-ür. 16 UnterSaltnnstfMiage.» 1926. Der LsGS meines Urgroßvaters. Don ebotoplut<5ed>. Mein Urgroßvater, feine rzeir erster Schreiber auf dem Herrsthaflsguk i» S.»n Nordroestböhmcn, trat am 31. März des Jahres 1792 in das AnttshciLg'um seines Prinzipals, des Herrn Direktors— er war den Tag vorher als Verwalter des benachbarten Gutes ernannt worden— und brachte mit stotternder Rede die untertänigste Bitte um die Hand seiner Tochter, des Fräuleins Antonio. vor. Der alre Herr zog die Augenbraue» enger und blickte strenge auf den Bittsteller. Doch ließ irgendein leichter Schimmer in jei- ncin Angesicht vcrra'en, daß jenes Gesuch weder für ihn überraschend kam, noch sonst unangenehm war. „Ei, ei, ei!" riet er mit gemachter Verwunderung. Wir haben also Zweifellos schon mit Antonio ein Liebesverhältnis angespon- neu, ohne daß der Vater davon eine Ahnung hatte. Oh, oh, die heutige Jugend! Oh, diese neuzeitlichen, gottlosen Roniane!— Und|o rasch, wir haben also bloß auf die Verwalier- schast gewartet, damit wir uns ins eheliche Joch einspannen können!— aber vielleicht wird es mir dennoch vergönnt werden, betreffs dieser Sache eine Nacht zu übcrschla- fcn und morgen— morgen!" Er verstummte und überlegte. Sein Gesicht hatte sich vollkomuien ausgeheiterr. Ilm seine Lippen spielte ein fröhliches Lächelt!. Er erinnerte sich, daß morgen der erste April war. Diesen Tag widmete er einem alten Brauch gcinäß ausschließlich seiner Belustigung auf Kosten der Mitglieder seiner Familie. seiner Schreiber und des SchloßgesinüeS. Vom frühen Morgen an eilten stets am ersten April Boten vom'Schloß nach allen Richtungen in die nähere und e n tfc ritte re Umgebung wegen der verschiedenartigsten, uuniöglichsten Dinge, und wenn sie erschöpft mit verlegen grinieitden Gesichtern zum Rapport zuruck« kehrien. lachte der alle Herr, daß ihm die Helle» Träne» über die Backen stoffen, und die Perücke am Kopfe tvackelte. Als er nach einem Weilchen aufschaule, las er auf dem Gesichte meines Urgroßvaters, daß dieser seine Gedanken erretten hatte, uitd deshalb sagt« er ganz ohne Umschweife: Run ja, morgen ist der erste April und dieser Tag e:gnet sich nicht für derartige ernste Anqcle- genheiten. Uebrigens eilt di« Sache überhaupt nicht. Antonie wich im Mai erst 19 Jahre alt, sie har also zum Heiraten noch genug Zeit. Wenn sich die Umstände nicht ändern, so in zwei, drei Jahren" So ei» Ausschuß paßte meinem Urgroßvater aber ganz und gar nicht. Er wagte es, auf die Glu-warme seiner Liebe hinzu.vetsen und auf die brennende Sehnsucht, die er schon an die zwei Jahre im Verstecke seiner Brust henrnitrug. Doch der Direktor sprach mir einem Nachdruck, der vo» der Nnbeugsamkeit fc'nes Willens zeugte: Ich habe gesprochen und damit basta! Wenn die Flannne dieser Liebesglut so mächtig ist, wie wir behaupten, wich sie auch di« zwei Jahre noch überdauern. „Uebrigens", fügte er nach einem Weilchen überlegen mit schelmischem Lächeln hinzu, „der Herr möchte die Hand ssincr Ause, oähl- ten mrr so spielend erlangen. In früheren Zeiten mußten sich die Ritter solche Preise in schweren Prüflingen und durch kühne' Heldru- taten erringen... Run, ich weiß wohl, daß die gegenwärtigen Herrchen nicht mrt Lanze und Schwert nmzugeben wissen, und daß sie nur mir ihrem Geist glänzen. Jahr fiir Jahr habe ich den Herrn am ersten April angeführt, wie ich nur wollte, nun denn, versuche Er es jetzt einmal, ob er mir gewachsen ist. Gelingt es Ihm, daun wollen wir gleich morgen die Verlobung feiern, und so Gott will, binnen kurzem auch die Hochzeit." „Aber, wie sollte ich mich de>m unterstehen—" „Ich er eile hiezu dem Herrn hienlit die regelrechte Erlaubnis. Einmal niöge es der Herr morgen versuchen,— aber notabene: nur ein einziges Mel. Sollte Ihm wider Er- lvarten dieser Berftich gelingen, so werdc ich mein Wort halten. Punktum!" Am andern Tag in der Früh saß der alte Herr ohne Perücke im