir dort einlvofcn. Als ich am nächsten Nachmittag die Ausgrabungen besichtigte,>var der steife Wind, der den ganzen Morgen geweht halte, zu einem regelrechten Sturm angeschwollen. Der Talkessel schien;n rauchen wie der Krater eines Bullaus. Gelbe Lößwolken wirbelten vom Boden hoch über die Ebene dahin. Bon Norden her kam eine unheiljchwangcre brann- gelbe Wollcnwand auf Sturmes Fittichen herangebranst. - Ich rannte ins Tal, um die Kameraden zurückzurustn; aber fast im selbe» Augenblick beschossen tausend henlcnde Stnrmteustl mein Gesicht mit Sand und Kies. Atinen war schwer, Sehen turmöglich. Ich stolperte über den Rand des Kessels zurück in die Ebene und versuchte, querfeldein das Lager zu erreichen. Es kanr mir vor, als ziväugrc ich mich in eine gespenstische gelbe Mauer hinein, die nachgab und sich hinter mir schloß, wenn ich ein Stück wcitergekom- men war. Richt einmal der Boden unter den Füßen war zu sehen. In wenige» Augenblicken merkte ich, daß ich weit nach Osten von den Zelten weggeriffen wurde. Mir blieb lveiter nichts übrig, als runztldrehen rmd dem Wind ent- gcgenzugchen, bis ich wieder den Rand des Tals gefunden harte, an dem entlang ich dann bis zu dem Graben hinter deut Lager kriechen wollt«. Den Kopf völlig in den Mantel gehüllt, kämpfte ich mich gegen die Sand- und Kies- sawen vor. Rach vielleicht zehn Minu- vielleicht aber auch einer halben Stunde, stolperte ich in«in« Bodenwelle. Da ich mm, gegen den Wind geduckt, versuchte»achzudenken. Plötzlich ragten sich diurlle Gestalten in dem Rauch neben mir. Ich streckte den Arni ans und packte ein Bein. Es war unser Mongole, Zerin; bei ihnr lag Peter Kaison. Wir hielten einer dem andern den Mund mr die Ohren und berieten, lvas zu tun sei. Zerin glaubte, die Zelte stirn unmittelbar südlich von ,ms; Peter und ich hatten keine Ahmmg, wo sie sein mochten. Ich beschloß, dem Gestühl des Eingeborenen zn vertrau«». So lasteten wir uns, eng umschlungen, durch die Finsternis. Schließlich stolperten wir über etlvas Schwarzes. ES war das Kochzelt, das noch Sturm in ver Wüste Govt. Bon Rotz Ehapman Andrews. „Ter Mensch gleiche einem Halm im Wüstensturm" sagt«in orientalisches Sprichwort. So recht klar, wir der Sohn des OstenS auf dieses Wort gekommen ist, - wird einem erst, wenn uian Beschreibungen über die unheimliche Gawalt eines echten Wüstenwindes liest. Vorbildlich in der Wucht der Sprache ist die folgende Schilderung, die der durch seine Entdeckung von Din osaurierriern tveltbekannt gewordene amerikanische Forscher Roy Ehapman Andrews in feinem abentruerlich-romantischen Buch„Auf der Fährte des Urmenschen. Abenteuer und Entdeckungen dreier Expeditionen in die mongolische Wüste".(Mit 3s Abbildungen mid 2 Karten. Mk. 11.50. Brockhaus) gibt. Sie dürfte unsere Leser gerade jetzt, in einer Jahreszeir, die auch unsere Heimat nicht selten mit Uiüvetteni heinisnchr, interessieren. In unstrem Expeditionslager stellte sich her- ir..I...7—,_.L 7—" aus, daß wir frische Lebensmittelvorräte brauch-1 dicht über ihre Köpf« schoß, und in viner Seien. Bance Johnson und ich fuhren deshalb in zwei Wagen nach Kalgan. Unterwegs hatte ich ein köstliches Erlebnis mir Räubern. Ich war Johnson säst zwe merer voraus, als wir an di« kamen, wo vor ein paar Wochen di« beiden russischen Wagen ausgeraubt worden waren. Als ich den Ort er kannte, dachte ich bei mir:„Ich möchte doch wissen, ob die Räuber auch mich hier anhalten würden." Fast im selben Augenblick sah