3*r. 17(imerOattmiadtetiage. 1930. Krauen am Wenn Mc gtaucn in den Mailag gehen. Leuchtet mütterlich der Sonnenschein. Denn sie trugen junge- Anjerstrhen In die Stadt and Stahl und Qual und Stein. Wenn di« Frauen ihr« Kinder schmücken. Flammet aus da- schlichte rote Band, Denn der Hände liebende- Beglücken Rächt zu« Reichtum allerärmsten Tand. Selbst da- Plaster trägt gerührt die Fähe, Dir nach Wiesen«inst und Tanz sich sehnten, Rach der Gärten blumenreicher Zäh«... BiS die Tore der Fabriken gähnten. Tag sür Tag in bleiern schwerem Flug« Rot und Werk und blasse Mutterschaft— Und nun gehen sie im grasten Inge. Und sie fühlen wieder neue Kraft. Wenn sie mit den dunklen Massen singen. Gläubig fingen van dem ersten Rai, Hebt die Heist« Sehnsucht ihre Schwingen, Und di« Menschheit steht sich stark und frei; Brun» Schöulank. Gesang der Amsel. Wenn wir„Erster Mai" sagen, so gehr uns mir unbeding.er Notweirdigkcir zweierlei durch den Kopf. Entweder der Vers vom wunderschönen Monat Dkm, als alle Knospen sprangen, oder die Tatsache, daß wir den Festtag der Arbeit feiern. Man tvürde annehmen, daß Liebe und Arbeit sich gar nicht reimen. Ich schau' in den Garten, in dem di« Amsel pfeift und vor Freude schmetternd behauptet, daß„bte Liebe aufgcgangen sei". Atorgeu oder übermorgen werdcn in ihrem 9keste drei oder vier fkaumbcdeckte, großköpfige, in ihren Augen sehr schöne Junge l>e rumkrabbeln und für die liebe,«tcherwippendc Amsel wird cttvas beginnen, was wir Menschen eine verfluchte Schinderei nennen. Bon der Morgenröte bis zum Abend wird sie Würmer aus der Erde ziehen, Kohüvcißlingen die Flügel obknabbern, Fliegen jagen, um alles in die kreischenden, kleinen Ungeheuer zu stopfen, die sehr lebhaft bekunden, daß die Liebe aufgegangen ist. Bon der Liebe zur Arbeit ist's nicht weit; nur ein kurzer Sprung von der begeisterten Lebensschöpfung zur geduldigen ein:- gcrmaßen Prosaischen Lebenserhaltung. Man könnt« sagen, daß die Arbeit von der Liebe geboren wurde. Wenn wir uns in unserem sozialen Ge- fi'chl nach der Natur richteten, so hüpften an d:cscm Feiertag die Festredner, ähnlich den schwarzen Amseln, auf ihrer Estrade herum und würden aus voller Kehle schön Pfeifend oder singend folgendermaßen sprechen: ,Lst» das«ine Schinderei, wenn man sich und andre I ernähren muß: ist das eine Jagd, rvas? Aber I Von Mail Gapet was soll man tun, das Leben ist ein verflixtes Geschenk, wir muffen cs bezahlen. Und wir bezahlen mit Arbeit. Sorge, hie und da mit Schmerz'. Was nutzt das alles, das Leben:st eine teure Dache, die uns telier zu stehen kommt. Wenn wir schön und würdig die Arbeit feiern wollen, so müssen wir vor allem das feiern, was wir dafür erkaufen; wir sollten heute das Leben feiern und verherrliche»; wir sollten die schrvcre und wunderbare Tatsache feiern, daß wir auf der' Welt sind. Tas Leben ist ein schwerer Sport, etwa so, wie wenn wir einen Felsen erklimmen sollen. Manchmal machen wir halt und denken, daß wir nicht mehr weiter können; wir sind erschöpft, wischen uns den Schweiß von der Stirn und brmnmen, daß uns der Teufel diesen Weg schuldig war. Aber da wir irotzdem fast alle ausharren und die Anstrengung fortsetzen, so ist es ein großer und geheimnisvoller Beweis, meine Lieben, daß das Lebeit dafürsteht. Wenn wir auch tausendmal stür. inisch protestieren, so entsagen wir nicht, solange wir nicht entsagen müffen. Wir gebären weiter Leben, um ine schöne und verfluch»: Dache tveiierzugeben. Man kann gewiß:in allgemeinen Schönes von der Arbeit sagen; die Vorstellung von Millionen Arb.itcnden ist erhebend; aber es ist eine andre Sache, sich die eigene, im Lause des Jahres verrichte'.