Schlafrock hinterm Tisch, a>lf welchen Fräulein Antonie eine geblümt« Schale voll Schokolade stellte. Da ließ sich ein zaghaftes.Klopfen an der Tür vernehmen und nach einem mürrischen„Herein" des Herr» Direk'ors huschte der eckige Pförtner nut einer tiefen Verbeugung ins Zimmer. „Was gibls denn so zeitig?" wetterte der alte Herr auf ihn los. ,Jch bitte ergebenst. gnädiger Herr, es ist vom Herrn Förster ein Bote mit einem Lachs angekommen." „Mtt einem Lachs? Mit was für eine« Lachs beim?" „Ich bitte ergebenst nut einem Lachs. Er hat ihn in der Kanzlei dein hochgeehrten Herr« (so lautet die Titulatur meines Urgroßvater-) abgeliesen und dieser beliebte mich hieher zu entsenden, damit ich es dem gnädigen.Herr« milteile." „Ah, ah! Also der hochgeehrte Herr hat Ihn hieher gesandt. Seht euch einmal an— aha!" Der alte Herr stand auf und indem er dem Pförtner scharf in die Augen blickt^ fragte er strenge:„Und haben wir ihn gesehen« ick) meine diesen Lachs?"(Der Direktor liebte cs, jede» in der ersten Person pluratis anzusprechen.) „Ich selbst habe ihn nicht gesehen. Aber der hochgeehrte Herr äußerle sich, daß er geradezu ein Ries.'nker! sei, und daß er zeitlebens noch keinen so große» Lachs gesehen hätte." „Und ich habe zeitlebens noch keinen st» großen Dumuckopf gesehen Ivie wir einer sind — verstehen wir?" schrie der alle Herr de« Pförtner an.„Und dem Herrn Verwalter wollen wir bestellen, daß ich chm diesen ganzen Lachs als Präsent überlasse, und ihm dazu einen guten Appetit wünsche.— Nun. was gaffen wir denn da noch, heda!" Nachdem der erstaunte Pförtner tvegge- gangen>var, rieb sich der al:e Herr die Hände und iächelie zufrieden, wobei er vor sich hin- brunmue:„Mit so etwas ivill er mir kommen! Wen» seine Liebe so groß ist wie je:« Mutterwitz, so rvird Antonie nicht gerade einen bedeute»den Treffer gemacht haben. Jahaha! Einen Lachs! Wie käme denn nufer Förster zu einem Lachs! Vielleicht hat er ih« in unseren Pfützen gefangen!— Ater gut ist cs>o! Antonie ist ohnedies zum-Heirate« viel zu jung." „Höre Antonie", ivandte er sich an diese, „bring mir die Sonu'agsperücke und de« Rock; ich werde der Amtshandlung beiwohnen." Wie man sieht, hatte der Lachs meines Urgroßvaters tveirig<'>!ück. Und leider folgte noch eine schlimmer: Sache. Als Antonie aus den« Ziittiner weggegangeu war, schritt der alte Herr im Zimmer auf und ab und dachte sich, daß mein Urgroßvater heute seinen Nn- lergebeneu bei der Amtshandürng wohl kaum eine besonders freundliche Miene zeigen werde. — 2— Und schon der nächst« Augenblick bestätig:« seine Vermutung ans«ine unerwartet« Weise. Man vernahm aus der Kanzlei das zornige Geschrei des ersten SchreiL»-r«, di« Bitten des Robotfröners, eines leibeigenen Pächters, das Geräusch einer Bank und gleich darauf hagelte «s Schläge mit einem Haselstock wie mit einem Dreschflegel auf ein« Tonne. Mit diesen Tönen vernlcngte sich das laute Wehgcschrei des Armen, an dem die Ercdrlion vollzogen wurde Dem Herrn Direktor bräunte die Stirn vor Zorn. Tas überstieg alles Maß! Die getäuschte Hoffnung des Schreibers soll'e»er arme RobotEchtige wahrscheinlich wegen irgendeiner Kleinigkeit abbüßcn— vielleicht sogar ganz unschuldig. Und ohne seine— des Direktors— Erlmibnis und Ermächtigung! Er riß mit der Glocke Gedanke, hart von Zwang erfüllt..-. Mein Bruder, Freund: Ich bin Prolet wie du Und ächze bitter uuterut Joch der harten Pflichten, Uitd dieses aufruhrwitde Her; kommt erst zur Ruh, Wenn es im Streit mit sich, im SeKft-vernichien Sich tattsendfach befrist, bezwungen und bewahrt; Wenn aus dem Ich das heilige Wir gewogten, Wenn cs a'Kin Gemeinschaft nur begehrt, And wir erstürmt der Zicknust dünkte Pforten,' Rostignäc, Eine Nacht in Venedig. Von I. Ad. Arcnnes. Als der Schuß verhallt war, stand Gniseppe «stten Augenblick still lend horchte in dir Finsternis hinein. Er hörte einige wackelnde Schritte; gewahrte eine dunkle Gestalt, die eine Steintreppe hituinterrollte und zusammenfie!. Dann wurde es ganz still. Rur das schwer«, mattschim- mernde Wasser des Kanals schlug sattft gegen di« Mauer. Da wurde ein Fcnster geöjsnet. Gerade über seinem Kopf nnd eine ängstliche Frauenstimme flüsterte: „Bist du's, Guiseppc?" Uiu> gleich darauf stagre auch eine jünger« Stimme zitter-.