ich, wie cs aus einem Flintenlaus ans dem Gipfel eines Hn- gels in 300 Merer Entfernung auf blitzte. Kopf und Schultern eines ein zelnen Berittenen zeichneten sich gerade vom Hiuunel ab. In der Alongolei und in China haben nur zwei Klassen von Eingeborenen neuzeiilichc Gewehre— Räuber und Soldaten. Ter Reiter auf der Bergcshöhe war zweifellos rin Posten, der feinen Spießgesellen unten im Tal ein Zeichen gab. Ich wollt« ihn gern da weg haben, wer er auch sein mochte; daher zog ich den Revolver und stuerie zweimal. Die Kugeln müssen ihm doch etwas zu ungemütlich um die Ohne» gepfiffen haben, wenn ich ihn auch gar nicht zu treffen suchte; er ver schwand auf der Stelle. Als der Wagen«inen Augenblick später das Tatzehänge erklommen hatte, sah ich unten drei berittene Räuber. Es wäre unmöglich gewest«, den Wagen hcrumznwerfen und zu flüchte«, ohne aus der Nähe beschossen zu werden. Run wußte ich, daß«in mongolisches Pferd vor einem an stürmenden Kraftwagen nicht stondhalten kann, «Nb beschloß daher, zum Angriff überzugehen. Die Auspusfklappc war offen, und so rattert« ich auf glatter Bahn mit 65 Kilometer Ge schwindigkeit die Böschung hinunter. Was ich erwartete, geschah? Während die Räuber krampf haft versuchten, ihr« Gewehr« vom Rücken her- imterzureißen, begannen ihre Pferde herum zu hopstn und zu springen, wie wll zu bocken und sich zu bäumen, daß fich dst Retter kaum im.,_ Satrel halten konnten. Ich eröffnete das Feuer> den der Versteinerungen mit Familienleben der Landdrachen aus den Krekdeschlchtrn von Irendabasu ln der Gabt 2m Hintergrund von Schreckenszähnen» angegriffene Lepuan- rähner. Im Vordergrund Straußendlnosaurlrr, die in rolldcr panik flüchten. Die Skelette dieser Tiere wurden von dm Andrews-Erprdlttonen entdeckt Aus Roy EhapmanAndrews: Auf der Fährte des Urmenschen. Abenteuer und Entdeckungen dreier Espedttlonen ln dlr mongolische Wüste. F. A. Brockhaus der harren nur noch den einen Wunsch, sich dünn, len, zu machen. Als ich sie zuletzt sah, brachen sie auf der andern Seit« des Tals alle Schnelligkeüs- rekorde. Ich hätte sic mühelos sämtlich niederknallen können; aber das lag natürlich durchaus nicht in meiner Absicht; es genügte mir, ihnen einen Heidenschrecken eingejagt zu haben. Als wir ins Lager zurückkehrten, bracht« ich Oberst H. Dnnlap, den Kommandanten der Marineabtellung der Bereinigten Staaten bei der amerikanischen Gesandtschaft in Peking, mit sowie Obcrstlentnani Seth Williams. Sie blieben ein« Woche bei uns. Jedem von uns wird der Verkehr mir diesen prächiigen Menschen in angenehmer Erinnerung sein. Sie schossen Antilopen und Sandhühner und sahen dem AuSgra I reger Teilnahme — 3— stand, aber bei jedem Windstoß in Gefahr schwebte, in Fetzen gerissen zu werben. Das Messezelt war dicht daneben. Mr tappten hinein und legten uns ans den Boden, das Gesicht in nass« Tücher gehüllt; nur so war es möglich, zu atme». Nacheinander kamen die Leute keuchend im Lager an; nur Walter Granger blieb aus. Wir konnten ihn unmöglich suchen; ich macht« mir aber weiter kein« Sorge, da Granger schon manchmal bewiesen hatte, daß er selbst für flch sorgen kann. Doch unser chinesischer Diener „Rehposten", der Granger förmlich anbetete, war so außer sich vor Angst, daß er, wenn ich ihm wanken. DaS breit« Grinsen auf dem wüstenfar- benrn Gesicht vrrri« Walter Granger. Als der Sturm kosbrach, hatte er stch jtr einem teilweise auSgeräumten TitanothertumschädÄ hingetastet, um die Stell« zu