« Arbeit vorzustellcn. Sich die Arbeit vorzustellen, di« der Mensch im Laufe seines ganzen Lebens verrichtet hat, ist ein nach ganz atldrer Richtung erhebendes Bild als di« Borstellung der arbeitenden Welt. Du hast soundso viel taufend Ziegel ausgeladen, du hast soundso viel Kilometer Leinwand gewebt,-u hast soundso viel Faszikel Schriften verarbeitet, da hast soundso viel Tonnen Kaffe« oder Satz aufgeteilt. Die geduldige, unendliche Eintönigkeil der persönlichen Leistung zeigt erst, was der Mensch dafür bezahlt, daß er lebt. Der Wen der Arbcn wird da nicht mehr an der Gemeinsamkeit der Aroeitenden, sondern an der persönlichen Geduld und fruchtbaren Ausdauer eines jeden von uns gemeffen. Ein Heer von Arbeitenden ist«ine schöne Sache: doch wenn ihr die Arbeit feiern trollt, so denkt an das unendliche Werk eines jede« einzelnen. Denkt nicht nur an die Millionen Hände: an jedem Ländepaar hängt ein ganzer und lebender Mensch, der mit Lust atmet, gern ist, Frau und K'tidcr ha» und di« ganze Last des Lebens so lange als möglich schleppt. Feiert nicht die Hände, feiert Tausende von menschlichen Leben. Wenn wir nicht nur vou Millionen Arbciteickten, sondern von Millionen Leben und Ernährern sprächen, so würde dieser Festtag der Arbeit von Kinderklappern, von Tanz und Musik widerhalleu. Jeder würde seine Erwählte, fiir die er arbeitet, am Arm sichren, und seine Racker würden den richtigen Festzug der Arbeit hinter ihm bik- dcn. Zehntausend finstere Männergesichter, die im Zug dahinziehen, versinnbildlichen wohl die Last, versinnbildlichen aber sehr schlecht das Leben; denn das Leben ist weit schwerer und weit henerer, als es in dieser düsteren Feier der Arbeit versinnbildlicht würde. Bei solchen seierlichen Anlässen nennt — F— nian sie arbeitende Menschen als wären jse nichts andres und nicht mehr. Wenn ich|ie in der ganzen Kompliziertheit, der ganzen Schönheit und Schwere ihres wirklich«, Lebens ansprechen sollte, so müßte ich meine Rede etwa so beginn«,: Arbeitende, essende und trinkende, heiratende, kinderzeugcnde, frohe, Väterfiche mid mütterliche Menschen. Ledige und Beweib'e, Mittel und Mädchen. Liebhaber w,d alte Gesellen»iw. Ich müßte sic alle int besonderen bei ihren Minen nenne» und dürfte nicht einen auslaffcn, denn an jedem von ihnen ist viel Wichtigeres als die Tatsache, daß er arbeitet. Dieser Feier'ag soll eine Feier des Menschen sein. Wir feiern die Arbeit, feiern aber nicht den Mann die Frau und die Kinder, obwohl es eine heilige Wahrheit ist, daß wir nicht arbeitende Menichen wären, wenn wir nicht Männer und Frauen mit allen besonderen und dramatischen Folgen wären, die daraus entstehen, daß wir es sind. Ich kann es nicht mehr verschweigen: Die Liebe ist es, die uns das Leben mi» all seinen Plackereien ringcbrockt hat; im Grunde stöhnen wir unter der schweren Last der L ebe. Freunde, an diesem hohen Festtag müssen wir von der Liebe sprechen. Doch in diesem jluqenbfick har der schwarze Redner wirklich Flügel und hüpft statt auf der Estriche, auf einem blüheichen Apselgweig auf und ab. ES ist eine Pfeifende Amsel; und ihr Mailied ertönt entfeint von der menschlichen Menge. Der Ottanti Zorn Springfield. Bon Max Dortu.