Ä und tränenerstickr dasselbe in die Nacht hinein. „Vater, was Ist geschehen?" Gniseppe antwortet« nicht. Sein Gehirn arbeitete rasetck). Wen in aller Welt hatte er erschossen? Diesen oder jenen Dieb? Vielleicht eine«- Mörder? Wäre er fünf Minuten später gekommen, hätte er vielleicht seine Frau und seine Tochter als Leichen gefunden! Er ging hinauf und warf seinen Revolver auf«inen Tisch Er fühlte sich außerordentlich erschöpft und schwach. ,Lör«t ihr denn nichts, bevor ich kam?" frag:? er die Frauen. Bride schüttelten verneinend den Kt^f. „Nein!" Gniseppe erzählte: „Als ich die Tür össtiete, iah ich wie sich «n schwarzer Schauen gegen die Wand drückte. Ich rief irgendwas und cs schien mir, als ob der andre sich dazu anichickte. sich auf mich zu stürzen. Run ist er tot— dieser Schurke!" „Wer kann es nur sein?' sragre der Mörder klanglos, und die Tochter meinte: „Wir müsse» zufehc», ob er wirklich:or:st!" Alle du: gingen sie hinunter. Gniseppe wendete das Gesicht des Torett dem Lichte zu. Beide Frauen schrien auf, wie aus einem Munde: „Maria!" Beide fielen sic schluchzend bei der Leiche nieder. „Ihr wußtet also, daß er hier war?" Gniseppe richtete sich auf und dachte nicht mehr darcit, daß er gemordet hatte Ein furcht- lmrer Verdacht bemächtigte sich seiner. Dieier Mann Ivar allo in seinem Haus« ein- und auS- gegaitgen! Sie betrogen ihn— wer von den beiden? Beide etwa? Seine Fra», die er liebte, und — 4— seine Tochter, die er erzog! Und er— der sich eingebildet hatte, Herr seines Hauses zu sein! Er packt« jede am Arm und befahl ihnen drohend, di« Wahrheit zu sagen. „Was soll ich denn sagen, Grrffdppr?" sprach di« Mutter weinerlich,„Ich weiß genau so viel, wie du!" Und die Tochter jammerte: „Warum peinigst du mich, Bater, ich schwör« — ich Weitz nichts!" Guiseppe beugte sich über den Loten. Er untersucht« die Taschen, laS di« Papier«, die in seiner Brustlaichc lagen. NichiS. Tann sah er verbittert auf.—„Nicht einen Schlüssel besitzt er! Einer von auch nuiß ihn also hereingelaffrn haben! Aber wer von euch? Du? Du?..." "Ikber di« beiden fchmcrzverzerrten Gesichter verrieten nichts. Da begriff Guiseppe, daß er mit diesem fremden Manne auch die Wahrheit getötet hatte. Vielleicht konnte er die Frauen zu«inem Geständnis zwingen. Aber— gestand auch wirklich die eine— rät« sie es nicht nur, um die andere zu decken? Lüge und Verrat hatten sich in sein Hans cingeschlichen— wie«in unheimlicher Toter... Guiseppe ging langsam die Treppe hinauf. Er ergriff den Revolver und richtete ihn auf seine Schläfe. Ein Schutz krachte. Darauf trat Still« ein. tltnr das schwarze, bleischwer« Wasser schlug dnnips gegen die Mauer des Hauses. Wer weiß das? Das Taschentuch kam zuerst in Venedig auf. Und zwar zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Erst in der Mitte des 17. Jahrhmü»ertS wurde eS in Deutschland eingeführt. Damals dient« es als Luxusartikel. Mit der Verfeinerung der Sitten wurde es glücklicherweise Gebrauchsartikel. * Ein Eisberg, der 100 Meter über dem Meeresspiegel cmporragt, tauch, um das Siebenfache «einer oberen Länge in das Meer hinab. In Sürrciiischland har mau für„schlafen" die hübsche llrnschrcibimg„die Augrndeckel von inne« anscktancn". Hans Sachs, der„Schuhmacher und Poet vazu" soll«in großer Katzenfreuud gewesen sein. Er wurde auch von einem Zeitgenossen mit einer Katze auf dem Pult gemalt. In einem Bienenkörbe befinden sich im Sonnuer zwischen 10 000 bis 20 000 Bienen. * Ter beste Tee kostet in China nur rund 25 Pfennige das Pfund. Onkel Sam(englisch: Uncle S