bezeichnen, damit sie in d«n Flugsand nicht verlorenging. Er hatte sie auch erreicht, aber nicht werterkommen können und stch daher in das Loch geduckt, das Geficht in den Mantel gehüllt. Er war bis auf den Kopf vollständig verschüttet worden und nahezu erstickt. Wir begannen, die Zelt auszubuddeln und den Sand auS Kleidern und Betten zu schütten. Die halbe Düste Gobi schien in unfern Sachen ;u stecken. Der Sand war in die dichtesten Beten, was«iS erwartete, wem» sie das Lag« traf. Ich rief alle Mann zusammen, die Zcklt* böden zu beschwer«» und die Pflöcke rinzuram» men. Zornesflüche würben mm allen Seiten laut, weil wir gerade so schön sauber waren und ganz genau wußten, wie schmutzig wir in eine« Augmiblick wieder sein würden. Der Anprall erfolgte mit getrxcktigem Krach und einem Kieshagel, der aufschlug wie Schrapnellfeuer. Fünf Minuten lang umwiviMe die Sandhose das Lager und versuchte, die Zelte und alle unsere Sachen in den Strudel über uns hochzusaugen. Doch sie wurde an alle» Punkte» abgeschlagen und tanzte nun über die Wben« da* Kamrlkarawane steigt eine Düne hinab Aus Roy Ehapman Andrews: Auf der Fährte des Urmenschen. Abenteuer und Entdeckungen dreier Erpedttkonrn in dir mongolische Wüst« F. A. Brockhaus. nicht verboten hält«, das Lager zu verlassen, in seiner Verzweiflung in den Sandsturm hinaus- gcrannt wäre, um seinen Herrn zu suchen. Wir waren ganz hilflos. Albert Johnson meinte, wir müßten es eben herunlerschiucken; und wir schluckten es, so gut ein jeder konnte. Der Sturm dauerte eine ganze Stunde und setzt« dann plötzlich aus. so daß völlige Windstille herrschte. Kein Hauch regte die Flagge, die schlaff über meinem Zeit hing, fast zu Streifen zerschlissen. Die Stille wirkte nach dem Heulen und Brausen des Sturmes geradezu unheimlich. Gerade als wir aus dem Mejsezelt krochen, hörten wir„Rehposten" ein Freudengehcul aus« stoßen und sahen«ine braune Gestalt ins Lager Hölter eingeörungen. Die Kameras, Gewehr«, Pistolen itnd Ferngläser harten am meisten gelitten; denn selbst die doppelten Bezüge hatten fie nicht remhalten können. Dir arbeiteten zwei volle Snlnden, nm alles„onszuschaufeln". Ich schickte einen Wagen an den l'/i Kilometer entfernten„Lergwasserbrunnen", und jeder nahm rin Bad und zog saubere Kleider an. Wir fühl- ten mis wieder als Menschen. Aber als das Abendessen aufgetrag.n wurde, schauie einer von uns nach Norden und stieß «inen Schreckensruf aus. Da war st« schon wieder — dieselbe bramrgelbe Wolke! Diesmal lief rhr eure riesige Windhose voraus, die wild über die Ebene tanzte- Sie kam auf uns zu und wir wuß- hin und verschwand kurz darauf in der Ferne. Granger und ich harten unser Zeki zusammen niedergehalten. In der Ruhe nach dem ersten Anprall sahen wir einander an und brache» in Lachen aus..himmlische Güte! Bin ich ebenso dreckig wie Sie?" fragte er. Aber als«r stch selbst im Spiegel gesehen hatte, brummte er vrr- ärgert:„Jetzt habe ich aber genug. Die Mongolen haben die Sache erfaßt; ich bade auch nichr mehr. Wozu denn? Ich gehe zu Bett." Er hatte recht; denn der Wind sprang wieder auf lmd entwickelte sich vor Ablauf einer Stunde zu einem neuen wütenden Sturm. Zehn Tage lang heul:.