< Die blanken Sterne, sic knister» hoch am Himmel. Nacht über Kalifornien. Die Berge. Hörst du Wasser rauschen? Das ist die WrIle gegen' den Sraudauin,. Ein Tal— ein sehr enges Tal— ein Canon, das Canon Sama Clara, da hindurch ein Flüßchen— in seinem freien Laufe wird es gehemmt, gehemmt von Menschenhand— das Flüßchen muß ein See werden— ein riesiger Stauda mm weiger, den Wässern freien Ablauf— über den künstlichen See flitz, Nachtwind, der von den kahlen Berge» herabspringt— er wirft Welle um Welle gegen die Mauern des Staudamms. Nacht. Hu, die Eule— der unheimliche Schrei der Slekn- cule— dreizehnmal schrie die Eule— da— da geschah das Unglück— das cingesangene Wasser bereite sich— es sprengte den Srau- damm— und ein Donnern und Brechen und Bramen erfüll! das Canon Sama Clara. Wehe'. Die Wassergeister sind frei: sie wollen zerstören — zerstören jegliches Gebiid von Menschenhand — die schäumenden Fluten stürzen durch Tal — zerstören die Siedlung El Rio— reißen mit einem einzigen Jprimge das Kraftwerk Rew- Hall hinweg— blasen alle irdischen Lichter aus — nur am Himmel— die ewigen Lichter, die brennen Weiler, die blanken knisternden Sterne, tue Sterne über der heißen südkalifornischen Märzennacht. Alles Gebilde von Menscheichand— ist mm von den revoltierenden Wassergeistern zerspreng,. lind die Menschen selbst, wo sind sie? Als der Morgen seine rosigen Augen öffnet— da fiehi er das Tal Sama Clara als wogendes Waffertal. Immer noch strömen die Fluten: ein acht Kilometer langer, künstlicher See zerstießt zwischen engcu Felswänden— hat alle Kultur zerstört— hat Hunderte von Men'chc.i ertränkt— wenige Lebende nur retteten sich— auf die Berghänge hinauf— wo andere kleine Siedlungen vom Wajsersturm verschont blieben. Und nun singe ich das Heldenlied des Mannes Tom Springfield. Tom Springfield war Arbeiter der Edison-Light-Company, ein Lichtbringer war er, von der Krastflanon New-Hall. Er war auf Nachtwache, als die Wasserfluten donnernd den Staudamm durchbrachen. Er sprang— vom tosenden Lärm gerufen— ins Freie— da sah er vor sich ein Blitzen und Schäumen— was ist das? Aber schon versteht er— schon hebt ihn ein mächtiger geheimnisvoller Arm— haushoch ist er gehoben— hinweg gehoben über die Dächer des Kraftwerkes. Ho! Ein harter Schlag— die schäumende, quirlende Wasserhand wirst den Tom Springfield auf Felsboden— di« Wassergeister wollten nicht seinen Tod— er sollte leben— und er lebt— nun stehl er auf den Beinen, um seine Füße sprudeln tausend Perlen— ein Schäumen, ein Funkeln— aber, wo ist das Kraftwerk— nur Ruinen ragen aus dem Wasser aus— und diese Ruinen sah die frühe Morgensonne. Trari-trara-trarot! Die Sonne bläst in ihr Weckhorn— lebende Menschen, schnell herbei— rettet euresgleichen— helft, wo noch zu Helsen ist! Alarm. Die Sonne ruft die lebenden Menschen zur Tat. Schaurig, zu sehen— wie eine ganze blühende Landschaft,»och gestern war sie blühend — wie diese Landschaft begraben ist— begraben unrerm gurgelnden, schlammigen Wasser. Tom Springfield bindet sich einen Hanfstrick nm den Leib— er springt in die gurgelnde Flut — was will er— will er dem Tode noch einmal in die Anne? Tom Springfield will Helsen. Drüben— auf den Ruinen vom Ärafnverk— da hofft' noch menschliches Lebe»— angeklam- mer, a» Siahlgestänge— Reste der Turbinenhallen— eine Berbindung zwischen Felsufer und dem bedrohte» Leben da drüben muß schnell geschaffen werden— gierig lecken die grüngrauen Wasserzungen um die Leiber der mit dem Tode Ringenden. Oberhalb der Ruinen von Rew-Hall sprang der Tom Springfield in Schaum und Schlamm— mit starken Armen bricht er sich schwimmend den Weg— halb rräg: ihn die Flut— halb überwindet feine Energie den treibenden Strom. Tom Springfield, dn