- er unablässig; die Windstille dauerte nie so lange, daß sich ein Reinemachen derlohicke. Die Löwenbändigerin. Bon Wilhelm Groß. Während der drei Jahre, die sie gemeinsam bei demselben Zirkus verbracht hatten, war sie ihm stets wie ein unerreichbares Wesen vorgc komme». Abend für Aberrd stand er an der Barriere d«r Manege und betrachtete sie bewundernd, tvährend sic in dem großen Käsig mit den sechs Löwon„arbeitete" nein nicht mii den sechs— aber mit Felix. Die fünf andern Warrn nur solche mirkrüg«, vertrottelte Unglückstiere, gewissermaßen Löwen ehrenhalber... aber Fe- Irr Ivar das RaiÄtier von Profefsion, mit allen Eigrnsckmsteii der Kaste, dir hinter einer ganz dünnen Verschalung von Dressur und Furcht lauert» nur sie hielt diese Furcht iu ihrer kleinen Hand. Tas nmchie sie so groß in seinen Augen— so unendlich unnahbar und unerrrichbar, daß er cs mir wagte, sie zu bewundern...- Was!var er selbst denn? Ein Gaukler. Rur ein Narr. Wenn er mit seinem schiesen, einstn diort krampfhaften Lächeln in-re Manege trat, lmr die Pansen ausznfüllen, jubelten di« Kinder über seine Albernheiten und feine Fratzen, tourend er die Seele voller Qual hatte, und die Erwachsenen nachsichtig lächelten, wie man es einem geistig Unterlegenen gegenüber zu tun pslrgt— aber Bewunderung— die empfand niemand für ihn. Er wußte das alles sehr gut. Aber Sucre wurde bewundert und er war ihr Sklave, der ihr jeden Wunsch an den Augen ad- las, der sich aber selbst nie erdreistete zu wünschen... Sic war unerreichbar. Eines Sonntags nachmittags hatten die Artisten einige Stunden Freizeit.„Komm Josef, wir gehen«in wenig in den Wald", lachte sie und faßte ihn unter. Es war sicher uichts anderes als eine Lü.ne, daß sie ausgerechnet mit ihm in den Wald gehen wollte— aber— ihm schwindelte vor Glück. Bal- lagen sie auf einem kleinen Abhang, umgeben von grüngoldenem Licht und geheimnisvoll summender Stille. Er lag auf-cm Rücken uitd lauschte, ihre» ruhigen Atemzügen so nahe, so nahe,— 4— und ihre Hand lag dichr»eben der seinen. Er wagte aber nicht, danach zu greifen. Man kann sein Geschick nicht zwingen— kann es vielleicht narren— aber mrr für Augenblicke, aber nachher— waS dann? Die Stille summt« werter ihre eigene oiu- fchläferudc Melodie. Rein, er wollte kein Dummkopf sein. ,Losef!— Ach— mein Gott!— Hilfe!! — Hilfe!!" Sie Ivars sich ihm an die Brich. Mir einem katzenhaften Spvung stand er plötzlich mit ihr in feinen Armen auf. Dieser Augenblick halte ihn zum Mann gc- niacht, zu einem Mann, der sein Weib verteidigt. Seine Brust schwoll. Seine Muskeln spannten sich. Zeder Nerv seines Körpers cr- zitterre gegen den Feind, der ihn seines Besitzes zu berauben drohte. Soin linker Arm umschlang Lncic, und sein rechter hatte sich zum Schlag erhoben— und' da sah er— indem er ihrem Blick folgte— und wie ein Blitz fuhr er binah— und schleuderte den Feind ins mche liegende Gestrüpp... Da" wich die Angst von chr, Bewunderung — Stotz leuchteten ans ihren Augen. „Ta du wagtest, es zu tun— flötete sie glückselig—„du mein Ach ich habe ja eine so maßlose Furcht vor— Ringelnattern." Man lernt nie aus. Er gab in frieren Zeiten eine Art Rcgen- schillne, aber sie waren schwerfällig und schr selten. Erst seit dem Anfang des Iß. Jahrhunderts kamen sie allgemeiner in Gebrauch. Mertwür- digcrwersc legt« man damals besonderen Derr aus kosrbarc Ausstattung des Griffes, des Ueber- zugs nsw. Auch mit dem Sonnenschirm ging cs so. Unter dem zweiten Kaiserreich gab es in Frankreich Sonnenschirure, die nicht größer waren als die damals beliebten italienischen Strohhüte und deren Triel man zudem znsam- mcntlappen konnte. Die Verbesserung in der technischen Herstellung der Schirme erfolgte erst, als der Gebrauch allgemein wurde. Während