Held, glückaus! Nun bist du drüben— du hängst im Stahlgerippe der Ruinen vom Kraftwerk— die Berbindung zwischen User und Stahlinsel ist da. Am dünne» Hanfseil wird am Ufer ein stärkeres Seil befestigt. Fertig! Zieht nun— ihr im Wasser, chr auf den Ruinen— ziehet, ziehet, ziehet. All right. Alles ging gut. Tom Springfield schlingt das Ende des starken Seiles um einen Stahlbaum— so! Eilt euch, ihr bedrohten Lebenden, werdet wie Spinnen: rutscht, kriecht, krabbelt— arii leitenden Seile— hinüber zum User. Da erwarten auch bangende Herzen. Der Mensch zittert um den Menschen. Die Sonne am blauen Himmel hielt den Atem an— dreißig sind nun drüben— dem Wasseriode aus dem brausenden Rachen gerissen — nun sind vierzig drüben— nun kommen die letzten acht siebeiuindvierzig sind an Land — jetzt du, du Retter Tom Springfield. Und als Letzter schwebt der Tom am Seil— ein müdes Lächeln auf dem Antlitz— Tom, gut Glück auch dir, die Sonne reicht dir die Hand— da! O Unglück, das Seil riß Aus der Tiefe der schlammigen, brausenden Flut griff eine schwarze Hand auf— der Tod. Der Tod zog den Tom Springsield hinab in daS grausige Grab— hinab zu dreihundert anderen Leichen. Tom Springfield: siebenundvierzig Menschen hast du gereitet— dafür aber verlangte der Tod dich. Und wenn ich nun frage: wurden dwse siebenundvierzig Menschen zn teuer bezahlt, was werdet ihr mir dann antworten? Ein Mensch bezahlt mit seinem Tode das Lede» van siebenundvierzig anderen Menschen, was heißt daS? Tos heißt: Der Mensch ist gut— gebt dem Menschen Gelegenheit, edel und hilfreich zu sein — und er wird es sein! Tom Springsield ist wieder en, Beispiel, daß wir an den Menschen glauben können. Heule war Tom der Helfende, morgen oder übermorgen wird irgend ein Unbekannter in Indien oder Europa oder in China, in Polynesien oder ,n Afrika— der sich freiwillig fiir den Mitmenschen Opfernde sein — das dürfen wir aus Erfahrung glauben. Und dieser Glaube an das Gute int Menschen, der gibt uns Kraft— Kraft: die Härte der heutigen rücksichtslosen Kapitalszeit zu überwinden. Schani auf den Himmel: dort seht ihr ein ziel- weisendes Denkmal, die Freundin Tonne meißelte in blauen Granit dieses goldene Wort: „Ton, Springfield, der Mann vom Canon Santa Clara!" Der Teufel und der Steuerempfänger. a,ttge flüg,„ und 9000 andere Insekten. Die Gesamt- Fluche gegen die Zarcicherriibafk ausstieg, als>—------1- nach der ersten Wäsche die Hcurdchen von der Zarin sich in Fasern anflösicu. Unv dabei sind ja elf Jahre natürlich ver- gonge»»— lächerlich, da irgendwelche Ansprüche stellet» wollen. Wie schnell doch die Zeit vergeht, meine Lieben. zahl der heule bekannten Tierarten wird auf 465.000 geschäht. Dabei gib» es allein unter den Ameisen G250 Arien. Doch auch die Pslairzei» erreichen beträchtliche Ziffern. Bon höheren Pflanzen waren 1917 149.500 Arten bekannt; dazu kommen 50.000 Pilze und rund 22.000 Algen. Moose u»»d Farne. Immerhin erreichen die Pflanze»» mit 220.000 Arten noch nicht dir Hälfte der Zahl der bekannten Tierarten. 4700 verschieden« Lchneekristallr. Jeder, der einmal den Schnee genauer beobachtet hat, wird bemerkt haben, daß die Kristalle, aus den«» er besteht, die mannigfacksten Formen oufweisen. Das hat einen amerikanischen Forscher, namens W. Benchley, veranlaßt, seit mehr als 40 Jah ren alle Schneekristalle, die ihm zu Gesicht kamen, zu photographieren. Sei»rc Sammlung 127. Alt, 28. Rad, 9. Gad, 29. Heron. I enthält bereits mehr als 4700 Bilder, von denen 131. Rom, 32. Gas, 33. Nase, 34. Elle.