früher jeder Teil einzeln in einer kleinen Fabrik hergqtcllt wurde, erfolgt jetzt die ganze Fertig- stelluug serienweise in großen Fabriken, die täglich 2000 und mehr Schirme fix und fertig liesenr. * Der Bodensee dürste durch die Ablagerungen des Rheins in etwa 12.000 Jahren auSgcfülli sein. * Ein kleiner Käfer, der Halriva atropae, näürt sich ausschließlich von der sehr giftigen Tollkirsche. $ Ein einziger Kolben der Oelpflanzr bat etwa .200.000 Blüten. * Im Amazoncnstrom icbt ein Fisch, Bo:o genannt, der außerordentlich stark atmet und im Schlafe sogar schnarcht. In den Jahren 1905 bis 1921 stellte das LÄvell-Observarorium in Floqswff(Arizona), das sich hauptsächlich mit der Erforschung des Mars beschäftigt, mit dem 24zölligen Jnstrumeni allem vom Mars 100.000 photographisch« Aufnahmen her. Die Gesamtzahl der Planetenauf- nohmcn während der Zeit betrag rund 250.000. $an0rejepte Glanzsleck« reibe ntan mit einem Schivau.m und einer Mischung von gleichen Teilen Salmiakgeist, Wasser und Spiritus ein, halt- sie dann über Dasserdampf und bürste sie roährend des Durchdampfens mit einer rauhen Bürste gut auf. Haarbürsten erhalten ihre ursprüngliche Härte fast lvioder, wenn man diese in«ine Lösung von heißem Master und Alaun taucht. Teeslecken aus Tischtüchern lasten sich lcich: befengeu, wenn man auf diese sofort Sah streut, einige Zeit darauf liegen läßt und alsdann den Gegenstand mit warmem Waster auswäscht. 50.000 Selbstmord« jährlich in Europa. In Genf wurde dieser Tage die offizielle Selbstmordstatistik in den europäischen Staaten veröffentlicht. Aus dieser gehr hervor, daß in Europa durchschnittlich 50.000 Selbstmorde jährlich verübt werden. An erster Stelle stehen Ungarn imd die Tschechoslowakei mit 26 Selbstmorden auf 100.000 Einwohner, dann folgen Deutschland mit 23, Oesterreich mit 22, Frankreich mit 17, Mland mir 15, Schweden und Dänemark mit je 14, Finnland mit 11, Großbritannien mit 10. Italien mit 8, Holland mit 0, Norwegen mit 5 und Spanien mit 4 Selbstmorden auf 100.000 Einwohner. Ms Hanptursachcn werden angegeben materielle Ror, Religiosität, Verzweiflung infolge unheilbarer Krankheiten nftv. Di« Selbstmorde ans unglücklicher Liebe sind in der Nachkriegszeit bedeutend zurückgegangen. Treilausendjähriqe Wetzenkörner noch keimfähig! Wie die„Times" aus Edmonton in Kanada meldet, haben die Versuche, die mit der Aussaat der im Grabe des Königs Tutankhamen gefundenen, mehr als 3000 Jahr« alten Wetzenkörner gemacht wurden, zu einem guten Ergebnis gefiihrt. Die Aussaat wurde in dem für die Ent- wicklurtg von Wetzen günstigsten Teil von Kanada, in der Provinz Alberta, nahe deut South Cooling-Tee, Vorgenommvn. Die erste Ernte tvar mrr gering, erbrachte aber immerhin den Beweis, daß die Wctzenkörner durch di« Jahrtausende ihre Keimfähigkeit nicht eingebüßt hatten. Die Kveite Aussaat hat dagegen ein überaus günstiges Ergebnis gebracht und vor allem auch die Unterschiede des ägyptischen von dem kanadischen Wetzen klar hervortreren lasten. Die Halme, die aus den Körnern zu beträchtlicher Höhe e»tz>orgcU>achson sind, unterscheiden sich von den. auf demselben Feld« gewachfencn kanadischen Weizeichalinen, da jeder der ersteren zwölf fächerförmig angeordnele Spitzen trägt. Die Triebkraft in dem jahrtausendealten Weizen war noch so groß, daß dir einzelnen Halme bis zu 150 Körner irügen. Da» aus den Körnern g:- wonnene Mehl ist weir feiner und zarter als das einheimische kanadische und daher weniger zu Brot als zu anderen Teigzweckcn und Backwaren geeignet, denen man einen besonderen Wohlgeschmack nachrühmt Zigarrenanetdotrn. Der berühmte Wiener Komiker und Lust- spicldichter Restvoy mußt« einst in einem oft gespielten Kastenstück einen Scknorrer spielen, der von einem reichen Protzen eine Zigarre geschenkt bekommt, die er bann ichmnngelnd in die Tasche zu stecken hatte. Daß diese Zigarre keine Zigarre» sondern ein Bühnenrequisit anS Hotz war, ärgerte Restroy sehr. Er beschloß, sich an deni geizigen Thraterdirckior zu rächen. Beim nächsten Mal ließ er die hötzerne Zigarre mit gut gespielter Ungeschicklichkeit klappernd zu Boden fallen und cnrfestrltr sodann wahr« Lach- stürnie dadurch, daß«r seinen Partner trocken fragte:„Entschuldigen Sie. was kostet denn ein Klafter von dieser Sorte?" „Mso, mein Lieber, Tic leiden an nervöser Magenverstimmung. Ich habe Ihnen hier ein« genaue Diät ausgejchrirbeu, und dann, merken Sic sich:„Kein Alkohol und drei leichte Zigarren täglich, je ein« morgens, mittags und abends, aber auf keinen Fall mehr! In vier Tagen kommen Sie wieder heran."— Bier Tage später. „Run mein Lieber, wie fühlen Sie sich jetzt?" „Schon etwas brssre Herr Direktor; bloß könnte» Sie mir nicht di« 8 Zigarren täglich erlösten? Mir wird jedesmal so übel, ich bin nämlich Nichtraucher!" Ein Parieut wurde von einem Arzt gefragt, wieviel Zigarren er täglich rauche. Er antworte: wahrheitsgemäß:„Secks".„Sie dürften höchstens drei rauchen", verordnete darauf der Arzt. Der unglückliche Paticnr wandle sich nunmehr a:: einen anderen Arzt, der ihn ebenfalls fragte, wieviel Zigarren er täglich rauche.„Zivölf", log der Patient. Dann dürfen Sie höchsten» s:ch» rauchen", crwidert« der Arzt und tief brfriedizr ging der Patient nach Hause. Ter Bräutigam raucht« die ihm vom Schwiegervater gespendet« Zigarre. Die Brant sagte:„Schatz, ich finde es Entzückend, wenn Du rauchst. Du sichst dann so männlich aus." Der Bräutigam erwiderte:„Liebling, Du würdest nicht männlich sagen, sondern heroisch und hel- denhast, wenn Du wüßtcst, was für ein Kraut Tein Baler mir da angeboren hat". Silbenrätsel. a ba buk che dan di du dy» c c ei ei en: fcl galt gc g« gcl haup Hein i im isch ka kind lau le lei li mir mus na nach nams nan nat ne ner o or pc Phra re resk rich rin sä scc sen si söfs sich ta te te ter chen ti tim tion tu tnng va wi. Ans obenstchrnden Silben sind 23 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, letztere von unten nach oben gelesen, rin Zitat von Heine ergeben,(ch gilt als ein Buchstabe.) Die Bedeutung der Wörter ist folgende: 1. arabischer Fürstentitel, 2. Arbeitsgerät, 3. alter Sachsenherzog, 4. griechische Stadt, 5. Au», druck für mangelnde Abwechslung, 6. Fremdwort für ritterlich, 7. Soldatcnliigend, 8. Wandbcklei- dung, 9. männlicher Borname, 10. Landenge, 11. Rordpolsahrer, 12. Frauenname, 13. Vorname eines deutschen Älastikers, 14. italienischer Dichter. 15. Deutsches Gebirge, 16. Singvogel, 17. altchristliche Kirche, 18. ungiftige Schlange, 19. altes Heldengedicht, 20. Stadt in der Sahara, 21. schlechtes Getränk. 22. gewaltsame Todesart, 23. Ttadt in Schlesien Auslösungen der Rätsel aus der vorigen Nummer: Abftrichausgab«: A(rg)us, Qua(rta), lAail, Und(in)e, L(ag)e, Jdscal), Eu(le),(Tisjch, Zu(nd)rr, H«b(rid)en,(Ju)das,(Kl«)ist, Da(vo)s, Zi(ll«),(Äb)el,(Mi)das, Wi(llr), R(öm)er, St(eue)r,(Th-eben— Aus Qual und L«id euch zu«rbeben, das ist da? Ziel, das wir rrstr«b«n.